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Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (20)

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„Einige Unbelehrbare, darunter natürlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gefüllte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verständigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen.“

In dieser 20. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ teilt unser Leser Heinz Grote die Erinnerungen seines Vaters Claus Grote an dessen Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft als 17-Jähriger und seine Fluchtversuche.

Wir veröffentlichen diesen Beitrag aufgrund seiner Länge in zwei Teilen.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.

Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil, den sechzehnten Teil, den siebzehnten Teil, den achtzehnten Teil, sowie den neunzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


Noch keine 18 Jahre alt

Teil 1

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,

ich selbst bin erst 1954 geboren, habe also bisher das Glück, keine Erfahrungen mit Krieg und den unmittelbaren Folgen zu haben. Trotzdem möchte ich zu dem Aufruf etwas beisteuern:

In dem Nachlass meines Großvaters mütterlicherseits (Jahrgang 1897) habe ich eine Beschreibung seiner Erlebnisse der letzten Kriegstage und seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft gefunden, geschrieben unmittelbar nach seiner Heimkehr im September 1945. („Gefangenschaft“)

Auch mein Vater (Jahrgang 1927 und noch am Leben) hat (allerdings erst viele Jahre später) einen Bericht über seine Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft geschrieben, der im folgenden Anhang beigefügt ist. („Kriegsgefangenschaft“)

Beide Berichte sind zur Veröffentlichung möglicherweise zu lang und ausführlich. Gerade die Beschreibung einzelner Details hat mich bei der Lektüre aber so fasziniert, dass ich sie einem größeren Publikum nicht vorenthalten möchte.
Weitere Fragen oder Ergänzungen zu den Personen und deren Lebensumständen kann ich gern beantworten.

Ihnen bei diesem und den anderen Projekten der NachDenkSeiten viel Erfolg wünschend,
verbleibe ich mit solidarischen Grüßen

Heinz Grote


Anm. d. Red.: Wir veröffentlichen beide Berichte. Es folgt der Bericht „Kriegsgefangenschaft“ des Vaters über seine Zeit in US-amerikanischer Gefangenschaft – Teil 1.

Den Bericht des Großvaters über die Zeit in sowjetischer Kriegsgefangenschaft finden sie hier.


„Claus Grote

Berlin, 26.04.1992

Kriegsgefangenschaft 7.4.1945 bis 6.2.1946

Politisch bewußt zu denken, ohne den Einfluß der Nazis, begann ich erst, als der Krieg für mich persönlich zu Ende war: mit meiner Gefangennahme durch die US-Armee. Im Gefangenenlager lernte ich Menschen kennen, die noch die Zeit vor 1933 als Erwachsene kennengelernt hatten und – im Gegensatz zur Kriegszeit – jetzt offen darüber sprechen konnten.

Ich hörte, daß die Idee der Autobahn keineswegs von den Nazis stammte, daß man die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit durch die Nazis auch als Resultat der ungeheuerlichen Aufrüstung sehen konnte, und ich hörte erstmals von den Verbrechen in den KZs. So bröckelte die von den Nazis vermittelte „Weltanschauung” langsam, aber sicher ab, zumal ich den Eindruck haben mußte, daß die betreffenden Mitgefangenen durch niemanden gezwungen wurden, diese ihre Meinungen zu vertreten. Irgendwelche ideologische Beeinflussungen seitens der amerikanischen Lagerleitung gab es nicht.

Dafür gab es aber umso mehr indirekte Einflüsse. Das war einmal die ständig schlechter werdende Verpflegung, die medizinische Versorgung und die anderen Umstände, unter denen wir leben mußten. Nach meiner Gefangennahme am 7.4.45. in einem Wäldchen in der Nähe der thüringischen Gemeinde Farnroda (bei Eisenach) wurde ich über die Zwischenstationen Thal und Hersfeld in das berüchtigte Gefangenenlager Bad Kreuznach gebracht, wo ich etwa die Zeit vom 10.4. bis Ende Mai 1945 zubrachte, noch keine 18 Jahre alt.

Wir schossen, ohne irgendetwas zu sehen

Übrigens verlief die Gefangennahme recht wenig heldenhaft. Unser letzter Kampfauftrag lautete, die nachts in dem besagten Wäldchen bezogene Stellung gegen amerikanische Angriffe zu halten. Am Morgen des 7.4.45 kam auch tatsächlich ein solcher Angriff, nachdem wir in der Nacht zuvor eine fürchterliche Schießerei überlebt hatten, wahrscheinlich mit nicht identifizierten zurückgehenden deutschen Soldaten. Wir schossen, ohne irgendetwas zu sehen, und ähnlich war es während des US-Angriffs. So blieb mir erspart, wie auch schon an den Tagen zuvor, daß ich bewußt auf einen Menschen gezielt und abgedrückt habe, und ich habe auch keinen Menschen durch unser Feuer fallen sehen. Dabei glaube ich, heute einschätzen zu müssen, daß mir so etwas damals keinerlei Gewissensbisse verursacht hätte, ich verteidigte ja Deutschland, mein Vaterland, und war außerdem überzeugt, daß die Frage nur so lautete: Entweder die – oder ich.

Als der Angriff wegen unserer Gegenwehr zurückgezogen wurde, erwarteten wir die übliche amerikanische Reaktion, Flächenbombardement durch Flieger oder Artillerie, aber unser Zugführer war doch so vernünftig, uns aus unseren Stellungen zurückzurufen und zu erklären, wir hätten gemeinsam gekämpft und gingen nun gemeinsam in Gefangenschaft.

Auf dem Sammelplatz, ein Hohlweg im Wald, lag bereits ein ansehnlicher Haufen von Waffen, vom leichten Granatwerfer bis zur MPi. Einige Unbelehrbare, darunter natürlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gefüllte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verständigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen. Da schönes Wetter war, konnten wir uns nach der durch die Baumwipfel scheinenden Sonne richten.

Wir zerrissen unsere Soldbücher und vergruben die Schnitzel im Gartenland

Unser erster Ausflug in die Selbständigkeit endete bereits nach einer halben Stunde, als wir in etwa 150 m Entfernung eine ganze Kompanie US-Soldaten erblickten, die in Schützenkette den Wald durchkämmte, die Schnellfeuergewehre im Anschlag. Uns fünf halben Kindern sank das Herz in die Hose, wir warfen uns auf den Boden, und als die Amerikaner etwa auf 30 Meter herangekommen waren, ohne uns zu bemerken, rief ich laut „Don’t shoot” und stand mit erhobenen Händen auf. Glücklicherweise taten das dann auch die vier anderen, und die schrecklich aufgeregten Amerikaner hielten zu unserem Glück ihre Zeigefinger gerade. Sie sammelten nur die Waffen ein, die wir abgelegt hatten, und führten uns, die die Hände über dem Kopf verschränken mußten, bis zu einer kleinen Lichtung, wo wir einige verletzte deutsche Gefangene aufgeladen bekamen, die wir dann bis ins Tal hinunter in das Dorf Thal tragen mußten.

Dort wurden die Verletzten mit Sanitätskraftwagen abtransportiert, wir wurden unter Bewachung für einige Stunden in einem eingezäunten Vorgarten eingesperrt. Dort befolgten wir gehorsam eine Anweisung, die wir noch bei der Wehrmacht bekommen hatten: Wir zerrissen unsere Soldbücher und vergruben die Schnitzel im Gartenland. Die Amerikaner sollten ja nicht wissen, mit welchen Eliteeinheiten der Deutschen Wehrmacht sie es zu tun hatten – das alles angesichts der von allen Seiten in das geschrumpfte Deutsche Reich eindringenden alliierten Truppen.

Pechvögel, die in den halbgefüllten Scheißgraben fallen

Die Amerikaner hatten uns im Eifer des Gefechts (und wohl auch im Bewußtsein ihrer ungeheuren Überlegenheit) nicht nach Waffen abgetastet, und so bemerkte ich erst später (im Durchgangslager Hersfeld), daß ich noch zwei scharfe Eihandgranaten in den Hosentaschen hatte. Da ich mich nicht traute, mit denen an einen amerikanischen Posten heranzutreten, landeten die Handgranaten schließlich in dem um das ganze Lager gezogenen Graben, der den Gefangenen als Latrine dienen mußte.

In Hersfeld brachten wir nur einige Tage unter freiem Himmel zu, die Verpflegung war relativ gut, jedenfalls besser als in Bad Kreuznach, der nächsten Station. Über das Gefangenenlager Bad Kreuznach ist zumindest ein Buch geschrieben worden, das ich kenne. Es gibt die Situation ziemlich korrekt wieder: Auf einem etwa 30 – 40 ha großen, durch einen doppelten Stacheldrahtzaun eingeschlossenen Acker sind ungefähr 100 000 Gefangene untergebracht, unter freiem Himmel. Etwa 5 m vom inneren Zaun entfernt befindet sich die Latrine, ein durchgehender Graben von 1 1/2 m Tiefe, etwa 1/2 m breit, man hockt sich quer darüber. Der Graben ist nur unterbrochen am Eingang. Der ist scharf bewacht, Annäherung auf mehr als 20 m ist lebensgefährlich. Ab und zu knallt es zur Warnung. Etwas weiter weg sind einige Kesselwagen aufgestellt, die einigermaßen regelmäßig mit Wasser gefüllt werden, so daß jeder, der sich anstellt, pro Tag ungefähr 1/2 bis 1 Liter bekommen kann, je nachdem, ob er nur eine alte Konservenbüchse hat oder noch ein richtiges Kochgeschirr. Zum Waschen reicht es auf keinen Fall, und die Pechvögel, die nach einem Regen auf dem aufgeweichten Boden ausgleiten und in den halbgefüllten Scheißgraben fallen, müssen bis zum nächsten Regen warten, um den Gestank und den Dreck halbwegs wieder loszuwerden.

In der Nähe der Wasserkessel sind auch zwei Sanitätszelte aufgestellt, mit deutschen Ärzten und Sanitätern, aber ohne jeden Verband, ohne Medikamente und ohne jedes Gerät. Das bemerke ich nach etwa zwei Wochen Aufenthalt, als ich an einem Abend fürchterliche Ohrenschmerzen bekomme, weinend zum Zelt schleiche und außer seelischem Zuspruch und wohlmeinenden Ratschlägen keinerlei Hilfe bekommen kann. Der Zufall hat mich vor Schlimmerem bewahrt, da mir nichts weiter übrigblieb, legte ich mich auf das schmerzende Ohr, hielt es so warm wie möglich, schlief schließlich spät nachts ein. Am nächsten Morgen wachte ich auf, als wenn nichts gewesen wäre.

Der Hunger wurde zum ständigen Begleiter

Die Verteilung der Verpflegung in Bad Kreuznach war an jedem Tag das wichtigste Ereignis. Sie erfolgte nach dem Prinzip des Hammelsprungs. Alle Gefangenen wurden auf eine Hälfte des Lagers getrieben, in der Mitte wurden die Verpflegungskisten aufgestellt, jeder erhielt beim Durchgang seine Portion, und das wurde zweimal am Tage wiederholt. In der ersten Zeit gab es die Ration C, Army-Verpflegung in Büchsen, zwei Büchsen pro Tag. Man erhielt entweder eine Büchse mit einem Fleisch-Gemüse-Gemisch, das natürlich nur kalt gegessen werden konnte, oder eine Büchse mit fünf Keksen, einem kleinen Riegel Schokolade, einem Nescafé- oder Teebeutel und Würfelzucker, evtl. 3 Zigaretten. Zwei Büchsen entsprachen 2/3 der Ration eines US-Soldaten. Manchmal erhielten wir eine K-Ration, die qualitativ noch besser, aber quantitativ weniger war. Der Hunger wurde zum ständigen Begleiter, ich war ja erst 17 Jahre alt.

Schlimm wurde es aber erst, als die Verpflegung auf D-Ration umgestellt wurde. D-Ration ist identisch mit den Menü-Paketen, die nach dem Krieg auch massenweise von deutschen US-Amerikanern als CARE-Pakete nach Deutschland an ihre Verwandten geschickt wurden. Sie enthielten ein qualitativ hochwertiges Sortiment an Lebensmitteln, von denen die Hälfte aber warm zubereitet werden mußte. Da das in Bad Kreuznach nicht möglich war, wurden die entsprechenden Teile (also Grieß, Trockenkartoffeln usw.) eben roh gegessen. Jeweils 16 Gefangene erhielten ein Paket pro Tag und die mußten sich das so gerecht wie möglich teilen. Ungeschriebenes Gesetz war: Wer teilt, muß die letzte übrig bleibende Portion nehmen. Dieses Gesetz wurde in zunehmendem Maße durchbrochen, wenn der Teilende besonders groß und kräftig war oder eine Leibgarde besaß. Ähnlichkeiten mit dem gegenwärtig in Deutschland verlaufendem und von de Maizière beschworenen Teilungsprozeß sind auffallend.

Viele Gefangene begannen, sich für die Nacht Gruben zu buddeln

Die letzten Wochen meines Aufenthalts wurden schließlich unerträglich. Jetzt fiel die amerikanische Verpflegung ganz weg und wurde durch Verpflegung aus alten Wehrmachtbeständen ersetzt. Rohe Kartoffeln (drei Stück pro Tag), Kohl und hartes Gebäck (aus den eisernen Rationen) wurden verteilt, auch das in der Menge völlig unzureichend. Viele Gefangene begannen, sich für die Nacht Gruben zu buddeln, in denen man besser schlief, weil man die Form des Bodens dem Körper anpassen konnte und auch vor dem kalten Nachtwind besser geschützt war. Diese Gruben waren auch günstig, weil bei tatsächlichen oder befürchteten Ausbruchsversuchen von den Posten mit Leuchtmunition quer über das Lager geschossen wurde, zur Abschreckung, und wenn eine Kugel zufällig zu tief abkam, dann konnte schon einmal jemand Pech haben, der völlig unbeteiligt war.

Bei dieser Grabenbuddelei entdeckte ich eines Tages zwiebelartige Knollen im Boden, die man essen konnte, jedenfalls waren sie etwas gegen den Hunger, wahrscheinlich waren es Blumenzwiebeln. Da zur Wehrmachtverpflegung manchmal auch Trockenpflaumen gehörten, machte ich mich über die Kerne her, die, mit einem Stein zertrümmert, im Innern einen nach Mandeln schmeckenden Kern hergaben. Ich hatte das als einer der ersten gemerkt, und der Hunger veranlaßte mich, auch nach fremden Pflaumenkernen zu suchen, zum Glück mit wenig Erfolg – bereits einige Dutzend Kerne enthalten eine tödliche Dosis Blausäure, wie ich heute weiß.

Bei der Einschätzung der Situation muß man berücksichtigen, daß die Amerikaner offenbar überfordert waren, als im April/Mai die deutschen Wehrmachtangehörigen zu Hunderttausenden in die Gefangenenlager strömten. Es ist aber kein Zweifel, daß Korruption und Desorganisation das Ihre taten, um die Situation regional zu verschlimmern. Bad Kreuznach jedenfalls gehört zu den Negativposten der damaligen Sieger, und die in diesen Wochen geprägte Abneigung gegen den „american way of life” hat sicher auch zur Entwicklung meiner Überzeugungen und Anschauungen beigetragen.

