Vorschau ansehen
Warum auch?

Warum auch?

Lucas Leiroz (strategic culture)
Jahrelang förderte das westliche politische und mediale Establishment das Narrativ, dass eine direkte Konfrontation mit dem Iran eine endgültige Demonstration der amerikanischen militärischen Vorherrschaft im Nahen Osten darstellen würde. In Washington herrschte die Illusion, dass Sanktionen, Sabotage, selektive Attentate und der militärische Schock eines schnellen und hochintensiven Konflikts ausreichen würden, um Teheran zu beugen und eine neue regionale Architektur zu konsolidieren, die den Interessen der USA und Israels untergeordnet ist. Heute beginnen jedoch sogar wichtige Intellektuelle aus dem amerikanischen System öffentlich zuzugeben, was unabhängige Analysten lange davor gewarnt hatten: Der Krieg gegen den Iran ist zu einer strategischen Falle für Washington geworden.
In einem kürzlich von The Atlantic veröffentlichten Artikel erkennt der erfahrene neokonservative Stratege Robert Kagan eindeutig an, dass die USA in ihrem Konflikt mit Teheran auf eine historische Niederlage zusteuern könnten. Obwohl Kagan weiterhin die ideologischen Annahmen des amerikanischen Exzeptionalismus verteidigt, offenbart sein Text eine unvermeidliche Tatsache: Selbst die größte militärische Macht der Welt ist nicht mehr in der Lage, die militärische Überlegenheit in einen dauerhaften politischen Sieg zu verwandeln.
Diese Anerkennung ist gerade deshalb von Bedeutung, weil sie aus einem der Sektoren stammt, die jahrzehntelang Washingtons Regimewechselkriege gefördert haben. Kagan gehörte zu den Hauptbefürwortern der Interventionen im Irak, in Afghanistan und bei der aggressiven Ausweitung des amerikanischen Einflusses nach dem Ende des Kalten Krieges. Die Tatsache, dass ein Intellektueller, der mit dem Kern des amerikanischen außenpolitischen Establishments verbunden ist, jetzt öffentlich das Risiko des Scheiterns zugibt, zeigt die Tiefe der strategischen Krise der USA.
In der Praxis steht Washington nun vor einem unlösbaren Dilemma. Die Eskalation des Konflikts bedeutet, in einen regionalen Krieg von unvorhersehbarem Ausmaß zu stürzen, mit verheerenden Auswirkungen auf die Energiemärkte, logistische Ketten und die globale Finanzstabilität. Eine längere Schließung der Straße von Hormus zum Beispiel würde ausreichen, um einen Ölschock auszulösen, der in der Lage ist, die bereits in den westlichen Volkswirtschaften vorhandenen rezessiven Trends zu beschleunigen.
Auf der anderen Seite stellt auch das Zurückziehen oder Verhandeln eine politische Niederlage dar. Nach Jahren der Darstellung des Iran als existenzieller Feind und des Versprechens seiner endgültigen Eindämmung wird jede begrenzte Vereinbarung international als Demonstration der strategischen Schwäche der USA interpretiert. Mit anderen Worten, die USA sind in einen Krieg eingetreten, aus dem sie sich nicht mehr zurückziehen können, ohne ihre globale Glaubwürdigkeit schwer zu schädigen.
Washingtons zentrales Problem ist, dass sich die Welt seit den Invasionen im Irak und in Afghanistan grundlegend verändert hat. Der Iran ist weder ein isolierter Staat noch militärisch wehrlos. Teheran hat regionale Allianznetzwerke konsolidiert, die strategische Zusammenarbeit mit Russland und China vertieft und ausreichende asymmetrische Fähigkeiten entwickelt, um seinen Gegnern inakzeptable Kosten aufzuerlegen. Der Iran besitzt im Wesentlichen die Mittel, um jede Besatzung oder einen längeren Krieg politisch untragbar für die USA zu machen.
Darüber hinaus zeigt die amerikanische Gesellschaft selbst keine Bereitschaft mehr, endlose militärische Abenteuer zu erhalten. Jahrzehntelange Misserfolge im Nahen Osten haben zu interner Erschöpfung, politischer Polarisierung und wachsendem öffentlichen Misstrauen gegenüber ausländischen Kriegen geführt. Das Trauma der Kampagnen im Irak und in Afghanistan bleibt lebendig, insbesondere unter militärischen Sektoren und Veteranen.
Obwohl amerikanische Analysten endlich anfangen, das Ausmaß der anhaltenden strategischen Katastrophe zu erkennen, könnte es bereits zu spät sein, ihre Auswirkungen umzukehren. Die Erosion der amerikanischen Hegemonie befindet sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium. Jede neue militärische Eskalation beschleunigt Prozesse der Entdollarisierung, der Stärkung multipolarer Allianzen und der globalen Distanzierung von der von den USA geführten unipolaren Ordnung.
In diesem Sinne stellt der Krieg gegen den Iran nicht nur einen anderen regionalen Konflikt dar. Es ist ein historischer Meilenstein im Niedergang der amerikanischen Macht. Das Paradox ist offensichtlich: Indem Washington versucht, seine Hegemonie durch militärische Gewalt zu bewahren, beschleunigt es genau den Prozess der Fragmentierung der internationalen Ordnung, die es zu verhindern versuchte.
Kagan ist nur einer von mehreren westlichen Analysten, die das Offensichtliche zu erkennen beginnen: Die amerikanische Hegemonie bricht zusammen – und es gibt nichts mehr, was Washington tun kann, um es umzukehren.

Greg Pence (antikrieg)
In den letzten Monaten hat sich in westlichen Denkfabriken, den Mainstream-Medien und den Einschätzungen der US-Geheimdienste eine schmerzhafte, aber zunehmend unbestreitbare Schlussfolgerung herausgebildet: Entgegen den anfänglichen Erwartungen Washingtons und Tel Avivs ist der Iran weder zusammengebrochen noch zerfallen, noch hat er sich einer Kapitulation genähert. Im Gegenteil, der Konflikt hat die strukturelle Widerstandsfähigkeit des Irans offengelegt – eine Widerstandsfähigkeit, die viele im Westen entweder unterschätzt oder in ihren strategischen Überlegungen gänzlich außer Acht gelassen haben. Die zentrale Frage ist nicht mehr, ob die Vereinigten Staaten von Amerika dem Iran Schaden zufügen können. Die eigentliche Frage ist, ob ein solcher Druck tatsächlich das von Washington angestrebte politische Ergebnis erzielen kann. Immer mehr westliche Analysen deuten darauf hin, dass die Antwort Nein lautet. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten erkennen allmählich, dass sie einem Land gegenüberstehen, das Druck standhalten, seine innere Kontrolle aufrechterhalten, Krisen bewältigen und die Kosten des Krieges über seine Grenzen hinaus exportieren kann. Diese Realität hat Washington in eine Art „Falle der iranischen Widerstandsfähigkeit“ geführt – eine Situation, in der anhaltender Druck das Verhalten Teherans nicht mehr verändert, sondern die Kosten für Amerika selbst exponentiell erhöht.
