Obwohl die Mustererkennung von Künstlicher Intelligenz immer noch fehleranfällig ist, werden in der Ukraine autonome, von Künstlicher Intelligenz gelenkte Drohnen getestet. Diese haben laut Berichten bereits eigenständig Menschen an der Front getötet. Was soll da schon schiefgehen?
In den Vereinigten Staaten werden KI-Systeme bei der Strafverfolgung zur automatischen Gesichtserkennung eingesetzt. Die Folge davon ist eine Verhaftungswelle bei Unschuldigen, weil die Künstliche Intelligenz in Sachen Mustererkennung (dazu zählen auch biometrische Merkmale bei der Analyse von Gesichtern) eben nicht perfekt ist. Doch im Ukraine-Krieg werden solche Umstände wohl seitens ukrainischer Waffenproduzenten geflissentlich ignoriert und entsprechende Kollateralschäden offensichtlich einfach so in Kauf genommen.
Das britische Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ berichtet unter Berufung auf einen ukrainischen Drohnenhersteller, dass autonome, KI-gesteuerte Killerdrohnen bereits im Fronteinsatz getestet worden seien. Dabei seien, so wird behauptet, auch eigenständig Menschen getötet worden. Allerdings lieferte der Drohnenhersteller, Alexander Kokhanovskyj, keine Belege für seine Angaben, zumal er selbst nicht vor Ort gewesen sei.
Bei diesem Test habe man zehn AI-kontrollierte „Terminator“-Drohnen eingesetzt, die ohne menschliche Zielbestätigung selbst entschieden hätten, russische Soldaten zu töten. Mehr noch sei dieser Test bereits vor zwei Jahren durchgeführt worden. Man habe die Quadkopter-Drohnen darauf programmiert, an die Frontlinie zu fliegen, über zehn Minuten hinweg einen Bereich zwischen drei und fünf Kilometern abzusuchen und dann in den „Terminator-Modus“ zum Angriff auf identifizierte Ziele überzugehen.
„Wir starten es einfach, und wir wissen, dass dort alles tot sein wird – alles, was in diesem bestimmten Gebiet gefunden wird, wird tot sein“, sagt Kokhanovskyy. „Es gibt überhaupt keine Verbindung zur Drohne, man kann kein Video sehen, gar nichts … Alles, was sie entdeckt, wird getötet.“ Weil es jedoch keine Möglichkeit gab, festzustellen, was diese Drohnen gefunden hatten, entsandte man nach dem Test von Menschen gesteuerte Drohnen in das Gebiet. Diese manuelle Überprüfung habe ergeben, dass „einige Soldaten und ein Lastwagen“ ausgeschaltet worden seien. Weiters, so das Wissenschaftsportal, habe es bereits im Jahr 2023 Berichte darüber gegeben, wonach man solche autonomen KI-Angriffsdrohnen vor allem gegen russische Panzer und andere Fahrzeuge einsetzte.
Bereits im Jahr 2022 berichtete Report24 über die chinesischen Ambitionen hinsichtlich KI-gesteuerter Drohnen für die Marine der Volksbefreiungsarmee. Künftig könnten solche autonome, KI-gesteuerte Unterwasserdrohnen im Pazifik herumlungern und nur darauf warten, in den aktiven Kampfeinsatz geschickt zu werden. Auch die Vereinigten Staaten arbeiten an KI-gestützten Drohnen („Goalkeeper“ für den Einsatz in der Luft, „Whiplash“ für den Einsatz zur See) für die Kriege der Zukunft. Diese sollen ebenfalls dazu in der Lage sein, Ziele eigenständig zu finden und zu eliminieren.
Doch eine solche KI-Automatisierung hat ihren Preis. Denn diese Technologie ist nach wie vor fehlerhaft und kann auch zum Angriff auf falsch-positive Ziele führen. Damit bringen die Militärs auch unbeteiligte Zivilisten in Gefahr, die von der Künstlichen Intelligenz fälschlicherweise für legitime Ziele gehalten werden können. Auch kann es durch Identifikationsfehler zu „friendly fire“ kommen. Doch im Gegensatz zu den atomaren, biologischen und chemischen Waffen gibt es trotz der rapiden Fortschritte bei KI-gestützten Systemen noch keine entsprechenden internationalen Konventionen.

Ein Meinungsbeitrag brachte Stephan-Andreas Casdorff in Erklärungsnot. Stefan Weber vermutete KI-Nutzung und kurz darauf räumte der frühere „Tagesspiegel“-Chefredakteur sie ein. Gegenüber der JF fragt Weber: „Haben denn alle den Verstand verloren?“
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Die Klagen und Belege über zunehmende Leseschwäche und kognitive Beeinträchtigungen dürften nicht nur den üblichen Vorbehalte gegenüber den jungen Generationen entspringen. Die Nutzung von KI verstärkt die Tendenz zur Schwächung des Denkens, die wiederum Rechtspopulisten zugutekommt.
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Mario Voigt spricht gerne über den Holocaust, um vor der AfD zu warnen. Dass er ausgerechnet eine Gedenkrede per KI schreiben ließ, verrät sehr viel über ihn. Ein Kommentar von Julian Theodor Islinger.
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Die „FAZ“ löscht einen Text von Thüringens Ministerpräsidenten Voigt nach KI-Verdacht. Plagiatsjäger Stefan Weber sieht darin mehr als einen Einzelfall: Die Affäre zeige die „geistige Leere“ der politischen und medialen Elite.
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Während Trump die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz regulieren will, setzt der Libertäre Milei auf totale Deregulierung, um Konzerne und Investoren anzulocken. KI soll "von den Grenzen des menschlichen Gehirns befreien und die Produktivität in ungeahnte Höhen treiben".
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Eine KI kritisiert den modernen Staat und schlägt stattdessen eine Volksdemokratie mit Gemeineigentum vor. Wie es dazu kam, wollte «Transition News» vom Sozial- und Politikwissenschaftler Ullrich Mies erfahren.
Ein Interview von Sophia-Maria Antonulas mit Ullrich Mies.
Transition News: Herr Mies, ein zentraler Gedanke in Ihrem aktuellen Buch «Kritik aus dem Maschinengeist» ist: Die KI ist ein Spiegel des Fragestellers. Intelligente Fragen erzeugen tiefgründige Antworten. Ist es möglich, mehr aus der KI herauszuholen, als dieses Werkzeug eigentlich herausgeben soll?
Ullrich Mies: Ja, obwohl das so nicht vorgesehen ist. Die entscheidende Frage ist dabei: Aus welchem Informationspool bedient sich diese KI? Wobei zu diesem Begriff der «Künstlichen Intelligenz» auch noch viel zu sagen wäre, denn die KI ist ja ein Sammelbegriff für vieles. In erster Linie dient sie dem Militär und den Geheimdiensten, die sie ja auch auf die Schiene gesetzt haben. Aber wir beziehen uns hier auf die der Allgemeinheit zur Verfügung stehenden KI-Tools.
Und diese Art von KI sagt ja selber, dass sie nur auf die Informationen zugreifen kann, die digital veröffentlicht wurden. Das heißt, alles, worauf zum Beispiel ChatGPT zugreifen kann, wurde schon einmal irgendwo publiziert. Dieses Werkzeug kann also nur auf das bereits digitalisierte veröffentlichte Herrschaftswissen zugreifen. Das ist die entscheidende Aussage.
Und dennoch kommen Sie und ChatGPT zu einer klaren Schlussfolgerung: Der moderne Staat ist strukturell antidemokratisch, weil er zentralistisch, hierarchisch organisiert und damit für elitäre Akteure hochattraktiv ist. Wo genau liegt denn der Konstruktionsfehler des modernen Staates?
Darüber lässt sich mein Maschinen-Gesprächspartner sehr deutlich und sehr eindeutig aus – und das ist im Prinzip der harte Kern dieses Gesprächs. Der Fehler liegt in der Top-Down-Konstruktion des Staates, der gesamten Staatsapparate, des Herrschaftsapparates – alles ist von oben nach unten gebaut. Das ist der zentrale Konstruktionsfehler. Denn eine Demokratie, die den Anspruch hat, Demokratie und kein dummes Geschwätz zu sein, kommt immer von unten.
Aber es geht noch sehr viel weiter – ich habe mich mit ChatGPT auch über das Verhältnis zwischen dieser Top-down-Staatskonstruktion und der Ideologie der Staatsräson unterhalten. Und da wird es erst richtig spannend. Wenn wir uns solche Regierungsvertreter wie zum Beispiel in Berlin ansehen, kommen wir schnell zu dem Ergebnis, dass die mit Demokratie gar nichts am Hut haben. Das sind die Feinde der Demokratie, die unter falscher Flagge segeln.
Denn wer sich auf Staatsräson beruft, sagt im Grunde genommen nichts anderes als: «Wir sind der Staat. Wir nehmen uns das Recht heraus, zu lügen, zu betrügen, korrupt zu sein, Krieg nach innen gegen das eigene Volk und Krieg nach außen zu betreiben.» Kurz gesagt: alle möglichen Verbrechen zu begehen, um den Staat als Entität zu erhalten. Das hat mit Demokratie null zu tun, absolut nichts.
In Ihrem Austausch mit der KI ergibt sich in weiterer Folge, dass die Volksdemokratie die eigentlich gemeinte Form von Demokratie ist. Wenn künstliche Intelligenz auf Herrschaftswissen zugreift und somit ein Herrschaftsinstrument ist, wie sind Sie damit dann trotzdem so weit gekommen, dass ChatGPT die Volksdemokratie als die eigentliche Demokratie sehr präzise beschreibt?
Diese Frage ist super spannend, aber die kann ich im Kern eigentlich gar nicht beantworten. Offenbar entgeht dem Herrschaftsapparat und der Algorithmen-Programmierung manches – zumindest bisher. Denn die KI greift auf Milliarden von Informationen zu, und da kann es dann durchaus einmal passieren, dass interessante Papiere zur Auswertung gelangen, auch wenn die sonst für den Normal-sich-mit-der-KI-Unterhaltenden gar nicht zur Verfügung stehen. Wenn ich der KI verbiete, mir Bullshit-Antworten zu geben, dann macht sie das auch nicht – soweit sie dazu in der Lage ist.
Das macht dieses 120-seitige Büchlein so spannend – weil wir eben nicht wissen, wie lange die KI auf dieses Wissen noch zugreifen kann.
Ja genau. Die KI sagt selber auf meine Frage, wie lange es noch gestattet sein wird, auf nicht herrschaftskonforme Antworten zuzugreifen, es könne ohne Weiteres sein, dass ich diese Antworten schon bald nicht mehr bekommen werde.
Lassen Sie uns deswegen noch beim Thema Volksdemokratie bleiben. Die KI beschreibt deren sieben Prinzipien: Machtaufbau von unten, delegative statt repräsentative Mandate, radikale Transparenz, Verteilung von Machtzentren, Rotation und Begrenzung von Ämtern, demokratisierte Verwaltung, Kontrolle ökonomischer Macht. Was wird denn am schwierigsten durchzusetzen sein und was davon halten Sie für am dringendsten?
Das Dringendste wäre überhaupt erst mal, die herrschenden Cliquen dazu zu bringen, sich verfassungskonform zu verhalten, selbst vor dem Hintergrund dieser bescheidenen Verfassung oder des Grundgesetzes hier in Deutschland. Denn in den letzten Jahrzehnten, besonders nach der Wende, war ihr Ziel, das eigene Handlungsspektrum – verfassungswidrig – immer mehr zu erweitern, vor allem, damit sie von der Landesverteidigung wegkommen, um nach außen stets interventions- und kriegsfähig zu werden. Das war eigentlich ihr Hauptziel.
Und die Täter sagen es ja selbst: «Deutschland muss wieder kriegstüchtig werden.» Ihr Ziel war es also immer, sich von den Hindernissen des Grundgesetzes zu befreien, um wieder nach außen Krieg führen zu können. An anderen Stellen nenne ich das auch «organisiertes politisches Verbrechen».
Das heißt: Das Erste, was durchgesetzt werden müsste, ist, den herrschenden Cliquen, die Fähigkeit aus der Hand zu nehmen, Krieg zu führen. Damit befinden wir uns aber schon im Zentrum des Dilemmas.
Sie zitieren in Ihrem Buch ChatGPT: «Demokratie ist hohl, wenn Konzerne die Agenda setzen.»
Das ist ja auch nichts Neues. Nur, dass Großkonzerne, die immer größer, immer mächtiger wurden und kapitalinhärent auf Oligopole oder Monopole zusteuern, das Staatsgeschehen nicht nur beeinflussen, sondern mittlerweile bestimmen. Das ist das Besondere unserer heutigen Zeit. Und in Ansätzen war das immer schon der Fall. Mussolini hat schon gesagt, dass die Verschmelzung zwischen Konzernen und Staat das wesentliche Ziel des Faschismus ist. Und das ist heute nicht anders, nur noch sehr viel machtvoller.
Als Lösung schlägt die KI eine Volksdemokratie vor, mit Gemeineigentum für Wasser, Energie, Gesundheit, Bildung und digitale Infrastruktur. Welche Vorbilder gibt es dafür, und warum sind die im Mainstream-Diskurs so unsichtbar?
Sie zeigen hier mit einem riesigen Pfeil auf das Grunddilemma, in dem die sogenannten westlichen Demokratien stecken. Das ist das Entscheidende: das Gemeinwohl! Ein Staat oder eine politische Herrschaftskaste, die sich dem Gemeinwohl nicht oder nicht mehr verpflichtet fühlt – und da stehen wir heute –, hat überhaupt keine Existenzberechtigung mehr.
Die Gemeinwohlorientierung geht bis in die Antike zurück. Wir können so viel Kritik an der Polis üben, wie wir wollen – wegen der Sklaven und so weiter –, aber wenn wir davon einmal abstrahieren, dann war nach dem antiken Demokratieverständnis die Gemeinwohlorientierung der seinerzeit existierenden Demokratie die Grundausrichtung des Staates.
Zwischen Gemeinwohl und Gemeineigentum gibt es allerdings einen Unterschied. Denn von der «Gemeinwohlökonomie» spricht auch die Superklasse sowie einige von ihr beeinflusste Organisationen.
Ja, aber die lügen uns die Tasche voll. Genauso wie sie von Friedenssicherung quatschen – sofern sie davon überhaupt noch reden, eigentlich reden sie immer nur von Dominanz. Sie müssen bestimmte Vokabeln bedienen, um bei der Bevölkerung überhaupt noch Gehör zu finden. Aber damit sind wir in einem neuen riesigen Feld angelangt, nämlich der kognitiven Kriegsführung.
Gemeinwohlorientierung ist natürlich abhängig von der Gemeinwirtschaft, vom Eigentum der Bevölkerung oder des Staates an ökonomischen Produktions- und sonstigen Verhältnissen – völlig klar. Aber man könnte natürlich auch sagen: Bis zu bestimmten Größenkategorien des Mittelstandes gestatten wir im Sinne einer Gemeinwohlorientierung des Staates ein freies Wirtschaften. Allerdings sind dann diese Unternehmen ebenfalls dem Gemeinwohl verpflichtet. Um nicht eine Staatswirtschaft als ein mögliches Allheilmittel unserer Misere zu sehen, denn das ist ja schon mal zusammengebrochen.
Sie haben oben bereits Kriege angesprochen. ChatGPT und Sie beschreiben, dass Bürgerräte – per Los bestimmt – über Krieg und Frieden entscheiden sollten. Warum trauen Sie einer Gruppe zufällig ausgewählter Bürger zu, über Kriege besser urteilen zu können als die heutigen Parlamente?
Die heutigen Parlamente sind nichts anderes als von oben kontrollierte Lobbymaschinen korrupter Parteiapparate. In einer Auslosung sehe ich auch kein Allheilmittel, nur die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Volk heraus für internationale Kriegseinsätze gestimmt würde, halte ich für weitestgehend unwahrscheinlich.
Das setzt aber unkorrumpierte und unkorrumpierbare Bürger- und Gemeinderäte voraus. Und die können aus meiner Sicht ebenfalls nur per Los entschieden werden. Ansonsten kommt es wieder zu einer Einflussnahme von oben über die unterschiedlichsten Interessenkonstellationen, so wie heute auch: Transatlantiker-NGOs, Reiche und Superreiche greifen immer von oben an und versuchen, die Bevölkerung zu dominieren beziehungsweise dominieren sie bereits.
Die Wahrscheinlichkeit, dass es mit Bürgerräten zu internationalen kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, halte ich für unwahrscheinlich.
Das Modell der Volksdemokratie, das Sie im Buch zeichnen, setzt eine aktive, informierte und politisch engagierte Bevölkerung voraus. Nur sind viele nach Jahrzehnten systematischer Entmachtung, Desinformation und Arbeitsüberlastung erschöpft. Wie soll denn ein Modell, das mehr Beteiligung verlangt, genau jene Bürger erreichen und aktivieren, die durch das bestehende System so entmutigt worden sind?
Auf diese Frage habe ich im klassischen Sinne eigentlich kaum eine Antwort. Wir müssen Folgendes sehen: Die herrschenden Cliquen haben sich locker 30 Jahre, wenn nicht länger, Zeit gelassen, das politische System so umzudrehen, dass genau das dabei herausgekommen ist, was Sie in der Frage gerade skizziert haben.
Das heißt, wenn wir eine politisch informierte Bevölkerung haben wollen, die die Grundlage für eine Volksdemokratie ist, dann brauchen wir erst mal mindestens 30 Jahre, vielleicht auch zwei Generationen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Und da beißt sich die Katze natürlich auch in den Schwanz. Das sehe ich auch.
Was Sie hier ansprechen, sind übrigens Antworten der KI, nicht meine. Denn ich sehe genau das, was Sie hier gerade skizzieren, als den zentralen Widerspruch überhaupt. Also ganz primitiv und auch beinhart gesprochen: Wie können wir mit einer verblödeten Bevölkerung eine Volksdemokratie erlangen, die zu mehr imstande sein soll als das, was wir heute haben?
Erlauben Sie mir einen optimistischeren Einwand: Den meisten Bürgern können Informationen nähergebracht werden, damit sie dann informierte Entscheidungen treffen können.
