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Religion in Europa Bitte diskriminiert den Islam!

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Sonnenlicht fällt auf die DITIB-Zentralmoschee in Köln, dahinter ist der Kölner Dom zu sehen – Verhältnis zwischen Islam und Christentum

Selbstverleugnung der Kirchen, selbstbewußter Islam: Während das Christentum in Deutschland an Profil verliert, tritt die religiöse Konkurrenz umso entschiedener auf. Das kann so nicht weitergehen.

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Mit Russland in den Energieüberfluss: Ein Gedankenspiel

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Nationen haben keine Freunde. Nationen haben keine Moral. Nationen haben Interessen. Und eines der elementarsten Interessen jeder Nation ist die eigene Energieversorgung. Doch dieses Interesse negiert die EU seit Jahren mit einer Konsequenz, die an Selbstzerstörung grenzt. Brüssel opfert die wirtschaftliche Zukunft des Kontinents einem einzigen Land: der Ukraine. Dem einzigen Land, das die europäische Energieinfrastruktur nach dem Zweiten Weltkrieg angegriffen hat. Ohne die Ukraine, aber dafür mit Russland, wäre Europa heute nicht Importeur, sondern Exporteur von Öl und Gas.

Ein Kommentar von Chris Veber

Die EU mit Norwegen und Großbritannien verfügt über rund 9,7 Milliarden Barrel an derzeit förderbaren Ölreserven, der Löwenanteil davon in Norwegen mit etwa 8,1 Milliarden Barrel. Der Vorrat an Erdgas liegt bei circa 2,24 Billionen Kubikmetern. Das reicht bei der aktuellen Produktion für 15 bis 30 Jahre. Die nicht erschlossenen, bereits entdeckten Felder, sogenannte Contingent Resources, liegen vor allem in der Nordsee und der Barentssee. In Norwegen allein machen sie fast 40 Prozent der verbleibenden Ressourcen aus.

Die Gesamtreserven wären aber deutlich größer. Europa verfügt sogar ohne Russland über förderbare Reserven von 10,41 Milliarden Tonnen Öläquivalent. Das entspricht rund 28 Milliarden Barrel Öl und Kondensat sowie 7,1 Billionen Kubikmetern Erdgas. Hinzu kommen 3,23 Milliarden Tonnen Öläquivalent bereits entdeckte, aber noch nicht voll entwickelte Vorkommen. Die noch unentdeckten Ressourcen werden auf weitere 15,19 Milliarden Tonnen Öläquivalent geschätzt, davon über die Hälfte Gas. Zusätzlich hat Europa unkonventionelle Reserven wie Schiefergas und Ölschiefer im Umfang von 51,76 Milliarden Tonnen Öläquivalenten.

Doch diese Vorkommen bleiben größtenteils im Boden. Nicht weil sie nicht da oder nicht förderbar wären. Sondern weil die EU mit ihrem Green Deal auf den Ausstieg aus fossilen Energien setzt. Neue Erschließungen gelten als Klimasünde. Hohe CO₂-Steuern und bürokratische Hürden machen jede Erschließung unrentabel. Norwegen, das nicht in der EU ist, fördert weiter, doch selbst dort wächst der Druck aus Brüssel. Als Ergebnis importiert Europa teures LNG aus den USA und Öl aus dem Nahen Osten, während die eigenen Reserven brachliegen. Europa ist freiwillig immer noch von Importen abhängig, nur eben aus den USA sowie islamischen Diktaturen und nicht mehr aus Russland.

Rechnet man Russland in die Energieversorgung mit ein, dann kippt die (hausgemachte) Energieknappheit endgültig in Richtung Überfluss. Russland allein bringt 80 Milliarden Barrel Ölreserven auf die Waage und etwa 48 Billionen Kubikmeter Erdgas, die größten Gasvorkommen der Welt. Zusammen mit dem Rest Europas ergeben sich 108 Milliarden sofort förderbare Barrel Öl und 55 Billionen Kubikmeter Gas. Das reicht nicht nur für Jahrzehnte, sondern für Jahrhunderte bei voller Nutzung. Nicht erschlossene Felder in Sibirien und der Arktis und unentdeckte Potenziale in Ostsibirien und Offshore-Gebieten vervielfachen diese Zahlen noch einmal. Europa inklusive Russland wäre nicht nur autark bei Gas und Öl, sondern netto Exporteur (vgl. hier und hier).