Weil die Nazipropaganda immer noch tief genug saß

Etwa vier Wochen nach meiner Ankunft in Bad Kreuznach wurde angrenzend an unser Lager ein weiteres, etwas kleineres Stück Land eingezäunt und mit Zelten versehen. In der Zwischenzeit wurden Parolen ausgegeben, man könne sich zur französischen Fremdenlegion melden. Dann erhielte man in einer Übergangszeit sofort warme Kleidung, Unterkunft in Zelten und volle Militärverpflegung einschließlich Zigaretten und andere Genußmittel. Da diese Propaganda offenbar nicht ausreichte, begann mit dem Einzug der ersten Kandidaten für die Legion in das Zeltlager die nächste Etappe der Beeinflussung, die sich ein heutiger PR-Manager nicht besser ausdenken könnte: Nur durch fünf Meter Zwischenraum zwischen den Stacheldrahtzäunen getrennt, wirkten jetzt die frischgewonnenen Legionäre als Multiplikatoren der Anwerber, rauchend, vollgefressen und gut gekleidet.

Die Posten hatten auch nichts dagegen, wenn zum Anfüttern mal großzügig eine Zigarette oder ein Stückchen Schokolade zu den mit gierigen Augen starrenden, aber mit ihrer Freiwilligenmeldung noch zögernden Gefangenen hinübergeworfen wurde. Ich widerstand dieser Verlockung – so muß ich heute einschätzen – vor allem, weil die Nazipropaganda immer noch tief genug saß, um die Fremdenlegion als etwas schrecklich Verwerfliches zu empfinden, nicht weil sie als Instrument der kolonialen Unterdrückung fremder Völker diente, sondern weil sie etwas „absolut Undeutsches” darstellte. So entschied ich mich dann, als die Werbung für die Fremdenlegion schließlich durch die Anwerbung von Freiwilligen für einen Arbeitseinsatz in Frankreich – mit nur etwas weniger materiellen Anreizen verbundenen Versprechungen – ergänzt wurde, für eine solche Arbeit.

Kaum jemand hatte am zweiten Tag noch etwas zu essen

Diese Wahl führte zu schnellen Konsequenzen. Nach wenigen Tagen schon wurde ein erster Transportzug zusammengestellt, zu unserer Überraschung befand sich auf den Güterwagen (für acht Pferde oder 40 Mann) auch reichliche Verpflegung für 40 Mann – die allerdings, wie wir dann erfahren mußten, für volle drei Tage reichen sollte und damit genau so knapp war wie die alte Wehrmachtsverpflegung, die wir vorher erhalten hatten – eine bittere Enttäuschung und meine erste Bekanntschaft mit verlogenen Wahlversprechen. Kaum jemand hatte am zweiten Tag noch etwas zu essen, zu trinken bekamen wir glücklicherweise bei jedem Halt auf kleinen Bahnhöfen.

Solange wir durch das besetzte Deutschland fuhren, sahen wir ab und zu Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, die uns mitfühlend zuwinkten. Völlig anders wurde es auf den Reisekilometern in Frankreich. Hier wurden schon haßerfüllte Schimpfworte laut, und manchmal flog auch ein Stein. Für mich war das völlig unverständlich, in meiner Naivität dachte ich überhaupt nicht daran, daß ein ganzes Volk die Deutschen anders sehen könnte als ich und daß die Franzosen mit der deutschen Besatzung auch andere Erfahrungen gemacht haben könnten als gelegentliche gemeinsame Verbrüderungsszenen bei gutem französischen Rotwein, das paßte nicht in meine beschränkten Vorstellungen. Was mir persönlich aber noch unmittelbare Beschwerden brachte, war die Tatsache, daß ich bei Beginn der Fahrt volle 8 Tage keinen Stuhl gehabt hatte – offenbar versuchte der ausgehungerte Körper, das Allerletzte aus den wenigen Nahrungsmitteln herauszuholen, nichts blieb an Füllstoffen.

Am neunten Tag, dem zweiten unserer Fahrt, konnte ich dann mit ungewöhnlicher Anstrengung ein knochenhartes Stück Kot herauspressen, was mir vor allem aus einem Grund wichtig war: Ich hatte mich mit einem etwa ein Jahr älteren „Kumpel”, einem Wolfgang Dürselen aus Berlin, entschlossen, nachts vom Zug abzuspringen und zu versuchen, uns in die neutrale Schweiz durchzuschlagen, wir hatten von der Gefangenschaft genug. Da wir mit längerem Aufenthalt unterwegs rechneten und in „Feindesland” waren, hätte uns ein Darmverschluß gezwungen, zivilisierte Hilfe anzunehmen und damit unsere Flucht zu beenden. Logisch denken konnte ich also offenbar.

Es reichte jedoch nicht, zu erkennen, daß die Schweizer Regierung, die sich während der Hitler’schen Siegeszüge kaum antifaschistisch verhielt, nach dem alliierten Sieg kaum Interesse daran haben konnte, die unterlegenen deutschen Soldaten aufzunehmen. Meine Illusionen gingen aber so weit, daß ich in der dritten Nacht unseres Transports – wir waren inzwischen schon etwa 100 km in Frankreich – etwa ein bis zwei Minuten nach Wolfgang vom Zug absprang.

Die nächtliche Orientierung nach dem Polarstern war uns beiden noch von der militärischen Ausbildung her bekannt

Wir hatten uns vorher genau überlegt, wie wir das zu tun hätten. Etwa jeder 6. Waggon war mit Wachtposten besetzt, die bei langsamer Fahrt mit Taschenlampen am Zug entlang leuchteten, um sofort auf Flüchtende schießen zu können. Der Zug mußte also schnell fahren, aber nicht so schnell, daß wir uns verletzten. Wir mußten außerdem sofort nach dem Absprung dicht an die Schiene heran, damit wir nicht so leicht gesehen würden, und aus dem gleichen Grund müßten wir das Gesicht solange nach unten halten, bis der letzte Wagen weit genug entfernt wäre. Wie durch ein Wunder klappte alles genau.

Nur eins funktionierte nicht gleich. Wie verabredet, lief ich nach einem tiefen Atemholen und mit einem Gefühl der Befriedigung zurück, Wolfgang sollte dem Zug nachlaufen, und so hätten wir uns begegnen müssen. Jedoch hatten wir offenbar beide die Fahrstrecke zwischen unseren beiden Absprüngen falsch eingeschätzt, jedenfalls gaben wir nach längerer Suche auf und gingen in die vorgesehene südliche Richtung – dahin, wo wir die schweizerische Grenze vermuteten, zumindest die nächtliche Orientierung nach dem Polarstern war uns beiden noch von der militärischen Ausbildung her bekannt. Und so geschah ein zweites Wunder in dieser Nacht: In einem kleinen Wäldchen auf einer Lichtung, etwa 1 km von der Bahnstrecke entfernt, sah ich plötzlich gegen den schwach schimmernden Horizont eine hochaufgeschossene Gestalt – es war Wolfgang.

Dieses kaum noch erwartete Zusammentreffen, in einer zwar sternklaren, aber doch sehr dunklen Nacht, mitten in einem fremden Land, hätte unseren Optimismus bis zur Euphorie gesteigert, wenn uns nicht der ständig knurrende Magen sofort an die nüchterne Realität erinnert hätte. Wir mußten uns erst einmal etwas zu essen besorgen.

Wir brachten es beide nicht übers Herz, mit einem Messer auf das Tierchen loszugehen

Da wir keine Ahnung hatten, wo wir uns befanden, entschlossen wir uns, zur Bahnstrecke zurückzugehen, um erst einmal wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen zu kommen – da war die Wahrscheinlichkeit größer, etwas Eßbares zu finden. Die Überlegung war korrekt, wir fanden in einer Art leerem Bahnwärterhäuschen etwa 10 vertrocknete Scheiben geröstetes Weißbrot – eine Delikatesse –, dazu angebrochene Flaschen oder Dosen mit Saft und Kondensmilch, und als Krönung eine große Konservendose, deren Inhalt sich erst später entpuppte: eingemachte Aprikosen, wegen des hohen Zuckergehalts besonders nahrhaft.

Dann gingen wir wieder zurück in das Wäldchen, wo wir uns für den Rest der Nacht und den ganzen folgenden Tag aufhielten, da wir uns erst einmal wieder ein bißchen aufmöbeln wollten. Das war aber nicht ganz einfach. Am Tage, es war immerhin Anfang Juni, brannte die Sonne unbarmherzig, wenn wir uns auszogen, kamen scharenweise Mücken, und wenn wir uns anzogen, schwitzten wir und verursachten eine doppelte Aktivität der Läuse, die wir uns schon in Bad Kreuznach geholt hatten und die wir trotz täglicher gründlicher und auch erfolgreicher Jagd nicht vollständig beseitigen konnten.

So war die kommende Nacht nicht nur Ausgangspunkt unseres weiteren Fluchtweges, sondern auch Erquickung. Da wir uns nicht auf die Straßen wagten, gingen wir meist querfeldein und nahmen mit, was wir unterwegs fanden. Auf einem einsamen Bauernhof fanden wir einige Eier im Hühnerstall, vor dem Bauernhaus waren zum Abholen große Milchkannen aufgestellt – wir schöpften ohne Rücksicht auf die Hygiene mit unseren reichlich verschmutzten leeren Konservendosen die köstlich schmeckende Sahne ab, wir fanden im Schafstall ein rührend kleines Lämmchen, brachten es aber beide nicht übers Herz, mit einem Messer auf das Tierchen loszugehen – der Hunger war offenbar noch nicht stark genug, oder er war durch Eier und Sahne schon etwas gestillt.

In einem abgestellten Wagen der US-Army requirierten wir einen amerikanischen Stahlhelm und eine regendichte Uniformjacke, beides erwies sich wenige Stunden später als nützlich, als wir zu spät Autoscheinwerfer bemerkten – wir schauspielerten vor dem sich nähernden Wagen eine Liebesszene zwischen einem US-Soldaten und einer Französin, und das Auto fuhr ohne Halt vorbei.

Ich bin heute nicht mehr ganz sicher, ob wir noch eine dritte Nacht in Freiheit verbrachten oder ob schon am Morgen nach der zweiten Nacht das passierte, was eigentlich schon viel früher kommen mußte: Beim Picknick im Walde – nicht mehr das erste Wäldchen, sondern ein etwas größeres Stück – überraschte uns plötzlich ein französischer Bauer oder Forstgehilfe oder was auch immer. Der war sicher genauso erschrocken wie wir, Wolfgang stammelte irgendetwas, was er für französisch hielt, und der Angesprochene machte sich ohne besondere Hast wieder aus dem Staube. Unsere ungebrochene Naivität ließ uns nun erst einmal beraten, ob der Franzose uns nun wohl an die Amis verraten würde oder nicht, nach einer Stunde jedenfalls entschieden wir uns, vorsichtig bis zum Waldrand zu gehen und erst einmal Ausschau nach potentiellen Häschern zu halten, und richtig liefen wir genau einer amerikanischen Streife in die Hände, und so erfolgte meine zweite Gefangennahme.

ENDE TEIL 1

(Teil 2 folgt morgen)

Titelbild: United Kingdom Government / public domain / Junger deutscher Kriegsgefangener mit anderen Gefangenen, die während des Vormarschs in Deutschland gefangen genommen wurden, 29. März bis 4. April 1945

(Auszug von RSS-Feed)

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„Lavender“: Die KI-Maschine, die Israels Bombardements in Gaza steuert (Teil 2)

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Die israelische Armee hat Zehntausende Bewohner des Gazastreifens als potenzielle Zielpersonen für Tötungsaktionen eingestuft – mithilfe eines KI-Zielerfassungssystems, das kaum menschlicher Kontrolle unterliegt, und einer Politik, die hohe Opferzahlen in Kauf nimmt. Dies haben jüdische und palästinensische Journalisten in einer gemeinsamen Recherche aufgedeckt. Von Yuval Abraham.

Schritt 2: Zuordnung der Ziele zu den Familienhäusern

„Die meisten Menschen, die ihr getötet habt, waren Frauen und Kinder“

Der nächste Schritt im Tötungsverfahren der israelischen Armee besteht darin, zu ermitteln, wo die von Lavender generierten Ziele angegriffen werden sollen.

In einer Stellungnahme gegenüber +972 und Local Call[*] erklärte der Sprecher der IDF als Reaktion auf diesen Artikel: „Die Hamas stationiert ihre Kämpfer und militärischen Ressourcen mitten in der Zivilbevölkerung, nutzt die Zivilbevölkerung systematisch als menschliche Schutzschilde und führt Kampfhandlungen aus zivilen Einrichtungen heraus durch, einschließlich sensibler Orte wie Krankenhäuser, Moscheen, Schulen und UN-Einrichtungen. Die IDF ist an das Völkerrecht gebunden und handelt entsprechend, indem sie ihre Angriffe ausschließlich auf militärische Ziele und militärische Aktivisten richtet.“

Die sechs Quellen, mit denen wir sprachen, schlossen sich dieser Einschätzung bis zu einem gewissen Grad an und sagten, dass das ausgedehnte Tunnelsystem der Hamas bewusst unter Krankenhäusern und Schulen verläuft; dass Hamas-Kämpfer Krankenwagen nutzen, um herumzukommen; und dass unzählige militärische Einrichtungen in der Nähe von zivilen Gebäuden stationiert wurden. Die Quellen argumentierten, dass durch diese Taktik der Hamas viele israelische Angriffe Zivilisten töten – eine Darstellung, vor der Menschenrechtsgruppen warnen, da sie Israel der Verantwortung für die verursachten Opfer entbindet.

Entgegen den offiziellen Erklärungen der israelischen Armee erklärten die Quellen jedoch, dass ein Hauptgrund für die beispiellose Zahl der Todesopfer durch die aktuellen israelischen Bombardements darin liegt, dass die Armee systematisch Ziele in deren Privathäusern zusammen mit deren Familien angegriffen hat – zum Teil, weil es aus geheimdienstlicher Sicht einfacher war, Familienhäuser mithilfe automatisierter Systeme zu markieren.

Tatsächlich betonten mehrere Quellen, dass im Gegensatz zu zahlreichen Fällen, in denen Hamas-Aktivisten militärische Aktivitäten aus zivilen Gebieten heraus durchführten, die Armee bei systematischen Tötungsangriffen routinemäßig aktiv die Entscheidung traf, mutmaßliche Militante zu bombardieren, wenn sie sich in zivilen Haushalten befanden, von denen aus keine militärischen Aktivitäten stattfanden. Diese Entscheidung, so sagten sie, spiegele die Art und Weise wider, wie Israels System der Massenüberwachung in Gaza konzipiert ist.

Die Quellen berichteten +972 und Local Call, dass die Überwachungssysteme der Armee Personen leicht und automatisch mit Familienhäusern „verknüpfen“ könnten, da jeder in Gaza ein Privathaus habe, mit dem er in Verbindung gebracht werden könne. Um in Echtzeit den Moment zu identifizieren, in dem Aktivisten ihre Häuser betreten, wurden verschiedene zusätzliche automatisierte Softwareprogramme entwickelt. Diese Programme überwachen Tausende von Personen gleichzeitig, erkennen, wann sie zu Hause sind, und senden eine automatische Warnmeldung an den Zieloffizier, der das Haus dann für einen Bombenangriff markiert. Eins dieser Tracking-Softwareprogramme, die hier zum ersten Mal enthüllt werden, heißt „Where’s Daddy?“

„Man gibt Hunderte von Zielen in das System ein und wartet ab, wen man töten kann“, sagte eine Quelle mit Kenntnis des Systems. „Das wird ‚breit angelegte Jagd‘ genannt: Man kopiert einfach aus den Listen, die das Zielsystem erstellt, und fügt ein (copy-paste).“

Belege für diese Vorgehensweise sind auch aus den Daten eindeutig: Im ersten Kriegsmonat stammten mehr als die Hälfte der Todesopfer – 6.120 Menschen – aus 1.340 Familien, von denen viele laut UN-Zahlen in ihren Häusern vollständig ausgelöscht wurden. Der Anteil der gesamten Familien, die im aktuellen Krieg in ihren Häusern bombardiert wurden, ist viel höher als bei der israelischen Operation 2014 im Gazastreifen (die zuvor Israels tödlichster Krieg im Gazastreifen war), was die Bedeutung dieser Politik weiter unterstreicht.

