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Wenn Antarktis-Schlagzeilen schneller dahin schwinden als das Eis

24. Mai 2026 um 12:10

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Anthony Watts, The Heartland Institute

So vorhersehbar wie der Sonnenaufgang ist es wieder einmal eine atemlose Schlagzeile, die davor warnt, dass die Schelfeis-Gebiete der Antarktis schneller schmelzen als gedacht, dass der Meeresspiegel unsere Küsten überfluten wird und dass Millionen Menschen eine Zukunft unter Wasser droht. Die jüngste Berichterstattung der Daily Mail über norwegische Forscher, die das Fimbulisen-Schelfeis untersuchen, ist ein Paradebeispiel dafür, wie seriöse und wirklich interessante Wissenschaft durch die Klimakatastrophen-Maschine der Medien gejagt wird, bis alle Nuancen vollständig zermahlen sind und nur noch Panikmache übrig bleibt.

Die Entdeckung tiefer Kanäle unter dem Schelfeis, die warme Meeresströmungen einfangen und das Schmelzen an der Basis beschleunigen, ist eine neue Erkenntnis und stellt seriöse wissenschaftliche Arbeit dar. Was jedoch nicht seriös ist, ist der Sprung von „Wir haben etwas entdeckt, über das wir noch nicht alles wussten“ zu „Der Meeresspiegel könnte bis 2150 um 30 Meter steigen“. Das ist keine Wissenschaft. Das ist Science-Fiction mit einem Briefkopf der Universität.

Was in den Medienberichten jedoch untergeht: Der Grund, warum wir erst jetzt von diesen Kanälen unter dem Eis und ihren Auswirkungen erfahren ist, dass wir erst vor kurzem die Technologie und Verfahren entwickelt haben, um die Verhältnisse unter den antarktischen Schelfeisen zu beobachten. Denken Sie einen Moment darüber nach. Wir sprechen hier von einer der abgelegensten, unzugänglichsten und lebensfeindlichsten Umgebungen auf dem Planeten. Die Hohlräume im Schelfeis, die diese Forscher untersuchen, befinden sich unter Hunderten von Metern Eis, in Gewässern, die außerordentlich schwer zu instrumentieren, zu überwachen oder direkt zu beproben sind. Die Fallstudie zum Fimbulisen-Schelfeis stützte sich auf eine Kombination aus detaillierter topografischer Kartierung und Computermodellierung, nicht auf jahrzehntelange direkte Beobachtungsdaten, um ihre Schlussfolgerungen zu ziehen.

Dies ist eine Tatsache, welche die Daily Mail völlig übersehen hat, und sie hat enorme Auswirkungen darauf, als wie sicher wir diese Prognosen akzeptieren sollten. Wenn ein Wissenschaftler sagt, er habe einen Prozess entdeckt, von dessen Existenz er zuvor nichts wusste, und im gleichen Atemzug mitteilt, er könne dessen Folgen bis ins Jahr 2300 vorhersagen, sollte man besorgt sein und dieser Behauptung skeptisch gegenüberstehen. Man sollte fragen: Wie kann man das Verhalten eines antarktischen Systems in ferner Zukunft mit Sicherheit vorhersagen, das man gerade erst zu beobachten begonnen hat?

Die tief in ihrer Berichterstattung verborgene ehrliche Antwort lautet: Das können sie nicht. Einer der Forscher, Dr. Hattermann, räumt ein, dass die Auswirkungen dieser neuen Entdeckung so ungewiss sind, dass wir einen Anstieg des Meeresspiegels um 30 Meter bis 2150 und um 50 Meter bis 2300 nicht „ausschließen“ können. Das ist eine bemerkenswerte Aussage. Die Aussage „kann nicht ausschließen“ ist keine wissenschaftliche Prognose; es ist eine so grobe Schätzung, dass sie wissenschaftlich bedeutungslos ist. Man kann auch nicht ausschließen, dass es nicht passieren wird. Aber schauen Sie sich an, welche Annahme die Schlagzeile prägt.

