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Die Folgen der doppelten Standards

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„Außenpolitik gestalten“

Über die Ziele, die die Bundesrepublik mit der Bewerbung um einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat verfolgte, hatte sich im vergangenen Jahr Außenminister Johann Wadephul offen geäußert. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sei „das höchste wirklich globale Gremium für die Sicherheit der Welt“, für das trotz aller Konflikte weltweit „noch immer grundsätzlich Konsens und Unterstützung aller besteht“, hatte Wadephul vor der Konferenz aller deutschen Botschafter am 8. September 2025 konstatiert und hinzugefügt: „Deutschland gehört als eines der zentralen europäischen Gewichte an diesen Tisch.“ Das sei nötig, „weil wir in dieser Welt Außenpolitik gestalten wollen“ – „und weil dies unserem Interesse entspricht“.[1] Das liege auch daran, dass – „gerade in einem immer raueren geopolitischen Klima“ – „die Mitgliedschaft im Sicherheitsrat Zugänge zu Entscheidungen, Formaten und Informationen“ biete, „die auch Jahre nach unserer Mitgliedschaft geöffnet bleiben“. Dies sei für Berlin von hoher Bedeutung. Wadephul behauptete zudem, es sei, „gerade wenn das Völkerrecht angeschlagen und der Multilateralismus am Taumeln ist, unsere Verantwortung“, „uns dem kraftvoll entgegenzustellen“.

Verbrechen? Egal.

Dass die Bundesregierung zwar jederzeit abstrakt die Einhaltung des Völkerrechts predigt, sich im konkreten Fall allerdings – auch auf offener Weltbühne – nicht darum schert, wenn es um Vorwürfe gegen ihre Verbündeten geht, ist einer der Gründe, die nun für das Scheitern der deutschen Bewerbung vorgebracht werden. Die Bundesregierung weigert sich seit Jahren beharrlich, anders als mit nichtssagenden Phrasen gegen Israels Völkerrechtsverbrechen unter anderem im Gazakrieg Position zu beziehen. Im Dezember 2025 stimmte sie auf Druck aus Israel nicht einmal der Verlängerung des Mandats für das Palästinenserhilfswerk UNWRA zu. Dies sticht umso mehr ins Auge, als Berlin regelmäßig Russland – einen Gegner – wegen angeblicher oder tatsächlicher Kriegsverbrechen im Ukrainekrieg aufs Heftigste attackiert. Im Falle Israels fällt das deutsche Schweigen besonders ins Gewicht, weil in den vergangenen Jahren, wie Daniel Forti, UN-Experte bei der International Crisis Group, festhält, „eine große Mehrheit unter den UN-Mitgliedsstaaten … Palästina unterstützt hat und sehr besorgt ist über Israels Krieg in Gaza und in der Westbank“.[2] Auch die Repression in Deutschland gegen Palästinenser und Gegner der israelischen Kriegführung wird international mit klarer Ablehnung rezipiert.[3]

Komplexe Fragen

Auf wenig Verständnis stößt die Bundesregierung in vielen Ländern zudem mit ihrer faktischen Billigung der Angriffskriege der Vereinigten Staaten. Bedrängt Berlin nach wie vor Staaten in aller Welt, gegen Russland wegen seines Angriffskrieges gegen die Ukraine Strafmaßnahmen zu verhängen, so sieht sie sich nach wie vor nicht in der Lage, eine offizielle völkerrechtliche Einordnung des US-Angriffskriegs gegen Iran vorzunehmen. Dasselbe trifft auf den US-Überfall auf Venezuela Anfang Januar sowie die Verschleppung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro zu. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte behauptet, „die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes“ sei „komplex“; dazu müsse man sich „Zeit“ nehmen.[4] Diese „Zeit“ dauert nun seit fünf Monaten an, ohne dass eine öffentliche Stellungnahme dazu vorliegt. Dies löst mittlerweile sogar in den Berliner Regierungsparteien Kritik aus. So ließ sich Siemtje Möller, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, jetzt mit der Äußerung zitieren, es sei erforderlich, dass die Bundesregierung künftig „völkerrechtswidriges Verhalten als solches benennt, unabhängig davon, wer dies in Frage stellt“.[5] Adis Ahmetovic, außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, forderte ebenfalls, man dürfe „beim Völkerrecht keine doppelten Maßstäbe anlegen“.

Absteigende Mächte

Jenseits der verbreiteten Kritik an den doppelten Standards der deutschen Außenpolitik geht das Scheitern der deutschen Bewerbung auch auf Kräfteverschiebungen in der internationalen Politik zurück. In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich die Bundesrepublik stets mit ihrer Forderung durchsetzen können, alle acht Jahre in den UN-Sicherheitsrat gewählt zu werden. Da die Amtszeit jeweils zwei Jahre beträgt, hatte Deutschland, langfristig betrachtet, während eines Viertels der Acht-Jahre-Perioden einen nichtständigen Sitz im Sicherheitsrat inne. Das war erheblich überproportional. In Berlin wurde es damit begründet, dass man einen größeren UN-Mitgliedsbeitrag zahle als die meisten anderen Staaten – und dass man als großes sowie wirtschaftlich starkes Land genug Gewicht auf die Waage bringe, um sich gegenüber den mächtigen ständigen Mitgliedern zu behaupten. Die Akzeptanz dafür schwindet offenbar; dies zeigt sich schon daran, dass mit Österreich und Portugal zwei kleinere Länder Westeuropas gleichzeitig gegen Deutschland kandidierten. Das Scheitern der Bundesrepublik in der Abstimmung belegt, dass weltweit das Bedürfnis zunimmt, die großen, besonders einflussreichen Mächte zumindest ein Stück weit zurückzudrängen.

„Weniger in die UN investieren“

Für die weltpolitischen Ambitionen der Bundesregierung ist das ein herber Dämpfer – umso mehr, als Berlin eigentlich viel weiter reichende Ziele verfolgt und sogar einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat anstrebt. Wie dieser gerechtfertigt werden soll, ist nach dem Scheitern der deutschen Bewerbung um einen nichtständigen Sitz unklarer denn je. Entsprechend zeichnet sich nun – zumindest in Ansätzen – ein Rückgang des Interesses an den Vereinten Nationen ab. Mit Blick darauf, dass Deutschland einer der größten Beitragszahler ist – 2025 überwies Berlin 3,22 Milliarden Euro nach New York –, erklärte der CDU-Politiker Manfred Pentz, der zur Zeit in Hessen als Minister für Internationales amtiert: „Wenn wir künftig dort nicht den Einfluss haben, der uns zusteht, stellt sich die Frage: Warum sollten wir dann weiterhin so viel Geld in die UN investieren?“[6] Mit ähnlichen Motiven hält seit geraumer Zeit die Trump-Administration Zahlungen an die Vereinten Nationen zurück. Deren Position gerät damit immer weiter ins Wanken.

 

[1] Rede von Außenminister Johann Wadephul zur Eröffnung der Konferenz der Leiterinnen und Leiter deutscher Auslandsvertretungen. auswaertiges-amt.de 08.09.2025.

[2] Martin Ganslmeier: Katerstimmung und Fehlersuche. tagesschau.de 04.06.2026.

[3] S. dazu „Stigmatisiert, kriminalisiert, angegriffen“.

[4] Bundeskanzler Friedrich Merz erklärt zur Situation in Venezuela. bundesregierung.de 03.01.2026.

[5] Was bedeutet Deutschlands gescheiterte UN-Bewerbung? zdfheute.de 04.06.2026.

[6] Deshalb wurde Deutschland bei der UN-Wahl abgestraft. n-tv.de 04.06.2026.

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Im Gespräch: Norbert Häring | "Der Wahrheitskomplex"

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Im Gespräch: Norbert Häring | "Der Wahrheitskomplex"
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Im Gespräch: Norbert Häring | "Der Wahrheitskomplex"

Was glauben Sie, gibt es in Deutschland eine staatlich geförderte Zensur? Können Sie sich vorstellen, dass mit deutschem Steuergeld etwa Nichtregierungsorganisationen finanziert werden, die im Auftrag der Regierung bestimmte, von der Regierung gewünschte, Erklärungen in die Öffentlichkeit tragen? Und können Sie sich weiter vorstellen, dass unerwünschte Meinungen mit demselben Antrieb, nämlich das Regierungshandeln als richtig und unumstritten erscheinen zu lassen, bekämpft werden? Wenn ja, dann sind Sie wahrscheinlich ein sogenannter "Verschwörungstheoretiker".

Unseren Gesprächsgast haben wir eigentlich nicht für einen solchen gehalten, und doch wagt er sich jetzt mit einer interessanten und plausiblen These auf den Buchmarkt. Nur diejenigen regierungsamtlichen Wahrheiten, die einen Zuverlässigkeitsstempel erhalten haben, sollen auf dem Nachrichtenmarkt bestehen bleiben, alles andere solle zum Verschwinden gebracht werden, und genau dies werde mit staatlicher Macht und Einflussnahme betrieben, so die provokante These von Norbert Häring.

Norbert Häring ist promovierter Ökonom. Er war als Wirtschaftsjournalist für die "Börsenzeitung", die "Financial Times Deutschland" und für das "Handelsblatt" tätig. Gegenwärtig betreibt er den Blog "Geld und mehr", auf dem man vieles lesen kann, was man andernorts nicht oder erst mit Zeitverzug findet.

Über das aktuelles Buch "Der Wahrheitskomplex: Wie NGOs im Staatsauftrag unerwünschte Meinungen bekämpfen", spricht Moderator Alexander Christ mit Norbert Häring.

Norbert Häring betreibt auch die Website wahrheitskomplex.de

Hier der Link zum Buch: https://c.kopp-verlag.de/kopp,verlag_4.html?1=1056&3=0&4=&5=&d=https%3A%2F%2Fwww.kopp-verlag.de%2Fa%2Fder-wahrheitskomplex

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Krachende Niederlage: Deutschland verpasst Sitz im UN-Sicherheitsrat

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Deutschland ist bei der Wahl zu den nicht-ständigen Sitzen im UN-Sicherheitsrat für 2027/2028 deutlich gescheitert und erhält erstmals seit Beginn seiner Sicherheitsratsbewerbungen keinen Platz im wichtigsten Gremium der Vereinten Nationen.

In der Regionalgruppe „Westeuropa und andere Staaten“ standen zwei Sitze zur Verfügung, für die Portugal, Österreich und Deutschland kandidierten.

Bei der geheimen Abstimmung in der UN-Generalversammlung in New York erreichte Portugal 134 Stimmen, Österreich 131 Stimmen, während Deutschland mit 104 Stimmen klar zurückblieb. Für die Wahl war eine Zweidrittelmehrheit von 127 Stimmen erforderlich.

Die Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, verkündete das Ergebnis der Abstimmung und bestätigte, dass Deutschland damit keinen Sitz im Sicherheitsrat erhält. Beobachter sprechen von einer herben Niederlage für die deutsche Außenpolitik und verweisen auf das deutliche Signal zugunsten von Österreich und Portugal.

Nach der Niederlage wächst der Druck auf Außenminister Johann Wadephul und Bundeskanzler Friedrich Merz. Kritik kommt nicht nur aus der Opposition, sondern auch aus den Reihen des Koalitionspartners SPD.

Die Bundesrepublik war bislang sechsmal nicht-ständiges Mitglied des Sicherheitsrats, zuletzt 2019/2020, und war nach Angaben von Diplomaten zuvor noch nie mit einer Kandidatur gescheitert. Nun wird diskutiert, welche außenpolitischen Positionen und diplomatischen Defizite zu diesem Stimmenverlust geführt haben und wie Deutschland sein Ansehen in den Vereinten Nationen wieder stärken kann.

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Bildquelle: Golden Brown / shutterstock

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Der Umbau Ungarns

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EU-Gelder für Péter Magyar

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) teilte am Freitag nach Verhandlungen mit der neuen ungarischen Regierung mit, die EU-Kommission werde Mittel in Höhe von 16,4 Milliarden Euro, die während der Amtszeit von Ministerpräsident Viktor Orbán eingefroren worden waren, freigeben. Orbáns am 9. Mai ins Amt gelangter Amtsnachfolger Péter Magyar sprach von einem „historischen Tag für Ungarn“. Von der Leyen stellte allerdings eine Bedingung für die tatsächliche Überweisung der Gelder klar: „Alle Reformen“ – Maßnahmen, die Orbán verweigerte – „müssen abgeschlossen sein“. „Wir werden keine Abkürzungen zulassen.“[1] Damit trug die Kommissionspräsidentin der Tatsache Rechnung, dass die Kommission in einem sehr ähnlich gelagerten Fall Polens neuem Ministerpräsidenten Donald Tusk nach dem Regierungswechsel 2023 einen Vertrauensvorschuss gewährte und sämtliche im Streit mit der Vorgängerregierung eingefrorenen EU-Gelder freigab. Jedoch sind die von Brüssel geforderten Rechtsstaatsreformen in Polen bis heute nicht erfolgt, da zunächst Präsident Andrzej Duda und später sein Amtsnachfolger Karol Nawrocki ein Veto einlegten. Magyar besitzt allerdings im Unterschied zu Tusk eine Zweidrittelmehrheit im Parlament und kann sämtliche Reformen tatsächlich beschließen.[2]

Reformen unter Zeitdruck

Magyar bleibt für die notwendigen Reformen, damit die EU-Gelder fließen können, nur wenig Zeit. Sie müssen bis Ende August vom Parlament verabschiedet werden, weshalb die Sommerpause für die Abgeordneten in diesem Jahr ausfällt. Um sich Brüssel politisch anzudienen, überreichte Magyar am Freitag der Kommissionspräsidentin einen Antrag für Ungarns Beitritt zur EU-Staatsanwaltschaft, obwohl dies nicht Teil der Auflagen war. Die EU-Staatsanwaltschaft gilt in Brüssel als wichtige politische Kontrollinstanz, da sie selbständig ermitteln darf, sollte der Verdacht bestehen, dass EU-Gelder nicht wie vereinbart verwendet werden. Magyar hat darüber hinaus bereits angekündigt, er werde die nationale Korruptionsbehörde stärken. Zudem sollen Minister künftig ihr Vermögen und ihre Beteiligungen an Unternehmen offenlegen. Falsche Angaben sollen mit bis zu zwei Jahren Haft geahndet werden.[3]

Milliarden für Infrastruktur und Industrie

Ungarn soll neben zehn Milliarden Euro an eingefrorenen Coronahilfen auch 6,4 Milliarden Euro aus dem EU-Kohäsionsfonds erhalten. Während ihrer Verhandlungen in der vergangenen Woche einigten sich die ungarische Regierung und die EU-Kommission auf eine Liste konkreter Vorhaben für die Verwendung der Gelder. So sollen für die Modernisierung des ungarischen Energienetzes und für den Anschluss von Windkraftanlagen 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt werden. Neue Eisenbahnwaggons sollen für 1,8 Milliarden Euro gekauft werden. Für den Bau einer KI-Gigafactory werden 500 Millionen Euro fließen, in das EU-Satellitennetzwerk Iris2 weitere 500 Millionen Euro.[4] Nicht zuletzt für deutsche Konzerne bahnen sich damit Milliardenaufträge an.