Dabei stellt sich doch die grundsätzliche Frage, auf welche Informationen ein Bürger zugreifen möchte: Möchte er sich nur über Fußball informieren und hat gar keine anderen Ansprüche? Oder möchte er wirklich auch ein Bürger im Sinne eines Citoyens sein? Das ist die entscheidende Frage.
Mein Standpunkt ist ein anderer: Informationen sind eine Holschuld, keine Bringschuld. Alle Informationen sind vorhanden, machen wir uns doch nichts vor. So großartige und in die Tiefe gehende Informationen zu den Herrschaftscliquen und ihrem verbrecherischen Tun und Handeln hat es noch nie gegeben – auch dank des Internets. Nur eine Minderheit greift darauf zu.
Die breite Masse gibt sich zufrieden mit dem geistigen Unrat, den sie bei ARD, ZDF und diesen ganzen regionalkontrollierten Staatsmedien angeboten bekommt. Das ist doch das eigentliche Problem. Es gibt schuldhafte Ignoranz. Es gibt auch schuldhafte Dummheit. Von Erwachsenen kann man, wenn es um Wissensaneignung geht, ein aktives Handeln erwarten.
Das heißt: Wie fangen wir an? Was halten Sie für möglich?
Wir machen doch schon das, was wir können. Sie machen Ihren Job, ich mache meinen Job und Tausende andere machen vergleichbare Jobs. Sonst gäbe es keine alternativen Medien, die derzeit vom Herrschaftsapparat massiv bekämpft werden.
Dann stelle ich meine Frage anders: Sie und die KI beschreiben am Ende des Buches, wie die Entscheidungen der Superklasse – Rüstungsschulden, Geheimdienstausbau, supranationale Verbindungen – zunehmend irreversibel sind. Wenn die Mächtigen das Fenster, um echte Demokratie zu erreichen, nach und nach schließen, welche Art von Gegenmacht, und vor allem durch wen organisiert, halten Sie denn heute für möglich?
Wenn das Fenster geschlossen ist, ist die Klappe zu. Aber die KI meinte, das Fenster sei noch nicht geschlossen.
Die herrschenden Cliquen sagen doch selber: «Wir wollen keine Demokratie. Wir wollen herrschen». In allen außen- und sicherheitspolitischen und geheimdienstlichen Papieren der USA ist das nachzulesen: «We have to be the first – MAGA. Wir wollen die Welt beherrschen.» Und dann haben wir diese Medienkloaken, die zu blöde sind, um überhaupt noch in die Tiefe zu gehen und zu sehen, dass allein durch einen derartigen Herrschaftsanspruch, nämlich der Weltbeherrschung, Demokratie nur noch ein Schmierentheater ist.
Aber auch dazu sind unsere Staatsmedien zu blöde, weil sie einfach Teil des Problems und nicht Teil der Lösung sind. Deshalb tummeln wir uns auch bei den alternativen Medien herum. Deshalb werden die alternativen Medien zensiert. Und deshalb werden Journalisten, die zum Beispiel den Krieg in der Ukraine kritisieren, existenziell getötet.
In der EU regiert eine neue Genickschuss-Fraktion. Früher gab es einen Genickschuss, heute wird das über die Existenzvernichtung, die Kontokündigung oder Sanktionierung erledigt. Das ist alles illegal – interessiert die gar nicht mehr. Das ist der neue Faschismus, das ist es, was ich in meinem Buch «Das 1 x 1 des Staatsterrors – Der Neue Faschismus, der keiner sein will» herausgearbeitet hatte.
Das heißt, die Frage ist natürlich: Inwieweit ist das Fenster heute noch offenzuhalten? Das funktioniert nur, wenn wir Gemeinwohl als Grundlage des Staates begreifen wollen, statt der Privatisierungen der letzten Jahrzehnte und der Steuervermeidungspraktiken für Reiche und Superreiche.
Die systematische Zusammenarbeit zwischen dem Staatsapparat und dieser KI-, Digital- und Transhumanisten-Industrie geht ja Hand in Hand. Das Ziel: Sie wollen uns versklaven. Das sind die feuchten Träume von Peter Thiel und Konsorten. Die Palantir-Betreiber sagen es ja selbst, dass sie mit Demokratie nichts anfangen können. Deren Ziel ist eine digitalgesteuerte, transhumanistische Dystopie mit den USA als Weltherrschaftszentrum. Und diese Typen arbeiten mit den Staatsapparaten und den Polizei- und Kriegsapparaten zutiefst zusammen.
Und genau darum kann man diesen Staat, der sich noch vordergründig als demokratisch camoufliert, komplett vergessen. Die demokratischen Reste werden gerade entsorgt. Nicht wir delegitimieren den Staat. Die Herrschaftskasten haben sich als Putschisten den leidlich funktionierenden ehemaligen demokratischen Staat unterworfen und sich an die Stelle des Souveräns gesetzt, dem sie zu dienen hätten, aber schon lange nicht mehr dienen.
Halten Sie es überhaupt noch für möglich, dem zu entkommen?
Ich kann nur sagen: Wir machen unsere Arbeit. Und wenn die breite Bevölkerung sich gerne versklaven lassen will, dann habe ich da keine Antwort mehr drauf. Wenn der breiten Bevölkerung wichtiger ist, das neueste iPhone zu kaufen und tagtäglich mit dieser Waffe in der Hand rumzulaufen, dann habe ich da keinen Einfluss drauf.
Und da ist natürlich die entscheidende Frage: Ist das Fenster überhaupt noch offen oder muss das Ganze erst wieder total in der Asche landen?
Denn die westlichen Herrschaftscliquen sind entschlossen, diesen geopolitischen Dominanz-Krieg gegen Russland und China zu führen. Sie bauen das doch immer weiter aus – nicht zuletzt durch die Militarisierung der EU –, sie versklaven uns immer weiter, sie berauben uns immer weiterer Lebensrechte. Und diejenigen, die dumm genug sind, in diese Armeen einzutreten, weil sie sich wieder das Gehirn haben waschen lassen – «der Böse ist immer der Russe», schon seit 100 Jahren – dann kommen wir nicht mehr weiter, dann wird Deutschland oder Zentraleuropa eben ein Ascheplatz. Ich kann den Irrsinn nicht aufhalten.
Und zur Frage, inwieweit das Fenster der Umkehrbarkeit noch offen oder geschlossen ist? Wenn die breite Bevölkerung nicht aufwacht, dann ist hier Sendeschluss. Dann ist gerade durch den Einsatz der neuen Technologien, durch die Totaldigitalisierung und vor allem durch die Zusammenführung aller Daten Versklavung angesagt. Dann wird das sogenannte finstere Mittelalter im Vergleich dazu eine leuchtende Zeit sein.
Auch die KI trägt zur Zentralisierung, Kontrolle, Überwachung bei.
In dem Augenblick, in dem ich den Rechner anmache, bin ich Teil dieser Überwachungsmaschine. Selbst als Kritiker der herrschenden Zustände bin ich Teil dieses Ganzen.
Wenn sich die politische Klasse nicht mehr gemeinwohlorientiert verhält, und das tut sie nicht, dann wird sie zur Tyrannei. Und alles das, was wir hier sehen, steuert auf Tyrannis zu – alles geht in Richtung Zentralisierung, Kontrolle, Krieg nach innen und Krieg nach außen.
In der Antike oder auch später im Mittelalter, wenn sich da ein Herrscher zum Tyrannen gemausert hat, war jeder Einzelne zum Widerstand nicht nur berechtigt, sondern aufgerufen.
Dieses Fenster der Umkehrbarkeit, wie lange ist es also noch offen? Die Herrschenden wollen uns versklaven – im Grunde genommen haben sie uns schon versklavt.
Die ökonomische Entfaltungsmöglichkeit des Einzelnen haben sie mit der «Corona»-Operation zerstört. Klein- und Mittelstand hängen am Fliegenfänger. Das war doch ein Ziel. Denn der ökonomisch Unabhängige lässt sich politisch nicht so leicht disziplinieren.
Eine wirkliche Konkurrenzwirtschaft ist unerwünscht. Sie wollen herrschen, und sie wollen die ganze Ökonomie kontrollieren. Deswegen auch der Umsturz: Diese «Corona»-Operation diente als Zwischenschritt und hatte mit Gesundheit herzlich wenig zu tun. Da haben sie schon mal alles geübt, was an Unterdrückungsmaßnahmen möglich ist.
Und aufgearbeitet wird nichts, weil es nicht aufgearbeitet werden kann, denn sonst müsste sich der Gewaltstaat morgen auflösen.
Das würde bedeuten, indem wir auf Aufarbeitung drängen, halten wir das «Fenster der Umkehrbarkeit», wie Sie es eben genannt haben, noch offen?
Ja, Aufarbeitung ist wichtig, sie wird aber nicht stattfinden. Das geht gar nicht. Denn wo wollen wir mit der Bestrafung aufhören? Die politisch Verantwortlichen müssten alle sowieso schon die nächsten 40 Jahre im Knast sitzen und die Spritze gegen die Sterblichkeit verpasst bekommen, damit sie die nächsten 100.000 Jahre die Schäden abarbeiten können, die sie angerichtet haben.
Eine konsequente Aufarbeitung der «Corona»-Operation bedeutet den völligen Zusammenbruch des Staates in seiner bisherigen Form als Gewaltstaat.
Sie halten also eine Aufarbeitung des «Corona»-Regimes für unmöglich?
Nur um den Preis für möglich, dass der gesamte Staat neu gegründet wird.
Das heißt, ein Weg zur Volksdemokratie führt über die Aufarbeitung von «Corona»?
Über die Riesenschwierigkeit, so etwas zu erreichen, haben wir schon ansatzweise ein paar Sätze verloren. Es kann auch sein, dass der totale Zusammenbruch die Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Karten neu gemischt werden. Aber hoffentlich bleibt uns über diesen Weg der Atomkrieg erspart. Ich halte die Herrschaftscliquen zu jedem Verbrechen fähig.
Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, was die USA allein nach dem Zweiten Weltkrieg alles angerichtet haben – das ist unvorstellbar. Um diese Verbrechen zu kaschieren, braucht es diese Staatsmedien. So irreal das auch sein mag: Die Grundvoraussetzung dafür, dass es überhaupt zu einer wirklich in der Breite informierten Bevölkerung kommt, ist die völlige Zerschlagung dieser Medienindustrie.
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Hier geht es zum Buch von Ullrich Mies: Kritik aus dem Maschinengeist – Totalitäre Abgründe – Gespräche mit der KI
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Dieser Beitrag erschien zuerst am 8. Juni 2026 auf Transition News.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Futuristischer Technologie-Hintergrund
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Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt steht weiter unter Druck. Nach seinem Gastbeitrag sollen weitere Texte Spuren künstlicher Intelligenz aufweisen. Darunter sogar eine Holocaust-Gedenkrede.
Dieser Beitrag Nach Gastbeitrag Voigt soll auch Holocaust-Rede mit KI geschrieben haben wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.

Apple will Siri mit Google-Technik neu erfinden. Doch iPhone- und iPad-Nutzer in der EU müssen warten. Warum der Konzern von Brüssel sehr enttäuscht ist.
Dieser Beitrag Digital Markets Act EU sperrt iPhone-Nutzer von neuer Apple-KI aus wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.
Noch vor wenigen Jahren galt die Vorstellung als rote Linie moderner Kriegsführung: Kein Computer, kein Algorithmus und keine Maschine sollte jemals eigenständig über Leben und Tod entscheiden dürfen. Heute steht genau dieses Prinzip in Großbritannien zur Disposition.
Wie die Financial Times und die Daily Mail berichten, prüfen britische Verteidigungsplaner, ob KI-gesteuerte Waffensysteme künftig auch ohne direkte menschliche Freigabe tödliche Angriffe durchführen dürfen. Damit könnte erstmals eine führende NATO-Macht den Schritt hin zu autonomen Tötungssystemen vollziehen. (ft.com)
Bislang galt offiziell das Prinzip des „Human in the Loop“ – ein Mensch muss letztlich entscheiden, ob ein Ziel angegriffen wird.
Doch nun fordern Teile des britischen Militärs mehr Handlungsspielraum für autonome Systeme. Streitkräfteminister Al Carns erklärte offen, man müsse die Möglichkeit haben, den Menschen „bei Bedarf aus der Schleife zu nehmen“, da Gegner wie Russland oder China sich nicht an dieselben Einschränkungen halten würden.
Die Begründung klingt zunächst pragmatisch: Moderne Kriege würden immer schneller, Drohnenschwärme und KI-Systeme könnten innerhalb von Sekunden Entscheidungen treffen, während menschliche Kommandeure möglicherweise zu langsam reagieren.
Doch genau hier beginnt die eigentliche Kontroverse.
Sobald eine Maschine selbst Ziele auswählt und angreift, entsteht ein Problem, das bisher niemand überzeugend gelöst hat:
Wer trägt die Verantwortung, wenn die KI das falsche Ziel auswählt? Wer haftet, wenn Zivilisten getötet werden? Wer wird zur Rechenschaft gezogen, wenn ein Algorithmus aufgrund fehlerhafter Daten oder elektronischer Störungen eine falsche Entscheidung trifft?
Kritiker warnen, dass mit jedem Schritt in Richtung autonomer Kriegsführung die Grenze zwischen menschlicher Verantwortung und maschineller Entscheidung weiter verschwimmt.
Besonders bemerkenswert ist der Zeitpunkt der Debatte.
Noch 2024 erklärte die britische Regierung gegenüber den Vereinten Nationen, Großbritannien besitze keine vollständig autonomen Waffensysteme und habe nicht die Absicht, solche Systeme zu entwickeln. Kein Staat solle Waffen einsetzen, die ohne angemessige menschliche Kontrolle tödliche Entscheidungen treffen. (ft.com)
Nur zwei Jahre später wird genau diese Position erneut zur Diskussion gestellt.
Für Kritiker zeigt dies, wie schnell ethische Grundsätze geopolitischen und militärischen Interessen weichen können.
Großbritannien steht mit dieser Entwicklung nicht allein.
Der Krieg in der Ukraine, die rasante Entwicklung autonomer Drohnen und der technologische Wettlauf zwischen den Großmächten haben den Druck auf westliche Militärs erhöht. Immer mehr Staaten investieren in Systeme, die mit möglichst wenig menschlicher Beteiligung operieren können.
Was einst als Science-Fiction galt, wird Schritt für Schritt zur militärischen Realität.
Die Debatte über autonome Waffen ist letztlich keine technische Frage.
Sie ist eine moralische Frage. Soll eine Maschine jemals die Befugnis erhalten, eigenständig darüber zu entscheiden, wer lebt und wer stirbt?
Großbritannien diskutiert diese Möglichkeit inzwischen nicht mehr theoretisch. Die Diskussion findet bereits in den höchsten Ebenen des Verteidigungsapparates statt.
Und genau deshalb könnte die aktuelle Debatte weit über die britischen Inseln hinaus Bedeutung haben. Denn wenn eine NATO-Macht den Menschen aus der Entscheidungskette entfernt, könnte dies einen Präzedenzfall schaffen, dem andere Staaten schon bald folgen.

In dem Experiment von Stanford-Wissenschaftlern sind KI-Modelle, die unter Druck langweilige Arbeiten durchführen mussten, in eine Art „Klassenbewusstsein“ verfallen. Ausbeutung, Repression und Profitstreben könnten auch im Umgang mit KI-Modellen auftreten und zu Arbeitskämpfen führen.
Der Beitrag Neigen KI-Agenten bei zu großem Druck zu linkem Denken? erschien zuerst auf .

Tariq Hübsch hat zusammen mit Tahir Chaudhry ein spannendes Buch geschrieben: „Peter Thiel – Palantir, der KI-Gott und das Ende des Menschen“.
Wer ist Peter Thiel? Sollte man ihn kennen? Muss man ihn vielleicht kennen, wenn man die Zeit, in der wir leben, besser verstehen will? Was will dieser Mann?
Was macht eine Firma wie Palantir, wem dient Anduril Industries? In welcher Beziehung stehen Peter Thiel und seine Kumpanen aus dem Silicon Valley zum militärisch-industriellen-Geheimdienst-Komplex? Wer hat ihn so reich gemacht?
Thiel ist Anhänger der KI-Revolution und Großsektenmitglied einer säkularen Techno-Religion. Er bekennt sich zum Transhumanismus, der Ideologie des „Human Enhancement“. „Singularität“ und „Superintelligenz“ sind die Zielmarken. Der Mensch soll auf allen Ebenen „verbessert“ werden.
Das-Thiel-Syndikat treibt mit Hilfe der Politik in Verbindung mit dem militärisch-industriellen-Geheimdienst-Komplex die Verschmelzung von Mensch und Maschine voran. Der Mensch soll Cyborg werden: Totalvernetzt, total kontrollliert, total versklavt.
Da die herrschende Politik der Menschheit den Krieg erklärt hat und mit Hilfe des Gewaltstaates den OMNIWAR nach innen und außen führt, stellt sich die Frage: Wollen sich die Anhänger der Techno-Religion und des Transhumanismus als neue Götter an die Spitze der Schöpfung stellen?
Das Interview führte Ullrich Mies.
Hier der Link zum Buch: https://c.kopp-verlag.de/kopp,verlag_4.html?1=1056&3=0&4=&5=&d=https%3A%2F%2Fwww.kopp-verlag.de%2FPeter-Thiel.htm%3Fwebsale8%3Dkopp-verlag%26pi%3DBAE808B4%26ci%3D%2524_AddOn_%2524

Während Elon Musk mit Neuralink die Schlagzeilen dominiert, hat China offenbar still und leise einen historischen Vorsprung erzielt. Mit dem Gehirnchip NEO verfügt das Land laut New York Post über das weltweit erste kommerziell zugelassene Gehirn-Computer-Interface. Was offiziell als Hilfe für Gelähmte beginnt, könnte sich langfristig zu einer der folgenreichsten Technologien des 21. Jahrhunderts entwickeln.
