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Der „Schurkenstaat“ USA bedroht die Welt | Von Tilo Gräser

11. März 2026 um 10:38

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Der „Schurkenstaat“ USA bedroht die Welt | Von Tilo Gräser
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Der „Schurkenstaat“ USA bedroht die Welt | Von Tilo Gräser

Der „Nebel des Krieges“ gegen den Iran gebiert Phantome, während Analysen einen klaren Blick auf die Folgen bieten

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Im Internet kursieren aktuell Meldungen, wonach der Iran die Häuser des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu und seines faschistischen Sicherheitsministers Itamar Ben-Gvir angegriffen hat. Dabei sollen Netanjahus Bruder Iddo und Ben-Gvir getötet worden sein. Der US-amerikanische Ex-Geheimdienstoffizier Scott Ritter behauptete gegenüber dem russischen Sender RT, iranische Raketen hätten die Gebäude getroffen. Diese Aussagen gingen im Internet und auf Online-Plattformen schnell viral.

Ritter stellte den angeblichen Angriff als Beweis dafür dar, dass der Iran die israelischen und US-amerikanischen Verteidigungsstrukturen erfolgreich neutralisiert habe. Er erklärte, dass die Raketenkapazitäten Teherans „die Verteidigung der USA und Israels praktisch blind und taub gemacht“ hätten. Allerdings gab es bisher keine Bestätigung seitens der israelischen Behörden, von iranischen Beamten oder durch unabhängige Verifizierungskanäle.

Es könnte sich stattdessen um ein Beispiel dafür handeln, wie sehr auch angesehene Experten wie Ritter im „Nebel des Krieges“ herumstochern. Zugleich gibt es mehrere Gründe dafür, dass solche Meldungen glaubwürdig wirken, worauf das malaysische Portal Defence Security Asia in einem Beitrag am Dienstag aufmerksam machte.

„Die Logik hinter solchen Angriffen würde in der Dynamik der Vergeltung begründet sein, nachdem israelische und US-amerikanische Angriffe Berichten zufolge den obersten Führer des Iran, Ali Chamenei, und mehrere hochrangige iranische Militärs in der Anfangsphase des Krieges getötet haben sollen – eine beispiellose Operation, die darauf abzielte, die Führungsstruktur des Iran zu zerschlagen.“

Doch aufgrund fehlender Bestätigungen sind die Aussagen von Ritter laut dem Portal „eher Teil der allgemeinen Kriegsnebel rund um den Iran-Israel-Konflikt als bestätigte Ereignisse auf dem Schlachtfeld“. Zu den Ursachen dafür gehöre auch die strikte israelische Zensur, die für Informationslücken sorge. Diese führten in Konfliktzeiten unbeabsichtigt zu Spekulationen, Fehlinformationen und sich schnell verbreitenden, unbestätigten Narrativen im Internet. Dazu tragen auch Beobachtungen bei, dass beispielsweise Netanjahu seit Tagen nicht mehr öffentlich aufgetreten sei.

Doch nicht nur die israelische Regierung habe die vermeintlichen Angriffe nicht bestätigt. Ebenso haben laut dem Portal auch die iranischen Behörden keine Erklärungen abgegeben, die bestätigen, dass solche Angriffe stattgefunden haben, oder die darauf hindeuten, dass iranische Streitkräfte während der jüngsten Raketenoperationen die Wohnsitze israelischer Politiker ins Visier genommen haben.

„Das Fehlen einer Bestätigung durch beide Regierungen unterstreicht die strategische Unklarheit, die oft für Informationsumgebungen in Kriegszeiten charakteristisch ist, in denen das Fehlen verifizierter Daten dazu führen kann, dass konkurrierende Narrative sich rasch verbreiten.“

Warnung der US-Geheimdienste

Insofern bleibt es schwierig zu erfahren, was in dem am 28. Februar von den USA und Israel begonnenen völkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran tatsächlich geschieht, der weiter anhält. Nur vereinzelt dringen Informationen durch, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht sind. Sie zeigen, wer welche Interessen in dem Krieg verfolgt, wer sie durchsetzt und auch, wer widerspricht und versucht, den absehbaren Gang der Dinge zu verhindern.

