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☐ ☆ ✇ Nie wieder Krieg!

Newsletter 05/2026 – deutscher Imperialismus

veröffentlicht.
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Am 26. Mai 2026 wurde unser Newsletter 05/2026 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter bei folgenden Themen: Deutscher Imperialismus; Demonstrationen am 30. Mai in Wiesbaden und Grafenwöhr; Webinar: Nach den US-Mittelstreckenwaffen ist vor den deutschen Mittelstreckenwaffen; Schulstreik am 8. Mai; Veranstaltungen zum 85. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. Darüber hinaus gibt es einen kommentierenden Rückblick auf Verlauf und Ergebnisse des DGB Bundeskongresses. Informationen gibt es zur vierten Gewerkschaftskonferenz für den Frieden im Juli sowie zu der für den 20. Juni geplanten Internationalen Friedenskonferenz in London.

Außerdem gibt es einen Einblick in den Stand der Vorbereitungen für die diesjährigen Herbstaktionen der Friedensbewegung, die erneut am 3. Oktober mit Demonstratonen in Berlin und Stuttgart stattfinden werden.

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

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Friedenspolitische Beschlüsse des DGB-Bundeskongresses

veröffentlicht.
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Kommentar von Ralf Krämer

Der DGB-Bundeskongress vom 10. bis 13. Mai 2026 hat sich klar gegen die Wehrpflicht ausgesprochen, das ist gut:
 
Antrag Nein zur Wehrpflicht

Auch der beschlossene Initiativantrag „Friedensfähig statt kriegstüchtig“ hat viele positive Formulierungen:

Initiativantrag Friedensfähig statt kriegstüchtig

Er bietet – insbesondere im Vergleich zur bisherigen Praxis der Gewerkschaften – wichtige Anknüpfungspunkte für friedenspolitische und friedensbewegte Positionen und Diskussionen im DGB und den Mitgliedsgewerkschaften. Mit dem Titel, dem Inhalt und am Schluss der ausdrücklichen Bekundung, als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter „als Teil einer starken und breit aufgestellten Friedensbewegung einen wirksamen Beitrag zu einer Welt ohne Krieg zu leisten“, setzt sich der DGB kritisch ab von der auf Kriegstüchtigkeit gerichteten Politik der Bundesregierung. Dies alles können und müssen wir nutzen und in den kommenden Monaten und Jahren die Diskussion weitertreiben und gewerkschaftliche Gliederungen zunehmend auch für praktisches Handeln und Aktionen gegen Hochrüstung und Krieg gewinnen.

Abgesehen davon, dass die bisherige Praxis der Gewerkschaften nicht den Maßstäben dieses Antrags entspricht, weist dieser aber auch weiterhin erhebliche Schwächen und Probleme auf.

Ausgangspunkt und Prämisse des Antrags ist eine Verortung im und Identifikation mit dem Lager des Westens, der NATO und besonders der EU. Die Kritik an der Politik der USA und Israels ist entsprechend wesentlich zurückhaltender als die an Russland, das demgegenüber als Aggressor und Bedrohung verstanden wird. Die Sicht auf „Europa“, weitgehend identifiziert mit der EU und jedenfalls ohne und in Gegensatz zu Russland gedacht, und die Rolle der EU ist weitgehend unkritisch und illusionär. Die Legende von der Bedrohung durch Russland wird übernommen und ist Grundlage der Argumentation, die aggressive und bellizistische Rolle der NATO wird ausgeblendet. Doppelmoral wird zurückgewiesen, aber ungleiche Standards prägen auch diesen Text. Und vor allem werden zu wenige klare politische Konsequenzen gezogen.

Die Kritik an der Politik der Bundesregierung und dem Fünf-Prozent-Ziel der NATO stellt nicht deren grundlegende Zielsetzungen und Rechtfertigungen in Frage, sondern akzeptiert diese und richtet sich gegen die Umsetzung, gegen unzureichende Begründungen und den Umfang und die Ausgestaltung der Aufrüstung, gegen die einseitige Fixierung darauf, gegen die davon ausgehende Gefährdung für andere wichtige Aufgaben, und gegen Einzelpunkte wie die Stationierung neuer US-Mittelstreckenwaffen, eine Wehrpflicht, unzureichende Transparenz usw. Nicht die Hochrüstung und das Fünf-Prozent-Ziel als solches wird kritisiert, sondern seine Beliebigkeit und willkürliche Festlegung.

Ein Verständnis der Politik der Bundesregierung und der EU als Vorbereitung eines Krieges gegen Russland fehlt völlig. Ebenso fehlt jegliche Perspektive und Forderung in Richtung einer diplomatischen Beendigung des Krieges in der Ukraine, einer neuen europäischen Friedensordnung und Rückkehr zu einem kooperativen Verhältnis mit Russland, zum Ende der Sanktionen, zu Organisierung gemeinsamer Sicherheit. Überhaupt fehlt jegliche Aussage zu den selbstschädigenden (und zumindest in ihrer extraterritorialen Anwendung völkerrechtswidrigen) Sanktionen gegen Russland. Keine Forderung gegen die Nutzung der US-Basen in Deutschland für völkerrechtswidrige Kriege der USA. Rüstungsexporte sollen restriktiv sein, aber kein Wort zu denen an Israel.

Kein Wort auch gegen die zunehmende Repression und Sanktionen gegen friedenspolitische Opposition in der EU.

Weitere Einschätzungen zu Verlauf und Ergebnissen des DGB-Bundeskongresses durch die Gewerkschaftssekretärin und Friedensaktive Ulrike Eifler findet ihr hier:

Gewerkschaften am Wendepunkt
 

Wie weiter?

 
Mit dem Verlauf und den Ergebnissen dieses DGB-Bundesonggresses wird sich ein Info-Brief der Initiative Gewerkschaften gegen Aufrüstung und Krieg noch genauer beschäftigen. So bald dieser veröffentlicht ist, werden wir diesen hier dokumentieren.

Wie die friedenspolitischen Aktivitäten mit und in den Gewerkschaften fortzusetzen sind, das wird auch ein Thema der vierten Gewerkschaftskonferenz für den Frieden sein, die am 24. und 25. Juli 2026 in Würzburg stattfinden wird. Nähere Infomationen dazu findet ihr hier:

Infos Gewerkschaftskonferenz für den Frieden

 
 

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Newsletter 04/2026 – Schulstreik am 8. Mai 2026

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Am 23. April 2026 wurde unser Newsletter 04/2026 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter bei folgenden Themen: Nächster Schulstreik am 8. Mai 2026; Demonstrationen am 30. Mai in Wiesbaden und Grafenwöhr; Erklärung: Russland ist nicht unser Feind. Darüber hinaus gibt es einen kurzen Rückblick auf die Ostermärsche sowie Ankündigungen für verschiedene Veranstaltungen. Darunter einen Internationalen Friedenskongress in London sowie Veranstatungen im Zusammenhang mit dem 85. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion. Wir informieren zudem über einen Brief an alle Delegierte und Gäste des bevorstehenden DGB-Bundeskongresses.

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Schulstreik am 8. Mai: 45.000 Schülerinnen und Schüler sagen: Ihr kriegt uns nicht!

veröffentlicht.
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Am 81. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus streikten Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland zum dritten Mal gegen die Wehrpflicht. Den nachfolgenden Bericht dazu verfasste Andrea Hornung, Bundesvorsitzende der SDAJ, aktiv in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘. Wir dokumentieren euch zudem ihre Rede beim Schulstreik in Göttingen. Außerdem dokumentieren wir euch zwei Pressemitteilungen der Schulstreikbewegung, die noch am 8. Mai verschickt wurden. Davon befasst sich eine besonders mit den staatlichen Repressionen bei diesem Schulstreik. Insbesondere in München. Ebenfalls findet ihr auf dieser Seite die Berichte von der Schulstreikkonferenz, die zuvor am 18. und 19. April in Göttingen stattfand. In diesem Zusammenhang auch das Grußwort unserer Initiative auf dieser Konferenz sowie den dort gefassten Beschluss betreff weiterer Aktivitäten der Schulstreikbewegung.

 

Vorab aber folgende dringende Bitte:
 
Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht sind Sache der Jugend, aber nicht nur der Jugend. Deswegen unterstützt die nächsten Schritte der Bewegung mit all eurer Kraft und spendet auch für die nächste Schulstreikkonferenz!

Spenden für die Schulstreikkonferenz bitte an:
Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen
IBAN: DE53370205000008304609
BIC: BFSWDE33XXX
Verwendungszweck: „Schulstreikkonferenz“
 


 

45.000 Schülerinnen und Schüler sagen: Ihr kriegt uns nicht!

 
Am 81. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus streikten SchülerInnen in ganz Deutschland zum dritten Mal gegen die Wehrpflicht

„Schulstreik gegen Wehrpflicht – Verfassungsfeinde als Treiber des Protests“ liest man im BR. hessenschau berichtet, dass „Linksextreme“ die Schüler-Demos steuern. Am Vorabend des ersten Schulstreiks hatte Kriegsminister Boris Pistorius noch versucht, die Schülerinnen und Schüler einzubinden, indem er die Streiks als großartig bezeichnete –während selbstverständlich gleichzeitig den ersten Schritt Richtung Wehrpflicht im Bundestag beschließen ließ. Nachdem die Schülerinnen und Schüler am 5. März und 8. Mai weiter gegen den Kriegsdienst und eine Zukunft in Schützengraben auf die Straße gingen und die Bewegung nun zum dritten Mal ca. 50.000 Menschen in ganz Deutschland auf die Straße gebracht hat, hört man nun andere Töne. Wenn die Einbindung nicht funktioniert, dann müssen die Schulstreiks eben jetzt als „linksextrem“ gesteuert und Schülerinnen und Schüler als ferngesteuert diffamiert werden. Diese Angriffe haben die Funktion, die Bewegung zu spalten und zu schwächen. Das dürfen wir als Kriegsgegnerinnen und Kriegsgegner nicht zulassen.
 

Repressionen nehmen zu

 
Und man versucht es nicht nur mit medialen Angriffen: Die Repressionen gegen die Streiks nehmen zu. In Friedberg wurden Schülerinnen und Schüler in der Schule eingesperrt, in Hamburg wurden bewusst Klausuren auf den Streiktag verschoben, um die Teilnahme zu erschweren, in Bielefeld kontrollierte die Polizei Ausweise und Schulpflicht und in Kiel wurden im Vorfeld des Streiks Schüler von Verfassungsschutz und BKA angequatscht. Doch die Schulstreikbewegung zeigt, wie mit diesen Angriffen umzugehen ist: Wenn es am 5. März Anzeigen wegen „Merz leck Eier“ und „Merz, stirb doch selber an der Ostfront“ gibt, dann werden Schilder mit dieser Aufschrift wie in München eben hundertfach mitgebracht und dann schallt es in ganz Deutschland erst recht „Merz leck Eier“. Wenn Klausuren auf den Streiktag verschoben werden, heißt es erneut: Was ist schon eine schlechte Note gegen 180 Tage Kriegsdienst? Und wenn Schülerinnen und Schüler angequatscht werden, dann wird dichtgehalten und klargestellt: Das zeigt, dass wir einen wunden Punkt getroffen haben.
 

Wehrpflicht als Achillesferse

 
Denn die streikenden Schülerinnen und Schüler sind denen, die aufrüsten und den Krieg vorbereiten, ein Dorn im Auge. Gleiches gilt, für die vielen Schülerinnen und Schüler, die sich zwar bislang nicht getraut haben, selbst zu streiken, die aber dennoch massenhaft nicht auf die Fragebögen der Bundeswehr antworten. Denn ohne Menschen, die in den Schützengraben gehen, ohne Menschen, die die Waffen produzieren, ohne Menschen, die das Material verladen, kann kein Krieg geführt werden. Die Wehrpflicht ist die Achillesferse der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. Und um das zu erkennen, um nicht zu militärischem Drill und Gehorsam erzogen werden zu wollen, dafür braucht es keine „Fernsteuerung“. Der Kampf gegen Aufrüstung und Krieg ist im ureigensten Interesse der Schülerinnen und Schüler – und darin werden sie von Landesschüler*innenvertretungen wie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, von Gewerkschaften wie der GEW und der IG BAU, von Eltern, der Friedensbewegung und natürlich auch von linken Jugendorganisationen tatkräftig unterstützt.
 

81 Jahre nach Krieg und Faschismus

 
Dass der Schulstreik am 81. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus stattfand, war kein Zufall. Die Schulstreikbewegung erklärte: „Am 8. Mai 1945 wurde der zweite Weltkrieg beendet. Der Krieg hatte 2000 Tage lang täglich Zerstörung, Leid und Tod mit sich gebracht. Er kostete über 60 Millionen Menschen weltweit das Leben. Etwas, das niemand von uns erneut erleben möchte. Doch heute wird in Deutschland wieder aufgerüstet, fast jeder zweite Euro des Bundeshaushalts wird für Panzer, Bomben und Infrastruktur, die das Land auf den Krieg vorbereitet, ausgegeben. Die Kassen der Rüstungsindustrie klingeln.“ Während Klingbeil erklärt, dass Deutschland nach 81 Jahren der Zurückhaltung wieder Führungsmacht werden solle und Merz vom Zeitalter der Großmächte spricht, rufen die Schülerinnen und Schüler das Zeitalter der Schulstreiks und des Widerstands aus. Dass ihnen das trotz der Angriffe zum dritten Mal gelungen ist, ist ein riesiger Erfolg. Und in einigen Städten wie in Hamburg, Trier, Essen und Münster gelang es ihnen sogar, die Schulstreiks zu vergrößern.
 

Nächster Streiktag im Herbst

 
Die Schülerinnen und Schüler werden weiterhin jedem Schritt in Richtung der Wiedereinführung der Kriegsdienst etwas entgegensetzen. Der Aufbau der Musterungszentren, der geplante Start der Musterungen, all das wird nicht ohne breiten Widerstand ablaufen. Schulstreik gegen Wehrpflicht hat folgende nächste Vorhaben für die Bewegung erklärt:

  1. Eine Aktionswoche gegen den Veteranentag vom 15. bis 21. Juni
  2. Die nächste Schulstreikkonferenz am 18./19. Juli
  3. Die Beteiligung an den Friedensdemos am 1. September und 3. Oktober
  4. Die Schaffung von Schulen ohne Bundeswehr
  5. Den nächsten Streik im Herbst

Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht und die antimilitaristische Jugendbewegung verdienen für ihren Mut Respekt und in ihrem Kampf Solidarität. Denn sie führen auch unseren Kampf. Sie wollen einen Krieg unführbar zu machen, der uns alle bedroht, der heute schon von uns allen bezahlt wird und der nur dazu dienen wird, den dritten Griff des deutschen Imperialismus nach der Weltmacht durchzusetzen. Die Schulstreiks gegen Wehrpflicht sind Sache der Jugend, aber nicht nur der Jugend. Deswegen unterstützt die nächsten Schritte der Bewegung mit all eurer Kraft und spendet auch für die nächste Schulstreikkonferenz!

Spenden für die Schulstreikkonferenz bitte an:

Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen
IBAN: DE53370205000008304609
BIC: BFSWDE33XXX
Verwendungszweck: „Schulstreikkonferenz“
 


 

Rede von Andrea Hornung beim Schulstreik in Göttingen

 
„Nehmt es wahr, nehmt wenigstens ihr es wahr … was von Eueren Vorfahren meistens verdrängt, auch diskriminiert und verleugnet wurde: Das Bedeutsamste und Kostbarste aus deutscher Geschichte ist und bleibt der antifaschistische Widerstand.“

Liebe Schülerinnen und Schüler,

mit diesen Worten begannen Peter Gingold und Esther Bejarano ihren Appell an die Jugend. Peter Gingold und Esther Bejarano waren beide Widerstandskämpfer gegen den deutschen Faschismus und beide Kommunisten. Peter und Esther, sie appellierten an die Jugend, sie appellierten an uns, nicht alles mit uns machen zu lassen.

Und mit dem heutigen Schulstreik kommen wir diesem Appell zum dritten Mal nach. Wir sind es, die heute, am 81. Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus, die Lehren daraus ziehen. Denn während die Bundesregierung die Wehrpflicht schrittweise wieder einführt, immer mehr Geld für Aufrüstung und Krieg ausgibt, aktiv einen großen Krieg vorbereitet und den dritten Griff nach der Großmacht plant, sagen wir heute wieder in mehr als 100 Städten: Nie wieder Krieg heißt nie wieder Wehrpflicht!

Damit, dass ihr heute hierhergekommen seid, habt ihr Mut bewiesen. Ihr habt Mut bewiesen, weil ihr dafür die Schule bestreikt – obwohl euch mit Fehlstunden und mit schlechten Noten gedroht wird. Ihr habt Mut bewiesen, weil ihr Regeln übertretet. Und genau das ist notwendig. Das wissen wir von Peter und Esther, von den vielen Widerstandskämpfern gegen den deutschen Faschismus: Wo Gesetze so angepasst werden, dass wir in den Schützengraben gehen sollen, da können wir uns nicht auf die bestehenden Gesetze verlassen. Wo ein Krieg vorbereitet wird, da müssen wir uns wehren. Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zu Pflicht!

 

Peter und Esther haben vor 81 Jahren, nach der Befreiung von Krieg und Faschismus, gehofft, dass es gelingen würde, Faschismus und Krieg jegliche Grundlage zu entziehen. Sie hatten gehofft, dass nie wieder jemand dieses unfassbare Leid erleben muss. Doch sie mussten selbst feststellen, dass wir Nachgeborenen erneut konfrontiert sind mit Rassismus, Nationalismus und Militarismus, mit einer größeren Kluft zwischen arm und reich, mit katastrophaler Umweltzerstörung. Aktuell stehen alle Rechte und Freiheiten, für die Esther und Peter und so viele andere Menschen gekämpft haben, unter Beschuss: Der erste Krankheitstag soll nicht mehr bezahlt werden, der 8-Stunden-Tag soll abgeschafft werden und die Schulen verfallen.

Und diejenigen, die sich dagegen wehren, diejenigen, die nicht in den Krieg ziehen wollen, versucht man jetzt wie die Schulstreiks als „linksextrem“ darzustellen oder medial totzuschweigen. Nachdem uns Pistorius beim ersten Streiktag noch lieb und nett erklärt hat, dass die Bundeswehr auch dafür da sei, dass wir gegen sie kämpfen können, erleben wir jetzt immer mehr Repression und Angriffe. Aber es sind nicht die Schülerinnen und Schüler oder die „Linksextremen“, die uns bedrohen. Was uns bedroht, ist ein System, in dem es nicht um die Interessen der Menschen, sondern um die Profite der Großkonzerne geht, in dem für Profite die Umwelt und unsere Zukunft zerstört und wir im Zweifel sogar in den Tod geschickt werden sollen.

Denn die Wurzeln von Krieg und Faschismus, die sind auch 81 Jahre nach der Befreiung von Krieg und Faschismus nicht überwunden. Die Wurzeln sind nicht überwunden, weil die Bundesrepublik von ehemaligen Nazifunktionären aufgebaut wurde, während Widerstandskämpfer auch nach 1945 verfolgt wurden. Die Tochter von Peter Gingold hat Berufsverbot bekommen. Die Wurzeln von Krieg und Faschismus sind noch nicht überwunden, weil die gleichen Großkonzerne, die vom deutschen Faschismus profitierten, nicht enteignet worden sind, sondern auch heute darauf drängen, wieder Großmacht zu werden. Wenn Merz vom Zeitalter der Großmachtpolitik spricht, wenn Vizekanzler Klingbeil erklärt, dass Deutschland nach 80 Jahren der Zurückhaltung wieder Führungsmacht werden soll, dann geht es einmal mehr um die Interessen von ThyssenKrupp, Deutscher Bank, Siemens, Bayer und BASF. Es geht, wie die völkerrechtswidrigen Angriffskriege auf Venezuela, Iran und Palästina zeigen, einmal mehr um Öl, um Handelsrouten wie die Straße von Hormuz, um Einflusssphären und um Profit. Und es werden nicht die Kinder von ThyssenKrupp-Chef Borrego, von Siemens-Chef Busch oder von Merz und Klingbeil sein, die in den Schützengraben ziehen. Das Sterben, das sollen wir übernehmen. Die Reichen wollen Krieg, denn sie brauchen ihn für ihren Profit. Wir sollen dafür in den Schützengraben.

Liebe Schülerinnen und Schüler,

die Geschichte von Peter und Esther ist die Geschichte von zwei Menschen, die sich selbst unter schwersten Umständen schon als Jugendliche entschieden haben, zu kämpfen. Esther, die im Alter von 18 Jahren im KZ Ravensbrück Sabotage verübte, Peter, der mit nur 15 Jahren in den Kommunistischen Jugendverbands Deutschlands eintrat. Sie ist die Geschichte zweier Menschen, die ihrer Haltung ihr Leben lang treu blieben, die Mut bewiesen, die ihr Leben lang gegen Krieg, Faschismus und Kapitalismus kämpften. Und sie hofften auf uns, auf eine Jugend, die nicht alles stillschweigend hinnimmt, die sich in die Tradition des antifaschistischen Widerstands stellt und deren Herzen für den Kampf um den Frieden brennen. Sie überließen uns den Auftrag, für eine Welt zu kämpfen, in dem Krieg und Faschismus die Grundlage entzogen sind, in der niemand mehr eine Wehrpflicht einführt, unbegrenzt aufrüstet und alles dem Profitstreben unterordnet.

Den Appell von Esther und Peter ernst nehmen und die Lehren aus dem deutschen Faschismus ziehen, das bedeutet heute gegen die Wehrpflicht zu streiken, gegen die Bundeswehr an Schulen zu kämpfen, das bedeutet heute um 17 Uhr gemeinsam zum Gedenken an der Stadtbibliothek zu gehen. Das heißt, sich nicht einschüchtern zu lassen und sich überall zu wehren, wo unrecht geschieht! Lasst uns wie Esther und Peter sein und gemeinsam hier und heute erklären: Wir werden der Kriegsvorbereitung einen Strich durch die Rechnung machen! Wir werden nicht für Profite in den Krieg ziehen! Nie wieder Krieg heißt nie wieder Wehrpflicht!

 


 

Pressemitteilungen der Schulstreikbewegung vom 8. Mai 2026

 
Pressemitteilung 1 / 8. Mai / 13:20 Uhr: 45.000 Schüler:innen beim Schulstreik gegen Wehrpflicht sagen: Nie wieder Krieg! Nie wieder Wehrpflicht!

Heute, am 08. Mai 2026, haben erneut 45.000 Schüler:innen in über 150 Städten die Schule bestreikt. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg! Nie wieder Wehrpflicht“ haben sie am 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs deutlich gemacht: Die Jugend will keine Wehrpflicht. Die Schülerinnen und Schüler forderten die Rücknahme des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes, einen Stopp der schrittweisen Wiedereinführung der Wehrpflicht sowie einen Stopp von Bundeswehrauftritten an Schulen. Laut aktuellen Zahlen hat erst ein Viertel der 18-Jährigen die Fragebögen der Bundeswehr beantwortet, obwohl Bußgelder drohen. Das zeigt, dass viele Jugendliche keine Lust auf die Wehrpflicht haben.

Hannes Kramer, Pressesprecher der Schulstreiks gegen Wehrpflicht, erklärt dazu: „Heute haben Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland erneut deutlich gemacht: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft. Damit ziehen wir die Schlussfolgerung aus dem Zweiten Weltkrieg. „Nie wieder Krieg!“ heißt heute „Nie wieder Wehrpflicht!“. Damals haben IG Farben, Deutsche Bank und Krupp profitiert. Heute geht es wieder um die Profite von Rheinmetall und Co. Sie wollen uns im Schützengraben verheizen? Wir werden weiter streiken!“

Die Stimmung auf den Streiks war solidarisch und laut. Die Schüler:innen waren nach dem Vorfall im März, bei dem ein Schüler mit einem Plakat mit der Aufschrift „Merz, leck Eier“ verhaftet wurde, in großer Zahl mit demselben Plakat auf dem heutigen Schulstreik und zeigten so, dass sie zusammenstehen und sich die Politik der Bundesregierung nicht gefallen lassen.

 

In Münster hat die Polizei, wegen dem Demospruch von „Merz, Leck Eier!“ Identitätsfeststellungen durchgeführt und Schüler:innen so eingeschüchtert. Auch in vielen weiteren Städten kam es zu Repressionsfällen wie Einsperrungen in Schulen und Attestpflicht. Phil Werring, 17, Schüler aus Münster erklärt dazu „Wir verurteilen diesen Angriff auf unsere Meinungs- und Versammlungsfreiheit aufs Schärfste! Regierung und Bundeswehr erzählen uns, dass sie auch dafür kämpfen, dass wir gegen sie sein können. Das hört aber auf, wenn sich dieser Widerstand organisiert. Wir lassen uns nicht einschüchtern, denn wir Schüler:innen haben gemeinsam eine große Stärke: Wir stehen zusammen und gehen für unser Interesse weiter auf die Straße. Für jede Repression verteilen wir noch mehr Flyer, diskutieren mit noch mehr Mitschüler:innen. Deshalb macht es mich froh, dass wir trotz Einsperrungen, trotz Einschüchterungen heute so viele auf der Straße sind und Widerstand dagegen leisten, dass wir in Kasernen gezwungen werden sollen, anstatt eine Zukunftsperspektive zu haben.“

Die vorangegangenen Streiktage haben gezeigt, wie groß der Unmut unter den Schülerinnen und Schülern ist. Auch wenn sich heute nicht alle davon erneut am Streik beteiligt haben. Lisa Alexander, 17, Schülerin aus Itzehoe erklärt dazu: „Wir haben drei Streiktage mit zehntausenden Schüler:innen organisiert. Wir haben hunderte Streikkomitees in Städten gegründet und gründen immer mehr Streikkomitees an Schulen. Wir haben Konferenzen organisiert, mit denen sich eine bundesweite Schüler:innenbewegung selbstorganisiert. Trotz Abiprüfungen, weniger medialer Aufmerksamkeit und Einschüchterungen waren wir heute mit 45.000 Schüler:innen auf der Straße. Das zeigt, dass es gelingt, Strukturen aufzubauen und den Schulstreik über einzelne Streiktage hinweg weiterzuführen. Wir haben heute klar gemacht: Die Jugend will keine Wehrpflicht. Die Bundesregierung wird sich weiter warm anziehen müssen!“ Die Schulstreiks erhalten breite Unterstützung von Eltern, Lehrer:innen, Gewerkschaften, Studierenden, Friedensbewegung und weiteren Initiativen. Viele GEW-Gliederungen zum Beispiel die GEW Hessen, Bayern und Sachsen – also die Gewerkschaft, in der Lehrkräfte sich organisieren – unterstützen die Schulstreiks. Auch die Landesschüler:innenvertretungen zum Beispiel in Rheinland-Pfalz und NRW rufen zu den Streiks auf.

Als nächste Schritte plant die Bewegung eine Aktionswoche (15.-21.6.) gegen den sogenannten „Veteranentag“, die nächste bundesweite Streikkonferenz Mitte Juli und ihren nächsten Streiktag im Herbst. Bis dahin orientiert sie auf die Arbeit gegen Bundeswehrpräsenz an Schulen und gemeinsame Austauschangebote während der Sommerferien.

Pressemitteilung 2 / 8. Mai / 17:53 Uhr: Tausende bei Schulstreik in München trotz politisch motivierter Polizeigewalt

Beim Schulstreik am 08. Mai 2026 in München griff die Polizei den Demonstrationszug der Schülerinnen und Schülern an. Auf der Demonstration waren unter anderem Schilder zu lesen mit Aufschriften wie „Merz, Leck Eier!“ und „Merz, stirb doch selbst an der Ostfront!“. Bereits beim letzten Schulstreik am 05. März wurden Schüler:innen mit entsprechenden Plakaten von der Polizei in München festgenommen und zurück in die Schule gebracht. Durch den heutigen Einsatz wurden mindestens zwei Personen verletzt. Trotz der politisch motivierten Polizeigewalt wohnten über tausend Schüler:innen der Abschlusskundgebung bei. Auch in Berlin kam es zu Verhaftungen von Minderjährigen.

Als Bernhard Baudler, politischer Sekretär für den Bereich Schulpolitik bei der GEW Bayern seine Ansprache auf der Abschlusskundgebung vor ca. 1.500 Teilnehmern am Münchner Rosa-Luxemburg-Platz begann, wurde er nach zwei Sätzen unterbrochen: „Ich Grüße Euch im Namen der GEW Bayern, GEW steht für Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Wir sind die Bildungsgewerkschaft im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und bei uns sind nur Lehrerinnen und Lehrer…“, so Baudler. Dann gingen Polizisten in schwerer Montur in die Kundgebung rein und verhafteten eine Teilnehmerin aufgrund ihres selbstgemalten Schilds. Die betroffene 20-jährige Schülerin, die anonym bleiben möchte, berichtet:

„Ich wurde von mehreren Polizisten gewaltsam abgeführt, als ich abseits von den Streikenden saß, aufgrund meines Demonstrationsschildes. Ich habe mich in der Situation sehr unterlegen und klein gefühlt“.

Aufgrund des brutalen Vorgehens der Polizei wurde der Schülerin ein Arm verdreht, ein umherstehender Demonstrant erlitt eine Prellung an der Hand. Der gewerkschaftliche Redner Baudler forderte die Polizei über das Mikro auf, friedlich zu bleiben, doch er konnte seine Rede erst fortsetzen, nachdem die Polizei die zwanzig Minuten dauernde Störung der Abschlusskundgebung beendete und die Schülerin mit einer Anzeige wieder frei lies.

Die Veranstalterin „Nein zur Wehrpflicht München“ stellt fest, dass mit dem Vorgehen der Polizei, konkret mit dem brutalen Vorgehen und der Polizeikette eine bedrohliche Lage für die anwesenden Schüler:innen geschaffen wurde. Versammlungsleiterin Ronja Fröhlich vom Münchner Bündnis „Nein zur Wehrpflicht“ erklärt dazu:

„Wir haben in München einen erfolgreichen Schulstreik auf die Beine stellen können, 1.500 Schüler:innen haben in München gezeigt, dass sie keinen Bock auf Wehrpflicht haben. Letztes Mal wurden Schüler eingesperrt, dieses Mal angezeigt. Das brutale Vorgehen der Polizei mit Gewalt, Festnahmen, Anzeigen und dem Aufbauen eines Bedrohungsszenarios soll uns Jugendliche wohl einzuschüchtern. Ich bin froh, dass sich alle Anwesenden ihrer demokratischen Rechte bewusst sind und solidarisch gegen die Angriffe Zusammenstehen!“

Der Münchner Schulstreik wird von einem breiten Bündnis organisiert, in dem neben linken Jugendorganisationen auch die Münchner DGB-Jugend und die Jugend der Gewerkschaft ver.di aktiv ist, wie der BR im Vorfeld berichtete. Stefanie Sewald, Jugendsekretärin der ver.di-Jugend München erklärt zum heutigen Vorfall:

„Dass Schüler:innen wegen eines Protestschildes von der Polizei aufgenommen und angezeigt werden, ist ein Einschüchterungsversuch gegen politische Meinungsäußerung. Wer gegen Wehrpflicht und Militarisierung protestiert, darf nicht kriminalisiert werden. Es ist ein alarmierendes Signal, wenn friedlicher Protest an Schulen plötzlich wie eine Straftat behandelt wird. Demokratie bedeutet auch, dass junge Menschen ihre politische Haltung öffentlich ausdrücken dürfen. Doch während Jugendliche gegen Krieg und Zwangsdienst demonstrieren, reagiert der Staat mit Repression statt mit Diskussion. Das zeigt, wie notwendig dieser Protest ist.“

Welche Wirkung dieses Vorgehen der Polizei auf die Jugendbewegung hat, schildert Linus Schneider (15 Jahre), Schüler am Münchner Asam-Gymnasium:

„Wir sollen im Schützengraben sterben, unser Leben für ihre Interessen aufgeben und wenn wir streiken, werden wir angezeigt? Das ist ein massiver Angriff auf unsere Rechte und das lassen wir nicht mit uns machen. Letztes Mal hatten wir ein Plakat mit dem Schild ‚Merz, stirb doch selbst an der Ostfront!‘, heute ein Banner und auch nächstes Mal werden wir das wieder deutlich aussprechen, denn wir lassen uns nicht einschüchtern!“

In ganz Deutschland waren heute über 45.000 Schüler:innen in mindestens 150 Städten auf der Straße. Sie sind Teil der Bewegung „Schulstreik gegen Wehrpflicht“, die sich gegen die zum Juli 2027 anstehende Wiedereinführung der Wehrpflicht richtet, welcher der Bundestag am 5.12. beschlossen hat. Die Proteste waren erneut von Repressionen begleitet: So kam es in Münster zur Identitätsfeststellung mehrerer Personen für das Rufen des Satzes „Merz, Leck Eier“, in Essen wurde ein solches Transparent untersagt. In Berlin wurden ein 12- und ein 14-jähriger sowie ein 17-jähriger Schüler im Anschluss der Demonstration auf dem Nachhause Weg verhaftet.