In der Anfangsphase der eskalierenden Konfrontation herrschte in Washington die Annahme vor, dass eine Kombination aus Militärschlägen, maritimem Druck, Zerstörung von Infrastruktur und psychologischer Kriegsführung Irans Entscheidungsfindungssystem stören könnte. Doch selbst einige neuere Einschätzungen des US-Geheimdienstes räumen mittlerweile ein, dass Iran die Fähigkeit besitzt, anhaltendem Druck über einen längeren Zeitraum standzuhalten. Wenn in geheimen Analysen von Irans Fähigkeit die Rede ist, monatelangen maritimen Druck und Blockaden zu überstehen, bedeutet dies faktisch, dass Amerikas wichtigstes Druckmittel nicht die ursprünglich erwarteten schnellen strategischen Ergebnisse erzielt hat. Dieses Problem reicht weit über das militärische Schlachtfeld hinaus. Eine der wichtigsten Dimensionen von Irans Widerstandsfähigkeit liegt in seiner Fähigkeit, die Kosten des Konflikts auf die Weltwirtschaft abzuwälzen. Zunehmende Unsicherheit entlang von Energierouten, vereinzelte Angriffe auf strategische Wasserstraßen und Störungen der maritimen Sicherheit haben die globalen Energiemärkte unmittelbar beeinträchtigt. Der sprunghafte Anstieg der Ölpreise über psychologisch kritische Schwellenwerte hinaus ist nicht nur ein wirtschaftlicher Indikator, sondern auch eine geopolitische Botschaft. Der Iran hat gezeigt, dass die Kosten eines Krieges, sollte er gezwungen sein, zu tragen, nicht auf seine Grenzen beschränkt bleiben. Stattdessen wird ein Teil der Last auf die Weltwirtschaft, die internationalen Energiemärkte und sogar die innenpolitische Lage in den Vereinigten Staaten von Amerika abgewälzt. Genau hier gerät die amerikanische Strategie ins Wanken. Washington hat sich in einen Konflikt verwickelt, der mit zunehmender Dauer immer kostspieliger wird – von Inflationsdruck und innenpolitischen Spaltungen bis hin zur Erschöpfung der Militärbestände und wachsender Kritik an den unklaren Kriegszielen. Was ursprünglich als Operation zur schnellen Eindämmung des Irans gedacht war, hat sich zunehmend zu einer Bühne entwickelt, auf der die Grenzen der amerikanischen Macht offengelegt werden.
Im Iran selbst hat der Krieg unterdessen nicht den von vielen westlichen Kreisen erwarteten sozialen Zusammenbruch hervorgerufen. Neuere westliche Analysen räumen offen ein, dass die Kriegsatmosphäre dem iranischen Staat sogar geholfen hat, die Sicherheitskontrolle über den öffentlichen Raum wiederherzustellen. Das politische System stützte sich auf loyalistische Netzwerke, Sicherheitsorganisationen und den Zusammenhalt des Regime-Kerns, um die soziale Kontrolle zu festigen. Anders ausgedrückt: Anstatt die politische Struktur zu schwächen, bot der Konflikt ihr die Möglichkeit, ihre Sicherheitsordnung neu zu definieren und wiederaufzubauen. Dieser Punkt ist für die Vereinigten Staaten strategisch bedeutsam, da ein Großteil der anfänglichen Berechnungen auf der Annahme beruhte, dass externer Druck interne Spaltungen vertiefen und die Unzufriedenheit der Bevölkerung in eine politische Krise verwandeln könnte. Doch selbst einige westliche Medien geben inzwischen zu, dass das Kriegsumfeld die Sichtbarkeit und Aktivität von Oppositionsgruppen verringert und gleichzeitig eine stärkere Sicherheitslage im urbanen Raum wiederhergestellt hat. Damit wurde auch eines der zentralen indirekten Ziele des maximalen Drucks nicht erreicht.
Gleichzeitig hat die iranische Machtstruktur nicht die von westlichen Strategen erwartete Lähmung erlitten. Jüngste Geheimdiensterkenntnisse legen nahe, dass Irans politisches System selbst unter Kriegsbedingungen eine Form kontrollierter Machtverteilung etabliert hat – ein Modell, in dem Entscheidungsprozesse institutionenübergreifend koordiniert werden und so ein vollständiger Zusammenbruch der Kommandostrukturen verhindert wird. Genau dies unterscheidet Irans strukturelle Widerstandsfähigkeit von vielen anderen regionalen Akteuren. In zahlreichen Staaten kann starker militärischer Druck zum Zusammenbruch der Befehlskette führen. Im Iran hingegen scheint das System darauf ausgelegt zu sein, die operative Kontinuität selbst unter Krisenbedingungen zu gewährleisten.
Auch im militärischen Bereich erkennt der Westen zunehmend an, dass die vollständige Zerstörung von Irans Abschreckungskapazitäten nahezu unmöglich ist. Das Fortbestehen bedeutender Teile der iranischen Raketeninfrastruktur und Startkapazitäten sendet eine klare Botschaft: Selbst großangelegte Angriffe können Irans Vergeltungsfähigkeit nicht vollständig ausschalten. Daher haben viele neuere westliche Analysen frühere Ambitionen auf Zusammenbruch oder Regimewechsel durch das eingeschränktere Konzept der „Eindämmung“ ersetzt. Dieser Sprachwechsel ist in Wirklichkeit ein indirektes Eingeständnis, dass die ursprünglichen strategischen Ziele gescheitert sind.
Der vielleicht wichtigste Faktor, der die Lage verkompliziert, ist jedoch die internationale Dimension des Konflikts. Die Konfrontation mit dem Iran ist längst kein rein bilateraler Kampf mehr. Die wachsende Unterstützung Russlands und das Entstehen eines breiteren antiwestlichen Bündnisses um Teheran deuten darauf hin, dass dieser Konflikt zunehmend Teil eines größeren globalen Machtwettbewerbs wird. Technologietransfers, geheimdienstliche Zusammenarbeit und logistische Unterstützung geben dem Iran die Mittel, einen langwierigen Abnutzungskrieg zu führen. Dies stellt die Vereinigten Staaten vor eine große Herausforderung, da Washington es nicht mehr nur mit dem Iran zu tun hat, sondern mit einem Netzwerk von Akteuren, die die Schwächung des amerikanischen Einflusses zunehmend als im Einklang mit ihren eigenen strategischen Interessen stehend betrachten.