So hat der ehemalige CIA-Mitarbeiter Larry Johnson am Sonntag in seinem Blog Sonar 21 auf einen entsprechenden Beitrag der US-Zeitung Washington Post hingewiesen. Demzufolge hatten hochrangige US-Geheimdienstmitarbeiter eine Woche vor dem 28. Februar bezweifelt, dass ein Angriff auf den Iran den angestrebten Regimewechsel in Teheran bewirken könne. Die Zeitung stützt sich auf einen geheimen Bericht des National Intelligence Council (NIC) der USA. Der sei zu dem Schluss gekommen, dass selbst ein groß angelegter Angriff der USA auf den Iran das fest verwurzelte Militär- und Klerikalestablishment der Islamischen Republik Iran wahrscheinlich nicht stürzen würde.

Der Bericht lasse Zweifel an dem von Präsident Donald Trump verkündeten Plan aufkommen, die Führungsstruktur des Iran „auszumisten“ und einen Herrscher seiner Wahl im Iran zu installieren. Laut Washington Post erklärte Suzanne Maloney, Iran-Expertin und Vizepräsidentin der Brookings Institution, die Prognose des NIC beruhe auf dessen fundierten Kenntnissen über die Islamische Republik. Es handele sich um eine „fundierte Einschätzung des iranischen Systems und der Institutionen und Prozesse, die seit vielen Jahren etabliert sind“. Johnson schreibt dazu:

„Das bedeutet, der Krieg im Iran verläuft nicht gut, und die US-Geheimdienste beginnen nun das Washingtoner Spielchen: ‚Gebt mir nicht die Schuld, ich habe euch gewarnt.‘

Der bekannt gemachte Bericht der US-Geheimdienste sei ein „klares Signal der an der Erstellung dieses Berichts Beteiligten, dass sie nicht die Sündenböcke sein werden, wenn der Iran-Krieg für Donald Trump in einem Fiasko endet“. Der ehemalige CIA-Mitarbeiter widerspricht in seinem Beitrag zudem offiziellen Behauptungen über den Verlauf des Krieges. So habe die US-Luftwaffe anders als erklärt keine Luftüberlegenheit über dem Iran. Die Kampfflugzeuge der USA und Israels würden nur nahe der Westgrenze des Irans fliegen und vor allem weitreichende Raketen einsetzen, um iranische Ziele anzugreifen. Die iranische Luftwaffe sei außerdem nicht völlig zerstört worden und vor allem im Osten des Landes weiterhin einsatzfähig.

Iranische Sicht

Nur wenig ist hierzulande über die iranische Sicht zu erfahren, da mit den Vertretern des Landes kaum gesprochen wird. Eine Ausnahme machte unter anderem der US-Sender NBC, der am Sonntag ein Interview mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi veröffentlichte. Zur Wahl des Nachfolgers des ermordeten Chamenei reagierte der Minister auf die Aussage von US-Präsident Trump, er wolle den nächsten iranischen Führer selbst bestimmen: Iran lasse niemanden in innere Angelegenheiten eingreifen. Die Wahl des Obersten Führers sei ausschließlich „Sache des iranischen Volkes“. Inzwischen wurde der Sohn des Ermordeten, Modschtaba Chamenei, zum Nachfolger ernannt.

Zur Forderung Trumps nach einer bedingungslosen Kapitulation des Iran sagte Araghchi, sein Land werde niemals kapitulieren, seine Würde stehe nicht zum Verkauf. Der aktuelle Konflikt sei anders als frühere: Angesichts der aktuellen Angriffe gegen Zivilisten, Schulen, Krankenhäuser und Infrastruktur (wie Wasserentsalzungsanlagen und Raffinerien) wäre ein bloßer Waffenstillstand „unzureichend“. Gefordert sei ein permanentes Ende des Krieges. Zu den Angriffen Irans auf Ziele in arabischen Nachbarländern, sagte er, die Angriffe richteten sich nicht gegen die Nachbarländer, sondern gegen US-Basen und -Installationen auf fremdem Boden.

