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Israel weiter Aggression gegen Libanon und Gaza aus, aber die EU schweigt

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Vorschau ansehen Es waren Erklärungen, die deutschen Medien keine großen Artikel wert waren. Am 28. Mai hat der Spiegel einen Artikel mit der Überschrift „Anweisung an Streitkräfte – Netanyahu ordnet Einnahme von 70 Prozent des Gazastreifens an“ veröffentlicht, der nur fünf kurze und sachlich formulierte Absätze lang war, dabei war die Meldung ein Skandal. Als Trump im […]
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Das zynische Wegsehen des Westens bei den systematischen Kriegsverbrechen Israels

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Vorschau ansehen Beim Thema Israel muss man es als Deutscher ja immer vorwegschicken: Dieser Artikel ist keineswegs antisemitisch, sondern er kritisiert die Taten der israelischen Regierung. Und zwar in aller Deutlichkeit, denn deren Taten unterscheiden sich kaum mehr von dem, was die Nazis im Zweiten Weltkrieg getan haben. Neben den direkten Opfern der israelischen Aggression sind die […]
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Hollisters Geopolitik-Radar vom 11. – 17. Mai 2026

veröffentlicht.
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Der Waffenstillstand mit Iran ist auf „life support" - während die New York Times berichtet, dass neue Angriffe auf Kharg Island bereits vorbereitet werden. BRICS scheitert in Neu-Delhi an sich selbst. Trump erklärt Taiwan zum Verhandlungschip. Israel tötet den Hamas-Militärchef trotz Waffenstillstand. Und Alex Saab landet in Miami - Maduros Kassenmann, bereit zum Reden.

Geopolitik-Radar vom 11. – 17. Mai 2026

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Ticker

IRAN/HORMUZ: WAFFENSTILLSTAND AUF „LIFE SUPPORT" - TRUMP NENNT IRANS ANTWORT „GARBAGE"

Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran besteht formal seit dem 08. April. Er ist es nur dem Namen nach. Das Congressional Research Service bezeichnete ihn am 13. Mai als auf „life support". Trump nannte Irans jüngste Antwort auf den US-Verhandlungsvorschlag „garbage" und drohte erneut mit militärischer Eskalation. Iran seinerseits drohte mit vollständiger Schließung der Straße von Hormuz und Angriffen auf Entsalzungsanlagen - infrastrukturelle Ziele, die Millionen Menschen das Trinkwasser sichern. Araghchi forderte beim BRICS-Treffen in Neu-Delhi die Mitgliedsstaaten auf, die US-israelische Aggression „unequivocally" zu verurteilen. Der operative Lagebericht mit Quellenverzeichnis: UPDATE - USA und Israel greifen Iran an - 17.05.2026

NYT-BERICHT: USA UND ISRAEL PLANEN NEUE ANGRIFFE AUF IRAN - KHARG ISLAND IM VISIER

Die New York Times berichtete am 15. Mai: Israel und die USA intensivieren die Vorbereitungen für mögliche neue Angriffe auf Iran, möglicherweise bereits in der kommenden Woche. Erwogen werden der Einsatz von Kommandotrupps zum Abtransport iranischen Nuklearmaterials sowie Angriffe auf Kharg Island - Irans wichtigstes Ölexport-Terminal, über das rund 90 Prozent der iranischen Ölausfuhren laufen. Zusätzliche Bombenkampagnen auf Militär- und Infrastrukturziele werden ebenfalls in Betracht gezogen. Wer Kharg kontrolliert, kontrolliert Irans Öl, Chinas Versorgung und die Straße von Hormuz gleichzeitig. Was derzeit im Persischen Golf aufgebaut wird - Marines, Osprey, amphibische Kampfschiffe - ist keine Kulisse: Iran Insight: Bodentruppen und das Doppelschloss

BRICS SCHEITERT IN NEU-DELHI: KEIN GEMEINSAMES STATEMENT - DER „GEGENBLOCK" ZEIGT RISSE

Das zweitägige Außenministertreffen der BRICS-Staaten in Neu-Delhi endete am 15. Mai ohne gemeinsame Abschlusserklärung. Gastgeber Indien veröffentlichte nur ein Chair's Statement. Hauptstreitpunkt: die Forderung Irans, die USA und Israel für den Krieg ausdrücklich zu verurteilen. Die VAE - BRICS-Mitglied und gleichzeitig US-Verbündeter - blockierten eine solche Formulierung. Lavrov, Araghchi und Wang Yi saßen am selben Tisch, ohne eine gemeinsame Linie zu finden. BRICS wird im Westen oft als geschlossener Gegenblock zum G7 dargestellt. Was in Neu-Delhi passierte, zeigt: Bei einem realen Krieg mit Energie- und Bündnisdimension enden die Gemeinsamkeiten dort, wo die eigenen Interessen beginnen.

TRUMP-XI-GIPFEL: TAIWAN ALS „VERY GOOD NEGOTIATING CHIP" - PEKING REGISTRIERT JEDEN SATZ

Beim Gipfel in Peking am 14./15. Mai war Taiwan das dominierende Thema. Xi nannte es die „wichtigste Frage" in den bilateralen Beziehungen: Handle it badly, riskierten beide Länder „collision or conflict." Trump antwortete in einem Fox-Interview, Waffenverkäufe an Taiwan seien „a very good negotiating chip for us, frankly." Taiwan solle sich „ein bisschen abkühlen." Wangs Nachricht danach an Peking: „Wir spüren, dass die US-Seite Chinas Position versteht." Rubio beschwichtigte Taiwan sofort: Die Politik sei „unchanged." Das greifbare Ergebnis des Gipfels: ein Boeing-Auftrag über 200 Flugzeuge. Xi wird Trump im Herbst in den USA besuchen. Strukturell hat sich nichts verändert - außer dass Taiwan nun weiß, dass es Verhandlungsmasse sein kann.

GAZA: ISRAEL TÖTET HAMAS-MILITÄRCHEF HADDAD - RANGHÖCHSTER TOD SEIT OKTOBER-WAFFENSTILLSTAND

Am 15. Mai tötete Israel in einem Luftangriff auf Gaza-Stadt Izz al-Din al-Haddad, Kommandeur der Kassam-Brigaden und ranghöchsten verbliebenen Architekten des 07. Oktober 2023. Er starb zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter. Hamas bestätigte den Tod. Seit dem Oktober-Waffenstillstand wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 850 Palästinenser durch israelische Angriffe getötet, vier israelische Soldaten kamen ums Leben. Phase 2 des Waffenstillstandsabkommens bleibt blockiert: Der Board-of-Peace-Envoy erklärte, die Einigung hänge an der ungeklärten Frage der Hamas-Entwaffnung. Was Trumps Gaza-Plan von Anfang an war - und was er bis heute ist - haben wir hier dokumentiert: Board of Peace - Teil 1 und Teil 2

LIBANON: 45-TAGE-VERLÄNGERUNG UNTERZEICHNET - GLEICHZEITIG SECHS TOTE BEI ISRAELISCHEN ANGRIFFEN

Das US-Außenministerium gab während Trumps Peking-Reise bekannt, Israel und Libanon hätten den Waffenstillstand um 45 Tage verlängert. Wenige Stunden später töteten israelische Luftangriffe im Südlibanon sechs Menschen, darunter drei Sanitäter einer Hisbollah-nahen Einrichtung. Israel erklärte, es habe Hisbollah-Infrastruktur getroffen. Der Waffenstillstand gilt auf dem Papier. Was darunter passiert, ist eine andere Geschichte.

VENEZUELA: ALEX SAAB IN MIAMI - MADURO-KASSENMANN LIEFERT SCHLÜSSELZEUGE

Am 16. Mai deportierte die venezolanische Übergangsregierung unter Delcy Rodríguez Alex Saab in die USA. FBI und CIA waren an der Operation beteiligt. Saab galt jahrelang als wichtigster Finanzoperateur des Chavismus, wurde 2023 von Biden begnadigt und kehrte als gefeierter Held nach Venezuela zurück. Nach Maduros Festnahme im Januar verschwand er aus dem öffentlichen Leben. Nun sitzt er in Miami und könnte zum entscheidenden Zeugen im Maduro-Verfahren werden. Venezuela nennt den Vorgang „Deportation" - nicht Auslieferung. Der Unterschied ist juristisch relevant: kein Auslieferungsvertrag, keine langen Verfahren, maximale Flexibilität für die Ankläger. Wer die Architektur hinter der US-Neuordnung Venezuelas verstehen will - Ölverträge, Hedgefonds, Insiderwissen - findet sie hier: Insiderhandel vor Caracas - die Geldspur hinter dem Maduro-Sturz

UKRAINE/RUSSLAND: GEFANGENENAUSTAUSCH 205 GEGEN 205 - WAFFENRUHE BRÜCHIG

Russland und die Ukraine tauschten je 205 Kriegsgefangene aus - nach Selenskyjs Angaben die erste Phase eines geplanten Austauschs von je 1.000 Gefangenen. Gleichzeitig werfen sich beide Seiten gegenseitig Verletzungen der US-gestützten Waffenruhe vor. Ukrainische Stellen meldeten Tote und Angriffe auch während der Ruhephase. Der Austausch ist humanitär bedeutsam. Er ist kein Zeichen strategischer Deeskalation.

NATO-OSTFLANKE: LETTLANDS REGIERUNG KOLLABIERT, PROJEKTIL IN RUMÄNIEN

Lettlands Premierministerin Evika Siliņa trat zurück, nachdem ihre Koalition über den Umgang mit einem russischen Drohnenvorfall zerbrochen war. Das Projektil landet nicht nur in Pardina nahe der rumänisch-ukrainischen Grenze - es landet politisch in einer NATO-Regierung. Die Ukraine-Kriegsfolgen destabilisieren nicht nur militärisch, sondern auch innenpolitisch die Ostflanke des Bündnisses.

MALI BRENNT WEITER - RUSSISCHES MODELL UNTER DRUCK, ARTICLE ALS ANALYSE

Die Offensive von FLA und JNIM hält an. Africa Corps hat Kidal verloren, die Bamako-Sikasso-Straße bleibt blockiert. Was hier geschieht, ist mehr als eine malische Sicherheitskrise: Es ist der bislang schwerste Schlag gegen die russische Sicherheitsarchitektur in Afrika - und ein Test, ob das Söldnermodell halten kann, was es verspricht. Wer ukrainische Drohnenkompetenz, algerische Rückzugsräume, französische Interessen und das erodierende russische Versprechen in einem Bild sehen will: Mali brennt, Russland blutet

SUDAN: DROHNEN WERDEN ZUM HAUPTKILLERWERKZEUG - 880 TOTE SEIT JANUAR

Die Associated Press berichtet: Drohnen sind im Sudan-Konflikt inzwischen zur zentralen Ursache ziviler Todesopfer geworden. Zwischen Januar und April 2026 wurden nach UN-Angaben mehr als 880 Zivilisten durch Drohnenangriffe getötet. Beide Seiten - SAF und RSF - setzen zunehmend externe Drohnentechnologie ein. Sudan ist längst kein innerafrikanischer Bürgerkrieg mehr, sondern ein internationales Stellvertreter- und Rüstungsfeld. Wer die Waffen liefert, wer das Gold kauft und wer als „Friedensvermittler" am Tisch sitzt, während seine Frachtflüge Munition liefern: Sudan - Das vergessene Massaker

FRANKREICH: MACRON IN KENIA - NEUES AFRIKA-NARRATIV NACH SAHEL-RÜCKZUG

Emmanuel Macron besuchte diese Woche Kenia im Rahmen des Africa Forward Summit. Frankreich versucht sichtbar, sein Afrika-Verhältnis nach dem erzwungenen Rückzug aus Mali, Niger und Burkina Faso neu zu rahmen: weniger Françafrique, mehr Partnerschaft auf Augenhöhe. Ob das Publikum in Nairobi oder in Bamako glaubt, ist eine andere Frage.

EU-STAHL: IMPORTBESCHRÄNKUNGEN TREFFEN UKRAINE - VERBÜNDETER UNTER DRUCK

Die EU plant laut Financial Times, Stahlimporte ab Juli 2026 stark zu begrenzen und zusätzliche Mengen mit 50 Prozent Zoll zu belegen. Ukrainische Stellen warnen: Ukrainische Stahlproduzenten sind stark vom EU-Markt abhängig. Brüssel schützt seine Industrie - und setzt dabei einen Kriegsverbündeten unter Druck, dem es gleichzeitig 90 Milliarden Euro Kredit bewilligt hat. Das ist keine Inkonsistenz. Das ist die Logik von Handelsinteressen, die nie ausgesetzt werden.

Fokusthemen

Kharg Island, Werkzeugkasten, Zeitfenster - die nächste Eskalationsstufe

Am 15. Mai berichtete die New York Times: Die USA und Israel intensivieren die Vorbereitungen für mögliche neue Angriffe auf Iran. Als möglichstes Ziel wird Kharg Island genannt - das Terminal, über das rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte laufen. Gleichzeitig wird ein Kommandoeinsatz zum Abtransport iranischen Nuklearmaterials erwogen. Trump nennt den bisherigen Krieg eine „6-Wochen-Exkursion". Das klingt nach Verharmlosung. Es könnte auch die Beschreibung eines abgeschlossenen ersten Akts sein.

Wer versteht, was im Persischen Golf gerade aufgebaut wird, liest den NYT-Bericht anders. 8.000 bis 10.000 US-Soldaten, Marines, Fallschirmjäger, amphibische Kampfschiffe, MV-22 Ospreys - das kostet Hunderte Millionen Dollar und ist keine Drohgebärde. Eine Marine Expeditionary Unit ist nicht für Präsenz konzipiert, sondern für schnelle, präzise Eingriffe tief im gegnerischen Raum. Wer wissen will, welche Fähigkeiten gerade im Golf positioniert werden und was das operativ bedeutet: Wenn Osprey und Marines kommen, geht es nicht um Brücken

Das Doppelschloss-Szenario - Hormuz zu, Bab al-Mandab zu - ist in dieser Konstellation keine Theorie mehr. Wenn Iran auf einen Kharg-Angriff mit der vollständigen Schließung der Meerenge antwortet und gleichzeitig seine Verbündeten im Jemen Bab al-Mandab sperren, bricht die gesamte Handelsroute zwischen Asien und Europa zusammen. Die EU hätte dann beide Wege verloren, über die ihr Öl und Gas kommt. Kein Parlament hat das beschlossen. Eine Rakete auf Kharg würde es entscheiden. Was dieses Szenario bedeutet und warum Trump dabei auch die EU ins Visier nehmen kann: Iran Insight: Bodentruppen und das Doppelschloss

Was als Improvisation eines unberechenbaren Präsidenten wirkt, ist bei näherer Betrachtung die systematische Abarbeitung einer Empfehlungsliste. Zwölf amerikanische Denkfabriken haben zwischen 2014 und 2026 in mehr als 30 Studien niedergeschrieben, was die Trump-Administration seit Januar 2025 exekutiert - Venezuela, Iran, Hormuz, Indo-Pazifik. Das Zeitfenster 2026 schließt sich. Die Analyse dazu: 12 Denkfabriken, 30 Studien - ein Auftrag Und was als nächstes gegriffen wird - Kuba, Kharg, Taiwan - und warum die eigentliche Triebfeder nicht Geopolitik ist, sondern eine Währung, die noch nicht existiert: Was Trump und Hegseth als nächstes greifen

Fragen:

  • Wenn Kharg Island angegriffen wird - wie antwortet Iran, und welche Eskalationsstufe ist dann noch übrig?
  • Kann Trump einen neuen Angriff starten, ohne den Kongress zu befassen - und was passiert, wenn er es tut?
  • Wer in Europa hat einen Plan für den Fall, dass Hormuz und Bab al-Mandab gleichzeitig geschlossen werden?
  • Ist das Zeitfenster 2026 ein strategisches Kalkül - oder der letzte Moment, in dem es noch geht?

BRICS ohne Stimme - was der Riss in Neu-Delhi wirklich bedeutet

BRICS hat 22 Mitglieder, repräsentiert mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung und wird im westlichen Diskurs oft als organisierter Gegenblock zum G7 beschrieben. Was in Neu-Delhi am 15. Mai passierte, ist die Widerlegung dieser These in Echtzeit.

Iran forderte eine gemeinsame Verurteilung der USA und Israels. Russland und China hätten mitgezogen. Die VAE - Golfstaat, BRICS-Mitglied, Gastgeber von US-Militärbasen und gleichzeitig Gesprächspartner Teherans - blockierten. Indien als Gastgeber wollte keine Krise und veröffentlichte ein Chair's Statement, das niemanden zu irgendetwas verpflichtet. Brasilien und Südafrika hielten sich raus. Am Ende: kein gemeinsames Dokument, keine gemeinsame Linie, kein Signal nach außen.

Das ist analytisch interessant, weil BRICS nicht an westlichem Druck gescheitert ist. Es ist an sich selbst gescheitert - an den widersprüchlichen Interessen seiner eigenen Mitglieder. Die VAE brauchen die US-Basen auf ihrem Territorium. Saudi-Arabien hat Iran in dieser Woche verdeckt angegriffen und danach dem US-Militär Basisrechte entzogen - das sind nicht die Handlungen eines geschlossenen Blocks, das sind die Handlungen von Akteuren, die ihre eigenen Optionen offenhalten. China hat Irans Öl gekauft und gleichzeitig mit Trump über Taiwan verhandelt. Russland hat Lavrov nach Neu-Delhi geschickt und gleichzeitig Drohnen auf die Ukraine geworfen.

BRICS ist kein Block. Es ist ein Gesprächsformat für Länder, die gegenüber dem Westen eigene Interessen haben - aber untereinander genauso viele Widersprüche. Das ist keine Schwäche, die man beheben könnte. Es ist die Struktur. Und jeder ernsthafte Krieg legt diese Struktur offen, weil er Länder zwingt, Farbe zu bekennen. Neu-Delhi hat gezeigt: Im Ernstfall gibt es keine BRICS-Position zu Iran. Es gibt nur nationale Positionen - und die gehen auseinander.

Fragen:

  • Kann BRICS als diplomatisches Format überleben, wenn es bei einem der größten Konflikte seit Jahren schweigt?
  • Was bedeutet das Scheitern von Neu-Delhi für Indiens Rolle als Gastgeber des BRICS-Gipfels im September?
  • Wenn die VAE und Saudi-Arabien innerhalb von BRICS US-Interessen schützen - ist BRICS dann noch ein Gegengewicht?
  • Was passiert mit dem Format, wenn China und Russland einerseits und die Golfstaaten andererseits dauerhaft verschiedene Linien fahren?

Trump, Xi und Taiwan - was nach Peking anders ist

Der Gipfel in Peking am 14./15. Mai hat kein Abkommen gebracht, keine Durchbrüche, keine strukturellen Veränderungen. Was er gebracht hat, ist eine Aussage, die Taiwan sorgfältig gelesen hat - und die nicht versehentlich gefallen ist.

Trump sagte in einem Fox-Interview, aufgezeichnet in Peking: Waffenverkäufe an Taiwan seien „a very good negotiating chip for us, frankly. It's a lot of weapons." Auf die Frage, ob er Taiwan verteidigen würde: „You know, when you look at the odds, China is a very, very powerful, big country. That's a very small island. Think of it, it's 59 miles away. We're 9,500 miles away. That's a little bit of a difficult problem." Taiwan solle sich „cool it a little bit."

Rubio beeilte sich, Schadensbegrenzung zu betreiben: Die US-Politik zu Taiwan sei „unchanged." Wang Yi ließ danach über Staatsmedien verbreiten, Peking spüre, dass Washington Chinas Position „versteht" und Chinas Anliegen „ernst nimmt." Das sind keine Zufallsformulierungen. Sie zeigen, was aus dem Gipfel mitgenommen wurde - auf jeder Seite.

Das greifbare Ergebnis: Boeing erhält einen Auftrag über 200 Flugzeuge. Xi wird Trump im Herbst in den USA besuchen. Zu Iran einigten sich beide darauf, dass Teheran keine Atomwaffe bekommen darf - eine Aussage, die beide schon vor dem Gipfel gemacht hatten. Zu Hormuz sagte Trump, Xi habe zugestimmt, dass Iran die Meerenge öffnen müsse. China hat das nicht bestätigt und sich nicht erkennbar festgelegt, aktiven Druck auf Teheran auszuüben.

Seit dem 28. Februar 2026 - dem Tag der ersten US-israelischen Angriffe auf Iran - hat China kein einziges Militärflugzeug mehr in Taiwans Luftverteidigungszone geschickt. Sechs Wochen Stille in einer Meerenge, in der Eskalation zur Normalität geworden war. Das ist keine Entspannung. Das ist Kalkül: Während die USA im Persischen Golf Munition und politisches Kapital verbrauchen, baut Peking seine Optionen für 2027 aus. Wer die Linie versteht, die durch Pekings Aktionen und Pausen hindurch sichtbar wird: China - Das stille Manöver Und wer die strukturelle Eskalationsdynamik zwischen Washington und Peking - drei Hebel, vier Konter - verstehen will: Drei Hebel, vier Konter

Fragen:

  • Hat Trump Taiwan als Verhandlungsmasse angeboten - oder nur laut gedacht?
  • Was versteht Peking unter „die USA verstehen Chinas Position" - und was folgt daraus operativ?
  • Wie lange kann Taiwan auf US-Sicherheitsgarantien vertrauen, wenn der Präsident sie öffentlich relativiert?
  • Wann genau schließt sich das Zeitfenster, in dem Peking handeln kann, ohne den vollen Widerstand Washingtons zu riskieren?