 


 

Berichte von der Schulstreikkonferenz am 18. / 19. April 2026

 
Die Schulstreikbewegung bereitete für den 8. Mai – dem Jahrestag der Befreiung von Krieg und Faschismus – den dritten Schulstreik gegen die Einführung einer neuen Wehrpflicht vor. Dafür fand am 18. und 19. April in Göttingen eine Schulstreikkonferenz statt, zu der sich über 200 Delegierte örtlicher Schulstreikkomitees aus ganz Deutschland trafen. Wir berichten euch nachfolgend von dieser Konferenz, auch vom Grußwort der Initiative ‚Nie wieder Krieg‘, das gleich als erster Redebeitrag zu Beginn der Konferenz gehalten wurde. Beschlossen wurde auf dieser Konferenz zudem ein Papier mit dem Titel ‚Nein zur Wehrpflicht – Nie wieder Krieg! – Am 8. Mai streiken wir!‘, in dem die weitere Perspektive der Bewegung sowie weitere Aktionstage festgelegt wurden. Wir dokumentieren euch zudem den Aufruf für den Schulstreik am 8. Mai und wir rufen alle Gruppen der Friedensbewegung dazu auf, diese Schulstreiks konkret – politisch, organisatorisch, aber auch finanziell – zu unterstützen.

 

Bericht von der Schulstreikkonferenz am 18. / 19. April 2026

 

Die über 200 Delegierte der Schulstreikkonferenz, die sich in Göttingen aus allen Teilen Deutschlands einfanden, hatten ein umfangreiches Programm zu bewältigen. Nach der Eröffnung der Konferenz durch das örtliche Schulstreikkomitee aus Göttingen, begann die Tagung mit einem Grußwort durch Andreas Grünwald als Vertreter der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘. Dem folgte ein weiteres kürzeres Grußwort durch einen Vertreter einer anwesenden Elterninitiative.

Dann ging es mit einer Podiumsdiskussion weiter zur Sache. Auf dem Podium diskutierten Aktive aus den Schulstreikkomitees mehrerer Städte, darunter auch Aktive aus Jugendverbänden, wie der DIDF-Jugend, der SDAJ und dem IJV, die weiteren politischen Perspektiven der Bewegung. Diskutiert wurde, wie es noch besser gelingen könne, sich örtlich in den Schulen zu verankern, wie noch stärker auch Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund einbezogen werden können. Betont wurde, dass die Jugend kein Interesse an einem Krieg habe, während die großen Rüstungskonzerne sich damit dumm und dusselig verdienen. Man dürfe sich in diesem Kampf gegen einen Krieg auch nicht auf die Regierenden oder die Parteien verlassen. Das, was helfe den Frieden zu erhalten, sei laut und deutlich die eigene Stimme zu erheben, um eine neue Wehrpflicht zu verhindern.

Sehr viel stärker müsse die Bewegung auch aktiv werden, um Auftritte der Bundeswehr an Schulen zu behindern. Das gehe nur in Zusammenarbeit mit örtlich vorhandenen Schülervertretungen. Um schließlich die Streikaktionen auf eine noch breitere Grundlage zu heben, sei die Herausbildung von lokalen Streikkomitees möglichst an jeder Schule der entscheidende Schlüssel. Aber auch die Zusammenarbeit mit örtlichen Gruppen der Friedensbewegung, aktiven Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, zum Beispiel Gruppen der Gewerkschaftsjugend, Elterninitiativen gegen die Wehrpflicht, Lehrerinnen und Lehrern, sei zu stärken, um den Kampf gegen die Wehrpflicht und gegen Kriegsvorbereitungen zu gewinnen.

Für all dies haben die ersten Schulstreiks am 5. Dezember 2025 und dann am 5. März 2026 eine gute Grundlage geschaffen, die es nun weiter auszubauen gelte. Betont wurde, dass die Bewegung eben nicht nur eine Bewegung gegen die Wehrpflicht sei, sondern auch eine solche gegen die Vorbereitung von Kriegen seitens der Regierenden. Gleichzeitig müsse die Zugänglichkeit für die vielen Schülerinnen und Schüler, die sich nun das erste mal politisch artikulieren, durch klare Forderungen erhalten bleiben.

Im Anschluss gab es eine Vielzahl von Workshops. So zu den Themen ‚Mobilisierung für den 08.05.‘, ‚Umgang mit Repressionen‘, ‚How To Streikkomitee – Wie an einer Schule ein solches bilden?‘, ‚Gleichberechtigt an die Front? Warum engagieren sich Frauen in der Schulstreikbewegung?‘, ‚Migrantische Jugendliche in der Bundeswehr? Warum werden durch die Bundeswehr gerade diese Schülerinnen und Schüler angesprochen? Wie können wir uns dagegen wehren?‘. In der zweiten Workshopphase standen dann die folgenden Themen im Mittelpunkt: ‚Schulen ohne Bundeswehr und Schulen ohne Wehrpflicht – Konzept, Ziel und Weg dahin?‘, ‚Bildungsunterfinanzierung und Militarisierung – wie hängt das zusammen?‘, ‚Militarismus im Unterricht‘, ‚Wie die Schulstreiks durch Schule, Medien und Politik handzahm gemacht werden sollen‘, ‚Medienlandschaft: In welchem Interesse berichten dt. Medien?‘, ‚Neutralität in der Schule?‘

Beschlossen wurde nach umfangreicher Antragsdebatte schließlich ein Perspektivenpapier betreff der weiteren Entwicklung der Schulstreikbewegung sowie weiterer Aktionen, das wir hier dokumentieren. Beschlossen wurde unter anderem, sich für bundeswehrfreie Schulen einzusetzen, zu den Demonstrationen am Antikriegstag (1. September) und zur bundesweiten Friedensdemonstration am 3. Oktober 2026 in Berlin und Stuttgart zu mobilisieren.

Am 2. Konferenztag diskutierten die Delegierten schließlich die Frage, wie man sich auch regional noch besser vernetzen könne, bevor die Tagung dann mit einer politischen Aktion / Kundgebung in Göttingen ihren kämpferischen Abschluss fand.

Inzwischen hat uns auch eine Pressemitteilung des Bündnisses ‚Schulstreik gegen Wehrpflicht‘ erreicht. Diese findet ihr hier:

Pressemitteilung Schulstreikkonferenz in Göttingen
 


 

Einige Bilder von der Schulstreikkonferenz in Göttingen

 
Um euch die Bilder näher anzuschauen oder herunter zu laden, klickt bitte einfach auf das jeweilige Bild.

 


 

Grußwort der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘ Schulstreikkonferenz am 18. / 19. April 2026

 

Liebe Schulstreikaktive,

es ist mir eine Freude heute auf eurer Schulstreikkonferenz ein Grußwort für die Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘ zu halten. Denn ihr seid es, die ihr mit euren Aktionen der Friedensbewegung neue Kraft gebt. Am Ostermarsch in Hamburg, wo ich herkomme, beteiligten sich 4000 Menschen. Aber der Jugendblock war der größte und auch der, von dem die größte Energie ausging.

Liebe Freundinnen und Freunde,

wir erleben seit Wochen einen barbarischen hinterhältigen Krieg gegen den Iran. Dieser Krieg – und er ist leider nicht beendet [gerade erst heute Morgen hat dieser Kriegsverbrecher in Washington ja erneut angekündigt, dass es dann möglicherweis Mitte dieser Woche mit dem Bombenterror weitergeht, wenn sich der Iran seinen Bedingungen nicht unterwirft] – ist nichts anderes als ein Akt nackter imperialistischer Gewalt. So wie der Angriff auf Venezuela, so wie auch dieser kriminelle Wirtschaftskrieg gegen Kuba. Und genauso wie zuvor die Kriege der USA und der Nato gegen Jugoslawien, den Irak, Libyen und Syrien. Überall hat der ‚Wertewesten‘ dabei Millionen Tote und zerstörte Länder hinterlassen.

Und es ist diese deutsche Bundesregierung, die in Komplizenschaft mit den USA es zulässt, dass für die Steuerung dieses Krieges gegen den Iran US-amerikanische Stützpunkte auf deutschen Boden genutzt werden. Es sind deutsche Rüstungskonzerne, die Waffen nach Israel liefern. Eingesetzt im Krieg gegen die Palästinenserinnen und Palästinenser und gegen den Libanon. Und gleichzeitig ist es diese Regierung in Berlin die mit aller Gewalt auch Friedensverhandlungen für die Ukraine immer wieder torpediert.

Frieden? Machen wir uns nichts vor: Ohne unseren, und vor allem euren Druck, wird es den nicht geben. Deutschland soll ‚kriegstüchtig‘ werden. Kriegstüchtig gegen Russland. Angeblich um unsere Freiheit zu verteidigen. Aber das ist doch absolut verlogen. Wer bedroht denn Freiheit, wenn Männer unter 45 Jahren Deutschland jetzt für längere Zeit nicht mehr verlassen dürfen, ohne sich bei der Bundeswehr abzumelden?

Tatsächlich geht es in all diesen Kriegen nicht um Freiheit und Demokratie, sondern um Absatz- und Rohstoffmärkte. Um Profitinteressen. Um das Lithium in der Ukraine. Das Öl im Iran. Die ökonomische Vorherrschaft in Osteuropa. Dafür gab es die NATO-Osterweiterung. Dafür gibt es die Hochrüstung. Dafür – und allein dafür – soll es eine neue Wehrpflicht geben. Mordsgeschäft und Bomberstimmung finden wir indes bei Rheinmetall, die am Krieg profitieren.

Bis zu 300 Milliarden Euro sollen künftig jedes Jahr ins Militär gesteckt werden. Das ist mehr als die Hälfte des jetzigen Bundeshaushaltes. Das muss bedeuten, dass in allen anderen Bereichen aufs Heftigste gekürzt wird: Bei sozialen Leistungen, beim Bildungs- und Gesundheitssystem, beim Umweltschutz. Überall. Meine Güte was könnte man mit diesem Geld alles finanzieren? Ein elternunabhängiges Bafög. Die Sanierung der Schulen und Universitäten. Das Schienennetz der Bahn. Endlich! Der soziale Wohnungsbau könnte explodieren. Und wir könnten damit zugleich alle Rentnerinnen und Renter, die sich in Armut befinden, aus dieser herausholen. Und jetzt kommt es: Zusammengerechnet wäre das nicht mal die Hälfte dessen, was künftig jedes Jahr ins Militär gesteckt werden soll.

Und es sind ja auch nicht die Kinder und Enkelkinder von Friedrich Merz oder die des Rheinmetall-Chefs, die in solchen Kriegen dann verrecken. Nein es sind unsere Leute, sie tragen unsere Namen. In NATO-Kreisen rechnet man im Falle eines Krieges mit Russland mit 5000 Soldaten aus Nato-Ländern, davon 1000 aus Deutschland, die dann jeden Tag sterben.

Um ihren Kriegskurs durchzusetzen, werden die Propagandalügen immer stärker. Russland bedrohe uns, heißt es stereotyp in den Nachrichten. Doch ist es Russland oder ist es der Westen, der jetzt so aufrüstet? Und wie soll Russland denn einen Krieg gegen die Nato führen, wenn die Nato Russland bereits jetzt in nahezu allen militärischen Bereichen um ein Vielfaches überlegen ist? In nahezu allen Bereichen, ob bei Kampfpanzern oder auch bei Kampfflugzeugen. Überall ist die Nato Russland mehrfach überlegen.

Überall im Westen wird aufgerüstet. Aber die deutschen Pläne übertreffen vieles. Die Bundesregierung möchte neue US-Mittelstreckenwaffen stationieren lassen. Möglicherweise noch dieses Jahr. Bis 2029 sollen zudem 400 Tomahawk-Marschflugkörper beschafft werden, die verbunkerte Ziele in Russland treffen. Gleichzeitig soll die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee in EU- und NATO-Europa aufgerüstet werden. Ich frage mal in die Runde: Was ist denn das anderes als Kriegsvorbereitung?

Und damit sind wir bei der Wehrpflicht, denn um Kriege zu führen benötigt man Soldatinnen und Soldaten. Deshalb ist der Kampf gegen die Wehrpflicht generationenübergreifend so wichtig. Dafür benötigen wir viele Unterstützer. Aus allen Teilen der Bevölkerung. Insbesondere auch aktive Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die gegen die Hochrüstung kämpfen. Auch alle Gruppen in der klassischen Friedensbewegung. Aber die Schulstreikbewegung ist in dieser Friedensbewegung inzwischen ein zuspitzender und vorwärtsweisender Kern. Ohne euch und eure Arbeit in den Schulstreikkomitees, euren Widerstand gegen Repressionen, werden wir den Kampf um den Frieden daher nicht gewinnen!

Wir werden deshalb als Initiative ‚Nie wieder Krieg‘ die 34.000 Bezieherinnen und Bezieher unseres Info-Briefes schon nächste Woche über die Ergebnisse dieser Schulstreikkonferenz informieren und alle Friedensgruppen darum bitten den für den 8. Mai vorgesehenen dritten Schulstreik zu unterstützen. Nicht nur durch Worte. Konkret. Organisatorisch. Politisch. Auch finanziell.

Die beiden ersten Schulstreiks waren großartig. Sie markieren den Startpunkt einer großen antimilitaristischen Jugendbewegung. Die Friedensbewegung bekommt mit euch ein neues Gesicht. Und das wird auch allerhöchste Zeit. Ich möchte euch daher vorschlagen, auch die nächste bundesweite Großdemonstration am 3. Oktober in Berlin und in Stuttgart gemeinsam vorzubereiten und zu konzipieren. Vielleicht auch mit einem anschließenden Antikriegskonzert gegen eine neue Wehrpflicht!

Ich wünsche uns gemeinsam für diese Konferenz und für den Schulstreik am 8. Mai viel Erfolg!

(Vortragender: Andreas Grünwald, Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung, Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘)

Hier kann die Rede auch als PDF-Datei heruntergeladen werden:

Rede als PDF downloaden

 


 

Nein zur Wehrpflicht – Nie wieder Krieg! – Am 8. Mai streiken wir!

Beschluss der II. Schulstreikkonferenz am 18./19.4.2026 in Göttingen

Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht in über 90 Städten am 5. Dezember und schon über 150 Städten am 5. März haben gezeigt: Unser Protest ist kein einmaliger Aufschrei. Wir sind eine breite Bewegung. Als solche wollen wir kämpfen und gemeinsam diskutieren, welchen Fokus, welche weiteren Schritte unser Widerstand braucht. Solange die Wehrpflicht weiter im Raum steht, werden wir weiter streiken. Wir kämpfen gegen die Wehrpflicht als Teil der aktuellen Kriegsvorbereitung, durch die hunderte Milliarden in die Aufrüstung gehen, während Bildung und Soziales gekürzt werden. Dafür gehen wir gemeinsam folgende Schritte:

  1. Wir gründen weitere Schulstreikkomitees in Städten und besonders in den Schulen. Dort treffen sich aktive Schüler*innen, bereiten die Streiks vor, diskutieren nächste Schritte und organisieren weitere Aktionen. Unser Ziel ist es noch mehr Mitschüler*innen zum Streiken zu gewinnen! Dafür versuchen wir an unseren Schulen auch mit den Schülerinnenvertretungsstrukturen zusammenzuarbeiten, um den Streik gegen die Wehrpflicht zu verbreitern und organisieren Vollversammlungen der Schülerinnenschaft. Dabei entscheiden wir selbst vor Ort und bundesweit auf Streikkonferenzen, wie es mit der Bewegung weitergeht.
  2. Wir organisieren unseren nächsten Streiktag am 8. Mai, dem 81. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg. Denn wir wollen nicht in einem Krieg für Deutschlands dritten Anlauf zur Weltmacht sterben!
  3. Wir wollen mehr Schüler*innen an den Schulen selbst in Aktion bringen und konkrete Erfolge erkämpfen, mit denen wir der Militarisierung etwas entgegensetzen können, die den Schulalltag beeinflussen und so unsere Mitschüler*innen überzeugen langfristig gemeinsam gegen Militarisierung zu kämpfen. Durch Umfragen und Protestaktionen erklären wir unsere Schulen zu „Schulen gegen die Wehrpflicht“! Wir stören Bundeswehrauftritte an Schulen und in der Öffentlichkeit. Für bundeswehrfreie Schulen!
  4. Wir wollen antimilitaristische und Friedensbildung an Schulen – selbstorganisiert und gestaltet durch Schüler*innen. Als Teil davon organisieren wir auch Informationsangebote zu Kriegsdienstverweigerung.
  5. Wir streben an, gemeinsam mit allen Teilen der Jugend – Schüler*innen, Auszubildenden, Studierenden und Arbeitenden sowie Gewerkschaftsjugenden und Jugendverbänden – den Kampf gegen den Krieg zu stärken und verbinden unseren Kampf gegen Aufrüstung mit Protesten gegen Kürzungen auf unsere Kosten und Beitragserhöhungen an den Hochschulen sowie dem Kampf um mehr und bessere Ausbildungsplätze. Deswegen beteiligen wir uns auch als Schüler*innen gemeinsam mit Azubis, Arbeitenden und Studierenden mit unseren Forderungen gegen die Wehrpflicht an den 1.Mai-Demonstrationen – für gute Bildung, sichere Ausbildung und Frieden!
  6. Wir verstehen uns als Teil der Bewegung gegen Krieg und Aufrüstung und beteiligen uns deshalb an den Aktionstagen der Friedensbewegung zum Antikriegstag am 01.09. und an der bundesweiten Friedensdemonstration am 03.10.
  7. Die nächste Schulstreikkonferenz findet am 18./19. Juli statt.
  8. In der Woche vom 16.6. bis 22.6. machen wir eine Aktionswoche, bei der wir uns gegen die Bundeswehrauftritte und Veranstaltungen im Rahmen des Veteranentags stellen und uns lokal an Veranstaltungen und Aktionen beteiligen oder sie selbst organisieren!
  9. Wir bemühen uns, um ein größeres Gemeinsamkeitsgefühl, unter den Schulstreikkomitees. Dafür sorgen wir für mehr überregionalen Austausch, damit die Komitees voneinander lernen können.

Auf die Straße am 8. Mai, denn: Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft!

Hier kann dieser Beschluss auch als PDF-Datei heruntergeladen werden:

Beschluss als PDF-Datei downloaden

 


 

Aufruf zum Schulstreik gegen Wehrpflicht am 8. Mai
 

Heraus zum 8. Mai:
Nie wieder Wehrpflicht!
Nie wieder Krieg!

Für ein Zeitalter der Schulstreiks statt Großmachtpolitik!

 
Am 8. Mai 1945 wurde der zweite Weltkrieg beendet. Der Krieg hatte 2000 Tage lang täglich Zerstörung, Leid und Tod mit sich gebracht. Er kostete über 60 Millionen Menschen weltweit das Leben. Etwas, das niemand von uns erneut erleben möchte.

Doch heute wird in Deutschland wieder aufgerüstet, fast jeder zweite Euro des Bundeshaushaltes wird für Panzer, Bomben und Infrastruktur, die das Land auf den Krieg vorbereitet, ausgegeben. Die Kassen der Rüstungsindustrie klingeln – damals wie heute: Rheinmetall, KNDS & Co. machen Rekordprofite. Währenddessen wird die Wehrpflicht Schritt für Schritt wieder eingeführt: verpflichtende Fragebögen seit Anfang des Jahres, Musterungen beim Militärarzt im nächsten Jahr. Und nun steht im Raum, dass Männer zwischen 17 und 45 Jahren nur noch mit Erlaubnis länger als 3 Monate ins Ausland ausreisen dürfen. Merz spricht vom „Zeitalter der Großmächte“, und meint damit den Kampf um Einflusssphären und Profit, wie wir es heute im Krieg gegen den Iran sehen können. Er spricht davon, dass die Pflicht kommen werde, wenn sich nicht genug Freiwillige melden. Das zeigt: Es wird sich auf einen Krieg vorbereitet und wir junge Menschen sollen das Kanonenfutter dafür sein.

Doch wir sagen: Das ist nicht das Zeitalter der Großmachtpolitik! Das ist das Zeitalter der Schulstreiks und des Widerstands!

Nachdem wir nun schon zweimal mit über 50.000 Schülerinnen und Schülern in ganz Deutschland auf der Straße waren, wollen wir dies am 08. Mai erneut tun. Wir zeigen damit: Was sind ein paar Fehlstunden oder schlechte Noten gegen 180 Tage Wehrdienst oder sogar der Tod im Schützengraben?

Am 08. Mai 1945 endete der 2. Weltkrieg, der Bombenhagel verstummte. Danach waren breite Teile der Bevölkerung sich einig: Von deutschem Boden dürfe nie wieder ein Krieg ausgehen. „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ war die Losung. In dieser Tradition werden wir am 08. Mai erneut auf die Straße gehen, mit allen, die kein Bock auf Wehrpflicht und den nächsten großen Krieg haben. Wir rufen dazu auf, dass alle Schülerinnen und Schüler an diesem Tag mit uns streiken. Lehrkräfte, Eltern, Studierende und alle die uns unterstützen, sind dazu aufgerufen mit uns auf die Straße zu gehen.

Am 08. Mai wird es in ganz Deutschland durch die Straßen schallen: Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!

Hinweis: Auf der Webseite des Schulstreikbündnisses sind zahlreiche weitere Materialien – auch Flyer – sowie Infos zu den Schulstreiks zu finden:

Webseite des Bündnisses gegen Wehrpflicht
 


 

Wie den Schulstreik unterstützen?

 
Schon bei den vergangenen Schulstreiks gegen die Wehrpflicht waren Gruppen aus der Friedensbewegung und Friedensaktive vielerorts unterstützend tätig. Um dies fortzusetzen, möchten wir euch einige Vorschläge und Ideen dafür zukommen lassen.

Am wichtigsten ist, dass wir miteinander ins Gespräch kommen und herausfinden, wie die konkrete Zusammenarbeit vor Ort mit den einzelnen Schulstreikkomitees aussehen kann. Solltet ihr keine Kontakte zur lokalen Schulstreikbewegung haben, meldet euch gern bei der bundesweiten Mailadresse: [email protected] – da kann der Kontakt zu örtlichen Komitees vermittelt werden. Meldet euch dort auch gerne ein zweites Mal, wenn der Kontakt nach dem ersten Mal nicht zustande kommt.

So bald uns konkrete Informationen zu den Schulstreik-Aktionen in den einzelnen Orten vorliegen, werden wir diese hier auf dieser Webseite ebenfalls dokumentieren. Schaut also ruhig in einigen Tagen hier noch mal rein!

Die einfachste Möglichkeit, in den Austausch zu kommen, ist die gegenseitige Einladung zu den jeweiligen Treffen. Ladet doch Vertreterinnen und Vertreter der Schulstreikbewegung zu euren lokalen Friedensforen mal ein und lasst euch im Gegenzug zu ihren Treffen einladen. Dort kann dann über konkrete Unterstützungsmöglichkeiten gesprochen werden.

Einige Ideen, wie die Friedensbewegung die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht unterstützen kann:

  • Aufbau lokaler Strukturen für Eltern, Omas und Opas gegen die Wehrpflicht: Oft schaffen es die Schülerinnen und Schüler nicht, zusätzlich zur Organisation ihrer Mitschülerinnen auch die älteren Generationen einzubeziehen – obwohl diese unterstützen wollen und können. Hier kann die Friedensbewegung ansetzen, indem sie Anlauf- und Austauschpunkte für alle Eltern, Omas und Opas gegen die Wehrpflicht schafft.
  • Unterstützung bei der Verbreitung von Material: Ob Plakate kleben, Flyer verteilen oder Sticker auslegen – überall können wir helfen, den Schulstreik bekannter zu machen.
  • Rechtliche Unterstützung: Schon bei den letzten Schulstreiks sahen sich Schülerinnen und Schüler teils mit Repressionen konfrontiert: Streiks wurden verboten, Schülerinnen und Schüler eingesperrt, Anmelder mit Anzeigen gedroht und im Nachgang erhielten einige Bußgelder. Als Friedensbewegung haben wir oftmals Erfahrung im Umgang mit solcher Einschüchterung und Kontakte zu Anwälten, mit denen wir rechtlich unterstützen können.
  • Unterstützung vor Ort während der Streiks: Auch auf den Schulstreiks selbst können wir als Friedensbewegung aktiv werden – nicht nur mit eigenen Plakaten und Transparenten. Manchmal fehlt es an Ordnern, Menschen, die den Infostand betreuen, oder an Helfern für die Versorgung während des Streiks. All das sind Aufgaben, die wir als Aktive der Friedensbewegung bereits vielfach übernommen haben und mit denen wir die Streikenden wirksam entlasten können.
  • Unterstützt die Schulstreikkomitees nach euren Möglichkeiten auch finanziell. Der Druck von Flyern, die Bereitstellung von Lautsprecherwagen und ähnliches mehr, das alles ist mit hohen Kosten verbunden.

Der Protest gegen die Wehrpflicht hat das Potenzial, zu einer großen antimilitaristischen Jugendbewegung zu werden – und damit auch zur Stärkung der Friedensbewegung beizutragen. Sorgen wir mit dafür, dass es gelingt!

 


 

Berichte zu den Schulstreiks am 5. März 2026 und am 5. Dezember 2025 sowie weitere Infos zum Thema

 
Berichte zu den Schulstreiks am 5. März 2026 und am 5. Dezember 2025 sowie weitere Infos zum Thema findet ihr hier:

Berichte vom Schulstreik am 5. März

Berichte vom Schulstreik am 5. Dezember

Weitere Infos rund um das Thema Wehrpflicht und Kriegsdienst
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

☐ ☆ ✇ Nie wieder Krieg!

Ostermärsche 2026 – Reden von NWK-Aktiven

veröffentlicht.
Vorschau ansehen

Flächendeckend fanden über die Ostertage 2026 von Flensburg bis Konstanz Aktionen der Friedensbewegung statt. An vielen Orten auch mit einer erheblich größeren Beteiligung als im letzten Jahr. Die Aktivitäten reichten von Fahrraddemos, über Straßenaktionen bis hin zu vielen Demonstrationen.

Wir veröffentlichen hier nach und nach in den nächsten Tagen die Redebeiträge von Aktiven der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder*, die an der Organisation und Durchführung der Ostermärsche vielerorts beteiligt waren. Zu den Redenden aus unserer Initiative gehörten die Gewerkschafterin Ulrike Eifler, die Berliner Friedensaktive und Journalistin Wiebke Diehl, Lühr Henken sowie Jutta Kausch-Henken aus der Berliner FRIKO, der Heidelberger Friedensaktivist Joachim Guilliard, die Frankfurter Friedensaktive sowie SDAJ-Bundesvorsitzende Andrea Hornung, der hessische Friedensaktive Julian Eder sowie der Hamburger Friedensaktive Andreas Grünwald.

Etliche weitere Redebeiträge aus vielen weiteren Spektren der Friedensbewegung findet ihr auf der Webseite des Netzwerkes Friedenskooperative.
 


 

Rede Wiebke Diehl
Ostermarsch in Berlin, 4. April 2026

 
Liebe Freundinnen und Freunde,

zuallererst möchte ich euch danken, dass ihr alle heute hier seid.

Und mein ganz besonderer Dank gilt der Friko. Für euren unermüdlichen Einsatz gegen Krieg und für Investitionen in Soziales, Kultur, Bildung und die öffentliche Daseinsvorsorge anstelle von völlig irrsinniger und hochgefährlicher Aufrüstung. Eure Arbeit ist von unschätzbarem Wert und dafür danken wir euch von Herzen!

Und, liebe Freunde,

dass die Friedensbewegung an diesem Wochenende überall in Deutschland auf die Straße geht, ist in diesen verrückten und bedrohlichen Zeiten ganz besonders wichtig.

Berliner Ostermarsch 2026: Solidarität mit PalästinaWir müssen laut und deutlich unsere Stimme erheben und Nein sagen! Nein zum Überfall auf den Iran! Nein zum Krieg gegen den Libanon! Nein zur israelischen Völkermord-, Apartheid- und Annexionspolitik im Gazastreifen, in Jerusalem, im Westjordanland, in Syrien und im Libanon! Nein zum Versuch, all diejenigen zu unterjochen, die sich einer westlichen, imperialistischen Ideologie und Dominanz nicht fügen wollen.

Wir dürfen nicht zulassen, dass Hilflosigkeit und vielleicht sogar Gewöhnung sich Bahn brechen – auch in unseren Reihen.

Man kommt ja kaum noch hinterher: da wird mir nichts dir nichts in Venezuela einmarschiert und der Präsident und seine Frau gekidnapped. Und siehe da: endlich stehen die weltweit größten Ölreserven, etwa 19 Prozent des bekannten Vorkommens, unter Kontrolle der USA. Jetzt will Trump sich auch noch Kuba „nehmen“…

Liebe Friedensfreunde,

während laufender – und offenbar erfolgversprechender – Verhandlungen haben Israel und die USA den Iran hinterhältig überfallen. Schulen und Krankenhäuser werden bombardiert, zivile Infrastruktur zerstört.

Kriegsverbrechen, die vor den Internationalen Strafgerichtshof gehören!

Angeblich will man den Bau einer iranischen Atombombe verhindern. Nur dumm, dass alle 16 US-amerikanischen Geheimdienste dies als Lüge entlarvt haben. Und darüber hinaus haben omanische Vermittler kurz vor Kriegsbeginn einen Durchbruch in den Verhandlungen vermeldet.

Worum es wirklich geht, liegt auf der Hand: Trump will seine viel beschworene „Energiedominanz“ umsetzen und den Rivalen China schwächen, der zuletzt mindestens 80 Prozent des iranischen Öls kaufte. Und natürlich soll die Islamische Republik Iran ausgeschaltet werden, weil sie sich der Umsetzung westlicher geopolitischer Interessen entgegenstellt.

An die alte Mär von herbeigebombter Demokratie, von Menschen- und Frauenrechten kann keiner mehr glauben, der noch bei Verstand ist.

Oder warum wird dann Saudi-Arabien nicht bombardiert? Warum wird den folternden, vergewaltigenden und mordenden Terrorbanden in Syrien kein Einhalt geboten und dem so genannten syrischen Präsidenten stattdessen der rote Teppich ausgerollt? Warum zieht niemand endlich die Regierung Netanjahu und ihre Militärs zur Verantwortung? Diese Doppelmoral stinkt zum Himmel!

Und zum Himmel stinkt auch die Komplizenschaft der Bundesregierung. Indem sie die Nutzung der US-Militärstützpunkte in Deutschland, allen voran Ramstein, nicht verbietet, leistet sie Beihilfe zum eklatanten Völkerrechtsbruch der USA und Israels.

Schauen Sie Sich doch einmal um, Herr Merz! Spanien und inzwischen auch Italien, Frankreich und Österreich haben vorgemacht, wie eine Politik im Interesse der Bevölkerung aussieht und den USA verboten, diesen völkerrechtswidrigen Krieg unter Nutzung ihres Territoriums zu führen. Nehmen Sie Sich ein Beispiel und wachen Sie endlich auf. Die Folgen dieses Kriegs auch für die deutsche Wirtschaft und Bevölkerung werden bald ein Ausmaß erreichen, das sich viele in ihren kühnsten Träumen nicht auszumalen wagen.

Wir fordern die Schließung aller US-amerikanischen Militärbasen in Deutschland und den Abzug aller Atomwaffen.

Und nein, Herr Merz, die Nato ist kein Verteidigungs- und schon gar kein Friedensbündnis!

Liebe Freunde,

Im Libanon hat die Regierung Netanjahu ein „neues Gaza“ angedroht. Ganz offen wird die Zerstörung ziviler Häuser und Infrastruktur angekündigt und umgesetzt.

Nein, liebe Freunde, es geht nicht um Sicherheit. Im Windschatten des Irankriegs versuchen die kolonialistische israelische Regierung und die fanatische Siedlerbewegung, ihre Großisrael-Pläne umzusetzen, die schon in den Schubladen von Staatsgründer David Ben-Gurion schlummerten.

Zugleich wird die Annexion des Westjordanlands im Eiltempo vorangetrieben. Siedler machen unter den Augen der Armee Jagd auf Frauen und Kinder. Und ganz nebenbei wurde gerade ein Todesstrafegesetz nur für Palästinenser verabschiedet. In Willkürverfahren vor Militärgerichten durch Nicht-Juristen Verurteilte sollen innerhalb von 90 Tagen hingerichtet werden. Eine Schande, der wir nicht schweigend zusehen werden!

Es ist dringend an der Zeit, Netanjahu und seine Entourage vor dem Internationalen Strafgerichtshof zur Rechenschaft zu ziehen!

