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Es scheint das neue Modell zu sein, wie man mit besonders gefährdeten Gegenden umgeht: alles dichtmachen und dann jeden Laden, jede Kneipe durchsuchen. Für München ist das das erste Mal, in anderen deutschen Großstädten gab es das schon öfter.
Für München war es eine Premiere. Die Landsberger Straße, die von der Theresienwiese bis in die Nähe des Stachus führt und nur eine Parallelstraße vom Hauptbahnhof entfernt liegt, wurde heute von etwa 400 Polizei- und hundert Zollbeamten komplett abgeriegelt und sämtliche an der Straße liegenden Geschäfte wurden durchsucht.
Begonnen hat die Razzia um 17 Uhr. Zur Begründung für den Großeinsatz erklärte Martin Brandlhuber, der Sprecher des Zolls, man überprüfe auf Verstöße gegen Arbeitsgesetze, Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung oder falsche Stundenaufzeichnungen. Außerdem gehe es um Drogen oder unversteuerten Tabak.
Jeder Imbiss, jedes Geschäft wurde durchsucht. Die Beschäftigten durften die Geschäfte und Lokale nicht verlassen. Die Kunden durften allerdings gehen.
Durchsuchungen dieser Art gab es bisher in Deutschland vor allem in Frankfurt, ebenfalls im Bahnhofsviertel, auch wenn sie mit bis zu 300 Beamten etwas kleiner ausfielen. Dort geht es vor allem um die Bekämpfung der offenen Drogenszene, die sich dort ausgebreitet hat. Die letzte derartige Aktion hatte dort im März stattgefunden. Es war bereits die 50. Großrazzia.
Auch in Hamburg hatte es im März einen ähnlichen Einsatz gegeben. Dabei ging es vor allem auch um Baustellen, also illegale Beschäftigung. Vergleichbare, kleinere Einsätze in Köln und Berlin richten sich vor allem gegen Drogenkriminalität.
Als erste Erfolge wurden während der Razzia der Fund illegaler Hautaufheller genannt, Bleichcremes, die insbesondere von asiatischen und afrikanischen Migrantinnen gekauft werden; ein Mann ohne Arbeitserlaubnis wurde entdeckt und ein weiterer mit abgelehntem Asyl. Kurz vor 18 Uhr meldet eine Münchner Lokalzeitung, man habe in einem Geschäft ein Tütchen Ecstasy am Boden gefunden. Weitere vier Illegale wurden entdeckt, zuletzt, bei einem Friseur, ein Ausreisepflichtiger, der jetzt in Abschiebehaft genommen wurde.
Polizeisprecher Thomas Schelshorn erklärte, das sei keine Razzia, sondern eine anlasslose Prüfaktion. Allerdings gibt es wohl einen Zusammenhang mit einem städtischen Konzept, das das Bahnhofsviertel, das sich in den letzten Jahren zu einem Kriminalitätsschwerpunkt entwickelt hat, wieder unter Kontrolle bringen soll. Ein weiterer Auslöser könnte sein, dass der Alte botanische Garten, der in den letzten Jahren zu einem Schwerpunkt der Drogenszene geworden war (die zuvor vom Sendlinger Tor vertrieben wurde), zuletzt häufiger kontrolliert wird und sich diese Szene dadurch verlagert.
Allerdings sieht es bisher eher danach aus, als wolle man illegale Einwanderer entdecken. Dabei könnte sich die Straßensperrung, die immerhin eine vielbefahrene Straße betrifft, auf ein ganz anderes Ereignis auswirken. Um 21 Uhr beginnt in der Allianz-Arena das Champions-League-Spiel Bayern gegen Real Madrid – ein Klassiker seit Jahrzehnten. Die Beamten aus Polizei und Zoll, die ihren Einsatz in der Landsberger Straße absolvieren, werden davon jedenfalls wenig haben. Die Razzia könnte bis 22 Uhr dauern.