Venezuela, Saab, Maduro - die Neuordnung einer Hemisphäre

Am 16. Mai wurde Alex Saab aus Caracas nach Miami geflogen. Die venezolanische Regierung nannte es „Deportation". FBI und CIA waren beteiligt. Der Mann, den Biden 2023 im Rahmen eines Gefangenenaustauschs begnadigt hatte und der danach von Maduro als Held empfangen worden war, sitzt jetzt in US-Gewahrsam - und könnte der entscheidende Zeuge in einem der komplexesten Wirtschaftskriminalfälle werden, die je gegen eine lateinamerikanische Regierung geführt wurden.

Saab war nicht irgendein Minister. Er war nach Einschätzung von US-Bundesanklägern Maduros wichtigster Finanzoperateur: Staatsverträge, CLAP-Lebensmittelprogramm, Sanktionsumgehung, Geldwäsche in dreistelliger Millionenhöhe. Wer weiß, wie das Geld floss, weiß alles. Und jetzt redet er - oder wird bald reden müssen.

Das ist der jüngste Schritt in einer Neuordnung, die Washington seit Maduros Festnahme im Januar systematisch betreibt. Direktflüge wiederaufgenommen. Öllizenzen neu vergeben. IWF-Gespräche initiiert. Goldhandel lizenziert. Und jetzt Saab. Was als humanitärer Austausch oder diplomatische Geste verpackt wird, folgt einer Logik, die mit Demokratieförderung wenig zu tun hat: Die USA vermessen Venezuelas Ressourcen neu - wer produziert, wer liefert, wer kassiert.

Das Muster ist nicht neu. Es wiederholt sich. Trump hat vor laufenden Kameras eingeräumt, Ölkonzerne vorab über bevorstehende Militäroperationen informiert zu haben. Ein Hedgefonds-Milliardär kaufte sechs Wochen vor dem Maduro-Sturz eine venezolanische Raffineriegruppe für die Hälfte des Schätzwerts. Ein Special-Forces-Soldat wettete mit Insiderwissen auf den Ausgang der Operation - und wurde verhaftet. Drei Spuren, ein Muster: Insiderhandel vor Caracas - die Geldspur hinter dem Maduro-Sturz

Fragen:

  • Was weiß Alex Saab - und was wird er aussagen, wenn er Strafminderung angeboten bekommt?
  • Wer in Caracas ist als nächstes an der Reihe, wenn Saab zu reden beginnt?
  • Ist die venezolanische „Deportation" ein Zeichen echter Kooperation mit Washington - oder ein letzter Versuch der Rodríguez-Regierung, sich unentbehrlich zu machen?
  • Was passiert mit Venezuelas Ölverträgen, sobald die juristische Aufarbeitung des Chavismus abgeschlossen ist?

+++

Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Quellenverzeichnis

Iran - Waffenstillstand, Verhandlungen, neue Angriffspläne

Congressional Research Service: U.S.-Iran Ceasefire and Negotiations: Assessment and Issues for Congress, 13. Mai 2026: https://www.congress.gov/crs-product/IN12678

New York Times: Israel and U.S. intensify preparations for Iran strikes, 15. Mai 2026

The National: Iran war overshadows BRICS meeting, 14. Mai 2026: https://www.thenationalnews.com/news/2026/05/14/iran-war-overshadows-brics-meeting-as-foreign-ministers-gather-in-india/

BRICS - Neu-Delhi

Reuters/US News: BRICS talks end without joint statement, 15. Mai 2026: https://www.usnews.com/news/world/articles/2026-05-15/india-issues-chair-statement-after-brics-meeting-amid-differences-over-gulf-crisis

Washington Post: BRICS ministers fail to issue joint statement over differences on Middle East, 15. Mai 2026: https://www.washingtonpost.com/business/2026/05/15/india-brics-iran-war/ad387c10-5045-11f1-97e7-22c6c29ff0d8_story.html

Bloomberg: India fails to bridge divide over Iran war at BRICS summit, 15. Mai 2026: https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-15/india-fails-to-bridge-divide-over-iran-war-at-brics-summit

Al Jazeera: Why the BRICS foreign ministers meeting in India matters, 14. Mai 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/5/14/iran-war-why-the-brics-foreign-ministers-meeting-in-india-matters

Trump-Xi-Gipfel / Taiwan

CNN Politics: Trump's China state visit and meetings with Xi Jinping - Live coverage, 14./15. Mai 2026: https://www.cnn.com/politics/live-news/trump-china-visit-xi-meeting-hnk

CNBC: Five takeaways from the Trump-Xi summit in Beijing, 14. Mai 2026: https://www.cnbc.com/2026/05/14/trump-xi-summit-beijing-takeaway-taiwan-trade-iran-war-strategic-relations-.html

Euronews: Underwhelming summit outcome in China brings Trump back to reality, 15. Mai 2026: https://www.euronews.com/2026/05/15/underwhelming-summit-outcome-in-china-brings-trump-back-to-reality

Gaza / Libanon

CBC News: Israel kills Hamas military wing leader, 16. Mai 2026: https://www.cbc.ca/news/world/hamas-chief-gaza-israel-9.7202240

PBS News: Israel says it killed a top Hamas leader, 16. Mai 2026: https://www.pbs.org/newshour/world/israel-says-it-killed-a-top-hamas-leader

CNN: Israel kills most senior Hamas military leader in Gaza strike, 15. Mai 2026: https://edition.cnn.com/2026/05/15/middleeast/israel-gaza-hamas-strike-latam-intl

Venezuela / Alex Saab

Colombia One: Venezuela extradites Alex Saab to the US, 16. Mai 2026: https://colombiaone.com/2026/05/16/venezuela-extradites-alex-saab-to-the-us/

Bloomberg: Venezuela says Alex Saab deported, citing US crimes probe, 16. Mai 2026: https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-16/venezuela-says-alex-saab-deported-citing-us-crimes-probe

Latin Times: Biden pardoned Maduro's alleged money man - now Venezuela is sending him back, 16. Mai 2026: https://www.latintimes.com/biden-pardoned-maduros-alleged-money-man-now-venezuela-sending-alex-saab-back-us-597441

Sudan

Associated Press: Drones become main driver of civilian deaths in Sudan, Mai 2026

Mali / Sahel

Al Jazeera: What role has Russia played in Mali's security, 29. April 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/4/29/what-role-has-russia-played-in-malis-security-and-the-sahel-region

Ukraine / NATO-Ostflanke

Reuters: Russia-Ukraine prisoner exchange 205 against 205, Mai 2026

Reuters: Ceasefire violations reported by both sides, Mai 2026

EU / Stahl / Ukraine

Financial Times: EU plans steel import restrictions affecting Ukraine, Mai 2026

Eigene Analysen

UPDATE - USA und Israel greifen Iran an - 17.05.2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/17/update-usa-und-israel-greifen-iran-an-17-05-2026/

12 Denkfabriken, 30 Studien - ein Auftrag, 17. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/17/12-denkfabriken-30-studien-ein-auftrag/

Was Trump und Hegseth als nächstes greifen, 17. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/17/was-trump-und-hegseth-als-naechstes-greifen/

Iran Insight: Bodentruppen und das Doppelschloss, 29. März 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/29/iran-insight-bodentruppen-und-das-doppelschloss/

Wenn Osprey und Marines kommen, geht es nicht um Brücken, 22. März 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/22/wenn-osprey-und-marines-kommen-geht-es-nicht-um-bruecken/

China - Das stille Manöver, 08. März 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/08/china-das-stille-manoever/

Drei Hebel, vier Konter, 10. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/10/drei-hebel-vier-konter/

Insiderhandel vor Caracas, 10. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/10/insiderhandel-vor-caracas/

Mali brennt, Russland blutet, 12. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/12/mali-brennt-russland-blutet/

Sudan - Das vergessene Massaker, 19. April 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/19/sudan-das-vergessene-massaker/

Board of Peace - Teil 1, 01. Februar 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/02/01/board-of-peace-teil-1/

Board of Peace - Teil 2, 08. Februar 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/02/08/board-of-peace-teil-2/

UPDATE - USA und Israel greifen Iran an - 13.05.2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/13/update-usa-und-israel-greifen-iran-an-13-05-2026/

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Im Gespräch: Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt

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Im Gespräch: Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt
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Im Gespräch: Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt

Prof. Dr. Pascal Lottaz ist Historiker und Politikwissenschaftler. An der renommierten Kyoto-Universität forscht er zum Themenbereich "Neutrality-Studies". So heißt auch sein YouTube-Kanal.

Als Konfliktforscher zeigt Prof. Lottaz dem Zuschauer einen analytischen Blick auf den Nahostkonflikt und beleuchtet diesen aus vielerlei Blickwinkeln.

Insbesondere die historischen Daten des Konfliktes geben dem Zuschauer Werkzeuge an die Hand, den Konflikt fundiert zu bewerten. Und das abseits von oberflächlicher Betrachtung durch die Leitmedien.

Das Interview führte Markus Fiedler.

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Hollisters Geopolitik-Radar vom 4. – 10. Mai 2026

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Hormuz brennt, während Diplomaten verhandeln. Trump scheitert mit Project Freedom an seinen eigenen Verbündeten - Saudi-Arabien und Kuwait sperren US-Basen, ohne Vorwarnung. Ein zwölfjähriges Mädchen stirbt im Südlibanon trotz Waffenstillstand. 7 Milliarden Dollar an verdächtigen Ölwetten landen vor dem DOJ. Und in Peking wartet Xi Jinping auf Trump - mit Taiwan, Handel und Iran auf dem Tisch.

Geopolitik-Radar vom 4. – 10. Mai 2026

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Ticker

USA UND IRAN TAUSCHEN 14-PUNKTE-PLAN GEGEN 9-PUNKTE-FORDERUNG - MOU AUF DEM TISCH, ANTWORT AUSSTÄNDIG

Der Iran übermittelte über pakistanische Vermittler einen 14-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges: 30-tägige Verhandlungsphase statt weiterem Waffenstillstand, Truppenrückzug aus Irans Peripherie, Aufhebung der Seeblockade, Freigabe eingefrorener Vermögen, Reparationen, Sanktionsende - und Atomgespräche erst nach Kriegsende. Die USA hatten zuvor neun Punkte eingereicht, darunter die vollständige Wiederöffnung von Hormuz und das Ende des iranischen Atomprogramms. Axios berichtete am 07. Mai exklusiv, Washington und Teheran seien einer einseitigen Absichtserklärung - einem Memorandum of Understanding - näher als je zuvor. Trump sagte am selben Tag, er sei „nicht zufrieden", einen Tag später: „Sie haben mir das Konzept erläutert." Was verhandelt wird und wie der Iran-Krieg strategisch einzuordnen ist, lesen Sie hier: Update - USA und Israel greifen Iran an - 10.05.2026

SEEGEFECHT IN DER STRASSE VON HORMUZ - DREI US-ZERSTÖRER UNTER FEUER, IRANISCHER TANKER KAMPFUNFÄHIG GESCHOSSEN

Am 07. Mai griffen iranische Streitkräfte mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten die US-Zerstörer USS Truxtun, USS Rafael Peralta und USS Mason beim Transit durch Hormuz an. Einen Tag zuvor hatte eine US-amerikanische F/A-18 Super Hornet den iranischen Tanker M/T Hasna mit der Bordkanone manövrierunfähig geschossen. Iran veröffentlichte Videos mit großen Wasserfontänen als Beleg für eigene Treffer. CENTCOM wies die Aussagen zurück und veröffentlichte Bilder der Zerstörer - ohne Zeitstempel, von denen einige nachweislich älter sind. Iran hat bislang keine falschen Meldungen veröffentlicht. Die US-Marine beansprucht, alle Angriffe abgefangen zu haben. Der französische Containerfrachter CMA CGM San Antonio wurde beim eigenständigen Transit durch Hormuz getroffen und beschädigt, acht Verletzte. Trump kommentierte: „Genau wie wir sie heute rausgehauen haben, werden wir sie künftig noch viel härter raushauen - wenn sie ihren Deal nicht schnell unterschreiben." Ein Waffenstillstand sieht anders aus. Die aktuellen Entwicklungen, eingebettet in die strategische Gesamtkonstruktion seit Februar: Update - USA und Israel greifen Iran an - 06.05.2026

PROJECT FREEDOM GESCHEITERT - SAUDI-ARABIEN UND KUWAIT SPERREN BASEN UND LUFTRAUM, KATAR UND OMAN NICHT KONSULTIERT

Trump kündigte „Project Freedom" per Social-Media-Post an - eine US-Marineeskorte für Handelsschiffe durch die Straße von Hormuz. Was er nicht getan hatte: die Golfstaaten vorab zu informieren. Saudi-Arabien entzog daraufhin den Zugang zur Prince-Sultan-Airbase südöstlich von Riad sowie den gesamten saudischen Luftraum. Kuwait schloss sich an und sperrte seinen Luftraum für die Operation. Katar wurde erst angerufen, als die Operation bereits lief. Oman erfuhr von der Ankündigung und koordinierte erst danach. Ein Anruf Trumps bei Kronprinz Mohammed bin Salman löste die Krise nicht. Die geografische Realität ist eindeutig: Ohne saudischen und kuwaitischen Luftraum gibt es keinen Schutzschirm für Schiffe in der Meerenge. Project Freedom war nach 36 Stunden Geschichte. Das Weiße Haus behauptet, Verbündete seien vorab informiert worden. Mehrere Diplomaten widersprechen dem direkt. Was das über die tatsächliche Handlungsfreiheit der USA im Golf aussagt, haben wir in der Analyse zu den Golfstaaten bereits durchbuchstabiert - sie sitzen zwischen US-Truppenstandorten und iranischer Schussweite: Folgt dem Öl - Teil 3 - Die Golfstaaten zwischen den Fronten

INSIDERHANDEL IM IRAN-KRIEG - 7 MILLIARDEN DOLLAR VERDÄCHTIGE ÖLWETTEN, DOJ UND CFTC ERMITTELN

Reuters enthüllte am 07. Mai: Verdächtige Short-Positionen auf fallende Ölpreise im Gesamtvolumen von bis zu 7 Milliarden Dollar wurden in den Monaten März und April platziert - jeweils Minuten vor großen Trump-Ankündigungen. 15 Minuten vor der Pause der Iran-Angriffe am 23. März: 500 Millionen Dollar. Kurz vor dem Waffenstillstand am 07. April: rund 950 Millionen Dollar. Am 07. Mai, um 03:40 Uhr - ohne jede Neuigkeit - wurden rund 10.000 Kontrakte im Wert von 920 Millionen Dollar eröffnet. Um 04:50 Uhr erschien der Axios-Scoop über das MOU. Der Ölpreis fiel 12 Prozent. Gewinn in 70 Minuten: geschätzte 125 Millionen Dollar. Das Justizministerium und die Commodity Futures Trading Commission ermitteln. Das Weiße Haus hatte bereits im März intern gewarnt, Mitarbeiter dürften Insiderwissen nicht für Finanzwetten nutzen. Wer das Muster versteht, das sich hier zeigt - Venezuela, Caracas, Hedgefonds, Militäroperationen - findet die Grundlage dazu hier: Insiderhandel vor Caracas - die Geldspur hinter dem Maduro-Sturz

TRUMP REIST NACH PEKING - TAIWAN, HANDEL UND IRAN AUF DER AGENDA DES TRUMP-XI-GIPFELS (14./15. MAI)

Erstmals seit fast einem Jahrzehnt reist ein US-Präsident nach Peking. Auf der Agenda stehen drei Themen: Taiwan, Handel und Iran. China hat seine Position zu Taiwan vor dem Treffen klar gemacht - Peking erwartet von Washington eine stärkere Sprache gegen taiwanesische Unabhängigkeitsbestrebungen. Gleichzeitig hat Peking am 02. Mai die sogenannten Blocking Rules aktiviert: Chinesische Unternehmen sollen US-Sekundärsanktionen gegen iranische Ölraffinerien ignorieren. Außenminister Araghchi reiste am 08. Mai nach Peking und traf Wang Yi - acht Tage vor dem Gipfel. Iran versucht, sich in die Trump-Xi-Agenda einzuschreiben, bevor Washington und Peking bilateral verhandeln. Der strukturelle Rahmen, in dem dieser Gipfel stattfindet - drei US-Hebel, vier chinesische Konter - ist hier dokumentiert: Drei Hebel, vier Konter - die unsichtbare Eskalation zwischen Washington und Peking

ISRAEL/LIBANON: WAFFENSTILLSTAND AUF DEM PAPIER - HEUTE MINDESTENS 17 TOTE, DROHNEN SÜDLICH BEIRUT

Der Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah gilt formal seit dem 17. April. Er gilt auf dem Papier. Heute, am 10. Mai, führte Israel drei Drohnenangriffe südlich von Beirut durch - vier Tote. Darunter ein zwölfjähriges Mädchen, das nach dem ersten Treffer noch 100 Meter flüchtete und dann erneut getroffen wurde. Weitere Angriffe in Saksakiyeh, Bourj Rahhal und Maifadoun: mindestens 13 weitere Tote, darunter ein Kind. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche nach israelischen Eigenangaben mehr als 85 Hisbollah-Kämpfer getötet und 180 Stellungen angegriffen - ohne Beweise vorzulegen. Der libanesische Präsident Joseph Aoun forderte eine EU-Delegation auf, Israel zur Einhaltung des Waffenstillstands zu drängen und das „Sprengen und Planieren" von Häusern in besetzten Dörfern zu beenden.

WADEPHUL IN BERLIN: „EVERY RIGHT TO BE THERE" - DEUTSCHLAND DECKT ISRAELS LIBANON-OPERATION

Bundesaußenminister Johann Wadephul empfing am 05. Mai seinen israelischen Amtskollegen Gideon Sa'ar in Berlin. Sa'ar verteidigte Israels Militäroperation im Südlibanon mit der Notwendigkeit, die Hisbollah zu zerstören. Wadephul schloss sich an: Die Operation sei „notwendig", Israel habe „every right to be there". Kein Verweis auf die UN-Resolution 1701, die Israels Präsenz im Libanon als völkerrechtswidrig einstuft. Kein Verweis auf libanesische Souveränität. Im selben Treffen vereinbarten beide Länder, dass Israel Deutschland Kerosin und Erdgas liefert - weil die Hormuz-Blockade Deutschland in Versorgungsengpässe treibt. Bundeskanzler Merz hatte im Februar den US-israelischen Angriff auf Iran als die beiden, die „für uns da unten die Drecksarbeit machen" bezeichnet. Wer anderswo Völkerrecht predigt und hier schweigt, macht eine Aussage - auch wenn er nichts sagt.

OPERATION SINDOOR - EIN JAHR DANACH: INDUS-VERTRAG WEITERHIN SUSPENDIERT, INDIENS BILANZ ERNÜCHTERND

Am 07. Mai jährte sich der indische Raketenangriff auf Pakistan. Die Indian Air Force zelebrierte den Jahrestag mit einem Video von BrahMos-Treffern. Die Bilanz nach einem Jahr ist nüchterner als die Bilder: Indien hat militärisch schlechter abgeschnitten als erwartet, Pakistan ist diplomatisch gestärkt aus der Krise hervorgegangen - als Vermittler zwischen den USA und dem Iran hat Islamabad an regionalem Gewicht gewonnen. Der Indus Waters Treaty von 1960, der drei Kriege und Dutzende Krisen überlebt hatte, ist weiterhin suspendiert. 250 Millionen Pakistanis sind auf das Wasser des Indus angewiesen. Wasser als strategische Waffe zwischen zwei Atommächten - das ist keine Metapher.

BUNDESWEHR: 111 MILLIARDEN EURO, 47.000 VERTRÄGE - UND NIEMAND WEISS, WAS DAVON EINSATZBEREIT IST

Vier Jahre Zeitenwende, 111 Milliarden Euro, 47.000 Beschaffungsverträge - und das Bundesverteidigungsministerium kann nicht zentral auswerten, was davon geliefert und tatsächlich einsatzbereit ist. Der Bundesrechnungshof hat seit 2022 schriftlich davor gewarnt. Die politische Antwort ist kein Kurswechsel, sondern eine Verdoppelung: Der Wehretat soll bis 2030 auf 180 Milliarden Euro steigen, die Schuldenbremse für Verteidigung gilt nicht mehr. Pistorius verspricht die stärkste konventionelle Armee Europas. Die Zahlen, die dem Bundesrechnungshof vorliegen, erzählen eine andere Geschichte. Die vollständige Analyse: „Geld spielt keine Rolle" - Wie Deutschland 111 Milliarden Euro ausgibt, ohne sagen zu können, wofür

MALI BRENNT WEITER - BAMAKO UNTER DRUCK, REGIERUNGSKRITIKER AUS HAUS ENTFÜHRT

Die Offensive von FLA und JNIM, die am 25. April begann, hält an. Tessalit ist gefallen, Africa Corps hat sich aus Kidal zurückgezogen. Die Bamako-Sikasso-Straße bleibt blockiert. Am 02. Mai wurde Montaga Tall, prominenter Anwalt und Regierungskritiker, aus seinem Haus in Bamako entführt. Die Junta in Bamako hält am russischen Bündnis fest - Übergangspräsident Goïta empfing den russischen Botschafter und signalisierte: kein Kurswechsel. Die Allianz der Sahel-Staaten flog gemeinsame Luftangriffe mit Su-24-Jets auf Stellungen in der Region Gao. Es ist die bislang schwerste Bewährungsprobe für das russische Sicherheitsmodell in Afrika - und für die Frage, ob Africa Corps liefern kann, was es verspricht.