Unter diesen Umständen erscheinen fortgesetzte Versuche, den Widerstand des Irans zu brechen, weniger wie eine realistische Strategie, sondern eher wie eine schleichende Aushöhlung der amerikanischen Macht selbst. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass der Iran nicht mit Formeln gesteuert werden kann, die für fragile Staaten entwickelt wurden. Wirtschaftlicher Druck allein führte nicht zum Zusammenbruch des politischen Systems. Militärische Drohungen führten nicht zur Kapitulation. Selbst der Krieg konnte den Zusammenhalt des Staates nicht zerstören. Im Gegenteil, jede Phase des externen Drucks scheint neue Anpassungs- und Wiederaufbaumechanismen im Iran aktiviert zu haben.
Dies wirft die zentrale Frage auf: Wenn ein Zusammenbruch des Irans nicht möglich ist, was ist dann die logische Alternative?
Eine zunehmend ernstzunehmende Antwort zeichnet sich selbst in westlichen Kreisen ab: die Widerstandsfähigkeit des Irans anzuerkennen und auf ein faires Abkommen hinzuarbeiten. Die Vereinigten Staaten von Amerika müssen erkennen, dass es im Umgang mit dem Iran nicht um dessen Eliminierung oder Zusammenbruch geht, sondern um den Umgang mit einer etablierten Regionalmacht. Je länger Washington diese Realität ignoriert, desto höher werden die Kosten sein – wirtschaftlich, strategisch und geopolitisch.
Eine Verhandlungslösung mit dem Iran sollte nicht als Zeichen amerikanischer Schwäche gewertet werden. Sie wäre vielmehr ein Eingeständnis der Grenzen der Macht in einer Welt, die nicht mehr von den unipolaren Annahmen vergangener Jahrzehnte geprägt ist. Der Iran hat bewiesen, dass er Druck aushalten, Kosten verursachen und Zeit gewinnen kann. Unter diesen Umständen verschärft ein Abnützungskrieg die Krise nur.
Letztlich ist die vielleicht wichtigste Lehre für die Vereinigten Staaten von Amerika aus dieser Konfrontation, dass sich nicht jede Macht mit einer Strategie des „Drucks bis zur Kapitulation“ beherrschen lässt. Manche Staaten – insbesondere solche mit geopolitischer Tiefe, kohärenten Sicherheitsstrukturen und asymmetrischen Kriegsfähigkeiten – sind nicht zu brechen; sie können nur durch Kompromisse eingebunden werden. Der Iran befindet sich heute genau in einer solchen Lage: ein Land, das zwar nicht am Rande des Zusammenbruchs steht, den Westen aber zunehmend zwingt, zu erkennen, dass der Ausweg aus der Krise nicht in Fantasien über einen Sieg über den Iran liegt, sondern in der Akzeptanz der Realität und dem Streben nach einem ausgewogenen und tragfähigen Abkommen.
erschienen am 15. Mai 2026 auf > Antiwar.com > Artikel
Greg Pence ist Absolvent der Internationalen Studien an der Universität von San Francisco, seine Artikel wurden auf Websites wie Middle East Monitor veröffentlicht.


Schaut man sich die Fakten an, so kann man sich des Verdachts nicht entziehen, dass der Irankrieg nicht nur zum grössten militärischen Fiasko in der kurzen Geschichte der USA wird, sondern die USA vom Thron des Hegemonen stossen wird. – Ein Gedankenspiel mit Fakten.
Peter Hänseler (forumgeopolitica)
Bereits in meinem letzten Artikel («Irankrieg: Frieden mit den USA ist eine Farce, eine Fata Morgana» habe ich zum Ausdruck gebracht, dass das wohl nichts bringen wird – leider. Die Israelis morden weiter, sowohl in Gaza als auch im Libanon und brechen damit eine der vom Iran gestellten Bedingungen für einen Frieden. Trump verkündet eine Seeblockade – ein weiteres Kriegsverbrechen, das den Namen «Piraterie» trägt. Wir müssen davon ausgehen, dass diese Teilpause bald zu Ende sein wird und können somit bereits jetzt Gedanken des Untergangs spielen lassen. Auch der soeben ausgerufene Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon ist eine Farce, so wie die Öffnung der Strasse von Hormuz, die am Samstag bereits wieder geschlossen wurde.
Den Titel des vorliegenden Artikels habe ich an Frank Capra angelehnt, welcher das US-Propaganda-Epos «Why we fight» von 1942-1945 produzierte.

Die USA gewannen den 2. Weltkrieg mit viel Propaganda und im Vergleich homöopathischen Portionen von Blut: Die Russen investierten das Blut, die Amerikaner schneiderten ein Selbstbild, das jenem Teil der Welt, den wir heute Kollektiven Westen nennen, mit mit großem Aufwand injiziert wurde. Die Zutaten für das grossartige Image-Menü waren militärische Unbesiegbarkeit, Reichtum, Anstand und Garant für Freiheit und Demokratie. Den Zweiten Weltkrieg gewannen die Amerikaner somit vor allem durch Propaganda und schafften es, dieses Bild bis vor kurzem am Leben zu erhalten, obwohl ein auch nur kursorischer Blick auf die Fakten seit 1945 ein komplett anderes Bild zeigt. Heute wird der Weltöffentlichkeit offenbar, dass alle Ingredienzen, welche die Basis der Weltherrschaft bildeten, heute keine Entsprechung in der Realität mehr finden.
In diesem Artikel zeigen wir das auf, was in den USA von sehr wenigen gesehen werden möchte: Fakten, die dazu führen könnten, dass die Vereinigten Staaten all das verlieren, an das sie selbst gerne glauben und das ihnen die Selbstsicherheit gibt, die Grössten zu sein.
Die Informationslage wird immer schwieriger. War es früher den Geheimdiensten vorbehalten, brandschwarz zu lügen, scheint diese Strategie nun von vielen Politikern übernommen worden zu sein. Jede Meldung kann wahr sein oder auch nicht. Wir wägen alle Informationen sorgfältig ab. Dennoch ist es möglich, dass Fehler passieren.
