Vorschau ansehen
Alan Macleod
Die Vereinigten Staaten und Israel zielen systematisch auf Krankenhäuser im Iran.
In einem Monat Bombardierungen haben beide Länder laut Berichten des Iranischen Roten Halbmonds mindestens 307 Gesundheitseinrichtungen im ganzen Land getroffen.
Die gezielte Zerstörung der medizinischen Infrastruktur der Islamischen Republik passt in eine lange Geschichte bewusster US-Angriffe auf Krankenhäuser.
Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat Washington medizinische Einrichtungen in mindestens 16 Ländern angegriffen, und die 307 getroffenen Standorte im Iran kommen nicht annähernd an den Rekord für die Anzahl zerstörter Krankenhäuser durch amerikanische Bomben und Raketen heran.
Es gab keine Warnung.
US-amerikanische und israelische Luftangriffe trafen am 1. März und erneut am 2. März das Gandhi Hotel Hospital im Norden Teherans.
Während die Bevölkerung im Ramadan fastete, schlugen Raketen in das Gebäude ein, zerstörten Fenster und verwüsteten die Neugeborenenstation sowie die Intensivstation.
Das 2009 fertiggestellte, 17-stöckige Gebäude galt als eines der fortschrittlichsten medizinischen Zentren in Westasien und als „Leuchtturm“ der iranischen Medizin.
Bilder zeigen ein Gebäude in Trümmern, mit zerstörten Etagen über mehrere Stockwerke hinweg.
Das Gandhi Hospital ist nur eines von über 300 medizinischen Zentren, die angegriffen wurden.
Am 11. März wurde zudem das Persian Gulf Martyrs Educational and Medical Center in Buschehr schwer beschädigt.
Raketen zerstörten große Teile der medizinischen Ausrüstung.
Patienten wurden trotz der Gefahr weiterer Angriffe in andere Krankenhäuser verlegt.
Am 21. März wurde das Imam-Ali-Krankenhaus in Andimeshk angegriffen.
Aufnahmen zeigen vollständig zerstörte Stationen, Wartebereiche und Korridore.
Es handelt sich um das einzige Krankenhaus der Stadt. Patienten mussten in andere Städte gebracht werden.
Hossein Kermanpour vom iranischen Gesundheitsministerium bezeichnete dies als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Auch andere medizinische Einrichtungen wurden getroffen, darunter ein Ersthelferzentrum, ein Büro des Roten Halbmonds und das Pasteur-Institut.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian forderte internationale Organisationen wie WHO, Rotes Kreuz und Ärzte ohne Grenzen zum Handeln auf.
Westliche Medien berichteten kaum darüber.
Die lange Geschichte amerikanischer Angriffe auf Krankenhäuser
Präsident Trump hat eine Vorgeschichte bei Angriffen auf medizinische Einrichtungen.
Im vergangenen Jahr führten US-Streitkräfte 14 Luftangriffe auf ein Krebszentrum im Jemen durch.
2017 bombardierten die USA ein Krankenhaus in Raqqa mit Phosphormunition, wobei mindestens 30 Zivilisten starben.
Auch unter Barack Obama wurden medizinische Einrichtungen angegriffen.
2015 wurde ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen in Kundus bombardiert – 42 Menschen starben.
US-Piloten hatten sich gegen den Angriff ausgesprochen, wurden aber überstimmt.
Obama ließ zudem sieben Länder bombardieren, darunter Libyen, wo ein Krankenhaus vollständig zerstört wurde.
Auch im Irak wurden medizinische Einrichtungen angegriffen, etwa 2003 ein Entbindungskrankenhaus in Bagdad.
In den 1990er Jahren griff Präsident Clinton medizinische Infrastruktur in mehreren Ländern an.
In Jugoslawien wurden Krankenhäuser bombardiert, darunter mit Streumunition in Niš.
In Somalia wurde 1993 ein Krankenhaus in Mogadischu angegriffen.
Im Sudan zerstörten US-Raketen eine pharmazeutische Fabrik, was laut Schätzungen zehntausende Todesfälle nach sich zog.
In den 1980er Jahren wurden Krankenhäuser in Grenada, El Salvador und Nicaragua angegriffen oder geschlossen.
Im Vietnamkrieg war das Bombardieren von Krankenhäusern faktisch Teil der Strategie.
1972 wurden über 100 Bomben auf das Bach-Mai-Krankenhaus in Hanoi abgeworfen.
Auch in Laos und Kambodscha waren Angriffe auf medizinische Einrichtungen Routine.
Nordkorea erlitt massive Zerstörung, mit rund 1.000 zerstörten Krankenhäusern.
Israelische Angriffe und geopolitischer Kontext
Auch Israel greift regelmäßig Krankenhäuser an.
Im Gazastreifen wurden nahezu alle medizinischen Einrichtungen beschädigt oder zerstört.
Gesundheitspersonal wurde gezielt angegriffen, entführt und gefoltert.
Ein Beispiel ist der Arzt Adnan Al-Bursh, der nach seiner Festnahme vermutlich zu Tode misshandelt wurde.
Israel greift nun auch systematisch die medizinische Infrastruktur im Libanon an.
Mindestens 57 Gesundheitsarbeiter wurden dort getötet.
Die Angriffe auf iranische Infrastruktur sind Teil einer umfassenderen Strategie des Regimewechsels.
Die USA haben wirtschaftlichen Druck ausgeübt, Proteste unterstützt und politische Destabilisierung betrieben.
Trump bestätigte zudem Waffenlieferungen an Gruppen innerhalb Irans.
Fazit
Die Angriffe auf medizinische Einrichtungen im Iran sind kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters, das sich über Jahrzehnte erstreckt.
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die USA in mindestens 16 Ländern medizinische Infrastruktur bombardiert.
Angriffe auf Krankenhäuser gelten als Kriegsverbrechen – sind aber laut dieser Darstellung ein wiederkehrendes Element amerikanischer Militärpolitik.
*
lan MacLeod ist leitender Redakteur bei MintPress News. Er schloss 2017 seine Promotion ab und hat seitdem zwei vielbeachtete Bücher veröffentlicht: Bad News From Venezuela: Twenty Years of Fake News and Misreporting und Propaganda in the Information Age: Still Manufacturing Consent, ebenso wie eine Reihe wissenschaftlicher Artikel. Er hat außerdem zu FAIR.org, The Guardian, Salon, The Grayzone, Jacobin Magazine und Common Dreams beigetragen. Folgen Sie Alan auf Twitter für weitere seiner Arbeiten und Kommentare: @AlanRMacLeod.


