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Pakistan ist kein netter Vermittler, sondern eine islamische Diktatur

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Sowohl vom globalistischen Mainstream als auch von der US-Regierung wird Pakistan zuletzt als freundliches Land hingestellt, das alles tut, um den Iran-Krieg zu beenden. In Wahrheit handelt es sich beim pakistanischen Regime nach innen und außen um ein übles System.

Von Eric Angerer

Pakistan ist offiziell eine „Islamische Republik“. Ein Bundes-Scharia-Gericht prüft Gesetze auf Konformität mit dem Islam. Religiöse Minderheiten werden barbarisch drangsaliert. Die Dschihadisten in Afghanistan wurden jahrzehntelang in Pakistan ausgebildet. Die ökonomische und gesellschaftliche Rückständigkeit des Landes versucht das Regime durch militärische Macht und durch seine Atomwaffen auszugleichen.

Teilung des Subkontinents

Die indische Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Herrschaft war seit Ende des 19. Jahrhunderts von der säkular ausgerichteten Kongresspartei dominiert. Sie strebte einen demokratischen Staat an, in dem Hindus, Muslime, Buddhisten, Sikhs und Christen gleiche staatsbürgerliche Rechte haben sollten. Dem stellte sich ab 1906 die Muslimliga entgegen, die einen eigenen muslimischen Staat forderte.

Sie sollte sich schließlich durchsetzen – und mit dem Abzug der Briten 1947 Pakistan bekommen, bestehend aus dem heutigen (West‑)Pakistan und aus Ostpakistan (später Bangladesch). Im Verlauf des Teilungsprozesses kam es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen, die zum Tod von etwa einer Million Menschen führten. Etwa 20 Millionen wurden im Zuge der Aufteilung Britisch-Indiens deportiert, vertrieben oder umgesiedelt.

Beidseitige Vertreibungen?

Anders als im medialen Mainstream meist dargestellt, haben dabei nicht beide Seiten gleichermaßen irgendwie „unschön“ agiert. Übergriffe gab es sicherlich von beiden Seiten, dennoch bestehen erhebliche Unterschiede. 

Die meisten Muslime haben Indien verlassen, weil sie es nicht akzeptabel finden, in einem von Ungläubigen dominierten Staat zu leben. Dass es für Islamgläubige möglich war, in Indien zu bleiben, zeigt die Tatsache, dass heute in Indien mit 180 Millionen 14 Prozent der Bevölkerung muslimisch sind.

Umgekehrt wurde Pakistan rigoros von Ungläubigen gesäubert, sodass heute nur noch 2 Prozent der pakistanischen Bevölkerung Hindus sind, die im explizit islamischen Staat Pakistan ihre Religion nicht öffentlich ausüben dürfen. Dass sich muslimischer Hass auf Ungläubige nicht nur gegen die verfeindeten Hindus richtete, zeigt die Minderheit der Sikh, deren Angehörige in Pakistan 1947 ermordet, vergewaltigt, beraubt und nach Indien vertrieben wurden, wo sie als eigene religiöse Gruppe gedeihlich leben kann.

Islamische Expansion

Die Wurzeln des muslimisch-hinduistischen Konfliktes reichen allerdings viel tiefer als in die 1940er Jahre, nämlich in die Zeit der islamischen Expansion. Die arabisch-nomadische Gesellschaft hatte in den Islam von Anfang an starke Züge von Krieg, Expansion, Raub und Beute eingebracht, die nun religiös überhöht wurden. Neben den muslimischen Expansionen in Nordafrika, Südeuropa und Westasien stießen die kriegerischen Islambefolger nach dem Fall des persischen Reiches weiter nach Osten vor.