Umbau des Staatsapparats

Magyar hat inzwischen mit einem weitreichenden Staatsumbau begonnen. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte er den Inhabern höchster Staatsämter ein Ultimatum bis zum 31. Mai gestellt, ihre Ämter freiwillig niederzulegen. Betroffen waren Staatspräsident Tamás Sulyok sowie die Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, des Verfassungsgerichts, des Rechnungshofs und der Medienaufsicht, zudem der Generalstaatsanwalt. Am Montag kündigte Magyar an, den Staatspräsidenten nicht nach den geltenden Regeln, sondern mit Hilfe einer Verfassungsänderung absetzen zu wollen; er erklärte nach einem Treffen mit Sulyok: „Die nötigen Entscheidungen werden wir zeitnah treffen“.[5] Geplant ist zudem eine weitere Verfassungsänderung, die die Amtszeit des Ministerpräsidenten auf acht Jahre beschränken soll – ein Wahlversprechen Magyars. Der Gesetzestext wurde nun jedoch so formuliert, dass er auch rückwirkend gelten soll. Damit könnte Orbán kein weiteres Mal Regierungschef werden. Mit einer dritten Verfassungsänderung will Magyar eine Reihe von Stiftungen verstaatlichen, die der Fidesz mit Milliardensummen gefördert und die er auf seine politische Linie gebracht hat – etwa das Mathias Corvinus Collegium (MCC).[6]

Entmachtung des Fidesz-Netzwerks

Zu den Verlierern zählen nach Magyars Amtsantritt zudem ungarische Oligarchen, die Teil von Orbáns politischem Netzwerk sind. Dies gilt etwa für Lőrinc Mészáros, einen langjährigen Vertrauten Orbáns, dessen Mischkonzern Opus Global seit der Wahl ein Drittel an Wert verloren hat. Mészáros kontrolliert auch die zweitgrößte ungarische Bank, die MBH Bank, deren Aktienkurs zweistellig einbrach. Unter Orbán stieg Mészáros von einem Klempner zu einem der reichsten Ungarn auf. Er profitierte von einem privilegierten Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen und EU-finanzierten Infrastrukturprojekten. Von Verlusten bedroht ist zudem Orbáns Schwiegersohn István Tiborcz. Tiborcz baute den Mischkonzern BDPST auf, der Banken sowie Logistik- und Immobilienfirmen umfasst. Sein Erfolg ist eng mit dem Fidesz-Netzwerk verknüpft.[7]

Streit um die Sondersteuern

Orbán betrieb eine Wirtschaftspolitik, mit der er die Exportindustrie massiv subventionierte. Zu den großen Gewinnern dieser Politik zählen die deutschen Automobilkonzerne. Nach der Weltwirtschaftskrise 2008 wurden allerdings strategisch definierte Sektoren unter Orbán mit einer restriktiven Industriepolitik belegt, die einheimische Unternehmer – konkret oft die erwähnten Orbán-nahen Oligarchen – begünstigt. Auswärtige Investoren in den Branchen Telekommunikation, Banken, Logistik, Bau und Einzelhandel klagen seitdem unter anderem über Sondersteuern. Im Wahlkampf behauptete Magyar, damit würden deutsche Unternehmen „verfolgt“, was er ändern werde: „Wir wollen gleiche Bedingungen für alle bieten.“[8] Nun allerdings erklärte der neue Finanzminister András Kármán bei einer Anhörung im Parlament, die Sondersteuern seien eine wichtige Einnahmequelle; deshalb bestehe „keinerlei Absicht“, sie kurzfristig abzuschaffen. Kármán stellte die Sondersteuern für bestimmte Branchen in einen Zusammenhang mit Steuervergünstigungen für andere. Dies bezeichnete er als eine Umverteilung zwischen verschiedenen Wirtschaftszweigen. Würden die Sondersteuern schrittweise auslaufen, müssten auch die Steuererleichterungen überprüft werden – zum Ärgernis deutscher Autokonzerne.[9] Das damit verbundene Risiko will Magyar offenbar nicht eingehen.

Grenzen der Annäherung

Auch wenn Magyar alles daran setzt, Orbáns Netzwerke in Politik und Wirtschaft so umfassend wie möglich zu entmachten, bleibt Konfliktpotenzial mit der EU bestehen – etwa in der Migrationspolitik. Magyar wird hier an Orbáns politischem Kurs festhalten; so lehnt er etwa den EU-Migrationspakt ab.[10] Bei Gesprächen zwischen Magyar, von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa wurde zudem die ukrainische EU-Mitgliedschaft wiederholt thematisiert. Magyar blockiert das Vorhaben – wie bisher Orbán – mit dem Verweis auf die mangelnden Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine. Seine neue Außenministerin Anita Orbán – sie ist nicht mit dem Ex-Ministerpräsidenten verwandt – bezeichnete die Rechte der ungarischen Minderheit als „das wichtigste Thema, das wir mit Kiew klären müssen“.[11] Magyar will zudem weiterhin russische Rohstoffe importieren, etwa Rohöl über die Druschba-Pipeline, die durch die Ukraine verläuft.[12]

 

[1] Carsten Volkery: Magyar triumphiert – EU gibt 16,4 Milliarden Euro für Ungarn frei. handelsblatt.com 29.05.2026.

[2] Jakob Hanke Vela, Carsten Volkery: Wann bekommt Magyar die eingefrorenen EU-Milliarden? handelsblatt.com 28.05.2026.

[3] Thomas Gutschker: Geldsegen für Ungarn – wenn es die Auflagen erfüllt. faz.net 29.05.2026.

[4] Carsten Volkery: Magyar triumphiert – EU gibt 16,4 Milliarden Euro für Ungarn frei. handelsblatt.com 29.05.2026.

[5] Neuer Premier plant Verfassungsänderung gegen Staatschef. ksta.de 01.06.2026.

[6] Alexander Haneke: Magyar, Meister der Konfrontation. faz.net 31.05.2026.

[7] Michaela Seiser: Oligarchen stehen am Pranger. faz.net 29.04.2026.

[8] S. dazu Orbáns Erbe, Magyars Kurs.

[9] Carsten Volkery: Sondersteuer bleibt – Magyar geht auf Konfrontation zur EU. handelsblatt.com 26.05.2026.

[10] Thomas Gutschker: Geldsegen für Ungarn – wenn es die Auflagen erfüllt. faz.net 29.05.2026.

[11] Jakob Hanke Vela, Carsten Volkery: Wann bekommt Magyar die eingefrorenen EU-Milliarden? handelsblatt.com 28.05.2026.

[12] Florian Kellermann: Ungarns Ministerpräsident sucht die Nähe zu Polen. tagesschau.de 20.05.2026.

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Trump bremst Israels Libanon-Offensive – heftiger Streit mit Netanjahu

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Zwischen Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu ist es wegen des israelischen Vorgehens im Libanon zu einem schweren Konflikt gekommen.

Trump drängt auf eine deutliche Begrenzung der israelischen Angriffe gegen die Hisbollah im Libanon und warnt vor einer weiteren Eskalation, die auch die Verhandlungen mit dem Iran belasten könnte. Nach US-Darstellung ist die Geduld Washingtons mit der israelischen Regierung nahezu erschöpft, weil Netanjahu trotz internationaler Kritik die Operationen im Libanon fortsetzt.

Aus US-Regierungskreisen heißt es, Trump habe Netanjahu in internen Gesprächen scharf kritisiert und deutlich gemacht, dass Washington einen umfassenden israelischen Boden- oder Großangriff im Libanon nicht mittragen will. Hintergrund sind die massiven israelischen Luftschläge und Artillerieangriffe auf Hisbollah-Stellungen im Süden des Landes und nahe Beirut, die bereits zahlreiche zivile Opfer gefordert haben sollen.

Netanjahu verweist demgegenüber auf das Selbstverteidigungsrecht Israels und rechtfertigt das Vorgehen gegen die mit Iran verbündete Hisbollah als notwendig, um weitere Angriffe auf Israel zu verhindern. Der israelische Premier zeigt sich bislang unbeeindruckt vom zunehmenden Druck aus Washington und anderen westlichen Hauptstädten.

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Iran setzt Gespräche mit USA aus – Drohung mit Blockade der Straße von Hormus

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Iran hat nach eigenen Angaben die indirekten Verhandlungen mit den USA vorerst abgebrochen und droht mit einer vollständigen Blockade der Straße von Hormus. Als Begründung nennt Teheran anhaltende israelische Angriffe im Libanon und die aus iranischer Sicht nicht erfüllten Forderungen an Washington. Das iranische Verhandlungsteam habe deshalb den Dialog und den Informationsaustausch über Vermittler „unterbrochen“.

Laut mit den Revolutionsgarden verbundener Nachrichtenagentur Tasnim erwägt Iran neben einer Totalblockade von Hormus auch die „Reaktivierung“ weiterer Fronten, darunter die Meerenge Bab al-Mandab vor Jemen. Parallel dazu behauptet US‑Präsident Trump, die Gespräche liefen weiter „zügig“ und es gebe Fortschritte, was die Darstellung Teherans direkt widerspricht.

Unabhängig davon hatte Trump bereits zuvor eine US-Blockade der Straße von Hormus angekündigt und der Marine den Auftrag gegeben, in dem Gebiet verlegte Minen zu räumen. Die jüngste Verhandlungsrunde im pakistanischen Islamabad war ergebnislos geblieben; Washington wirft Teheran mangelnde Kompromissbereitschaft beim Atomprogramm vor, während Iran den USA fehlendes Vertrauen und Blockadehaltung anlastet.

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Im Pantheon der Kollaborateure

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„Helden der Ukraine“

Die staatliche Ehrung von NS-Kollaborateuren ist in der Ukraine kein neues Phänomen. Sie begann unter dem prowestlichen Präsidenten Wiktor Juschtschenko (2005 bis 2010), der 2007 Roman Schuchewytsch und 2010 Stepan Bandera posthum zu „Helden der Ukraine“ erklärte. Schuchewytsch war einer der Anführer der UPA und setzte den Krieg gegen die Sowjetunion noch nach 1945 im Untergrund fort. Bandera war Anführer der OUN(B), die mit Melnyks OUN(M) rivalisierte. Nach dem prowestlichen Umsturz im Februar 2014 in Kiew häufte sich dort die Aufwertung der NS-Kollaborateure. Im April 2015 stufte das ukrainische Parlament die Mitglieder von OUN und UPA als „Kämpfer für die ukrainische Unabhängigkeit“ ein; seither ist es laut dem Parlamentsbeschluss nicht erlaubt, die „Legitimität“ ihres „Kampfs für die Unabhängigkeit der Ukraine“ in Frage zu stellen.[1] Seit 2015 ist darüber hinaus der Gründungstag der UPA, der 14. Oktober, ein staatlicher Feiertag. Seit 2018 wiederum lautet die offizielle Grußformel der ukrainischen Streitkräfte: „Ruhm der Ukraine! Den Helden Ruhm!“ Zuvor war dies die offizielle Grußformel der OUN. Der Hinweis, sie sei älter als die OUN, ist nicht weniger zutreffend als die Feststellung, ihr deutsches Äquivalent „Sieg Heil“ sei älter als die NSDAP.

Waffen-SS-Division Galizien

Aktuell erhält die Aufwertung ukrainischer NS-Kollaborateure einen neuen Schub. Zunächst wurde die Umbettung des Leichnams des 1964 verstorbenen Anführers der OUN(M), Andrij Melnyk, in die Ukraine organisiert.[2] Melnyks sterbliche Überreste wurden am 19. Mai in Luxemburg exhumiert, nach Kiew gebracht und anschließend auf dem Nationalen Militärfriedhof nahe der ukrainischen Hauptstadt im Rahmen einer Staatszeremonie bestattet. Anwesend waren unter anderem Präsident Wolodymyr Selenskyj und der seit Jahresbeginn amtierende Leiter des Präsidialamts, Kyrylo Budanow, der laut Berichten die treibende Kraft hinter der Maßnahme gewesen sein soll.[3] Melnyk und die OUN(M) kollaborierten in ihrem Bestreben, die Ukraine aus der Sowjetunion herauszubrechen und sie in einen autoritär geführten Staat nach faschistischem Modell umzuwandeln, intensiv mit dem NS-Reich. Erst als sie nach dem Überfall auf die Sowjetunion die Gründung eines ukrainischen Staates konkret in Angriff nehmen wollten, nahmen die NS-Behörden, die dies ablehnten, Melnyk in Haft. Mitglieder der OUN(M) waren maßgeblich am Aufbau der 14. Waffen-Grenadier-Division der SS (galizische Nr. 1) beteiligt, die als Waffen-SS-Division Galizien bekannt ist. Sie war an Massakern an der polnischen Bevölkerung Wolhyniens und Ostgaliziens mit weit mehr als tausend Todesopfern beteiligt.

„Die historischen Traditionen der Streitkräfte“

Verantwortung für den größten Teil der Todesopfer bei den Masskern in Wolhynien und Ostgalizien, bei denen von Februar 1943 bis Kriegsende insgesamt bis zu 100.000 polnische Zivilisten ermordet wurden, trägt allerdings die UPA. Im Unterschied zur Waffen-SS-Division Galizien sammelten sich in ihr insbesondere Mitglieder der OUN(B), darunter auch solche, die bereits zuvor an Pogromen und Massakern an der jüdischen Bevölkerung der okkupierten Sowjetunion beteiligt waren, so etwa Ende Juni 1941 in Lemberg, dem heutigen Lwiw. Dort ermordeten OUN-Milizionäre gemeinsam mit den deutschen Besatzern rund 4.000 Jüdinnen und Juden.[4] Die ab 1943 folgenden Massaker der UPA an polnischen Zivilisten zielten darauf ab, in Wolhynien und Ostgalizien ein nur noch ukrainisch besiedeltes Territorium zu schaffen, auf dem nach Kriegsende ein ukrainischer Staat entstehen sollte. Den Massakern der UPA fielen auch zahllose Jüdinnen und Juden zum Opfer; damit beteiligte sich die ukrainische Miliz an der Shoah. Am Dienstag vergangener Woche trat ein Dekret in Kraft, mit dem Präsident Selenskyj nun einer Einheit der ukrainischen Spezialeinsatzkräfte den Titel „Helden der UPA“ verlieh. Dies geschah Selenskyj zufolge „mit dem Ziel, die historischen Traditionen der nationalen Streitkräfte wiederzubeleben“.[5]

„Anlass zu großer Sorge“

Die Umbettung von Melnyk und die Verleihung des Titels „Helden der UPA“ an die Einheit der Spezialkräfte sind international auf Protest gestoßen. So hieß es in einer Stellungnahme des israelischen Außenministeriums, man „bedauere die Entscheidung, für den OUN-Führer Melnyk, der mit den Nazis kollaborierte, eine offizielle staatliche Umbettungszeremonie abzuhalten“; es dürfe „keinen Platz dafür geben, die historische Wahrheit und das Andenken an die Opfer zu ignorieren, die von den Nazis und ihren Kollaborateuren ermordet wurden“.[6] Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem erklärte, Melnyks Umbettung gebe „Anlass zu großer Sorge“: „Die Ehrung des Führers einer Bewegung, die Nazi-Deutschland während der Verfolgung und Ermordung von Millionen von Juden unterstützte“, untergrabe „die moralische Integrität“, die „für das Gedenken an den Holocaust unerlässlich“ sei.

„Tiefe Missbilligung“

Die erneute Ehrung der UPA wiederum löst vor allem in Polen Unmut aus. Dort hat das Außenministerium am 28. Mai dem ukrainischen Botschafter seine „tiefe Missbilligung“ der Maßnahme übermittelt; am 29. Mai bekräftigte der polnische Geschäftsträger in Kiew dies bei einem Gespräch im ukrainischen Außenministerium.[7] Gleichfalls am 29. Mai teilte der polnische Staatspräsident Karol Nawrocki mit, er werde dafür sorgen, dass seinem ukrainischen Amtskollegen Selenskyj der Weiße-Adler-Orden aberkannt werde. Selenskyj hatte den Orden, die höchste Auszeichnung des polnischen Staates, im April 2023 erhalten – mit der Erläuterung des damaligen polnischen Präsidenten Andrzej Duda, er bekomme die Auszeichnung als „außergewöhnliche Persönlichkeit“, die ihren Staat „in der schwierigsten Phase der ukrainischen Geschichte nicht im Stich gelassen“ habe.[8] In Warschau werde nun am Montag kommender Woche über die Aberkennung des Ordens entschieden, heißt es. In Polen ist mittlerweile Ministerpräsident Donald Tusk bemüht, die Wogen zu glätten. Dazu rückt er die Massenverbrechen der OUN und der UPA in den Hintergrund. Polen und die Ukraine hätten einen gemeinsamen Feind, erklärte Tusk Ende vergangener Woche mit Bezug auf Russland; leiste man sich einen Streit um „historische Emotionen“, dann habe Moskau Anlass zu feiern.[9] Das gelte es zu vermeiden.

„Eine Demütigung“

Während Protest aus den Ländern kommt, in denen Angehörige und Nachfahren der Opfer der ukrainischen NS-Kollaborateure leben, bleiben Reaktionen der Bundesregierung, die sich rühmt, die stärkste Unterstützerin der Ukraine zu sein, aus. Berlin toleriert damit die Ehrung rassistisch-antisemitischer Massenmörder – und lässt deren Gegner im Stich, so zum Beispiel die ukrainische Holocaust-Forscherin Marta Havryshko; diese nannte Melnyks Umbettung „eine Demütigung für alle, die einst glaubten, dass ‚Nie wieder‘ in der heutigen Ukraine noch eine Bedeutung habe“.[10] Dabei zeichnet sich ab, dass deutsche Behörden sich womöglich schon in Kürze an identischen Maßnahmen beteiligen könnten. Laut Berichten plant die Kiewer Regierung, ein „Pantheon herausragender Ukrainer“ zu errichten, das „ein besonderer Ort der Wertekonsolidierung des ukrainischen Volkes“ sein soll. Dazu soll nun die Umbettung der Leichname weiterer ukrainischer Nationalisten vorbereitet werden. Bereits genehmigt ist demnach zum Beispiel die Überführung der sterblichen Überreste des OUN-Gründers Jewhen Konowalez, der in Rotterdam begraben ist.[11] Denkbar ist auch die Umbettung von Jaroslaw Stetsko, der die OUN nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus dem bundesdeutschen Exil weiterführte, sowie von OUN(B)-Anführer Stepan Bandera. Stetsko und Bandera sind auf dem Münchner Waldfriedhof begraben. Die Überführung ihrer Überreste setzt eine Zustimmung staatlicher Stellen in Deutschland voraus.

