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Kein Kuschelurteil: Schwarzer US-Teen erhält 35 Jahre Haft für Messermord an Gleichaltrigem

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Mit dem Schuldspruch gegen den inzwischen 19-jährigen Karmelo Anthony fand eines der meistbeachteten Strafverfahren der vergangenen Monate in den Vereinigten Staaten vorerst seinen Abschluss. Im Zentrum des Falles stand der Mord am 17-jährigen Austin Metcalf, der am 2. April 2025 bei einer Schulveranstaltung in Frisco im US-Bundesstaat Texas durch einen Messerstich getötet wurde. Während Linksliberale Milde und sogar einen Freispruch forderten, blieb das Gericht hart.

Die Tat ereignete sich während eines Leichtathletik-Wettbewerbs mehrerer Schulen. Aufgrund schlechten Wetters hielten sich zahlreiche Schüler unter den Mannschaftszelten auf. Karmelo Anthony, damals ebenfalls 17 Jahre alt, befand sich nach übereinstimmenden Zeugenaussagen unter dem Zelt einer anderen Schule.

Austin Metcalf forderte ihn auf, den Bereich zu verlassen. Nach den im Prozess vorgelegten Zeugenaussagen kam es zu einem Wortwechsel und anschließend zu körperlichem Kontakt zwischen den Jugendlichen. Anthony zog ein Messer und stach Metcalf einmal in die Brust. Die Klinge traf das Herz. Trotz sofortiger Hilfe verstarb Metcalf noch am Tatort. Zahlreiche Schüler wurden Zeugen des Geschehens. Täter und Opfer besuchten beide Bildungsinstitute in Frisco, kannten sich vor dem Vorfall aber nicht.

Bereits unmittelbar nach der Tat räumte Anthony ein, zugestochen zu haben. Nach Angaben der Ermittler erklärte er gegenüber Polizeibeamten, er habe sich verteidigt. Als ein Beamter von einem „mutmaßlichen Täter“ sprach, soll Anthony geantwortet haben: „I’m not alleged. I did it.“

Die Ermittlungsbehörden stuften den Fall früh als Mord ein. Eine Grand Jury erhob im Juni 2025 Anklage wegen Mordes. Die Verteidigung argumentierte von Beginn an, Anthony habe in Notwehr gehandelt. Austin Metcalf habe körperlichen Kontakt gesucht und Anthony habe sich bedroht gefühlt.

Die Staatsanwaltschaft vertrat dagegen die Auffassung, dass die Reaktion völlig unverhältnismäßig gewesen sei. Selbst wenn es einen Stoß oder ein Gerangel gegeben habe, rechtfertige dies keinen tödlichen Messerangriff. Da Anthony zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt war, wurde er nach texanischem Recht als Erwachsener angeklagt.

Zunächst Freilassung gegen Kaution

Besonders kontrovers verlief die Zeit zwischen Anklage und Prozess. Zunächst wurde die Kaution auf eine Million Dollar festgesetzt. Später reduzierte ein Richter den Betrag auf 250.000 Dollar, wodurch Anthony das Gefängnis verlassen konnte. Diese Entscheidung löste erhebliche Kritik aus. Viele Beobachter verwiesen darauf, dass ein geständiger Mörder auf freiem Fuß wäre.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch eine Spendenkampagne zugunsten von Anthony und seiner Familie. Über Online-Plattformen wurden hohe Geldbeträge gesammelt. Kritiker sahen darin eine Verklärung eines wegen Mordes angeklagten Jugendlichen. Unterstützer argumentierten, jeder Angeklagte habe Anspruch auf eine angemessene Verteidigung und finanzielle Unterstützung.

Riesige Spendensummen für den schwarzen Mord-Teenager

Nach aktuellem Stand wurden für Karmelo Anthony beziehungsweise seine Familie über GiveSendGo je nach Quelle rund 615.000 bis 635.000 Dollar gesammelt. People nennt „über 615.000 Dollar“ bis 4. Juni 2026; andere aktuelle Berichte sprechen von über 630.000 beziehungsweise 635.000 Dollar. Die Kampagne wurde nach dem Mordurteil geschlossen. GiveSendGo erklärte, die Gelder seien für „pre-trial needs“ gedacht gewesen und im vergangenen Jahr ausgeschüttet worden.

