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Die USA und das Risiko einer Einmischung in die Wahlen in Kolumbien

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Wenn Washington droht, schweigt Europa meist – und Lateinamerika steht erneut im Fadenkreuz. Im Gespräch mit Jacobin warnt der kolumbianische Präsidentschaftskandidat Iván Cepeda vor einer gefährlichen Eskalation US-amerikanischer Einflussnahme: von Drohungen gegen Präsident Petro bis zur möglichen Wahlintervention. Ein Interview über Souveränität, Machtpolitik und die Rückkehr der Monroe-Doktrin. Das Interview führte Pablo Castaño.

Iván Cepeda ist Senator des Pacto Histórico (des Historischen Pakts), des linken Bündnisses hinter dem Wahlsieg des kolumbianischen Präsidenten Gustavo Petro, sowie Kandidat dieses Bündnisses, der Petro bei den Präsidentschaftswahlen im Mai und Juni 2026 nachfolgen soll. Cepeda ist ein Menschenrechtsaktivist, der auf eine lange politische Laufbahn zurückblickt. Zu verschiedenen Zeiten engagierte er sich in der Kommunistischen Partei, der Patriotischen Union, der Demokratischen Allianz M-19 – der Partei, der auch Petro angehörte und die nach der Demobilisierung der Guerilla M-19 im Jahr 1990 entstand – sowie später im Polo Democrático, der heute zusammen mit anderen Kräften im Pacto Histórico zusammengeschlossen ist.

Cepeda ist bekannt für seine Rolle in verschiedenen Friedensprozessen mit der inzwischen aufgelösten Guerillagruppe der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) und mit der Nationalen Befreiungsarmee (ELN), einer Guerillagruppe, die nach mehreren gescheiterten Verhandlungsversuchen weiterhin aktiv ist. Sein Vater, Manuel Cepeda, war Kongressabgeordneter der Unión Patriótica – einer aus einem Friedensprozess mit den Farc hervorgegangenen Partei – und wurde 1994 von Paramilitärs im Rahmen einer Kampagne zur Auslöschung der Anführer dieser Partei ermordet, wofür der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte den kolumbianischen Staat verurteilte. Nach der Ermordung seines Vaters initiierte Iván Cepeda die Nationale Opferbewegung mit dem Ziel, Gerechtigkeit für die Menschen zu erreichen, die von staatlichen Akteuren und paramilitärischen Gruppen ermordet wurden.

Cepeda war auch an dem Gerichtsverfahren beteiligt, das zur ersten Verurteilung des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe wegen Zeugenmanipulation in einem Fall im Zusammenhang mit seinen mutmaßlichen Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen führte. Obwohl der Ausgang des Verfahrens noch ungewiss ist, entwickelte es sich zum bekanntesten Prozess der jüngeren Geschichte Kolumbiens und schwächte Uribe, der weiterhin die zentrale Figur der kolumbianischen Rechten ist.

Kaum eine Woche ist seit dem Angriff der Vereinigten Staaten gegen Venezuela und der Entführung von Nicolás Maduro auf Befehl von Donald Trump vergangen, der zudem den kolumbianischen Präsidenten wiederholt bedroht hat. Im Gegensatz zu Petro, der für seinen hyperbolischen Stil und seine frenetische Nutzung sozialer Netzwerke bekannt ist, reagiert Cepeda mit einem entschiedenen, aber maßvollen Ton.

Jacobin sprach mit Cepeda in Madrid während seiner Reise, bei der er mit dem spanischen Regierungsoberhaupt Pedro Sánchez zusammentraf und Gespräche mit der zahlreichen kolumbianischen Diaspora im Land führte.

Wie schätzen Sie den Angriff der Vereinigten Staaten auf Venezuela und die Drohungen Donald Trumps gegen Kolumbien und andere Länder der Region ein?

Ich sehe darin keine zufälligen oder isolierten Ereignisse. Sie alle sind Teil der neuen US-Doktrin für die westliche Hemisphäre, die in der im Dezember veröffentlichten Nationalen Sicherheitsstrategie klar dargelegt wurde. In einem Abschnitt mit dem Titel „Das Trump-Korollar zur Monroe-Doktrin” wird klar festgestellt, dass die Vereinigten Staaten das Recht haben, die Hegemonie über die gesamte westliche Hemisphäre auszuüben, um ihre strategischen Ziele zu verfolgen und politische, wirtschaftliche sowie militärische Kontrolle über die Region auszuüben.

Darin wird klar dargelegt, wie vorzugehen ist: Regierungen sind entweder als Freunde oder, wenn sie sich den strategischen Interessen der USA widersetzen, als Feinde einzustufen. Folglich werden sie erpresst und unter Druck gesetzt, wenn sie sich nicht an die Vorgaben Washingtons halten. Oder sie werden direkt gestürzt oder beseitigt, wie wir es in Venezuela gesehen haben und wie wir es nun auch in Kolumbien zu sehen beginnen. Es handelt sich dabei nicht um zufällige Aktionen, die separat analysiert werden sollten, sondern um einen Teil einer globalen Vision der internationalen neofaschistischen Ultrarechten.

Glauben Sie, dass Trumps Drohungen gegen Präsident Gustavo Petro ernst zu nehmen sind?

Man muss sie uneingeschränkt ernst nehmen. Ich weiß nicht, ob sie auf eine direkte Intervention hindeuten, aber sie weisen zweifellos auf eine feindselige Haltung Trumps und der US-Regierung gegenüber unserer Regierung sowie auf die Absicht hin, das Vorankommen des Progressismus in Kolumbien zu verhindern. Präsident Petro wurde in die „Clinton-Liste” aufgenommen, in der Personen aufgeführt werden, die die USA als Drogenhändler oder als Eigentümer von Vermögenswerten mit Bezug zum Drogenhandel einstufen. Das ist eine offen feindselige Handlung, die ohne jegliche öffentliche Begründung vorgenommen wurde. Es ist das erste Mal, dass eine solche Maßnahme gegen einen Präsidenten Kolumbiens ergriffen wurde.

Wir haben auch Bombardierungen an unseren Küsten gesehen sowie die Aberkennung des US-Status Kolumbiens als Land, das den Drogenhandel bekämpft, nachdem es enorme Anstrengungen gegen dieses Übel unternommen hatte. Alles deutet darauf hin, dass ein Weg eingeschlagen wird, der nicht nur die Handlungsfähigkeit der Regierung Petro zunehmend erschwert, sondern auch die Möglichkeit, dass ich gewählt werde, vereitelt.

Wird es eine direkte Intervention der Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden Wahlen geben?

Ja, denn wenn eine ausländische Macht während einer Wahlperiode Meinungen gegen eine Regierung äußert und behauptet, diese sei kriminellen Organisationen wohlwollend eingestellt und könne sich nachteilig auf die Region auswirken, dann verfolgt sie damit einen bestimmten Zweck. Persönlichkeiten aus dem Umfeld von Präsident Trump, darunter Kongressabgeordnete und Mitglieder der Regierung, haben sich in diesem Sinne geäußert.

Und abgesehen von den Äußerungen: Glauben Sie, dass es während des diesjährigen Wahlkampfs sowie der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Kolumbien zu einer direkteren Einmischung der US-Regierung kommen könnte?

Wir werden sehen. Es besteht eine reale Gefahr. Es gibt Präzedenzfälle.

Löst das Telefongespräch zwischen Petro und Trump vom 8. Januar die Situation oder bedeutet es nur eine Pause?

