In Deutschland gelte die verfassungsrechtlich geschützte ärztliche Therapiefreiheit, beteuert das Bundesgesundheitsministerium anlässlich der scharfen Kritik von Robert F. Kennedy Jr. auf der eigenen Website. Gesundheitsministerin Nina Warken betont dabei auch die wissenschaftliche Evidenz – ein Fachgebiet von Prof. Dr. Andreas Sönnichsen, ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin. Er sieht in Deutschland seit den Corona-Jahren jedoch eine deutliche Abkehr von diesen Prinzipien und prangert dies in einem offenen Brief an Warken scharf an. Denn auch nach der sogenannten Pandemie blieb die Rückkehr zur Vernunft aus: Sönnichsen nimmt in seinem Schreiben besonders die Masernimpfpflicht aufs Korn.
Nachfolgend lesen Sie den offenen Brief von Prof. Dr. med. Andreas Sönnichsen:
Offener Brief an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken
Salzburg, 19.01.2026
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Warken,
sehr herzlich danke ich Ihnen für Ihre kürzlich getätigten klaren Aussagen zu Therapiefreiheit und Patientenautonomie. Sie schreiben auf der Homepage des BMG wörtlich: „In Deutschland gilt grundsätzlich die verfassungsrechtlich geschützte ärztliche Therapiefreiheit. Ärztinnen und Ärzte entscheiden selbstständig und eigenverantwortlich über die Behandlung von Patientinnen und Patienten. Der Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung basiert auf nachgewiesener wissenschaftlicher Evidenz und wird nicht von der Politik festgelegt. Ebenso sind Patientinnen und Patienten frei in ihrer Entscheidung, welche Therapie sie in Anspruch nehmen.“(1)
Es freut mich als ehemaliger Vorsitzender des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin und Hochschullehrer für Allgemein- und Familienmedizin (ehemals Paracelsus Universität Salzburg, Universität Witten/Herdecke, Medizinische Universität Wien), dass Sie in Deutschland mit Nachdruck eine Rückkehr zu den Prinzipien der evidenzbasierten Medizin (EbM) nach ihrem Gründervater David Sackett anstreben.
David Sackett definiert EbM als auf drei gleichwertigen Säulen ruhend. Neben der Studienevidenz sind die klinische Expertise des Behandlers und die Patientenautonomie unabdingbare Voraussetzungen für eine informierte, partizipative Entscheidung über die Durchführung einer medizinischen Maßnahme. Sackett schreibt wörtlich: „[EbM] requires a bottom up approach that integrates the best external evidence with individual clinical expertise and patients‘ choice“ (2)
Leider hat sich Deutschland in der Corona-Zeit weit von diesen Prinzipien entfernt. Die Corona-Maßnahmen wurden ohne wissenschaftliche Evidenz durch Ihre Vorgänger politisch verordnet, teilweise entgegen den wissenschaftlichen Empfehlungen des Krisenstabs am RKI, wie wir aus den RKI-Protokollen heute wissen.
Leider hat der Gesundheitsminister der USA, Robert F. Kennedy, auch recht, wenn er die straf- und disziplinarrechtliche Verfolgung von Ärzten anprangert, die in Deutschland gang und gäbe war und noch immer besteht, wenn Ärzte sich für Therapiefreiheit und Patientenautonomie einsetzen. Ich verweise hier nur beispielhaft auf Dr. Ronald Weikl, Dr. Bianca Witzschel, Dr. Heinrich Habig, Dr. Michael Foti.
Und leider hat die Einschränkung von ärztlicher Therapiefreiheit und Patientenautonomie auch nicht mit Ende der sogenannten Corona-Pandemie geendet. Sie wird fortgesetzt in einer zunehmend schärfer durchgesetzten Masernimpfpflicht, die jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehrt.
Zur allgemeinen Diskussion von Impfpflicht haben wir uns als Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin bereits 2019 kritisch geäußert. Unser Appell an die Bundesregierung und den damaligen Bundesgesundheitsminister, Therapiefreiheit und Patientenautonomie nicht durch eine Impfpflicht zu beschränken, blieb leider ungehört. Das Masernschutzgesetz wurde 2019 ohne wissenschaftliche Grundlage und ohne Not durchgesetzt.
Erlauben Sie mir, die epidemiologische Situation der Masern kurz darzustellen. Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre gibt es in Deutschland ca. 500 Masernfälle pro Jahr. Zwischen 2015 und 2019 kam es zu einem Rückgang der Fälle – entgegen den damaligen Behauptungen von Herrn Spahn. Es bestand also seitens der Entwicklung der Fallzahlen keine Notwendigkeit für die Einführung der Impfpflicht. Auch Todesfälle oder schwere Komplikationen waren nicht zu beklagen. In den „Corona-Jahren“ waren die Masern so gut wie verschwunden (2020 76 Fälle, 2021 8 Fälle, 2022 15 Fälle). In den Jahren 2023-2024 kam es zu einem leichten Wiederanstieg auf das Niveau vor Corona (2023 79 Fälle, 2024 645 Fälle), 2025 gingen die Zahlen bereits wieder zurück (233 Fälle) (3).