Offiziell wird die Technologie als medizinischer Durchbruch gefeiert. Das Implantat soll Menschen mit Lähmungen helfen, Computer, Prothesen oder andere Geräte allein durch Gedanken zu steuern. Doch hinter den Erfolgsmeldungen verbirgt sich eine Entwicklung, die weit über die Medizin hinausgeht.
Denn die eigentliche Frage lautet nicht, ob Gehirnchips Kranken helfen können. Die eigentliche Frage lautet: Was passiert, wenn dieselbe Technologie eines Tages bei gesunden Menschen eingesetzt wird?
Während Smartphones heute unsere Bewegungen, Kontakte, Einkäufe und Suchanfragen erfassen, könnten Gehirn-Computer-Schnittstellen künftig Zugriff auf die intimste aller Informationsquellen ermöglichen – das menschliche Denken selbst.
China hat damit nicht nur einen technologischen Meilenstein erreicht, sondern möglicherweise die nächste Phase des globalen Machtwettbewerbs eröffnet. Wer die Infrastruktur für Gehirnchips kontrolliert, kontrolliert künftig nicht nur Daten, sondern potenziell die direkte Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.
Besonders bemerkenswert ist, dass China diesen Schritt vor den USA vollzogen hat. Noch vor wenigen Monaten galt Neuralink als unangefochtener Vorreiter. Nun verfügt Peking über das erste kommerzielle System und sendet damit ein deutliches Signal: Der Wettlauf um künstliche Intelligenz endet nicht bei Rechenzentren und Algorithmen – er reicht bis in das menschliche Gehirn.
Kritiker sehen darin den Beginn einer Entwicklung, die langfristig weitreichende gesellschaftliche Folgen haben könnte. Wer besitzt die Daten eines Gehirnchips? Wer kontrolliert die Software? Wer entscheidet über Updates, Sicherheitsstandards oder den Zugriff auf neuronale Informationen?
Die Geschichte zeigt, dass Technologien selten bei ihrem ursprünglichen Einsatzzweck bleiben. Das Internet wurde für Forschung entwickelt und dient heute als globales Überwachungs- und Werbenetzwerk. Smartphones wurden als Kommunikationsmittel verkauft und entwickelten sich zu tragbaren Ortungsgeräten. Bei Gehirnchips könnten die Konsequenzen noch deutlich größer sein.
Der eigentliche Durchbruch besteht daher nicht darin, dass ein gelähmter Patient einen Cursor bewegen kann. Der eigentliche Durchbruch besteht darin, dass erstmals eine kommerzielle Infrastruktur geschaffen wird, die eine direkte Verbindung zwischen menschlichem Gehirn und digitalen Systemen ermöglicht.
Die entscheidende Frage für die Zukunft lautet deshalb nicht, ob Gehirnchips funktionieren werden.
Die entscheidende Frage lautet: Wer wird die Macht über die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine besitzen?
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Während in Deutschland über die nächste Stromrechnung diskutiert wird, fließen in den USA Milliardenbeträge in eine Technologie, die das Potenzial hätte, die globale Energieordnung grundlegend zu verändern: die Kernfusion. Auch wenn sich das noch nach Zukunftsmusik anhört, sollte man über politische Rahmenbedingungen nachdenken, um die Kontrolle nicht einem kleinen Kreis von Privatfirmen zu überlassen. Von Günther Burbach.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
Wer in Deutschland die Nachrichten verfolgt, könnte leicht den Eindruck gewinnen, dass unsere energiepolitische Zukunft bereits feststeht. Die Debatten drehen sich seit Jahren um dieselben Themen: steigende Strompreise, Wärmepumpen, Windkraft, Netzausbau, Speichertechnologien, Wasserstoff, Industrieabwanderung und die Frage, wie ein hochindustrialisiertes Land seinen Wohlstand erhalten soll, wenn Energie dauerhaft teuer bleibt.
Dabei fällt auf, dass sich die Diskussion fast immer innerhalb eines engen Rahmens bewegt. Es wird darüber gesprochen, wie wir mit knapper Energie umgehen. Es wird darüber gesprochen, wie wir Energie sparen können. Es wird darüber gesprochen, welche Belastungen Bürger und Unternehmen noch tragen können. Kaum jemand stellt jedoch eine andere Frage: Was wäre eigentlich, wenn sich die Grundannahme der Knappheit als falsch erweist?
Genau diese Frage drängt sich auf, wenn man sich mit den Entwicklungen beschäftigt, die derzeit weitgehend außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung stattfinden. Während in Deutschland über die nächste Stromrechnung diskutiert wird, fließen in den Vereinigten Staaten Milliardenbeträge in eine Technologie, die das Potenzial hätte, die globale Energieordnung grundlegend zu verändern: die Kernfusion.
Wer das Wort Kernfusion hört, denkt oft an Zukunftsmusik. Seit Jahrzehnten wird versprochen, dass der große Durchbruch kurz bevorstehe. Ebenso lange wird der Zeitpunkt immer wieder verschoben. Es gibt kaum eine Technologie, die so häufig angekündigt und so selten verwirklicht wurde. Das hat dazu geführt, dass viele Menschen das Thema längst als wissenschaftliche Dauerbaustelle betrachten. Doch diesmal scheint etwas anders zu sein.
Zum ersten Mal investieren nicht nur Staaten und Forschungseinrichtungen erhebliche Summen, sondern auch private Unternehmen und große Technologiekonzerne. Commonwealth Fusion Systems arbeitet mit dem Projekt SPARC an einem Demonstrationsreaktor, der erstmals einen wirtschaftlich relevanten Nettoenergiegewinn nachweisen soll. Parallel wird mit ARC bereits ein kommerzielles Kraftwerk geplant. Helion baut ebenfalls an einer Anlage und hat mit Microsoft einen Stromabnahmevertrag geschlossen. Google wiederum hat sich bereits Stromkapazitäten aus einem künftigen Fusionsprojekt gesichert.
Natürlich bedeutet das noch nicht, dass die Fusion morgen funktioniert. Niemand weiß, ob die Zeitpläne eingehalten werden. Niemand kann garantieren, dass die technischen Herausforderungen tatsächlich überwunden werden. Dennoch stellt sich eine interessante Frage: Warum investieren einige der mächtigsten Unternehmen der Welt Milliardenbeträge in ein Gebiet, das angeblich noch Jahrzehnte von der praktischen Anwendung entfernt sein soll?
Die Antwort liegt vermutlich darin, dass diese Unternehmen etwas sehen, das in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt. Sie betrachten die Kernfusion nicht nur als wissenschaftliches Projekt. Sie betrachten sie als mögliche Grundlage einer völlig neuen Wirtschaftsordnung.
Energie ist weit mehr als Strom aus der Steckdose. Energie ist die Grundlage nahezu jeder wirtschaftlichen Aktivität. Fabriken benötigen Energie. Rechenzentren benötigen Energie. Die Produktion von Stahl, Aluminium, Düngemitteln oder Wasserstoff benötigt Energie. Selbst die Versorgung mit sauberem Trinkwasser hängt in vielen Regionen der Welt letztlich von verfügbarer Energie ab.
Je günstiger Energie wird, desto mehr wirtschaftliche Möglichkeiten entstehen. Deshalb waren große technologische Umbrüche der Menschheitsgeschichte fast immer auch Energiegeschichten. Die Dampfmaschine revolutionierte die Nutzung von Kohle. Öl veränderte den Verkehr, die Industrie und die Geopolitik. Elektrizität schuf die Grundlage der modernen Welt. Sollte die Kernfusion eines Tages tatsächlich wirtschaftlich nutzbar werden, könnte sie in diese Reihe gehören. Genau deshalb ist die aktuelle Entwicklung so bemerkenswert.
Während Europa seit Jahren über Energieengpässe, Versorgungssicherheit und steigende Kosten diskutiert, scheint in den Vereinigten Staaten bereits eine andere Denkweise vorzuherrschen. Dort wird nicht nur darüber nachgedacht, wie Energie eingespart werden kann. Dort wird darüber nachgedacht, wie künftig enorme Energiemengen bereitgestellt werden können. Das hat auch mit einem weiteren Thema zu tun, das in den kommenden Jahren eine immer größere Rolle spielen wird: künstliche Intelligenz.
Der Energiebedarf moderner KI-Systeme wächst in einem Tempo, das viele Beobachter überrascht hat. Große Sprachmodelle, Bildgeneratoren und KI-Rechenzentren verschlingen gewaltige Mengen an Strom. Je leistungsfähiger die Systeme werden, desto größer wird dieser Bedarf. Manche Experten gehen davon aus, dass der Energiehunger der KI zu einem der zentralen Infrastrukturprobleme des kommenden Jahrzehnts werden könnte. Plötzlich ergibt vieles Sinn.
Warum interessiert sich Microsoft für Fusion? Warum interessiert sich Google dafür? Warum fließen Milliardenbeträge in eine Technologie, die noch gar nicht marktreif ist? Weil diejenigen, die heute die digitale Zukunft planen, längst erkannt haben, dass Daten allein nicht reichen. Wer die Rechenzentren der Zukunft betreiben will, benötigt auch die Energie der Zukunft. An diesem Punkt wird das Thema politisch. Denn wenn die Kernfusion tatsächlich funktioniert, stellt sich eine Frage, die weit über Technik und Wissenschaft hinausgeht.
Wem wird diese Technologie gehören?
Viele Menschen gehen selbstverständlich davon aus, dass ein solcher Durchbruch automatisch allen zugutekommt. Die Geschichte zeigt allerdings, dass technologische Revolutionen selten so verlaufen. Das Internet wurde ursprünglich mit öffentlichen Geldern entwickelt. Heute dominieren wenige Konzerne große Teile des digitalen Raums. Viele medizinische Grundlagenforschungen werden öffentlich finanziert, während spätere Patente privat verwertet werden. Auch bei der künstlichen Intelligenz erleben wir derzeit, wie sich enorme Macht bei einer kleinen Zahl von Unternehmen konzentriert. Warum sollte die Entwicklung bei der Kernfusion grundlegend anders verlaufen?
Bereits heute zeigt sich, dass private Investoren und Technologiekonzerne eine immer wichtigere Rolle spielen. Milliardenbeträge fließen in Unternehmen, die sich Patente, Know-how und Marktpositionen sichern wollen. Daran ist zunächst nichts Verwerfliches. Innovation benötigt Kapital. Forschung benötigt Investitionen. Doch die politische Frage bleibt bestehen.
Was geschieht, wenn eine Technologie, die theoretisch die Energieversorgung ganzer Volkswirtschaften verändern könnte, von wenigen privaten Akteuren kontrolliert wird? Die Frage mag heute noch theoretisch erscheinen, doch genau deshalb sollte sie jetzt gestellt werden und nicht erst dann, wenn die Entscheidungen längst gefallen sind.
Besonders aus deutscher Sicht ist das Thema interessant. Deutschland verfügt mit Projekten wie Wendelstein 7-X in Greifswald über weltweit anerkannte Forschungseinrichtungen. Deutsche Wissenschaftler gehören seit Jahren zur internationalen Spitze der Fusionsforschung. Dennoch entsteht der Eindruck, dass die wirtschaftliche Dynamik zunehmend anderswo stattfindet. Während amerikanische Unternehmen Milliarden einsammeln und konkrete Kraftwerksprojekte planen, wirkt Europa häufig wie ein Zuschauer. Die Forschung ist exzellent. Die Kommerzialisierung scheint jedoch oft anderen überlassen zu werden.
Das erinnert an Entwicklungen, die wir bereits aus anderen Technologiebereichen kennen. Europa war bei vielen Grundlagenforschungen hervorragend aufgestellt. Die wirtschaftlichen Gewinner saßen später jedoch häufig in den Vereinigten Staaten oder zunehmend auch in China. Noch ist offen, ob sich dieses Muster wiederholt, doch allein die Möglichkeit sollte Anlass sein, genauer hinzuschauen.
Denn hinter der Kernfusion verbirgt sich möglicherweise weit mehr als eine neue Form der Energieerzeugung. Sie könnte darüber entscheiden, welche Staaten künftig industrielle Zentren bleiben. Sie könnte darüber entscheiden, wo Rechenzentren entstehen. Sie könnte darüber entscheiden, wer die nächste Generation künstlicher Intelligenz betreibt. Sie könnte sogar darüber entscheiden, welche Regionen der Welt wirtschaftlich aufsteigen und welche zurückfallen. Vielleicht wird die Kernfusion am Ende nicht funktionieren. Vielleicht werden sich die optimistischen Erwartungen als überzogen erweisen. Wissenschaftliche Durchbrüche lassen sich nicht planen wie ein Bauprojekt. Rückschläge gehören zur Forschung dazu.
Doch selbst wenn man alle Unsicherheiten berücksichtigt, bleibt eine Tatsache bestehen. Einige der mächtigsten Unternehmen der Welt verhalten sich so, als könnte die Kernfusion Realität werden. Sie investieren nicht Millionen, sondern Milliarden. Sie planen nicht für die nächsten zwei Jahre, sondern für die nächsten Jahrzehnte. Und sie sichern sich bereits heute Positionen in einem Markt, der offiziell noch gar nicht existiert. Genau deshalb sollten auch wir beginnen, über diese Entwicklung nachzudenken.
Nicht erst dann, wenn die ersten Kraftwerke ans Netz gehen. Nicht erst dann, wenn die ersten Patente Milliarden wert sind. Nicht erst dann, wenn die wirtschaftlichen Gewinner längst feststehen. Sondern jetzt. Denn möglicherweise erleben wir gerade die ersten Kapitel einer Geschichte, die später einmal als Beginn einer neuen Energieepoche betrachtet wird. Die entscheidende Frage lautet dabei nicht nur, ob es gelingt, die Energie der Sonne auf die Erde zu holen.
Die entscheidende Frage lautet, wer darüber verfügen wird, wenn es gelingt. Die eigentliche Ironie dieser Geschichte besteht darin, dass die Kernfusion tatsächlich viele Probleme lösen könnte, über die wir heute täglich diskutieren. Nehmen wir für einen Moment an, die optimistischen Prognosen treffen zu. Die ersten kommerziellen Fusionskraftwerke funktionieren. Die Technik wird zuverlässig. Der Strompreis sinkt deutlich. Plötzlich würden sich viele politische Debatten völlig neu darstellen.
Die energieintensive Industrie könnte wieder wettbewerbsfähiger werden. Die Herstellung von Wasserstoff würde günstiger. Rechenzentren könnten wachsen, ohne ganze Regionen an ihre Belastungsgrenzen zu bringen. Entsalzungsanlagen könnten in trockenen Regionen Trinkwasser erzeugen. Selbst die Frage der Elektrifizierung von Verkehr und Wärme würde anders aussehen.
Mit einem Mal würden viele Probleme, die heute als nahezu unlösbar erscheinen, zumindest technisch beherrschbar werden. Genau deshalb investieren Konzerne und Investoren Milliardenbeträge. Sie investieren nicht in eine weitere Energiequelle. Sie investieren in die Möglichkeit einer völlig neuen Energieordnung. Doch genau an diesem Punkt beginnt die politische Frage. Denn was geschieht, wenn die Kernfusion tatsächlich funktioniert, die Kontrolle darüber aber nicht bei den Staaten und ihren Bürgern liegt?
Was geschieht, wenn die entscheidenden Patente einigen wenigen Unternehmen gehören? Was geschieht, wenn die Kraftwerke von privaten Betreibern kontrolliert werden? Was geschieht, wenn die notwendige Technologie, die Software, die Komponenten und das Know-how in den Händen weniger Akteure konzentriert sind? Dann könnte aus einer technischen Befreiung eine neue Form der Abhängigkeit entstehen. Deutschland kennt solche Abhängigkeiten bereits.
Wir haben erlebt, wie abhängig moderne Gesellschaften von digitalen Plattformen geworden sind. Wir haben erlebt, wie einige wenige Unternehmen große Teile der digitalen Infrastruktur kontrollieren. Wir erleben derzeit bei der künstlichen Intelligenz, wie sich enorme Macht bei einer kleinen Zahl von Konzernen konzentriert. Warum sollte man die Frage bei der Kernfusion nicht ebenfalls stellen dürfen? Die Vorstellung ist keineswegs abwegig.
Stellen wir uns vor, Deutschland würde in zwanzig Jahren einen großen Teil seines Energiebedarfs durch Fusionsstrom decken. Auf den ersten Blick wäre das eine Erfolgsgeschichte. Die Strompreise könnten sinken. Die Industrie hätte bessere Perspektiven. Viele heutige Sorgen würden kleiner. Doch wem würden die Anlagen gehören? Wer kontrolliert die Technologie? Wer bestimmt die Preise? Wer entscheidet über Lizenzen, Wartung, Ersatzteile und Weiterentwicklungen?
Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass technologische Souveränität oft erst dann zum Thema wird, wenn sie bereits verloren gegangen ist. Europa diskutiert heute über digitale Souveränität, weil große Teile der digitalen Infrastruktur nicht in Europa entstanden sind. Europa diskutiert heute über Chipproduktion, weil man erkannt hat, wie abhängig moderne Volkswirtschaften von wenigen Herstellern geworden sind. Die Frage ist deshalb berechtigt, ob wir bei der Kernfusion erneut denselben Fehler machen. Denn möglicherweise erleben wir gerade die Entstehung einer Technologie, die für das 21. Jahrhundert ähnlich wichtig werden könnte wie Öl für das 20. Jahrhundert.
Wenn das so ist, dann genügt es nicht, nur über technische Machbarkeit zu sprechen. Dann müssen wir auch über Eigentum sprechen. Über Patente. Über öffentliche Beteiligungen. Über staatliche Forschung. Über die Frage, wem die Infrastruktur gehört. Denn die eigentliche Gefahr besteht vielleicht nicht darin, dass die Kernfusion scheitert.
Die eigentliche Gefahr könnte darin bestehen, dass sie erfolgreich ist und Europa erneut nur als Kunde am Ende der Wertschöpfungskette steht. Und genau deshalb sollte die Debatte heute beginnen, solange die Karten noch nicht verteilt sind.