Der iranische Außenminister bestätigte die Zusammenarbeit mit Russland, ohne Details zu nennen. Zu dem Angriff auf eine Schule im Südiran, bei dem mehr als 160 Kinder ermordet wurden, widersprach er den US-Behauptungen, der Iran habe das selbst getan. Inzwischen gibt es Informationen, wonach ein US-Marschflugkörper das Schulgebäude am 28. Februar zerstört hat. Araghchi zeigte sich in dem Interview überzeugt, dass der Iran auch eine US-Bodenoffensive abwehren kann. Das Land habe seit Tausenden von Jahren seine Souveränität verteidigt.

Kritischer Blick aus den USA

Die Details des Krieges sind aus der Entfernung schwer auszumachen, nicht nur wegen des „Nebels des Krieges“. Erkennbar sind aber Folgen und Konsequenzen des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges der USA und Israel. Es gibt dazu eine Reihe interessanter Analysen und Einschätzungen. Eine davon stammt von dem US-Ökonomen Michael Hudson. In einem kürzlich veröffentlichten Beitrag stellte er unter anderem fest:

„Eine friedliche Lösung hätte den langfristigen Plan der USA verhindert, ihre Kontrolle über das Öl im Nahen Osten, dessen Transport und die Investition ihrer Ölexport-Einnahmen zu festigen und zu militarisieren und Israel und Al-Qaida/ISIS als ihre Stellvertreterarmeen einzusetzen, um unabhängige Ölförderländer daran zu hindern, in ihrem eigenen souveränen Interesse zu handeln.“

Der Angriff der USA und Israels auf den Iran zeige, „dass es nichts gibt, was der Iran hätte zugestehen können, um die langjährigen Bestrebungen der USA, die Kontrolle über das Öl im Nahen Osten zu erlangen, zu verhindern“. Hudson verwies darauf, dass noch am 27. Februar der Vermittler der US-amerikanisch-iranischen Atomverhandlungen in Oman, der Außenminister dieses Landes, Badr Al Busaidi, US-Präsident Donald Trump den Boden unter den Füßen wegzog, indem er dessen Behauptungen widerlegte. Trump hatte dem Iran mit Krieg gedroht, wenn er sein angebliches Atomwaffenprogramm nicht aufgibt.

Der Außenminister Omans erklärte in der CBS-Sendung „Face the Nation“, dass das iranische Team zugestimmt habe, kein angereichertes Uran anzuhäufen, und „eine vollständige und umfassende Überprüfung durch die IAEO“ angeboten habe. Diese neue Konzession sei ein „Durchbruch, der noch nie zuvor erreicht wurde“. Al Busaidi sah „eine Einigung in greifbarer Nähe“, um „eine Vereinbarung zu erzielen, dass der Iran niemals über nukleares Material verfügen wird, mit dem eine Bombe hergestellt werden kann. Das ist meiner Meinung nach eine große Errungenschaft.“

Er wies darauf hin, dass dieser Durchbruch „von den Medien weitgehend übersehen wurde“. Der Minister betonte, dass das iranische Zugeständnis von „null Lagerbeständen“ weit über das hinausgehe, was während der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama ausgehandelt worden sei. Damit wäre jegliche Möglichkeit für den Iran zum Bau einer Atombombe unterbunden.

Ayatollah Ali Chamenei – der bereits eine Fatwa gegen den Bau von Atomwaffen erlassen und diese Position Jahr für Jahr wiederholt hatte – habe daraufhin die schiitischen Führer und Militärchefs des Iran zusammengerufen. Sie sollten über die Ratifizierung des Abkommens zur Abgabe der Kontrolle über das angereicherte Uran diskutieren, um einen Krieg zu verhindern. Ökonom Hudson dazu:

„Aber genau diese Kapitulation war es, die weder die Vereinigten Staaten noch Israel akzeptieren konnten.“

Der israelische Geheimdienst alarmierte demnach offenbar das US-Militär und wies darauf hin, dass das Treffen im Anwesen des Ayatollahs eine „großartige Gelegenheit“ biete, die führenden Entscheidungsträger Irans alle auf einmal zu enthaupten, so Hudson. Dies sei dem Ratschlag aus dem Handbuch des US-Militärs gefolgt, dass die Tötung eines politischen Führers, den die USA als undemokratisch betrachten, die Träume der Bevölkerung von einem Regimewechsel beflügeln würde.