Eine weitere Quelle sagte, dass jedes Mal, wenn das Tempo der Tötungen nachließ, weitere Ziele zu Systemen wie „Where’s Daddy?“ hinzugefügt wurden, um Personen zu lokalisieren, die ihre Häuser betraten und daher bombardiert werden konnten. Er sagte, dass die Entscheidung, wen man in die Ortungssysteme aufnahm, von relativ rangniedrigen Offizieren in der militärischen Hierarchie getroffen werden konnte.

„Eines Tages habe ich ganz aus eigenem Antrieb etwa 1.200 neue Ziele in das Ortungssystem eingegeben, weil die Zahl der Angriffe [die wir durchführten] zurückging“, sagte die Quelle. „Das machte für mich Sinn. Im Rückblick war das eine schwerwiegende Entscheidung, die ich getroffen habe. Und solche Entscheidungen wurden nicht auf hoher Ebene getroffen.“

Die Quellen sagten, dass in den ersten zwei Wochen des Krieges zunächst „mehrere Tausend“ Ziele in Ortungsprogramme wie „Where’s Daddy?“ eingegeben wurden. Dazu gehörten alle Mitglieder der Elite-Spezialeinheit der Hamas, der Nukhba, alle Panzerabwehrkämpfer der Hamas und jeder, der am 7. Oktober nach Israel eingereist war. Aber schon bald wurde die Tötungsliste drastisch erweitert.

„Am Ende waren es alle, die von Lavender markiert wurden“, erklärte eine Quelle. „Zehntausende. Dies geschah einige Wochen später, als die [israelischen] Brigaden in den Gazastreifen vordrangen und es in den nördlichen Gebieten bereits weniger unbeteiligte Personen gab.“ Laut dieser Quelle wurden sogar einige Minderjährige von Lavender als Ziele für die Bombardierung markiert. „Normalerweise sind Kämpfer über 17 Jahre alt, aber das war keine Bedingung.“

Lavender und Systeme wie „Where’s Daddy?“ wurden so mit tödlicher Wirkung kombiniert und töteten ganze Familien, bezeugten Quellen. Indem man einen Namen aus den von Lavender generierten Listen zum Hausortungssystem „Where’s Daddy?“ hinzufügte, erklärte A., würde die markierte Person unter ständige Überwachung gestellt und könnte angegriffen werden, sobald sie einen Fuß in ihr Haus setzte, wodurch das Haus über allen darin befindlichen Personen zusammenstürzte.

„Nehmen wir an, du rechnest mit einem Hamas-Aktivisten plus 10 Zivilisten im Haus“, sagte A. „Normalerweise sind diese 10 Frauen und Kinder. Absurderweise stellt sich also heraus, dass es sich bei den meisten der von dir getöteten Personen um Frauen und Kinder handelte.“

Schritt 3: Auswahl einer Waffe

„Wir führten die Angriffe in der Regel mit ‚dummen Bomben‘ durch“

Wenn Lavender ein Ziel für einen Mordanschlag markiert hat, das Militärpersonal überprüft hat, dass es sich um einen Mann handelt, und die Ortungssoftware das Ziel in dessen Wohnung ausfindig gemacht hat, besteht der nächste Schritt darin, die Munition auszuwählen, mit der das Ziel bombardiert werden soll.

Im Dezember 2023 berichtete CNN, dass nach Schätzungen des US-Geheimdienstes etwa 45 Prozent der von der israelischen Luftwaffe in Gaza eingesetzten Munition „dumme“ Bomben waren, von denen bekannt ist, dass sie mehr Kollateralschäden verursachen als Lenkbomben. Als Reaktion auf den CNN-Bericht sagte ein in dem Artikel zitierter Armeesprecher: „Als Militär, das sich dem Völkerrecht und einem moralischen Verhaltenskodex verpflichtet fühlt, setzen wir enorme Ressourcen ein, um den Schaden für die Zivilisten zu minimieren, die die Hamas in die Rolle von menschlichen Schutzschilden gezwungen hat. Unser Krieg richtet sich gegen die Hamas, nicht gegen die Bevölkerung von Gaza.“

Drei Geheimdienstquellen berichteten jedoch gegenüber +972 und Local Call, dass von Lavender markierte untergeordnete Zielpersonen ausschließlich mit ungelenkten Bomben getötet wurden, damit teurere Waffen eingespart werden konnten. Eine Quelle erklärte, dies bedeute, dass die Armee kein rangniedriges Ziel angreifen würde, wenn er in einem Hochhaus lebte, da die Armee keine präzisere und teurere „Etagenbombe“ (mit begrenzteren Kollateralschäden) einsetzen wollte, um ihn zu töten. Wenn ein rangniedriges Ziel jedoch in einem Gebäude mit nur wenigen Stockwerken wohnte, war die Armee befugt, ihn und alle anderen im Gebäude mit einer „dummen“ Bombe zu töten.

„So war es bei allen rangniedrigen Zielen“, sagte C., der im aktuellen Krieg verschiedene automatisierte Programme einsetzte. „Die einzige Frage war: Ist es möglich, das Gebäude unter dem Gesichtspunkt der Kollateralschäden anzugreifen? Denn wir führten die Angriffe normalerweise mit ungelenkten Bomben durch, und das bedeutete, das ganze Haus buchstäblich mitsamt seinen Bewohnern zu zerstören. Aber selbst wenn ein Angriff abgewendet wird, ist es einem egal – man geht sofort zum nächsten Ziel über. Wegen des Systems nehmen die Ziele kein Ende. Es warten weitere 36.000 auf einen.“

Schritt 4: Genehmigung von zivilen Opfern

„Wir haben fast ohne Rücksicht auf Kollateralschäden angegriffen“

Eine Quelle berichtete, dass bei Angriffen auf rangniedrige Kämpfer, darunter auch solche, die von KI-Systemen wie Lavender identifiziert wurden, die Anzahl der Zivilisten, die neben jedem Ziel getötet werden durften, in den ersten Kriegswochen auf bis zu 20 festgelegt war. Eine andere Quelle gab an, dass die festgelegte Zahl bei bis zu 15 lag. Diese „Kollateralschaden-Grade“, wie das Militär sie nennt, wurden laut den Quellen pauschal auf alle mutmaßlichen rangniedrigen Militanten angewendet, unabhängig von ihrem Rang, ihrer militärischen Bedeutung und ihrem Alter, und ohne eine konkrete Einzelfallprüfung, um den militärischen Vorteil ihrer Tötung gegen den zu erwartenden Schaden für Zivilisten abzuwägen.

Laut A., der im aktuellen Krieg Offizier in einem Einsatzraum für Zielangriffe war, hat die Abteilung für internationales Recht der Armee noch nie zuvor eine solche „pauschale Genehmigung“ für einen so hohen Grad an Kollateralschäden erteilt. „Es ist nicht nur, dass du jede Person töten darfst, die ein Hamas-Soldat ist, was nach internationalem Recht eindeutig erlaubt und legitim ist“, sagte A. „Aber sie sagen dir direkt: ‚Du darfst sie zusammen mit vielen Zivilisten töten‘.“

„Jede Person, die in den letzten ein oder zwei Jahren eine Hamas-Uniform trug, konnte bombardiert werden, wobei 20 getötete Zivilisten als Kollateralschaden in Kauf genommen wurden, sogar ohne besondere Genehmigung“, fuhr A. fort. „In der Praxis gab es den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht.“

Nach Angaben von A. war dies die Politik während der meisten Zeit seines Dienstes. Erst später senkte das Militär den Grad der Kollateralschäden. „Bei dieser Berechnung könnten es auch 20 Kinder für einen einfachen Kämpfer sein … So war es in der Vergangenheit wirklich nicht“, erklärte A. Auf die Frage nach der sicherheitspolitischen Begründung für diese Politik antwortete A.: „Tödlichkeit.“

Der vorab festgelegte und feste Grad an Kollateralschäden half laut Quellen dabei, die massenhafte Generierung von Zielen mithilfe der Lavender-Maschine zu beschleunigen, da dies Zeit sparte. B. gab an, dass die Zahl der Zivilisten, die sie in der ersten Kriegswoche pro von der KI markiertem mutmaßlichem nachrangigen Militanten töten durften, bei 15 lag, diese Zahl jedoch im Laufe der Zeit „rauf und runter ging“.

„Anfangs griffen wir fast ohne Berücksichtigung von Kollateralschäden an“, sagte B. über die erste Woche nach dem 7. Oktober. „In der Praxis hat man die Menschen nicht wirklich gezählt, weil man gar nicht sagen konnte, ob sie zu Hause waren oder nicht. Nach einer Woche begannen die Beschränkungen hinsichtlich der Kollateralschäden. Die Zahl sank [von 15] auf fünf, was es uns wirklich schwer machte, anzugreifen, denn wenn die ganze Familie zu Hause war, konnten wir das Haus nicht bombardieren. Dann erhöhten sie die Zahl wieder.“

„Wir wussten, dass wir über 100 Zivilisten töten würden“

Quellen berichteten +972 und Local Call, dass die israelische Armee nun, teilweise aufgrund amerikanischen Drucks, nicht mehr massenhaft niedrigrangige menschliche Ziele für Bombenangriffe in Wohnhäusern generiert. Die Tatsache, dass die meisten Häuser im Gazastreifen bereits zerstört oder beschädigt waren und fast die gesamte Bevölkerung vertrieben wurde, schränkte auch die Fähigkeit der Armee ein, sich auf Geheimdienstdatenbanken und automatisierte Programme zur Hauslokalisierung zu stützen.

E. gab an, dass die massiven Bombardements gegen untergeordnete Kämpfer nur in den ersten ein oder zwei Wochen des Krieges stattfanden und dann vor allem deshalb eingestellt wurden, um keine Bomben zu verschwenden. „Es gibt eine Munitionsökonomie“, sagte E. „Sie hatten immer Angst, dass es im nördlichen Einsatzgebiet [mit der Hisbollah im Libanon] zu einem Krieg kommen könnte. Sie greifen diese Art von untergeordneten Leuten überhaupt nicht mehr an.“

Luftangriffe gegen hochrangige Hamas-Kommandeure gehen jedoch weiter, und Quellen sagten, dass das Militär für diese Angriffe die Tötung von „Hunderten“ von Zivilisten pro Ziel genehmigt – eine offizielle Politik, für die es weder in Israel noch in den jüngsten US-Militäroperationen einen historischen Präzedenzfall gibt.

„Bei dem Bombenangriff auf den Kommandeur des Shuja’iya-Bataillons wussten wir, dass wir über 100 Zivilisten töten würden“, erinnerte sich B. an einen Bombenangriff vom 2. Dezember, von dem der IDF-Sprecher sagte, er habe auf die Tötung von Wisam Farhat abgezielt. „Für mich war das psychologisch gesehen ungewöhnlich. Über 100 Zivilisten – das überschreitet eine rote Linie.“

Amjad Al-Sheikh, ein junger Palästinenser aus Gaza, sagte, viele seiner Familienangehörigen seien bei diesem Bombenangriff getötet worden. Als Bewohner von Shuja’iya, östlich von Gaza-Stadt, befand er sich an jenem Tag in einem örtlichen Supermarkt, als er fünf Explosionen hörte, die die Fensterscheiben zum Bersten brachten.

„Ich rannte zum Haus meiner Familie, aber dort waren keine Gebäude mehr“ – so Al-Sheikh gegenüber +972 und Local Call. „Die Straße war voller Schreie und Rauch. Ganze Wohnblocks waren zu Schuttbergen und tiefen Gruben geworden. Die Menschen begannen, im Zement zu suchen, sie benutzten ihre Hände, und ich tat es ihnen gleich, auf der Suche nach Spuren des Hauses meiner Familie.“

Al-Sheikhs Frau und seine kleine Tochter überlebten – geschützt vor den Trümmern durch einen Schrank, der auf sie gefallen war –, aber er fand elf andere Mitglieder seiner Familie, darunter seine Schwestern, Brüder und deren kleine Kinder, tot unter den Trümmern. Laut der Menschenrechtsorganisation B’Tselem zerstörte der Bombenangriff an diesem Tag Dutzende von Gebäuden, tötete Dutzende von Menschen und begrub Hunderte unter den Trümmern ihrer Häuser.

„Ganze Familien wurden getötet“

Geheimdienstquellen berichteten +972 und Local Call, dass sie an noch tödlicheren Angriffen beteiligt waren. Um Ayman Nofal, den Kommandeur der Zentralen Gaza-Brigade der Hamas, zu töten, habe die Armee laut einer Quelle die Tötung von etwa 300 Zivilisten genehmigt und bei Luftangriffen auf das Flüchtlingslager Al-Bureij am 17. Oktober mehrere Gebäude zerstört, basierend auf einer ungenauen Lokalisierung von Nofal. Satellitenaufnahmen und Videos vom Ort des Geschehens zeigen die Zerstörung mehrerer großer mehrstöckiger Wohnhäuser.

„Zwischen 16 und 18 Häuser wurden bei dem Angriff völlig zerstört“ – sagte Amro Al-Khatib, ein Bewohner des Lagers, gegenüber +972 und Local Call. „Wir konnten die Wohnungen nicht mehr voneinander unterscheiden – sie waren alle in den Trümmern durcheinandergewürfelt, und wir fanden überall menschliche Körperteile.“

Im Rückblick erinnert sich Al-Khatib daran, dass etwa 50 Leichen aus den Trümmern geborgen wurden und etwa 200 Menschen verletzt waren, viele davon schwer. Doch das war nur der erste Tag. Die Bewohner des Lagers verbrachten fünf Tage damit, Tote und Verletzte zu bergen, berichtete er.

Nael Al-Bahisi, ein Rettungssanitäter, war einer der Ersten vor Ort. Er zählte an diesem ersten Tag zwischen 50 und 70 Opfer. „Irgendwann wurde uns klar, dass das Ziel des Angriffs der Hamas-Kommandeur Ayman Nofal war“, sagte er gegenüber +972 und Local Call. „Sie haben ihn getötet, und mit ihm viele Menschen, die nicht wussten, dass er dort war. Ganze Familien mit Kindern wurden getötet.“

Eine weitere Quelle aus dem Geheimdienst sagte gegenüber +972 und Local Call, dass die Armee Mitte Dezember ein Hochhaus in Rafah zerstört und dabei „Dutzende Zivilisten“ getötet habe, um zu versuchen, Mohammed Shabaneh, den Kommandeur der Rafah-Brigade der Hamas, zu töten (es ist unklar, ob er bei dem Angriff getötet wurde oder nicht). Oft, so die Quelle, verstecken sich die hochrangigen Kommandeure in Tunneln, die unter zivilen Gebäuden verlaufen, und daher führt die Entscheidung, sie mit einem Luftangriff zu töten, notwendigerweise zum Tod von Zivilisten.

„Die meisten Verletzten waren Kinder“, berichtete Wael Al-Sir, 55, der Zeuge des groß angelegten Angriffs war, der von einigen Bewohnern des Gazastreifens als Attentatsversuch angesehen wurde. Er sagte +972 und Local Call, dass der Bombenangriff am 20. Dezember einen „ganzen Wohnblock“ zerstörte und mindestens 10 Kinder tötete.