Eine epidemische Notlage durch Masern, die eine Grundrechtseinschränkung (hier das Recht auf körperliche Unversehrtheit nach Art. 2, Abs. 2 Grundgesetz) (4) rechtfertigen würde, besteht in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr, wenn sie denn überhaupt je bestand. Masernkomplikationen und Todesfälle waren ohnehin bereits vor Einführung der Masernimpfung Anfang der 70er Jahre auf nahe Null zurückgegangen, so dass die Impfung insgesamt fragwürdig erscheint. Hierüber lässt sich streiten. Es ist in Ermangelung belastbarer Studiendaten unbekannt, wie sich ein Impfstopp heute auswirken würde. Die derzeit als Beleg für einen Bevölkerungsnutzen der Impfung herangezogenen Todesfall- und Komplikationsraten stammen entweder aus Entwicklungsländern, die hinsichtlich Hygiene, Ernährung und medizinischer Versorgung mit Deutschland nicht vergleichbar sind oder aus deutschen Zahlen vor Einführung der Impfung, also aus einer Zeit, die ebenfalls vor allem hinsichtlich der medizinischen Versorgung nicht mit der heutigen vergleichbar ist.
Auf jeden Fall kann beim Fehlen belastbarer Evidenz für einen Nutzen der Impfung keine Impfpflicht erlassen werden, und das schon gar nicht, wenn es, was auch RKI, STIKO und PEI offen einräumen, durch die Masernimpfung (heute nur noch als MMR-Dreifachimpfung oder MMRV-Vierfachimpfung verfügbar) zu schweren Nebenwirkungen und Impfschäden kommen kann.
Auch der vermeintliche Schutz der sogenannten „vulnerablen Kinder“ mag hier nicht als Grund für eine Impfpflicht zu überzeugen. In Deutschland sterben pro Jahr etwa 170 Kinder an Infektionskrankheiten, jedoch kein einziges Kind stirbt an Masern. „Vulnerable Kinder“ sterben an Influenza, Pneumokokken, Staphylokokken, Streptokokken und anderen häufigen Infektionskrankheiten, aber nicht an Masern.
Betrachtet man die Nutzen-Schaden-Relation der Masernimpfung, so steht dem fehlenden individuellen Nutzen und dem fehlenden Nutzennachweis auf Bevölkerungsebene ein erhebliches Schadenspotential gegenüber. Der individuelle Nutzen (nicht der Bevölkerungsnutzen!) der Impfung bemisst sich am individuellen Erkrankungs- und Komplikationsrisiko durch die Erkrankung. Bei durchschnittlich 500 Masernfällen pro Jahr und 83 Millionen Einwohnern in Deutschland liegt das Erkrankungsrisiko bei etwa 0,0006 % pro Jahr, das Lebenszeitrisiko somit bei einer angenommenen Lebenserwartung von 80 Jahren bei 0,048 %. Dazu kommt, dass laut Bericht der ECDC etwa 20 % der Masernfälle auf Geimpfte entfallen (5). Das Komplikations- oder Todesfallrisiko ist mindestens um den Faktor 1000 geringer, liegt also unter 0,000048 %. Selbst wenn man die Zahlen nur auf den für Masern empfänglichen Teil der Bevölkerung, ca. 8-10 Millionen Menschen in Deutschland (Ungeimpfte und etwa 20 % der Geimpften), bezieht, kommt man nur auf ein Lebenszeitrisiko für Komplikationen und Tod von etwa 0,0005 %.
Laut Auswertungen des Paul Ehrlich Instituts aus dem Jahre 2012 (neuere Daten sind nicht verfügbar!) kommt es jedes Jahr zu durchschnittlich etwa 110 schweren Impfschadensmeldungen, bei denen das PEI selbst etwa bei der Hälfte einen Kausalzusammenhang zwischen Impfung und Schaden für möglich oder wahrscheinlich hält (6). Zudem gesteht das PEI zu, dass von einem Underreporting von etwa 1:10 bis 1:20 auszugehen ist und wir daher mit etwa 1000-2000 schweren Nebenwirkungen rechnen müssen (7). Selbst unter der vorsichtigen Annahme, dass nur 600 schwere Nebenwirkungen pro Jahr kausal mit der Impfung in Zusammenhang stehen, läge das Risiko für eine schwere Impfkomplikation bei geschätzt etwa 1,2 Mio durchgeführten MMR- oder MMRV-Impfungen pro Jahr bei etwa 0,05%, bei den im Masernschutzgesetz vorgeschriebenen zwei Impfungen somit bei 0,1% und wäre daher 200 Mal so hoch wie das Lebenszeitrisiko, an einer Masernkomplikationen zu erkranken oder zu versterben.