Ziele der USA

Der Ökonom wies darauf hin, dass die Kontrolle über den Öl-Transport aus dem Mittleren Osten „ein wesentlicher Bestandteil der US-Außenpolitik“ bleibe. Sie sei „der Schlüssel zur Fähigkeit der USA, anderen Volkswirtschaften zu schaden, indem sie ihnen den Zugang zu Energie verweigern, wenn sie sich nicht an die Außenpolitik der USA halten“.

„Dieses Beharren darauf, den Zugang der Welt zu Energiequellen zu blockieren, die nicht unter amerikanischer Kontrolle stehen, ist der Grund, warum die USA Venezuela, Syrien, Irak, Libyen und Russland angegriffen haben.“

Der erneute Angriff der USA und Israels auf die iranischen Verhandlungsführer ist für Hudson „eine Perfidie, die in die Geschichte eingehen wird. Damit sollte der beabsichtigte Schritt des Iran in Richtung Frieden verhindert werden, bevor seine Führer Trumps falsche Behauptung widerlegen konnten, der Iran habe sich geweigert, seinen Wunsch nach einer eigenen Atombombe aufzugeben.“ Die US-Ölkonzerne mit ihrer größtenteils inländischen Produktion würden durch den Krieg einen Riesengewinn machen, ist sich Hudson sicher. China und andere Ölimporteure würden darunter leiden. Auch die US-Finanzspekulanten würden einen Riesengewinn machen.

„Diese Tatsache könnte sogar eine Rolle bei der Entscheidung der USA gespielt haben, den Zugang der Welt zu Öl aus dem Nahen Osten für einen voraussichtlich langen Zeitraum zu unterbinden.“

Die Handels- und Finanzstörungen werden nach Einschätzung des US-Ökonomen weltweit so gravierend sein, „dass wir meiner Meinung nach den Angriff auf den Iran am Samstag, dem 28. Februar, als den eigentlichen Auslöser des Dritten Weltkriegs betrachten können“. In einem Interview erklärte Hudson das genauer:

„Es ist ein Weltkrieg, weil die Folgen dieses Angriffs den gesamten internationalen Ölhandel beeinflussen werden. Und durch den Ölhandel wird die Zahlungsbilanz der meisten Länder, einschließlich der Länder des Globalen Südens, durch den Anstieg der Ölpreise beeinflusst werden.“

Für den größten Teil der Welt werde die bevorstehende Finanzkrise das nächste Jahrzehnt der internationalen politischen und wirtschaftlichen Umstrukturierung bestimmen, so der Ökonom in seiner Analyse. Die Länder Europas, Asiens und des Globalen Südens würden nur noch zu Preisen Öl beziehen können, die viele Industriezweige unrentabel und für viele Familien unerschwinglich machen, so Hudson. Der Anstieg der Ölpreise werde es den Ländern des Globalen Südens unmöglich machen, ihre fälligen Dollarschulden gegenüber westlichen Anleihegläubigern, Banken und dem IWF zu bedienen.

Wirtschaftskrieg gegen den Rest der Welt

In dem erwähnten Interview mit der Journalistin Lena Petrowa sagte Hudson, die USA hätten „dem Rest der Welt den Wirtschaftskrieg erklärt, um ihre Kontrolle aufrechtzuerhalten, die sie nicht mehr durch die Institutionen ausüben können, die sie am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 eingerichtet haben, als sie in der Lage waren, die Art der auf dem US-Dollar und dem US-Veto in der UNO, dem IWF und der Weltbank basierende internationale Ordnung diktieren konnten“.

Diese „erste echte Schlacht des Dritten Weltkriegs“ sei zugleich „in vielerlei Hinsicht eine letzte Schlacht, in der entschieden wird, worum es im Zweiten Weltkrieg eigentlich ging“. Das bisherige Völkerrecht könne zusammenbrechen, „weil nicht genügend Länder bereit sind, die Regeln des zivilisierten Rechts zu schützen, die die Prinzipien der nationalen Souveränität ohne ausländische Einmischung und Zwang vom Westfälischen Frieden von 1648 bis zur UN-Charta stützen“.

