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Iran: Blut und Öl

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Trump droht mit Krieg und Strafzöllen, um das iranische Öl zurückzuerobern – genau wie 1953, als die CIA Mossadegh stürzte und US-Konzerne sofort 40 Prozent des Öls kassierten. Heute strangulieren Sanktionen das Land, erzeugen Chaos und Leid, das dann als Beweis gegen Teheran missbraucht wird. Das zynische Muster ist immer dasselbe: Die Krise schaffen, um sie auszunutzen. Die größte Bedrohung für den Weltfrieden heißt USA. Von Sevim Dagdelen.

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Was haben Venezuela und Iran gemeinsam? Beide Länder gehören zu den Top 5 der Staaten mit den größten Ölreserven. Dazu kommen noch Kanada, das US-Präsident Donald Trump als 51. Bundesstaat der USA integrieren möchte, die Musterdemokratie Saudi-Arabien und Irak, zu dem seit dem US-Angriffskrieg 2003 zur angeblichen Beseitigung von Massenvernichtungswaffen Ölfirmen wie ExxonMobil und Chevron wieder Zugang haben. In Irakisch-Kurdistan, autonomer Teil des Irak, profitieren Hunt Oil und andere US-Firmen von der durch Vermittlung der USA wiedereröffneten Ceyhan-Pipeline.

Im Iran geht es den USA wie in Venezuela um das Öl. Zugleich soll ein unbequemer geopolitischer Konkurrent in der Region ausgeschaltet werden. Beim Iran wäre es nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Washington einen Regime Change nutzt, um seinen Ölfirmen privilegierte Ausbeutungsbedingungen zu garantieren. Das scheint denn auch das Konzept von Trump zu sein, der mit Hilfe eines offenen Raubkapitalismus den durch die KI enorm steigenden Energiebedarf der USA preiswert gedeckt wissen will.

1953 bis heute – Die Blaupause des Putsches

Doch zurück zum Regime Change in Teheran. Gegen den demokratisch gewählten Präsidenten des Iran, Mohamed Mossadegh, hatten die USA 1953 einen CIA-Putsch unterstützt; infolgedessen wurde der Schah, der eine blutige Diktatur im Land errichtete, vom Militär als Staatschef eingesetzt. Der iranische Geheimdienst Savak errichtete mit Hilfe der CIA und des Mossad ein Schreckensregime.

Heute gilt der Diktatorensohn Reza Pahlavi, auch wenn US-Präsident Trump bislang gemeinsame Fotos vermeidet, als Favorit der Vereinigten Staaten, wenn es darum geht, erneut die Monarchisten im Iran an die Macht zu bringen.

Der Vorteil der Herrschaft seines Vaters lag für die US-Ölfirmen auf der Hand. Bereits ein Jahr nach dem Putsch von 1953, der auch durch bezahlte Schlägerbanden provoziert worden war, konnten sich die Vorläuferfirmen von Exxon und Mobil sowie Texaco und andere 40 Prozent des iranischen Öls sichern, 40 Prozent gingen an die Briten, mit Shell.

Sanktionen, Chaos, Krieg – Der aktuelle Drehplan

US-Analysten wie Jeffrey Sachs warnen bereits für 2026 vor einem neuen CIA-Playbook für einen Umsturz im Iran. Durch immer schärfere US-Sanktionen wurde erreicht, dass immer weniger Öl für immer weniger Devisen exportiert werden konnte – mit dramatischem Währungsverfall und massiven Teuerungen für die Bevölkerung. Die Sanktionen sind nicht allein schuld – Misswirtschaft und Korruption spielen mit –, aber sie wirken als entscheidender Eskalationstreiber.

Genau das ist das zynische Standardmuster der US-Sanktionspolitik: Die USA nutzen ihre überlegene Finanzmacht, um Länder wie Iran, Syrien, Kuba oder Venezuela wirtschaftlich zu strangulieren – angeblich zum Schutz von Demokratie und Menschenrechten.

Das selbst provozierte Leid – Hyperinflation, Medikamentenmangel, Hunger, kollabierende Gesundheitssysteme – wird dann als Beweis für die Inkompetenz und Brutalität der Regierungen präsentiert.

Kurz: Washington schafft die Krise – und missbraucht sie als Propaganda für noch mehr Druck.

Die blutige Niederschlagung der Proteste in Teheran mit unbekannter Todeszahl nutzen die USA nun als willkommenen Vorwand, um offen mit einem unprovozierten, völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu drohen – lautstark sekundiert von der israelischen Führung. Es ist wieder einmal der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, der versucht, einen US-Angriff regelrecht herbeizureden.