UKRAINE: 10.300 RUSSISCHE DROHNEN IN EINER NACHT - FRONTLAGE UNVERMINDERT

In der Nacht vom 05. auf den 06. Mai setzte Russland nach ukrainischen Angaben rund 10.300 Shahed-Drohnen ein - der bislang größte Drohnenangriff des Krieges. Am 09. Mai, dem 1.536. Kriegstag, meldete der ukrainische Generalstab 245 Gefechte an einem Tag. Russland hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 2.800 Quadratkilometer eingenommen - langsam, aber kontinuierlich. Dass diese Drohnen nicht nur russische Technik enthalten, sondern auch Bauteile, die in Deutschland hergestellt oder von deutschen Firmen geliefert werden, habe ich hier dokumentiert: Deutsche Chips für russische Drohnen

GAZA: PHASE 2 DES PEACE PLAN STOCKT - BOARD OF PEACE OPERATIV BLOCKIERT

Trumps Gaza-Plan - die Umsiedlung der palästinensischen Bevölkerung, Verwaltung durch ein US-geführtes Gremium - ist faktisch ins Stocken geraten. Reuters berichtete am 01. Mai exklusiv, die USA wollten ihre zentrale Gaza-Mission schließen oder strukturell umbauen. Die ungeklärte Frage der Hamas-Entwaffnung blockiert Phase 2. Israelische Angriffe auf Gaza halten an, ebenso der Siedlungsausbau im Westjordanland. Wer Trumps „Board of Peace" von Beginn an als das einordnen wollte, was es ist, findet die Analyse hier: Board of Peace - Teil 1 und Teil 2

FRANKREICH SCHICKT CHARLES-DE-GAULLE-TRÄGERGRUPPE INS ROTE MEER

Frankreich verlegt seine Flugzeugträgergruppe rund um die Charles de Gaulle ins Rote Meer. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen im Zusammenhang mit der Hormuz-Blockade und der Frage, wie Europa seine Handelsrouten absichert - ohne dabei auf US-Unterstützung angewiesen zu sein, deren Verlässlichkeit nach Project Freedom neu bewertet werden muss.

Fokusthemen

Verhandeln und Schießen - das MOU, das niemand unterschreiben kann

Ein Memorandum of Understanding liegt auf dem Tisch. Es soll den Iran-Krieg formal beenden und eine 30-tägige Verhandlungsphase einleiten. Es gibt ein Problem: Während die Verhandlungsführer miteinander reden, schießen ihre Streitkräfte aufeinander.

Am 06. Mai schoss eine US-amerikanische F/A-18 den iranischen Tanker M/T Hasna mit der Bordkanone manövrierunfähig. Am 07. Mai griffen iranische Streitkräfte drei US-Zerstörer mit Raketen, Drohnen und Schnellbooten an. Iran veröffentlichte Videos mit Wasserfontänen - nachweisbar, dass geschossen wurde. CENTCOM veröffentlichte Bilder der Zerstörer ohne Zeitstempel, von denen einige nachweislich älter sind. Wenn Washington in der Lage wäre, aktuelle Aufnahmen unbeschädigter Schiffe zu zeigen, würde es das tun. Vor dem Krieg passierten rund 3.000 Schiffe pro Monat die Meerenge. Im März 2026 waren es 154.

Das MOU, das Axios beschreibt, ist ein einseitiges Dokument - kein Vertrag, kein Abkommen, sondern eine Absichtserklärung. Es soll den Rahmen für Gespräche setzen, nicht den Krieg beenden. Teheran fordert, dass Hormuz vor Verhandlungsbeginn geöffnet wird. Washington besteht auf Verhandlungen als Vorbedingung für die Öffnung. Das ist kein taktischer Unterschied, das ist ein struktureller. Dazu kommt: Der Iran lehnt jede Aufgabe seines zivilen Atomprogramms kategorisch ab. Die USA haben das als Kernforderung formuliert.

Trump sagte am Freitag, er sei nicht zufrieden, vielleicht sei kein Deal besser als ein schlechter Deal. Am Samstag erklärte er, er warte auf den exakten Wortlaut. Am selben Tag: wenn sie sich schlecht benehmen, könnten die Schläge wieder beginnen. Das ist keine Verhandlungsposition. Das ist die Beschreibung eines Schwebezustands, in dem beide Seiten gleichzeitig verhandeln, drohen und schießen. Was das strategisch bedeutet - und warum dieser Konflikt weit über Iran hinausgeht - habe ich in der aktuellen Analyse zur Sequenz Washington–Teheran–Peking zusammengefasst: Update - USA und Israel greifen Iran an - 10.05.2026

Fragen:

  • Was passiert, wenn die 30-Tage-Frist des iranischen Vorschlags abläuft - ohne Einigung?
  • Kann ein MOU rechtsgültig sein, wenn eine der Parteien gleichzeitig die Häfen der anderen blockiert?
  • Wer trägt die Kosten, wenn Hormuz noch drei Monate gesperrt bleibt - und wer profitiert davon?
  • Warum beschleunigt Trump den Zeitdruck, während seine Verbündeten im Golf auf Deeskalation bestehen?

Project Freedom und die Grenzen amerikanischer Macht im Golf

Trump hat „Project Freedom" per Tweet gestartet. Er hat es per Tweet beendet. Dazwischen lagen 36 Stunden und eine geopolitische Lektion.

Saudi-Arabien entzog den Zugang zur Prince-Sultan-Airbase. Kuwait schloss seinen Luftraum. Katar wurde angerufen, nachdem die Operation bereits lief. Oman koordinierte erst nach der Ankündigung. Ohne den Luftschirm dieser Basen konnte die US-Marine keine Schutzeskorte für Handelsschiffe durch Hormuz aufrechterhalten. Trumps Anruf bei Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Blockade nicht aufgelöst. Das Weiße Haus behauptet bis heute, Verbündete seien vorab informiert worden. Mehrere Diplomaten widersprechen dem direkt.

Das ist keine Randnotiz. Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass Golfstaaten eine US-Militäroperation aktiv blockiert haben - nicht durch Ablehnung, sondern durch Entzug der operativen Infrastruktur. Die Golfstaaten sitzen zwischen US-Stützpunkten und iranischer Schussweite. Sie brauchen Washington als Sicherheitsgaranten. Aber sie brauchen auch Teheran nicht als Feind. Project Freedom hat ihnen beides gleichzeitig aufgezwungen - ohne Vorwarnung.

Das Muster ist nicht neu. Die Türkei hat den USA 2003 den Zugang für den Irak-Einmarsch verweigert. Spanien und die Türkei haben sich 2024 geweigert, ihre Basen für mögliche Iran-Operationen bereitzustellen. Jetzt folgen Saudi-Arabien und Kuwait. Was als Einzelfall wirkt, ist ein Trend: Die USA können in der Region operieren - aber nur, solange ihre Partner mitspielen. Und die Partner prüfen gerade, ob es in ihrem Interesse liegt, weiter mitzuspielen. Wer wissen will, welche Druckpunkte dabei eine Rolle spielen, findet die Grundlage in meiner Analyse der Golfstaaten-Lage: Folgt dem Öl - Teil 3 - Die Golfstaaten zwischen den Fronten

Fragen:

  • Wenn Saudi-Arabien und Kuwait US-Operationen blockieren können - was bleibt dann von der amerikanischen Abschreckung im Golf?
  • Wäre Project Freedom anders verlaufen, wenn Trump die Golfstaaten eingebunden hätte? Oder war das strukturell unmöglich?
  • Wie verändert sich die Verhandlungsposition Irans, wenn es weiß, dass Washington im Golf auf Partnerkooperation angewiesen ist?
  • Wer übernimmt die Rolle des regionalen Ordnungsfaktors, wenn die USA es nicht mehr alleine können?

Trump in Peking - was auf dem Spiel steht

Wenn Trump am 14. Mai nach Peking fliegt, ist es das erste Mal seit fast einem Jahrzehnt, dass ein US-Präsident China besucht. Drei Themen dominieren die Agenda: Taiwan, Handel, Iran. Alle drei sind miteinander verknüpft - und alle drei könnten aus Pekings Sicht als Hebel gegeneinander ausgespielt werden.

Taiwan ist Pekings Priorität. China erwartet von Washington eine stärkere Sprache gegen taiwanesische Unabhängigkeitsbestrebungen - eine Formulierung, die im Diplomatenjargon bedeutet: Rückt von eurer bisherigen Linie ab. Handel ist das zweite Thema, mit dem Peking Druck ausüben kann: Die Zollstruktur zwischen den USA und China hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach verändert, und Peking weiß, dass amerikanische Unternehmen Planungssicherheit brauchen. Iran ist das dritte Element - und hier liegt die direkteste Verbindung zur laufenden Kriegslage.

China hat am 02. Mai die Blocking Rules aktiviert. Chinesische Unternehmen sollen US-Sekundärsanktionen gegen iranische Ölraffinerien ignorieren. Gleichzeitig hat Außenminister Araghchi wenige Tage vor dem Gipfel Peking besucht und Wang Yi getroffen. Iran versucht, sich als Thema in die Trump-Xi-Agenda einzuschreiben - bevor Washington und Peking bilateral verhandeln und Teheran außen vor bleibt. Peking hat ein Interesse daran, den Iran-Konflikt nicht mit eigenen Kosten zu bezahlen: Hengli Petrochemical ist bereits sanktioniert, weitere Maßnahmen stehen im Raum. Rubio hat angekündigt, wer US-Sanktionen ignoriert, bekommt Sekundärsanktionen.

Was in Peking besprochen wird, entscheidet darüber, wie eng Peking und Teheran künftig kooperieren - und wie weit Washington bereit ist, China für seine Iran-Politik zu bestrafen. Drei Wochen vor diesem Gipfel hat Washington Hengli sanktioniert. Das war kein Zufall. Es war ein Test. Die strukturelle Analyse dieser Eskalationsdynamik - drei US-Hebel, vier chinesische Konter - ist hier: Drei Hebel, vier Konter - die unsichtbare Eskalation zwischen Washington und Peking Wer den längeren Bogen sehen will - Chinas strategisches Vorgehen über Jahre - findet ihn hier: China - Das stille Manöver

Fragen:

  • Welche Zugeständnisse zu Taiwan ist Trump bereit zu machen - und zu welchem Preis?
  • Wenn Peking die Blocking Rules aufrechterhält, wie reagiert Washington - vor oder nach dem Gipfel?
  • Kann ein Trump-Xi-Gipfel ein MOU mit Iran gleichzeitig ermöglichen und erschweren?
  • Wer gewinnt, wenn USA und China Iran als Verhandlungsmasse benutzen - und wer zahlt den Preis?

Wer verdient am Iran-Krieg?

Am 07. Mai um 03:40 Uhr wurden an der Chicago Mercantile Exchange und der Intercontinental Exchange rund 10.000 Kontrakte auf fallende Ölpreise eröffnet. Gesamtvolumen: rund 920 Millionen Dollar. Ohne jede Neuigkeit, mitten in der Nacht. Um 04:50 Uhr erschien der Axios-Bericht über das MOU. Der Ölpreis fiel binnen zwei Stunden um 12 Prozent. Geschätzter Gewinn: 125 Millionen Dollar in 70 Minuten.

Es ist nicht das erste Mal. Reuters hat in einer Exklusivanalyse vom 07. Mai verdächtige Positionen im Gesamtvolumen von bis zu 7 Milliarden Dollar identifiziert - alle platziert kurz vor großen Ankündigungen Trumps zum Iran-Krieg. 15 Minuten vor der Pause der Iran-Angriffe am 23. März: eine halbe Milliarde Dollar. Kurz vor dem Waffenstillstand am 07. April: 950 Millionen Dollar. Kurz vor der Hormuz-Ankündigung am 17. April: weitere Positionen. Das Muster ist dasselbe. Das Justizministerium und die Commodity Futures Trading Commission ermitteln. Das Weiße Haus hat intern bereits im März gewarnt: Mitarbeiter sollen kein Insiderwissen für Finanzwetten nutzen. Dass diese Warnung nötig war, sagt alles.

Die Frage, die sich stellt, ist nicht: Hat hier jemand Insiderwissen genutzt? Die Frage ist: Wer hat ein Interesse daran, dass dieser Krieg genau so läuft, wie er läuft - mit langen Schwebephasen, plötzlichen Ankündigungen, abrupten Pausen? Wer profitiert, wenn der Ölpreis zwischen 95 und 120 Dollar pendelt, ohne dass der Konflikt sich löst? Das Venezuela-Muster - Trump informiert Ölkonzerne vorab über Militäroperationen, ein Hedgefonds-Milliardär kauft sechs Wochen zuvor eine venezolanische Raffineriegruppe für die Hälfte des Schätzwerts, ein Special-Forces-Soldat wettet mit Insiderwissen auf den Maduro-Sturz und wird verhaftet - ist hier dokumentiert: Insiderhandel vor Caracas - die Geldspur hinter dem Maduro-Sturz

Fragen:

  • Wer hat Zugang zu Trumps Entscheidungen, bevor sie öffentlich werden - und welche Kontrolle gibt es darüber?
  • Wenn DOJ und CFTC ermitteln: Warum wurden die Exchanges nicht früher aktiv, obwohl das Muster seit März sichtbar war?
  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Länge des Konflikts und dem finanziellen Interesse bestimmter Akteure an seiner Fortdauer?
  • Ukraine, Venezuela, Iran - ist das ein System oder eine Kette von Zufällen?

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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Quellenverzeichnis

Iran - MOU, Verhandlungen, Hormuz

NPR: Iran submits 14-point response to U.S. proposal, 02. Mai 2026: https://www.npr.org/2026/05/02/nx-s1-5808924/iran-response-trump-proposal

Al Jazeera: Trump expresses doubt about Iranian peace proposal, 03. Mai 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/5/3/trump-reviews-iranian-peace-proposal-warns-strikes-could-resume

CNBC/Reuters: Trump says he is reviewing new Iranian proposal, 02. Mai 2026: https://www.cnbc.com/2026/05/02/trump-iran-strait-of-hormuz.html

Iran - Seegefecht

PBS NewsHour: Day 64 of Middle East conflict - Seegefecht Hormuz, 03. Mai 2026: https://www.pbs.org/newshour/world/live-updates/iran-war

Project Freedom

NBC News: Trump's abrupt U-turn on Hormuz plan came after backlash from allies, 07. Mai 2026: https://www.nbcnews.com/politics/white-house/trumps-abrupt-u-turn-plan-re-open-strait-hormuz-came-backlash-allies-rcna343845

Middle East Eye: Gulf states derailed Trump's Project Freedom, 07. Mai 2026: https://www.middleeasteye.net/news/gulf-states-derailed-trumps-project-freedom-cutting-us-access-airspace-bases

Insiderhandel

Reuters: Oil-price bets ahead of Iran war news totalled $7 billion, 07. Mai 2026: https://www.investing.com/news/commodities-news/exclusiveoilprice-bets-ahead-of-iran-war-news-totalled-7-billion-reporting-shows-4669228

NBC News: DOJ probing trades in oil futures and prediction markets, 08. Mai 2026: https://www.nbcnews.com/business/energy/doj-probes-oil-prediction-markets-iran-news-rcna344135

Trump-Xi-Gipfel / China

Reuters: Taiwan top of Beijing agenda for Trump-Xi summit, 30. April 2026

Al Jazeera: Araghchi in Beijing, Wang Yi meeting, 08. Mai 2026

Israel / Libanon

PBS News / AP: Israeli airstrikes kill 5 in southern Lebanon, 09. Mai 2026: https://www.pbs.org/newshour/world/israeli-airstrikes-kill-5-in-southern-lebanon-as-hezbollah-rockets-hit-open-areas-in-israel

PBS News / AP: Israeli drone strikes kill 4 near Beirut, southern airstrikes kill at least 13, 10. Mai 2026: https://www.pbs.org/newshour/world/israeli-drone-strikes-kill-4-near-beirut-as-southern-airstrikes-kill-at-least-13

Wadephul / Deutschland

Times of Israel: German FM says Israel has 'every right' to be in south Lebanon, 05. Mai 2026: https://www.timesofisrael.com/liveblog_entry/german-fm-says-israel-has-every-right-to-be-in-south-lebanon-but-warns-of-damages-of-war/

All Israel News: Israel to transfer jet fuel to Germany as FM Wadephul affirms IDF has 'every right' to be in Lebanon, 05. Mai 2026: https://allisraelnews.com/israel-to-transfer-jet-fuel-to-germany-as-fm-wadephul-affirms-idf-has-every-right-to-be-in-lebanon

Operation Sindoor / Indien-Pakistan

Washington Post: India and Pakistan one year after Sindoor, 07. Mai 2026

Bundeswehr / Rechnungshof

Bundesrechnungshof: Berichte zur Rüstungsbeschaffung, 2022–2026: https://www.bundesrechnungshof.de

Mali / Sahel

Al Jazeera: Mali crisis - Who are the key leaders, 30. April 2026: https://www.aljazeera.com/news/2026/4/30/mali-crisis-who-are-the-key-leaders-to-know-about

The Africa Report: Mali attacks - A first test of credibility for the AES, 01. Mai 2026: https://www.theafricareport.com/416972/mali-attacks-a-first-test-of-credibility-for-the-alliance-of-sahel-states/

Ukraine / Drohnen

Ukrainischer Generalstab: Lagebericht 09. Mai 2026 (1.536. Kriegstag)

Gaza / Board of Peace

Reuters: USA wollen zentrale Gaza-Mission schließen, 01. Mai 2026

Eigene Analysen

Folgt dem Öl - Teil 3 - Die Golfstaaten zwischen den Fronten, 12. April 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/04/12/folgt-dem-oel-teil-3-die-golfstaaten-zwischen-den-fronten/

Drei Hebel, vier Konter - die unsichtbare Eskalation zwischen Washington und Peking, 10. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/10/drei-hebel-vier-konter/

China - Das stille Manöver, 08. März 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/08/china-das-stille-manoever/

Insiderhandel vor Caracas - die Geldspur hinter dem Maduro-Sturz, 10. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/10/insiderhandel-vor-caracas/

„Geld spielt keine Rolle" - Wie Deutschland 111 Milliarden Euro ausgibt, ohne sagen zu können, wofür, 10. Mai 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/05/10/geld-spielt-keine-rolle/

Board of Peace - Teil 1, 01. Februar 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/02/01/board-of-peace-teil-1/

Board of Peace - Teil 2, 08. Februar 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/02/08/board-of-peace-teil-2/

Deutsche Chips für russische Drohnen, 15. März 2026: https://www.michael-hollister.com/de/2026/03/15/deutsche-chips-fuer-russische-drohnen/

Update - USA und Israel greifen Iran an - 06.05.2026: https://michaelhollister.substack.com/p/update-usa-und-israel-greifen-iran-132

Update - USA und Israel greifen Iran an - 10.05.2026: https://michaelhollister.substack.com/p/update-usa-und-israel-greifen-iran-130

(Auszug von RSS-Feed)

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Hollisters Geopolitik-Radar vom 27. April – 3. Mai 2026

veröffentlicht.
Vorschau ansehen Hollisters Geopolitik-Radar vom 27. April – 3. Mai 2026

Die War-Powers-Frist verstreicht. Trump erklärt den Iran-Krieg juristisch für beendet, während er strategisch weiterläuft - Hormus-Blockade, 8,6 Milliarden Dollar Rüstungsexporte ohne Kongressprüfung, ein iranischer 14-Punkte-Plan und eine amerikanische Antwort, die zwischen Ablehnung und Hinhaltetaktik schwankt. In Mali tötet eine koordinierte Offensive den Verteidigungsminister, Africa Corps zieht sich aus Kidal zurück. Berlin verliert 5.000 US-Soldaten, eine Woche nachdem der Bundeskanzler gegen Trump ausgeschlagen hatte. Der Geopolitik-Radar für die Kalenderwoche 18 - mit dreizehn Tickerpunkten und drei vertiefenden Analysen.

Geopolitik-Radar vom 27. April – 3. Mai 2026

 Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Ticker

TRUMP ERKLÄRT IRAN-HOSTILITÄTEN FÜR BEENDET - KONGRESS UMGANGEN, KRIEG STRUKTURELL OFFEN (01. - 02. Mai 2026)

Die War-Powers-Resolution sieht vor, dass der Kongress 60 Tage nach Beginn militärischer Handlungen ihre Fortsetzung autorisieren muss. Diese Frist lief am 01. Mai aus. Die Trump-Administration argumentiert, der Waffenstillstand vom 07. April habe die Hostilitäten „terminated" - damit sei die Pflicht zur Kongressbefassung entfallen. Trump teilte den Kongressführungen mit, er brauche ihre Erlaubnis für eine Fortsetzung des Krieges nicht. Parallel hat das US-Außenministerium Rüstungsverkäufe über 8,6 Milliarden Dollar an Israel, Qatar, die VAE und Kuwait ohne Kongressprüfung freigegeben: Luftverteidigungssysteme für Kuwait und Qatar, lasergelenkte Raketen für Qatar, die VAE und Israel. Die Exekutive führt Krieg, finanziert Verbündete und entscheidet allein. Was hier vor sich geht, lässt sich in der strategischen Gesamtkonstruktion lesen, die ich Anfang Februar rekonstruiert habe - die Sequenz, in der Iran nur ein Zwischenstopp ist.