Europa wäre dann vollständig unabhängig von Importen. Der europäische Ölverbrauch liegt bei rund 14 bis 15 Millionen Barrel pro Tag, die Produktion Russlands plus Norwegens und der Restfelder würde ihn übersteigen. Beim Gas verbraucht die EU etwa 360 bis 370 Milliarden Kubikmeter im Jahr, Russland allein produziert 650 bis 700 Milliarden. Mit norwegischer und britischer Förderung entstünde ein massiver Exportüberschuss. Die Reserven wären also da, die Infrastruktur größtenteils auch, die technischen Möglichkeiten ebenso. Stattdessen hat die EU seit 2022 Russland als Feind behandelt und damit genau das sabotiert, was sie vorgeblich sichern wollte, die eigene Sicherheit, die eigene Energieversorgung.

Nationen haben Interessen. Die EU scheint vergessen zu haben, was das Interesse der EU-Staaten ist. Statt Realpolitik zu betreiben, betreibt sie Moralpolitik auf Kosten der Bürger. Die EU kann ihre eigenen Reserven an Öl und Gas erschließen und fördern und sich für Jahrzehnte von Importen aus den USA (teuer) oder islamischen Diktaturen (unsicher) unabhängig machen. Die EU kann Russland wieder als Partner statt als Feind betrachten (was angesichts des aktuellen EU Personals schwierig wird) und die Versorgung mit Öl und Gas für Jahrhunderte sichern. Aber eines kann die EU nicht. Die eigenen Vorräte im Boden lassen, mit Russland Krieg führen und gleichzeitig (wie in Deutschland und Österreich) Atomenergie verdammen. Das geht sich physikalisch nicht aus.

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Worum es bei der Klimafrage eigentlich geht

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Russell Cook, Gelbspan Files

Alle Hervorhebungen im Original! A. d. Übers.

Es geht nicht darum, den Planeten vor einer Klimakatastrophe zu retten. Es geht einzig und allein um Kontrolle. Diktatorische Kontrolle.

Zunächst erzähle ich eine wahre persönliche Geschichte, dann schließe ich mit dem aktuellen Stand der Dinge bei den juristischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit Klimaklagen.

Fragen Sie irgendeinen politischen Konservativen da draußen, welches Wort die Denkweise der fanatischen politischen Linken am besten beschreibt, und das Wort, das Sie am häufigsten hören werden, ist „Kontrolle“. Es ist mir nie in den Sinn gekommen, mich so zu verhalten. Das entspricht einfach nicht meiner Denkweise. Ich habe ihre Denkweise zum ersten Mal in einem meiner College-Kurse in Wirtschaftspsychologie in den 1980er Jahren kennengelernt, und damals hatte die Lektion absolut nichts mit irgendeinem Aspekt der Politik zu tun. Der Professor hat uns nicht einmal gesagt, was das Ziel der Lektion war, oder sie mit einer Erklärung dessen abgeschlossen, was passiert war.

Zunächst erhielten wir einen Fragebogen, anhand dessen ermittelt wurde, welcher Persönlichkeitstyp am besten zu uns passt. Die folgende Folie habe ich aus einer allgemeinen PowerPoint-Präsentation zum Thema „Organisationsverhalten“ übernommen; es handelt sich um die vier Standardkategorien zur Einteilung der Denkweisen, die auf den Ideen des Schweizer Psychoanalytikers Carl Jung zur analytischen Psychologie basieren. Falls uns die Ursprünge dieser Persönlichkeitstypen erklärt wurden, kann ich mich jedenfalls nicht daran erinnern.

Kurz gesagt – und vielleicht etwas zu stark verallgemeinert – entspricht der Persönlichkeitstyp „Sensation Thinker“ dem fiktiven Wissenschaftsoffizier Mr. Spock aus der „Star Trek“-Fernseh- und Filmreihe. Reine Logik, keine Emotionen. Das genaue Gegenteil ist der „Intuitive Feeler“, im Wesentlichen Dr. „Bones“ McCoy aus jener Serie: emotionsgesteuert und anfällig für voreilige Urteile. Die beiden anderen Quadranten umfassten subtilere Persönlichkeitstypen, die Aspekte der beiden extremeren Typen aufwiesen. Anhand der Testergebnisse wurde die Klasse in die vier Gruppen aufgeteilt. Ich landete in der Mr.-Spock-Gruppe, wenn auch mit einem Hauch von „gefühlsbetonter Kunstfertigkeit“ im Blut.