Und, liebe Friedensfreunde: der Protest gegen den Völkermord im Gazastreifen muss wieder lauter werden. Denn dieses schreckliche Verbrechen dauert an – jeden Tag, jede Minute.

Liebe Freunde,

wir, die wir hier stehen, machen uns keine Illusionen: Kriege werden nicht aus hehren Motiven geführt. Es geht um die Umsetzung knallharter geopolitischer Interessen, um die Kontrolle von Ressourcen und Handelsrouten.

Deshalb schmettern wir heute den Herrschenden entgegen:

Wir werden niemals schweigen, wenn unsere Kinder zu Kanonenfutter gemacht werden sollen!
Wir werden nicht schweigen, wenn wie vor wenigen Tagen ein einschlägiger Terrorist, der sich selbst zum Präsidenten Syriens ernannt hat und dessen Schergen zu Hause schwerste Verbrechen an Minderheiten begehen, aber die israelischen Besatzer freundlich willkommen heißen, vom Bundeskanzler mit höchsten Ehren empfangen wird.

Wir werden nicht schweigen, wenn das Völkerrecht auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen wird, wenn Länder und die dort lebende Bevölkerung überfallen werden.

Und wir werden schon gar nicht zur Komplizenschaft der Bundesregierung schweigen.
Wir stehen an der Seite derjenigen, die getötet und deren Länder zerstört werden, weil sie ihr Recht auf ein unabhängiges und selbstbestimmtes Leben in Anspruch nehmen!

Danke.

Hinweis: Hier kannst du dir die Rede auch als PDF-Datei downloaden:

Rede Wiebke Diehl als PDF downloaden
 


 

Rede Julian Eder
Ostermarsch in Bruchköbel, 3. April 2026

 

Julian Eder beim Ostermarsch in BruchköbelLiebe Friedensfreundinnen und Freunde,

Deutschland rüstet zum Krieg. In diesem Krieg, der gerade vom kollektiven Westen vorbereitet wird, geht es um Handelsrouten, Profit und die Kontrolle von Rohstoffen.

Das sehen wir an Venezuela, das seit der Entführung von Nicolas Maduro und Cilia Flores von den USA erpresst wird.

Und das sehen wir am Iran, der von den USA und Israel völkerrechtswidrig angegriffen wurde.

Beides sind Länder mit riesigen Ölreserven. Und beides sind strategische Partner des größten wirtschaftlichen Konkurrenten der USA – China.

Und was tut die Bundesregierung? Die steht hinter den USA, weil auch sie ein Stück vom Kuchen abbekommen möchte. Denn Deutschland will selbst Großmacht werden, wie Kanzler Merz beim Weltwirtschaftsforum in Davos ganz offen erklärt hat!

Wie im ersten Weltkrieg leben wir in einer Zeit der Großmachtpolitik. Wir sagen: Kein Blut für Öl – kein Krieg für Profit!

Bei Iran und Venezuela geht es nicht um Freiheit, Sicherheit und Demokratie. Es geht um Öl Macht und größtmöglichen Profit. Es geht darum, die Vorherrschaft des Westens unter Führung der USA militärisch abzusichern.

Denn der Westen befindet sich im Niedergang. Schaut man sich die Entwicklungstendenzen der großen Volkswirtschaften an, dann wird klar. Der Westen verliert weltweit an Bedeutung, der globale Süden und die Länder der BRICS steigen auf – an ihrer Spitze China.

Das ist der Hintergrund der amerikanischen Attacken! Europa und die Vereinigten Staaten von Amerika haben diese Welt jahrhundertelang unterjocht und unter sich aufgeteilt. Diese Zeiten sind vorbei!

Die Welt ist im Umbruch. Die Niederlage der alten Herrschaft ist nicht aufzuhalten. Doch das heißt leider nicht, dass wir uns zurücklehnen können. Noch ist die Frage offen, wie dieser Niedergang ablaufen wird.

Vor diesem Hintergrund müssen wir uns die Kriege anschauen, die die Trump-Regierung vom Zaun bricht. Vor diesem Hintergrund müssen wir uns auch die umfassende Militarisierung, die in Deutschland vor sich geht, analysieren.

Wieso will die deutsche Regierung kriegstüchtig werden? Warum will Kanzler Merz, dass die Bundeswehr zur stärksten Armee Europas aufgerüstet wird?

Im Kampf um die Neuaufteilung der Welt will diese Regierung das Beste für das deutsche Kapital herausholen. Sie möchten neue Konkurrenten niederhalten und im Bündnis mit den USA die alte Weltordnung so gut es geht verteidigen. Dazu sind sie bereit an den Rand eines dritten Weltkrieges zu gehen.

Das, liebe Freundinnen und Freunde, ist der Hintergrund der aktuellen Auseinandersetzung!

Und wenn jetzt einer meint, die deutsche Kriegstüchtigkeit sei notwendig, um Demokratie gegen Autoritarismus zu schützen der sollte sich mal anschauen, wer eigentlich unsere Verbündeten sind. Der sollte mal nach Israel blicken. Einer der wichtigsten Partner und Unterstützer Israels ist doch die Bundesrepublik. Deutschland unterstützt ein Land, das erst diese Woche eine Todesstrafe beschlossen hat, die de facto nur auf  Palästinenser angewendet wird! Ich bitte euch, offener kann man doch nicht sagen: Wir sind ein Apartheidsstaat!

Was hat es denn bitteschön mit Demokratie zu tun, wenn eine faschistische Regierung mit deutschen Waffen ausgerüstet wird, die nach der systematischen Zerstörung des Gaza-Streifens nun auch den Libanon in Schutt und Asche legt?

Und was hat es bitteschön mit Demokratie zu tun, wenn in Deutschland eine Bewegung, die auf den Völkermord Israels an den Palästinensern aufmerksam macht, mit der Antisemitismuskeule mundtot gemacht wird?

Liebe Leute, es war doch schon immer so! Demokratie und Menschenrechte, die werden von Kriegshetzern mal vorgeschoben mal ignoriert – je nachdem wie es ihnen passt. Auch in diesen Kriegen geht es nicht um  Werte und Moral, sondern um Interessen.

Ein Opfer dieser Interessen ist das sozialistische Kuba, das seit Jahresbeginn unter einer massiven Energieknappheit leidet – denn die USA blockieren jegliche Öllieferungen aus dem Ausland nach Kuba und wollen damit ganz bewusst eine humanitäre Katastrophe herbeiführen.

Dazu möchte ich nur soviel sagen:

Es ist nicht das erste Mal, dass sie unseren kubanischen Freunden die Luft abdrücken wollen. Seit 1960, also seit 66 Jahren halten die USA ihre verbrecherische Wirtschaftsblockade aufrecht.

Kuba hat Militärinterventionen hinter sich, Attentate auf Regierungsmitglieder, unzählige Sabotageakte. Trotz alledem ist das Gesundheits- und Bildungssystem auf Kuba international geachtet und für seine Bevölkerung komplett kostenlos. Die kubanischen Ärztebrigaden haben nicht nur in der Corona-Krise auf aller Welt die Gesundheitssituation in armen Ländern enorm verbessert.

Wer denkt, der Imperialismus kriegt die Kubaner nun mit dieser Verschärfung der Blockade klein, der unterschätzt unsere kubanischen Genossinnen und Genossen, unsere kubanischen Brüder und Schwestern.

Es wird nicht einfach, aber es war noch nie einfach. Kuba lebt und wehrt sich – und wir werden alles daran setzen, um Kuba nach Kräften in seinem Kampf zu unterstützen.

Solidarität mit Kuba – Nieder mit dem Imperialismus!

Ich will nochmal zur Situation in Deutschland zurückkommen. Deutschland will kriegstüchtig werden, will also Kriege führen. Wenn wir uns die Kriege in der Ukraine und im Iran anschauen, dann wissen wir um die technische Weiterentwicklung, die es seit dem ersten Weltkrieg gab. Heute dominieren Drohnen und KI-Systeme das Schlachtfeld.

Doch trotz modernster Waffentechnik, trotz ferngesteuerten Drohnen, trotz militärisch eingesetzter KI-Systeme kommt man auch heute nicht an einer Sache vorbei, wenn man einen Krieg führen will: an Soldaten!

Wenn die deutsche Regierung einen Krieg führen will, dann kommt sie nicht am Einsatz von Soldaten vorbei. Und das heißt im Klartext, sie kommen nicht an der Wehrpflicht vorbei!

Und was die deutsche Jugend davon hält, liebe Freundinnen und Freunde, das hat sie bei den Schulstreiks am 5. Dezember und bei den Schulstreiks am 5. März gezeigt – nämlich absolut gar nichts!

An beiden Tagen sind über 50.000 junge Menschen in über 150 Städten auf die Straße gegangen und haben deutlich gemacht:

Wir, die arbeitende und lernende Jugend in Deutschland, wir wollen nicht das Töten lernen! Wir haben anderes vor mit unserem Leben als Drill und Gehorsam. Wir sagen – Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht!

Die Wehrpflicht ist ein wichtiger Baustein für das deutsche Kapital, für die deutschen Mächtigen auf ihrem Weg zur Kriegstüchtigkeit.

Und sie sagen ja ganz offen, wofür die Soldaten, die ja mit der Wehrpflicht in Massen ausgebildet werden sollen, eingesetzt werden. Laut NATO-Berechnungen würden in einem heißen Krieg gegen Russland jeden Tag 1.000 „unserer“ Soldaten an der NATO-Ostflanke sterben. 1.000 jeden Tag – und dann kommen noch die Verletzten dazu. Das ist das Feuer, mit dem wir hier spielen. Das ist doch ein Wahnsinn!

– Diese Zahlen fängt man nicht mit einer Freiwilligenarmee ab, dafür braucht man eine Massenarmee, die Massen an Verlusten abfedern kann. Das heißt: Man braucht massenweise Leute, die in diesem Krieg kalkuliert draufgehen werden ->> Sie brauchen uns als Kanonenfutter, sie wollen uns für ihren Fleischwolf – und wollen uns auch noch verbieten, dass wir dagegen auf die Straße gehen.

Ostermarsch in Bruchköbel 2026Und das perverse daran ist doch: Es werden nicht die Söhne von Rheinmetall-Chef Armin Pappberger und auch nicht die Enkel von Friedrich Merz sein, die in diesem Fleischwolf enden. Es ist wieder einmal die Arbeiterklasse, die in einem solchen Krieg nichts zu gewinnen, aber alles zu verlieren hat.

Und schaut euch den Krieg in der Ukraine an: Dort liegen sich die Soldaten in Schützengräben gegenüber, wie damals in Verdun. Und wie damals in Verdun gehen Tausende und Abertausende von jungen Menschen für die Interessen mächtiger Hintermänner drauf. Nur dass man mittlerweile mit den Drohnen viel leichter an so einen Schützengraben rankommt. Das ist die Perspektive, die uns droht, wenn sie jetzt von Wehrpflicht und Kriegstüchtigkeit reden

Das gilt es zu verhindern und das können wir auch verhindern!

In ganz Deutschland haben wir als SDAJ Umfragen zur Wehrpflicht an Schulen gemacht, die Ergebnisse sind flächendeckend eindeutig: Über 80% der Schülerinnen und Schüler lehnen die Wiedereinführung der Wehrpflicht ab!

Und immer häufiger ziehen diese Schülerinnen und Schüler die Verbindung zu anderen friedenspolitischen Fragen. Die Bewegung politisiert sich und begreift zunehmend, dass der Wehrdienst nicht getrennt von der Kriegstüchtigkeit und die Kriegstüchtigkeit nicht getrennt von den Interessen der Reichen und Mächtigen betrachtet werden kann.

Wir werden stärker, und das wird der Gegenseite klar.

Bei den letzten Schulstreiks haben die Repressalien zugenommen.

Schülerinnen und Schüler wurden in ihre Klassenräume eingesperrt. Schulleiter machten einschüchternde Durchsagen, es gab unzählige Missbilligungen und Drohungen – nicht nur am Streiktag selber, auch im Vorfeld bei der Mobi-Aktionen. In Stuttgart wurden sogar Bußgelder an die streikende Schülerschaft verhängt.

Je mehr und je stärker wir in der Bewegung gegen die Wehrpflicht werden, desto mehr Repression werden wir erleben. Aber desto mehr wird man auch versuchen, die Bewegung durch halbe Versprechen einzubinden und unschädlich zu machen. Die Wehrpflichtfrage von der Frage des Krieges abzutrennen, und sie auf individuelle Lebensentwürfe zu reduzieren. Dann können eben einige verweigern, andere können Soldat spielen.

Versteht mich bitte nicht falsch

den Kriegsdienst zu verweigern ist richtig und wichtig – und es ist toll, dass im ganzen Land Kriegsdienstverweigerungsberatungen wieder aufgebaut werden und dass die DFGVK dabei eine so starke Rolle einnimmt.

Aber auch die KDV wird nur solange gedultet werden, bis die Bundeswehr ihre Wachstumsziele tatsächlich nicht erreicht. Deshalb: Ruhen wir uns nicht darauf aus, politisieren wir die Verweigerungsberatungen, orientieren neben der Verweigerung auch auf den Kampf auf der Straße und lasst uns diese verdammte Wehrpflicht verhindern!

Liebe Freundinnen und Freunde,

in einer Welt, in der die Jagd nach Profiten die Politik bestimmt, muss jeder Absatzmarkt, jedes Ressourcenvorkommen und jede Möglichkeit zur Ausbeutung von Mensch und Natur für die Banken und Konzerne im Zweifel militärisch abgesichert werden. Bertolt Brecht hat diesen Drang nach dem Krieg einst treffend zusammengefasst, als er schrieb: „Die Kapitalisten wollen keinen Krieg, sie müssen ihn wollen!“ Die Ursachen von Krieg und Krise sind also in unserer Wirtschaftsform zu finden, auch dessen muss sich die Friedensbewegung bewusst sein.

Das bedeutet, unser Kampf sollte nicht nur gegen Krieg, sondern auch für eine friedliche Gesellschaft geführt werden. Und das heißt in letzter Konsequenz den Kampf für eine sozialistische Gesellschaft, in dem Solidarität statt Profitmaximierung und Kooperation statt Konkurrenz gilt, zu führen.

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

am 8. Mai ist der nächste Aktionstag der Schulstreikbewegung. Lasst uns auch dort wieder auf die Straße gehen, lasst uns auch am 30. Mai in Wiesbaden gegen die Mittelstreckenraketen auf die Straße gehen und lasst uns keine Ruhe geben, bis dieses Land nicht kriegstüchtig, sondern friedensfähig geworden ist. Vielen Dank!

Hinweis: Hier kannst du dir die Rede auch als PDF-Datei downloaden:

Rede Julian Eder als PDF downloaden
 


 

Rede Ulrike Eifler
Ostermarsch am 4. April in Berlin und Ostermarsch am 6. April 2026 in Dortmund

 
Ulrike EiflerLiebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

als aktive Gewerkschafterin sage ich, es gibt mindestens drei Gründe, an den diesjährigen Ostermärschen teilzunehmen.

Erstens: Die öffentliche Debatte ist geprägt von einer verschärften Kriegsrhetorik.
Diplomatische Lösungen für Kriege und Konflikte werden gar nicht mehr mitgedacht, sondern kategorisch ausgeschlossen.

Der Krieg muss nach Russland getragen werden, trompetet der vermeintliche Außenexperte Roderich Kiesewetter in jedes Mikro, das ihm unter die Nase gehalten wird.

Der Militärhistoriker Sönke Weitzel schwärmt vom womöglich letzten Friedenssommer.
Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer lässt uns wissen, dass Abschreckung nicht nur reaktiv sei, sondern auch aktive Momente habe.

Und wenn der Bundespräsident den illegalen israelisch-amerikanischen Angriff auf den Iran völlig zu recht als völkerrechtswidrig bezeichnet, dann wird ihm Einmischung vorgeworfen, weil die völkerrechtswidrige Prüfung der Bundesregierung noch andauere.

Mal ganz abgesehen davon, dass man sich angesichts dieser Debatte insgeheim wünscht, die Bundesregierung würde ihre Prüfung noch vor Beginn des Dritten Weltkrieges abschließen, ist aber auch klar, dass das alles keine ungeschickten Äußerungen sind, sondern bewusst gesetzte rhetorische Wegmarken, die uns verraten, dass ein Krieg gegen Russland ernsthaft in Erwägung gezogen wird.

Zweitens: Deshalb ist die Bundesregierung zu einer Politik aktiver Kriegsvorbereitung übergegangen.

Im vergangenen Herbst probten in Hamburg Bundeswehr, Blaulichtorganisationen und öffentliche Behörden die zivil-militärische Zusammenarbeit.

Und in diesem Jahr wird in einer großangelegten Sanitätsübung die Evakuierung und Versorgung von Kriegsverletzten und Toten trainiert.

Das sind alles keine harmlose Militärübungen – vielmehr ist das Gegenteil der Fall: Hier wird für den Ernstfall trainiert.

Was sich hinter dem Wort zivil-militärische Zusammenarbeit verbirgt, ist die Unterordnung aller zivilen Bereiche unter die militärische Logik.

Diese Manöver dienen nicht der Verteidigung, sondern proben den Kriegsfall und die Mobilmachung der Bevölkerung.

Drittens: Diese Politik hat erhebliche soziale Auswirkungen, die vor allem zu unseren Lasten gehen werden.

Aktuell werden die schärfsten Sozialkürzungen in der Geschichte der Bundesrepublik auf den Weg gebracht.

Markus Söder spricht von einem „Update des Sozialstaates“, Friedrich Merz vom „Epochenbruch in der Sozialpolitik“ und Regierungsberater fordern, dass die „Verrechtlichung ganzer Lebensbereiche“ endlich beendet werden müsse.

Rente mit 70, Vorkasse bei Arztbesuchen, die Rückkehr zur 70-Stunden-Woche am Arbeitsplatz – Union und SPD haben offenbar alle Denkverbote abgelegt, um ihre wahnsinnige Aufrüstung zu finanzieren.
Dabei gerät auch unsere öffentliche Daseinsvorsorge unter die Räder.

Hier in Berlin fand im letzten Sommer ein Treffen am Campus der Charité statt, an dem sich die Berliner Krankenhausgesellschaft, die Bundeswehr und der Berliner Senat beteiligten. Bei dem Treffen wurde die Unterordnung der Gesundheitsversorgung unter das Kommando Bundeswehr durchgesprochen.

Dabei wurde deutlich, die Berliner Krankenhausgesellschaft empfiehlt niedergelassenen Ärzten in Berlin schon jetzt, Patienten nur in zwingenden Notfällen zur Weiterbehandlung in Krankenhäuser zu überweisen.

Und dem schon jetzt völlig überlasteten Pflegepersonal wurde gesagt, dass die Belastungen im Spannungsfall noch größer werden würden und sie sich deshalb gesundheitlich fit halten sollten – mit Yoga und Sport und lieber mit dem Fahrrad als mit dem Auto zur Arbeit fahren sollten.

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde, ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich finde, das ist an Zynismus wirklich nicht mehr zu überbieten und zeigt, dass wir in den Augen der politischen Klasse offenbar nur namenlose Statisten sind, die auf dem Planquadrat ihrer Kriegsvorbereitung hin- und hergeschoben werden sollen.

Liebe Freundinnen und Freunde, lasst mich abschließend einen letzte Gedanken äußern.

Als aktive und friedensbewegte Gewerkschafterin ist es mir ein besonderes Anliegen, darauf hinzuweisen, dass sich vor zwei Wochen die Initiative „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für Kuba“ gegründet hat.

Das ist eine wichtige Initiative, weil die US-Blockade gegenüber Kuba mittlerweile zu akuten Stromausfällen führt, die verbunden sind mit Produktionsstopps und Nahrungsmittelengpässen. Die Menschen auf Kuba hungern, weil die USA ihre seit Jahrzehnten andauernde Wirtschaftsblockade noch einmal massiv verschärft hat.

Und deshalb sage ich: Auch diese, seit Jahrzehnten andauernde US-Blockade gegen Kuba, der Druck der USA auf andere Staaten, Kuba nicht mehr zu unterstützen und die Drohungen Trumps, den Inselstaat zu überfallen – all das sind nicht hinzunehmende Verstoß gegen das Völkerrecht.

Und auch dazu schweigt die Bundesregierung.

Deshalb freue ich mich ganz besonders darüber, dass sich eine wirklich große Anzahl von Kolleginnen und Kollegen zu dieser Initiative zusammenzugeschlossen hat.
Ziel ist es, Spenden zu sammeln, um die Menschen zu unterstützen und ein ehrgeiziges Projekt erneuerbarer Energien auf den Weg zu bringen, das Kuba unabhängig macht von den Erdöllieferungen anderer Länder.

Vor allem aber muss es darum gehen, den Menschen auf Kuba zu zeigen, dass sie nicht allein sind, sondern wir an ihrer Seite stehen.

Seit Jahrzehnten terrorisieren die USA alle Länder, die sich ihrem Diktat nicht unterwerfen – jetzt ist es an der Zeit, sich aktiv an die Seite der Menschen in Kuba zu stellen und den USA ein für alle mal zu sagen: Es reicht!

Unsere Solidarität gilt den Menschen in Kuba!

Tun wir das, weil ein Angriff auf einen von uns ein Angriff auf uns alle ist.
Tun wir das, weil Solidarität und füreinander einzustehen zur Kern-DNA unserer stolzen Gewerkschaftsbewegung gehören.
Tun wir das aber vor allem auch deshalb, weil immer deutlicher wird: Wer das Völkerrecht nicht respektiert, der respektiert auch keine Arbeits- und Gewerkschaftsrechte.
Der Diskurs in diesem Land verändert sich und es ist offensichtlich, dass diejenigen, die kein Interesse daran haben, über Völkerrechtsbrüche zu sprechen, auch bereit sind, Grundrechte und Verfassung als lästiges Regelwerk beiseite zu schieben.
Lassen wir das nicht zu! Solidarität mit den Menschen auf Kuba! Solidarität mit dem Men-schen in Palästina! Und Nein zu dem unwürdigen Schweigen der Bundesregierung, wenn es darum geht, Völkerrechtsbrüche zu verurteilen!

Dieses Ostermarschwochenende, liebe Freundinnen und Freunde, findet nicht isoliert statt, sondern es reiht sich ein in eine Welt, die zunehmend in Bewegung gerät.

Diese Welt steht in Flammen und die Menschen wehren sich dagegen.

Am vergangenen Wochenende waren in London mehr als eine halbe Millionen Menschen ge-gen den Genozid in Gaza und den illegalen Krieg im Nahen Osten auf der Straße.

Am selben Tag demonstrierten 300.000 Menschen in Rom gegen Krieg und Sozialabbau.
Vor zwei Wochen beteiligten sich an den Generalstreiks der belgischen Gewerkschaften über 100.000 Menschen.

Und selbst in den USA waren vor ein paar Tagen insgesamt acht Millionen Menschen gegen die Politik von Donald Trump auf der Straße.

All das zeigt: Diese Zeiten stecken voller Gefahren, aber sie halten auch Möglichkeiten für diejenigen bereit, die diese Welt verändern wollen.

Ergreifen wir diese Möglichkeiten! Glück auf!

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Rede Andreas Grünwald
Auftaktkundgebung Ostermarsch in Hamburg, 6. April 2026

 
Hier könnt die Rede von Andreas Grünwald euch auch als Film bei Youtube anschauen:

Rede von Andreas Grünwald als Film anschauen – Erster Teil

Rede von Andreas Grünwald als Film anschauen – Zweiter Teil

Andreas Grünwald bei der Friedensaktion am 13. MärzLiebe Freundinnen und Freunde,

ich bin stolz heute vor so vielen Friedensaktiven sprechen zu dürfen. Nachdem wir am 13. März mit einer Demo in Hamburg ein erstes Signal unseres Widerstands gegen diesen barbarischen Krieg der USA und Israels gegen den Iran gesetzt haben, nachdem der Schulstreik gegen die Wehrpflicht auch in Hamburg Tausende auf die Straße führte, setzen wir heute ein noch deutlicheres Zeichen unseres Widerstands gegen die Politik der Kriege, wie sie auch die Bundesregierung in Berlin betreibt.

Wir erleben in diesen Tagen einen Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Dieser Krieg ist ein hinterhältiges Verbrechen. Begonnen während laufender Verhandlungen und so wie der Angriff auf Venezuela oder auch dieser kriminelle Wirtschaftskrieg gegen Kuba, nichts anderes als ein Akt nackter imperialistischer Gewalt! Begründet mit einer atomaren Bedrohung durch den Iran. Doch selbst die US-Geheimdienste, alle 16, kamen zu dem Schluss, dass absolut nichts auf ein iranisches Atomwaffenprogramm aktuell hindeutet.

Genauso verlogen ist es, wenn im Zusammenhang mit diesem Krieg von einem befreienden Regime-Change die Rede war. Mal abgesehen davon, dass auch das dem Völkerrecht widerspricht, die Wahrheit ist eine andere: dieser Krieg wird ausschließlich dafür geführt, einen geopolitischen Kontrahenten zu beseitigen oder mindestens zu schwächen. Einen Kontrahenten, der nicht nach US-amerikanischer Pfeife tanzt. So wie es die USA und die Nato zuvor auch in Jugoslawien, im Irak, in Libyen und Syrien getan haben. Sie haben Millionen Tote und Versehrte und zerstörte Länder hinterlassen – „in die Steinzeit zurückbomben“ war schon in Vietnam das Ziel der USA. Und es ist ein Krieg ums Öl. Einer, der auch den Groß-Israel Fanatikern neuen Raum dafür gibt weitere Gebiete zu annektieren. Jetzt im Libanon. Und so wie zuvor schon im Gaza-Streifen oder gegenüber Syrien.

Und dieser Völkermord in Gaza ist ja nicht beendet. Er setzt sich jeden Tag fort. Mit Hunger, mit Elend und Tod. Waffenruhe? Seitdem diese verkündet wurde, gab es über 1000 israelische Verletzungen dieses Waffenstillstands. Israel möchte, und auch dies geschieht mit Unterstützung der deutschen Politik, im Gazastreifen Bedingungen schaffen, die auf die physische Vernichtung der Palästinenser abzielen.

Wir müssen begreifen: alle diese Kriege hängen zusammen. Sie sind ein Teil des gleichen imperialistischen Programms. Eines Programms, das jetzt mit massiven Bombardierungen iranischer Städte, Tausenden Menschen, auch vielen Kindern, das Leben kostet. Wir sind entsetzt über die Aggression gegen den Libanon, die 1 Million Menschen zu Flüchtlingen macht. Was uns aber vor allem bestürzt ist diese kriminelle Komplizenschaft der Bundesregierung, die es zulässt, dass US-amerikanische Militärstützpunkte auf deutschen Boden für die logistische und militärische Steuerung dieser Kriegsverbrechen genutzt werden. Machen die USA und Israel die „Drecksarbeit für uns alle“? So hatte es Bundeskanzler Friedrich Merz noch im Juni des letzten Jahres formuliert.

[Ganz bewusst setzt die Bundesregierung auch ihren Wirtschaftskrieg gegen den Iran fort, um die Notlage der Bevölkerung zu vergrößern, so dass dem äußeren Krieg noch ein innerer hinzugefügt werden kann. Auch das ist ein Verbrechen!]

 
Wir fordern:

  • den sofortigen Stopp dieses Krieges gegen den Iran, gegen das palästinensische Volk und gegen Libanon
  • vor allem ein Ende der deutschen Komplizenschaft für diesen Krieg. Also das Ende aller Waffenlieferungen an Israel,
  • und zweitens ein sofortiges Verbot dafür, dass US-Militärstützpunkte in Deutschland für diesen Krieg genutzt werden. So wie es die spanische Regierung gemacht hat.

Doch ohne unseren Druck und eine stärkere Friedensbewegung wird dies nicht geschehen. Denn es ist die Bundesregierung, die auch sonst zu den Hauptkriegstreibern gehört. Sie ist es, die Friedensverhandlungen zur Beendigung dieses Stellvertreterkriegs in der Ukraine verhindern möchte. Stattdessen will sie diesen Krieg mit weiteren Waffenlieferungen endlos fortsetzen – und obwohl in der Ukraine bereits Hunderttausende desertiert sind.

Gleichzeitig soll unser Land bis 2029 ‚kriegstüchtig‘ werden. 5 Prozent von allem, was dieses Land produziert, sollen ins Militär gesteckt werden. Bis zu 300 Milliarden Euro sollen dies bei Erreichung dieses Ziels 2035 dann sein. Das wäre mehr als die Hälfte des jetzigen Bundeshaushaltes. Auf der Ebene der EU sind darüber hinaus Aufrüstungsplanungen von 800 bis 1000 Milliarden Euro im Gespräch.

Das meiste davon auf Pump, und womit allein die Zinslast im Bundeshaushalt von 6,5 auf 15 und dann auf 25 Prozent steigen wird. Finanzierbar ist das daher nur wenn sozialstaatliche Errungenschaften beseitigt werden. Meine Güte: Was könnte man mit diesem Geld alles finanzieren?  Das komplette Schienennetz könnte repariert werden! Endlich. Der soziale Wohnungsbau könnte explodieren. Wir könnten allen Rentnerinnen und Rentnern, die in Armut leben, aus dieser herausholen. Ein elternunabhängiges Bafög und ein kostenloser ÖPNV kämen dazu. Und zusammengerechnet wäre das noch nicht die Hälfte dessen, was künftig jedes Jahr ins Militär gesteckt werden soll.

Das zeigt: Diese Frage von Krieg und Frieden ist eine Klassenfrage! Aber nicht nur betreff der Kosten. Nein: Es sind unsere Leute, die in solchen Kriegen sterben müssen. Sie tragen unsere Namen. Es werden nicht die Kinder und Enkel von Friedrich Merz oder die des Rheinmetall-Chefs sein. Es werden unsere Kinder sein, die verheizt werden. Deutschland soll bis 2029 kriegstüchtig sein. Kriegstüchtig gegenüber Russland. In NATO-Kreisen rechnet man im Falle eines Krieges gegen Russland mit täglich 5000 Soldaten aus Nato-Ländern, die dann sterben. Und während wir die Kosten für diese Aufrüstung tragen, hat sich der Rheinmetall-Aktienkurs verzehnfacht.

Doch das ist es nicht allein. Deutschland zählt auch sonst zu den größten Waffenexporteuren dieser Welt. Waffen, die über den Hamburger Hafen verschifft. überall Tod und Vernichtung bringen, während sich eine kleine Schicht skrupelloser Kapitalisten daran dumm und dusselig verdienen.

Ostermarsch in Hamburg 2025Um was geht es in diesen Kriegen? Um was geht es, wenn Deutschland ‚kriegstüchtig‘ werden soll? Geht es um unsere Freiheit? Das ist doch verlogen! Freiheit wird eingeschränkt durch Kriegstüchtigkeit. Tatsächlich geht es um Absatz- und Rohstoffmärkte. Um Profitinteressen. Um das Lithium der Ukraine. Um das Öl im Iran. Um die ökonomische Vorherrschaft in Osteuropa. Um eine Verschiebung der geopolitischen Kräfteverhältnisse, auch um die Schwächung von China. Dafür gab es die NATO-Osterweiterung, dafür gibt es diese Hochrüstung. Dafür gibt es diese Komplizenschaft mit den USA und Israel beim Völkermord an den Palästinensern und jetzt im Krieg gegen den Iran. Dafür – und allein dafür – soll es auch eine neue Wehrpflicht geben.

Die Schülerinnen und Schüler, die zweimal streikten – ein dritter Schulstreik befindet sich für den 8. Mai in Vorbereitung – haben das verstanden. Sie möchten nicht in den Schützengräben verrecken. Sie lassen sich in der Verteidigung ihres Rechts auf Leben nicht durch Repressionen einschüchtern. Sie sagen: Eure Scheiß-Kriege sind nicht unsere. Und ich sage: dafür haben sie unsere uneingeschränkte Solidarität!

Um ihren Kriegskurs durchzusetzen, entwickeln die Regierenden und einige Medien ein ganzes Arsenal von Propagandalegenden. Russland bedrohe uns, so die täglich vorgetragene Phrase. Doch ist es Russland oder ist es der Westen, der jetzt dermaßen aufrüstet? Und wie soll Russland denn einen Krieg gegen die Nato führen, wenn die Nato Russland bereits jetzt in nahezu allen militärischen Bereichen um ein Vielfaches überlegen ist? Russland bedroht uns nicht. Die Studien des Internationalen Instituts für strategische Studien (IISS) in London belegen das exakt. Um uns zu bedrohen, würde Russland eine dreifache militärische Überlegenheit benötigen. Die hat es nicht. Ganz im Gegenteil. Allein die europäischen NATO-Staaten haben schon jetzt doppelt so viele Kampfflugzeuge und dreimal so viele Kampfpanzer wie Russland. Und da sind die USA noch nicht eingerechnet.