Es ist zu begrüßen, wenn das Ziel darin besteht, die Feindseligkeit zu verringern. Aber zweifellos lässt sich die Situation nicht einfach mit Telefonaten lösen. Es gibt offensichtliche Fakten: Vor der Küste Kolumbiens liegt ein riesiger Flugzeugträger, eine in der Vergangenheit nie dagewesene militärische Präsenz, und der Präsident steht auf einer Liste von Drogenhändlern. Die Telefonate sind zwar zu begrüßen, aber diese Fakten bleiben bestehen.

Im Jahr 2025 führte Trump feindselige Aktionen gegen mehrere lateinamerikanische Länder durch. Es gelang jedoch keiner regionalen Organisation – wie der CELAC oder der UNASUR –, sich auf eine gemeinsame Position zu einigen. Könnte nach dem Angriff auf Venezuela eine größere Einheit in der Region erreicht werden, selbst mit konservativen Regierungen?

Mehr als ein einzelnes Ereignis muss man den politischen und historischen Moment verstehen, in dem wir uns befinden, sowie die klare Ausrichtung, die die US-Regierung eingeschlagen hat. Ohne den Überblick verfällt man in reaktives oder adaptives Verhalten. Die Ereignisse folgen Schlag auf Schlag, und es werden chaotische Erklärungen abgegeben. Jeder Schlag ist härter als der vorherige, aber es wird reagiert, als ob es noch möglich wäre, diese Tendenz umzukehren.

Wir müssen mit einer strategischen Sichtweise handeln, die über einzelne Ereignisse hinausgeht. Wir müssen eine strategische Position definieren. Wir sind ein souveräner Kontinent. Wir sind unabhängige Länder. Unsere seit Langem bestehenden Vereinigungsprozesse müssen gestärkt werden. Wir sind eine Zone des Friedens. Und wir akzeptieren keine Einmischung von außen. So müssen sich Regierungen und Völker ausrichten.

Die Linke wurde bei den jüngsten Wahlen in Chile, Honduras, Argentinien und Bolivien geschlagen, in mehreren Fällen durch die Ultrarechten. Wie erklären Sie sich den raschen Aufstieg der extremen Rechten in Lateinamerika in den letzten Jahren?

Jeder Fall müsste einzeln analysiert werden. Ich glaube nicht, dass man allgemeine Erklärungen geben kann, ohne die spezifischen Bedingungen zu berücksichtigen. Der Einfluss der Regierung Trump ist jedoch erheblich. Miami und Florida entwickelten sich zu einer Drehscheibe der internationalen Politik, von der aus die Bemühungen der hemisphärischen Ultrarechten koordiniert wurden. Dahinter stehen mächtige Wirtschaftskonzerne, die zu allen möglichen Methoden greifen. Im Gegensatz zur Politik der Linken sind schmutzige Methoden in der Politik der Ultrarechten an der Tagesordnung. Diese strategische Offensive auf dem Kontinent spielt eine Schlüsselrolle. In einigen Ländern gibt es auch eine Stärkung der Linken und in allen Ländern soziale Mobilisierungen.

Wie hat die kolumbianische Rechte auf Trumps Drohungen reagiert?

Die Ultrarechte steht auf der Seite Trumps und der reaktionärsten Kreise der USA – angefangen bei ihrem wichtigsten Vertreter Álvaro Uribe. Jeden Tag treten sie in den Medien auf, um für eine Intervention der USA in Kolumbien zu werben.

Könnte Ihnen diese Haltung bei den Wahlen nicht schaden?

Zweifellos. Es kann eine gewisse Unterstützung aus bestimmten Kreisen, denen es an Würde mangelt, für diese Positionierung geben, aber es besteht im Lande ein Gefühl von Souveranität und Respekt für unsere Nation. Das hat, glaube ich, Wirkung auf die Wahlen.

Die Linke kam vor vier Jahren in Kolumbien mit einem ambitionierten Programm sozialer Reformen erstmals an die Macht. Wie fällt Ihre Bilanz der Regierung von Gustavo Petro aus?

Es ist die erste Regierung, die soziale Veränderungen herbeigeführt hat, auch wenn nicht alle angestrebten Ziele erreicht wurden und dies nicht ohne Fehler, Leerstellen und Irrtümer geschah (zum Beispiel musste sie die Korruption erleiden, ein gravierendes Problem, das beseitigt werden muss und für das Bedingungen geschaffen werden müssen, damit es sich unter einer linken Regierung nicht wiederholt). Es gibt klare soziale Errungenschaften, die durch statistische Daten, internationale Organisationen sowie durch den Aufbau einer äußerst breiten sozialen Unterstützungsbasis belegt sind.

Es war die erste Regierung, die eine ernsthafte Agrarreform voranbrachte, indem sie eine beispiellose Menge Land verteilte und Eigentumstitel für bäuerliche, afrostämmige und indigene Gemeinschaften formalisierte. Sie leitete territoriale Veränderungen ein, holte mehr als zwei Millionen Menschen aus der Armut, erhöhte den Mindestlohn deutlich und setzte Arbeits- und Rentenreformen durch. Es ist die erste Regierung, die eine Steuerreform auf der Grundlage des Prinzips der Progressivität verwirklichte: Wer mehr hat, muss mehr zahlen. Es gibt eine lange Liste sozialer Errungenschaften, die sich im gesellschaftlichen Rückhalt für die Regierung und meine Kandidatur widerspiegeln.

Welche sind die wichtigsten noch offenen Aufgaben der kolumbianischen Linken?

Wir müssen uns auf konkrete soziale Reformen konzentrieren und diese vertiefen, damit sie unumkehrbar werden. Um viele Kolumbianer aus der Armut zu holen, ist es notwendig, die soziale Ungleichheit mit tiefgreifenden Veränderungsmaßnahmen und Reformen der Sozialprogramme anzugehen. Dem werde ich mich widmen. Der beste Weg, das zu erreichen, ist die Priorisierung und Stärkung einer relativ kleinen Anzahl von Initiativen.

Petro hat sich zum Ziel gesetzt, den „totalen Frieden” zu erreichen, doch der interne Konflikt in Kolumbien dauert weiterhin an. Wenn Sie zum Präsidenten gewählt würden, was würden Sie tun, um das Land zu befrieden?

Wir müssen uns den Problemen in den vom Konflikt betroffenen Gebieten widmen. Ohne grundlegende soziale Veränderungen in diesen Gebieten, wie den Zugang zu Wasser, Strom und Kommunikationswegen, ist es sehr schwierig, dass die bäuerliche Ökonomie und die Landwirtschaft floriert. Ohne diese Veränderungen bleibt die gesamte Region anfällig für die wirtschaftliche Kontrolle durch die Ausbeutung von Bodenschätzen, den illegalen Goldabbau und den Drogenhandel. Unter diesen Bedingungen, in denen die Wirtschaft mit blutigen Prozessen der Ausbeutung von Ressourcen und Menschen verbunden ist, findet der Konflikt einen viel günstigeren Nährboden, um sich weiter zu verschärfen.

Gustavo Petro gewann die Wahlen 2022 nach einer starken antineoliberalen sozialen Bewegung. Welche Rolle spielten die sozialen Bewegungen in der Regierung Petro, und welche Rolle werden sie im Wahlkampf der Linken spielen?

Aus meiner Sicht kommt ihnen eine zentrale, führende und unverzichtbare Rolle zu. Es kann keine neue progressive Regierung geben, die nicht eng und organisch mit den sozialen Bewegungen verbunden ist. Sie sind diejenigen, mit denen regiert werden muss.

Wie macht man das in der Praxis?

Man muss sorgfältig und aufmerksam vorgehen und diesem Thema den Vorrang als etwas Wesentliches einräumen. Es bedarf einer ständigen Präsenz, eines kontinuierlichen Dialogs sowie der Bereitschaft, zuzuhören und sich [mit den sozialen Bewegungen] auszutauschen. Es handelt sich dabei nicht um einen Dialog ohne Widersprüche oder Meinungsverschiedenheiten, aber er muss unter Berücksichtigung dessen geführt werden, was sie [die Mitglieder der sozialen Bewegungen] denken, wie sie gekämpft haben und wie sie ihre Programme und Bestrebungen aufrechterhalten haben.