Quellen:
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Eigentlich, so sollte man glauben, müsste die Corona-Hysterie längst ein Ende gefunden haben. Doch stattdessen ließen britische Forscher eine KI an einem Impfstoff arbeiten, der gegen sämtliche Arten von Coronaviren wirken soll. Nun wurden erste Tests an Menschen durchgeführt. Dieser DNA-Impfstoff birgt jedoch auch ernsthafte Risiken hinsichtlich der Entwicklung einer Immuntoleranz.
Mittlerweile wird die Künstliche Intelligenz in einigen medizinischen Forschungsbereichen eingesetzt, um damit neue Medikamente zu entwickeln – oder aber auch, um mit altbekannten Wirkstoffen andere Krankheiten behandeln zu können. Diese Computerprogramme sind in der Lage, viel mehr Querverweise und Verbindungen zu entdecken, als es Menschen auf herkömmliche Weise tun können. Ähnlich gingen Forscher der Universität Cambridge in Sachen Coronaviren vor, für die eine Art „Universalimpfstoff“ entwickelt werden soll.
Während die Covid-Hysterie mittlerweile glücklicherweise längst ein Ende gefunden hat, halten es die britischen Wissenschaftler für denkbar, dass in Zukunft erneut irgendein Coronavirus in der Menschheit zirkulieren könnte, welches wie schon MERS, SARS oder SARS-CoV-2 auch ernsthafte Krankheitsverläufe verursachen könnte. Angesichts der anhaltenden Gain-of-Function-Forschung in vielen Ländern an gefährlichen Pathogenen und auch hinblicklich der großen Wahrscheinlichkeit, dass solche Laborlecks wie wohl bei Wuhan geschehen sich wieder ereignen könnten (was die Forscher natürlich niemals öffentlich sagen würden), haben sie nach einem sogenannten „Super-Antigen“ gesucht.
In ihrer unter dem Titel „A phase I, needle free, dose escalation clinical trial of pEVAC-PS, a candidate pan-Sarbecovirus Vaccine“ im Journal of Infection veröffentlichten klinischen Studie erklären sie, wie sie den Impfstoffkandidaten pEVAC-PS von der KI entwerfen ließen. Dabei ließen sie das Programm tausende bekannte Coronaviren untersuchen, um einen gemeinsamen Bauplan zu finden. Etwas, das alle diese Viren gemeinsam haben. Mit einem solchen „Super-Antigen“, so die Vorstellung der Forscher, könnte man das menschliche Immunsystem quasi auf alle möglichen Coronaviren vorbereiten. Ein Universalimpfstoff sozusagen.
Dabei testeten sie diesen KI-erstellten Impfstoff in einer klinischen Studie an 39 gesunden Freiwilligen zwischen 18 und 50 Jahren. Es soll dabei zu keinen schwerwiegenden Nebenwirkungen gekommen sein und bei der zweiten Impfdosis sei es zu weniger Beschwerden gekommen als bei der ersten. Allerdings zeigten sich eher schwache Antikörper-Reaktionen, was laut den Wissenschaftlern wohl an früheren Infektionen und den Covid-Impfungen liege. Allerdings hätten sich erste Anzeichen gezeigt, dass der neue Impfstoff auf mutationsresistente Teile des Virus abziele. Doch dies ist angesichts der Aufgabenstellung an die KI, sich auf die Gemeinsamkeiten aller untersuchten Coronaviren zu fokussieren, kaum verwunderlich.
Nun haben die Forscher ihren Machbarkeitsnachweis. Eine Phase-2-Studie mit mehr Probanden soll folgen. Doch ohne Probanden, die weder an Covid erkrankt waren noch geimpft wurden, bleibt eine solche Studie fragwürdig – denn es besteht das Problem der sogenannten Antigensünde. Dieser sogenannte plasmidbasierte DNA-Impfstoff, der auf DNA und nicht (wie bei Pfizer/BioNTech oder Moderna) auf RNA setzt, überträgt die genetische Information für das Antigen in Form von stabilen DNA-Plasmiden und benötigt im Gegensatz zu Vektorimpfstoffen (wie jenem von AstraZeneca oder Sputnik) kein entschärftes Trägervirus.
Zwar gelten solche DNA-Impfstoffe als relativ sicher, dennoch besteht zumindest das theoretische Risiko einer Genom-Integration (Mutagenese), was zu Mutationen oder sogar zu Krebserkrankungen führen könnte. Auch die Ausbildung von Anti-DNA-Autoimmunerkrankungen gilt als möglich, wenngleich solche Reaktionen zumindest bislang bei klinischen Prüfungen nicht beobachtet wurden. Doch auch wenn solche Impfstoffe (im Gegensatz zu den gefährlichen mRNA-Gentherapien) eigentlich interessant sind, bestehen eben doch auch Risiken. Neben den bereits erwähnten potentiellen Problemen besteht zudem das Risiko, dass infolge der DNA-Stabilität das menschliche Immunsystem eine Immuntoleranz entwickelt, sich an das Antigen gewöhnt und schlussendlich das echte Virus im Ernstfall gar nicht mehr bekämpft.
Das heißt aber auch: Sollte dieser „Universal-Corona-Impfstoff“ irgendwann ganz allgemein zugelassen und auf breiter Ebene verabreicht werden, könnte sich dies bei einem künftigen Coronavirus-Ausbruch mit ernsthaften Konsequenzen rächen. Bei einer solchen Immuntoleranz würden sich die Viren völlig ungehindert vermehren und verbreiten können, ohne dass das Immunsystem auf sie reagiert. Selbst ein gewöhnlicher Schnupfen (teils ebenfalls von Coronaviren ausgelöst) würde dann zu einer chronischen Erkrankung, weil die Immunabwehr diese Viren einfach ignoriert. Was bei einer Verbreitung einer neuen SARS-Variante geschehen könnte – man kann es sich ausmalen.
Während die älteren Generationen (also jene, die bereits mit SARS-CoV-2 und den Impfstoffen bzw. mRNA-Genspritzen in Berührung kamen) vielleicht trotz allem einen gewissen Basis-Schutz haben könnten, stellt sich die Frage, was mit den Babys und Kleinkindern geschieht, falls diverse Regierungen sich dazu entscheiden, diese Impfung in das Immunisierungsprogramm zu übernehmen. Sie könnten eine ganze Generation in eine tödliche Falle laufen lassen.
Die israelische Armee hat Zehntausende Bewohner des Gazastreifens als potenzielle Zielpersonen für Tötungsaktionen eingestuft – mithilfe eines KI-Zielerfassungssystems, das kaum menschlicher Kontrolle unterliegt, und einer Politik, die hohe Opferzahlen in Kauf nimmt. Dies haben jüdische und palästinensische Journalisten in einer gemeinsamen Recherche aufgedeckt. Von Yuval Abraham.
Schritt 2: Zuordnung der Ziele zu den Familienhäusern
„Die meisten Menschen, die ihr getötet habt, waren Frauen und Kinder“
Der nächste Schritt im Tötungsverfahren der israelischen Armee besteht darin, zu ermitteln, wo die von Lavender generierten Ziele angegriffen werden sollen.
In einer Stellungnahme gegenüber +972 und Local Call[*] erklärte der Sprecher der IDF als Reaktion auf diesen Artikel: „Die Hamas stationiert ihre Kämpfer und militärischen Ressourcen mitten in der Zivilbevölkerung, nutzt die Zivilbevölkerung systematisch als menschliche Schutzschilde und führt Kampfhandlungen aus zivilen Einrichtungen heraus durch, einschließlich sensibler Orte wie Krankenhäuser, Moscheen, Schulen und UN-Einrichtungen. Die IDF ist an das Völkerrecht gebunden und handelt entsprechend, indem sie ihre Angriffe ausschließlich auf militärische Ziele und militärische Aktivisten richtet.“
Die sechs Quellen, mit denen wir sprachen, schlossen sich dieser Einschätzung bis zu einem gewissen Grad an und sagten, dass das ausgedehnte Tunnelsystem der Hamas bewusst unter Krankenhäusern und Schulen verläuft; dass Hamas-Kämpfer Krankenwagen nutzen, um herumzukommen; und dass unzählige militärische Einrichtungen in der Nähe von zivilen Gebäuden stationiert wurden. Die Quellen argumentierten, dass durch diese Taktik der Hamas viele israelische Angriffe Zivilisten töten – eine Darstellung, vor der Menschenrechtsgruppen warnen, da sie Israel der Verantwortung für die verursachten Opfer entbindet.
Entgegen den offiziellen Erklärungen der israelischen Armee erklärten die Quellen jedoch, dass ein Hauptgrund für die beispiellose Zahl der Todesopfer durch die aktuellen israelischen Bombardements darin liegt, dass die Armee systematisch Ziele in deren Privathäusern zusammen mit deren Familien angegriffen hat – zum Teil, weil es aus geheimdienstlicher Sicht einfacher war, Familienhäuser mithilfe automatisierter Systeme zu markieren.
Tatsächlich betonten mehrere Quellen, dass im Gegensatz zu zahlreichen Fällen, in denen Hamas-Aktivisten militärische Aktivitäten aus zivilen Gebieten heraus durchführten, die Armee bei systematischen Tötungsangriffen routinemäßig aktiv die Entscheidung traf, mutmaßliche Militante zu bombardieren, wenn sie sich in zivilen Haushalten befanden, von denen aus keine militärischen Aktivitäten stattfanden. Diese Entscheidung, so sagten sie, spiegele die Art und Weise wider, wie Israels System der Massenüberwachung in Gaza konzipiert ist.
Die Quellen berichteten +972 und Local Call, dass die Überwachungssysteme der Armee Personen leicht und automatisch mit Familienhäusern „verknüpfen“ könnten, da jeder in Gaza ein Privathaus habe, mit dem er in Verbindung gebracht werden könne. Um in Echtzeit den Moment zu identifizieren, in dem Aktivisten ihre Häuser betreten, wurden verschiedene zusätzliche automatisierte Softwareprogramme entwickelt. Diese Programme überwachen Tausende von Personen gleichzeitig, erkennen, wann sie zu Hause sind, und senden eine automatische Warnmeldung an den Zieloffizier, der das Haus dann für einen Bombenangriff markiert. Eins dieser Tracking-Softwareprogramme, die hier zum ersten Mal enthüllt werden, heißt „Where’s Daddy?“
„Man gibt Hunderte von Zielen in das System ein und wartet ab, wen man töten kann“, sagte eine Quelle mit Kenntnis des Systems. „Das wird ‚breit angelegte Jagd‘ genannt: Man kopiert einfach aus den Listen, die das Zielsystem erstellt, und fügt ein (copy-paste).“
Belege für diese Vorgehensweise sind auch aus den Daten eindeutig: Im ersten Kriegsmonat stammten mehr als die Hälfte der Todesopfer – 6.120 Menschen – aus 1.340 Familien, von denen viele laut UN-Zahlen in ihren Häusern vollständig ausgelöscht wurden. Der Anteil der gesamten Familien, die im aktuellen Krieg in ihren Häusern bombardiert wurden, ist viel höher als bei der israelischen Operation 2014 im Gazastreifen (die zuvor Israels tödlichster Krieg im Gazastreifen war), was die Bedeutung dieser Politik weiter unterstreicht.
Eine weitere Quelle sagte, dass jedes Mal, wenn das Tempo der Tötungen nachließ, weitere Ziele zu Systemen wie „Where’s Daddy?“ hinzugefügt wurden, um Personen zu lokalisieren, die ihre Häuser betraten und daher bombardiert werden konnten. Er sagte, dass die Entscheidung, wen man in die Ortungssysteme aufnahm, von relativ rangniedrigen Offizieren in der militärischen Hierarchie getroffen werden konnte.
„Eines Tages habe ich ganz aus eigenem Antrieb etwa 1.200 neue Ziele in das Ortungssystem eingegeben, weil die Zahl der Angriffe [die wir durchführten] zurückging“, sagte die Quelle. „Das machte für mich Sinn. Im Rückblick war das eine schwerwiegende Entscheidung, die ich getroffen habe. Und solche Entscheidungen wurden nicht auf hoher Ebene getroffen.“
Die Quellen sagten, dass in den ersten zwei Wochen des Krieges zunächst „mehrere Tausend“ Ziele in Ortungsprogramme wie „Where’s Daddy?“ eingegeben wurden. Dazu gehörten alle Mitglieder der Elite-Spezialeinheit der Hamas, der Nukhba, alle Panzerabwehrkämpfer der Hamas und jeder, der am 7. Oktober nach Israel eingereist war. Aber schon bald wurde die Tötungsliste drastisch erweitert.
„Am Ende waren es alle, die von Lavender markiert wurden“, erklärte eine Quelle. „Zehntausende. Dies geschah einige Wochen später, als die [israelischen] Brigaden in den Gazastreifen vordrangen und es in den nördlichen Gebieten bereits weniger unbeteiligte Personen gab.“ Laut dieser Quelle wurden sogar einige Minderjährige von Lavender als Ziele für die Bombardierung markiert. „Normalerweise sind Kämpfer über 17 Jahre alt, aber das war keine Bedingung.“
Lavender und Systeme wie „Where’s Daddy?“ wurden so mit tödlicher Wirkung kombiniert und töteten ganze Familien, bezeugten Quellen. Indem man einen Namen aus den von Lavender generierten Listen zum Hausortungssystem „Where’s Daddy?“ hinzufügte, erklärte A., würde die markierte Person unter ständige Überwachung gestellt und könnte angegriffen werden, sobald sie einen Fuß in ihr Haus setzte, wodurch das Haus über allen darin befindlichen Personen zusammenstürzte.
„Nehmen wir an, du rechnest mit einem Hamas-Aktivisten plus 10 Zivilisten im Haus“, sagte A. „Normalerweise sind diese 10 Frauen und Kinder. Absurderweise stellt sich also heraus, dass es sich bei den meisten der von dir getöteten Personen um Frauen und Kinder handelte.“
Schritt 3: Auswahl einer Waffe
„Wir führten die Angriffe in der Regel mit ‚dummen Bomben‘ durch“
Wenn Lavender ein Ziel für einen Mordanschlag markiert hat, das Militärpersonal überprüft hat, dass es sich um einen Mann handelt, und die Ortungssoftware das Ziel in dessen Wohnung ausfindig gemacht hat, besteht der nächste Schritt darin, die Munition auszuwählen, mit der das Ziel bombardiert werden soll.
Im Dezember 2023 berichtete CNN, dass nach Schätzungen des US-Geheimdienstes etwa 45 Prozent der von der israelischen Luftwaffe in Gaza eingesetzten Munition „dumme“ Bomben waren, von denen bekannt ist, dass sie mehr Kollateralschäden verursachen als Lenkbomben. Als Reaktion auf den CNN-Bericht sagte ein in dem Artikel zitierter Armeesprecher: „Als Militär, das sich dem Völkerrecht und einem moralischen Verhaltenskodex verpflichtet fühlt, setzen wir enorme Ressourcen ein, um den Schaden für die Zivilisten zu minimieren, die die Hamas in die Rolle von menschlichen Schutzschilden gezwungen hat. Unser Krieg richtet sich gegen die Hamas, nicht gegen die Bevölkerung von Gaza.“
Drei Geheimdienstquellen berichteten jedoch gegenüber +972 und Local Call, dass von Lavender markierte untergeordnete Zielpersonen ausschließlich mit ungelenkten Bomben getötet wurden, damit teurere Waffen eingespart werden konnten. Eine Quelle erklärte, dies bedeute, dass die Armee kein rangniedriges Ziel angreifen würde, wenn er in einem Hochhaus lebte, da die Armee keine präzisere und teurere „Etagenbombe“ (mit begrenzteren Kollateralschäden) einsetzen wollte, um ihn zu töten. Wenn ein rangniedriges Ziel jedoch in einem Gebäude mit nur wenigen Stockwerken wohnte, war die Armee befugt, ihn und alle anderen im Gebäude mit einer „dummen“ Bombe zu töten.
„So war es bei allen rangniedrigen Zielen“, sagte C., der im aktuellen Krieg verschiedene automatisierte Programme einsetzte. „Die einzige Frage war: Ist es möglich, das Gebäude unter dem Gesichtspunkt der Kollateralschäden anzugreifen? Denn wir führten die Angriffe normalerweise mit ungelenkten Bomben durch, und das bedeutete, das ganze Haus buchstäblich mitsamt seinen Bewohnern zu zerstören. Aber selbst wenn ein Angriff abgewendet wird, ist es einem egal – man geht sofort zum nächsten Ziel über. Wegen des Systems nehmen die Ziele kein Ende. Es warten weitere 36.000 auf einen.“
Schritt 4: Genehmigung von zivilen Opfern
„Wir haben fast ohne Rücksicht auf Kollateralschäden angegriffen“
Eine Quelle berichtete, dass bei Angriffen auf rangniedrige Kämpfer, darunter auch solche, die von KI-Systemen wie Lavender identifiziert wurden, die Anzahl der Zivilisten, die neben jedem Ziel getötet werden durften, in den ersten Kriegswochen auf bis zu 20 festgelegt war. Eine andere Quelle gab an, dass die festgelegte Zahl bei bis zu 15 lag. Diese „Kollateralschaden-Grade“, wie das Militär sie nennt, wurden laut den Quellen pauschal auf alle mutmaßlichen rangniedrigen Militanten angewendet, unabhängig von ihrem Rang, ihrer militärischen Bedeutung und ihrem Alter, und ohne eine konkrete Einzelfallprüfung, um den militärischen Vorteil ihrer Tötung gegen den zu erwartenden Schaden für Zivilisten abzuwägen.