„Es gab eine völlig freizügige Politik hinsichtlich der Opferzahlen bei Operationen – so freizügig, dass sie meiner Meinung nach einen Rachecharakter hatte“, erklärte D., eine Quelle aus dem Geheimdienst. „Im Mittelpunkt standen die Ermordungen hochrangiger Kommandeure der Hamas und der PIJ, für die sie bereit waren, Hunderte von Zivilisten zu töten. Wir hatten eine Kalkulation: wie viele für einen Brigadekommandeur, wie viele für einen Bataillonskommandeur und so weiter.“

„Es gab Vorschriften, aber sie waren einfach sehr lax“, sagte E., eine weitere Quelle aus dem Geheimdienst. „Wir haben Menschen getötet, wobei die Zahl der Kollateralschäden im hohen zweistelligen, wenn nicht sogar im niedrigen dreistelligen Bereich lag. Das sind Dinge, die es zuvor noch nicht gegeben hat.“

Eine so hohe Rate an „Kollateralschäden“ ist nicht nur im Vergleich zu dem, was die israelische Armee zuvor als akzeptabel erachtete, außergewöhnlich, sondern auch im Vergleich zu den Kriegen, die die USA im Irak, in Syrien und in Afghanistan geführt haben.

General Peter Gersten, stellvertretender Kommandeur für Einsätze und Geheimdienst im Kampf gegen den IS im Irak und in Syrien, erklärte 2021 gegenüber einem US-Verteidigungsmagazin, dass ein Angriff mit Kollateralschäden von 15 Zivilisten vom Verfahren abwich; um ihn durchzuführen, musste er eine Sondergenehmigung vom Chef des US-Zentralkommandos, General Lloyd Austin, einholen.

„Bei Osama Bin Laden hätte man einen NCV [Non-combatant Casualty Value] von 30 gehabt, aber bei einem niedrigrangigen Kommandeur lag der NCV typischerweise bei null“, sagte Gersten. „Wir lagen lange Zeit bei null.“

„Uns wurde gesagt: ‚Bombardiert, was immer ihr könnt‘“

Alle für diese Untersuchung befragten Quellen sagten, dass die Massaker der Hamas am 7. Oktober und die Entführung von Geiseln die Feuerrichtlinien der Armee und das Ausmaß der Kollateralschäden stark beeinflusst hätten. „Anfangs war die Stimmung schmerzhaft und von Rachegelüsten geprägt“, sagte B., der unmittelbar nach dem 7. Oktober zum Militär eingezogen wurde und in einem Einsatzraum für Zielerfassung diente. „Die Regeln waren sehr lax. Sie haben vier Gebäude zerstört, obwohl sie wussten, dass sich das Ziel in einem davon befand. Es war verrückt.“

„Es gab eine Unstimmigkeit: Einerseits waren die Leute hier frustriert, dass wir nicht genug angriffen“, fuhr B. fort. „Andererseits sieht man am Ende des Tages, dass wieder tausend Menschen aus Gaza gestorben sind, die meisten davon Zivilisten.“

„In den Reihen der Berufssoldaten herrschte Hysterie“, sagte D., der ebenfalls unmittelbar nach dem 7. Oktober eingezogen wurde. „Sie hatten überhaupt keine Ahnung, wie sie reagieren sollten. Das Einzige, was sie zu tun wussten, war, einfach wie Verrückte mit den Bombenangriffen loszulegen, um zu versuchen, die Kapazitäten der Hamas zu zerstören.“

D. betonte, dass ihnen nicht ausdrücklich gesagt wurde, das Ziel der Armee sei „Rache“, äußerte jedoch: „Sobald jedes mit der Hamas verbundene Ziel legitim wird und fast jeder Kollateralschaden genehmigt wird, ist dir klar, dass Tausende von Menschen getötet werden. Auch wenn offiziell jedes Ziel mit der Hamas in Verbindung steht, verliert dies jegliche Bedeutung, wenn die Politik so lax ist.“

Auch A. verwendete das Wort „Rache“, um die Atmosphäre innerhalb der Armee nach dem 7. Oktober zu beschreiben. „Niemand dachte darüber nach, was man danach tun sollte, wenn der Krieg vorbei ist, oder wie es möglich sein wird, in Gaza zu leben, und was sie damit machen werden“, sagte A. „Uns wurde gesagt: Jetzt müssen wir die Hamas fertigmachen, egal was es kostet. Bombardiert, was immer ihr könnt.“

B., der hochrangige Geheimdienstmitarbeiter, sagte, rückblickend glaube er, dass diese „unverhältnismäßige“ Politik, Palästinenser in Gaza zu töten, auch Israelis gefährde und dass dies einer der Gründe war, warum er beschloss, sich interviewen zu lassen.

„Kurzfristig sind wir sicherer, weil wir die Hamas schwächen. Aber ich glaube, langfristig sind wir weniger sicher. Ich sehe, wie all die trauernden Familien in Gaza – das betrifft fast jeden – in zehn Jahren die Motivation für die Hamas steigern werden. Und es wird für sie viel einfacher sein, sie zu rekrutieren.“

In einer Stellungnahme gegenüber +972 und Local Call bestritt die israelische Armee einen Großteil dessen, was uns die Quellen berichtet hatten, und behauptete, dass „jedes Ziel einzeln geprüft wird, wobei eine individuelle Bewertung des militärischen Vorteils und der zu erwartenden Kollateralschäden des Angriffs vorgenommen wird … Die IDF führt keine Angriffe durch, wenn die zu erwartenden Kollateralschäden im Verhältnis zum militärischen Vorteil unverhältnismäßig hoch sind.“

Schritt 5: Berechnung der Kollateralschäden

„Das Modell hatte keinen Bezug zur Realität“

Nach Angaben von Geheimdienstquellen erfolgte die Kalkulation der israelischen Armee hinsichtlich der Anzahl der Zivilisten, bei denen in jedem Haus neben einem Ziel mit dem Tod zu rechnen war – ein Verfahren, das in einer früheren Untersuchung von +972 und Local Call untersucht wurde –, mithilfe automatisierter und ungenauer Tools. In früheren Kriegen verbrachten Geheimdienstmitarbeiter viel Zeit damit, zu überprüfen, wie viele Menschen sich in einem Haus befanden, das bombardiert werden sollte, wobei die Zahl der Zivilisten, die voraussichtlich getötet würden, als Teil einer „Zielakte“ aufgeführt wurde. Nach dem 7. Oktober wurde diese gründliche Überprüfung jedoch weitgehend zugunsten der Automatisierung aufgegeben.

Im Oktober 2023 berichtete die New York Times über ein System, das von einer speziellen Basis im Süden Israels aus betrieben wird und Informationen von Mobiltelefonen im Gazastreifen sammelt, um dem Militär eine Echtzeit-Schätzung der Anzahl der Palästinenser zu liefern, die aus dem nördlichen Gazastreifen nach Süden flohen.

Brigadegeneral Udi Ben Muha sagte gegenüber der NYT: „Es ist kein zu 100 Prozent perfektes System – aber es gibt dir die Informationen, die du brauchst, um eine Entscheidung zu treffen.“ Das System arbeitet anhand von Farben: Rot markiert Gebiete, in denen sich viele Menschen aufhalten, Grün und Gelb markieren Gebiete, die weitgehend von Einwohnern geräumt wurden.

Die Quellen, die mit +972 und Local Call sprachen, beschrieben ein ähnliches System zur Berechnung von Kollateralschäden, das verwendet wurde, um zu entscheiden, ob ein Gebäude in Gaza bombardiert werden sollte. Sie sagten, die Software habe die Anzahl der Zivilisten berechnet, die vor dem Krieg in jedem Haus wohnten – indem sie die Größe des Gebäudes einschätzte und die Liste der Bewohner überprüfte – und diese Zahlen dann um den Anteil der Bewohner reduzierte, die vermutlich aus der Nachbarschaft evakuiert worden waren.

Um das zu veranschaulichen: Wenn die Armee schätzte, dass die Hälfte der Bewohner einer Nachbarschaft das Gebiet verlassen hatte, zählte das Programm ein Haus, in dem normalerweise 10 Personen wohnten, als ein Haus mit fünf Personen. Um Zeit zu sparen, so die Quellen, habe die Armee die Häuser nicht überprüft, um festzustellen, wie viele Menschen tatsächlich dort lebten, wie sie es bei früheren Operationen getan hatte, um herauszufinden, ob die Schätzung des Programms tatsächlich zutreffend war.

„Dieses Modell hatte keinen Bezug zur Realität“, erklärte eine Quelle. „Es gab keinen Zusammenhang zwischen denjenigen, die sich jetzt, während des Krieges, im Haus befanden, und denjenigen, die vor dem Krieg als dort wohnhaft aufgeführt waren. Einmal bombardierten wir ein Haus, ohne zu wissen, dass sich darin mehrere Familien befanden, die sich gemeinsam darin versteckt hatten.“

Die Quelle sagte weiter, dass, obwohl die Armee wusste, dass solche Fehler auftreten könnten, dieses ungenaue Modell dennoch übernommen wurde, weil es schneller war. Daher, so die Quelle, „erfolgte die Berechnung der Kollateralschäden vollständig automatisch und statistisch“ – wobei sogar Zahlen herauskamen, die keine ganzen Zahlen waren.

Schritt 6: Bombardierung eines Familienhauses

„Du hast ohne Grund eine Familie getötet“

Die Quellen, die mit +972 und Local Call sprachen, erläuterten, dass es manchmal eine erhebliche Zeitspanne gab zwischen dem Moment, in dem Ortungssysteme wie „Where’s Daddy?“ einen Offizier alarmierten, dass eine Zielperson ihr Haus betreten hatte, und der Bombardierung selbst – was dazu führte, dass ganze Familien getötet wurden, auch wenn das Ziel der Armee gar nicht getroffen wurde. „Es ist mir oft passiert, dass wir ein Haus angegriffen haben, die Person aber gar nicht zu Hause war“, sagte eine Quelle. „Das Ergebnis ist, dass du ohne Grund eine Familie getötet hast.“

Drei Geheimdienstquellen berichteten +972 und Local Call, dass sie Zeugen eines Vorfalls waren, bei dem die israelische Armee das Privathaus einer Familie bombardierte und sich später herausstellte, dass sich das eigentliche Ziel des Anschlags gar nicht im Haus befand. Es war keine weitere Überprüfung in Echtzeit durchgeführt worden.

„Manchmal war [das Ziel] früher zu Hause und ging dann nachts woanders schlafen, sagen wir im Untergrund, und du wusstest nichts davon“, sagte eine der Quellen. „Es gibt Zeiten, in denen man den Standort doppelt überprüft, und es gibt Zeiten, in denen man einfach sagt: ‚Okay, er war in den letzten paar Stunden im Haus, also kannst du einfach bombardieren.‘“

Eine andere Quelle beschrieb einen ähnlichen Vorfall, der ihn betraf und ihn dazu veranlasste, für diese Recherche interviewt werden zu wollen. „Wir gingen davon aus, dass sich das Ziel um 20 Uhr zu Hause befand. Letztendlich bombardierte die Luftwaffe das Haus um 3 Uhr morgens. Dann fanden wir heraus, dass er es geschafft hatte, mit seiner Familie in ein anderes Haus zu ziehen. In dem Gebäude, das wir bombardierten, befanden sich zwei andere Familien mit Kindern.“

In früheren Kriegen im Gazastreifen führte der israelische Geheimdienst nach der Tötung von Personen als Zielobjekten Verfahren zur Bombenschadensbewertung (BDA) durch – eine routinemäßige Überprüfung nach dem Angriff, um festzustellen, ob der hochrangige Kommandeur getötet wurde und wie viele Zivilisten mit ihm ums Leben kamen.

Wie in einer früheren Untersuchung von +972 und Local Call aufgedeckt wurde, umfasste dies das Abhören von Telefonaten von Angehörigen, die ihre Liebsten verloren hatten. Im aktuellen Krieg jedoch wurde dieses Verfahren, zumindest in Bezug auf mit KI markierte rangniedrige Militante, laut Quellen abgeschafft, um Zeit zu sparen. Die Quellen sagten, sie wüssten nicht, wie viele Zivilisten bei jedem Angriff tatsächlich getötet wurden, und bei den von der KI markierten rangniedrigen mutmaßlichen Hamas- und PIJ-Aktivisten wüssten sie nicht einmal, ob das Ziel selbst getötet wurde.

„Du weißt nicht genau, wie viele du getötet hast und wen du getötet hast“, sagte eine Geheimdienstquelle gegenüber Local Call bei einer früheren Untersuchung, die im Januar 2024 veröffentlicht wurde. „Nur bei hochrangigen Hamas-Aktivisten hältst du dich an das BDA-Verfahren. In den übrigen Fällen ist es dir egal. Du bekommst einen Bericht der Luftwaffe darüber, ob das Gebäude gesprengt wurde, und das war’s. Du hast keine Ahnung, wie groß der Kollateralschaden war. Du gehst sofort zum nächsten Ziel über. Der Fokus lag darauf, so schnell wie möglich so viele Ziele wie möglich zu schaffen.“

Aber während das israelische Militär nach jedem Angriff weitermacht, ohne sich mit der Zahl der Opfer aufzuhalten, sagte Amjad Al-Sheikh, der Bewohner von Shuja’iya, der bei dem Bombardement am 2. Dezember elf seiner Familienangehörigen verlor, dass er und seine Nachbarn immer noch nach Leichen suchen.

„Bis heute liegen Leichen unter den Trümmern“, sagte er. „Vierzehn Wohnhäuser wurden bombardiert, mit den Bewohnern darin. Einige meiner Verwandten und Nachbarn sind noch immer verschüttet.“

Der Beitrag erschien im Original bei +972 Magazine. Aus dem Englischen übersetzt von Marta Andujo.

Über den Autor: Yuval Abraham ist Journalist und Filmemacher und lebt in Jerusalem.

Ttielbild: Yonatan Sindel/Flash90 – Smoke rises after Israeli airstrikes in Beit Lahia, in the northern Gaza Strip, December 28, 2023.


[«*] Das +972 Magazine ist ein unabhängiges Onlinemagazin, das von einer Gruppe palästinensischer und israelischer Journalisten betrieben wird. Local Call ist eine hebräischsprachige Nachrichtenseite, die sich für Bürgerjournalismus (Citizen Journalism) und unabhängige Medien einsetzt. Beide Projekte arbeiten eng zusammen und bieten Plattformen für Basisaktivismus, politische Analysen und investigativen Journalismus aus der Region.

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Kuwait meldet erneut feindliche Angriffe

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Vorschau ansehen Im amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran wird Kuwait erneut zum Ziel von Angriffen. Trotz Waffenruhe ist die Luftabwehr im Einsatz. Auch in Bahrain schrillen die Sirenen.
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Warum eine Reise in die Vergangenheit die Kriege von heute erklärt

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Ein internationales Grabungsteam hat gestern den Fund eines fast 4.500 Jahre alten, versiegelten Grabes nahe der Stufenpyramide von Sakkara bekannt gegeben. Da Grabräuber die Kammer über die Jahrtausende nie fanden, ist sie in einem makellosen Zustand. Das Ganze ist wie ein Brief aus der Vergangenheit an die Gegenwart. Und wir erkennen, dass der heutige Kampf [...]

Der Beitrag Warum eine Reise in die Vergangenheit die Kriege von heute erklärt erschien zuerst unter tkp.at.