Übersetzung: Hans Weber, Amerika 21

Titelbild: By IvanCepedaCastro – Own work, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=89192108

(Auszug von RSS-Feed)

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Der koloniale Plan von Trump und Rubio für Venezuela

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Donald Trump hat verlangt, dass die venezolanische Regierung unter Delcy Rodríguez die wirtschaftlichen Beziehungen zu Kuba, Russland, China und Iran abbricht, sämtliche Öleinnahmen über von Washington kontrollierte Bankkonten leitet, alle benötigten Produkte in den Vereinigten Staaten erwirbt und das vorhandene eingelagerte Erdöl übergibt. Der Drei-Phasen-Ansatz: Erdöl „nehmen”, Markt für US-Konzerne öffnen und dann einen „politischen Übergang” initiieren. Von Álvaro Verzi Rangel.

Die US-Regierung versicherte, dass sie den Verkauf von venezolanischem Erdöl sowie die Einnahmen aus diesen Geschäften auf unbestimmte Zeit kontrollieren werde (Trump sagte, er werde dies persönlich tun). Der Präsident selbst kündigte an, dass Venezuela mit diesem Geld ausschließlich US-amerikanische Produkte kaufen dürfe. Um zu demonstrieren, wie weit er bereit ist zu gehen, um seine militärische Blockade aufrechtzuerhalten, beschlagnahmte er einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker.

„Wir arbeiten weiterhin eng mit den interimistischen Behörden zusammen, und ihre Entscheidungen werden nach wie vor von den Vereinigten Staaten von Amerika vorgegeben”, erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Sie fügte hinzu, dass ihr Land bereits damit begonnen habe, das Erdöl des südamerikanischen Landes an internationale Käufer zu verkaufen, und dass „alle Gewinne aus dem Verkauf zunächst auf US-amerikanische Bankkonten eingezahlt und dann zum Wohle der US-amerikanischen und der venezolanischen Bevölkerung geteilt werden”.

Die Zwangsmaßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Venezuela beschränken sich nicht nur auf das Erdöl. „Ich wurde gerade darüber informiert, dass Venezuela mit den Geldern aus unserem neuen Erdölabkommen nur Produkte aus den Vereinigten Staaten kaufen wird”, verkündete Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social. „Diese Käufe umfassen Agrarprodukte, Medikamente, medizinische Instrumente und Ausrüstung zur Verbesserung des Stromnetzes und der Energieanlagen” des karibischen Landes.

Der kubanisch-amerikanische Außenminister Marco Rubio beschrieb seinerseits drei Phasen des Plans zur „Stabilisierung” Venezuelas: „Wie Sie heute[1] gesehen haben, wurden zwei weitere Schiffe beschlagnahmt. Derzeit stehen wir kurz davor, eine Vereinbarung umzusetzen, um das gesamte Erdöl zu nehmen. Das Erdöl sitzt in Venezuela fest und kann aufgrund unserer Quarantäne und der Sanktionen nicht transportiert werden. Wir werden zwischen 30 und 50 Millionen Barrel nehmen”, sagte er.

„In der zweiten Stufe, die wir als Erholungsphase bezeichnen, geht es darum, sicherzustellen, dass Unternehmen aus den USA, dem Westen und anderen Ländern auf faire Weise Zugang zum venezolanischen Markt erhalten. Gleichzeitig soll der Prozess der nationalen Versöhnung in dem südamerikanischen Land in Gang gesetzt werden, damit die oppositionellen Kräfte Amnestie erhalten und aus den Gefängnissen entlassen oder in das Land zurückgebracht werden können, um so mit dem Wiederaufbau der Zivilgesellschaft zu beginnen.” Die dritte Phase, so Rubio, werde eine Übergangsphase sein. Er lehnte es ab, einen Zeitplan für die Umsetzung seines Plans vorzulegen.

Während sich die Vereinigten Staaten das bereits geförderte und gelagerte Öl aneignen, teilte Rubio den Gesetzgebern mit, dass Venezuela keine weitere Ölförderung vornehmen darf, bis das Land weitere Forderungen erfüllt hat.

„Zunächst muss das Land China, Russland, den Iran und Kuba herauswerfen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu ihnen abbrechen (…) Venezuela muss sich bereit erklären, exklusiver Partner der USA bei der Ölförderung zu werden und sie beim Verkauf von Schweröl zu bevorzugen.” Der Präsident, der Außenminister und mehrere Abgeordnete haben die Hoffnung geäußert, dass die Einstellung der Öllieferungen und anderer Unterstützungsleistungen Venezuelas an Kuba zum Zusammenbruch der Regierung dieser Insel führen würde.

Die nächstliegende Analogie in der venezolanischen Geschichte zu einem solchen Vorschlag war im 19. Jahrhundert, „als Venezuela eine spanische Kolonie war und gezwungen wurde, seine gesamte Produktion über imperiale Behörden zu exportieren”, berichtete die New York Times.

Money, money

Trump versicherte, dass sein Land bereits Gewinne aus venezolanischem Erdöl erziele, und machte deutlich, dass sich die Intervention über Jahre hinziehen könne. „Das wird nur die Zeit zeigen”, sagte er in einem Interview mit der New York Times. Die Vereinigten Staaten streben keine Verpflichtungen oder Allianzen mit anderen Ländern an, sondern suchen nach zweckgebundenen, ferngesteuerten Beziehungen und lehnen offen jeden Einfluss von „nicht-hemisphärischen Konkurrenten” ab, also solchen, die nicht mit dem Trumpismus übereinstimmen.

Trump präsentiert sich als Verfechter des Friedens durch den Krieg. Seine Aussagen bedeuten eine offensichtliche Rückkehr zum Recht des Stärkeren: Es ist der Triumph der kolonialistischen Logik. „Die Monroe-Doktrin – Amerika für die (Nord-)Amerikaner – ist sehr wichtig, aber wir haben sie bei Weitem übertroffen”, erklärte der US-Präsident, nachdem er Venezuela illegal angegriffen und Nicolás Maduro entführt hatte.

„Die Vereinigten Staaten werden die Monroe-Doktrin durchsetzen, um die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre [die alle lateinamerikanischen Länder umfasst] wiederherzustellen und unser Territorium und unseren Zugang zu Schlüsselgebieten in der gesamten Region zu schützen”, heißt es im Nationalen Sicherheitsplan des Weißen Hauses, der Ende 2025 vorgelegt wurde.

Die 33 Seiten des Dokuments scheinen nun nach dem illegalen Angriff vom 3. Januar gegen Venezuela und der Entführung seines Präsidenten Nicolás Maduro ihren ganzen Sinn zu entfalten. „Die Monroe-Doktrin ist sehr wichtig, aber wir haben sie bei Weitem übertroffen, mit großem Abstand”, erklärte Trump selbst am Wochenende.

Trump versucht auch, die „regionalen Champions” – die teils rechtsextremen Regierungen Argentiniens, Boliviens, El Salvadors, Paraguays, Costa Ricas, Guatemalas und Ecuadors –, die ihre Nähe zum Trumpismus nicht verbergen, als Verbündete in seine Strategie einzubeziehen. Anders ist die Situation in Kolumbien, Mexiko und Kuba. „Was Maduro passiert ist, kann auch ihnen [den Führern dieser drei Länder] passieren”, drohte er erneut.