„Kann die UNO gerettet werden, ohne sich selbst und ihre Mitgliedsländer aus der Kontrolle der USA zu befreien? Ein erster Lackmustest dafür, wie sich die Allianzen entwickeln, wird sein, welche Länder sich der rechtlichen Initiative anschließen, Donald Trump und sein Kabinett zu Kriegsverbrechern zu erklären.“

Hudson hält einen „Prozess im Stil von Nürnberg“ für notwendig, „gegen die westliche Militärpolitik, die darauf abzielt, die ganze Welt in politisches und wirtschaftliches Chaos zu stürzen, wenn sie sich nicht der unipolaren, auf Herrschaft basierenden Ordnung der USA unterwirft“.

In dem Interview mit Petrowa rechnet Hudson damit, dass es zu einer Ausweitung der militärischen Konfrontation mit Ländern kommt, die sich der US-amerikanischen Kontrolle widersetzen. Das werde sich auch auf Russland und vermutlich auf China ausweiten. „Das Chaos hat noch nicht einmal begonnen“, so der Ökonom. Für ihn ist die Frage, „ob die Länder des Globalen Südens in der Lage sein werden, sich den Attentaten und Terroranschlägen der USA zu widersetzen“.

„Die Welt sieht sich den USA und Europa als terroristische Weltmacht gegenüber. Das ist die einzige Macht, die den Vereinigten Staaten noch bleibt, nachdem sie ihre industrielle und finanzielle Macht verloren haben. Nur die terroristische Macht, die sie gegen den Iran, gegen die Palästinenser, gegen die russischsprachigen Ukrainer und andere Gruppen eingesetzt haben, die dazu neigen, sich der US-Autorität zu widersetzen. Das führt zu einer politischen Krise und Revolution in der ganzen Welt.“

Bei den USA und dem gesamten Westen an ihrer Seite handele es sich um „Schurkenstaaten“. Das gelte für die westliche Zivilisation insgesamt, betonte Hudson. Der Krieg gegen den Iran sei eine Kampfansage an den Rest der Welt. Die Frage sei, inwieweit Russland, China und andere Länder erkennen, „dass es hier keine Mittelposition gibt“. Der Ökonom stellte klar: „Man muss sich entscheiden: Entweder man entscheidet sich für die Beibehaltung der bestehenden Institutionen, die alle den terroristischen Schurkenstaat unterstützen, oder man schafft eine neue internationale Allianz.“ Es gehe um eine Alternative zu den Kriegsgesetzen, die Angriffe auf Zivilisten und Angriffe auf Länder verhindern, die keine militärische Bedrohung für den Angreifer darstellen – was eigentlich das Ziel nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen sei.

Die bedrohten und angegriffen Länder stellten keine Bedrohung für die USA dar, „aber sie wollten unabhängig sein, und jedes Land will seine eigene Souveränität, die die Grundlage des Völkerrechts ist“. Jedes Land, das seine eigene Souveränität wolle, werde als eine Bedrohung für die USA gesehen und als solche behandelt. Trump wolle die USA zum Gewinner und die anderen Länder zu Verlierern machen. Die Vorstellung der USA von nationaler Sicherheit bestehe darin, dass andere Länder ihre eigene Sicherheit aufgeben müssen, da diese eine Bedrohung für die Kontrolle der USA darstelle. Das bedeute, dass die USA „ein Schurkenstaat und sogar eine Schurkenzivilisation sind“. Das sei eine Frage der Zivilisation, stellt der Ökonom fest und fragt: „Werden andere Länder erkennen, dass dies ein Kampf der Zivilisationen ist?“

„Wollen sie die Abhängigkeit von der unipolaren Ordnung der USA oder eine multipolare Ordnung von Ländern, die in ihren eigenen souveränen Interessen handeln und in der Lage sind, Handel zu treiben sowie Finanzbeziehungen in ihrem eigenen Interesse und zu ihrem eigenen Vorteil zu unterhalten, vermutlich um Wohlstand und Produktivität zu steigern, anstatt ihren eigenen Volkswirtschaften Sparmaßnahmen aufzuerlegen, damit die Vereinigten Staaten weiterhin ihre militärische Kontrolle über andere Länder finanzieren können, bis hin zu den Militärstützpunkten, die der Iran zumindest in seinem lokalen regionalen Gebiet zu zerstören versucht?“

Unterdessen hat Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin überraschend am Montag angerufen. Es kann nur vermutet werden, warum es dem US-Präsidenten so wichtig war, mit Putin auch über den Krieg gegen den Iran zu sprechen. Zuvor wurde gemeldet, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff habe Russland aufgefordert, Teheran nicht mit Informationen im Iran-Krieg zu unterstützen.

