Wenn wir nur auf fallende Bomben und Äußerungen der Mächtigen starren, kommen wir der Lösung nicht näher.
Ein Meinungsbeitrag von Lars Ebert.
Ein normal denkender und fühlender Mensch würde niemals die Entwicklung besonders tödlicher Krankheitserreger (GoF), Folter oder Angriffskriege anordnen. Wie kommt es also, dass es an den Schaltstellen der Macht Menschen gibt, die diesen menschenverachtenden Irrsinn entscheiden?
Ich glaube nicht, dass Babys „böse“ auf die Welt kommen. Das bedeutet: Die Ursache ist vermutlich in der Erziehung zu suchen. Sven Fuchs hat dazu ein lesenswertes Buch geschrieben: „Die Kindheit ist politisch! – Kriege, Terror, Extremismus, Diktaturen und Gewalt als Folge destruktiver Kindheitserfahrungen“.
Zentrale These des Buches: Kein Diktator oder brutaler Herrscher hatte eine liebevolle Kindheit ohne traumatische Erlebnisse.
Es gibt einen Namen für die sehr strenge und oft gewaltsame Erziehungsform: Schwarze Pädagogik. Kinder sollen durch Strafen, Angst und unbedingten Gehorsam „diszipliniert“, der Wille „gebrochen“ werden. Diese Pädagogik war lange Jahre, zumindest in unserem Kulturkreis, „normal“. Normal in dem Sinn: Die meisten Eltern haben sie – bewusst oder unbewusst – angewendet. Das Drama für das Kind ist: Es sieht die Schuld immer bei sich selbst. Sein Überleben ist vom Wohlwollen der Eltern abhängig – diese Abhängigkeit spürt das Kind.
Diese unterdrückenden Erziehungsideen reichen bis ins 18. und 19. Jahrhundert zurück. Der Begriff wurde ab den 1970er-Jahren vor allem durch die Psychologin und Autorin Alice Miller bekannt. Sie entdeckte, dass durch eine solche Erziehung Menschen als Erwachsene leichter Autoritäten folgen, wie zum Beispiel im Nationalsozialismus Adolf Hitler. Deshalb propagierten Diktatoren diese Erziehungsform, zum Beispiel Stalin, Mussolini, Franco, Pinochet und natürlich Hitler.
Welche – schädlichen – Auswirkungen hatte diese Erziehung auf die aktuellen Herrscher der Welt? Trump, Putin, Netanjahu, Jinping, Fink, Ellison, Gates sind zum Beispiel alle über 70, Soros sogar schon 95. Sie sind also mit großer Wahrscheinlichkeit gemäß Schwarzer Pädagogik erzogen worden. 1979 hat Schweden als erstes Land der Welt die Prügelstrafe verboten, Deutschland erst im Jahr 2000. In den Schulen und Familien der USA gibt es bis heute kein bundesweites Verbot der Prügelstrafe. Ein Beispiel: Donald Trump wurde sehr streng erzogen, sein Vater sagte oft zu ihm: „Sei ein Killer!“. Später kam er auf eine Militärakademie, die für ihren harten Erziehungsstil bekannt war.
Schauen wir uns die Kennzeichen der Schwarzen Pädagogik genauer an:
- Strenge Hierarchie: Eltern oder Lehrer haben absolute Macht über das Kind
- Blinder Gehorsam: Kinder dürfen Autoritäten nicht infrage stellen
- Angst wird bewusst genutzt, um Kinder einzuschüchtern und zu kontrollieren
- Lügen und Manipulation, um Ziele zu erreichen
- Physische oder seelische Gewalt (Isolierung) wird eingesetzt, manchmal bis hin zu Folter
- Unterdrückung menschlicher Gefühle und Bedürfnisse, insbesondere von Freude, Kreativität und Eigenständigkeit
- Starke Kontrolle: Verhalten und Entscheidungen der Kinder werden streng überwacht
- Unterordnung: Kinder sollen sich Erwachsenen vollständig unterordnen
- Anpassung als Ziel: Kinder sollen ruhig, gehorsam und angepasst sein
- Rationalisierung von Gewalt mit der Begründung, dass alles „zum Wohl des Kindes“ geschieht
- Aufbau eines „falschen Selbst“: Äußere Normen und Werte sollen möglichst verinnerlicht werden
Und das sind die langfristigen Folgen für das Kind, wie sie in wissenschaftlichen Studien vielfach belegt sind:
- Unsicherheit, Angst vor Fehlern, Kritik und Strafen
- Geringes Selbstwertgefühl
- Gehorsam, starke Anpassung an Autoritäten
- Unterdrückte Gefühle (z.B. Wut oder Traurigkeit)
- Probleme mit Selbstständigkeit
- Schwierigkeit, eigene Meinung zu äußern
- Häufiges Auftreten von Aggression oder Rückzug
- Probleme beim Aufbau gesunder Beziehungen
- Erhöhtes Risiko für psychosomatische Beschwerden und Suchtverhalten
- Verbreitetes Schwarz-Weiß-Denken oder Heilserwartungen
Zusammengefasst: Diese Erziehung zielt darauf ab, Kinder zu gehorsamen Befehlsempfängern ohne inneren Halt zu machen. Sie verursacht langfristig psychische Schäden und behindert die Entwicklung von Empathie, Kritikfähigkeit und Selbstbewusstsein.