Er macht keinen Hehl aus seinen Absichten: Er sucht einen Kontinent, der „seine vergangenen Errungenschaften und Helden wertschätzt und einem neuen goldenen Zeitalter entgegenblickt”. Mit den vergangenen Errungenschaften sind die weißen und US-amerikanischen Retter vergangener Jahrhunderte gemeint. Das neue goldene Zeitalter ist alles, was der Trumpismus in der Mache hat. Auch die Mittel, die er zur Verfolgung dieses Ziels einsetzen will, sind kein Geheimnis. „Wir wollen die mächtigste, tödlichste und technologisch fortschrittlichste Militärmacht einsetzen, um unsere Interessen zu schützen”, heißt es in dem Dokument des Präsidenten.

Kolumbien

Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro versicherte letzte Woche, dass er in direktem Kontakt mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump gestanden habe, bevor er die Mobilisierung „zur Verteidigung der nationalen Souveränität” in Ablehnung der Drohungen des US-Präsidenten in Bogotá und anderen Städten des Landes anführte. Von der Tribüne auf der Plaza de Bolívar aus erklärte Petro, dieser Dialog habe dazu beigetragen, die bilateralen Spannungen abzubauen. Außerdem gab er bekannt, dass beide Seiten vereinbart hätten, die formellen Kommunikationskanäle wiederherzustellen und auf ein bilaterales Treffen in Washington hinzuarbeiten.

Die Kundgebung fand vor dem Hintergrund starker regionaler Spannungen statt, die durch die jüngste Militäroperation der Vereinigten Staaten in Venezuela geprägt waren, bei der rund 100 Menschen ums Leben kamen und die mit der Festnahme von Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores endete, sowie durch Äußerungen von Trump, der eine ähnliche Aktion in Kolumbien nicht ausschloss. Die kolumbianische Regierung lehnte die Intervention in Caracas öffentlich ab und rief zur Mobilisierung als politische Antwort auf die Drohungen sowie zur Unterstützung der Forderung nach Achtung der nationalen Souveränität auf.

Europa besorgt um Grönland

Das schwache und gespaltene Europa beginnt, angesichts der Konsequenzen des US-amerikanischen Militärangriffs auf Venezuela und der Entführung von Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores aufzuwachen. Letzte Woche fand ein gemeinsames Treffen der Außenminister von Frankreich, Deutschland und Polen statt. Es bildete den Höhepunkt einer Reihe von Treffen und Erklärungen Europas gegen eine mögliche US-Intervention in Grönland, einem autonomen Gebiet des Königreichs Dänemark, das über Energie- und Seltenerdvorkommen verfügt, die auch Trump in seinen Besitz bringen möchte.

„Wir wollen eine gemeinsame Antwort mit unseren europäischen Verbündeten koordinieren. Grönland ist ein europäisches Territorium und wird es auch bleiben. Es steht nicht zum Verkauf”, erklärte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot. In einer ungewöhnlichen Kritik an Trumps Politik schlossen sich Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und Polen sowie die Außenminister der nordischen Länder und Kanadas der Unterstützung Dänemarks und Grönlands an. „Grönland gehört seinem Volk. Nur Dänemark und Grönland haben das Recht, über die Zukunft ihrer Beziehungen zu entscheiden”, erklärten sie.

Unterdessen kritisierte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Außenpolitik der Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft von Donald Trump scharf und forderte die Welt auf, nicht zuzulassen, dass die internationale Ordnung zu einer „Räuberhöhle” zerfällt, in der skrupellose Menschen alles bekommen, was sie wollen. Mit für ihn ungewöhnlich scharfen Äußerungen machte er deutlich, dass Demokratie und Weltordnung stärker denn je bedroht sind.

Über den Autor: Álvaro Verzi Rangel ist Soziologe und internationaler Analyst, Co-Direktor des Observatorio en Comunicación y Democracia (Beobachtungsstelle für Kommunikation und Demokratie) sowie Senior Analyst des Centro Latinoamericano de Análisis Estratégico (CLAE, Lateinamerikanisches Zentrum für strategische Analyse)

Übersetzung: Hans Weber, Amerika21

Titelbild: Hunter Crenian / Shutterstock


[«1] Dies sagte Rubio am 7. Januar. (Anmerkung des Übersetzers)

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Deutsche Bundesregierung Millionen für klimafreundliche Kühlschränke in Kolumbien

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Kühlschränke für Kolumbien - mit deutschem Steuergeld. Foto: picture alliance / dpa-tmn | Nico Tapia

Die Bundesregierung hat mehrere Millionen Euro an Entwicklungshilfe nach Kolumbien überwiesen – für klimafreundliche Kühlschränke.

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Monroe und kein Ende – US-Imperialismus in Südamerika seit 1823 | Von Wolfgang Effenberger

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Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.

Die Folgen des US-Angriffs auf Venezuela vom 3. Januar samt der Entführung von Präsident Nicolas Maduro und seiner Frau aus Caracas halten weiter an. Maduros Vizepräsidentin Delcy Rodríguez (56) wurde daraufhin am 6. Januar vom Obersten Gericht und der Nationalversammlung mit der Wahrnehmung der Aufgaben des Staatschefs betraut. (1)

Sie legte ihren Amtseid in der Nationalversammlung in Caracas ab, übernahm formal das Amt der amtierenden bzw. geschäftsführenden Präsidentin (2) und signalisierte Gesprächsbereitschaft gegenüber den USA, während sie innenpolitisch den Ausnahmezustand und Sicherheitsmaßnahmen durchsetzte. (3) Das venezolanische Militär stellte sich öffentlich hinter Rodríguez, was ihre innerstaatliche Position vorerst stabilisiert.

Die Zahl der Opfer durch die US-Militäraktion in Venezuela am 3. Januar haben internationale Organisationen und unabhängige Untersuchungskomissionen mit „bis zu 80 Tote, darunter 32 Kubaner“ angegeben. (4) Die New York Times geht von „mindestens 56“ Toten aus und betont, dass die Gesamtzahl der Opfer noch unklar ist. (5)

US-Präsident Donald Trump drängt nicht auf rasche Neuwahlen, sondern versucht, über politischen und wirtschaftlichen Druck – insbesondere die bestehende Ölblockade – weitere Machtverschiebungen in Caracas herbeizuführen. (6) 

Die Ölförderung und der Öltransport in dem Land sind derzeit fast zum Erliegen gekommen, da die Tanklager und vor Anker liegenden Tanker aufgrund der US-Blockade der Schifffahrt ihre Lagerkapazitätsgrenze erreicht haben. Im Lauf dieser Woche will das Weiße Haus US-Ölmanager in Miami, Florida, empfangen, um im Namen des „Wiederaufbaus“ in Venezuela die Macht zu übernehmen. 