Somit besteht für die Masernimpfung derzeit eine durch epidemiologische Daten gesicherte relative Kontraindikation gegen die Impfung. In Anbetracht dieses krassen Missverhältnisses zwischen möglichem individuellem Nutzen und Schaden halte ich es für ethisch nicht vertretbar, Kinder ohne entsprechende Aufklärung und Warnung der Eltern mit einem der in Deutschland verfügbaren MMR- oder MMRV-Impfstoffe zu impfen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: ich bin entgegen den allgemeinen Diffamierungen gegen meine Person kein prinzipieller Impfgegner, aber ein unbeirrbarer Verfechter von evidenzbasierter Medizin, Therapiefreiheit und Patientenautonomie.
Jedem, der glaubt, durch die Masernimpfung zur Masernfreiheit in Deutschland oder gar zum Ausrotten der Masern in der Welt beitragen zu müssen, sei es freigestellt, seine Kinder gegen Masern impfen zu lassen, aber eine Impfpflicht verbietet sich in Anbetracht der derzeitigen epidemiologischen Situation.
Aus diesem Grunde stelle ich für gesunde deutsche Kinder wegen des Vorliegens einer relativen Kontraindikation Impfbefreiungsatteste aus. Wie Sie sicher wissen, unterscheidet das Infektionsschutzgesetz im §20, Abs. 9 nicht zwischen absoluten und relativen Kontraindikationen, sondern spricht nur allgemein von Kontraindikation. Die Menschen kommen aus ganz Deutschland zu mir nach Österreich, um Impfbefreiungen für ihre Kinder zu bekommen, weil deutsche Ärzte keine gerechtfertigten und medizinisch-wissenschaftlich begründeten Impfbefreiungen mehr gewähren, da viele Ärzte wegen des vermeintlichen Ausstellens falscher Gesundheitszeugnisse in der jüngsten Vergangenheit eingeschüchtert, verfolgt, mit Hausdurchsuchungen schikaniert, verurteilt und vollkommen unverhältnismäßig bestraft wurden.
Ich freue mich sehr, dass Sie nun kundgetan haben, dass Sie evidenzbasierte Medizin, Therapiefreiheit und Patientenautonomie in Deutschland endlich wieder herstellen möchten. Bitte informieren Sie mich über ihre Pläne
zur Änderung von Infektionsschutzgesetz und Masernschutzgesetz,
zur Abschaffung der grundgesetzwidrigen Masern-Impfpflicht,
zum Schutz von Ärzten, die es wagen ihre Patienten durch vollkommen korrekte Gesundheitszeugnisse vor staatlicher Willkür zu schützen und
zur Rehabilitierung und Entschädigung von zu Unrecht verurteilten Ärzten.
Vielen Dank im Voraus für Ihre baldige Antwort! Gerne stehe ich für weitere Erläuterungen und Diskussion zur Verfügung.
Zum Übergang in das neue Jahr sprießen die Prognosen wie die Krokusse im Frühling. Während die einen für 2026 einen bedeutenden "Shift" oder Wandel – aus wirtschaftlicher, geopolitischer und technologischer Perspektive vorhersagen, malen Andere ein Kriegsmenetekel an die Wand. Genaues wird man erst in einem Jahr wissen.
Geopolitischer und wirtschaftlicher Wandel
Schon im November 2025 veröffentlichte die niederländische ABN AMRO-Bank den "Global Outlook 2026 – The Shifting World Order", der 2026 als potenziell transformatives Jahr charakterisiert. Der Bericht identifiziert drei große Verschiebungen:
die transformative Wirkung von KI auf Arbeitsmärkte und Produktivität,
Chinas "coming-of-age" als eigenständige geo-ökonomische Macht (demonstriert durch die strategische Kontrolle von Seltenen Erden und Chip-Technologie), und
eine fundamentale Neuordnung der globalen Handels- und Machtverhältnisse weg von Zolltarifen hin zu strategischen "Chokepoints" in kritischen Lieferketten. (1)
Der Bericht vom November 2025 betont: Der Übergang von einer Weltordnung zur anderen ist in vollem Gang, wobei 2026 die Beschleunigung dieser Entwicklung markieren könnte.
2026 sei das Jahr des fundamentalen Wandels, „aber es ist noch unklar, wie diese neue Weltordnung aussehen wird“.
Auch die anderen großen "Global Outlook 2026"-Berichte von BNP Paribas, J.P. Morgan und Morgan Stanley sind primär auf Englisch verfasst. Deutschsprachige Wirtschaftsmedien wie ING bieten eigene Ausblicke für 2026 ("Outlook 2026: The world right now"), allerdings ebenfalls auf Englisch. (2)
Die Prognosen für 2026 unterscheiden sich deutlich von jenen für 2025, indem sie nach einer langen Rezessions- und Stagnationsphase eine Erholung und Stabilisierung erwarten – allerdings mit gedämpftem Optimismus.