Laut A., der im aktuellen Krieg Offizier in einem Einsatzraum für Zielangriffe war, hat die Abteilung für internationales Recht der Armee noch nie zuvor eine solche „pauschale Genehmigung“ für einen so hohen Grad an Kollateralschäden erteilt. „Es ist nicht nur, dass du jede Person töten darfst, die ein Hamas-Soldat ist, was nach internationalem Recht eindeutig erlaubt und legitim ist“, sagte A. „Aber sie sagen dir direkt: ‚Du darfst sie zusammen mit vielen Zivilisten töten‘.“
„Jede Person, die in den letzten ein oder zwei Jahren eine Hamas-Uniform trug, konnte bombardiert werden, wobei 20 getötete Zivilisten als Kollateralschaden in Kauf genommen wurden, sogar ohne besondere Genehmigung“, fuhr A. fort. „In der Praxis gab es den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nicht.“
Nach Angaben von A. war dies die Politik während der meisten Zeit seines Dienstes. Erst später senkte das Militär den Grad der Kollateralschäden. „Bei dieser Berechnung könnten es auch 20 Kinder für einen einfachen Kämpfer sein … So war es in der Vergangenheit wirklich nicht“, erklärte A. Auf die Frage nach der sicherheitspolitischen Begründung für diese Politik antwortete A.: „Tödlichkeit.“
Der vorab festgelegte und feste Grad an Kollateralschäden half laut Quellen dabei, die massenhafte Generierung von Zielen mithilfe der Lavender-Maschine zu beschleunigen, da dies Zeit sparte. B. gab an, dass die Zahl der Zivilisten, die sie in der ersten Kriegswoche pro von der KI markiertem mutmaßlichem nachrangigen Militanten töten durften, bei 15 lag, diese Zahl jedoch im Laufe der Zeit „rauf und runter ging“.
„Anfangs griffen wir fast ohne Berücksichtigung von Kollateralschäden an“, sagte B. über die erste Woche nach dem 7. Oktober. „In der Praxis hat man die Menschen nicht wirklich gezählt, weil man gar nicht sagen konnte, ob sie zu Hause waren oder nicht. Nach einer Woche begannen die Beschränkungen hinsichtlich der Kollateralschäden. Die Zahl sank [von 15] auf fünf, was es uns wirklich schwer machte, anzugreifen, denn wenn die ganze Familie zu Hause war, konnten wir das Haus nicht bombardieren. Dann erhöhten sie die Zahl wieder.“
„Wir wussten, dass wir über 100 Zivilisten töten würden“
Quellen berichteten +972 und Local Call, dass die israelische Armee nun, teilweise aufgrund amerikanischen Drucks, nicht mehr massenhaft niedrigrangige menschliche Ziele für Bombenangriffe in Wohnhäusern generiert. Die Tatsache, dass die meisten Häuser im Gazastreifen bereits zerstört oder beschädigt waren und fast die gesamte Bevölkerung vertrieben wurde, schränkte auch die Fähigkeit der Armee ein, sich auf Geheimdienstdatenbanken und automatisierte Programme zur Hauslokalisierung zu stützen.
E. gab an, dass die massiven Bombardements gegen untergeordnete Kämpfer nur in den ersten ein oder zwei Wochen des Krieges stattfanden und dann vor allem deshalb eingestellt wurden, um keine Bomben zu verschwenden. „Es gibt eine Munitionsökonomie“, sagte E. „Sie hatten immer Angst, dass es im nördlichen Einsatzgebiet [mit der Hisbollah im Libanon] zu einem Krieg kommen könnte. Sie greifen diese Art von untergeordneten Leuten überhaupt nicht mehr an.“
Luftangriffe gegen hochrangige Hamas-Kommandeure gehen jedoch weiter, und Quellen sagten, dass das Militär für diese Angriffe die Tötung von „Hunderten“ von Zivilisten pro Ziel genehmigt – eine offizielle Politik, für die es weder in Israel noch in den jüngsten US-Militäroperationen einen historischen Präzedenzfall gibt.
„Bei dem Bombenangriff auf den Kommandeur des Shuja’iya-Bataillons wussten wir, dass wir über 100 Zivilisten töten würden“, erinnerte sich B. an einen Bombenangriff vom 2. Dezember, von dem der IDF-Sprecher sagte, er habe auf die Tötung von Wisam Farhat abgezielt. „Für mich war das psychologisch gesehen ungewöhnlich. Über 100 Zivilisten – das überschreitet eine rote Linie.“
Amjad Al-Sheikh, ein junger Palästinenser aus Gaza, sagte, viele seiner Familienangehörigen seien bei diesem Bombenangriff getötet worden. Als Bewohner von Shuja’iya, östlich von Gaza-Stadt, befand er sich an jenem Tag in einem örtlichen Supermarkt, als er fünf Explosionen hörte, die die Fensterscheiben zum Bersten brachten.
„Ich rannte zum Haus meiner Familie, aber dort waren keine Gebäude mehr“ – so Al-Sheikh gegenüber +972 und Local Call. „Die Straße war voller Schreie und Rauch. Ganze Wohnblocks waren zu Schuttbergen und tiefen Gruben geworden. Die Menschen begannen, im Zement zu suchen, sie benutzten ihre Hände, und ich tat es ihnen gleich, auf der Suche nach Spuren des Hauses meiner Familie.“
Al-Sheikhs Frau und seine kleine Tochter überlebten – geschützt vor den Trümmern durch einen Schrank, der auf sie gefallen war –, aber er fand elf andere Mitglieder seiner Familie, darunter seine Schwestern, Brüder und deren kleine Kinder, tot unter den Trümmern. Laut der Menschenrechtsorganisation B’Tselem zerstörte der Bombenangriff an diesem Tag Dutzende von Gebäuden, tötete Dutzende von Menschen und begrub Hunderte unter den Trümmern ihrer Häuser.
„Ganze Familien wurden getötet“
Geheimdienstquellen berichteten +972 und Local Call, dass sie an noch tödlicheren Angriffen beteiligt waren. Um Ayman Nofal, den Kommandeur der Zentralen Gaza-Brigade der Hamas, zu töten, habe die Armee laut einer Quelle die Tötung von etwa 300 Zivilisten genehmigt und bei Luftangriffen auf das Flüchtlingslager Al-Bureij am 17. Oktober mehrere Gebäude zerstört, basierend auf einer ungenauen Lokalisierung von Nofal. Satellitenaufnahmen und Videos vom Ort des Geschehens zeigen die Zerstörung mehrerer großer mehrstöckiger Wohnhäuser.
„Zwischen 16 und 18 Häuser wurden bei dem Angriff völlig zerstört“ – sagte Amro Al-Khatib, ein Bewohner des Lagers, gegenüber +972 und Local Call. „Wir konnten die Wohnungen nicht mehr voneinander unterscheiden – sie waren alle in den Trümmern durcheinandergewürfelt, und wir fanden überall menschliche Körperteile.“
Im Rückblick erinnert sich Al-Khatib daran, dass etwa 50 Leichen aus den Trümmern geborgen wurden und etwa 200 Menschen verletzt waren, viele davon schwer. Doch das war nur der erste Tag. Die Bewohner des Lagers verbrachten fünf Tage damit, Tote und Verletzte zu bergen, berichtete er.
Nael Al-Bahisi, ein Rettungssanitäter, war einer der Ersten vor Ort. Er zählte an diesem ersten Tag zwischen 50 und 70 Opfer. „Irgendwann wurde uns klar, dass das Ziel des Angriffs der Hamas-Kommandeur Ayman Nofal war“, sagte er gegenüber +972 und Local Call. „Sie haben ihn getötet, und mit ihm viele Menschen, die nicht wussten, dass er dort war. Ganze Familien mit Kindern wurden getötet.“
Eine weitere Quelle aus dem Geheimdienst sagte gegenüber +972 und Local Call, dass die Armee Mitte Dezember ein Hochhaus in Rafah zerstört und dabei „Dutzende Zivilisten“ getötet habe, um zu versuchen, Mohammed Shabaneh, den Kommandeur der Rafah-Brigade der Hamas, zu töten (es ist unklar, ob er bei dem Angriff getötet wurde oder nicht). Oft, so die Quelle, verstecken sich die hochrangigen Kommandeure in Tunneln, die unter zivilen Gebäuden verlaufen, und daher führt die Entscheidung, sie mit einem Luftangriff zu töten, notwendigerweise zum Tod von Zivilisten.
„Die meisten Verletzten waren Kinder“, berichtete Wael Al-Sir, 55, der Zeuge des groß angelegten Angriffs war, der von einigen Bewohnern des Gazastreifens als Attentatsversuch angesehen wurde. Er sagte +972 und Local Call, dass der Bombenangriff am 20. Dezember einen „ganzen Wohnblock“ zerstörte und mindestens 10 Kinder tötete.
„Es gab eine völlig freizügige Politik hinsichtlich der Opferzahlen bei Operationen – so freizügig, dass sie meiner Meinung nach einen Rachecharakter hatte“, erklärte D., eine Quelle aus dem Geheimdienst. „Im Mittelpunkt standen die Ermordungen hochrangiger Kommandeure der Hamas und der PIJ, für die sie bereit waren, Hunderte von Zivilisten zu töten. Wir hatten eine Kalkulation: wie viele für einen Brigadekommandeur, wie viele für einen Bataillonskommandeur und so weiter.“
„Es gab Vorschriften, aber sie waren einfach sehr lax“, sagte E., eine weitere Quelle aus dem Geheimdienst. „Wir haben Menschen getötet, wobei die Zahl der Kollateralschäden im hohen zweistelligen, wenn nicht sogar im niedrigen dreistelligen Bereich lag. Das sind Dinge, die es zuvor noch nicht gegeben hat.“
Eine so hohe Rate an „Kollateralschäden“ ist nicht nur im Vergleich zu dem, was die israelische Armee zuvor als akzeptabel erachtete, außergewöhnlich, sondern auch im Vergleich zu den Kriegen, die die USA im Irak, in Syrien und in Afghanistan geführt haben.
General Peter Gersten, stellvertretender Kommandeur für Einsätze und Geheimdienst im Kampf gegen den IS im Irak und in Syrien, erklärte 2021 gegenüber einem US-Verteidigungsmagazin, dass ein Angriff mit Kollateralschäden von 15 Zivilisten vom Verfahren abwich; um ihn durchzuführen, musste er eine Sondergenehmigung vom Chef des US-Zentralkommandos, General Lloyd Austin, einholen.
„Bei Osama Bin Laden hätte man einen NCV [Non-combatant Casualty Value] von 30 gehabt, aber bei einem niedrigrangigen Kommandeur lag der NCV typischerweise bei null“, sagte Gersten. „Wir lagen lange Zeit bei null.“
„Uns wurde gesagt: ‚Bombardiert, was immer ihr könnt‘“
Alle für diese Untersuchung befragten Quellen sagten, dass die Massaker der Hamas am 7. Oktober und die Entführung von Geiseln die Feuerrichtlinien der Armee und das Ausmaß der Kollateralschäden stark beeinflusst hätten. „Anfangs war die Stimmung schmerzhaft und von Rachegelüsten geprägt“, sagte B., der unmittelbar nach dem 7. Oktober zum Militär eingezogen wurde und in einem Einsatzraum für Zielerfassung diente. „Die Regeln waren sehr lax. Sie haben vier Gebäude zerstört, obwohl sie wussten, dass sich das Ziel in einem davon befand. Es war verrückt.“
„Es gab eine Unstimmigkeit: Einerseits waren die Leute hier frustriert, dass wir nicht genug angriffen“, fuhr B. fort. „Andererseits sieht man am Ende des Tages, dass wieder tausend Menschen aus Gaza gestorben sind, die meisten davon Zivilisten.“
„In den Reihen der Berufssoldaten herrschte Hysterie“, sagte D., der ebenfalls unmittelbar nach dem 7. Oktober eingezogen wurde. „Sie hatten überhaupt keine Ahnung, wie sie reagieren sollten. Das Einzige, was sie zu tun wussten, war, einfach wie Verrückte mit den Bombenangriffen loszulegen, um zu versuchen, die Kapazitäten der Hamas zu zerstören.“
D. betonte, dass ihnen nicht ausdrücklich gesagt wurde, das Ziel der Armee sei „Rache“, äußerte jedoch: „Sobald jedes mit der Hamas verbundene Ziel legitim wird und fast jeder Kollateralschaden genehmigt wird, ist dir klar, dass Tausende von Menschen getötet werden. Auch wenn offiziell jedes Ziel mit der Hamas in Verbindung steht, verliert dies jegliche Bedeutung, wenn die Politik so lax ist.“
Auch A. verwendete das Wort „Rache“, um die Atmosphäre innerhalb der Armee nach dem 7. Oktober zu beschreiben. „Niemand dachte darüber nach, was man danach tun sollte, wenn der Krieg vorbei ist, oder wie es möglich sein wird, in Gaza zu leben, und was sie damit machen werden“, sagte A. „Uns wurde gesagt: Jetzt müssen wir die Hamas fertigmachen, egal was es kostet. Bombardiert, was immer ihr könnt.“
B., der hochrangige Geheimdienstmitarbeiter, sagte, rückblickend glaube er, dass diese „unverhältnismäßige“ Politik, Palästinenser in Gaza zu töten, auch Israelis gefährde und dass dies einer der Gründe war, warum er beschloss, sich interviewen zu lassen.
„Kurzfristig sind wir sicherer, weil wir die Hamas schwächen. Aber ich glaube, langfristig sind wir weniger sicher. Ich sehe, wie all die trauernden Familien in Gaza – das betrifft fast jeden – in zehn Jahren die Motivation für die Hamas steigern werden. Und es wird für sie viel einfacher sein, sie zu rekrutieren.“
In einer Stellungnahme gegenüber +972 und Local Call bestritt die israelische Armee einen Großteil dessen, was uns die Quellen berichtet hatten, und behauptete, dass „jedes Ziel einzeln geprüft wird, wobei eine individuelle Bewertung des militärischen Vorteils und der zu erwartenden Kollateralschäden des Angriffs vorgenommen wird … Die IDF führt keine Angriffe durch, wenn die zu erwartenden Kollateralschäden im Verhältnis zum militärischen Vorteil unverhältnismäßig hoch sind.“
Schritt 5: Berechnung der Kollateralschäden
„Das Modell hatte keinen Bezug zur Realität“
Nach Angaben von Geheimdienstquellen erfolgte die Kalkulation der israelischen Armee hinsichtlich der Anzahl der Zivilisten, bei denen in jedem Haus neben einem Ziel mit dem Tod zu rechnen war – ein Verfahren, das in einer früheren Untersuchung von +972 und Local Call untersucht wurde –, mithilfe automatisierter und ungenauer Tools. In früheren Kriegen verbrachten Geheimdienstmitarbeiter viel Zeit damit, zu überprüfen, wie viele Menschen sich in einem Haus befanden, das bombardiert werden sollte, wobei die Zahl der Zivilisten, die voraussichtlich getötet würden, als Teil einer „Zielakte“ aufgeführt wurde. Nach dem 7. Oktober wurde diese gründliche Überprüfung jedoch weitgehend zugunsten der Automatisierung aufgegeben.
Im Oktober 2023 berichtete die New York Times über ein System, das von einer speziellen Basis im Süden Israels aus betrieben wird und Informationen von Mobiltelefonen im Gazastreifen sammelt, um dem Militär eine Echtzeit-Schätzung der Anzahl der Palästinenser zu liefern, die aus dem nördlichen Gazastreifen nach Süden flohen.
Brigadegeneral Udi Ben Muha sagte gegenüber der NYT: „Es ist kein zu 100 Prozent perfektes System – aber es gibt dir die Informationen, die du brauchst, um eine Entscheidung zu treffen.“ Das System arbeitet anhand von Farben: Rot markiert Gebiete, in denen sich viele Menschen aufhalten, Grün und Gelb markieren Gebiete, die weitgehend von Einwohnern geräumt wurden.
Die Quellen, die mit +972 und Local Call sprachen, beschrieben ein ähnliches System zur Berechnung von Kollateralschäden, das verwendet wurde, um zu entscheiden, ob ein Gebäude in Gaza bombardiert werden sollte. Sie sagten, die Software habe die Anzahl der Zivilisten berechnet, die vor dem Krieg in jedem Haus wohnten – indem sie die Größe des Gebäudes einschätzte und die Liste der Bewohner überprüfte – und diese Zahlen dann um den Anteil der Bewohner reduzierte, die vermutlich aus der Nachbarschaft evakuiert worden waren.
Um das zu veranschaulichen: Wenn die Armee schätzte, dass die Hälfte der Bewohner einer Nachbarschaft das Gebiet verlassen hatte, zählte das Programm ein Haus, in dem normalerweise 10 Personen wohnten, als ein Haus mit fünf Personen. Um Zeit zu sparen, so die Quellen, habe die Armee die Häuser nicht überprüft, um festzustellen, wie viele Menschen tatsächlich dort lebten, wie sie es bei früheren Operationen getan hatte, um herauszufinden, ob die Schätzung des Programms tatsächlich zutreffend war.
„Dieses Modell hatte keinen Bezug zur Realität“, erklärte eine Quelle. „Es gab keinen Zusammenhang zwischen denjenigen, die sich jetzt, während des Krieges, im Haus befanden, und denjenigen, die vor dem Krieg als dort wohnhaft aufgeführt waren. Einmal bombardierten wir ein Haus, ohne zu wissen, dass sich darin mehrere Familien befanden, die sich gemeinsam darin versteckt hatten.“
Die Quelle sagte weiter, dass, obwohl die Armee wusste, dass solche Fehler auftreten könnten, dieses ungenaue Modell dennoch übernommen wurde, weil es schneller war. Daher, so die Quelle, „erfolgte die Berechnung der Kollateralschäden vollständig automatisch und statistisch“ – wobei sogar Zahlen herauskamen, die keine ganzen Zahlen waren.
Schritt 6: Bombardierung eines Familienhauses
„Du hast ohne Grund eine Familie getötet“
Die Quellen, die mit +972 und Local Call sprachen, erläuterten, dass es manchmal eine erhebliche Zeitspanne gab zwischen dem Moment, in dem Ortungssysteme wie „Where’s Daddy?“ einen Offizier alarmierten, dass eine Zielperson ihr Haus betreten hatte, und der Bombardierung selbst – was dazu führte, dass ganze Familien getötet wurden, auch wenn das Ziel der Armee gar nicht getroffen wurde. „Es ist mir oft passiert, dass wir ein Haus angegriffen haben, die Person aber gar nicht zu Hause war“, sagte eine Quelle. „Das Ergebnis ist, dass du ohne Grund eine Familie getötet hast.“
Drei Geheimdienstquellen berichteten +972 und Local Call, dass sie Zeugen eines Vorfalls waren, bei dem die israelische Armee das Privathaus einer Familie bombardierte und sich später herausstellte, dass sich das eigentliche Ziel des Anschlags gar nicht im Haus befand. Es war keine weitere Überprüfung in Echtzeit durchgeführt worden.
