Die US-Hegemonie bröckelt, der Widerstand wächst. Multipolarität ist keine Vision mehr – sie ist Realität. Europa zögert, der Globale Süden handelt.
Der Beitrag Die USA kämpfen gegen ihren Abstieg – aber multipolare Ordnung ist die Zukunft erschien zuerst auf .
Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien umfasst nicht nur den Waren- und Dienstleistungsverkehr. Brüssel öffnet auch die Migrationsschleusen zum bevölkerungsreichsten Land der Erde. Was soll da schon schiefgehen?
Brüssel feiert sich selbst. Ein “historischer Meilenstein”, ein “Moment der Stärke”, ein weiterer Beweis europäischer Handlungsfähigkeit in einer angeblich rauer werdenden Welt. So verkauft die EU ihr neues Freihandelsabkommen mit Indien. Doch was man den Europäern nicht sagt, ist ein anderer – wichtiger – Teil dieses Vertragswerks: eine faktisch unbegrenzte Mobilitätszusage für indische Studenten und Fachkräfte. Während von Zöllen, Lieferketten und Nachhaltigkeit geredet wird, öffnet sich im Hintergrund eine der größten legalen Einwanderungsschleusen, die die EU je vertraglich fixiert hat.
Offiziell geht es um Handel. Mehr als 90 Prozent der Waren sollen zollvergünstigt werden, Dienstleistungen liberalisiert, Investitionen geschützt. In der Brüsseler Erzählung ist das Abkommen ein ökonomischer Gegenpol zu den USA, die sich zunehmend vom Globalismus verabschieden. Doch für Indien ist das Herzstück ein anderes. Denn für Neu-Delhi ist die grenzenlose Mobilität das Nonplusultra.
Indische Regierungsvertreter und Medien feiern vor allem eine Zusage, die in Europa kaum diskutiert wird: „uncapped mobility“ für indische Studenten. Unbegrenzter Zugang zu Studium, Forschung und potenziell zum Arbeitsmarkt in allen 27 EU-Staaten. Keine Kontingente, keine nationale Begrenzung, kein politisches Feilschen über Zahlen. Wer studiert, darf kommen und wohl auch bleiben.
Premierminister Narendra Modi formulierte es beim Gipfel in Neu-Delhi auffallend offen. Das Abkommen öffne “neue Wege für unsere Jugend und qualifizierte Fachkräfte”. Kein Wort über die Aufnahmefähigkeit Europas und auch nicht über die soziale oder kulturelle Integration. Der alte Spruch von “Inder statt Kinder” gewinnt wieder an Aktualität.
Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die institutionelle Verankerung dieses Ansatzes. Mit dem geplanten “European Legal Gateway Office” in Indien entsteht erstmals eine zentrale EU-Anlaufstelle, die legale Wege nach Europa aktiv erklärt, begleitet und strukturiert. Eine Art Vorfeld-Einwanderungsagentur, zunächst für IT und Technologie, perspektivisch offen erweiterbar.
Europa, welches schon jetzt große Probleme durch die Massenzuwanderung hat, soll damit noch weiter “bereichert” werden. Und was man nicht vergessen darf: Indien ist nicht nur mittlerweile das bevölkerungsreichste Land der Welt, es hat auch nach Indonesien und Pakistan zahlenmäßig die meisten Moslems – rund 200 Millionen.
Während Brüssel vom “größten Handelsabkommen der Geschichte” schwärmt und in Pressekonferenzen von einer Partnerschaft auf Augenhöhe fabuliert, sieht die Realität doch etwas anders aus. Der neue Indien-EU-Deal ist kein strategischer Meilenstein, sondern ein weiteres Kapitel europäischer Selbstüberschätzung und Eigensabotage.
Handelsabkommen an sich sind keine schlechte Sache. Zumindest dann, wenn alle beteiligten Länder davon auch tatsächlich profitieren, weil sie sich ergänzen. Doch im Falle des Abkommens zwischen der Europäischen Union und Indien existieren enorme Ungleichgewichte – zulasten der Europäer. Brüssel öffnet die Märkte, senkt die Schranken und feiert sich für seine Weltoffenheit, während Neu-Delhi knallhart die eigenen nationalen Interessen durchsetzt.
Der symbolische Moment, als EU-Ratspräsident António Costa vor laufenden Kameras seinen indischen Overseas-Pass zückte, mag emotional gemeint gewesen sein. Politisch war er entlarvend. Persönliche Verbundenheit ersetzt keine nüchterne Interessenanalyse. Und genau diese fehlt der EU einmal mehr.
In Brüssel glaubt man noch immer an den Mythos, dass Freihandel automatisch Wohlstand für alle erzeugt. Indien glaubt daran nicht – und hat damit recht. Neu-Delhi verfolgt seit Jahren eine konsequente nationale Industriepolitik, schützt Schlüsselbranchen, subventioniert strategisch und nutzt Handelsabkommen gezielt als Hebel zur eigenen Entwicklung. Europa hingegen liefert sich selbst aus und stranguliert seine Industrie mit Klimaauflagen, Lieferkettengesetzen und Bürokratie. Das Ergebnis ist absehbar. Arbeitsintensive Industrien geraten unter Druck, Produktionsverlagerungen nehmen zu, mittelständische Betriebe verlieren Marktanteile. Gewinner sind wenige exportstarke Großkonzerne, Verlierer die industrielle Substanz Europas.
Für Indien ist das Abkommen ein Geschenk. Zugang zu einem der größten kaufkräftigen Binnenmärkte der Welt, Technologietransfer, Investitionen und politische Aufwertung – ohne nennenswerte Gegenleistungen. Neu-Delhi bindet Europa wirtschaftlich, ohne sich außenpolitisch festzulegen. Russland bleibt Partner, China bleibt Rivale und Geschäftspartner zugleich.
Besonders pikant ist die geopolitische Rolle, die Brüssel Indien zuschreibt. Nach dem politisch motivierten Bruch mit Russland und der wachsenden Abhängigkeit von China sucht die EU verzweifelt nach einem Ersatz. Indien soll Rohstoffe, Energie und Stabilität liefern. Doch für Neu-Delhi geht es hierbei vor allem um Machtzuwachs.
Der “Markt der zwei Milliarden Menschen” wird dadurch zu einer Farce. Zumindest für die Europäer. Kaufkraft, Infrastruktur und Marktbedingungen sind nicht vergleichbar. Während europäische Unternehmen in Indien auf Bürokratie, lokale Vorschriften und politischen Protektionismus stoßen, öffnet Europa seinen Markt weitgehend bedingungslos.
Der Indien-EU-Deal ist keine “Mutter aller Abkommen”. Er ist die Mutter aller Illusionen. Und António Costas Passmoment war weniger Brückenschlag als Symbol dafür, wie sehr persönliche Narrative und eine emotionalisierte Politik inzwischen eine harte europäische Interessenanalyse ersetzen.

Aus dem Klappentext:
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Nach knapp 20 Jahren Verhandlungen ist ein Abschluß in Sicht: Vertreter der EU und Indiens haben in den Gesprächen zu einem gemeinsamen Handelsabkommen eine Einigung erzielen können. Obwohl noch nichts unterzeichnet ist, kommen bereits positive Rückmeldungen aus Politik und Wirtschaft.
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Die Rekordfahrt eines chinesischen Containerschiffs durch die Arktis könnte den Welthandel revolutionieren. Welche Pläne verfolgt China dabei, wie reagieren die USA – und was bedeutet das für Europa?
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Ein Standpunkt von Uwe Froschauer.
Während der Krieg in der Ukraine bereits die Grundfesten der internationalen Nachkriegsordnung erschüttert, mehren sich weltweit die Anzeichen für eine Rückkehr klassischer Machtpolitik. Die Ordnung, die nach 1945 auf Prinzipien wie staatlicher Souveränität, territorialer Unverletzlichkeit und multilateraler Konfliktlösung beruhte, gerät zunehmend unter Druck. In dieses Klima geopolitischer Instabilität stößt die US-Regierung unter Präsident Donald Trump mit einer Politik, die weniger auf Regeln als auf Durchsetzung setzt – militärisch, ökonomisch und rhetorisch.
Die jüngsten Ereignisse in Venezuela, der eskalierende Streit um Grönland und Trumps aggressive Zollpolitik gegenüber europäischen Staaten zeichnen das Bild eines neuen amerikanischen Imperialismus: nicht mehr in Form klassischer Kolonialverwaltung, sondern als Kombination aus wirtschaftlichem Zwang, militärischer Präsenz und strategischer Einflussnahme.
Venezuela: Öl als geopolitische Beute
Anfang Januar 2026 führten die USA militärische Operationen in Venezuela durch. Präsident Nicolás Maduro wurde festgesetzt und außer Landes gebracht. Offiziell sprach Washington von einer „Übergangsphase zur Stabilisierung des Landes“. Trump selbst erklärte, die USA würden Venezuela „so lange führen, bis Ordnung und Vernunft hergestellt seien“.
Venezuela besitzt nach Angaben der OPEC mit rund 303 Milliarden Barrel die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Öl macht über 90 % der venezolanischen Exporterlöse aus. Die politische Kontrolle über Caracas bedeutet damit direkten Zugriff auf einen der strategisch wichtigsten Energiestandorte des Planeten.
Historisch erinnert dieses Vorgehen an die Logik kolonialer Rohstoffpolitik: Auch europäische Imperien des 19. Jahrhunderts rechtfertigten ihre Interventionen in Afrika und Asien mit dem Versprechen von Ordnung, Fortschritt und Stabilität, während sie faktisch Handelswege, Arbeitskräfte und Ressourcen unter ihre Kontrolle brachten. Besonders das britische Empire perfektionierte diese Form indirekter Herrschaft. London regierte weite Teile seines Weltreiches nicht primär durch formale Annexion, sondern durch wirtschaftliche Abhängigkeiten, militärische Präsenz und lokale Eliten, die britische Interessen absicherten.
In Indien etwa zerstörte die britische Kolonialverwaltung gezielt die einheimische Textilproduktion, um den Absatz britischer Industriewaren zu sichern. Millionen Menschen wurden in ein System eingebunden, das Rohstoffe lieferte und Fertigwaren importierte. In Afrika sicherte sich Großbritannien strategische Routen – vom Suezkanal bis zum Kap der Guten Hoffnung – weniger aus kulturellem Sendungsbewusstsein als aus nüchterner Kalkulation: Kontrolle über Transportwege bedeutete Kontrolle über Märkte. Koloniale Gewalt wurde dabei regelmäßig als notwendige Maßnahme zur „Befriedung“ verkauft.
Der britische Ökonom John Hobson beschrieb Imperialismus bereits 1902 als
„die Suche nach neuen Absatzmärkten und Rohstoffquellen unter militärischem Schutz“.
Diese Diagnose zielte direkt auf das britische Weltreich: auf einen Staat, der politische Expansion betrieb, um wirtschaftliche Überproduktion zu kanalisieren und Investitionen abzusichern. Was damals Flaggen, Handelskompanien und Kolonialverwaltungen leisteten, übernehmen heute Sanktionen, Militärbasen und internationale Abkommen. Die Form hat sich verändert – die Logik nicht.
So wie das Empire einst unter dem Banner von Zivilisation und Ordnung Rohstoffräume erschloss, legitimieren moderne Großmächte ihre Eingriffe mit Sicherheitsargumenten und Stabilitätsversprechen. Der Zugriff auf Öl, seltene Erden oder strategische Territorien folgt dabei einem bekannten Muster: Wer die Ressourcen kontrolliert, kontrolliert den Handlungsspielraum der anderen. Der britische Imperialismus war das historische Lehrstück dieser Strategie – der heutige Imperialismus ist ihre aktualisierte Version.
Grönland: Geopolitik unter dem Polarkreis
Parallel zur Eskalation in Lateinamerika verschärfte sich der transatlantische Konflikt um Grönland. Die USA begründen ihr Interesse offiziell mit nationaler Sicherheit und der wachsenden Bedeutung der Arktis. Tatsächlich geht es insbesondere um seltene Erden, Uran und neue Schifffahrtsrouten.
Schätzungen des US-Geological Survey zufolge liegen rund 13 % der unentdeckten globalen Öl- und 30 % der Gasreserven in der Arktis. Grönland ist damit ein geopolitischer Schlüsselraum des 21. Jahrhunderts.
Als Dänemark und mehrere EU-Staaten Trumps Kauf- und Kontrollfantasien zurückwiesen, griff der Präsident zu einem altbekannten Instrument: ökonomische Einschüchterung. Er drohte mit Zöllen von bis zu 25 % auf europäische Waren – ein Schritt, der laut WTO-Ökonomen einem Handelskrieg gleichgekommen wäre.
Nach Gesprächen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Davos zog Trump die Zolldrohung zurück. Offiziell war von einer „Kooperationsperspektive“ die Rede. De facto hatte sich Europa zu erweiterten sicherheitspolitischen Zugeständnissen in der Arktis bereit erklärt. Trumps Verhandlungsmotto scheint sich bestätigt zu haben: maximale Forderung, um begrenzte, aber strategische Gewinne zu erzielen. Verlange 1000 Prozent, um 100 zu bekommen. Die EU betreffend ist diese Vorgehensweise Trumps bisher hundertprozentig erfolgreich. Das liegt meines Erachtens vornehmlich daran, dass die EU sowie die meisten Mitgliedsstaaten von mental und charakterlich fragwürdigen Politikern geführt werden.
Rohstoffe statt Fahnen: Moderner Kolonialismus
Der klassische Kolonialismus Europas beruhte auf territorialer Herrschaft. Der heutige US-Imperialismus funktioniert subtiler: Er operiert über Militärbasen, Handelsabkommen, Schulden, Sanktionen und politische Abhängigkeiten.
Die USA unterhalten weltweit rund 750 Militärstützpunkte in über 80 Ländern – mehr als alle anderen Staaten zusammen. Gleichzeitig kontrollieren amerikanische Konzerne große Teile der globalen Energie- und Rüstungsmärkte. Laut SIPRI entfielen 2024 42 % des weltweiten Waffenexports auf US-Firmen.
Politikwissenschaftler Michael Hardt beschreibt diese Entwicklung als „Empire ohne Kolonien“: Herrschaft ohne formelle Besetzung, aber mit faktischer Steuerung politischer und wirtschaftlicher Prozesse. Der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Alfred de Zayas warnte bereits, Sanktionen seien „moderne Belagerungen“, die ganze Gesellschaften treffen.
Nigeria und Iran stehen exemplarisch für diese Strategie
Beide Länder verfügen über enorme Öl- und Gasvorkommen, sind aber seit Jahren Ziel ökonomischer und politischer Druckmittel, die weit über klassische diplomatische Einflussnahme hinausgehen.
Nigeria ist Afrikas größter Erdölproduzent und zählt zu den bedeutendsten Exporteuren des Kontinents. Nach Schätzungen des OPEC-Jahresberichts verfügt das Land über rund 37,5 Milliarden Barrel nachgewiesene Rohölreserven – ein Maßstab, der Nigeria strategisch relevant für globale Märkte macht. Zusätzlich besitzt es etwa 211 Trillionen Kubikfuß (Tcf) an natürlichen Gasreserven, die zu den größten Kontingenten des afrikanischen Raums gehören.
Trotz dieser Ressourcen bleibt Nigerias Ölwirtschaft volatil und politisch sensibel: Die Produktion liegt bei rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag, was unter dem Kapazitätsniveau des Landes von vor einem Jahrzehnt bleibt, und der Energiesektor trägt über 90 % der Exporterlöse, mehr als 40 % der Staatsfinanzen und knapp 5 % des BIP bei.
Nigeria ist dabei nicht frei von internationalem Einfluss: Investitionsentscheidungen multinationaler Konzerne und strategische Allianzen – etwa Beteiligungen großer Energieunternehmen an Explorations- und Förderlizenzen – bestimmen nicht nur das wirtschaftliche Potenzial, sondern auch politische Spielräume.
Im Iran ist die Rolle von Öl und Gas noch zentraler: Das Land verfügt laut Enerdata-Analyse über die zweitgrößten nachgewiesenen Erdgasreserven der Welt und die drittgrößten Ölreserven, mit geschätzten 28 Milliarden Tonnen Rohöl – ein Volumen, das theoretisch Jahrzehnte hohe Förderquoten erlauben würde.
Doch genau hier setzt ein entscheidender Aspekt der US-Strategie an: Sanktionen gegen den iranischen Energiesektor haben über Jahre die Exportfähigkeit des Landes eingeschränkt und seine Wirtschaft massiv belastet. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Zugang zu globalen Finanz- und Handelsnetzwerken zu blockieren und Einnahmen aus Ölverkäufen zu kappen – der wichtigste Devisenbringer für die iranische Staatskasse.
Die Folgen sind gravierend: Der Iran musste trotz eigener Ressourcen zunehmende Mengen an Benzin importieren, weil sein Raffinerienetz unzureichend modernisiert wurde und die Finanzsanktionen Investitionen behinderten – ein Paradox, in dem ein rohstoffreiches Land zu Importen gezwungen wird.
Diese Beispiele zeigen, wie geopolitischer Druck ökonomisch kanalisiert wird: In Nigeria diktieren internationale Marktinteressen und Investitionsströme maßgeblich die Entwicklung des Energiesektors. Im Iran sind es Sanktionen und politische Isolation, die das Potenzial des Landes faktisch drosseln. In beiden Fällen wird die Kontrolle über Ressourcen und ihre wirtschaftliche Nutzung zum Hebel strategischer Einflussnahme – ein Muster, das über rein diplomatische Konfliktlinien hinausgeht und die strukturellen Machtasymmetrien im globalen System offenlegt.
Die neue Doktrin der Einschüchterung
Trump hat diese Politik rhetorisch und strategisch zugespitzt. Seine inoffizielle „Donroe-Doktrin“ – eine Mischung aus Drohung, Geschäftssprache und demonstrativer Macht – ersetzt multilaterale Diplomatie durch Erpressung auf offener Bühne. Zölle, Truppenverlegungen und öffentliche Demütigungen von Bündnispartnern gehören zum Repertoire. Was früher in diplomatischen Noten formuliert wurde, wird heute per Pressekonferenz oder Kurznachricht verkündet.
Historisch knüpft diese Haltung an die Monroe-Doktrin von 1823 an. Damals erklärten die Vereinigten Staaten Lateinamerika zur eigenen Einflusssphäre und warnten europäische Mächte vor weiterer kolonialer Expansion. Unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung etablierte sich ein Machtanspruch, der Interventionen legitimierte – vom Spanisch-Amerikanischen Krieg bis zu den verdeckten Operationen des Kalten Krieges. Die „Donroe-Doktrin“ ist die ökonomisierte Fortschreibung dieses Gedankens: Nicht mehr Kanonenboote, sondern Handelsströme und Lieferketten markieren die neuen Grenzen amerikanischer Vorherrschaft.