Überall im Westen wird aufgerüstet. Aber die deutschen Pläne übertreffen alles. Die schwarz-rote Regierung möchte die stärkste konventionelle Armee in EU- und NATO-Europa aufstellen. Dazu kommt die Stationierung von Mittelstreckenwaffen, die als Erstschlagwaffen gegenüber Russland strategische Bedeutung haben, damit unser Land aber auch zum Ziel eines Krieges machen. Es ist noch nicht klar, ob diese Stationierung in diesem Jahr erfolgt. Doch diese Frage der US-Mittelstreckenwaffen ist es ja nicht mehr allein. Die Bundesregierung will 400 Tomahawk-Marschflugkörper in den USA kaufen, die sich dann gegen verbunkerte Ziele in Russland wenden. Sie sollen auf Fregatten, aber auch landgestützt, ab 2029 zum Einsatz kommen.

Deshalb liebe Freundinnen und Freunde, wir müssen diese Bedrohungslüge entlarven, um diese Aufrüstungsorgie und diese Kriegspolitik zu stoppen.

Dafür wird es am 20. Juni in Berlin vor dem Brandenburger Tor eine Kundgebung unter dem Motto ‚Russland ist nicht unser Feind‘ geben. Auch in Hamburg werden wir aktiv bleiben. Und wenn es dann am 3. Oktober – vor den Haushaltsberatungen im Bundestag – erneut in Berlin von ‚Nie wieder Krieg‘ und anderen Gruppen eine bundesweite Demo geben wird, dann werden wir uns auch daran mit all unseren Kräften beteiligen.

Wir müssen stärker werden. Dafür ist dieser Ostermarsch ein guter Auftakt!

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Rede Joachim Guilliard
Ostermarsch in Heidelberg, 4. April 2026

 
Ostermarsch 2026 in HeidelbergSchon die Ostermärsche letztes Jahr fanden in einer zugespitzten Situation statt, mit gefährlichen Entwicklungen in Europa, im Pazifik, im Nahen Osten und verheerenden Kriegen in Afrika, insbesondere im Kongo und Sudan. Seither hat sich die Lage noch massiv verschlimmert. Das Jahr begann mit einem üblen Paukenschlag, mit dem brutalen Überfall der USA auf Venezuela und der Verschleppung seines Präsidenten Nicolás Maduro und Cilia Flores. Gleichzeitig begann US-Präsident Trump, Kuba durch eine Totalblockade für Öl-Lieferungen zu strangulieren. Mehrere Tanker ließ er in dem Zusammenhang nach Piratenart auf hoher See entern und aneignen.

Am 28. Februar begannen die USA und Israel überfallartig den zweiten Krieg gegen den Iran, mitten in laufenden, und wohl auch vielversprechenden Verhandlungen. Der Nahe und Mittler Osten steht seither in Flammen. Mit der stillschweigenden Unterstützung des Krieges durch nahezu alle europäischen Verbündete, wie zuvor schon die Aggression gegen Venezuela, wurde auch das Völkerrecht verwüstet.

Wir verurteilen diese erneute völkerrechtswidrige Aggression der USA und Israels aufs schärfste, Sie ist ein Akt nackter imperialistischer Gewalt, der Anschlag auf das Staatsoberhaupt Ayatollah Chamenei, bei dem auch Dutzende weitere Anwesende getötet wurden, purer Staatsterrorismus. Es handelt sich um einen weiteren unprovozierten Angriffskrieg, der unverhüllt auf einen Regime Change zielt, gerechtfertigt mit haltlosen Vorwürfen, denen selbst die US-Geheimdienste völlig widersprechen. Sie kamen auch in ihrer letzten gemeinsamen Bedrohungsanalyse zum Schluss, dass nichts auf ein iranisches Atomwaffenprogramm hindeutet.

Auf der Agenda steht dieser Krieg in den USA und Israel allerdings schon seit über 30 Jahren. Seit langem führen die USA und Israel bereits einen „hybriden Krieg“, so der renommierte Ökonom Jeffrey Sachs, durch Wirtschaftssanktionen, Militärschläge, Cyberangriffe, psychologischer Kriegsführung und Desinformationskampagnen“. Deutschland und die EU sind seit Beginn dabei Komplizen.

Die militärische Aggression läuft allerdings keineswegs so, wie es sich die Regime von Trump und Netanyahu vorgestellt haben. Trotz der großen militärischen Überlegenheit, trotz einer Intensität von Luftangriffen, wie seit dem Irakkrieg nicht mehr, konnten sie den Widerstand des Irans, der sich einer existenziellen Bedrohung gegenübersieht, bisher nicht brechen. Seine Gegenangriffe richten sich diesmal, wie zuvor angekündigt, mit voller Wucht auch gegen die Militärbasen der USA in den arabischen Nachbarstaaten. Offenbar mit einer für die US-Streitkräfte überraschenden Effektivität.

Die Stützpunkte sind nun, Berichten der NYT zufolge, so schwer beschädigt, dass die Soldaten in Hotels und Büroräume in der gesamten Region auszuweichen und nun quasi aus dem Homeoffice ihrem Kriegshandwerk nachgehen müssen. Auch ein guter Teil der Luftabwehr, darunter große, milliardenteure Radaranlagen, wurden zerstört, vor wenigen Tagen auch etliche Flugzeuge zur Luftbetankung und eine AWACS-Maschine.

In Vergeltung für die Bombardierung ziviler Infrastruktur, wie Öllager und Kraftwerke, griff der Iran u.a. auch Energieanlagen der Golfstaaten an, die Teheran, aufgrund der Überlassung ihres Territoriums für die Angreifer, als Kriegsbeteiligte ansieht. Die Förderung wurde dadurch zum Teil für Monate, wenn nicht Jahre lahmgelegt.

Diese Ausfälle verschärfen natürlich noch die Engpässe bei essentiellen Rohstoffen, die bereits die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus verursacht – nicht nur bei Erdöl- und Erdgas, sondern u.a. auch bei Dünger und Aluminium. Der US-israelische Krieg zieht dadurch nicht nur die verbündeten Golfstraßen ungefragt in extreme Mitleidenschaft, sondern die gesamte Weltwirtschaft, die mit der größten Energiekrise seit Jahrzehnten konfrontiert ist. Die Preise werden noch lange steigen. So bekommen diesmal – im Unterschied zu sonstigen Kriegen im Nahen Osten, Asien und Afrika – auch wir Europäer die Auswirkungen massiv zu spüren.

Trump schwankt offenbar zwischen Beendigung der Angriffe, verbunden mit Verkündigung eines „großartigen Sieges“, und dem Einsatz von Bodentruppen. Netanyahu lehnt jedoch jegliches Einlenken rigoros ab. Die Gefahr einer weiteren Eskalation bleibt so weiterhin extrem hoch, angesichts des israelischen Atomwaffenarsenals auch die Gefahr einer nuklearen. Da auch in Israel die Luftabwehrkapazitäten schwinden, könnte das Netanyahu-Regime bei anhaltenden massiven iranischen Angriffen versucht sein, darauf zurückzugreifen – in der Überzeugung, keine schweren Konsequenzen fürchten zu müssen.

Dessen Ziel, wie auch Washingtons, ist, mit dem Iran den letzten Staat in der Region, der sich den hegemonialen Ansprüchen der USA widersetzt, zu zerschlagen, ihn wie schon Libyen und Syrien, als funktionierenden Staat zu zerstören. US-Außenminister Mario Rubio hat auf der Münchener Sicherheits-Konferenz offen ihr Ziel verkündet, die während 500 Jahre Kolonialismus und Imperialismus durchgesetzte westliche Vorherrschaft über die Welt wiederherzustellen. Und ultra-rechte israelische Regierungsmitglieder wie christliche Zionisten aus dem Umfeld Trumps, reden davon, den Weg für das biblische Großisrael frei zu machen

Den Iran als relevante Macht in der Region und als wichtigen Pol in der Entwicklung einer multipolaren Welt auszuschalten, ist durchaus ein gemeinsames Ziel des politischen Westens.

Der Krieg wird daher auch faktisch von Deutschland und den meisten EU-Staaten unterstützt. Bekanntlich haben sie bereits den 12-Tage-Krieg im Juni letztes Jahr nicht verurteilt, sondern ihn im Gegenteil – wie es Kanzler Merz ausdrückte – als Übernahme der „Drecksarbeit für den Westen“, begrüßt. Damit gaben sie natürlich auch grünes Licht für eine weitere Aggression. [Zuvor hatten sie für propagandistische Rückendeckung gesorgt, indem sie mit dem westlichen Übergewicht in der Internationalen Atomenergie-Organisation eine Resolution durchsetzten, die dem Iran faktenfrei eine „Gefährdung des Weltfriedens“ vorwarf. Am Tag darauf begann Israel im Juni seinen ersten Krieg.]

Angesichts des desaströsen Verlaufs des zweiten Krieges und seinen katastrophalen Auswirkungen, gingen sie nun öffentlich zwar etwas auf Distanz zum neuen Krieg, verteidigen aber weiterhin seine Ziele und geben dabei dem Völkerrecht unverblümt einen Tritt. Allen voran Bundeskanzler Merz, der laut verkündet, dass das Völkerrecht nun mal „seine Grenzen“ habe, und „grundlegende Interessen notfalls mit Gewalt“ durchgesetzt werden müssten. Man habe es beim Iran jahrzehntelang mit diplomatischen Mitteln auf Basis des Völkerrechts versucht, doch der Iran habe ein Abkommen verweigert und sei nun kurz davor gewesen, in den Besitz von Atomwaffen zu gelangen – alternative Wahrheiten, Fake News und Trumpismus auch in Berlin. Ulrich Duchrow wird später ausführlicher auf den verheerenden Völkerrechtsnihilismus, der sich breit macht, eingehen, auch mit Blick auf den völkermörderischen Krieg in Gaza und dessen Ausweitung auf den Libanon

Proteste blieben im Unterschied zum Irakkrieg 2003 bisher äußerst schwach, viele zögern sich dagegen zu engagieren. Arundathi Roy appellierte kürzlich in einer Rede, in einem „kleinem Statement zu einem Krieg, der die Welt zu verschlingen“ drohe: „wie könnten wir den Tag beenden, ohne über diese wunderschönen Städte – Teheran, Isfahan und Beirut – zu sprechen, die in Flammen stehen?“ Der illegale Angriff der Vereinigten Staaten und Israels sei „natürlich eine Fortsetzung des US-israelischen Völkermords im Gazastreifen.“ Es seien „dieselben alten Völkermörder, die nach demselben alten Schema vorgehen. … Aber Iran ist nicht Gaza. Das Schlachtfeld dieses neuen Krieges könnte sich auf die ganze Welt ausdehnen.“ Sie wolle bei der Gelegenheit „nur sagen, dass sie „uneingeschränkt an der Seite des Iran“ stehe. „Alle Regime, die eines Wandels bedürfen, einschließlich der USA, Israels und unseres eigenen, müssen vom Volk gestürzt werden, nicht von einer aufgeblähten, lügenden, betrügerischen, gierigen, ressourcenraubenden, bombenwerfenden imperialen Macht und ihren Verbündeten, die versuchen, die ganze Welt zur Unterwerfung zu zwingen.“

Aus der EU hat nur die spanische Regierung den Krieg klar und deutlich verurteilt. Sie hat den USA auch sofort die Nutzung spanischer Stützpunkte und des spanischen Luftraums untersagt, Italien und Frankreich sind dem nun gefolgt. Die Bedeutung der deutschen Stützpunkte, insbesondere Ramstein und Spangdahlem, ist dadurch noch gestiegen, wurde für die US-amerikanische Kriegsführung geradezu essentiell. Ihre Nutzung macht Deutschland genauso wie die Golfstaaten faktisch zur Kriegspartei.

Wir fordern die Bundesregierung auf, Völkerrecht zu respektieren, jegliche Kriegsbeteiligung zu beenden und den USA die Nutzung ihrer Basen hier unverzüglich zu untersagen. Die Air Bases in Ramstein und Spangdahlem, das EUCOM in Stuttgart und alle anderen US-Stützpunkte müssen so schnell wie möglich aufgelöst und alle Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden.

Wir verlangen zudem auch den Stopp aller Waffenlieferungen an Israel und die USA.

Noch immer tobt der Ukraine-Krieg, obwohl vor einem Jahr Hoffnung aufgekommen war, dass er im Laufe des Jahres durch Verhandlungen beendet werden könnte. Doch alle Bemühungen scheiterten, nicht zuletzt an der Blockadehaltung der EU-Staaten, die die dafür notwendige Kompromisse ablehnen und an einer Fortsetzung des Krieges festhalten. Peter Wahl wird darauf näher eingehen.

Die EU-Staaten, voran Berlin, wollen Russland weiterhin „ruinieren“ und benötigen den Krieg, um mit der Mär von der russischen Bedrohung, die gigantische Aufrüstung rechtfertigen zu können. Die Bundesregierung will, wie schon Scholz & Co., die Bundeswehr zur größten Armee in Europa machen und damit Deutschland auch zur militärischen Führungsmacht. Bei unseren Nachbarn macht sich angesichts ihrer Erfahrungen mit deutscher Militärmacht bereits erhebliches Unbehagen breit.

Für diese ehrgeizigen Pläne soll das ganze Land nun „kriegstüchtig“ werden, sollen wir die Militarisierung wesentlicher Teile der Gesellschaft akzeptieren. Folgende Redebeiträge werden auch darauf näher eingehen.

Wir stellen uns entschieden gegen solche Vorhaben. Wir sagen Nein zur äußerst gefährlichen Hochrüstung und der konkreten Vorbereitung zum Krieg. Wir fordern stattdessen eine drastische Reduzierung der Militärausgaben zugunsten des Ausbaus der sozialen Sicherung, Gesundheitsversorgung, Bildung, Umwelt- und Klimaschutz.

Wir sagen selbstverständlich auch nein zur Wiedereinführung einer Pflicht zum Kriegsdienst, mit der für diese Großmachtpläne genügend junge Menschen zum Dienst an der Waffe gezwungen werden sollen. Wie ernst dies mit Blick auf einen bevorstehenden Krieg genommen wird, zeigt, dass das neue Wehrdienstgesetz schon jetzt, in Friedenszeiten, allen 17- bis 45jährigen Männer untersagt, Deutschland länger als drei Monate ohne Genehmigung der Bundeswehr zu verlassen und nicht erst im Verteidigungsfall.

Im Laufe des Jahres könnten die ersten US-Mittelstreckwaffen in Deutschland stationiert werden, vermutlich in Grafenwöhr und unterm Kommando in Wiesbaden. Auch dazu sagen wir entschieden Nein und rufen dazu auf, am 30. Mai dagegen auf den bundesweiten Demos in Grafenwöhr und Wiesbaden zu demonstrieren.

Das Streben nach „Kriegstüchtigkeit“ ist gegen den Konsens nach dem Zweiten Weltkrieg und das Grundgesetzt. Nie wieder sollte Krieg von deutschem Boden ausgehen. Nicht zuletzt aus der Verantwortung aus der deutschen Geschichte heraus, muss Deutschland eine politische Kehrtwende machen, den Kurs auf Hochrüstung und Krieg aufgeben, sich für Deeskalation, Kooperation und Diplomatie stark machen, „friedenfähig“ werden.

Hinweis: Hier kannst du dir die Rede auch als PDF-Datei downloaden:

Rede Joachim Guilliard als PDF downloaden
 


 

Rede Lühr Henken
Auftaktkundgebung Ostermarsch in Berlin, 4. April 2026

 
Leittransparent Ostermarsch Berlin 2026Liebe Ostermarschiererinnen, liebe Ostermarschierer,

die vorherrschende Propaganda versucht uns tagaus tagein einzutrichtern, dass wir spätestens in drei Jahren kriegstüchtig sein müssen, um Russland von einem Angriff auf NATO-Gebiet abzuschrecken. Der „großrussische Imperialismus“ rüste durchweg massiv auf und würde damit auch nicht aufhören, wenn der Krieg gegen die Ukraine vorbei ist. Da Russland die Waffen dann nicht mehr im Krieg verbrauche, würde es für uns gefährlich. Eine bestechende Logik, oder? Ob sie stimmt oder nicht, ist egal. Sie wirkt. Öffentlich hinterfragt wird das Gedankengebäude kaum. Aber es ist leicht zum Einsturz zu bringen.

Gesetzt den Fall, hinter Russlands Angriff auf die Ukraine verbirgt sich tatsächlich die Absicht, eines Tages auch die NATO anzugreifen, dann stellt sich mir die Frage, warum hat das Russland nicht sofort vor vier Jahren getan. Die Chancen auf Erfolg hätten damals viel besser gestanden als heute, denn Russland war militärisch damals viel stärker. Damals hatte Russland mehr als doppelt so viele Kampf – und Schützenpanzer und Artilleriesysteme wie heute.

Mindestens das müsste Russland erst wieder mühsam aufbauen, um in den kommenden Jahren angreifen zu können. Expertenstimmen werden von deutschen Medien gern herangeholt, die das artig bezeugen. Sie sagen, Russland produziert heute bereits mehr Waffen als es im Ukrainekrieg braucht. Belege dafür fehlen. Kein Wunder. Sie gibt es nicht. Denn wenn man die russischen Waffenbestände des vergangenen Jahres mit denen von 2024 vergleicht, gab es zwar leichte Zuwächse bei Soldaten, Luftwaffe und Marine, allerdings im unteren einstelligen Prozentbereich, bei Heereswaffen nahmen sie sogar ab. Mal ehrlich, das sieht nicht nach Angriffsplanung auf die NATO aus.

Was macht der Westen? Schauen wir nur die europäischen NATO-Staaten an. Die USA lasse ich gedanklich mal außen vor, dann ergibt sich in tatsächlich allen konventionellen Waffenkategorien eine westeuropäische Überlegenheit: von 20 Prozent bei den Soldaten und Kampfpanzern, von 40 Prozent bei der Artillerie und 70 Prozent bei Kampfflugzeugen, um nur einige zu nennen.

Um die NATO erfolgreich angreifen zu können, reicht die Aufrüstung auf einen Gleichstand mit der NATO nicht aus, nein, der Angreifer muss über die dreifache Überlegenheit verfügen, um im Krieg zu siegen. Davon ist Russland sehr weit weg. Es müsste dazu sein gesamtes Potenzial mehr als verdreifachen. Dazu wäre es rein wirtschaftlich überhaupt nicht in der Lage.

Zudem: eine russische Angriffsabsicht dürfte doch den westlichen Geheimdiensten nicht entgangen sein, wenn sie denn bestünde. Einmal im Jahr veröffentlichen die US-Geheimdienste einen Bericht in dem sie angebliche Bedrohungen gegen die USA benennen. In diesem Jahr schreiben sie interessanterweise, dass die seit langem für nächstes Jahr unterstellte Angriffsabsicht Chinas auf Taiwan gar nicht besteht. Da die US-Geheimdienste sich offensichtlich mit politischen Absichten auskennen, wäre eine russische Angriffsabsicht im Bericht sicher zu finden – aber danach sucht man vergeblich. Dass es sie nicht gibt, ist faktisch sogar klar nachweisbar: Denn Russland beabsichtigt, seine Militärausgaben in diesem Jahr um 12 Prozent zu senken. Das ist keine Propagandazahl, sondern ist jeglicher Manipulation unverdächtig. Sie stammt aus dem neuesten Jahrbuch The Military Balance des NATO-nahen International Institute for Strategic Studies in London. Die Nachricht ist: Russland senkt den Militärhaushalt.

Was macht der Westen? Was macht die Bundesregierung?

Sie gibt Geld für Rüstung aus, dass die Schwarte kracht! Letztes Jahr Plus 20 Prozent auf 107 Milliarden, dieses Jahr Plus 20 Prozent auf 128 Milliarden Euro. Ihr Ziel fest im Blick, in EU und NATO die Bundeswehr zur größten konventionellen Armee Europas zu machen, steuert Berlin bis 2035 an, die Ausgabenhöhe auf 300 Milliarden Euro hochzutreiben, was dann fünf Prozent der Wirtschaftsleistung entspricht. Schuldenberge wachsen, die Zinslast wächst mit. Geht derzeit noch jeder 15. Euro aus dem Bundeshaushalt für Zinsen darauf, ist in 10 Jahren damit zu rechnen, dass es mindestens jeder 5. Euro ist. Die Ausgaben für Zinsen verdrängen staatliche Ausgaben für Soziales. Sozialabbau in bisher nicht gekanntem Ausmaß ist programmiert.

Ich will diese deutsche Aufrüstung nicht. Ich will keine Wehrpflicht. Ich will nicht, dass Deutschland zur führenden Militärmacht in Europa wird. Ich will nicht, dass Hunderte Milliarden für Waffen verpulvert werden, wo sie dringend in Schulen, Gesundheitswesen und Infrastruktur gebraucht werden. Ich will keine nukleare Aufrüstung Europas. Ich will nicht, dass die Bundesregierung die Ukraine mit Zig-Milliarden für neue Waffen pampert, sondern sich dafür ins Zeug legt, einen nachhaltigen Frieden zwischen Russland, der Ukraine und Europa herzustellen.

Ich will nicht, dass die USA hier neue Angriffswaffen gegen Russland aufstellt, die als Erstschlags- und Enthauptungsschlagwaffen strategische Bedeutung haben, und Deutschland zum Magneten für russische Präventivschläge machen. Deshalb noch einmal von dieser Stelle meine Bitte: Unterschriebt den Berliner Appell gegen US-Mittelstreckenwaffen und beteiligt euch selbst als Sammlerinnen und Sammler!

Rede Lühr Henken als PDF downloaden
 


 

Rede von Andrea Hornung
auf dem Ostermarsch in Hamburg – 6. April 2026

 

Hier man sich die Rede von Andrea Hornung auch ab Minute 3:10 auch im Original anschauen:

Rede von Andrea Hornung als Film bei Youtube

Andrea HornungWir sind in Hamburg. Bei einer Demonstration durchbrechen junge Frauen und Mädchen die doppelten Ketten der Polizei, die mit Säbeln bewaffnet ist. Aber die Menschen lassen sich nicht aufhalten. Denn sie sind wütend. Wütend, weil sie hungrig sind, weil ihr Essen rationiert wurde. Wütend, weil ihre Brüder, Väter, Partner an der Front sterben.

Liebe Freundinnen und Freunde,

diese Demonstration hat im August vor ziemlich genau 110 Jahren hier in Hamburg stattgefunden. Es ist eine der ersten großen Demonstrationen hier im Ersten Weltkrieg. Organisiert wird sie unter anderem von der Freien Jugendorganisation Hamburg. Sie sind Teil von Demonstrationen und Streiks, die sich 1916 über das ganze Land hinweg ausbreiten. Hier in Hamburg kämpft unter ihnen Fiete Peter, der mehrfach desertiert und der in der Novemberrevolution hier in Hamburg erschossen wird.

Es ist nur eine erste Demonstration gegen den Krieg. Aber sie ist schon in diesem Moment viel mehr als das: Sie ist Ausdruck der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit dem Krieg, in dem das Menschenleben billig und das Brot teuer wird. Und die Demonstration zeigt die Kraft der Klasse, wenn sie sich vereint. Den Frauen und Mädchen gelingt es, die Polizeikette zu durchbrechen, weil sie entschlossen und gemeinsam handeln – trotz bewaffneter Polizei, trotz Kriegsrecht, trotz Repression. Sie haben gezeigt, dass dieser Krieg nicht widerstandslos hingenommen wird und haben den Grundstein gelegt, dass er später beendet wurde.

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor fünf Wochen haben in Deutschland erneut mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler gestreikt – trotz Repressionen. Wie die Demonstration vor 110 Jahren hier in Hamburg, wie die Streiks, die aus Braunschweig heraus das ganze Land erreichten, ist auch der Schulstreik ein Durchbruch. Die Unzufriedenheit mit der Gesamtsituation kristallisierte sich damals im Protest gegen den Hunger und die Rationen – heute im Protest gegen den Zwang zum Kriegsdienst. Die Bewegung ist heute wie damals noch weit davon entfernt, den Krieg zu beenden, die Wehrpflicht zu verhindern. Aber: Die Demonstration damals, die Schulstreiks heute sind ein erster gewaltiger Schritt, eine notwendige Vorbedingung dafür.

Ja, die Streiks sind nur ein Anfang, aber die Ruhe ist vorbei. Denn in den Köpfen hat sich etwas bewegt. Die Schülerinnen und Schüler, die am 5.12. und am 5.3. – hier in Hamburg am 20.2. – auf der Straße waren, haben gelernt: Wir sind mit der Unzufriedenheit nicht allein. Die Jugend hat kein Interesse an der Wehrpflicht. Sie haben gelernt: Wir müssen die Verhältnisse nicht einfach hinnehmen, wir können uns dagegen wehren. Und wir können und müssen dafür sogar Regeln übertreten. Sie haben erfahren: Diese Regierung handelt nicht in unserem Interesse. Und vielen ist schon klar geworden: Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft.

Damit das nicht noch mehr Menschen klar wird, erzählt man uns Geschichten. Man erzählt uns, dass es bei der aktuellen Aufrüstung um unsere Sicherheit und unsere Freiheit gehe.  Man erzählt uns, dass Russland uns bedroht. Aber Russland ist keine Bedrohung für uns. Die NATO-Staaten sind Russland in allen wesentlichen militärischen Bereichen um ein Vielfaches überlegen. Nein, Russland bedroht uns nicht. Es sind die NATO-Staaten, die die Völker der Welt bedrohen. Und sie drohen nicht nur: Seit Jahrzehnten führen sie Kriege in aller Welt.

  • Sie waren es, die mit dem Jugoslawienkrieg den ersten Krieg auf europäischem Boden seit 1945 geführt haben.
  • Sie sind es, die etliche Länder völkerrechtswidrig angreifen, wie die USA Venezuela, und den Iran. Und die Bundesregierung unterstützt das, indem sie den USA Überflugsrechte gewährt. Wir sagen: Kein Blut für Öl, kein Krieg für Profit!
  • Es sind die USA, die das sozialistische Kuba erdrosseln wollen, die seit über 60 Jahren mit einer menschenfeindlichen Blockade gegen Kuba vorgehen und jetzt auch noch militärisch drohen – ausgerechnet gegen das Land, das statt Waffen Ärzte in alle Welt schickt. Und die Bundesregierung trägt die Blockade mit. Wir sagen: Solidarität mit Kuba! Weg mit der Blockade!
  • Es sind die USA und die NATO-Staaten, es ist die deutsche Bundesregierung, die immer weiter Waffen an Israel liefern und den Genozid am palästinensischen Volk unterstützen. Wir sagen: Stoppt die Waffenlieferungen – der Genozid muss enden – Viva Palästina!

Antikriegstag 2025 in Hamburg: gegen die WehrplichtNein, nicht Russland bedroht uns. Die Lüge von der äußeren Bedrohung ist Teil der eigenen Kriegsvorbereitung. Das war sie 1914, das war sie 1939, das ist sie auch heute. Damals wie heute geht es aber nicht um Sicherheit, Freiheit und den Schutz vor der äußeren Bedrohung. Damals wie heute geht es darum, dass der deutsche Imperialismus den nächsten Anlauf zur Weltmacht vorbereitet. Das hat Merz offen zugegeben, als er beim Weltwirtschaftsforum in Davos vom Zeitalter der Großmächte sprach. Es geht einmal mehr um Handelsrouten, Rohstoffe und Absatzmärkte. Dafür rüstet die Bundesregierung massiv auf. Dafür mischt sie in Kriegen auf aller Welt mit. Dafür will sie die Wehrpflicht wieder einführen und die Bevölkerung „kriegstüchtig“ machen. Dafür streicht sie das sogenannte Bürgergeld und die Rente noch weiter zusammen und verschärft die Ausbeutung mit höheren Arbeitszeiten, während immer mehr Menschen keine Arbeit haben und 10.000 Stellen abgebaut werden.

Die Regierung zeigt ganz deutlich: Sie steht für den Krieg. Sie steht für die Aufrüstung. Sie steht für die Profite der Großkonzerne – wie auch alle Regierungen davor. Diese Regierung zeigt einmal mehr: In unserem Kampf für den Frieden können wir uns auf keine Regierung verlassen. Nicht unter Merz und Klingbeil, aber auch nicht unter Grünen und SPD, unter denen mit dem Jugoslawienkrieg der erste Angriffskrieg von deutschem Boden nach 1945 ausging. Für den Frieden müssen wir selbst kämpfen, gegen diese Bundesregierung, gegen unseren Hauptfeind im eigenen Land!

Denn es ist der Kapitalismus, der den Krieg gesetzmäßig hervorbringt. Ja, der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen. Das wusste Jean Jaurés schon vor mehr als 100 Jahren. Ich finde, er hat die Metapher sehr treffend gewählt: Wolken bestehen aus kleinen Wassertröpfchen. Prallen sie aufeinander, werden sie immer größer – bis sie zu schwer werden. Dann beginnt es zu regnen.

So wie die Wassertröpfchen werden im modernen Kapitalismus, im Imperialismus, aus kleinen Unternehmen große. Mit der Größe der Unternehmen wächst und verschärft sich auch die Konkurrenz zwischen ihnen – und zwischen den kapitalistischen Staaten. Die Konkurrenz um Rohstoffe, Absatzmärkte, um die besten Produktionsbedingungen, kurz: um den größtmöglichen Profit. Die Wassertropfen werden schwerer. Das ist letztendlich die Ursache für die enorme Aufrüstung, für die immer neuen Kriege, für die Vorbereitung des nächsten Anlaufs zur Weltmacht. Den Regen können wir nicht verhindern. Kriege schon. Seine Ursache, den Kapitalismus, müssen wir abschaffen.

Wie die Mädchen und Frauen in Hamburg, wie Fiete und Peter, die im Ersten Weltkrieg Demonstrationen gegen den Krieg organisiert haben, stehen wir heute noch Anfang. Zwei Jahre später gelang es ihnen, den Ersten Weltkrieg zu beenden. Es gelang, weil die Arbeiterinnen in ganz Deutschland streikten, die Matrosen meuterten und die Soldaten die Gewehre umdrehten – Fiete Peter fiel in diesem Kampf. Sie konnten den Krieg beenden, weil sie erkannten, welche Kraft wir haben, wenn wir uns zusammenschließen. Ebenso wie es die Hafenarbeiter in Marseille, Piräus und Genua zeigen, die durch Streiks Waffenlieferungen an Israel verhindern und damit ganz praktische Solidarität mit dem palästinensischen Volk üben. Denn kein Krieg ist ohne Menschen führbar. Er ist nicht führbar ohne Menschen, die in den Schützengraben gehen. Er ist nicht führbar ohne medizinisches und pflegendes Personal, das sich um die Verwundeten kümmert. Er ist nicht führbar ohne diejenigen, die in der Rüstungsproduktion arbeiten. Er ist nicht führbar ohne die ArbeiterInnen im Transportwesen, die bspw. das Militärgerät auf Schienen, Schiffen und Straßen transportieren. Wenn wir das begreifen, wenn wir begreifen, welche Kraft wir haben, wenn wir uns zusammenschließen, dann können wir nicht nur den Kriegsdienst und den Krieg verhindern, dann können wir hier alles aus den Angeln heben.

Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft. Das haben die Demonstrierenden in Hamburg vor 110 Jahren verstanden, das sagen wir heute wieder. Dafür werden am 8. Mai wieder Schülerinnen und Schüler am 8. Mai streiken. Sie wollen eine Zukunft ohne Krieg und ohne Wehrpflicht. Dafür braucht es eine starke Arbeiterklasse und eine starke Friedensbewegung. Denn wer soll die erkämpfen, wenn nicht wir?

Hinweis: Hier kannst du dir die Rede auch als PDF-Datei downloaden:

Rede Andrea Hornung als PDF downloaden
 


 

Rede von Jutta Kausch-Henken
auf dem Ostermarsch Stendal 6. April 2026

 
Ostermarsch in StendalHallo, ich danke euch für die Einladung zu eurem Ostermarsch.

Seit 1980 bin ich in der westberliner Friedensbewegung aktiv, aber nie war die Zeit so bedrohlich wie heute, war ein Dritter Weltkrieg tatsächlich vorstellbar. Die internationale Lage spitzt sich immer mehr zu und die Aufgaben der Friedensbewegung wachsen.

Die USA sind wild entschlossen, den gesamten Globus für ihre Hegemonialansprüche in Beugehaft zu nehmen und schrecken dabei vor keinem Verbrechen zurück. Das war vor Trumps Zeit als Präsident nicht anders, nur tritt es heute in einer so ungeschminkten Form zutage, dass man es kaum fassen kann. Chinas wirtschaftlicher und politischer Einfluss soll rückgängig gemacht werden, das ist das Ziel hinter all dem Wahnsinn, den Trump gerade betreibt. Mit Erpressung, irrwitzigen Zöllen, Sanktionen, Aggressionsandrohungen, der Entführung oder Ermordung von missliebigen politischen Führern oder eben mit Kriegshandlungen werden all die Länder überzogen, die sich den Forderungen nach Vorherrschaft der USA widersetzen.