Für Deutschland wird eine moderate Erholung prognostiziert
Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession (2022-2024) erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland 2026 eine moderate Erholung mit deutlichen Unterschieden in den Prognosen. (3)
Die Wachstumsprognosen für 2026 variieren erheblich:
Bundesbank: 0,7% (konservativste Schätzung)
Bundesregierung: 1,3%
IMK (Hans-Böckler-Stiftung): 1,4%
Bankenverband: 1,4%
KfW Research: 1,5% (optimistischste Prognose nach deutlicher Aufwärtsrevision um 0,5 Prozentpunkte)
DIW: 1,6%
Für 2025 rechnen alle Institute mit mageren 0,2% Wachstum nach zwei Jahren schrumpfender Wirtschaftsleistung. Die Bundesregierung formuliert vorsichtig: "Nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung deutet sich im Herbst 2025 eine leichte konjunkturelle Erholung auf niedrigem Niveau an". Die Bundesbank versucht der Regierung Schützenhilfe zu geben: Die wirtschaftliche Erholung "verzögert sich aufgrund der Unsicherheit über die internationale Handelspolitik" und kommt nur "langsam in Gang". Der Bankenverband konstatiert:
"Nach mehr als einer halben Dekade wirtschaftlichen Stillstands sehen wir endlich eine belastbare Basis für ein nennenswertes Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr."
Dabei schleppen sich Deutschland und Österreich aus einer mehrjährigen Schwächephase heraus, ohne dass ein dynamischer Aufschwung in Sicht wäre. (4)
Die scheinbare Erholung 2026 wird nicht wie gewohnt von der Exportwirtschaft getragen, sondern von massiven staatlichen Ausgaben. Nach der Lockerung der Schuldenbremse finanziert die Fiskalpolitik "insbesondere Ausgaben für Verteidigung und staatliche Infrastruktur umfangreich über Kredite". So führte Wirtschaftsministerin Reiche das prognostizierte Wachstum "hauptsächlich auf die umfangreichen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit zurück". (5) Das DIW warnt, dass der Aufschwung "nicht über die strukturellen Probleme des Landes" hinwegtäuschen dürfe. Die deutsche Industrie traf die internationale Handelsunsicherheit "zu einem Zeitpunkt, zu dem sie sich nach langer Schwächephase zu stabilisieren begann".
Deutschland bleibt 2026 unter dem EU-Durchschnitt von 1,4% Wachstum und hinkt dem Euroraum (1,1-1,2%) hinterher. (6) Der mit Steuergeld finanzierte Rüstungsboom stabilisiert zwar die Arbeitslosenzahlen, schönt weiter das BIP, lässt aber das staatliche Defizit auf 3,2% des BIP ansteigen – deutlich über der Maastricht-Grenze von 3%. (7)
Die rein wirtschaftlichen Prognosen scheinen auf Sand gebaut zu sein, da die geopolitischen und militärischen Realitäten, die Europa 2026 prägen werden, systematisch unterbelichtet sind: Die offiziellen Wirtschaftsprognosen behandeln den Ukraine-Konflikt und die eskalierenden Spannungen meist als "Unsicherheitsfaktor" oder "Risikoszenario", ohne die fundamentalen Konsequenzen vollständig zu erfassen.
Die fehlende Dimension: Kriegswirtschaft und ihre Kosten
Die massiven Staatsausgaben, die Deutschland und andere europäische Länder 2026 für "Verteidigung und staatliche Infrastruktur" planen, werden in den Prognosen als Wachstumstreiber dargestellt. Doch diese Darstellung verschleiert, dass es sich um konsumtive Rüstungsausgaben handelt, die keine nachhaltige Produktivitätssteigerung bewirken. Der Bankenverband spricht von "umfangreichen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit" – doch Panzer, Munition und Militärlogistik schaffen keine Wertschöpfung für die Zivilbevölkerung. (8)
Die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland und die steigenden Staatsdefizite in Österreich (4,2% des BIP) und Deutschland (3,2% des BIP) finanzieren primär die militärische Aufrüstung. Diese Mittel fehlen für produktive Investitionen in Bildung, zivile Infrastruktur und soziale Sicherheit. (9)
Die Wirtschaftsprognosen für 2026 basieren auf der impliziten Annahme, dass der militärische Konflikt in der Ukraine auf seinem aktuellen Niveau verharrt oder durch Verhandlungen beendet wird. Doch mehrere Faktoren sprechen für eine potenzielle Eskalation: Die ABN AMRO-Analyse zur "shifting world order" erwähnt zwar geopolitische Spannungen, konzentriert sich aber auf handelspolitische "Chokepoints" und Chinas Aufstieg.