Eine Folge davon war die Vernichtung der buddhistischen Zivilisationen in Zentralasien, beginnend im frühen 8. Jahrhundert, bei der nach manchen Schätzungen in einem Zeitraum von etwa 300 Jahren bis zu 10 Millionen Buddhisten von den muslimischen Kolonialisten ermordet wurden (den Schlusspunkt setzten die Taliban mit der Sprengung der berühmten Buddha-Statuen im Tal von Bamiyan im Jahr 2001).

Ebenfalls um 710 begannen erste muslimische Überfälle auf Indien. Mahmud von Ghazni (998–1030) führte insgesamt 17 Feldzüge im Industal, wobei die Kavallerie der Invasoren sich dem indischen Fußheer mit seinen Elefanten häufig überlegen zeigte. Den Islamgläubigen gelang es so, sich in Nordwestindien festzusetzen und um 1200 das Sultanat von Delhi zu gründen, das große Teile Nordindiens umfasste. Nach innermuslimischen Konflikten folgte im frühen 16. Jahrhundert das islamische Mogulreich, das große Teile Indiens beherrschte und bis zur britischen Übernahme 1858 Bestand hatte.

Indien unter dem Islam

Je nach Region stand Indien also bis zu 700 oder 800 Jahre unter muslimischer Herrschaft. Durch die zahlreichen militärischen Konflikte und die Repressalien sollen über die Jahrhunderte an die 70 Millionen Hindus von den Islambefolgern ums Leben gebracht worden sein. Zwei Millionen Inder wurden als Sklaven in islamische Gebiete verschleppt, hauptsächlich junge Frauen und Mädchen.

Wie überall unter islamischer Herrschaft mussten die „Ungläubigen“ die „Jizya“, eine Sondersteuer zahlen. Viele hinduistische Klöster und Tempel wurden zerstört. Das Mogulreich war zeitweise liberaler als das Sultanat von Delhi, so wurde im 16. Jahrhundert die Jizya für Hindus vorübergehend ausgesetzt. Besonders ab 1679 wurde wieder ein scharfer Kurs gefahren: Wiedereinführung der Jizya, Zerstörung von Hindu-Tempeln, Verbot von Pilgerfesten, Scharia als Grundlage des Rechtswesens.

Islamisierung

Ziel war ohnehin die Islamisierung des Landes, die wie auch in Nordafrika und im Nahen Osten über mehrere Schienen lief: 1) Ansiedlung von Muslimen als herrschende Schicht, 2) Raub von ungläubigen Mädchen, die als Dritt- oder Viertfrauen von Islambefolgern die Demografie in die muslimische Richtung bewegen, 3) ökonomischer und gesellschaftlicher Druck durch Jizya und ständige Demütigung der Ungläubigen. Dazu kam in Indien ein vierter Punkt, nämlich das veraltete Kastenwesen, das den untersten Kasten ein elendes Leben zuwies und sie dazu motivierte, zum Islam zu konvertieren.

Diese Mechanismen führten über die Jahrhunderte zu einer schleichenden Islamisierung des Landes, mit den Schwerpunkten im späteren Pakistan und Bangladesch. Sie sind die Wurzel der heute insgesamt 570 Millionen Muslime am indischen Subkontinent. Und sie haben sich als integraler Bestandteil der islamischen Kolonialisierung tief in das kollektive historische Gedächtnis der Hindus eingegraben.

Vergleich mit Indien

So wie Serben oder Griechen am Balkan oder wie die buddhistische Mehrheitsbevölkerung in Burma wissen die Hindus und Sikhs in Indien sehr gut, was muslimische Herrschaft in der Praxis bedeutet. Und das hinduistische Reich von Vijayanagar in Südindien gilt vielen Hindus bis heute als Symbol des Widerstandes gegen die islamische Kolonialherrschaft.

Die Hindus unterscheiden sich damit von vielen „postkolonialistischen“ naiven Europäern und Nordamerikanern. Und so ist es kein Zufall, dass es in den USA oder Britannien oftmals konservative Politiker mit indisch-hinduistischen Wurzeln sind, die klare Worte zum Islam finden.