Und die deutsche Regierung? Sie macht mit, nicht nur, weil sie ein willfähriger Vasall ist, sondern weil sie dabei eigene Interessen verfolgt. Sie will ein großer Player werden im Windschatten der NATO.

Genauso wie sie mitmacht beim Ukrainekrieg, jetzt sogar federführend und jenseits jeglicher Vernunft. Sie ist bereit, für ihren Waffen-, Aufrüstungs- und Weltmacht-Größenwahn eine weitere Eskalation des Krieges zu riskieren, der schnell auch ein atomarer sein kann.

Auch in Westasien steht sie Gewehr bei Fuß. Die deutsche Unterstützung von Netanjahu bei Völkermord und Vertreibung der Palästinenser wurde zu Recht durch Nicaragua vor dem Internationalen Gerichtshof zur Anzeige gebracht.

Die Aussage von Merz zum 12-Tagekrieg gegen den Iran, die Israelis machten für uns die Drecksarbeit, ist kaum noch zu überbieten an Fremdschämen.

Höchstens von den Standing Ovations von Wadephul und Pistorius nach der Rede von Rubio auf der Sicherheitskonferenz in München im Februar diesen Jahres, der die Kolonialisierung durch die Europäer und US-Amerikaner eine gute Tat nannte, weil sie die Zivilisation in die Länder des Südens gebracht hätte.

Der seit fünf Wochen andauernde Angriffskrieg gegen den Iran, den Israel mit Unterstützung der USA losgetreten hat, wird ebenfalls nicht verurteilt. Nein, der Iran wird stattdessen dringend aufgefordert, die Lage nicht zu eskalieren, indem er sich verteidigt, was sein Recht ist. Deutschland unterstützt praktisch mit der Erlaubnis, Ramstein zu nutzen, diesen selbst nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages völkerrechtswidrigen Krieg. Vor einer Woche hat sogar der Bundespräsident beim Besuch im Auswärtigen Amt ihn so genannt. Voll mutig! Woher kommt der späte Mut? Schadet ihm ja nicht mehr so kurz vor Ende seiner Amtszeit, wenn er mal aus der Reihe tanzt. Die Bundesregierung selbst ist immer noch damit beschäftigt, den Völkerrechtsstatus des Irankrieges zu prüfen.

Als Trump den Präsidenten Venezuelas im Januar kidnappte, Caracas bombardieren ließ, mehrere 100 Menschen dabei ermordete, schwieg die deutsche Regierung.

Und dass Trump versucht, Kuba von sämtlichen Ölimporten abzu¬schneiden und dadurch eine humanitäre Krise auslöst, ist auch keine Protestnote wert. Nach 65 Jahren allumfassender Handels- und Wirtschaftsblockade tönt Trump: „Ich glaube wirklich, dass ich die Ehre haben werde, Kuba zu nehmen. Ich meine, ob ich es befreie oder übernehme. Ich glaube, ich kann damit machen, was ich will.“ Das ist brutalster Imperialismus und Faschismus. Die deutsche Regierung schweigt dazu. Wo bleibt da der Aufschrei nach der Freiheit der Meere und der Schifffahrt, wenn die USA Häfen blockieren? Da ist die wertebasierte Ordnung scheißegal.

Die jetzige Regierung will endlich die durch die Verbrechen des zweiten Weltkriegs auferlegte deutsche militärische Zurückhaltung abschütteln. Zwar war und ist die Bundeswehr seit der „Wiedervereinigung“ im Ausland aktiv. Zur Verteidigung der Landesgrenzen? Was ihre „Kernaufgabe“ bis heute ist? Wohl kaum. Schon bei der Bombardierung Jugoslawiens 1999 waren deutsche Soldaten dabei. Spätestens da verloren SPD und Grüne ihre Unschuld.

Nun will die Regierung die Führung in Europa übernehmen. Und die deutsche EU-Kommissionspräsidentin boxt in diktatorischer Manier das durch, was im Sinne deutscher Führungspläne ist.

„Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig.“ So steht‘s in der Verfassung. Und die Regierung schwört mit dem Amtseid, Schaden von der Bevölkerung abzuwenden.

Was macht sie aber stattdessen?

Z.B. Der abgewählte sozialdemokratische Kanzler stimmte vor 2 Jahren zu, US-Mittelstreckenwaffen auf deutschem Boden aufstellen zu lassen, was noch in diesem Jahr passieren soll. Das sind Angriffs- und Enthauptungswaffen und brandgefährlich.

Sollten sie nicht kommen, weil Trump keinen Bock mehr auf NATO hat, wird schon an einer europäischen oder gar deutschen Lösung gebastelt.

Der Verteidigungsminister, auch Sozialdemokrat, will Deutschland „kriegstüchtig“ machen.
Der höchste Soldat Deutschlands, General Breuer, fordert, dass wir alle bereit sein müssen zu kämpfen, und dass wir auch um jeden Preis gewinnen wollen. Wir alle müssen resilient sein, sprich, alles dulden, was uns aufgebürdet wird, ohne Widerspruch, ohne Verstand oder Vernunft.

Die beschlossene ungebremste Aufrüstung bedeutet schon in diesem Jahr 128 Milliarden Euro für Zerstörungsmaterial zu verballern, ein Drittel mehr als im letzten Jahr, 2029 werden es 176 Milliarden sein. Die ungeheuren Militärausgaben, die wir, die Steuerzahlenden letztendlich bezahlen müssen, führen dazu, dass die sozialen Aufgaben immer weiter heruntergeschraubt werden. Nur die Aktienbesitzer von Rüstungs¬firmen profitieren davon.

Auf die Frage von Florian Warweg kürzlich auf der Bundespressekonferenz, ob Minister oder gar der Kanzler als Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates Aktien von z.B. Rheinmetall besitzen und ob das nicht vielleicht dann zu einem Interessenskonflikt, bzw. Insiderwissen führt, kriegt er keine Auskunft.

Weil Auskunft geben muss man erst, wenn man 5% der Aktien einer Rüstungsfirma besitzt, was z.B. bei dem Umsatz von Rheinmetall bei etwa 700 Millionen Euro liegt. Und die hat vermutlich nicht einmal der ehemalige Blackrocker Merz. Also alles legal und integer. Aktienbesitzer müssen keine Aussage tätigen, ganz im Gegen¬satz zu Sozialhilfeempfängern, die sich blank machen müssen, wenn sie, um überleben zu können, etwas hinzuverdienen.

Und womit werden diese „notwendige“ Aufrüstung und die Forderung nach „Kriegstüchtigkeit“ begründet? Mit der Bedrohung durch Russland. Das hat schon zweimal funktioniert, vor dem Ersten und auch vor dem Zweiten Weltkrieg.

Es gibt keinen einzigen Hinweis auf diese Bedrohung, das bestätigen Fachleute wie der ehemalige NATO-General Kujat oder der ehemalige Berater von Merkel, Erich Vad. Selbst die US-Geheimdienste schätzen das so ein. Die russischen Militärausgaben, das Kriegsgerät, die Soldaten sind dazu gar nicht in der Lage, weil die europäischen NATO-Partner, selbst ohne die USA, ihnen zahlenmäßig überlegen sind. Trotzdem wird es behauptet. In allen Nachrichten, in allen Talkshows, in allen sogenannten Qualitätsmedien hören und lesen wir es. Und der eben von mir gelobte Bundespräsident sagt dazu: „Ich glaube, auch nach dem Krieg (er meint den in der Ukraine) wird es mit diesem Russland nicht um Frieden gehen, sondern um die Kalkulierbarkeit des Konflikts. Kurz gesagt: Europa muss heute seine Sicherheit gegen Russland, nicht mit Russland organisieren.“

Wir wissen es besser. Frieden in Europa kann nur mit Russland gehen!!

Kriege – vor allem in demokratischen Gesellschaften – gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen, ist schwer. Das ist auch bei uns der Fall. Deshalb müssen Regierung und Militär sicherstellen, dass die „Menschen den Krieg mittragen“. In einem Artikel „Krieg in den Medien“ der Bundeszentrale für politische Bildung wird erklärt wie: „Um ihr Ziel zu erreichen, setzen sie bewusst Medien als Mittel der Beeinflussung ein. Es wird ein Bild des Krieges vermittelt, das ihn als notwendig und unausweichlich darstellt.“ Also, der Russe ist gefährlich und unberechenbar! Die Beeinflussung findet überall im Alltag statt. In der Werbung, in Filmen, durch Karriereberater der Bundeswehr in Schulen und auf Messen, in der Darstellung von Krieg als Normalfall.

Und Meinungsfreiheit? Die wird immer mehr zur Farce. Wer etwas anders sieht, ist ein Putinversteher, oder ein Antisemit, in jedem Fall ein gefährlicher Mensch.

Die Rechtlosigkeit geht mittlerweile so weit, dass Menschen sanktioniert werden, von der EU und ihren Mitgliedstaaten, wenn sie Aussagen von Politikern anzweifeln und das äußern wie der Journalist Hüseyin Doğru oder Jacques Baud. Sie sind vogelfrei.

Sie haben sich keines Verbrechens schuldig gemacht, es gibt keine Anklage, keine Beweisaufnahme, keine Anhörung der Beschuldigten, keine Gerichtsverhandlung, kein rechtsstaatliches Urteil. Die EU hat befunden, dass sie russische Propaganda betreiben und das war’s. Punkt.

Sie werden von all ihren Konten abgeschnitten, sie dürfen keine Arbeit verrichten, für die sie bezahlt werden, wer sich traut, sie zu unterstützen, macht sich strafbar. Keine Diskussion oder Widerspruch möglich.

Was schon jetzt praktiziert wird, wird mit zunehmender Kriegshysterie wachsen. Das Ausrufen des Spannungsfalls rückt in greifbare Nähe. Spannungsfall, ein harmloses Wort, das die Vorstufe zum Krieg bedeutet. Wenn der real ausgerufen wird, können alle Grundrechte außer Kraft gesetzt werden.

Unsere Forderungen an die Regierung sind klar:

  • Abrüstung statt Aufrüstung
  • Diplomatie statt Kriegsbeteiligung und Waffenlieferungen
  • Auflösung der Truppenstationierungsverträge statt Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen
  • Friedenserziehung statt Kriegsdienst und Militarisierung der Gesellschaft
  • Geld für soziale Aufgaben statt Aufträge an Rüstungsfirmen
  • Sicherung demokratischer Rechte statt Willkür

Lasst uns nicht zulassen, dass die auf Kriegsvorbereitung ausgerichtete Politik der Regierung weiter gedeihen kann.
Wir müssen es schaffen, alle Kräfte bündeln, uns widersetzen, aufstehen gegen den Wahnsinn und auch gegen die Resignation.
Seien wir realistisch. Verlangen wir das Unmögliche!!!

Hinweis: Hier kannst du dir die Rede auch als PDF-Datei downloaden:

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Newsletter 02/2026 – Berichte von unserer Strategie- und Aktionsberatung

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Am 17. Februar wurde unser Newsletter 02/2026 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf den Berichten von unserer Aktions- und Strategieberatung vom 1. Februar 2026. Wir berichten zudem von den Vorbereitungen für den Schulstreik am 5. März 2026. Außerdem informieren wir über die Bildung einer neuen Initiative ‚Russland ist nicht unser Feind‘ und zu einem für den Juni 2026 geplanten Internationalen Friedenskongress.

Ein wichtigen Raum nehmen auch Hinweise betreff der Initiative ‚Gewerkschaften für Abrüstung‘ ein, die sich auf die bevorstehenden Tarifkämpfe und Gewerkschaftstage mit viel gutem Material vorbereitet.

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

Newsletter 02/2026 im Mailverkehr

Hier findest Du ihn im PDF-Format:

Newsletter 02/2026 im PDF-Format
 
 

 
 

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Newsletter 03/2026 – Krieg gegen den Iran – Bericht Schulstreiks …

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Am 7. und 8. März 2026 wurde unser Newsletter 03/2026 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf dem Krieg gegen den Iran. Wir verschicken unsere Stellungnahme vom 1. März, die an diesem Tag bereits an einige Hundert Friedensinitiativen verschickt wurde. Und wir rufen auf zu weiteren Protestaktionen. Beispielsweise in Hamburg am 13. März. Darüber hinaus gibt es Berichte von den Schulstreiks am 5. März mit rund 50.000 Teilnehmenden – und wir laden ein zu einem Kuba-Webinar.

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

Newsletter 03/2026 im Mailverkehr

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Schulstreik am 05.03.: Erfolg wiederholt

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Wo Kriege vorbereitet werden, wird Widerstand zur Pflicht

 
Am 5.3. streikten erneut mehr als 50.000 Schülerinnen und Schüler gegen die Wiedereinsetzung der Wehrpflicht – diesmal in rund 150 Städten. Damit hat sich die Bewegung verstetigt und bewiesen, dass sie keine Eintagsfliege ist. Einmal mehr schallte in ganz Deutschland „Die Reichen wollen Krieg – die Jugend eine Zukunft“ und „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht“ durch die Straßen. Denn die Jugendlichen haben zurecht Angst vor Krieg und wollen nicht für die Profite von Rheinmetall in die Schützengräben geschickt werden.

Die Schülerinnen und Schüler haben damit erneut Mut bewiesen. Beim zweiten Streiktag gab es deutlich mehr Repressionen und Einschüchterungsversuche. In Kassel, Schweinfurt und weiteren Städten wurde Schülerinnen und Schülern eine Attestpflicht auferlegt, in Essen, Frankfurt und Stuttgart wurden Schülerinnen und Schüler in Schulen eingesperrt, in Berlin und München laufen Ermittlungen gegen Schüler die Schilder mit „Merz stirb du doch an der Front“ und „Merz leck meine Eier“ getragen haben. Die Medien versuchten die Streiks kleinzureden. Doch ganz im Gegenteil hatten die Streiks vielfach die Unterstützung der GEW, örtlicher Gewerkschaftsjugenden und von SVen/SMVen. Die Mobilisierung stützte sich oft auf Streikkomitees in den Schulen selbst.

Der nächste Streiktag liegt am 8. Mai, dem Tag der Befreiung von Krieg und Faschismus. Merz sprach letzten Monat beim Weltwirtschaftsforum in Davos ganz offen davon, dass wir uns in einem „Zeitalter der Großmachtpolitik“ befinden. Deutschland will den dritten Anlauf zur Großmacht wagen und braucht den Kriegsdienst dafür. Der Tag der Befreiung ist also passend gewählt. Bis dahin wird es darum gehen, weitere Schulstreikkomitees an Schulen aufzubauen, gegen Bundeswehrauftritte an Schulen zu protestieren und deutlich zu machen, dass Wehrpflicht und Krieg keine Generationenfrage ist. Denn wo Kriege vorbereitet werden, wird Widerstand zur Pflicht!
 

Pressemitteilung vom Bündnis ‚Schulstreik gegen Wehrpflicht‘

 
Hier findet ihr eine Pressemitteilung des Bündnisses ‚Schulstreik gegen Wehrpflicht‘ zu den Aktionen am 5. März 2026. Angekündigt wird unter anderem ein weiteres Vernetzungstreffen am 18. April 2026 in Essen:

Pressemitteilung des Bündnisses ‚Schulstreik gegen Wehrpflicht‘ vom 05.03.2026
 

Hier einige Bilder vom Schulstreik am 5. März in Berlin …

 
Stellvertretend für die vielen tollen Aktionen, die an 150 Orten überall in Deutschland stattfanden, veröffentlichen wir euch hier einige Bilder vom Schulstreik in Berlin, die unsere NWK-Aktivistin Wiebke Diehl dort für uns eingefangen hat.

Um euch die Bilder genauer anzuschauen, klickt bitte auf das jeweilige Bild!

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Filmbericht Webinar ‚Widerstand gegen Wehrpflicht‘

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Für den 27. Februar 2026 organisierte die Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘ ein Webinar zu dem Thema ‚Widerstand gegen Wehrpflicht‘. Es fand im Vorfeld des für den 5. März 2026 vorgesehenen Schulstreiks statt.

Während der Veranstaltung diskutierten Ronja Fröhlich (aktiv im Bündnis Nein zur Wehrpflicht), Vanessa Casagrande (aktiv in der AG Frieden der GEW Berlin), Willi Rester (DFG-VK Bayern / Oberpfalz) und Elia Heddinga (aktiv bei Schulstreik gegen die Wehrpflicht in Hamburg) mit vielen engagierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern insbesondere die Frage, wie Gruppen aus der Friedensbewegung die Aktionen der Schülerinnen und Schüler unterstützen können. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Wiebke Diehl (aktiv in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘).

Hier findet ihr den Filmbericht von der Veranstaltung, der die einführenden Beiträge und die Schlusssequenzen der Referierenden enthält.

Der Film ist wie folgt gegliedert:

0:00:00 Einführung ins Thema Wiebke Diehl
0:07:23 Ronja Fröhlich
0:13:31 Elia Heddinga
0:20:55 Vanessa Casagrande
0:27:44 Willi Rester
0:37:57 Diskussion
0:38:44 Schlussbeitrag Willi Rester
0:42:03 Schlussbeitrag Vanessa Casagrande
0:44:03 Schlussbeitrag Elia Heddinga
0:44:52 Schlussbeitrag Ronja Fröhlich
0:49:06 Abschlussmoderation und Hinweise / Wiebke Diehl

 
 

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Aktuelle Infos zum Schulstreik am 5. März 2026 – Wie können wir diesen unterstützen?

veröffentlicht.
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Bundesweit fanden am 5. März Schulstreiks gegen eine drohende Wehrpflicht statt. Immer wieder erreichten uns in diesem Zusammenhang Nachfragen wie man denn vor Ort diese Aktivitäten unterstützen kann? Dafür gibt es mit dem weiter unten gegeben Brief ein paar Anregungen.

Aktuelle Infos zum gerade stattgefundenen Schulstreik findet ihr hier:

Berichte und Bilder vom Schulstreik am 5. März 2026

Pressemitteilung vom Bündnis ‚Schulstreik gegen Wehrpflicht‘ vom 5.3.2026

Resolution und Einführungsreferat Schulstreikkonferenz vom 14./15. Juni 2026 in Göttingen

Webinar zum bevorstehenden Schulstreik gegen die Wehrpflicht mit Aktiven aus der Bewegung am 27. Februar 2026

Filmbericht vom Webinar am 27. Februar 2026

Infos zum Thema Kriegsdienstverweigerung

Zahlreiche weitere Infos zu dem Themen Wehrpflicht, Schulstreik und Kriegsdienstverweigerung findet ihr in unserem Themenregister:

Themenregister Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung

 


 

Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,

am 5. März finden die nächsten Schulstreiks gegen die Wehrpflicht statt. Bei den vergangenen Schulstreiks war die Friedensbewegung vielerorts eine der Hauptunterstützerinnen. Damit ihr auch diesmal tatkräftig unterstützen und mitwirken könnt, möchten wir euch einige Informationen und Vorschläge für die Zusammenarbeit zukommen lassen.

Am wichtigsten ist dabei, dass wir miteinander ins Gespräch kommen und herausfinden, wie die konkrete Zusammenarbeit vor Ort aussehen kann. Solltet ihr keine Kontakte zur lokalen Schulstreikbewegung haben, meldet euch gern bei der bundesweiten Mailadresse: [email protected]– hier kann der Kontakt zu örtlichen Komitees vermittelt werden. Meldet euch dort auch gerne ein zweites Mal, wenn der Kontakt nach dem ersten Mal nicht zustande kommt.

Die einfachste Möglichkeit, in den Austausch zu kommen, ist die gegenseitige Einladung zu den jeweiligen Treffen. Ladet doch Vertreter*innen der Schulstreikbewegung zu euren lokalen Friedensforen ein und lasst euch im Gegenzug zu ihren Treffen einladen. Dort kann dann über konkrete Unterstützungsmöglichkeiten gesprochen werden.

Einige Ideen, wie die Friedensbewegung die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht unterstützen kann:

  • Aufbau lokaler Strukturen für Eltern, Omas und Opas gegen die Wehrpflicht: Oft schaffen es die Schülerinnen nicht, zusätzlich zur Organisation ihrer Mitschülerinnen auch die älteren Generationen einzubeziehen – obwohl diese unterstützen wollen und können. Hier kann die Friedensbewegung ansetzen, indem sie Anlauf- und Austauschpunkte für alle Eltern, Omas und Opas gegen die Wehrpflicht schafft.
  • Unterstützung bei der Verbreitung von Material: Ob Plakate kleben, Flyer verteilen oder Sticker auslegen – überall können wir helfen, den Schulstreik bekannter zu machen.
  • Rechtliche Unterstützung: Schon bei den letzten Schulstreiks sahen sich Schüler*innen teils mit Repressionen konfrontiert: Streiks wurden verboten, Schüler*innen in der Schule eingesperrt, Anmelder*innen mit Anzeigen gedroht und im Nachgang erhielten einige Bußgelder. Als Friedensbewegung haben wir oftmals Erfahrung im Umgang mit solcher Einschüchterung und Kontakte zu Anwält*innen, mit denen wir rechtlich unterstützen können.
  • Unterstützung vor Ort während der Streiks: Auch auf den Schulstreiks selbst können wir als Friedensbewegung aktiv werden – nicht nur mit eigenen Plakaten und Transparenten. Oft fehlt es an Ordner*innen, Menschen, die den Infostand betreuen, oder an Helfer*innen für die Versorgung während des Streiks. All das sind Aufgaben, die wir als Aktive der Friedensbewegung bereits vielfach übernommen haben und mit denen wir die Streikenden wirksam entlasten können.

Der Protest gegen die Wehrpflicht hat das Potenzial, zu einer großen antimilitaristischen Jugendbewegung zu werden – und damit auch zur Stärkung der Friedensbewegung beizutragen. Sorgen wir mit dafür, dass es gelingt!

Solidarische Grüße

Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder‘
 


 
 
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Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik!

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IPPNW-Ärztinnen und -Ärzte veröffentlichen Resolution:

„Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik!“

 
Der Kernpunkt aller Rechtfertigungen für die geforderte „Kriegstüchtigkeit“ – Blockierung der Beendigung des Ukrainekrieges, Mega-Rüstung unter Erdrosselung von eigener Industrie und Sozialstaat sowie Aufblähung der Bundeswehr sowie Aufstellung von erstschlagstauglichen US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland 2026 – ist die Einpflanzung der Bedrohung durch Russland in unsere Herzen und Hirne. Russland werde „uns“ (die NATO) bis spätestens 2029 angreifen – vielleicht sei 2025 sogar schon der letzte Friedenssommer gewesen (Sönke Neitzel, Universität Potsdam). Wer dem widerspricht, wird medial in Verdacht gebracht, ein „Putin-Freund“ zu sein – oder doch zumindest „die Geschäfte Putins“ zu betreiben.

Dem gegenüber steht eine trotz vieler gegenteiliger Umfrageergebnisse als minoritär, ja isoliert dargestellte Friedensbewegung, die sich weitgehend in eine Verteidigungshaltung gegen solche Diffamierungen gedrängt sieht.

Dem wollen wir nun einen positiven Zukunftsentwurf entgegenstellen:
Für eine neue Entspannungspolitik!

Und die Abkehr vom Feindbild Russland, die hierfür notwendig ist, knapp und sachlich begründen: Nicht mit pazifistischer Utopie, sondern indem wir der Stimmungsmache ein paar elementare Fakten und realistische Vorschläge entgegensetzen.

Diese Resolution erscheint relativ kurz nach Veröffentlichung des sog. „28-Punkte-Plans“, mit dem erstmals seit über drei Jahren Krieg (und Hunderttausenden von Toten und Verstümmelten) ein Lösungsvorschlag auf dem Tisch liegt, der für die beiden Großmächte hinter dem Konflikt eine realistische Verhandlungsgrundlage sein könnte. Unsere Resolution bezieht sich jedoch bewusst nicht auf diesen Plan (auch wenn sie überraschende Parallelen zu einigen seiner Inhalte aufweist). Denn sie hat eine weiter reichende Intention:

Sie zielt auf das dem Krieg und dem (selbst-)zerstörerischen Rüstungsfieber zugrunde liegende Problem in den Köpfen, das Feindbild Russland, die Russophobie. Diese wird durch eine toxische Mischung aus komplizierter Realität, selektierten Fakten, Halbwahrheiten und Verdrehungen geschürt und hat inzwischen pathologische Züge einer kollektiven Angstpsychose angenommen.

40 Jahre nach dem Friedensnobelpreis für die berufsbezogene Friedensorganisation IPPNW (International Physicians for the Prevention of Nuclear War) sehen wir uns als friedenspolitischer Arbeitskreis ihrer deutschen Sektion daher verpflichtet, diese schwere und gefährliche psychische Störung beim Namen zu nennen, mittels Fakten gegen das Fieber anzugehen und Bundesregierung sowie Gesellschaft dazu aufzurufen, zur Besinnung zu kommen.

Berlin, 04.12.25

Für den IPPNW-AK „Süd-Nord“ (friedenspolitischer Arbeitskreis von IPPNW-Deutschland):

Christoph Krämer
E-Mail: kraemer.ak-sn[at]ippnw.de

 


Resolution des IPPNW-AK „Süd-Nord“:      

Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik      

Als friedenspolitischer Arbeitskreis der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzt*in­nen für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) fordern wir von der Bundesregierung eine neue Ent­spannungspolitik sowie die Förderung auch zivilgesellschaftlicher Aktivitäten zur Völkerver­ständigung mit Russland.

Und appellieren an die ganze Gesellschaft: Um einen Weg heraus aus der Eskalationsspi­rale und zur Beendigung des Ukrainekrie­ges zu eröffnen, greift es zu kurz, im Chor mit Regierung und Medien immer wieder einseitig nur den russischen Einmarsch in die Ukraine von 2022 anzuklagen, den auch wir als Bruch des Völkerrechts sehen. Vielmehr wenden wir uns klar gegen jede Form von Völkerrechtsbruch!

In Wahrnehmung der historischen Mission der IPPNW, der Verhütung des Atomkriegs, und der Kernziele des Leitbilds unserer deutschen Sektion, fordern wir daher:

  • Der Ukrainekrieg kann und muss jetzt beendet werden – durch Respektierung nicht nur der ukrainischen, sondern auch der russischen Sicherheitsinteressen. Denn die weitere Eskalation dieses Krieges kann rasch in einen offenen Krieg der NATO mit Russland mün­den, und damit in einen Welt- und Atomkrieg!
  • Dazu gehört zuvorderst die Abkehr von dem Plan, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, und die verbindliche und dauerhafte Festschreibung ihrer Neutralität.
  • Sowie die Bereitschaft zu Kompromissen von beiden Seiten, auch von westlicher – etwa was den Status der Krim betrifft (als Basis der russischen Schwarzmeerflotte) sowie der Ostukraine mit ihrer überwiegend russischstämmigen Bevölkerung und Kultur.
  • Sicherheit lässt sich in unserer von Atomwaffen und zunehmend auch von „künstlicher Intelligenz“ bedrohten Welt nicht durch gewaltsamen Ausbau der westlichen Dominanz, sondern nur gemeinsam herstellen: Sicherheit neu denken!
  • „Gemeinsame Sicherheit“ heißt: Rückkehr zum Prinzip der Charta von Paris, in der zur Be­endigung des Kalten Krieges 1990 festgeschrieben wurde: „Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden.
  • Dies bedeutet auch die Einsicht, dass Sicherheit in unserer modernen Welt, in der uns die Zerstörungspotenziale der Waffen längst über den Kopf gewachsen sind, nicht durch wei­tere Vergrößerung dieser Potenziale herstellbar ist, sondern nur durch ein neues Denken, das Kommunikation und Vertrauensbildung an die erste Stelle setzt.
    Bewährte Formate wie die UN und die OSZE sind hierfür zu reanimieren und zu stärken.
  • Rückkehr zum Völkerrecht – die UN-Charta gilt für alle, für Russland wie auch für den Westen!
  • Respektierung und Förderung der Multipolarisierung der Welt durch nicht-militärische Bündnisse wie die BRICS statt gewaltsamer Erhaltung der westlichen Hegemonie. Insbesondere hat die NATO nichts in Ostasien zu suchen – schon allein der NATO-Vertrag widerspricht diesen Plänen, denen jetzt eine klare Absage zu erteilen ist.
    Auch die BRICS-Initiativen zur Beendigung des Ukrainekrieges sind uns willkommen!
  • Rückkehr auch zum Rüstungsbegrenzungs- und -kontrollregime, mit dem der Kalte Krieg beendet wurde – vor allem:
    Rettung des New-Start-Vertrages über die Reduktion der strategischen Atomwaffen, der andernfalls Anfang 2026 ersatzlos ausläuft;
    Wiederbelebung des 2019 von Trump gekündigten INF-Vertrages, der Mitteleuropa von den atomaren Mittelstreckenwaffen befreit hatte, statt Stationierung neuer US-Mittel­streckenwaffen in Deutschland 2026;
    Beitritt Deutschlands zum Atomwaffen-Verbotsvertrag (TPNW), statt die in Deutschland stationierten US-Atomwaffen für Milliarden aus Steuergeldern zu modernisieren.
  • Hilfreich für die Vertrauensbildung sind auch zivilgesellschaftliche Aktivitäten wie Städte-, wissenschaftliche und kulturelle Partnerschaften, die durch die „Zeitenwende“ gecancelt wurden – hier ist ein Umdenken und eine schrittweise Wiederherstellung erforderlich.

Das beschriebene Umdenken wird nicht nur die Bedrohung der Welt durch Krieg, Atomkrieg und Völkermord eindämmen, das Klima schützen und Millionen von Menschen vor Flucht und Vertreibung bewahren. Sondern es wird auch unserem eigenen Land ganz direkten Ge­winn bringen: Denn der Wegfall der ruinösen Hochrüstung für 5% des BIP, die Mittel in der Höhe von fast 50% des Bundeshaushalts verschlingt und dazu Berge von Zinsen, die für BlackRock & Co. bestimmt sind, wird Geld für Schulen, Universitäten, Krankenhäuser, Eisen­bahn und Klimarettung freisetzen, die unser Land so dringend braucht.

Erläuterung dieser Initiative:

Ein ernsthafter Ansatz zur Beendigung des Ukrainekrieges erfordert zuallererst eine Umkehr des Denkens:
Zum einen die Erkenntnis, dass Kriege fast immer am Verhandlungstisch enden.
Sowie die Bereitschaft, unsere eigene, westliche Rolle bei der Herbeiführung des Konflikts zu sehen: Indem wir die Verletzung der russischen Sicherheitsinteressen durch die wortbrüchig seit Jahren vorangetriebene NATO-Ostexpansion erkennen. Und vor allem, indem wir diesen Kurs jetzt korrigieren, indem die NATO und ihre führenden Mitgliedsstaaten incl. Deutsch­lands, die Aufnahme der Ukraine in die NATO endlich ausschließen, und zwar dauerhaft.
Die Idee, mittels des Putsches von 2014 die westliche Hegemonie auf die Ukraine auszudeh­nen und die Krim als Standort der russischen Schwarzmeerflotte dem NATO-Territorium einzuverleiben – mit dem Ergebnis, die Ukraine in einen Pro-EU-/NATO-Teil und einen pro-russischen Teil zu spalten – hat sich als katastrophaler Fehler erwiesen.
Hinzu kam der Bruch des Minsk-II-Abkommens durch Präsident Selenskyjs Dekret Nr. 117 von 2021 zur Rückeroberung von Krim und Donbas – was der Westen tolerierte, ja förderte.
Sowie die vertane Chance von Istanbul gleich zu Beginn des Krieges, ihn mit einem Kompro­missfrieden zu beenden – dem die NATO bei ihrem Brüsseler Gipfel im März 2022 eine Ab­sage erteilte – bekräftigt durch die Entsendung von Boris Johnson nach Kiew, um Selenskyj von der Unterzeichnung abzuhalten.

Die Wiederherstellung des zerstörten Vertrauens in westliche Zusagen erfordert nun ein Aufgreifen der positiven Signale aus den USA durch ein klares Verständigungsangebot an Russland auch seitens des europä­ischen Teils der NATO einschließlich Deutschlands.

Und die Abkehr vom Kurs der „Kriegstüchtigkeit“, also der horrenden Vergrößerung der be­reits bestehenden konventionellen NATO-Überlegenheit (siehe Greenpeace-Studie 2024) –  
der mit der Steigerung der Rüstungsausgaben von 2% auf 5% des BIP verfolgt wird sowie
mit der Aufstellung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland, die Angriffs- und Erst­schlagswaffen sind und Moskau fast keine Vorwarnzeit mehr lassen.