IRAN LEGT 14-PUNKTE-PLAN VOR - TRUMP SCHWANKT ZWISCHEN ABLEHNUNG UND PRÜFUNG (01. - 03. Mai 2026)

Iran übermittelte am Freitag über pakistanische Vermittler einen 14-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges. Die Forderungen sind weitreichend: Beendigung aller Fragen binnen 30 Tagen statt zweimonatigem Waffenstillstand, Garantien gegen weitere Aggression, Rückzug der US-Truppen aus Irans Peripherie, Aufhebung der See-Blockade, Freigabe eingefrorener iranischer Vermögen, Reparationszahlungen, Sanktionsende, Beendigung der Kämpfe in Libanon und ein neuer Mechanismus für die Straße von Hormus. Atomgespräche sollen erst nach Kriegsende geführt werden. Die USA hatten zuvor einen 9-Punkte-Plan eingereicht, der die vollständige Wiederöffnung von Hormus und das Ende des iranischen Atomprogramms verlangte. Trump sagte am Freitag, er sei „nicht zufrieden" und vielleicht sei „kein Deal besser". Am Samstag dann: „Sie haben mir das Konzept des Deals erläutert, ich warte auf den exakten Wortlaut." Und: „Wenn sie sich schlecht benehmen, könnten die Schläge wieder beginnen." Der Verhandlungsstand bleibt strukturell blockiert.

HORMUS UNTER DOPPELBLOCKADE - TREASURY DROHT REEDEREIEN, IRAN-PARLAMENT VERSCHÄRFT KONTROLLE (01.- 02. Mai 2026)

Die See-Blockade läuft auf zwei Ebenen. Iran kontrolliert die Meerenge faktisch und lässt nur eigene Schiffe passieren oder solche, die zahlen. Die USA halten seit dem 13. April eine Gegen-Blockade iranischer Häfen aufrecht. Am 01. Mai erließ das US-Finanzministerium ein Advisory: Reedereien, die Iran für die Hormus-Durchfahrt zahlen, drohen Sanktionen - nicht nur bei Bargeld, sondern auch bei „digitalen Vermögenswerten, Verrechnungen, informellen Tauschgeschäften oder anderen Sachleistungen". US Central Command meldete am Samstag, 48 Handelsschiffe seien bereits zurückgewiesen worden. Das iranische Parlament bereitet ein Gesetz vor, das einschränkt, welche Schiffe die Meerenge passieren dürfen. Vor dem Krieg passierten rund 3.000 Schiffe pro Monat die Meerenge - im März waren es 154.

ARAGHCHI-RUNDREISE: TEHERAN ÖFFNET DIPLOMATISCHE GEGENACHSE NACH ISLAMABAD, MUSCAT, MOSKAU (24. - 27. April 2026)

Außenminister Abbas Araghchi reiste in einer einzigen Woche nach Pakistan, in den Oman und nach Russland. In Islamabad sondierte er Vermittlungswege zu den USA - Pakistan ist seit Wochen der Kanal, über den Vorschläge laufen. In Muscat ging es um Hormus-Sicherheit und die Lage in den Golfgewässern. In Moskau traf Araghchi auf Wladimir Putin. Parallel telefonierte er mit den Außenministern Indiens, mehrerer Golfstaaten und weiterer Partner. Diese Bewegung ist die diplomatische Vorarbeit zum 14-Punkte-Plan. Iran versucht, den Konflikt aus der bilateralen US-Israel-Logik herauszulösen und in eine multipolare Vermittlungsarchitektur zu ziehen.

MALI BRENNT: VERTEIDIGUNGSMINISTER GETÖTET, JNIM BELAGERT BAMAKO, AES FLIEGT GEMEINSAME LUFTANGRIFFE (25. April - 01. Mai 2026)

Am 25. April starteten die Tuareg-geführte Front zur Befreiung Azawads (FLA) und die Al-Qaida-affilierte Jama'at Nusrat al-Islam wal Muslimin (JNIM) eine koordinierte Großoffensive auf mehrere malische Militärstützpunkte - Kidal, Gao, Sevare, Kati. Verteidigungsminister Sadio Camara wurde am 26. April mit seiner Familie in Kati getötet, einer Garnisonstadt nahe Bamako. JNIM erklärte die Belagerung der Hauptstadt. Die russischen Söldner des Africa Corps zogen sich - nach eigener Telegram-Mitteilung „in Abstimmung mit Bamako" - aus Kidal zurück; Verwundete und schweres Gerät wurden zuerst evakuiert. Die Allianz der Sahel-Staaten (Mali, Burkina Faso, Niger) flog am 30. April gemeinsame Luftangriffe mit Su-24-Jets auf JNIM- und Azawad-Stellungen in der Region Gao. Niger sagte die traditionellen 1.-Mai-Paraden im ganzen Land aus Sicherheitsgründen ab und beschuldigte ausländische Mächte, allen voran Frankreich, der Komplizenschaft. Die Elfenbeinküste rechnet mit einer Flüchtlingswelle. Es ist die schwerste militärische Krise der russisch gestützten Junta-Konstruktion seit ihrer Entstehung.

USA ZIEHEN 5.000 SOLDATEN AUS DEUTSCHLAND AB - LIEFERVERZÖGERUNGEN, MERZ-KONFLIKT, KONGRESSUMGEHUNG (30. April - 02. Mai 2026)

Der zeitliche Ablauf hat Drehbuchqualität. Am 30. April kritisiert Trump erneut Bundeskanzler Friedrich Merz wegen dessen Iran-Haltung. Am 01. Mai bestätigt das Pentagon den Abzug von rund 5.000 US-Soldaten aus Deutschland über das nächste Jahr - von derzeit etwa 35.000. Reuters nennt den Streit zwischen Trump und Merz über den Iran-Krieg ausdrücklich als Kontext. Verteidigungsminister Boris Pistorius nennt den Schritt „erwartet". Parallel berichtet die Financial Times, die USA hätten europäische Verbündete - darunter Großbritannien und Polen - vor Verzögerungen bei US-Waffenlieferungen gewarnt. Drittens: Das oben genannte 8,6-Milliarden-Paket an Israel, Qatar, die VAE und Kuwait wurde unter Umgehung der Kongressprüfung freigegeben. Das ist nicht Personaltheater, das ist Architektur.

EU-RUSSLAND-GAS-ENDE BEGINNT - 90-MILLIARDEN-EURO-UKRAINE-KREDIT BESCHLOSSEN (23. - 25. April 2026)

Am 25. April trat das Verbot kurzfristiger LNG-Importe aus Russland in der EU in Kraft. Ab dem 17. Juni folgt das Verbot von Pipeline-Gas-Kurzfristverträgen, ab dem 01. Januar 2027 das Verbot langfristiger LNG-Verträge, im September 2027 das Pipeline-Pendant. Zwei Tage zuvor, am 23. April, beschloss der informelle EU-Gipfel den 90-Milliarden-Euro-Kredit an die Ukraine final - nach dem Wegfall des ungarischen Vetos durch die Abwahl Orbáns. 60 Milliarden Euro davon fließen direkt in den ukrainischen Verteidigungssektor. Brüssel und Kiew unterzeichneten parallel Abkommen über mehr als eine Milliarde Dollar an Investitionen, darunter zwei Joint Ventures europäischer und ukrainischer Rüstungsunternehmen. Die Ukraine produziert nach Selenskyjs eigenen Angaben inzwischen 50 Prozent Drohnenkapazität über dem Eigenbedarf - und sondiert Verkäufe in die Golfregion. Wer von wem wofür Geld nimmt, ist eine Frage, die sich aufdrängt.

TAIWAN, SCARBOROUGH, UNTERSEEKABEL - CHINESISCHE PATROUILLEN UND TAIPEHS NOTFALLPLÄNE (29. - 30. April 2026)

Peking macht Taiwan zum zentralen Punkt der Agenda für den möglichen Trump-Xi-Gipfel Mitte Mai. Am 30. April aktivierte Taiwan Notkommunikation für eine vorgelagerte Insel, nachdem ein Unterseekabel gebrochen war - die graue Konfliktzone, in der Sabotage und Unfall nicht mehr trennbar sind. Am gleichen Tag patrouillierten chinesische See- und Luftverbände nahe der Scarborough-Untiefe, während die Philippinen und die USA gemeinsame Übungen abhielten. Bereits Ende April hatte China Live-Fire-Drills nahe Luzon durchgeführt, parallel zu US-philippinischen Manövern. Taiwan, Luzon, Scarborough - das ist nicht Spannungsfall in drei verschiedenen Theatern, sondern derselbe Operationsraum. Wer das Muster der chinesischen Manöver der letzten Monate überblicken will, findet in meiner Analyse zum stillen Manöver die Linie, die durch Aktion und Pause hindurch sichtbar wird.

PANAMA: USA UND VERBÜNDETE BESCHWÖREN SOUVERÄNITÄT - CHINA WIDERSPRICHT (28. April 2026)

Die USA und mehrere verbündete Staaten gaben eine gemeinsame Erklärung zur Unterstützung der Souveränität Panamas heraus. Peking wies sie als irreführend zurück und warf Washington vor, Häfen zu politisieren. Der Hintergrund: Während Hormus blockiert ist, verzeichnet der Panama-Kanal infolge des Nahost-Krieges deutlich höheren Verkehr. Wer Hormus kontrolliert, kontrolliert 20 Prozent des globalen Öl- und Gashandels. Wer Panama kontrolliert, kontrolliert die Alternative.

GAZA: USA SCHLIESSEN ZENTRALE MISSION - ISRAEL FÄNGT HILFSFLOTTILLE AB (30. April - 01. Mai 2026)

Reuters berichtete am 01. Mai exklusiv, die USA wollten ihre zentrale Gaza-Mission schließen oder strukturell umbauen - Trumps Gaza-Plan ist faktisch ins Stocken geraten. Parallel fing Israel am 30. April Hilfsschiffe ab, die nach Gaza unterwegs waren; die festgenommenen Aktivisten wurden später nach Kreta gebracht. Das Abfangen erfolgte in internationalen Gewässern. Westlich geführte Nachkriegsverwaltung scheitert in Echtzeit, während die Blockadepraxis weiterläuft.

MEXIKO: USA KLAGEN AMTIERENDEN SINALOA-GOUVERNEUR AN - SHEINBAUM FORDERT BEWEISE (29. - 30. April 2026)

Das US-Justizministerium veröffentlichte Anklagen gegen den amtierenden Gouverneur von Sinaloa, Rubén Rocha, sowie neun weitere mexikanische Amtsträger und ehemalige Beamte wegen mutmaßlicher Verschwörung mit dem Sinaloa-Kartell. Anklagen gegen sitzende mexikanische Politiker dieser Ebene sind selten. Rocha gehört der regierenden Morena-Partei an, derselben Partei wie Präsidentin Claudia Sheinbaum, und gilt als enger Vertrauter von Ex-Präsident Andrés Manuel López Obrador. Sheinbaum erklärte am 30. April, ohne „eindeutige und unwiderlegliche Beweise" werde Mexiko keine Auslieferung vornehmen, und nannte die Anklagen ohne entsprechende Belege „politisch motiviert". Das Indictment kommt im Kontext einer breiteren US-Kampagne gegen die Sinaloa-Strukturen. Was als Strafverfolgung präsentiert wird, folgt einer Doktrin, die ich Anfang März dokumentiert habe - eine Vorfeldbereinigung, die mit Drogenpolitik nur am Rande zu tun hat.

MADURO VOR US-GERICHT, DIREKTFLÜGE WIEDERAUFGENOMMEN - LATEINAMERIKA NEU VERMESSEN (28. - 30. April 2026)

Der frühere venezolanische Präsident Nicolás Maduro erschien diese Woche zu einem Pretrial-Hearing in einem Bundesgericht in Manhattan - über drei Monate nach seiner Festnahme bei der US-Operation am 03. Januar 2026. Am 30. April nahmen die USA und Venezuela direkte kommerzielle Flugverbindungen nach siebenjähriger Aussetzung wieder auf. Im Februar hatte das venezolanische Ölministerium 19 unter Maduro geschlossene Verträge mit privaten Öl- und Gasunternehmen gekündigt - eine Neuvergabe steht an. Im März erteilten die USA eine Lizenz für den Handel mit venezolanischem Gold und Geschäfte mit dem Staatsunternehmen Minarven. Was als Stabilisierung verkauft wird, ist die Neuvermessung der Hemisphäre.

ISRAEL-LIBANON: WAFFENSTILLSTAND AUF DEM PAPIER, BULLDOZER IM SÜDEN (02. Mai 2026)

Trotz formellem Waffenstillstand führte die israelische Luftwaffe am Samstag großangelegte Schläge auf den Südlibanon: Nach IDF-Angaben wurden „rund 70 militärische Strukturen und etwa 50 Hisbollah-Infrastrukturziele" getroffen. Der arabischsprachige IDF-Sprecher warnte zuvor die Bewohner von neun südlibanesischen Dörfern, sich mindestens 1.000 Meter von den Zielorten zu entfernen. Hisbollah erwiderte. Im 14-Punkte-Plan Irans wird die Beendigung der Kämpfe in Libanon ausdrücklich gefordert. Was am Boden seit Februar 2026 mit Glyphosat-Sprühungen in 20- bis 50-facher landwirtschaftlicher Konzentration über Feldern und Olivenhainen begonnen hat, habe ich am 19. April dokumentiert - mit Satellitenbildern, Laborberichten und UN-Primärquellen.


Fokusthemen

Der Krieg, der juristisch beendet wird, während er strategisch weiterläuft

Am 01. Mai endete die 60-Tage-Frist der War Powers Resolution. Sie verlangt, dass der Kongress nach Beginn militärischer Handlungen deren Fortsetzung autorisiert. Die Trump-Administration argumentiert, der Waffenstillstand vom 07. April habe die Hostilitäten „terminated" - damit sei die Frist gegenstandslos. Trump teilte den Kongressführungen mit, er brauche ihre Erlaubnis nicht. Am gleichen Tag genehmigte das US-Außenministerium 8,6 Milliarden Dollar Rüstungsverkäufe an Israel, Qatar, die VAE und Kuwait, ebenfalls unter Umgehung der Kongressprüfung: Luftverteidigungssysteme, lasergelenkte Raketen.

Die Operation, die im Februar mit US-Schlägen auf iranische Atomanlagen begann, ist juristisch beendet, militärisch suspendiert, strategisch offen. Iran legte am 02. Mai über pakistanische Vermittler einen 14-Punkte-Plan vor: 30 Tage Verhandlungsfrist, Truppenrückzug der USA aus Irans Peripherie, Aufhebung der See-Blockade, Vermögensfreigabe, Reparationen, Sanktionsende, Atomgespräche erst nach Kriegsende. Die USA hatten einen 9-Punkte-Plan eingereicht: vollständige Wiederöffnung von Hormus, Ende des Atomprogramms. Trump sagte am Freitag, er sei „nicht zufrieden", am Samstag dann widersprüchlich: „Sie haben mir das Konzept erläutert" und gleich danach: „Wenn sie sich schlecht benehmen, könnten die Schläge wiederbeginnen." Der Abstand ist nicht taktisch, er ist strukturell. Iran lehnt jede Aufgabe seines zivilen Atomprogramms kategorisch ab.

Während der politische Rahmen schwankt, festigt sich die operative Realität. Die USA blockieren seit dem 13. April iranische Häfen. Iran kontrolliert die Straße von Hormus faktisch. Am 01. Mai drohte das US-Finanzministerium Reedereien Sanktionen an, die Iran für die Durchfahrt zahlen - nicht nur bei Bargeld, sondern auch bei digitalen Vermögenswerten und Sachleistungen. CENTCOM meldete am Samstag, 48 Handelsschiffe seien bereits zurückgewiesen worden. Vor dem Krieg passierten 3.000 Schiffe pro Monat die Meerenge, im März 154. Was juristisch als beendet deklariert wird, ist ökonomisch ein anhaltender Wirtschaftskrieg um die Kontrolle über 20 Prozent des globalen Öl- und Gashandels.

Iran arbeitet diplomatisch in mehrere Richtungen gleichzeitig. Außenminister Araghchi reiste binnen einer Woche nach Pakistan, in den Oman und nach Russland; er telefonierte mit den Außenministern Indiens und mehrerer Golfstaaten. Die 14 Punkte sind das Resultat dieser Vorarbeit. Iran versucht, den Konflikt aus der bilateralen US-Israel-Logik herauszuziehen und in eine multipolare Vermittlungsarchitektur zu führen. Eine zentrale Forderung des 14-Punkte-Plans betrifft Libanon: Beendigung der Kämpfe. Israel führte am 02. Mai trotz Waffenstillstand großangelegte Luftschläge im Südlibanon durch.

Die Klammer, in die diese Woche gehört, ist nicht „Iran-Krise". Sie ist die Sequenz, die Anfang Februar bereits in meinem Beitrag „Operation Pivot" als zusammenhängende Bewegung beschrieben wurde - Venezuela, Mexiko, Iran, Panama, China. Wer die Sequenz versteht, sieht den 14-Punkte-Plan anders: Iran ist kein Endziel, sondern ein Schauplatz auf einem Weg, der weiterführt. Genau deshalb wird hier juristisch beendet, was strategisch laufen muss. Was das für die Golfstaaten bedeutet, die zwischen US-Truppenstandorten und iranischer Schussweite eingekeilt sind, habe ich in „Folgt dem Öl, Teil 3" durchbuchstabiert. Die Lage hat sich seither nicht entspannt - sie wird konkreter. Die laufenden Updates zur Verhandlungslage führeichmittwochs und sonntags fort, zuletzt am 29. April und am 03. Mai.

Fragen:

  • Was geschieht, wenn die 30-Tage-Frist des iranischen Vorschlags abläuft - und was, wenn die USA die Wiederöffnung des Atomprogramm-Themas nicht aufgeben?
  • Wie lange tragen die Treasury-Sanktionen gegen Reedereien, ohne dass der Schiffsverkehr sich neue Routen sucht?
  • Welche Rolle spielen Pakistan und Oman als Vermittler über den Iran-Konflikt hinaus?
  • Was bedeutet die Kongressumgehung - sowohl der War-Powers-Frist als auch der Rüstungsexport-Prüfung - für die Verfasstheit der amerikanischen Exekutive?

Europa als abhängiger Rüstungsraum

Die Reihenfolge entscheidet. Am 30. April kritisierte Trump erneut Bundeskanzler Merz wegen dessen Iran-Haltung. Am 01. Mai bestätigte das Pentagon den Abzug von rund 5.000 US-Soldaten aus Deutschland über das nächste Jahr - von derzeit etwa 35.000. Reuters nennt den Streit zwischen Trump und Merz über den Iran-Krieg ausdrücklich als Kontext der Entscheidung. Verteidigungsminister Pistorius nennt den Schritt „erwartet" - diplomatischer Frostschutz. Am gleichen Tag warnte die Financial Times, die USA hätten europäische Verbündete, darunter Großbritannien und Polen, vor Verzögerungen bei US-Waffenlieferungen gewarnt. Drittens, ebenfalls am 01. Mai: 8,6 Milliarden Dollar Rüstungsexporte an Israel, Qatar, die VAE und Kuwait, freigegeben unter Umgehung der Kongressprüfung. Was als bilaterale Personaldifferenz wirkt, ist der Stresstest einer Architektur.

Die Architektur lautet: Europa zahlt für seine eigene Aufrüstung, kauft sie zu großen Teilen in den USA, bleibt bei Schlüsselkomponenten (Patriot, F-35, Aufklärung, Munition) abhängig - und sieht sich gleichzeitig amerikanischer Disziplinierung ausgesetzt, sobald es sicherheitspolitisch eigenständig argumentiert. Wenn Washington Lieferverzögerungen verhängen kann, ist die europäische Rüstung ohne amerikanisches Einverständnis nicht handlungsfähig. Wenn Washington Truppen abzieht, weil ihm die Iran-Position des Bundeskanzlers nicht passt, ist die Rolle der US-Streitkräfte als „Schutz vor Russland" als Rolle benennbar. Den Rahmen, in dem dieser Truppenabzug Sinn ergibt, habe ich in „Krieg vor dem Krieg, Teil 7" gerade erst dargelegt - sechzehn Veränderungen zwischen 2014 und 2026, die Europa von einer Friedensordnung in eine Kriegsbereitschaft transformiert haben, ohne dass die Öffentlichkeit es als Ganzes wahrgenommen hätte.

Die zweite Schicht ist die Ukraine. Am 23. April beschloss der informelle EU-Gipfel den 90-Milliarden-Euro-Kredit final, nachdem Orbáns Veto durch seine Abwahl entfallen war - 60 Milliarden Euro davon fließen direkt in den ukrainischen Verteidigungssektor. Brüssel und Kiew unterzeichneten parallel Abkommen über mehr als eine Milliarde Dollar an Joint-Venture-Investitionen. Die Ukraine produziert nach Selenskyjs eigenen Angaben inzwischen 50 Prozent über dem ukrainischen Eigenbedarf an Drohnen und sondiert Verkäufe in die Golfregion. Der europäische Steuerzahler finanziert eine ukrainische Rüstungsindustrie, die zur exportierenden Großmacht wird, während ein erheblicher Teil des Kredits Tilgungen alter Kredite an europäische Banken bedient. Das ist kein moralischer Vorwurf, sondern eine Beschreibung der Geldflüsse.

Die dritte Schicht ist die Energie. Am 25. April trat das Verbot kurzfristiger LNG-Importe aus Russland in Kraft - Pipeline-Gas folgt am 17. Juni, langfristige LNG-Verträge ab Januar 2027. Damit kappt die EU die letzte verbleibende Energieabhängigkeit von Russland in einem Moment, in dem Hormus blockiert ist und der Ölmarkt unter Druck steht. Strukturell hat Europa seine Optionen halbiert, ohne neue zu schaffen. Was das ökonomisch bedeutet, habe ich in „Folgt dem Öl, Teil 2" durchgerechnet.