Bereits im letzten Juni verfasste ich einen Artikel («Diplomatie auf dem Totenbett – vom Friedenspräsidenten zum Kriegstreiber»), der sich mit der Glaubwürdigkeit der USA beschäftigte. Dabei ging es ums Renommee der USA als internationaler Gesprächspartner auf diplomatischer Ebene. Zu diesem Zeitpunkt war das Vertrauen der Amerikaner in ihre Regierung noch vergleichsweise hoch. Die Stimmung ist jedoch inzwischen auch innerhalb der Vereinigten Staaten am Kippen.
Ich lese viel und blättere durch X und Telegram, nicht nur um Fakten zu finden, sondern auch um die Stimmung einzufangen. Es ist auffallend, dass seit dem Kriegsbeginn am 28. Februar in den Vereinigten Staaten Ereignisse und Geschichten thematisiert und hinterfragt werden, die von der amerikanischen Regierung als Fakten verkauft wurden und werden. Allerdings sind diese Fakten mit Löchern durchsetzt wie ein Schweizer Käse. Einige Beispiele: Dass JFK nicht von Oswald als lonely wolf ermordet wurde, erkennt man bereits nach kurzem Forschen. Die Berichte verdichten sich, dass Israel seine Finger im Spiel hatte. Kennedy habe die israelische Atombombe verhindern wollen. Dieses Unterfangen sei von den Israelis durch seine Ermordung, selbstverständlich im harmonischen Zusammenspiel mit der CIA, verhindert worden. Weiter feiern die Amerikaner gegenwärtig die Mondumrundung als wenn dies knapp 60 Jahre nach der Mondlandung eine grosse Leistung wäre. Das ist es nur dann, falls man gar nie auf dem Mond war. Die Theorien – nicht «Verschwörungstheorien» – über die erwähnten Vorkommnisse tönen oft einleuchtender als die offiziellen Versionen. Ich habe bezüglich dieser Theorien persönliche Meinungen, die jedoch nicht wichtig ist, da ich nicht 100% sicher bin. Fakt ist, dass grossen Narrativen der USA immer weniger Glauben geschenkt werden, auch in den USA. Man traut der eigenen Regierung nicht mehr.
Als der Anschlag vom 7. Oktober 2023 durch die Medien geschleust wurde, waren wir äusserst skeptisch. Dieser Anschlag fügte sich passgenau in die Wünsche Israels. Ein Geschenk des Himmels als Rechtfertigung für den Beginn eines industriellen Genozids, der seither für alle gut sichtbar abläuft. Blutbäder als Rechtfertigung für noch grössere Blutbäder. Wir entschieden uns, abzuwarten und verfassten einen Dreiteiler über Blutbäder (Teil 1, Teil 2, Teil 3). Darin hinterfragten wir das offizielle Narrativ von Hiroshima und Nagasaki, betrachteten die Gesellschaft vor und nach 9/11, die Strategie der USA («Rebuilding Americas’ Defenses»), die offen einen «Pearl-Harbor-Moment» herbeisehnte; um die amerikanische Bevölkerung zum Krieg bewegen zu können. Schliesslich stellten wir 9/11 in Frage, bzw. die offizielle Version dieses Blutbades, das so, wie von der amerikanischen Regierung erzählt, auf keinen Fall so ablaufen konnte.
Die Entwicklung des internationalen sowie des innerstaatlichen Misstrauens ist eine natürliche: Wenn der Punkt erreicht ist, dass man einer Seite einfach nicht mehr traut, so gräbt man alte Geschichten aus und überprüft diese – das ist menschlich; so laufen viele Ehescheidungen ab. Wir werden noch über viel Handfesteres zu sprechen haben, wie es scheint. Das Hinterfragen ist von der amerikanischen Regierung und deren Medien nicht mehr aufzuhalten, dem Internet sei Dank. Die gegenwärtig von Regierungen und Tech-Konzernen unternommenen enormen Bemühungen zur Regulierung desselben darf man durchaus auch in diesem Zusammenhang sehr, sehr kritisch betrachten.
Trump hat in den letzten Wochen bewiesen, dass sich sein Niveau dort bewegt, wo sich Menschen normalerweise nicht mehr bereit erklären, eine Kommunikation aufrechtzuerhalten. Aber er ist der Präsident der Vereinigten Staaten und solange niemand die Notbremse zieht und diesen Mann aus dem Verkehr, solange muss die Welt mit ihm leben und kommunizieren.
Viele Analysten behaupten, dass Trump der Befehlsempfänger Netanyahus bzw. der Zionisten sei. Dass Vance offensichtlich nach den gescheiterten Verhandlungen in Islamabad an Netanyahu rapportierte, gibt dieser These kräftigen Aufwind. Weiterer Aufwind für diese These sind Aussagen von Netanyahu, er sei es, der entscheide, wann der Krieg mit dem Iran vorüber ist und wann nicht.
Schaut man sich jedoch die Langzeitstrategie der USA an, so fallen zwei wichtige Elemente auf: Vor einem Vierteljahrhundert war es das Ziel der USA, in fünf Jahren sieben Länder anzugreifen und das letzte Land auf der Liste war der Iran. Das war der deep state-Plan der Neocons. Weiter ist interessant, dass der Iran eines der wichtigsten strategischen Länder für China und Russland ist; nicht nur der Rohstoffe wegen, sondern auch auf Grund der strategischen Lage dieses Riesenlandes und der das Land kreuzenden strategischen Transportwege: Einerseits der geplante Nord-Süd-Korridor, der Russland mit Indien unter Umgehung des Suez-Kanals verbinden wird.

Auf der anderen Seite die von China finanzierte und fertiggestellte Ost-West-Eisenbahnverbindung von China zu den iranischen Häfen und weiter in Richtung Nahost und Europa. Genau diese Eisenbahnlinie griffen die Israelis gemeinsam mit den Amerikanern im Süden des Iran an, als sie sich daran machten, Brücken und andere Infrastruktur zu zerstören.