Die Geschichte der antarktischen Eisforschung im Besonderen ist eine Geschichte von Korrekturen, Neubewertungen und Überraschungen in beide Richtungen. Die Forscher wurden immer wieder von der Komplexität dieses Systems überrascht. Die Ostantarktis, in der sich der größte Teil des Eises des Kontinents befindet, galt lange Zeit als stabil und gewann oder verlor keine Masse, selbst als die Eisschilde in der Westantarktis und in Grönland schrumpften. Nun weist diese Studie auf das Fimbulisen-Schelfeis in der Ostantarktis als potenzielle Schwachstelle hin. Der westantarktische Eisschild stand jahrelang im Mittelpunkt der Besorgnis, bis Erkenntnisse auftauchten, die diese Projektionen erschwerten. Das Muster zwischen Wissenschaft und Medien wiederholt sich: Eine Krise wird angekündigt, die Modelle werden revidiert, die Krise wird in der Fachliteratur (wenn auch selten in der Presse) relativiert, und dann taucht eine neue Krise auf.

Die antarktische Glaziologie ist ein Fachgebiet, das sich wissenschaftlich gesehen noch in den Anfängen befindet, was die direkte Beobachtung der wichtigsten Prozesse angeht. Diese Sichtweise wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft weitgehend geteilt, da sich die antarktische Glaziologie rasch von einer Phase der Erkundung und grundlegenden Kartierung hin zu komplexen, vorausschauenden Modellen entwickelt. Dieses „jugendliche“ Stadium ist durch bedeutende, oft überraschende Erkenntnisse gekennzeichnet, wie sie bei dieser neuen Entdeckung zu beobachten sind.

Problematisch ist jedoch, dass die unterstützenden Daten spärlich sind. Wir verfügen über Satellitendaten aus der Antarktis, die nur etwa 40 Jahre zurückreichen, was in geologischer Zeit nur ein Wimpernschlag ist. Unsere Beobachtungsaufzeichnungen unter dem Schelfeis sind sogar noch kürzer. Die Computermodelle, die zur Vorhersage dieser Ergebnisse verwendet werden, basieren zwangsläufig auf Annahmen aus Beobachtungen – Annahmen, die nun revidiert werden, da wir Phänomene wie diese kanalisierten Schmelzwirbel entdecken, die zuvor nicht berücksichtigt worden waren.

Nichts davon bedeutet, dass das antarktische Eis dem Untergang geweiht ist. Es legt vielmehr nahe, dass wir mehr Beobachtungsdaten sammeln sollten, bevor wir Projektionen aufstellen, sowie die zurückhaltende Vorsicht walten lassen sollten, die gute Wissenschaft erfordert. Es bedeutet jedoch nicht, dass die „Daily Mail“ Schlagzeilen darüber bringen sollte, dass Millionen Menschen „unter Wasser geraten“, und zwar auf der Grundlage brandneuer Klimamodelle, bei denen die Forscher offen zugeben, dass sie die von ihnen modellierten Prozesse nicht vollständig verstehen.

Das Eis wird uns seine Geschichte erzählen, wenn wir es aufmerksam und ehrlich beobachten. Aber es wird Jahre, wahrscheinlich Jahrzehnte, strenger Beobachtung erfordern, bevor wir mit echter Zuversicht sagen können, was diese neu entdeckte Dynamik unter dem Schelfeis für die Zukunft des antarktischen Eises bedeutet. Bis dahin sollte die verantwortungsvolle Haltung Neugier sein, nicht Katastrophismus.

Diese neue antarktische Wissenschaft ist interessant, aber Prognosen, die auf einer einzigen neuen Entdeckung basieren, sind verfrüht und sollten nicht die Grundlage für unverantwortliche und übertriebene Weltuntergangs-Schlagzeilen sein.

Anthony Watts [email protected] is a Senior Fellow for Environment and Climate at The Heartland Institute.

Link: https://redstate.com/heartlandinstitute/2026/05/15/when-antarctic-headlines-melt-faster-than-the-ice-n2202319?