Während die Monroe-Doktrin noch mit dem Schutz junger Republiken begründet wurde, rechtfertigt Trump seine Politik mit nationaler Sicherheit und wirtschaftlichem Vorteil. Die Logik bleibt dieselbe: Wer den amerikanischen Interessen widerspricht, riskiert Sanktionen, Strafzölle oder militärischen Druck. Diplomatie wird nicht mehr als Ausgleich verstanden, sondern als Verhandlung unter dem Vorbehalt der Drohung.
Der Politikwissenschaftler Stephen Walt spricht in diesem Zusammenhang von einer „Rückkehr zur Einflusssphärenpolitik“. Bündnisse verlieren ihren partnerschaftlichen Charakter und werden zu Instrumenten asymmetrischer Kontrolle. Die öffentliche Inszenierung – etwa bei Gipfeltreffen oder in Davos – ist Teil der Strategie: Sie signalisiert, dass Macht nicht nur ausgeübt, sondern sichtbar gemacht werden soll.
So verwandelt sich die historische Monroe-Doktrin in eine globale Geschäftsordnung: Wo einst der amerikanische Kontinent zur Einflusszone erklärt wurde, wird nun die Welt in Interessensräume aufgeteilt. Die Donroe-Doktrin ist damit weniger eine neue Idee als die offene Wiederkehr einer alten – mit wirtschaftlichen Mitteln, aber imperialer Logik.
Der Politologe John Mearsheimer sieht darin keine Anomalie, sondern eine Rückkehr zum klassischen Realismus:
„Großmächte handeln nicht moralisch, sondern strategisch.“
Neu ist jedoch die Offenheit, mit der wirtschaftlicher Druck als geopolitische Waffe eingesetzt wird.
Europa zwischen Anpassung und Ohnmacht
Die europäische Reaktion bleibt gespalten. Während Frankreich und Spanien verstärkt eine eigenständige sicherheitspolitische und wirtschaftliche Positionierung gegenüber den USA fordern, halten andere Mitgliedstaaten an der traditionellen transatlantischen Loyalität fest. Osteuropäische Regierungen sehen in Washington weiterhin den unverzichtbaren Garanten gegen russischen Einfluss, während südeuropäische Staaten stärker auf wirtschaftliche Ausgleichspolitik setzen. Die Europäische Union wirkt in dieser Gemengelage weniger wie ein politischer Akteur als wie ein Resonanzraum nationaler Interessen.
Der Konflikt um Grönland hat dabei eine neue Qualität offenbart: Er zeigte, dass selbst enge Verbündete nicht vor Druck gefeit sind, sobald amerikanische Sicherheits- oder Wirtschaftsinteressen berührt werden. Was lange als theoretische Möglichkeit galt – dass Washington auch gegenüber Partnern mit Drohkulissen operiert – wurde zur politischen Realität. Zölle, militärische Präsenz und diplomatische Demontage erwiesen sich als Werkzeuge, die nicht zwischen Gegnern und Verbündeten unterscheiden, sondern zwischen nützlichen und hinderlichen Akteuren.
Damit stellt sich nicht nur die Frage nach Europas außenpolitischer Handlungsfähigkeit, sondern nach der Tragfähigkeit der bestehenden multilateralen Ordnung insgesamt.
Internationale Institutionen wie die WTO, die UNO oder die NATO basieren auf der Annahme, dass Macht in Regeln eingebettet bleibt. Doch wenn die stärkste Militär- und Wirtschaftsmacht der Welt diese Regeln situativ aussetzt, verlieren sie ihre bindende Wirkung.
Die entscheidende Verschiebung liegt weniger in einzelnen Maßnahmen als in der Normalisierung des Ausnahmezustands. Was früher als Bruch des diplomatischen Protokolls galt, wird zur Methode. Verhandlungen finden nicht mehr zwischen gleichberechtigten Partnern statt, sondern unter dem Vorbehalt wirtschaftlicher oder militärischer Konsequenzen.
Die Frage ist daher nicht mehr, ob diese Politik imperiale Züge trägt – sondern, wie lange internationale Institutionen ihr noch etwas entgegensetzen können, bevor sie selbst zu Kulissen eines Systems werden, in dem Stärke Recht ersetzt. Für Europa bedeutet das eine strategische Weggabelung: Entweder es findet zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit – oder es bleibt Objekt fremder Interessen in einer Ordnung, die sich zunehmend von ihren eigenen Prinzipien entfernt.
Fazit: Wer ist der nächste?
Die Ereignisse der letzten Monate markieren einen Wendepunkt. Die USA treten wieder offen als imperiale Macht auf – nicht mit Kolonialflaggen, sondern mit Verträgen, Drohungen und militärischer Präsenz. Öl, seltene Erden und strategische Positionen sind die neuen Kolonien.
Die Nachkriegsordnung lebt formal weiter, doch sie wird zunehmend ausgehöhlt. Wenn Regeln durch Stärke ersetzt werden, entscheidet nicht mehr das Recht, sondern die Durchsetzungskraft.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob imperial gehandelt wird, sondern wo – und gegen wen als Nächstes.
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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.
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Bild: Trump steht mit verschränkten Armen auf dem Globus
Bildquelle: Shutterstock AI / shutterstock

Die US-Invasion in Venezuela, die Entführung des Präsidenten, die verhängte Seeblockade und die gewaltsame Durchsetzung eines kolonialen Wirtschaftsmodells markieren einen der folgenschwersten Präzedenzfälle der Weltpolitik im 21. Jahrhundert. Damit übertrifft die Tragweite der Ereignisse in Venezuela jene der russischen ‚militärischen Spezialoperation‘ in der Ukraine bei Weitem. Ein Beitrag des russischen Politologen und China-Experten Wassilij Kaschin, aus dem Russischen übersetzt von Éva Péli.
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Ökonomisch ist die faktische Kolonialisierung Venezuelas durch Washington für China verkraftbar; geopolitisch jedoch ist sie ein Desaster. Sie torpediert Pekinger Kernstrategien und entzieht der „Schicksalsgemeinschaft der Menschheit“ sowie der „Seidenstraßen-Initiative“ die Glaubwürdigkeit. Auch die vier globalen Initiativen Xi Jinpings zur Entwicklung, Sicherheit, Zivilisation und Governance [Anm. Red.: Steuerung/Führung] verlieren dadurch ihre normative Kraft.
Die Vereinigten Staaten gaben vor dem Hintergrund der Operation in Venezuela unumwunden zu verstehen: Ähnliches könne auch in anderen Ländern Lateinamerikas geschehen, vor allem in Kolumbien, Kuba und Mexiko. Schwerwiegende Folgen werden auch die Festsetzungen von Schiffen unter Flaggen dritter Länder in neutralen Gewässern haben, weil diese Schiffe gegen US-amerikanische Sanktionen verstoßen.
US-Präsident Donald Trump verwies in seinen Äußerungen direkt auf die Monroe-Doktrin und auf die Vorherrschaft Washingtons in der westlichen Hemisphäre. [Anm. d. Red.: Die 1823 proklamierte Doktrin beansprucht Lateinamerika als exklusive Einflusszone der USA und dient bis heute als Rechtfertigung für die Zurückweisung außeramerikanischer Mächte wie China oder Russland in der Region.] Präsident Trump ging noch weiter: Er erklärte, das internationale Recht nicht zu benötigen und stattdessen allein auf Basis seiner eigenen Moralvorstellungen zu handeln. Der stellvertretende Stabschef des Weißen Hauses, Stephen Miller, betonte: „Die reale Welt wird durch Stärke regiert.“
Die lateinamerikanischen Länder sahen sich mit einer Aggression Washingtons konfrontiert, und einige von ihnen mussten bereits klein beigeben. So erklärte die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum am 12. Januar als großen Erfolg, dass „es keine Invasion geben wird“. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro bereitet sich darauf vor, zum Bittgang nach Washington zu reisen.
Zur Begründung der Notwendigkeit ihres Vorgehens gegenüber Venezuela verwiesen die USA auf die Aktivitäten Russlands und Chinas in einer für sie lebenswichtigen Region. Jedoch ist die wirtschaftliche Präsenz Russlands in Lateinamerika gering (der gesamte Warenumsatz betrug 17,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 – im Vergleich zu den 518 Milliarden Chinas), eine russische Militärpräsenz gibt es dort nicht, und die Waffenexporte kamen praktisch schon lange vor der Spezialoperation zum Erliegen. Der Warenumsatz mit Venezuela belief sich Ende 2024 auf marginale 200 Millionen US-Dollar.
Lateinamerika als vitale Rohstoffquelle für Peking
Für Peking hingegen ist die Region Lateinamerika und Karibik (LAC) ein gigantischer und schnell wachsender Markt. Im Jahr 2024 stieg der Warenumsatz zwischen der Volksrepublik China und LAC um sechs Prozent und betrug, wie bereits erwähnt, 518 Milliarden US-Dollar, wovon 277 Milliarden US-Dollar auf chinesische Exporte entfielen.
Es geht jedoch nicht nur um das Handelsvolumen. LAC ist eine Schlüsselquelle für die Lieferung gleich mehrerer Arten von Rohstoffen, die für die internationale Sicherheit der Volksrepublik China von kritischer Bedeutung sind. Diese Abhängigkeit hat sich in den letzten Jahren verstärkt, als China aufgrund der Verschlechterung der Beziehungen zu Washington US-amerikanische Lieferungen durch lateinamerikanische ersetzte:
Pekings kühle Distanz zur Krise in Caracas
Lateinamerika spielte seit Beginn der 2000er-Jahre eine immer bedeutendere Rolle in der Außenpolitik Pekings. Seit 2014 finden regelmäßige Foren „China – Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten“ statt, seit 2016 wurde die „Seidenstraßen-Initiative“ auf die Region ausgeweitet. China strebt danach, die Länder der Region in verschiedene spezialisierte Kooperationsformate einzubinden (wissenschaftlich-technisch, militärisch, humanitär).
Vor diesem Hintergrund haben die Beziehungen Pekings zu Caracas kein sonderliches Gewicht: Der Anteil Venezuelas an den chinesischen Ölimporten betrug anscheinend wenig mehr als drei Prozent. Peking begegnete der Regierungsführung der Chavisten – sowohl wirtschaftlich als auch innenpolitisch – mit grundsätzlicher Skepsis. Die Chinesen erkannten zwar eine gewisse Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage in Venezuela im Jahr 2021 an, merkten jedoch die fortbestehende Systemkrise an, wenn auch ohne unmittelbare Gefahr eines Kollapses des Regimes. Peking gewährte Caracas zwar Umschuldungen für Altkredite, hielt sich aber von massiven Investitionen und neuen Projekten fern.
Mit anderen Worten: Der Sturz der Regierung in Venezuela selbst ist für China unangenehm, wird aber nicht zum Problem. Deshalb hat Peking auch nicht sonderlich viel in dessen Unterstützung investiert. Die in Verschwörerkreisen verbreiteten Legenden über die Rettung von Präsident Hugo Chávez durch chinesische Spezialeinheiten während des Putschversuchs 2002 entbehren jeder Grundlage. Die chinesischen Waffenlieferungen an das Land liefen bereits in der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre aus.
Andererseits kann die uneingeschränkte Dominanz der USA in LAC, die Anmaßung Washingtons, über die Außenwirtschaftsbeziehungen der Länder der Region zu verfügen und sich in deren innere Angelegenheiten einzumischen, extrem schwere Folgen für die Wirtschaft Chinas und sein Ansehen haben. Und vor diesem Hintergrund ist die Schwäche der chinesischen Reaktion sehr bezeichnend. Im Wesentlichen beschränkte sich die Reaktion auf eine Reihe verurteilender Erklärungen des Außenministeriums ohne jegliche politischen Taten auf der Ebene der obersten Staatsführung, ganz zu schweigen von Schritten im militärischen oder wirtschaftlichen Bereich.
Die Fesseln der chinesischen Strategiekultur
Dabei wäre es nicht korrekt, diese Passivität mit politischer Schwäche und Unentschlossenheit zu erklären. In den traditionellen Zonen seiner lebenswichtigen Interessen in Nordost- und Südostasien agiert die Volksrepublik China immer härter und energischer, setzt aktiv militärische Gewalt als Instrument des Drucks auf Gegner ein und geht bewusst das Risiko eines militärischen Zusammenstoßes mit den USA und ihren Verbündeten in Gebieten wie dem Südchinesischen Meer ein.
Das Problem hängt eher mit der gigantischen Trägheit der Ära der „Reform und Öffnung“ mit ihrer passiven Außenpolitik zusammen, die auf die Akkumulation von Kräften ausgerichtet war, sowie mit dem in China verfolgten Konzept der „Kerninteressen“ und dem chinesischen Entscheidungssystem. Konflikte in der unmittelbaren Umgebung des Landes berühren aus chinesischer Sicht „Kerninteressen“ wie Souveränität, Sicherheit, Unabhängigkeit, territoriale Integrität und das politische System. Aus der Sicht Pekings können „Kerninteressen“ nicht Gegenstand von Kompromissen sein, und bei ihrer Verteidigung muss man zur Eskalation bereit sein.
Selbstverständlich umfasst Chinas Definition der ‚Kerninteressen‘ auch die nachhaltige sozioökonomische Entwicklung – ein Umstand, der erklärt, weshalb Peking auf den von Washington initiierten Handelskrieg so entschlossen und wirkungsvoll reagiert. Aber die chinesische wirtschaftliche Präsenz im Ausland gehörte bisher nicht zu diesen „Interessen“. Das Konzept der „Kerninteressen“ erlaubte es der Volksrepublik China, die Grenzen ihrer Einmischung in Weltangelegenheiten klar zu ziehen: Im Grunde ging sie außerhalb dieser Grenzen immer den Weg des geringsten Widerstands, der Kräfteersparnis und der Minimierung von Bedrohungen. Außerhalb des Rahmens der „Kerninteressen“ akzeptiert die moderne chinesische Strategiekultur keinerlei wesentliche Risiken.
Globaler Machtanspruch versus operative Zurückhaltung
Somit tritt die chinesische Strategiekultur in direkten Widerspruch zum derzeitigen Entwicklungsstand der Wirtschaft der Volksrepublik China, zu den chinesischen Ansprüchen auf eine Rolle im Weltgeschehen und zum vorhandenen militärischen Potenzial Pekings. China hat planmäßig militärische Instrumente zur Umsetzung seines globalen Einflusses geschaffen. Seine Kriegsflotte nimmt den ersten Platz in der Welt nach Anzahl und den zweiten nach Kampfpotenzial ein. Seine Möglichkeiten zur Projektion von Stärke sind um eine Größenordnung größer als die, über welche die UdSSR im Zenit ihrer Macht verfügte.
Technisch hinderte China nichts daran, in einer frühen Phase der Krise einen Verband von Überwasserkriegsschiffen vor der Küste Venezuelas zu stationieren, entlang der Nordküste dieses Landes ein lückenloses Radarfeld aufzubauen, dort eigene „Patrouillen zur Gewährleistung der Freiheit der Schifffahrt“ zu organisieren, Caracas Soforthilfe mit Waffen und Geld zu leisten und mit Erklärungen über entschlossene Unterstützung aufzutreten.
In der Realität sind solche Handlungen seitens der Volksrepublik China jedoch bisher unvorstellbar. In militärischer und technischer Hinsicht ist sie bereit, die Rolle eines Gegengewichts zu den USA zu spielen, aber praktisch ist sie in der heutigen Welt überhaupt nicht bereit, am globalen Wettbewerb der Weltmächte teilzunehmen (außer vielleicht regional in Asien). Die aktuelle Krise könnte eine Transformation der chinesischen Globalstrategie auslösen, aber dieser Prozess wird kaum schnell verlaufen.
Einstweilen jedoch sehen wir, wie Peking erneut versucht, das Risiko auf ein Minimum zu reduzieren: abwarten, versuchen, sich zu einigen, Verluste minimieren, die Krise in der Hoffnung überstehen, wie früher Foren abzuhalten, über das „Schicksal der Menschheit“ zu philosophieren und alle zur Zusammenarbeit im Rahmen der Seidenstraßen-Initiative einzuladen.
Über den Autor: Wassilij Kaschin ist Direktor des Zentrums für umfassende europäische und internationale Studien an der Nationalen Forschungsuniversität „Higher School of Economics“ (HSE) in Moskau. Der promovierte Politikwissenschaftler ist zudem leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Staatlichen Moskauer Institut für Internationale Beziehungen (MGIMO) sowie Dozent an der Lomonossow-Universität. Als ausgewiesener China-Experte war er unter anderem stellvertretender Leiter der Vertretung von RIA Nowosti in Peking und ist Mitglied im russischen Rat für Außen- und Verteidigungspolitik.
Der Beitrag ist auf Russisch bei profile.ru erschienen.
Titelbild: Imago Media Indonesia / Shutterstock

Die Lage nach Maduros Entführung ist unübersichtlich und Spekulationen über Trumps Pläne schießen ins Kraut. Diese Unklarheit wird befeuert durch seine eigenen voneinander abweichenden Äußerungen und einiger Regierungsmitglieder. Und dann ist da auch noch die Realität.
Ein Meinungsbeitrag von Rüdiger Rauls.
Im Siegestaumel
Am Anfang ging es um große selbstlose Ziele und Ideale. Trump wollte das Leben der Amerikaner sicherer machen und den Drogenhandel zerschlagen, dem jährlich Tausende US-Bürger zum Opfer fallen. Vom Kampf gegen Drogen ist heute keine Rede mehr. Nun geht es nur noch um Öl und Rohstoffe. Die Lehre daraus sollte sein, dass höchste Vorsicht geboten ist, wenn es Meinungsmachern um große idealistische Ziele geht, für die mit moralischen Appellen geworben wird. Dahinter stecken in den meisten Fällen andere Interessen. Die Bekämpfung des Drogenhandels diente auch schon als Begründung für die Erhöhung von Zöllen gegenüber China, Kanada und Mexiko. Das scheint in Trumps Händen die eierlegende Wollmilchsau zu sein.
Unter demselben Vorwand nahmen die USA auch für sich das Recht in Anspruch, in internationalen Gewässern fremde Schiffe zu versenken, ohne dass diese Vorwürfe überprüft oder gar bewiesen worden wären. Dabei ist der Kampf gegen Drogen in erster Linie Aufgabe der US-Behörden sowohl an den eigenen Landesgrenzen als auch im Inland. Andere Staaten wie China, Kanada und Mexiko hatten zwar ihre Bereitschaft zur Mithilfe gezeigt, aber es ist nicht deren Aufgabe, amerikanische Drogenprobleme zu lösen. Schon gar nicht lassen sie sich von der US-Regierung vorschreiben, wie sie amerikanischen Interessen zu dienen haben.