Die Amerikaner denken immer im Schema des Hegemonen, sprechen zwar von Multipolarität, meinen jedoch nur eine Variante unter amerikanischer Führung, da sie selber an der von ihnen geschaffenen Hegemonie festhalten wollen, was dem Sinn der Multipolarität in seinem Kern widerspricht. Aus der Sicht des Hegemonen ist der grösste Gegner der vermeintlich nächste Hegemon, China und nicht etwa BRICS als multipolare Organisation. Und genau so gehen die USA auch vor. Der Iran ist für die Amerikaner nur eine Zwischenstation, wenn auch eine sehr wichtige. Ein Land, das die Amerikaner vereinnahmen wollen, wie schon Afghanistan, Irak, Syrien, Lybien, Libanon, Somalia und Sudan. Falls sie das betreffende Land nicht kontrollieren und ausbeuten können, so zerstören sie es und wenden sich dem nächsten Kandidaten zu. Diese Strategie endet immer zwingend und ausschliesslich in der Zerstörung der betroffenen Länder. Die USA haben es nie geschafft, aus einem Zielland eine einträgliche Kolonie zu formen. . Das – also die Unfähigkeit, «echte» Kolonien zu schaffen – ist den Amerikanern aber offensichtlich einerlei, denn sonst hätten sie ihre Strategie geändert, was sie seit 1945 nie getan haben.
Einer der gescheitesten geopolitischen Analysten, Brian Berletic, der in Thailand lebt, weist immer wieder darauf hin, dass China das Hauptziel der USA sei. Im Zusammenhang mit dem Vorgehen der USA gegenüber Venezuela und dem Iran zeigt er überzeugend auf, dass es beim Iran-Konflikt vor allem um China geht, konkret China von seinen Energielieferanten abzuschneiden.

Die USA schnitten China vom Energiestrang Venezuelas ab und jetzt von der Golfregion; nächste Station: Malakka. Dessen sind sich die Chinesen und auch die Russen bewusst. Anlässlich seines jüngsten Besuches in Peking sagte der russische Aussenminister Lawrow Präsident Xi folgendes:
Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber gehe davon aus, dass Russland die beiden Energiedefizite, die sich aus Venezuela und Hormuz ergeben, problemlos wird abdecken können – möglicherweise auch auf Kosten von Europa, das trotz Blick in den Abgrund eine erfrischende Selbstsicherheit zu Markte trägt. Frau von der Leyen verkauft ihr Sparprogramm – für Untertanen, nicht für die Elite – indem sie vorträgt, die billigste Energie sei jene, die nicht verbraucht würde.
Berletics überzeugende Argumente weichen die Theorie der kompletten Abhängigkeit der USA von Israel auf. Er geht davon aus – und belegt das immer wieder anhand von Zahlen und teils jahrzehntealten amerikanischen Strategie-Dokumenten – dass die USA Israel steuern. Ich habe bereits früher argumentiert, dass die Interdependenzen USA-Israel gar nicht so wichtig sind, da diese beiden Mächte – wo immer ihr Endziel liegen mag – gegenwärtig am gleichen Strang ziehen und voneinander abhängig sind. Israel ist von den USA betreffend Geld, Waffen und Logistik abhängig, die Amerikaner durch finanzielle Verstrickungen untereinander. Mit hoher Wahrscheinlichkeit «befördern» die Israelis die amerikanischen «Bindungen» an das zionistische Projekt durch massive Erpressung und machen somit Entscheidungsträger «führbar».
Um die Frage beantworten zu können, wessen Interessen die USA tatsächlich verfolgen, muss man zwischen den Interessen der USA und Trumps wohlweislich unterscheiden. Trump ist ein kompletter Narziss und Psychopath. Er schert sich keinen Deut um andere; sein Agieren weist darauf hin, dass ihn selbst das Schicksal der USA nicht interessiert: Er denkt nur an sich selbst, was in den letzten Tagen Blüten trieb, die einem den Atem rauben, oder besser: abschnüren.

Trump scheint auch seines Intellekts inzwischen komplett verlustig gegangen zu sein. Beispiel: Nachdem er durch den Genozid an den Palästinensern und den Überfall auf den Iran bereits die Muslime (31,5% der Weltbevölkerung) gegen sich aufgebracht hatte, schaffte er es innert 24 Stunden mit seinen Papstaussagen weitere 31,5% der Weltbevölkerung gegen sich aufzubringen. Selbst europäische Speichellecker beginnen Mühe zu bekunden.
Sieht man von der irren Kommunikation der amerikanischen Regierung ab und konzentriert sich auf das, was sich abspielt, so kann man sehr wohl argumentieren, dass die USA ihren strategischen Interessen folgen und der Westentaschenhitler in Tel Aviv schlussendlich auch nur ein Instrument des deep states ist.
Wenn es um den Iran geht, ziehen die USA und Israel am gleichen Strick, wenn auch nicht genau in die gleiche Richtung. Die USA wollen die Chinesen vom Golf-Öl abschneiden. Die Israelis setzen wie Hitler und seine Kumpane jedes Mittel ein – sehr gerne Genozid als einer der Hauptingredienzien – um ihre Expansionswünsche zu realisieren. Ihnen geht es um die Unterwerfung Westasiens. Iran ist der Stein im Weg zu diesem Ziel, denn solange der Iran in einer gut organisierten und bewaffneten Form als Nation besteht, ist der Traum von Grossisrael für Netanyahu nicht umzusetzen. Das weiss er seit 40 Jahren und arbeitet daran. Der Iran macht Israel und den USA dann einen Strich durch die Rechnung, falls er überlebt, was er bereits getan hat. Obwohl die Schäden an Menschen und Infrastruktur bitter sind, hat Professor Marandi in verschiedenen Interviews bemerkt, dass man die Schäden in Teheran kennen müsse, um diese zu sehen, was nicht heissen soll, dass der Iran durch diesen Krieg nicht leide.
Im Gegensatz zu den USA riskieren die Israelis bei diesem Unterfangen ihre eigene Existenz. Es scheint jedoch, dass sich die Israelis in ihrer Überheblichkeit noch nicht mit dem diesem Risiko befasst haben, obwohl die Schäden vermutlich horrend sind. In Israel herrscht komplette Zensur bezüglich Schäden – es drohen fünf Jahre Gefängnis für negative Publikationen. Wie viele Israelis das Land seit Kriegsbeginn verlassen haben, ist schwer abzuschätzen, denn auch hier werden die Zahlen von Israel getürkt, um keine Panik aufkommen zu lassen. Auf jeden Fall dürften dies Hundertausende sein, die sich etwa nach Griechenland und Zypern absetzen, sehr zur Freude der dortigen Bewohner, denen wohl bereits böses schwant.
Es ist militärische Logik, dass das kleine Israel im Falle weiterer Angriffe durch den Iran tatsächlich Gefahr läuft, komplett zerstört zu werden. Die Überlebenschancen Israels stehen auf jeden Fall in keinem gesunden Verhältnis zu jenen des Iran.