Der russische Botschafter in Großbritannien, Andrej Kelin, hatte zuvor gegenüber dem Sender Sky News erklärt, dass Russland im Iran-Krieg „nicht neutral“ sei. Russland „unterstütze den Iran“ und stehe „den aktuellen Ereignissen sehr negativ gegenüber“. Putin gratulierte zudem am 9. März dem neuen iranischen Oberhaupt Modschtaba Chamenei. Er sagte dem Iran, der „mit bewaffneter Aggression konfrontiert“ sei, weiterhin Unterstützung zu. Putin bekräftigte „unser unveränderliches Engagement für Teheran und unsere Solidarität mit unseren iranischen Freunden“ und fügte hinzu: „Russland war und bleibt ein verlässlicher Partner der Islamischen Republik.“ Am Dienstag telefonierte er mit Irans Präsidenten Massud Peseschkian über „die Lage im Nahen Osten im Zusammenhang mit der israelisch-amerikanischen Aggression gegen den Iran“, wie es offiziell hieß.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: KI-generiertes Bild: Weltkugel vor brennender Stadtsilhouette und Kapitalmarktkurve

Bildquelle: Shutterstock AI / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser

04. März 2026 um 11:06

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USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser
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USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser

Der Krieg gegen den Iran wird anders ausgehen, als die USA und Israel denken. Das sagen Kritiker aus den USA

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran seit Samstag und der Ermordung von dessen Führungspersonen zeigt sich: In Washington und Tel Aviv regieren Verbrecher, die für ihre Interessen den Mittleren Osten in Brand stecken. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Krieg gegen den Iran. Auch die politische Verfasstheit der Islamischen Republik Iran rechtfertigt nicht den erneuten Bruch jeglichen Völker- und internationalen Rechts sowie die begangenen Mordtaten.

US-Präsident Donald Trump hatte den neuen Angriff mit einer klassischen Kriegslüge begründet: Irans "bedrohliche Aktivitäten gefährden direkt die Vereinigten Staaten, unsere Truppen, unsere Stützpunkte im Ausland und unsere Verbündeten auf der ganzen Welt". Inzwischen wurde bekannt, dass das US-Kriegsministerium Pentagon über keinerlei Informationen eines bevorstehenden Angriffs des Iran auf die USA verfügte, der Trumps "Präventivschlag" rechtfertigen würde. Auch für den Bau einer iranischen Atombombe gibt es bis heute keinerlei Beweise.

Wie lange dieser neue Krieg dauern wird, ist heute nicht abzuschätzen. Trump behauptet, die USA könnten länger als die geplanten vier bis fünf Wochen durchhalten. Israel will sowieso bis zum „Endsieg“ auch in diesem Fall weitermachen und auch der Iran hat angekündigt, einen langen Atem zu beweisen. Klar ist: Die Zahl der zivilen Opfer wird steigen, wenn die USA und Israel noch mehr zivile Gebäude bombardieren. Der iranische Rote Halbmond meldet bereits mehrere Hundert getötete Menschen, darunter viele Kinder.

Angesichts der Flut der Informationen und Meinungen zu dem Krieg folgt ein unvollständiger Überblick über kritische Einschätzungen und Analysen aus den USA. Es ist ein Angebot, die Ereignisse besser zu verstehen und die Folgen abschätzen zu können.

Der Angriff folgt aus Sicht des US-Ökonomen Jeffrey Sachs einer Strategie, die die USA und Israel bereits seit rund 30 Jahren verfolgen. Das sagte er in einem Videogespräch mit einem der Betreiber des Portals India & Global Left, das am Sonntag veröffentlicht wurde.