 

[1] S. dazu Von Tätern, Opfern und Kollaborateuren (II).

[2] Kate Tsurkan: Remains of 20th century Ukrainian military leader Andrii Melnyk brought to Kyiv for reburial. kyivindependent.com 22.05.2026.

[3] Leonid Ragozin: Melnyk reburial signals ideological shift in Ukraine. intellinews.com 29.05.2026.

[4] S. dazu Von Tätern, Opfern und Kollaborateuren (II).

[5] Tim Zadorozhnyy: Zelensky’s decision to name military unit after WWII-era Ukrainian Insurgent Army sparks outrage in Poland. kyivindependent.com 29.05.2026.

[6] Nava Freiberg: Israel objects to Ukrainian reburial with state honors of Nazi collaborator. timesofisrael.com 25.05.2026.

[7] MFA Statement. gov.pl 29.05.2026.

[8] Stefan Locke: Aus polnischer Sicht ehrt Selenskyj die Falschen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 01.06.2026.

[9] Ewan Jones: Poland’s political heavyweights blast Zelenskyy for honoring WWII massacre unit. tvpworld.com 29.05.2026.

[10], [11] Daniel Säwert: Fragwürdige Ehrung. nd-aktuell.de 26.05.2026.

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USA greifen iranische Ziele an – Teheran meldet Gegenschlag

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In den vergangenen 24 Stunden haben die USA erneut militärische Ziele im Iran angegriffen, woraufhin der Iran einen Gegenangriff auf einen US-Stützpunkt gemeldet hat.

Das US-Militär berichtet, es habe im Rahmen der laufenden Operationen nahezu 2.000 Ziele im Iran angegriffen und dabei unter anderem 17 iranische Schiffe, darunter ein U-Boot, zerstört. Die Angriffe stehen im Kontext einer breiteren westlichen Militärkampagne gegen iranische Kapazitäten im See- und Raketenbereich.

Parallel dazu meldeten iranische Revolutionsgarden laut iranischen Staatsmedien einen Angriff auf einen US-Luftwaffenstützpunkt als Reaktion auf die US-Militärschläge.

Details zu Ort und Umfang dieses Gegenschlags blieben zunächst unklar; allerdings unterstreicht der Vorgang, dass trotz laufender Verhandlungen und Diskussionen über Waffenruhen die militärische Eskalationsspirale zwischen den USA und Iran weiter anhält.

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Bildquelle: Yanlens / shutterstock

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Kubicki zum neuen FDP-Chef gewählt – Kampfabstimmung auf Bundesparteitag

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Vorschau ansehen Kubicki zum neuen FDP-Chef gewählt – Kampfabstimmung auf Bundesparteitag

Auf dem FDP-Bundesparteitag ist Wolfgang Kubicki zum neuen Bundesvorsitzenden der FDP gewählt worden. Er setzte sich in einer Kampfabstimmung gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch, die in letzter Minute von 33 Delegierten nominiert worden war und damit das nötige Quorum für eine Gegenkandidatur erreichte. Kubicki erhielt rund 59 Prozent der Delegiertenstimmen.

Bis zum Nachmittag des Parteitags war Kubicki als einziger Kandidat für den Vorsitz gehandelt worden. Mit seiner Wahl übernimmt erstmals ein Politiker aus Schleswig-Holstein den Bundesvorsitz der Liberalen. Kubicki war zuvor langjähriger stellvertretender FDP-Bundesvorsitzender und Vizepräsident des Deutschen Bundestags.

Die Wahl war erforderlich geworden, nachdem der frühere Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Christian Dürr, gemeinsam mit dem gesamten Bundesvorstand zurückgetreten waren. Auslöser waren schlechte Umfragewerte und Wahlergebnisse in den Ländern, wie z. B. in Baden-Württemberg, wo die FDP den erneuten Einzug in den Landtag verpasste.

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EU stoppt Pläne für Sondergesandten im Russland-Ukraine-Konflikt

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Die EU wird entgegen früheren Überlegungen vorerst keinen Sondergesandten bzw. Chefverhandler für mögliche Friedensgespräche mit Russland im Ukraine-Krieg benennen. Während eines informellen Treffens der EU-Außenminister auf Zypern haben sich mehrere Mitgliedsstaaten gegen entsprechende Kontakte ausgesprochen. Die Weigerung, einen Sonderbeauftragten für Russland zu benennen, wurde auch von Deutschland unterstützt.

Statt einer neuen Sonderrolle sollen die bestehenden EU-Strukturen und insbesondere der Außenbeauftragte, Kaja Kallas, sowie die Mitgliedstaaten selbst die diplomatischen Aktivitäten koordinieren. Hintergrund ist demnach die Sorge, ein eigens benannter Chefverhandler könnte falsche Signale über die Verhandlungsbereitschaft der EU senden oder inner­europäische Spannungen über den Umgang mit Moskau sichtbar machen.

Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der einzelne Staaten – etwa die Türkei – eigene diplomatische Initiativen und Gesprächsformate zu einem möglichen Ende des Krieges vorantreiben, ohne dass es bislang konkrete Friedensverhandlungen zwischen Kiew und Moskau gibt.

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CDU vor Kanzler-Tausch? Wüst rückt in den Fokus

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In der CDU-Spitze werden intern Szenarien für einen möglichen Austausch von Bundeskanzler Friedrich Merz diskutiert, ohne dass es bereits konkrete Umsturzpläne gibt. Auslöser sind der anhaltende Reformstau der Merz-Regierung und historisch schlechte Umfragewerte, die in der Partei Zweifel an seiner Kanzler-Tauglichkeit nähren.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gilt als Favorit für eine mögliche Merz-Nachfolge.

Verfassungsrechtlich wäre ein Kanzlerwechsel über ein konstruktives Misstrauensvotum problemlos möglich, Neuwahlen wären nicht nötig. Politisch wäre der Schritt jedoch heikel: Entscheidend wäre, ob Merz freiwillig geht oder zum Rückzug gedrängt wird, und ob Koalitionspartner SPD bereit wäre, einen CDU-internen Nachfolger mitzutragen.

Für Wüst ergibt sich zudem ein Timing-Problem: In Nordrhein-Westfalen steht 2027 die nächste Landtagswahl an; ein Wechsel nach Berlin müsste genau in diesen Zeitraum eingepasst werden. Neben Wüst kursieren in der Union auch die Namen der Ministerpräsidenten Boris Rhein und Michael Kretschmer als mögliche Alternativen.

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USA fliegen neue Angriffe auf Iran – Rubio betont weiter Chance auf Abkommen

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Die USA haben in den vergangenen Stunden erneut iranische Militärziele angegriffen, während parallel Bemühungen um ein Friedensabkommen mit Teheran weiterlaufen. US-Präsident Donald Trump sprach von Bombardierungen gegen iranische Streitkräfte und Anlagen und warnte zugleich, die bestehende Waffenruhe im Iran-Krieg hänge „am seidenen Faden“ und habe nur noch eine „Überlebenschance von einem Prozent“.

Trotz der Eskalation hält Außenminister Marco Rubio ein Abkommen weiterhin für möglich: Laut einem Live-Ticker berichtet er, das Atom- und Friedensabkommen mit dem Iran sei „weitgehend ausgehandelt“, Details sollten bald veröffentlicht werden.

Parallel dazu laufen in Islamabad unter pakistanischer Vermittlung Gespräche, bei denen iranische Delegationen mit Vertretern der USA und Israels über eine Beendigung des Konflikts beraten. Trump hatte die US-Marineoperation „Projekt Freiheit“ in der Straße von Hormus zeitweise ausgesetzt, droht aber mit weiteren Militärschlägen, falls Teheran Vereinbarungen nicht einhält.

Die Lage bleibt widersprüchlich: Einerseits neue US-Angriffe und scharfe Rhetorik Trumps, andererseits diplomatische Signale und Verhandlungsfortschritte, auf die sich Rubio öffentlich beruft.

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Moskau kündigt systematische Schläge auf Kiew an – Lawrow informiert Rubio

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Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat seinem US-Amtskollegen Marco Rubio am Rande internationaler Gespräche neue, systematische Angriffe auf militärische Ziele in Kiew angekündigt. Laut russischem Außenministerium sollen die Schläge gezielt gegen Kommandozentralen, Luftabwehrstellungen und Infrastruktur der ukrainischen Streitkräfte in der Hauptstadt gerichtet sein.

Hintergrund ist eine neue Eskalationsstufe russischer Luftangriffe: In den vergangenen Nächten wurde Kiew wiederholt mit Drohnen und Raketen attackiert, teils in mehreren Wellen, wobei auch ballistische Raketen eingesetzt wurden. Die Ukraine meldete heftiges Flugabwehrfeuer über der Hauptstadt und mehrere Verletzte.

Rubio nutzte das Gespräch, um die US-Forderung nach „sinnvollen Schritten“ Russlands in Richtung einer politischen Lösung zu bekräftigen und ein Ende der massiven Angriffe zu verlangen. Moskau koppelt seine Gesprächsbereitschaft jedoch weiterhin an weitreichende politische Bedingungen und verweist auf Grundursachen des Konflikts.

Trotz des direkten Kontakts zwischen beiden Chefdiplomaten deutet derzeit wenig auf eine Deeskalation hin: Russland kündigt eher eine Ausweitung und Systematisierung der Angriffe auf Kiew an, während die USA parallel ihre Militärhilfe für die Ukraine wieder anlaufen lassen.

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DIHK erwartet nur Mini-Wachstum – Bundesregierung ebenfalls pessimistischer

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Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für 2026 nur noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent. DIHK-Hauptgeschäftsführerin Anastasia Melnikov spricht von einem „Mini‑Plus“ und warnt, Deutschland wachse „viel zu langsam“.

Auch die Bundesregierung hat ihre Erwartungen zuletzt zurückgeschraubt: Für 2026 kalkuliert sie laut Jahreswirtschaftsbericht nur noch mit einem BIP‑Zuwachs von 1,0 Prozent, nachdem zuvor 1,3 Prozent prognostiziert worden waren. Als Gründe werden eine schwächere Erholung im zweiten Halbjahr 2025 und verzögert wirkende staatliche Investitionsprogramme genannt. Hohe Energiekosten und Bürokratiehürden werden nicht genannt.

Industrievertreter kritisieren die fragile Lage der Konjunktur und sehen die erhoffte Erholung als „brüchig“.

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Frankreich und Polen belegen Israels Sicherheitsminister mit Einreiseverbot

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Frankreich hat dem israelischen Minister für nationale Sicherheit Itamar Ben-Gvir die Einreise untersagt. Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte auf X, Ben-Gvir sei ab sofort „Persona non grata“ in Frankreich. Anlass ist sein als demütigend beschriebenes Verhalten gegenüber festgesetzten Aktivisten einer Gaza-Hilfsflottille, darunter französische und andere EU-Bürger. Ben-Gvir hatte die Aktivisten verspottet und entsprechende Videos veröffentlicht.

Paris wertet dies als „unbeschreibliche“ bzw. „inakzeptable“ Handlungen gegen EU-Bürger und reagiert damit auch auf wachsenden Unmut mehrerer europäischer Regierungen. Frankreich fordert gemeinsam mit Italien EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir; Spanien drängt ebenfalls auf eine Ausweitung seines bereits bestehenden Einreiseverbots auf die gesamte EU.

Polen hatte zuvor schon ein nationales Einreiseverbot gegen Ben-Gvir verhängt.

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Merz wirbt für EU-Sonderstatus der Ukraine

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Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Ukraine in einem Brief an die EU-Spitzen einen Sonderstatus auf dem Weg zum EU-Beitritt vorgeschlagen. Kern des Plans ist eine „assoziierte Mitgliedschaft“, die Kiew deutlich stärker in EU-Institutionen einbindet, ohne bereits volle Mitglieds- und Stimmrechte zu gewähren.

Die Ukraine soll demnach an Sitzungen des Europäischen Rates und des Rates der EU teilnehmen können – jedoch ohne Stimmrecht. Vorgesehen sind auch assoziierte Rollen in Kommission, Europäischem Parlament und Europäischem Gerichtshof. Gleichzeitig sollen die EU-Staaten sich politisch verpflichten, die EU-Beistandsklausel auf die Ukraine anzuwenden, um ein zusätzliches Sicherheitsversprechen zu geben.

Merz begründet den Vorstoß mit der besonderen Lage der Ukraine als Kriegsland und mit Fortschritten in den Beitrittsverhandlungen. Ein regulärer, zeitnaher Vollbeitritt sei dennoch unrealistisch. Der Vorschlag soll zudem die von US-Präsident Donald Trump initiierten Friedensgespräche erleichtern und insgesamt die EU-Erweiterung – auch für Westbalkan-Staaten und Moldau – beschleunigen.

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Trump sichert Polen 5.000 zusätzliche US-Soldaten zu

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US-Präsident Donald Trump hat auf seiner Plattform Truth Social angekündigt, 5.000 zusätzliche US-Soldaten nach Polen zu verlegen. Die Zusage folgt auf wachsende Irritationen in Warschau, nachdem Berichte über eine mögliche Reduzierung der US-Präsenz in Polen im Zusammenhang mit dem von Trump angeordneten Teilabzug von rund 5.000 Soldaten aus Deutschland kursiert hatten.

Konkrete Angaben, wann und von wo die Truppen nach Polen verlegt werden sollen, machte Trump nicht. Warschau strebt eine weitere Aufstockung an.

Hintergrund ist der von Verteidigungsminister Pete Hegseth angeordnete Abzug von etwa 5.000 US-Soldaten aus Deutschland, ausgelöst durch Trumps Verärgerung über die Iran-Kriegskritik von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Polen versucht, aus der Neuordnung der US-Truppenpräsenz in Europa sicherheitspolitischen Nutzen zu ziehen und seine Rolle an der Nato-Ostflanke zu stärken.

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Die Achse Berlin-RN

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Von Milliardären unterstützt

Umfragen zur französischen Präsidentenwahl im April 2027 zeigen seit geraumer Zeit übereinstimmend, dass der mutmaßliche RN-Kandidat Bardella die erste Wahlrunde mit mehr als einem Drittel der Stimmen klar gewinnen und in der zweiten Wahlrunde wohl den Sieg davontragen wird. Zweifel bestehen allenfalls, sollte er in der Stichwahl gegen Édouard Philippe antreten müssen, den ersten Ministerpräsidenten von Präsident Emmanuel Macron in den Jahren von 2017 bis 2020. Bardella kann sich im bald bevorstehenden Wahlkampf auf das Medienimperium des Milliardärs Vincent Bolloré verlassen, der aus dem Ertrag seines Mischkonzerns, der Groupe Bolloré, allerlei Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und TV-Sender zusammengekauft hat; Medien wie etwa den populären Fernsehsender CNews oder das traditionsreiche Journal du dimanche hat er auf einen ultrarechten Kurs gebracht. Bardella hat zudem die Unterstützung des Milliardärs Pierre-Édouard Stérin, der sein Vermögen unter anderem seinem Investmentfonds Otium Capital verdankt. Der bisherige Generaldirektor des Fonds, François Durvye, hat im April den Posten aufgegeben, um ab sofort Bardella – mit Blick auf die Präsidentenwahl – bei Wirtschaftsthemen zu beraten. Damit stehen dem mutmaßlichen RN-Kandidaten starke Einflussmittel und exklusive Kontakte zur Verfügung.[1]

„Die Interessen der Konzernchefs“

Bardella und die langjährige RN-Führungsfigur Marine Le Pen sind in den vergangenen Monaten immer wieder mit führenden Vertretern der französischen Wirtschaft zu Gesprächen zusammengekommen. Éric Trappier, Chef des Kampfjetherstellers Dassault Aviation, hatte Le Pen und Bardella bereits im Mai 2024 getroffen. Im Dezember 2025 folgte ein Treffen mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden des Technologie- und Rüstungskonzerns Safran, im Januar 2026 ein weiteres mit Guillaume Faury, dem Vorsitzenden des Airbus-Konzerns. Im April traf zunächst Le Pen eine exklusive Gruppe von Spitzenmanagern, darunter die Vorsitzenden von TotalEnergies, Renault, Engie, Accor und Bolloré sowie den Chef des Luxusgüterkonzerns LVMH, Bernard Arnault. Arnault ist mit einem Vermögen von rund 150 Milliarden US-Dollar zur Zeit der elftreichste Mensch der Welt und der reichste Nicht-US-Amerikaner.[2] Am 20. April wurde Bardella vom Vorstand des Unternehmerverbandes MEDEF sowie von weiteren Repräsentanten französischer Wirtschaftsverbände empfangen.[3] Zum Hintergrund ließ sich ein Milliardär anonym mit der Äußerung zitieren, Macron habe wirtschaftspolitisch versagt; der RN hingegen sei „neoliberal geworden“: „Die Partei, die heute meine Interessen als Konzernchef am besten vertritt, ist der RN!“[4]

„Ein anderes Europa“

Nach den beiden Treffen mit der MEDEF-Spitze und einigen der mächtigsten Konzernchefs im Land hat Bardella zentrale Ziele seiner Wirtschaftspolitik im Gespräch mit dem Journal du dimanche dargelegt. Demnach wird eine RN-Regierung zum einen die Steuern und allerlei Auflagen für französische Unternehmen drastisch reduzieren. Zum anderen will Bardella als Präsident seine erste Auslandsreise nach Brüssel unternehmen. Die EU sei, beispielsweise mit dem Green Deal, die Quelle für ein überbordendes Regelwerk, das Frankreichs Unternehmen zu ersticken drohe; sie sei damit für die Krise der französischen Wirtschaft verantwortlich. Zudem habe sie „Frankreich zu ihrer handelspolitischen Variable“ degradiert – und zwar, „um den deutschen Interessen gerecht zu werden“.[5] Eine RN-Regierung werde in Brüssel „die Interessen unseres Landes vertreten“, um „komparative Vorteile wiederzuerlangen“, wie sie andere Staaten längst genössen. Bardella kündigt an, in diesem Rahmen „ein anderes Europa“ schaffen zu wollen – „ein Europa der zwischenstaatlichen Kooperation“ und „der nationalen Souveränität“. Dies steht dem traditionellen Interesse der in Europa bis heute hegemonialen deutschen Industrie an einer möglichst engen Integration im Rahmen der EU diametral entgegen.