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

Der Beitrag Wenn Antarktis-Schlagzeilen schneller dahin schwinden als das Eis erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.

(Auszug von RSS-Feed)

Antarktis: „Dreifach-Belastung“-Studie erscheint gerade zum Zeitpunkt der Erholung des Eises

16. Mai 2026 um 06:00

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Charles Rotter

In der letzten Ausgabe von „Science Advances“ vom vergangenen Freitag erschien ein neuer, die Untergangsstimmung in der Antarktis schürender Artikel – perfekt zeitlich abgestimmt auf den Nachrichtenzyklus am Wochenende. Ein Team unter der Leitung von Forschern der Universität Southampton gab bekannt, die Ursache für den Rückgang des antarktischen Meereises seit 2015 ermittelt zu haben – eine sich selbst verstärkende Kombination aus stärkeren Westwinden, Tiefenwasseraufstieg und einer positiven Rückkopplungsschleife, welche die Autoren in ihrer Pressemitteilung wie folgt bezeichneten:

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aeb0166 „eine dreifache Belastung durch das Klimachaos”

Die Presse hat ihre Arbeit getan. CNN sowie Euronews und die meisten großen Wissenschaftsredaktionen griffen die Meldung unverändert auf. Mitautor Alberto Naveira Garabato warnte, dass sich der Südliche Ozean bei anhaltend geringen Eisflächen von einem Klimastabilisator zu einem wesentlichen Faktor der globalen Erwärmung wandeln könnte. Die Hauptautorin Aditya Narayanan fügte hinzu, dass durch die jüngsten Verluste eine Meereisfläche von fast der Größe Grönlands verschwunden sei.

Es gibt jedoch ein kleines Problem mit dem Timing.

Die aktuellen Daten jedoch…

Zwei Monate zuvor, nämlich Anfang März, gab das Nationale Schnee- und Eisdatenzentrum (NSIDC) bekannt, dass das sommerliche Minimum der Antarktis im Jahr 2026 bei etwa 2,58 Millionen Quadratkilometern lag – das größte sommerliche Minimum seit fünf Jahren und 730.000 Quadratkilometer über dem Rekordtief von 2023. Das Minimum von 2026 war das 16. kleinste in der 47-jährigen Periode mit Satellitenaufzeichnungen. Ted Scambos vom NSIDC führte dies auf günstige Windverhältnisse zurück, die:

im späten antarktischen Sommer „das Meereis im Weddellmeer nach außen drängte“

Mit anderen Worten: Als die Studie zum „Triple Whammy“ in Druck ging, hatte das antarktische Meereis bereits genau das getan, was die Studie nun für unwahrscheinlich hält. Es erholte sich – und zwar drastisch, innerhalb eines einzigen Jahres.

Es ist bemerkenswert, dass Scambos in beiden Berichten vorkommt. Im März lautete seine Einschätzung für das NSIDC, dass der Aufschwung real sei und mit günstigen Windverhältnissen zusammenhänge. Diese Woche, in der Berichterstattung von CNN über die Southampton-Studie, lautet seine Einschätzung, dass eine Erholung unwahrscheinlich sei. Beide Aussagen könnten sich auf unterschiedlichen Zeitebenen als wahr erweisen. Doch ein Leser, der sich ausschließlich aus Pressemitteilungen über die Antarktis informiert, würde nie erfahren, dass es diesen Aufschwung überhaupt gegeben hat. Die Folgeberichterstattung von Earth.com fiel gemäßigter aus und stellte das Jahr 2026 als möglicherweise dar:

„eine Pause in einer turbulenten neuen Ära“

– was zumindest ein ehrliches Eingeständnis ist, dass sich das System in diesem Jahr tatsächlich erholt hat.

Und dann ist da noch die Eisdecke

Es gibt noch einen weiteren unbequemen Datenpunkt. Im Februar berichtete eine separate Studie, die in der Fachzeitschrift „Communications Earth & Environment“ von Nature veröffentlicht worden war (Kolbe et al., „Atmospheric rivers and winter sea ice drive recent reversal in Antarctic ice mass loss“), dass sich der Massenverlust des antarktischen Eisschildes – der seit 2000 mit nahezu linearer Geschwindigkeit voranschritt – nach 2016 verlangsamte und nun „seit 2020 einen Netto-Massenzuwachs“ zeigte.