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Keine 180-Grad-Wende: Magyar knüpft an Orbáns Migrationskurs an

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Putin empfängt Schröder in Moskau - Gespräch unter vier Augen

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Vorschau ansehen Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat den russischen Präsidenten Putin in Moskau getroffen. Über den Inhalt des Gesprächs wurde nichts bekannt. Putin hatte Schröder zuvor als bevorzugten europäischen Vermittler für einen Dialog mit Europa bezeichnet.
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US-Verteidigungsminister zum 82. Jahrestag des D-Day in der Normandie erwartet

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Vorschau ansehen Zum 82. Jahrestag der D-Day-Landung finden in der Normandie Gedenkfeiern statt. US- und britische Verteidigungsminister nehmen an internationalen Zeremonien teil. Die Landung gilt als Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg.
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Waffenruhe bröckelt: USA und Iran liefern sich neue Angriffe im Golf

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Vorschau ansehen Trotz Waffenruhe geht der gegenseitige Beschuss zwischen den USA und dem Iran weiter. Das gilt auch für den Konflikt zwischen der proiranischen Hisbollah und Israel. Ein Ende scheint nicht in Sicht.
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Tacheles #208 ist online

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US-Repräsentantenhaus beschließt Ukraine-Hilfe und Russland-Sanktionen

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Vorschau ansehen Das US-Repräsentantenhaus hat den „Ukraine Support Act“ verabschiedet. Er umfasst 8 Milliarden US-Dollar Kredite für Ukraine und NATO sowie neue Sanktionen gegen Russland, u. a. Banken, Energie und Rohstoffe. Senat und ein mögliches Veto von Präsident Trump stehen noch aus.
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Vortrag: "Schlafwandelt die EU in den Atomkrieg?" – Teil 1: T. Postol und M. von der Schulenburg

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Vorschau ansehen Vortrag: "Schlafwandelt die EU in den Atomkrieg?" – Teil 1: T. Postol und M. von der Schulenburg

Aus dem Klappentext:

Während die Welt am Abgrund steht, treibt die EU eine immer riskantere Konfrontationspolitik gegen Russland voran.

Mit Prof. Theodore Postol, einer der renommiertesten Atomwaffenexperte aus den USA, Dr. Ivana Nikolic Hughes, Präsidentin der Nuclear Age Peace Foundation, USA und Sevim Dagdelen, Publizistin und BSW-Aussenexpertin, moderiert von Michael von der Schulenburg, MdEP. Veranstalter: Ruth Firmenich und Michael von der Schulenburg (fraktionslose Europaabgeordnete)

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Dieser Beitrag wurde auf dem Kanal von „Michael von der Schulenburg“ am 02.06.2026 auf YouTube veröffentlicht.

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Bildquelle: Michael von der Schulenburg

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Merz, Starmer, Macron wollen mit Selenskyj in London beraten

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Desert Shield: China härtet seine Nuklearstreitkräfte für einen Taiwan-Krieg

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Der Ausbau der Raketensilos in Hami zeigt, dass nukleare Überlebensfähigkeit im Zentrum von Chinas Strategie steht, um eine US-Intervention in Taiwan abzuschrecken

Gabriel Honrada

Chinas Ausbau seines abgelegenen nuklearen Silo-Feldes in Hami spiegelt umfassendere Bemühungen wider, eine historisch verwundbare Nuklearstreitmacht in eine widerstandsfähige Abschreckung umzuwandeln, die in der Lage ist, Angriffe zu überstehen, eine US-Intervention einzuschränken und seine Position in einem Taiwan-Szenario zu stärken.

Im vergangenen Monat berichtete Reuters, dass China ein massives defensives Militärnetzwerk mit über 80 Beton-Startplätzen und drei unterschiedlichen, achteckigen Anlagen nahe seinen abgelegenen nuklearen Silo-Feldern in der nordwestlichen Wüste Xinjiangs errichtet.

Diese zuvor nicht gemeldete Erweiterung – die sich angesichts wachsender geopolitischer Spannungen um die Souveränität Taiwans intensiviert – ist strategisch darauf ausgelegt, Chinas landgestützte Nuklearstreitkräfte zu härten, seine strategische Abschreckung zu diversifizieren und seine Zweitschlagsfähigkeit gegenüber potenziellen präventiven US-Angriffen fest zu sichern.

Das umfangreiche Projekt umfasst zwei große achteckige Kommando-, Kontroll- und Kommunikationszentren, die in den letzten sechs Jahren errichtet wurden und über unbefestigte Straßen und Glasfaserverbindungen mit vielseitigen Wüsten-Startplätzen verbunden sind, die für mobile Interkontinentalraketen (ICBM), elektronische Kriegsführung und Luftabwehrbatterien optimiert sind.

Während ein weniger entwickeltes drittes Achteck als Zielbereich für simulierte westliche Flugzeuge dient, zeigen jüngste Übungen an den aktiven Anlagen eine beispiellose, schnelle Modernisierungsanstrengung.

Dieses weitreichende Verteidigungsnetzwerk unterscheidet China von traditionellen Nuklearmächten wie den USA und Russland, die historisch eher auf schiere Zahlen und die Isolation von Silos als auf lokalisierte Infrastruktur setzen.

Während China etwa 100 ICBMs in seinen wichtigsten Silo-Feldern stationiert hat, schätzt das US-Verteidigungsministerium, dass China bis 2030 etwa 1.000 nukleare Sprengköpfe verfügen wird.

Hami steht beispielhaft für Chinas breitere Bemühungen, seine nukleare Abschreckung widerstandsfähiger zu machen, sodass sie Angriffe überstehen und unter zunehmend umkämpften Bedingungen Vergeltung garantieren kann.

Sajjad Ahamed schreibt in einem im Mai 2026 im Fachjournal Journal of Current Chinese Affairs veröffentlichten Artikel, dass China ein überlebensfähigeres Nukleararsenal nicht für routinemäßige nukleare Nötigung aufbaut, sondern als strategische „Rückversicherung“ für konventionelle und Grauzonen-Konkurrenz, insbesondere in Bezug auf Taiwan.

Ein widerstandsfähigeres Abschreckungssystem könnte China zudem mehr Optionen für nukleare Signale während einer Taiwan-Krise eröffnen. Matthew Kroenig merkt in einem Bericht des Atlantic Council vom September 2023 an, dass China sein Nukleararsenal nutzen könnte, um den USA und ihren Verbündeten zu signalisieren, sich nicht in einen Konflikt um Taiwan einzumischen.

Kroenig schlägt vor, China könnte einen ICBM-Test durchführen oder eine Kernwaffe an einem seiner Testgelände, etwa in Lop Nur, testen – oder provokativer in den Gewässern um Taiwan oder nahe einer US-Basis im Pazifik.

Er fügt hinzu, dass China Nuklearwaffen gegen US- und alliierte Streitkräfte einsetzen könnte, wenn es der Ansicht ist, dass dies einen erheblichen Vorteil bringt, notwendig ist, um eine drohende konventionelle Niederlage abzuwenden, oder wenn die chinesische Führung bedroht ist.

Ahamed sagt, dass China, während es seine Zweitschlagsfähigkeit durch neue Silos, U-Boote und mobile Raketen stärkt, davon ausgehen könnte, dass US-Entscheidungsträger in einer Taiwan-Krise größeren Risiken und Unsicherheiten ausgesetzt wären.

Er betont, dass diese nukleare Rückversicherung die Eskalationsoptionen der USA einschränkt, gegenseitige Zurückhaltung auf nuklearer Ebene verstärkt und anhaltenden chinesischen Druck durch Militärübungen, Luftraumverletzungen und andere Zwangsmaßnahmen gegenüber Taiwan und regionalen US-Verbündeten unterstützt.

Emily Gill weist jedoch in einem Artikel vom Oktober 2025 für das China Aerospace Studies Institute darauf hin, dass chinesische Führungskräfte zunehmend befürchten, Fortschritte bei US-Raketenabwehr, Präzisionsschlagwaffen sowie Aufklärungs- und Überwachungssystemen könnten Chinas vergleichsweise kleine Nuklearstreitmacht lokalisieren und zerstören, bevor sie Vergeltung üben kann.

Daten des Stockholm International Peace Research Institute zeigen, dass China im Januar 2025 schätzungsweise über 600 nukleare Sprengköpfe verfügte – deutlich weniger als die etwa 5.177 der USA und 5.459 Russlands.

Gill argumentiert, dass die Sorge vor einem möglichen US-Erstschlag dazu geführt hat, dass China seine Silo-Felder ausbaut, mehr mobile Raketen einsetzt, Infrastruktur härtet und Tarn- sowie Überlebensmaßnahmen verbessert.

Das Netzwerk in Hami scheint genau darauf ausgelegt zu sein, diese Schwachstellen zu beheben, indem Startsysteme verteilt, unterstützende Infrastruktur gehärtet und das Auffinden, Verfolgen und Zerstören chinesischer Nuklearstreitkräfte erschwert wird.

Der Ausbau von Hami spiegelt zudem einen umfassenderen nuklearen Aufbau wider, den das Institute for Defense Analyses in einem Bericht vom Oktober 2023 als beispiellos seit dem Ende des Kalten Krieges beschreibt.

Demnach erhöht China schnell sowohl strategische als auch taktische Nuklearstreitkräfte, entwickelt eine vollständige nukleare Triade, Frühwarn-Startfähigkeiten und Optionen für Nuklearwaffen mit geringer Sprengkraft.

Es wird prognostiziert, dass China bis 2035 mehr als 1.500 einsatzbereite Sprengköpfe haben könnte und damit Mitte der 2030er Jahre eine ungefähre zahlenmäßige Parität mit den USA erreichen könnte.

Diese Maßnahmen, so Gill, sollen eine glaubwürdige Zweitschlagsfähigkeit sichern und die Abschreckung trotz wachsender Bedrohungen aufrechterhalten.

Aus US-Sicht argumentiert John Harvey in einem Bericht vom Mai 2025, dass Gegenkraft-Fähigkeiten weiterhin wichtig bleiben, da China von einer kleinen, verwundbaren Abschreckung zu einer großen, silo-basierten ICBM-Streitmacht übergeht.

Er meint, die Fähigkeit, zumindest einen Teil von Chinas Nukleararsenal zu bedrohen, stärke die Abschreckung, unterstütze Eskalationskontrolle und beruhige Verbündete hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des US-Schutzversprechens.

Dahlia Anne Goldfeld und andere Autoren weisen jedoch in einem RAND-Bericht vom November 2024 darauf hin, dass Chinas nukleare Modernisierung die US-Gegenkraftoptionen zunehmend einschränkt.

Sie argumentieren, dass frühere Annahmen über die Möglichkeit eines präzisen Entwaffnungsschlags gegen Chinas kleinere Streitmacht durch den schnellen Ausbau stark an Plausibilität verloren haben.

Sie verweisen darauf, dass mobile DF-41-Raketen, nahezu kontinuierliche Patrouillen nuklearer U-Boote und andere Maßnahmen die Zweitschlagsfähigkeit stärken und die USA davon ausgehen müssen, dass China einen Erstschlag überstehen und dennoch zurückschlagen kann.

Daher können sich die USA nicht mehr auf die Möglichkeit eines entwaffnenden Erstschlags verlassen und müssen unter Bedingungen gegenseitiger nuklearer Verwundbarkeit und erhöhter Eskalationsrisiken operieren.

Anlagen wie Hami zeigen, dass China genau dieses Ergebnis aktiv herbeiführt, indem es seine Nuklearstreitkräfte schwerer auffindbar, angreifbar und neutralisierbar macht.

Da diese Entwicklung Strategien zur Schadensbegrenzung zunehmend untergräbt, argumentiert Tyler Bown in einem Artikel vom Mai 2026, dass die USA nicht mit einem massiven Ausbau ihres Arsenals reagieren sollten.

Stattdessen empfiehlt er, gegenseitige Verwundbarkeit zu akzeptieren, trilaterale Rüstungskontrolle anzustreben und die industrielle Basis zu stärken.

Hami ist daher mehr als nur eine Erweiterung eines Raketenfeldes – es signalisiert Chinas Entschlossenheit, sicherzustellen, dass jede Taiwan-Krise unter dem Schutz einer nuklearen Abschreckung stattfindet, die Angriffe übersteht, entschlossen vergelten kann und eine US-Intervention einschränkt.

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Seedrohne explodiert in rumänischem Hafen - Russland macht Ukraine verantwortlich

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Vorschau ansehen Im zivilen Teil des rumänischen Schwarzmeerhafens Konstanza ist am Freitag eine Seedrohne explodiert. Laut Behörden wurde niemand verletzt, Russland machte die Ukraine für den Vorfall verantwortlich.
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Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (19)

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„Ich wurde auch dem russischen Kommandanten vorgeführt und sagte: „Wir sind hier vier deutsche Kommunisten (Funktionäre) und können eventuell jetzt in Deutschland an irgendwelchen Stellen gebraucht werden.“ Er stellte die Frage: „Wie oft warst Du zum Tode verurteilt?“ Auf meine Antwort, daß das nicht der Fall war, sagte er, daß wir ruhig noch eine Weile warten sollen.“

In dieser 19. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ teilt unser Leser Heinz Grote die Erinnerungen seines Großvaters Friedrich Rausch aus dessen Nachlass: Erlebnisse aus den letzten Kriegstagen 1945 und der anschließenden sowjetischen Kriegsgefangenschaft.

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.

Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil, den sechzehnten Teil, den siebzehnten Teil, sowie den achtzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


Am 5. Mai 45 wurden wir in einem kleinen schmutzigen Tanzsaal auf Admiral Dönitz vereidigt

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,

ich selbst bin erst 1954 geboren, habe also bisher das Glück, keine Erfahrungen mit Krieg und den unmittelbaren Folgen zu haben. Trotzdem möchte ich zu dem Aufruf etwas beisteuern:

In dem Nachlass meines Großvaters mütterlicherseits (Jahrgang 1897) habe ich eine Beschreibung seiner Erlebnisse der letzten Kriegstage und seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft gefunden, geschrieben unmittelbar nach seiner Heimkehr im September 1945. („Gefangenschaft“)

Auch mein Vater (Jahrgang 1927 und noch am Leben) hat (allerdings erst viele Jahre später) einen Bericht über seine Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft geschrieben, der im folgenden Anhang beigefügt ist. („Kriegsgefangenschaft“)

Beide Berichte sind zur Veröffentlichung möglicherweise zu lang und ausführlich. Gerade die Beschreibung einzelner Details hat mich bei der Lektüre aber so fasziniert, dass ich sie einem größeren Publikum nicht vorenthalten möchte. Weitere Fragen oder Ergänzungen zu den Personen und deren Lebensumständen kann ich gern beantworten.

Ihnen bei diesem und den anderen Projekten der NachDenkSeiten viel Erfolg wünschend,
verbleibe ich mit solidarischen Grüßen

Heinz Grote

Anm. d. Red.: Wir veröffentlichen beide Berichte. Zunächst hier den Bericht „Gefangenschaft“ über die Zeit in sowjetischer Gefangenschaft. Morgen folgt der Bericht des Vaters über die Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

„Friedrich Rausch
Berlin-Neukölln, den 18.9.45

Gefangenschaft

Am 24.4.45 erhielt ich nach telefonischer Vorladung vom Wehrmeldeamt Glatz meine Einberufung zur Wehrmacht. Ich war von der Fa. C. Lorenz AG von Berlin nach Rengersdorf bei Glatz verlagert worden und war ungefähr 14 Monate dort in Schlesien tätig. Über die Unterbringung und Verpflegung am Verlagerungsort kann man der Firma nur die Note „äußerst mangelhaft“ ausstellen. Ich habe selten so gehungert wie dort unten in den landwirtschaftlichen Gefilden Schlesiens. Die miserable Verpflegung in der Kantine läßt nur auf riesige Unterschlagungen der leitenden Personen schließen.

Ein Offizier hat sich zu dem Theater nicht mehr gefunden.