Botschafterkontakte

Bardella hat mittlerweile erste Schritte unternommen, um die Politik einer möglichen RN-Regierung mit Deutschland abzustimmen. Wie erst kürzlich bekannt wurde, hat er bereits im Februar den Botschafter der Bundesrepublik in Frankreich, Stephan Steinlein, getroffen. Es handelte sich dabei, wie Experten bestätigen, um die erste Zusammenkunft eines deutschen Botschafters mit einem Repräsentanten des RN oder seiner Vorläuferpartei Front National (FN). Über den Inhalt des Gesprächs ist bislang noch nichts bekannt. Die deutsche Botschaft in Paris macht keinerlei nähere Angaben dazu.[6] Gegenüber der Pariser Abendzeitung Le Monde äußerte ein namentlich nicht genanntes Mitglied der Bundesregierung, was man aus Deutschland wahrnehme, sei „der Wandel des RN zu einer etablierten Partei“: „Der RN ist weniger radikal als die AfD und bezieht sich nicht ständig auf den Nationalsozialismus.“[7] Bereits im Dezember war Bardella vom US-Botschafter in Frankreich, Charles Kushner, empfangen worden; dessen Sohn Jared Kushner ist Schwiegersohn des US-Präsidenten und Sondergesandter der US-Regierung für angebliche Friedensmissionen. Im April empfing zudem Israels Botschafter in Frankreich, Joshua Zarka, Marine Le Pen.

„Rafale statt F-35“

In der vergangenen Woche hat Bardella zudem in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Grundzüge seiner Gedanken zu den künftigen deutsch-französischen Beziehungen dargelegt. Demnach hält er enge Bindungen zwischen beiden Ländern für „unerlässlich, um die Unabhängigkeit und strategische Autonomie der europäischen Nationen zu sichern“.[8] „Übereinstimmungen“ mit Bundeskanzler Friedrich Merz sieht Bardella „in der Frage des Bürokratierückbaus“, außerdem „in der Notwendigkeit, ein wettbewerbsfähiges Europa aufzubauen“, und „in der Migrationspolitik“; er lobt die deutschen Grenzkontrollen. Zumindest in der Migrationspolitik müsse „nationales Recht … Vorrang über das europäische Recht“ erhalten. Bardella fordert EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Rücktritt auf; sie sei „völlig unfähig, die europäischen Interessen zu verteidigen“. Er kündigt an, Frankreich nach dem Ende des Ukrainekriegs „aus den integrierten Kommandostrukturen der NATO“ führen zu wollen wie einst Charles de Gaulle. Zugleich befürwortet er deutsch-französische Rüstungsprojekte, dringt aber im Gegenzug darauf, Deutschland müsse seinerseits französische Waffen kaufen, etwa „Rafale-Kampfflugzeuge statt amerikanische F-35“. Die Rafale wird von Dassault Aviation produziert. Dessen Chef Éric Trappier hält seit Jahren lockeren Kontakt zum RN.

 

[1] Clément Guillou : François Durvye, nouveau conseiller économique de Jordan Bardella au bilan contesté auprès de Pierre-Edouard Stérin. lemonde.fr 24.04.2026.

[2] Clément Lacombe, Camille Vigogne Le Coat : Marine Le Pen, Bernard Arnault et la crème des grands patrons réunis lors d’un dîner symbolique. novelobs.com 08.04.202.

[3] Agnès Soubiran : « Pour l’emporter en 2027, il faut réunir le peuple et les élites » : Jordan Bardella déjeune avec les patrons du Medef. radiofrance.fr 20.04.2026.

[4] Elodie Guéguen : « Jordan Bardella est le seul à défendre des positions pro-business » : au cœur du discret rapprochement entre le RN et les grands patrons. franceinfo.fr 30.04.2026.

[5] Jules Torres : Jordan Bardella, président du RN : « Je n’ai pas l’entreprise honteuse ». lejdd.fr 25.04.2026.

[6], [7] Elsa Conesa : Jordan Bardella a été reçu par l’ambassadeur d’Allemagne en France, une première pour le président du Rassemblement national. lemonde.fr 08.05.2026.

[8] „Wir werden nationales Recht über Europarecht stellen“. Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.05.2026.

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Mutwillig ins Elend gestürzt

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Hunger

Die Unterbrechung der Düngemittellieferungen aufgrund der faktischen Sperrung der Straße von Hormuz gefährdet die weltweite Ernährungssicherheit. Durch die Meerenge wird etwa ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels auf dem Seeweg abgewickelt.[1] Nach Angaben der Welthandelsorganisation (WTO) ist die Lieferung von Düngemitteln wie Phosphat, Kaliumkarbonat, Ammoniak und Harnstoff durch die Meerenge seit Beginn des US-amerikanisch-israelischen Krieges gegen Iran jedoch praktisch zum Erliegen gekommen. Laut dem Vorstandsvorsitzenden von Yara, einem der größten Düngemittelhersteller weltweit, drohen aufgrund des Düngemittelmangels künftig „jede Woche bis zu zehn Milliarden Mahlzeiten auszufallen“; treffen werde es vor allem die ärmsten Länder.[2] Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen könnten noch in diesem Jahr weltweit insgesamt 45 Millionen Menschen zusätzlich in akuten Hunger geraten. Der größte relative Anstieg wird in Asien und in der Pazifikregion erwartet, wo die Ernährungsunsicherheit um 24 Prozent zunehmen dürfte. Die schwerwiegenden Folgen der Düngemittelknappheit werden dabei noch nicht in den kommenden Monaten sichtbar werden, sondern erst gegen Ende des Jahres, wenn die Ernten, die auf die Aussaat in diesem Frühjahr folgen, geringer ausfallen als erwartet.

Keine Medikamente

Die Störung des regionalen Handels wirkt sich auch auf die medizinische Versorgung aus, wobei Afrika am stärksten betroffen ist. Der Kontinent importiert mehr als 70 Prozent seiner Medikamente und mehr als 90 Prozent seiner pharmazeutischen Wirkstoffe.[3] Dabei dient der Mittlere Osten, der an der Schnittstelle zwischen Asien und Afrika liegt, als wichtigstes Tor für die Versorgung afrikanischer Länder mit Medikamenten. In Dubai musste das Logistikzentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das mehr als 150 Länder weltweit mit Medikamenten versorgt, zu Beginn des Irankriegs aufgrund der Sperrung des Luftraums Lieferungen stornieren und die Routen für die Lieferung von Hilfsgütern neu festlegen. Die Umstellung der Transportwege vom Luft- auf den Straßentransport hat jedoch sowohl Zeit gekostet als auch Preissteigerungen bei lebensrettenden Medikamenten verursacht, insbesondere bei Cholera-Hilfsgütern, deren Transport nun 70 Prozent teurer ist als bisher.[4] Insgesamt ist von einer Kostenexplosion bei Medikamenten um 20 Prozent die Rede. Viele afrikanische Länder arbeiten nach dem Just-in-time-Prinzip und produzieren oder lagern nicht mehr als nötig. Im Tschad beispielsweise sind in der östlichen Provinz Ouaddaï nur genug Cholera-Medikamente für etwa 100 Menschen vorrätig.

Armut

Laut einem im April veröffentlichten Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) könnten infolge des dreifachen Schocks aus Energie- und Nahrungsmittelkrise sowie schwächerem Wirtschaftswachstum weltweit mehr als 32 Millionen Menschen in die Armut stürzen.[5] Etwa die Hälfte des weltweiten Anstiegs der Armut dürfte sich auf eine Gruppe von 37 Nettoenergieimportländern in Afrika, Asien und der Inselwelt im Indischen und Pazifischen Ozean konzentrieren, heißt es in dem Bericht. Darüber hinaus erklärt das UNDP, das sich dem Kampf gegen die Armut widmet, der Krieg mache auch die bei der Armutsbekämpfung bereits erzielten Fortschritte zunichte. „Es wird dauerhafte Auswirkungen geben, insbesondere in den ärmeren Ländern, wo Menschen zurück in die Armut gedrängt werden“, konstatiert der UNDP-Administrator und ehemalige Premierminister Belgiens, Alexander De Croo. Anfang April warnte die Generaldirektorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, der Irankrieg werde die Weltwirtschaft dauerhaft schädigen.[6] In einer Rede, die sie eine Woche vor der jährlichen Frühjahrstagung des IWF in Washington hielt, konstatierte Georgieva, „selbst unser optimistischstes Szenario“ beinhalte „eine Herabstufung des Wachstums“. Sie fügte hinzu, man wisse „nicht wirklich …, was die Zukunft bringt“, und ergänzte: „Was wir wissen, ist, dass das Wachstum langsamer sein wird – selbst wenn der neue Frieden von Dauer ist.“

Wanderarbeiter in Gefahr

Darüber hinaus bedrohen die durch den Krieg gegen Iran verursachten Störungen der Wirtschaftstätigkeit in den Staaten der Arabischen Halbinsel die Existenz von Millionen südasiatischer Wanderarbeiter und deren Überweisungen in Höhe von Hunderten von Milliarden US-Dollar, die sie jedes Jahr in ihre Heimatländer schicken.[7] Besonders gefährdet sind in den arabischen Golfstaaten Arbeitsplätze ausgerechnet in Sektoren, die einen hohen Anteil an Arbeitsmigranten haben – das Baugewerbe, das Gastgewerbe, der Tourismus, das Gesundheitswesen. Indien ist die wichtigste Herkunftsquelle für ausländische Arbeitskräfte in der Golfregion, wo mehr als neun Millionen Inder leben und arbeiten und im Jahr 2025 fast 40 Milliarden US-Dollar an ihre Familien in ihrem Heimatland überwiesen. Bangladesch und Pakistan folgen mit jeweils rund fünf Millionen Arbeitskräften auf der Arabischen Halbinsel. Während sich die Überweisungen nach Pakistan im Jahr 2025 auf 38 Milliarden US-Dollar beliefen, lag der Betrag für Bangladesch bei 30 Milliarden. Bislang sind die meisten südasiatischen Arbeiter in der Golfregion geblieben; sie haben aber in vielen Fällen ihre Arbeitsplätze verloren oder drohen dies zu erleiden, wenn sich der Krieg noch über Monate in die Länge zieht. Laut einem im März veröffentlichten Bericht von Capital Economics, einem in London ansässigen Analyseunternehmen, könnten ihre Überweisungen um insgesamt rund 30 Prozent sinken, sollte sich der Krieg über drei Monate hinziehen und die Energieinfrastruktur der Region schwer beschädigen. In Südasien fehlten dann bitter benötigte Milliardensummen.

Schuldenkrise

Der Krieg gegen Iran birgt nicht zuletzt die Gefahr, einen Anstieg der globalen Verschuldung auszulösen und Regierungen zu zwingen, sich zwischen der Dämpfung der Lebenshaltungskosten und der Aufrechterhaltung solider öffentlicher Finanzen zu entscheiden, warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) im April. „Der Ausbruch des Krieges im Nahen Osten hat der ohnehin angespannten globalen Lage eine neue Quelle für finanzpolitischen Druck hinzugefügt“, heißt es in einem IWF-Bericht.[8] Der Anstieg der Importkosten aufgrund höherer Energie-, Düngemittel- und Lebensmittelpreise dürfte die Leistungsbilanz- und vor allem auch die Haushaltsdefizite der Importländer vergrößern und ihre Devisenreserven unter Druck setzen. Für Indien wird sich das Leistungsbilanzdefizit im aktuellen Haushaltsjahr, das im März 2027 endet, voraussichtlich von 0,9 Prozent auf 2,5 Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) mehr als verdoppeln.[9] Ähnlich sieht es in vielen anderen Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas aus, wo die Regierungen gezwungen sind, entweder Zölle auf Ölimporte auszusetzen, um die Verbraucher zu entlasten, oder zusätzliche Auslandsschulden aufzunehmen. Ersteres würde die Staatseinnahmen verringern; dann stünde weniger Geld für lebensnotwendige Güter wie Medikamente zur Verfügung. Letzteres hätte einen ähnlichen Effekt – nur mit dem Unterschied, dass die Wirkung vor allem langfristig spürbar wäre.[10]

 

[1] Shawn Yuan, Jiraporn Sricham: It's not just oil: Iran war also threatens Asia's food security. bbc.com 01.05.2026.

[2] Simon Jack: Billions of meals at risk due to Iran war, says fertiliser boss. bbc.co.uk 01.05.2026.

[3] Mideast war threatens Africa's supply of humanitarian medicine. france24.com 09.04.2026.

[4] Emma Farge: Cholera aid for African countries stalled by Iran conflict. reuters.com 27.03.2026.

[5] Richard Partington: Iran war could plunge 32 million into poverty, says United Nations. theguardian.com 13.04.2026.

[6] Richard Partington, Julia Kollewe: Head of IMF says Iran war will permanently scar global economy even if peace is reached. theguardian.com 09.04.2026.

[7] Wesley Rahn: Iran war puts South Asia's Gulf remittances at risk. dw.com 24.03.2026.

[8] Richard Partington: Economic shock from Iran war risks driving up global debt levels, says IMF. theguardian.com 15.04.2026.

[9] Jaspreet Kalra, Nimesh Vora: India races to shield economy from Iran war-driven oil shock, capital stress. reuters.com 13.05.2026.

[10] Tim Jones: What has Iran got to do with the debt crisis? debtjustice.org 05.05.2026.

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Putin in Peking: Zwei-Tage-Besuch bei Xi im Zeichen enger Partnerschaft

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Nur wenige Tage nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump ist Russlands Präsident Wladimir Putin zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Peking eingetroffen. Er folgt einer Einladung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Im Mittelpunkt stehen laut Kreml und chinesischer Seite die Vertiefung der „privilegierten strategischen Partnerschaft“ und wirtschaftliche Themen: Rund 40 Abkommen sollen unterzeichnet werden, unter anderem zur Kooperation in Industrie, Handel, Verkehr und Bauwesen. Zudem ist ein Treffen mit Ministerpräsident Li Qiang geplant.

Politisch wollen Xi und Putin eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung der russisch‑chinesischen Partnerschaft sowie eine „Deklaration zur Schaffung einer multipolaren Weltordnung“ verabschieden. Beide betonen den Anspruch, ein Gegengewicht zur von den USA dominierten internationalen Ordnung zu bilden und verweisen auf den 25. Jahrestag ihres Freundschafts- und Kooperationsvertrags.

Zum Ukraine-Krieg gibt es laut Berichten unterschiedliche Akzente: Während Putin auf Unterstützung und politische Rückendeckung hofft, versucht Xi, Chinas Rolle als globaler Vermittler und Stabilitätsfaktor zu unterstreichen. Beobachter werten den Besuch als Signal, dass sich Moskau angesichts westlicher Sanktionen noch stärker an Peking anlehnt und China seine Rolle als führende Macht im „Globalen Süden“ ausbaut.