Die Ursache laut Kolbe et al.: erhöhte Niederschläge, angetrieben durch verstärkte atmosphärische Flussaktivität und stärkere Westwinde. Die gleichen Westwinde, die die Southampton-Gruppe als Hauptverursacher im Verlauf der Meereis-Ausdehnung identifiziert.

Beide Studien können Recht haben. Die Ausdehnung des Meereises und die Massenbilanz der Eisschilde sind unterschiedliche physikalische Größen, die von unterschiedlichen Prozessen gesteuert werden. Die atmosphärische Zirkulation, die das schwimmende Meereis ausdünnt, kann gleichzeitig auch mehr Schnee auf den Kontinent bringen. Eine ehrliche physikalische Betrachtung liefert manchmal beide Antworten zugleich.

Doch das Ökosystem der Pressemitteilungen behandelt nur eine dieser Antworten als berichtenswert. In den vier Tagen seit seinem Erscheinen gab es eine lückenlose Berichterstattung über die „Triple-Whammy“-Studie. Die Kolbe-Studie, die vor drei Monaten in einer Nature-Zeitschrift veröffentlicht wurde und zu einem gegenteiligen Ergebnis kommt, fand fast keinerlei Beachtung.

Der Leser ist eingeladen, seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen, warum das so ist.

Das nur allzu bekannte Muster

Dies ist der mittlerweile übliche Nachrichtenzyklus in Bezug auf die Antarktis:

1. Ein neues Tiefstwert oder eine Anomalie löst eine Welle von Berichten über „Kipppunkte“ aus.

2. Das System kehrt zu seinem langfristigen Mittelwert zurück.

3. Diese Rückkehr wird, wenn überhaupt, nur in einem einzigen Nachrichtenzyklus behandelt.

4. Die nächste Studie, welche die vorherige Anomalie modelliert, wird veröffentlicht, als hätte die Umkehrung nie stattgefunden.

Ein Leser, der nur die Schlagzeilen ab 2023 verfolgt hätte, hätte nacheinander erfahren: dass das antarktische Meereis in beispiellosem Ausmaß zurückging (was damals zutraf); dass dies ein Zeichen für einen Regimewechsel war; dass eine Erholung unwahrscheinlich sei; dass das fast durchschnittliche Minimum von 2026 nur eine kurze Atempause darstellte; und nun – vor vier Tagen veröffentlicht – dass eine Rückkopplungsschleife den Kontinent praktisch in einen dauerhaften Zustand mit geringem Eisbestand gefangen hält.

Die tatsächlichen Daten hingegen haben das getan, was Daten nun einmal tun. Sie waren verrauscht. Sie waren schwankend. Und sie entwickeln sich derzeit in die entgegengesetzte Richtung der Schlagzeilen.

Was man beobachten muss

Das Wintermaximum 2026 in der Antarktis wird im September erreicht werden. Sollte es – wie bereits das Sommerminimum – nahe am langjährigen Durchschnitt liegen, wird sich die Studie über den „dreifachen Schlag“ in die wachsende Liste der Studien zum Regimewechsel in der Antarktis einreihen, die genau zu dem Zeitpunkt erschienen, als sich das von ihnen vorhergesagte Regime aufzulösen begann.

Bleibt die Ausdehnung gering, wird das Team aus Southampton stichhaltigere Argumente vorweisen können.

So oder so wird die Antwort aus den Satellitenmessungen der Ausdehnung kommen, nicht aus Pressemitteilungen. Leser sollten sich vielleicht die tägliche Ausdehnungskarte des NSIDC als Lesezeichen speichern und sie mit der nächsten Runde der Untergangsstimmung in den Medien abgleichen.

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/05/10/antarctic-triple-whammy-paper-lands-just-as-the-ice-rebounds/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

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