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VIDEO: Turkish Airlines Jet Hits Radar Mast, Ripping Hole in Plane Carrying 267 Passengers

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A plane hit a radar pole at a Turkish airport on Thursday, frightening its 267 passengers as the aircraft taxied to its gate.

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Faktencheck – Jeffrey Sachs’ Kritiken an Deutschlands Außenpolitik Teil 1

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Die Berliner Zeitung, die Weltwoche und die NachDenkSeiten veröffentlichten im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang Juni einen Offenen Brief des für kritische Analysen der internationalen Politik bekannten US-Ökonomen Jeffrey D. Sachs an Bundeskanzler Merz. Es war der zweite Offene Brief binnen eines halben Jahres an den Kanzler. Mit dem zweiten Brief unterstreicht Sachs die absolut dringende Handlungsnotwendigkeit, einen immer wahrscheinlicher werdenden Krieg zwischen EU-Europa/europäischen NATO-Staaten mit Russland abzuwenden. Kanzler Merz müsse nun endlich diplomatisch die Initiative zur Abwendung dieser Dynamik ergreifen, statt dem Krieg Tür und Tor zu öffnen. In diesem Kontext benennt Sachs die seiner Meinung nach sechs Fehlentscheidungen in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, die zu der gegenwärtigen Lage geführt hätten. Die Argumente von Sachs sollen im Folgenden einem ideologiefreien Faktencheck unterzogen werden. Dabei verweise ich primär auf Quellentexte, also auf Texte, die nicht zuvor „eingeordnet“ wurden. Von Alexander Neu.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Vorbemerkung

Dass dieser Offene Brief angesichts seiner schonungslosen Abrechnung mit den nach Auffassung Sachs‘ eklatanten Fehlentscheidungen der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik nicht von den Mainstreammedien veröffentlicht wurde, ist empörenswert, jedoch nicht mehr verwunderlich. Denn seit dem NATO-Angriffskrieg gegen Jugoslawien 1999 ist ein immer offensichtlich werdender Transformationsprozess weg vom Journalismus hin zum moralisierenden Haltungsjournalismus und Politaktivismus der Mainstreammedien zu beobachten. Das Ziel: durch „journalistisch“ betreutes Denken nur noch die „richtige Wahrheit“ zuzulassen. Wenn keine überzeugenden Gegenargumente (bestellte „Faktenchecker“ kriegen es nicht hin, die Tatsachen zu verdrehen) geliefert werden können, wird das Thema halt kurzerhand verschwiegen. Ganz nach dem Motto: Man kann vielleicht nicht verhindern, wie Menschen denken, jedoch kann man versuchen, zu verhindern, dass sie über das eine oder andere Thema nachdenken. Weltwoche, Berliner Zeitung und NachDenkSeiten sowie weitere alternative Onlinemedien gehören zu den Medien, die sich dem meinungsverengenden Politikaktivismus der Mainstreammedien widersetzen und die Meinungsvielfalt abzusichern versuchen.

Die NachDenkSeiten fordern in ihrem Beitrag zum Offenen Brief etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber nicht mehr ist: Es ist in der Natur der Sache liegend für eine Demokratie – nämlich Informationen zu rezipieren, freie Diskussionen und Debatten zu führen, um Positionen entwickeln zu können. Kurzum: Ohne freie Meinungsäußerung, ohne Pressefreiheit, ohne Informationsrezeptionsfreiheit ist eine Demokratie eben keine Demokratie mehr – es sei denn, man reduziert das Demokratieverständnis auf den alle paar Jahre stattfindenden technischen Wahlakt.

Seine [Jeffrey Sachs‘] Argumente können kritisiert, widerlegt oder diskutiert werden. Doch dazu müssten sie zunächst einmal bekannt sein“, so die NachDenkSeiten. Und genau das soll im Folgenden in Form eines tatsächlich ideologiefreien Faktenchecks geschehen:

Sechs Kritikpunkte an der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik

Unter der Unterüberschrift „Deutschlands Verantwortung: Sechs Punkte“ erläutert Sachs sechs in seinen Augen politische Fehlentscheidungen deutscher Außen- und Sicherheitspolitik, die zur gegenwärtigen Eskalation geführt hätten:

„Erstens – der Zwei-plus-Vier-Vertrag und die Osterweiterung der NATO“

Am 12. September 1990 unterzeichnete Deutschland in Moskau den Vertrag über die endgültige Regelung der Angelegenheiten Deutschlands – den „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ –, der die deutsche Wiedervereinigung vollendete. Dieser Vertrag kam zustande, weil Michail Gorbatschow von Hans-Dietrich Genscher, Helmut Kohl, James Baker und anderen westlichen Staats- und Regierungschefs die feierliche Zusicherung erhielt, dass die NATO nicht nach Osten expandieren würde. Die freigegebenen Akten – darunter die nun öffentlich zugänglichen Memoranden des National Security Archive der George Washington University – sind eindeutig: Diese Zusicherungen wurden gegeben und sollten sich, wie damals klar formuliert, über das Gebiet der ehemaligen DDR hinaus auf Osteuropa erstrecken. Sie wurden 1990 und 1991 bekräftigt. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag beschränkt die Stationierung von NATO-Truppen in der ehemaligen DDR und erinnert an die Grundsätze der Schlussakte von Helsinki, die betont, dass die Sicherheit keiner Nation auf Kosten der Sicherheit einer anderen gehen darf. Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass die Sowjetunion westliche Truppen auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ablehnte, aber NATO-Armeen in Warschau, Vilnius oder Kiew gleichgültig gegenüberstand? Natürlich nicht. Die NATO-Erweiterung wurde ausführlich erörtert, und Deutschland gab der sowjetischen Führung ausdrückliche Zusicherungen, die Erweiterung nach Osten zu verweigern – und brach diese später. Deutschland profitierte am meisten von diesen Zusicherungen, die die Gegenleistung für die deutsche Wiedervereinigung darstellten. Doch bereits 1993 begannen deutsche Politiker, diese Zusicherungen zu brechen.

Faktencheck:

Die von Sachs genannten Dokumente sind tatsächlich über folgenden Link abrufbar. Rund 30 Originaldokumente können dort eingesehen werden.

Auch ein Weltspiegel-Beitrag aus dem Jahre 1990 stützt die Aussage von Sachs.

Der deutsche Außenminister Genscher sagte im Beisein seines US-Außenministerkollegen Baker: „Wir waren uns einig, dass nicht die Absicht besteht, das NATO-Verteidigungsgebiet auszudehnen nach Osten. Das gilt übrigens nicht nur in Bezug auf die DDR, die wir da nicht einverleiben wollen, sondern gilt ganz generell“. Mit dieser Formulierung wird deutlich, dass es nicht nur um die DDR, sondern generell um Osteuropa ging.

Und das mit der nicht bestehenden Absicht scheint in der deutschen Politik eine Garantie für das Gegenteil des Zugesagten zu sein. Bereits der damalige DDR-Staatschef Ulbricht erklärte 1961, „niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Zwei Monate später wurde bekannterweise die Mauer gebaut wie auch acht Jahre nach Genschers Versprechen die NATO nach Osten erweitert.

Was zutreffend ist, ist, dass keine belastbare völkerrechtliche Vereinbarung zwischen Washington/Brüssel und Moskau über eine Nichterweiterung der NATO geschlossen wurde. Jenseits dieses nicht vorhandenen völkerrechtlichen Dokuments gab es jedoch eine Vielzahl von klaren Aussagen, auf die sich die sowjetische/russische Seite verlassen hatte. Warum die Moskauer Diplomatie sich derart naiv darauf einließ, bleibt das Geheimnis Gorbatschows.