Die Begründung dieser Eskalationsstrategie in hiesigen Medien und Talkshows – Russland plane bis 2029 einen Angriff gegen die NATO – widerspricht allen Fakten:

–  Jenseits propagandistischer Phrasen ist kein Interesse Russlands an einem solchen Angriff erkennbar. Sämtliche US-Geheimdienste haben 2024 und 2025 derartige Pläne verneint.

–  Zudem ist Russland militärisch nicht annähernd in der Lage, einen Krieg gegen die NATO zu führen. Laut SIPRI-Daten und der darauf basierenden Greenpeace-Studie von 2024 ist Russland konventionell selbst dem europäischen Teil der NATO weit unterlegen.

Beide Fehler – NATO-Ostexpansion samt der immer noch unkorrigierten Parole, der Weg der Ukraine in die NATO sei „unumkehrbar“ (Rutte) sowie die neue NATO-Massivrüstung – be­feuern die in Russland zunehmende Befürchtung, westeuropäische Mächte würden – wie schon mehrfach in der Geschichte – erneut einen Angriffskrieg gegen Russland planen.
Hinzu kommt der westliche Völkerrechts-Nihilismus, der sich seit 1999 in den westlichen Angriffskriegen gegen Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien manifestiert. Sowie die Kündigung zentraler Rüstungskontrollabkommen und die Missachtung von Verträgen durch die USA. In Russland wird bereits diskutiert, ob die USA überhaupt vertragsfähig sind.
Aktuelle Beispiele für die Doppelmoral des Westens sind das genozidale Vorgehen in Palästi­na, der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen den Iran und die fortgesetzte Unterstützung der rechtsextremen israelischen Regierung mit Geld und Waffen durch die USA und Deutsch­land. Seine „Drecksarbeit“-Äußerung im deutschen Fernsehen zu Netanjahus Vorgehen of­fenbart die Geringschätzung des Bundeskanzlers für das Völkerrecht.

Russland zur Einhaltung des Völkerrechts zu bewegen, erfordert die Rückkehr zum Völker­recht auch durch den Westen – anstatt es durch dessen sogenannte „regelbasierte Ordnung“ zu ersetzen.

Der historische Fehler liegt nicht in der alten Entspannungs- und Verständigungspolitik, die bekanntlich zur Überwindung des Kalten Krieges und der Blockkonfrontation führte. Sondern in der Abkehr davon zugunsten westlichen Vormacht- und Expansionsstrebens wie der NATO-Ostexpansion, das ein Grundprinzip der Charta von Paris ignoriert:
Sicherheit ist unteilbar, und die Sicherheit jedes Teilnehmerstaates ist untrennbar mit der aller anderen verbunden.

Daher:
Abkehr vom Feindbild Russland – für eine neue Entspannungspolitik!

Berlin, 04.12.25

(Auszug von RSS-Feed)

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Filmbericht von unserem Webinar ‚Will China die Weltherrschaft?‘

veröffentlicht.
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Die Außenpolitik der Volksrepublik China verstehen

 
Unter diesem Titel organisierte die Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘ für Mittwoch, den 3. Dezember 2025, ein Webinar mit Prof. Michael Brie.
 
Hier gibt es nun den Filmbericht des mit einem Folienvortrag unterstützten Einstiegsreferats von Michael Brie. Die intensiv geführte Diskussion der zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben wir aus Datenschutzgründen indes nicht erfasst.

Über den folgenden Link kann dieser Folienvortrag auch als PDF-Datei heruntergeladen werden:

Folienvortrag von Michael Brie bei der Veranstaltung am 3. Dezember 2025

Ablauf:

0:00:00 Anmoderation durch Peter Wahl
0:03:45 Vortrag von Michael Brie zum Thema
0:54:31 Abmoderation und Ankündigung des nächsten Webinars
 


 

Der Einladungstext für die Veranstaltung

 
Die USA sehen ihren Anspruch auf globale Führung durch den Aufstieg Chinas bedroht. Seit Obamas Präsidentschaft wurde das Land zum Hauptgegner erklärt und mit Sanktionen bekämpft. Die EU schwimmt folgsam in Washingtons Kielwasser und bezeichnet China als „systemischen Rivalen“. Und der deutsche Außenminister Wadephul behauptet, Peking versuche das Völkerrecht und die internationale Ordnung umzuschreiben „um eigene he-gemoniale Bestrebungen zu rechtfertigen“.

Tatsächlich ist der Aufstieg Chinas das spektakulärste Beispiel dafür, dass nach 500 Jahren Kolonialismus und Imperialismus die weltweite Dominanz Europas und seines nordamerikanischen Ablegers zu Ende geht. Wie geht China damit um? Was sind die Interessen und Leitlinien seiner Außenpolitik? Will Peking wirklich die Stelle der USA einnehmen?

Diese und ähnliche Fragen sind Thema des Webinars.

Referent: Prof. Michael Brie

Prof. Brie ist Sozialphilosoph und China-Kenner. Bis 2023 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Moderation: Peter Wahl
 


 

Unser nächstes Webinar am 18.12.2025: Ist der Völkermord in Gaza beendet?

 
Nähere Infos dazu findest Du hier:

Webinar 18.12.2025: Ist der Völkermord in Gaza beendet?
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

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Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung

veröffentlicht.
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Die nachfolgenden Folien zum Thema ‚Wehrdienst und Kriegsdienstverweigerung‘ basieren auf einem Folienvortrag von Detlef Mielke (DFG-VK Gruppe Hamburg), den dieser am 22.11. auf einer Informationsveranstaltung in Hamburg hielt.

Um sich eine einzelne Folie genauer anzuschauen, klicken Sie bitte auf das jeweilige Bild.

Hier können Sie sich diesen Vortrag auch als PDF-Datei herunterladen:

Folienvortrag als PDF-Datei downloaden
 
Umfangreiche Informationen zum Thema Kriegsdienstverweigerung sowie viele Kontaktadressen zu Beratungsstellen, finden Sie auch auf der folgenden Seite:

Weitere Infos zum Thema Kriegsdienstverweigerung
 

 
 
 
 
 
 
 
 
(Auszug von RSS-Feed)

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Übersicht Schulstreiks am 5.12. nach Bundesländern

veröffentlicht.
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Hier eine Übersicht über die Orte, an denen am 5. Dezember Schulstreikaktionen vorgesehen sind.

Weitere Informationen sind auf der folgenden Webseite veröffentlicht:
https://schulstreikgegenwehrpflicht.com/

Rückfragen oder Kontaktwunsch zu den Organisatoren? Bitte über die folgende Mail-Adresse:

[email protected]

Hinweis für die folgende Übersicht (Stand 2.12.2025). Sofern weitere Infos für den Ort vorliegen, sind diese verlinkt. Erkennbar an der roten Farbe. Dann dort einfach drauf klicken! Ihr kommt damit auf den Instagram-Kanal der an dem Ort Schulstreikenden.
 


 

10 Uhr, Königsplatz

11 Uhr, Unterer Kirchplatz

12 Uhr, Leibnitzplatz

10:30 Uhr, Rathausplatz

16:30 Uhr, Neutor

9 Uhr, Schauspielhaus

11 Uhr, Poppelsdorfer Allee

 

11 Uhr, Karl-Marx-Monument

13:30 Uhr, Schillerpark

11:30 Uhr, Luisenplatz

12:30 Uhr, Hauptbahnhof

10:00 Uhr, Postplatz

DÜSSELDORF

11:30 Uhr, Luisenplatz

10:00 Uhr, Theaterplatz

11 Uhr, Huenottenplatz

10 Uhr, I. Dellbrügge – (Höhe Burggymnasium/ Teichstraße)

12 Uhr, Rathausplatz

12 Uhr, Willy-Brandt-Platz

10 Uhr, Platz der alten Synagoge

11:30 Uhr, Elvis-Presley-Platz

GLADBECK

10 Uhr, Rathaus

gütersloh

11 Uhr, vor dem Rathaus

15:30 Uhr, Riebeckplatz

10:00 Uhr, Hachmannplatz

10 Uhr, Freiheitsplatz

13:30 Uhr, Ernst-August-Platz

9:15 Uhr, Johannesbrunnen Halberstadt

11:45 Uhr, Zug nach Tübingen

12 Uhr, Friedrich-Ebert-Platz

HITZACKER (ELBE)

12 Uhr, Theaterplatz am ZOB

11 Uhr, Stadtzentrum

12 Uhr, Bundesverfassungsgericht

12 Uhr, Rathaus

12 Uhr, Hildegardplatz

10:30 Uhr, Exerzierplatz

10 Uhr, Hauptbahnhof

10 Uhr, Messeplatz

13 Uhr, Staatliche FOS

LEER

9 Uhr, Wilhelm-Leuschner-Platz

Lingen

9 Uhr, Holstentorplatz

11:30 Uhr, Akademiehof

12 Uhr, Clamartpark

10 Uhr, Domplatz

18 Uhr, Gutenbergplatz

12 Uhr, Giesinger Bahnhof

10 Uhr, Stubengasse

13 Uhr, Carmer-Klett-Park

11:30 Uhr, Martin-Luther-Platz

10 Uhr, Bahnhof Pirna

10 Uhr, Alter Markt

11 Uhr, Am Rosengarten

11:30 Uhr, Gymnasium Schwertstraße

11:30 Uhr, Schillerplatz

12 Uhr, Porta Nigra

12 Uhr, Uhlanddenkmal

12 Uhr, Am Bauhaus-Museum

9 Uhr, Am Dernschen Gelände

WILHELMSHAVEN
Baden-Württemberg:
  1. Tübingen: Demo, Uhlanddenkmal/Uhlandstraße, 12:00, @schulstreikgegenwehrpflicht_tu
  2. Reutlingen: Kundgebung, Ort und Uhrzeit noch unklar, @schulstreikegegenwehrpflicht_rt
  3. Hechingen: Fährt zum Schulstreik nach Tübingen, 11.45 Treffpunkt für Zug nach Tübingen, https://chat.whatsapp.com/JZGq7JZxk50DcIR4clfqwb
  4. Stuttgart: 11:30, Schillerplatz, @schulstreikgegenwehrpflicht_st
  5. Karlsruhe: Kundgebung, 12:00, Bundesverfassungsgericht, @schulstreikgegenwehrpflicht_ka
  6. Heidelberg: tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.hd
  7. Freiburg: tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht_fr
  8. Heilbronn: tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht_hn
  9. Weinheim: tbd, @schulstreikgegenwehrpflichtwh
  10. Ludwigsburg: Schulstreik mit Kundgebung, 11:30, Akademiehof, @schulstreikgegenwehrpflicht_lb

Bayern:

  1. München, 12:00, Giesinger Bahnhof, @neinzurwehrpflicht_munchen, [email protected]
  2. Landshut, 13:00 Uhr, staatliche FOS
  3. Kempten, 12:00 Uhr, Hildegardplatz, @kempten_gegen_wehrpflicht
  4. Augsburg, Demo, 10:00 Uhr, Königsplatz, @schulstreikaugsburg
  5. Nürnberg, Demo, 13:00 Uhr, Cramer-Klett-Park, https://chat.whatsapp.com/HHTIVro9iqdDqcqm8HTOo2?mode=hqrt1, @schulstreikgegenwehrpflichtnbg
  6. Erlangen, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.er
  7. Lindau, tbd, @Schulstreikgegenwehrpflicht_li

Berlin:

  1. Berlin,12:00, Hallesches Tor, https://www.instagram.com/streikgegenwehrpflicht.ber?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=ZDNlZDc0MzIxNw==

Brandenburg:

  1. Potsdam, 10:00, Alter Markt, @potsdamgegenwehrpflicht
  2. Cottbus, 13:30, Stadthallenvorplatz, https://www.instagram.com/schulstreikgegenwehrpflicht.cb?igsh=aTA5cWFyNnM3ZmNr&utm_source=qr

Bremen:

  1. Bremen, Demo, 12:00, Leibnizplatz, https://bremerfriedensforum.de/events/event/schul-und-unistreik-gegen-wehrpflicht/  

Hamburg:

  1. Hamburg, Demo, 10:00 (Start der Demo: 12:00), Hachmannplatz, https://www.instagram.com/schulstreikgegenwehrpflicht_hh?utm_source=ig_web_button_share_sheet&igsh=ZDNlZDc0MzIxNw==  

Hessen:

  1. Kassel, 12:00, Rathaus, @schulstreik_kassel
  2. Darmstadt, 11:30, Luisenplatz, https://www.instagram.com/schule.gegenkrieg_da?igsh=MXN1cGpvaDlidzB6cg==
  3. Friedberg, 11:30, Elvis-Presley-Platz, Insta: @streikgegenwehrpflichtwetterau
  4. Frankfurt, 12:00, Willy-Brandt-Platz
  5. Hanau, tbd
  6. Untertaunus, tbd

Mecklenburg-Vorpommern:

  1. Rostock, 11:00, Am Rosengarten, @schulpflichtgegenwehrpflichthro

Niedersachsen:

  1. Hannover, 13:30, Ernst-August-Platz, @neinzurwehrpflicht_hnvr
  2. Braunschweig, 12:00, Ort tbd, @schulstreik_braunschweig
  3. Göttingen, Kundgebung und Zubringerdemos, 12:00 (Zubringer 10:00-11:00), https://www.instagram.com/schulisgegenwehrpflicht.goe?igsh=dHk5cWwyaW1sa2Fj
  4. Wilhelmshaven, tbd
  5. Osterode am Harz, Kundgebung: 11:30, Martin-Luther-platz, @gegen.wehrpflicht.osterode

Nordrhein-Westfalen:

  1. Bonn, 11:00, Poppelsdorfer Allee, @schulstreik_bonn
  2. Eitorf, tbd, @eitorfgegenwehrpflicht,
  3. Köln, Demo, tbd, [email protected] Instagram: @schulstreik_koeln @nzw.koeln
  4. Solingen, Demo, 11:30, Gymnasium Schwertstraße, https://chat.whatsapp.com/KIrcLNBCPbgAf1BOTV5Vtr
  5. Dortmund, Demo, 12:00, tbd, @nzw_dortmund
  6. Essen, Demo, 10:00, I. Dellbrügge ( Höhe Burggymnasium/ Teichstraße), @schulstreik_essen
  7. Bochum Demo, 9:00, Schauspielhaus, @freistunde_bochum für Schüler @egw_bochum für Eltern
  8. Münster, Demo, 10:00, Stubengasse, @zukunftsmacher_muenster; @nzw_muenster
  9. Bielefeld, Demo, 10:30, Rathausplatz, @neinzurwehrpflicht.bielefeld

Rheinland-Pfalz:

  1. Trier, 12:00, Porta Nigra, @schulstreik_trier
  2. Mainz, 18:00, Gutenbergplatz,@mainzgegenwehrpflicht
  3. Koblenz, 10:00, Hauptbahnhof, @schulstreikgegenwehrpflicht_ko
  4. Ludwigshafen, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht_lu
  5. Landau, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.ld

Saarland:

  1. Saarbrücken, Demo, 14:00, tbd, @schulstreikgegenwehrpflichtsrb

Sachsen:

  1. Dresden, Kundgebung, 10:00, Postplatz, @schulstreikgegenwehrpflicht.dd
  2. Chemnitz, Demo, 11:00, Karl-Marx-Monument, @schulstreikgegenwehrpflichtcmz
  3. Leipzig, 9:00, Wilhelm-Leuschner-Platz, @schulstreikgegenwehrpflicht_le
  4. Döbeln, 12:30, Hauptbahnhof

Sachsen-Anhalt:

  1. Harz, Kundgebung, 9:15, Johannesbrunnen Halberstadt, @schulstreik_harz
  2. Magdeburg, tbd, @schulstreikgegenwehrpflicht.md
  3. Dessau, tbd, @schulstreik_dessau
  4. Pirna, tbd, @schulstreik_pirna

Schleswig-Holstein:

  1. Kiel, 10:30, Exerzierplatz + Zubringerdemo von Waldorfschule, @neinzurwehrpflichtkiel
  2. Flensburg, 12:00, Rathausplatz, @neinzurwehrpflicht_fl
  3. Itzehoe, 12:00, Theaterplatz am ZOB, schulstreikgegenwehrpflicht_iz, [email protected]
  4. Lübeck, 9:00, Holstentorplatz, @ schulstreikgegenwehrpflicht_hl

Thüringen:

  1. Gotha, tbd, @schulstreik_gotha
  2. Erfurt, Kundgebung, tbd, Anger, @schulstreik_erfurt
  3. Weimar, Demo, 12:00, Am Bauhaus-Museum, @schulstreik_weimar
  4. Jena, tbd, @schulstreik_jena

Darüber hinaus Kundgebungen und Demonstrationen am Nachmittag:
 

  • Leipzig, 17:00, Wilhelm-Leuschner-Platz
  • München, 4.12. (!), 18:00, Rosenheimerplatz
  • Frankfurt, 18:00, Bockenheimer Warte
  • Berlin, 16:00, Oranienplatz
  • Köln, 6.12. (!)
(Auszug von RSS-Feed)

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US-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht ablehnen

veröffentlicht.
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Stellungnahme / Presseerklärung

 

Warnung an die Regierungschefs von Deutschland, England und Frankreich

 

US-Plan zur Beendigung des Krieges in der Ukraine nicht ablehnen
Bundeskanzler Merz muss seine Blockadehaltung aufgeben

 

Die Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“, die in den letzten 3 Jahren die Großdemonstrationen der deutschen Friedensbewegung gegen den Krieg in der Ukraine organisiert hat, begrüßt den „28-Punkte-Plan“ zu seiner Beendigung. Sie hat sich auf ihrer Klausurtagung intensiv damit beschäftigt und sieht darin eine Grund­lage, den blutigen Krieg und die anhaltenden Zerstörungen schnell zu beenden sowie den Plan für weitere Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den europäischen Staaten für eine neue Sicherheitsordnung zu nutzen. Die Blockadehaltung von Bundeskanzler Friedrich Merz ist kurzsichtig und perspektivlos. Sie reiht sich ein in das bittere Versagen Deutschlands und der EU. Unser Land muss friedensfähig sein und darf nicht kriegstüchtig werden.

Auch wenn der Plan für die Ukraine mit harten Bedingungen verbunden ist, überwiegt die Aussicht auf ein Ende des Krieges und Frieden in Europa alle Einwände. Der Plan bietet weitreichende Chancen auf ein Ende der seit Jahrzehnten wachsenden Konfrontation auf unserem Kontinent. Er knüpft damit an die Charta von Paris für ein neues Europa von 1990 an, die auf eine gesamteuropäische Sicherheitsordnung und Abrüstung zielt.

Wir fordern von der Bundesregierung, sich für eine Umsetzung des Friedensplans aktiv einzusetzen und auf die ukrainische Regierung einzuwirken, auf Grundlage dieses Plans Verhandlungen aufzunehmen.

Die deutsche Friedensbewegung betrachtet insbesondere Punkt 2 des Plans für die Zukunft Europas als richtungsweisend: „Zwischen Russland, der Ukraine und Europa wird ein umfassendes Nichtangriffsabkom­men geschlossen. Alle Streitpunkte der letzten 30 Jahre gelten damit als geklärt.“ Nach unserer Überzeu­gung bedeutet die Ausarbeitung dieses Punktes, eine neue stabile gesamteuropäische Sicherheitsarchitektur unter Einschluss Russlands und der Ukraine zu schaffen, die einen dauerhaften Frieden gewährleistet.

Wir fordern von der Bundesregierung, die Chance nicht zu verspielen. Wer diesen Friedensplan torpediert, verkennt die Realitäten und verlängert den Krieg. Es vergrößert das Leiden der ukraini­schen Menschen und schafft für die Ukraine noch schlechtere Bedingungen für einen späteren Friedensschluss. Und es steigert die Gefahr einer Ausweitung des Krieges auf ganz Europa.

Eine stabile europäische Sicherheitsarchitektur bedeutet, militärische Angriffsfähigkeiten auf allen Seiten auszuschließen. Die für den kommenden Sommer geplante Stationierung von US-amerikanischen Mittelstreckenwaffen in Deutschland, die als Erstschlags- und Enthauptungsschlagwaffen konzipiert sind und wie Magneten für russische Präventivangriffe auf Deutschland wirken, darf nicht stattfinden. Sie sind nicht nur in hohem Maße destabilisierend, ihre Stationierung würde zudem eine massive Reaktion russischer militärischer Gegenmaßnahmen auslösen.  

Wir fordern die Bundesregierung auf, die Stationierungszusage zurückzuziehen, denn sie macht Europa nicht sicherer, sondern unsicherer. Wir fordern sie generell auf, die Aufrüstungspläne zu stoppen und den inneren Frieden in unserem Land zu bewahren.

Eine europäische Sicherheitsarchitektur schließt ein Absenken der Militär­potentiale vom Atlantik bis zum Ural auf möglichst niedrige Obergrenzen ein. Das massive Übergewicht westlicher konventioneller Waffen muss abgebaut werden, taktische Atomwaffen in Europa gehören abgeschafft. Auf beiden Seiten der Grenzen zwischen NATO und Russland sind ausgedünnte Zonen militärischer Rüstung notwendig, die gegenseitig strikt kontrolliert werden, um bei Truppenverschiebungen zu verhindern, dass gegenseitig neue Verunsicherung entsteht.

Bei konventioneller und atomarer Abrüstung innerhalb der europäischen NATO-Staaten und der EU braucht es keine Militärausgaben von 5 Prozent am Anteil der nationalen Wirtschaftsleistung, die zu Schulden in Billionenhöhe in Deutschland und den Partnerländern Europas führen würden. Nur Abrüstung schafft vielmehr Raum für dringende Ausgaben im Sozialen, der Bildung, im Gesundheitswesen und der Infrastruktur. Für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht, die von der Jugend mehrheitlich als Zwangsdienst abgelehnt wird, gibt es keinen Grund.

Wir unterstützen die Aktivitäten am bundesweiten Aktionstag „Nein zur Wehrpflicht“ mit Schulstreiks und Demonstrationen am 5. Dezember und fordern die Bevölkerung auf, den „Berliner Appell“ zu unterzeichnen, der ein Nein zur Stationierung der Mittelstreckenwaffen fordert.

Berlin, 23.11.2025

Initiative „Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder“

Yusuf As, Wiebke Diehl, Ulrike Eifler, Andreas Grünwald, Rita Heinrich, Lühr Henken, Andrea Hornung, Jutta Kausch-Henken, Ralf Krämer, Michael Müller, Christof Ostheimer, Peter Wahl
 
 

(Auszug von RSS-Feed)

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Aktuelles Material zum Schulstreik am 5.12.2025

veröffentlicht.
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Um aktuelles Material zu sichten
und herunterzuladen, klicke bitte auf das Bild!

 

Wir sagen NEIN zur Wehrpflicht! NEIN zu allen Zwangsdiensten!

 
Erste Hinweise wo welche Aktionen stattfinden, sind hier zu finden:

https://nie-wieder-krieg.org/2025/11/25/uebersicht-schulstreiks-am-5-12-nach-bundeslaendern/.

Die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden. Zunächst als „freiwilliger Wehrdienst“, doch schon jetzt steht fest: Wenn sich nicht genug von uns melden, soll erst das Los entscheiden und dann kommt die Pflicht für alle. Es heißt, wir sollen für Deutschland Krieg führen können.
 

Doch was ist eigentlich mit unserem Recht in Frieden zu leben

 
und selbst zu entscheiden, wie wir unser Leben führen wollen? Was ist mit Artikel 4 Absatz 3 der Grundgesetzes, nach welchem niemand zum Dienst an der Waffe gezwungen werden darf? Wir wollen nicht ein halbes Jahr unseres Lebens in Kasernen eingesperrt sein, zu Drill und Gehorsam erzogen werden und töten lernen. Krieg ist keine Zukunftsperspektive und zerstört unsere Lebensgrundlage.
 

Deshalb gehen wir am 05.12.
nicht zur Schule!

 
Wir streiken gegen die Wehrpflicht & alle Zwangsdienste!
 

Gegen die Wehrpflicht.
Aber Warum?

 
Egal ob Nachrichten oder Talkshows – fast alle reden & diskutieren darüber. Politiker_innen, die Bundeswehr oder irgendwelche Moderator_innen argumentieren, wie wir die Wehrpflicht wieder einführen sollten.
 

Aber niemand redet mit uns.
Niemand fragt uns, was wir wollen.
Niemand will wissen was wir dazu denken.

 
Dabei sind wir die Betroffen! Es sind unsere Leben, über die sie diskutieren und bestimmen wollen! Deswegen zwingen wir sie uns zuzuhören, warum wir gegen die Wehrpflicht sind!
 
 

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Newsletter 13/2025 – Friedensratschlag – Schülerstreik – Webinare

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Am 16. und 17. November wird unser Newsletter 13/2025 verschickt. Der Schwerpunkt liegt in diesem Newsletter auf Berichten vom Kassler Friedensratschlag, der mit rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern am 8. und 9. November stattfand. Wir informieren über dessen Verlauf und dokumentieren einige Inputbeiträge aus den diversen Workshops des Ratschlags.

Außerdem laden wir euch zu zwei Webinaren ein. Das erste trägt den Titel „Will China die Weltherrschaft?“. Es findet gemeinsam mit dem China-Experte Prof. Michael Brie am 3. Dezember statt. Ein weiteres Webinar ist für den 18. Dezember vorgesehen. In diesem geht es dann erneut um unsere Solidarität mit den Palästinensern, insbesondere mit den Menschen im Gaza-Streifen.

Außerdem rufen wir zur Unterstützung der Schülerstreiks in etlichen Städten am 5. Dezember auf, die sich gegen die neue Wehrpflicht richten.

Hier kannst Du dir diesen Newsletter so aufrufen, wie er als Mail verschickt wird:

Newsletter 13/2025 im Mailverkehr

Hier findest Du ihn im PDF-Format:

Newsletter 13/2025 im PDF-Format
 
 

 
 

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Bundesweiter Aktionstag gegen die Wehrpflicht am 5. Dezember

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Schulstreiks und Demonstrationen in ganz Deutschland

 
Aktualisierung: Hier findet ihr inzwischen noch genaueres und umfassenderes Material:
 

Aktuelleres Material zum Schulstreik – Klick hier!


 
Schulstreiks gegen die WehrpflichtAm 5. Dezember rufen bundesweit Jugendbündnisse zu Kundgebungen und Demonstrationen und Schülerinnen und Schüler zu Schulstreiks gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht auf. In vielen Städten werden sie dabei von lokalen Nein-zur-Wehrpflicht-Bündnissen, Gewerkschaften und Friedensinitiativen unterstützt.

In zahlreichen Orten – darunter neben vielen anderen Berlin, Bochum, Dortmund, Bielefeld, Essen, Göttingen, Hannover, Kassel, Köln, Münster, München, Potsdam und Trier – laufen bereits konkrete Vorbereitungen für Schulstreiks. Zusätzlich entstehen in vielen weiteren Städten Protestzüge, Kundgebungen und kreative Aktionen.

Aktuelle Infos zu den Aktionen am 5. Dezember findet ihr hier:

Wir laden dazu ein, die streikenden Schülerinnen und Schüler sowie die Kundgebungen und Demonstrationen zu unterstützen, Materialien zu teilen und gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften, Gewerkschaften und lokalen Initiativen Rückhalt für den Protest aufzubauen.

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Will China die Weltherrschaft?

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Die Außenpolitik der Volksrepublik China
 
Webinar
Mittwoch, 3. Dezember, 19:00 Uhr


 

 
Hinweis Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden. Einen Filmbericht findet ihr hier:

Filmbericht von der Veranstaltung am 3.12.2025
 


 
Die USA sehen ihren Anspruch auf globale Führung durch den Aufstieg Chinas bedroht. Seit Obamas Präsidentschaft wurde das Land zum Hauptgegner erklärt und mit Sanktionen bekämpft. Die EU schwimmt folgsam in Washingtons Kielwasser und bezeichnet China als „systemischen Rivalen“. Und der deutsche Außenminister Wadephul behauptet, Peking versuche das Völkerrecht und die internationale Ordnung umzuschreiben „um eigene he-gemoniale Bestrebungen zu rechtfertigen“.

Tatsächlich ist der Aufstieg Chinas das spektakulärste Beispiel dafür, dass nach 500 Jahren Kolonialismus und Imperialismus die weltweite Dominanz Europas und seines nordamerikanischen Ablegers zu Ende geht. Wie geht China damit um? Was sind die Interessen und Leitlinien seiner Außenpolitik? Will Peking wirklich die Stelle der USA einnehmen?

Diese und ähnliche Fragen sind Thema des Webinars.

Referent: Prof. Michael Brie

Prof. Brie ist Sozialphilosoph und China-Kenner. Bis 2023 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Moderation: Peter Wahl

Um an der Veranstaltung teilzunehmen, müssen Sie sich registrieren. Unmittelbar danach wird Ihnen ein individueller Zugangslink zugestellt, mit dem Sie sich am 3. Dezember kurz vor 19 Uhr in die Veranstaltung einwählen können.

Registrationslink:
https://us06web.zoom.us/meeting/register/qjr8HEhmQD64iBKgcu2OfQ
 
 

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32. Friedensratschlag: es bewegt sich was …

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Die Wiedergabe der Inhalte des Friedensratschlages kann sich in folgendem Bericht nur auf Wesentliches aus fünf Plenarvorträgen und zwei Podiumsrunden beschränken. Eine Dokumentation, die auch die 16 Workshops einbezieht, wird sich demnächst auf der Webseite Friedensratschlag befinden.

Dokumentieren können wir euch auf unserer eigenen Webseite bereits folgende Dokumente:

Auftakt Friedensratschlag 2025 – Jutta Kausch-Henken
Abschlusserklärung des Friedensratschlags 2025 in Kassel

Redemanuskript von Lühr Henken im Workshop Deutsche Hochrüstung und US-Raketenstationierung
Redemanuskript von Wiebke Diehl und Joachim Guilliard: Wirtschaftssanktionen und internationale Solidarität
Redemanuskript von Ralf Krämer zum Thema Hochrüstung, Finanzprobleme und Sozialabbau
Redemanuskript Andrea Hornung zum Thema Eigendynamiken der Aktivitäten von Jüngeren unterstützen

Ebenfalls haben wir euch hier die beiden Eröffnungsbeiträge von Ingar Solty und von Michael von der Schulenburg verlinkt.
 


 
Der nachfolgende Bericht wurde von Lühr Henken* verfasst.
 

Bericht vom 32. Friedensratschlag am 8. und 9. November in Kassel

 
FriedensratschlagDer 32. bundesweite Friedensratschlag im Kasseler Philipp-Scheidemann-Haus brachte am 8. und 9. November 2025 rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen- ein Rekordwert. Wie Jutta Kausch-Henken vom Mitveranstalter Bundesausschuss Friedensratschlag erfreut hervorhob, sei  etwa ein Viertel der Teilnehmenden zum ersten Mal dabei. Das jugendliche Element nahm tatsächlich einen spürbar größeren Raum ein als zuvor.

Ingar Solty, Referent für Friedens- und Sicherheitspolitik am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung, deklinierte durch, dass Hochrüstung nicht als Gegenmittel zur De-Industrialisierung Deutschlands tauge. Gründe dafür seien, dass vom deutschen Geldsegen vor allem die US-amerikanischen Rüstungskonzerne profitierten und Rüstungsausgaben tote Konsumtion sei. Ausgaben für Bildung und Gesundheitswesen dagegen erzeugten Multiplikatoreffekte und es sei historisch bewiesen, dass Rüstung zur Verarmung der Werktätigen führe. Letztlich sei Hochrüstung ein Treiber der De-Industrialisierung.

Der Abgeordnete im EU-Parlament, Michael von der Schulenburg, früherer Assistent Secretary des UN-Generalsekretärs und Jahrzehnte lang in zahlreichen Kriegsgebieten unterwegs, beklagte in seiner blumigen Tour d`Horizon den Realitätsverlust der europäischen Politik. Schließlich werde die Bevölkerung der EU im Jahr 2050 lediglich 4,5 Prozent der Weltbevölkerung stellen – soviel wie etwa Nigeria – und für nur 9 Prozent des weltweiten BIP stehen. „Wir sind kleiner als wir denken“, sagte Schulenburg. Ebenso zeige sich das Missverhältnis in den Militärausgaben: Die NATO tätige 55 Prozent aller Militärausgaben, die Bürger der NATO-Staaten bildeten jedoch nur 8 Prozent der Weltbevölkerung. „Wie erklären wir das den übrigen 92 Prozent?“ fragte er. Bedauernswert sei auch, dass mehr als 60 Prozent in Deutschland glaubten, dass Russland an das Brandenburger Tor wolle. „Es ist völlig ausgeschlossen, dass das passiert,“ so seine Überzeugung.