Die Frage, die sich aus dieser Wochengeschichte aufdrängt, lautet nicht: Wie reagiert Berlin? Sie lautet: Wie soll Berlin überhaupt reagieren können? Eine Bundeswehr, die in der Beschaffungsplanung weltweit auf Platz vier rangiert und im Gefecht zweieinhalb Tage durchhält, hat keinen verfügbaren Hebel gegenüber einer Macht, die Truppen abziehen, Lieferungen verzögern und Verbündete im Nahen Osten mit Milliardenpaketen ausstatten kann - alles in derselben Woche. Wer die strategische Tiefe des Befundes sehen will, findet sie in der Serie „Aufrüstung im Niedergang". Wer den ironischen Spiegel der Eigenwahrnehmung sucht, findet ihn in „Siegfähig".

Fragen:

  • Was tut Berlin, wenn Washington den nächsten Truppenkontingent-Abzug an die Iran-Position koppelt?
  • Wenn Brüssel die ukrainische Rüstungsindustrie aufbaut - wer kauft, und wer zahlt am Ende?
  • Was ist der nächste Bereich, den Europa nach Russland-Energie und US-Rüstung als „Abhängigkeit" auflisten muss?
  • Wem nützt das ehrlich - und wem nützt es nur in der Erzählung?

Mali brennt - Russland verliert in Afrika

Am 25. April starteten zwei Bewegungen, die strategisch verschieden, taktisch koordiniert sind: die Tuareg-geführte Front zur Befreiung Azawads und die Al-Qaida-affilierte Jama'at Nusrat al-Islam wal Muslimin. Sie griffen an einem Tag mehrere malische Garnisonsstädte an - Kidal, Gao, Sevare, Kati. Verteidigungsminister Sadio Camara, einer der zentralen Architekten des malischen Bündnisses mit Russland, wurde mit seiner Familie in seinem Haus in Kati getötet, wenige Kilometer von der Hauptstadt entfernt. JNIM erklärte daraufhin offiziell die Belagerung Bamakos und warnte Zivilisten, sich nicht zwischen Armee und Kämpfer zu stellen.

Die Reaktion der russischen Söldner sagt mehr über die Lage als die offiziellen Verlautbarungen. Africa Corps - die Wagner-Nachfolgeorganisation - teilte auf Telegram mit, sie habe sich „im Einvernehmen mit der Führung der Republik Mali" aus Kidal zurückgezogen. „Verwundete und schweres Gerät wurden zuerst evakuiert." In der Sprache von Söldnern ist das die Übersetzung für: Wir können die Stadt nicht halten. Eine Woche zuvor hatte JNIM in Segou bei einem Hinterhalt mindestens sechs russische Kämpfer getötet. Die Allianz der Sahel-Staaten - Mali, Burkina Faso, Niger - flog am 30. April gemeinsame Luftangriffe mit Su-24-Jets auf JNIM- und Azawad-Stellungen in der Region Gao. Es war die erste echte Bewährungsprobe der im September 2023 gegründeten Verteidigungsallianz.

Was hier geschieht, ist mehr als ein malischer Sicherheitsvorfall. Es ist der bisher schwerste Schlag gegen die Sahel-Achse, die seit 2020 Schritt für Schritt errichtet wurde: drei Militärputsche zwischen 2020 und 2023, Austritt aus ECOWAS, Auswurf der französischen Truppen, Einrücken russischer Söldner, Aufbau einer eigenen Allianz unter dem Banner der Souveränität. Diese Architektur stand auf zwei Säulen: dem Versprechen, gegen die jihadistische Bedrohung effektiver zu sein als die Vorgänger, und dem russischen Sicherheitsversprechen. Beide Säulen wankten in dieser Woche zugleich. Die Junta in Niamey beschuldigt ausländische Mächte - „insbesondere Frankreich" - der Komplizenschaft mit den Angreifern. Niger sagte die 1.-Mai-Paraden im ganzen Land aus Sicherheitsgründen ab. Burkina Faso versetzte die Hauptstadt Ouagadougou in erhöhte Sicherheitsbereitschaft. Die Elfenbeinküste rechnet mit einer Flüchtlingswelle.

Das Bild, das sich aus dieser Woche ergibt, lässt sich nicht in den Kategorien lesen, mit denen die internationale Berichterstattung Sahel-Krisen sortiert. Frankreich - aus Mali vertrieben, in Niger verbannt - wird von der nigrischen Regierung als Drahtzieher beschuldigt; ein Vorwurf, den Paris bestreitet, der aber den Resonanzraum hat, weil ehemalige Kolonialmächte selten unterirdische Spielarten ihrer Einflusswiederbeschaffung aufgeben, wenn die offizielle Tür geschlossen ist. Russland steht in einer schwierigen Lage: Africa Corps ist gleichzeitig in Mali, in der Zentralafrikanischen Republik, in Libyen, in Sudan im Einsatz. Die personellen Reserven sind begrenzt. Wenn die Söldner in Kidal nicht mehr halten können, ist die Ausstrahlung des russischen Modells beschädigt - nicht nur in Mali, sondern überall, wo es als Alternative zur westlichen Sicherheitspartnerschaft angeboten wird.

Was sich hier zuspitzt, ist eine Geschichte, in die der größere Strang gehört: Wer profitiert, wenn die Junta-Allianz zerbricht? Wer beliefert wen mit Waffen, wer stellt Geheimdienstinformationen, wer sitzt am Verhandlungstisch, wenn Bamako zu fallen droht? Diese Fragen sind die gleichen, die wir in anderen afrikanischen Theatern immer wieder stellen müssen - und die Antworten zeigen ein Muster, das sich mit dem Stichwort Sudan und der dortigen Rolle der VAE und der RSF nicht erschöpft. Wir werden in der kommenden Woche mit einer eigenen Analyse zu Mali nachsetzen.

Fragen:

  • Wenn Africa Corps in Kidal nicht mehr halten kann - was bedeutet das für die russische Rolle in der Zentralafrikanischen Republik, in Libyen, im Sudan?
  • Wer hat ein konkretes Interesse am Sturz der malischen Junta - und wer hätte ein Interesse an ihrem Überleben?
  • Werden Niger und Burkina Faso die nächste Welle sein, oder wird das Bündnis sich in dieser Krise konsolidieren?
  • Was ist der westliche Plan für ein Mali nach dem Abzug Africa Corps - wenn es einen gibt?

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In eigener Sache

Diese Woche neu auf www.michael-hollister.com erschienen ist die zweiteilige Bestandsaufnahme zu Folter in israelischen Hafteinrichtungen seit dem 7. Oktober 2023.

Teil 1: Das System hinter den Gittern. Folter in israelischen Hafteinrichtungen ist kein Kontrollverlust - sie ist das Produkt eines rechtlich-institutionellen Rahmens, der Misshandlung ermöglicht, verdeckt und straffrei hält. Drei Sonderrechtsgesetze, drei Behörden, null Anklagen in zwei Jahren. Eine Rekonstruktion der Haftarchitektur, die seit dem 7. Oktober 2023 systematisch ausgebaut wurde.

Teil 2: Was der UN-Ausschuss gegen Folter zu Israel festgestellt hat. Am 22. Dezember 2025 veröffentlichte der UN-Ausschuss gegen Folter sein Abschlussdokument zur sechsten Periodischen Überprüfung Israels. Was darin steht, ist stärker als das, was die meisten Berichte wiedergeben: Der Ausschuss sieht Belege auf eine de-facto-Staatspolitik organisierter und verbreiteter Folter und verweist auf Feststellungen, die Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Actus Reus eines Genozids benennen.

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Michael Hollister
war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

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Bildquelle: Michael Hollister

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Quellenverzeichnis

Iran - War Powers, 14-Punkte-Plan, Verhandlungen

Iran - Hormus, Blockade, Sanktionen

  • US Treasury Department Advisory zu Hormus-Zahlungen, 01. Mai 2026 (über CNN Live)
  • US Central Command: 48 Schiffe zurückgewiesen, 02. Mai 2026 (über PBS NewsHour)
  • Reuters: Pakistan vermittelt iranischen Vorschlag, 01. Mai 2026

Iran - Diplomatie / Araghchi

  • Reuters: Araghchi in Islamabad, 24. April 2026
  • Reuters: Araghchi in Muscat, 26. April 2026
  • Reuters: Araghchi in Russland, Treffen mit Putin, 27. April 2026

Mali / Sahel

USA-Deutschland / Truppenabzug / Rüstung

  • Reuters: USA ziehen 5.000 Soldaten aus Deutschland ab, 01. Mai 2026
  • Reuters: Trump verschärft Ton gegen Merz, 30. April 2026
  • Reuters/FT: US-Warnung an europäische Verbündete bei Lieferverzögerungen, 01. Mai 2026
  • Reuters: 8,6 Milliarden Dollar Rüstungsverkäufe an Nahost-Verbündete unter Kongressumgehung, 01. Mai 2026
  • US State Department Statements zu Rüstungsverkäufen Israel/Qatar/UAE/Kuwait, 01. Mai 2026 (über CNN Live)

EU - Gas-Ende, Ukraine-Kredit

Taiwan / Südchinesisches Meer / Trump-Xi

Panama / Gaza

  • Reuters: Joint statement on Panama sovereignty, 28. April 2026
  • Reuters: Panama Canal traffic increase, 28. April 2026
  • Reuters exclusive: USA wollen zentrale Gaza-Mission schließen, 01. Mai 2026
  • Reuters: Israel stoppt Hilfsschiffe Richtung Gaza, 30. April - 01. Mai 2026

Mexiko / Venezuela

Israel-Libanon

Eigene Analysen

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Anti-Spiegel

Russland in der Ukraine oder USA und Israel im Naher Osten, wer führt wo einen „brutalen Angriffskrieg“?

veröffentlicht.
Vorschau ansehen Der Westen – und vor allem deutsche Medien und Politiker – werfen Russland vor, in der Ukraine einen „brutalen Angriffskrieg“ zu führen, während sie sich nicht einmal dazu durchringen können, das Vorgehen Israels und der USA gegen Iran und Libanon auch nur ernsthaft zu kritisieren. In der Ukraine sind seit Februar 2022 nach offiziellen Zahlen […]
(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ apolut

Israel: Opfer oder Brandstifter? | Von Uwe Froschauer

veröffentlicht.
Vorschau ansehen Israel: Opfer oder Brandstifter? | Von Uwe Froschauer

Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.

Zwischen ethischem Anspruch und realisierter Vorgehensweise Israels klafft ein tiefer Abgrund. Israel beruft sich auf Selbstverteidigung, auf westliche Werte, auf Moral – doch die Praxis spricht eine andere Sprache, die diese Werte mehr als nur infrage stellt.

Der damalige Verteidigungsminister Yoav Gallant verkündete kurz nach Kriegsbeginn in Gaza, man kämpfe gegen „human animals“ und werde „entsprechend handeln“. Andere Regierungsvertreter sprachen davon, Gaza vollständig zu zerstören oder es gebe „keine Unbeteiligten“.

Das ist mehr als Kriegsrhetorik, es ist eine Entmenschlichung, eine Dämonisierung des Gegners. Der Internationale Strafgerichtshof zog diese sich selbsterhöhende, arrogante und menschenverachtende Denk- und Kommunikationsweise als Indiz für schwerste Verbrechen heran.

Wenn Menschen zu „Tieren“ erklärt werden, wird Gewalt leichter legitimierbar. Wenn von „totaler Zerstörung“ die Rede ist, verschwimmt die Grenze zwischen militärischem Ziel und kollektiver Bestrafung. Wenn politische Entscheidungen religiös oder moralisch überhöht werden, entsteht ein gefährliches Selbstbild, die das eigene Handeln als gerecht – unabhängig von seinen Folgen – darstellt.

Wie weit dieses Selbstbild inzwischen reicht, zeigt auch die jüngste diplomatische Eskalation Israels mit Spanien. Nachdem die spanische Regierung Israels Vorgehen scharf kritisiert hatte, reagierte Benjamin Netanjahu am 10. April 2026 mit ungewöhnlicher Schärfe. Spanien habe Israels Soldaten „verleumdet“, erklärte er – Soldaten der „moralischsten Armee der Welt“. Selten so gelacht! Israel entzog Spanien die Beteiligung an einem Koordinierungszentrum für Gaza und reagierte damit direkt auf die kritische Haltung der spanischen Regierung. Jerusalem warf Madrid eine einseitige, gegen Israel gerichtete Position vor und stellte die Zusammenarbeit infrage.

Weiter so, Pedro Sánchez und Spanien! Couragierte Staatenführer wie Sie gibt es viel zu wenig in der EU.

Die Botschaft ist eindeutig: Kritik wird vom israelischen Regime nicht als legitimer Bestandteil internationaler Politik gesehen, sondern als Parteinahme gegen Israel – mit konkreten politischen Konsequenzen. Was für eine Arroganz! Wer das eigene militärische Handeln als moralisch überlegen darstellt und jede Kritik daran delegitimiert, legt eine Haltung zutage, die sich selbst über das Recht und jedes Maß stellt.

In meinen Augen handelt es sich bei Israels Verhalten längst nicht mehr um legitime Selbstverteidigung, sondern um eine Form von Politik, die die Grundlagen von Recht und Menschlichkeit untergräbt.

Gaza

Der Krieg im Gazastreifen war und ist mehr als eine militärische Auseinandersetzung. Er ist zu einem moralischen und politischen Prüfstein geworden – für Israel, für den „Wertewesten“ und für das internationale Rechtssystem. Was als Reaktion auf die brutalen Angriffe der Hamas im Oktober 2023 begann – bei denen rund 1.200 Menschen in Israel getötet wurden – hat sich zu einer Eskalation entwickelt, deren Ausmaß mehr als in Frage zu stellen ist.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach Angaben von Organisationen der UN sind bis Anfang 2026 über 70.000 Menschen im Gazastreifen ums Leben gekommen, darunter ein sehr hoher Anteil an Zivilisten. UNICEF geht davon aus, dass mindestens 20.000 Kinder unter den Opfern sind. Gleichzeitig wurden auf israelischer Seite bei den Hamas-Angriffen etwa 1.200 Menschen getötet, hinzu kommen mehrere hundert gefallene Soldaten im weiteren Kriegsverlauf. Diese Zahlen stammen aus sehr vorsichtigen Schätzungen. Die tatsächlichen Zahlen auf palästinensischer Seite dürften noch wesentlich höher ausfallen.

Diese Zahlen zeigen eine Relation, die das Verhältnis der Todesopfer in einer Größenordnung von etwa 1 zu 30 oder darüber sehen, und spiegeln auch die Verhältnisse vergangener israelischer Militäroperationen wider. Diese Diskrepanz wirft grundlegende Fragen nach der Verhältnismäßigkeit israelischer Militäroperationen auf. Das Völkerrecht misst militärisches Handeln nicht allein an der Legitimität eines Ziels, sondern auch an der Art und Weise, wie es verfolgt wird. Die Legitimität des Handelns Israels scheint nach dem Überfall der Hamas am 7.Oktober gegeben zu sein, auch wenn es auffällig ist, dass der sicherheitspolitisch wohl am besten aufgestellte westliche Staat erst eine halbe Stunde später darauf reagiert hat. Wenn an der Grenze zu Gaza ein Hund entlang des Grenzzauns auf palästinensischer Seite herumstreunt, wissen das die Sicherheitskräfte Israels innerhalb von wenigen Sekunden.

Die humanitäre Lage in Gaza ist nach wie vor verheerend – weil der Krieg noch nicht abgeschlossen ist – wie Donald Trump behauptet, der ja auch schon neun Mal den Krieg im Iran gewonnen hat –, sondern faktisch weitergeht. Große Teile der Infrastruktur sind zerstört, Krankenhäuser arbeiten unter extremen Bedingungen oder gar nicht mehr, und ein erheblicher Teil der Bevölkerung ist auf der Flucht. Die UN spricht von einer Katastrophe historischen Ausmaßes.

Zwar ist immer wieder von Waffenruhen die Rede, doch die Realität vor Ort zeichnet ein anderes Bild: Diese Feuerpausen sind brüchig, von gegenseitigem Misstrauen geprägt und werden regelmäßig durch neue Angriffe unterlaufen. Selbst in jüngster Zeit kam es weiterhin zu israelischen Luftschlägen im Gazastreifen – und zwar trotz bestehender Waffenruhe. Am 5. April 2026 wurden im Norden Gazas bei israelischem Beschuss mindestens vier Menschen getötet, wie örtliche Gesundheitsbehörden berichteten. Am 6. April 2026 folgte ein besonders schwerer Angriff: Bei einem Luftschlag nahe einer Schule im zentralen Gazastreifen, in der sich Vertriebene aufhielten, wurden mindestens zehn Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Nur zwei Tage später, am 8. April 2026, kam es erneut zu tödlichen Angriffen. Dabei wurden mindestens vier Menschen getötet, darunter auch ein Journalist, der von einer Drohne getroffen wurde. Am 9. April 2026 setzte sich die Gewalt fort: Bei weiteren Angriffen und Schusswechseln wurden mindestens vier Palästinenser getötet, unter ihnen ein Schulkind. Allein das Leben dieses unschuldigen Schulkinds, Herr Netanjahu, wiegt in meinen Augen mehr als Ihr verwerfliches, blutbeflecktes Leben.

Die Ereignisse der darauffolgenden Tage zeigen, dass von einem echten Waffenstillstand keine Rede sein kann. Am 11. April 2026 wurden bei israelischen Angriffen im zentralen und südlichen Gazastreifen mindestens sieben Palästinenser getötet, darunter Zivilisten, die sich in dicht besiedelten Gebieten und in der Nähe von Unterkünften aufhielten. Zwei Tage später, am 13. April 2026, trafen weitere Luftschläge erneut zivile Bereiche – unter anderem nahe einer Schule und eines Cafés. Mindestens vier Menschen wurden getötet, während gleichzeitig über eine Waffenruhe verhandelt wurde. Am 14. April 2026 eskalierte die Lage weiter: Bei mehreren Angriffen wurden mindestens elf Menschen getötet, darunter Kinder. Ein Luftschlag traf ein Fahrzeug, ein anderer ein Gebiet nahe eines Cafés in einem Flüchtlingslager. Und so geht es Tag für Tag weiter.

Das sind keine „Einzelfälle“. Nach Angaben von UN-Stellen wurden allein seit Anfang April 2026 mindestens 32 Palästinenser getötet. Angriffe, Beschuss und Tötungen finden faktisch täglich statt. Wann hört ihr Israelis endlich auf mit dem Morden?

Während politisch von Waffenruhe gesprochen wird, sterben weiter Menschen. Während diplomatisch verhandelt wird, fallen weiter Bomben. Während von „gezielten Schlägen“ die Rede ist, trifft es weiterhin Zivilisten – Kinder, Journalisten, Helfer. Und Netanjahu spricht von der „moralischsten Armee der Welt“. Ich spreche von einer Terrororganisation.

Diese Abfolge innerhalb weniger Tage zeigt deutlich: Von einem stabilen Waffenstillstand kann keine Rede sein. Es handelt sich um eine Situation, in der die Gewalt zwar phasenweise reduziert wird, tatsächlich aber kontinuierlich weitergeht – mit anhaltend tödlichen Folgen für die Zivilbevölkerung. Schande über das israelische Regime!

Internationale Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch werfen Israel richtigerweise vor, mit seinem militärischen Vorgehen gegen das Völkerrecht zu verstoßen – durch unverhältnismäßige Angriffe oder Maßnahmen, die als kollektive Bestrafung zu interpretieren sind.

Israel verweist hingegen darauf, dass die Hamas gezielt aus dicht besiedelten Gebieten operiert und Zivilisten als Schutzschilde nutzt, was zu einem Teil vermutlich auch stimmt. Doch es entbindet nicht von der Verpflichtung, zivile Opfer so weit wie möglich zu vermeiden. Und das werfe ich der israelischen Führung vor: Es geht nicht nur um das „Ob“ der Selbstverteidigung, sondern auch um das „Wie“. Und diese Unverhältnismäßigkeit macht Israel für mich zu einem Schurken- und Terrorstaat und die israelische Regierung zu Kriegsverbrechern.

Gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und den damaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant wurden beim International Criminal Court (Internationaler Strafgerichtshof) Haftbefehle wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragt. Der Chefankläger des Den Haager Tribunals begründete diesen Schritt mit dem Verdacht, dass unter anderem der Einsatz von Hunger als Kriegswaffe sowie Angriffe mit schwerwiegenden zivilen Folgen Teil der militärischen Strategie gewesen sein könnten. Damit steht der begründete Vorwurf im Raum, dass das israelische militärische Handeln gezielt gegen grundlegende Prinzipien des humanitären Völkerrechts verstoßen haben könnte – und meines Erachtens zweifellos auch hat.

Diese seit längerem erlassenen Haftbefehle wiegen schwer, da mit ihnen eine Schwelle überschritten wurde: Die militärische Vorgehensweise Israels wird nicht mehr nur politisch kritisiert, sondern als potenziell strafbares Handeln auf höchster internationaler Ebene bewertet.

Parallel dazu hat der Internationale Strafgerichtshof auch Haftbefehle gegen führende Vertreter der Hamas erlassen, darunter Yahya Sinwar, Mohammed Deif und Ismail Haniyeh. Ihnen werden unter anderem Mord, Geiselnahme und schwerste Gewaltverbrechen gegen Zivilisten zur Last gelegt. Gut so.

Dass eine nichtstaatliche Organisation wie die Hamas wegen Terrorakten verfolgt wird, überrascht kaum. Dass jedoch gleichzeitig die Führung eines international anerkannten Staates – warum das immer noch so ist, wird immer fraglicher – mit Haftbefehlen konfrontiert ist, der sich selbst als demokratisch und rechtsstaatlich versteht – an dieser Stelle darf selbstverständlich gelacht werden –, markiert einen historischen Einschnitt.