„Zweitens– Bundeskanzlerin Merkels eigene Aussagen“

In ihren Memoiren schreibt Angela Merkel mit bemerkenswerter Offenheit, dass sie zum Zeitpunkt des Bukarester Gipfels 2008 verstand, dass die Einladung der Ukraine und Georgiens in die NATO einer Kriegserklärung an Russland gleichkäme. Sie kannte Russlands rote Linie. Und dennoch gab sie dem amerikanischen Druck nach und akzeptierte die Kompromisserklärung, wonach die Ukraine und Georgien irgendwann NATO-Mitglieder „werden können“. Dieser eine Satz setzte die Katastrophen von 2014 und 2022 in Gang. Merkels spätere Offenheit ist ein Geschenk an ihre Nachfolger: Sie hat Ihnen klar und deutlich gesagt, was damals klar war. Deutschland sollte jetzt nicht so tun, als ob nicht.“

Faktencheck:

Tatsächlich machte sich Angela Merkel 2008 gegen eine NATO-Integration der Ukraine und Georgiens stark. Sie verhinderte, dass mit den beiden Ländern zu diesem Zeitpunkt Beitrittsgespräche aufgenommen wurden. Allerdings widersetzte sie sich nicht einem perspektivischen Beitritt. Dieser wurde in der Abschlusserklärung auch so – unter anderem mit dem Membership Action Plan – festgehalten. Kurzum, kein unmittelbarer, jedoch perspektivischer Beitritt. Dass die Vorbehalte Moskaus gegen einen Beitritt der Ukraine und Georgiens nicht nur eine Laune des Moments waren, dürfte der Kanzlerin klar gewesen sein. Dennoch wagte sie es nicht, sich dem Druck des US-Präsidenten George W. Busch jr. zu widersetzen. Der Preis für eine ausgelagerte Sicherheitspolitik ist eben, dass die USA, nicht die Europäer über die Grundlagen europäischer Sicherheit entscheiden.

„Erklärung des Bukarester Gipfels
Herausgegeben von den Staats- und Regierungschefs, die an der Sitzung des Nordatlantikrates am 3. April 2008 in Bukarest teilnehmen“

18. Der laufende Erweiterungsprozess der NATO war ein historischer Erfolg bei der Förderung von Stabilität und Zusammenarbeit und brachte uns unserem gemeinsamen Ziel eines ganzen und freien Europas näher, vereint in Frieden, Demokratie und gemeinsamen Werten. Die Tür der NATO wird den europäischen Demokratien offen bleiben, die gemäß Artikel 10 des Washingtoner Vertrags die Verantwortung und Pflichten der Mitgliedschaft übernehmen wollen. Wir bekräftigen, dass die Entscheidungen über die Erweiterung für die NATO selbst getroffen werden müssen.

23. Die NATO begrüßt die euro-atlantischen Bestrebungen der Ukraine und Georgiens nach Mitgliedschaft in der NATO. Wir haben heute vereinbart, dass diese Länder Mitglieder der NATO werden. Beide Länder haben wertvolle Beiträge zu den Allianzoperationen geleistet. Wir begrüßen die demokratischen Reformen in der Ukraine und in Georgien und freuen uns auf freie und faire Parlamentswahlen in Georgien im Mai. MAP ist der nächste Schritt für die Ukraine und Georgien auf ihrem direkten Weg zur Mitgliedschaft. Heute machen wir deutlich, dass wir die Anträge dieser Länder für MAP unterstützen. Daher werden wir nun eine Phase intensiver Auseinandersetzung mit beiden auf hoher politischer Ebene beginnen, um die noch offenen Fragen zu ihren MAP-Bewerbungen anzugehen. Wir haben die Außenminister gebeten, auf ihrer Sitzung im Dezember 2008 eine erste Bewertung der Fortschritte vorzunehmen. Die Außenminister haben die Befugnis, über die MAP-Anträge der Ukraine und Georgiens zu entscheiden.

„Drittens – der Verrat am Abkommen vom 21. Februar 2014“

Am 21. Februar 2014 vermittelte der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Kiew gemeinsam mit seinen polnischen und französischen Amtskollegen ein Abkommen zwischen Präsident Janukowitsch und der Opposition. Das Abkommen sah die Wiedereinführung der Verfassung von 2004, die Bildung einer nationalen Einheitsregierung und vorgezogene Präsidentschaftswahlen vor. Präsident Putin wurde konsultiert; das Abkommen wurde bestätigt. Es war ein bedeutender diplomatischer Erfolg in einer Situation heftiger Spannungen und offener Gewalt. Doch innerhalb von 24 Stunden wurde Janukowitsch durch einen gewaltsamen Putsch gestürzt. Deutschland bestand nicht auf dem Abkommen, das es gerade noch garantiert hatte. Stattdessen unterstützte Deutschland, dem Beispiel der USA folgend, die neue Regierung, als ob es nie ein Abkommen gegeben hätte. Diese Entscheidung bestärkte Moskau in der Annahme, dass westlichen Unterschriften nicht zu trauen sei.“

Faktencheck:

Hier das Abkommen in deutscher Übersetzung. Das Original zur Möglichkeit des Abgleichs sei einsehbar, so die „Tagesschau“ mit diesem Link. Allerdings gibt es diese Seite nicht mehr auf der Homepage des Auswärtigen Amtes unter diesem Link. Erst mit Hilfe von KI lässt sich das Dokument finden. Warum das Auswärtige Amt den Link nicht mehr zur Verfügung stellt, ist sicherlich glaubhaft erklärbar.

Abkommen zur Beilegung der Krise in der Ukraine

Besorgt über den tragischen Verlust von Menschenleben in der Ukraine, bestrebt, das Blutvergießen unverzüglich zu beenden und entschlossen, den Weg für eine politische Lösung der Krise zu ebnen, haben wir, die Unterzeichnerstaaten, Folgendes vereinbart:

Erstens: Innerhalb von 48 Stunden nach der Unterzeichnung des Abkommens soll ein Sondergesetz angenommen, unterschrieben und veröffentlicht werden, das die Verfassung von 2004 wieder in Kraft setzt. Damit müsste der Präsident Macht an die Regierung und das Parlament abgeben. Zudem wollen die Unterzeichner dann innerhalb von zehn Tagen eine „Regierung der nationalen Einheit” bilden.

Zweitens: Eine Verfassungsreform soll umgehend in Angriff genommen und bis September 2014 abgeschlossen werden. Ziel ist es der Erklärung zufolge, die Macht zwischen Präsident, Regierung und Parlament neu auszubalancieren.

Drittens: Präsidentschaftswahlen sollen abgehalten werden „sobald die neue Verfassung angenommen ist, aber nicht später als Dezember 2014″. Zudem sollen neue Wahlgesetze verabschiedet und eine neue Wahlkommission „auf der Grundlage von Proportionalität” gebildet werden.

Viertens: Die Gewalt in der Ukraine soll unter gemeinsamer Aufsicht von Regierung, Opposition und dem Europarat untersucht werden.

Fünftens: Die Regierung verpflichtet sich in dem Abkommen, keinen Ausnahmezustand zu verhängen. „Die Regierung und die Opposition werden von Gewalt absehen”, heißt es weiter. Beide Seiten sagen zudem zu, sich um eine Rückkehr zum Normalzustand in Städten und Dörfern zu bemühen, indem besetzte Gebäude sowie Straßen, Plätze und Parks geräumt werden. Illegale Waffen sollen innerhalb von 24 Stunden nach Inkrafttreten des unter Punkt 1 genannten Sondergesetzes an das Innenministerium übergeben werden.