Jedem Simpel müsste auffallen, dass irgendetwas nicht stimmen kann, wenn ein von Den Haag per Haftbefehl wegen Völkermords gesuchter mutmaßlicher Kriegsverbrecher und ein US-Präsident, der einen Völkerrechtsbruch nach dem anderen begeht, als plötzliche Schutzmacht in Sachen Menschenrechte auftreten.

Der Iran jedenfalls verweigert sich weiterhin, den US-Ölfirmen den Zugang zum Land zu öffnen. Das ist das einzige Verbrechen, das der US-Präsident nicht vergeben kann. Noch zögert Washington, noch will man abwarten, ob die Sanktionen nicht noch größeren Schaden anrichten und sich die wirtschaftliche Lage im Land weiter verschärft und die Destabilisierung voranschreitet. Um das zu erreichen, riskiert Trump selbst den Waffenstillstand im Zollkrieg mit China, der bis Ende 2026 die Zölle für viele Produkte auf 10 Prozent einfriert. Wer mit dem Iran handelt, soll künftig einen Strafzoll von 25 Prozent bei Einfuhren in die USA bezahlen, so der US-Präsident.

Kann der Iran aber kaum mehr Öl ins Ausland verkaufen, wird die Währung völlig einbrechen. Ein finanzieller Kollaps des Landes statt eines kostspieligen Krieges würde besser ins Kalkül Washingtons passen. Aber auch wenn die Ausfuhren iranischen Öls nach China bereits jetzt stark zurückgegangen sind, will sich Peking dem US-Diktat nicht beugen. Dazu kommt, dass die letzte bewaffnete Auseinandersetzung mit dem Iran allenfalls mit einem Patt geendet hat.

Die entscheidende Frage ist, ob für eine erfolgreiche US-Militärintervention Bodentruppen bereitstehen müssen. Die Mobilisierung bewaffneter Milizen, rekrutiert aus den ethnischen Minderheiten, scheint allein infolge der zahlenmäßigen Schwäche der Einheiten wenig erfolgversprechend. Die konservative Zeitung Jerusalem Post berichtet derweil über Versuche des israelischen Geheimdienstes, mehr Einfluss auf die Proteste im Iran zu gewinnen.

Der deutsche Außenminister Johann Wadephul sprach dem „Regime“ im Iran jede Legitimität ab, setzt aber auf den Weg noch schärferer Sanktionen, um einen Regime Change ins Werk zu setzen. In der Türkei bekräftigte dagegen Außenminister Hakan Fidan seine Kritik am Versuch des Mossad, einen Umsturz im Iran herbeizuführen.

Heuchlerische Kriegsgründe und die wahre Bedrohung

Käme als weiteres Argument für den Krieg der USA noch der Kampf gegen den Islamismus. Aber auch hier reicht ein Blick nach Syrien, wo der Alleinherrscher Al-Dscholani mit islamistischen Terrorverbänden in Aleppo kurdische Zivilisten massakrieren lässt, nachdem er sowohl von Washington als auch von Brüssel hofiert wurde, um zu erkennen, dass es mit der vorgeblichen Bekämpfung des Islamismus schlicht nicht ernst gemeint sein kann. In Berlin wird dem Al-Qaida-Mann a.D. kommende Woche denn auch der rote Teppich ausgerollt.

Wer der Kriegspropaganda von Präsident Trump auf den Leim geht, droht einem völkerrechtswidrigen Krieg der USA durch Dummheit den Weg zu bahnen und trägt Verantwortung dafür, dass eine ganze Region ins Chaos gestürzt wird. Rund eine Million Menschen haben den US-Angriff auf das Nachbarland des Iran, auf den Irak, seinerzeit mit dem Leben bezahlt. Es wäre von besonderer Tragik, sollte sich diese Geschichte wiederholen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Versuch, über die Streitfrage der iranischen Urananreicherung eine Kriegslegitimation zu schaffen. Der Vorwurf, dass der Iran sich Massenvernichtungswaffen beschaffen wolle, wird dabei ausgerechnet von Israel – als engem Verbündeten der USA und Deutschlands in der Region – vorgebracht, einem Land, das den Atomwaffensperrvertrag weder unterzeichnet noch ratifiziert hat und nach Schätzungen des Stockholmer Friedensinstituts SIPRI im Besitz von 90 atomaren Sprengköpfen ist.

Es bleibt dabei: Die größte Bedrohung für internationale Sicherheit und den Weltfrieden sind die USA, die selbst gemeinsam mit der deutschen Bundesregierung dazu bereit waren, einen Völkermord an den Palästinensern in Gaza mit zu unterstützen. US-Präsident Trump aber ist zu allem bereit, da sollte sich keiner Illusionen machen, auch dazu, sehr viel Blut zu vergießen, damit die US-Ölkonzerne endlich wieder an das schwarze Gold im Iran kommen.