Die aus Jerusalem per Zoom zugeschaltete emeritierte Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Birzeit, Helga Baumgarten, prangerte den seit 1948 verübten zionistischen Siedlerkolonialismus der israelischen Regierungen an, der zum Ziel habe, alle Palästinenser loszuwerden. Wir hätten zuletzt 24/7 im Livestream den Völkermord anschauen können, der jeden palästinensischen Widerstand zerschlagen solle. Der Völkermord werde auch nach dem 10.10., dem Beginn des Waffenstillstands, fortgesetzt. Baumgarten referierte das Urteil des am 26.10. beendeten Gaza-Tribunals in Istanbul unter der Leitung des US-Amerikaners Prof. Richard Falk, ehemaliger UN-Berichterstatter über die palästinensischen Menschenrechte. Das Tribunal habe Verbrechen der israelischen Regierung dokumentiert: Völkermord an der palästinensischen Bevölkerung u.a. durch systematisches Aushungern und die Zerstörung des gesamten Nahrungs- und Versorgungssystems, systematische Zerstörung der Wohnung (Domizid), der Umwelt (Ökozid), des Gesundheitswesens, des politischen Gemeinwesens (Politizid), aller Hochschulen und die Ermordung tausender Studierender (Scholastizid). Alle westlichen Regierungen wurden wegen Mittäterschaft angeklagt, Deutschland vor allem wegen der Waffenlieferungen. Das Tribunal fordert die Suspendierung der Mitgliedschaft Israels aus allen internationalen Organisation, somit auch aus der UNO.

Ulrike Eifler, im Parteivorstand der Partei Die Linke und Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Betrieb und Gewerkschaft ihrer Partei, plädierte leidenschaftlich dafür, die soziale Frage mit der Friedensfrage zu verbinden. Denn durch den Hochrüstungskurs seien Grundfeste des Sozialstaats in Gefahr: es drohten der Verlust des Achtstundentag und die Rückkehr zur 70-Stunden-Arbeitswoche. Sie appellierte an den klassenkämpferischen Geist in den Gewerkschaften und erinnerte an dessen historische Erfolge. Sie warnte davor, dass die Aussagen Pistorius’, dass der Öffentliche Dienst kürzer treten müsse, um die Hochrüstung zu finanzieren, realisiert werden könnten. Eifler wies anhand zahlreicher Beispiele auf innergewerkschaftliche Diskussionen und Entscheide hin, die sich dem Thema Krieg und Frieden widmeten. Das stimme sie optimistisch: „es bewegt sich etwas in den Gewerkschaften“, war ihr Fazit.

Dem Jugendpanel mit Vertreter*innen von der SDAJ, aus Linksjugend[`solid], DFG/VK, Ver.di Jugend, Die Falken, den Offenen Schülertreffen Münster und dem SDS ging es um das „Nein zur Wehrpflicht“. Andrea Hornung (SDAJ-Bundesvorsitzende) machte deutlich, dass die drohende Wehrpflicht der Vorbereitung eines großen Krieges diene, für den es keine Begründung gebe, denn die angebliche Bedrohung durch Russland gehöre als Lüge entlarvt. Die Wehrpflicht zu verhindern, bedeute den Krieg verhindern. Im Widerstand gegen die Wehrpflicht liege eine Chance der Politisierung der Jugend, betonten Judith Busse (DFG-VK Hessen) und Greta Nowak (Die Falken Hessen). Große Unterstützung unter den Ratschlagsteilnehmerinnen und -teilnehmern fand das von allen Podiumsgästen anvisierte Ziel, zu einem bundesweiten Aktionstag am 5. Dezember aufzurufen, mit Schulstreiks gegen die Wehrpflicht und möglichst einer bundesweiten Demonstration. Die Unterstützung durch die Friedensbewegung wurde ausdrücklich eingefordert.

Beim Abschlussplenum forderte Reiner Braun (IPB) Solidarität mit dem palästinensischen Kampf um Selbstbestimmung, antiimperialistische Solidarität mit Venezuela und Kuba und plädierte dafür, gesellschaftliche Kontakte nach Russland wieder zu entwickeln. Vor allem gehe es um die Delegitimierung der NATO. Er appellierte für eine Demonstration in Brüssel im Frühjahr 2026 und eine Ostseekonferenz gegen US-Stützpunkte. Christoph von Lieven (ICAN-Vorstand) warnte, dass wir einem Atomkrieg näher seien als je zuvor und forderte die Abschaffung aller Atomwaffen. Wenn es tatsächlich wieder zu US-Atomwaffentests komme, würde dieses Ende des Teststopps dazu führen, dass wieder alle damit anfingen. Michael Müller (Vorsitzender der NaturFreunde Deutschlands) kritisierte scharf die herrschende Klimapolitik. Seit 1979 wisse man, dass wir auf eine Erwärmung um 3 Grad zusteuerten. In diesen 56 Jahren sei eklatantes Versagen zu beobachten. Es gebe die grausamen Zwillinge Klimakrise und Krieg: Die ärmsten seien als erste betroffen, die Hochrüstung solle ihre Flucht verhindern. Die Welt brauche Gemeinsamkeiten, nicht Konfrontation. Ziel müsse Abrüstung sein, so Müller. Barbara Heller (Bremer Friedensforum) schilderte die erfolgreiche kontinuierliche und innovative Friedensarbeit des Bremer Friedensforums: seine Auftritte in den Social Media, regelmäßige Newsletter und eine seit 40 Jahren gut besuchte wöchentliche Mahnwache auf dem Rathausmarkt. Zur Aufführung kam auch ein Mobi-Video für die bundesweite Demo nach Berlin am 3.10.. Reiner Braun berichtete von seinem Gespräch mit Hans Kristensen, dem US-Experten für strategische Waffen, wonach die US-Mittelstreckenraketen ab September 2026 nach Deutschland kommen sollen. In der Abschlusserklärung des Bundesausschusses Friedensratschlag wurde deshalb hervorgehoben, das Sammeln von Unterschriften unter den Berliner Appell gegen diese Erstschlags- und Enthauptungsschlagwaffen zu intensivieren. „100.000 Unterschriften reichen bei weitem nicht“, sagte Jutta Kausch-Henken.


* Lühr Henken, ist Ko-Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Mitglied des Personenbündnisses ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘, Herausgeber der Kasseler Schriften zur Friedenspolitik und er arbeitet mit in der Berliner Friedenskoordination.

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Wie können wir die Eigendynamik jugendlicher Aktivitäten gezielt unterstützen?

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Andrea Hornung ***
Friedensratschlag in Kassel am 8. und 9. November 2025 – Redemanuskript Workshop

Weitere Inputs und Berichte zum Friedensratschlag 2025 finden Sie hier:
Weitere Berichte Friedensratschlag
 

1. Die Lage der Jugend

 
Andrea Hornung während ihrer Rede am 3. Oktober 2025 in BerlinWenn wir darüber diskutieren wollen, wie wir Eigendynamiken Jugendlicher stärken können, müssen wir uns zunächst mit der Lage der Jugend auseinandersetzen: Jeder vierte Jugendliche ist von Armut bedroht, die Angriffe aufs Bürgergeld, die Sanktionen betreffen Kinder und Jugendliche besonders oft. Wir lernen in Schulen, die oft völlig kaputt sind, mit Lehrkräftemangel. In Frankfurt lernen Schüler in einer Schule, die mit 500 Metallstützen abgestützt wird – und das ist keine Ausnahme. Wir können feststellen, dass jedes Jahr mehr Jugendliche ohne Ausbildung bleiben, insbesondere diejenigen mit Haupt- und Realschulabschluss – und diejenigen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, das sind über 7% der Jugendlichen. Nur noch jeder fünfte Betrieb bildet überhaupt aus. Die Jugendarbeitslosigkeit ist seit 2022 um 40% gestiegen, der massive Stellenabbau trifft Jugendliche zuerst: Weil wir die ersten sind, denen gekündigt wird und weil wir einfach keine Stellen mehr finden. Für die Jugendlichen, die eine Ausbildung bekommen, stehen unsichere Übernahme, Ausbildungsvergütungen, die nicht zum Leben reichen, und ausbildungsfremde Tätigkeiten auf der Tagesordnung. Der Erzählung von den angeblich faulen Jugendlichen steht die Realität gegenüber, dass (unbezahlte) Überstunden zunehmen und Jugendliche häufiger in prekären und schlecht bezahlten Beschäftigungsverhältnissen arbeiten – insbesondere in Berufen mit hohem Frauenanteil. Mehr als die Hälfte der Studierenden muss nebenbei arbeiten, weil sie keinen Bafög-Anspruch haben oder das Bafög nicht ausreicht. Jugendliche wohnen immer länger bei ihren Eltern, weil sie sich keine eigene Wohnung leisten können. Und während wir keine Ausbildungsplätze bekommen und die Jugendarbeitslosigkeit steigt, erzählt man uns das Märchen vom Fachkräftemangel. Die Ursache für tatsächlich fehlende Fachkräfte liegt überwiegend in schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung sowie in mangelnder Ausbildung. Die Bundeswehr nutzt diese geschaffene Perspektivlosigkeit aus und präsentiert sich Jugendlichen, als sicherer Arbeitgeber mit gutem Gehalt – dort kann man ohne NC und bezahlt studieren, muss sich aber für bis zu 17 Jahre verpflichten, dort bekommt man beim Freiwilligenprogramm „Dein Jahr für Deutschland“ das vierfache an Geld im Vergleich zum Freiwilligen Sozialen Jahr. Dafür wirbt die Bundeswehr immer stärker auf Berufsmessen und direkt an Schulen. Gleichzeitig werden Zivilklauseln angegriffen, in Bayern wurden sie mit dem Bundeswehrgesetz verboten und Schulen zur Kooperation mit der Bundeswehr gezwungen. Palästina-Solidarität wird auch an Schulen verfolgt. Durch Kürzungen werden uns die wenigen noch bestehenden einigermaßen bezahlbaren Freizeitmöglichkeiten wie bspw. Schwimmbäder, Sportvereine und Jugendzentren genommen. Freizeitgestaltung wird immer weiter kommerzialisiert. Die schlechter werdende Situation der Jugend drückt sich auch in der deutlich anwachsenden Zahl an psychischen Krankheiten aus: Jede*r fünfte Schüler*in hat psychische Probleme. Und: Ohnmacht und Resignation macht sich breit. Wir kennen nur die Situation nach der Agenda 2010, nachdem die Bundeswehr sich wieder an Angriffskriegen in aller Welt beteiligt, kennen kaum größere Antikriegsbewegungen.

Alle diese Verschlechterungen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Jugend in unserem Land stehen in direktem Zusammenhang mit der ungebremsten Aufrüstung und Militarisierung: Jeder Euro, der in Aufrüstung fließt, fehlt an andere Stelle. Wer unbegrenzte Kriegskredite beschließt, der muss an anderer Stelle massiv sparen. Diese Entwicklung betrifft die übergroße Mehrheit der Bevölkerung. Wir können aber feststellen: Jugendliche trifft Militarisierung und Sozialabbau besonders hart.
 

2. Die Rolle und Funktion des „neuen Wehrdienst“

 
Dass die Jugend besonders betroffen ist, das gilt auch für die Wiedereinführung der Wehrpflicht, das gilt für die 18-jährigen, die den Kriegsdienst ableisten sollen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass die Mehrheit der Jugendlichen die Wehrpflicht ablehnt, auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung die Wehrpflicht insgesamt unterstützt.

Der Gesetzesentwurf zum „neuen Wehrdienst“ sieht bisher vor, dass alle 18-Jährigen eines Jahrgangs ab Januar 2026 einen Fragebogen zugesendet bekommen. Alle männlichen Jugendlichen sind verpflichtet diesen Fragebogen auszufüllen und können auf Grundlage der Angaben zur Musterung einberufen werden. Abgefragt werden soll neben der körperlichen Verfasstheit auch die Bereitschaft, Wehrdienst abzuleisten. Damit sollen regelmäßige Stimmungsbilder innerhalb der Jugend erfassen und ihre Propaganda besser anpassen und ausrichten können. Ab Juli 2027 sollen verpflichtende Musterungen hinzukommen. Mittlerweile werden weiter Formen wie ein Losverfahren, Freiheitsdienst oder verpflichtendes Gesellschaftsjahr diskutiert. Dass es am Ende um die Wiedereinführung des Kriegsdienstes geht, machte der Bundeskanzler mit seiner Aussage deutlich: „Es wird bei Freiwilligkeit allein nicht bleiben.“

Der Fragebogen wird im nächsten Jahr durch bis zu 350.000 Jugendliche verpflichtend auszufüllen sein. Davon sollen erstmal 5.000 Jugendliche die Bundeswehr erreichen. Diese Kennzahl kann zu einem späteren Zeitpunkt erhöht werden. Bei Nichterreichung kann sie als Vorwand dienen, um die Wehrpflicht auszuweiten und in einen allgemeinen Zwangsdienst umzuwandeln. Mit der Wehrpflicht werden Bundeswehr und Reservist*innen zahlenmäßig gestärkt. Ziel ist es bis 2030, bis zu 460.000 Soldat*innen zur Verfügung zu haben, darunter 200.000 aktive Reservist*innen. In diesem Zuge plant das Ministerium unter anderem den Ausbau von Karrierecentren. Die Bauprojekte der Bundeswehr haben in Städten besondere Priorität, weshalb andere Infrastrukturprojekte nach hinten verschoben werden. Die Wehrpflicht wird Jugendlichen eine relevante Zeit ihres Lebens nehmen – erstmal sechs Monate, über das wir nicht länger selbst entscheiden dürfen. Was das bedeutet, ist auch gestern auf dem Podium schon klar geworden: Wir sollen in Kasernen zu Drill und Gehorsam erzogen und „kriegstüchtig“ gemacht werden – in einer Institution, in der sich „Skandale“ wie Mobbing, sexualisierte Gewalt und faschistische Netzwerke häufen und viele psychische Probleme davontragen. Die Bundeswehr ist kein Abenteuer.

Unter anderem wird das Anwachsen der Bundeswehr damit begründet, dass Russland eine Gefahr für Deutschland darstelle und wir uns deshalb auf einen möglichen Krieg mit Russland vorbereiten müssten. Ein zentraler Bestandteil dieser Argumentation ist die Bedrohungslüge, die hier am Wochenende schon mehrfach erwähnt wurde: Die tatsächlichen Kräfteverhältnisse zwischen NATO und Russland werden verschleiert und damit verschwiegen, dass die NATO Russland in fast allen militärischen Bereichen deutlich überlegen ist. Es wird ein Sanktionspaket nach dem nächsten beschlossen, der „Kampf der Demokratien gegen die Autokratien“ beschworen und Russland zu einer willkürlich barbarischen Angriffsmaschine stilisiert. Mit dem Anwachsen der Truppenstärke werden die Voraussetzungen für das Führen eines großen Krieges geschaffen, bei der die NATO mit bis zu 5000 Toten Soldat*innen pro Tag rechnet. Mit der Wehrpflicht geht es darum, die Bundeswehr in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, die Jugend und die Gesellschaft insgesamt zu militarisieren, es geht darum mehr Jugendliche für die Berufsarmee zu gewinnen und Kanonenfutter für einen großen Krieg vorzuhalten.

Parallel läuft die Diskussion um die Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahres, die der aktuell durch die Grünen wieder stärker in die Diskussion gebracht wird. Vorgeschlagen wird ein Dienst von 9-12 Monaten, bei der Bundeswehr oder in sozialen und ökologischen Projekten. Das wird auch damit begründet, dass die sozialen Bereiche unterbesetzt sind. Aber: Die Wiedereinführung von sozialen oder anderen Ersatzdiensten verbessert die Situation in den unterbesetzten Bereichen nicht. Denn statt qualifizierten Fachkräften werden Ungelernte eingestellt. Für uns Jugendliche bedeutet das, als billige Arbeitskräfte und unter miesen Arbeitsbedingungen zu arbeiten. Gleichzeitig werden zwangsverpflichtete Jugendliche als Lohndrücker gegenüber ihren Kolleginnen und Kollegen ausgenutzt.

Wir stellen also fest: Die Wehrpflicht ist zentraler Bestandteil der Kriegsvorbereitungen.
 

3. Die Rolle des Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus für Krieg und Krise

 
Jetzt möchte ich noch zu meinem dritten Punkt, zum Hintergrund der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung kommen. Schon der Gewerkschafter Jaurés wusste: Der Krieg trägt den Kapitalismus in sich, wie die Wolke den Regen. Das ist es, was wir gerade erleben. Deutschland sieht an der Seite der NATO-Staaten die eigenen Absatzsmärkte und Einflusssphären bedroht. Deshalb wird ein Krieg gegen die Konkurrenten China und Russland vorbereitet. Ich muss hier nicht erzählen, wie massiv der deutsche Imperialismus aufrüstet: 5% des BIP, das ist fast jeder zweite Euro des Bundeshaushalts, der in Aufrüstung und Krieg fließen soll. US-Mittelstreckenraketen sollen in Deutschland stationiert werden, die Wehrpflicht soll wieder eingeführt werden, der Krieg gegen Russland wird geübt. Darüber hinaus liefert Deutschland Waffen nach Israel, unterstützt den Genozid in Palästina und die Überfälle Israels auf Syrien, Iran, Libanon und Jemen.

Um die eigene internationale Position zu verbessern und die Mittel für die Aufrüstung frei zu machen, wird der Klassenkampf von oben in Deutschland intensiviert. Deshalb werden massiv Stellen abgebaut. Deshalb steht uns ein umfassender Sozialabbau bevor, der die Agenda 2010, den bisher größten Angriff auf die Arbeiterklasse seit 1945, noch weit übersteigen wird. Das bedeutet eine weitere Verarmung der Mehrheit der Bevölkerung, sinkende Reallöhne, Druck auf Tarifverträge, Angriffe auf das „Normalarbeitsverhältnis“ und den 8h-Tag, Einführung von Karenztagen und weitere Angriffe aufs Bürgergeld – wovon, wie ich eingangs sagte, Jugendliche besonders betroffen sind.

Parallel wird die Umwelt immer weiter zerstört: Deutschland verfehlt die selbstgesetzten Klima-Ziele deutlich, das 1,5-Grad-Ziel wurde 2024 erstmals überschritten. Das wird Konflikte und Kriege verschärfen und ausweiten sowie Fluchtbewegungen noch weiter stark ansteigen lassen.

Dass all diese Probleme und Entwicklungen aber eine gemeinsame Ursache haben, ermöglicht uns auch, den gemeinsamen Kampf dagegen zu führen, den Kampf gegen den Krieg auch als Kampf um die soziale Frage zu führen. Klar ist aus meiner Sicht: Die stärkere Verletzung der Interessen der Arbeiterklasse, der Mehrheit der Bevölkerung wird weitere Unzufriedenheit und Protestpotenzial hervorbringen. Daran müssen wir anknüpfen.

Wir stellen fest: Der Kapitalismus bringt Krieg, Krise und Umweltkatastrophe hervor.

Folglich können wir aus dem Gesagten drei Punkte ableiten, über die wir nun gerne diskutieren können, bevor wir dann nach einem zweiten Input gern über die konkrete, praktische Arbeit sprechen wollen. Die Annahmen lauten:

Annahme 1:  Jugendliche trifft Militarisierung und Sozialabbau besonders hart.

Annahme 2: Die Wehrpflicht ist zentraler Bestandteil der Kriegsvorbereitungen.

Annahme 3: Der Kapitalismus bringt Krieg, Krise und Umweltkatastrophe hervor.

 


 

*** Andrea Hornung ist Bundesvorsitzende der SDAJ und Mitglied der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘

 

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Wirtschaftssanktionen und internationale Solidarität

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Wiebke Diehl *** // Joachim Guilliard ***
32. bundesweiter Friedensratschlag in Kassel 8.11.25 – Redemanuskript Workshop

 
Weitere Inputs und Berichte zum Friedensratschlag 2025 finden Sie hier:
Weitere Berichte Friedensratschlag
 
Wirtschaftssanktionen sind in den letzten Jahren erfreulicherweise stärker in den Blick gerückt. Da sie eine zentrale Rolle in den internationalen Konflikten spielen, auch dieses Jahr auf dem Ratschlag. Dabei geht es in erster Linie um eigenmächtig verhängte, d.h. nicht von Institutionen wie dem UN-SR, die allein von allen Staaten als dazu legitimiert angesehen werden.

In früheren Workshops kam deutlich heraus, dass solche eigenmächtig verhängten Zwangsmaßnahmen, wie sie in der UNO bezeichnet werden, keine zivile Alternative zum Krieg sind, sondern ökonomische Kriegsführung die eklatant gegen Menschenrechte und Völkerecht verstoßen.

Wir werden das nicht wiederholen. Zwei Publikationen behandeln das ausführlich:

  • IALANA: Sanktionen & einseitige Zwangsmaßnahmen  – Auswirkungen und völkerrechtliche Grenzen (-> Wiebke)
  • IMI-Studie „Arsenal des Faustrechts: Wirtschaftsblockaden, Menschenrechte und der Widerstand des Südens“

Heute soll der Fokus auf die unterschiedliche Bewertung im politischen Westen und im Globalen Süden liegen – und auf den gewachsenen, gemeinsamen Widerstand.
 

Exemplarisch auch beim Wirtschaftskrieg gegen Syrien, parallel zum militärischen

 
Zu Beginn: ein Beispiel, das zugleich sehr eindrücklich für das steht, was wir beide pauschal über Sanktionen, über die völkerrechtliche, menschenrechtliche und humanitäre Dimension sagen würden. Das aber zugleich zumindest in seinem Ausgang überrascht und sich eben nicht so klar in das einreiht, was wir als typisch für Wirtschaftssanktionen und ihre Auswirkungen bezeichnen würden.
 

Syrien:

 
Nachdem Syrien bereits zuvor unter US-Sanktionen gestanden hatte, verhängten die USA und die EU (neben anderen Ländern) 2011 massive Sanktionen gegen das Land, die in der Folge noch mehrfach (insbesondere durch den Caesar-Act 2019) verschärft wurden und der Bevölkerung großes Leid zufügten. Im Rahmen des Caesar-Act wurden auch Sekundärsanktionen gegen ausländische Unternehmen und humanitäre Akteure sowie deren Mitarbeiter, wenn sie sich im Auftrag der syrischen Regierung am Wiederaufbau der Infrastruktur für das Wohlergehen der Bevölkerung beteiligen, verhängt. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für die negativen Auswirkungen von Sanktionen, Idriss Jazairy, sagte, in Syrien wirkten die Sanktionen verheerender als der Krieg.

Es zeigte sich, in welchem Ausmaß Menschenrechte durch Wirtschaftssanktionen eingeschränkt und missachtet werden. Betroffen sind insbesondere das Recht auf Leben (wie im vergangenen Sommer duch eine Studie im britischen Fachjournal The Lancet nachgewiesen wurde, sind zwischen 1971 und 2021 eine halbe Million Menschen jährlich weltweit wegen Sanktionen ums Leben gekommen): Menschen verhungern, weil sie nicht genug zu essen haben, sie sterben, weil die Gesundheitsversorgung massiv in Mitleidenschaft gezogen wird, sie sterben auch, weil sie etwa nach einem Erdbeben wegen mangelnder schwerer Fahrzeuge und Arbeitsmaterialien nicht aus den Trümmern gezogen werden können.

Außerdem: Verletzung der Menschenrechte auf angemessene Ernährung und höchstmögliche körperliche und geistige Gesundheit (ein Beispiel: Syrien produzierte vor dem Krieg 90 Prozent seiner Medikamente selbst, was wegen der aufgrund der Sanktionen nicht mehr einführbaren Rohstoffe dann nicht mehr möglich war). Insgesamt werden die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte durch Sanktionen massiv in Mitleidenschaft gezogen. Die Syrien-Sanktionen wurden auch gezielt dazu eingesetzt, den Wiederaufbau des vom Krieg geschundenen Landes zu verhindern.

Wie die meisten anderen Wirtschaftssanktionen und Wirtschaftsblockaden waren auch die Syriensanktionen eindeutig völkerrechtswidrig – weil sie nicht vom UN-Sicherheitsrat verhängt wurden, weil sie gegen das Interventionsverbot verstoßen und weil unter ihnen, wie die Nachfolgerin von Idriss Jazairy, Alena Duhan, ebenfalls in Bezug auf Syrien sagte, die Verwirklichung der Menschenrechte nicht möglich ist.

Und in Syrien zeigte sich viele Jahre auch, was als der Ralley-round-the-flag-Effekt bezeichnet wird. Während die (westlichen) sanktionierenden Staaten behaupten (nicht, dass wir es ihnen glauben würden), durch die Verhängung von Sanktionen eine unterdrückte Zivilbevölkerung schützen und den betreffenden Ländern zu Demokratie und Menschenrechten verhelfen zu wollen, geht es nicht nur faktisch um etwas ganz anderes: die Verwirklichung eigener geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen und vielfach (so auch im Fall Syrien) um Regimewechsel. Die Bevölkerung lehnt sich auch in den meisten Fällen eben nicht gegen ihre Regierung auf, die sie – so die Hoffnung der sanktionierenden Staaten – im Angesicht des Leids, das durch die Sanktionen entsteht, stürzen will. Sie rückt vielmehr im Gegenteil näher an ihre Regierung heran, weil sie sehr wohl erkennt, dass derjenige, der das Leid verursacht, von außen kommt (nämlich die Sanktionierenden).

Dieses Bumerang-Merkmal von Sanktionen, das sich vielerorts zeigt, war lange Zeit auch in Syrien zu beobachten, und zwar über viele Jahre.

Aber im vergangenen Dezember stürzten aus dem Westen, den Golfstaaten, der Türkei und Israel zwecks Regimechange unterstützte Terroristen ziemlich überraschend doch noch die Regierung Assad und installierten ein Regime unter dem einst per Kopfgeld (10 Millionen US-Dollar) von den USA gesuchten al-Qaida-Terroristen Abu Muhammad al-Dscholani. Kaum jemand hatte damit noch gerechnet, denn mit der Unterstützung Russlands, des Iran und der libanesischen Hisbollah hatte die syrische Armee große Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Syrien ist kein eindeutiges Gegenbeispiel zu der These, dass Sanktionen das von den sie verhängenden Staaten erwünschte Ziel eigentlich nie erreichen. Denn zum Sturz der syrischen Regierung führten viele Faktoren. Neben der massiven Unterstützung der Dschihadisten aus dem Ausland und dem schwindenden Engagement Russlands in Syrien wegen des Ukrainekriegs ist hier die massive Schwächung der Hisbollah durch den Krieg mit Israel zu nennen. Aber es muss festgehalten werden, dass auch die Sanktionen ihren Anteil hatten – weniger im intendierten Sinne, dass die Bevölkerung ihre Regierung stürzen solle, aber doch dadurch, dass sie durch das jahrelange Leid, das erheblich auch durch die Sanktionen bedingt war, zermürbt wurde und dadurch weniger widerstandsfähig war.

Dass syrische Soldaten in Scharen ihre Uniformen wegwarfen und die Flucht ergriffen, anstatt wie zuvor für ihr Land zu kämpfen, dürfte auch mit diesem Faktor zu tun gehabt haben.

Was in den vergangenen Monaten passiert ist, zeigt auch erneut die Doppelmoral westlicher Sanktionsregime: Schon im Februar, gut zwei Monate nach dem Putsch in Syrien, setzte die EU ihre Sanktionen aus (Banken-, Energie- und Verkehrsbereich) – außer diejenigen gegen die Regierung Assad. Man wagte es noch zu sagen, dies geschehe aus humanitären Zwecken – nachdem man die syrische Bevölkerung jahrelang ins Elend gestürzt und humanitären Helfern die Arbeit extrem erschwert hatte

Im Juli hoben auch die USA ihre Syrien-Sanktionen auf (man wolle den Wiederaufbau des Landes unterstützen). Das geschah, nachdem die Dscholani-Milizen bereits mehrere Massaker mit Tausenden Toten an Syriens Minderheiten verübt hatten. Die USA ließen die Sanktionen gegen die Assad-Regierung in Kraft. Aber die HTS-Miliz wurde wegen der angeblich “positiven Maßnahmen der neuen syrischen Regierung“ von der Terrorliste gestrichen.

Vor zwei Tagen (6.11.25) hat auch der UN-Sicherheitsrat die Syrien-Sanktionen gegen al-Dscholani, der sich seit dem Putsch mit seinem bürgerlichen Namen Ahmad al-Scharaa ansprechen lässt) und seinen Innenminister Anas Hasan Chattab (beide haben schwerste Kriegsverbrechen begangen) aufgehoben (fast einstimmig, einzig China enthielt sich; eingebracht wurde die Resolution von den USA). Am Montag wird Trump ihn in Washington empfangen. Beide waren vorher mit Reiseverbot, Einfrieren ihrer Vermögenswerte und einem Waffenembargo belegt. Syrien will sich der von den USA angeführten Koalition gegen IS (etwa 80 Länder) anschließen.

Die Menschenrechts- und Demokratiebilanz der neuen Machthaber in Syrien ist verheerend. Das zählt aber nicht, denn anders als die Regierung Assad, die nie bereit gewesen wäre, die von Israel annektierten Golanhöhen aufzugeben und die sogenannte Achse des Widerstands unterstützt hat, verhandeln sie seit Monaten mit Israel, sehen der fortschreitenden israelischen Besatzung im Land tatenlos zu und werden wahrscheinlich sogar ein sogenanntes Normalisierungsabkommen mit Israel schließen.

Syrien ist auch ein Beispiel dafür, dass Sanktionen eigentlich immer von den Staaten des globalen Nordens gegen Staaten des globalen Südens verhängt werden. Immer wirtschaftlich starke gegen wirtschaftlich schwächere Staaten, sonst würde es gar nicht funktionieren.

Und meistens geht es darum, die eigenen westlichen Interessen anderen aufzuoktroyieren, ihnen den eigenen Willen aufzuzwingen, sie zu unterjochen (oder zu kolonisieren).
 

Wirtschaftssanktionen gegen ein Drittel der Menschheit

 
Die USA haben mittlerweile – allein oder zusammen mit den EU-Staaten – gegen mehr als 40 Länder eigenmächtige Embargomaßnahmen in Kraft gesetzt – faktisch gegen ein Drittel der Menschheit. Die am stärksten betroffenen Länder sind ihnen schon seit Jahrzehnten ausgesetzt: Nordkorea, Kuba, Iran und bis vor kurzem Syrien. Venezuela und Russland kamen vor 10 bzw. 11 Jahren dazu. Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban. Mit katastrophalen Auswirkungen.

Gegen diese Länder haben die USA umfassende Wirtschaftsblockaden errichtet. Denen gegen Kuba haben sich die EU-Staaten nicht angeschlossen (müssen deren Umsetzung gemäß dem Anti-Blocking-Statut sogar eigentlich unterbinden) und denen gegen Iran nur teilweise.

Faktisch beteiligen sie sich aber dennoch, da sie und die in der EU ansässigen Unternehmen sich dem Zwang der sog. sekundären oder extraterritorialen Sanktionen unterwerfen, mit denen die USA alle zu erpressen versuchen, US-Embargovorschriften gegen diese Länder einzuhalten.
 

Handels- und Finanzblockaden

 
Klassische Maßnahmen sind Handelsrestriktionen, die sich z.B. gegen Export und Import von Rohstoffen, insbes. Öl und Gas richten, häufig auch gegen die Einfuhr höher entwickelte Technologien.

Die wirksamste Waffe der USA sind aber Restriktionen im Finanzbereich. -> beruht auf zentraler Rolle des US-Finanzsystems und des Dollars als Leitwährung für einen großen Teil zwischenstaatlicher Geschäfte -> die effektivste und am universellsten einsetzbar Waffe -> können ausländische Unternehmen und Einzelpersonen treffen, unabhängig davon, wo sie sich befinden. Im Unterschied zu Handelsbeschränkungen entfalten sie auch ohne internationale Unterstützung eine starke Wirkung.

Die eigenmächtigen Zwangsmaßnahmen oder Restriktionen laufen zum guten Teil über Embargo- oder Sperrlisten, auf denen Konzerne und Banken der angegriffenen Länder stehen, wodurch Geschäfte mit diesen genehmigungspflichtig oder gänzlich untersagt werden. Auch Einzelpersonen sind auf den Listen. Diese Listungen geschehen willkürlich, oft nur aufgrund tatsächlicher oder angeblicher Nähe zur jeweiligen Regierung, ohne gerichtliche Verfahren, ohne Möglichkeiten der Verteidigung. Die US-Regierung und die EU-Kommission agieren völlig außerhalb rechtsstaatlicher Normen, sie spielen Ankläger, Richter und Vollstrecker.
 

Terrorliste

 
Die USA haben 12.000 Unternehmen und Personen auf ihren Listen.