Sechstens: Zuletzt rufen die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Polen – Steinmeier, Laurent Fabius und Radoslaw Sikorski – sowie der Sondergesandte Russlands, Wladimir Lukin, zu einem „sofortigen Ende aller Gewalt und Konfrontation” auf. Das Abkommen war unter Vermittlung der drei Außenminister und des russischen Gesandten zustande gekommen, der aber nicht unterschrieb.“

Deutschland, Frankreich und Polen traten nicht nur als Verhandlungspartner gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Janukowitsch auf, sondern auch als Garanten des Abkommens. Als die Maidan-Aufständischen jedoch ihre Gewaltmaßnahmen fortsetzten und Präsident Janukowitsch fluchtartig das Land verließ bzw. von russischen Sicherheitskräften evakuiert wurde, stellten die drei Garantiemächte sich dem nicht entgegen, sondern vergaßen praktischerweise ihre Garantien kurzerhand. Damit wurde der gewaltsame Putsch, der in der Berliner Politik nicht so genannt werden darf, faktisch von den scheinbaren Garantiemächten mindestens akzeptiert. Aufschlussreich für mich war folgende Erfahrung im Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages wenige Wochen nach dem Putsch: Das Thema Ukraine und Maidan wurde sowohl mit dem damaligen Außenminister Steinmeier als auch der damaligen Verteidigungsministerin von der Leyen im Ausschuss diskutiert. In meinen Redebeiträgen verwendete ich jeweils den Begriff „Putsch“ – und in beiden Fällen reagierten Steinmeier als auch von der Leyen empfindlich auf meine Wortwahl und legten besonderen Wert darauf, dass es sich nicht um einen Putsch gehandelt habe.

Ende Teil 1 – der zweite und abschließende Teil erscheint zeitnah.

Titelbild: lev radin / Shutterstock

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Former Jet Darron Lee Formally Indicted on First-Degree Murder Charge

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A grand jury in Tennessee has handed down a formal indictment on a murder charge to former NFL linebacker Darron Lee.

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German Defense Minister on Failed 100B Euro Fighter Jet Project: 'Hurts a Lot'

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German Defense Minister Boris Pistorius lamented the failure of the joint 100 billion euro France-Germany project to build a next-generation European fighter jet — noting his disappointment at an outcome that “hurts a lot.” Pistorius affirmed that Berlin is assessing alternate

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9. Juni: ZDF-Doku führt zu Kündigung | Neues Kampfjet-Projekt | Buckelwal in die Fabrik

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Sowjetunion: „Weltfeind Nr. 1“ der Nationalsozialisten

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Ein neues Buch des deutsch-amerikanischen Historikers Jochen Hellbeck erschien voriges Jahr in deutscher und englischer Version unter unterschiedlichen Titeln. Der deutsche Titel „Ein Krieg wie kein anderer“ reflektiert den allgemeinen Konsens, dass es sich bei dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion um einen von Beginn an geplanten Vernichtungskrieg handelte. Der Titel der englischen Ausgabe „Weltfeind Nr. 1“ verweist auf den ideologischen Kern des Konflikts. Eine Buchbesprechung zu Jochen Hellbecks „Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Eine Revision.“ Von Klaus von Raussendorff.

In der Einleitung legt der Autor dar, worum es in dem Buch geht: „Für die Nationalsozialisten und andere rechtsextreme Bewegungen vereinigte das sowjetische System ihren doppelten Hass auf Juden wie auf Bolschewiken, so dass sie es mit einem neuen Begriff belegten: dem des jüdischen Bolschewismus. In der Vorstellung der Nationalsozialisten war die UdSSR die mächtigste jüdische Organisation der Welt. Sie bezeichneten sie als den Weltfeind Nr. 1. Die sowjetische Bedrohung war allumfassend. 1936 brachte Hitler seine Befürchtungen auf den Punkt, als er die Kremlführung als den ‚extremsten‘ Verfechter der modernen Aufklärung beschrieb, die erst die Französische Revolution ausgelöst hatte und sich nun anschickte, die ganze Welt in den Abgrund zu stoßen. Das von den Nationalsozialisten als jüdisch bezeichnete Bekenntnis zum Universalismus und zur ‚rassenübergreifenden‘ internationalen Solidarität kollidierte mit Hitlers Projekt, der germanischen Rasse zur alleinigen Vorherrschaft zu verhelfen. Um seinem Untergang zu entgehen, habe Deutschland keine andere Wahl als die Sowjetunion zu vernichten.“ (S. 13)

In zehn Kapiteln erzählt der Autor den Verlauf des Krieges. „Als die deutschen Truppen gegen ihren Feind antraten, hatten sie sich das NS-Phantasma von der Sowjetunion als jüdischem Staat längst zu eigen gemacht. Wenn sie in Häuser eindrangen, lautete die erste Frage an die verängstigten Bewohner: Jude? Kommunist? Wer in eine der beiden Kategorien zu passen schien, wurde abgeführt und hingerichtet.“ (S. 14) Die Beschreibung unvorstellbarer massenhafter Gräueltaten machen das Buch zu einer erschütternden Lektüre, abgemildert lediglich durch die Klarheit und Verständlichkeit des flüssigen Stils des Autors und sein konsequentes Bemühen um Wahrheit und Gerechtigkeit.

Militärische Vorgänge im Einzelnen bleiben außer Betracht. Es geht auch nicht um eine Analyse der gegensätzlichen Klassenstrukturen der feindlichen Staaten. Vielmehr will der Autor ein auf die handelnden Menschen bezogenes umfassendes Bild der beiden Länder im Krieg zeichnen. Sowohl für die deutsche als auch für die sowjetische Seite werden politische und militärische Direktiven, Berichte von Kriegskorrespondenten, Tagebücher, Fotos und Briefe sowie Zeitzeugenberichte ausgewertet, vielfach aus bisher unbekannten Quellensammlungen, darunter das Archiv von Ilja Ehrenburg, dem bekanntesten sowjetischen Kriegsberichterstatter sowie eine Sammlung von Hunderten von Interviews, die eine Gruppe von Historikern und Historikerinnen unter der Leitung des Moskauer Geschichtsprofessors Isaak Israelewitsch Minz während des Kriegs durchführte.