Für die internationale Gemeinschaft hat das konkrete Konsequenzen. Staaten, die dem Internationalen Strafgerichtshof angehören, sind verpflichtet, Netanjahu und andere Beschuldigte bei einer Einreise festzunehmen, was aber Bellizisten wie King Donald – der wahrscheinlich zu Gott aufsteigen möchte und neuerdings auch den pazifistischen Papst Leo scharf kritisiert – kaum interessiert.

Dass ein amtierender Regierungschef wie Benjamin Netanjahu in diese Lage gerät, ist ein außergewöhnlicher Vorgang – und ein deutliches Signal dafür, wie gravierend die erhobenen Vorwürfe sind. Hätten wir eine gerechte Welt, würde Netanjahu längst hinter Schloss und Riegel sitzen.

Vor dem Hintergrund der massiven Opferzahlen in Gaza und der offensichtlichen militärischen Überlegenheit Israels ist dieser Schritt eine verspätete juristische Reaktion auf eine Eskalation, deren Ausmaß sich längst nicht mehr allein mit dem Begriff der Selbstverteidigung erklären lässt.

Der israelische Angriff auf den Iran ist ohnedies völkerrechtswidrig und die Ermordung von Zivilisten im Libanon ist ein Kriegsverbrechen. Israel überschreitet hier – mit Unterstützung der USA – Grenzen, die das Völkerrecht unmissverständlich zieht. Werden diese Überschreitungen nicht geahndet, ist das Völkerrecht keinen Pfifferling mehr wert.

Iran und Libanon

Geopolitisch spitzt sich die Lage zu. Im Norden Israels beziehungsweise im Süden des Libanon kommt es zu Gefechten mit der Hisbollah, während die Spannungen mit dem Iran weiter eskalieren. Im Libanon sind bereits viele zivile Opfer zu beklagen. Israel argumentiert, es stehe einer existenziellen Bedrohung gegenüber. Ich sehe insbesondere eine Strategie, die militärische Dominanz über politische Lösungen zum Beispiel in Gaza stellt, und dadurch – mit Hilfe der USA – immer wieder neue Konflikte erzeugt. Mit „politischer Lösung“ ist unter anderem die Zweistaatenlösung gemeint – also ein lebensfähiger palästinensischer Staat neben Israel. Diese von der internationalen Gemeinschaft präferierte Perspektive hat Netanjahu über Jahre bekämpft. Seine Regierung ließ Qatar-Gelder nach Gaza fließen, was offiziell der Stabilisierung dienen sollte, faktisch aber die Hamas stärkte, die Palästinenser spaltete und eine politische Lösung nach wie vor erschwert.

Was Israel im Libanon mit vielen zivilen Opfern veranstaltet, sehe ich – wie in Gaza – als schweres Kriegsverbrechen an. Im Süden des Libanon wurden Ende März 2026 mehrere UN-Soldaten der UNIFIL-Mission (Blauhelme) getötet – nach ersten UN-Ermittlungen wurde mindestens einer der UN-Soldaten durch ein israelisches Panzergeschoss getötet, während zwei weitere bei einer Explosion ums Leben kamen, die eher auf einen Sprengsatz der Hisbollah zurückzuführen ist. Der Vorfall löste international scharfe Reaktionen aus: Mehrere Staaten verurteilten die Angriffe und forderten Konsequenzen. Dass selbst UN-Blauhelme – neutrale Kräfte – in diesem Konflikt zu Opfern werden, zeigt, wie sehr grundlegende Regeln des Kriegs missachtet werden.

Internationale Sichtweisen

Die internationale Unterstützung beginnt zu bröckeln. Staaten wie Spanien gehen meines Erachtens richtigerweise auf Distanz. Die deutsche Bundesregierung dagegen hält an der sogenannten Staatsräson fest – der politischen Verpflichtung, Israels Sicherheit zur eigenen Angelegenheit zu machen. Unter Bundeskanzler Friedrich Merz wird diese Linie klar vertreten. Ich sehe das anders: Wer ein Unrechtsregime unterstützt, das unter anderem den Tod von mehr als 20.000 Kindern in Gaza indirekt unterstützt, macht sich selbst mitschuldig an solchen Gräueltaten.

Deutschland versteht sich als Verfechter von Menschenrechten und internationalem Recht, vermeidet jedoch eine entsprechend klare Kritik an Israel, selbst angesichts der massiven Zerstörung und der hohen Opferzahlen in Gaza. Während Verstöße gegen das Völkerrecht in anderen Regionen wie der Ukraine scharf verurteilt werden, bleibt der Ton gegenüber Israel deutlich vorsichtiger. Gesinnungsethische Doppelmoral!

Die USA stehen weiterhin an der Seite Israels, versuchen jedoch gleichzeitig, eine weitere Eskalation im Iran zu verhindern, auch wenn Trump in seiner Kriegsrhetorik fast täglich zwischen extremer militärischer Härte gegen den Iran und versöhnlichen Gesten wechselt. Je länger der Krieg dauert und je stärker die Zahl der Opfer ansteigt, desto schwieriger wird es für die USA, diese Position politisch zu halten. Donald Trump merkt, dass er sich mit dem Angriffskrieg gegen den Iran, in den er sich von Benjamin Netanjahu hineinziehen ließ, ein Eigentor geschossen hat, dessen Auswirkungen sich in den Zwischenwahlen in den USA – den Midterms – am 3. November 2026 zeigen werden. Dieser wichtige Stimmungstest wird für US-Präsident Donald Trump nach meiner Einschätzung nicht gut ausfallen.

Erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Position des Vatikans. In seiner Osterbotschaft stellte Papst Leo XIV. den Krieg grundsätzlich infrage, nicht nur die konkreten Ereignisse, sondern als Ausdruck einer globalen Entwicklung, in der Gewalt zunehmend als legitimes Mittel der Politik dargestellt und als solches genutzt wird. Er sprach von einer dramatischen humanitären Lage, forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen und stellte den Schutz der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt. Dabei richtete sich seine Kritik nicht ausschließlich auf den Gazastreifen. Der Papst verurteilte die Eskalation von Kriegen insgesamt, ausdrücklich auch die wachsenden Spannungen im Konflikt mit dem Iran. Seine Botschaft zielte damit auf die gesamte Dynamik der Gewalt im Nahen Osten – auf eine Politik, die zunehmend auf Konfrontation statt auf Ausgleich setzt.

Die Stoßrichtung seiner Worte war klar. Während er global argumentierte, lag der moralische Schwerpunkt seiner Kritik auf der konkreten Realität in Gaza: auf der massiven Zerstörung, auf dem Leid der Zivilbevölkerung und auf eine ethisch nicht mehr zu verantwortende Kriegsführung. Indirekt richtete sich seine Kritik an die Hauptakteure Israel und an dessen wichtigsten Verbündeten, die USA.

Wenn das Oberhaupt der katholischen Kirche in dieser Deutlichkeit Position bezieht, ist es ein unüberhörbares Signal an die Bellizisten dieser Welt, mit ihren menschenvernichtenden Handlungsweisen aufzuhören. Die Kritik des Papstes und anderer Klardenker hat eine moralische Dimension erreicht, die sich nicht mehr einfach relativieren lässt, wie das unverantwortliche Bellizisten gerne tun.

Donald Trump griff den Papst wegen seiner kritischen Worte öffentlich an und stellte dessen Autorität infrage – sinngemäß mit der Bemerkung, ohne ihn im Weißen Haus würde dieser nicht an der Spitze des Vatikans stehen. Eine miese Reaktion, Herr Trump, typisch für Menschen wie Sie, denen ihre ethische Kleinheit ins Gesicht geschrieben steht. Es geht Ihnen nicht mehr um eine inhaltliche Auseinandersetzung, sondern um den Versuch, moralische Kritik zu diskreditieren. Ich verstehe Ihre Reaktion auch als einen Versuch eines in die Enge getriebenen Menschen, der mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln versucht, sich aus dieser misslichen Situation zu befreien.

In diese Auseinandersetzung mischte sich auch der US-Vizepräsident J. D. Vance ein. Er kritisierte die Stellungnahmen des Papstes und machte sinngemäß deutlich, dieser solle sich um moralische Fragen kümmern – nicht um die Außenpolitik der USA. Doch darin liegt die Ironie dieser Debatte. Denn worum geht es hier, wenn nicht um Moral? Wenn ein Krieg geführt wird, wenn zehntausende Zivilisten sterben, wenn ganze Landstriche zerstört werden – dann ist das keine rein geopolitische oder strategische Frage mehr, sondern eine zutiefst moralische. Indem der Papst Gewalt, Eskalation und das Leid der Zivilbevölkerung kritisiert, tut er genau das, was von ihm erwartet wird: Er bewertet politisches Handeln aus einer moralischen Perspektive.

Die eigentliche Frage ist daher nicht, warum er sich äußert – sondern warum politische, unmoralisch agierende Entscheidungsträger versuchen, diese moralische Dimension auszublenden. Wenn Kriege geführt werden, die ganze Landstriche verwüsten und tausende Zivilisten töten, dann geht es nicht nur um Interessen, Macht oder Sicherheit. Dann geht es um die grundlegende ethische Frage: Was ist richtig – und was ist falsch? Mit den Worten, der Papst solle sich um die moralischen Aspekte dieser Welt kümmern, hat sich Vance ein Eigentor geschossen. Schön, dass die italienische Ministerpräsidentin Georgia Meloni sich hinter den Papst stellt, und Trump relativ scharf kritisiert. Diese Courage hat unser Bundeskanzler leider nicht!

Ein grundlegender Widerspruch westlicher Denk- und Verhaltensweisen wird sichtbar: Während Deutschland unter Bundeskanzler Friedrich Merz unbeirrt an der Staatsräson festhält und die USA ihre Unterstützung für Israel aufrechterhalten, formuliert der Vatikan eine Kritik, die diese politische Linie infrage stellt – nicht aus geopolitischem Kalkül, sondern aus einem universellen moralischen Anspruch heraus.

Wenn selbst eine Institution wie der Vatikan, die traditionell zur Zurückhaltung neigt, den Kurs der Eskalation so deutlich kritisiert, dann stellt sich unweigerlich die Frage, ob die vielbeschworenen Werte des Westens noch das sind, was sie vorgeben zu sein, oder ob sie dort enden, wo politische Interessen beginnen. Wer Israel weiterhin in seiner bellizistischen, menschenfeindlichen und arroganten Verhaltensweise unterstützt, hat den Pfad der Ethik, den Pfad des „guten“ und verantwortungsvollen Handelns verlassen, und den Pfad des verantwortungslosen Kriegers beschritten.

Fazit

Westliche Mainstreammedien äußern lediglich verhaltene Kritik an der definitiv unverhältnismäßigen Vorgehensweise Israels. Alternative Plattformen und deren Autoren – wie ich – formulieren deutlich schärfere Anklagen gegen Israel und den „Wertewesten“. Sie sprechen offen von systematischer Gewalt und unübersehbaren geopolitischen Interessen Israels und der USA. Die massive Dimension der Zerstörung und die Relation der Opferzahlen beispielsweise auf palästinensischer und israelischer Seite lassen sich nicht einfach wegdiskutieren. Wer die Entwicklung nüchtern betrachtet, muss sich die Frage stellen, ob hier noch von verhältnismäßiger Selbstverteidigung gesprochen werden kann. Die militärische Antwort Israels – und der USA – hat längst eine Dynamik und Dimension angenommen, die über die angebliche Selbstverteidigung Israels weit hinausgehen.

Der Gaza-Krieg ist mehr als nur ein regionaler Konflikt. Er ist ein Testfall für das internationale Recht und seine Durchsetzung. Wenn Regeln nur selektiv gelten oder politisch relativiert werden, verlieren sie ihre Bindungskraft. Wenn sich die Macht des Stärkeren etabliert, hat der Mensch seit der Steinzeit nichts dazugelernt. Der Westen „bombt“ nicht etwa den Iran dahin zurück, wie sich geistig Überforderte manchmal auszudrücken pflegen, sondern sich selbst.

Die Verfahren vor dem International Criminal Court sind juristisch relevant, bringen aber nichts bei einer Politik des Rechts des Stärkeren. Überhebliche und narzisstische Menschen wie Benjamin Netanjahu und Donald Trump pfeifen auf diese internationale Institution.

Sicherheit lässt sich nicht allein militärisch erzwingen. Wenn Gewalt in einem Ausmaß angewendet wird, das neue Gewalt hervorbringt, entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt. Ein Staat, der sich auf dem Leid und Blut anderer seine Existenz aufbaut und vergrößert, ist in meinen Augen ein Schurkenstaat. Israel zählt zu diesen Staaten.

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Anmerkungen und Quellen

Zwei Bücher „Die großen Lügen“ (Themen: Corona, Ukraine, Klima, Sicherheit; Genre politisches Sachbuch) und „Reise zum höheren Selbst“ (Genre Ratgeber) nehme ich gerade in Angriff und sollen demnächst veröffentlicht werden. Als Basis für diese Bücher werden bestehende, diesbezügliche Artikel von mir herangezogen. Wenn Sie in einem dem Genre entsprechenden Verlag arbeiten – oder eine entsprechende Person in einem infrage kommenden Verlag kennen, der eines meiner beiden Bücher veröffentlichen könnte, wäre ich Ihnen für Ihre Hilfe sehr dankbar.

Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht. Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Israelischer Soldat steht neben israelischer Flagge auf einem Panzer
Bildquelle: ChameleonsEye / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

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Trumps „Grand Bargain“: Ein Deal ohne Gegenseitigkeit | Von Sabiene Jahn

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Washington verlangt von Teheran Verzicht, Gefolgschaft und strategische Selbstentkernung – und nennt es Verhandlung. Der eigentliche iranische „Grand Bargain“ sah seit Jahren etwas anderes vor: Gegenseitige Zugeständnisse statt einseitiger Unterwerfung.

Ein Meinungsbeitrag von Sabiene Jahn.

Der Ausdruck klingt nach Staatskunst, nach historischer Größe, nach einem Wurf, der einen festgefahrenen Konflikt endlich auflöst. Doch der „Grand Bargain“, den US-Vizepräsident JD Vance nach Gesprächen mit iranischen Vertretern in Islamabad umriss, ist bei näherem Hinsehen gerade kein großer gegenseitiger Ausgleich, anstatt dessen die rhetorische Veredelung eines alten amerikanischen Musters. Iran soll verzichten, zurückweichen und seine regionalen Positionen räumen, während Washington dafür wirtschaftliche Erleichterung in Aussicht stellt. Vance formulierte es schlicht. Wenn Iran sich verpflichte, keine Atomwaffe zu besitzen, werde man dafür sorgen, dass das Land wirtschaftlich aufblühe. Wie großmütig. Genau darin liegt jedoch der blinde Fleck. Denn wenn dies tatsächlich das Angebot wäre, gäbe es den Kern eines Abkommens längst. Im JCPOA von 2015 hat Iran erklärt, niemals Atomwaffen anzustreben, zu entwickeln oder zu erwerben. Das Abkommen trat in Kraft, bevor Donald Trump es später aufkündigte. (1)(2)

Hier beginnt der entscheidende Unterschied zwischen amerikanischer und iranischer Vorstellung von einem „Deal“. Washington versteht darunter seit Jahren im Kern einen einseitigen Anpassungsvorgang. Iran soll sein Nuklearprogramm nicht nur begrenzen, es soll auch auf strategisch sensible Fähigkeiten verzichten, seine regionale Unterstützung für verbündete Akteure zurückfahren und sich einer von den USA definierten Sicherheitsordnung unterwerfen. Teheran hat demgegenüber wiederholt ein Tauschverhältnis angeboten. Atomare Begrenzung, sicherheitspolitische Kooperation und regionale Mäßigung gegen Anerkennung der eigenen Souveränität, gegen das Ende der Sanktionsstrangulierung, gegen Verzicht auf Regime-Change und gegen eine ernsthafte politische Bewegung in der Palästinafrage. Genau diese wechselseitige Logik ist in Washington seit Jahrzehnten die systematische Blockade. (3)(4)

Dass die Trump-Regierung heute so spricht, als beginne die Geschichte erst jetzt, verdeckt zudem die Kontinuität amerikanischer Politik. Auf Trumps Ausstieg aus dem JCPOA folgte die Strategie des „maximalen Drucks“, also eine umfassende Sanktionspolitik mit dem erklärten Ziel, Irans Ökonomie schwer zu treffen. Der Journalist Aaron Maté, der seit Jahren zur amerikanischen Außenpolitik arbeitet weist in einer Analyse (1) darauf hin, dass diese ökonomische Kriegsführung in der Übergangszeit auch unter Präsident Biden nicht grundsätzlich revidiert wurde. Die Biden-Regierung kehrte zwar rhetorisch zur Diplomatie zurück, die Sanktionsarchitektur aber blieb in wesentlichen Teilen bestehen. Wer heute von einem neuen Angebot spricht, muss also zunächst erklären, warum die Vereinigten Staaten eine bereits erreichte nukleare Verständigung zerstörten und anschließend an der ökonomischen Erstickungslogik festhielten. (1)(2)(5)

Hinzu kommt, dass die israelische Kriegsbegründung selbst auf einem seit Jahren wiederholten, aber bis heute nicht belegten Kernvorwurf beruht. Israels Premier Benjamin Netanyahu behauptet regelmäßig, Iran stehe faktisch vor der Bombe oder arbeite konkret an ihrer Herstellung. Doch auch in der jüngsten Eskalationsphase wurden für diese zugespitzte Behauptung keine belastbaren Belege vorgelegt. Gerade diese Verwischung zwischen einem technisch sensiblen Nuklearprogramm und einer nachgewiesenen laufenden Atomwaffenproduktion ist politisch folgenreich. Denn auf dieser Grundlage wurde erneut eine Eskalation legitimiert, deren menschliche Bilanz verheerend ist. Im Libanon wurden Tausende Menschen getötet, Hunderttausende bis über eine Million vertrieben, ganze Wohngebiete zerstört und ein weiteres Mal eine Gesellschaft verwüstet. Die Frage ist deshalb nicht nur, was Netanyahu behauptet. Die immanente Frage lautet, wie lange unbelegte Maximalbehauptungen noch als moralische und politische Lizenz zur Verwüstung einer ganzen Region dienen sollen. (8)(9)(10)

Im Libanon zeigt sich, dass diese Eskalationspolitik nicht in einem politischen Vakuum einschlägt. Die Bevölkerung trägt dessen Last unmittelbar durch die ständige Erfahrung, zwischen israelischer Militärgewalt, westlicher Verhandlungsrhetorik und den eigenen inneren Spannungen zerrieben zu werden. Zwar gibt es im Libanon erhebliche Differenzen über die Rolle und den Kurs der Hisbollah, doch eine Normalisierung mit Israel unter den Bedingungen fortgesetzter Gewalt und offener Drohkulissen wird von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt. Gerade deshalb ist der Libanon in diesem Konflikt Exerzierfeld fremder Interessen. Was wird aus Gesellschaften, die zum dauerhaften Austragungsort geopolitischer Strategien gemacht werden? (8)(9)

Hinzu kommt, dass der aktuelle Streit schon längst nicht mehr auf die Frage der Urananreicherung reduziert werden kann. Medienberichte über die gegenwärtigen Gespräche konzentrieren sich zwar stark auf technische Parameter des Nuklearprogramms, auf Laufzeiten, Begrenzungen und Kontrollfragen. Doch selbst Matés Einordnung macht deutlich, dass das Nukleare allein nicht das eigentliche Zentrum des Konflikts ist. In der jüngsten Verhandlungsrunde in Genf, so seine Darstellung, habe Iran sogar zusätzliche Beweglichkeit erkennen lassen und jede Anhäufung von Uran ausgeschlossen, die einen potenziellen Weg zur Bombe offenließe. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob Teheran zu technischen Einschränkungen bereit ist. Welche politischen Gegenleistungen Washington dafür zu geben bereit wäre, steht unweigerlich im Raum. Wenn die USA fordern, Iran solle zugleich auf friedliche Anreicherung und auf seine Unterstützung regionaler Kräfte verzichten, dann ist das kein symmetrischer Interessenausgleich. Es ist schlicht und ergreifend die Forderung nach strategischer Selbstentkernung. (1)

Dass in Washington durchaus bekannt ist, dass Diplomatie möglich wäre, zeigt auch der Bericht der „New York Times“ über Trumps Weg in den Krieg. Demnach berichteten Jared Kushner und Steve Witkoff nach Gesprächen mit iranischen Vertretern in Genf dem Präsidenten, man könne „wahrscheinlich etwas aushandeln“, allerdings werde dies Monate dauern und erhebliche Mühe kosten. Dieser Punkt ist bemerkenswert. Denn ein mehrmonatiger Verhandlungsprozess wäre im Vergleich zum fast zweijährigen JCPOA-Verlauf keineswegs außergewöhnlich lang gewesen. Die eigentliche Botschaft lautet also, dass ihr erneut die strategische Geduld fehlte. Kushner und Witkoff kommen in dieser Geschichte als Boten einer Möglichkeit, die politisch nicht ausgeschöpft wurde. (1)(6)