Die reale Gefahr einer militärischen Ausweitung des Konflikts – sei es durch NATO-Beteiligung, Eskalation zu direkten Zusammenstößen oder den Einsatz neuer Waffensysteme – findet in den Modellen keine Berücksichtigung. (10)
Die strukturellen Probleme Europas verschärfen sich durch die Kriegssituation: Energieabhängigkeit: Die volatilen Energiepreise bleiben ein "struktureller Preistreiber", wobei jede weitere Eskalation die Energiesicherheit bedroht. (11)
Fehlende Wettbewerbsfähigkeit: Europa hat "keinen dynamischen KI-Sektor" und droht technologisch weiter zurückzufallen, während gleichzeitig Ressourcen in militärische statt innovative Bereiche fließen. (12)
Die Arbeitsmärkte stagnieren, während der absehbare Wehrdienst und militärische Mobilisierung zusätzlichen Druck auf den Fachkräftemangel ausüben. (13)
Diese Kombination aus sinkenden Realeinkommen, steigenden Militärausgaben und permanenter Kriegsrhetorik schafft eine explosive soziale Mischung. Die Ipsos-Umfrage zeigt, dass 66% der Befragten 2025 als "schlechtes Jahr" bewerteten – diese Unzufriedenheit wird 2026 nicht durch marginale Wachstumsraten von 1% verschwinden. (14)
Europa befindet sich in einer militärischen Konfrontation mit ungewissem Ausgang, deren Kosten – human, wirtschaftlich und gesellschaftlich – weit über die prognostizierten 1-1,5% Wachstum hinausgehen. Jede weitere Eskalation würde die optimistischen Szenarien obsolet machen und könnte Europa tatsächlich "noch viel tiefer abrutschen" lassen.
Die strukturellen Schwächen Europas – fehlende Energiesouveränität, technologische Rückständigkeit, demografischer Wandel, hohe Verschuldung – werden durch die Kriegssituation nicht gelöst, sondern verschärft.
Zauberwort KI
Forrester Research prognostiziert für 2026 einen Übergang von KI-Hype zur konkreten Umsetzung ("AI Moves From Hype To Hard Hat Work") sowie mehr Authentizität im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit. Die KI-Technologie verliert ihren Glanz und muss sich in den realen Herausforderungen des Alltags bewähren. Die Analysen betonen wachsende geopolitische und technologische Herausforderungen bei gleichzeitig engeren Budgets.
Vanguard prognostiziert, dass KI andere Megatrends in ihrer Wirkung übertreffen wird, da sie das Potenzial hat, Arbeitsmärkte zu verändern und die Produktivität zu steigern. Die regionalen Auswirkungen unterscheiden sich stark: In den USA könnten KI-Investitionen das Wachstum auf 3% treiben, wobei 2026 zunächst nur ein moderates Wachstum von 2,25% erwartet wird, da Produktivitätssteigerungen noch nicht breit greifen. China wird von KI-Innovationen profitieren und ein BIP-Wachstum von eher 5% als 4% erreichen. Der Euroraum dagegen hat keinen dynamischen KI-Sektor und wird mit nur etwa 1% Wachstum deutlich zurückfallen.
McKinsey schätzt, dass KI bis 2026 jährlich eine zusätzliche wirtschaftliche Leistung von 2,7 Billionen Euro in der europäischen Wirtschaft liefern könnte. Für Einzelunternehmen zeigen erfolgreiche Implementierungen einen "Return on Investment" (betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis zwischen dem erzielten Gewinn und dem eingesetzten Kapital misst) von 300-500% über drei Jahre, während der Durchschnitt bei 150-200% liegt. Bis 2026 werden 45% der Beschäftigten KI-Tools in ihrem täglichen Arbeitsablauf nutzen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 28% Anfang 2024.
Eine FAZ-Studie zeigt, dass KI "noch nicht in den Statistiken ankommt", obwohl sie als "Motor eines neuen Produktivitätsschubs" gilt und ab 30% Automatisierung einer Tätigkeit wirkt.