Da die Menschen im Westen sich schwergetan hätten, so Hellbeck, sowjetische Institutionen und Werte als Träger moralischen Handelns anzuerkennen, erscheine der Kommunismus in der gängigen Geschichtsschreibung als eine Herrschaftsideologie des stalinistischen Staates. Die persönlichen Erfahrungen von Menschen, die sich mit ihrer Heimat und sozialistischen Werten identifizierten, fänden in diesen Darstellungen wenig Raum. Doch „viele, vielleicht die meisten, der Menschen, die an diesem Krieg teilnahmen, hätten sich ohne nachzudenken als Sowjetbürger bezeichnet, wenn man sie nach ihrer Zugehörigkeit gefragt hätte. Diese Menschen und Taten verdienen unsere Aufmerksamkeit. Sie wurden viel zu lang überhört und missachtet.“ (S. 37) Die schockierende Zahl von 26 Millionen Sowjetbürgern, die zwischen 1941 und 1945 ihr Leben verloren, ist allgemein bekannt. Aber ihre Gesichter und Stimmen „bleiben seltsam abwesend“. Dagegen seien „die Gewaltexzesse sowjetischer Soldaten gegen deutsche Zivilisten akribisch untersucht worden“. (S. 26-27)

Das Buch will „der UdSSR den ihr gebührenden Platz in der Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkriegs und des Kampfes gegen den Nationalsozialismus zurückgeben. Die Sowjetunion fungierte nicht nur als Versuchslabor für die deutsche Politik des Massenmordes, sie war auch die entscheidende Staatsmacht, die das Dritte Reich besiegte, …. Auf sowjetischer Seite dienten die deutschen Gräueltaten dazu, die eigenen Kriegsanstrengungen als menschheitlichen Kampf gegen die ‚faschistische Barbarei‘ darzustellen. Die Wirkung dieser moralischen Selbsterhöhung trug entscheidend zum Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland bei.“ (S. 24)

Hellbeck will „zu einer Revision auffordern, und zwar nicht nur der Geographie der nationalsozialistischen Gewalt, sondern auch ihrer Chronologie“. (S. 25) Die Ostfront werde nach wie vor nicht als der entscheidende Schauplatz des Krieges betrachtet. „Der Antikommunismus des Westens ist der Grund dafür, dass die Sowjetunion in der Geschichte des Zweiten Weltkriegs eher als Täter denn als Opfer beschrieben wird.“ (S. 26) Auch die Darstellung der zeitlichen Entstehung des Vernichtungsdrangs der Nationalsozialisten sei zu revidieren. Lesarten, die sich auf die Vorgeschichte des Antisemitismus in Deutschland konzentrieren, die Geschichte vom Aufstieg der NSDAP und Hitlers politische Laufbahn in kumulativer Weise zu erzählen, die eine schrittweise Radikalisierung der nationalsozialistischen Herrschaft bis hin zum Massenmord an den europäischen Juden nahelegen, verschleierten die zentrale Bedeutung der sowjetischen Juden in der Vorstellungswelt der Nationalsozialisten.

Zwar betrachteten die Nationalsozialisten alle Juden als Vertreter einer globalen Verschwörung, doch sahen sie in den Juden der Sowjetunion die größte Bedrohung für Deutschland. Laut NS-Ideologie übten die sowjetischen Juden einen politischen Einfluss aus, über den Juden in anderen Ländern nicht verfügten – „und dies rechtfertigte ihr Todesurteil. Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion markierte den Wendepunkt, an dem die Nationalsozialisten ein System des Massenmordes in Gang setzten, das zunächst der Vernichtung des jüdisch-bolschewistischen Gegners in Osten galt und anschließend auf Juden in ganz Europa ausgedehnt wurde.“ (S. 25) Es sei zu einer Neudefinierung der Juden gekommen: „Aus den Angehörigen einer fremden Rasse, die vom germanischen Boden vertrieben werden sollten, wurde ein politischer Feind, den es auszulöschen galt. Auf diese Weise ging die Vernichtung von Juden und Kommunisten in der Sowjetunion nahtlos in die Verfolgung und anschließende Vernichtung von Juden anderswo über.“ (S. 15)

Bei der Erinnerung an den Holocaust, so Hellbeck, berufe man sich in der westlichen Welt für gewöhnlich in den letzten Jahrzehnten verstärkt ausschließlich auf demokratische Grundwerte. Es sei von einer demokratischen Erinnerungskultur die Rede, die sich in deutlicher Abgrenzung vom Kommunismus definiert. Das sei der Grund, warum die heutige westliche Erinnerung an den Holocaust den zentralen Platz von Kommunisten neben den Juden als Hauptopfer des Nationalsozialismus negiert. „Mein Buch versucht, dieses Bild auf den Kopf zu stellen und den Antikommunismus, verstanden als Kreuzzug gegen den ‚jüdischen Bolschewismus‘ als treibende Kraft des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges sichtbar zu machen …. Dieser Antikommunismus ist in der Fülle der Studien, die sich mit der mörderischen Politik des NS-Staates befassen, nicht gebührend berücksichtigt worden.“ (S. 27)

Einige Wissenschaftler hätten sich bewusst bemüht, die verhängnisvolle Verbindung, die die Nationalsozialisten zwischen den Juden und den Kommunisten herstellten, in der Absicht zu durchtrennen, die Bilderwelt deutscher Kriegshetze als bloße Hirngespinste hinzustellen, mit denen man sich nicht weiter beschäftigen müsse. Doch solche „gutgemeinten Versuche“ täuschten „über die antikommunistische Ausrichtung der NS-Ideologie und ihre enge Verknüpfung mit dem Antisemitismus hinweg. (S. 28)

Fazit: Jochen Hellbecks Buch mit den überzeugend belegten Thesen, dass der ideologische Hass der Nationalsozialisten auf den „jüdischen Bolschewismus“ die Haupttriebfeder ihres Vernichtungswahns war, der sich unterschiedslos gegen Kommunisten und Juden richtete, und dass im besetzten Teil der Sowjetunion das System des Massenmordes in Gang gesetzt wurde, das schließlich auf Juden in ganz Europa ausgedehnt wurde, bietet eine neue Perspektive auf die Menschen der Sowjetunion und ihren entscheidenden Beitrag zum Sieg über Nazi-Deutschland. Das Buch ist nicht zuletzt auch eine wichtige Quelle der Inspiration für alle, die sich für friedliche Beziehungen zwischen Deutschland und Russland aktiv einsetzen.


Literaturhinweise:

Jochen Hellbeck (geb.1966 in Bonn) ist ein deutsch-amerikanischer Osteuropahistoriker, der als Professor an der Rutgers University in den USA lehrt. Er ist international bekannt für seine Arbeiten zur Sowjetunion und zum Zweiten Weltkrieg, darunter:

  • Revolution on My Mind. Writing a Diary under Stalin. Harvard University Press, Cambridge 2006 (eine Darstellung, wie sich Individuen in der stalinistischen Sowjetunion die offizielle Ideologie zu eigen machten und in das kommunistische Kollektiv einschrieben)
  • Die Stalingrad-Protokolle. Sowjetische Augenzeugen berichten aus der Schlacht. Übersetzung der Protokolle aus dem Russischen von Christiane Körner und Annelore Nitschke. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2012, ISBN 978-3-10-030213-7.
  • Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Eine Revision. Übers. von Karin Hielscher. S. Fischer-Verlage, Frankfurt 688 Seiten, 36 Euro. E-Book: 24,99 Euro. S. Fischer-Verlage ISBN: 978-3-10-397050-0 – 26. Februar 2025
  • World Enemy No. 1: Nazi Germany, Soviet Russia, and the Fate of the Jews . Penguin Press,  560 Seiten ISBN9780593657386 – 21.Oktober 2025
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Sowjetische Denkmäler: schamloser links-grüner Revisionismus in Berlin

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Durch Deutschland rollt eine Welle des Geschichtsrevisionismus. Besonders deutlich wird das beim aktuellen Umgang mit den sowjetischen Denkmälern in Berlin. Die vor allem durch die Sowjetunion erkämpfte Befreiung vom Naziterror steht der aktuellen Propaganda für die Ukraine im Weg. Darum sollen diese Befreiung und die zugehörigen Denkmäler „kontextualisiert“ werden, um „Missbrauch zu verhindern“. Das sind andere Worte für den ganz offenen Versuch, Geschichte umzudeuten. Ein Kommentar von Tobias Riegel.