Das gröbste Instrument im Blockadewerkzeugkasten der USA sind aber die vom Außenministerium geführten Listen von Ländern, die angeblich den Terrorismus fördern. Mit Terrorismus hat das nichts zu tun. Darauf stehen Länder, die Washington als Hauptgegner einstuft, aktuell Iran, Nordkorea, Syrien, Venezuela und Kuba. Im Unterschied zu den Sperrlisten, zielt ein Eintrag hier auf den gesamten Staat. In Zusammenhang mit Zwangsmaßnahmen via Sperrlisten entsteht ein undurchsichtiges Dickicht sehr umfassender Restriktionen mit wirtschaftlicher, rechtlicher wie auch politischer enormer Tragweite. Aus diesem Grund und weil die gesamte Breite der Auswirkungen kaum absehbar ist, vollzieht Washington diesen Akt auch nur bei Staaten, zu denen die USA ohnehin faktisch keine wirtschaftlichen und politische Beziehungen mehr unterhalten. Hier ist das Risiko von Kollateralschäden gering.

Ihre große Wirkung in diesen Fällen entfalten die Blockaden vor allem durch Sekundärsanktionen, mit denen Banken und Unternehmen von Drittstaaten erpresst werden, sich zu beteiligen. Da schwer zu durchschauen ist welche Geschäfte mit welchen Partnern im angegriffenen Land noch risikolos sind, stellen viele ihre Geschäfte mit ihm völlig ein. Die EU hat Sekundärsanktionen als völkerrechtswidrig verurteilt und gegen ihre Anwendung in der EU eigentlich das sog. Blockade-Statut verabschiedet [, eine „Verordnung zum Schutz von den Auswirkungen der extraterritorialen Anwendung von einem Drittland erlassener Rechtsakte“] das EU-Bürgern und -Unternehmen sogar explizit verbietet extraterritoriale Rechtsvorschriften zu befolgen. Dieses ist aber zahnlos, da die dabei drohenden Strafen gering sind, im Vergleich mit dem was ihnen durch die USA droht ‒ im schlimmsten Fall der Ausschluss aus dem US-Markt und Finanzsystem.
 

Humanitäre Folgen

 
[[Blockaden bleiben im Westen meist unterm Radar, trotz teils katastrophaler Auswirkungen. Vor einer guten Woche wurde Kuba wieder von einem verheerenden Hurrikan überrollt. In den Berichten wurde die enorme Knappheit an den für den Wiederaufbau nötigem Materialen auf der Insel erwähnt, aber selten die Ursache. Typisch: wenn über die wirtschaftlichen Probleme, Versorgungsengpässe etc. in Kuba, Venezuela, Nicaragua …  berichtet wird, werden sie meist den „Regimes“ angelastet, nicht den Wirtschaftssanktionen.]]

Der Westen behauptet Maßnahmen gezielt gegen jeweilige „Regime“ einzusetzen. Tatsächlich treffen sie aber stets, sobald sie effektiv sind, das heißt den Handel und die Wirtschaft wirksam einschränken, in erster Linie die Bevölkerung. Vor allem deren ärmere, verletzlichsten Teile, d.h. Kinder, ältere und kranke Menschen etc.

Zahlreiche Studien haben den engen Zusammenhang zwischen Umfang und Dauer der Blockaden und dem sinkenden Lebensstandard infolge des Niedergangs der Wirtschaft nachgewiesen. Die Auswirkungen sind noch dadurch verschärft, dass es sich meist um Entwicklungsländer handelt. Sie schädigen und hemmen ihre Entwicklung auf Jahrzehnte.

[[- geht immer einher mit sinkender Lebenserwartung, vor allem für ärmere schwächere Teile der Bevölkerung.]]

Durch Vergleich von blockierten mit unbehelligten Ländern, haben Wissenschaftler empirisch berechnet, dass die Lebenserwartung durch Wirtschaftsblockaden im Schnitt pro Jahr um 0,3 Jahre sinkt. Insbesondere steigen Kinder- und Müttersterblichkeit oft dramatisch an.

Anders als Opfer von militärischen Angriffen sind die von Wirtschaftssanktionen nicht direkt sichtbar. Ihre Zahl kann durch Mortalitätsstudien per Haushaltsumfragen ermittelt werden. Mittels so einer Studie im Irak schätzte UNICEF, dass das Irakembargo bis 1998 bereits über 500.000 Kinder das Leben gekostet hat. Insgesamt muss man von weit mehr als einer Million Toten ausgehen. Eine Studie in Venezuela schätzte, dass die Blockademaßnahmen der USA und der EU zwischen 2017 und 2018 ca. 40.000 Menschenleben forderten.

Im August 2025 veröffentlichte eine renommierte medizinische Fachzeitschrift die Ergebnisse einer Studie, die die Entwicklung von Mortalitätsraten von betroffenen Ländern zwischen 1971 und 2021 ausgewertet hatte: Demnach sind Wirtschaftssanktionen der USA und der EU durchschnittlich für über 500.000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich – so viele, wenn nicht mehr, wie in allen Kriegen zusammen. In Deutschland wurde diese erschreckende Zahl kaum wahrgenommen.

Die Höhe der Zahl hat sicher überrascht. Dass Wirtschaftssanktionen tödlich sind, ist aber seit jeher bekannt. US-Präsident Woodrow Wilson brachte es in einer Rede nach dem Ende des Ersten Weltkrieges auf den Punkt: „Der Krieg ist eine barbarische Sache, […] der Boykott allerdings ein unendlich viel schrecklicheres Kriegsinstrument.“

Und die schädlichen bis tödlichen Auswirkungen auf die Bevölkerung angegriffener Länder sind keinesfalls ein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern gehören zum Kalkül. Man will die Menschen so dazu bringen, ihre Regierung unter Druck zu setzen oder noch besser einen Regime Change einzuleiten.

Als die USA mit der Blockade Kubas begannen, hat der damalige stellvertretende US-Außenminister Lester D. Mallory in seinem Memorandum vom April 1960 offen verkündet, dass das Embargo verhängt wurde, um die linke revolutionäre Regierung durch Verelendung der Bevölkerung zu stürzen: „Die Mehrheit der Kubaner unterstützt Castro […] Das einzige denkbare Mittel, um die interne Unterstützung zu erschüttern, ist Enttäuschung und Unzufriedenheit, die auf wirtschaftlicher Unzufriedenheit und Not beruhen […] Jedes mögliche Mittel sollte umgehend ergriffen werden, um das wirtschaftliche Leben Kubas zu schwächen, […] Hunger, Verzweiflung und den Sturz der Regierung herbeizuführen“. [1]

[Todesopfer werden bewusst in Kauf genommen (-> Madeleine Albright, 1996)] 
 

Wirtschaftssanktionen sind eklatante Menschenrechtsverletzungen

 
In den sanktionierten Ländern steigt die Arbeitslosigkeit, Lebensmittel verteuern sich, es kommt zu einem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten, die Inflation wird durch die Knappheit angeheizt (üblicherweise für Basisgüter weit mehr als für Luxusgüter), das Bruttonationaleinkommen sinkt, die Mittel des Staatshaushalts werden durch sinkende Steuereinnahmen und Zolleinnahmen verringert, Rohstoffe und Ersatzteile fehlen, was die heimische Produktion einbrechen lässt, Währungs- und Bankenkrisen können ausgelöst werden, dadurch wird eine Aufnahme von Staatsanleihen auf internationalen Finanzmärkten erschwert.

Zwar werden offiziell humanitäre Güter, Medikamente etc. von Sanktionen ausgenommen. Faktisch aber weigern sich Händler aus Sorge vor Konsequenzen dennoch, diese in sanktionierte Staaten zu liefern. Sie stehen der Bevölkerung also trotz der Ausnahmen auf dem Papier nicht zur Verfügung.

Das Leid der Zivilbevölkerung – denn die ist es, die am meisten leidet, und zwar gerade die Schwächsten, während die Herrschenden am allerwenigsten getroffen werden und die Sanktionen auch am besten umgehen können – ist keinesfalls ein Kollateralschaden. Vielmehr wird es in Kauf genommen, ja es ist Teil der Strategie: Die Bevölkerung soll, so das Kalkül, so sehr leiden, dass sie ihre Regierung stürzen möge.

Durch ihre humanitären Folgen sind Wirtschaftssanktionen auch im Westen in Kritik gekommen, vor allem durch das Irak Embargo.

„Smart Sanctions“ sollen allzu schlimme Folgen vermeiden, in Praxis änderte sich grundsätzlich nichts.

Probleme: werden zwar von vielen als unproblematisch betrachtet, sind dies aber aus mehreren Gründen nicht:

  1. Auch gegen Einzelpersonen verhängte Sanktionen verletzten Menschenrechte – sowohl die der Sanktionierten als auch von Familienangehörigen, die in bester Sippenhaft oft gleich mit sanktioniert werden.
  2. Unter rechtsstaatlichen Gesichtspunkten sind individuelle Sanktionen hoch problematisch: in den seltensten Fällen wird lückenlos nachgewiesen, dass die Sanktionierten tatsächlich für die ihnen vorgeworfenen Völkerrechtsverstöße und Menschenrechtsverletzungen direkt und persönlich verantwortlich sind (Beispiel russische „Oligarchen“, bei denen offenbar ausreicht, dass sie Russen und reich sind).
  3. Die Sanktionierten haben kaum Möglichkeiten, sich gegen die Sanktionen auf rechtsstaatlichem Wege zu wehren.
  4. So individuell wie vorgegeben wird, ist diese Form der Sanktionen eben nicht. Gerade bei den russischen „Oligarchen“ (wobei zu fragen ist, warum deutsche Reiche nicht ebenfalls so bezeichnet werden) wird immer wieder betont, sie würden ganze Wirtschaftszweige kontrollieren. Demnach werden, wenn man sie sanktioniert, natürlich auch mindestens Teile der Bevölkerung getroffen. Ganz zu schweigen von den fatalen Auswirkungen, die die abnehmende Verfügbarkeit von russischen Düngemitteln (deren Vertrieb ist teilweise ebenfalls in der Hand von „Oligarchen“) auf die Ernährungs(un)sicherheit im globalen Süden hat.

Häufig sind individuelle Sanktionen nur eine Vorstufe zu umfassenden Wirtschaftssanktionen, sie öffnen also die Büchse der Pandora. Zudem belegen Studien, dass gezielte Sanktionen politische Repression eben nicht verringern, sondern vielmehr erhöhen, dass sie die humanitären Bedingungen für die Bevölkerung verschlechtern (z.B. weil die Herrschenden mehr Gelder für sich selbst abzweigen) und Korruption sowie schlechte Regierungsführung befördern.

Zurück zu den Wirtschaftssanktionen:

Wirtschaftssanktionen, genauer ausgedrückt einseitige Zwangsmaßnahmen, verstoßen aufgrund ihrer schädlichen bis tödlichen Folgen nach einhelliger Meinung namhafter Völkerrechtler, UN- und Menschrechtsorganisationen eklatant gegen zentrale Menschenrechte.
 

Völkerrechtliche Auseinandersetzung – polit. Westen vs. Globaler Süden

 
Das wird auch von immer mehr westlichen Völkerrechtlern, Politologen … anerkannt. Während sie aber darüber grübeln, wie das Instrument so verbessert werden kann, dass es weiter zum Erzwingen eines gewünschten Verhaltens anderer Länder eingesetzt werden kann, lehnt die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler und der Bevölkerung weltweit eigenmächtige Wirtschaftssanktionen grundsätzlich als Intervention der mächtigen westl. Industriestaaten in schwächere Staaten ab.
 

Schon lange in der UNO

 
Insbesondere Länder des Südens pochen auf die schon in der UN-Charta verankerten Grundsätze, vor allem auf den der „souveränen Gleichheit aller ihrer Mitglieder“ sowie auf den der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates. Diese Grundsätze sind ab den 1960er Jahren durch eine Reihe von Resolutionen der UN-Generalversammlung zu einem weitreichenden Interventionsverbot weiterentwickelt worden.

So wurde in der „Charta der wirtschaftlichen Rechte und Pflichten der Staaten“, die von der UN-Vollversammlung 1974 verabschiedet wurde, festgeschrieben, dass kein Staat wirtschaftliche, politische oder sonstige Maßnahmen anwenden darf, um einen anderen Staat zur Unterordnung zu nötigen.

Im Dezember 1983 richtete sich schon eine erste Vollversammlungs-Resolution u.a. mit Verweis auf diese Charta direkt gegen „Wirtschaftliche Maßnahmen als Mittel des politischen und wirtschaftlichen Zwangs gegen Entwicklungsländer“. Sie verurteilte die Praxis „industriell hochentwickelter Länder“, ihre dominierende Stellung in der Weltwirtschaft auszunutzen, um ihnen genehme Entscheidungen von Entwicklungsländern zu erzwingen.

Seither werden jährliche Resolutionen der UN GA gegen eigenmächtige Zwangsmaßnahmen verabschiedet, die nicht von dazu legitimierten Organen der Vereinten Nationen verhängt wurden. Seit 1994 inhaltlich ähnliche auch vom UN MR. Sie wurden inhaltlich immer mehr ausgeweitet und juristisch präzisiert und fanden immer deutlichere Mehrheiten. Seit vielen Jahren stimmen über Zwei Drittel dafür und nur die westl. Staaten und enge Verbündete dagegen. Sie verurteilen aufs Schärfste die Durchsetzung solcher Maßnahmen mit dem Ziel Länder das Recht zu nehmen, frei über ihre eigenen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme zu entscheiden. Sie wenden sich „nachdrücklich gegen den extraterritorialen Charakter dieser Maßnahmen, die darüber hinaus die Souveränität der Staaten bedrohen“, und fordern „alle Staaten auf, diese Maßnahmen weder anzuerkennen noch anzuwenden“, sondern ihnen aktiv entgegenzuwirken.

So zeigt sich ein völlig unterschiedliches Rechtsverständnis: Westen: „regelbasierte Ordnung“. Regeln die er selbst setzt, die er dem Rest der Welt in neokolonialer Manier überstülpen will.

Nicht-westliche Länder setzen mehrheitlich auf etabliertes Völkerrecht, verankert in der UN-Charta, Pakten und zentralen UN-Resolutionen – Regeln, Rechte, Pflichten, um die die Länder des Südens nach dem Abschütteln des kolonialen Jochs hart gerungen haben.

Der Süden will die Herrschaft des Rechts, während der Westen das Recht des Stärkeren verteidigt. Festhalten an jahrhundertelanger Dominanz von weiten Teilen der westlichen Gesellschaften. Mitgetragen bis in die Linke. Überlegenheitsdenken, Eurozentrismus [[So wirbt auch Jan van Aken in seinem Buch „Worte statt Waffen“ für Sanktionen als probates Mittel für zivile Konfliktlösungen.]] 
 

Praktischer Widerstand gegen WS

 
Angesichts der breiten Ablehnung ist es nicht überraschend, dass viele Länder schon seit langem helfen Wirtschaftsblockaden zu umgehen, in den letzten Jahren zunehmend offensiver.
 

Russland

 
Besonders deutlich gegen Russland.

Der Wirtschaftskrieg gegen Russland ist völkerrechtlich etwas anderes gelagert als die Blockaden gegen Kuba, Iran etc. Wenn der Einmarsch in die Ukraine als völkerrechtswidrig eingestuft wird, wie es die meisten Regierungen taten, dann dürfen Drittstaaten die Ukraine unterstützen, auch mit wirtschaftlichen Restriktionen. Das fällt dann unter kollektive Selbstverteidigung. Allerdings nur im Zusammenhang mit russischer Kriegführung, im wesentlichen also Waffen, Rüstung. Umfassende Blockaden des Exports von Rohstoffen, Ausschluss von internationalem Finanzsystem, Boykott von Unternehmen wegen bloßer Nähe zum Kreml, d.h. ein vollständiges Embargo um das Land zu „ruinieren“, sind völkerrechtswidrig.

Viele Maßnahmen verstoßen unabhängig davon gegen internatnale Abkommen (WTO …)

Und Sekundärsanktionen gegen Unternehmen von Drittländern, wie sie auch die EU verhängt, sind ohnehin nicht mit dem Völkerrecht vereinbar.

Dies ist, wie man Stellungnahmen entnehmen kann die Sicht der meisten Regierungen. Dadurch blieben die NATO-Staaten bekanntlich mit ihren umfangreichen Blockademaßnahmen gegen Russland ziemlich isoliert. Nur fünf Staaten außerhalb der NATO und der EU beteiligen sich mehr oder weniger aktiv: genau die Verbündeten, die auch gegen die UN-Resolutionen stimmten. Die übrigen Staaten führen ihre Zusammenarbeit mit Russland nicht nur fort, sondern haben sie zum Teil sogar noch intensiviert. Nicht nur China kauft seither russisches Öl und Gas in Rekordmengen, sondern auch zahlreiche andere Länder ‒ natürlich begünstigt durch Rabatte von bis zu 30 Prozent, die Moskau gewährt.

Die russischen Rohöl-Exporte nach China stiegen 2023 auf die Rekordmenge von 107 Millionen Tonnen, die Einnahmen stiegen von 40 Mrd. 2021 auf über 62 Mrd. 2024. Von Februar bis September dieses Jahres steigerte China seine Importe noch einmal drastisch. [2]

Indiens Importe russischen Öls wuchsen von 4 Millionen Tonnen auf über 87 Millionen Tonnen letztes Jahr. Die Inder zahlten dafür 53 Mrd., 37 Prozent der Gesamtausgaben für Rohöl-Importe.

Umgekehrt floriert auch der russische Import, indem unter Embargo stehende Waren über Nachbarländer importiert werden. Die Liefermengen dorthin nahmen in dem Maße zu, wie sie nach Russland sanken. [3] Zunehmend wurden westliche Güter auch durch asiatische ersetzt.

Das russische Handelsvolumen mit China legte schon in den ersten sechs Monaten um 64 Prozent zu, das mit Brasilen verdoppelte sich und das mit Indien stieg sogar auf mehr als das Vierfache. [4] Insgesamt vollzog sich so seit dem Frühjahr 2022 im Rekordtempo ein gravierender Umbruch im Welthandel.

[[Nachdem Trump jetzt neue weitreichende Blockademaßnahmen gegen den russischen Energiesektor verhängt hat, die insbesondere alle Geschäfte mit den beiden größten Energiekonzernen des Landes, Lukoil und Rosneft, unterbinden sollen, wird nun ein Rückgang der Ölimporte Chinas und Indien gemeldet.

Allen Firmen, die weiter Geschäfte mit den russischen Ölriesen oder ihren Tochterunternehmen machen, droht Washington mir Sekundärsanktionen, wie den Ausschluss von US-Finanzmärkten. Wie sich es längerfristig auswirkt, muss man sehen. Bisher wurden im Verein mit diversen Bündnispartnern Wege gefunden. Mit den Rekordimporten seit Anfang des Jahres hat China sich enorme Vorräte angelegt, die Peking und den chinesischen Firmen Zeit verschafft.

Einige indischen Raffinieren beziehen nun ihr Öl über kleinere russische Ölfirmen.

Auch Indiens größter staatlicher Ölraffineriebetreiber Indian Oil Corp (IOC) hat nach kurzer Unterbrechung den Kauf von russischem Rohöl wie Reuters berichtete wieder aufgenommen. Da Trump auch die Hälfte der Zölle in Höhe von 50 Prozent mit Kauf von Öl und Waffen aus Russland begründet ist der Druck hoch.]]

Darauf, wie sich die neuen Wirtschaftssanktionen Trumps auswirken, können wir in der Diskussion eingehen, Der indische Präsident Modi hat bisher das Drängen Trumps, Indien solle auf russisches Öl verzichten, mit den Worten abgewehrt, sein Land lasse sich nicht vorschreiben, mit wem es Geschäfte macht.
 

Iran

 
Das gilt auch für den Iran. Während Israel und die USA das Land militärisch angriffen und die 3 europäischen Garantiemächte des Wiener Abkommens den sog. Snapback-Mechanismus für Iran-Sanktion auslösten, hat Indien seine Öl-Importe aus dem Iran ausgeweitet [, sind aber mit einem Volumen von gut 1 Mrd. Dollar 2024 weit unterm Niveau vor Trumps Aufkündigung des Abkommens. [5] ]

Iran profitiert auch anderweitig stark davon, dass immer mehr Länder bereit sind, Blockaden zu umgehen.

Er konnte dadurch seine wirtschaftlichen und politischen Beziehungen in letzter Zeit stark ausbauen. Neben engerer Kooperation mit Russland, auch mit asiatischen Staaten. China ist mittlerweile der mit Abstand größte Handelspartner und in dessen oft als „neue Seidenstraße“ bezeichnete „Belt and Road Initiative“ spielt der Iran schon aufgrund seiner Lage eine zentrale Rolle.

Auch andere asiatische Staaten weiten, wie Indien, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der islamischen Republik stetig aus. Zudem baut der Iran in Kooperation mit China, Indien, Russland und seinen anderen Nachbarn große Transportkorridore über sein Territorium aus und integriert sich auf diese Weise immer stärker in die Region.

Durch die Mitgliedschaft in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), dem bedeutendsten sicherheits- und wirtschaftspolitischen Bündnis im Osten konnte er seine Integration dort auch politisch festigen. Und durch die Aufnahme in die BRICS konnte er seine Position gegenüber dem Westen natürlich ebenfalls entscheidend stärken.

Der Iran spielt so eine zunehmend gewichtigere Rolle im Umbruch in eine multipolare Welt, während die EU-Staaten und besonders Deutschland sich mit dem dauerhaften Verlust lukrativer Geschäfte im Iran abfinden müssen.
 

Kuba

 
Die Lage Kubas dessen Entwicklung uns besonders am Herzen liegt, ist schwieriger, obwohl die Blockade fast einhellig vom Rest der Welt abgelehnt wird.

Die Insel ist bekanntlich seit 1960 mit einer Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade konfrontiert und dadurch seit 65 Jahre erheblich in ihrer Entwicklung gehemmt.

[[Besonders seit den in den 1990er Jahren verabschiedeten Torricelli- und Helms-Burton-Gesetzen. Diese gestatten der US-Exekutive auch ausländische Unternehmen und Banken unter Androhung schwerer Konsequenzen zu zwingen, sich der Blockadepolitik zu unterwerfen. Für Geschäfte, die die US-Behörden als Verstoß betrachten, haben sie z.T. horrende Summen abgepresst. Die französische BNP Paribas 8,9 Mrd., Commerzbank 718 Mio.]]

Der wirtschaftliche Schaden für das Entwicklungsland ist enorm. Die kubanische Regierung schätzt die Gesamtkosten zum sechzigsten Jahrestag des Embargos auf über 144 Milliarden US-Dollar. Die jährlichen Schäden werden mittlerweile auf mehr 6 Milliarden US-Dollar geschätzt. [6]

Das kubanische Gesellschaftssystem kann die humanitären Folgen abfedern, dafür sorgen, dass niemand hungert. Die Versorgungsengpässe sind aber seit der Verschärfung durch Trump wieder massiv, besonders brutal während der Covid19-Pandemie.

Das Land hat auch mit anderen Problemen, wie den Nachwirkungen der Pandemie, einer verschärften Energiekrise, Erdbeben und zerstörerischen Hurrikane zu kämpfen, die die wirtschaftlichen Schwierigkeiten weiter zugespitzt haben. Das größte Problem ist die US-Blockade, die unbarmherzig zusätzlich erwürgt.

Auch die EU und andere Verbündeten der USA kritisieren das Embargo als ungerechtfertigt und völkerrechtswidrig, vor allem die Anwendung von „Sekundärsanktionen“ die auch sie beeinträchtigen.

Wie isoliert die USA sind zeigen die Resolutionen der UN-Generalversammlung mit denen die Blockade seit 1992 Jahr für Jahr als völkerrechtswidrig nahezu einstimmig verurteilt wird, am 29. Okt. bereits zum 33. Mal. [Im letzten Jahr nur 2 Gegenstimmen. Dieses Jahr kamen die von fünf Regierungen hinzu: Mileis Argentinien, Ukraine, Paraguay, Ungarn und Nordmazedonien. Zwölf Staaten, darunter die EU-Mitglieder Polen, Estland, Lettland und Litauen, enthielten sich. Die übrigen anwesenden 165 Staaten stimmten dafür.]

Dass Kuba materiell nicht in dem Maß von der breiten Ablehnung profitieren kann wie z.B. der Iran, liegt zum einen daran, dass es als Insel direkt vor der US-Küste geografisch sehr ungünstig liegt. Zudem ist Kuba kein wichtiger Erdölproduzent und verfügt auch nicht selbst über viele andere Rohstoffe. Und die Blockademaßnahmen werden mit besonderem Nachdruck überwacht und durchgesetzt – auch gegenüber Banken und Unternehmen von Drittstaaten.

Dennoch erhält das sozialistische Land Hilfe. Seit Russland, der bisher wichtigste Partner, selbst mit einem Wirtschaftskrieg konfrontiert ist, kommt die meiste Unterstützung aus China. Es investiert seit dem Beitritt Kubas zur chinesischen „Belt and Road“-Initiative im Jahr 2018 in zunehmendem Umfang in Infrastrukturprojekte – von der Energieversorgung über Häfen bis hin zur Telekommunikation. U.a. spendet es große Mengen an Material für den Ausbau der Solarenergie. Bis 2028 sollen so 92 Photovoltaik-Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 2.000 MW entstehen.

Weiterhin wichtig bleiben auch russische Hilfen in Form von Weizen- und Öllieferungen, sowie der Kuba-Tourismus aus Russland, der von Moskau stark gefördert wird.

Kuba vertiefte auch kürzlich Beziehungen zu Vietnam und Laos. Vietnam wurde mittlerweile zum zweitwichtigster Handelspartner Kubas und der wichtigste Kapitalinvestor aus Asien.

Zusätzliche Hilfe gegen Trumps Würgegriff kann Kubas Aufnahme als Partner der BRICS bringen. Die Zusammenarbeit im BRICS-Rahmen könnte u.a. bei der Diversifizierung der kubanischen Wirtschaft und bei der Erneuerung des Energiesektors helfen.

Indien hat sich verpflichtet seine Zusammenarbeit im Rahmen der BRICS in Schlüsselbereichen wie Biotechnologie, erneuerbare Energien, Informationstechnologie, Landwirtschaft und Tourismus auszubauen.

Und die BRICS-Partnerschaft dürfte die Nutzung alternativer Währungen, wie dem chinesischen Yuan und der indischen Rupie erleichtern, sowie die alternativer Finanztransfersysteme. Dadurch könnte die Finanzblockade teilweise durchbrochen und die Transaktionskosten gesenkt werden.
 

Dedollarisierung

 
Die ausufernden Finanzblockaden, gar verbunden mit dem Einfrieren von Guthaben der angegriffenen Länder und dem Ausschluss aus dem internationalen Finanzkommunikationsnetzwerk SWIFT, befeuern natürlich das Streben nach mehr wirtschaftlicher und finanzieller Unabhängigkeit von den USA und der EU.

Daher arbeiten viele Länder mit Nachdruck daran, sich vom US-Dollar und vom US-dominierten Finanzsystem wirksam abzukoppeln – naheliegenderweise gemeinsam mit China, Russland und dem Iran.

China baut den Yuan, bzw. den Renminbi, schon seit langem Schritt für Schritt zu einer Leitwährung aus. Wo es möglich ist, ersetzen immer mehr Staaten den Dollar im Handel durch den Yuan, voran die BRICS-Staaten. China und Brasilien wickeln ihren bilateralen Handel nur noch in ihren lokalen Währungen ab. [7] Insgesamt kann China mittlerweile schon über 50 Prozent seines Außenhandels in seiner eigenen Währung abwickeln. Indien baut ebenfalls beschleunigt die eigene Landeswährung Rupie zu einer internationalen Handelswährung und Alternative zum US-Dollar auf.

BRICS will auch über seine New Development Bank den Aufbau eines entdollarisierten Handelssystems vorantreiben. Diese multilaterale Entwicklungsbank soll dem Globalen Süden als Alternative zu IWF und Weltbank dienen. Sie steht auch anderen Ländern offen und kann zukünftig auch denen helfen, die durch Finanzblockaden vom US-dominierten Finanzsystem ausgeschlossen sind.

Parallel dazu arbeiten vielen Staaten und Bündnisse auch an Alternativen zum US-kontrollierten Finanzsystem und SWIFT. Russland hat bereits 2014 ein eigenes Transfersystem, etabliert, sowie ein nationales Zahlungssystem, inklusive Kreditkarte, namens Mir. Diese wird u.a. auch von  türkischen Banken akzeptiert. [8] Auch in Kuba kann man sie seit Dez. 2024 nutzen.  Im Januar 2023 wurde das russische mit dem iranischen Finanzkommunikationssystem zusammengeschlossen. [9]

Wesentlich leistungsfähiger ist Chinas „Grenzüberschreitendes Interbankenzahlungssystem“ (Cross-Border Interbank Payment System, CIPS). Ende April 2025 hatte CIPS bereits über 1670 Teilnehmer aus 119 Ländern und wickelte darüber Geschäfte mit mehr als 4.900 Bankinstituten in 187 Ländern ab. [10] Von SWIFT, das von 11.000 Finanzinstituten in 200 Ländern genutzt wird, ist das chinesische System noch ein gutes Stück entfernt, kann aber durchaus schon als echte Alternative fungieren.

Auch kubanische Banken nutzen mittlerweile Chinas SWIFT-Alternative.

All dies setzt der wirtschaftlichen Macht der USA, die sich stark auf die Dominanz des Dollars stützt, spürbar zu. Noch hat der US-Dollar mit Abstand den größten Anteil am Welthandel und an den Devisenreserven. Doch wird seine Dominanz zunehmend in Frage gestellt. Hatte der US-Dollar 1977 einen Anteil von 85 Prozent bei den Devisenreserven und 2001 noch von 73 Prozent, so betrug er 2023 nur noch rund 58 Prozent.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich im Zuge des Wirtschaftskrieges gegen Russland die Welt nun endgültig aufgeteilt hat, nicht nur in der völkerrechtlichen Debatte, sondern auch ganz real politisch und wirtschaftlich. Während sich der politische Westen enger zusammenschloss ‒ gegen Russland aber auch gegen China, erstarkten im Süden Blöcke, die sich gegen dessen Dominanzstreben richten und in denen Russland und China eine zentrale Rolle spielen. Vor allem das BRICS-Bündnis bekam enorme Bedeutung und Anziehungskraft. Nach seiner Erweiterung zu Brics+, umfasst es bereits mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung.

Die Zunahme wirtschaftlicher Alternativen für Außenhandel und ausländische Investitionen bieten vielen Ländern des globalen Südens Wege, den neo-kolonialen Extraktivismus, d.h. die Beschränkung auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen zum Nutzen globaler Firmen, zu überwinden. Es ist ein Prozess der weiteren Entkolonisierung, der einhergeht mit einem neuen selbstbewussten Eintreten der Länder für ihre Souveränität, sichtbar z.B. in der Abkehr der Sahel-Staaten von der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich.

Wir dürfen uns nichts vormachen. Die USA und ihre Verbündeten werden alles tun, um das Rad aufzuhalten, auch mit militärischer Gewalt, wo Wirtschaftsblockaden nicht ausreichen ‒ aktuell droht das Venezuela.
 


 

*** Wiebke Diehl ist Journalistin und aktiv in der Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘.
*** Joachim Guilliard ist im Heidelberger Forum gegen Militarismus und Krieg und im Bundesausschuss Friedensratschlag aktiv.
 
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Fußnoten

 
[1] Memorandum from the Deputy Assistant Secretary of State for Inter-American Affairs (Mallory), Washington. April 6, 1960, Office of the Historian, Foreign Service Institut
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[2]Russian Oil Finds Fewer Takers in China After Hit From Sanctions, By Bloomberg News, 3.11.2025
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[3] EU-Behörde hat Verdacht: Nachbarn helfen Russland, die Sanktionen zu umgehen, Berliner Zeitung, 21.02.2023
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[4] How Russia Pays for War, New York Times, 30.10.2022
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[5] Gemäß COMTRADE database on international trade, andere geben weniger an. India Imports from Iran – 2025 Data 2026 Forecast 1988-2024 Historical, Trading Economics , November 2025.
India Emerges as Iran’s New Oil Buyer After Snapback, WANA (West Asia News Agency), 04 October 2025
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[6] Kuba: Mangel in Kreativität verwandeln – Miserable ökonomische Kennzahlen, aber Licht am Ende des Tunnels. Zur wirtschaftlichen Lage Kubas, jW 21.07.2025,
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[7] Brasilien und China einigen sich auf Handel in ihren Landeswährungen, Telesur, amerika21
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[8] Türkei zahlt russisches Gas in Rubel und öffnet Banken für russische Kreditkarten, Business Insider, 9.8.2022
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[9] Pepe Escobar, Die große Leiche: Russland-Iran entledigen sich des Dollars und brechen die US-Sanktionen, The Cradle / seniora.org, 13.2.2023
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[10] CIPS Participants Announcement No. 108, CIPS, 12.5.2025
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