Die Titelseite von "The World Ahead 2026" des Economist ist eine dichte symbolische Warnung vor einem Jahr multipler Krisen und fundamentaler Umbrüche. (15)
Sie ist durch eine intensive rot-blaue Farbgebung gekennzeichnet, die das globale Kräftemessen und die innenpolitische Polarisierung symbolisiert. Zahlreiche Ikonen – darunter Panzer, Drohnen, Raketen, ein zerbrochenes Dollarzeichen und schmelzendes Eis – signalisieren, dass 2026 ein Jahr der Eskalation in Geopolitik, Wirtschaft und Klima sein wird. Diese visuelle Sprache ist eindeutig: Der Economist prognostiziert keine Entspannung, sondern eine Verschärfung auf allen Ebenen. (16)
Der Economist formuliert unmissverständlich das Ende der alten Weltordnung und identifiziert zehn Hauptthemen, die 2026 dominieren werden, von der Fortsetzung heißer Konflikte bis zu disruptiven technologischen Durchbrüchen und einer Neuausrichtung der globalen Machtverhältnisse: (17)
Die Fortsetzung der militärischen Konflikte in der Ukraine, im Sudan und in Myanmar, wobei keine schnelle Stabilisierung zu erwarten ist. Darüber hinaus wird mit sogenannten "grauen Provokationen" – Aktionen unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges – in strategisch sensiblen Regionen gerechnet, etwa in der Arktis und im Südchinesischen Meer, wo maritime und territoriale Ansprüche aufeinandertreffen. Die Ausweitung von Konflikten in neue Domänen wie Weltraum, Meeresboden und Cyberraum wird explizit erwartet. (18)
Europas Dilemma wird schonungslos benannt:
"All this poses a particular test for Europe. It must increase defence spending, keep America on side, boost economic growth and deal with huge deficits, even though austerity risks stoking support for hard-right parties. It also wants to remain a leading advocate for free trade and greenery. It cannot do all of these at once". (19)
("All dies stellt Europa vor eine besondere Herausforderung. Es muss seine Verteidigungsausgaben erhöhen, Amerika bei der Stange halten, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und enorme Defizite bewältigen, auch wenn Sparmaßnahmen die Gefahr bergen, die Unterstützung für rechtsextreme Parteien zu schüren. Außerdem möchte es weiterhin ein führender Verfechter des Freihandels und des Umweltschutzes bleiben. All dies kann es nicht gleichzeitig erreichen.")
Diese Formulierung ist bemerkenswert direkt: Europa steht vor unlösbaren Zielkonflikten. Die Notwendigkeit, Verteidigungsausgaben massiv zu erhöhen, kollidiert mit der fiskalischen Realität bereits belasteter Staatshaushalte, während gleichzeitig ein Anstieg der Popularität rechtspopulistischer Bewegungen befürchtet wird. Der Economist warnt: "Hohe Verteidigungsausgaben könnten das Wachstum ankurbeln, aber nur geringfügig". (20)
Das zerbrochene Dollarzeichen und der fallende Wirtschaftsgraph symbolisieren das Risiko einer Erosion des globalen Vertrauens in die US-Wirtschaft. Analysten erwarten im Falle einer fortgesetzten Dominanz der republikanischen Politik eine weitere Konsolidierung des protektionistischen "America First"-Kurses. Dieser Isolationismus, so die Warnung des Magazins, könnte das Wachstum der globalen Wirtschaft verlangsamen. (21)
Die Titelseite verkündet 2026 als Jahr der Wahrheit. Steht ein Jahr der Enthüllungen bevor?– nicht im positiven Sinne spiritueller Erleuchtung, sondern als brutale Konfrontation mit wirtschaftlichen, geopolitischen und fiskalischen Realitäten, die bisher durch Verschuldung, Rhetorik und Hoffnung übertüncht wurden.
Die symbolische Verdichtung – schmelzendes Eis (Klimakrise), Panzer und Drohnen (militärische Eskalation), zerbrochenes Dollarzeichen (Vertrauensverlust), fallende Graphen (wirtschaftlicher Niedergang) – zeigt ein System in multipler Krise. Der Aufstieg flexibler Ad-hoc-Allianzen zur Lösung spezifischer Aufgaben in Verteidigung, Klima und Handel deutet auf das Ende stabiler multilateraler Ordnungen hin. (22)
Die Prognosen von 1% Wachstum für Europa basieren auf der Annahme kontrollierter Krisen.
Jede Eskalation – militärisch, handelspolitisch oder fiskalisch – würde diese fragilen Szenarien zerbrechen lassen. Der Economist macht deutlich: Europa kann nicht gleichzeitig aufrüsten, sozial stabil bleiben, wirtschaftlich wachsen und fiskalisch solide sein. Die Titelseite visualisiert diese Überforderung als systemische Krise. (23)
Die "Wahrheit" für 2026 lautet demnach: Das Jahr wird zeigen, welche der konkurrierenden Prioritäten geopfert werden – und zu welchem Preis.
Die Wirtschaftsprognosen von WIFO, IHS, Bundesbank und EU-Kommission sind technische Modellrechnungen, die auf spezifischen Annahmen basieren: keine weitere militärische Eskalation, kontrollierte Inflationsentwicklung, funktionierende Lieferketten, stabile politische Verhältnisse. Diese Prognosen messen BIP-Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit innerhalb eines bestehenden Systems und gehen von dessen Kontinuität aus. (24)
Der Economist hingegen liefert eine systemische Risikoanalyse: "The old world order is finished – and in 2026 the contours of what will replace it will emerge" (Die alte Weltordnung ist beendet – und 2026 werden die Konturen der neuen erkennbar).
Die Titelseite visualisiert nicht Wachstumsraten, sondern fundamentale Brüche – militärische Eskalation, fiskalische Überdehnung, geopolitische Neuordnung, technologische Disruption.