Also, ich mußte mich am 28.4.45 bei dem Jäger-Btl. in Trautenau melden. Ein Desertieren war nicht möglich. Die Firma lehnte eine Sicherstellung meiner Zivilsachen ab. Es war keine Möglichkeit mehr vorhanden, dieselben nach Berlin zu schaffen. Ich wollte sie von Trautenau zu einer Genossin in den „Riesengrund“ bringen, die dorthin evakuiert war. Am Sonnabend kam ich in Trautenau an und wollte am Sonntag den Ausflug in den Riesengrund unternehmen. Vielleicht wäre ich nicht mehr nach Trautenau zurückgekommen; aber man führte uns am Sonntag schon zum Bahnhof und brachte uns tief in die Tschechei nach Deutschbrod. In Heralitz landete ich bei den Landesschützen und wurde mit ungefähr 20 Leidensgefährten der Genesungskomp. in Wiesch zugeteilt. Wir staunten über den schneidigen Exerzierton, der hier noch herrschte nach 6 Kriegsjahren. Mit Wachdienst und Griffeklopfen wollte man aus uns, die alle den Jahrgängen 1897–1900 angehörten, noch Soldaten machen. Ausrüstungsstücke waren kaum noch vorhanden. Ich habe in Knickerbocker, Waffenrock, Krätzchen und Lodenmantel Dienst gemacht. Am 5. Mai 45 wurden wir in einem kleinen schmutzigen Tanzsaal, der unser Schlafraum war, vereidigt. Ein Offizier hat sich zu dem Theater nicht mehr gefunden. Oberfeldwebel Heitwig, ein echter Himmelstoß, hat uns dann mit Hilfe eines Seitengewehrs auf Admiral Dönitz vereidigt.

Am Nachmittag machten die Tschechen unseres Dorfes, die sonst nicht unfreundlich gegen uns waren, eine kleine Revolution. Sie musizierten, tanzten und sangen auf dem Dorfplatz, entfernten die deutschsprachigen Schilder von den Wegweisern und Geschäften. Abends war die Stimmung jedoch schon wieder umgeschlagen. Es war wieder alles ruhig und die Schilder wurden wieder angebracht. Bei der Stammkomp., die sich im 7 km entfernten Heralitz befand, ist es etwas bunter zugegangen. Dort wurden die Landesschützen entwaffnet, bekamen aber am anderen Morgen ihre Waffen wieder.

So zog ich dann wie Kamerad Schwejk über die Landstraßen Böhmens

Am 8. Mai packten wir dann unsere Sachen und luden sie auf lange Leiterwagen, die von den Tschechen gestellt wurden. Für die Benutzung bezahlte jeder Landser 2 RM. Die Schreibstube, Panzerfäuste und sonstigen Waffen fuhren für unser Geld mit. So sind wir ungefähr 25-30 km getippelt. Weiter wollten uns unsere Fuhrherren nicht mehr fahren und wir haben dann in einem kleinen Dorfe abgeladen. Nun stand ich da mit meinem vielen Gepäck.

Ich tauschte ein Paar Schnürschuhe gegen einen Leiterwagen, denn tragen konnte ich ja meine vielen Sachen nicht. So zog ich dann wie Kamerad Schwejk über die Landstraßen Böhmens. Meine Flinte, Seitengewehr und die mit 60 scharfen Patronen gefüllten Patronentaschen hängte ich an einen Gartenzaun. An einer Weggabelung – nördlich ging’s nach Prag, südwestlich nach Tabor – überlegte ich erst eine Weile, welche Route ich einschlagen sollte. Prag lag besser in der Richtung auf Berlin; aber auf der Straße war kein Mensch zu sehen und wenn ich allein dort langgezogen wäre, hätten mich die Tschechen totgeschlagen, also tippelte ich dort, wo der Heerwurm sich entlangwälzte. Die Parole lautete: „So schnell wie möglich zum Ami, damit wir nicht den Russen in die Hände fallen.“

Russische Soldaten forderten uns auf, unsere Waffen an den Straßenrand zu legen

Bis zum 10. Mai sollten wir noch Zeit haben, die Moldau zu erreichen, die als Grenze zwischen den Russen und den Alliierten bezeichnet wurde. Gegen 5 Uhr nachmittags am 9. Mai näherten wir uns einem kleinen Städtchen und sahen von den dahinterliegenden Bergen Panzer hinter Panzer herabrollen. Diese wurden von den langjährigen Landsern als russische ausgemacht.

Plötzlich standen mitten unter uns tausenden Bewaffneten drei junge russische Soldaten und forderten uns auf, unsere Waffen an den Straßenrand zu legen und nicht zu beschädigen. Ich staunte über ihren Mut. Im Nu waren auch russische Offiziere da. Sie ließen auf den Feldern neben der Straße antreten, nahmen uns Uhren, Goldsachen und feststehende Messer ab. Wir wurden dann in der Stadt auf eine sehr nasse Wiese geführt, wo wir schlafen sollten. Bei einbrechender Dunkelheit wurden wir jedoch auf den Marktplatz gebracht, wo wir entschieden trockener schliefen. Bei der Überführung von der Wiese zum Markt wurde mir dann mein Koffer mit meinen gesamten Zivilsachen von einem russischen Soldaten unter Vorhaltung seiner Maschinenpistole abgenommen.

Am anderen Morgen traten wir dann den Marsch nach Pilgram an. Nach 2-3 Tagen erreichten wir diese tschechische Stadt und bezogen den dortigen Sportplatz als unser erstes Gefangenenlager. Hier wurden wir in Kompanien und Bataillone eingeteilt. Verwaltung und Verpflegung wurde den deutschen Offizieren übertragen. Ich hatte den Eindruck, daß die deutsche Leitung dem Küchenproblem ziemlich ratlos gegenüberstand. Die Russen brachten 20 Benzinfässer und zeigten, wie man daraus in kurzer Zeit 20 riesige Kochkessel herstellen kann. Am anderen Tag rauchten 20 Schornsteine in unserer Küche und wir erhielten ein, wenn auch nicht reichliches, aber doch schmackhaftes Essen. Die Wasserversorgung unseres Lagers wurde mehr und mehr eine Katastrophe für das Städtchen und wurde der Anlaß, unser Lager schnellstens zu verlegen.

Er stellte die Frage: „Wie oft warst Du zum Tode verurteilt?“

Im Lager auf dem Sportplatz lernte ich einige kommunistische Funktionäre aus Schlesien und Berlin kennen. Im Laufe der Unterhaltungen kamen wir zu dem Entschluß, den russischen Kommandanten aufzusuchen. Ein oberschlesischer Genosse sagte, er wäre schon dort gewesen, ich glaube aber, es entsprach nicht den Tatsachen. Ich erhielt dann den Auftrag, einen Vorstoß in dieser Richtung hin zu unternehmen. Ich mußte den vorgeschriebenen Weg über Feldwebel, Komp.-Führer, Battl.-Kommandeur, deutschem Lagerkommandanten, russ. Lagerkommandanten gehen. Ich wurde auch dem russischen Kommandanten vorgeführt und sagte: „Wir sind hier vier deutsche Kommunisten (Funktionäre) und können evtl. jetzt in Deutschland an irgendwelchen Stellen gebraucht werden.“ Er stellte die Frage: „Wie oft warst Du zum Tode verurteilt?“ Auf meine Antwort, daß das nicht der Fall war, sagte er, daß wir ruhig noch eine Weile warten sollen.

Wenn ihnen nach dem Krieg einer mit Politik käme, dann würden sie ihn vom Hof jagen.

Mein Vorgehen hat verschiedene Wirkungen bei den deutschen Vorgesetzten ausgelöst, natürlich hat auch die Ablehnung des Russen dazu beigetragen. Mein Feldwebel war schadenfroh und wurde gehässig. Der Adjudant des deutschen Lagerkommandanten, ein junger Oberleutnant, forderte mich auf, ihm doch einige Aufklärung über Kommunismus zu erteilen. Mit dem Oberleutnant habe ich dann auch noch einige Diskussionen gehabt und ich glaube, wenn wir uns nicht aus den Augen gekommen wären, hätten wir dieselben auch noch weitergeführt, aber ich habe ihn im nächsten Lager nicht mehr finden können.

Im Großen und Ganzen sind meine Versuche, auch mit den drei Funktionären, irgendwelche politischen Diskussionen zu entfachen, verhältnismäßig wenig auf fruchtbaren Boden gefallen. Ich habe immer wieder den Versuch unternommen. Die meisten Landser sagten: Wenn ihnen nach dem Krieg einer mit Politik käme, dann würden sie ihn vom Hof jagen.

Es entwickelte sich an seinen Ufern bald ein reger Badebetrieb.

Wir marschierten dann ab und erreichten nach längerem Marsch das Lager Prosetznitz unweit der Stadt Benneschau. Es war ein ehemaliger SS-Truppenübungsplatz. In der Umgebung waren ca. 30 Dörfer sehr rigoros von der SS evakuiert worden; dadurch war die Stimmung der dortigen Bevölkerung uns gegenüber eine sehr schlechte. Wir kamen aber selten mit der Bevölkerung in Berührung, außer einige kleine Außenarbeitskommandos.

Ungefähr 25.000 Kriegsgefangene waren in dem Lager untergebracht. Die meisten lagen in Baracken, aber auch ein Teil in den Häusern der umliegenden Dörfer. Ich möchte nachtragen, daß auf dem Marsch sehr oft Fälle eintraten, wo den Gefangenen von einzelnen Russen plötzlich Uhren oder Stiefel abgenommen wurden. Manchmal einfach abgenommen, manchmal auf dem Wege des Tausches gegen Brot, Fett oder sonstige Nahrungsmittel. Unsere Leute mußten in den meisten Fällen darauf eingehen, denn ein gewisser Druck stand immer dahinter. Es waren auch einige Fälle zu verzeichnen, wo russische Offiziere, manchmal sogar sehr energisch, den Raub oder Tausch verhinderten.

Im Lager wurden wir in Hundertschaften, Battl. und Regimenter eingeteilt. Eine Hundertschaft hatte als Vorgesetzte einen Ob.-Ltn., als Komp.-Führer einen Leutnant und einen Spieß. Das Batl. wurde geführt von einem Hauptmann. 10 Batl. waren ein Regiment und umfaßten ungefähr 10.000 Mann. Der deutsche Lagerkommandant war ein Oberstleutnant Becker. Die einzelnen Hundertschaften wurden innerhalb der Bataillone sehr oft durcheinander gewürfelt, mußten von einer Baracke oder Stube in die andere ziehen und hatten dadurch allerlei Arbeit mit der Neueinrichtung der Quartiere.

In dem Lager hielten wir uns drei Monate auf. Das Beste an dem Lager war die Sasau, ein ungefähr 150 m breiter, flacher aber sehr reißender Bergfluß. Sehr viel Felsbrocken lagen im Flußbett. Es entwickelte sich an seinen Ufern bald ein reger Badebetrieb. Man konnte ja nicht drin schwimmen, aber für unsere Reinigung und für das Kochwasser war dieser Fluß geradezu ideal. Trotzdem gab es viele, die sich tagelang nicht gewaschen haben. Das Lager lag 300 m über dem Meeresspiegel.

2 Monate Graupen, 1 Monat Erbsen

Die Verpflegung bestand aus morgens ¼ l Kaffee, mittags 9/10 l Essen, 2 Monate Graupen, 1 Monat Erbsen, abends ½ l Suppe (Graupen oder Erbsen). Das Mittagessen war oft mit Fleisch gekocht, meistens Pferdefleisch. Wir haben auch hin und wieder einen Löffel Marmelade, 24 g Zucker, 2 oder 3 x eingerührtes Käsepulver oder Fett erhalten. Diese Zulagen erhielten wir aber nur in der ersten Zeit. Nachher schienen diese aufgebraucht. Es waren vielleicht noch deutsche Heeresbestände.

Offiziere erhielten bedeutend bessere und reichlichere Verpflegung, empfingen ihr Essen in besonderen Küchen und erhielten auch Rauchwaren. Ich nehme an, daß die Besserstellung der Offiziere in Bezug auf Verpflegung, Quartier und bei Visitationen eine Gegenleistung für die Leistung der Verwaltungsarbeit des Lagers war.

An Brot erhielten wir ungefähr 400 g. Ich glaube, die Brotration der Offiziere war die gleiche. Das Brot war nicht gut. Es war sehr dunkel, viel Mais und Spreu drin. Die Landser hatten allgemein den Eindruck, daß wir von der Küche, vom Intendanten sowie von den Köchen schwer betrogen würden. Es wurden auch Maßregelungen und Bestrafungen durchgeführt. Auch bei der Übernahme der Verpflegung aus russischer Hand in die deutsche sollen große Fehlbeträge gewesen sein. Ein russischer Kommandant soll deshalb abgelöst worden sein, aber das weiß ich nur vom Hörensagen.

Unsere Arbeit bestand im Holz schleppen, Straßenbau (Lagerstraßen), Wasserschleppen, Wachdienst und Reinigung des Waldes und Lagers. Wir verrichteten nur Arbeiten, die für unser Leben im Lager notwendig waren. Das war auch immer die Feststellung der Russen. Die Aufsicht bei der Arbeit hatten meistens deutsche Offiziere. Nur einige Male waren russische Posten beim Holzholen mit im Walde. Da sind einige wenige Fälle vorgekommen, wo ein Gefangener wegen schlechter Arbeitsleistung geprügelt wurde, aber das war vier- oder fünfmal der Fall.

Der Gesundheitszustand im Lager wurde als sehr gut befunden, nur Durchfall war an der Tagesordnung. Ich führe diesen Übelstand auf unvernünftigen Genuß von Wasser zurück.

Für die arbeitsfreien Gefangenen wurde bald Exerzieren, Sport, Ordnungsübungen und Singen angesetzt. Auch die Grußpflicht wurde eingeführt. Jeder Russe war zu grüßen und jeder deutsche Offizier. Ich hatte den Eindruck, dass der Russe die Grußpflicht anders auffaßte, wie unsere Führung. Bei den Russen untereinander war der Gruß kameradschaftlicher Art. Bei uns war es wie früher beim Kommiß. Der deutsche Kommandant, Oberstleutnant Becker, hat sich in der Beziehung manch tolles Stückchen geleistet. Er fuhr immer in einem originellen Wagen durchs Lager, und wenn ein Landser ihn nicht grüßte, gab es immer irgendwelche Auftritte. Es sollen sogar Bestrafungen deshalb vorgekommen sein.

Da hatten Freunde der Sowjetunion einen schweren Stand.

Ein sonderbares Kapitel war die Stimmung unter den Gefangenen. Sie hing von den Parolen ab, die durch das Lager schwirrten. Wir wußten nicht, was in der Welt passierte. Da wurden Parolen geschmiedet: Japan hat kapituliert! Japan hat eine große Seeschlacht gewonnen! Die Alliierten sind uneinig! Wir sind keine Kriegsgefangenen, wir sind Internierte! Wir werden entlassen! Wir kommen nach Sibirien! usw. Eine Parole widersprach immer der vorhergehenden. Aufgrund der Parolen war die Stimmung heute ganz rosig, morgen ganz düster. Die Parolen wurden in die Welt gesetzt von den deutschen Offizieren oder von Gefangenen, die außerhalb des Lagers arbeiteten oder von Landsern, die einen Spaß daran hatten.

Hin und wieder wurden wir durchsucht, wobei uns alles Mögliche abgenommen wurde. Offiziell sollte sich die Abnahme auf Uhren, Kompasse, Landkarten, Photoapparate, feststehende Messer beschränken, aber es wurde alles Mögliche abgenommen. Nach solchen Aktionen oder bei neuen Parolen entstanden natürlich wieder Diskussionen, da hatten dann natürlich Freunde der Sowjetunion einen schweren Stand.