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Kampf um die Köpfe

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Daten als Waffe

Die Bedeutung der, so der Militärjargon, „Dimensionen Cyber- und Informationsraum“ (neben den klassischen Operationsräumen Land, Luft und See) „wächst beständig“, heißt es in der kürzlich auszugsweise veröffentlichten ersten militärischen Gesamtstrategie in der Geschichte der Bundesrepublik.[1] Im „Kampf um Informationen und Daten“ müsse die deutsche Armee die „Überlegenheit gewinnen und sie dem Gegner verwehren“.[2] Dabei geht es einerseits um die Nutzung von Informationen zwecks klassischer Propaganda, andererseits um die Nutzung von Daten bei Angriffen und in Gefechten. Entsprechende Fähigkeiten seien „ein Hebel für alle anderen“ Teilstreitkräfte, heißt es; Daten würden „zur Waffe“. Datenhoheit auf dem Schlachtfeld könne „über Sieg oder Niederlage entscheiden“. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Krieges sei es schwer, sich einer „Aufklärung in Echtzeit zu entziehen“. Das Gefechtsfeld sei längst „transparent“; es gebe „keine sicheren Rückzugsräume“ mehr. Gleichzeitig finde eine „Entgrenzung des Krieges“ statt: Eine klare Trennung zwischen „Heimat und Gefechtsfeld, zivil und militärisch, … Krieg und Frieden sowie Kombattant und Nicht-Kombattant“ finde nicht mehr statt.

Active Volcano 2026

Den Informationskrieg trainierten zuletzt etwa im März rund 300 Soldaten aus 15 Staaten, darunter Deutschland, unter dem Kommando des Zentrums Operative Kommunikation der Bundeswehr. Worte, heißt es bei der Bundeswehr, hätten die Macht, „die Kampfkraft des Gegners [zu] schwächen, das eigene Lagebild [zu] verbessern oder die Zivilbevölkerung [zu] beeinflussen".[3] Wer die „Deutungshoheit über Ereignisse“ habe, könne „die Reaktionen von Gegnern, Verbündeten und Zivilisten beeinflussen“. Deshalb seien sogenannte Informationsoperationen „längst integraler Bestandteil“ der Militärstrategie. Die "Manipulation von Informationen und öffentlicher Meinung" sei "zu einem wichtigen Instrument des Krieges geworden", hatte die Bundeswehr bereits anlässlich von Active Volcano 2025 erklärt.[4] Damals hatten die Soldaten vor allem die Einflussnahme auf die öffentliche Meinung geübt - "von der strategischen Planung über Medienproduktion bis zur taktischen Einflussnahme", all dies mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI), Sozialen Medien und Big-Data-Analysen. Im Rahmen von Active Volcano 2026 probten Soldaten unter anderem den Umgang mit Social-Media-Kampagnen und „demonstrierenden Zivilisten“. In diesem Jahr sei dabei „erstmalig zivile Infrastruktur als Übungsgelände“ für den Informationskrieg genutzt worden, teilte der verantwortliche Leutnant mit; mit der Übung habe die Truppe gezielt die Brücke zu „Militär, Wissenschaft und Industrie“ geschlagen. Ein Highlight, berichtet die Bundeswehr, sei eine Konferenz „mit Vorträgen zu aktuellen Entwicklungen in der psychologischen Kriegsführung“ gewesen.

An der Heimatfront

Den sogenannten Informationskrieg führt die Bundeswehr erklärtermaßen nicht nur auf dem militärischen Schlachtfeld, sondern vor allem auch an der Heimatfront. "Bereits jetzt" gehe Moskau "unterhalb der Schwelle des Krieges" mit sogenannten hybriden Operationen gegen Deutschland vor, heißt es; Russland sei eine "gesamtstaatliche und umfassende militärstrategische Bedrohung".[5] Verteidigungsminister Boris Pistorius lässt sich mit der Äußerung zitieren, "Spionage, Sabotageakte, Cyberangriffe und Desinformationskampagnen" seien längst alltäglich.[6] Die Bundeswehr müsse "mit allen Instrumenten staatlicher Machtentfaltung zusammenwirken", um der "russischen Einflussnahme" auch im Inland eine "gesamtgesellschaftliche Resilienz" entgegenzusetzen.

„Schulungsmodul für den Informationskrieg“

In der Kriegsführung in einer digitalisierten Welt gibt es der Bundeswehr zufolge „keine klaren Grenzen zwischen zivilen und militärischen Informationsquellen mehr“.[7] Das sei eine Lehre aus dem Krieg in der Ukraine. Dort „liefern nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern auch Zivilpersonen wertvolle Daten, oft per Smartphone aufgenommen und über soziale Medien geteilt“. Der deutsch-französisch-spanische Rüstungsriese Airbus vermarktet bereits ein „Schulungsmodul für den Informationskrieg, das eine komplette Infosphäre simuliert“, sowie digitale Werkzeuge unter anderem zur „Sammlung und Untersuchung von Inhalten in sozialen Netzwerken“ inklusive „Untersuchung von Konten und Profilen“ sowie „Charakterisierung digitaler Fußabdrücke von Personen“.[8] In einem Werbevideo des Konzerns heißt es, man solle sich „mit Airbus zusammen[tun]“ und Desinformation bereits an der Quelle „neutralisieren“.

„Prorussische Parolen“

Neben der Bundeswehr sind auch Geheimdienste und Polizei im Kampf gegen tatsächliche oder auch nur angebliche russische Einflussnahme aktiv. So warnen Bundeskriminalamt (BKA), Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst (MAD) Bürger davor, zu einem Agenten des russischen Staates zu werden.[9] Die Anwerbung beginne gewöhnlich harmlos, „meist mit einem Chat über Social-Media-Kanäle oder Messenger-Dienste. Vielleicht mit einem Austausch darüber, wie man zum deutschen Staat steht“. Wer sich auf „derartige Kontakte“ einlasse, riskiere „in geheimdienstliche Aktivitäten wie Spionage oder Sabotage verwickelt und hierfür strafrechtlich belangt zu werden“; Unwissenheit schütze nicht vor erhöhtem Strafmaß. Im Falle verdächtiger Kontaktaufnahmen fordern BKA und Geheimdienste deutsche Bürger auf, „sich zu Ihrem persönlichen Schutz und zum Schutz unseres Landes an das Bundesamt für Verfassungsschutz wenden“ – etwa bei einer Anfrage, ob man „pro-russische Parolen verbreiten“ könne. Dabei gilt bereits als verdächtig, wer vermeintliche „Propagandaaktivitäten“ durchführt, die als prorussisch interpretiert werden können – ganz so, wie etwa Kritik an der NATO-Osterweiterung häufig als angebliche „russische Propaganda“ delegitimiert wird.  Damit richtet sich die Abwehr angeblicher oder auch tatsächlicher russischer Desinformation immer auch gegen die Meinungsfreiheit der eigenen Bevölkerung (german-foreign-policy.com berichtete [10]). Unter dem Schlagwort des Informationskrieges treibt der deutsche Staat die Entgrenzung des Krieges mit voran und verwischt nicht nur die Grenze zwischen Soldat und Zivilist, sondern auch zwischen inländischem Kritiker und ausländischem Agenten.

 

[1] S. dazu Die „europäische Führungsrolle“ der Bundeswehr.

[2] Gesamtkonzeption militärische Verteidigung. Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte. Bonn, April 2026.

[3] Die Bundeswehr übt den Informationskrieg. bundeswehr.de 26.03.2026.

[4] Üben für den Informationskrieg: Zehn Stimmen dazu aus der Truppe. bundeswehr.de 28.03.2025.

[5] Gesamtkonzeption militärische Verteidigung. Militärstrategie und Plan für die Streitkräfte. Bonn, April 2026.

[6] Pistorius legt erstmals Militärstrategie vor. tagesschau.de 22.04.2026.

[7] Was die Bundeswehr aus dem Ukrainekrieg für ihre Digitalisierung lernt. bundeswehr.de 07.11.2025.

[8] Cyber-Informationskrieg: Umgang mit Informationskampagnen. cyber.airbus.com.

[9] Wegwerf-Agenten: Kurzer Einsatz, hohes Risiko. bka.de.

[10] S. dazu Kriegstüchtige Geheimdienste.

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Streit um den Panzerbauer

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Der Börsengang von KNDS

KNDS ist im Jahr 2015 durch einen Zusammenschluss der Panzerbauer Krauss-Maffei Wegmann (KMW) aus Deutschland und Nexter aus Frankreich entstanden. KMW war unter anderem für den Kampfpanzer Leopard 2 und den Transportpanzer Boxer bekannt, Nexter für den Kampfpanzer Leclerc und die Haubitze Caesar. Das Joint Venture hat seinen formalen Sitz wie der deutsch-französische Airbus-Konzern in den Niederlanden – Airbus in Leiden, KNDS in Amsterdam. Bislang halten der französische Staat auf der einen, die Wegmann-Holdijng auf der anderen Seite je 50 Prozent; in der Wegmann-Holding haben sich die Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens zusammengetan, die KMW strikt kontrollierten. Der Börsengang von KNDS wird schon seit geraumer Zeit geplant; die Wegmann-Holding ist bereit, ihren Anteil vollständig zu verkaufen. Dabei legt insbesondere die Bundesregierung großen Wert darauf, dass Deutschland und Frankreich auch nach dem Börsengang einen möglichst paritätischen Einfluss besitzen. Bislang produzieren KMW und Nexter weiterhin in ihren nationalen Fabriken ihre Traditionsprodukte, wobei auf KMW mit 70 Prozent ein größerer Anteil entfällt. Berlin fürchtet, die Kontrolle darüber zu verlieren. Frankreich könne sich übermäßigen Zugriff zum Beispiel auf den Leopard 2 und auf die in ihm steckende Technologie verschaffen, heißt es.[1]

40, 30 oder 25,1 Prozent?

Im Hinblick auf den Börsengang ist in Paris geplant, einen Anteil von zehn Prozent der KNDS-Aktien zu veräußern und einen Anteil von 40 Prozent in Staatsbesitz zu behalten. Berlin hingegen hat, obwohl der Börsengang eigentlich für kommenden Monat geplant ist und die deutschen Eigentümer, der französische Staat und KNDS auf diesem Termin beharren, noch keine Entscheidung über den eigenen Anteil gefällt. Verteidigungsminister Boris Pistorius dringt Berichten zufolge auf eine Übernahme von 40 Prozent der Aktien, um komplette Parität mit Frankreich zu erreichen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und das Kanzleramt favorisieren hingegen, um die Kosten zu senken, einen Anteil von nur 30 Prozent: Das genüge nach niederländischem Recht, um die gewünschten Kontrollrechte zu erhalten, heißt es.[2] Der neue Verwaltungsratschef von KNDS, Thomas Enders, plädiert gar für einen Anteil von nur 25,1 Prozent. Enders, Ex-Vorstandschef von Airbus, kann darauf verweisen, dass der deutsche und der französische Staat bei Airbus einen Anteil von weniger als elf Prozent halten; gelänge es, Paris zur Senkung seines Staatsanteils bei KNDS zu veranlassen, könne mehr privates Kapital mobilisiert werden, heißt es. Enders hatte es in seiner Zeit bei Airbus geschafft, eine Angleichung der Staatsanteile durchzusetzen.

Der Geduldsfaden reißt

Die Unfähigkeit der Bundesregierung, sich auf einen Anteil an KNDS zu einigen, droht nun den Zeitplan für den gesamten Börsengang scheitern zu lassen. Eine interne Einigung bis zum Sommer sei „extrem ambitioniert“, heißt es in einem internen Dokument, aus dem kürzlich das Handelsblatt zitierte.[3] Ein Börsengang erst im Herbst wird allerdings sowohl vom französischen Staat als auch von den deutschen Eigentümerfamilien abgelehnt; während diese fürchten, der Börsenwert von KNDS – zur Zeit wird er auf 20 Milliarden Euro geschätzt – könne wie zuletzt derjenige von Rheinmetall im Lauf des Jahres sinken und den Verkaufswert ihres Anteils schmälern, will Paris den Deal vor dem Beginn des Präsidentschaftswahlkampfs abschließen, der nach der Sommerpause ansteht. Schon im April hatte Verwaltungsratschef Enders Druck gemacht; bei KNDS wird darauf hingewiesen, dass die Bundesregierung seit Anfang 2025 in die Pläne für den Börsengang des Unternehmens eingeweiht gewesen sei und somit genügend Zeit zur Entscheidungsfindung gehabt habe.[4] Am Freitag steigerte KNDS-Vorstandschef Jean-Paul Alary nun den Druck und teilte in einer Stellungnahme „angesichts von Spekulationen in den Medien über eine mögliche Verzögerung des Börsengangs“ mit, man halte am ursprünglichen Zeitplan fest.[5] Damit droht die Bundesregierung leer auszugehen.

Interessenten aus Drittstaaten

Verkompliziert wird die Lage dadurch, dass Berichten zufolge weitere Rüstungskonzerne Interesse am Kauf von KNDS-Aktien haben. Zum einen heißt es, Frankreich denke darüber nach, den italienischen Rüstungskonzern Leonardo zu einem Einstieg zu bewegen; damit könne bei KDNS wohl ein französisch-italienisches Übergewicht entstehen.[6] Zum anderen berichtet die Financial Times, auch die – in Westeuropa wenig bekannte – Czechoslovak Group (CSG) aus Prag ziehe den Kauf von Anteilen in Betracht. Die CSG stellt Munition her und konnte dank immenser Lieferungen in die Ukraine ihren Umsatz von 2023 bis 2024 um 193 Prozent auf 3,63 Milliarden US-Dollar steigern. In besonderer Weise profitierte sie dabei von der tschechischen Munitionsinitiative, für die Präsident Petr Pavel Milliardenspenden einwarb; mit dem Geld wurde Munition bezahlt, die unter anderem die CSG dann nach Kiew exportierte. Das Unternehmen rangierte auf der SIPRI-Rangliste der größten Rüstungsfirmen für das Jahr 2024 bereits auf Platz 46, nur knapp hinter KNDS (Rang 42). Es expandiert, hat unter anderem den US-Munitionshersteller The Kinetic Group übernommen und ist jetzt, wie es heißt, mit der Wegmann-Holding über den Erwerb von Anteilen im Gespräch.[7] Damit wäre freilich die alleinige deutsch-französische Kontrolle über KNDS gebrochen.

Korruptionsvorwürfe

Überschattet wird der bevorstehende Börsengang zudem von Korruptionsvorwürfen. Dabei geht es um den Verkauf von 62 Kampfpanzern Leopard 2 und von 24 Panzerhaubitzen 2000 im Jahr 2013 an Qatar. Der Kaufpreis wurde auf rund 1,89 Milliarden Euro beziffert. Wie berichtet wird, schaltete damals KMW – der Deal wurde noch klar vor der Fusion zu KNDS abgewickelt – die qatarische Firma Kingdom Projects als Vermittlerin ein und zahlte ihr 85 Millionen Euro, um den Auftrag zu erhalten.[8] Kingdom Projects befand sich damals zu 75 Prozent im Besitz von Scheich Ahmed bin Nasser al Thani, Vizestabschef des qatarischen Militärgeheimdiensts sowie Mitglied der Herrscherfamilie in Doha; 25 Prozent gehörten Al Thanis Sohn. KNDS gibt an, eine Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet zu haben, um die Vorwürfe zu klären. Berichten zufolge nimmt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC sie so ernst, dass sie ihr Testat für den KNDS-Jahresabschluss 2025 zurückhält.[9] Ob der Börsengang unter diesen Umständen wie geplant durchgeführt werden kann, das ist ungewiss.

 

[1] Julia Löhr, Niklas Záboji: Regierung lässt Panzerhersteller warten. Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.05.2026.

[2] Markus Fasse, Martin Greive, Julian Olk, Frank Specht: Einstieg des Bundes beim Panzerbauer KNDS steht auf der Kippe. handelsblatt.com 07.05.2026.

[3] KNDS erhöht den Druck auf die Bundesregierung. handelsblatt.com 11.05.2026.

[4] Anne-Sylvaine Chassany, Laura Pitel, Leila Abboud, Aaron Kirchfeld, Sylvia Pfeifer: Tank maker KNDS pushes Berlin to decide on taking stake before IPO. ft.com 10.05.2026.

[5] Julia Löhr, Niklas Záboji: Regierung lässt Panzerhersteller warten. Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.05.2026.