Rechnerisches Wachstum nur durch Kriegswirtschaft
Der entscheidende Punkt ist: Die prognostizierten Wachstumsraten für Deutschland (1,3-1,5%) und Österreich (1,0-1,2%) werden primär durch massive Staatsausgaben für Verteidigung getrieben. Wirtschaftsministerin Reiche führt das Wachstum "hauptsächlich auf die umfangreichen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit zurück". Die Bundesbank bestätigt: Nach Lockerung der Schuldenbremse finanziert die Fiskalpolitik "insbesondere Ausgaben für Verteidigung und staatliche Infrastruktur umfangreich über Kredite". (25)
Das ist genau das Szenario, das der Economist auf der Titelseite mit Panzern, Drohnen, Raketen und dem zerbrochenen Dollarzeichen visualisiert. Die Staatsdefizite steigen auf 4,2% (Österreich) und 3,2% (Deutschland) des BIP – weit über der Maastricht-Grenze. Der Economist warnt: "With rich countries living beyond their means, the risk of a bond-market crisis is growing" (Wenn reiche Länder über ihre Verhältnisse leben, steigt das Risiko einer Krise von Anleihemärkten). (26)
Die "positiven" Wachstumszahlen sind also Kriegswirtschaftswachstum auf Pump, das keine Verbesserung des Lebensstandards bringt. Die Reallöhne sinken weiter, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, und die strukturellen Probleme verschärfen sich. (27)
Die drei Wahrheitsebenen für 2026
Der Economist identifiziert drei Bereiche, in denen 2026 "Klarheit herrschen wird – im Guten wie im Schlechten": (28)
Geopolitik: Die Fortsetzung militärischer Konflikte in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar sowie "graue Provokationen" in der Arktis und im Südchinesischem Meer. Die Titelseite zeigt Selenskyj mit Fernglas inmitten von Kriegsausrüstung – eine Metapher für anhaltende Wachsamkeit. Die wirtschaftlichen Prognosen behandeln dies als "Unsicherheitsfaktor", aber nicht als Systemrisiko. (29)
Wirtschaft: "Die negativen Auswirkungen von Zöllen werden deutlicher zutage treten. Der Druck auf die Verbraucher wird zunehmen und die Untragbarkeit der US-Haushaltsdefizite wird offensichtlicher werden". Das zerbrochene Dollarzeichen und der fallende Wirtschaftsgraph symbolisieren den drohenden Vertrauensverlust. (30)
Europa: wird in das oben beschriebene Dilemma zwischen multiplen Ansprüchen und desaströser ökonomischer Realität geraten. (31)
Der in Japan lebende unabhängige kanadisch-amerikanische Journalist James Corbett begann das Jahr 2025 mit „The Pendulum Has Swung Again“ (Das Pendel hat erneut ausgeschlagen), einem Leitartikel, in dem er darauf hinwies, wie die linken/progressiven Frömmeleien von einst durch die rechten/MAGA-Frömmeleien des neuen Trump- und Change-Regimes hinweggefegt wurden.
Laut Corbett dauerte es nicht lange, bis diese narrative Verschiebung vom „Great Resetter“ selbst, Donald J. Trump, großartig bestätigt wurde:
„Ich kehre voller Zuversicht und Optimismus ins Präsidentenamt zurück“, so Trump beim Antritt seiner zweiten Amtszeit, „denn wir stehen am Beginn einer spannenden neuen Ära des nationalen Erfolgs. Eine Welle des Wandels erfasst das Land, Sonnenlicht strömt über die ganze Welt, und Amerika hat die Chance, diese Gelegenheit wie nie zuvor zu nutzen“. (32)
Wie bei so vielen Politikern vor ihm waren die kühnen Worte nur heiße Luft.
Nach dem Verrat durch die Angriffe auf den Iran, dem Debakel um Trump, Gaza und den „Friedensrat“, der Katastrophe um den „Friedensplan“ für die Ukraine, den Massakern auf venezolanischen Drogenbooten, der Beleidigung „untalentierte Amerikaner“ und natürlich die „Epstein-Hoax“-Lüge haben selbst die hartnäckigsten MAGA-Anhänger begonnen zu erkennen, dass Trumps Antrittsrede über ein neues „goldenes Zeitalter“ in das Reich der Fabel gehört.
Im Jahr 2025 hat sich laut Corbett ein bemerkenswerter Wandel im Verständnis und Diskurs der Bevölkerung vollzogen. Dieser Wandel hat die Debatte um einige der Kernthemen verändert, über die die unabhängigen Medien seit Jahren berichten. Diese Veränderung habe nichts mit Politikern, Akademikern, Talkshow-Moderatoren und anderen Schwätzern zu tun, die sich für „Vordenker” und „Trendsetter” halten. Und trotz der Bemühungen derer, die in jedem Silberstreif am Horizont eine Gewitterwolke sehen, ist diese Veränderung in der Berichterstattung tatsächlich ein Grund zur Freude.