Der Angriff der USA auf den Iran ist auch ein klarer Angriff auf die geopolitischen Interessen Chinas und die Chinesen haben sich seit Langem vorbereitet. Zum einen haben sie ihre Energielogistik im großen Stil diversifiziert. Viele Pipelines und Schiffsrouten führen nach China. Es darf somit bezweifelt werden, dass die USA tatsächlich in der Lage sind, China energetisch zu strangulieren. Die Nachrichten dieser Tage aus Peking sollten den USA die Realitäten vor Augen führen: Russland ist in der Lage, die Energielücke der Chinesen zu füllen. Diese Aussage kommt von Herrn Lawrow und nicht von Herrn Trump oder einem Herrn Bessent – das macht bezüglich Glaubwürdigkeit einen grossen Unterschied.
Für die Chinesen und die Russen ist der Iran als Verbündeter und Mitglied von BRICS und der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) essentiell und die Langzeitstrategen in Peking werden den Iran voll unterstützen – im Notfall wohl auch militärisch, was die Welt jedoch in den 3. Weltkrieg führen würde. Ich gehe daher davon aus, dass die Chinesen die Iraner nicht nur mit Logistik, sondern auch mit Waffen unterstützen. Der Umstand, dass China in seiner Kommunikation zurückhaltend ist, ist kein Hinweis dafür, dass es nicht geschieht.
Ein Machtwechsel in Teheran im Sinne der USA wäre nicht nur für China, sondern auch für Russland eine Katastrophe gewesen. BRICS wäre erheblich beschädigt, der Nord-Süd- und der Ost-West-Korridor Geschichte und das Renommee von Russland als Schutzmacht schwer angeschlagen.
Da der Plan der USA nicht aufgeht, zieht Russland – unbeabsichtigt – viele Vorteile aus diesem Konflikt:
Erstens, die Welt schaut auf den illegalen Angriff auf den Iran und fragt sich, was den Russen hinsichtlich der Militäroperation in der Ukraine tatsächlich vorgeworfen werden kann. Der Krieg in der Ukraine geht weiter und die Russen machen Fortschritte, langsam, aber stetig, wie dies seit Kriegsanfang geht. Im letzten Gefallenenaustausch lag das Verhältnis bei 1:25, was in etwa der Verlustverteilung entspricht. Das ist keine Überraschung. Den unter Zwang in die Armee gepressten Ukrainern stehen gutbezahlte und motivierte Russen entgegen.
Zweitens, der Ölpreis der russischen Sorte Ural, stieg seit Kriegsbeginn auf über USD 120.-pro Barrel. Auch ein Hinweis dafür, dass die «offiziellen» Ölpreise falsch sind.
Dies wird auch vom Saudischen Finanzminister bestätigt. Er sagte: Sie sehen USD 90.- auf dem Bildschirm, viel Glück zu diesem Preis tatsächlich Öl zu kaufen; der tatsächliche Preis liegt zwischen USD 120.- und 160.- pro Barrel.
Bezüglich Russland wird der – bis jetzt – verdoppelte Ölpreis einen grossen Einfluss auf das Budget Russlands haben. Gemäss Centre for Resarch on Energy and Clean Air exportierte Russland im März 7,1 Millionen Barrel Öl – das spülte USD 426 Millionen zusätzlich in die Kassen Russlands. Das ist ein grosser Vorteil für Russland und ich gehe davon aus, dass der Ölpreis weiter steigen wird.
Dazu kommt, dass das US-Finanzministerium gerade eine neue Lizenz erteilt hat, die weitere Transaktionen für russische Öllieferungen erlaubt – trotz früherer Versprechen, diese Tür zu schließen.
Drittens, die Amerikaner lassen die bellizistischen Europäer, die sich auf einen Krieg mit Russland einstellen, im Stich. Die Existenz der NATO hängt an einem seidenen Faden und ohne die USA stellt die NATO bzw. Europa eine bedeutend geringere Gefahr für Russland dar.
Unbemerkt von den meisten Beobachtern publizierte das russische Verteidigungsministerium am 15. April eine Meldung, in der Drohnenproduktionsstätten der Ukraine in Europa mit Angabe der Adressen als mögliche Ziele Russlands definiert werden. Hier ein Ausschnitt aus der Meldung:
Wir halten diese Entscheidung für einen bewussten Schritt, der zu einer drastischen Eskalation der militärischen und politischen Lage auf dem gesamten europäischen Kontinent führt und diese Länder schleichend in ein strategisches Hinterland der Ukraine verwandelt.
Die Umsetzung der vom Kiewer Regime behaupteten Szenarien von Terroranschlägen gegen Russland durch die angeblichen ukrainischen Drohnen führt zu unvorhersehbaren Folgen.
Anstatt die Sicherheit der europäischen Staaten zu stärken, werden diese durch das Vorgehen der europäischen Staats- und Regierungschefs zunehmend in den Krieg mit Russland hineingezogen.
Die europäische Öffentlichkeit sollte nicht nur die Gründe für die Bedrohung ihrer Sicherheit genau kennen, sondern auch die Adressen und Standorte der „ukrainischen“ und „gemeinsamen“ Unternehmen, die in ihren Ländern Drohnen und deren Komponenten für die Ukraine herstellen.»
[Adressliste]
Russland hat sich bis jetzt mit Angriffen gegen ukrainische Ziele ausserhalb der Ukraine zurückgehalten, was in Russland grosse Diskussionen hervorrief. Viele Stimmen – auch in Talkshows im russischen Fernsehen – fordern eine härtere Gangart gegenüber Europa. Die Regierung hat sich bis dato jedoch grosse Zurückhaltung auferlegt. Dies wurde – unter anderem von Gilbert Doctorow als Schwäche ausgelegt. Er verstieg sich sogar zu Aussagen, dass Putin aufgrund seiner Schwächen in Russland gehasst werde und ausgewechselt werden müsse. Im Gegensatz zu Präsident Putin überlegte sich Doctorow nicht, was die Konsequenzen einer solchen Eskalation wären. Die legalistischen Russen scheinen jetzt eine Kursänderung vorgenommen zu haben: Sie stellen nun ganz offiziell einen Zusammenhang der fortdauernden Drohnenangriffe der Ukraine mit den für die Ukraine produzierten Drohnen in Europa her. Der Zeitpunkt überrascht nicht. Was könnten die Europäer tun, falls diese Produktionsstätten in Europa angegriffen würden? – Nicht viel, eine Steigerung der Russophobie in Europa ist nicht mehr möglich, da haben Merz, von der Leyen und Kallas tatsächlich ganze Arbeit abgeliefert. Da bleibt wohl nur noch heulen, denn ich schliesse aus, dass die Amerikaner den Europäern zu Hilfe eilen würden.