[6] Markus Fasse, Martin Greive, Julian Olk, Frank Specht: Einstieg des Bundes beim Panzerbauer KNDS steht auf der Kippe. handelsblatt.com 07.05.2026.

[7] Aaron Kirchfeld, Sylvia Pfeifer: Czech arms group tests Berlin and Paris with offer for stake in tank maker KNDS. ft.com 13.05.2026.

[8] Sven Becker, Friederike Röhreke, Sara Wess: Neue Hinweise auf Schmiergelder nach Qatar. spiegel.de 15.01.2026.

[9] Sven Becker, Martin Hesse, Gerald Traufetter, Sara Wess: Der Panzerbauer KNDS will an die Börse. Doch es gibt da diesen Korruptionsverdacht. spiegel.de 29.04.2026.

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Die Öffnung der Straße von Hormuz (II)

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Die Persian Gulf Strait Authority

Iran intensiviert seine Bestrebungen, seine De-facto-Kontrolle über die Straße von Hormuz zu institutionalisieren. Bereits am 5. Mai hat die Regierung des Landes mit der Persian Gulf Strait Authority (PGSA) eine neue Behörde gegründet, die in Zukunft die Durchfahrt von Schiffen durch die Meerenge regulieren soll.[1] Demnach müssen Schiffe sich zuvor bei der PGSA anmelden, die eine Genehmigung für die Passage erteilen, sie aber auch verweigern kann. Verweigert werden solle sie etwa „den Betreibern des sogenannten Freiheitsprojekts“, ließ sich am Samstag der iranische Parlamentsabgeordnete Ebrahim Azizi zitieren. Damit gemeint sind die Vereinigten Staaten, die ihre Operation Project Freedom zur gewaltsamen Öffnung der Straße von Hormuz freilich vorläufig gestoppt haben. Laut Azizi hat die PGSA, die ihren Sitz in Teheran hat, jetzt einen Verwaltungsmechanismus eingeführt, mit dem die zur Durchfahrt erforderliche Genehmigung beantragt und erteilt werden kann. Berichten zufolge muss dafür eine Gebühr in iranischer Währung bezahlt werden. Aussagen, wonach die Gebühr sich bei Erdöltankern auf einen US-Dollar pro Barrel belaufe, sind bislang noch nicht offiziell bestätigt.[2] Iran hat seiner Kontrolle in den vergangenen Tagen und Wochen durch Attacken auf ungenehmigt die Meerenge kreuzende Schiffe Nachdruck verliehen.

Mit Genehmigung Irans

Berichten zufolge haben in den vergangenen Tagen eine Reihe von Handelsschiffen die Straße von Hormuz mit Genehmigung aus Iran durchquert. In Teheran ist beispielsweise von 30 chinesischen Schiffen die Rede; bestätigt ist dies nicht.[3] Wie es heißt, hätten die ersten chinesischen Schiffe die Meerenge passiert, als US-Präsident Donald Trump sich in der vergangenen Woche auf dem Weg zu seinem Besuch in Beijing befunden habe. Washington hatte zuvor gedroht, Schiffe, die in Abstimmung mit Iran in der Straße von Hormuz kreuzten, festzusetzen oder zu attackieren. Ein Angriff auf ein chinesisches Schiff während Trumps Aufenthalt in China hätte allerdings die dortigen Gespräche des US-Präsidenten torpediert. Ob Berichte zutreffen, laut denen auch Schiffe aus Japan und aus Pakistan den Persischen Golf haben verlassen können, ist nicht belegt. Dies trifft auch auf iranische Aussagen zu, laut denen sogar europäische Staaten mit den zuständigen Stellen in Teheran im Gespräch seien, um für Schiffe mit Bezug zu ihnen eine Durchfahrtsgenehmigung zu erhalten. Zu den allerlei Unklarheiten, die die Lage an der Straße von Hormuz betreffen, zählt nicht zuletzt, wie sich Oman zu dem iranischen Vorhaben verhält. Omans Exklave Musandam liegt direkt an der Meerenge. Iran will die omanische Regierung in die Kontrolle des Seewegs einbinden.

Vorbild für Europa?

Dabei stößt das Vorhaben der Regierung in Teheran international weithin auf Ablehnung. Laut dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (United Nations Convention on the Law of the Sea, UNCLOS) ist die Straße von Hormuz eine Meerenge, in der das Recht auf friedliche Durchfahrt gilt. Einschränkungen sind demnach nicht zulässig. Allerdings hat Iran das Abkommen – wie übrigens auch die Vereinigten Staaten – nicht ratifiziert, ist also nicht an seine Einhaltung gebunden. Teheran vertritt darüber hinaus die Auffassung, selbst nach den Regeln des UN-Seerechtsübereinkommens dürften Anrainerstaaten eine Meerenge unter Kontrolle nehmen, wenn ihre „Souveränität, territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit“ bedroht sei.[4] Letzteres kann in der Tat spätestens seit dem Überfall der USA und Israels auf Iran geltend gemacht werden. Gänzlich unabhängig davon lehnen die meisten Staaten den Schritt ab, da sie entweder mit höheren Erdöl- und Erdgaspreisen rechnen müssten oder die Maßnahme als Präzedenzfall sehen, dem weitere folgen könnten. So werden etwa in der EU schon seit längerer Zeit Überlegungen angestellt, die Durchfahrt durch die Meerengen zwischen Dänemark und Schweden für russische Schiffe entweder einzuschränken oder sogar ganz zu sperren – im Rahmen des Vorgehens gegen die sogenannte russische Schattenflotte.[5]

In die Führungsstäbe

Der geplante europäische Militäreinsatz in der Straße von Hormuz kann als Gegenprogramm zu den Plänen Irans gelten. Ziel ist es, nach einem dauerhaften und verlässlichen Ende der Kampfhandlungen den ungehinderten Schiffsverkehr durch die Meerenge wieder in Gang zu bringen. Dazu sollen zunächst Minen beseitigt werden, die Iran möglicherweise platziert hat. Dann sollen Kriegsschiffe Tanker und andere Handelsschiffe durch die Straße von Hormuz eskortieren, um Sicherheit zu schaffen. Die Bundesregierung hatte bereits vor geraumer Zeit angekündigt, das Minenjagdboot Fulda und – als Versorgungsschiff – den Tender Mosel in den Einsatz zu schicken.[6] Ende vergangener Woche teilte nun Verteidigungsminister Boris Pistorius mit, Berlin werde darüber hinaus autonome Minenabwehrsysteme zur Verfügung stellen und Minentaucher sowie spezialisierte Kräfte des Seebataillons entsenden. Bei diesen handelt es sich um sogenannte Vessel Protection Teams, die in der Lage sind, zivile Schiffe gegen feindliche Angriffe aller Art zu verteidigen.[7] Nicht zuletzt kündigte Pistorius „eine hochrangige Beteiligung deutscher Stabsoffiziere in den Führungsstäben der Mission“ an.[8] Das ist insofern von Bedeutung, als der Einsatz bislang von Frankreich und Großbritannien geleitet wird. Berlin will seinen Einfluss auf ihn offensichtlich stärken.

„Nicht risikolos“

Berlin beharrt einerseits darauf, Voraussetzung für eine deutsche Beteiligung an dem Einsatz, die vom Bundestag beschlossen werden müsste, sei ein Mandat der Vereinten Nationen oder der EU. Andererseits heißt es, die Operation könne im Rahmen der EU-Operation Aspides im Roten Meer und im Golf von Aden stattfinden; dazu müssten lediglich leichte Anpassungen vorgenommen werden.[9] Der Bundestag hat die deutsche Beteiligung an der Operation Aspides im Oktober vergangenen Jahres zwar auf 350 Soldaten beschränkt, den Einsatz aber zugleich um ein Jahr verlängert.[10] Eine Entsendung von Vessel Protection Teams in die Straße von Hormuz wäre für die Marine in mehrfacher Hinsicht neu – nicht nur hinsichtlich des Einsatzgebiets, sondern auch hinsichtlich des möglichen Gegners. Bislang waren sie bloß am Horn von Afrika im Einsatz, wo sie es mit Piraten zu tun hatten. Ein Einsatz in der Straße von Hormuz hingegen richtete sich gegen einen ungleich stärker gerüsteten Staat. So wird der britische Militärexperte Ben Barry mit dem Hinweis zitiert, der Waffenstillstand zwischen den USA und Israel auf der einen und Iran auf der anderen Seite könne auch in Zukunft völlig unerwartet kollabieren. Dann drohten die europäischen Einheiten in der Straße von Hormuz ins Kreuzfeuer zu geraten. „Niemand“ könne behaupten, warnt Barry, der Einsatz sei „risikolos“.[11]

 

[1] Patrick Wintour: Oman caught between US and Iran after Tehran’s claims of joint strait of Hormuz plan. theguardian.com 15.05.2026.

[2], [3] L’Iran a « mis en place un mécanisme professionnel de gestion du trafic » dans le détroit d’Ormuz, selon un parlementaire iranien. lemonde.fr 16.05.2026.

[4] Patrick Wintour: Oman caught between US and Iran after Tehran’s claims of joint strait of Hormuz plan. theguardian.com 15.05.2026.

[5] Piotr Szymański, Filip Rudnik: Denmark and Sweden: how to stop the ‘shadow fleet’. osw.waw.pl 19.06.2024.

[6] S. dazu Die Öffnung der Straße von Hormuz.

[7] Initiative zur Straße von Hormus: Deutschland stellt mehr Beiträge in Aussicht. bmvg.de 14.05.2026.

[8] Pistorius will Spezialkräfte der Marine entsenden. Frankfurter Allgemeine Zeitung 16.05.2026.

[9] Kallas: EU-Marinemission Aspides könnte auf Straße von Hormus ausgeweitet werden. deutschlandfunk.de 13.05.2026.

[10] Bundeswehreinsatz im Roten Meer verlängert. bundestag.de 16.10.2025.

[11] Harriette Boucher: Inside the UK-led mission to open the Strait of Hormuz. independent.co.uk 17.05.2026.

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Starmer lehnt Rücktritt ab – Labour ringt mit Wahldebakel

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Keir Starmer steht nach den desaströsen Kommunal- und Regionalwahlen massiv unter Druck, erwägt nach den vorliegenden Berichten jedoch keinen Rücktritt, sondern will im Amt bleiben.

Mehrere ranghohe Labour-Politiker, darunter Innenministerin Shabana Mahmood und Außenministerin Yvette Cooper, sollen ihn laut britischen Medien aufgefordert haben, einen Zeitplan für seinen Abgang vorzulegen. Insgesamt haben mehr als 70 der gut 400 Labour-Abgeordneten dem Premier inzwischen öffentlich die Unterstützung entzogen; zudem traten mehrere Staatssekretäre bzw. parlamentarische Assistenten zurück, um den Druck zu erhöhen.

Auslöser ist das historisch schlechte Abschneiden der Regierungspartei: Labour verlor in England über 1.400 Kommunalmandate und fiel bei der Parlamentswahl in Wales hinter Plaid Cymru und Reform UK auf Platz drei zurück. Gleichzeitig haben sich aber auch über 100 Abgeordnete in einer Erklärung hinter Starmer gestellt.

Starmer selbst macht klar, dass er Kurs und Amt halten will. Er argumentiert, ein Rücktritt würde das Land destabilisieren, und kündigt an, die Partei geschlossen in die nächste Parlamentswahl führen zu wollen. Die Labour-Partei bleibt darüber tief gespalten.

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Bildquelle: FotoField / shutterstock

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„Die Perspektive des Friedens“

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german-foreign-policy.com: Sie laden für den 24./25. Juli zu einer Gewerkschaftskonferenz für den Frieden nach Würzburg ein. Warum?

Ulrike Eifler: Weil wir in unseren Gewerkschaften die Diskussion über Krieg und Frieden organisieren wollen. Wenn die Gesellschaft militarisiert wird, dann wird auch die Arbeitswelt militarisiert. Und wir müssen feststellen: Die Militarisierung ist inzwischen bis in die letzten Winkel der Arbeitswelt vorgedrungen. Kollegen, die jahrzehntelang zivile Fahrzeuge gebaut haben, finden sich plötzlich in Rüstungsbetrieben wieder. Lehrer sind verpflichtet, Soldaten in den Unterricht einladen. Journalisten haben mehr und mehr der außenpolitischen Linie der Bundesregierung zu folgen. Sachbearbeiterinnen in der Agentur für Arbeit werden dazu angehalten, ja sogar darauf geschult, arbeitslose Menschen in die Bundeswehr zu vermitteln. Hafenarbeiter müssen Waffenlieferungen verladen, und so weiter und so fort. All das zeigt, wie sehr sich Militarisierungsfragen und Arbeitsweltfragen ineinander verschränken.

Es ist wichtig zu verstehen, dass die Perspektive der Arbeitgeber die Perspektive des Krieges ist. Sie verdienen am Krieg oder haben entschieden, Teil einer funktionierenden Kriegsmaschinerie zu sein. Das gilt nicht nur für Rüstungsunternehmen. Auch staatliche Strukturen haben sich in den Dienst der Kriegsvorbereitungen gestellt. Denken wir beispielsweise an kommunale Busunternehmen, die ihre Busse mit Bundeswehrwerbung bekleben. Denken wir an die Karrierecenter der Bundeswehr, die für die Wehrerfassung zuständig sind. Denken wir an Krankenhäuser, wo das Pflegepersonal die Verwundung von Kriegswunden erlernen und an Evakuierungstrainings teilnehmen muss. Oder denken wir an den Verfassungsschutz, der minderjährige Schüler einschüchtert, die an ihren Schulen Schulstreiks organisieren. Die Friedensfrage ist deswegen wichtig, weil die Kriegsvorbereitung zum Teil der Arbeitswelt geworden ist. Und weil wir unsere  gewerkschaftlichen Umverteilungskämpfe nur erfolgreich führen können, wenn wir die Militarisierung der Arbeitswelt zurückdrängen. Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzungen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – all das funktioniert im Krieg nicht. Deshalb ist die Perspektive des Friedens unsere Perspektive.

Und dann sehen wir natürlich, dass die Aufrüstung zum Frontalangriff auf die abhängig Beschäftigten wird. Die Bundesregierung hat sich zu einer Jahrhundertaufrüstung entschieden und will sie über Eingriffe in unsere Renten, unsere Bildung, unsere Gesundheit finanzieren. Ein Panzer kostet im Schnitt 28 Millionen Euro - ein einziger! Das alles muss finanziert werden. Und die Milliarden und Abermilliarden dafür holt sich die Bundesregierung bei den einfachen Leuten. Sie haben seit der Corona-Pandemie mit einer sich ständig verschärfenden Krise der Lebenshaltungskosten zu kämpfen. Diese Krise wird sich durch die herannahende Weltwirtschaftskrise zusätzlich verschärfen. Wenn dann noch der Sozialstaat zerstört wird, worauf aktuell alles hinweist, dann wird das viele Menschen in große Nöte und Unwägbarkeiten stürzen. Um wirksam Protest dagegen zu organisieren, müssen wir uns darüber verständigen, was genau da eigentlich passiert. Um das zu organisieren, dafür ist unsere Konferenz da.

german-foreign-policy.com: Die Konferenz ist bereits die vierte Gewerkschaftskonferenz für den Frieden. Wie sind denn die ersten drei Konferenzen verlaufen?

Ulrike Eifler: Die Konferenzen waren ein wichtiger Kristallisationspunkt für die innergewerkschaftliche Debatte. Auch weil daraus zwei Sammelbände entstanden sind – mit Texten zum Thema. Geschrieben von Gewerkschaftern für Gewerkschafter. Sie bieten Orientierung und sollen den Kolleginnen und Kollegen helfen, die Welt besser zu verstehen. Inzwischen finden überall in der Republik Veranstaltungen statt, auf denen diskutiert wird, wie sehr die „Zeitenwende“ die Bedingungen für die Gewerkschaften verändert. Manchmal organisiert von lokalen Friedensinitiativen, in denen Gewerkschafter sitzen, manchmal organisiert von ganzen Gewerkschaftsgremien. Damit sind die Konferenzen der inzwischen wichtigste Referenzpunkt für friedensbewegte Gewerkschafter geworden.