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Das aktuellste Beispiel für die geschichtslosen Entwicklungen sind Anträge von SPD und Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin zum offiziellen Umgang mit den dortigen sowjetischen Denkmälern, wie die Welt berichtet.

Auch die LINKE gegen angebliche „revisionistische Vereinnahmung“

Der Vorschlag der Sozialdemokraten nennt sich „kritische Kontextualisierung“. In einem kürzlich beschlossenen Antrag fordert die Berliner SPD-Fraktion, die am Sowjetischen Ehrenmal im Berliner Treptower Park angebrachten Stalin-Zitate durch Tafeln und digitale Angebote mit Informationen über Stalins Verbrechen zu ergänzen, die anonym beigesetzten sowjetischen Soldaten sollen „würdigend sichtbar“ gemacht werden. Der SPD-Abgeordnete Alexander Freier-Winterwerb fordert zudem eine Prüfung, wie auch der Hitler-Stalin-Pakt in die Gedenkanlage eingebunden werden kann.

Die Grünen in Berlin fordern in einem bereits ins Parlament eingebrachten Antrag ein Maßnahmenkonzept zur „wirksamen Unterbindung des Missbrauchs der Ehrenmale für nationalistische, revanchistische oder kriegsverherrlichende Zwecke“.

Unterstützung bekommt der revisionistische grüne Vorstoß aus der Berliner Fraktion der LINKEN. „Russland missbraucht seit Jahren die Feierlichkeiten um den Tag der Befreiung für seine Kriegspropaganda“, behauptet deren Vorsitzende Anne Helm laut Welt. „Wir stellen uns jeder Form der revisionistischen Vereinnahmung entgegen.“ Man werde dem Grünen-Antrag zustimmen.

Zusätzlich zum skandalösen Inhalt ist es aufreizend, dass die Opportunisten bei den LINKEN den eigenen Revisionismus auch noch als Kampf gegen Revisionismus verkaufen wollen.

„… unverzichtbare Voraussetzungen für die Einheit Deutschlands“

Die sowjetischen Denkmäler und Friedhöfe in Berlin genießen eigentlich einen besonderen Schutz, rechtlich abgesichert im Zwei-plus-Vier-Vertrag sowie im deutschen „Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“. Der Berliner Senat schreibt:

„Die Verpflichtung der Bundesrepublik Deutschland zur Achtung, zum Erhalt und der Unterschutzstellung der Ehrenmale unter deutsche Gesetze als Gegenstand der Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen sowie des Deutsch-Sowjetischen Nachbarschaftsvertrages vom 9. November 1990 waren für die sowjetische Seite unverzichtbare Voraussetzungen für die Einheit Deutschlands.“

„Unverzichtbar“ – da klingt an, was der empörende deutsche Umgang mit den Denkmälern und Friedhöfen auch in Russland auslösen könnte. Unverantwortlicher kann man kaum auf den Resten eines gegenseitigen Verständnisses herumtrampeln. Aber die eigene „Befreiung“ von historischen Fesseln und die Zerstörung von deutsch-russischer Verständigung ist ja in den betreffenden Kreisen kein bedauerlicher Nebeneffekt – es erscheint oft geradezu als Kern der transatlantischen und antirussischen Ideologie.

Der Revisionismus trägt einen „links“-grünen Stempel

Die Vorstöße in Berlin gegen den Schutz der Denkmäler durch die oben genannten Verträge tragen übrigens einen „links“-grünen Stempel, auch wenn sie inhaltlich alles andere als links sind. Auf diese Begriffsverwirrungen um pseudolinke Tendenzen wird in diesem Artikel und in diesem Artikel allgemeiner eingegangen.

CDU und AfD sind in der Sache zurückhaltender. Die Berliner AfD-Fraktion hält die angedachte Kontextualisierung der Mahnmale laut Welt für „kontraproduktiv“. Deren Sprecher für Erinnerungspolitik, Martin Trefzer, erklärt: „Eine amtlich verordnete Gegenerzählung würde nur zu neuen geschichtspolitischen Fallstricken führen. Die sowjetischen Ehrenmale schaffen es durch ihren übertriebenen Propaganda-Gestus von ganz allein, die stalinistische Rhetorik zu entlarven.“ Und aus der Berliner CDU-Fraktion heißt es, eine abschließende Befassung mit dem SPD-Vorstoß stehe noch aus.

Alexander King vom BSW hat sich in einem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung kritisch zu den Plänen in Berlin geäußert. „Die Grünen wollen den Russen das Gedenken entreißen“, schreibt King. Die Junge Welt spricht von einem „antisowjetischen Bildersturm“.

„Ukrainische Erinnerungswoche“ und weitere Angriffe auf die Geschichte

Es gibt weitere Beispiele für geschichtsrevisionistische Tendenzen in Berlin aus der jüngsten Vergangenheit: Jedes Jahr wiederholt sich dort das empörende Schauspiel der diffamierten, sabotierten und teils kriminalisierten Erinnerung am Tag der Befreiung in Berlin. Darauf sind wir etwa in diesem Artikel oder in diesem Artikel eingegangen.

In diesem Jahr war der dort beschriebene, ohnehin schon unwürdige offizielle Umgang etwa mit den sowjetischen Denkmälern in Berlin noch durch eine mit extremistischer antirussischer Ideologie aufgeladene „ukrainische Erinnerungswoche“ ergänzt worden – die radikalen Macher stellen sich auf dieser Webseite vor, auf die fragwürdigen Inhalte ist etwa die Berliner Zeitung eingegangen.

Mit welcher giftigen Konsequenz die Berliner Grünen aktuell zusätzlich gegen das „Russische Haus“ in Berlin vorgehen, hat das Neue Deutschland kürzlich in diesem Artikel gut beschrieben. Die Institution ist ein den Goethe-Instituten vergleichbares Kulturzentrum.

Gute Nazis, schlechte Nazis

Zu alldem kommt noch die massive Heuchelei um die rechtsextremen Tendenzen in der Ukraine bis hinein in die ukrainische Regierung. Den eigenen Phrasen vom „Kampf gegen Rechts“ zum Trotz unterstützen Deutschland und die EU in der Ukraine einen rechtsradikalen Kult. Auch machen immer wieder die ganz offenen Nazi-Sympathisanten vom ukrainischen Asow-Regiment in Deutschland Werbung.

Auch diese Toleranz gegenüber Rechtsradikalen, solange sie nicht in Deutschland agieren, ist eine Form der Geschichtsverfälschung und ein Verrat an den Lehren aus der deutschen Geschichte.

Wir leben längst in einer Zeit, in der die Heuchelei nicht mehr verschämt praktiziert wird, sondern in der doppelte Standards aggressiv als die neue Seriosität dargestellt werden sollen.

Titelbild: Lars-Goran Heden / Shutterstock

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Auf den Spuren des Irrsinns

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Kiesewetter und sein Feldzug gegen Russland.

Der Beitrag Auf den Spuren des Irrsinns erschien zuerst auf .

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Russenhass – wie sich die Aggressionen und die dahintersteckenden Gedanken gleichen

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Das hier wiedergegebene Deckblatt einer Denkschrift stammt von 1936. Albrecht Müller.

„Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein“ – das klingt wie das „kriegstüchtig werden“ von Pistorius.

Der Hinweis auf die „Denkschrift“ stammt von M. Volmer und wird richtig kommentiert: „die selbe Rhetorik wie heute , es ist an Übelkeit nicht mehr zu übertreffen, wer stoppt diese grauenvollen Leute“

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Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (4)

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Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen für die vielen berührenden Beiträge!

