Im Iran halten die seit rund zwei Wochen andauernden Massenproteste gegen die Regierung an, Sicherheitskräfte gehen mit massiver Gewalt gegen Demonstrierende vor. Laut dem Menschenrechtsnetzwerk HRANA wurden bislang mindestens 65 Menschen getötet und mehr als 2.300 festgenommen. Trotz weitgehender Internetsperren sollen in rund 180 Städten Proteste stattfinden; Rufe wie „Tod Chamenei“ richten sich direkt gegen das geistliche Oberhaupt Ali Chamenei.
Eine zentrale Rolle in der Symbolik der Proteste spielt zunehmend Schah-Sohn und Ex-Kronprinz Reza Pahlavi, der im US-Exil lebt. Bei Demonstrationen ertönen Parolen wie „Lang lebe der König“, in Teheran wurde eine historische Schah-Flagge gezeigt. Pahlavi beansprucht offen eine Führungsrolle in der Opposition und hat in einer Videobotschaft zu landesweiten Streiks vor allem in Schlüsselindustrien wie Öl, Gas und Energie aufgerufen, um die „finanziellen Lebensadern“ des Regimes zu schwächen. Zudem rief er die Bevölkerung auf, die Stadtzentren dauerhaft zu besetzen, und kündigte an, sich auf eine „sehr baldige“ Rückkehr in den Iran vorzubereiten.
Analysten verweisen darauf, dass die neue Offenheit für Pahlavi und die Monarchie weniger klassische Monarchie-Nostalgie widerspiegelt, sondern den Wunsch nach einem radikalen Bruch mit der repressiven Theokratie und nach einer glaubwürdigen Alternative zum bestehenden System. Die Unterstützung für die ehemalige Königsfamilie war im Iran jahrzehntelang tabu und strafbar, gewinnt nun aber insbesondere unter jüngeren Demonstrierenden sichtbar an Bedeutung.
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Bild: Schah-Sohn und Ex-Kronprinz Reza Pahlavi
Bildquelle: Ryan Nash Photography / shutterstock
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