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Größter Börsengang aller Zeiten
Der Konzern SpaceX von Elon Musk strebt den größten Börsengang aller Zeiten an. Ziel ist es, 75 Milliarden US-Dollar einzunehmen – so viel wie noch nie bei einem Börsendebüt.[1] Der bisherige Rekord liegt bei dem Ölkonzern Saudi Aramco, der 2019 an die Börse ging und dabei 25,6 Milliarden US-Dollar einnehmen konnte.[2] Im Fall von SpaceX sollen 555,6 Millionen Aktien zu je 135 US-Dollar verkauft werden; das brächte den Marktwert des Raumfahrt- und Kommunikationsriesen auf 1,75 Billionen US-Dollar. Mit der neuen Bewertung wären nur sechs Unternehmen im Aktienindex S&P 500, der die 500 wertvollsten börsennotierten US-Unternehmen umfasst, mehr wert als SpaceX. Der Konzern, der unter anderem Starlink betreibt, hat Anfang dieses Jahres Musks KI-Startup xAI übernommen – in einem Deal, der den Wert von SpaceX auf eine Billion US-Dollar steigerte.[3] Die Übernahme erfolgte unter anderem mit dem Ziel, eine solarbetriebene Infrastruktur im Weltall aufzubauen, die den Energiebedarf in der Ära des KI-Booms decken soll. Seit dem 4. Juni befindet sich SpaceX auf einer Roadshow, bei der die am Börsengang beteiligten Banker das Unternehmen den Investoren vorstellen.
„Musks Erzählungen“
Allerdings bieten die Finanzdaten hinter der Rekordbewertung reichlich Anlass zur Skepsis. Von den drei Geschäftsbereichen, die SpaceX derzeit betreibt – nämlich die Raketensparte, den Satellitenzweig Starlink und das KI-Unternehmen xAI einschließlich der Social Media-Plattform X –, arbeitet nur der zweite profitabel.[4] Während die Umsätze von SpaceX steigen, steigen auch die Verluste. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 18,7 Milliarden US-Dollar, ein Drittel mehr als im Vorjahr, verzeichnete aber gleichzeitig Verluste von fast 5 Milliarden US-Dollar. Allein im ersten Quartal 2026 entstanden bei einem Umsatz von etwa 4,7 Billionen US-Dollar Verluste von rund 4,3 Milliarden US-Dollar.[5] xAI riss mit einem operativen Verlust von 2,47 Milliarden US-Dollar ein riesiges Loch in die Bilanz.[6] Ein dänischer Pensionsfonds setzte infolgedessen SpaceX auf seine schwarze Liste – mit der Begründung, die Bewertung des Unternehmens sei „großzügig übertrieben“; die Preisgestaltung werde eher von Musks „Erzählungen als von wirtschaftlichen Realitäten“ bestimmt.[7] SpaceX hat den Großteil seiner Wachstumshoffnungen an KI geknüpft, und die Einnahmepläne des Konzerns stützen sich zu einem erheblichen Teil auf noch zu entwickelnde Technologien, darunter solarbetriebene Rechenzentren im Weltraum. Laut Angaben von Reuters nimmt das Unternehmen auf dem KI-Sektor einen potenziellen Markt von 28,5 Billionen US-Dollar ins Visier.[8]
Kapitalflucht
Anders als bei US-Börsengängen üblich, wurde beim SpaceX-Börsengang die Teilnahme für Privatanleger aus Deutschland und Europa erleichtert. Das in Berlin ansässige Fintech-Unternehmen Trade Republic gab bekannt, seine europäischen Kunden könnten SpaceX-Anteile direkt über eine App zeichnen.[9] Dies droht Probleme für die Wirtschaft in Europa mit sich zu bringen. Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank, warnt, es werde Kapital in die USA abgezogen. „Diese riesigen Börsengänge saugen Kapital ab. Und das zu Bewertungen, die stark von Spekulationen beeinflusst sind“, erklärt Schmieding und fügt hinzu: „Das erschwert die Finanzierung von Investitionen in Europa.“[10] Gleichzeitig wurde Investoren aus China einschließlich Hongkong der Zugang zum SpaceX-Börsengang untersagt – aus „Sicherheitsgründen“. Die zuständigen Konsortialbanken wurden angewiesen, keine Aufträge von Investoren in China anzunehmen, da die USA regulatorische und Compliance-Beschränkungen hinsichtlich des Exports kritischer Technologien verhängt haben.[11]
Ein beispielloser Coup
Dabei ruft die jüngste Expansion von SpaceX weltweit und insbesondere auch in Europa einige Verunsicherung auf dem konventionellen terrestrischen Kommunikationssektor hervor – nicht zuletzt auch bei der Deutschen Telekom. Obwohl es Satellitenkommunikation schon lange vor SpaceX bzw. Starlink gab, hatte sie mit einem prinzipiellen Problem zu kämpfen: Satelliten umkreisten die Erde in großer Höhe, oft in einer Höhe von 35.000 Kilometern. Aus dieser Entfernung benötigt das Signal vergleichsweise lange, um wieder auf der Erde anzukommen; die Verzögerung beläuft sich auf eine halbe Sekunde, manchmal sogar mehr, was Videostreaming und flüssiges Surfen im Internet unmöglich macht. Starlink hat das Modell grundlegend verändert, indem es mehr als 10.000 Satelliten in eine niedrige Erdumlaufbahn in einer Höhe von 340 bis 550 Kilometern gebracht hat; das Signal benötigt nun nur noch 20 Millisekunden für die Übermittlung.[12] Zum Vergleich: Ein modernes 5G-Netz in Deutschland, wie es die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica betreiben, hat eine Latenz von 15 bis 25 Millisekunden. Darüber hinaus hat Starlink von der US-amerikanischen Federal Communications Commission (FCC) die Genehmigung erhalten, weitere 15.000 Satelliten im Weltraum zu installieren, was viele zu der Annahme veranlasst, dass SpaceX langfristig beabsichtigt, selbst Mobilfunkbetreiber zu werden und die etablierten Anbieter zu ersetzen.