Jede Gruppe erhielt alle Merkmale unseres gegensätzlichen Persönlichkeitstyps sowie Informationen zu deren Präferenzen hinsichtlich Komfort, dem Ausmaß an eigenständiger Entscheidungsfindung im Vergleich zum Grad der Anleitung durch Vorgesetzte. Unsere Aufgabe bestand darin, das Gelernte zu nutzen, um eine Stelle mit Arbeitsbedingungen zu entwerfen, in der sich diese Personen rundum wohlfühlen würden. Unsere Gruppe mochte die Arbeitsbedingungen nicht besonders, die unsere Gegenspieler bevorzugten, aber wir versetzten uns in ihre Lage und taten unser Bestes, um ein Arbeitsumfeld und Aufgaben zu entwerfen, die ihnen gefallen würden.

Am Ende dieser Entwurfsrunden wurden die Entwürfe mit den jeweils anderen Gruppen ausgetauscht, und die Leiter jedes Gruppentyps lasen die Entwürfe vor und gaben ihre Einschätzung dazu ab, wie gut die Entwürfe gelungen waren, wobei sie sich auf die Rückmeldungen ihrer Gruppenmitglieder stützten. Ich erinnere mich kaum noch daran, wie die Ergebnisse bei den „Sensorikern“ im Vergleich zu den „intuitiven Denkern“ ausfielen; beide Gruppen hatten keine Einwände gegen das, was für sie entworfen worden war.

Ich erinnere mich jedoch sehr gut daran, wie die „intuitiven Fühler“ auf unseren Entwurf für sie reagierten. Abgesehen davon, dass wir bei einigen kleinen Details falsch geraten hatten, fanden sie, dass wir die ideale Arbeitsumgebung für sie recht gut gestaltet hatten. Unsere Gruppe war daraufhin noch besser darüber informiert, was sie bevorzugten.

Ich erinnere mich noch genau an unsere Reaktion auf die Arbeitsumgebung, die die „intuitiven Fühler“ für uns entworfen hatten.

Wir waren entsetzt, zunächst sprachlos und hatten Mühe, eine höfliche Antwort zu finden.

Die „Intuitiven“ hatten nichts unternommen, um unseren Vorlieben Rechnung zu tragen; ihr Entwurf für unsere „bevorzugte Arbeitsumgebung“ unterschied sich kaum von dem, was wir für sie entworfen hatten. Wir sollten auf ihre Art arbeiten … oder gehen. Mit einer Art impliziter Drohung gegenüber unserer Arbeitsplatzsicherheit, sollten wir es wagen, außerhalb dieser Grenzen zu agieren.

Mir wäre gar nicht in den Sinn gekommen, diese Übung mit politischer Ideologie in Verbindung zu bringen, aber wenn man sich die Agenda der politischen Linken einmal genauer ansieht, insbesondere in den letzten zehn Jahren, dann wird es deutlich: Man muss sich ihren Narrativen über die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen 2020, „Amerikaner ohne Papiere“, Covid-Maskenpflicht, „Transgender-Wissenschaft“, „reproduktive Gerechtigkeit“ und „Rettung der Demokratie durch Zensur von Desinformation“ fügen – und zwar ohne zu hinterfragen ……. oder sonst! Einschließlich der Zustimmung zu ihren Narrativen über die Bekämpfung des Klimawandels. Gehorcht!

Halten Sie einmal inne und überlegen Sie, wie diese Seite nun mit dem Klimaproblem umgeht. Nicht durch trockene, zurückhaltende, äußerst überzeugende wissenschaftliche Darstellungen, die jeden Zweifel daran ausräumen, dass wir vor einer Klimakrise stehen, und so alle davon überzeugen, kritische Maßnahmen zu ergreifen, welche die Zustimmung von Wissenschaftsoffizier Spock finden würden. Die Einhaltung von Klimaschutzmaßnahmen wird gerichtlich durchgesetzt werden. Die fossile Brennstoffindustrie wird durch Klagen zur völligen Kapitulation gezwungen, und die „intuitiven Fühler“ werden kontrollieren, auf welche Energiequellen die Öffentlichkeit Zugriff hat.

Sehen Sie das Problem dabei?

Link: https://wattsupwiththat.com/2026/03/18/what-the-climate-issue-is-all-about/

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

Der Beitrag Worum es bei der Klimafrage eigentlich geht erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.