Nun ist Drogenhandel nur noch einer von mehreren Anklagepunkten gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro vor amerikanischen Gerichten. Vor wenigen Tagen erklärte Trump, er habe mit der Interimspräsidentin in Caracas, Delcy Rodriguez „über mehrere Themen gesprochen, darunter Öl, Mineralien, den Handel und die Nationale Sicherheit.“(1).
Es sei ein sehr gutes Gespräch gewesen. Offensichtlich aber ist Drogenhandel kein Thema mehr, obwohl dieser der Vorwand für den militärischen Angriff auf das Land war.
Auch Maduro selbst steht nicht mehr in Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit. Im Vordergrund steht die Frage nach der Zukunft Venezuelas. Wie immer ist Trump mal wieder mit vollmundigen Erklärungen vorgeprescht und hatte sich eigenmächtig zum Verwalter des Landes erklärt. Er sieht sich als derjenige, dem es gelingt, dass sowohl Venezuela als auch der amerikanischen Bevölkerung strahlende Zeiten bevorstehen.
„Venezuela wird bald wieder großartig und wohlhabend sein, vielleicht sogar mehr als je zuvor!“ (2)
Besoffen vom Erfolg der geglückten Entführung stellte er sich prahlerisch als Retter der Welt dar, dem nur noch der Friedensnobelpreis fehlt. Was anderes war von ihm zu erwarten, nachdem in kurzer Abfolge militärische Nadelstiche gegen Islamisten in Syrien und Nigeria zu grandiosen Siegen aufgebauscht worden waren. Im Taumel dieser geglückten Militärschläge, deren Bedeutung und Wirkung er gewaltig überschätzt, droht er nun in einem Aufwasch auch dem Iran, wenn dieser nicht das Töten einstelle. Für die von einem ICE-Beamten getötete Demonstrantin im eigenen Land hatte er dagegen kein Mitleid, stattdessen verunglimpfte er sie als „inländische Terroristin“.
Entzugserscheinungen
Die blendenden Erfolge, errungen durch Lufteinschläge gegen weit unterlegene Gegner, sind fürs erste Vergangenheit. Nun steht Trump erneut vor den Niederungen eines Alltags, wo die drängenden Probleme wie die Verbesserung der Lebenslage der US-Bürger und die Bewältigung der Defizite immer noch auf eine Lösung warten. Schnelle Erfolge, mit denen man die Öffentlichkeit blenden und sich als Superman aufspielen kann, sind nun erst einmal Vergangenheit.
Er braucht den Erfolg persönlich und seine Anhänger erwarten von ihm Belege, dass Amerika auf dem Weg ist, wieder groß zu werden. Wenn die wirtschaftlichen Erfolge sich nicht einstellen, dann sollen wenigstens politische oder militärische die Illusion von Größe bedienen. Wie ein Süchtiger braucht er die Droge der öffentlichen Aufmerksamkeit. Seine Drogen sind Konflikte, aus denen er als Sieger hervorzugehen scheint. Kaum dass Venezuela für publikumswirksame Schlagzeilen nicht mehr taugt, müssen neue Konfliktfelder her, auf denen er sich bestätigen kann. Nun liegt wieder das Thema Grönland auf dem Tisch und neuerdings auch der Iran.
Aber der Iran ist nicht Nigeria oder Syrien, wo man mit Billigung der ansässigen Regierungen feindliche Gruppen aus der Luft bombardieren kann. Und Grönland ist nicht Venezuela, wo man ein geschwächtes Land mit überlegenen Streitkräften angreifen und den Regierungschef entführen kann. Man kann zwar wie der Elefant im Porzellanladen herumpoltern, aber auf der Gegenseite stehen Kräfte, die nicht unterschätzt werden dürfen. Doch Besonnenheit, Feingefühl und Geduld sind nicht gerade Trumps Stärken.
Weil seiner Regierung und anscheinend auch seinen Anhängern diese Eigenschaften fehlen, hat Trump bisher kaum etwas zufriedenstellend zu Ende bringen können, und so sieht es auch mit Venezuela aus. Nach dem Anfangserfolg einer geglückten Entführung weiß niemand, wie es dort weitergehen soll. Zwar glaubt Trump, das Land selbst übernehmen zu müssen, damit dort wieder Wohlstand einzieht, aber bisher ist nicht zu erkennen, wie das vonstatten gehen soll. Denn die alte Führung ist weiterhin uneingeschränkt im Amt, und der Opposition will Trump die Macht in Venezuela nicht anvertrauen oder gar ganz überlassen.
Vermutlich könnte sein krankhaftes Geltungsbedürfnis es nicht ertragen, wenn er den eventuellen Erfolg der Neugestaltung des Landes mit einem der Oppositionspolitiker teilen müsste oder gar leer ausgehen würde. Er allein will am Ende als der Gründervater des venezolanischen Neuanfangs gefeiert werden. Von seinen Leuten kann er auch niemanden dort einsetzen, denn dazu müsste er Truppen nach Venezuela schicken, um dort durchsetzen zu können, was ihm vorzuschweben scheint. Aber im Moment kann ohnehin niemand sagen, welche Verhältnisse Trump dort herstellen will, nicht einmal er selbst scheint eine Vorstellung davon zu haben.
Zweifelhafter Erfolg
Bisher hat Trump wie eigentlich immer nur Sprechblasen abgesondert, wobei eine nach der anderen dabei ist zu platzen. Wenn die amerikanischen Öl-Konzerne sich weiterhin weigern, in Venezuela zu investieren, dürfte die ganze Operation zu einem finanziellen Desaster für das Pentagon werden. Nach Analysen des Center for Strategic and International Studies kostet die US-Militärpräsenz im Karibikraum etwa 31 Millionen US-Dollar pro Tag. Das entspricht rund 930 Millionen US-Dollar pro Monat (3), und noch ist der Einsatz nicht beendet.
Vielleicht unter dem Druck der Kosten für diese Operation scheint Trump allmählich Kreide zu fressen. Hatte er kurz nach der Entführung Maduros noch mit einer zweiten Angriffswelle gedroht, so hatte er in der Folge sehr schnell Gründe zur Hand, weshalb diese nicht mehr nötig sein werde. War es zuerst die erfolgreiche Ausführung des Angriffs, so ist es inzwischen die aus Trumps Sicht hervorragende Zusammenarbeit mit dem Regime in Caracas. Das aber besteht weiterhin aus den alten Kräften, die bisher die Geschicke in Venezuela bestimmten – nur ohne Maduro.
Dabei hatte es auch zu Maduros Zeiten nicht am guten Willen Venezuelas an einer Zusammenarbeit mit den USA gefehlt. Das wird alleine daran schon deutlich, dass neben dem US-Konzern Chevron auch viele andere westliche Konzerne am Orinoco Öl fördern durften. Maduro selbst war zu vielen Kompromissen bereit, um den Würgegriff der westlichen Sanktionen zu lockern. Trotz der Risiken scheint man in Washington die militärische Lösung bevorzugt zu haben. Dass das nicht ungefährlich war, gestand Generalstabschef Dan Caine wenige Tage später:
„Wenn nur ein Teil der Operation schiefgegangen wäre, hätte der Erfolg der gesamten Mission infrage gestanden“ (4)
Vielleicht glaubte man auch den eigenen Theorien, dass der Einsatz wegen der zu erwartenden Gewinne aus dem Verkauf venezolanischen Öls für die amerikanischen Steuerzahler keine Kosten verursachen werde. Das hatte man schon beim Angriff auf den Irak versprochen. Doch der Irakkrieg wurde am Ende wesentlich teurer, und auch das Venezuela-Abenteuer ist noch nicht zu Ende. Denn Trump will die Flotte vorerst noch in der Karibik belassen und schließt nicht aus, doch noch „Bodentruppen zu entsenden beziehungsweise sich in einen längerfristigen Konflikt zu begeben“ (5). Das würde die Kosten weiter in die Höhe treiben.
Widerstände
Die Belastungen für die amerikanischen Staatskasse werden aber nicht nur von der Dauer des Konflikts bestimmt. Vieles wird davon abhängen, ob die Ölkonzerne in Venezuela investieren werden und ob es wirklich gelingt, die Ölverkäufe unter US-Kontrolle abzuwickeln und daraus Gewinne zu erwirtschaften. Laut Trump sei ein Abkommen mit Rodriguez getroffen worden. „Das Gesamtvolumen der Vereinbarung zwischen Washington und Caracas beläuft sich auf zwei Milliarden Dollar.“ (6). Inzwischen soll mit dem Verkauf des Öls begonnen worden sein. Des Weiteren behauptet der amerikanische Präsident:
„Die Einnahmen aus den ersten Transaktionen im Wert von rund 500 Millionen Dollar sollen auf von der US-Regierung kontrollierten Konten verwahrt werden.“ (7)
Daraus wird aber nicht ersichtlich, wem diese Einnahmen zugute kommen werden. Es ist unwahrscheinlich, dass Venezuela weiterhin Öl fördern wird, wenn es an den Einnahmen nicht beteiligt ist, und so lange die USA keine Kontrolle über die Förderung im Land haben, haben sie erst einmal wenig Einfluss auf die Lieferungen.
Auch ist unklar, um welches Öl es sich dabei handelt. Nach Trumps Angaben „würden venezolanische Behörden zwischen 30 und 50 Millionen Barrel sanktioniertes Öl an die USA „übergeben“ (8) Das bedeutet aber auch, dass die USA es noch nicht haben. Oder handelt es sich dabei um Öl, das auf den festgesetzten Tankern gebunkert ist? Vieles ist unklar und Trumps Aussagen müssen mit Vorsicht genommen werden. Er nimmt es mit der Wahrheit nicht so genau, wenn es um seinen Vorteil und Selbstdarstellung geht.
So weiß beispielsweise nur er von Hunderten russischer und chinesischer Schiffe in den Gewässern vor Grönland im Gegensatz zu den Geheimdiensten. Auch die Grönländer wissen nichts davon, Das letzte chinesische Kriegsschiff war vor etwa zehn Jahren dort gesichtet worden. Von daher sind Zweifel an Trumps öffentlich vorgetragener Zuversicht angebracht, und ob die Venezuela-Deals so reibungslos ablaufen werden wie von ihm in Aussicht gestellt, wird sich zeigen.
Die venezolanische Präsidentin Delcy Rodrigez hat zwar die Absicht zu guter Zusammenarbeit mit den USA kundgetan. Alles andere wäre unklug, will sie keine weiteren Kriegshandlungen von Seiten der USA riskieren. Auch wenn Trump sicherlich keine Bodentruppen schicken kann auf Grund der Widerstände in den USA selbst, aber auch Angriffe aus der Luft oder von See her können große Opfer und Schäden in Venezuela verursachen. Das will sie unbedingt vermeiden. Dennoch hatte sie auch deutlich gemacht, „sie werde die Ressourcen des Landes verteidigen.“ (9)
Man wird sehen, wie dieses Kräftemessen sich weiter entwickeln wird. Für die großen US-Ölförderer jedenfalls ist Venezuela nach deren eigenen Aussagen derzeit nicht investierbar. Angesicht des Überangebots an den Ölmärkten werden zusätzliche Fördermengen eher als eine Bedrohung für ihre Geschäfte gesehen. Die Unternehmen rechnen damit, dass die Preise auf längere Sicht niedrig bleiben werden, sodass sich Investitionen in die heruntergekommene venezolanische Infrastruktur auf Jahre nicht rechnen werden.
Der Chevron-Konzern will stattdessen sogar „die Kosten bis Ende 2026 um bis zu drei Milliarden Dollar senken (…) [und] seine Belegschaft um bis zu 20 Prozent reduzieren.“ (10) Da wird man sich sicherlich mit Investitionen in Venezuela keinen neuen Klotz ans Bein binden, auch wenn man damit den amerikanischen Präsidenten verärgern könnte. Denn alle Ölkonzerne sind Aktienunternehmen, und diese sind gegenüber ihren Aktionären juristisch verantwortlich, nicht aber dem amerikanischen Präsidenten.
(1, 2) FAZ 16.1.2026 Trump lobt Venezuelas Führung
(3) CSIS 15.1.2026 Die Kosten und globalen Auswirkungen des US-Militäreinsatzes gegen Venezuela,
(4) FAZ 9.1.2026 Als Trump fürchtete, ein neuer Jimmy Carter zu werden
(5) FAZ 10.1.2026 Der Kongress regt sich
(6, 7) FAZ 16.1.2026 Trump lobt Venezuelas Führung
(8, 9, 10) FAZ 8.1.2026 Schwierige Ölgeschäfte in Venezuela
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Rüdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Silhouette von Erdölpumpen vor dem Hintergrund einer venezolanischen Flagge und dem US-Dollar
Bildquelle: Hamara / shutterstock

Donald Trump hat verlangt, dass die venezolanische Regierung unter Delcy Rodríguez die wirtschaftlichen Beziehungen zu Kuba, Russland, China und Iran abbricht, sämtliche Öleinnahmen über von Washington kontrollierte Bankkonten leitet, alle benötigten Produkte in den Vereinigten Staaten erwirbt und das vorhandene eingelagerte Erdöl übergibt. Der Drei-Phasen-Ansatz: Erdöl „nehmen”, Markt für US-Konzerne öffnen und dann einen „politischen Übergang” initiieren. Von Álvaro Verzi Rangel.
Die US-Regierung versicherte, dass sie den Verkauf von venezolanischem Erdöl sowie die Einnahmen aus diesen Geschäften auf unbestimmte Zeit kontrollieren werde (Trump sagte, er werde dies persönlich tun). Der Präsident selbst kündigte an, dass Venezuela mit diesem Geld ausschließlich US-amerikanische Produkte kaufen dürfe. Um zu demonstrieren, wie weit er bereit ist zu gehen, um seine militärische Blockade aufrechtzuerhalten, beschlagnahmte er einen unter russischer Flagge fahrenden Öltanker.
„Wir arbeiten weiterhin eng mit den interimistischen Behörden zusammen, und ihre Entscheidungen werden nach wie vor von den Vereinigten Staaten von Amerika vorgegeben”, erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Sie fügte hinzu, dass ihr Land bereits damit begonnen habe, das Erdöl des südamerikanischen Landes an internationale Käufer zu verkaufen, und dass „alle Gewinne aus dem Verkauf zunächst auf US-amerikanische Bankkonten eingezahlt und dann zum Wohle der US-amerikanischen und der venezolanischen Bevölkerung geteilt werden”.
Die Zwangsmaßnahmen der Vereinigten Staaten gegen Venezuela beschränken sich nicht nur auf das Erdöl. „Ich wurde gerade darüber informiert, dass Venezuela mit den Geldern aus unserem neuen Erdölabkommen nur Produkte aus den Vereinigten Staaten kaufen wird”, verkündete Trump in seinem sozialen Netzwerk Truth Social. „Diese Käufe umfassen Agrarprodukte, Medikamente, medizinische Instrumente und Ausrüstung zur Verbesserung des Stromnetzes und der Energieanlagen” des karibischen Landes.
Der kubanisch-amerikanische Außenminister Marco Rubio beschrieb seinerseits drei Phasen des Plans zur „Stabilisierung” Venezuelas: „Wie Sie heute[1] gesehen haben, wurden zwei weitere Schiffe beschlagnahmt. Derzeit stehen wir kurz davor, eine Vereinbarung umzusetzen, um das gesamte Erdöl zu nehmen. Das Erdöl sitzt in Venezuela fest und kann aufgrund unserer Quarantäne und der Sanktionen nicht transportiert werden. Wir werden zwischen 30 und 50 Millionen Barrel nehmen”, sagte er.
„In der zweiten Stufe, die wir als Erholungsphase bezeichnen, geht es darum, sicherzustellen, dass Unternehmen aus den USA, dem Westen und anderen Ländern auf faire Weise Zugang zum venezolanischen Markt erhalten. Gleichzeitig soll der Prozess der nationalen Versöhnung in dem südamerikanischen Land in Gang gesetzt werden, damit die oppositionellen Kräfte Amnestie erhalten und aus den Gefängnissen entlassen oder in das Land zurückgebracht werden können, um so mit dem Wiederaufbau der Zivilgesellschaft zu beginnen.” Die dritte Phase, so Rubio, werde eine Übergangsphase sein. Er lehnte es ab, einen Zeitplan für die Umsetzung seines Plans vorzulegen.
Während sich die Vereinigten Staaten das bereits geförderte und gelagerte Öl aneignen, teilte Rubio den Gesetzgebern mit, dass Venezuela keine weitere Ölförderung vornehmen darf, bis das Land weitere Forderungen erfüllt hat.
„Zunächst muss das Land China, Russland, den Iran und Kuba herauswerfen und die wirtschaftlichen Beziehungen zu ihnen abbrechen (…) Venezuela muss sich bereit erklären, exklusiver Partner der USA bei der Ölförderung zu werden und sie beim Verkauf von Schweröl zu bevorzugen.” Der Präsident, der Außenminister und mehrere Abgeordnete haben die Hoffnung geäußert, dass die Einstellung der Öllieferungen und anderer Unterstützungsleistungen Venezuelas an Kuba zum Zusammenbruch der Regierung dieser Insel führen würde.
Die nächstliegende Analogie in der venezolanischen Geschichte zu einem solchen Vorschlag war im 19. Jahrhundert, „als Venezuela eine spanische Kolonie war und gezwungen wurde, seine gesamte Produktion über imperiale Behörden zu exportieren”, berichtete die New York Times.
Money, money
Trump versicherte, dass sein Land bereits Gewinne aus venezolanischem Erdöl erziele, und machte deutlich, dass sich die Intervention über Jahre hinziehen könne. „Das wird nur die Zeit zeigen”, sagte er in einem Interview mit der New York Times. Die Vereinigten Staaten streben keine Verpflichtungen oder Allianzen mit anderen Ländern an, sondern suchen nach zweckgebundenen, ferngesteuerten Beziehungen und lehnen offen jeden Einfluss von „nicht-hemisphärischen Konkurrenten” ab, also solchen, die nicht mit dem Trumpismus übereinstimmen.
Trump präsentiert sich als Verfechter des Friedens durch den Krieg. Seine Aussagen bedeuten eine offensichtliche Rückkehr zum Recht des Stärkeren: Es ist der Triumph der kolonialistischen Logik. „Die Monroe-Doktrin – Amerika für die (Nord-)Amerikaner – ist sehr wichtig, aber wir haben sie bei Weitem übertroffen”, erklärte der US-Präsident, nachdem er Venezuela illegal angegriffen und Nicolás Maduro entführt hatte.