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Sie können uns gerne weiterhin – bis zum 22. Mai 2026 – Ihre Erinnerungen an [email protected] mit dem Betreff „Aufruf zum 8. Mai“ schicken.

Bitte senden Sie uns keine Beiträge, die bereits in anderen Publikationen erschienen sind.


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil sowie den dritten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


„Ick will hem, ick will hem”

Liebe Redaktion,

Der Bruder meiner Mutter war zur Zeit des Faschismus Lokomotivführer. Er ging eines Abends schlafen. In der Nacht stand plötzlich die SA/SS mit Maschinengewehren vor seinem Bett, als er erwachte, schaute er in die Mündung der auf ihn gerichteten Maschinengewehre, sie brüllten: Laut Befehl habe er einen Zug zu fahren, jetzt. Wenn er dem Befehl nicht Folge leistet, erschießen sie ihn sofort. Natürlich stand mein Onkel sofort auf und ging mit ihnen, voller Schreck und noch verschlafen.

Sie brachten ihn zu dem Zug, den er als Lokomotivführer zu fahren hatte, und fuhren los. Er erhielt den Befehl, eine gewisse Strecke zu fahren, und an dem und dem Bahnhof würde er zu halten haben, dort würde die Zugfahrt enden. Als mein Onkel dann an dem bezeichneten Bahnhof hielt, musste er erschüttert feststellen, was er transportiert hatte. Er kam nach Hause, noch unter dem Schock stehend, er weinte und sagte immer wieder: „Ach hätte ich mich doch erschießen lassen. Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich mich sofort erschießen lassen …“ Sein Leben war zerstört.

Ich selbst bin 1953 geboren, wie überall in den Familien wurde über diese Zeit nicht gesprochen. Jedoch erhielt ich als Kind furchtbare Eindrücke von der zerstörerischen Kraft eines Krieges.

Meine Eltern vermieteten die obere Etage unseres Hauses an eine Flüchtlingsfamilie aus Schlesien, bestehend aus Vater, Mutter, Kind.

Aus den Erzählungen erfuhr ich, dass die neuen Hausbewohner schon im Ersten Weltkrieg aus ihrem großen Bauerngehöft in Oberschlesien fliehen mussten. Sie ließen sich nach dem Krieg in Schlesien nieder, bauten dort wieder einen großen Bauernhof auf, jedoch mussten sie wieder im Zweiten Weltkrieg fliehen und landeten letztendlich im Münsterland, nahe der holländischen Grenze, und erhielten bei uns eine Bleibe.

Der Mann war psychisch erkrankt an den Folgen der Kriege, er ging schon morgens den Weg zur Straße, ging dort hin und her und wiederholte nur noch die Worte „Ick will hem, ick will hem”, das tat er täglich.

Wir Kinder waren erschüttert, wie dieser Mann litt. Seine Frau, der Inbegriff der schweigenden Güte, unterstützte ihn, wie und wo sie nur konnte, sie half meiner Mutter, die 7 Kinder hatte. Dann bekam der Mann einen Schlaganfall, er konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen, er musste gefüttert werden und so weiter. Seine Frau betreute ihn treulich und mit großer, schweigender, geduldiger Hingabe. Keine Klage kam über ihre Lippen.

Dann kam die Kubakrise, anhand der Reaktion meiner Mutter war die Angst und der Schrecken eines neuen Krieges für uns erlebbar. Wir Kinder knieten tagelang im Sandkasten und beteten, bis der Kelch an uns vorüberging.

M. Volmer


„Madga geh in Westen, hier wird nicht gut.“

Zunächst vielen Dank für die hervorragende Idee zu diesem Aufruf.

Aus den Erzählungen der Großmutter Jahrg. 1900, 6 Kinder:

Im Zuge der Vertreibung aus Schlesien ging folgende Episode voraus, sinngemäß: Russischer Offizier: „Madga geh in Westen, hier wird nicht gut.“

Und das nach dem, was in Russland, unter deutscher Ägide, geschehen war. 1946 vertrieben. Nicht von Russen.

Ich selbst habe in St. Petersburg die Einheimischen kennengelernt und sehr positive Erfahrungen gemacht. Europäische, insbesondere deutsche Russophobie ist widerwärtig. Ich habe keinen Reim auf diesen üblen, deutschen Revanchismus. Ukrainekonflikt hin oder her. Nur eine Perspektive auf den scheinbar ewigen, europäischen Konflikt.

Rainer Mrochen


Zusammengefasst: Keine Jugend

Sehr geehrte Redaktion der NachDenkSeiten,

als 1954 Geborener habe ich natürlich keine direkten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg.

Allerdings haben mich die Geschichte und die Erzählungen meiner Eltern und Großeltern und meines Onkels zu einem Gegner aller dieser (…) verantwortungslosen Politversager und militaristischen, intellektuell eingeschränkten Schirmmützenträger gemacht, welche die eigene Bevölkerung als reine Verfügungsmasse betrachten, sie mit Hilfe ihrer Medien manipulieren und keinerlei Skrupel haben, diese für ihren pathologisch- narzisstischen Machterhalt zu verheizen und ihr Leben zu zerstören.

Dazu:

Großvater, 1897 geboren, mit 18 Jahren in den Ersten Weltkrieg nach Frankreich geschickt, das Gemetzel von Verdun erlebt, Giftgaseinsatz, unvorstellbare Grausamkeiten kennengelernt, 1918 verwundet in englische Kriegsgefangenschaft gelangt, die Ruhr überlebt. Danach nach Hause gekommen. Hungerwinter überstanden. Dann Inflation. Neuanfang mit fast nichts.

Beginn Zweiter Weltkrieg. Noch nicht alt genug, also wieder an die Front nach Polen.

Kriegsgefangenschaft. Überlebt. Zusammengefasst: Keine Jugend, mindestens 15 Lebensjahre durch Politverbrecher zerstört.

Anderer Großvater, 1900 geboren. Damit um Ersten Weltkrieg „herumgekommen“.

Im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Danach russische Kriegsgefangenschaft. Überlebt, aber mit erfrorenen Füßen nach Hause gekommen. Lebenslang gezeichnet.

Ein Sohn von ihm mit 18 Jahren an die Ostfront. In der Panzerschlacht von Kursk gefallen.

Der verstörende Brief seines Kompaniechefs an seinen Vater ist noch vorhanden. Mit dem ganzen Gesülze von Ehre, Vaterland und anderem sinnfreien, ekelhaften Gelaber.

Sein anderer Sohn ebenso zum Zweiten Weltkrieg eingezogen. Im Afrikakorps gedient. Englische Kriegsgefangenschaft. Mit Malaria-Infektion nach Hause gekommen. Lebenslange gesundheitliche Probleme wegen Spätfolgen.

Mein Vater, 1926 geboren. Mit 18 Jahren, also 1944, sofort an die Ostfront. Nach Kriegsende vier Jahre russische Kriegsgefangenschaft. Mit Knochentuberkulose nach Hause gekommen. Oberschenkelamputation. Keine Jugend erlebt, traumatisiert bis ans Lebensende.

Mutter, 1926 geboren. Ihre Mutter war 1940 vor Beginn des Zweiten Weltkrieges verstorben.

Dann wurden ihr Vater und ihre zwei Brüder zur Armee eingezogen, sodass sie sich mit 14 Jahren allein durchschlagen musste mit Erlebnissen, die ich hier nicht wiedergeben möchte.

Damit dürfte nachvollziehbar sein, woher meine Einstellung kommt.