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Wenn der Zentralrat der Juden für „die Juden“ in Deutschland spricht – über die Gefahren kollektiver Zuschreibung

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Wer spricht für die Juden in Deutschland? Diese Frage gewinnt immer mehr an Dringlichkeit – nicht zuletzt angesichts der von den Vereinten Nationen als humanitäre Krise beschriebenen Lage in Gaza und der Westbank[1], die auch hierzulande eine ethische Standortbestimmung verlangt. Der Zentralrat der Juden tritt seit Jahrzehnten als politische Stimme des organisierten Judentums[2] auf. Er äußert sich nicht nur zu Fragen des Antisemitismus, sondern interveniert regelmäßig auch in außenpolitische Debatten[3] – insbesondere mit Blick auf Israel und die Lage in Palästina. Für immer mehr Jüdinnen und Juden in Deutschland wird diese Verschränkung von Repräsentation und politischer Positionierung zum Problem[4][5]. Von Detlef Koch.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Jüdisches Leben in Deutschland ist religiös, spirituell, kulturell und politisch plural. Dennoch werden Stellungnahmen des Zentralrats von Politik und Medien häufig als authentischer Ausdruck gesamtjüdischer Interessen gelesen. Genau hier setzt die Kritik an: Nicht die Existenz des Zentralrats steht zur Debatte, sondern die Reichweite und inhaltliche politische Ausrichtung seines Mandats.

  1. Eine Frage der Mandatierung

    Wenn völkerrechtlich oder menschenrechtlich umstrittene staatliche Positionen Israels als „jüdische Position“ statt als politische Positionen eines Staates präsentiert werden, der historisch aus dem politischen Zionismus hervorgegangen ist und sich selbst als jüdischer Nationalstaat definiert, entsteht ein Deutungsrahmen, in dem politische Handlungen eines Staates mit einer religiösen oder kulturellen Gemeinschaft verschmelzen.

    Diese Verschmelzung ist nicht harmlos. Sie erzeugt – unabhängig von der Intention – die Möglichkeit kollektiver Zuschreibungen. Wenn militärische Gewalt, Völkerrechtsverletzungen[6] oder Menschenrechtsdebatten im öffentlichen Diskurs implizit mit „den Juden“ verknüpft werden, öffnet dies einen Raum für Projektionen.

    Historisch kennen wir die Muster: Juden wurden als kollektive Täter imaginiert – als Brunnenvergifter, Christusmörder, Weltverschwörer und Kinderritualmörder. In aktuellen Konfliktkontexten tauchen neue Varianten dieser Projektionen auf: Vorwürfe, die sich gegen einen Staat richten, werden in antisemitische Stereotype auf „die Juden“ übertragen – als angebliche Kindermörder, als Völkerrechtsverächter, als Rassisten oder Suprematisten.

    Solche Zuschreibungen sind zutiefst antisemitisch. Sie sind durch nichts zu rechtfertigen.

    Gerade deshalb ist es politisch hochsensibel, wenn staatliches Handeln Israels im öffentlichen Raum mit jüdischer Identität verschmilzt. Wo politische Kritik an einem Staat strukturell mit einer religiösen Gemeinschaft assoziiert wird, wächst das Risiko kollektiver Projektion.

    In Teilen der Berichterstattung wird der Zentralrat als maßgebliche Stimme jüdischer Positionierung präsentiert. Zugleich wird Antisemitismus teilweise als „getarnt als Israel-Kritik“ beschrieben. Solche Rahmungen verschränken institutionelle Repräsentation, staatspolitische Kontroversen und religiöse Identität. Sie verdeutlichen eine diskursive Struktur, der sich Juden aus vielen Teilen Europas im ersten anti-zionistischen Kongress entgegengestellt haben. So heißt es in der Wiener Erklärung:

    Heute werden wieder jüdische Stimmen […] verschwiegen und delegitimiert – wenn auch in Umkehrung[7] als „Wer kein Jude ist, bestimmen wir“. Wer mit Israel ist, darf als „jüdisch“ gelten und als Jüd:in sprechen, wer es nicht ist, soll als „Nicht-Jüd:in“ schweigen. Das erkennen wir als eine Form des Antisemitismus und als Beihilfe zur Verbreitung des Antisemitismus, denn damit wird das Jüdisch-Sein untrennbar mit Israel und dem Völkermord an den Palästinenser:innen verbunden und der Hass auf Jüd:innen geschürt.“

    In der Wiener Erklärung wird ausdrücklich auf Karl Luegers Ausspruch „Wer ein Jud ist, das bestimme ich“ Bezug genommen, um auf eine als problematisch empfundene Definitionshoheit hinzuweisen.

    Institutionelle Repräsentation, staatspolitische Kontroversen und religiöse Identität werden sprachlich verdichtet. Genau in dieser Verdichtung entsteht die Möglichkeit kollektiver Zuschreibung.

    Deutschlands historische Verantwortung verpflichtet hier zu besonderer Klarheit. Der Schutz jüdischen Lebens bedeutet nicht nur die Abwehr direkter Gewalt, sondern auch die Verhinderung von Diskursmustern, die kollektive Schuldzuschreibungen begünstigen.