„Die Vereinigten Staaten werden die Monroe-Doktrin durchsetzen, um die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre [die alle lateinamerikanischen Länder umfasst] wiederherzustellen und unser Territorium und unseren Zugang zu Schlüsselgebieten in der gesamten Region zu schützen”, heißt es im Nationalen Sicherheitsplan des Weißen Hauses, der Ende 2025 vorgelegt wurde.
Die 33 Seiten des Dokuments scheinen nun nach dem illegalen Angriff vom 3. Januar gegen Venezuela und der Entführung seines Präsidenten Nicolás Maduro ihren ganzen Sinn zu entfalten. „Die Monroe-Doktrin ist sehr wichtig, aber wir haben sie bei Weitem übertroffen, mit großem Abstand”, erklärte Trump selbst am Wochenende.
Trump versucht auch, die „regionalen Champions” – die teils rechtsextremen Regierungen Argentiniens, Boliviens, El Salvadors, Paraguays, Costa Ricas, Guatemalas und Ecuadors –, die ihre Nähe zum Trumpismus nicht verbergen, als Verbündete in seine Strategie einzubeziehen. Anders ist die Situation in Kolumbien, Mexiko und Kuba. „Was Maduro passiert ist, kann auch ihnen [den Führern dieser drei Länder] passieren”, drohte er erneut.
Er macht keinen Hehl aus seinen Absichten: Er sucht einen Kontinent, der „seine vergangenen Errungenschaften und Helden wertschätzt und einem neuen goldenen Zeitalter entgegenblickt”. Mit den vergangenen Errungenschaften sind die weißen und US-amerikanischen Retter vergangener Jahrhunderte gemeint. Das neue goldene Zeitalter ist alles, was der Trumpismus in der Mache hat. Auch die Mittel, die er zur Verfolgung dieses Ziels einsetzen will, sind kein Geheimnis. „Wir wollen die mächtigste, tödlichste und technologisch fortschrittlichste Militärmacht einsetzen, um unsere Interessen zu schützen”, heißt es in dem Dokument des Präsidenten.
Kolumbien
Der kolumbianische Präsident Gustavo Petro versicherte letzte Woche, dass er in direktem Kontakt mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump gestanden habe, bevor er die Mobilisierung „zur Verteidigung der nationalen Souveränität” in Ablehnung der Drohungen des US-Präsidenten in Bogotá und anderen Städten des Landes anführte. Von der Tribüne auf der Plaza de Bolívar aus erklärte Petro, dieser Dialog habe dazu beigetragen, die bilateralen Spannungen abzubauen. Außerdem gab er bekannt, dass beide Seiten vereinbart hätten, die formellen Kommunikationskanäle wiederherzustellen und auf ein bilaterales Treffen in Washington hinzuarbeiten.
Die Kundgebung fand vor dem Hintergrund starker regionaler Spannungen statt, die durch die jüngste Militäroperation der Vereinigten Staaten in Venezuela geprägt waren, bei der rund 100 Menschen ums Leben kamen und die mit der Festnahme von Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores endete, sowie durch Äußerungen von Trump, der eine ähnliche Aktion in Kolumbien nicht ausschloss. Die kolumbianische Regierung lehnte die Intervention in Caracas öffentlich ab und rief zur Mobilisierung als politische Antwort auf die Drohungen sowie zur Unterstützung der Forderung nach Achtung der nationalen Souveränität auf.
Europa besorgt um Grönland
Das schwache und gespaltene Europa beginnt, angesichts der Konsequenzen des US-amerikanischen Militärangriffs auf Venezuela und der Entführung von Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores aufzuwachen. Letzte Woche fand ein gemeinsames Treffen der Außenminister von Frankreich, Deutschland und Polen statt. Es bildete den Höhepunkt einer Reihe von Treffen und Erklärungen Europas gegen eine mögliche US-Intervention in Grönland, einem autonomen Gebiet des Königreichs Dänemark, das über Energie- und Seltenerdvorkommen verfügt, die auch Trump in seinen Besitz bringen möchte.
„Wir wollen eine gemeinsame Antwort mit unseren europäischen Verbündeten koordinieren. Grönland ist ein europäisches Territorium und wird es auch bleiben. Es steht nicht zum Verkauf”, erklärte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot. In einer ungewöhnlichen Kritik an Trumps Politik schlossen sich Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und Polen sowie die Außenminister der nordischen Länder und Kanadas der Unterstützung Dänemarks und Grönlands an. „Grönland gehört seinem Volk. Nur Dänemark und Grönland haben das Recht, über die Zukunft ihrer Beziehungen zu entscheiden”, erklärten sie.
Unterdessen kritisierte der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Außenpolitik der Vereinigten Staaten unter der Präsidentschaft von Donald Trump scharf und forderte die Welt auf, nicht zuzulassen, dass die internationale Ordnung zu einer „Räuberhöhle” zerfällt, in der skrupellose Menschen alles bekommen, was sie wollen. Mit für ihn ungewöhnlich scharfen Äußerungen machte er deutlich, dass Demokratie und Weltordnung stärker denn je bedroht sind.
Über den Autor: Álvaro Verzi Rangel ist Soziologe und internationaler Analyst, Co-Direktor des Observatorio en Comunicación y Democracia (Beobachtungsstelle für Kommunikation und Demokratie) sowie Senior Analyst des Centro Latinoamericano de Análisis Estratégico (CLAE, Lateinamerikanisches Zentrum für strategische Analyse)
Übersetzung: Hans Weber, Amerika21
Titelbild: Hunter Crenian / Shutterstock
Lost in Völker- und Verfassungsrecht: Die Bundesregierung und der US-Angriff gegen Venezuela
[«1] Dies sagte Rubio am 7. Januar. (Anmerkung des Übersetzers)

Die Abstimmung der Grünen im Europaparlament zum Mercosur-Abkommen hat heftige Kritik ausgelöst. Nach gemeinsamen Mehrheiten mit rechten Parteien kündigen die deutschen Abgeordneten nun einen Kurswechsel an.
Dieser Beitrag Nach Mercosur-Abstimmung Beschämt ziehen die Grünen ihre Brandmauer wieder hoch wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.

Ein sichergestellter „Heiratsvertrag“ dokumentiert den Verkauf eines minderjährigen Mädchens an eine Kölner Clan-Familie. Das Formular deutet auf eine systematische Praxis hin – nun befaßt sich die Justiz mit dem Fall.
Dieser Beitrag Mitten in Deutschland Vater soll minderjährige Tochter per „Heiratsvertrag“ an Clan verkauft haben wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.
In der EU geht es heiß her. Das EU-Parlament ruft wegen des scharf kritisierten Mercosur-Abkommens und der Kungelei, um es unter Missachtung der Parlamente durchzudrücken, den EuGH an. Das vierte Misstrauensvotum gegen Ursula von der Leyens EU-Kommission ist derweil gescheitert: Um dieses Ergebnis zu sichern, wurden kritischen Abgeordneten der Europäischen Volkspartei Sanktionen bei missliebiger Abstimmung angedroht. Und ganz nebenbei wird bereits das nächste schädliche Handelsabkommen in Stellung gebracht. Die Hütte brennt, aber die Obrigkeit macht weiter wie bisher.
Das EU-Parlament hat das Mercosur-Abkommen vorerst potenziell blockiert: Es soll zuerst vom Europäischen Gerichtshof überprüft werden. Produkte aus den südamerikanischen Mercosur-Staaten könnten durch das Abkommen unter Missachtung von EU-Standards beim Verbraucherschutz billiger produziert und in der Folge auf dem EU-Markt die streng regulierten Produkte heimischer Landwirte verdrängen. Zudem hatte die Aufspaltung des Abkommens in zwei Teile – ein Partnerschaftsabkommen, das auch von den Mitgliedsstaaten der EU abgesegnet werden muss, und einen Handelsteil, der nur die Zustimmung des EU-Parlaments benötigt – für scharfe Kritik gesorgt: Dieses Vorgehen wurde als Umgehung der nationalen Parlamente angeprangert.
Der Ratifizierungsprozess des Abkommens könnte sich jetzt erheblich verzögern. Es könnte aber trotzdem schon zuvor vorläufig angewandt werden: Dafür spricht sich auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz aus.
Den nahm der EU-Abgeordnete Martin Sonneborn gestern in einem wütenden Tweet aufs Korn. Sonneborn beleuchtete Merz’ Rolle in diesem “Merzosur”-“Hinterzimmerputschversuch”, wie er es nannte. Er bezeichnete Merz obendrein als “möchtegernmachtpokernde Blindniete”. Ob es eine Anzeige wegen Majestätsbeleidigung geben wird, muss sich noch zeigen.
“Merz war es, auf dessen Druck hin die zypriotische Ratspräsidentschaft dafür gesorgt hatte, dass das Mercosur-Abkommen noch vor der Abstimmung im Europäischen Parlament – und damit ohne jede demokratische Legitimierung – in Kraft treten sollte. Dieser Versuch wurde heute hier in Straßburg (symbolisch) gestoppt.
Martin Sonneborn gegen Friedrich Merz – via X
Die Tatsache, dass eine Mehrheit im sonst so unterwürfigen EU-Parlament von der von Merz hier frech versicherten „Rechtmäßigkeit“ dieses heimlich hingemauschelten Hinterzimmerputschversuchs keineswegs überzeugt ist und ihn deshalb vom EuGH (über)prüfen lässt, ist die nunmehr dritte große, peinliche, deutliche, unmissverständliche, in 3D-Leuchtschrift-Lettern (Neonröhren) durch die ganze Welt blinkende Niederlage dieses vor Inkompetenz strotzenden Sauerländers, den Sie da drüben ja unbedingt zu Ihrem Bundeskanzler machen mussten. Und den in Europa niemand, wirklich niemand, ausstehen kann (Würg! Urgh! Burp! Berk!).”
Derweil scheiterte heute der bereits vierte Misstrauensantrag gegen Ursula von der Leyens EU-Kommission. 390 brave Parlamentarier stimmten gegen den Antrag, 165 dafür. Zehn enthielten sich. Aufhänger für den Antrag war ebenfalls das Mercosur-Abkommen.
Pikant: Abgeordneten der Europäischen Volkspartei, die für die Absetzung der Kommission unter Ursula von der Leyen stimmen, drohten Sanktionen. Dazu wurden am Dienstag extra neue interne Regeln verabschiedet, wie Euractiv berichtete.
Diese Regeln sollen “Rebellionen” innerhalb der Fraktion verhindern. „Die EVP-Fraktion hält es für unerlässlich, dass alle Mitglieder anwesend sind und bei Abstimmungen über Misstrauensanträge gegen die Kommission der Fraktionslinie folgen. Die Nichteinhaltung dieser Regel hat Konsequenzen für die Privilegien, die sie als Mitglieder der Fraktion genießen“, hieß es in dem entsprechenden EVP-Dokument. Die Abgeordneten sind also klar dem Machtapparat verpflichtet, nicht den Bürgern (und Wählern!) in der EU. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun. Der Souverän scheint entmachtet.
Und als wäre all das nicht genug, warnt aktuell der freiheitliche EU-Abgeordnete Gerald Hauser vorm nächsten undemokratischen Angriff auf unsere Landwirte: „Das geplante EU-Indien-Freihandelsabkommen ist für die europäische und insbesondere die österreichische Landwirtschaft hochproblematisch und in dieser Form nicht akzeptabel“, so Hauser in einem aktuellen Statement. Er fordert den vollständigen und unmissverständlichen Ausschluss der Landwirtschaft aus dem Abkommen.
Auch hier glänzt die EU-Kommission mit skandalöser Intransparenz: „Bis heute ist unklar, welche Regelungen die Landwirtschaft betreffen – dennoch soll das Abkommen bereits in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. Das habe ich in der Rede im EU-Parlament deutlich zum Ausdruck gebracht. Weder das Europäische Parlament noch nationale Parlamente sind ausreichend eingebunden. Die Öffentlichkeit erfährt nur bruchstückhaft Details. Das ist demokratiepolitisch höchst bedenklich!“
Die Problematik ist dieselbe wie beim Mercosur-Abkommen: In Indien kann billig unter deutlich niedrigeren Umwelt-, Sozial- und Produktionsstandards produziert werden. Flutet man die EU-Märkte mit diesen Produkten, wäre das ein massiver Wettbewerbsnachteil für unsere Landwirte (von Qualitätsnachteilen für die Verbraucher ganz zu schweigen).
„Offenbar hat man aus dem Mercosur-Fiasko nichts gelernt”, so Gerald Hauser. Ursula von der Leyen kritisierte er scharf: „Ihre handelspolitischen Pläne widersprechen dem Willen der demokratisch gewählten Mandatare.“
Allein, die Demokratie und ihre Prinzipien und Grundsätze scheinen in der EU keine Rolle mehr zu spielen. Das verdeutlichen die Geschehnisse der letzten Tage überdeutlich: Der Machtapparat versteht sich offensichtlich als unaufhaltsame Maschine, die über alles hinwegrollt, was sich ihr in den Weg stellt. Und trotzdem sind es dieselben Personalien, die unablässig von “Demokratie” fabulieren. In der EU herrschen offenkundig längst orwellsche Verhältnisse.

Eliteentscheidungen, symbolische Appelle und öffentliche Inszenierungen verschleiern, wie stark reale Konflikte, Machtungleichheiten und Instabilitäten die globale Ordnung prägen.
Ein Kommentar von Janine Beicht.
Der Auftakt des Weltwirtschaftsforums 2026, das World Economic Forum (WEF) in Davos, das vom 19. bis 23. Januar stattfindet, macht die Kluft zwischen den globalen Eliten und den realen geopolitischen Verhältnissen deutlich. Mit Rekordteilnehmerzahlen und 64 Staats- und Regierungschefs, 850 CEOs und fast 100 Tech-Pionieren aus 130 Ländern präsentiert sich das Forum als neutrale Plattform für den Dialog.
Ein Rekord von 400 der wichtigsten politischen Führungspersönlichkeiten, darunter fast 65 Staats- und Regierungschefs […] sowie rund 850 der weltweit führenden Unternehmenslenker und knapp 100 der einflussreichsten Start-ups und Technologiepioniere werden sich in Davos-Klosters versammeln. Unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ bietet das 56. Annual Meeting eine neutrale Plattform für rund 3.000 Teilnehmende aus über 130 Ländern, um die wichtigsten wirtschaftlichen, geopolitischen und technologischen Kräfte […] zu diskutieren. WEF (1)
Die Teilnahme von Persönlichkeiten wie US-Präsident Donald Trump, der mit einer Delegation von 300 Personen anreist, darunter Außenminister Marco Rubio, Finanzminister Scott Bessent, Handelsminister Howard Lutnick, Handelsbeauftragter Jamieson Greer, Schwiegersohn Jared Kushner und Sondergesandter Steve Witkoff, zeigt, dass Davos weniger auf konkrete Lösungen als auf Machtdemonstrationen ausgerichtet ist. (2) Die Absagen Dänemarks wegen des Grönland-Streits (3) und des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi aufgrund seines Vorgehens bezüglich interner Proteste im Iran, die das WEF als unangemessen bewertet (4), verdeutlichen die Selektivität des Forums, das Kontroversen eher meidet als aktiv adressiert.
„Der iranische Außenminister wird nicht nach Davos reisen. Obwohl er im vergangenen Herbst eingeladen worden war, ist es angesichts der tragischen Verluste an Menschenleben im Iran in den letzten Wochen nicht angebracht, dass die iranische Regierung dieses Jahr in Davos vertreten ist.“ WEF Sprecher | Handelsblatt (4)
Proteste, darunter eine Demonstration von 600 Teilnehmern von Strike WEF (5), die zu Verkehrsbehinderungen führte und friedlich von der Polizei aufgelöst wurde, kritisieren das WEF als absurd.
Wir sagen Bullshit! Das WEF ist alles andere als neutral. [...] Von Beginn an verfolgt es das Ziel, den Neoliberalismus von den USA nach Europa zu bringen. [...] Der Neoliberalismus stellt Konzerne über das Wohl der Gesellschaft. [...] Die Zahl der Milliardäre und deren Vermögen ist gestiegen, die Armen wurden ärmer. [...] Soziale Ungleichheit nimmt zu, gemeinschaftliche Strukturen zerfallen, rechte Bewegungen erstarken, die Erde wird ausgebeutet und die biologische Vielfalt geht zurück. [...] Das WEF stabilisiert bestehende Machtstrukturen, statt wirksame Antworten auf globale Krisen zu liefern. StrikeWEF (5)
Solche Aktionen verdeutlichen die Distanz des Forums zu basisdemokratischen Anliegen. Das WEF wird nicht als Ort wahrgenommen, an dem das Wohl der Menschen zählt, sondern als ein Treffpunkt globaler Eliten, die ihre Macht sichern, wirtschaftliche Interessen durchsetzen und soziale Ungleichheit legitimieren, während Umweltzerstörung und gesellschaftliche Probleme weiter zunehmen. Die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam weist zudem auf das rapide wachsende Vermögen von Milliardären hin, was die Debatte über die politische Macht der Reichsten anheizt und Davos als Verstärker von Ungleichheit entlarvt.
Vorbereitungen und Eskalation: Der Schatten des Arktis-Konflikts
Vor dem Forum eskalierte der Streit um Grönland, das Trump als entscheidend für US- und globale Sicherheit bezeichnet. Er postet KI-generierte Bilder, die ihn beim Flaggenhissen neben einem Schild „Grönland, US-Territorium, gegründet 2026“ zeigen, (7) sowie eine Karte mit Kanada und Grönland unter US-Flagge, umgeben von europäischen Führern wie Giorgia Meloni, Keir Starmer, Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen. (8) Die europäische Solidarität manifestiert sich in einer Erkundungsmission mit Soldaten aus Deutschland und Frankreich unter dänischer Führung. (9) Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen fordert NATO-Präsenz auf Grönland, nach Vorbild der Ostsee-Verstärkung. (10) Frankreich plädiert für eine NATO-Übung, um Arktis-Sicherheit zu demonstrieren. (11)
Trump droht Zölle gegen acht Länder, einschließlich Deutschland, für die Unterstützung Dänemarks an. (12) US-Finanzminister Scott Bessent rät in Davos zu Ruhe und Dialog, bezeichnet dänische Investitionen in US-Anleihen als irrelevant.
„Ich werde allen sagen: Atmen Sie tief durch. […] Die Investitionen Dänemarks in US-Staatsanleihen sind, wie Dänemark selbst, irrelevant. […] Ich bin überhaupt nicht besorgt. […] Als Finanzminister sehe ich ja unsere Auktionen von Staatsanleihen. Wir verzeichnen ausländische Investitionen in Rekordhöhe. Scott Bessent | WELT (13)
Industriemanager Joe Kaeser hingegen warnt vor wirtschaftlichen Schäden durch politische Instabilität. (13) Jens Spahn betonte Abhängigkeit von den USA in Sicherheitsfragen. (14) Am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos übte Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom scharfe Kritik an Europas Umgang mit Donald Trump und veröffentlichte dazu ein Video auf 𝕏. (15) Vor Journalisten beleidigte er Trump und bezeichnete den Versuch, diplomatisch mit ihm umzugehen, als Dummheit, während er stattdessen forderte, Stärke zu zeigen und geschlossen aufzutreten.