Besonders aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang, wie eng die israelische Seite nach den Enthüllungen von Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan von der „New York Times“ in die amerikanische Kriegsentscheidung selbst eingebunden war. Nach ihrer Rekonstruktion saß Benjamin Netanyahu in einer Situation-Room-Sitzung mit Trump und dessen Beratern, als er gemeinsam mit seinem Team die Bedingungen eines angeblich nahezu sicheren Erfolgs gegen Iran präsentierte. Geschildert wird also nicht bloß israelischer Druck von außen. Es bestätigt eine Szene im innersten Entscheidungsraum amerikanischer Macht, in der Netanyahu selbst die Kriegs- und Eskalationslogik vortrug, der Trump anschließend zustimmte. Das wirft ein grelles Licht auf die spätere amerikanische Verhandlungsrhetorik. Wer in einem solchen Setting bereits Teil der Kriegslogik geworden ist, tritt gegenüber Iran schwerlich als neutraler Makler auf. (6)

Aus iranischer Sicht ist das Muster deshalb leicht zu benennen. Man soll am Tisch akzeptieren, was militärisch nicht vollständig durchgesetzt werden konnte. Maté zitiert einen hochrangigen iranischen Beamten mit dem Vorwurf, die Amerikaner glaubten irrtümlich, sie hätten den Krieg gewonnen, und wollten deshalb am Verhandlungstisch diktieren statt verhandeln. Es beschreibt präzise das Wahrnehmungsproblem. Ein Abkommen, das Geben und Nehmen verlangt, wird von Washington immer wieder in die Form eines Loyalitätstests gedrückt. (1)

Die Tiefe dieser Gegensätzlichkeit zeigt sich besonders deutlich im Rückblick auf das Jahr 2003. Damals legte Iran den USA nach später bekannt gewordenen Dokumenten einen umfassenden Vorschlag vor. Begrenzung des Atomprogramms, Kooperation gegen Terrorismus, ein Ende materieller Unterstützung für palästinensische militante Gruppen und Hilfe bei der Umwandlung der Hisbollah in eine rein politische Organisation im Libanon. Im Gegenzug verlangte Teheran Respekt für seine Souveränität, die Aufhebung von Sanktionen und die Akzeptanz der saudischen Friedensinitiative, also letztlich einer regionalen Ordnung, in der auch die Palästinenser einen Staat innerhalb der Grenzen von 1967 erhalten sollten. Das ist der eigentliche Punkt der Gegenseitigkeit. (1)(3)

Dass dieses Angebot in Washington scheiterte, ist ebenfalls dokumentiert. Die „Washington Post“ zitierte Richard Haass - früherer US-Diplomat und langjähriger Präsident des „Council on Foreign Relations“ - mit der rückblickenden Einschätzung, die Grundtendenz der Bush-Regierung sei damals auf Regime-Change gerichtet gewesen. Genau an dieser Stelle wird sichtbar, wie tief der Konflikt reicht. Wenn das eigentliche Ziel politischer Umbau des Gegners ist, dann wird jede Gegenseitigkeit systematisch entwertet. (4)

Diese Logik reicht bis in die Gegenwart und erklärt, warum auch multilaterale Initiativen wirkungslos bleiben. Selbst Erklärungen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, die eine Zwei-Staaten-Lösung mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines palästinensischen Staates unterstützen, wurden von westlicher Seite nicht in eine verbindliche politische Strategie übersetzt. (7)

Ein sogenannter „Grand Bargain", der auf unbelegten Bedrohungen, militärischer Vorentscheidung und politischer Einseitigkeit beruht, ist kein Angebot zum Frieden. Er ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln und bleibt damit ein politisches Narrativ. Denn es mangelt am Willen.

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Bildquelle: StreetOnCamara_Comeback / shutterstock

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Der Artikel erschien zuerst am 22.04.2026 bei Globalbridge.ch

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Quellen und Anmerkungen:

1.) https://www.aaronmate.net/p/trumps-grand-bargain-rejects-irans

2.) https://www.eeas.europa.eu/eeas/joint-comprehensive-plan-action_en

3.) https://static01.nyt.com/packages/pdf/opinion/20070429_iran-memo-3.pdf

4.) https://www.washingtonpost.com/archive/politics/2006/06/18/in-2003-us-spurned-irans-offer-of-dialogue-span-classbankheadsome-officials-lament-lost-opportunity-span/1b6aa764-7acf-4baa-8a4b-e84406d52232/

5.) https://responsiblestatecraft.org/us-war-iran-poverty/

6.) https://www.abc.net.au/news/2026-04-11/iran-war-reshaping-us-politics-trump-netanyahu/106552156, 
https://www.axios.com/2026/04/07/exclusive-maggie-haberman-jonathan-swan-book-on-trump-regime-change-coming-in-june; https://globalbridge.ch/dieser-krieg-ist-das-ergebnis-eines-staatsstreichs/; https://www.nytimes.com/2026/04/07/us/politics/trump-iran-war

7.) https://www.oic-oci.org/docdown/?docID=1699&refID=1073

8.) https://www.reuters.com/world/asia-pacific/hopes-middle-east-peace-grow-israel-discusses-lebanon-ceasefire-2026-04-16/

9.) https://www.reuters.com/world/middle-east/lebanon-heads-historic-israel-talks-with-few-hopes-except-staunch-bloodshed-2026-04-10/

10.) https://www.reuters.com/world/china/how-close-is-iran-having-nuclear-weapons-2025-06-18/

(Auszug von RSS-Feed)

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USA torpedieren erneut Friedensverhandlungen | Von Claudia Töpper

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USA torpedieren erneut Friedensverhandlungen | Von Claudia Töpper
Tagesdosis 20260421 apolut
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USA torpedieren erneut Friedensverhandlungen | Von Claudia Töpper

Ein Kommentar von Claudia Töpper.

Am Montag, den 20. April 2026 sollte die nächste Verhandlungsrunde in Islamabad/Pakistan zwischen den USA und dem Iran beginnen. (1) Während sich die US-Delegation am Sonntag auf dem Weg nach Pakistan befand, stoppen und erobern die USA in der Straße von Hormuz das Handelsschiff Touska. (2) Dieses fuhr unter iranischer Flagge. (3)

Erneut geplatzte Friedensverhandlungen?

Der Iran soll daraufhin noch am Sonntag, den 19. April 2026 erklärt haben, dass er nicht an den geplanten Verhandlungen teilnehmen wird und kündigte „Vergeltungsmaßnahmen“ an. (4) Die Absage des Iran wurde von der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA bekannt gegeben. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai erklärte in einer Pressekonferenz in Teheran, dass aktuell keine weitere Verhandlung geplant sei. (5) Somit scheint es kurz vor der Beendigung der zweiwöchigen Waffenruhe zu keinen gemeinsamen Verhandlungen mehr zu kommen. (6)

Laut der russischen Nachrichtenseite rt.de scheinen die geplanten Verhandlungen jedoch bereits vor der Kaperung des Frachtschiffes auf Eis gelegen zu haben, da der Iran laut arabischen Medien als Begründung für die Absage zusätzlich die überzogenen Forderungen der USA nannte. (7)

Statt der zweiten gemeinsamen Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran fanden am Montag nun zwei getrennte Treffen statt. Der pakistanische Innenminister empfing die Delegationen der USA und dem Iran getrennt voneinander. (8) Nach aktuellen Informationen soll eine endgültige Entscheidung über die Teilnahme der iranischen Delegation an einer zweiten gemeinsamen Verhandlungsrunde noch nicht gefallen sein. Solange die USA ihre Seeblockade der iranischen Häfen nicht unterlässt, wird es wohl keine Gespräche geben, teilte ein iranischer Insider der Nachrichtenagentur Reuters mit. (9)

Sollte diese Verhandlungsrunde tatsächlich nicht stattfinden, wäre dies die zweite Verhandlungsrunde, die geplatzt ist. (10) Die erste fand vor knapp zwei Wochen statt. Jedoch verließ die iranische Delegation die Verhandlungen frühzeitig, da die USA bereits damals schon überzogenen Forderungen nannten. (11)

Es hat den Anschein, als ob die USA eindeutig nicht an einem Frieden interessiert sind, sondern einzig und allein an der Vorherrschaft über das iranische Öl. Denn allein dies gibt den USA die Kontrolle über die Wirtschaft in Asien und vor allem auch über China.

Internationale Reaktion

Die Webseite Tagesschau.de berichtete, dass der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun erklärte, dass die Straße von Hormuz eine internationale Wasserstraße sei und eine ungehinderte Durchfahrt von Schiffen im gemeinsamen Interesse der Staaten der Region und der internationalen Gemeinschaft liege. Zusätzlich fügt er hinzu:

„Wir hoffen, dass alle Beteiligten verantwortungsbewusst handeln, das Waffenruheabkommen einhalten und eine Eskalation der Spannungen oder eine Verschärfung der Konflikte vermeiden“.

China kritisierte zudem die Eroberung des iranischen Tankers durch die USA. (12)

Verstöße gegen Waffenruhe

Am 08. April 2026 verkündeten die USA, Israel und der Iran eine zweiwöchige Waffenruhe. (13) Sowohl der Iran als auch die USA werfen sich nun gegenseitig Verstöße gegen die zweiwöchige Waffenruhe vor. (14) Der Sprecher des iranischen Außenministeriums erklärte, dass die USA nicht ernsthaft an diplomatischen Verhandlungen interessiert sei. Als Begründung nannte Baghai Verstöße gegen die Feuerpause, wie die Seeblockade sämtlicher iranischer Häfen durch die USA und die Eroberung des Frachtschiffes. Zusätzlich verwies er auf die Lage im Libanon. Auch hier wird die seit vergangenem Freitag, den 17. April 2026 vereinbarte Waffenruhe zwischen der pro-iranischen Hisbollah und Israel nicht eingehalten. Nach wie vor finden hier Kämpfe zwischen Beirut und der israelischen Armee statt. (15)

Die USA wiederum werfen dem Iran Angriffe auf ein französisches und britisches Schiff vor, die am Samstag, den 18. April 2026 erfolgt sein sollen. Zusätzlich kritisierte Trump die erneute Sperrung der Straße von Hormuz durch den Iran. (16)

In einem Telefongespräch mit Bloomberg soll Donald Trump erklärt haben, dass die Straße von Hormuz solange unter US-Blockade bleibe, bis es zu einer Einigung kommt. (17) Des Weiteren fügte er hinzu, dass die Waffenruhe nach ihrem Ablauf „höchst wahrscheinlich“ nicht verlängert wird. (18) 

Kommentar

Am 07. April 2026 veröffentlichte Donald J. Trump auf seiner Social-Media Plattform Truth Social einen Post, der mit dem folgenden Satz begann:

„Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben und niemals wieder zurückkehren.“ (19)

Während öffentlich immer häufiger darüber diskutiert wird, ob Trump seinen Verstand verloren hat, scheint sich kaum jemand die Frage zu stellen, ob Trumps verbale Entgleisungen gegenüber dem Iran nicht vielleicht eher durch Erpressung zu erklären sind. (20) Denn, wenn man zu etwas gezwungen wird, was man nicht tun möchte, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass man ungehalten wird.

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass Trump wiederholt am Montag, den 20.04.2026 auf Truth Social betont hat, dass Israel ihn nicht zum Krieg gegen den Iran gezwungen hat. Diese erneute Betonung lässt eher darauf schließen, dass Trump sehr wohl unfreiwillig in den Krieg mit dem Iran durch Israel hineingezogen wurde. Wörtlich schrieb er:

„Israel hat mich nie zu einem Krieg gegen den Iran überredet. […] und wenn Irans neue Führung (Regimewechsel!) klug ist, kann Iran eine großartige und wohlhabende Zukunft haben! Präsident DJT.“ (21)

In diesem Zusammenhang ist auch interessant, dass kürzlich ein Video von dem Ex-Model, Amanda Ungaro veröffentlicht wurde. Sie war 20 Jahre mit Trumps jetziger Frau, Melania Trump befreundet. (22) In diesem Video droht Ungaro damit, Beweise zu haben, dass Trump pädophil sei und ihn auffliegen lassen wolle. Soweit so gut. Diese Anschuldigungen von Pädophilie sind nicht neu. Das mehrere Seiten aus den ursprünglich veröffentlichten Epstein-Akten wieder vom Netz genommen wurden ist auch nicht neu. Jedoch scheint sich niemand eine bestimmte Frage zu stellen. Warum werden die Namen der Täter geschwärzt?

Die offensichtlichste Antwort auf diese Frage ist natürlich, dass diese Personen der Strafverfolgung entgehen wollen. Aber ist dies die ganze Wahrheit? Es ist bekannt, dass auch Richter, Polizisten und Anwälte unter den Tätern zu finden sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter tatsächlich bestraft werden, ist demzufolge sehr gering. Zumindest solange dieses System noch existiert.

Niemand scheint sich die Frage zu stellen, wer nun die Position von Epstein bekleidet. Der Grund, warum die Namen der Täter geschwärzt bleiben, ist vermutlich nicht, um die Täter zu schützen, sondern, weil dieses Netzwerk nach wie vor existiert und weiterhin aktiv ist. Falls Epstein tatsächlich noch leben sollte, wird es vermutlich noch von ihm selbst weiter geführt. Ein Anzeichen dafür, dass durchaus die Möglichkeit besteht, dass das Netzwerk von Epstein tatsächlich noch aktiv ist, ist, dass es vor Epstein bereits Männer gab, die dieses Netzwerk aufgebaut haben und in den gleichen Kreisen unterwegs waren, wie Epstein. Politiker, Richter, Stars und Sternchen waren dabei die Zielgruppe für Erpressung.

Die österreichische Nachrichtenplattform, AUF1 veröffentlichte hierzu einen Bericht und zeigt auf, dass es bereits vor Jeffrey Epstein drei Männer gab, die seine Rolle übernahmen. (23) Roy Marcus Cohen war Anwalt und Makler und verband Medien und Geheimdienste miteinander. Zudem war er ein enger Freund der Trump-Familie und galt als Ziehvater des heutigen US-Präsidenten.

Er war der erste Vorläufer von Epstein und der Erste, der ab 1950 im Stil von Jeffrey Epstein in New York agierte. Zu seinen Mitteln gehörten Verängstigung, Dossiers, Erpressungen und die Nutzung intimer Verwundbarkeit als Machtinstrument. Neben Roy Cohen betrieb Craig J. Spence ebenfalls ein Erpressernetzwerk in den 1970 er Jahren in Washington. Dieser war mit Roy Cohen eng verbunden und nutze dieselben Erpressermethoden. Zusätzlich nutzte er glamouröse Veranstaltungen in seinem Haus, um vor allem Politiker, einflussreiche Beamte und Angehörige des Militärs anzulocken, die dort überwacht und gefilmt wurden. Zudem nutzte er die Dienste eines Zuhälters namens Henry Vinson, der einen Homo-Escort-Service in Washington betrieb. Spence nutzte die Dienste von Vinson auch, um Partys für das Weiße Haus zu veranstalten.

Nachdem die Washington Times 1989 diese Machenschaften aufdeckte, implodierte dieses Netzwerk. Im selben Jahr wurde er tot im Hotelzimmer aufgefunden. Offiziell wurde sein Tod als Selbstmord deklariert. Henry Vinson wurde verhaftet und schrieb nach seiner Entlassung ein Buch über seine Erlebnisse. In diesem beschreibt er auch ein Treffen zwischen Spence, Cohen und dem republikanischen Parteifunktionär Lawrence E. King. Dieser betrieb ebenfalls ein brutales Erpressernetzwerk. Hier jedoch stand vor allem Pädophilie im Vordergrund. Bei diesem Treffen soll King auch über rituelle Gewalt an Kindern durch seine Kunden gesprochen haben. Seine Kunden stammten aus den Bereichen Politik und Justiz. Nachdem auch die Machenschaften von King Ende 1988 ans Licht kamen, wurde klar, dass die Kinder aus Kinderheimen stammten.  

Die Frage scheint also nicht zu sein, ob Epsteins Netzwerk noch aktiv ist, sondern wer nun die Position von Epstein übernommen hat.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html

(2) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116433000897070863

(3) https://rtde.org/der-nahe-osten/277664-teheran-lehnt-konsultationen-mit-washington/

(4) https://rtde.org/der-nahe-osten/277664-teheran-lehnt-konsultationen-mit-washington/

(5) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html

(6) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html#entert

(7) https://rtde.org/der-nahe-osten/277664-teheran-lehnt-konsultationen-mit-washington/

(8) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html

(9) https://www.n-tv.de/politik/17-36-Insider-Vance-doch-noch-nicht-auf-dem-Weg-nach-Pakistan-id30415311.html

(10) https://www.n-tv.de/politik/17-36-Insider-Vance-doch-noch-nicht-auf-dem-Weg-nach-Pakistan-id30415311.html

(11) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html

(12) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html

(13) https://anti-spiegel.ru/2026/zweiwoechiger-waffenstillstand-im-iran-krieg-verkuendet/

(14) https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-04/waffenruhe-iran-usa-israel-trump-araghtschi-faq

(15) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html

(16) https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-iran-montag-114.html; https://anti-spiegel.ru/2026/revolutionsgarde-iran-schliesst-strasse-von-hormus-bis-zur-vollstaendigen-aufhebung-der-us-seeblockade/

(17) https://www.merkur.de/politik/israel-und-libanon-iran-aktuell-gespraeche-ueber-strasse-von-hormus-waffenruhe-zwischen-zr-94265820.html

(18) https://www.merkur.de/politik/israel-und-libanon-iran-aktuell-gespraeche-ueber-strasse-von-hormus-waffenruhe-zwischen-zr-94265820.html

(19) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116363336033995961

(20) https://t.me/auf1tv/19047; https://www.rnd.de/politik/ist-er-jetzt-komplett-verrueckt-geworden-UYCVGFTAAREWLOQU3FZ5VSZKAA.html; https://www.sueddeutsche.de/meinung/usa-donald-trump-iran-ultimatum-genozid-republikaner-li.3464553?reduced=true

(21) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/116437457191403164

(22) https://t.me/auf1tv/19041

(23) https://auf1.tv/stefan-magnet-auf1/ueber-jahrzehnte-erpressung-haelt-die-eliten-auf-linie-system-epstein-teil-4

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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Realistische Kriegsszene zwischen Israel und dem Iran, moderner militärischer Konflikt.

Bildquelle: Shutterstock AI / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

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Hollisters Geopolitik-Radar vom 13. – 19. April 2026

veröffentlicht.
Vorschau ansehen Hollisters Geopolitik-Radar vom 13. – 19. April 2026

Hormuz öffnet - und schließt wieder innerhalb von 24 Stunden. Indische Handelsschiffe werden beschossen, der Waffenstillstand läuft in vier Tagen aus, und Trump nennt den Krieg in Las Vegas einen „kleinen Umweg." Deutschland unterzeichnet den größten Drohnen-Deal Europas mit der Ukraine - während deutsche Bauteile nachweislich in russischen Drohnen stecken. Ungarn wählt mit historischer Beteiligung - und die EU jubelt schneller als die Auszählung endet. Im Südlibanon stehen die Bulldozer. In El-Fasher schweigt die Welt. Der Radar zeigt, was auf dem Schirm ist.

Geopolitik-Radar vom 13. – 19. April 2026

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Ticker

HORMUZ: ÖFFNUNG UND SCHLIESSEN INNERHALB VON 24 STUNDEN - ÖLPREIS AUF ACHTERBAHN (17.-18. April 2026)

Am 17. April erklärt Außenminister Araghchi die Straße von Hormuz für „alle Handelsschiffe vollständig offen" - im Rahmen des Israel-Libanon-Waffenstillstands. Die Ölmärkte reagieren sofort: Brent fällt um 9 Prozent auf 90 Dollar. Mehr als ein Dutzend Schiffe passieren die Meerenge. Weniger als 24 Stunden später schließt die IRGC-Marine Hormuz wieder - mit klarer Begründung: Solange die USA ihre Seeblockade iranischer Häfen nicht aufheben, bleibt die Meerenge gesperrt. Außenministerium und Revolutionsgarden sprechen erkennbar nicht mit einer Stimme. Wer die Meerenge kontrolliert, entscheidet nicht in Teheran.

IRGC BESCHIESST INDISCHE HANDELSSCHIFFE - DRITTSTAATEN ERSTMALS DIREKT IM FEUER (18.-19. April 2026)

Der bislang schwerste Vorfall seit Beginn des Waffenstillstands: Iranische Revolutionsgarden beschießen am 18. und 19. April zwei indische Handelsschiffe in der Straße von Hormuz - darunter den VLCC Sanmar Herald, der vorab eine iranische Durchfahrtsgenehmigung erhalten hatte. Neu-Delhi bestellt den iranischen Botschafter ein. Trump beruft eine Kabinettssitzung im Situation Room ein. Frankreich und Großbritannien kündigen eine gemeinsame multinationale Navigationsmission für Hormuz an - ohne US-Mandat, ohne NATO-Rahmen. Zum ersten Mal sind Drittstaaten direkt von iranischem Beschuss betroffen. Der Konflikt hat eine neue Eskalationsschwelle überschritten.

WAFFENSTILLSTAND LÄUFT MITTWOCH AUS - TRUMP: „VIELLEICHT VERLÄNGERE ICH NICHT" (17.-19. April 2026)

Der Waffenstillstand zwischen den USA und Iran endet am 22. April. Trump auf Air Force One: „Vielleicht verlängere ich nicht - dann haben wir eine Blockade und müssen leider wieder anfangen, Bomben zu werfen." Mediatorenstaaten Pakistan, Türkei und Ägypten berichten von einer grundsätzlichen Einigung zur Verlängerung - Washington und Teheran bestätigen das nicht offiziell. Vance in Georgia: „Ich glaube, wir haben einen großen Deal vor uns. Der Ball liegt bei Iran." Vier Tage bleiben.