    Die Bundesregierung steht daher in einer doppelten Pflicht:

    Sie muss antisemitische Kollektivzuschreibungen entschieden bekämpfen – und zugleich vermeiden, durch politische Rahmungen selbst jene Verschmelzungen zu befördern, aus denen solche Zuschreibungen entstehen können.

  2. Zionismus als politische Ideologie – nicht als religiöse Identität

    Der politische Zionismus mit all seinen Verzweigungen ist eine moderne Nationalbewegung des 19. Jahrhunderts. Er entstand als säkulares Projekt im Kontext europäischer Nationalstaatsbildung und als Reaktion auf den Antisemitismus seiner Zeit. Er ist damit zunächst eine politische Ideologie – keine religiöse Dogmatik und keine spirituelle oder kulturelle Ausprägung des Judentums.

    Diese Unterscheidung ist zentral. Judentum ist eine Religion, eine Tradition, eine kulturelle Praxis, eine diasporische Geschichte. Zionismus ist demgegenüber eine politische Theorie staatlicher Selbstbestimmung. Innerhalb des Judentums war diese Theorie stets umstritten – historisch wie gegenwärtig. Orthodoxe Antizionisten, säkulare Diasporisten, sozialistische Bundisten oder postzionistische Denkerinnen und Denker belegen, dass Zionismus niemals identisch mit jüdischer Identität war.

    Wenn Zionismus jedoch als selbstverständlich jüdisch dargestellt wird – als quasi natürliche oder zwingende Konsequenz jüdischer Existenz –, wird innerjüdische Dissidenz nicht nur unsichtbar gemacht und politische Pluralität auf eine politideologische Linie verengt, sondern Jüdinnen und Juden werden weltanschaulich vereinnahmt.

    Gerade in Zeiten schwerer militärischer Konflikte gewinnt diese Problematik an Schärfe. Werden staatliche Handlungen Israels – ob berechtigt kritisiert oder nicht – als Ausdruck „jüdischer Politik“ gerahmt, entsteht eine strukturelle Kollektivzuschreibung. Kritik an konkreten politischen Entscheidungen kann in antisemitischen Milieus in pauschale Zuschreibungen gegen „die Juden“ umschlagen. Das ist hochgradig diskriminierend und reproduziert genau jene Logik kollektiver Verantwortungszuschreibung, die Antisemitismus historisch kennzeichnet.

    Eine klare begriffliche Trennung zwischen Judentum und Zionismus schützt daher nicht nur die innerjüdische Vielfalt. Sie ist auch ein Schutzmechanismus gegen antisemitische Projektionen.

  3. Identitätsverschmelzung und Projektion – ein ethisches Problem?

    Wo politische Ideologie und religiöse Identität diskursiv verschmelzen, entsteht ein strukturelles Problem der Zuschreibung und birgt ein ethisches Problem.

    Wenn staatliche Politik Israels im öffentlichen Raum als Ausdruck „jüdischer Interessen“ oder „jüdischer Sicherheit“ verhandelt wird, wird ein politischer Konflikt semantisch in einen Identitätskonflikt umgewandelt. Damit verschiebt sich der Referenzrahmen: Aus der Kritik an einer Regierung oder an konkreten Maßnahmen wird – zumindest potenziell – eine Kritik an einer Gemeinschaft.

    Diese Verschiebung ist gefährlich, weil sie zwei entgegengesetzte, aber strukturell verwandte Effekte erzeugt: Erstens begünstigt sie antisemitische Projektionen. In aufgeheizten Konfliktlagen werden Vorwürfe gegen einen Staat nicht selten kollektiviert. Antisemitische Milieus übertragen politische Anklagen auf „die Juden“ insgesamt. Damit reproduziert sich jene Logik kollektiver Verantwortungszuschreibung, die den Antisemitismus historisch kennzeichnet: die Gleichsetzung individueller oder staatlicher Handlungen mit einer angeblich homogenen religiösen Gemeinschaft.

    Zweitens erzeugt die Identitätsverschmelzung eine ethische Immunisierung politischer Positionen. Wenn Kritik an staatlichem Handeln als potenziell identitätsverletzend markiert wird, entsteht eine moralische Abschirmung. Politische Auseinandersetzungen werden moralisiert, und die Grenze zwischen Antisemitismusbekämpfung und politischer Loyalität verschwimmt.

    Ethisch problematisch ist somit nicht die Existenz politischer Solidarität mit Israel. Problematisch wird es dort, wo Solidarität als identitäre Notwendigkeit definiert wird – und Dissens implizit als Abweichung vom Judentum erscheint.