Auch Indien ist nicht zu beschönigen. Das reaktionäre Kastensystem wirkt immer noch nach. Die Situation von Frauen ist zwar nicht so schlimm wie in vielen muslimischen Ländern, aber schlimm genug, wie immer wieder dramatische Fälle zeigen. Darüber hinaus herrscht in Indien ein ausbeuterisches System. Dennoch gab es in Indien in den letzten Jahrzehnten auch erhebliche Modernisierungen. Und Indien verfügt seit seiner Unabhängigkeit über ein demokratisches System, das deutlich mehr politische, religiöse und persönliche Freiheiten lässt als das verfeindete Nachbarland.

Daraus ergibt sich, dass Kritik an beiden Gesellschaften und Staaten legitim und notwendig ist. Äquidistanz aber ist nicht angebracht. Historisch gesehen waren die Islamgläubigen der Aggressor gegen die Hindus, Sikhs und Buddhisten. Aktuell ist die indische Gesellschaft unterm Strich die modernere und weniger autoritäre.

Pakistan heute

Pakistan ist seit seiner Entstehung ein autoritärer Staat, schwankend zwischen Militärdiktatur und Islamismus. Eine rigide Auslegung des Islam ist Staatsreligion, die ganz kleinen Minderheiten der Hindus und Christen werden erbarmungslos drangsaliert, Menschen infolge harmloser oder angedichteter Aussagen wegen „Beleidigung des Propheten“ zum Tode verurteilt oder unter staatlicher Duldung gelyncht. Die Arbeiterbewegung wird brutal unterdrückt.

Pakistan spielte in den 1980er Jahren eine zentrale Rolle beim Sturz der säkularen Regierung in Afghanistan. In 85 pakistanischen Lagern wurden jahrelang die islamistischen Banden für den Einsatz im Nachbarland trainiert. Zuletzt unterhielt man gute Beziehungen zur islamofaschistischen Mullah-Diktatur in Teheran.

Pakistans Wirtschaft ist ein absoluter Sanierungsfall. Die Währungsreserven des riesigen Landes sind auf kümmerliche 16,4 Milliarden Dollar zusammengeschmolzen. Die Rechnungen stapeln sich, das Wasser steht der Regierung bis zum Hals. Die Kosten für Energieimporte explodieren. Gleichzeitig klopfen wütende Gläubiger an die Tür: Allein die Vereinigten Arabischen Emirate fordern bis Ende des Monats die Rückzahlung von satten 3,5 Milliarden Dollar.

Angesichts des Staatsbankrotts vermietet das pakistanische Regime seine Armee. Zuletzt wurden etwa 13.000 pakistanische Soldaten (inklusive Kampfjets und schwerem militärischen Gerät) nach Saudi-Arabien verlegt, um die Golfmonarchie zu verteidigen.

Riad erkauft sich dadurch die dringend benötigte militärische Schlagkraft, und Islamabad bekommt das, was es zum nackten Überleben braucht: frisches Geld. Saudische und katarische Geldgeber pumpen jetzt 5 Milliarden Dollar in die chronisch leere pakistanische Staatskasse (wir haben im Detail berichtet).

(Auszug von RSS-Feed)

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Zankapfel Sabah: Ein alter Konflikt aus Kolonialzeiten sorgt erneut für Missstimmung zwischen Manila und Kuala Lumpur

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Seit Jahresbeginn sorgt die sogenannte Sabah-Frage neuerlich für Spannungen zwischen den beiden südostasiatischen Anrainerstaaten Malaysia und den Philippinen. Im Kern geht es um einen seit Langem bestehenden Territorialanspruch der Philippinen auf den seit Mitte der 1960er-Jahre bestehenden ostmalaysischen Bundesstaat Sabah, ein Territorium, das einst die britische Kronkolonie Nord-Borneo gebildet hatte. Es ist dies ein politisch schwelendes Thema, das in der Vergangenheit häufiger zu diplomatischen Spannungen und beidseitig bekräftigten Souveränitätsansprüchen, aber auch zu offenen Kampfhandlungen führte. Eine Spurensuche von Rainer Werning.