Seit der im Dezember verschärften Blockade und der Beschlagnahme venezolanischer Tanker liegen Millionen Barrel Rohöl auf Schiffen und in Lagertanks fest, wodurch Exporte fast zum Stillstand gekommen sind und die weitere Förderung technisch und logistisch gedrosselt werden muss. (7)

Die faktische Seeblockade führt dazu, dass beladene Tanker venezolanische Gewässer nicht verlassen, weil sie bei Auslaufen mit Beschlagnahme durch US-Behörden rechnen müssen. (8)

Mehrere Analysen sprechen davon, dass die schwimmenden und landgestützten Lagerbestände ein Mehrjahreshoch erreicht haben und die Förderunternehmen daher gezwungen sind, die Produktion weiter zu drosseln, teilweise in Richtung 700.000 Barrel pro Tag oder darunter. (9)

Trump hat angekündigt, dass „sehr große amerikanische Ölkonzerne“ Milliarden investieren sollen, um Venezuelas beschädigte Öl-Infrastruktur zu reparieren und große Mengen feststeckenden Rohöls – bis zu rund 50 Millionen Barrel – zu raffinieren und zu verkaufen. (10)

In diesem Kontext werden Treffen von Regierungsvertretern mit US-Ölmanagern – unter anderem in Florida – angekündigt, mit dem expliziten Ziel, US-Unternehmen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle und Verwertung venezolanischer Ölströme im Rahmen eines politischen „Neuanfangs“ bzw. „Wiederaufbaus“ zu geben. (11) 

Trump hat sich am Abend des 6. Januar erneut in sehr aggressiver Weise zu Kolumbien und Kuba geäußert, allerdings eher in Form von Droh- und Machtrhetorik als in einer konkreten Operationsankündigung. (12)

In jüngeren Äußerungen stellt Trump Kolumbien immer wieder als „Kokainfabrik“ dar und bringt offen die Möglichkeit militärischer Maßnahmen gegen das Land ins Spiel, wenn die dortige Regierung den Drogenhandel angeblich nicht „stoppt“. (13)

Präsident Gustavo Petro reagiert darauf regelmäßig mit dem Hinweis, dass solche Drohungen als faktische Kriegserklärung verstanden würden und die Souveränität Kolumbiens verletzten. (14)

Im Zusammenhang mit der Operation gegen Maduro und der Rolle kubanischer Berater spricht Trump Kuba als „Mitverantwortlichen“ an und verbindet dies mit der bekannten Regime-Change-Rhetorik gegenüber Havanna. (15)

Republikanische Hardliner wie Marco Rubio und Lindsey Graham flankieren diese Linie, indem sie vom nahen „Ende des Regimes“ bzw. der „Befreiung Kubas“ sprechen, was den politischen Charakter dieser Drohkulisse in Richtung Systemwechsel deutlich macht. (16)

Trumps „Monroe‑Corollary“: Ideologischer Rahmen für exklusiven US‑Machtanspruch 

Die Monroe-Doktrin von 1823 definiert ein außenpolitisches Grundprinzip der USA, das die westliche Hemisphäre als eigene Einflusszone festschreibt und jegliche europäische Einmischung zurückweist. (17)

Trump nutzt nun die erweiterte Monroe‑Doktrin im Kern als ideologischen Rahmen, um einen exklusiven US‑Machtanspruch in der westlichen Hemisphäre zu begründen und Interventionen politisch zu legitimieren. (18)

Ziel ist es, Lateinamerika wieder als Hinterhof der USA zu definieren: Fremde Großmächte (v. a. China, Russland, in Teilen auch Iran) sollen aus der Region zurückgedrängt, ihre Investitionen und Militärkontakte delegitimiert werden.

Damit verbindet Trump das Recht, Regierungen, die als „feindlich“ oder „illoyal“ gelten (Venezuela, Kuba, Nicaragua, perspektivisch auch andere), mit Sanktionen, verdeckten Operationen und notfalls militärischem Druck zu konfrontieren, um einen Regime-Change oder Kurswechsel zu erzwingen. (19)

Es geht um die Sicherung des privilegierten Zugriffs der USA auf Ressourcen (insbesondere Öl, Gas, kritische Rohstoffe) und Schifffahrtsrouten, also eine ökonomische Absicherung des US‑Vormachtanspruchs (20) sowie die Eindämmung chinesischen und russischen Einflusses durch Druck auf Regierungen, Neuverhandlung oder Blockade von Infrastruktur‑ und Rüstungsdeals sowie durch Ausbau eigener Militär‑ und Geheimdienstpräsenz in der Region. (21)

In der Sicherheitsstrategie und in Äußerungen seines Umfelds (Bolton, Pompeo, Rubio u. a.) wird explizit von einer „Monroe‑Doktrin 2.0“ bzw. „Donroe‑Doktrin“ gesprochen, um die historische Kontinuität einer hegemonialen US‑Sphäre zu reklamieren.

Praktisch bedeutet dies die Kombination von Sanktionen, extraterritorialem Wirtschafts‑ und Sanktionsrecht, Terrorlisten (z. B. für Kartelle) sowie der Androhung oder Durchführung militärischer Operationen als legitime Durchsetzungsmittel dieses Anspruchs. (22)

So ist zu befürchten, dass die lange Kette der Interventionen nicht abreißen wird.

Die US-Interventionen in Südamerika, Mittelamerika, Mexiko und im Karibikraum seit 1823 lassen sich grob in vier Phasen gliedern: Frühe „Schutz“-aktionen, die Bananenkriege, der Kalte Krieg (inklusive CIA-Operationen) und die Interventionen nach dem Kalten Krieg bis heute. Die folgende Übersicht ist selektiv; sie konzentriert sich auf militärische, paramilitärische und zentrale verdeckte Regime‑Change‑Operationen.

Unberücksichtigt sind rein diplomatische Druckmittel und „normale“ Wirtschaftssanktionen ohne militärisch‑geheimdienstliche Aktivitäten. 

Kuba
1822/23 "Anti‑Piraterie"‑Landungen; 1898 Spanisch‑Amerikanischer Krieg;
1898–1902 Besatzung;
1906–1909 erneute Besetzung;
1912 Truppeneinsatz;
 seit 1961 Schweinebucht‑Invasion und dauerhafte Regime‑Change‑Politik 

Puerto Rico
1824 Landungsunternehmen in Fajardo;
(später US‑Territorium) 1898 Eroberung im Spanisch‑Amerikanischen Krieg              

Dominikanische Republik
1903, 1904, 1914 Landungen;
1916–1924 Besatzung;
1965 Militärintervention

Haiti 
1915–1934 US‑Besatzung; wiederholte Landungen zuvor

Nicaragua
1850er Interventionen;
1894, 1896 Marineeinsätze;
1912–1925 und 1926–1933 Besatzung;
1980er Contra‑Krieg 

Honduras
1903, 1907, 1911, 1912, 1919, 1924,
1925 Marine‑ und Landungseinsätze 

Panama (vorher Teil Kolumbiens)
1903 Unterstützung der Abspaltung Panamas;
1903–1914 Kontrolle beim Kanalbau; mehrfacher Truppeneinsatz bis in die 
1960er; 1989 Invasion („Just Cause“)

Mexiko
1846–1848 Mexikanisch‑Amerikanischer Krieg; 1914 Besetzung von Veracruz; Grenzoperationen 1916/17 (Pershing‑Expedition)

Guatemala
wiederholte Marineschutz‑Landungen im 19./frühen 20. Jh.;
1954 CIA‑Putsch gegen Árbenz;
spätere Unterstützung antikommunistischer Repression

El Salvador 
wiederholte Eingriffe im 20. Jh.; schwere US‑Militär‑ und Geheimdienstunterstützung der Regierung im Bürgerkrieg (1980er)

Costa Rica
punktuelle Eingriffe/Präsenz im 19./frühen 20. Jh.;
Nutzung als Rückraum für Operationen (z.B. Nicaragua) 

Kolumbien
1840er und spätere Einsätze zum Schutz von US‑Interessen; Unterstützung bei Aufstandsbekämpfung, v.a. Plan Colombia (ab den späten 1990ern) 

Venezuela
Marinepräsenz bei Krisen im 19./frühen 20. Jh.;
seit den 2000er Jahren Versuche des Regime‑Change durch Sanktionen, verdeckte Unterstützung der Opposition, Putschversuche;
2019 Anerkennung Guaidós;
2020er Jahre verdeckter und offener Druck 

Peru 
punktuelle Einsätze im 19. Jh. zum „Schutz“ von US‑Bürgern;
im Kalten Krieg Unterstützung der Streitkräfte im Anti‑Kommunismus 

Ecuador
1960er–1980er verdeckte CIA‑Aktivitäten gegen linke Kräfte;
zeitweise Nutzung von Basen 