    Gerade vor dem Hintergrund deutscher Geschichte ist hier größte Sensibilität geboten.

    Die Lehre aus der Shoah war nicht die Sakralisierung staatlicher Macht, sondern die radikale Zurückweisung kollektiver Schuldzuschreibungen. Wo politische Debatten strukturell zur Kollektivierung einladen, muss der Staat deeskalierend wirken – nicht identitätsverschmelzend.

    Eine saubere Trennung zwischen staatlicher Politik und religiöser Gemeinschaft ist daher keine akademische Spitzfindigkeit. Sie ist ein ethischer Imperativ.

  4. Deutschlands historische Verantwortung – „Nie wieder“ ist universell

    Deutschlands Verhältnis zu jüdischem Leben ist untrennbar mit der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik verbunden. Aus der Shoah erwuchs die politische und moralische Lehre des „Nie wieder“. Dieses Versprechen ist konstitutiv für das demokratische Selbstverständnis der Bundesrepublik. Es verpflichtet zur Bekämpfung von Antisemitismus, zum Schutz jüdischen Lebens und zur aktiven Erinnerung an den Zivilisationsbruch.

    Doch dieses „Nie wieder“ besitzt mehr als nur eine historische Dimension. Es enthält zwei Dimensionen: eine konkrete und eine universelle.

    Die konkrete Dimension betrifft den Schutz jüdischen Lebens – in Deutschland und weltweit. Angesichts der industriellen Vernichtung von sechs Millionen Juden ist diese Verantwortung nicht relativierbar. Sie bleibt dauerhaft.

    Die universelle Dimension betrifft den Schutz menschlichen Lebens überhaupt. Der moralische Kern des „Nie wieder“ richtet sich gegen Entmenschlichung als solche – unabhängig davon, wen sie trifft. Er wendet sich gegen rassistische Ideologien, kollektive Schuldzuschreibungen, systematische Entrechtung und Gewalt gegen Zivilbevölkerungen. Seine normative Kraft liegt gerade in seiner Allgemeingültigkeit.

    Problematisch wird es dort, wo diese historische Verantwortung in eine politische Blankovollmacht überführt wird. Wenn Erinnerungspolitik in außenpolitische Loyalität transformiert wird, verschiebt sich der Referenzrahmen. Aus einem moralischen Imperativ gegen Entmenschlichung wird ein partikulares Schutzversprechen zugunsten eines bestimmten Staates. Damit verliert „Nie wieder“ seine universalistische Struktur.

    Der Schutz jüdischen Lebens kann und darf nicht gegen den Schutz palästinensischen Lebens ausgespielt werden. Wer das eine absolut setzt und das andere relativiert, unterläuft den normativen Kern der deutschen Erinnerungskultur. Die Lehre aus Auschwitz war nicht die Sakralisierung staatlicher Macht, sondern die unbedingte Bindung an die Würde jedes einzelnen Menschen.

    „Nie wieder“ gilt nicht selektiv. Es gilt immer und überall.

  5. Demokratietheoretische Legitimität – und die Frage nach dem idealen Zentralrat

    Eine religiöse Dachorganisation bewegt sich in einem Spannungsfeld. Sie ist Interessenvertretung, kulturelle Institution und moralische Stimme zugleich. Doch sollte sie ein außenpolitisches Mandatsträgerorgan sein? Außenpolitik ist Aufgabe demokratisch gewählter Repräsentanten, nicht religiöser Körperschaften.

    Wo eine religiöse Vertretung dauerhaft außenpolitische Positionen formuliert, entsteht ein strukturelles Risiko: Politische Konflikte werden mit religiöser Identität verschränkt. Diese Verschränkung kann – selbst wenn sie gut gemeint ist – Projektionsräume öffnen. In aufgeheizten Konfliktlagen neigen öffentliche Debatten dazu, staatliches Handeln zu kollektivieren. Aus Kritik an Regierungspolitik wird in extremistischen Milieus Kritik an „den Juden“.

    Niemand behauptet, der Zentralrat beabsichtige dies. Doch institutionelle Rahmungen wirken unabhängig von Intentionen. Wenn außenpolitische Loyalität als identitäre Selbstverständlichkeit erscheint, wird die Differenz zwischen Staat und Religionsgemeinschaft unscharf – und genau diese Unschärfe kann antisemitische Zuschreibungen begünstigen.