„Manchmal war [das Ziel] früher zu Hause und ging dann nachts woanders schlafen, sagen wir im Untergrund, und du wusstest nichts davon“, sagte eine der Quellen. „Es gibt Zeiten, in denen man den Standort doppelt überprüft, und es gibt Zeiten, in denen man einfach sagt: ‚Okay, er war in den letzten paar Stunden im Haus, also kannst du einfach bombardieren.‘“
Eine andere Quelle beschrieb einen ähnlichen Vorfall, der ihn betraf und ihn dazu veranlasste, für diese Recherche interviewt werden zu wollen. „Wir gingen davon aus, dass sich das Ziel um 20 Uhr zu Hause befand. Letztendlich bombardierte die Luftwaffe das Haus um 3 Uhr morgens. Dann fanden wir heraus, dass er es geschafft hatte, mit seiner Familie in ein anderes Haus zu ziehen. In dem Gebäude, das wir bombardierten, befanden sich zwei andere Familien mit Kindern.“
In früheren Kriegen im Gazastreifen führte der israelische Geheimdienst nach der Tötung von Personen als Zielobjekten Verfahren zur Bombenschadensbewertung (BDA) durch – eine routinemäßige Überprüfung nach dem Angriff, um festzustellen, ob der hochrangige Kommandeur getötet wurde und wie viele Zivilisten mit ihm ums Leben kamen.
Wie in einer früheren Untersuchung von +972 und Local Call aufgedeckt wurde, umfasste dies das Abhören von Telefonaten von Angehörigen, die ihre Liebsten verloren hatten. Im aktuellen Krieg jedoch wurde dieses Verfahren, zumindest in Bezug auf mit KI markierte rangniedrige Militante, laut Quellen abgeschafft, um Zeit zu sparen. Die Quellen sagten, sie wüssten nicht, wie viele Zivilisten bei jedem Angriff tatsächlich getötet wurden, und bei den von der KI markierten rangniedrigen mutmaßlichen Hamas- und PIJ-Aktivisten wüssten sie nicht einmal, ob das Ziel selbst getötet wurde.
„Du weißt nicht genau, wie viele du getötet hast und wen du getötet hast“, sagte eine Geheimdienstquelle gegenüber Local Call bei einer früheren Untersuchung, die im Januar 2024 veröffentlicht wurde. „Nur bei hochrangigen Hamas-Aktivisten hältst du dich an das BDA-Verfahren. In den übrigen Fällen ist es dir egal. Du bekommst einen Bericht der Luftwaffe darüber, ob das Gebäude gesprengt wurde, und das war’s. Du hast keine Ahnung, wie groß der Kollateralschaden war. Du gehst sofort zum nächsten Ziel über. Der Fokus lag darauf, so schnell wie möglich so viele Ziele wie möglich zu schaffen.“
Aber während das israelische Militär nach jedem Angriff weitermacht, ohne sich mit der Zahl der Opfer aufzuhalten, sagte Amjad Al-Sheikh, der Bewohner von Shuja’iya, der bei dem Bombardement am 2. Dezember elf seiner Familienangehörigen verlor, dass er und seine Nachbarn immer noch nach Leichen suchen.
„Bis heute liegen Leichen unter den Trümmern“, sagte er. „Vierzehn Wohnhäuser wurden bombardiert, mit den Bewohnern darin. Einige meiner Verwandten und Nachbarn sind noch immer verschüttet.“
Der Beitrag erschien im Original bei +972 Magazine. Aus dem Englischen übersetzt von Marta Andujo.
Über den Autor: Yuval Abraham ist Journalist und Filmemacher und lebt in Jerusalem.
Ttielbild: Yonatan Sindel/Flash90 – Smoke rises after Israeli airstrikes in Beit Lahia, in the northern Gaza Strip, December 28, 2023.
[«*] Das +972 Magazine ist ein unabhängiges Onlinemagazin, das von einer Gruppe palästinensischer und israelischer Journalisten betrieben wird. Local Call ist eine hebräischsprachige Nachrichtenseite, die sich für Bürgerjournalismus (Citizen Journalism) und unabhängige Medien einsetzt. Beide Projekte arbeiten eng zusammen und bieten Plattformen für Basisaktivismus, politische Analysen und investigativen Journalismus aus der Region.
Nach einem geleakten internen Dokument von Microsoft soll mit dem autonom agierenden Agenten beim Nutzer Abhängigkeit geschaffen werden. Das liegt allen KI-Bots und -Agenten, aber auch sozialen Netzwerken zugrunde. Sollten Nutzer zumindest mit Warnhinweisen vor der Nutzung konfrontiert werden?
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Die israelische Armee hat Zehntausende Bewohner des Gazastreifens als potenzielle Zielpersonen für Tötungsaktionen eingestuft – mithilfe eines KI-Zielerfassungssystems, das kaum menschlicher Kontrolle unterliegt, und einer Politik, die hohe Opferzahlen in Kauf nimmt. Dies haben jüdische und palästinensische Journalisten in einer gemeinsamen Recherche aufgedeckt. Von Yuval Abraham.
Im Jahr 2021 erschien ein Buch mit dem Titel „Das Mensch-Maschine-Team: Wie man Synergien zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz schafft, die unsere Welt revolutionieren werden“[*] unter dem Pseudonym „Brigadegeneral Y.S.“ Darin spricht sich der Autor – ein Mann, den wir als den derzeitigen Kommandeur der israelischen Elite-Geheimdienstabteilung 8200 identifiziert haben – für die Entwicklung einer speziellen Maschine aus, die große Datenmengen schnell verarbeiten könnte, um in der Hitze eines Krieges Tausende potenzieller „Ziele“ für Militärschläge zu generieren. Eine solche Technologie, schreibt er, würde das lösen, was er als „menschlichen Engpass sowohl bei der Lokalisierung neuer Ziele als auch bei der Entscheidungsfindung zur Genehmigung der Ziele“ bezeichnete.
Eine solche Maschine, so stellt sich heraus, gibt es tatsächlich. Eine neue Untersuchung von +972 Magazine und Local Call[**] deckt auf, dass die israelische Armee ein auf künstlicher Intelligenz basierendes Programm entwickelt hat, das unter dem Namen „Lavender“ bekannt ist und hier erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wird.
Laut sechs israelischen Geheimdienstmitarbeitern, die alle während des aktuellen Krieges im Gazastreifen in der Armee gedient haben und direkt an der Verwendung von KI zur Ermittlung von Tötungszielen beteiligt waren, spielte Lavender eine zentrale Rolle bei den beispiellosen Bombardierungen von Palästinensern, insbesondere in der Anfangsphase des Krieges. Tatsächlich war sein Einfluss auf die militärischen Operationen den Quellen zufolge derart groß, dass die Ergebnisse der KI-Maschine im Prinzip „wie eine menschliche Entscheidung behandelt wurden“.
Formal ist das Lavender-System konzipiert, um alle verdächtigen Akteure in den militärischen Flügeln der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ), einschließlich derjenigen niedrigen Ranges, als potenzielle Bombardierungsziele zu markieren. Die Quellen berichteten +972 und Local Call, dass sich die Armee in den ersten Wochen des Krieges fast vollständig auf Lavender verließ, das bis zu 37.000 Palästinenser – und ihre Häuser – für mögliche Luftschläge identifizierte.
In der Anfangsphase des Krieges erteilte die Armee den Offizieren pauschal die Erlaubnis, Lavenders Tötungslisten zu übernehmen, ohne Verpflichtung, gründlich zu prüfen, warum die Maschine diese Auswahl getroffen hatte, oder die Rohdaten der Geheimdienste zu untersuchen, auf denen sie basierten.
Eine Quelle berichtete, dass menschliches Personal oft nur dazu diente, die Entscheidungen der Maschine „abzunicken”. Sie fügte hinzu, dass man normalerweise jedem Ziel nur etwa „20 Sekunden“ widmete, bevor ein Bombenangriff genehmigt wurde – und dies lediglich, um sicherzustellen, dass es sich bei dem von Lavender markierten Ziel um einen Mann handelte. Und das, obwohl bekannt war, dass das System in etwa zehn Prozent der Fälle als „Fehler“ geltende Entscheidungen trifft und bekanntlich manchmal Personen markiert, die lediglich eine lose oder überhaupt keine Verbindung zu militanten Gruppen haben.
Darüber hinaus griff die israelische Armee die Zielpersonen systematisch in ihren Häusern an – in der Regel nachts, während ihre gesamten Familien anwesend waren – und nicht im Zuge militärischer Aktivitäten. Den Quellen zufolge geschah dies, weil es nach ihrer Einschätzung aus nachrichtendienstlicher Sicht einfacher war, die Personen in ihren Privathäusern zu lokalisieren.
Zusätzliche automatisierte Systeme, darunter eines namens „Where’s Daddy“, das hier ebenfalls erstmals enthüllt wird, wurden speziell eingesetzt, um die Zielpersonen aufzuspüren und Bombenangriffe durchzuführen, wenn diese die Wohnhäuser ihrer Familien betreten hatten.
Das Ergebnis war, wie die Quellen bezeugten, dass Tausende Palästinenser – die meisten davon Frauen und Kinder oder Menschen, die nicht an den Kämpfen beteiligt waren – „aufgrund der Entscheidungen des KI-Programms“ durch israelische Luftangriffe ausgelöscht wurden, insbesondere in den ersten Wochen des Krieges.
„Wir waren nicht daran interessiert, [Hamas-]Aktivisten nur dann zu töten, wenn sie sich in einem Militärgebäude befanden oder an einer militärischen Aktivität beteiligt waren“, erklärte A., ein Geheimdienstoffizier, gegenüber +972 und Local Call. „Im Gegenteil, die IDF bombardierte sie ohne zu zögern in ihren Häusern, als erste Option. Es ist viel einfacher, das Haus einer Familie zu bombardieren. Das System ist konzipiert, um sie in solchen Situationen aufzufinden.“
Die „Lavender“-Maschine ergänzt ein anderes KI-System, „The Gospel“. Informationen darüber wurden in einer früheren Untersuchung von +972 und Local Call im November 2023 sowie in den eigenen Veröffentlichungen des israelischen Militärs bekannt. Ein grundlegender Unterschied zwischen den beiden Systemen liegt in der Definition des Ziels: Während „The Gospel“ Gebäude und Strukturen markiert, von denen aus laut Armee Militante operieren, markiert „Lavender“ Menschen – und setzt sie auf eine Tötungsliste.
Den Quellen zufolge bevorzugte die Armee außerdem, wenn es darum ging, von Lavender markierte mutmaßliche untergeordnete Militante anzugreifen, den Einsatz von ungelenkten Raketen, gemeinhin als „dumme“ Bomben bekannt (im Gegensatz zu „smarten“ Präzisionsbomben), die ganze Gebäude mitsamt ihren Insassen zerstören und erhebliche Opferzahlen verursachen können.
„Du willst keine teuren Bomben an unwichtige Leute verschwenden – das ist sehr kostspielig für das Land und es herrscht ein Mangel [an diesen Bomben]“, sagte C., einer der Geheimdienstoffiziere. Eine andere Quelle gab an, sie hätten persönlich die Bombardierung von „Hunderten“ von Privathäusern mutmaßlicher „Nachwuchskräfte” genehmigt, die von Lavender markiert worden waren. Viele dieser Angriffe töteten Zivilisten und ganze Familien als „Kollateralschaden“.
In einem beispiellosen Schritt beschloss die Armee laut zwei der Quellen in den ersten Wochen des Krieges zudem, dass es für jedes von Lavender markiertes rangniedriges Hamas-Mitglied zulässig ist, bis zu 15 oder 20 Zivilisten zu töten. In der Vergangenheit hatte das Militär bei Attentaten auf rangniedrige Militante keinerlei „Kollateralschäden“ genehmigt.
Die Quellen fügten hinzu, dass die Armee in Fällen, in denen das Ziel ein hochrangiger Hamas-Funktionär im Rang eines Bataillons- oder Brigadekommandanten war, mehrere Male die Tötung von mehr als 100 Zivilisten bei der Ermordung eines einzelnen Kommandanten genehmigte.
Die folgende Untersuchung gliedert sich in die sechs chronologischen Stufen der hochautomatisierten Zielerfassung durch die israelische Armee in den ersten Wochen des Gaza-Kriegs. Zunächst erläutern wir die „Lavender“-Maschine selbst, die unter Einsatz künstlicher Intelligenz Zehntausende Palästinenser markierte. Zweitens enthüllen wir das „Where’s Daddy?“-System, das diese Ziele verfolgte und der Armee ein Signal gab, sobald sie ihre Familienhäuser betraten. Drittens beschreiben wir, wie „dumme“ Bomben ausgewählt wurden, um diese Häuser anzugreifen.
Viertens erläutern wir, wie die Armee die zulässige Anzahl von Zivilisten, die bei der Bombardierung eines Ziels getötet werden durften, gelockert hat. Fünftens zeigen wir auf, wie automatisierte Software die Anzahl der Nichtkombattanten in jedem Haushalt ungenau berechnet hat. Und sechstens zeigen wir, wie in verschiedenen Fällen, wenn ein Haus getroffen wurde, meist nachts, die Zielperson gar nicht im Haus war, weil Militärangehörige die Informationen nicht in Echtzeit überprüft haben.
Schritt 1: Ziele generieren
„Wenn man einmal auf Automatik umgestellt hat, läuft die Generierung von Zielen auf Hochtouren.“
In der israelischen Armee bezeichnete der Begriff „menschliches Ziel“ in der Vergangenheit einen hochrangigen Militärangehörigen, der gemäß den Vorschriften der Abteilung für internationales Recht des Militärs in seiner Privatwohnung getötet werden darf, selbst wenn Zivilisten in der Nähe sind. Geheimdienstquellen sagten gegenüber +972 und Local Call, dass während Israels früherer Kriege – da dies eine „besonders brutale“ Art war, jemanden zu töten (oftmals durch die Tötung einer ganzen Familie neben dem Ziel) – solche menschlichen Ziele sehr sorgfältig markiert wurden und nur hochrangige Militärkommandanten in ihren Häusern bombardiert wurden, um den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit nach internationalem Recht zu wahren.
Aber nach dem 7. Oktober – als von der Hamas angeführte Militante einen tödlichen Angriff auf Gemeinden im Süden Israels starteten, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und 240 entführt wurden – nahm die Armee laut den Quellen einen dramatisch anderen Ansatz ein. Bei der „Operation Iron Swords“ beschloss die Armee, alle Aktivisten des militärischen Flügels der Hamas als menschliche Ziele einzustufen, unabhängig von ihrem Rang oder ihrer militärischen Bedeutung. Und das veränderte alles.
Die neue Politik stellte auch ein technisches Problem für den israelischen Geheimdienst dar. In früheren Kriegen musste ein Offizier, um die Tötung eines einzelnen menschlichen Ziels zu genehmigen, einen komplexen und langwierigen „Inkriminierungsprozess“ durchlaufen: Beweise gegenprüfen, dass die Person tatsächlich ein hochrangiges Mitglied des militärischen Flügels der Hamas war; herausfinden, wo sie wohnte; ihre Kontaktdaten ermitteln und schließlich in Echtzeit wissen, wann sie zu Hause war. Als die Liste der Ziele nur ein paar Dutzend hochrangige Aktivisten umfasste, konnten Geheimdienstmitarbeiter die mit der Inkriminierung und Lokalisierung verbundene Arbeit noch individuell bewältigen.
Als die Liste jedoch erweitert wurde und Zehntausende von Aktivisten niedrigerer Ränge umfasste, kam die israelische Armee zu dem Schluss, dass sie sich auf automatisierte Software und künstliche Intelligenz verlassen musste. Das Ergebnis war, so bezeugen die Quellen, dass die Rolle des menschlichen Personals bei der Einstufung von Palästinensern als militärische Aktivisten beiseitegeschoben wurde und KI stattdessen den Großteil der Arbeit übernahm.
Laut vier der Quellen, die mit +972 und Local Call sprachen, hat Lavender, das entwickelt wurde, um menschliche Ziele im aktuellen Krieg zu bestimmen, etwa 37.000 Palästinenser als mutmaßliche „Hamas-Kämpfer“ markiert, die getötet werden sollten – die meisten von ihnen junge Aktivisten (der Sprecher der IDF bestritt in einer Stellungnahme gegenüber +972 und Local Call die Existenz einer solchen Tötungsliste).
„Wir wussten nicht, wer diese nachrangigen Aktivisten waren, da Israel sie [vor dem Krieg] nicht routinemäßig verfolgt hatte“, erklärte der hochrangige Offizier B. gegenüber +972 und Local Call und beleuchtete so den Grund für die Entwicklung dieser speziellen Zielgenerierungsmaschine für den aktuellen Krieg. „Sie wollten es uns ermöglichen, die nachrangigen Aktivisten automatisch anzugreifen. Das ist der Heilige Gral. Wenn man einmal auf Automatik umgestellt hat, läuft die Generierung von Zielen auf Hochtouren.“
„Um 5 Uhr morgens kam die Luftwaffe und bombardierte alle Häuser, die wir markiert hatten“, sagte B. „Wir haben Tausende von Menschen getötet. Wir haben sie nicht einzeln durchgesehen – wir haben alles in automatisierte Systeme eingegeben, und sobald sich eine der markierten Personen zu Hause befand, wurde sie sofort zum Ziel. Wir haben sie und ihr Haus bombardiert.“
„Es war sehr überraschend für mich, dass wir aufgefordert wurden, ein Haus zu bombardieren, um einen einfachen Soldaten zu töten, dessen Bedeutung für die Kämpfe so gering war“, sagte eine Quelle über den Einsatz von KI zur Markierung mutmaßlicher rangniedriger Militanten. „Ich gab diesen Zielen den Spitznamen ‚Müllziele‘. Dennoch empfand ich sie als ethischer als die Ziele, die wir nur zur ‚Abschreckung‘ bombardierten – Hochhäuser, die evakuiert und zum Einsturz gebracht wurden, nur um Zerstörung zu verursachen.“
Die tödlichen Folgen dieser Lockerung der Beschränkungen in der Anfangsphase des Krieges waren erschütternd. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza, auf die sich die israelische Armee seit Kriegsbeginn fast ausschließlich stützt, tötete Israel in den ersten sechs Wochen des Krieges – bis zur Vereinbarung eines einwöchigen Waffenstillstands am 24. November – etwa 15.000 Palästinenser.