Dabei fällt vor Allem auf: Die heutigen Machthaber wenden – bewusst oder unbewusst – ausnahmslos alle Merkmale der Schwarzen Pädagogik bei ihren Untergebenen – also uns – an! Sie wiederholen wie unter Zwang genau ihre eigene Erziehung – nur, dass sie nicht ihre Kinder, sondern uns „erziehen!“. Man ersetze in der Aufzählung oben einfach „Eltern“ durch „Herrscher“ und „Kinder“ durch „Bevölkerung“.
Beispiele: Ist das Ziel die Unterwerfung des Menschen unter die Autorität der Mächtigen, um Gehorsam, Ordnung und Disziplin zu erzwingen? Lügen und manipulieren die Mächtigen (Propaganda, Marketing), um ihre Ziele zu erreichen? Gibt es eine Rationalisierung von Gewalt und Krieg mit der Begründung, dass alles „zu unserem eigenen Wohl“ geschieht? Gibt es Bestrafung, (soziale) Isolierung (Gefängnisse) und Folter? Wird die Bevölkerung verängstigt – Stichworte: Terror, Krankheitserreger, Krieg, Klimawandel? Sollen äußere Normen und Werte möglichst verinnerlicht werden?
Und kann man die Folgen dieser „Behandlung“ in der Gesellschaft – also bei uns – beobachten? Gibt es oft Überangepasstheit (vorauseilenden Gehorsam) oder Trotzverhalten (Hauptsache „dagegen“)? Leiden viele Menschen unter Depressionen, Angststörungen oder anderen Traumafolgen (auch körperliche Krankheiten)? Gibt es verbreitet Schwierigkeiten mit Nähe und Vertrauen (Trennungen, Einsamkeit, Singlehaushalte)? Sind Schwarz-Weiß-Denken (Hitlervergleiche) oder Heilserwartungen (Gurus, Vorbilder, Impfung) verbreitet? Gibt es ein erhöhtes Risiko für psychosomatische Beschwerden und Suchtverhalten?
Die Antwort lautet leider jedes Mal: Ja!
Aber kommen wir zurück zu unserer Ausgangsfrage: Woher kommen nun die unmenschlichen Entscheidungen der Diktatoren und machtkranken Herrscher? Diese sind ja überhaupt nicht gehorsam oder unsicher? Auflösung: Die Schwarze Pädagogik führt nicht automatisch zu Folgsamkeit oder Unsicherheit. Stattdessen kann sie – unter bestimmten Voraussetzungen – genau das Gegenteil bewirken: Die Betroffenen werden selbst zu autoritären, gewalttätigen oder manipulativen Persönlichkeiten, die ihre Traumata an andere weitergeben. Die eigene Unsicherheit wird dann nicht gezeigt, sondern durch Dominanz, Macht, Kontrolle oder sogar Grausamkeit überspielt (Narzisstische Persönlichkeitsstörung).
Im Endeffekt leiden wir doppelt unter der Schwarzen Pädagogik: Direkt an der schädigenden Erziehung in unserer Kindheit. Und zusätzlich als Erwachsene an der Unterdrückung durch psychisch schwer geschädigte „Führungspersönlichkeiten“.
Was können wir tun? Mit diesen Einsichten können wir aufhören, uns selbst oder unseren Nächsten die Schuld zu geben. Wohlwollen ist angesagt, mit uns und allen Mitgliedern der Menschheitsfamilie! Ob Eltern, Kinder, Partner, Nachbarn, links, rechts, schwarz, weiß, grün oder orange. Wir selbst können an der Heilung unserer seelischen Wunden arbeiten, dazu gibt es viele Methoden. Erfolge spürt man an steigendem Selbstwertgefühl, mehr Entspannung und Selbstliebe. (Den Herrschern fehlt nach meinem Wissensstand die Krankheitseinsicht, eine Heilung ist also wohl ausgeschlossen.)
Vor allem aber sollten wir unseren Kindern Liebe, eine stabile Bindung und Entfaltungsmöglichkeiten geben. Die Schwarze Pädagogik gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!
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Quellen und Anmerkungen
Lars Ebert ist Diplom-(Bio)Physiker mit langjähriger Berufserfahrung in Forschung, Medizin und IT. Er ist Fachbuchautor, Wissenschaftsjournalist (bei verschiedenen Alternativmedien), Dozent, Projektleiter und Gründer der Vernetzungsplattform Yunite.org. Er bietet unabhängige, wissenschaftliche Gesundheitsrecherchen an und betreibt einen Telegram-Kanal zu diesem Thema.
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(1) Alice Miller: „Am Anfang war Erziehung“
(2) Sven Fuchs: „Die Kindheit ist politisch!“
(3) Katharina Rutschky: „Schwarze Pädagogik“ (vergriffen)
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Mysteriöses Stadtfoto mit Schatten von Straßenkindern
Bildquelle: Oleksii Konchenko / shutterstock
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