Im Verlauf der Konferenzen hat sich allerdings auch die politische Ausrichtung verändert. Auf der ersten Konferenz war es uns noch wichtig, die Rolle der Gewerkschaften in der Friedensbewegung zu diskutieren. Gewissermaßen aus einem moralischen Anspruch heraus und im wesentlichen aus unserer Geschichte begründet. Im Verlauf der Konferenzen haben wir jedoch verstanden, dass wir aufgrund der heftigen Angriffe auf soziale Errungenschaften ganz andere Fragen miteinander besprechen müssen. Wie verhalten wir uns als Gewerkschaften beispielsweise dazu, wenn die Bundesregierung auf Kriegswirtschaft umstellt? Wie verhalten wir uns zu dem grassierenden Sozialabbau, mit dem die Aufrüstung finanziert wird? Wie verhalten wir uns zur Militarisierung des Bildungsbereichs, zu der Tatsache etwa, dass Lehrer verpflichtet werden, Soldaten in den Unterricht einzuladen? In diese Diskussion sind wir eingestiegen und haben dann unsere Konferenzen stärker thematisch ausdifferenziert.

german-foreign-policy.com: Inzwischen nehmen immer mehr Unternehmen, die aufgrund der Wirtschaftskrise in die Bredouille geraten, einen Einstieg in die Rüstungsproduktion in den Blick. Wie wirkt sich das auf die Debatte in den Betrieben und in den Gewerkschaften aus – wird es schwerer, für Frieden zu argumentieren?

Ulrike Eifler: Einerseits ja, andererseits nein. Das Problem ist in der Tat, dass die Militarisierung vor dem Hintergrund einer Industriekrise stattfindet. Und sowohl die Bundesregierung als auch die Arbeitgeber versuchen den Eindruck zu ermitteln, dass die Jobs, die in der zivilen Produktion wegfallen, durch Rüstungsproduktion gerettet werden können. Das macht es in der Tat schwierig, Anti-Kriegs-Proteste zu organisieren. Aber es gibt auch hier durchaus interessante Entwicklungen. So haben zum Beispiel die Vertrauensleute bei VW, bei Ford und bei ZF Resolutionen verabschiedet, in denen sie sich von der Umstellung auf Rüstungsproduktion in ihrem Unternehmen distanzieren.

Aber unabhängig davon müssen wir die Frage diskutieren, was die richtige gewerkschaftliche Strategie in Rüstungsbetrieben ist. Dazu gehört zu berücksichtigen, dass auch die Kollegen in Rüstungsbetrieben und in bisher zivilen Betrieben, die teilweise oder sogar ganz in die Rüstung wechseln, wie alle anderen ihre Rechnungen bezahlen müssen und ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen wollen. Daraus ergibt sich aus meiner Sicht die originäre Aufgabe, die Arbeitsplätze auch in Rüstungsbetrieben zu schützen – wie in allen anderen Betrieben auch. Doch der Aufbau von starken Vertrauensleutestrukturen und die politische Diskussion, was mit den hergestellten Rüstungsgütern am Ende passiert, was sie anrichten, wenn sie zum Einsatz kommen, diese Arbeit ist in Rüstungsbetrieben unersetzlich.

Auch deshalb, weil Beschäftigte in der Rüstungsindustrie durchaus eine Distanz zum eigenen Unternehmen haben. Politische Gewerkschaftsarbeit muss das auffangen, denn genauso schnell wie die politischen Entwicklungen in Bewegung sind, genauso schnell kann auch Bewusstsein in Bewegung geraten. Ich habe vor Jahren mal einen alten italienischen Arbeiter getroffen, der in den 1940er Jahren in einer Waffenfabrik gearbeitet hat. Er war stets pünktlich, nie krank, immer der Schnellste im Akkord. Und er machte sich keine Gedanken über die Waffen, an deren Produktion er beteiligt war. Als er miterlebte, wie die Polizei auf eine Demonstration schoß und Menschen dabei starben, hat er den Job gekündigt und sich den italienischen Partisanen angeschlossen.

Am Ende aber ist es eine konsequente gewerkschaftliche Interessenvertretung, die die Beschäftigten in einem Rüstungsunternehmen in den Widerspruch zu ihrem Management bringt. Den Hafenarbeitern in Genua, die sich geweigert haben, die Rüstungsexporte nach Israel zu verladen, ging es auch um den Arbeitsschutz, weil das Arbeiten an Containern mit Sprengstoffen gefährlich ist. Ähnliches habe ich aus dem Hafen von Piräus gehört. Hier haben die Kollegen argumentiert, dass die Abwicklung von Rüstungsexporten den Hafen zu einem Ziel macht, und die Verladung deshalb abgelehnt. Wer in Rüstungsbetrieben für gute Arbeitsbedingungen kämpft, gerät in den Widerspruch zum Management. Die Lohnfrage ist die entscheidende Frage, sie legt den Widerspruch offen. Die Debatte darüber müssten wir in den Gewerkschaften stärker aufgreifen.

german-foreign-policy.com: Die klassische Konversionsdebatte, die Entwicklung von Plänen, Rüstungsbetriebe in die zivile Produktion zu überführen – das ist heute wahrscheinlich schwierig, oder?

Ulrike Eifler: Ja, diese Debatte ist in der Tat heute sehr viel schwieriger geworden als in den siebziger und achtziger Jahren. Konversion war ja immer die Strategie, durch eine gezielte Umstellung der Rüstungsproduktion auf zivile Produktion die Arbeitsplätze und Einkommen der Kollegen zu schützen. Jetzt aber erleben wir das Gegenteil. Die Umstellung von ziviler auf Rüstungsproduktion wird zur Strategie, um Jobs zu retten. Zumindest ist das die Erzählung. Und die Bundesregierung stellt gezielt die Weichen dafür. Ihre industriepolitische Strategie orientiert darauf, die Rüstungsindustrie zu stärken und auszuweiten. Das erreicht sie durch staatliche Aufträge, staatliche Abnahmegarantien, die prioritäre Versorgung mit Rohstoffen, Unterstützung bei der Rekrutierung von Fachkräften und durch die Anwendung des Arbeitssicherstellungsgesetzes. Bei letzterem handelt es sich um ein Notstandsgesetz, das im Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall die Aussetzung des Streikrechts und sogar den Arbeitszwang regelt.

Vor dem Hintergrund dieser schwierigen Entwicklung gibt Konversion heute keine ausreichende Antwort mehr auf die Widersprüche, zumal der Erfolg der Konversionsprojekte ohnehin sehr überschaubar ist und in der Vergangenheit häufig nur funktionierte, wenn sich kein Geld mehr verdienen ließ. Das ist heute aber nicht mehr der Fall. Entscheidend ist es aus meiner Sicht daher, dass wir die Konversionsidee einbetten in eine industriepolitische Debatte darüber, was für eine Industriepolitik wir eigentlich wollen, und auf dieser Grundlage die Kämpfe organisieren.

Und da sage ich ganz deutlich: Eine Industriepolitik, die nicht auf Frieden orientiert, ist keine Industriepolitik im Interesse der Kolleginnen und Kollegen. Warum? Weil die Umstellung auf Rüstungsindustrie die Deindustrialisierung, von der ja so oft die Rede ist, nicht verhindert, sondern diese sogar noch beschleunigt. Warum? Weil man Arbeitskräfte und finanzielle Ressourcen aus produktiven Industriebereichen abzieht und in eine Industrie umlenkt, die keinerlei gesellschaftlichen Nutzen hat. Das befördert die Herausbildung einer industriellen Monostruktur, die den wirtschaftlichen Erfolg von einer globalen Kriegsentwicklung abhängig macht.

Gleichzeitig wissen wir, dass Investitionen in den Bau von Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten oder den öffentlichen Nahverkehr nicht nur einen größeren gesellschaftlichen Nutzen haben, sondern auch deutlich höhere Wachstums- und Jobeffekte. Von jedem Euro, den die Bundesregierung in unsere Infrastruktur investiert, kommen 1,50 Euro in der heimischen Wirtschaft an. Bei Investitionen in die Bildung sind es sogar drei Euro. Bei Investitionen in die Rüstung nur null bis 0,50 Euro. Das heißt also, Investitionen in die Rüstung sind nicht nur nicht alternativlos, sondern im Hinblick auf Wachstumseffekte regelrecht nutzlos.

german-foreign-policy.com: Kommt denn neben der Debatte über Krieg und Frieden in den Gewerkschaften auch schon eine Debatte in den Betrieben in Gang?

Ulrike Eifler: Ja, die Diskussion in den Betrieben kommt durchaus in Gang. Die Menschen spüren, dass wir uns an einem historischen Wendepunkt befinden, dass die 80 Jahre, die wir in Frieden gelebt haben, in eine neue, kriegerische Ära übergehen. Ich war kürzlich beim Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Da hat eine Altenpflegerin spontan das Wort ergriffen und den streikenden Schülern erzählt, wie sehr die älteren Menschen in ihrem Pflegeheim noch immer von Kriegserfahrungen geprägt sind und selbst nach 80 Jahren noch hochtraumatisiert von Bombennächten, verlorenen Angehörigen und vor allem von ihrer Kriegsangst berichten. Anwesend war auch ein Lehrer, der mit seinen Schülern teilnahm. In Leipzig hat ein junger DHL-Mitarbeiter eine Kündigung bekommen, weil er sich auf einer Demonstration gegen Waffenexporte nach Israel aussprach. In München verweigern drei Busfahrer die Fahrt der Straßenbahnen, die mit Bundeswehrwerbung beklebt sind. Und ich kenne mehr als einen Kollegen, der sagt, dass er sofort kündigen würde, wenn in seinem Betrieb plötzlich für die Rüstung produziert wird. Das alles sind tolle, inspirierende Beispiele. Aber es sind keine kollektiv organisierten Aktionen, sondern individuelle. Die Kollegen sind deshalb auch leichter angreifbar.

Aber auch wenn wir uns aktuelle gewerkschaftliche Beschlüsse oder Initiativen anschauen, zeigt sich: Da passiert schon richtig viel. Auf dem DGB Bundeskongress, der vor ein paar Tagen stattfand, wurde mit riesiger Mehrheit ein Beschluss gegen die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht gefasst. Die IG Metall in Würzburg und in Frankfurt bietet im Rahmen ihrer arbeits- und sozialrechtlichen Beratung auch eine Beratung für Kriegsdienstverweigerer an. Der ver.di-Landesbezirk Baden-Württemberg hat im vergangenen Jahr zur großen Antikriegsdemonstration am 3. Oktober in Stuttgart aufgerufen. In München ist aus den Gewerkschaften heraus eine Initiative entstanden, die sich „Soziales rauf – Rüstung runter“ nennt; die Kolleginnen und Kollegen dort haben aus den Gewerkschaften heraus eine Demonstration organisiert, bei der sie die Rüstungsthematik mit der sozialen Frage verknüpft haben. Es ist bundesweite Initiative „Gewerkschafter*innen für Kuba“ entstanden. Die GEW in Bayern hat eine Popularklage gegen das Bundeswehrförderungsgesetz eingereicht, das Lehrer verpflichtet, Soldaten in den Unterricht einzuladen. Es tut sich einiges in unseren Gewerkschaften. Was bislang fehlt ist eine organisatorische Struktur, die diese Erfahrungen bündelt, verallgemeinert und eine strategische Debatte dazu organisiert.

german-foreign-policy.com: Auch international sind die Gewerkschaften sehr aktiv. Im Juni wird in London eine internationale Anti-Kriegs-Konferenz stattfinden…

Ulrike Eifler: Es gibt auf internationaler Ebene hervorragende, wichtige Stellungnahmen von  Gewerkschaften und Dachverbänden zum Genozid in Gaza, zum Überfall auf Venezuela und zu den völkerrechtswidrigen Angriffen auf den Iran und Libanon. Gleichzeitig gibt es aus der Arbeiterbewegung heraus jetzt auch die Initiative zu einer großen internationalen Friedenskonferenz am 20. Juni in London. Das ist schon die zweite Konferenz; eine erste hat im Oktober 2025 in Paris stattgefunden.

Diese internationale Vernetzung ist deshalb wichtig, weil sie uns die Möglichkeit gibt, unsere Aktivitäten europaweit zu vernetzen, zu bündeln und aufeinander abzustimmen. In Belgien gibt es mittlerweile eine starke und inspirierende gewerkschaftliche Bewegung gegen Sozialabbau und Aufrüstung. In Deutschland dagegen steckt der Protest irgendwie fest. Hier hat die jahrzehntelange Tradition der Sozialpartnerschaft dazu geführt, dass die Menschen nicht mehr fühlen können, dass sie ganz persönlich etwas verändern können. Dieses Gefühl muss wiederhergestellt werden. All das zeigt: Der Antikriegsprotest in Europa findet ungleichzeitig statt, aber er findet statt. Überall. Insbesondere deutsche Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sollten nach London fahren und sich von den internationalen Erfahrungen inspirieren lassen. Ich glaube, wir brauchen das Feuer internationaler Gewerkschaftsproteste, um den Funken auf unsere eigenen Gewerkschaften überspringen zu lassen.

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Koalition kippt Heizungsgesetz – Aus für den Heizungszwang

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Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich auf das Ende des umstrittenen Gebäudeenergiegesetzes (GEG), bekannt als „Heizungsgesetz", verständigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) kündigten an, das von der Ampel-Koalition beschlossene Gesetz abzuschaffen und durch eine neue Regelung zu ersetzen.

Künftig soll nicht mehr die Art der Heizung im Mittelpunkt stehen, sondern die tatsächliche CO₂-Einsparung im Gebäudebereich. Die bisherige 65-Prozent-Vorgabe für erneuerbare Energien beim Einbau neuer Heizungen entfällt damit.

Bauministerin Verena Hubertz (SPD) soll bis Jahresende einen Gesetzentwurf vorlegen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sprach von einem „technologieoffenen" Ansatz.

Kritik kommt von Grünen und Umweltverbänden, die einen Rückschritt beim Klimaschutz befürchten. Verbraucherschützer mahnen Planungssicherheit für Hausbesitzer an.

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Bildquelle: Ingrid Balabanova / shutterstock

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Kampf um die Commerzbank

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Der Einstieg der UniCredit

Die Commerzbank wurde während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 durch die Bundesregierung mit Milliarden an Steuergeldern vor der Insolvenz bewahrt. Seither war der deutsche Staat mit 25 Prozent an ihr beteiligt. 2024 kündigte der damalige Finanzminister Christian Lindner (FDP) an, 4,49 Prozent der Commerzbank-Aktien zu verkaufen. Damals hieß es, die Staatsbeteiligung sei „auf Dauer nicht nötig“, da sich die Bank gut entwickelt habe. Sehr schnell stieg die italienische UniCredit ein. Nach aktuellen Angaben kontrolliert die Großbank inzwischen 29,99 Prozent der Commerzbank-Anteile. Der deutsche Staat ist mit immer noch 12 Prozent zweitgrößter Anteilseigner und kontrolliert mit zwei Vertretern im Aufsichtsrat die Geschicke des Finanzinstituts.[1]

Die italienische Großbank greift an

Die UniCredit will nun die 30-Prozent-Schwelle durch ein freiwilliges Übernahmeangebot in eigenen Aktien überschreiten. Sobald Unternehmen mehr als 30 Prozent an einer börsennotierten deutschen Firma halten, müssen sie nach dem Wertpapierhandelsgesetz ein solches freiwilliges Übernahmeangebot vorlegen. Danach können sie ohne weitere Auflagen zusätzliche Wertpapiere der Firma erwerben.[2] Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit anderthalb Jahren für eine Fusion der beiden Banken. Sein Argument: Durch den Zusammenschluss entstünde eine in Deutschland und Europa führende Bank.[3]

„Erst Bankenunion, dann Bankenfusion“

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp positioniert sich gegen die Übernahme, plädiert für die Beibehaltung der Eigenständigkeit des Kreditinstituts und verweist auf dessen Bedeutung für den deutschen Mittelstand, dessen Finanzierung stark von der Commerzbank getragen wird.[4] Auch die Bundesregierung lehnt das Vorgehen der UniCredit ab; „eine feindliche Übernahme“ sei „nicht akzeptabel“, heißt es im Bundesfinanzministerium. Bereits im September vergangenen Jahres hatte UniCredit-Chef Orcel erklärt, die Haltung der Bundesregierung sei ein „kritischer Faktor – aber nicht der alleinige Faktor“. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) haben mittlerweile explizit bekräftigt, Berlin lehne eine Übernahme strikt ab.[5] Im April erklärte Merz auf dem Jahresempfang des Bundesverbandes deutscher Banken: „Wir brauchen große Banken in Europa, aber lassen Sie mich aus aktuellem Anlass eines auch sehr klar sagen: Dies bedeutet nicht, dass jede Form und jede Art der Übernahme in Deutschland willkommen ist.“[6] Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Michael Kotzbauer, fordert zudem, einer grenzüberschreitenden Fusion von Großbanken müsse die EU-Bankenunion vorausgehen: „Für eine echte grenzüberschreitende europäische Bankenfusion fordern wir seit Längerem eine europäische Kapitalmarktunion und eine Bankenunion“, erklärte Kotzbauer; eine Bankenübernahme aber werde „keine politischen Blockaden bei der Bankenunion“ lösen. Es müsse gelten: „Erst Bankenunion, dann Bankenfusion.“[7]