Die Kampagne hieß laut Fox News „Karmelo Anthony Help Fund“. Das Ziel lag im April 2025 bei 600.000 Dollar und wurde später offenbar bis auf rund 1,396 Millionen Dollar erhöht. Fox zitierte GiveSendGo-Mitgründer Jacob Wells: Der „vast bulk“ des Geldes solle für Anthonys juristische Verteidigung verwendet werden, daneben für Sicherheit, sichere Unterkunft, Lebenshaltungskosten, Transport, Beratung und weitere Sicherheitsmaßnahmen.

Hinter der Hauptkampagne stand nach den verfügbaren Berichten nicht primär eine NGO, sondern Anthonys Familie, konkret seine Mutter Kala Hayes beziehungsweise die Familie. Als wichtigste aktivistische Organisation trat jedoch das Next Generation Action Network auf. NGAN ist eine in Dallas ansässige, linksgerichtete Bürgerrechts-/Racial-Justice-Organisation; Präsident und CEO ist Dominique Alexander. NGAN arbeitete öffentlich mit der Familie, trat bei Presseauftritten auf und Alexander fungierte als prominenter Sprecher im Umfeld der Familie. Wieviel Geld der Spendensumme letztendlich die NGO eingesteckt hat, ist nicht bekannt.

Die Verhandlung spaltete die Meinungen in den USA

Der Prozess begann im Jahr 2026. Die zentrale Frage war nicht, ob Anthony zugestochen hatte. Dies blieb unstrittig. Entscheidend war vielmehr, ob die Jury sich der Meinung der Verteidigung anschließt, wonach Anthony aus berechtigter Angst um seine körperliche Unversehrtheit gehandelt habe.

Die Staatsanwaltschaft präsentierte Zeugenaussagen, Videoaufnahmen und forensische Beweise. Sie argumentierte, Anthony habe die Situation selbst eskalieren lassen und anschließend tödliche Gewalt eingesetzt. Der leitende Staatsanwalt Bill Wirskye brachte die Position der Anklage auf den Punkt: Ein Stoß mit den Händen rechtfertige keinen Messerstich ins Herz.

Die Verteidigung versuchte dagegen darzustellen, dass Anthony sich in einer bedrohlichen Lage befunden habe und innerhalb von Sekundenbruchteilen habe reagieren müssen. Hinzu kommen die Aussagen der oben genannten Spenden-NGO wie „Not one Black soul on a jury at all“. Für linksliberale Berufsopfer dürfen Schwarze also gar nicht mehr vor Gericht gestellt werden.

Schuldspruch am 9. Juni

Am 9. Juni 2026 sprach die Jury Karmelo Anthony des Mordes schuldig. Die Entscheidung war einstimmig und erfolgte nach dreistündiger Beratung. Damit folgte sie der Argumentation der Staatsanwaltschaft und verwarf die Notwehrdarstellung der Verteidigung.

In einem zweiten Verfahrensabschnitt wurde anschließend das Strafmaß festgelegt. Dieselbe Jury entschied sich für eine Freiheitsstrafe von 35 Jahren und verwarf die mildere Bestrafungsmöglichkeit wegen „sudden passion“ – also einer plötzlich starken emotionalen Regung.

Nach texanischem Recht hätte die Strafe deutlich höher ausfallen können. Für Mord sieht das Gesetz einen Strafrahmen von fünf bis 99 Jahren beziehungsweise lebenslange Haft vor.

Zuletzt wurde in US-Medien dieses Foto des Täters verbreitet. Die irre Frisur, die man inzwischen von zahlreichen schwarzen US-Mördern kennt, vor allem auch aus dem Drogenmilieu, wurde abrasiert. (Bildquelle: Texas Department of Criminal Justice) Linksliberale Medien in den USA bemühen sich auch häufig, die Hautfarbe der Täter heller erscheinen zu lassen. Dieser Verdacht ist hier wohl nicht erfüllt, da das Foto von der Justizbehörde herausgegeben wurde.

Reaktionen

Der Vater des getöteten Austin Metcalf, Jeff Metcalf, erklärte nach der Entscheidung, es sei in dem Verfahren nie um Hautfarbe oder politische Fragen gegangen. Im Mittelpunkt wäre stets der Tod seines Sohnes gestanden.