URANABGABE KATEGORISCH AUSGESCHLOSSEN - VERHANDLUNGSGRABEN BLEIBT STRUKTURELL (18. April 2026)

Trump behauptet wiederholt öffentlich, Iran werde sein angereichertes Uran abgeben. Außenamtssprecher Baghaei: „Angereichertes Uran ist uns so heilig wie iranischer Boden - es wird unter keinen Umständen transferiert." Araghchi: „Niemand hat das Recht, uns vorzuschreiben, was wir besitzen dürfen." Der konkrete Verhandlungsstand laut CNN: Die USA boten ein 20-jähriges Moratorium an, Iran konterte mit 5 Jahren. Der Abstand ist nicht taktisch - er ist strukturell.

UNGARN: ORBAN NACH 16 JAHREN ABGEWÄHLT - TISZA MIT ZWEIDRITTELMEHRHEIT (12. April 2026)

Bei einer Wahlbeteiligung von knapp 80 Prozent - der höchsten seit der Demokratisierung Ungarns - gewinnt Peter Magyars TISZA-Partei mit 53,1 Prozent und 138 von 199 Parlamentssitzen. Fidesz stürzt auf 55 Sitze ab. Orbán räumt die Niederlage ein. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: „Ungarn hat Europa gewählt." Magyar kündigte an, als erstes gegen Korruption vorzugehen, die eingefrorenen EU-Gelder freizubekommen und Ungarns Position in EU und NATO zu stärken. Orbáns Blockade des 90-Milliarden-Euro-Kredits für die Ukraine dürfte damit enden.

MERZ UND SELENSKYJ: 4-MILLIARDEN-EURO-RÜSTUNGSPAKET UND DROHNEN-JOINT-VENTURE (14. April 2026)

Bei den ersten deutsch-ukrainischen Regierungskonsultationen seit über 20 Jahren unterzeichnen Berlin und Kiew zehn Abkommen. Das Verteidigungspaket umfasst mehrere hundert Patriot-Raketen, 36 IRIS-T-Startgeräte, 300 Millionen Euro für Deep-Strike-Fähigkeiten und ein gemeinsames Joint Venture zur Produktion von zunächst 5.000 KI-gestützten Drohnen. Selenskyj nennt es „den größten Drohnen-Deal dieser Art in Europa." Merz: „Russland sollte das ernst nehmen." Deutschland verpflichtet sich, aktiv die Rückkehr ukrainischer Männer im wehrfähigen Alter aus Deutschland zu fördern.

TRUMP-ZÖLLE: 104 PROZENT AUF CHINESISCHE WAREN AB 14. APRIL - CHINA KÜNDIGT GEGENMASSNAHMEN AN (14. April 2026)

Ab dem 14. April gelten Zölle von 104 Prozent auf chinesische Importe in die USA - das Ergebnis gestapelter Eskalationsstufen: bestehende Abgaben aus Trumps erster Amtszeit, Liberation-Day-Zölle vom April 2025, plus 50 Prozent Strafaufschlag, weil China die Gegenzölle nicht zurücknahm. Die 104 Prozent gelten nicht für alles: Halbleiter, Pharmazeutika und kritische Mineralien sind ausgenommen - ausgerechnet jene Bereiche, in denen die USA am stärksten von China abhängig sind. Peking kündigt Vergeltungsmaßnahmen an. Das Trump-Xi-Treffen ist für Mitte Mai in Peking geplant.

SUDAN: BERLINER KONFERENZ OHNE ERGEBNIS - UN SPRECHEN VON GENOZID (15. April 2026)

Am dritten Jahrestag des Sudankrieges tagen in Berlin Vertreter Deutschlands, der AU, Frankreichs, der EU, Großbritanniens und der USA. Das Ergebnis: keine humanitäre Waffenruhe, keine konkreten Maßnahmen. Eine UN-Untersuchungskommission hatte im Februar festgestellt, dass das Vorgehen der Rapid Support Forces in El-Fasher die Merkmale eines Genozids trägt - gezielte Tötungen der Zaghawa- und Fur-Gemeinschaften, sexuelle Gewalt, erzwungenes Verschwinden. Die VAE beliefern die RSF nachweislich mit Waffen. Die Trump-Administration hat den sudanesischen Ableger der Muslimbruderschaft als Terrororganisation eingestuft - was faktisch die RSF stärkt.

ISRAEL-LIBANON: 10-TAGE-WAFFENSTILLSTAND - ERSTE VERLETZUNG NOCH AM SELBEN ABEND (16.–17. April 2026)

Trump verkündet am 16. April einen 10-tägigen Waffenstillstand zwischen Israel und Libanon, in Kraft seit 21:00 GMT. Noch am selben Abend: Verletzungen durch israelische Streitkräfte laut libanesischer Armee. Ein französischer UNIFIL-Soldat kommt ums Leben. Israel erklärt Bint Jbeil als kurz vor dem Fall und gibt Befehl zur Ausdehnung der Sicherheitszone. Netanyahu: „Wir werden nicht abziehen." Die Bulldozer südlich des Litani stehen. Die letzte Brücke über den Litani wurde zuvor gesprengt - der Süden ist faktisch isoliert.

US NAVY BESTÄTIGT VERLUST VON MQ-4C TRITON - 240 MILLIONEN DOLLAR, URSACHE OFFEN (9. April 2026, bestätigt 15. April)

Die US Navy bestätigt offiziell: Am 9. April stürzte eine MQ-4C Triton-Aufklärungsdrohne über dem Persischen Golf ab - klassifiziert als „Class A Mishap", Schadenswert über 2 Millionen Dollar laut Klassifikation, tatsächlicher Marktwert der Drohne: 238 bis 243 Millionen Dollar. Der Transponder sendete nacheinander Code 7400 (Kontaktverlust), dann Code 7700 (Notfall), dann kein Signal mehr. Abschuss, technischer Defekt oder elektronische Kriegsführung - alles bleibt offen. Die ISR-Kapazität in einem der umkämpftesten Seegebiete der Welt ist damit geschwächt.

UKRAINE: GENF-GESPRÄCHE OHNE DURCHBRUCH - MERZ WARNT RUSSLAND (12.–17. April 2026)

Die Ukraine-Verhandlungen in Genf enden ohne Ergebnis. Moskau erklärt, den Dialog fortsetzen zu wollen, fordert aber weiterhin Gebietsabtretungen als Vorbedingung. Selenskyj baut den ukrainischen Sicherheitsapparat um - SBU-Chef Maljuk tritt zurück. Merz nach den Berliner Regierungskonsultationen: Russland habe „keine Chance, den Krieg zu gewinnen." Der informelle EU-Gipfel am 23. und 24. April wird Ukraine, Iran und den Mehrjährigen Finanzrahmen auf der Agenda haben - erstmals wird auch Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags als mögliches Thema gehandelt.

EUROPA ZIEHT ROTE LINIEN: BELGIEN, ITALIEN, MACRON-STARMER (14.–17. April 2026)

Drei Entwicklungen in einer Woche, die das westliche Bündnis strukturell beschreiben. Belgien beschlagnahmt britische Militärlieferungen an Israel am Flughafen Lüttich und leitet eine Strafverfolgung ein. Italien suspendiert das Verteidigungsabkommen mit Israel - Meloni, bislang Israels engste Verbündete in Europa, handelt nach dem IDF-Beschuss eines UNIFIL-Konvois mit Italienern an Bord. Trump zu Meloni im Corriere della Sera: „Ich bin schockiert über sie." Die EU-Bürgerinitiative zur Aussetzung des EU-Israel-Assoziierungsabkommens überschreitet eine Million Unterschriften.

Fokusthemen

Iran: Zwischen Taktik und Zeitspiel - vier Tage bis zur Entscheidung

Der Waffenstillstand läuft am 22. April aus. Was bleibt, ist ein Verhandlungsstand, den beide Seiten als inakzeptabel bezeichnen und trotzdem nicht verlassen wollen. Die USA fordern ein 20-jähriges Moratorium auf Urananreicherung plus Abgabe der vorhandenen Bestände. Iran bietet fünf Jahre und schließt jede Abgabe kategorisch aus. Das ist kein taktischer Abstand, der sich durch Formulierungskompromisse überbrücken lässt - das ist ein struktureller Widerspruch über die Frage, ob Iran das Recht auf zivile Nukleartechnik behält oder nicht.

Gleichzeitig zeigt die Hormuz-Entwicklung der letzten Woche, was hinter der Diplomatie operiert. Außenminister Araghchi öffnet die Meerenge - die IRGC-Marine schließt sie wieder. Parlamentspräsident Ghalibaf, Leiter der iranischen Verhandlungsdelegation in Islamabad, sagt öffentlich: „Ob die Straße offen oder geschlossen ist, entscheidet sich im Feld, nicht in sozialen Medien." Das ist keine Schwäche iranischer Führungsstruktur. Es ist Methode. Iran verhandelt auf mehreren Ebenen gleichzeitig - und behält sich die operative Eskalation als Druckmittel vor, während die Diplomaten reden.

Trump nennt den Krieg in Las Vegas einen „kleinen Umweg durch das reizende Land Iran." Wer die Gesamtarchitektur der US-Politik liest - Venezuela, Panama, die geplante China-Reise im Mai - erkennt das Muster: Iran ist kein Endziel, sondern ein Zwischenstopp. Teheran hat das verstanden. Und Teheran wartet. Die vollständige strategische Einbettung habe ich in der Follow-the-Oil-Serie und im aktuellen Iran-Update vom 19. April rekonstruiert.

Fragen:

  • Verlängert Trump den Waffenstillstand - oder braucht er die Eskalation innenpolitisch?
  • Wer in Teheran entscheidet tatsächlich über Hormuz - das Außenministerium oder die IRGC?
  • Was bedeutet der Beschuss indischer Schiffe für Neu-Delhis künftige Positionierung?
  • Wenn der Deal nicht kommt - was kommt dann?

Deutschland rüstet auf - und beliefert beide Seiten

Am 14. April unterzeichnen Merz und Selenskyj das größte Drohnen-Joint-Venture, das Europa je gesehen hat. 5.000 KI-gestützte Drohnen, Patriot-Raketen, digitale Gefechtsdaten, 4 Milliarden Euro. Deutschland ist, wie Merz selbst betont, zum „wichtigsten bilateralen Partner der Ukraine" geworden. Der Bundeskanzler fordert von Selenskyj, ukrainische Männer aus Deutschland zurück an die Front zu schicken - und macht damit Deutschland zur aktiven Mobilisierungsinfrastruktur eines laufenden Krieges.

Was in dieser Nachricht fehlt, ist der zweite Teil derselben Geschichte. Seit Jahren sind Infineon-Transistoren, Bosch-Kraftstoffpumpen und Komponenten der Rheinmetall-Tochter Pierburg in russischen Geran-2-Drohnen nachgewiesen - denselben Drohnen, die ukrainische Kraftwerke zerstören. Die Lieferkette führt über China. Die Lücken im Sanktionsregime sind bekannt. Sie werden nicht geschlossen. Deutschland finanziert damit faktisch den Wiederaufbau einer Infrastruktur, die deutsche Chips - auf Umwegen - zerstören helfen.

Das Joint Venture mit der Ukraine ist die eine Seite. Die andere ist, dass deutsche Bauteile künftig nachweisbar in Drohnen beider Kriegsparteien stecken werden. Das ist kein Versehen - das ist das Ergebnis einer Industriepolitik, die Rüstungsexporte und Sanktionsdurchsetzung als getrennte Systeme behandelt. Für wen das funktioniert - und für wen nicht - habe ich im Artikel Deutsche Chips für russische Drohnen dokumentiert. Den größeren Rahmen - warum Deutschland diese Richtung einschlägt und wohin sie führt - zeigt Aufrüstung im Niedergang, der erste Teil einer neunteiligen Serie.

Fragen:

  • Wer kontrolliert, wohin deutsche Drohnentechnologie nach dem Krieg weiterverbreitet wird?
  • Liegt es im deutschen Interesse, diesen Krieg zu beenden - oder im Interesse der Rüstungsindustrie, dass er weitergeht?
  • Wenn Merz sagt, Deutschland sei der wichtigste Partner der Ukraine - wessen Partner ist Deutschland dann beim Iran?

Ungarn hat gewählt - aber hat es frei gewählt?

Peter Magyar hat gewonnen. 53 Prozent, Zweidrittelmehrheit, höchste Wahlbeteiligung seit der Demokratisierung. Die EU jubelt. Orban räumt ein. Das Ergebnis ist eindeutig - die Fragen, die es aufwirft, sind es nicht.

Orbán hat in 16 Jahren eine Politik gemacht, die seine Stammwählerschaft verstand: Grenzen zu, keine Ukraine-Milliarden, kein Flüchtlingsstrom, keine Beteiligung an fremden Kriegen. Er hat dem EU-Parlament die Stirn geboten, von der Leyen persönlich düpiert, Sanktionen gegen Russland blockiert und einen Schwarzgeldtransit durch Ungarn öffentlich gemacht. Er war unbequem - für Brüssel, für Washington, für die transatlantische Ordnung. Nun ist er weg.

Was diese Wahl zu einem Fall für journalistische Nachfragen macht, ist nicht das Ergebnis allein - es ist das Muster, in das es fällt. Rumänien 2025: Ein EU-kritischer Kandidat gewinnt die erste Runde, das Verfassungsgericht annulliert die Wahl. Georgien: Ergebnis gegen EU-Kurs, Straßenproteste, OSZE-Mechanismus ausgelöst, Regierung unter Druck. Ungarn 2026: Historische Wahlbeteiligung, EU-freundlicher Sieger, sofortige Gratulation aus Brüssel. Der US-Repräsentantenhaus-Bericht, der auf 160 Seiten dokumentiert, wie die EU-Kommission Social-Media-Algorithmen zur Beeinflussung europäischer Wahlen eingesetzt hat, ist dabei keine Randnotiz. Die vollständige Dokumentation - acht Wahlen, gerichtsfeste Beweise, Primärquellen - findet sich hier: US-Anklage gegen EU-Regime.

Fragen:

  • Warum stieg die Wahlbeteiligung auf einen historischen Höchststand in einem Land, das Orbáns Politik mehrheitlich unterstützte?
  • Wer ist Magyar wirklich - Reformer oder systeminterne Alternative?
  • Was passiert mit dem Fidesz-Netzwerk, wenn die EU-Gelder fließen?
  • Wäre diese Wahl auch als „demokratischer Durchbruch" gefeiert worden, wenn Magyar verloren hätte?

Südlibanon: Was nach dem Waffenstillstand vom Boden übrig bleibt

Trump verkündet eine 10-tägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Noch am selben Abend werden Verletzungen gemeldet. Ein französischer UNIFIL-Soldat stirbt. Die Bulldozer stehen südlich des Litani - sie stehen, nicht weil der Waffenstillstand gilt, sondern weil ihre Arbeit für diesen Abschnitt abgeschlossen ist.

Israel hat seit Beginn der Bodenoffensive im Südlibanon acht Brücken über den Litani gesprengt. Die letzte Brücke fiel in dieser Woche. Der Süden ist von der Versorgung abgeschnitten - nicht als Kriegsstrategie, sondern als Ergebnis einer Strategie, die über den Krieg hinausgeht. Israelische Soldaten haben öffentlich erklärt, was sie bauen, sei dauerhaft. Netanyahu hat gesagt, sie würden nicht abziehen. Und der Litani soll, so die Formulierung israelischer Regierungsvertreter, die natürliche Grenze sein.

Was kaum eine Schlagzeile findet: Während Diplomaten über Hormuz und Urananreicherung verhandeln, sprühten israelische Militärflugzeuge seit Februar 2026 Glyphosat in 20- bis 50-facher landwirtschaftlicher Konzentration über Feldern, Weideland und Olivenhainen in Südlibanon, Gaza und der syrischen Quneitra-Region aus. UNIFIL nannte die Operation inakzeptabel und als Verstoß gegen Resolution 1701. UN-Sprecher Dujarric: „Jede Aktivität israelischer Streitkräfte nördlich der Blue Line ist eine Verletzung dieser Resolution - nicht möglicherweise, nicht unter Umständen." Glyphosat in diesen Konzentrationen vernichtet nicht nur die aktuelle Ernte. Es vernichtet die Bodenorganismen, die jeden zukünftigen Wiederaufbau ermöglichen würden. Kein Waffenstillstand entgiftet einen Boden. Was hier entsteht, zielt nicht auf Sieg - es zielt auf Unbewohnbarkeit. Die vollständige Dokumentation mit Satellitenbildern, Laborberichten und UN-Primärquellen: Agronomische Kriegsführung.

Fragen:

  • Wann endet ein Waffenstillstand, der auf der einen Seite noch am selben Abend gebrochen wird?
  • Was bedeutet der Begriff „Sicherheitszone", wenn Dörfer eingeebnet und Böden vergiftet werden?
  • Wird die multinationale Navigationsmission von Macron und Starmer die Frage der Libanon-Annexionsvorbereitung adressieren - oder ausklammern?
  • Warum findet der systematische Einsatz von Herbiziden auf Zivilland keine vergleichbare internationale Aufmerksamkeit wie Raketenangriffe?

Sudan: Das System des Schweigens

Am 15. April, dem dritten Jahrestag des Sudankrieges, trafen sich in Berlin Deutschland, die Afrikanische Union, Frankreich, die EU, Großbritannien und die USA. Das Ergebnis: eine gemeinsame Erklärung, keine bindenden Maßnahmen, keine humanitäre Waffenruhe.

Was in El-Fasher zwischen Oktober und November 2025 geschah, ist durch eine UN-Untersuchungskommission dokumentiert: die RSF führte eine koordinierte Kampagne gegen nicht-arabische Bevölkerungsgruppen durch. Mehr als 6.000 Menschen wurden in 72 Stunden getötet. Gezielte Tötungen, Massenvergewaltigungen, erzwungenes Verschwinden. Die UN nennen es beim Namen: Genozid. Die Berliner Konferenz nannte keine Konsequenzen.

Was die Berliner Konferenz nicht thematisiert hat: Die Vereinigten Arabischen Emirate beliefern die RSF nachweislich mit Waffen - gut dokumentiert, international bekannt, nicht sanktioniert. Die Trump-Administration hat zeitgleich den sudanesischen Ableger der Muslimbruderschaft als Terrororganisation eingestuft - eine Maßnahme, die faktisch die RSF stärkt und die SAF schwächt. Wer die Interessen verfolgt, die hinter dieser Architektur des Schweigens stehen, findet dasselbe Muster, das sich durch Gaza zieht: Wer liefert die Waffen, wer kauft das Gold, wer sitzt als Friedensvermittler am Tisch, während seine Frachtflüge Munition liefern? Die vollständige Analyse: Sudan - Das vergessene Massaker. Und wer wissen will, wie diese Architektur im Detail funktioniert - dort, wo sie dokumentiert, forensisch belegt und gerichtsfest ist: Gaza - Made in the USA.

Fragen:

  • Was braucht es, damit aus einer UN-Genozid-Feststellung internationale Konsequenzen folgen?
  • Warum wurden weder SAF noch RSF zur Berliner Konferenz eingeladen?
  • Wann wird die Rolle der VAE als Waffenlieferant der RSF Gegenstand diplomatischen Drucks - statt nur journalistischer Berichte?
  • Ist das Schweigen der Weltgemeinschaft zu Sudan Versagen - oder Kalkül?

+++

Michael Hollister
war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

Quellenverzeichnis

Iran - Verhandlungen und Hormuz

Iran - Israel/Libanon

Iran - Militärisches

Ungarn

Deutschland/Ukraine

Trump-Zölle/China

Sudan

Ukraine

Eigene Analysen

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ apolut

Uncut #65: Heute mit Jürgen Elsässer | Hält sich Trump für Dschingis Khan?

veröffentlicht.
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Uncut #65: Heute mit Jürgen Elsässer | Hält sich Trump für Dschingis Khan?
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Uncut #65: Heute mit Jürgen Elsässer | Hält sich Trump für Dschingis Khan?

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst.“

Mit diesem Credo ist das wöchentliche apolut-Format UNCUT im wesentlichen auf den Punkt gebracht.

Die apolut-Redaktion stellt einmal die Woche einem bekannten Influencer – diese Woche Jürgen Elsässer – eine Handvoll Fragen, die in der öffentlichen Debatte aktuell die Top-Themen markieren. Dann erhalten wir dazu völlig subjektive Antworten und stellen diese online. That’s it.

Im Anschluss setzten wir auf eine lebhafte Diskussion bei den Konsumenten des Formates, denn die von uns veröffentlichten Antworten entsprechen in der Regel nicht dem aktuellen Mainstream-Narrativ, noch geben sie vor, DIE Wahrheit zu sein.

Sie geben jede Woche die subjektive Meinung des Befragten zum besten. Und damit das Meinungsspektrum möglichst breit bleibt, wechseln jede Woche die Befragten.

Wir wünschen gute Unterhaltung und spannende Diskussionen an den Stammtischen und in den Foren!

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Anti-Spiegel

Fast unbeachtet von deutschen Medien greift Israel den Libanon immer heftiger an

veröffentlicht.
Vorschau ansehen Der israelische Verteidigungsminister Katz hat vor einigen Tagen angekündigt, Israel werde im Libanon genauso vorgehen, wie in Gaza, und die israelische Armee Hält Wort. Israelischen Bomben sind seit Anfang März schon über tausend Zivilisten zum Opfer gefallen, es wurden mehrere Krankenhäuser bombardiert und in Beirut sind ganz Straßenzüge zu Trümmerwüsten geworden. Aber deutsche Medien scheinen […]
(Auszug von RSS-Feed)
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