„Mit Donald Trump gibt es keine Diplomatie. Steht auf, hört auf zu kuschen, und zeigt Rückgrat.“ Gavin Newsom | 𝕏 (15)
Zusätzlich verweist er auf ICE-Vorfälle, darunter den Tod einer 37-jährigen Frau in Minneapolis durch einen Beamten, um Trumps Polizeistaat zu illustrieren, und kritisiert das Schmeicheln vor Trump trotz verstecktem Spott. (15) Solche Kommentare, gespeist aus Newsoms Ambitionen für 2028, zeigen, wie Davos interne US-Spaltungen importiert, anstatt globale Einheit zu fördern, und verdeutlichen, dass das Forum geopolitische Spannungen nicht löst, sondern als Bühne für Drohungen dient, die reale wirtschaftliche Entwicklungen behindern.
Anreise und Pannen
Die Anreise von US‑Präsident Donald Trump zum Weltwirtschaftsforum in Davos wurde durch mehrere Pannen beeinträchtigt. Trumps Regierungsmaschine Air Force One musste auf dem Weg in die Schweiz wegen eines „kleinen elektrischen Problems“ kurz nach dem Start nach Washington zurückkehren. Aus Sicherheitsgründen drehte das Flugzeug um, und Trump setzte seine Reise anschließend in einer kleineren Boeing 757 fort, was zu einer deutlichen Verspätung führte. Die Störung ereignete sich am Abend des 20. Januar, sodass Trumps Ankunft in Zürich erst am Mittag des folgenden Tages erfolgte. (17) Dies verhindert ein Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz. (18)
Parallel zu diesen Transportschwierigkeiten überschattete ein schweres Zugunglück in Spanien die internationale Nachrichtenlage: Bei einer Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Adamuz in der südspanischen Provinz Córdoba kamen mindestens 39 Menschen ums Leben, Dutzende weitere wurden verletzt. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte drei Tage der nationalen Trauer und sagte aus diesem Grund seinen geplanten WEF‑Besuch ab. (19)
Schon vor Trumps Rede bildeten sich lange Schlangen vor dem Veranstaltungsort, teils kam es zu Schubsereien, was die Sensationslust des Publikums offenbarte und substanzielle Diskussionen in den Hintergrund drängte. (20)
Auftaktreden: Europas Appelle im Kontrast zur Forum-Realität
Ursula von der Leyen nutzt ihre Rede, um geopolitische Schocks als Chance für Unabhängigkeit zu rahmen, und hebt das Mercosur-Abkommen sowie Deals mit Indien hervor. Sie kündigt Investitionen in Grönland und eine Arktis-Strategie an, um Souveränität zu wahren und warnt vor einer Abwärtsspirale.
„Die Europäische Union und die Vereinigten Staaten haben sich im vergangenen Juli auf ein Handelsabkommen geeinigt, und in der Politik, wie in der Wirtschaft, ist ein Deal ein Deal. Und wenn Freunde sich die Hand schütteln, muss das etwas bedeuten.“ Ursula von der Leyen | WEF (21)
Ihre Worte kritisieren eine US-Unzuverlässigkeit, doch im Davos-Kontext wirken sie wie ritualisierte Gesten, die reale Abhängigkeiten kaschieren. Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärt die Weltordnung für tot und appelliert an die Kooperation mittelgroßer Mächte. Er mahnt, die Mittelmächte müssten zusammenarbeiten, denn wer nicht mit am Tisch sitze, stehe auf der Speisekarte. (22) Seine Rede kritisiert Doppelmoral und wirtschaftliche Waffen, doch in Davos bleibt sie ein Appell ohne Konsequenzen.
Emmanuel Macron warnt vor imperialen Ambitionen und fordert das Anti-Coercion-Instrument (24) gegen US-Zölle.
„Angesichts der Brutalisierung der Welt müssen Frankreich und Europa einen wirksamen Multilateralismus verteidigen, weil er unseren Interessen und denen aller dient, die sich der Herrschaft der Gewalt nicht unterwerfen wollen. Emmanuel Macron | WEF (24)
Seine Kritik am „neuen Kolonialismus“ kontrastiert mit Davos' Fokus auf Partnerschaften, die oft Ungleichheiten perpetuieren. NATO-Generalsekretär Mark Rutte lobt Trump für Verteidigungsdruck und ruft zu Diplomatie auf. (25) Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen äußerte, es sei nicht wahrscheinlich, dass die USA von militärischer Gewalt Gebrauch machten, aber man müsse auf alles vorbereitet sein. (26) Die Reden von Carney, Macron und anderen machen deutlich, dass Davos vor allem die Illusion von Einfluss und Kooperation inszeniert: Trotz scharfer Kritik an wirtschaftlicher Gewalt und imperialen Ambitionen verändern die Appelle kaum die realen Machtverhältnisse.
Gipfelhöhepunkt: Trumps Rede und ihre Wellen
US-Präsident Donald Trump betrat die Bühne (27) in Davos nach einer verspäteten Ankunft und begann mit einer Darstellung der US-Wirtschaft als weltweiten Motor, der durch Steuersenkungen, Deregulierung und Zölle ein Handelsdefizit um über 77 Prozent reduziert und Exporte gesteigert hat. Er hob Erfolge wie die Deckelung von Kreditkartenzinsen bei zehn Prozent und Verbote für institutionelle Käufe von Einfamilienhäusern hervor, die jedoch Kongresszustimmung erfordern, sowie eine kryptofreundliche Politik, um US-Führung in diesem Sektor zu sichern. Trump kontrastiert dies mit Europas Ansätzen in Migration und Wirtschaft, die er als durch unkontrollierte Einwanderung und hohe Staatsausgaben belastet beschreibt, und betont, dass Europa sein Potenzial nicht nutze. (28)
„Ich liebe Europa. Ich will, dass es Europa gut geht. Aber es geht nicht in die richtige Richtung. […] Viele europäische Länder wollen unsere Vorbildrolle nicht anerkennen. […] Und die Verantwortlichen verstehen nicht einmal, was gerade passiert. Und diejenigen, die es verstehen, tun nichts dagegen. Donald Trump | WELT (28)
Trump richtet seinen Blick wieder auf Grönland und bekräftigt dort seine umstrittenen US‑Ansprüche mit dem Hinweis auf Sicherheitsinteressen. Er argumentiert, dass die USA im Zweiten Weltkrieg Dänemark unterstützt und die Insel gehalten hätten, bevor sie sie zurückgegeben hätten – ein historischer Verweis, mit dem er seine Forderung untermauert. Im Zentrum seiner Rede steht der Aufruf zu sofortigen Verhandlungen über eine Übernahme Grönlands, nicht nur eine Lizenz. Dabei schlägt er den Bau eines Raketenabwehrsystems vor, mit dem er die Arktis schützen will, eine Idee, die er als strategisch unverzichtbar darstellt.
„Alles, was ich verlange, ist ein Stück Eis. Das ist eine kleine Bitte im Vergleich zu dem, was wir ihnen gegeben haben. […] Sie können Ja sagen, und wir werden Ihnen sehr dankbar sein. Oder Sie können Nein sagen, und wir werden uns daran erinnern“ Donald Trump | WELT (20)
Er versichert mehrfach, dass er keine Gewalt anwenden werde (29), schließt militärische Aktionen aus und verweist darauf, dass nur die USA in der Lage seien, die Insel zu verteidigen und damit auch die Sicherheit Europas und der NATO zu gewährleisten. Doch der Hinweis, dass ein „Nein“ zur Übernahme nicht vergessen werde, lässt viele Beobachter als Drohung mit Konsequenzen lesen.
In seiner Rede kritisiert Trump die NATO als unfair für die USA und zweifelt Europas Beitrag zur Sicherheit an.
„Das Problem mit der Nato ist, dass wir zu 100 Prozent für sie da sein werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie auch für uns da wären, wenn wir sie um Hilfe bitten würden.“ Donald Trump | Handelsblatt (4)
Er bezeichnet erneuerbare Energien als ineffizient und preistreibend und lobt dafür Kernkraft, Öl, Gas und die US-Führungsrolle bei künstlicher Intelligenz. Außenpolitisch verweist er auf Ukrainegespräche und Erfolge in Venezuela. Abschließend betont er die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit unter US-Führung, was international gemischte Reaktionen auslöst.
Die Rede endet mit einem eindringlichen Appell zur Zusammenarbeit unter US‑Führung. Trump positioniert die Vereinigten Staaten als unverzichtbare globale Macht, die anderen Nationen Orientierung und Schutz bieten müsse, eine Botschaft, die bei vielen internationalen Partnern gleichermaßen Zustimmung wie Ablehnung hervorruft.
„Der Wohlstand der Welt kommt von unserer gemeinsamen Kultur. […] Die USA sind zurück, größer und stärker als je zuvor.“ Donald Trump | Handelsblatt (4)
Nachwirkungen: Kritik und ungelöste Konflikte
Das Weltwirtschaftsforum in Davos startet mit einem bitteren Beigeschmack, der die Grenzen elitärer Diplomatie gnadenlos aufzeigt: Während das Treffen als Katalysator für globale Lösungen vermarktet wird, verstärkt es in Wahrheit bestehende Risse, indem es Konflikte zu bloßen Diskussionspunkten verharmlost, ohne greifbare Fortschritte zu erzwingen.
Die anhaltende Polarisierung, die durch markante Abgänge und ablehnende Gesten sichtbar wird, unterstreicht, wie das Forum wirtschaftliche Eliten begünstigt, die reale geopolitische Dynamiken ignorieren, und stattdessen Narrative perpetuiert, die Ungleichheiten zementieren, sei es durch technologische Utopien, die soziale Spaltungen kaschieren, oder durch Appelle zu Stärke, die letztlich nur die Abhängigkeiten kleinerer Akteure von dominanten Mächten verstärken.
Kritiker sehen darin eine verpasste Chance: Statt Konflikte zu entschärfen, wird Davos zum Spiegel einer fragmentierten Welt, in der wirtschaftliche Indikatoren wie steigende Rohstoffpreise oder informelle Bilateralgespräche auf anhaltende Instabilität hindeuten, ohne dass das Forum Mechanismen schafft, um diese zu überbrücken. Am Ende bleibt die Frage, ob solche Gipfel nicht eher die Illusion von Fortschritt nähren, während sie echte Reformen behindern und die Kluft zwischen Rhetorik und Realität vertiefen.
(3) https://orf.at/stories/3417574/
(7) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115925897257210763
(8) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115925888562624963
(9) https://www.zdfheute.de/politik/bundeswehr-groenland-erkundung-faq-100.html
(10) https://www.deutschlandfunk.de/daenemark-bittet-nato-um-dauerhafte-praesenz-auf-arktisinsel-100.html
(11) https://www.heute.at/s/macron-will-nato-uebung-in-groenland-abhalten-120156856
(12) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/groenland-trump-usa-eu-100.html
(15) https://x.com/GavinNewsom/status/2013629639441424749?s=20
(17) https://www.zdfheute.de/politik/ausland/trump-flugzeug-umkehr-weltwirtschaftsforum-davos-100.html
(18) https://www.deutschlandfunk.de/trump-kritisiert-europas-fokus-auf-gruene-energien-100.html
(19) https://www.elmundo.es/espana/2026/01/19/696df6f0fc6c83935e8b4577.html
(21) https://www.weforum.org/stories/2026/01/davos-2026-special-address-ursula-von-der-leyen/
(24) https://www.weforum.org/stories/2026/01/heads-of-state-gathering-davos-2026-what-they-saying/
(25) https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115926107400617491
(26) https://www.tagesschau.de/ausland/europa/groenland-macron-von-der-leyen-100.html
(27) https://www.weforum.org/stories/2026/01/heads-of-state-gathering-davos-2026-what-they-saying/
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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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In Davos, dem jährlichen Treffpunkt der selbsternannten Welteliten, hat US-Handelsminister Howard Lutnick in sehr direkten Worten mit der Politik der letzten Jahrzehnte abgerechnet. Die Globalisierung ist gescheitert und hat dem Westen, vor allem Amerika, geschadet. Die neue Trump-Administration stellt amerikanische Interessen radikal in den Vordergrund. Auch Europa sollte beginnen, nachzudenken – oder noch besser, zu handeln.
Umgeben von den üblichen Verdächtigen aus Politik und Wirtschaft, trat US-Handelsminister Howard Lutnick auf das Podium und ließ keine Zweifel an der Haltung der US-Administration: „Globalization has failed the West and the United States of America. It’s a failed policy… and it has left America behind.“ Zu gut Deutsch: „Die Globalisierung hat den Westen und die USA im Stich gelassen, sie ist eine gescheiterte Politik, die Amerika zurückgelassen hat.“ Amerika werde keine Jobs mehr exportieren und seine wirtschaftliche Zukunft nicht mehr in Drittstaaten verlagern. Punkt.
Jahrzehntelang haben westliche Nationen Fabriken und Know-how in Billiglohnländer verlagert, vor allem nach China. Das Ergebnis war die Deindustrialisierung des Westens, steigende Handelsdefizite und eine Abhängigkeit von Nationen wie China, die nun kritische Lieferketten kontrollieren. Lutnick, frisch ernannter Handelsminister der zweiten Trump-Administration, macht klar: Die US-Regierung hat fertig mit der bedingungslosen Globalisierung. Die USA werden künftig mit ihren Partnern und Konkurrenten hart verhandeln, nötigenfalls Zölle einsetzen und die eigene nationale Produktion fördern. Keine Moralpolitik mehr, keine ideologische Missionierung, nur noch harte Interessenpolitik.
Die Vertreter der EuSSR saßen betreten daneben, denn Brüssel ist zwar Weltmeister im Moralisieren, aber beim Vertreten der eigenen Interessen hapert es etwas. Jahrzehntelang ließ man zu, dass europäisches Know-how an China floss, das klug zwangsweise Kooperationen mit chinesischen Firmen zur Bedingung für den chinesischen Markteintritt machte. Länder wie China und Indien ließen sich als Entwicklungsländer klassifizieren und machten beim CO2‑Theater nicht mit, während die Wirtschaft des Westens durch die Klimaziele ruiniert wurde. Und während Washington sich aus dem Ukraine-Konflikt ausgeklinkt hat, pumpen Brüssel und die nationalen europäischen Regierungen weiter Hunderte Milliarden in die Ukraine und finanzieren einen Konflikt, der primär amerikanische und europäische Waffenkonzerne bereichert (und natürlich die ukrainische Oligarchie), aber die eigenen Bürger ruiniert.
Die Globalisierung, wie sie von Davos-Predigern jahrelang gepriesen wurde, hat Europa ebenso geschadet wie den USA. Denn freier Handel kann nur unter gleichen Bedingungen funktionieren. Wenn in der EuSSR die Unternehmen durch die Überbürokratisierung und die Klimareligion massive Wettbewerbsnachteile hinnehmen müssen, können sie ihre Märkte nicht gegen billige Importe aus Ländern ohne diese Nachteile verteidigen. Als Folge zerstörten billige Importe aus Asien Arbeitsplätze in der Industrie, während Brüssel mit Freihandelsabkommen wie CETA oder Mercosur weitere Tore öffnete. In der EuSSR dominiert weiter die reine Ideologie und lässt sich nicht von der Wirklichkeit stören. Klimaziele bis 2030 haben, aber keine Batterie selbst produzieren können, wie Lutnick spöttisch anmerkte. Net-Zero-Fantasien, die Europa deindustrialisieren, während China weiter Kohlekraftwerke baut.
Europa sollte Lutnicks Rezept übernehmen. Hart verhandeln mit allen rationalen Akteuren, ohne moralinsaure Belehrungen, ohne Ideologieexport. Mit Russland über Energie und Rohstoffe, mit China über faire Handelsbeziehungen, mit den USA über eine echte Partnerschaft statt Unterordnung. Dann würde Europa in den USA auch wieder ernst genommen werden. Denn harte Verhandler kann Trump respektieren. Ideologisch verblödete und unfähige Bürokraten nicht.

Das Europäische Parlament hat am 21. Januar 2026 mit knapper Mehrheit (334 zu 324 Stimmen) für eine Verweisung des umstrittenen EU-Mercosur-Handelsabkommens an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) gestimmt. Dies verzögert die Ratifizierung erheblich, da der EuGH die Vereinbarkeit mit EU-Verträgen prüfen wird – ein Verfahren, das über ein Jahr dauern kann.
Hintergrund und Proteste: Am Vortag protestierten Tausende Landwirte mit Traktoren in Straßburg gegen das Abkommen, das EU-Agrarprodukte durch günstige Mercosur-Importe (Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay) bedroht sieht. Die Klage von 144 Abgeordneten kritisiert die Aufspaltung des Abkommens, um nationale Parlamente auszuschließen, sowie einen „Ausgleichsmechanismus“, der EU-Umweltstandards unterlaufen könnte.
Parlamentsspaltung: Renew Europe, Grüne/EFA, Linke und Patriots for Europe befürworteten die Verweisung; EVP und S&D lehnten ab. Innerhalb von ECR und anderen Fraktionen gab es Abweichler.
Nächste Schritte: Die Genehmigung ist eingefroren; die Kommission verzichtet auf die vorläufige Anwendung, um Konflikte zu vermeiden. Polen plant eigene Klage, falls nötig.
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Über das Mercosur-Abkommen und EU-Handelspolitik.
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Emmanuel Macron geht in die Verbaloffensive: Die Rede ist von einer „Handels-Bazooka“, die er nun auspacken will, um die USA von der Einnahme Grönlands sowie Strafzöllen gegen europäische Länder abzuhalten, die sich solidarisch mit Grönland zeigen. Nun weiß man nicht, was der französische Präsident unter einer Bazooka versteht – als ich noch jung war, gab es einen Kaugummi dieses Namens. Die Instrumente, die in der EU unter dem Begriff „Handels-Bazooka“ zusammengefasst werden, sind jedenfalls eher eine Spritzpistole, mit der die EU sich bestenfalls selbst ins Knie schießen könnte. Dabei gäbe es durchaus wirkungsvolle Waffen in einem möglichen Handelskrieg gegen die USA. Doch die wird Europa nicht ziehen, weil es ökonomisch komplett von den USA abhängig ist. Vielleicht wäre es ja nun endlich an der Zeit, dies zu ändern? Von Jens Berger.