Linke Aktivisten und verschiedene Unterstützer Anthonys kritisierten das Verfahren teilweise als Beispiel struktureller Ungleichbehandlung im amerikanischen Justizsystem. Diskutiert wurden insbesondere die Zusammensetzung der Jury sowie die mediale Darstellung des Angeklagten. Anthonys Mutter Kala Hayes erklärte nach dem Urteil: „My son is no murderer.“ Sein Vater Andrew Anthony sagte, die Familie habe nicht den Eindruck gehabt, einen fairen Prozess erhalten zu haben. Die genannte Spenden-NGO äußerte sich dahingehend, eine weiße Jury habe den schwarzen Jugendlichen im Schnellverfahren abgeurteilt.

Konservative Kommentatoren vertraten hingegen überwiegend die Auffassung, dass die Faktenlage eindeutig gewesen sei. Aus ihrer Sicht habe die Jury bestätigt, dass tödliche Gewalt nicht mit einer bloßen körperlichen Auseinandersetzung gerechtfertigt werden könne.

In konservativen Medien wurde zudem kritisiert, dass Teile der Öffentlichkeit den Angeklagten bereits während des Verfahrens als Opfer gesellschaftlicher Umstände dargestellt hätten, obwohl die Tötung selbst nie bestritten worden sei.

Tatsächlich stammte der Mörder nicht aus irgendeiner gewaltaffinen Slum-Familie oder gar einem kriminellen Milieu, sondern aus einem bürgerlichen Schul- und Sportumfeld in Frisco, Texas.

Die Verteidigung kündigte an, in Berufung zu gehen. Bis zur Berufungsverhandlung ist die Strafe gültig, der Täter muss in Haft.

Völlig realitätsferne Linke

Der Fall zeigt einmal mehr, wie realitätsfern linke Aktivisten und Politiker argumentieren. Im vorliegenden Fall liegt nicht die Spur von Rassismus oder Diskriminierung vor. Aufgrund eines nichtigen Anlasses entschied sich der schwarze Teenager, zum Messer zu greifen und das Leben eines Menschen zu beenden. Er befand sich nicht annähernd in einer Situation, die eine solche Notwehr gerechtfertigt hätte – niemand bedrohte ihn mit gefährlichen Mitteln. Dass mit dem Mord noch massive Gewinne erzielt wurden, rundet das Bild der Verkommenheit ab.

(Auszug von RSS-Feed)

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Wenders vs. Kinski oder: Wer war damals noch zu jung? | Von Paul Clemente

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Wenders vs. Kinski oder: Wer war damals noch zu jung? | Von Paul Clemente
LBS 20260609 apolut
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Wenders vs. Kinski oder: Wer war damals noch zu jung? | Von Paul Clemente

Ein Beitrag von Paul Clemente.

Armer Wim Wenders. Gleich zweimal hat der Vorzeige-Softie des Neuen Deutschen Films in diesem Jahr Prügel bezogen. Erstmals im Februar, auf der Berlinale. Als Jurypräsident postulierte er: Filmemacher sollten sich „aus der Politik heraushalten“ und das Kino sei das „Gegengewicht zur Politik“. Das war ihm rausgerutscht. Auf der Pressekonferenz. Die Folgen? Tagelanges Geschrei und Gegacker im medialen Hühnerstall. 

Der zweite Tritt in den Fettnapf gelang ihm Ende Mai. Wegen einer Szene, die er vor 51 Jahren gedreht hat. Darin ist eine spärlich bekleidete Nastassja Kinski mit dem ebenso knapp bekleideten Kollegen Rüdiger Vogler im Bett. Titel des Films: „Falsche Bewegung“. Die inzwischen 65-jährige Darstellerin forderte die nachträgliche Entfernung der Szene. 

Frau Kinskis Begründung: Ihr damaliges Alter. „Obwohl ich mit 13 noch nicht so viel wusste, habe ich schon gemerkt, dass das nicht in Ordnung war.“ Wenders habe sie, die Debutantin, „nicht beschützt“. Schon seit Jahren bitte sie den Indie-Filmer um Entfernung der Szene. Eine Antwort? Fehlanzeige. Also machte sie ihr Anliegen öffentlich. Zum perfekten Zeitpunkt: Der Verleihung des Bundesfilmpreises an Wenders. Fürs Gesamtwerk.