Geopolitisch und auch wirtschaftlich wird Russland somit kurz- und mittelfristig wohl nicht geschwächt, sondern gestärkt.
Der zu zahlende Preis für den Iran wird hoch sein, aber für den Iran ist dies nicht einfach ein Krieg in einer langen Reihe von Kriegen wie für Israel und die USA. Es ist der existentielle Kampf ums Überleben. Das bringt den Iranern einen beachtlichen Motivationsvorteil: Sie kämpfen ums Überleben der Nation, des Landes, einer jahrtausendealten Kultur und Zivilisation. Die Israelis und die Amerikaner hingegen führen einen illegalen Expansionskrieg unter Begehung schwerster Kriegsverbrechen. Das hat einen grossen Einfluss auf die Motivation der betroffenen Soldaten und Bevölkerungen – auf beiden Seiten. Der Iran, Russland und China werden in diesem Konflikt zudem vom Wissen getragen, auf der rechten Seite der Geschichte zu stehen, was von ihren Bevölkerungen mitgetragen wird.
Trump sucht händeringend nach einem Ausweg aus diesem Fiasko, denn vielen Amerikanern wird immer bewusster, dass dieser Krieg nicht in ihrem Interesse, nicht im Interesse der amerikanischen Bevölkerung geführt wird.
Die Hegemonenstellung erreichten die USA 1945: Bretton Woods, 70% der weltweiten Industrieproduktion, 22’000 Tonnen Gold, Kriegsgewinner, gutes Image.
Der wichtigste Faktor ist die Wirtschaftskraft, welche seit dem 2. Weltkrieg in USD-GDP gemessen wurde; eine unglückliche Berechnung, da Verschwendung durch Staaten und Kauf von Waffen darin enthalten sind.
«Wie kann man Hegemon sein, wenn man nicht die Nummer 1 ist?»
Berechnet man das GDP (BIP) kaufkraftbereinigt, d.h. die lokale Kaufkraft der einzelnen Länder berücksichtigend, so haben die USA bereits verloren.

China vor den USA, Russland vor Japan und Deutschland – das sind Zahlen, die man im Westen nicht gerne liest und überheblich in Abrede stellt.
Wie kann man Hegemon sein, wenn man nicht die Nummer 1 ist?
Dazu kommt, dass sich die Militärtechnik und -taktik in einem Maße dermassen geändert haben, dass bislang als selbstverständlich geltende Kräfteverhältnisse durch die Realitäten überholt wurden. Die Amerikaner scheinen militärisch weder gegen die Huthis noch gegen den Iran eine Chance zu haben, da ihre Strategie und Waffenplattformen (z.B. Flugzeugträger) auf längst veralteten Taktiken aus Zeiten des zweiten Weltkriegs beruhen. Man sollte sich keinen Illusionen hingeben, aber die gesamte NATO führte durch die Ukraine als Stellvertreter mit westlichen Waffen über vier Jahre Krieg gegen Russland – und verlor.
Die 22‘000 Tonnen Gold anno 1945 schmolzen offiziell auf etwas über 8‘100 Tonnen zusammen und ob dieser amerikanische Goldschatz tatsächlich noch vorhanden ist und / oder ob er verpfändet oder verleast ist, weiss niemand. Kurz nach seiner Wahl wollte Trump den Goldschatz verifizieren – es blieb bei der Ankündigung.
Schliesslich kommen wir zum grossartigen Image, das sich die USA während des Zweiten Weltkriegs zusammengezimmert hatten: Wieviel davon übrigblieb, haben wir im ersten Teil dieses Artikels erlesen können.
Somit leben die USA auch hier in ihrer vom Leben überholten Vergangenheit und versuchen für alle Welt sichtbar und vergeblich, einen längst abhanden gekommenen Schein aufrecht zu halten.
Mit dem Kriegsbeginn übernahmen die Iraner die Kontrolle über die Strasse von Hormuz. Sie liessen nur noch Schiffe freundlicher Nationen durch, welche die Ladung in Yuan bezahlt haben mussten, plus eine Mautgebühr von USD 2 Millionen, ebenfalls in Yuan zu entrichten.
Das gefiel den USA gar nicht und vor ein paar Tagen rief Trump die Blockade dieses enorm wichtigen Seeweges durch die USA aus.
Das war eine grosse Ansage, doch mangelte es den Amerikanern bereits zu Beginn an Selbstvertrauen: Anstatt das Rote Meer und Bab el-Mandeb zu durchqueren, umfahren die USS George H.W. Bush und ihre Begleitschiffe – darunter die USS Donald Cook, die USS Mason und die USS Ross – das Kap der Guten Hoffnung. Selbstvertrauen, die Strasse von Hormuz zu kontrollieren, sieht anders aus.
Wer durch die Strasse von Hormuz fährt oder nicht, ist unklar, da die Amerikaner behaupten, dass sie sich durchsetzen und die Iraner verkünden, dass sie die Strasse nach wie vor kontrollieren. Die am Freitag, 17. April verkündete Öffnung und die am Tag danach verkündete Schliessung fördert keine Klarheit, sondern ist ein Hinweis darauf, dass die Amerikaner ihre Finanzmärkte übers Wochenende retten wollten und dies auch taten.
Der Beginn der amerikanischen Aktion war auf jeden Fall ein Desaster. Einem exklusiven Bericht von PressTV zufolge haben die USS Michael Murphy und die USS Frank E. Peterson am Samstag versucht, die strategische Wasserstraße zu passieren. Die Aktion, die zeitlich mit den heiklen Gesprächen zwischen dem Iran und den USA in Islamabad zusammenfiel, wurde als Propagandamaßnahme zur Demonstration von Stärke beschrieben.
Über den internationalen Funk erhielten die Zerstörer ein klares 30-minütiges Ultimatum: Umkehren oder mit einem Angriff rechnen. Trotz kurzen Widerstands, insbesondere von der USS Frank E. Peterson, zog sich die Flotte nach der letzten Warnung sofort zurück. Unterstützungshubschrauber kreisten über der Flotte, während die zivilen Schiffe in der Nähe angewiesen wurden, 10 Meilen Abstand zu den amerikanischen Kriegsschiffen zu halten.
Wir werden wohl bald herausfinden, ob sich dieses amerikanische Abenteuer lohnen wird – ich bezweifle es, denn die Chinesen haben erklärt, dass die Strasse von Hormuz für China offen sei. Ich bezweifle, dass die Amerikaner den Mut haben werden, ein chinesisches oder russisches Schiff zu entern oder auch nur zu belästigen.