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Wenn europäische Politiker von „Strafzöllen“ sprechen, fühlt man sich nicht nur peinlich berührt, sondern auch in eine andere Zeit versetzt, in der vieles noch einfach war und Europa in der Tat etwas zu sagen hatte. Man droht nun, die Importzölle auf typisch amerikanische Güter wie Sojabohnen, Bourbon-Whiskey und Motorräder der Marke Harley Davidson, die in diesem Zusammenhang ja nie fehlen dürfen, zu erhöhen. Denkt man wirklich, dass man damit die USA zu Konzessionen zwingen kann? Die EU importiert Bourbon im Wert von rund 500 Millionen Euro pro Jahr. Allein der US-Konzern Amazon macht mehr als dreimal so viel Umsatz pro Tag und der US-Finanzkonzern BlackRock verwaltet nach eigenen Angaben Assets im Wert von 1,8 Billionen Euro in Europa. Reden wir hier von einer Bazooka? Oder doch eher von einer Spritzpistole?
Wenn es um das Thema Handelskrieg geht, fällt den Europäern immer nur der Handel mit physischen Gütern ein und da können sie gegen die USA natürlich nur verlieren. Denn eins sollte klar sein – jede Zollerhöhung der EU wird von den USA mindestens in gleicher Höhe gekontert. Tit fot tat, wie der Amerikaner gerne sagt. Derzeit hat die EU gegenüber den USA einen Handelsüberschuss von rund 200 Milliarden Euro, zudem sind die USA bei den Ausfuhren mit großem Abstand der wichtigste Handelspartner der EU. Selbst dem schlichtesten Gemüt sollte einleuchten, dass es nicht sonderlich klug ist, sich durch Strafzölle den wichtigsten Absatzmarkt zu ruinieren.
Gerade Deutschland wäre gut beraten, sich das noch einmal zu überlegen. Die USA importieren größere Mengen klassischer deutscher Industriegüter, während Deutschland seit den Sanktionen gegen Russland vor allem Energie aus den USA importiert. 86 Prozent des importierten Flüssiggases kamen 2024 aus den USA. Autos, Maschinen und medizinische Produkte können die USA auch anderswo einkaufen oder selbst herstellen; bei Deutschlands LNG-Importen sieht das ein wenig anders aus, zumal man ja mit Russland keine Geschäfte mehr machen will.
Unter diesen Vorzeichen wäre ein eskalierender Handelskrieg ökonomischer Selbstmord. Und das wissen Donald Trump und sein Team natürlich auch. Finanzminister Bessent ließ sich heute mit den launigen Worten zitieren: „„Ich gehe davon aus, dass sie zunächst die gefürchtete europäische Arbeitsgruppe bilden werden, die offenbar ihre wirksamste Waffe ist.“ Der Mann weiß offenbar, wovon er spricht.
Hat die EU denn überhaupt eine Waffe in einem möglichen Handelskrieg mit den USA? Getreu Radio Eriwan müsste man sagen: Im Prinzip, Ja! Wer über Jahrzehnte hinweg Handelsüberschüsse erzielt hat, hat vor allem eins: Forderungen. Und das nicht zu knapp. Genaue Zahlen gibt es nicht, aber die internationalen Handelsbilanzen legen nahe, dass die USA und ihre Unternehmen mit mindestens acht Billionen(!) US-Dollar bei europäischen Gläubigern verschuldet sind. Hallo, Donald Trump, hörst Du das? Euer Land gehört zu großen Teilen uns Europäern.
Hat das irgendeine Auswirkung? Zumindest theoretisch schon. Es würde schon reichen, wenn die europäischen Zentralbanken und die staatlich kontrollierten Pensions- und Rentenfonds ihre Anleihestrategie ändern und sich stärker in anderen Währungsräumen engagieren würden. Derzeit zahlen die USA 4,3 Prozent Zinsen auf ihre zehnjährigen Staatsanleihen und es ist bekannt, dass diese „Treasury Bonds“ ein Marker für das Zinsniveau für Unternehmens- und Privatkredite sind. Würden die Europäer ihr Geld zumindest zum Teil aus den USA abziehen, würde der Zinssatz förmlich durch die Decke gehen. Für den Staatssektor mit seinen 37 Billionen US-Dollar Staatsverschuldung wäre dies ein echtes Problem. Bereits heute zahlen die USA rund 1.600 Milliarden US-Dollar pro Jahr nur für Zinsen.
Europa hat also nicht nur eine „Handels-Bazooka“, sondern sogar eine „Handels-Atombombe“ in seinem Arsenal. Doch Atombomben haben immer den Nachteil, dass sie keine ernstzunehmende Erstschlagwaffe sind, wenn der Gegner auch über Atombomben verfügt. Und dass der US-Finanzsektor ähnlich wie das US-Militär über ein „Arsenal des Schreckens“ verfügt, ist unstrittig. Im militärischen Kontext würde man da wohl von MAD (Mutual Assured Destruction), also einem Gleichgewicht des Schreckens sprechen. Was jedoch – anders als beim Militär – fehlt, ist eine glaubwürdige Doktrin, die eine abschreckende Wirkung hat.
Monsieur Macron kann also seine Bazooka einpacken. Würde er stattdessen damit drohen, die Dollarbestände der Banque de France und womöglich gar der EZB aus den USA abzuziehen, wäre dies eine äußerst gefährliche Drohung an Donald Trump; anders als mögliche Strafzölle auf Sojabohnen, Bourbon und Harleys. Realistisch ist dies aber natürlich nicht, da Frankreichs Finanzsektor – und nicht zu vergessen Frankreichs Staatsschulden – ebenso auf Gedeih und Verderb von US-Akteuren abhängig sind.
Gerade Emmanuel Macron spricht ja sehr gerne von einer „strategischen Autonomie“ für Europa. Europa soll von den USA unabhängiger werden. Das klingt gut, aber dummerweise geht es bei dieser Debatte stets vor allem um militärische Fragen. Das Beispiel Grönland zeigt, wie sinnlos diese Debatte eigentlich ist. Wie wäre es stattdessen mit einer strategischen Autonomie im Finanzsektor? Hier ist Europa im höchsten Maße von den USA abhängig. Was wurde getan, um diese Abhängigkeit zu verringern? Nichts. Im Gegenteil. Heute sind wir mehr denn je abhängig von Visa, Mastercard, PayPal und Co. und über den Einfluss von BlackRock, Vanguard und anderen Finanzkonzernen muss man wohl kein Wort mehr verlieren.
Man sollte Macron ja durchaus beim Wort nehmen und diesem Wort dann auch Taten folgen lassen. Und hierbei geht es beileibe nicht nur um den Finanzsektor. Noch dramatischer ist die Abhängigkeit auf technologischer Ebene. Apple, Google, Microsoft, Meta und Oracle sind jedermann bekannt. Bei Firmen wie Cisco, Juniper, Broadcom, AT&T, Verizon und Comcast sieht es schon anders aus – das sind die Unternehmen, die die Technologie kontrollieren, mit der das Internet überhaupt erst funktioniert. Strategisch autonom sind wir da nicht – im Gegenteil, wir sind komplett strategisch abhängig von den USA. Diese Abhängigkeit wird sich in den nächsten Jahren noch massiv erhöhen, sind doch auch sämtliche größere KI-Unternehmen aus den USA. In den nächsten Jahren wird ein Großteil der administrativen Tätigkeiten größerer Unternehmen und Behörden an die KI ausgelagert – kontrolliert von den USA.
Bevor Europa auf diesen Gebieten keine echte strategische Autonomie hat, ist es müßig, über einen Handelskrieg gegen die USA auch nur nachzudenken. Auf dem Feld des klassischen Handels mit physischen Gütern haben die USA dank ihres Außenhandelsdefizits und ihrer Rolle als nicht so einfach zu ersetzender Energielieferant schlichtweg die besseren Karten, so dass ein Überbietungswettbewerb mit Strafzöllen für die Europäer keine sinnvolle Option sein kann. Und auf dem Feld der Dienstleistungen und immateriellen Güter herrscht ein Gleichgewicht des Schreckens und da Europa hier eben keine strategische Autonomie hat, sondern auf Gedeih und Verderb von den USA abhängig ist, gibt es auch keine Optionen.
Zurzeit sind wir die Eingeborenen im Lendenschurz, die sich mit selbstgeschnitzten Speeren gegen die Kanonenboote aus den USA zur Wehr setzen wollen. Um dies zu ändern, müsste Europa sich aus der Abhängigkeit befreien. Das wäre durchaus möglich, sofern man endlich lernt, über den Tellerrand zu blicken und seine eigenen Interessen zu definieren. Das fängt bei einer Diversifizierung der Energieimporte an und geht über den Aufbau eigener Strukturen im Finanz- und Technologiebereich bis zum Abbau der Abhängigkeiten. Bis dahin haben „Drohungen“ mit irgendwelchen hypothetischen Bazookas lediglich einen hohen Unterhaltungswert; das war es dann aber auch.
Titelbild: Grok – das Bild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt

Piraterie, Militärschlag, Präsidentenentführung
Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.
Der Militärschlag auf Venezuela fand in den frühen Morgenstunden des 3. Januar 2026 statt – zum sechsten Jahrestag der Ermordung von Qasem Soleimani, dem Kommandeur des Korps der Islamischen Revolutionsgarden, im Irak auf Trumps Befehl. (1)
In einem Beitrag auf seiner Social-Media-Plattform "Truth Social" äußerte US-Präsident Donald Trump: „Die Vereinigten Staaten von Amerika haben erfolgreich einen groß angelegten Angriff gegen Venezuela und dessen Staatschef Nicolás Maduro durchgeführt, der zusammen mit seiner Frau gefangen genommen und aus dem Land geflogen wurde.”
„Diese Operation wurde in Zusammenarbeit mit den US-Strafverfolgungsbehörden durchgeführt. Details folgen. Heute um 11 Uhr findet in Mar-a-Lago eine Pressekonferenz statt. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!” (2)
Laut Medienberichten wurden der Stützpunkt Fort Tiuna und der Luftwaffenstützpunkt Generalissimo Francisco de Miranda angegriffen. Weiter gehörte eine Ölraffinerie zu den getroffenen Zielen.
„Der Marinestützpunkt La Guaira im Bundesstaat Vargas im Norden des Landes, wo sich die Marineakademie befindet, wurde beschädigt. Transporthubschrauber CH-47 Chinook sind ebenfalls in der Luft, und Kampfhubschrauber AH-64 Apache wurden ebenfalls gesichtet, was auf den Beginn einer amphibischen Operation zur Eroberung von Maduro hindeutet“, so der Beitrag auf t.me/two. (3)
Verteidigungsminister Vladimir Padrino Lopez überlebte einen Angriff und sprach zu den Menschen: „Ehre, Pflicht und Geschichte rufen uns. Lass den Schrei eines freien Vaterlandes in jeder Ecke widerhallen. Der Sieg liegt bei uns, denn Vernunft und Würde stehen bei uns. Wir werden uns durchsetzen.“ (4)
Trump-Marionette ernennt sich 2019 zum Präsidenten von Venezuela
Am 23. Januar 2019, unmittelbar nachdem sich der pro-US-amerikanische venezuelanische Oppositionspolitiker Guaidó selbst zum Präsidenten ernannte hatte, erkannte ihn nur Stunden später als erstes Land die USA als Interimspräsidenten an: (5) Es folgten noch am gleichen Tag Brasilien (Präsident Jair Bolsonaro), Paraguay (Präsident Mario Abdo Benítez) und Ecuador (Präsident Lenín Moreno).
Kurz danach schlossen sich weitere Mitglieder der sogenannten LimaGruppe an, die Guaidó gemeinsam als Interimspräsidenten anerkannten: (6)
In Europa erkannten einige EU-Staaten Guaidó an, vor allem nach dem EU-Ultimatum an Maduro Ende Januar 2019.
Ab 2020 zogen viele Länder ihre Anerkennung Guaidós zurück oder relativierten sie, weil er faktisch keine Macht in Venezuela ausübte. Die EU erklärte 2021, Guaidó nicht mehr als Interimspräsidenten zu betrachten, sondern nur noch als Präsident der Nationalversammlung. Ende 2022 wurde Guaidó von der Mehrheit der Nationalversammlung als Interimspräsident abgewählt, womit seine internationale Anerkennung faktisch endete.
Was macht Venezuela so begehrenswert für Trump?
Es sind die unvorstellbaren Reichtümer, die den bankrotten USA (37 Billionen Staatsverschuldung) die Mittel zur Verfügung stellen könnten, den Krieg gemäß „Win in Complex World 2020-2040“ weiter fortsetzen zu können.
Venezuela hat:
– die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven, etwa 303,8 Milliarden Barrel (2021). Zum Vergleich: Saudi-Arabien hat schätzungsweise 267 Milliarden Barrel und Kuwait 101,5 Milliarden Barrel. Amerikanische Raffinerien sind speziell für venezolanisches Schweröl konzipiert.
– im Jahr 2021 überstiegen die nachgewiesenen Erdgasreserven des Landes 5,6 Billionen Kubikmeter. In der westlichen Hemisphäre hatten nur die Vereinigten Staaten mehr Reserven.
– Venezuelas gesamte Eisenerzreserven werden auf 4,5 Milliarden Tonnen geschätzt. In Bezug auf die Eisenreserven ist das Land nach Brasilien an zweiter Stelle in der Region.
Ein Sturz Maduros ist die ultimative Machtdemonstration in der Region und würde Trump als den starken Mann zementieren. Doch noch ist der Regime Change nicht geschafft. Maduro konnte vermutlich mit Hilfe aus Maduros Umfeld gefangen genommen werden. Noch residierte die Vizepräsidentin, hinter der die Armee steht. Mit dem Militärschlag hat Trump sein Image als Friedensengel endgültig zerstört, den schlummernden Frust über die US-Hinterhofpolitik aktiviert und die Welt (sogar seine Verbündeten) wachsam und skeptisch gemacht. Trumps Vorgehen könnte in einem destabilisierten Venezuela ein Chaos in anrichten (wie im Irak, in Libyen, in Syrien …) mit langwährendem Abwehrkampf, der immer mehr Mittel der USA bindet und letzlich zum schnelleren Untergang der USA beträgt. Weil Trump als Getriebener immer wieder Erfolge braucht, müssen Kolumbien, Kuba, Kanada und Grönland mit dem Schlimmsten rechnen.
Laut des ehemaligen US-Botschafters in Venezuela unter Trump, James Story, hatte sich der Angriff schon lange vorher angekündigt, denn die eingesetzten militärischen Ressourcen seien "viel zu zerstörerisch", um nur zur Drogenbekämpfung einzusetzen.