Bolivien
1960er Unterstützung bei der Jagd auf Che Guevara;
1971 Unterstützung des Putsches gegen Torres; Einbindung in Operation Condor 

Brasilien
1964 Unterstützung des Militärputsches gegen Goulart; Mitarbeit in Operation Condor               

Chile
1891 Marineeinsatz; 1970–1973 Destabilisierung der Allende‑Regierung; 1973 Unterstützung des Pinochet‑Putsches 

Argentinien 
punktuelle Einsätze im 19. Jh. (Buenos Aires 1833, 1850er); in den 1970er Jahren enge Kooperation mit der Militärjunta in Operation Condor 

Uruguay
19. Jh. Schutzlandungen;
1970er Einbindung in Operation Condor 

Paraguay
20. Jh. Militärhilfe; 1970er Condor‑Partnerregime 

Grenada 
1983 Invasion „Urgent Fury“ 

Jamaika 
Kalter Krieg: politische Einflussnahme und verdeckte Aktivitäten gegen links orientierte Regierungen 

Guyana 
1960er Unterstützung der Destabilisierung von Cheddi Jagan und Förderung eines freundlicheren Regimes 

Suriname
1980er Einflussversuche und Kontakte zu Anti‑Bouterse‑Kräften 

Ein eindrucksvolles Zeugnis über die kriminellen Machenschaften der USA in dieser Region legte der zweimal mit der Medal of Honor ausgezeichnete Generalmajor beim United States Marine Corps, Smedley Darlington Butler (1881-1940), ab: 

"lch war 33 Jahre und vier Monate im aktiven Militärdienst, und damals habe ich die meiste Zeit als hochgradiger Schläger für Großkonzerne, für die Wall Street und ihre Banker verbracht. Kurz gesagt, ich war ein Gauner, ein Gangster für den Kapitalismus. 1914 habe ich Mexiko und speziell Tampico für die amerikanischen Ölinteressen gesichert. ich habe aus Haiti und Kuba einen schönen Ort für die Jungs von der National City Bank gemacht, damit sie die Einnahmen kassieren konnten. Ich habe dabei geholfen, ein halbes Dutzend zentralamerikanische Republiken zum Vorteil der Wall Street zu vergewaltigen. Von 1902 bis 1912 habe ich Nicaragua für das Internationale Bankhaus Brown Brothers gesäubert. 1916 habe ich Licht in die Dominikanische Republik für die Zuckerinteressen gebracht. 1903 habe ich geholfen, Honduras reif zu machen für die amerikanischen Früchtekonzerne. 1927 habe ich in China dafür gesorgt, dass Standard Oil unbehelligt blieb. Ich hatte AI Capone einige Tipps geben können. Das Beste, was er erreichte, war in drei Distrikten (von Chicago) mit seiner Gaunerei zu operieren. Ich operierte auf drei Kontinenten." (23)

Es ist von jeher ein schmutziges Besteck, mit dem Washington operiert.

Als am 11. April 2002 die venezolanische Opposition zum Präsidentenpalast Miraflores marschierte, waren dort bereits tausende Anhänger von Präsident Hugo Chávez versammelt, um den sozialistischen Präsidenten zu verteidigen. Heckenschützen eröffneten das Feuer auf die Menge vor dem Präsidentenpalast, woraufhin bewaffnete Chávez-Anhänger zurückschossen. Die inszenierte Schießerei lieferte den Putschisten den entscheidenden Vorwand zum Eingreifen. (24)

Die Opposition machte Hugo Chávez für die Toten der Scharfschützen verantwortlich und rechtfertigte damit den nachfolgenden Putsch.

Am frühen Morgen des 12. April 2002 begab sich Chávez in die Hände der Putschisten. Washingtons Günstling Pedro Carmona, Chef des Unternehmerverbandes, wurde umgehend als neuer Präsident vereidigt.

Der Putsch scheiterte jedoch nach nur zwei Tagen, da Millionen im ganzen Land demonstrierten und Zehntausende in die Hauptstadt kamen, um den Palast zu belagern und die Rückkehr des gewählten Präsidenten zu fordern. Die Palastwache setzte die Putschisten fest, und am 13. April 2002 wurde Chávez aus der Militärhaft befreit und wieder ins Präsidentenamt eingesetzt.

Parallelen zum Putsch auf dem Maidan in Kiew im Februar 2014 drängen sich auf.

Am 7. Januar 2026 schrieb US-Verteidigungsminister Pete Hegseth auf X: „The blockade of sanctioned and illicit Venezuelan oil remains in FULL EFFECT – anywhere in the world“.

Damit erklären die USA nicht nur Lateinamerika zu ihrem Eigentum, sondern gleich die ganze Welt: US-Exzeptionalimus pur!

Es gibt kein "sanktioniertes und illegales venezolanisches Öl". Diese Entscheidung könnte nur der UN-Sicherheitsrat treffen – derartige Beschlüsse liegen jedoch nicht vor. 

Foreignaffairs-Autor Brian Winter hat in seinem am 26. Dezember veröffentlichen Artikel "Latin America’s Revolution of the Right The Forces Remaking the Region in the Age of Trump" (für die Magazin-Ausgabe Januar/Februar) die kommende Entwicklung bereits angedeutet:

Von seinem Einzug in Havanna 1959 bis zu seinem Tod 2016 habe der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro die lateinamerikanische Politik wie kein Zweiter geprägt. Mit seiner markanten Uniform, Cohiba-Zigarren und endlosen Anti-US-Reden habe er Revolutionäre weltweit begeistert und seine Ideen erfolgreich an Führer wie Salvador Allende, Hugo Chávez oder Yasser Arafat exportiert.

Heute würden zwei rechte Populisten die globale Bühne Lateinamerikas dominieren: Argentiniens „Anarcho-Kapitalist“ Javier Milei mit seiner Motorsäge gegen den Staatsapparat und der bärtige Millennial Nayib Bukele aus El Salvador, dessen Banden-Bekämpfung ihm Kultstatus einbringt. Mileis Slogan „¡Viva la libertad, carajo!“ ziert US-College-Shirts, Bukeles TikTok-Fanklub umfasst über 11 Millionen Follower – mehr als bei fast jedem anderen Staatschef. (25)

Milei traf als erster Staatschef den wiedergewählten Trump 2024 in Mar-a-Lago, erhielt ein 20-Milliarden-Hilfspaket und senkte Argentiniens Inflation von über 200 auf rund 30 Prozent bis Ende 2025 – ein Vorbild für Europas Rechte wie Giorgia Meloni oder Kemi Badenoch sowie Tech-Milliardäre wie Elon Musk. Bukeles strikte Härte gegen Banden machte El Salvador sicherer als Kanada, mit 81 Prozent Zustimmung sogar in Chile.