Es wurde auch etwas getan, um die Gefangenen geistig zu beschäftigen. Es wurden viele Vorträge gehalten, Sprachkurse, Stenographie-, Rechen-, Photo-, Radio-, und div. andere Kurse abgehalten. Arbeitsgemeinschaften wurden gebildet. Sehr viele dieser Arbeitsgemeinschaften beschäftigten sich mit Landwirtschaft, Bienenzucht, Maschinenbau. Politische Gruppen gab es nicht, wurden auch stets abgelehnt. Vorträge wie: Eine Reise nach Amerika! Eisenverhüttung! Stahlveredelung! Wie wird Bier gebraut! Was muß der Kleinsiedler wissen! fanden guten Anklang. Der sonntägliche Gottesdienst war mit ungefähr 80% besucht. Es wurde eine Freilichtbühne gebaut. Gute Theaterkräfte waren im Lager. Es wurden Revuen und Reportagen gebracht. Faust wurde aufgeführt, gute Sänger brachten Opernstücke, Operettenschlager und andere Lieder zu Gehör, aber nie war ein etwas neuerer Geist zu spüren. Gute Gesangschöre waren auch in unserem Lager.

Wir schlugen mit einem Beil ein Loch zum Austreten in den Waggonboden

Nach drei Monaten wurden dann Marschblocks zusammengestellt. Es hieß, es geht in die Heimat.

Die Stimmung war natürlich rosig. Wohin die einzelnen Marschblocks fuhren, wußte niemand und es gab wieder die tollsten Parolen. Ich selbst war beim 4. Marschblock. Wir wurden aufgestellt, als der zweite abfuhr. Am 17. August war es bei uns soweit zum Verladen. Wir wurden im Lager zusammengestellt, 2.000 Mann, wurden außerhalb des Lagers durchsucht, einiges wurde uns noch abgenommen, vor allen Dingen die Messer. Dann wurden wir verladen. 40 Mann in einen Waggon, nachher kamen noch einige hinzu, wir waren 42 Mann. Es waren Viehwagen, Fenster vergittert, die Türen waren verschlossen und ziemlich viele Wachmannschaften fuhren mit. Wir hatten keine Latrine im Wagen und schlugen uns nachher mit einem Beil von der Küche ein Loch zum Austreten in den Waggonboden.

Unser Transport bestand aus 2000 Mann und 40 Offizieren. Die Offiziere bekamen einen eigenen Waggon. Wir fuhren immer weiter nach Osten, Tschechei, Österreich, Ungarn, Rumänien. Je weiter wir nach Osten fuhren, je mehr sank die Stimmung. Es wurde uns ja vorher auch gesagt, wir fahren nach Hause. Aus einem Waggon ist ein Fluchtversuch unternommen worden. Fünf Mann sind eines Morgens entsprungen, zwei davon sollen auf der Flucht erschossen worden sein, drei sollen entkommen sein. Wir hatten dadurch dann verschärfte Bestimmungen. Sonst sind wir hin und wieder mal aus dem Waggon gesprungen auf einer Station.

Wir sollen doch endlich glauben, es geht jetzt in die Heimat

In Temesvar (Rumänien) wurden wir nach zwölftägiger Fahrt ausgeladen, die Offiziere blieben in ihrem Waggon. Wir wurden ärztlich untersucht, die Jüngeren und Kräftigen mußten wieder einsteigen und fuhren jedenfalls weiter. 1.000 blieben in Temesvar und 1.000 fuhren weiter. Wir marschierten dann nach einem Lager außerhalb der Stadt. Hier in diesem Lager trafen wir Gefangene des 3. Marschblocks. In diesem Lager gab es für uns keine Arbeit. Das Essen war reichlicher und abwechslungsreicher. Wir wurden nach acht Tagen ärztlich untersucht. Die Alten, Jugendlichen und Kranken wurden zu einem Transport zusammengestellt und zum Bahnhof geführt. Nach dem Verladen ging die Reise bald los.

Wir waren 2.300 Mann, kein Offizier. Der uns begleitende eine russische Leutnant und eine russische Ärztin sagten uns, wir sollen doch endlich glauben, es geht jetzt in die Heimat. Die Wagen waren alle offen und es war keine Bewachung mit. Wir fuhren fast den gleichen Weg zurück. In der Tschechei wurde uns noch ein Kamerad erschossen, weil er sich wehrte gegen Beraubung. Nach 10 Tagen erreichten wir in Bodenbach die Reichsgrenze und bald wurden wir in einer Kaserne in Pirna entlassen und jeder konnte einzeln in seine Heimat fahren. Nur die Schlesier konnten wohl nicht in ihre Heimat, weil die Polen sie noch nicht hinließen.

Am Freitag, den 14.9.45 kam ich in Berlin an. Die Freude war natürlich groß.“


Hier können Sie den zwanzigsten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.

Titelbild: Unknown Soviet photographer / public domain / Deutsche Kriegsgefangene werden nach ihrer Gefangennahme durch die Sowjets durch die Straßen von Kiew geführt.

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Militärexperten diskutieren in Potsdam Warum die Bundeswehr bis heute unter Merkels Politik leidet

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Die Bundeswehr stellt Truppen für die Sicherung der Nato-Ostflanke und übt mit den Bündnispartnern (Archivbild).

Ukrainekrieg, Moskaus Drohgebärden, das reduzierte Engagement der Amerikaner in der Nato und die Bundeswehr. Darüber debattierten der Inspekteur des Heeres, Christian Freuding, und der ehemalige Wehrbeauftragte des Bundestags, Hans-Peter Bartels, mit dem Militärhistoriker Sönke Neitzel.

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Bitcoin schmiert ab: Viermonatstief vor US-Jobdaten

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Vorschau ansehen Bitcoin fällt zeitweise bis auf 61.117 Dollar, Ether und Solana geraten noch stärker unter Druck. Um 14:30 Uhr folgt mit dem US-Arbeitsmarktbericht der nächste Belastungstest.
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Schweizer Drohne „Lord“ im Ukraine-Krieg: Wie eine neutrale Drohne aus Zürich russische Kinder tötet

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Die „Lord“ Drohne aus der Schweiz hat es bis in eine Rede von Wladimir Putin geschafft. Das Unternehmen Destinus liefert das Langstrecken-System an die Ukraine, wo es für tiefe Schläge gegen russische Ziele eingesetzt wird. Gründer Mikhail Kokoritsch gab die Kooperation öffentlich zu. Die Grenzen der Schweizer Neutralität im Ukraine-Krieg.

Dass eine Schweizer Drohne einmal Gegenstand einer Rede von Wladimir Putin werden würde, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand erwartet.

Im Kreml erwähnte man vor Präsident Wladimir Putin ausländische Drohnen, die von ukrainischen Kräften gegen Russland eingesetzt werden. Dabei wurde die Schweiz explizit genannt – nicht in Bezug auf Schokolade oder Käse, sondern im Zusammenhang mit dem Tod unschuldiger Kinder in Starobelsk in der Region Lugansk.

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Swing-Bands statt goldene Harfen

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veröffentlicht am 05.06.2026; Autor: Peter Bickel Eine unbekannte Frau aus Oakland schrieb 1942 ein Gebet für die jungen Toten ihres Landes; der amerikanische Songwriter John Gorka hat daraus eines der leisesten Antikriegslieder unserer Zeit gemacht. Achtzig Jahre später wird in Deutschland ein Wort wieder zur politischen Vokabel, das im Sommer 1944 von Joseph Goebbels aus […]

Der Beitrag Swing-Bands statt goldene Harfen erschien zuerst auf MWGFD.

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Offener Brief: Selenskyj schlägt Putin persönliches Treffen vor - Übersetzung im Wortlaut

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Vorschau ansehen Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Russlands Staatschef Wladimir Putin in einem offenen Brief zu direkten Gesprächen aufgefordert. Die Ukraine sei für die Dauer möglicher Verhandlungen zu einer vollständigen Waffenruhe bereit.
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Russlands Vorgehen in der Ukraine – ein Zeichen von Schwäche?

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Die Situation in der Ukraine ist brenzlig. Russische Politiker sprechen öffentlich über die Bedingungen, unter denen Russland Atomwaffen einsetzen wird. Das russische Außenministerium gab bekannt, dass Kiew jetzt „systematisch“ bombardiert wird. Nach zwei schweren russischen Raketenangriffen auf Kiew am 24. Mai und am 2. Juni – laut Wladimir Putin eine „Strafe“ für den ukrainischen Drohnenangriff auf ein Schülerwohnheim – traf NATO-Chef Mark Rutte am 3. Juni in Kiew ein. Eine Analyse von Ulrich Heyden (Moskau).

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Die bisher größten Militär-Schläge Russlands auf Kiew spornen die NATO und die EU zu weiterer „Solidarität mit der Ukraine“ an. Donald Trump reagierte nicht auf einen Brief von Selenskyj, Waffen zu schicken. Der Kreml hat Friedensgespräche ausgesetzt, hält aber über spezielle Kanäle Kontakt mit den USA.

Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow erläuterte am 3. Juni vor Journalisten auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg die Faktoren, die zum Einsatz russischer Atomwaffen führen. Diese Waffen würden „unter den schlechtesten Bedingungen“ eingesetzt, „wenn der Gegner die territoriale Integrität Russlands verletzt“. In der letzten Zeit ist der Einsatz von Atomwaffen häufig Thema von öffentlichen Auftritten russischer Politiker.

Da die Krim seit 2014 und die Gebiete Donezk, Lugansk, Cherson und Saporoschje seit 2022 von Moskau als russisches Staatsgebiet bezeichnet werden – 2022 hatte sich die Bevölkerung in diesen vier Gebieten in Referenden für die Vereinigung mit Russland ausgesprochen –, könnten ukrainische Raketen- oder Drohnenattacken gegen diese Gebiete nach der Ankündigung von Rjabkow den Einsatz russischer Atomwaffen auslösen.

Donald Trump hat auf einen Brief von Selenskyj, in dem dieser um Waffen für die Ukraine bittet, bisher nicht geantwortet. Das oppositionelle ukrainische Internet-Portal strana.ua meint, dass Trump nicht antworte, hänge damit zusammen, dass Kiew nicht zu einem Kompromiss bereit ist und seine Truppen – wie in Anchorage besprochen – nicht aus dem Donbass zurückzieht. In Kiew steigt die Sorge, dass die USA Waffen, welche Kiew braucht, zunehmend in den Nahen Osten schickt.

Russisches Außenministerium kündigt „systematische Schläge“ an

Auffällig ist, dass seit dem 25. Mai wichtige Stellungnahmen zu der russischen Gegenwehr auf ukrainische Drohnen-Angriffe nicht vom russischen Verteidigungsministerium, sondern vom russischen Außenministerium bekanntgegeben werden. Dass eine zivile Institution militärische Ankündigungen macht, unterstreicht den Ernst der Lage. Es bedeutet auch, dass Russland zurzeit wenig Hoffnung hat, den Ukraine-Krieg auf diplomatischem Wege zu beenden.

Am 25. Mai, einen Tag nach dem ukrainischen Drohnenangriff auf ein Schülerheim in Starobelsk, bei dem 21 Schüler starben, gab das russische Außenministerium bekannt, „unsere Geduld ist erschöpft.“ Von nun an werde die russische Armee „systematische Schläge auf ukrainische Rüstungsbetriebe in Kiew“ ausführen. Militär-Schläge werde es auch gegen die Zentren geben, „wo Entscheidungen getroffen werden“.

Offenbar ist es die Absicht von Kiew, mit Beschuss ziviler russischer Objekte Moskau zu drastischen Schritten zu provozieren. Wenn Russland drastische Gegenmaßnahmen ergreift, kann sich die Führung in Kiew am besten als Opfer „russischer Okkupanten“ präsentieren. Dass Kiew und die ganze Ukraine in Gefahr geraten, Ziel eines nuklearen russischen Angriffs zu werden, scheint der Führung in Kiew einerlei. Möglicherweise will man durch ständige Eskalation die USA zwingen, wieder Waffen zu schicken.

Der dritte Einsatz einer Oreschnik-Rakete, diesmal im Großraum Kiew

Auf den ukrainischen Angriff auf das Schülerheim Starobelsk reagierte Russland so hart wie nie. Zweimal – in der Nacht auf den 24. Mai und in der Nacht auf den 2. Juni – griff Russland Kiew und andere ukrainische Städte in kombinierten Angriffen mit Drohnen und Raketen an. Dabei wurde am 24. Mai das erste Mal auch eine Oreschnik-Rakete im Großraum Kiew eingesetzt.[1] Die ballistische Oreschnik-Rakete schlug nach ukrainischen Angaben 80 Kilometer südlich von Kiew im Rayon Beloje Zerkwi ein. Dort gibt es einen Militärflughafen.

In der Nacht auf den 24. Mai wurde Kiew mit Raketen des Typs Kinschal, Iskander, Zirkon und mit Drohnen angegriffen. Ziel waren militärische Einrichtungen. Nach Angabe des Bürgermeisters von Kiew, Vitali Klitschko, gab es bei dem russischen Angriff auf Kiew am 24. Mai zwei Tote und 70 Verletzte.

2. Juni – Rauchwolken über Kiew

In der Nacht auf den 2. Juni wurde Kiew wiederum von russischen Raketen – diesmal vom Typ Kalibr, Zirkon und Iskander M – sowie 650 Drohnen angegriffen. In Kiew dauerte der Angriff viereinhalb Stunden.

Insgesamt soll es in der Stadt acht angegriffene Positionen gegeben haben. Es kam zu Bränden. Wie das ukrainische Medium TCN berichtete, standen in der Nacht dichte Rauchwolken über der Stadt. Die Einwohner wurden aufgefordert, die Fenster zu schließen.

Wie das Unternehmen Ukrenergo berichtete, wurden in der Stadt auch Objekte der Energieversorgung getroffen. Zu Störungen in der Energieversorgung kam es in Kiew und anderen Regionen.

Nicht nur in Kiew, auch in den Gebieten Saporoschje, Charkow, Sumy, Dnipro, Poltawa und Chmelnizki wurden Rüstungsbetriebe sowie in Bunkern untergebrachte militärische Entscheidungszentren angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium gab bekannt, der Angriff sei nachts ausgeführt worden, „um zu verhindern, dass zufällig Zivilisten getroffen werden“.

Das ultrapatriotische russische Internet-Portal Tsargrad war zufrieden. Nach Angaben des Portals dauerte der Angriff am 2. Juni auf Kiew, Dnipro und Odessa „ohne Unterbrechung acht Stunden“. In Kiew habe das Trainingszentrum der „3. Sturmbrigade Killhouse“, wo „westliche Journalisten ihre Reportagen machen“, gebrannt. Außerdem sei die 410. Flugzeugfabrik zerstört worden, welche Antonow-Flugzeuge repariert.

Moskau hofft auf die Implosion des Selenskyj-Regimes

Warum holte Moskau erst jetzt zu großen Schlägen aus? Gab es in den vergangenen zwölf Monaten für Russland nicht genug Anlässe, Kiew anzugreifen? Attackieren ukrainische Drohnen nicht seit über einem Jahr russische Raffinerien und russische Häfen an der Ostsee und am Schwarzen Meer? Werden über dem Westteil der Russischen Föderation in den letzten Monaten nicht täglich im Schnitt 200 ukrainische Drohnen abgeschossen? Sterben nicht fast täglich Menschen in Russland an ukrainischen Drohnen?

Was sind die Gründe, dass der Kreml erst jetzt den Befehl gab, in Kiew nicht nur Heizkraftwerke – wie in den vergangenen Jahren -, sondern auch Rüstungsbetriebe, militärische Anlagen und Bunker zu bombardieren, in denen politische und militärische Strukturen Schutz suchen?