Erosion der Freiheit der Meere
Die Trump-Administration hat am 10. Dezember 2025 den Öltanker "Skipper" vor der Küste Venezuelas beschlagnahmt und beabsichtigt, sowohl das Schiff als auch dessen Ölfracht zu konfiszieren. Trump bezeichnete es als "den größten jemals beschlagnahmten Tanker" und tönte: "Ich schätze, wir behalten das Öl". (8)
Rechtliche Grundlage der US-Beschlagnahme
Die US-Regierung stützt die Aktion auf einen zwei Wochen zuvor ausgestellten Durchsuchungsbefehl eines Bundesrichters. Justizministerin Pam Bondi erklärte, der Tanker habe "sanktioniertes Öl aus Venezuela und Iran" transportiert und sei seit Jahren Teil eines illegalen Öl-Schmugglernetzwerks zur Unterstützung ausländischer terroristischer Gruppen gewesen. Das US-Recht erlaubt durch Anti-Terror-Gesetze extraterritoriale Beschlagnahmen. Venezuela verurteilte die Aktion als "offenen Diebstahl" und "Akt internationaler Piraterie". (9)
Vergleich mit englischen Freibeutern Drake und Hawkins
Die rechtliche Situation zeigt bemerkenswerte Parallelen zu den elisabethanischen Freibeutern:
Drake und Hawkins operierten im 16. Jahrhundert mit stillschweigender oder expliziter Billigung der englischen Krone durch sogenannte "Letters of Marque" (Kaperbriefe), die ihnen erlaubten, feindliche (französische und später spanische) Schiffe zu kapern. Die Trump-Administration nutzt ebenfalls staatliche Rechtsinstrumente – Bundesgerichtsbeschlüsse und Sanktionsgesetze – um die Beschlagnahme zu legitimieren. (10)
Grauzone zwischen Legalität und Piraterie:
Wie Sanktionsexperten betonen, weicht Trumps Vorgehen von etablierten maritimen Praktiken ab, da es ohne die Kooperation des Schiffseigentümers erfolgte. Auch die historischen Freibeuter operierten in einer rechtlichen Grauzone: "Die historische Legalität und der Status von Freibeutern konnte vage sein". Drake und Hawkins entwickelten ein "barockes Ritual" mit spanischen Kolonien, bei dem formale Verbot durch vorgetäuschte Gewalt umgangen wurden. (11)
Wirtschaftliche Kriegsführung:
Beide Praktiken dienten primär ökonomischen und geopolitischen Zielen – die Freibeuter schwächten spanische und französische Handelsrouten, während die USA heute durch Ölbeschlagnahme und Sanktionen gegen Venezuela und Iran durchsetzen und 2024 bereits 47 Millionen Dollar aus verkauftem iranischem Öl erzielten. (12)
Der wesentliche Unterschied liegt im völkerrechtlichen Rahmen: Das Freibeutertum wurde 1856 durch die Pariser Seerechtsdeklaration international geächtet, während die USA heute auf nationales Sanktionsrecht und Anti-Terror-Gesetze rekurrieren. Dennoch bleibt die Praxis kontrovers: Rechtsexperten warnen, solche Aktionen könnten andere Staaten ermutigen, ebenfalls Schiffe zu beschlagnahmen und maritime Rechtsnormen zu untergraben. (13)
Auf den ersten Blick mag kaum ein Zusammenhang bei den jüngsten maritimen Vorfällen im Persischen Golf, vor der Türkei und vor Venezuela ins Auge fallen. Sie zeigen allerdings tatsächlich ein zusammenhängendes Muster der Erosion der Freiheit der Meere, das primär durch geopolitische Spannungen, Sanktionsregime und hybride Kriegsführung getrieben wird. (14)
Vorfälle im Persischen Golf
Iranische Beschlagnahmungen
Am 13. November 2025 beschlagnahmten die iranischen Revolutionsgarden den Tanker "Talara" unter der Flagge der Marshallinseln im Golf von Oman auf Basis eines Gerichtsbeschlusses, offiziell wegen illegalen Transports von 30.000 Tonnen petrochemischer Erzeugnisse. Nur wenige Tage zuvor war der griechische Öltanker "St. Nikolas" von sechs maskierten Männern in militärischen Uniformen gekapert und nach Iran gebracht worden. Dieser Tanker war zuvor 2023 von den USA wegen Verletzung von Iran-Sanktionen beschlagnahmt worden – seine Kaperung durch Iran gilt als Vergeltungsakt. (15)
Ein ehemaliger Kommandeur der israelischen Marine interpretierte die iranische Aktion als Signal dafür, dass Iran die Straße von Hormus – durch die ein Fünftel der weltweiten Ölexporte fließt – sperren könnte. Der Iran hat seine asymmetrischen maritimen Fähigkeiten massiv ausgebaut, darunter Schnellboote mit angeblichen Spitzengeschwindigkeiten von über 200 km/h und Anti-Schiffs-Marschflugkörpern mit 1.700 km Reichweite. (16)
Systematische Zusammenhänge - Sanktionskrieg und maritime Eskalation
Die Vorfälle sind direkt mit dem globalen Sanktionsregime verbunden: Die USA konfiszieren iranische Öltransporte, Iran reagiert mit Vergeltungsbeschlagnahmungen westlicher Tanker. Parallel dazu greifen die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen seit Oktober 2023 systematisch Frachter im Roten Meer an, um den Gaza-Konflikt zu unterstützen, wodurch eine zweite kritische maritime Transitroute bedroht wird. (17)
Im Juni 2025 kam es zu mysteriösen GPS-Störungen im Persischen Golf, die vom iranischen Hafen Bandar Abbas ausgingen und über 900 Schiffe vom Kurs abbrachten, einige gefährlich nahe an die Küste. Das Joint Maritime Information Center (JMIC) warnte vor "extremer Signalstörung". Diese elektronische Kriegsführung führte zu mehreren Tankerkollisionen, darunter der Zusammenstoß der "Front Eagle" und "Adalynn". (18)
Globales Muster: Russische "Schattenflotte"
Der Angriff der Ukraine auf einen russischen "Schattentanker" im Mittelmeer fügt sich in dasselbe Muster. Russland nutzt eine "Schattenflotte" sanktionsumgehender Tanker zur Finanzierung seines Krieges, die zunehmend zum militärischen Ziel wird. Dies erweitert den maritimen Konflikt über regionale Brennpunkte hinaus auf globale Handelsrouten. (19)
Strategische Bewertung
Die Vorfälle sind Zeichen eines zusammenhängenden hybriden Konflikts um maritime Kontrolle und wirtschaftliche Kriegsführung:
Westliche Mächte konfiszieren Ladungen zur Sanktionsdurchsetzung, betroffene Staaten reagieren mit Gegenmaßnahmen (20)
Iran demonstriert die Fähigkeit zur Sperrung der Straße von Hormus, Huthi-Rebellen bedrohen Bab al-Mandab – beide Engpässe sind essentiell für die globale Energieversorgung (21)
Schwächere Akteure nutzen Schnellboote, Drohnen und elektronische Kriegsführung gegen überlegene westliche Marinekapazitäten (22)
Erosion der Seefreiheit
Die traditionelle Freiheit der Meere nach UNCLOS (UN-Seerechtskonvention) erodiert systematisch: Schiffe werden nicht mehr nur nach maritimen Rechtsstandards behandelt, sondern als Instrumente geopolitischer Konflikte betrachtet. Die Beschlagnahmungen erfolgen auf Basis von "Gerichtsbeschlüssen", die faktisch politisch motiviert sind, während gleichzeitig GPS-Störungen die Navigation unterminieren. Dies signalisiert einen Übergang von regelbasierter Ordnung zu machtbasierter Kontrolle maritimer Räume – ein Charakteristikum moderner hybrider Kriegsführung, bei der wirtschaftliche, rechtliche und militärische Mittel verschmelzen. (23)
Von den Tankerangriffen und der maritimen Instabilität profitieren strategisch mehrere Akteursgruppen mit teils konkurrierenden, teils konvergierenden Interessen: Russland als Energieproduzent, die US-Rüstungsindustrie und Sicherheitsanbieter, Iran als regionale Macht sowie Versicherungskonzerne. (24)
Primäre Nutznießer
Russland ist der wirtschaftliche Hauptprofiteur maritimer Störungen im Persischen Golf und Roten Meer. Jede Blockade oder Bedrohung der Straße von Hormus – durch die ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung fließt – treibt die Energiepreise nach oben und erhöht die Nachfrage nach russischem Öl und Gas. General a.D. Erich Vad bestätigt: "Die Russen würden sich wahrscheinlich freuen. Sie wären die wirtschaftlichen Hauptprofiteure" einer Blockade. Durch die Angriffe im Roten Meer und die dadurch erzwungenen Umfahrungen über das Kap der Guten Hoffnung profitiert Russland zusätzlich von höheren Frachtraten und gestiegener Nachfrage nach seinen Energieexporten. (25)
US-Rüstungs- und Technologieindustrie
Die maritime Eskalation heizt das Wettrüsten im Nahen Osten an, "wovon vorrangig die USA profitieren" durch lukrative Rüstungsdeals mit Verbündeten wie Saudi-Arabien, VAE und Israel. Technologieunternehmen in den Bereichen Verteidigung und Cybersicherheit profitieren direkt von einer Verschärfung der Konflikte. Die US-Truppenpräsenz und militärische Infrastruktur in der Region (5. US-Flotte in Bahrain) wird ausgebaut, was langfristig den strategischen Einfluss Washingtons sichert. (26)
Energiesektor und Kapitalmärkte
Energiewerte verzeichnen aufgrund hoher Ölpreise positive Bewertungen und können mit hohen Ausschüttungen an Aktionäre rechnen. Speziell wird notiert: "Diese könnten noch höher ausfallen, wenn der Krieg im Nahen Osten eskaliert". Die Angriffe im Roten Meer betrafen bereits 12% des auf dem Seeweg gehandelten Öls und 8% des Flüssiggases. Eine Ausweitung auf die Straße von Hormus würde die Ölpreise dramatisch und wäre "möglicherweise auch für die Energieaktien" ein Katalysator. (27)
Versicherungswirtschaft
Versicherungsgesellschaften profitieren von drastisch gestiegenen Prämien für Schiffsversicherungen in Risikogebieten. Die bloße Androhung von Verminungen oder Angriffen führt dazu, dass Versicherer entweder Deckungen verweigern oder "den Preis für Schiffsversicherungen in die Höhe treiben". Dies generiert erhebliche Zusatzerlöse bei tatsächlich begrenztem Schadensrisiko, da die meisten Angriffe selektiv und kalkuliert erfolgen. (28)
Strategische Nutznießer mit regionalen Zielen
Iran: Asymmetrische Abschreckung
Der Iran demonstriert durch die Angriffe "seine eigenen, asymmetrischen Optionen in dem Konflikt beispielhaft und dosiert der medialen Weltöffentlichkeit". Die Tankerangriffe dienen als Druckinstrument gegen US-Sanktionen und zeigen die Fähigkeit, ein Drittel der weltweiten Ölversorgung zu gefährden. Dies stärkt Irans Verhandlungsposition und unterstreicht seine regionale Ordnungsmacht: "Es geht darum, wer das strategische Sagen und wer Macht und Einfluss in der Region hat". (29)
Israel und Saudi-Arabien: Geopolitische Annäherung
Die von Iran ausgehende maritime Bedrohung festigt paradoxerweise die "vor Jahren noch als unwahrscheinlich geltende und Dank des Iran nun immer fester werdende politische Freundschaft zwischen Saudi-Arabien und Israel". Diese strategische Allianz gegen iranischen Einfluss ist "auch ein Wert an sich" für beide Staaten und ihre westlichen Partner. (30)
Strukturelle Profiteure
Die Welthandelsorganisation (WTO) warnt davor, dass geopolitische Konflikte im Roten Meer und Suezkanal den Aufschwung des Welthandels 2024 erheblich dämpfen. Während dies globale Wohlfahrtsverluste bedeutet, profitieren selektiv jene Akteure, die von Unsicherheit, Umwegen und Risikoprämien leben: Rüstungskonzerne, Energieproduzenten außerhalb der Krisenregionen, Versicherer und Sicherheitsdienstleister. Die maritime Instabilität perpetuiert zudem die Abhängigkeit von militärischer Sicherung durch westliche Marinen, was langfristig den strategischen Wert maritimer Machtprojektion unterstreicht und die Legitimation für Militärausgaben erhöht. (31)
Die verfügbaren Quellen fokussieren primär auf die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Schattenflotten-Tanker und die daraus resultierenden Versicherungskosten, nennen jedoch keine spezifischen privaten Sicherheitsfirmen, die direkt Aufträge nach Tankerangriffen gewinnen. Die Informationen zeigen stattdessen eine strukturelle Verschiebung im maritimen Sicherheitsgeschäft. (32)
Versicherungsbranche als Hauptprofiteur
Die Kriegsversicherungen für das Schwarze Meer stiegen nach den ukrainischen Drohnenattacken auf die Tanker "Virat" und "Kairos" Ende November 2025 deutlich an. Diese Prämienerhöhungen betreffen nicht nur das Schwarze Meer, sondern haben sich nach den Angriffen im Roten Meer durch Huthi-Rebellen bereits global etabliert. Die Protection & Indemnity (P&I) Rückversicherungsraten für Containerschiffe werden 2026 um bis zu 15% angehoben. (33)
Strategische Reaktionen auf maritime Bedrohungen
Russlands Reaktion: Umwegrouten statt Sicherheitsfirmen
Nach den Angriffen nehmen russische Öltanker im Schwarzen Meer Umwegrouten entlang der Küsten von Georgien und der Türkei, um das Risiko ukrainischer Seedrohnenangriffe zu minimieren. Diese Route verlängert die Strecke vom Hafen zu den türkischen Meerengen um etwa 560 Kilometer (70% länger), was zusätzliche Kosten verursacht, aber als sicherer gilt als der direkte Weg. (34)
Ukrainische Eskalation: Mittelmeer-Operationen
Der ukrainische Geheimdienst SBU weitete seine Angriffe im Dezember 2025 erstmals ins Mittelmeer aus, 2.000 Kilometer vom ukrainischen Hoheitsgebiet entfernt. Die Spezialeinheit "Gruppe A" des SBU-Zentrums für Spezialoperationen beschoss den Tanker "QENDIL" mit Luftdrohnen, nachdem ein ukrainisches Schiff in die Nähe gefahren war, um Bomber- und Aufklärungsdrohnen zu starten. Dies zeigt, dass staatliche Geheimdienste und Militäreinheiten – nicht private Sicherheitsfirmen – die primären Akteure maritimer Angriffe sind. (35)
Fehlende Transparenz
Die Recherche zeigt eine signifikante Informationslücke bezüglich spezifischer privater Militär- und Sicherheitsfirmen (PMSCs), die nach den jüngsten Tankerangriffen Aufträge gewonnen haben. Dies könnte mehrere Gründe haben:
Reedereiverträge mit Sicherheitsfirmen werden typischerweise nicht öffentlich gemacht:
Die aktuellen Angriffe erfolgen durch Geheimdienste und Militäreinheiten (Ukraine, Iran), nicht durch Piraten, was staatliche Schutzmissionen (EU-Operation ASPIDES, US 5. Flotte) attraktiver macht als private Dienste
Bewaffnete Wachleute können wenig gegen Seedrohnen, GPS-Störung oder Marschflugkörper ausrichten
Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass der Hauptgewinn nicht bei privaten Sicherheitsfirmen, sondern bei Versicherungskonzernen und Rückversicherern liegt, die von drastisch gestiegenen Kriegsrisikoprämien profitieren (36)
Ja, es gibt zahlreiche historische Belege für staatliche Geheimdienstbeteiligung bei maritimen und anderen verdeckten Operationen, die Parallelen zu den aktuellen Tankerangriffen aufweisen (37)
Systematische Muster
Die historischen Belege zeigen konsistente Muster staatlicher Geheimdienstoperationen:
Operationen werden so gestaltet, dass staatliche Beteiligung abgestritten werden kann (38)
Kritische Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen sind bevorzugte Ziele (39)
Geheimdienste operieren häufig über Dritte, um direkte Zuschreibung zu vermeiden (40)
Verschmelzung von militärischen, nachrichtendienstlichen und wirtschaftlichen Mitteln (41)
Die aktuellen Tankerangriffe fügen sich nahtlos in dieses historische Muster ein, bei dem Geheimdienste verdeckte maritime Operationen durchführen, um geopolitische und wirtschaftliche Ziele zu erreichen, während formale staatliche Verantwortung verschleiert wird. (42)
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Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022)
Anmerkungen und Quellen
1) https://www.timesnownews.com/world/us/us-news/breaking-trump-claims-us-airstrikes-hit-caracas-says-venezuelan-president-nicolas-maduro-and-wife-captured-article-153390414
2) President DONALD J. TRUMP» | 1/3/26, 7:51 PM
3) https://t.me/two_majors/66396?single
4) https://t.me/IntelRepublic/50601
5) https://www.zaoerv.de/80_2020/80_2020_1_a_73_99.pdf
6) https://www.zeit.de/news/2019-01/24/welche-staaten-venezuelas-interims-praesidenten-anerkennen-190123-99-693389
7) https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!ErBu!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F550f698d-f797-4630-8e19-db90f0af15a3_1031x1280.png
8) https://www.aljazeera.com/news/2025/12/10/trump-admin-seizes-oil-tanker-off-venezuela-coast-reports
9) https://www.nytimes.com/2025/12/24/business/trump-venezuela-oil-tankers.html
10) https://en.wikipedia.org/wiki/Privateer
11) https://www.nationalgeographic.com/history/history-magazine/article/francis-drake-pirate-england-spain-slavery
12) https://www.britannica.com/technology/privateer
13) https://www.nytimes.com/2025/12/24/business/trump-venezuela-oil-tankers.html
14) https://www.deutschlandfunk.de/iran-bestaetigt-beschlagnahme-von-auslaendischem-tanker-102.html
15) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/tanker-gekapert-oman-100.html
16) https://defence-network.com/iran-beschlagnahmt-schiff-im-golf-von-oman/
17) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/tanker-gekapert-oman-100.html
18) https://de.euronews.com/my-europe/2025/06/17/mitten-im-israel-iran-konflikt-tanker-kollision-in-der-strasse-von-hormus
19) https://hansa-online.de/schifffahrt/zieht-sich-iran-aus-dem-roten-meer-und-dem-golf-von-aden-zurueck/261071/
20) https://defence-network.com/iran-beschlagnahmt-schiff-im-golf-von-oman/
21) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/tanker-gekapert-oman-100.html
22) https://de.euronews.com/my-europe/2025/06/17/mitten-im-israel-iran-konflikt-tanker-kollision-in-der-strasse-von-hormus
23) https://www.deutschlandfunk.de/iran-bestaetigt-beschlagnahme-von-auslaendischem-tanker-102.html
24) https://www.cicero.de/aussenpolitik/iran-usa-tanker-hormus-oman-krieg
25) https://www.bundestag.de/resource/blob/992660/150121edd3d4012bf3c0412fe565d986/WD-5-016-24-pdf.pdf
26) https://www.cicero.de/aussenpolitik/iran-usa-tanker-hormus-oman-krieg
27) https://www.bundestag.de/resource/blob/992660/150121edd3d4012bf3c0412fe565d986/WD-5-016-24-pdf.pdf
28) https://www.cicero.de/aussenpolitik/iran-usa-tanker-hormus-oman-krieg
29) https://www.cicero.de/aussenpolitik/iran-usa-tanker-hormus-oman-krieg
30) https://www.cicero.de/aussenpolitik/iran-usa-tanker-hormus-oman-krieg
31) https://www.bundestag.de/resource/blob/992660/150121edd3d4012bf3c0412fe565d986/WD-5-016-24-pdf.pdf
32) https://www.n-tv.de/politik/Ukrainischer-Geheimdienst-bekennt-sich-zu-Attacken-auf-Oeltanker-id30086937.html
33) https://hansa-online.de/versicherung/kriegsversicherungen-fuer-schwarzes-meer-steigen-nach-tanker-attacken/297233/
34) https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/ukrainischer-geheimdienst-angriff-auf-putins-schattenflotte-im-mittelmeer-694539876376e847b7db4ffa
35) https://de.euronews.com/2025/12/19/ukrainischer-geheimdienst-tanker-schattenflotte
36) https://marinetraffic.live/blog/die-risikoversicherung-fuer-den-schwarzmeerkrieg-steigt-nach-drohnenangriffen-auf-sanktionierte-tanker
37) https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/282063/geheimdienste-und-konfliktbearbeitung/
38) https://docupedia.de/zg/bergien_geschichte_der_nachrichtendienste_v1_de_2021
39) https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Überwachungs-_und_Spionageaffäre
40) https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/282063/geheimdienste-und-konfliktbearbeitung/
41) https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/dossier-kriege-konflikte/282063/geheimdienste-und-konfliktbearbeitung/
42) https://docupedia.de/zg/bergien_geschichte_der_nachrichtendienste_v1_de_2021


Folgt nun der Krieg USA vs. China?
Nachdem Trump am Wochenende den venezolanischen Präsidenten, Nicolás Maduro, nach New York entführte, um einen Regimewechsel herbeizuführen und um an die Ölreserven zu gelangen, die China bereits beansprucht, sollen nun offenbar auch Regimewechsel in Kuba, Mexiko, Kolumbien und Grönland folgen. (1) Beginnt nun der lang prophezeite Krieg gegen China?
Ein Kommentar von Claudia Töpper.
Was geschah?
Der US-Präsident, Donald J. Trump ließ den Präsidenten von Venezuela am 03.01.2026 von Mitgliedern der Delta Force, eine Spezialeinheit der US-Armee, entführen und nach New York bringen, um ihn dort vor Gericht wegen Drogen- und Waffenhandel anzuklagen. (2) Dies bestätigt die US-Justizministerin, Pam Bondi auf X. (3) Bis Montag befand sich Maduro im dem Hochsicherheitsgefängnis, Metropolitan Detention Center in Brooklyn. (4)
Es handelte sich bei der Entführung um eine verdeckte Operation. (5) Dies scheint ein Video mit spanischem Untertitel aus Venezuela zu bestätigen.