Kartenstreit

Am 20. Februar 2026 gab der Sprecher des philippinischen Außenministeriums (DFA) für maritime Angelegenheiten, Rogelio Villanueva, während einer Pressekonferenz eine Erklärung ab, die umgehend für Wirbel sorgte. Sein Land, so Villanueva, halte seinen Souveränitätsanspruch auf Sabah aufrecht, nachdem erneut Diskussionen über eine philippinische Karte aus dem Jahr 2012 aufgekommen sind. Die kürzlich erfolgte Veröffentlichung einer aktualisierten Verwaltungskarte der Philippinen durch die Nationale Behörde für Kartografie und Ressourceninformation (NAMRIA) hat unbeabsichtigt die Diskussionen über den ruhenden, aber anhaltenden Anspruch Manilas auf Sabah angefacht. Die neu herausgegebene Karte sollte nämlich in erster Linie die Souveränität des Landes über die Kalayaan-Inselgruppe und Bajo de Masinloc im Westphilippinischen Meer unterstreichen. Sie zeigt allerdings auch das Gebiet von Sabah südlich von Mindanao, was Fragen zu geopolitischen Auswirkungen aufwirft.

Um die Wogen ein wenig zu glätten, wies Villanueva darauf hin, dass die Karte ein Verwaltungsinstrument für die Planung und Ressourcenverwaltung der Regierung und keine endgültige Kartierung der Seegebiete sei:

Die Rechte der Philippinen in Bezug auf ihre Souveränität und Hoheitsrechte sowie ihre maritimen Ansprüche hängen nicht von der Vorlage dieser Karten bei den Vereinten Nationen ab, da sie auf dem Völkerrecht, insbesondere dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), beruhen und durch dessen wegweisenden Schiedsspruch vom Sommer 2016 klargestellt wurden.“

Auf die Frage, ob die NAMRIAKarte die territorialen Grenzen neu definiere, um Sabah offiziell einzubeziehen, antwortete Villanueva, dass die Karte lediglich eine „geografische Annäherung an Nordborneo im Verhältnis zum philippinischen Archipel“ darstelle. Der DFA-Beamte erklärte indes kategorisch, dass Manila seine historischen Rechte an dem Gebiet nicht aufgibt.

Malaysia hat formell gegen diese Interpretation Manilas und die neuen Seerechtsgesetze der Philippinen protestiert. Der malaysische Außenminister Datuk Seri Mohamad Hasan erklärte, die Gesetze würden die Seegrenzen Malaysias vor der Küste Sabahs, wie sie in der neuen Karte Malaysias von 1979 festgelegt sind, verletzen. Kuala Lumpur behauptet, dass die philippinische Gesetzgebung direkte Auswirkungen auf die Souveränität und Gerichtsbarkeit Malaysias habe, und bekräftigt, der Status Sabahs innerhalb der Föderation Malaysias sei von den Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft anerkannt worden, nachdem sich die Bevölkerung im Jahre 1963 mehrheitlich für den Beitritt zur malaysischen Föderation entschieden hätte.

Zum Hintergrund

Lange bevor es Manila oder gar die Philippinen gab, war das Sultanat Sulu eine der mächtigsten und einflussreichsten Regierungen in der Region, mit diplomatischen und Handelsbeziehungen, die bis nach China reichten. Im 17. Jahrhundert sah sich der Sultan von Brunei mit einer Rebellion auf Borneo konfrontiert und bat den Sultan von Sulu um Hilfe. Daraufhin entsandte der Sultan von Sulu Tausug-Krieger, um die Rebellion niederzuschlagen. Als Zeichen seiner Dankbarkeit für die geleistete Hilfe vermachte der Sultan von Brunei im Jahre 1658 dem Sultan von Sulu jenes Territorium, das das heutige Sabah umfasst.