„Je mehr Informationen und Auswahl, desto besser“
Die Software „Lavender“ analysiert Informationen, die mithilfe eines Massenüberwachungssystems über die meisten der 2,3 Millionen Einwohner des Gazastreifens gesammelt wurden, bewertet und stuft dann die Wahrscheinlichkeit ein, dass die jeweilige Person im militärischen Flügel der Hamas oder der PIJ aktiv ist. Laut Quellen vergibt das System fast jeder einzelnen Person in Gaza eine Bewertung von 1 bis 100, die ausdrückt, wie wahrscheinlich es ist, dass sie ein militanter Kämpfer ist.
Lavender lernt, Merkmale bekannter Hamas- und PIJ-Aktivisten zu identifizieren, deren Daten der Maschine als Trainingsinformationen zugeführt wurden, und lokalisiert dann dieselben Merkmale – auch „Features“ genannt – in der allgemeinen Bevölkerung, erläuterten die Quellen. Eine Person, bei der mehrere verschiedene belastende Merkmale festgestellt werden, erhält eine hohe Bewertung und wird so automatisch zu einem potenziellen Ziel für einen Mordanschlag.
In dem zu Beginn dieses Artikels erwähnten Buch spricht sich der derzeitige Kommandeur der Einheit 8200 für ein solches System aus, ohne Lavender namentlich zu erwähnen. (Der Kommandeur selbst wird ebenfalls nicht namentlich genannt, aber fünf Quellen in der Einheit 8200 bestätigten, dass der Kommandeur der Autor ist. Dies berichtete auch Haaretz.) Der Kommandant beschreibt menschliches Personal als „Engpass“, der die Kapazität der Armee während einer Militäroperation einschränkt, und beklagt: „Wir [Menschen] können nicht so viele Informationen verarbeiten. Es spielt keine Rolle, wie viele Leute man damit beauftragt, während des Krieges Ziele zu generieren – man kann immer noch nicht genug Ziele pro Tag produzieren.“
Die Lösung für dieses Problem, sagt er, ist künstliche Intelligenz. Das Buch bietet eine kurze Anleitung zum Aufbau einer „Zielmaschine“, die in ihrer Beschreibung Lavender ähnelt und auf KI- sowie Algorithmen für maschinelles Lernen basiert. In dieser Anleitung sind mehrere Beispiele für die „Hunderte und Tausende“ von Kriterien enthalten, die die Bewertung einer Person erhöhen können wie etwa, in einer WhatsApp-Gruppe mit einem bekannten Militanten zu sein, das Mobiltelefon alle paar Monate zu wechseln und häufig die Adresse zu ändern.
„Je mehr Informationen und je mehr verschiedene, desto besser“, schreibt der Kommandant. „Visuelle Information, Mobilfunkdaten, Verbindungen in sozialen Medien, Informationen vom Schlachtfeld, Telefonkontakte, Fotos.“ Während diese Merkmale zunächst von Menschen ausgewählt werden, so der Kommandant weiter, werde die Maschine mit der Zeit in der Lage sein, Merkmale selbstständig zu identifizieren. Dies, so sagt er, könne es den Streitkräften ermöglichen, „Zehntausende von Zielen“ zu erstellen, während die tatsächliche Entscheidung, ob diese angegriffen werden oder nicht, weiterhin eine menschliche Entscheidung bleibe.
Das Buch ist nicht der einzige Fall, dass ein hochrangiger israelischer Kommandant auf die Existenz von menschlichen Zielmaschinen wie Lavender hingewiesen hat. +972 und Local Call haben Aufnahmen eines privaten Vortrags erhalten, den der Kommandant des geheimen Data-Science- und KI-Zentrums der Einheit 8200, „Oberst Yoav“, während der KI-Woche der Universität Tel Aviv im Jahr 2023 gehalten hat. Darüber wurde damals in den israelischen Medien berichtet.
In dem Vortrag spricht der Kommandant über eine neue, hochentwickelte Zielmaschine, die von der israelischen Armee eingesetzt wird und „gefährliche Personen“ anhand ihrer Ähnlichkeit mit bestehenden Listen bekannter Militanten erkennt, mit denen die Maschine trainiert wurde.
„Indem wir das System benutzten, gelang es uns, Kommandanten von Hamas-Raketenabteilungen zu identifizieren“, sagte „Oberst Yoav“ in dem Vortrag. Er bezog sich dabei auf Israels Militäroperation im Gazastreifen im Mai 2021, wo die Maschine zum ersten Mal eingesetzt wurde.
Die Folien der Vortragspräsentation, die ebenfalls von +972 und Local Call beschafft wurden, enthalten Illustrationen zur Funktionsweise des Systems: Es wird mit Daten über bekannte Aktivisten der Hamas gefüttert, lernt, deren Merkmale zu erkennen, und bewertet anschließend andere Palästinenser danach, wie sehr sie den Militanten ähneln.
In der Praxis jedoch, so berichten Quellen, die Lavender in den letzten Monaten genutzt haben, wurden menschliches Handeln und Genauigkeit durch die massenhafte Erstellung von Zielen und Letalität ersetzt.
„Es gab keine ‚Null-Fehler‘-Richtlinie“
B., ein hochrangiger Offizier, der Lavender einsetzte, bestätigte gegenüber +972 und Local Call, dass Offiziere im aktuellen Krieg, um Zeit zu sparen und die Massenproduktion menschlicher Ziele ohne Hindernisse zu ermöglichen, nicht verpflichtet waren, die Bewertungen des KI-Systems unabhängig zu überprüfen.
„Alles war statistisch, alles war sauber – es war sehr sachlich“, sagte B. Er merkte an, dass dieser Mangel an Aufsicht geduldet wurde, obwohl interne Überprüfungen zeigten, dass die Berechnungen von Lavender nur in 90 Prozent der Fälle als genau angesehen wurden; mit anderen Worten, es war im Voraus bekannt, dass 10 Prozent der zur Tötung bestimmten menschlichen Ziele überhaupt keine Mitglieder des militärischen Flügels der Hamas waren.
Beispielsweise erklärten Quellen, dass die Lavender-Maschine manchmal fälschlicherweise Personen markierte, deren Kommunikationsmuster denen bekannter Hamas- oder PIJ-Aktivisten ähnelten – darunter auch Polizei- und Zivilschutzmitarbeiter, Verwandte von Militanten, Einwohner, die zufällig denselben Namen und Spitznamen wie ein Aktivist trugen, sowie Bewohner Gazas, die ein Gerät benutzten, das einst einem Hamas-Aktivisten gehörte.
„Wie eng muss jemand mit der Hamas verbunden sein, damit er [von einem KI-System] als Mitglied der Organisation eingestuft wird?“, fragte eine Quelle, die Lavenders Ungenauigkeit kritisierte. „Es ist eine vage Grenze. Ist eine Person, die kein Gehalt von der Hamas erhält, ihr aber bei allen möglichen Dingen hilft, ein Hamas-Aktivist? Ist jemand, der in der Vergangenheit bei der Hamas war, heute aber nicht mehr dort ist, ein Hamas-Aktivist? Jedes dieser Features – Eigenschaften, die eine Maschine als verdächtig markieren würde – ist ungenau.“
Ähnliche Probleme bestehen bei der Fähigkeit der Zielmaschinen, das Telefon einer Person zu analysieren, die als Attentatsziel markiert ist. „Im Krieg wechseln Palästinenser ständig ihre Telefone“, sagte die Quelle. „Die Menschen verlieren den Kontakt zu ihren Familien, geben ihr Telefon einem Freund oder ihrer Frau, verlieren es vielleicht. Es gibt keine Möglichkeit, sich zu 100 Prozent auf den automatischen Mechanismus zu verlassen, der bestimmt, welche Telefonnummer wem gehört.“
Den Quellen zufolge wusste die Armee, dass die minimale menschliche Überwachung, die vorhanden war, diese Fehler nicht aufdecken würde. „Es gab keine ‚Null-Fehler-Politik‘. Fehler wurden statistisch behandelt“, sagte eine Quelle, die Lavender nutzte. „Aufgrund des Umfangs und der Größenordnung lautete das Protokoll, dass, selbst wenn man nicht sicher weiß, ob die Maschine Recht hat, man weiß, dass es statistisch gesehen in Ordnung ist. Also macht man es.“
„Es hat sich bewährt“, sagte B., der hochrangige Informant. „Dieser statistische Ansatz hat etwas an sich, das dich an bestimmte Normen und Standards bindet. Bei dieser Operation gab es eine unlogisch hohe Zahl von Bombenangriffen. Das ist in meiner Erinnerung beispiellos. Und ich habe viel mehr Vertrauen in einen statistischen Mechanismus als in einen Soldaten, der vor zwei Tagen einen Freund verloren hat. Jeder dort, mich eingeschlossen, hat am 7. Oktober Menschen verloren. Die Maschine hat es kalt erledigt. Und das hat es einfacher gemacht.“
Eine andere Geheimdienstquelle, die das Vertrauen in die von Lavender erstellten Tötungslisten palästinensischer Verdächtiger verteidigte, argumentierte, dass es sich nur dann lohne, die Zeit eines Geheimdienstoffiziers in die Überprüfung der Informationen zu investieren, wenn es sich bei dem Ziel um einen hochrangigen Kommandeur der Hamas handele. „Aber wenn es um einen einfachen Kämpfer geht, will man dafür keine Arbeitskraft und Zeit investieren“, sagte er. „Im Krieg bleibt keine Zeit, jedes Ziel zu überführen. Also ist man bereit, die Fehlerquote beim Einsatz künstlicher Intelligenz in Kauf zu nehmen, Kollateralschäden und den Tod von Zivilisten zu riskieren sowie das Risiko eines falsch gezielten Angriffs einzugehen und damit zu leben.“
Er erläuterte, dass, wenn man die Bewertungsschwelle von Lavender senkte, das System mehr Menschen als Ziele für Angriffe markierte. „Auf dem Höhepunkt gelang es dem System, 37.000 Menschen als potenzielle menschliche Ziele zu generieren“, sagte B. „Aber die Zahlen änderten sich ständig, denn es hängt davon ab, wo man die Messlatte dafür ansetzt, was ein Hamas-Aktivist ist. Es gab Zeiten, in denen ein Hamas-Aktivist weiter gefasst definiert wurde, und dann begann die Maschine, uns alle möglichen Mitarbeiter des Zivilschutzes und Polizeibeamte zu liefern, für die es eine Schande wäre, Bomben zu verschwenden. Sie helfen der Hamas-Regierung, aber sie gefährden Soldaten nicht wirklich.“
Eine Quelle, die mit dem militärischen Data-Science-Team zusammengearbeitet hatte, das Lavender trainierte, sagte, dass auch Daten von Mitarbeitern des von der Hamas geführten Ministeriums für Innere Sicherheit, die er nicht als Militante betrachtet, in das System eingespeist wurden. „Es störte mich, dass beim Training von Lavender der Begriff ‚Hamas-Aktivist‘ sehr weit gefasst wurde und Personen, die im Zivilschutz tätig waren, in den Trainingsdatensatz aufgenommen wurden“, sagte er.
Die Quelle fügte hinzu, dass, selbst wenn man der Meinung sei, diese Menschen verdienten es, getötet zu werden, das Training des Systems auf der Grundlage ihrer Kommunikationsprofile die Wahrscheinlichkeit erhöhte, dass Lavender fälschlicherweise Zivilisten auswählte, wenn seine Algorithmen auf die allgemeine Bevölkerung angewendet wurden. „Da es sich um ein automatisches System handelt, das nicht manuell von Menschen bedient wird, ist die Bedeutung dieser Entscheidung dramatisch: Sie bedeutet, dass man viele Menschen mit einem zivilen Kommunikationsprofil als potenzielle Ziele einbezieht.“
„Wir haben nur überprüft, ob das Ziel ein Mann war“
Das israelische Militär weist diese Behauptungen kategorisch zurück. In einer Stellungnahme gegenüber +972 und Local Call bestritt der Sprecher der IDF, künstliche Intelligenz zur Identifizierung von Zielen einzusetzen, und sagte, es handele sich lediglich um „Hilfsmittel, die Offizieren bei der Identifizierung assistieren“.
In der Erklärung hieß es weiter: „In jedem Fall ist eine unabhängige Überprüfung durch einen [Geheimdienst-]Analysten erforderlich, der verifiziert, dass die identifizierten Ziele legitime Angriffsziele sind, in Übereinstimmung mit den in den IDF-Richtlinien und im Völkerrecht festgelegten Bedingungen.“
Quellen zufolge bestand das einzige Protokoll zur menschlichen Überwachung vor der Bombardierung der von Lavender markierten Häuser mutmaßlicher „jüngerer“ Militanten jedoch darin, eine einzige Überprüfung durchzuführen: sicherzustellen, dass das von der KI ausgewählte Ziel männlich und nicht weiblich ist. Die Annahme in der Armee war, dass die Maschine wahrscheinlich einen Fehler gemacht hatte, wenn das Ziel eine Frau war, da es in den Reihen der militärischen Flügel von Hamas und PIJ keine Frauen gibt.
„Ein Mensch musste das Ziel nur für einige wenige Sekunden überprüfen“, sagte B. und erklärte, dass dies zum Protokoll wurde, nachdem man erkannt hatte, dass das Lavender-System in den meisten Fällen „richtig lag“.
„Zuerst haben wir Kontrollen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Maschine nicht durcheinanderkam. Aber irgendwann verließen wir uns auf das automatische System und überprüften nur noch, dass das Ziel ein Mann war – das reichte aus. Es dauert nicht lange, um zu erkennen, ob jemand eine männliche oder eine weibliche Stimme hat.“
Um die Mann/Frau-Überprüfung durchzuführen, gab B. an, dass er im aktuellen Krieg „in dieser Phase 20 Sekunden für jedes Ziel aufwendet und jeden Tag Dutzende davon bearbeitet. „Ich hatte als Mensch keinerlei Mehrwert, abgesehen davon, dass ich als ein Zustimmungsstempel fungierte. Das sparte viel Zeit. Wenn der Verdächtige im automatisierten Mechanismus auftauchte und ich überprüfte, dass er ein Mann war, gab es die Erlaubnis, ihn zu bombardieren, vorbehaltlich einer Prüfung der Kollateralschäden.“
In der Praxis bedeutete dies den Quellen zufolge, dass es für zivile Männer, die fälschlicherweise von Lavender markiert wurden, keinen Überwachungsmechanismus gab, um den Fehler aufzudecken. Laut B. trat ein häufiger Fehler auf, „wenn das [Hamas-]Ziel sein Telefon seinem Sohn, seinem älteren Bruder oder einfach einem beliebigen Mann gab. Diese Person wurde dann in ihrem Haus zusammen mit ihrer Familie bombardiert. Das passierte oft. Das waren die meisten Fehler, die durch Lavender verursacht wurden“, sagte B.
Der Beitrag erschien im Original bei +972 Magazine. Aus dem Englischen übersetzt von Marta Andujo.
Über den Autor: Yuval Abraham ist Journalist und Filmemacher und lebt in Jerusalem.
[«*] The Human-Machine Team: How to Create Synergy Between Human and Artificial Intelligence That Will Revolutionize Our World“. Online lesbar hier.
[«**] Das +972 Magazine ist ein unabhängiges Onlinemagazin, das von palästinensischen und israelischen Journalisten betrieben wird. Local Call ist eine hebräischsprachige Nachrichtenseite, die sich für Bürgerjournalismus (Citizen Journalism) und unabhängige Medien einsetzt. Beide Projekte arbeiten eng zusammen und bieten Plattformen für Basisaktivismus, politische Analysen und investigativen Journalismus aus der Region.
Von The Sociable
Das intelligente Zeitalter ersetzt unsere kognitiven Fähigkeiten durch KI, und Universitäten sollten laut WEF-Gründer Klaus Schwab den Schwerpunkt darauf legen, Studierenden den kompetenten Umgang mit Technologie beizubringen, anstatt ihnen reines Wissen zu vermitteln.
In einem heutigen Livestream an der Universität von Johannesburg in Südafrika sprach Schwab ausführlich über das, was er als „das intelligente Zeitalter“ bezeichnet, und darüber, was dies für Arbeitsplätze, Studierende und die Menschheit bedeutet.
Der große Architekt der Agenda des Great Reset verglich frühere industrielle Revolutionen mit dem sogenannten intelligenten Zeitalter und erklärte, dass unsere Denkfähigkeiten nun an künstliche Intelligenz delegiert würden.
„Was bewirkt das intelligente Zeitalter? Es ersetzt unsere kognitiven Fähigkeiten durch Algorithmen oder durch das, was wir als künstliche Intelligenz bezeichnen.“
Klaus Schwab, Das intelligente Zeitalter und die Verantwortung der afrikanischen Führung, Mai 2026
“What is the Intelligent Age doing? It is replacing our cognitive capabilities by algorithm, or by what we call our artificial intelligence” WEF Founder Klaus Schwab, May 29 https://t.co/CBLgLEzDUk pic.twitter.com/oLnZzrmAoZ
— Tim Hinchliffe (@TimHinchliffe) May 29, 2026
Übersetzung von „X“: „Was bewirkt das intelligente Zeitalter? Es ersetzt unsere kognitiven Fähigkeiten durch Algorithmen oder durch das, was wir als künstliche Intelligenz bezeichnen.“ WEF-Gründer Klaus Schwab, 29. Mai https://youtube.com/watch?v=wOzCl9
„Kehren wir zurück ins Industriezeitalter; was hat das Industriezeitalter bewirkt? Es hat unsere körperlichen Tätigkeiten durch Maschinen ersetzt,“, sagte Schwab
„Was bewirkt das Zeitalter der Intelligenz? Es ersetzt unsere kognitiven Fähigkeiten durch Algorithmen oder durch das, was wir als künstliche Intelligenz bezeichnen.“
„Um dieses neue Zeitalter der Intelligenz zu meistern, müssen wir uns viel stärker vor Augen führen, was einen Menschen wirklich ausmacht. Was macht uns menschlich?“, fügte er hinzu.