Natürlich ließ sich der Vorwurf während der Zeremonie nicht ausblenden. Da musste er durch. Seine Stellungnahme packte der 80-jährige Preisträger in die Dankesrede. Und dabei – Scherz aller Scherze - stahl er Frau Kinskis Argumentation, verteidigte sich mit seinen jungen Jahren. Sinngemäß: Frau Kinski war als 13-jährige zu jung, um zu raffen, wie ihr geschah? Okay, aber ich war mit meinen 29 Jahren auch zu jung, um zu kapieren, was ich da inszeniert habe. In Wenders eigenen Worten: 

„Das würde ich heute nie mehr so machen. Ich weiß heute mehr, viel mehr. Es gibt andere Sensibilitäten. Wir leben in einer völlig anderen Welt als vor 50 Jahren. Dem jungen Mann von damals kann ich keinen Vorwurf machen, auch wenn ich weiß: Das würde ich nie mehr so tun." Okay, Distanzierung gelungen. Und jetzt? Was folgt daraus? Die Szene schneiden? Da wollte der Preisträger sich nicht festlegen. Stattdessen erhob er das Problem zur filmhistorischen Frage: Wie soll man mit medialer Erbschaft umgehen? - Das deuteten manche Kritikern als Fluchtversuch: Der alte weiße Mann will für seine Tat „keine Verantwortung übernehmen“ quiekten sie im Chor.

Tatsächlich hätte Wenders spätestens seit der Berlinale wissen müssen: In der medialen Arena ist kein Platz für ernsthafte Debatten. Da gilt jede Behauptung, jede Klage als Schuldbeweis.

Und so kam es: Kollegen und Kolleginnen, Gruselblätter wie die FAZ oder „besorgte“ Freunde auf Social Media verurteilten ihn und berauschten sich am eigenen Hypermoralismus. Alice Schwarzer erteilte den Befehl:

„Wim, hör auf zu reden – handle!" Es gehe nämlich nicht „um große Fragen der Filmgeschichte, es geht um die überschaubare Frage der Würde eines Mädchens.“

Dabei wären vorab einige Fragen angebracht. Klar ist es glaubwürdig, dass Nastassja Kinski sich in dieser Szene unwohl gefühlt hat. Aber: Sie hat seitdem zwei weitere Male mit Wenders gefilmt. Einmal als 23-jährige in „Paris, Texas“ und 32-jährig für „In weiter Ferne so nah“. Hätte sie bei diesen Gelegenheiten dem Regisseur nicht seine damalige Überrumpelung vorwerfen und eine Amputation der Szene verlangen können? Immerhin war sie zu dem Zeitpunkt bereits Weltstar und auf Engagements von Wenders nicht angewiesen. 

Zumal „Falsche Bewegung“ nur einer der Filme ist, in denen die minderjährige Kinski mit blankem Oberkörper vor die Kamera trat. Zwei Jahre nach dem Wenders-Dreh agierte sie in einer Tatort-Folge: „Reifeprüfung“, inszeniert vom späteren Hollywood-Regisseur Wolfgang Petersen. Handlung: Eine Schülerin verführt ihren Pauker, präsentiert sich barbusig vor ihm. Mit diesem TV-Krimi avancierte sie zur BRD-Lolita. Damaliges Alter: 15. Und vor zwei Jahren, 2024, drohte sie jede weitere Ausstrahlung der „Reifeprüfung“ gerichtlich zu unterbinden – sofern die Oben-Ohne-Sequenz nicht eliminiert würde. 

Außerdem verlangte sie von den damals Verantwortlichen eine Entschuldigung. Regisseur Petersen konnte dieser Aufforderung nicht mehr nachkommen: Zwei Jahre zuvor war er nämlich verstorben. Nastassja Kinskis Anwalt Christian Schertz, bekannt durch Vertretung von Promis wie Till Lindemann und Christian Ulmen, kämpfte für die Selbstermächtigung der Schauspielerin.- O-Ton Schertz:

„Nastassja Kinski war damals faktisch ohne Begleitung am Set, als die Szenen gedreht wurden – eine rechtswirksame Einwilligung als Minderjährige ist damit denklogisch ausgeschlossen gewesen."

Der zuständige Sender NDR teilte mit, dass eine Ausstrahlung des Films derzeit nicht geplant sei. 

Das dürfte freilich ein Trick gewesen sein. Denn sperrt man den Film komplett, bleiben auch die umkämpften Einstellung enthalten. Und wer weiß, wie es in zwei, drei Jahrzehnten um den Film steht.