    Gerade aus deutscher Perspektive ist das heikel. Die historische Verantwortung verpflichtet nicht nur zum Schutz jüdischen Lebens, sondern auch zur Vermeidung von Diskursmustern, die kollektive Verantwortungszuschreibungen ermöglichen. Jüdisches Leben wird dort gefährdet, wo es politisch kollektiviert wird.

    Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie sähe ein Zentralrat aus, der seine Legitimität nicht aus außenpolitischer Positionierung, sondern aus religiöser und gemeinschaftlicher Verantwortung gewinnt?

    Ein solcher Zentralrat würde sich primär auf die Sicherung jüdischen Lebens in Deutschland konzentrieren: auf Religionsfreiheit, Kultpraxis, rabbinische Ausbildung, Synagogenleben, Seelsorge, Bildungsarbeit, Friedhofsschutz und innerjüdische Pluralität. Er würde sich als Vertreter einer Religionsgemeinschaft verstehen – nicht als moralischer Garant staatlicher Außenpolitik.

    Diese Aufgaben sind keineswegs unpolitisch. Sie betreffen Religionsrecht, Körperschaftsstatus, Antisemitismusbekämpfung, Sicherheit von Gemeinden. Aber sie sind nicht identisch mit der Verteidigung konkreter Regierungsentscheidungen eines Staates.

    Ein solcher Rollenwechsel wäre kein Rückzug, sondern eine Klärung. Er würde innerjüdische Vielfalt sichtbar machen, politische Dissidenz ermöglichen und zugleich antisemitischen Projektionen die Grundlage entziehen.

    Der Zentralrat kann und darf Solidarität mit jüdischen Menschen in Israel bekunden. Als Vertreter einer Religionsgemeinschaft aber sollte er vermeiden, eine hochproblematische politische Ideologie zur identitären Norm zu erheben – und damit Jüdinnen und Juden weltweit in Konflikte hineinzuziehen, die sie weder gewählt noch verantwortet haben.

Titelbild: Achim Wagner / Shutterstock


[«1] UNRWA SITUATION REPORT #164 ON THE HUMANITARIAN CRISIS IN THE GAZA STRIP AND THE WEST BANK

[«2] Eine Vertretung für alle Juden – Der Zentralrat der Juden in Deutschland vertritt die Interessen der jüdischen Gemeinschaft

[«3] Schuster Calls Arrest Warrant Against Netanyahu »Absurdity«

[«4] Offener Brief an den Zentralrat der Juden in Deutschland

[«5] Deklaration des jüdischen Anti-Zionismus Kongresses

[«6] THE HAGUE – In the case concerning Application of the Convention on the Prevention and Punishment of the Crime of Genocide

[«7] Karl Lueger wird mit dem Satz zitiert: „Wer Jude ist, bestimme ich.“ Vgl. Brigitte Hamann, Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators, München 1996.

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Gotteskrieger in der US-Armee: „Trump ist von Jesus gesalbt worden, um in Iran das Signalfeuer zu entzünden“

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Im Zusammenhang mit dem Irankrieg häufen sich Berichte über religiösen Extremismus im Weißen Haus und in der US-Armee. Teils wird eine Rhetorik genutzt, die offensiv an christliche Kreuzzüge erinnern soll oder die man in ihrer Härte eher islamistischen Dschihadisten zuschreiben würde. Was soll das? Ist das Ablenkung und billiger Budenzauber? Oder meinen die das etwa ernst? Vielleicht ist es auch der Versuch, den schnöden Motiven für den Irankrieg (Geld, Macht, Geopolitik usw.) noch ein bisschen „Spiritualität“ anzudichten. Ein Kommentar von Tobias Riegel.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Laut Medien häufen sich Berichte über irrationale religiöse Formulierungen in der US-Armee und im Weißen Haus. So berichten Whistleblower von US-Kommandeuren, die etwa die Angriffe der USA und Israels auf Iran als „Teil des heiligen Plans Gottes“ bezeichnen würden. „Trump ist von Jesus gesalbt worden“, wird etwa zitiert, „um in Iran das Signalfeuer zu entzünden und das Armageddon herbeizuführen und seine Rückkehr kenntlich zu machen“.

Das ist laut einem Bericht im Spiegel kein Einzelfall: Die Watchdog-Gruppe „Military Religious Freedom Foundation“  (MRFF) und der Journalist Jonathan Larsen hätten erklärt, ihnen lägen mehr als 200 ähnliche Berichte aus rund 50 US-Militäreinrichtungen vor. „Als habe es ein Memo von oben gegeben“, so der Spiegel.

Die Berichte betreffen nicht nur die US-Armee – bis in die hohe US-Politik hinein finden sich Aussagen wie diese des republikanischen Senators Lindsey Graham zum Irankrieg.