Am 22. Januar 1878 unterzeichnete schließlich der Sultan von Sulu mit einer privaten Firma namens British North Borneo Company unter der Leitung von Alfred Dent und Gustav Baron von Overbeck ein Abkommen, das Letzterer Sabah auf unbestimmte Zeit gegen eine jährliche Zahlung von 5.000 malaiischen Dollar „überließ“. Knackpunkt war und blieb der in der Tausug-Übersetzung verwendete Begriff „padjak“, was wörtlich „verpachten“, „mieten“ oder „leihen“ heißt. Im englischen Text ist indes von „grant and cede“ die Rede, was „überlassen und abtreten“ bedeutet.

1946 trat die British North Borneo Company ihrerseits Sabah an die Regierung in London ab, woraufhin der Sultan von Sulu das (Pacht-)Abkommen aufkündigte. Während die Bevölkerung in Sabah 1963 demokratisch für den Anschluss der Region an die neugeschaffene Föderation Malaysia votierte und dem Beitritt Sabahs als ostmalaysischem Bundesstaat in diese zustimmte, übertrug der Sultan von Sulu, das seit 1946 integraler Bestandteil der am 4. Juli desselben Jahres unabhängig gewordenen Republik der Philippinen ist, der Regierung in Manila das Recht, seinen Anspruch auf Sabah politisch und diplomatisch durchzusetzen. Diese Position wurde 1968 im Republikgesetz 5446 offiziell festgeschrieben, wodurch die Landesverfassung geändert und der Anspruch auf Nordborneo ausdrücklich beibehalten wurde. Um die ohnehin verzwickte Lage noch zu komplizieren, beriefen sich die Anhänger des Sultans auf einen 1915 mit den USA als damaliger Kolonialmacht (1898 – 1946) geschlossenen Pakt, wonach Washington sich verpflichtet hatte, die Interessen der Sultansfamilie zu schützen.

Zwischenzeitlich gab es all diesen Entwicklungen zum Trotz auch prononcierte Bestrebungen in Richtung eines malaiischen Irredentismus, der – hauptsächlich von indonesischen und philippinischen Intellektuellen und Nationalisten propagiert – darauf gerichtet war, die ethnisch malaiischen Gebiete – einschließlich der Malaiischen Halbinsel, British-Borneo und Niederländisch-Ostindiens (Indonesien) – zu einem großen Staat zu vereinen. Anfang der 1960er-Jahre war das Konstrukt Maphilindo en vogue, wonach der Zusammenschluss der Länder Malaysia, die Philippinen und Indonesien als politische Union avisiert ward. Das Vorhaben scheiterte, weil Indonesiens Präsident Sukarno auf einen Kurs der „konfrontasi“ vis-à-vis Malaysia einschwenkte beziehungsweise dessen Staatsgründung als neokolonialistische Intervention des britischen Imperialismus wertete.

Malaysia – Friedensbroker oder Spielverderber?

Seit Anfang der 1970er-Jahre sind der Sulu-Archipel und die Hauptinsel Mindanao die höchstmilitarisierten Gebiete der Philippinen. Lange Zeit herrschte in dieser ältesten Konfliktregion Südostasiens offener Bürgerkrieg – mit stetig wechselnden Fronten und zahlreichen Vertriebenen, die meist Zuflucht im friedlichen Sabah suchten. Zunächst war es die Moro Nationale Befreiungsfront (MNLF), die für einen unabhängigen Staat gekämpft, Ende 1976 aber im libyschen Tripolis, wo ihr Gründungsvorsitzender Nur Misuari im Exil lebte, ein Friedensabkommen mit dem damaligen Marcos-Regime geschlossen hatte. Um Marcos, der zwischenzeitlich eine militärische Invasion in Sabah erwogen hatte, zu kompromittieren, hatte Kuala Lumpur es Kombattanten der MNLF jahrelang gestattet, Sabah als Trainingslager und Rückzugsgebiet zu nutzen. Für diese und zahlreiche aus der Sulu-See vor den Kampfhandlungen geflohene Menschen eröffnete die gesellschaftliche Integration in Sabah als Teil des multi-ethnischen Malaysia eine neue Lebensperspektive. Heute leben und arbeiten dort etwa 800.000 Filipinos, wiewohl als staatenlose oder undokumentierte Migranten in einer rechtlichen Grauzone und sporadisch schikaniert von malaysischen Sicherheitskräften.