Winter sieht eine konservative Welle durch Lateinamerika rollen: Daniel Noboa siegte 2025 in Ecuador, Mileis Partei feierte Midterm-Erfolge, Bolivien brach mit 20 Jahren Sozialismus. Rechte führen Umfragen in Costa Rica, Peru, Brasilien und Kolumbien an – getrieben von Kriminalitätsfrust (30 Prozent aller globalen Morde trotz 8 Prozent Weltbevölkerung), Evangelikalen-Zuwachs und dem Scheitern linker Modelle wie in Venezuela. (26)

Die Monroe-Doktrin 2.0 unter Trump belohnt Pro-USA-Führer mit Hilfe und bestraft Gegner mit Sanktionen; die Kriminalität durch die explodierende Kokainproduktion (verdreifacht in 10 Jahren) und neue Schmuggelrouten treibt die Rechte voran, die nun ihr Diktaturstigma abgeschüttelt hat. Folgen:

Investitionen (z. B. 25 Milliarden Dollar AI in Argentinien), Abkehr von China, weniger Klimafokus und härtere Migrationspolitik. (27) 

Das "exorbitante Privileg" des Dollars sichert den USA Wohlstand und das Überleben als Weltmacht 

Nach dem Ende der Goldkonvertibilität des US-Dollars 1971 vereinbarten die USA 1972/73 mit Saudi-Arabien, dass saudi-arabisches Öl nur in US-Dollar fakturiert wird. Im Gegenzug für militärische und politische Unterstützung sicherte Saudi-Arabien den USA zu, ihre "Petrodollars" in US-Anleihen zu recyceln. Von diesem Zeitpunkt an mussten alle Länder große Reserven der US-Währung halten, um ihre Energierechnung zu begleichen – der Dollar war nun nicht mehr durch Gold, sondern durch "schwarzes Gold" gedeckt. Erdöl wird immer noch weltweit fast ausschließlich in Dollar gehandelt, wodurch Ölexportländer erhebliche Dollarerlöse erzielen und diese vielfach in Dollar-Anlagen reinvestieren, was die globale Nachfrage nach US-Dollar zusätzlich steigert.

Der französische Finanzminister und spätere Präsident Valéry Giscard d'Estaing prägte den Begriff des "exorbitanten Privilegs"; er beschreibt die Sonderstellung, die die USA durch den Dollar als dominante internationale Reservewährung genießen. Dieses Privileg erlaubt es den USA, ihre notorischen Handelsbilanzdefizite ohne Gefahr für ihre Leistungsbilanz allein durch das Drucken von Dollars auszugleichen, die direkt dem Defizitausgleich dienen, ohne in andere Währungen getauscht werden zu müssen. Faktisch ermöglicht dies den USA, zumindest Teile ihres Wohlstands auf Kosten des Auslands aufrechtzuerhalten. (28) 

Am 4. Oktober 2009 berichtete der Journalist Robert Fisk in der britischen Tageszeitung The Independent unter dem Titel "The Demise of the Dollar" über geheime Pläne arabischer Staaten, Chinas, Russlands, Japans und Frankreichs, den US-Dollar als Währung für den Ölhandel aufzugeben. Laut dem Bericht sollte der Dollar als Zahlungsmittel im Rohölhandel durch einen Währungskorb aus dem chinesischen Yuan, dem Euro, dem japanischen Yen, einer neuen Gemeinschaftswährung der Golfstaaten und Gold abgelöst werden. Laut Fisk waren neun Jahre für den Übergang vorgesehen, und die Finanzminister und Zentralbankgouverneure Russlands, Chinas, Japans und Brasiliens hätten bereits geheime Treffen abgehalten, um das System auszuarbeiten. (29)

Venezuelas strategische Abkehr vom Petrodollar: Auslöser von Trumps Angriff?

Venezuela hat seit 2018 eine explizite Entdollarisierung eingeleitet und wickelt Erdölexporte zunehmend in CNY, EUR oder RUB ab. Das Land intensivierte seine Finanzbeziehungen zu China, etablierte Zahlungssysteme außerhalb von SWIFT und bekundet Interesse an einem BRICS-Beitritt. Besonders brisant: China testet seinen digitalen Yuan (e-CNY) für Energiehandelstransaktionen mit Venezuela, was den Aufstieg eines "Petroyuan" begünstigt und einen direkten Währungswettbewerb zum Petrodollar schafft. 

Chinas Paukenschlag Anfang November 2025

Am 5. November 2025 platzierte das chinesische Finanzministerium in Hongkong US‑Dollar‑Staatsanleihen im Volumen von 4 Milliarden Dollar. Für viele Beobachter ist das ein symbolischer Marker dafür, wie stark China trotz politischer Spannungen und konjunktureller Probleme im globalen Finanzsystem verankert bleibt. (30)

Emittiert wurden zwei Tranchen: jeweils 2 Milliarden Dollar mit Laufzeiten von 3 bzw. 5 Jahren; die Kupons lagen grob im Bereich von 3,65 bis 3,8 Prozent, zum Teil nur mit minimalem Aufschlag auf US‑Treasuries.

Die Orderbücher summierten sich auf etwa 118 Milliarden Dollar, also fast 30‑fache Überzeichnung; beteiligt waren mehr als 1.000 Investoren, darunter Zentralbanken, Staatsfonds, Versicherer sowie vor allem asiatische, daneben europäische und einige US‑Investoren.

Die hohe Nachfrage wirkt wie ein Vertrauensvotum: Trotz US‑China‑Konflikt, Handels‑ und Technologiesanktionen signalisiert der Markt Bereitschaft, chinesischen Staatsrisiken in Dollar große Volumina anzuvertrauen.

Zugleich unterstreicht der Vorgang, dass China noch weit davon entfernt ist, sich vom Dollar‑Raum zu lösen: Souveräne Dollar‑Emissionen verfestigen die Einbindung in das bestehende Finanzregime, auch wenn Peking parallel Renminbi‑Internationalisierung und Alternativstrukturen (CIPS, bilaterale Abkommen) vorantreibt.

Diese Anleiheemission lässt sich als Knotenpunkt lesen, an dem sich Chinas innere Strukturprobleme, die globale Dollarordnung und die US‑Strategie der „Economic Fortress“ („Wirtschaftsfestung“) überkreuzen. Mit diesem Begriff wird eine Strategie beschrieben, bei der ein Land seine Wirtschaft so ausrichtet, dass sie möglichst unabhängig von ausländischen Märkten, Finanzströmen und geopolitischer Einflussnahme ist – ähnlich wie eine Festung, die von außen schwer angreifbar ist. Die chinesische Anleiheemission eignet sich deshalb hervorragend als Moment, in dem alles begann – nicht, weil sie die Ursachen schafft, sondern weil sie sie sichtbar macht.

Die 30‑fache Überzeichnung zeigt, dass globale Investoren das chinesische Ausfallrisiko in der Leitwährung Dollar weiterhin als gering einschätzen – und damit das bestehende System stabilisieren, das politisch längst in Frage steht.

Die Renditen liegen nur leicht über US‑Treasuries, doch genau dieser kleine Mehrertrag genügt, um Zentralbanken, Staatsfonds und Versicherer in großem Stil anzuziehen.

Parallel verfolgt Washington eine Doppelstrategie: technologische und rechtliche Abriegelung gegenüber China (Kontrollen, Zölle, Sanktionsdrohungen), aber keine harte finanzielle Trennung, solange der Dollar‑Kreis davon profitiert.

In diesem Licht wird die Emission zum Testfall: Sie zeigt, wie weit die Entkopplungsrhetorik von der Finanzpraxis entfernt ist – und wie groß der spätere Schock wäre, falls ein echter Bruch erzwungen würde.

Während China sichtbar in eine Phase niedriger, fragil balancierter Expansion eintritt, riegelt sich der Westen politisch ab – und die Märkte tun so, als könne alles ewig weitergehen.

In diesem Sinne beginnt „alles“ nicht, weil am 5. November 2025 etwas explodierte, sondern weil zum letzten Mal in einer einzigen Transaktion so klar sichtbar wird, wie das alte System funktioniert – und warum es später zusammenbrechen muss. (31)

Die jüngsten Ereignisse in Venezuela markieren einen kritischen Wendepunkt im globalen Kampf um die Vorherrschaft des US-Dollars als Reservewährung. Die US-Militäroperation gegen Nicolás Maduro wird zunehmend als Versuch interpretiert, das seit einem halben Jahrhundert bestehende Petrodollar-System gegen aufkommende Alternativen zu verteidigen.