Die Bankenunion als Machtfrage

In Italien hingegen wird die Übernahme von Politik und Finanzwelt weithin befürwortet und nicht von einer vorherigen EU-Bankenunion abhängig gemacht. So erklärt Finanzminister Giancarlo Giorgetti, er sehe „bedeutende wirtschaftliche Argumente“ für das Vorhaben. „Der Deal ist im Interesse der gesamten EU, weil er das europäische Finanzsystem zum Wohle der einzelnen Länder stärken würde“, urteilt Stefano Caselli, Direktor der SDA Bocconi School of Management in Mailand. Caselli vertritt die Auffassung, die Fusion sei wichtiger als nationale Interessen, da die Mitgliedstaaten sonst in der internationalen Konkurrenz an Bedeutung verlören: „Sonst ist das Risiko groß, dass uns die USA und China erdrücken werden.“ Marcello Messori, Ökonom am Schuman Centre des European University Institute in Fiesole (Florenz), dringt darauf, die Integration der Finanzmärkte in der EU voranzutreiben: „Im Gegensatz zu den USA hängt die Finanzierung der Realwirtschaft in Europa nach wie vor weitgehend vom Bankensystem ab.“[8] UniCredit-Chef Orcel verweist ebenfalls auf die zentrale Rolle starker Kreditinstitute: „Wir [können] ohne große Banken die Transformation nicht finanzieren.“ Orcel ergänzt mit Blick auf die internationale Konkurrenz: „Ohne finanzielle Muskelkraft können wir nicht mit den USA oder China konkurrieren. Europa nimmt im Moment fälschlicherweise an, dass wir diese Transformation mit staatlicher Unterstützung alleine schaffen können.“[9]

Angriff auf den deutschen Mittelstand

Für Berlin wiegt die nationale Kontrolle über die Commerzbank auch insofern schwer, als das Kreditinstitut, wie sein Vizechef Kotzbauer konstatiert, auf eine starke internationale Präsenz setzt, um „die Brücke von unseren Heimatmärkten […] in die Welt und zurück zu bauen – gerade für den so wichtigen Mittelstand.“ Die Commerzbank betreibt mit Standorten in über 40 Ländern ein internationales Netzwerk aus Niederlassungen und Repräsentanzen, das für deutsche Mittelständler in der Tat äußerst nützlich ist.[10] UniCredit-Chef Orcel hingegen kündigte für den Fall einer Übernahme bereits ein Restrukturierungsprogramm für die Commerzbank an, durch das die Kosten bis 2028 um 1,3 Milliarden Euro gesenkt werden sollen. In Deutschland ist die Befürchtung verbreitet, unter harten Einschnitten im Auslandsnetz könne – so ließ sich kürzlich ein bedeutender Aktionär der Bank zitieren – letztlich das deutsche Mittelstandsgeschäft leiden.[11] In der Tat strebt die UniCredit danach, die Commerzbank solle ihren Fokus stärker auf Deutschland und Polen richten und gleichzeitig ihre internationalen Aktivitäten zurückfahren. Das internationale Netzwerk sei „überdimensioniert, fragmentiert, risikoreich, operativ komplex und ineffizient“.[12] Commerzbank-Chefin Orlopp verwahrte sich dagegen: „Wir verstehen nicht, dass Unicredit unser Geschäftsmodell nicht versteht. Es gab zehn Gespräche“.[13]

Machtkampf um den Aufsichtsrat

Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, hat sich die UniCredit bereits Zugriff auf mehr Commerzbank-Aktien gesichert als bislang angenommen. Die italienische Bank verfügt über eine bis Juli 2027 laufende Swap-Vereinbarung mit der japanischen Bank Nomura. Dadurch kann sich die UniCredit Zugriff auf weitere 5,56 Prozent der Commerzbank-Aktien verschaffen. Nach Angaben der Commerzbank hält die UniCredit aktuell bereits einen Aktienbestand von 26,77 Prozent und verfügt über Long-Derivate im Umfang von weiteren 5,87 Prozent. Durch den Nomura-Deal käme die UniCredit damit auf rund 35 Prozent der Commerzbank-Anteile. Damit dürfte sie bei der bevorstehenden Hauptversammlung am 20. Mai über eine Mehrheit verfügen, mit der sie eigene Aufsichtsräte zur Wahl stellen könnte. Bislang beteuert die italienische Bank, sie habe dies nicht vor. Mit der Swap-Vereinbarung strebe sie auch keine Kontrolle über die Commerzbank an. Die Äußerung ist allerdings nicht geeignet, Zweifel auf deutscher Seite zu beseitigen. SPD-Politiker ziehen bereits eine Aufstockung des verbliebenen Staatsanteils an der Commerzbank von zwölf Prozent in Betracht, um der UniCredit etwas entgegenzusetzen. Noch überwiegt Ablehnung gegenüber der Maßnahme; so erklärt der stellvertretende SPD-Fraktionschef im Bundestag, Armand Zorn: „Dieser Schritt wäre für ein stabiles, profitables Unternehmen sehr ungewöhnlich. Er sollte zwar geprüft werden, aber eher als ‚ultima ratio‘ betrachtet werden, wenn alle anderen Optionen scheitern.“[14] Dass Letzteres eintritt, lässt sich freilich nicht ausschließen.

 

[1] Showdown im Ringen um die Commerzbank. handelsblatt.com 04.05.2026.

[2] Andreas Kröner, Jan Hildebrand: Bank-Chefin Bettina Orlopp kritisiert neues Unicredit-Angebot. handelsblatt.com 16.03.2026.

[3] Andreas Kröner: Unicredit sieht erhebliche Risiken bei einer Übernahme. handelsblatt.com 04.05.2026.

[4] Virginia Kirst, Andreas Kröner: Italienische Ökonomen unterstützen Unicredit-Vorstoß. handelsblatt.com 23.04.2026.

[5] Jakob Blume, Andreas Kröner: Orcel hält sich für Commerzbank-Übernahme alle Optionen offen. handelsblatt.com 04.09.2025.

[6] Unicredit legt nach: scharfe Kritik an Commerzbank-Modell. handelsblatt.com 21.04.2026.

[7] Hanno Mußler, Inken Schönauer: „Unicredits Plan zerlegt die Commerzbank“. faz.net 04.05.2026.

[8] Virginia Kirst, Andreas Kröner: Italienische Ökonomen unterstützen Unicredit-Vorstoß. handelsblatt.com 23.04.2026.

[9] Inken Schönauer: „Der Prozess ist nicht mehr aufzuhalten“. faz.net 29.04.2026.

[10] Hanno Mußler, Inken Schönauer: „Unicredits Plan zerlegt die Commerzbank“. faz.net 04.05.2026.

[11] Andreas Kröner: Vorstandschefin Orlopp plant weiteren Stellenabbau. handelsblatt.com 24.04.2026.

[12] Unicredit legt nach: scharfe Kritik an Commerzbank-Modell. handelsblatt.com 21.04.2026.

[13] Hanno Mußler, Inken Schönauer, Christian Schubert, Manfred Schäfers: Endspiel um die Commerzbank. faz.net 05.05.2026.

[14] Unicredit rückt in Übernahmekampf vor. Frankfurter Allgemeine Zeitung 07.05.2026.

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Kampf um Bosnien-Herzegowina

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Von Anfang an umstritten

Christian Schmidt, ehemals Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, dann Landwirtschaftsminister, war im Amt des Hohen Repräsentanten für Bosnien und Herzegowina, das er am 1. August 2021 antrat, von Anfang an stark umstritten. Das lag zum einen daran, dass er eine Nähe zu kroatischen Nationalisten erkennen ließ, was seinem Ansehen weder bei den bosnischen Muslimen noch bei den bosnischen Serben besonders zuträglich war. Zum anderen war er ohne die Zustimmung Russlands auf den Posten gelangt. Zuvor war es üblich gewesen, stets darauf zu achten, dass der UN-Sicherheitsrat hinter der Person des Hohen Repräsentanten stand; dies sollte ihm internationale Legitimität verschaffen. Weil damals die Spannungen zwischen dem Westen und Russland aber deutlich zunahmen, zogen die westlichen Staaten es vor, ihren Kandidaten gegen Moskau durchzusetzen, anstatt einer Suche nach einem gemeinsamen Repräsentanten den Vorzug zu geben. Dies war ein weiterer Grund, weshalb Schmidt von Anfang an die bosnischen Serben und deren Republika Srpska gegen sich hatte: Sie stehen Russland vergleichsweise nahe.

Die Bonner Befugnisse

Schmidt ging, kaum im Amt, dazu über, wenig populäre Maßnahmen durchzusetzen und in diesem Zusammenhang auch stark auf die sogenannten Bonner Befugnisse zurückzugreifen – weitreichende Kompetenzen, die dem Hohen Repräsentanten auf einer internationalen Konferenz im Dezember 1997 in Bonn verliehen worden waren und die es ihm ermöglichen, nach Gutdünken Dekrete zu verhängen und Personen aus ihren Ämtern zu entlassen, wenn dies seiner Auffassung nach der Einhaltung des Abkommens von Dayton aus dem Jahr 1995 dient. Auf diesem basiert der Staat Bosnien-Herzegowina heute. So setzte Schmidt etwa per Dekret eine Wahlrechtsreform durch, die einseitig die kroatisch-nationalistische Partei HDZ begünstigte. Schmidt gab die Maßnahme am 2. Oktober 2022 bekannt, dem Tag, an dem in Bosnien-Herzegowina Wahlen durchgeführt wurden; er tat dies knapp eine Stunde nach Schließung der Wahllokale, was zur Folge hatte, dass das Resultat der Wahl nach Kriterien errechnet wurde, die sich von denjenigen, von denen die Wähler bei ihrer Stimmabgabe ausgingen, recht deutlich unterschieden (german-foreign-policy.com berichtete [1]).

Schmidt vs Dodik

Hinzu kam, dass Schmidt in eine offene Konfrontation mit der Republika Srpska und ihrem Präsidenten Milorad Dodik (2010 bis 2018, 2022 bis 2025) geriet. Dodik steht Russlands Präsident Wladimir Putin nahe; er orientierte mit seiner Politik zudem auf zumindest größere Autonomie für seinen Landesteil, womöglich gar auf eine Abspaltung von Bosnien-Herzegowina. Streit entzündete sich unter anderem daran, dass drei der neun Richter am Verfassungsgericht des Gesamtstaates vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg ernannt werden; Dodik wandte sich gegen die ausländische Kontrolle und setzte sich dafür ein, das Verfassungsgericht ausschließlich mit Richtern aus Bosnien-Herzegowina zu besetzen.[2] Der Streit, der vor allem zwischen Dodik und Schmidt ausgetragen wurde, eskalierte heftig und mündete unter anderem in Schmidts Versuch, Dodik festnehmen zu lassen, was von Gendarmen der Republika Srpska unter Androhung von Gewalt unterbunden wurde. Der Konflikt konnte erst im Herbst 2025 beigelegt werden – dies auf Initiative der Trump-Administration.

Geschäftsinteressen der Trump-Clique

Die Trump-Administration folgt in Bosnien-Herzegowina offenkundig eigenen materiellen Interessen. Das Land wird bislang über die Pipeline TurkStream mit Erdgas aus Russland versorgt. Washington setzt sich dafür ein, das russische Gas durch US-Flüssiggas zu ersetzen, das über ein Terminal auf der kroatischen Insel Krk angeliefert wird. Von dort soll nun eine Pipeline gebaut werden, die das Gas weiter nach Bosnien-Herzegowina transportiert. Geplant ist es, die Pipeline von den US-Firmen Bechtel und AAFS Infrastructure and Energy bauen zu lassen; Letztere wird von einem ehemaligen Anwalt von Trump, Jesse Binnall, sowie von Joseph Flynn geführt, dem Bruder des einstigen Trump-Sicherheitsberaters Michael Flynn.[3] Beobachter bezweifeln, dass das Vorhaben sinnvoll ist, da Bosnien-Herzegowina nur sehr wenig Erdgas verbraucht und darüber hinaus auf erneuerbare Energien umstellen will. Dodik scheint jedoch bereit, das Vorhaben zumindest in der Republika Srpska zu unterstützen, wo die Pipeline ebenfalls hinführen soll und wo die US-Botschaft zudem seit geraumer Zeit Interesse an Rohstoffvorkommen geäußert hat.

Clan trifft Clan

Die Trump-Administration hat nun im Herbst vergangenen Jahres einen Deal mit Dodik geschlossen, dem zufolge dieser seinen Konflikt mit Schmidt beilegt. Im Gegenzug haben die USA ihn und ihm nahestehende Geschäftsleute von US-Sanktionslisten entfernt. Dodik ist im Februar von Kongressabgeordneten der Republikaner und von US-Kriegsminister Pete Hegseth in Washington empfangen worden. Anfang April reiste US-Präsidentensohn Donald Trump Jr. in die Hauptstadt der Republika Srpska, Banja Luka, wo er Geschäfte anzubahnen versuchte und insbesondere mit Dodiks Sohn Igor Dodik zusammenkam.[4] Die Beziehungen zwischen den Clans von Trump und Dodik und den sie umgebenden Cliquen verdichten sich. Laut Berichten wünschte Milorad Dodik dabei, dass sein Erzfeind Schmidt gefeuert werde.

Washington vs Berlin

Schmidt erlebt bereits seit dem vergangenen Jahr, dass er in Sarajevo systematisch von der Trump-Administration ausgebootet wird. Gerüchte, er werde zurücktreten, halten sich schon seit Monaten. Am Sonntag hat Schmidt mitgeteilt, er gebe sein Amt auf. Berichten zufolge hat die Trump-Administration inzwischen einen Nachfolger im Blick, von dem es heißt, er sei aus US-Sicht „pflegeleichter“.[5] Er müsste allerdings, bleibt es beim bisher üblichen Modus, von dem mit Bosnien-Herzegowina befassten Friedensimplementationsrat gewählt werden. Diesem gehören 55 Staaten und internationale Organisationen an, darunter zahlreiche EU-Mitglieder und die EU selbst; erhält der US-Kandidat deren Stimmen nicht, wird es schwierig für die Trump-Administration, ihn in Sarajevo zu installieren. Allerdings könnte sie jederzeit neue Zölle erheben oder anderweitig Druck ausüben: Bislang hat die EU sich in vielen Fällen nachgiebig gezeigt. Der österreichische Diplomat Wolfgang Petritsch, selbst von 1999 bis 2002 als Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina in Sarajevo stationiert, schlägt als Ausweg vor, den Posten des Hohen Repräsentanten nach über 30 Jahren aufzulösen, zumal seine antidemokratisch-kolonialen Interventionsrechte immer mehr auf Kritik stoßen.[6] Zustimmung dazu aus Berlin oder Brüssel wird allerdings kaum erwartet.

 

[1], [2] S. dazu Oktroy nach Kolonialherrenart.

[3] Adelheid Wölfl: Abhängigkeit verschieben: USA wollen russisches Gas in Europa durch eigenes ersetzen. derstandard.at 20.03.2026.

[4] Azem Kurtic: Trump Jr Visits Bosnian Serbs, Spotlighting Republika Srpska’s US Outreach. balkaninsight.com 07.04.2026.

[5], [6] Michael Martens: Christian Schmidt muss Bosnien wohl verlassen. Frankfurter Allgemeine Zeitung 11.05.2026.

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Trump-Besuch in Peking: Gespräche mit Xi Jinping bestätigt

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US-Präsident Donald Trump reist vom 13. bis 15. Mai nach Peking – erstmals seit 2017. Das chinesische Außenministerium bestätigte den Staatsbesuch auf Einladung von Xi Jinping offiziell. Ursprünglich für Ende März geplant, wurde die Reise wegen des Iran-Kriegs verschoben. Trump traf Xi zuletzt im Oktober 2025 am Rande des APEC-Gipfels in Südkorea.

Auf der Agenda stehen u.a. Handelsstreit (US-Zölle bis 145 %, chinesische Gegenzölle bis 125 % und Exportkontrollen), Iran-Krieg, Taiwan, künstliche Intelligenz, Atomwaffen sowie eine Verlängerung eines Abkommens zu kritischen Mineralien. Experten erwarten intensive Verhandlungen zu Nahost, Taiwan und Handel. Die Straße von Hormus-Sperrung verschärft die Energiekrise, Düngemittelpreise steigen.

Analysen sehen begrenzte positive Impulse für die Weltwirtschaft, warnen aber vor Risiken durch Taiwan-Frage und anhaltendes Machtgerangel.

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Bildquelle: miss.cabul / shutterstock

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