(…)

Mit vielen Grüßen an die Redaktion,

D. Clauß


Beide stammten aus Ostpreußen

Ich bin Jahrgang 1973 und das jüngste Kind meiner Eltern. Beide stammten aus Ostpreußen und waren Kinder, als sie mit meinen Großeltern 1944 fliehen mussten. Der Zweite Weltkrieg war ständig präsent in meiner Ursprungsfamilie, er hat alles verändert und gebrochen und hat mich in meiner eigenen Entwicklung verfolgt. Es hat einiges an therapeutischer Aufarbeitung benötigt, damit ich verstehen, verarbeiten und loslassen konnte, was meine Eltern geprägt hat.

Dies ist wohl auch ein Grund, warum ich absolut gegen derzeitige Wehrpflichtmaßnahmen bin. Meine älteren Brüder haben in den 80er-Jahren den Kriegsdienst verweigert. Ich freue mich über jeden jungen Menschen, der gegen Krieg und Wehrdienst agiert.

Von unserer Leserin A.P.-K.


Da hatten die ersten schon genug von Rußland…

Liebe NachDenkSeiten,

mein Vater hat seine Erinnerungen zum Krieg in seinen letzten Jahren niedergeschrieben. Vielleicht passen seine Zeilen, von denen ich einen Teil hier als PDF anhänge, zum „Aufruf zum 8. Mai“.

Die aktuelle Kriegsgeilheit macht mich wütend. Ich wünsche uns allen, dass sich mutige Leute finden, die mit Verstand und Gelassenheit zur Diplomatie und einem friedlichen Miteinander zurückfinden …

Liebe Grüße

Ulrich Mathussek

Und so fing es an

Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, war ich gerade 16 Jahre jung. Wir wohnten damals in Konstadt in Oberschlesien, nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Schon Tage zuvor hatten wir die schier endlosen Fahrzeugkolonnen nach Osten rollen sehen.

Als am ersten Kriegstag die Bombengeschwader über uns dröhnten, sah ich meine Mutter weinen. Ich konnte das damals nicht verstehen, aber sie hatte ja schon den Ersten Weltkrieg erlebt und dessen Schrecken immer noch in Erinnerung. Mein Vater war damals als Soldat vier Jahre in russischer Gefangenschaft in Sibirien. Die Folgen machten ihm sein Leben lang zu schaffen. Meine Sorge war damals höchstens, daß ich noch nicht alt genug war, um in den Krieg zu ziehen. Diese Sorge war aber unbegründet, denn ich habe davon noch mehr mitbekommen, als mir lieb war.

Ich war gerade 18 geworden, als ich am 6. Februar 1941 zum Arbeitsdienst nach Schedlau Kreis Falkenberg einberufen wurde. Als ich von dort am 27. September entlassen wurde, lag schon meine Einberufung zu den Kradschützen nach Hirschberg im Riesengebirge zu Hause. Am 6. Oktober mußte ich dort einrücken. Unsere Ausbildung dauerte damals immer volle acht Monate, später war sie oft viel kürzer.

Rußland ruft

Mitte Mai 1942 wurde ein Transport nach Rußland zusammengestellt, und da war ich auch dabei. Die Fahrt nach dort dauerte zwei Wochen, denn wir standen oftmals viele Stunden auf dem Abstellgleis. In unseren Güterwagen bekamen wir bald Gesellschaft, die ersten Läuse machten sich bemerkbar. Anscheinend fühlten sie sich auch wohl bei uns, denn sie verließen uns nicht mehr. In Orscha (Mittelabschnitt) wurden wir ausgeladen. Etliche Kilometer mußten wir mit unserem schweren Gepäck laufen, da hatten die ersten schon genug von Rußland. Die Einheit, der wir zugeteilt wurden, war im vorigen sehr kalten Winter vor Moskau im Einsatz und hatte dort sehr schwere Verluste erlitten. Jetzt sollten wir die entstandenen Lücken ausfüllen.

Wir gehörten jetzt zum 29. Regiment in der 3. Motorisierten Infanterie-Division, und diese war wiederum Teil der 6. Armee.

Anm. d. Lesers: Meinem Vater blieb Stalingrad erspart. Er wurde verwundet und wurde erst später wieder an anderer Stelle eingesetzt. Schließlich kam er in Gefangenschaft …

Als wir einmal mit einer größeren Gruppe auf Vorposten waren, kam ich am 7. Oktober 1943 in Gefangenschaft und war dann fast vier Jahre als POW in England. Dort lebten wir auf jeden Fall ruhiger und sicherer als irgendwo an der Front oder auch zu Hause in der Heimat.

Wenn ich jetzt nochmal einen Krieg erleben müßte, würde ich auch weinen, denn ich weiß jetzt, wie grausam Kriege sind. Jetzt kann ich meine Mutter verstehen.


Weihnachten des Unglücksjahres 1945

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,

… tut mir leid, aber mit ‚kurz‘ hat es leider nicht funktioniert, ist doch etwas länger geworden!

Zu diesem ‚Kellerfund‘ gestatten Sie mir noch eine (kurze!) Bemerkung. Ich habe dieses Nähkästchen mit der (noch ausführlichen) Geschichte dem „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung Berlin“ als Dauerleihe zur Verfügung gestellt. Ich glaube, dort gehört es hin und dort ist es in guten Händen!

Beste Grüße

Manchmal ist es schon kurios. Urplötzlich wird man mit Dingen konfrontiert, die so nicht in den Tagesablauf passen und einiges durcheinander bringen:

Ich war im Keller beim Aufräumen und hatte das alte Nähkästchen meiner Mutter schon auf den Wegwerfhaufen sortiert, als ich unten auf dem Boden etwas Bleistiftgeschriebenes entdeckte. Ich räumte alle Knöpfe und alles Sammelsurium aus und fand folgendes:

O Heimatsonne könnten wier dich grüssen
O Heimatflur so lieb, so traut so schön
O Heimaterde könnten wier dich küssen
Wer weiss, wer weiss ob wier dich wiedersehen.

Meiner lieben Nichte,
Weihnachten des Unglücksjahres 1945.
Onkel Fritz

Diesen Nähkasten hatte Fritz Titze, der Onkel meiner Mutter, für sie als Weihnachtsgeschenk selbst gebaut. „Weihnachten des Unglücksjahres 1945.“ Das „Unglücksjahr 1945“? – Ich hatte keine Ahnung. Was war passiert? Der Krieg war doch seit 9 Monaten vorbei?

Meine ganze Familie kommt aus Schlesien. Meine Großeltern hatten vier Kinder. Else (meine Mutter), geboren 1914, und ihre drei Brüder, Kurt (geb. 1920), Willy (geb. 1921) und Detmar (geb. 1925).

Mein Onkel Kurt wurde 1939 als erster eingezogen, zur Kriegsmarine (Minensuchboot) eingezogen. Sein Boot wurde 1944 vor Norwegen schwer getroffen. Er wurde schwer verwundet und verbrachte den Rest des Krieges in einem deutschen Lazarett.

Willy wurde auch gleich mit 18 Jahren – 1939 oder 1940 – eingezogen, der jüngste, Detmar, wurde wohl erst 1943 eingezogen. Da war er gerade 18 Jahre alt! Beide haben den Russland-Feldzug mitgemacht. Beide haben den Krieg nicht überlebt. Willy ist im Juni 1944, er war damals 23 Jahre alt, in Koljugin (Sowjetunion) gefallen, sein Bruder Detmar ist 1945, da war er gerade 20 Jahre alt, in der Sowjetunion verschollen. „FÜR FÜHRER, VOLK UND VATERLAND“?