Es begann damit, dass bis kurz vor dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident am 20. Januar 2025 sechs große US-Banken – Goldman Sachs, Wells Fargo, Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und JPMorgan Chase – die Gemeinschaft der klimaaktiven "Net Zero Banking Alliance" (NZBA) verließen.(33)
Die NZBA, die 2021 mit 43 Banken aus 23 Nationen startete und bis Oktober 2024 auf 144 Institute aus 44 Ländern anwuchs, schrumpfte durch die US-Austritte auf 141. Im November 2025 löste sich die Allianz nach einer Mitgliederabstimmung vollständig auf – ihre Durchsetzungs- und Rechenschaftsmechanismen wurden abgeschafft.
Es setzte sich fort mit der erstaunlichen Kehrtwende des Klimapolitikers Bill Gates, der zugab, dass der Klimawandel tatsächlich nicht zum Untergang der Menschheit führen wird.
Und es gipfelte in dem weltgeschichtlichen Scheitern der COP30 – des jährlichen Klimagipfels der Vereinten Nationen –, der nicht nur keine substanzielle Vereinbarung hervorbrachte, sondern auch Schlagzeilen wie „Die Auflösung des Klimakults ist unvermeidlich” generierte. Selbst die Los Angeles Times sah sich gezwungen zu erklären, dass Amerika „endlich aus seinem jahrzehntelangen Klimakatastrophismus-Stupor erwacht”.
Dann meldete sich der ehemalige Kongressabgeordnete Curt Weldon zu Wort und sprach sich gegen die offizielle 9/11-Version aus, der ehemalige Kongressabgeordnete Dennis Kucinich schloss sich dem Kampf für Gerechtigkeit im Zusammenhang mit 9/11 an und der Vorsitzende des Ständigen Untersuchungsausschusses des US-Senats, Ron Johnson, stellte sich hinter diejenigen, die es wagten, die Ereignisse des 11. September infrage zu stellen.
Im Beifang dieser Wende: Menschen hinterfragen nun auch andere False-Flag-Operationen und die illegalen Angriffskriege.
Angesichts der öffentlichen Empörung über die anhaltende Vertuschung des Epstein-Skandals scheint es immer schwerer zu werden, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vom Thema der politischen Pädophilie abzulenken.
Und die öffentliche Meinung zur Lage in Palästina scheint sich im Jahr 2025 völlig gewandelt zu haben.
Vor dem Hintergrund dieser Eruptionen wirkt der spektakuläre Sturz von Klaus Schwab und die völlige Aufgabe der „Great Reset“-Agenda fast unbedeutend.
Auf welche Seite wird sich das Pendel schlagen?
Wenn die Grundannahmen der Wirtschaftsprognosen halten (keine weitere Eskalation, kontrollierte Staatsverschuldung, funktionierende Märkte) ist 1% Wachstum realistisch – allerdings erkauft durch Militärausgaben, sinkende Realeinkommen und wachsende Schulden.
Der Economist hat recht mit seiner Risikoanalyse: Die Annahmen sind fragil. Jede der visualisierten Krisen – militärische Eskalation (Panzer, Drohnen), fiskalischer Kollaps (zerbrochenes Dollarzeichen), geopolitische Neuordnung (Trump, Putin, Xi mit gekreuzten Schwertern), technologische Disruption (KI-Roboter) – kann das zarte Hoffnungspflänzchen erdrücken. (34)
Allen Prognosen für 2026 gemeinsam ist die Überzeugung eines Wendepunkts – weg von Illusionen und oberflächlichen Narrativen hin zu strukturellen Realitäten, Authentizität und einer multipolaren Weltordnung.
Der scheinbare Widerspruch zwischen den "optimistischen" Wirtschaftsprognosen (1-1,5% Wachstum für Deutschland und Österreich) und dem düsteren Economist-Titelbild lässt sich auflösen, wenn man versteht, dass beide Darstellungen unterschiedliche Dimensionen derselben Realität abbilden – und beide sind in ihrer jeweiligen Perspektive "wahr".
Das Jahr wird nicht den Zusammenbruch bringen, aber die Unhaltbarkeit des Status quo offenbaren. Der Economist formuliert es so: "how 2026 will shape the next decade" – 2026 ist nicht das Jahr des Crashs, sondern das Jahr, in dem die Weichen für die Krise der späten 2020er Jahre gestellt werden. (35)
Die scheinbar "positiven" Prognosen und das düstere Economist-Bild widersprechen sich also nicht – sie zeigen nur unterschiedliche Aspekte derselben Wahrheit: Europa kauft sich 2026 durch massive Verschuldung ein minimales rechnerisches Wachstum, während die fundamentalen Probleme sich verschärfen und die systemischen Risiken wachsen. (36)
Die Synthese lautet: 2026 wird rechnerisch ein marginales Wachstum zeigen, das aber auf wachsenden systemischen Risiken basiert.
Was 2026 passieren wird, ist noch keine ausgemachte Sache. Es wird das Endergebnis der Bemühungen sein, die wir heute (oder auch nicht) unternehmen, um den Wandel des Narrativs voranzutreiben.
Anmerkungen und Quellen
Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022).