Nachdem Misuari und die MNLF Mitte der 1990er-Jahre von Manila kooptiert waren, sattelte Kuala Lumpur um und hofierte fortan die Moro Islamische Befreiungsfront (MILF), eine Abspaltung von der MNLF. Die MILF war zwischenzeitlich zur größten und bedeutsamsten muslimischen Gruppierung in den Südphilippinen avanciert. So fanden denn ausgerechnet unter der Ägide der malaysischen Regierung in Kuala Lumpur seit 1997 zunächst Waffenstillstands- und später Friedensverhandlungen zwischen der MILF und der Regierung in Manila statt. Derweil hatten die malaysischen Behörden Anfang 2002 Nur Misuari an Manila ausgeliefert, als dieser sich nach einer missglückten bewaffneten Revolte auf der Insel Jolo nach Sabah abgesetzt hatte. Wegen des Vorwurfs der Rebellion blieb er mehrere Jahre inhaftiert beziehungsweise unter Hausarrest gestellt. Was Misuari und seinen Gefährten einst als sicheres Versteck gedient hatte, war jetzt zur Falle geworden. Dies hat Misuari bis heute nicht verwunden.

Zum Durchbruch kam es am 15. Oktober 2012. Ein sichtlich gut gelaunter Präsident Benigno S. Aquino III. trat an diesem Tag vor die Kameras und erklärte:

Das unterzeichnete Abkommen ebnet den Weg für einen endgültigen und dauerhaften Frieden in Mindanao.“

Gemeint war das wenige Tage zuvor zwischen Vertretern der Regierung und der MILF ausgehandelte „Bangsamoro-Rahmenabkommen“, konzipiert als Vorstufe eines endgültigen Friedensvertrages. In Gegenwart des als Gast geladenen malaysischen Premierministers Najib Razak fügte Aquino freudig hinzu:

Nicht länger mehr strebt die MILF einen unabhängigen Staat an. Das heißt, die Hände, die einst Gewehre hielten, werden nun bald Land bestellen, Erzeugnisse verkaufen und an Werkbänken in Fabriken arbeiten und zahlreichen Bürgern neue Lebensperspektiven eröffnen.“

Eckpunkt dieses Rahmenabkommens zur Regelung der Belange des Moro-Volkes (beziehungsweise der Moro-Nation) sollte die Schaffung einer autonomen Region namens Bangsamoro (BARMM) sein. Bevor ein solches Abkommen jedoch erst unter der Präsidentschaft von Rodrigo R. Duterte (2016 – 2022) konkrete Gestalt annahm und ratifiziert wurde, hagelte es auch Kritik seitens enttäuschter Ex-MILF-Kämpfer, die sich zuvor unter Führung des Regionalbefehlshabers Ustadz Ameril Umbra Kato von der Organisation abgespalten hatten. Sie gründeten im Gegenzug die Bangsamoro Islamische Freiheitsbewegung (BIFM) mit den Bangsamoro Islamischen Freiheitskämpfern (BIFF) als deren bewaffnetem Arm. Der MILF unter Führung von Al Haj Murad Ebrahim und Chefunterhändler Mohagher Iqbal warf die BIFM vor, gegenüber der Regierung in Manila eingeknickt zu sein und die Vision eines unabhängigen Moro-Staates aus dem Blick verloren zu haben. Pikanterweise hatten sich mit genau diesem Argument 1977 Ex-MNLF-Anhänger zur Gründung der MILF entschlossen.