Anfänglich behauptet Trump, dass Hormuz unwichtig sei für die USA. Das ist nachweislich falsch, da die USA zwar netto Exporteur ist, aber ca. 40% seines Öls importiert.
Jetzt kommen die Stimmen, dass diese Importe alle aus Kanada und Mexico stammen, was ebenfalls nur die halbe Wahrheit ist. Gemäss U.S. Energie-Informations-Verwaltung (EIA) importierten die USA im Januar 2026 25 Millionen Barrel Rohöl und weitere Produkte allein aus dem Persischen Golf.

Netto-Exporteur heisst somit für sich allein nicht viel, denn es gibt weit über hundert verschiedene Sorten Öl. Das ist wie mit Wein; niemand bestellt Wein im Restaurant, sondern eine bestimmte Sorte und Marke.
Somit veranstaltet Trump auch bezüglich dieses Themas eine Märchenstunde, die spätestens in dem Moment aufflog, als er forderte den «f…cking straight» zu öffnen.
Es geht bei Hormuz jedoch um weit mehr als um Öl und Gas, dessen Verknappung zu einer horrenden Inflation führen wird. Dass die Finanzmärkte dies noch nicht gemerkt haben, ist ein Zeichen von Dummheit und Hybris und keine Zeichen einer Entspannung. Viel dramatischer ist der Umstand, dass der Welt der Dünger ausgeht, was tatsächlich zu Hungersnöten führen wird.
Kirill Dmitriev drückt es in Zahlen aus und foppt Frau von der Leyen im gleichen Tweet:
Nach Ursulas Logik könnte man sagen: „Die billigsten Lebensmittel sind die, die man nicht isst.“
Macht die EU wieder schlank.“
Die Stimmung kippt unübersehbar, trotz aller eingesetzten Propagandamittel, trotz des enormen materiellen und politischen Drucks auf Medien und Politiker. Im Folgenden ein paar Beispiele für die Stimmung gegenüber Israel und den USA, die noch vor wenigen Monaten undenkbar erschienen wären:
Der polnische Abgeordnete Konrad Berkowicz zeigte im Parlament eine israelische Flagge mit einem Hakenkreuz und verglich das Vorgehen Israels mit dem des Dritten Reichs.

Pedro Sanchez, der Premierminister Spaniens wurde zum Helden Europas, Sánchez ist für seinen „Mut“ bekannt geworden, Donald Trump die Stirn zu bieten, insbesondere in Bezug auf die Militärintervention im Iran, die er als „absurd, grausam und illegal“ bezeichnete.

Frau Meloni, die mit Trump bis vor kurzem ein gutes Einvernehmen hatte, kritisierte die Äusserungen Trumps zum Papst als inakzeptabel.
Nun wirft Trump, seinem Niveau entsprechend, Meloni mangelnden Mut vor, weil er sich den Angriffen auf den Iran nicht anschließt.
Den Vereinigten Arabischen Emiraten, welche eine Bodenoffensive gegen den Iran unterstützen, wurden in China die Flügel gestutzt. Während des offiziellen Besuchs des Präsidentenberaters der VAE, Khalid bin Mohammed bin Zayed, brach China das diplomatische Protokoll und übermittelte eine kristallklare, feurige Botschaft:
Auch innerhalb der Golfstaaten wächst die Zwietracht – Szenen, die zeigen, wie der Sultan von Oman sich von den emiratischen Führern distanziert. Bilder sagen mehr als Worte.
Der saudische Außenminister Prinz Faisal bin Farhan äusserte sich diplomatisch-vorsichtig. Der folgende Clip auf arabisch wird wohl von GBX ungenau übersetzt. Faisal hat nicht gesagt, ““The era of relying on the US has ended. How can Trump protect us when he cannot even protect his own country?“. Vielmehr übersetzt mir DeepL was folgt:
Dennoch, auch die Saudis suchen – wie es sich für die opportunistischen Golfstaaten gehört – neue Dialoge und wohl auch neue Partner.
Der Status als Hegemon fusst bei den USA vor allem auf Propaganda und Marketing; das war eine beeindruckende Leistung vor über 80 Jahren, aber die Glaubwürdigkeit dieser Aura, welche international bereits seit Jahren bröckelt, wird nun auch bei der amerikanischen Bevölkerung in Zweifel gezogen.
Sieht man vom irren Agieren Trumps ab, dessen Aussagen nicht mehr ernst genommen werden können, so ist die Annahme, dass die USA voll am Gängelband Israels hängen, nicht nachvollziehbar. Denn die Kriegspläne der USA und Israels im Nahen Osten überlagern sich nur partiell. Letztendlich trachtet Amerika danach, die Chinesen zu zerstören.
Es scheint so, dass die USA ihre Ziele weder gegenüber dem Iran noch gegenüber den mit Russland alliierten Chinesen erreichen werden. Rohstoffmässig ist das Duo China-Russland zu stark und der Iran hat sich – im Gegensatz zu den USA – waffenmässig ins 21. Jahrhundert katapultiert und dominiert am Persischen Golf nicht nur die USA, sondern den ganzen Westen bezüglich Raketen- und Drohnentechnik. Die Waffenplattform Flugzeugträger, die bereits über 100 Jahre alt ist, hat ausgedient und wird wohl bei einer Eskalation zum Statisten und Opfer, vergleichbar den grossen Schlachtschiffen im Zweiten Weltkrieg.
Bezüglich der wirtschaftlichen Macht haben die USA das Rennen ebenfalls verloren und gegenüber den USA und Israel macht sich nicht nur in Europa Unmut breit. Die opportunistischen Golfstaaten suchen neue Allianzen und werden mit dem Gewinner paktieren, der nicht die USA sein wird.
Die New York Times spricht denn auch von einer vierfachen Schwächung der USA durch diesen Krieg: Ausweitung des Einflusses des Irans auf den globalen Ölmarkt, Auszehrung der kostspieligen US-Waffenvorräte, Beeinträchtigung der Beziehungen zu Verbündeten, Schwächung von Amerikas moralischer Autorität.
Die Iraner halten am 10-Punkte-Plan fest – zu Recht, denn nur dieser garantiert Persien das Überleben. Die iranischen Ziele sind komplett unvereinbar mit den Zielen der USA und Israels. Der Waffenstillstand – auch der mit dem Libanon – wird wohl nicht halten und Weiterungen im Krieg könnten das Tor zur Hölle öffnen: Zum dritten Weltkrieg.