- Neben „Falsche Bewegung“ und „Tatort: Reifeprüfung“ agierte die junge Kinski als 14-jährige in „Die Braut des Satans“ und 18-jährig in „Bleib, wie du bist“. Zwei Filme, in denen sie vollständig nackt auftrat. Um ein Missverständnis zu vermeiden: Natürlich wird ihr Anliegen gegenüber Wenders durch weitere Nacktszenen keinesfalls illegitim. Sie steht mit ihrer Klage auch nicht allein. Vielmehr ist ihre Beschwerde Bestandteil eines Zeitphänomens.

Beispiele: Die Argentinierin Olivia Hussey und ihr Kollege Leonard Whiting stritten 2022 für die Entfernung einer Bettszene aus „Romeo und Julia“, der bereits 1968 in die Kinos kam. Helen Mirren distanzierte sich von fast allen Nacktszenen ihrer 50-jährigen Filmkarriere. Brooke Shields fühlte sich als 14-jährige in „Die blaue Lagune“ erotisch ausgebeutet, obwohl sie in Nackt- und Sexszenen gedoubelt wurde. 

Feministinnen könnten die No-Nudity-Welle als Aufstand gegen das cineastische Patriarchat deuten. Allerdings richtet sich die Wut der Darstellerinnen nicht nur gegen männliche Filmemacher. Selbst Feministen-Ikone Catherine Breillat wurde von der Darstellerin ihres Films „Romance“ des Missbrauchs beschuldigt. In dem Abrechnungsbuch „La Prédation“ behauptet Caroline Ducey: Breillart habe einen männlichen Laiendarsteller angewiesen, sie vor laufender Kamera real zu penetrieren. Ohne sie vorab zu informieren. Allerdings wehrte sich die 78-jähige Regisseurin, schaltete ihrerseits einen Anwalt ein.

Die neue Lust am Distanzieren richtet sich bereits gegen Filme, die keinerlei Nacktheit enthalten und Erotik lediglich als Subtext zuließen. So gestand die 42-jährige Natalie Portman ihren Ekel vor dem Blockbuster „Leon der Profi“. Zwar habe sie den Dreh genossen, aber die

„gewalttätige, amoralische und quasi-romantische Beziehung zwischen einem erwachsenen Auftragskiller und einer 12-jährigen“ finde sie „gelinde gesagt abstoßend“.

Insofern hatte Wim Wenders recht, wenn er die filmhistorische Relevanz dieser Forderung betonte. 

Inzwischen hat Wenders die Masche des NDR kopiert und „Falsche Bewegung“ für alle Auswertungsformen gesperrt. Erst nach einer einvernehmliche Lösung, auch in Absprache mit Nastassja Kinski, werde er erneut freigegeben. Auch eine Entschuldigung plus Selbstkritik wurden prompt geliefert: Der Altmeister räumte ein,

„dass Nastassja Kinski damals hätte besser beschützt werden müssen. Dafür bitte ich Dich um Entschuldigung, Nastassja, ohne Wenn und Aber."

Auf dem Gipfel der Selbstauspeitschung gesteht Wenders: Frau Kinskis Anschuldigungen hätten aus ihm einen besseren Menschen gemacht. O-Ton:

„Die vielen Reaktionen, Hinweise und Gespräche der vergangenen Tage haben wesentlich dazu beigetragen, meinen Blick auf die damaligen Ereignisse weiter zu schärfen. Dafür bin ich dankbar.“

Die Deutsche Filmakademie war happy. Berauscht vom Endsieg des Guten, Wahren, Schönen kündigte man öffentlichen Austausch an. Termin: Irgendwann im September. Regisseurin Julia von Heinz bejubelte Wenders Entscheidung als „riesige Chance". In einem Artikel der Süddeutsche Zeitung ließ sie wissen, dass Wenders Sorge um die Intrigität des Film-Erbes auf einem überholten Geniebegriff basiere.

Wer Wenders „In weiter Ferne so nah“ kennt, erinnert sich vielleicht an die Szene, wo Raubkopien von Pornofilmen in eine Tonne geworfen und abgefackelt werden. Eine Bücherverbrennung für Gebildete. Wer hätte 1992 vermutet, dass Wenders eigene Werke einmal in der Tonne schmoren könnten?

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bild: Sinnliche Paarliebe. 

Bildquelle: Aloha Hawaii / Shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
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