„Die USA und Israel streben nach der Vorherrschaft in Westasien. Und das wurde durch eine Reihe von Kriegen mit dem Iran als großem Ziel umgesetzt, die eigentlich schon seit Netanjahus Amtsantritt als israelischer Premierminister andauern.“

Das sei vor allem eine langfristige Strategie der beiden Geheimdienste CIA und Mossad, die eine „Blutspur im Nahen Osten“ hinterlassen habe. Diese reiche von Libyen über Syrien und den Irak bis zum Sudan, einschließlich des Völkermordes im Gaza-Streifen und dem Westjordanland. Von Beginn an sei es das Ziel gewesen, im Iran einen Regimewechsel herbeizuführen. Auch der neue Versuch dazu werde scheiten, so Sachs. Er befürchtet aber, „dass die Folgen für die Welt sehr schwerwiegend sein werden“.

Zum Scheitern verurteilte Wahnideen

Israel sei ein „Terrorstaat“, der allein in Gaza bereits Zehntausende Kinder getötet habe, sagte der Ökonom auf die Frage zu dem Angriff auf eine iranische Schule mit mehr als 100 getöteten Schülerinnen. Auch die Ermordung des iranischen „Obersten Führers“ Ali Chamenei sei ein Skandal. Die Ermordung ausländischer Staatsoberhäupter sei „ein äußerst gefährliches, provokatives, rücksichtsloses und illegales Verhalten“. „Sich darüber zu freuen, ist mehr als vulgär“, stellte Sachs klar.

Der Enthauptungsschlag gegen die iranische Führung werde das politische System des Landes nicht ändern. Es werde nicht kapitulieren, stattdessen würden die islamischen Revolutionsgarden die Macht übernehmen. Der Ökonom sagte, der Iran verfüge über mehr Raketen als Israel und die USA über Abwehrsysteme dagegen. Seine Schlussfolgerung:

„Und so ist diese Idee eines Regimewechsels durch die USA und Israel wie so viele andere wahnhafte Aktionen der Vereinigten Staaten und Israels im Grunde zum Scheitern verurteilt.“

Sachs sieht die Golfstaaten als „quasi Vasallenstaaten der USA“ an, da sie deren Militärstützpunkte beherbergen. Dies würde nicht bedeuten, dass die Länder von den USA geschützt würden, sondern „dass man ein Vasall der Vereinigten Staaten ist. Man kann sich nicht gegen die USA stellen.“ Würden die jeweiligen Regierungen das tun, gäbe es eine Regimewechsel-Operation der CIA, die sich mit den Stützpunkten in den Ländern breitmache.

„Ich empfehle übrigens jedem Land: Wenn Sie keine US-Militärbasis haben, denken Sie nicht darüber nach. Wenn Sie eine haben, laden Sie sie ein, nach Hause zu gehen, damit Sie Ihre Souveränität behalten können.“

Er erwarte einen Zermürbungskrieg zwischen den Raketen Irans und den Abwehrsystemen der USA und Israels, erklärte Sachs seinem Gesprächspartner. Diese könnten die unterirdischen Anlagen Irans mit den mobilen Raketensystem nicht zerstören. Die USA hätten allen Berichten zufolge Munitionsvorräte für einen Krieg von wenigen Wochen. Trumps anderslautende Aussagen seien nur „Prahlerei“.

Weitreichende Ziele und Folgen

Zu den Zielen des Angriffs auf den Iran sagte der Ökonom, dass die USA die Ölexporte Irans kontrollieren wollen, die zu einem großen Teil nach China gehen. Dessen Ölversorgung solle unterbrochen werden, als „Teil eines verrückten Planes der USA, der China im Visier hat“. Den Krieg würde Umfragen zufolge nur eine Minderheit von etwa 20 Prozent in den USA unterstützen. Die „überwältigende Mehrheit“ sei dagegen, so Sachs, der daran erinnerte, dass Trump sich in seinem Wahlkampf noch gegen Regimewechsel-Operationen ausgesprochen hatte. Er rechne damit, dass die Proteste in den USA und auch in Israel gegen den Krieg zunehmen werden, wenn die Zahl der eigenen Opfer steige. Aber auch ein starker Anstieg der Ölpreise werde das befördern.