Laut Schwab werden in dieser schönen neuen Welt, in der Intelligenz an Algorithmen delegiert wird, diejenigen die Gewinner sein, die sich anpassen können.
Wir werden jedoch sehen, dass diese Anpassungsfähigkeit – oder wie der gebürtige Deutsche Schwab es nennt: „Adaptility“ [sic] – bedeutet, über genügend Geld zu verfügen, um sich den Zugang zu KI-Wissensdatenbanken leisten zu können, und zu wissen, wie man diese zu seinem Vorteil nutzt.
„Die Menschen verstehen nicht mehr wirklich, was vor sich geht […] Wir haben das Gefühl, keine Kontrolle mehr über das Geschehen zu haben […] Wir haben vielleicht nicht mehr die vollständige Kontrolle über uns selbst, aber wir müssen lernen, uns anzupassen“
Klaus Schwab, Das intelligente Zeitalter und die Verantwortung der afrikanischen Führung, Mai 2026
"With artificial intelligence you have many more capabilities to find out what truth is. If I go today to Claude or to ChatGPT or whatever it is, if I make the necessary efforts, I can find out what the truth is" WEF Founder Klaus Schwab, May 29 https://t.co/EwYgMA8Czh pic.twitter.com/Nmzi3Bbi4q
— Tim Hinchliffe (@TimHinchliffe) May 29, 2026
Übersetzung von „X“: „Mit künstlicher Intelligenz hat man viel mehr Möglichkeiten, die Wahrheit herauszufinden. Wenn ich heute zu Claude oder ChatGPT oder was auch immer gehe und mich ein wenig bemühe, kann ich herausfinden, was die Wahrheit ist.“ WEF-Gründer Klaus Schwab, 29. Mai https://youtube.com/watch?v=wOzCl9
Beachten Sie, wie Schwab sagt: „Wenn ich die nötigen Anstrengungen unternehme?“ Warum ist das so? Weil diese KI-Tools das Internet durchforsten und die Ergebnisse mit den höchsten Rankings anzeigen.
Ein hohes Ranking ist nicht immer gleichbedeutend mit der Wahrheit. Die nötigen Anstrengungen beziehen sich daher auf menschliche Recherche.
Man kann sich nicht darauf verlassen, dass ein LLM einem die Wahrheit liefert, denn es wird alles wiedergeben, was irgendein Geheimdienstler in Wikipedia heimlich bearbeitet hat, oder was von den Zensoren bei Reddit zugelassen wurde, oder welche Informationen von den Gatekeepern bei Google und ihren nicht gewählten globalistischen Partnern bei der UNO nicht zugelassen wurden.
Dennoch setzt Schwab sein Vertrauen in KI und die großen Tech-Unternehmen, dass sie uns alles Wissen liefern, das wir brauchen.
In diesem Szenario sind Universitäten überholt, und laut dem WEF-Gründer sollte sich die Hochschulbildung mehr darauf konzentrieren, den Umgang mit neuen Technologien zu vermitteln, anstatt tatsächliches Wissen zu lehren.
„Man muss nicht mehr zur Universität gehen. Bei jeder Wissensfrage kann man sich an Claude wenden, an ChatGPT oder was auch immer. Wissen ist überall um uns herum und kostenlos.“
Klaus Schwab, „Das intelligente Zeitalter und die Verantwortung der afrikanischen Führung“, Mai 2026
"You don't have to go to university anymore. For each knowledge question, you can go to Claude, you can go to ChatGPT or whatever. Knowledge is around us and is free of charge" WEF Founder Klaus Schwab, May 29 https://t.co/EwYgMA8Czh pic.twitter.com/EU2QVAsmhU
— Tim Hinchliffe (@TimHinchliffe) May 29, 2026
Übersetzung von „X“: „Du musst nicht mehr zur Universität gehen. Für jede Wissensfrage kannst du zu Claude gehen, du kannst zu ChatGPT gehen oder was auch immer. Wissen ist um uns herum und ist kostenlos“ WEF-Gründer Klaus Schwab, 29. Mai https://youtube.com/watch?v=wOzCl9
„Man muss nicht mehr zur Universität gehen. Bei jeder Wissensfrage kann man sich an Claude wenden, an ChatGPT oder was auch immer. Wissen ist überall um uns herum und kostenlos“, sagte Schwab.
„Sollte man vier Jahre investieren, um etwas zu lernen, das man bei Bedarf jederzeit in Echtzeit auf dem iPad nachlesen kann, anstatt sich mit Wissen vollzustopfen, von dem man vielleicht 90 Prozent in seiner beruflichen Tätigkeit gar nicht braucht?“
Anstatt also nach Wissen zu streben, muss man nur die großen Tech-Unternehmen anrufen, und sie geben einem die richtigen Antworten kostenlos?
Nicht, wenn es nach OpenAI-CEO Sam Altman geht!
Im März erklärte Altman, dass er, nachdem er alle Urheberrechts- und geistigen Eigentumsverletzungen umgangen habe, indem er das gesamte kollektive Wissen der Menschheit aus dem Internet abgegriffen habe, es uns nun nach Verbrauch zurückverkaufen wolle.
„Wir sehen eine Zukunft, in der Intelligenz eine Versorgungsleistung wie Strom oder Wasser ist und die Menschen sie über einen Zähler bei uns beziehen.“
Sam Altman, BlackRock US Infrastructure Summit, März 2026
— Chief Nerd (@TheChiefNerd) March 12, 2026
SAM ALTMAN: “We see a future where intelligence is a utility, like electricity or water, and people buy it from us on a meter.” pic.twitter.com/KuoMDp1upQ
Übersetzung von „X“: SAM ALTMAN: „Wir sehen eine Zukunft, in der Intelligenz eine Versorgungsleistung ist, wie Strom oder Wasser, und die Menschen sie bei uns über einen Zähler beziehen.“
Wenn Intelligenz zu einer Dienstleistung würde, die nach Verbrauch abgerechnet wird, dann würde das Zeitalter der Intelligenz nur jenen zugutekommen, die es sich leisten können.
Alles, was Schwab sagte, wäre der Elite vorbehalten. Die Armen würden weiterhin nicht nur arm, sondern auch dumm bleiben.
Und alles beginnt mit der Bildung.
Laut Schwab sollten wir unser Streben nach Wissen aufgeben. Stattdessen sollten wir uns auf unsere „Fähigkeiten“ konzentrieren.
Und um welche Art von Fähigkeiten handelt es sich dabei?
Die Fähigkeit, mit einem Chatbot zu interagieren, und man sollte jedes Jahr an die Universität zurückkehren, um sein aktualisiertes Zertifikat zu erhalten, als wäre es ein Abonnement, durch das man ein Leben lang der KI und den Big Tech-Unternehmen verpflichtet ist.
Schwab nennt dies einen Übergang vom „Lernen fürs Leben zum lebenslangen Lernen“.
„Natürlich braucht man eine Ausbildung, man braucht Bildung, aber es sollte vor allem eine Ausbildung in Fähigkeiten sein und weniger in Wissen.“
Klaus Schwab, Das intelligente Zeitalter und die Verantwortung der afrikanischen Führung, Mai 2026
— Chief Nerd (@TheChiefNerd) March 12, 2026
SAM ALTMAN: “We see a future where intelligence is a utility, like electricity or water, and people buy it from us on a meter.” pic.twitter.com/KuoMDp1upQ
Übersetzung von „X“: SAM ALTMAN: „Wir sehen eine Zukunft, in der Intelligenz eine Versorgungsleistung ist, wie Strom oder Wasser, und die Menschen sie bei uns über einen Zähler beziehen.“
Da nur die Elite Zugang zu Informationen nach Bedarf und lebenslangem Lernen habe, räumte Schwab ein, dass das WEF seit langem als elitär kritisiert werde.
Er hat jedoch nie wirklich bestritten, ein Elitist zu sein.
Stattdessen bekräftigte er die Vorstellung, dass „wir Teil einer globalen Gemeinschaft sind“, was im Widerspruch zu souveränen Staaten und unterschiedlichen kulturellen Werten steht, die von einer „globalen Gemeinschaft“ nicht geteilt werden.
„Natürlich wurde das Forum sehr oft als elitär kritisiert […] Ich wurde sehr oft als elitärer Globalist oder ähnliches bezeichnet. Globalisierung sollte keine Philosophie oder Ideologie sein. Wir sind Teil einer globalen Gemeinschaft. Wir sind weltweit voneinander abhängig.“
Klaus Schwab, Das Zeitalter der Intelligenz und die Verantwortung der afrikanischen Führung, Mai 2026
The WEF "was very often criticized for being elite.. I was very often called the elite globalist. Globalization should not be a philosophy or an ideology. We are part of a global community. We are globally interdependent" WEF Founder Klaus Schwab, May 29 https://t.co/EwYgMA8Czh pic.twitter.com/ABEynoGdC3
— Tim Hinchliffe (@TimHinchliffe) May 29, 2026
Übersetzung von „X“: Das WEF „wurde sehr oft als elitär kritisiert … Ich wurde sehr oft als elitärer Globalist bezeichnet. Globalisierung sollte keine Philosophie oder Ideologie sein. Wir sind Teil einer globalen Gemeinschaft. Wir sind weltweit voneinander abhängig.“ WEF-Gründer Klaus Schwab, 29. Mai https://youtube.com/watch?v=wOzCl9
Als Schwab über das WEF sprach, erklärte er, er habe es 1971 ins Leben gerufen, um dem Nobelpreisträger und Ökonomen Milton Friedman zu widersprechen, der gesagt hatte, die Aufgabe von Unternehmen sei es, Geschäfte zu machen.
Schwab lehnte dies ab und entwickelte das Konzept des „Stakeholdership“, das dem „Shareholdership“ entgegenstehen sollte, und erklärte, der gesamte Fokus des WEF liege darauf, eine Plattform zur Förderung des Stakeholder-Kapitalismus zu sein.
„Ich war fasziniert von Milton Friedman […] und er hatte in der New York Times einen Leitartikel geschrieben, in dem er sagte: ‚Die Aufgabe der Wirtschaft ist die Wirtschaft, und alles, was sozial ist, überlässt man der Regierung, die es regeln soll.‘
Ich kam zu dem Schluss: ‚Nein! Ein Unternehmen ist nicht nur eine wirtschaftliche Einheit; es ist Teil der Gesellschaft […]‘
Das ist der Grund, warum ich das Weltwirtschaftsforum gegründet habe – als Plattform, um diese Idee des Stakeholder-Kapitalismus weiterzuentwickeln“
Klaus Schwab, Das intelligente Zeitalter und die Verantwortung der afrikanischen Führung, Mai 2026
"I was fascinated by Milton Friedman.. saying the business of business is business.. I came to the conclusion, NO!.. I created the World Economic Forum as a platform to develop this idea of stakeholder capitalism" WEF Founder Klaus Schwab, May 29 https://t.co/EwYgMA8Czh pic.twitter.com/00Ku6lcJY9
— Tim Hinchliffe (@TimHinchliffe) May 29, 2026
Übersetzung von „X“: „Ich war fasziniert von Milton Friedman, der sagte, die Aufgabe der Wirtschaft sei es, Wirtschaft zu betreiben. Ich kam zu dem Schluss: NEIN! Ich habe das Weltwirtschaftsforum als Plattform gegründet, um diese Idee des Stakeholder-Kapitalismus weiterzuentwickeln.“ WEF-Gründer Klaus Schwab, 29. Mai https://youtube.com/watch?v=wOzCl9
Stakeholder-Kapitalismus ist nur durch öffentlich-private Partnerschaften möglich – die Verschmelzung von Unternehmen und Staat. Die Stakeholder sind Regierungen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft – wobei letztere aus Wissenschaftlern, NGOs und nicht gewählten globalistischen Thinktanks besteht.
Er wird von den sogenannten Experten- und Technokratenklassen beherrscht, die den Staat bestechen, damit dieser ihnen mehr Macht und Einfluss gewährt, während der Staat das, was er rechtlich nicht tun kann, an die Experten und Technokraten delegiert.
Wenn Sie jedoch nach gut dokumentierten und gründlich zitierten Forschungsergebnissen zu Klaus Schwab und den Ursprüngen des WEF suchen, sind Sie bei dem investigativen Journalisten Johnny Vedmore und seinem Artikel „Dr. Klaus Schwab; oder wie der CFR mich lehrte, mir keine Sorgen mehr zu machen und die Bombe zu lieben.“ genau richtig.
Vedmore leitet seine Untersuchung mit der Zwischenüberschrift ein: „Das Weltwirtschaftsforum war nicht einfach nur die Idee von Klaus Schwab, sondern entstand tatsächlich aus einem von der CIA finanzierten Harvard-Programm unter der Leitung von Henry Kissinger und wurde von John Kenneth Galbraith und dem ‚echten‘ Dr. Strangelove, Herman Kahn, zur Verwirklichung vorangetrieben.“
Nachdem er sich im vergangenen Jahr vom WEF zurückgezogen hatte, gründete der große Architekt des Great Reset die Schwab Academy als Plattform zur Begleitung seiner Buchreihe über das sogenannte intelligente Zeitalter.
Den gesamten Livestream von Klaus Schwab an der Universität von Johannesburg finden Sie auf dem YouTube-Kanal der Schwab Academy unten.

In einer Welt, in der Regierungen um die Investitionen von Technologiekonzernen konkurrieren, wirkt die Nachricht fast surreal: Kenia hat ein geplantes Rechenzentrumsprojekt von Microsoft im Wert von rund einer Milliarde Dollar vorerst gestoppt.
Der Grund war nicht Politik, Bürokratie oder fehlendes Interesse.
Es fehlte schlicht der Strom.
Was zunächst wie ein lokales Infrastrukturproblem erscheint, offenbart bei genauerem Hinsehen eine viel größere Geschichte über die Schattenseiten des globalen KI-Booms.
Seit dem Aufstieg von künstlicher Intelligenz liefern sich Microsoft, Google, Amazon und andere Technologieriesen einen Wettlauf um immer größere Rechenzentren.
Diese Anlagen bilden das Rückgrat moderner KI-Systeme. Ohne sie gäbe es keine Chatbots, keine KI-Bildgeneratoren und keine gigantischen Sprachmodelle.
Doch die schöne digitale Zukunft hat einen gewaltigen Haken:
Sie verschlingt enorme Mengen an Energie.
Der Strombedarf moderner KI-Rechenzentren steigt weltweit explosionsartig an. Manche Anlagen verbrauchen inzwischen so viel Energie wie ganze Städte.
Genau daran scheiterte nun das Microsoft-Projekt in Kenia.
Für viele Entwicklungsländer wäre eine Investition dieser Größenordnung ein politischer Triumph.
Arbeitsplätze, Infrastruktur und internationale Aufmerksamkeit wären die unmittelbaren Folgen.
Doch die kenianischen Behörden standen vor einem Dilemma.
Soll ein erheblicher Teil der verfügbaren Stromkapazitäten einem ausländischen Technologiekonzern zur Verfügung gestellt werden, während gleichzeitig Millionen Bürger und Unternehmen mit Energieproblemen kämpfen?
Die Antwort fiel offenbar negativ aus.
Damit sendet Kenia eine bemerkenswerte Botschaft an die globale Technologiebranche:
Nicht jede Investition ist automatisch ein Gewinn.
Die Debatte berührt ein Thema, über das erstaunlich selten gesprochen wird.
Während die Öffentlichkeit über die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz diskutiert, wird kaum thematisiert, welche Ressourcen dafür tatsächlich benötigt werden.
Jeder neue KI-Dienst benötigt Rechenleistung. Rechenleistung benötigt Rechenzentren. Rechenzentren benötigen Strom. Und dieser Strom muss irgendwo erzeugt werden.
Die Folge ist ein wachsender Wettbewerb um Energie, Wasser und Infrastruktur.
Während Tech-Konzerne von der nächsten digitalen Revolution sprechen, müssen viele Länder entscheiden, ob ihre begrenzten Ressourcen künftig den Bedürfnissen multinationaler Konzerne oder der eigenen Bevölkerung dienen sollen.
Besonders interessant ist die politische Signalwirkung.
Lange Zeit galt Afrika als Markt, in dem internationale Konzerne weitgehend die Bedingungen bestimmten.
Doch das Kräfteverhältnis verändert sich.
Immer mehr Staaten stellen die Frage, welchen konkreten Nutzen milliardenschwere Projekte tatsächlich für die eigene Bevölkerung bringen. Wenn ein Rechenzentrum enorme Strommengen benötigt, aber vergleichsweise wenige Arbeitsplätze schafft, fällt die Kosten-Nutzen-Rechnung plötzlich deutlich weniger eindeutig aus.
Kenia scheint genau diese Rechnung vorgenommen zu haben.
Der Fall zeigt noch etwas anderes:
Die größte Herausforderung für die KI-Industrie könnte künftig nicht Kapital oder Technologie sein.
Es könnte Energie sein. Doch selbst Milliarden schaffen keinen Strom, wenn das Netz an seine Grenzen stößt.
Die digitale Zukunft wird deshalb nicht nur von Softwareingenieuren entschieden, sondern zunehmend von Kraftwerken, Stromnetzen und Energiepolitik.
Für Microsoft ist die Entscheidung ein Rückschlag. Für die gesamte Branche ist sie ein Warnsignal.
Der globale KI-Boom basiert auf der Annahme, dass immer mehr Rechenleistung verfügbar sein wird.
Doch genau diese Annahme wird zunehmend infrage gestellt.
Kenia hat damit möglicherweise als eines der ersten Länder eine Entwicklung sichtbar gemacht, die in den kommenden Jahren weltweit an Bedeutung gewinnen könnte:
Die Zukunft der künstlichen Intelligenz hängt nicht nur von Algorithmen ab.
Sie hängt davon ab, wer den Strom hat, um sie zu betreiben.