Missglückter (militärischer) Gewaltakt im Frühjahr 2013

Am 9. Februar 2013 waren zwischen 200 und 300 bewaffnete Anhänger einer selbsternannten Königlichen Armee des Sultanats von Sulu von südphilippinischen Inseln aus mit Motorbooten in Lahad Datu und anderen Orten Sabahs angelandet. Angeführt wurden die in Malaysia umgehend als „Kriminelle“ und „Terroristen“ bekämpften Eindringlinge von Agbimuddin Kiram, einem Bruder des Sultans. Man sei gekommen, ließ schließlich Sultan Jamalul Kiram III. durch seinen Sprecher Abraham Idjirani verkünden, um seit Langem bestehende Landbesitzrechte endlich durchzusetzen und das „Heimatland wieder in Besitz zu nehmen“.

Was da wie ein possenhafter Nachklapp aus Tausendundeiner Nacht mit einem „Sultan of Swing“ als tragikomischem Hauptdarsteller anmutete, hatte sich zu einer tödlichen Geschichte entwickelt. Nach einer längeren Pattsituation kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit malaysischen Sicherheitskräften, bei denen etwa 80 Menschen ums Leben kamen. Während die malaysischen Behörden die Ereignisse herunterspielten und bereits von einem Rückzug der Anhänger des Sultans sprachen, bezeichnete dieser dies im Gegenzug als Propaganda.

In philippinischen Regierungskreisen wurde seinerzeit vermutet, der Einmarsch in Sabah sei ein Komplott gewesen, um den laufenden Friedensprozess in den Südphilippinen zu untergraben. Ein Vertreter des Sultans bestritt damals, dass dies der Zweck gewesen war, doch der Sultan selbst hatte sich mehrfach verärgert darüber gezeigt, aus dem Prozess ausgeschlossen worden zu sein – ein Argument, das auch ein verbitterter Nur Misuari wiederholt öffentlich zu Protokoll gab. Gegenüber der in Manila erscheinenden Tageszeitung Philippine Daily Inquirer erklärte Jamalul Kiram III.:

Wir bleiben vor Ort. Warum sollten wir unsere Heimat verlassen? Die Malaysier bezahlen uns dafür doch bis heute Miete.“

Tatsächlich betrug diese Miete bis zu diesem Zeitpunkt jährlich 5.300 malaysische Ringgit (umgerechnet etwa 1.700 US-Dollar), die von der Botschaft Malaysias in Manila per Scheck ausgezahlt wurde. Die Zahlungen wurden 2013 eingestellt, was zu einem internationalen Rechtsstreit führte. Die Erben des Sultans von Sulu[1] erwirkten 2022 in Frankreich einen Schiedsspruch, der Malaysia zur Zahlung von rund 15 Milliarden US-Dollar an Schadensersatz verurteilte – ein Urteil, das jedoch in einem späteren Verfahren kassiert wurde und Kuala Lumpur ohnehin als illegal und betrügerisch einstufte.
So befindet sich die Sabah-Frage im Frühjahr 2026 jenseits direkter militärischer Konfrontationsgefahr in einer diplomatischen Pattsituation, wobei Malaysia die administrative Kontrolle fest im Griff hat, während die Philippinen einen „niemals aufgegebenen”, ruhenden Anspruch aufrechterhalten.

Titelbild: Neuiiza / shutterstock

Weiterführende Lektüre & Links


[«1] Das Sultanat von Sulu existiert natürlich längst nicht mehr als souveräner Staat; es besteht fort in Gestalt einer traditionellen Monarchie innerhalb des philippinischen Staatsverbandes, wiewohl mit widerstreitenden Fraktionen.

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