Ich weiß nicht, wann und wie meine Mutter und ihre Eltern über den Tod ihrer Söhne informiert wurden. In der Familie wurde nie darüber gesprochen. Der Schmerz muß jedoch schier unendlich gewesen sein.

Meine Oma Wally hat das Kriegsende nur um 10 Monate überlebt, sie wurde nur 51 Jahre alt.

Mein Vater, Kurt Groll, wurde mit 27 Jahren eingezogen. Der Krieg brachte ihn bis nach Italien. Hier geriet er Anfang 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Mein Vater sagte mir einmal, das „HANDS UP!“ der Amerikaner bei der Gefangennahme waren die schönsten Worte, die er seit 5 Jahren gehört hat.

Meine Mutter, meine Oma und mein Opa Herrmann waren Anfang 1945 noch in ihrem Haus in Hammerfeld, als der Rückzug der deutschen Armee über sie hinweg rollte. Wenige Wochen später packten die zurückgebliebenen Frauen, Mädchen, Kinder und alten Leute, also ganz Schlesien das letzte Hab und Gut auf Handwagen und Pferdefuhrwerke und flüchteten vor der nachrückenden Roten Armee auf dem Landweg Richtung Osten. Die Zeit muss fürchterlich gewesen sein. In unserer Familie, aber nie von meinen Eltern, wurde von Plünderung und Vergewaltigung gesprochen.

Meine Oma und meine Mutter kamen bis nach Bayern, dann war der Krieg zu Ende. Sie gingen also wieder zurück nach Hammerfeld in ihr Haus. Die Rückkehr war jedoch von sehr kurzer Dauer, denn im Ergebnis des verlorenen Krieges wurden die deutschen Ostgebiete von den Siegermächten neu aufgeteilt. Das Haus, das Grundstück und sämtliches Hab und Gut aller Schlesierdeutschen wurde entschädigungslos von der polnischen Regierung konfisziert.

Meine Familie machte sich dann im Herbst 1945 mit einem Handwagen auf den Weg nach Strausberg, dort fanden sie eine Unterkunft bei Verwandten.

Weihnachten 1945 war das erste Nachkriegsweihnachten. In diesen 12 Monaten des Jahres 1945 liegt der ganze Schmerz meiner Familie. Eine zerrissene Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte verloren, eine Heimat verloren, kein Zuhause, keine Habseligkeiten, keine Fotos, zwei verlorene Söhne, der dritte schwer verwundet, der Ehemann und Schwiegersohn im Kriegsgefangenenlager, ungewollte Zuzügler, Flüchtlinge, Habenichtse und keine Hoffnung mehr auf eine Rückkehr in ihre Heimat, ins Elternhaus und zu den Gräbern ihrer Vorfahren.

Ich hätte und habe noch ganz viele Fragen, aber jetzt ist keiner mehr da, der sie beantwortet.

In Strausberg, auf einem Grabstein der Familie stand folgender Text:

HIER LIEGEN BEGRABEN IM MÄRKISCHEN SAND
FLÜCHTLINGE AUS DEM SCHLESIERLAND

PS: … und fragt mich jetzt etwa noch jemand, warum ich gegen jegliche Art von Kriegsgelüsten, Waffen und Aufrüstung bin?

„Nein, meine Söhne kriegt ihr nicht!“ (R. Mey)

Wolfgang Groll

Frankfurt (Oder), Mai 2026


Hier können Sie den fünften Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.

Titelbild: wikicommons

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„Ohne einen Dialog werden wir nicht weiterkommen“ – Sevim Dağdelen diskutiert mit dem russischen Botschafter

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Am 10. Mai 2026 diskutierte die BSW-Politikerin Sevim Dağdelen mit dem Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland, Sergej Netschajew, unter dem Motto „Frieden durch Dialog“ in Berlin über Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und die aktuelle Eiszeit im deutsch-russischen Verhältnis. Diskutiert wurden auch die Entstehung des Ukraine-Kriegs, die Einordnung des Vorgehens Russlands sowie die Rolle der NATO. Dann sprachen Dağdelen und Netschajew ausführlich über die Voraussetzungen für einen Frieden und ein Ende des Ukraine-Kriegs vor dem Hintergrund der aktuellen kurzen Waffenruhe, sowie über eine mögliche Vermittlerposition von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Hier können Sie das Video des gesamten Gesprächs ansehen:

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Das Gespräch hatte bereits im Vorfeld für Kontroversen gesorgt, und einige hatten gefordert, mit dem Botschafter Russlands nicht mehr öffentlich zu diskutieren, wie Dağdelen in ihrer Einleitung zu dem Gespräch berichtet. Die BSW-Politikerin und Außenpolitik-Expertin machte deutlich, dass aus ihrer Sicht – auch vor dem Hintergrund der deutsch-russischen Geschichte im 20. Jahrhundert – die Gesprächskontakte nicht abreißen dürften.

Eskalation am Ende – Varwick fordert: „Russland muss seinen blutigen Irrweg korrigieren.“

In der anschließenden Fragerunde warf Prof. Johannes Varwick dem russischen Botschafter aus dem Publikum in scharfem Ton vor, unzählige junge russische Soldaten für nichts „in den Fleischwolf“ zu werfen, und erklärte, eine diplomatische Lösung sei nur möglich, wenn Russland „seinen blutigen Irrweg“ korrigiere. Varwicks Vorwürfe und seine Formulierungen sorgten bei Teilen des Publikums für Empörung.

Dağdelen bat mehrmals um Ruhe und erklärte, es gehöre zur Demokratie, auch andere Meinungen anzuhören – was in Anbetracht der Debatte im Vorfeld schon fast ironisch wirkte.

In seiner Antwort auf Varwicks Vorwürfe warb Botschafter Netschajew darum, die Vorgeschichte des Ukraine-Kriegs zu berücksichtigen. Varwick unterbrach ihn dabei mehrmals aus dem Publikum mit erbosten Einwürfen. Den gesamten Austausch können Sie hier verfolgen:

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Die Neue Zürcher Zeitung berichtete über die Veranstaltung und legte dabei einen besonderen Schwerpunkt auf die empörten Reaktionen des Publikums auf Varwicks Wortmeldung. Der Artikel sprach dabei zudem davon, dass das „willige Publikum“ durch die Veranstaltung in einer „russischen Parallelwelt“ gelandet sei.

Diese Formulierung ist sehr bezeichnend für den Zustand des aktuellen Diskurses: Wo hermetisch voneinander abgeschirmte politische Erzählungen nebeneinander existieren und nicht mehr miteinander im Austausch sind, entstehen tatsächlich „Parallelwelten“. Der Versuch, diese aufzubrechen und zu Frieden und Diplomatie zurückzukehren, war laut Dağdelen gerade die Motivation für diese Veranstaltung. Ihr Verlauf und das Medienecho zeigen deutlich, wie schwierig dieser Prozess zurzeit in Deutschland ist.

Video: Valeri Schiller
Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten

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Zeigen der sowjetischen Flagge bleibt an sowjetischen Ehrenmalen am 8. und 9. Mai verboten

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Das Verwaltungsgericht erklärte, dass die Flaggen der UdSSR als "Sympathiebekundung" für die russische Kriegsführung verstanden werden können, was den öffentlichen Frieden gefährde. Ukrainische Symbole dürfen hingegen gezeigt werden, auch das "Abspielen und Singen ukrainischer Marsch- bzw. Militärlieder" ist gestattet.

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