Dem erneuerten US-Imperialismus in Europa die Rote Karte zu zeigen, heißt, den Abzug der rund 100.000 US-Soldaten zu fordern, wie auch die NATO zu verlassen, denn diese ist allein dazu da, die US-Hegemonie im Nordatlantik herzustellen und als Instrument für eine globale Eskalation im Interesse der Milliardäre in den USA zu sorgen.

Titelbild: Tomas Ragina / Shutterstock

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Der lange Schatten der Regimewechsel | Von Alvaro Zapata

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Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 befand sich der damalige US-Vier-Sterne-General Wesley Clark, zu diesem Zeitpunkt NATO-Oberbefehlshaber im Kosovo-Krieg, zu Gesprächen im Pentagon.

Clark berichtete später öffentlich, dass er dort auf ein internes Dokument aufmerksam gemacht worden sei, das eine Liste von Staaten enthielt, gegen die in den folgenden Jahren militärische Maßnahmen geplant gewesen seien.

Auf Nachfrage bei militärischen und politischen Entscheidungsträgern, darunter dem damaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, sei ihm mitgeteilt worden, dass es Pläne gebe, innerhalb von fünf Jahren gegen sieben Länder vorzugehen: Irak, Syrien, Libyen, Libanon, Somalia, Sudan und Iran. Laut Clark bestand kein direkter Zusammenhang dieser Liste mit den Anschlägen vom 11. September; es habe sich um eine strategische Planung gehandelt.

In den darauffolgenden Jahren kam es tatsächlich zu militärischen Interventionen oder Regimewechseln in mehreren der genannten Staaten, darunter im Irak (2003), in Libyen (2011) und in Syrien (ab 2011). Andere Länder der Liste sind bis heute von Konflikten, Sanktionen oder politischer Instabilität betroffen.

Iran blieb bislang das einzige Land der genannten Gruppe ohne direkte militärische Intervention der USA.Vor diesem Hintergrund wird auch die jüngste US-amerikanische Operation in Venezuela von Kritikern in einen größeren geopolitischen Kontext gestellt. Venezuela verfügt über die weltweit größten bestätigten Erdölreserven.

Der jüngste Zugriff der USA führte zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, bei denen mehrere Angehörige venezolanischer Sicherheitskräfte ums Leben kamen, sowie zur Festsetzung des venezolanischen Präsidenten. Juristen und Völkerrechtler bewerten die Aktion als völkerrechtswidrig, da kein internationales Mandat vorlag.

Öffentliche Unterstützung für das Vorgehen kam unter anderem aus Israel. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gratulierte US-Präsident Donald Trump auf der Plattform X zu der Operation und lobte dessen Führung und Entschlossenheit. Die Äußerung wurde international zur Kenntnis genommen und unterschiedlich bewertet.

Parallel dazu eskalierten in Iran zuletzt landesweite Proteste. Auslöser waren unter anderem der starke Wertverlust der Landeswährung, hohe Inflation und wirtschaftliche Notlagen. Es kam zu Zusammenstößen zwischen Demonstrierenden und Sicherheitskräften, bei denen Tote und Verletzte gemeldet wurden. Vertreter der USA und Israels äußerten öffentlich Sympathie für die Protestbewegung. US-Präsident Trump erklärte, die Vereinigten Staaten würden reagieren, sollte es zu weiteren Todesopfern unter Demonstrierenden kommen.Die iranische Regierung wirft den USA und Israel vor, zur Eskalation der Unruhen beizutragen.

Zur Begründung verweist Teheran auch auf historische Erfahrungen. Der iranische Geheimdienst SAVAK, der unter dem Schah-Regime tätig war, wurde 1957 nach dem Sturz des demokratisch gewählten Premierministers Mossadegh im Rahmen der Operation Ajax gegründet. Aufbau, Ausbildung und Arbeitsweise des SAVAK erfolgten mit Unterstützung der CIA und des israelischen Geheimdienstes Mossad.

Der SAVAK war für umfassende Überwachung, Folter und die Verfolgung politischer Opposition verantwortlich. Diese Vergangenheit prägt bis heute das iranische Verhältnis zu westlichen Staaten.

Zusätzlich belastet wird die Lage durch frühere israelische Militäraktionen gegen iranische Ziele sowie gezielte Tötungen politischer Akteure in Teheran. Beobachter sehen darin eine Kontinuität regionaler Spannungen.

Analysten verweisen darauf, dass die von Clark geschilderten Planungen aus dem Jahr 2001 in Teilen umgesetzt wurden. Die aktuellen Entwicklungen in Venezuela und Iran werden daher von einigen Experten als Teil längerfristiger geopolitischer Strategien interpretiert, während westliche Regierungen die Ereignisse jeweils als voneinander unabhängige Reaktionen auf aktuelle Krisen darstellen.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bildquelle: tanitost /shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
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