„Reite den Drachen“
Der Vorstandsvorsitzende der Telekom, Timotheus Höttges, sieht darin jedenfalls eine Herausforderung für seinen Konzern. „Ich kann nur bestätigen, dass Starlink ein absolutes Top-Tech-Unternehmen ist“, urteilt Höttges: „Wenn du den Drachen nicht bekämpfen kannst, reite den Drachen.“[13] Höttges zielt darauf ab, die bisherige Kooperation der Telekom mit Starlink als Netzbetreiber fortzusetzen; es handelt sich um eine von 35, die Starlink derzeit auf sechs Kontinenten unterhält. Der Telekom-Chef hofft dabei, dass Starlink das terrestrische Netz niemals ersetzen können wird. Die Zahlen sprechen jedoch dagegen. Mit der Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar kann SpaceX weit mehr erreichen als sein wichtigster europäischer Konkurrent; der Wert der Deutschen Telekom wird auf 150 Milliarden US-Dollar geschätzt, der Wert von T-Mobile auf 209 Milliarden US-Dollar. T-Mobile verzeichnet bereits einen Kursrückgang von zehn Prozent – von rund 210 US-Dollar pro Aktie vor zwölf Monaten auf heute rund 190 US-Dollar. Andererseits hat Starlink bereits ein Angebot für Mobilfunkfrequenzen in den USA abgegeben; sollte sich das Unternehmen in der Branche etablieren, könnte das Wachstum von T-Mobile in den USA unter Druck geraten. Dies würde den Einsatz für die Deutsche Telekom direkt erhöhen, die für rund drei Viertel ihrer Marktkapitalisierung von ihrem US-Geschäft abhängig ist.
Das deutsche Starlink
Unterdessen gewinnen Bestrebungen in Europa an Fahrt, gegen Starlink einen Konkurrenten in Stellung zu bringen. Während SpaceX seinen Börsengang vorbereitete, gab das Bundeskartellamt den Rüstungs- und Technologieunternehmen Rheinmetall und OHB grünes Licht für ihr geplantes Satelliten-Joint Venture.[14] Mit diesem wollen sich die beiden Unternehmen um einen milliardenschweren Auftrag der Bundeswehr für den Aufbau eines militärischen Kommunikationssatellitennetzwerks bewerben, das mit Starlink vergleichbar ist. Dabei wäre OHB für die Produktion der Satelliten und den Bau der Bodenstationen zuständig, während Rheinmetall die Netzwerke herstellen und die Endgeräte fertigen würde. Der deutsch-französische Airbus-Konzern, der zunächst gegen das Joint Venture aus Rheinmetall und OHB konkurrierte, soll in das Vorhaben eingebunden werden. Zwar bildet die neue Dreierallianz effektiv ein Monopol, das den Wettbewerb ausschaltet; doch ermöglicht sie aus Sicht der Bundeswehr eine rasche Umsetzung des Projekts und trägt dazu bei, Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden, die entstünden, würde der Auftrag an einen einzigen Bieter vergeben.
[1] Echo Wang, Milana Vinn: SpaceX sets $135 price for blockbuster IPO, upending Wall Street convention. reuters.com 03.06.2026.
[2] Uwa Ede-Osifo, Lauren Almeida, Dan Milmo: SpaceX targets biggest ever stock market debut, putting Musk on course to be trillionaire. theguardian.com 04.06.2026.
[3] Echo Wang: SpaceX plans to set IPO price at $135 per share, targeting record $75 billion raise, source says. reuters.com 03.06.2026.
[4] Uwa Ede-Osifo, .Lauren Almeida, Dan Milmo: SpaceX targets biggest ever stock market debut, putting Musk on course to be trillionaire. theguardian.com 04.06.2026.
[5] Thomas Jahn: Die wichtigsten Fragen und Antworten zum SpaceX-Börsengang. handelsblatt.com 21.05.2026.
[6] Matthias Lindner: SpaceX vor Börsengang: Pensionsfonds setzt Musks Firma auf die schwarze Liste. telepolis.de 30.05.2026
[7] Bernd Müller: Trade Republic öffnet IPOs für alle – das sollten Anleger wissen. telepolis.de 06.06.2026.
[8] Echo Wang: SpaceX plans to set IPO price at $135 per share, targeting record $75 billion raise, source says. reuters.com 03.06.2026.
[9] Bernd Müller: Trade Republic öffnet IPOs für alle – das sollten Anleger wissen. telepolis.de 06.06.2026.
[10] Alex Hofmann: SpaceX, Anthropic: Was die Mega-IPOs für die deutsche Wirtschaft bedeuten. table.media 06.06.2026.
[11] Cathy Chan: Chinese, HK Investors Banned From SpaceX IPO on Security Grounds. bloomberg.com 05.06.2026.
[12], [13] Thomas Jahn, Stephan Scheuer: Wie Elon Musk den globalen Mobilfunk übernehmen will. handelsblatt.com 28.05.2026.
[14] Kartellamt genehmigt Satelliten-Allianz von Rheinmetall und OHB. handelsblatt.com 16.04.2026. S. auch Das deutsche Starlink.