Die Antwort ist einfach: Moskau hatte immer noch Hoffnung, dass es zu ernsthaften Friedens-Verhandlungen kommt. Wladimir Putin bot immer wieder Verhandlungen an. Zuletzt lud er Selenskyj zu Verhandlungen nach Moskau ein. Doch in einem Krieg den Feind zu besuchen, macht wohl nur Sinn, wenn man die Kapitulationsurkunde unterschreiben will.

Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte am 2. Juni, um einen Frieden zu erreichen, „braucht Selenskyj nur den Befehl zu geben, dass seine Truppen die russischen Regionen verlassen“. Moskau habe die Friedensverhandlungen unterbrochen, halte aber über seine Kanäle noch Kontakt zu den USA.

Offenbar hatte der Kreml im letzten Jahr nach dem Treffen Putin-Trump in Anchorage die Hoffnung, man könne gemeinsam mit den USA den Krieg in der Ukraine beenden. Nach dem Treffen in Anchorage begannen Friedensgespräche zwischen der Ukraine und Russland. Konkrete Resultate wurden – außer Gefangenenaustausch – allerdings nicht erzielt.

Ukrainische Opposition stänkert vom Ausland

Vermutlich hofft der Kreml nun darauf, dass Selenskyj durch zahlreiche Korruptionsskandale und Attacken ehemaliger Gefolgsleute, die sich im westlichen Ausland befinden, wie seine ehemalige Pressesprecherin Julia Mendel und der ehemalige Berater der ukrainischen Präsidialverwaltung, Oleksej Arestowitsch, ins Straucheln kommt. Zudem hat der Kreml vermutlich die Hoffnung, dass der Kampfgeist der ukrainischen Armee weiter sinkt und die ukrainischen Streitkräfte personell ausbluten.

Schließlich hofft Moskau vermutlich, dass die Kritik am Selenskyj-Regime in Europa stärker wird. Nicht uninteressant ist für den Kreml auch, dass mit der AfD in Deutschland eine einflussreiche Kraft heranwächst, die sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ausspricht.

Was sind nun die Gründe, dass der Kreml sich entschlossen hat, Kiew „systematisch“ zu bombardieren? Die ukrainischen Drohnenangriffe tief in das russische Hinterland, die gezielten Schläge gegen zivile Einrichtungen wie das Schülerwohnheim in Starobelsk, Raffinerien und Häfen, aber auch die zunehmende Forderung der russischen Bevölkerung, nun endlich Kiew „einen Schlag“ zu verpassen, hat den Kreml offenbar zu einem schärferen Kurs veranlasst. Ob dieser schärfere Kurs anhält, ist nicht sicher. Man erinnert sich, dass die russische Armee 2022 schon kurz vor Kiew stand, sich dann aber zurückzog, offenbar in der Hoffnung, die Friedensverhandlungen in Istanbul würden ein Ergebnis bringen.

Immer neue ukrainische Drohnen-Attacken auf zivile Ziele

Wladimir Putin bezeichnete die Schläge gegen Kiew als „Strafe“ für die toten Jugendlichen von Starobelsk. Doch Kiew gibt sich unbeeindruckt und macht weiter mit gezielten Angriffen auf zivile Ziele.

Am 3. Juni beschoss die ukrainische Armee einen Bus in der Stadt Jenakijewo im Gebiet Donezk. Der Bus fuhr auf der Strecke Moskau-Simferopol (Krim). Sieben Zivilisten wurden nach Angaben von Denis Puschilin, dem Leiter der Region Donezk, getötet. Elf Menschen wurden verletzt.

Am 30. Mai attackierte eine ukrainische Kamikadse-Drohne das Atomkraftwerk Saporischje und riss ein Loch in den Maschinensaal des sechsten Blockes des Atomkraftwerkes. Nach russischen Angaben wurde die Drohne durch ein Glasfaserkabel gesteuert. Dass der Angriff zufällig geschah, könne man deshalb ausschließen.

Die deutsche „Tagesschau“ zitierte das ukrainische Außenministerium, welches Vorwürfe gegen Kiew zurückwies. Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Ukraine ein Kraftwerk auf ihrem eigenen Territorium angreifen sollte, „das sie selbst wieder unter ihre Kontrolle bringen will“. Mehr zu dem Vorfall auf den NachDenkSeiten in diesem Artikel.

Der Generaldirektor der Internationalen Atom-Agentur IAEA, Rafael Grossi, erklärte via X, der Angriff auf das Atomkraftwerk „verletzte die Grundprinzipien der nuklearen Sicherheit. Die Angriffe auf Nuklear-Objekte sind nicht zulässig und müssen beendet werden, um zu verhindern, dass es eine reale Atomkatastrophe gibt, die niemandem nützt.“

Am 31. Mai wurden laut Tass elf Zivilisten durch eine ukrainische Drohne schwer verletzt, die ein Mehrfamilienhaus in der Bratjew-Kowalenko-Straße in der Stadt Genitschesk beschädigte. Die Stadt liegt in dem von Russland eroberten Gebiet Cherson. Ein Kind starb und fünf Menschen wurden verletzt.

Deutsche Medien berichten kaum über zivile russische Opfer

Für Kiew sind die Drohnen-Attacken auf russische zivile Einrichtungen ungefährlich. Die deutschen Medien berichteten über die Attacke auf das Schülerwohnheim in Starobelsk nur verschwommen und am Rande. Die menschlichen Opfer, welche die ukrainischen Drohnen-Attacken in den russischen Grenzgebieten Belgorod und Kursk sowie in den von Russland kontrollierten Regionen Donezk, Lugansk, Cherson, Saporoschje und Krim verursachen, sind den deutschen Mainstream-Medien nur eine Randnotiz wert, wenn sie überhaupt in diesen Medien auftauchen.

So verfestigt sich in der deutschen Öffentlichkeit das Bild, Russland sei der „Kriegstreiber“ und die Ukraine „das Opfer“. Dieses schiefe Bild ist lügnerisch, denn es blendet den Staatsstreich in Kiew im Februar 2014 und die im April 2014 von Kiew angeordnete „Antiterroristische Operation“ der ukrainischen Armee gegen Autonomiebestrebungen in Lugansk und Donezk aus. Aber dieses lügnerische Bild bietet bisher eine ausreichende propagandistische Basis, um Deutschland auf „Kriegsertüchtigung“ und Militarisierung zu trimmen.

Würden die deutschen Mainstream-Medien seriös über alle zivilen russischen Opfer von ukrainischen Drohnenattacken in den letzten Jahren berichten, hätten es deutsche Mainstream-Journalisten und Politiker schwerer, Deutschland auf den Kurs „Kriegsertüchtigung“ zu zwingen.

Das schiefe Bild der deutschen Mainstream-Journalisten

Viele deutsche Medien behaupten, die harten russischen Schläge auf Kiew seien Zeichen von Russlands Schwäche. Dass die Ukraine selbst vor dem Kollaps steht und ohne Militärhilfe aus der EU keinen einzigen Tag überleben würde, wird verschwiegen. Doch für die gewünschte „Kriegsertüchtigung“ braucht es das Bild von einer Ukraine, die in der Lage ist, ihr Territorium zu halten und zu siegen, und von einem Russland, das schon fast am Boden liegt.

Was sind die Argumente für die angebliche „Schwäche Russlands“? Die ukrainischen Drohnen hätten den russischen Raffinerien schweren Schaden zugefügt. Ihr Produktionsvolumen sei im Vergleich zum Mai 2025 um 13 Prozent zurückgegangen, meldete der Moskau-Korrespondent von NTV, Rainer Munz. Die Ukrainer hätten die „Drohnen-Hoheit im Luftraum“ und auf dem Boden herrsche ein „Patt“, behauptet Munz.

Doch zu einer Gesamtanalyse eines Moskau-Korrespondenten müsste eigentlich gehören, dass man erwähnt, dass Russland eine Atommacht ist und die Stimmen in Russland lauter werden, die einen Einsatz von Atomwaffen fordern.

Korrekt wäre es auch, zu erwähnen, dass 13 Prozent Einbußen bei den Raffinerien keine Existenzgefahr für die russische Wirtschaft sind.

Die Behauptung einer Drohnen-Hoheit im Luftraum ist übertrieben, denn die russische Armee rückt auf dem Schlachtfeld – gerade jetzt im Gebiet Charkow – weiter vor. Sie nimmt fast täglich Ortschaften ein.

Die ukrainischen Streitkräfte sind seit ihrer Offensive im Gebiet Charkow, im Mai 2024, nicht mehr zu Offensiv-Operationen in der Lage. Die ukrainische Armee kann wegen des Mangels an Soldaten nur mit Mühe die Frontlinie halten. Die Motivation der einfachen Ukrainer lässt nach. Sogenannte Territorial-Kommandos fangen männliche Zivilisten auf den Straßen der Ukraine ein, um sie an die Front zu bringen, wo sie kämpfen sollen. Im Internet ist diese Praxis mit zahlreichen Videos dokumentiert.

Deutsche Medien wollen Sieg der Ukraine

Deutsche Mainstream-Medien schreiben die militärische Lage der Ukraine schön. Sie verfolgen ein unrealistisches Ziel: Den Sieg der Ukraine, die Kapitulation Russlands und die Rückgabe der von Russland besetzten Territorien.

Alle Kompromiss-Lösungen, wie etwa territoriale Zugeständnisse von Kiew an Russland, werden von führenden westlichen Politikern, wie der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas, rundheraus abgelehnt.

Dass man mit so einer unversöhnlichen Haltung einen Atom-Krieg riskiert, denn Russland wird die eroberten Gebiete nicht zurückgeben, zeigt, wie verlogen das Ukraine-Konzept von Berlin und Brüssel ist. 2013 ging es nur um die Visa-Freiheit für Ukrainer, dann ging es um Helme, später um Panzer, um Kampfflugzeuge und dann um Flugabwehrgeschütze. Die Eingemeindung der Ukraine in den Einflussbereich von EU und NATO ist den Damen und Herren in Berlin und Brüssel offenbar weitere hunderttausende Tote auf dem Schlachtfeld wert.

Diese Hartnäckigkeit hat nichts zu tun mit humanen Zielen. Ausschlaggebend sind wirtschaftliche und militärische Ziele: Der Gewinn des ukrainischen Schwarzerde-Bodens, billige Arbeitskräfte und ein Absatzmarkt, der Gewinn von Rohstoffen und Schwarzmeer-Häfen und das Heranrücken der NATO an die Grenze Russlands.

Die Bunker der ukrainischen Führung

Eines der wichtigsten Ziele bei den russischen Angriffen auf Kiew waren die unterirdischen Bunkern der ukrainischen Streitkräfte und anderer Sicherheitsstrukturen. Inwieweit sie getroffen wurden, ist nicht bekannt.

Wie der Militärexperte Anatoli Matwijtschuk gegenüber der russischen Zeitung Argumenty i Fakty erklärte, seien für die russische Armee wichtige Ziele die Befehlszentrale des Kiewer Militärbezirks und der ukrainischen Militäraufklärung. Ein weiteres Ziel sei der Bunker der ukrainischen Regierung. Er liege im Zentrum von Kiew unter dem Büro von Selenskyj in der Bankowa-Straße Nr. 11. Ein weiteres Ziel seien die Kommunikationskanäle der Regierung. Wie der in Russland lebende ehemalige Rada-Abgeordnete Wladimir Olejnik gegenüber Argumenty i Fakty erklärte, gäbe es nicht nur in Kiew, sondern auch in Lviv, Dnipro und Odessa Bunker für das oberste Führungspersonal. Diese Bunker wurden noch zu Zeiten der Sowjetunion gebaut. Die Ukraine wurde damals militärisch so ausgerüstet, dass sie auf einen möglichen Angriff von westlichen Staaten gerüstet war.

Zu den Zielen russischer Raketenangriffe in Kiew gehörten – so Militärexperte Matwijtschuk – auch Rüstungsbetriebe, wie etwa die Rüstungsfabrik Arsenal in Kiew, wo Munition und Schusswaffen hergestellt und Militärtechnik repariert wird. Nach russischen Angaben wolle der Konzern Rheinmetall in Kiew eine Fabrik für die Reparatur von militärischem Gerät aufbauen. Weitere Ziele in Kiew seien die Fabriken „Artjom“ und „Kristall“.

Ein weiteres Ziel für russische Militärschläge seien ukrainische Flugleitzentralen, welche die Flüge des Kampfflugzeuges F-16 steuern, sowie die im Umland von Kiew gelegenen Militärflugplätze in Wasilkow und Beloj Zerkwi.

Deutschland könnte zum Kriegsschauplatz werden

Bisher gibt es aus Deutschland keinen wirklichen politischen Druck, die Waffenlieferungen an die Ukraine einzustellen und eine friedliche Lösung anzustreben. Dabei könnte Deutschland als wichtigster Waffenlieferant selbst zum Schauplatz des Ukraine-Krieges werden.

Titelbild: Screenshot/Len.TV


[«1] Die Oreschnik-Rakete wurden von Russland bisher dreimal eingesetzt. Am 24. Mai 2026 gegen Kiew, am 21. November 2024 gegen die Raketenfabrik Juschmasch in Dnipro und am 8. Januar 2026 gegen unterirdische Gasspeicher im westukrainischen Gebiet Lviv.

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Weiße Eier gut, braune Eier böse – der Klima-Wahnsinn erreicht jetzt das Frühstücksei

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Vorschau ansehen Großbritannien macht wieder vor, wie man aus einer Nebensächlichkeit eine Weltanschauung macht. Die Supermarktkette Sainsbury’s will braune Eier aus ihren Eigenmarken verbannen und künftig nur noch weiße Eier verkaufen. Der Grund: Weiße Eier sollen eine geringere CO₂-Belastung verursachen, weil die Hühner kleiner sind, weniger fressen und länger leben. Angeblich spart das über zwölf Prozent Emissionen.   Früher kaufte […]
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US-Kongress schickt Geld und Waffen für Kriege in Ukraine und Westasien

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Die Kriege der USA gegen Russland und China durch Stellvertreter, werden nicht nur vom Präsidenten, sondern vom gesamten politischen Establishment in Washington getragen. Die Richtung wird von den Oligarchen und Think Tanks vorgegeben. Zwei Abstimmungen im Repräsentantenhaus bestätigen erneut, dass die USA Stellvertreterkriege in der Ukraine und in den Ländern Westasiens führt. Sowohl die Ukraine [...]

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Kreml-Chef bekräftigt Dialogbereitschaft und lobt die AfD als Partner

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Vorschau ansehen Putins Signale aus St. Petersburg: Kreml-Chef Wladimir Putin fordert nach ukrainischen Angriffen eine bessere Luftabwehr. Gleichzeitig bietet er dem Westen neue Gaslieferungen an und wirbt für Gerhard Schröder als neutralen Vermittler.
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Sanktionen umgangen: Vier Tanker mit iranischem Öl passieren Straße von Hormus

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Vorschau ansehen Laut dem Schifffahrts-Monitor Kpler haben vier iranische Öltanker die gesperrte Straße von Hormus durchquert. Sie fuhren mit abgeschalteten Transpondern, um Sanktionen zu umgehen.
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Der Iran geht das Risiko eines Krieges ein

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Der Krieg der USA gegen den Iran hat seine Anfangsphase hinter sich gelassen und tritt nun in eine neue Phase ein – eine Phase, in der der Iran implizit darauf setzt, dass die nächste Phase ein Krieg sein wird. Höchstwahrscheinlich wird es sich dabei um kurze Episoden eines begrenzten Krieges handeln, die jedoch das Potenzial [...]

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4. Juni: Gescheiterte UN-Wahl | Verstoß gegen EU-Asylrecht | Resolution gegen Irankrieg

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