„Die Medien wurden bei jedem Schritt im Dunkeln gelassen und irregeführt. Unmittelbar zuvor kam es durch die Abschaltung des Stromnetzes zu massiven Stromausfällen. Die CIA unter Präsident Trump verfolgte und prognostizierte jede Bewegung Maduros. Verdeckte Agenten lenkten die Zivilbevölkerung ab. Die eingesetzte Technologie und Strategie waren keinem anderen Land bekannt.“
Die Anklageschrift
Am Montag, den 05.01.2026 wurde Maduro in New York dem Haftrichter vorgeführt. Um 12:00 Uhr Ortszeit wurde die Anklageschrift gegen ihn, seine Frau, Cilia Adela Flores De Maduro und seinen Sohn, Nicolas Ernesto Maduro Guerra, alias „Nicolasito“ und „The Prince“ verlesen. (6) Maduro plädierte hierbei auf „nicht schuldig“. (7) Neben Maduro und seiner Familie sind die folgenden drei Personen laut der Anklageschrift mit angeklagt: „Diosdado Cabello Rondón, Vorsitzender der Nationalen Verfassungsgebenden Versammlung Venezuelas, Ramon Rodriguez Chacin, ein venezolanischer Politiker und ehemaliges Mitglied der Streitkräfte, der zwischen […] 2002 und 2008 als Minister des Inneren und der Justiz tätig war sowie zwischen […] 2012 und […] 2017 Gouverneur des venezolanischen Bundesstaates Guárico und Hector Rusthenford Guerrero Flores, alias „Niño Guerrero“, der […] über mehr als ein Jahrzehnt hinweg als Anführer oder Co-Anführer von TdA fungiert. In dieser Zeit haben Mitglieder und Verbündete von TdA eine breite Palette von Straftaten begangen. Darunter Erpressungen, Entführungen, Morde, Drogenhandel, Waffenhandel, Prostitution, Menschenhandel zum Zweck sexueller Ausbeutung, Raubüberfälle, Bankeinbrüche sowie Geldwäsche in Venezuela, den Vereinigten Staaten und anderswo.“ (8)
Die TdA steht für „Tren de Aragua“. Hierbei handelt es sich um eine kriminelle Organisation aus Venezuela, die ursprünglich in einem Gefängnis in dem Bundesstaat Aragua entstanden ist und sich später zu einem transnationalen Verbrechersyndikat entwickelt hat. (9)
Die aktuelle und erweiterte 25-seitige Anklageschrift enthält für Maduro folgende vier Anklagepunkte:
Sowie
Zudem ist der Anklageschrift noch eine Entschädigung beigefügt. Diese lautet wie folgt: „Vermögensabschöpfung / Einziehung: Aufgrund der in den Anklagepunkten 1–4 begangenen Straftaten sollen die Angeklagten jegliches Eigentum, das aus diesen Straftaten stammt oder für die Begehung dieser Straftaten genutzt wurde, an die Vereinigten Staaten abtreten, gemäß Title 21 U.S.C. §§ 853, 970 und Title 18 U.S.C. § 924(d). Falls diese Vermögenswerte nicht auffindbar, übertragen, außerhalb der Gerichtsbarkeit, erheblich entwertet oder mit anderem Eigentum vermischt wurden, beabsichtigt die US-Regierung, Ersatzvermögen in gleicher Höhe zu beanspruchen (Title 21 U.S.C. § 853(p); Title 28 U.S.C. § 2461(c)).“ (19)
„Die in diesem Fall möglichen zwingenden Mindest- und Höchststrafen sind vom Kongress festgelegt und werden hier ausschließlich zu Informationszwecken genannt, da das konkrete Strafmaß für die Angeklagten vom Richter bestimmt wird. Der Fall wird von der Terrorismus- und Internationalen Betäubungsmittelabteilung der US-Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York bearbeitet.“ (20)
Bei der FARC handelt es sich um die „Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia“ (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens), die 1994 aus bäuerlichen Selbstverteidigungsgruppen und kommunistischen Parteikreisen gegründet wurde. Sie kämpft gegen soziale Ungleichheit und den kolumbianischen Staat mithilfe von Bombenanschlägen, Entführungen, Erpressungen und Gewaltakten. (21) Sie wurde offenbar vor allem durch den Drogenhandel mit Kokain finanziert. (22)
Maduros Frau wird in den Punkten 2-4 angeklagt. (23)
Die eigentliche Verhandlung könnte sich über Monate hinziehen, denn die Verteidiger von Nicolás Maduro werden vermutlich die Rechtmäßigkeit der Verhaftung und Überstellung in die USA infrage stellen und anfechten und sich auf die Immunität als Staatsoberhaupt beziehen. (24)
Reaktion aus Venezuela und der Welt
„Die Menschen im Land sind über den US-Putsch keineswegs einstimmig glücklich. Das Gegenteil sei der Fall. Die Regierung ist nicht abgesetzt, das Militär kündigt bewaffneten Widerstand gegen die USA an und das Volk würde hinter dem Militär stehen.“ (25)
Noch in der Tagesschau vom 04.01.2026 um 15:10 Uhr wird berichtet, dass der Bevölkerung untersagt wird, sich über die Entführung und den Regimewechsel, der in Venezuela erfolgte, zu freuen. Bereits am Abend des 04.01.2026 um 20:00 Uhr berichtet die Tagesschau jedoch das genaue Gegenteil. (26)
In den sozialen Netzwerken wird berichtet, dass nicht alle Menschen, die in Venezuela leben, über diesen amerikanischen Putsch erfreut sind. (27) Exil-Venezolaner freuen sich hingegen über den Sturz von Maduro. (28)
Außenminister von Venezuela, Iván Gil Pinto kritisiert den Angriff als „feige und kriminell“. (29)
In Mexiko und Brasilien gab es Proteste gegen die Entführung und Verhaftung Maduros, da sie völkerrechtswidrig ist. (30) Brasilien, Mexiko, Chile, Kolumbien und weitere Staaten veröffentlichten gemeinsame Erklärungen, in denen sie „tiefe Besorgnis und Ablehnung“ über das Vorgehen äußerten. (31)
Während von Politikwissenschaftlern, Frankreich, China, Mexiko, Brasilien, Russland, Kuba, Iran und Venezuela sowie EU- und UN-Vertretern klar von einem Völkerrechtsbruch gesprochen wird, ordnet der deutsche Rechtsanwalt, Joachim Steinhöfel die Festnahme von Nicolás Maduro juristisch ein und kommt zu einem klaren Befund: „kein Völkerrechtsbruch“. (32)
Der Bundeskanzler, Friedrich Merz hält sich lange mit einer Einschätzung zurück und benennt die US-Aktion lediglich als „komplex“. (33) Auch der deutsche Außenminister, Johann Wadephul möchte den US-Angriff nicht bewerten. (34)
Wolodymyr Selenskyj, der ukrainische Präsident ließ nach der völkerrechtswidrigen Entführung und Verhaftung Maduros verlauten:
„Washington weiß nun, was es als nächstes zu tun hat.“ (35)
Wer ist Maduros Nachfolgerin?
Delcy Rodríguez ist die Nachfolgerin und Interimspräsidentin von Venezuela. Sie ist die Tochter des linksgerichteten Guerillakämpfers Jorge Antonio Rodríguez, der in den 1970er Jahren die revolutionäre Partei Liga Socialista gründete. Rodríguez ist Juristin und gilt als unnachgiebige Sozialistin und Unterstützerin Maduros. (36) Ihr Bruder, Jorge Rodriguez ist Psychiater und ehemaliger Minister für Kommunikation und Information von Venezuela. Er wird als zentraler politischer Akteur und enger Verbündeter der Regierung beschrieben, der eher im Hintergrund agiert. (37)
Delcy Rodríguez und ihr Bruder Jorge werden als Schlüsselakteure im Machtgefüge Venezuelas beschrieben, insbesondere nachdem Maduro abgesetzt bzw. gefangen genommen wurde. Sie gelten als wichtige politische Figuren, die die verbleibende Macht ausüben könnten. (38)
In einer Pressekonferenz betonte die Interimspräsidentin,
„das Land sei von „Zionisten“ angegriffen worden, die die Nation versklaven wollten. Sie beharre darauf, dass Venezuela die Anweisungen der Trump-Regierung bezüglich der Wahl des nächsten Präsidenten ignorieren werde. Sie erklärte zudem, das ganze Land sei mobilisiert und Nicolás Maduro bleibe der legitime Präsident.“ (39)
In einem Telefoninterview mit The Atlantic soll Trump Rodriguez gedroht haben. Wörtlich soll er gesagt haben:
„Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich höher als (Nicolás) Maduro.“ (40)
Einige Medien berichten, dass Maduro von Rodriguez verraten wurde und legen nahe, dass der Putsch gemeinsam vorbereitet wurde. Wie Bild.de berichtet, deutet dies der ehemalige kolumbianische Vizepräsident, Francisco Santos Calderón an. (41) Fest zu stehen scheint, dass die riesige Öl-Raffinerie des Staatskonzerns PDVSA in Maracaibo von der jetzigen Interimspräsidentin kontrolliert wird. Demnach hat nach dem Putsch nun genau die Person die Entscheidungsgewalt, die Trump für seine geplanten Ölgeschäfte braucht. (42)
Nachdem Rodriguez zunächst bekräftigte, dass sich Venezuela auch unter ihrer vorrübergehenden Leitung nicht von den USA übernehmen lassen werde, lassen aktuelle Nachrichten vermuten, dass sie zumindest eine Zusammenarbeit mit den USA anstrebe. (43) Die aktuelle Friedensnobelpreisträgerin hat sich ebenfalls als Präsidenten vorgeschlagen mit dem Zusatz, dass sie den USA zugetan wäre. (44) Trump lehnte dieses Angebot jedoch bereits ab, da „ihr der Respekt im Land fehle“. (45)
Trump hat erst begonnen
Er drohte in der Pressekonferenz am vergangenen Samstag in Mar-a-Lago indirekt auch Kuba und Kolumbien, dass sie aufpassen sollen. (46) Marco Rubio, US-Außenminister erklärte zusätzlich, dass Kuba Maduro unterstützen und seine Sicherheit kontrollieren würde. (47)
Zusätzlich erklärte er in Bezug auf Grönland, dass er dies ebenfalls unter US-Kontrolle bringen möchte und Dänemark Grönland sowieso keinen Schutz vor chinesischen Angriffen bieten könne. (48) Zudem hat Trump auch Mexiko bereits im Visier. (49)
Kommentar
Was in der ganzen Diskussion nicht erwähnt wird, ist, dass die meisten Menschen in den USA aufgrund der Ärzte und Krankenhäuser drogensüchtig sind. Dies hat den einfachen Grund, weil die Ärzte in Amerika schwere Schmerzmittel, wie Fentanyl und Opioide wie Oxycodon, Hydrocodon, Morphin verschreiben, die sehr leicht süchtig machen. Nach einer Operation oder um Schmerzen zu lindern. (50) Da dies nirgendwo erwähnt wird, kann davon ausgegangen werden, dass der vorgeworfene Drogenterrorismus nur vorgeschoben ist.
Fakt ist, dass Venezuela nicht nur die größten Ölreserven der Welt (303 Milliarden Barrel Ölreserven) besitzt, sondern auch ungeförderte Milliarden an Silber und Gold sowie offizielle Goldreserven von 161 Tonnen mit einem aktuellen Wert von 22 Milliarden US-Dollar. (51) Maduro war dagegen, dass Venezuela von anderen Ländern und ausländischen Unternehmen ausgenommen wird. (52) Nur Stunden nach der Verhaftung Maduros soll die US-Regierung mit J.P. Morgan offenbar einen Deal im Wert von 6 Millliarden US-Dollar über eine Schmelzanlage für Silber in Venezuela abgeschlossen haben. Mit wem, ist unbekannt. (53) Zudem hatte Präsident Trump am Samstag, den 03.01.2026 während der Pressekonferenz in Mar-a-Lago gegenüber Reportern gesagt,
„dass die USA große Mengen venezolanisches Öl an andere Länder verkaufen würden, nachdem sie die Produktion hochgefahren hätten.“
Und er fügt hinzu:
„Venezuela hält die größten Ölreserven der Welt, aber Jahre der Unterinvestition und bröckelnden Infrastruktur haben einen Großteil dieses Reichtums verschlossen. US-Energieunternehmen könnten in das Land zurückkehren, um dieses Potenzial zu erschließen. Wir werden unsere sehr großen US-Ölunternehmen dazu bringen, Geld auszugeben, Milliarden von Dollar auszugeben, die schlecht kaputte Ölinfrastruktur zu reparieren und Geld für das Land zu verdienen“. (54)
Der Ex-Präsident von Venezuela, Hugo Chavez sagte bereits während seiner Amtszeit in einem Interview, dass den USA das Öl ausgeht. (55) Auch Maduro kennt das wahre Ziel von Trump: Öl, Gold und seltene Erden. Dies erklärte er in einem Interview mit Ignacio Ramonet im Pod-Car-Format. (56)
Es ist also offensichtlich, dass Trump vorrangig die Ölreserven und Bodenschätze von Venezuela im Blick hat und weniger den Drogenschmuggel. Was nicht für jeden offensichtlich sein könnte, ist, dass dies der Beginn des Krieges zwischen China und den USA sein könnte, der von Beobachtern schon lange prophezeit wird. China verkündet über X, dass es über den Angriff der USA zutiefst schockiert ist. (57) Der offizielle Sprecher Chinas schreibt auf X:
„China ist zutiefst schockiert über den eklatanten Einsatz von Gewalt durch die USA gegen einen souveränen Staat und das Vorgehen gegen dessen Präsidenten und verurteilt dies aufs Schärfste. Solche hegemonialen Handlungen der USA verstoßen schwerwiegend gegen das Völkerrecht und die Souveränität Venezuelas und bedrohen Frieden und Sicherheit in Lateinamerika und der Karibik. China lehnt dies entschieden ab. Wir fordern die USA auf, das Völkerrecht sowie die Ziele und Grundsätze der UN-Charta zu achten und die Verletzung der Souveränität und Sicherheit anderer Länder zu beenden.“ (58)
China kauft seit Jahrzehnten Venezuela das Öl ab. Nun sind diese Verträge gefährdet. (59) Auch das Bild des US-Präsidenten, der alle Kriege beenden will und den Friedensnobelpreis dafür haben wollte, ist Geschichte. Nun zeigt Trump, dass auch er, wie alle anderen US-Präsidenten vor ihm (siehe Obama und Bush) nur den eigenen Reichtum im Sinn hat und diesen durch Lügen und illegale Kriege erreichen will.
Die Handlungen von Delcy Rodríguez werden in den nächsten Tagen und Wochen zeigen, ob sie wirklich den Putsch mit Trump vorbereitet hat, denn man soll sie an ihren Taten messen und nicht an ihren Worten. So werde sie sich verraten.
Ein Augenzeuge aus Venezuela berichtet zudem, dass Venezuela unter Maduro weder ein Mitglied in der WHO noch beim WEF ist und er auch kein Mitglied bei den Young Global Leaders war. Dies könnte ein weiteres Motiv für den erzwungenen Regimewechsel sein. (60)
(1) https://www.nytimes.com/2026/01/05/business/venezuela-oil-china-deal.html; https://www.gmx.net/magazine/politik/us-politik/wirbel-groenland-beitrag-trump-verspottet-daenemark-41750392
(3) https://x.com/AGPamBondi/status/2007428087143686611 Die Seite gibt es nicht mehr
(4) https://www.foxnews.com/live-news/maduro-captured-venezuela-attack-january-4-2026#post-8ab3b44
(5) https://t.me/LIONMediaNews/28500
(6) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/maduro-manhattan-gericht-100.html; https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(9) https://home.treasury.gov/news/press-releases/jy2459
(10) https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(12) https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(13) https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(15) https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(17) https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(19) https://www.justice.gov/opa/media/1422326/dl?inline=
(21) https://www.britannica.com/topic/FARC
(23) https://t.me/LIONMediaNews/28499
(24) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/maduro-manhattan-gericht-100.html
(25) https://t.me/stefanmagnet/6656
(27) https://t.me/stefanmagnet/6659
(29) https://taz.de/Lateinamerikanisch-karibische-Staaten/!6142812/
(30) https://mexiconewsdaily.com/news/protests-erupt-mexico-us-op-venezuela/; https://www.breitbart.com/latin-america/2026/01/03/latin-american-presidents-rejoice-leftists-panic-over-maduro-arrest/
(31) https://en.mercopress.com/2026/01/05/leftwing-governments-object-to-washington-s-abduction-of-maduro
(32) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/venezuela-us-angriff-reaktionen-102.html; https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/venezuela-us-angriff-reaktionen-100.html; https://www.achgut.com/artikel/maduros_festnahme_und_die_voelkerrechtliche_legitimation
(33) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/venezuela-us-angriff-reaktionen-102.html
(34) https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-12/usa-venezuela-konflikt-donald-trump-live
(35) https://www.foxnews.com/live-news/maduro-captured-venezuela-attack-january-4-2026#post-8ab3b44
(36) https://www.deutschlandfunk.de/maduros-nachfolgerin-wer-ist-delcy-rodr-guez-102.html
(38) https://www.ft.com/content/4b87b114-1d16-46ea-ab75-cb511d441431
(39) https://uncutnews.ch/venezuelas-interimspraesidentin-in-landesweiter-ansprache-wir-werden-niemals-wieder-sklaven-sein/; https://x.com/ShadowofEzra/status/2007537259453788466
(42) riesige Öl-Raffinerie des Staatskonzerns PDVSA in Maracaibo wird von der Vize-Präsidentin kontrolliert
(43) https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/venezuela-usa-rodriguez-100.html; https://www.foxnews.com/live-news/maduro-captured-venezuela-attack-january-4-2026#post-8ab3b44
(44) https://t.me/LIONMediaNews/28498
(46) https://www.youtube.com/watch?v=SsdkClL2_bg; https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL3RhZ2Vzc2NoYXUuZGUvMzY2NGUzMzUtMGM2My00MTBhLTgzN2YtZGI0NjA5ZWQzMWM0LVNFTkRVTkdTVklERU8
(47) https://www.foxnews.com/live-news/maduro-captured-venezuela-attack-january-4-2026#post-8ab3b44
(48) https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-12/usa-venezuela-konflikt-donald-trump-live; https://t.me/unabhaengig_neutral/24495
(50) https://www.cdc.gov/overdose-prevention/about/prescription-opioids.html
(51) https://opposition24.com/politik/profitiert-j-p-morgan-vom-regime-change-in-venezuela/
(52) https://www.foxnews.com/live-news/maduro-captured-venezuela-attack-january-4-2026#post-8ab3b44; https://threadreaderapp.com/thread/2007823029846372858.html
(54) https://www.foxnews.com/live-news/maduro-captured-venezuela-attack-january-4-2026#post-8ab3b44
(55) https://t.me/unabhaengig_neutral/24453
(56) https://t.me/bitteltv/36864
(57) https://x.com/mfa_china/status/2007460580089868702?s=46
(58) https://x.com/mfa_china/status/2007460580089868702?s=46
(59) https://www.nytimes.com/2026/01/05/business/venezuela-oil-china-deal.html
(60) https://t.me/stefanmagnet/6659
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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Golden Pumpjack And Spilled Oil On Venezuelan Money. 3D Scene
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