„Dies ist ein religiöser Krieg. Wir werden den Weg des Nahen Ostens auf tausend Jahre hinaus bestimmen.“

Auch US-Außenminister Marco Rubio berief sich laut Medien auf eine religiöse Dimension. „Lasst es mich euch in simplem Englisch erklären, okay?“, sagte er vergangene Woche vor Journalisten. „Iran wird von Wahnsinnigen regiert, religiös-fanatischen Wahnsinnigen.“

„Möge Gott dem iranischen Volk Sieg und Freiheit gewähren“

Und auch im Oval Office im Weißen Haus versammelten sich kürzlich Evangelikale um US-Präsident Donald Trump und beteten für den Krieg und legten die Hand auf ihn. Bilder des befremdlichen Rituals, das von der TV-Predigerin Paula White (laut Medien Trumps „spirituelle Beraterin“) durchgeführt wurde, finden sich unter diesem Link. Mitgebetet haben laut Medien Führungsfiguren aus der nationalchristlichen Szene, darunter Ralph Reed, Gründer und Vorsitzender der Faith and Freedom Coalition. Er sagte:

„Ich danke Präsident Trump für seine mutige Entscheidung, das Terroristenregime in Iran zu treffen. Ich bin geehrt, für ihn und unsere Streitkräfte im Weißen Haus zu beten. Möge Gott dem iranischen Volk Sieg und Freiheit gewähren.“

Glenn Diesen hat unter diesem Link ein geradezu gruseliges Video von einer (laut Diesen) „White House’s Senior Faith Advisor“ (Glaubensberaterin im Weißen Haus) veröffentlicht – laut Nutzerkommentaren ist die Aufnahme aber von 2020.

Pascal Lottaz fragt in diesem aktuellen Video:

Was wäre, wenn der Iran-Krieg in Wirklichkeit kein ‚rational-säkularer‘ Krieg der Neokonservativen zur Projektion amerikanischer Macht ist, sondern ein irrationaler Krieg religiöser Fanatiker, die den Krieg um des Krieges willen wollen, weil er Teil von Gottes göttlichem Plan ist?

Über die Berichte aus der US-Armee und die offene religiöse Manipulation bis ins Weiße Haus hinein hat auch Telepolis in diesem Artikel berichtet.

Theaterdonner oder ernst gemeint?

Was soll das alles? Ist das „nur“ Theater und Budenzauber, etwa um dem Irankrieg über die schnöden Motive Geld, Macht, Geopolitik hinaus eine „spirituelle“ Bedeutung anzudichten? Oder meinen die das etwa ernst?

Vielleicht ist es auch beides: Hardcore-Christen wie der US-Kriegsminister Pete Hegseth verfolgen mit dem Krieg vielleicht tatsächlich – neben den „harten“ Motiven Geld, Macht, Geopolitik usw. – eine religiöse Mission. Dafür spricht etwa sein befremdlicher Auftritt 2018 in Israel, bei dem er leidenschaftlich von der Erbauung eines neuen Tempels träumt, zu sehen etwa in diesem Video. Außerdem trägt Hegseth laut Medien pseudochristliche Tattoos, etwa den Spruch „Deus vult“ (Gott will es), den Schlachtruf mittelalterlicher Kreuzritter. „Unser amerikanischer Kreuzzug findet nicht mit tatsächlichen Schwertern statt, und unser Kampf ist keiner mit Schusswaffen“, schrieb Hegseth demnach vor sechs Jahren. „Noch nicht.“

Anders sieht es aber beim mutmaßlich weitgehend „ungläubigen“ oder zumindest in religiösen Fragen sprunghaften und verwirrenden US-Präsidenten Donald Trump aus. Bei ihm habe ich den starken Eindruck, dass er den extremistischen religiösen Rahmen persönlich eigentlich nicht ganz ernst nimmt. Gleichzeitig denke ich, dass er das geschickt überspielt, um die mobilisierende, ablenkende und einlullende Kraft zu nutzen, die man mit Religion (neben spiritueller Findung) auch entfalten kann.

Und wie passt zu alldem, dass eine der ersten militärischen Handlungen der USA im Iran die Tötung des dortigen religiösen Oberhaupts war?

In Deutschland ist eine Vermischung aus Politik und Religion zumindest in dieser extremen Form noch nicht vorstellbar. Aber wenn die politische Irrationalität weiter so fortschreitet: Wie lange noch?

Titelbild: Dan Scavino auf X

(Auszug von RSS-Feed)
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