Der Militärschlag der USA auf Venezuela und die Entführung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores ist nicht nur eine Rückkehr zu Theodore Roosevelts „Kanonenbootdiplomatie“ und Großmachpolitik. Es geht auch nicht nur um den Diebstahl von Venezuelas Öl. Es geht darüber hinaus um die ausdrückliche Drohung, Mexiko, Kolumbien, Kuba, Brasilien, den Iran – und viele andere Länder – ebenso zu attackieren, wenn sie sich nicht der Wall Street und der City of London unterwerfen.

Die Ereignisse in Venezuela müssen im Zusammenhang mit dem 5. November 2025 gesehen werden, als das chinesische Finanzministerium in Hongkong US‑Dollar‑Staatsanleihen in Höhe von 4 Milliarden US-Dollar platzierte. Auch der massierte Drohnenangriff am 29. Dezember 2025 (Selensky führte in den USA Friedensgespräche mit Trump) auf die sensible Waldai-Region (Atomkontrollzentrum und Putin-Palast) sollte in diesem Zusammenhang gesehen werden.

Diese Ereignisse zusammengenommen markieren einen dramatischen Phasenwechsel in der globalen strategischen Situation: den Plan, die Ära des Völkerrechts, der Achtung der nationalen Souveränität und der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten sowie der in der UN-Charta niedergelegten Grundsätze abrupt zu beenden. Die Welt soll vollends in eine Ära der Bestialität absinken, in Thomas Hobbes' „Krieg eines jeden gegen jeden“, in dem ein globaler „Leviathan“ seinen Willen durchsetzt – um das bankrotte transatlantische System zu erhalten, dessen 2 Billiarden Dollar schwere Spekulationsblase zu platzen droht.

Nachdem Venezuela mit den USA eine positive Zusammenarbeit in der Öl- und Gasinfrastruktur und die Freilassung politischer Gefangener angekündigt hat, will Trump vorerst auf einen zweiten Angriff verzichten. 

Folgen Sie der Spur des Geldes 

Die vorgeschützten Rechtfertigungen, man verteidige hier demokratische Werte und Menschenrechte, dienen und dienten immer dazu, völkerrechtswidrige Angriffe zu bemänteln, häufig im Interesse des US-militärisch-industriellen-Komplexes.

Wenn Sie das nächste Mal von der US-Außenpolitik in Venezuela hören, folgen Sie dem Geld, dem Öl, der Währung, die verwendet wird, um das Öl zu bewerten. Und folgen Sie dem aufstrebenden Netzwerk von Nationen, die eine Alternative zu dem System aufbauen, das Amerika seit fünfundsiebzig Jahren dominiert.

Chinas 4-Milliarden-Dollar-Anleihe, die um den Faktor dreißig überzeichnet wurde, kündigte der Welt an, dass die Ausgangstür vom Dollarsystem nicht nur unverschlossen, sondern weit offen ist und die Aussicht nach außen immer attraktiver wird. Venezuela ist durch diese Tür gegangen. 

Eisenhowers Warnung ist aktueller denn je 

US-Präsident Dwight D. Eisenhower warnte in seiner Abschiedsrede am 17. Januar 1961:

"Wir in den Institutionen der Regierung müssen uns vor unbefugtem Einfluss, beabsichtigt oder unbeabsichtigt, durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potenzial für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, dass die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidigungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so dass Sicherheit und Freiheit zusammenwachsen und gedeihen können." (32)

Anmerkungen und Quellen 

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022)

1) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/rodriguez-vereidigt-100.html

2) https://www.stern.de/politik/ausland/us-angriff-auf-venezuela-live--delcy-rodr%C3%ADguez-als-geschaeftsfuehrende-praesidentin-vereidigt-37007346.html

3) https://www.watson.ch/international/liveticker/563936255-venezuela-ticker-rodriguez-als-geschaeftsfuehrende-praesidentin-vereidigt

4) https://www.bbc.com/news/articles/cj9r0eyw0jno

5) https://www.nytimes.com/2026/01/03/world/americas/venezuela-maduro-capture-trump.html

6) https://www.deutschlandfunk.de/rodr-guez-legt-amtseid-ab-trump-geht-nicht-von-schneller-neuwahl-aus-102.html

7) https://xpert.digital/venezuelas-oelressourcen/

8) https://www.zdfheute.de/politik/ausland/venezuela-usa-konfliktpunkte-100.html

9) https://www.boerse-am-sonntag.de/rohstoffe/venezuela-oel-trump-wagnis

10) https://de.marketscreener.com/boerse-nachrichten/us-venezuela-oel-deal-veraergert-china-und-drueckt-die-preise-ce7e59dcdb8df127

11) https://www.stern.de/wirtschaft/news/oelpreise--schlafender-riese--venezuelas-rolle-im-oelgeschaeft-37010158.html

12) https://www.spiegel.de/ausland/venezuela-donald-trump-droht-kolumbien-kuba-beklagt-32-tote-in-caracas-a-0b05487e-2eb7-467f-83c7-80efdd850ec1

13) https://www.n-tv.de/politik/Trump-droht-Kolumbien-mit-Angriffen-id30098916.html

14) https://www.dw.com/de/ukraine-russland-witkoff-putin-trump-drohung-kolumbien-honduras-hongkong-ueberflutungen-sumatra/a-74993427

15) https://de.cibercuba.com/noticias/2026-01-04-u1-e208933-s27061-nid317847-liberacion-cuba-esta-cerca-dice-senador-republicano

16) https://www.spiegel.de/ausland/venezuela-donald-trump-droht-kolumbien-kuba-beklagt-32-tote-in-caracas-a-0b05487e-2eb7-467f-83c7-80efdd850ec1

17) https://de1.warbletoncouncil.org/doctrina-monroe-8484

18) https://www.handelsblatt.com/politik/international/geopolitik-monroe-doktrin-20-trumps-kampf-um-lateinamerika/100149431.html

19) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/lateinamerika-monroe-neuauflage-100.html

20) https://ladw.de/latin-america-brief/trump-bescherte-lateinamerika-eine-kehrtwende-in-der-aussenpolitik-der-usa/

21) https://www.n-tv.de/politik/Die-USA-sind-zu-spaet-dran-id30190934.html

22) https://library.fes.de/pdf-files/iez/14380.pdf

23) Zitiert nach Wolfgang Effenberger: Europas Verhängnis 14/18 Die Herren des Geldes greifen zur Weltmacht. Höhr-Grenzhausen 2018, S. 4

24) https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-hugo-chavez-venezuela-100.html

25) https://www.foreignaffairs.com/south-america/revolution-right-brian-winter?check_logged_in=1&utm_medium=promo_email&utm_source=lo_flows&utm_campaign=article_link&utm_term=article_email&utm_content=20260107

26) Ebda.

27) Ebda.

28) https://www.wiwo.de/politik/deutschland/wiwo-history-das-exorbitante-privileg-des-us-dollars/29164138.html

29) https://de.wikipedia.org/wiki/Petrodollar

30) https://www.china-briefing.com/news/chinas-economy-in-november-2025-year-end-review-and-2026-outlook/

31) Bridges Street Finanzanalyse. (Dezember 2025). "Chinas Ausgabe von USD-Anleihen: Ein strategisches Spiel für die Internationalisierung von RMB." https://bridgesstreet.com/articles-dec1-2025

32) https://de.hisour.com/die-Datenerfassung/eisenhowers_farewell_address-2/

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Hugo Chavez (1999–2013 62. Staatspräsident Venezuelas)
Bildquelle: Harold Escalona / shutterstock

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„Mit Mexiko muss etwas unternommen werden“

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Der Überfall auf Venezuela, das erst einmal annektiert und von Washington regiert werden soll, ist vermutlich nur der erste Schritt zu weiteren Angriffen und Bedrohungen in Lateinamerika und anderswo.

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