Sachs berichtete außerdem, dass er am Samstag im UN-Sicherheitsrat von der britischen Vertretung an seiner vorgesehenen Aussage gehindert wurde, als es um den Krieg gegen den Iran ging. Er hatte Tage zuvor in einem Offenen Brief an das Gremium vor einem Krieg gewarnt. Die Engländer seien „noch schlimmer als die USA“, kommentierte er das: „Ich denke, die Engländer sind tatsächlich die schlimmsten, die gewalttätigsten, arrogantesten und imperialistischsten Menschen auf dem Planeten.“ Im Sicherheitsrat hätten die meisten Länder tatsächlich dem Iran die Schuld dafür gegeben, dass er angegriffen wurde. Das sei „außergewöhnlich“, aber einfach zu erklären: Es handele sich neben den USA mit Bahrain, Kolumbien, Dänemark, Griechenland, Lettland, Panama und Großbritannien um Länder, die entweder US-Militärbasen haben oder dem US-Militär Rechte an den lokalen Stützpunkten einräumen.

„Diese Länder gaben im Wesentlichen dem Iran die Schuld, weil sie Vasallen der Vereinigten Staaten sind.“

Das sei „schon immer“ die Taktik der USA, in der Golfregion und auch in Europa, „das ein Vasallengebiet der USA ist“. In der Sicherheitsratssitzung hätten die Vertreter der betreffenden Länder die „grundlegendste Aussage der UN-Charta“ missachtet, „nämlich Artikel 2, Absatz 4, dass Nationen keine Gewalt oder Gewaltandrohung gegen andere souveräne UN-Staaten anwenden dürfen“.

Sachs sieht den Krieg als Versuch der USA, das regionale Imperium im Mittleren Osten zu bleiben, mit Israel als regionaler Militärmacht vor Ort. Zugleich würden die USA um ihre bisherige globale Vorherrschaft kämpfen. „Aber sie gewinnen diesen Kampf nicht“, erklärte der Ökonom, „weil wir in Wirklichkeit bereits in einer multipolaren Welt leben“. In dieser würden die USA „keinen besonderen Einfluss auf irgendetwas haben, obwohl sie immer noch über ein sehr mächtiges Militär verfügen“. An die iranische Bevölkerung gewandt, sagte Sachs:

„Wir sind gegen diese Kriege. Das sind keine Kriege der Amerikaner. Das sind Kriege des militärisch-industriellen Komplexes Amerikas. Leider hat das US-amerikanische Volk derzeit kein Mitspracherecht, aber wir arbeiten daran, dass es eines bekommt.“

Dieser neue Krieg der USA gemeinsam mit Israel beruhe auf einer „erheblichen Fehleinschätzung“, die schon vorher offensichtlich gewesen sei. Das erklärte der ehemalige US-Oberstleutnant Daniel Davis in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen. Er habe angesichts des militärischen Aufmarsches der USA in der Region in den letzten Wochen mit dem Überfall auf den Iran trotz der laufenden Verhandlungen gerechnet. Auch das weitreichende Entgegenkommen des Iran kurz vor dem Angriff habe nichts genutzt. Als der dann am Samstag erfolgte, „wurde damit sehr deutlich, dass es nie um Verhandlungen ging“, so Davis gegenüber Diesen.

Folgenreiche Irrtümer und Überraschungen

Auch für den Ex-Militär ist klar, „dass dies ein Krieg ist, den man nicht gewinnen kann. Man setzt sich unerreichbare militärische Ziele.“ Die iranische Führung habe zuvor berechnet, „dass ein Krieg mit den USA weniger riskant sei, als sich den USA zu unterwerfen“. Das habe selbst die US-Zeitung New York Times berichtet. Das Land sei auf den Krieg vorbereitet und könne in der Lage sein, diesen „über einen längeren Zeitraum hinweg zu überstehen“. Wenn Teheran nicht kapituliere, stünden die USA und Israel „in echten Schwierigkeiten“.

Davis schätzt ein, dass Chamenei sich bereitwillig geopfert habe, „um als Märtyrer zu dienen“. Durch den gezielten Mord an ihm sei die Unterstützung für den Iran im Land selbst und in der gesamten schiitischen Welt gestärkt worden. Das würden die sich ausweitenden Proteste in muslimischen Ländern bestätigen.

Das Problem sei, dass US-Präsident Trump sein eigenes Denken auf sein Gegenüber projiziert: „Ja, wenn ich hereinkäme und jemand aus einer stärkeren Position hereinkäme, würde er einfach anfangen, mich zu bombardieren und einige Leute zu töten, und ich würde aufgeben.“ Er habe auch nach dem Vorgehen gegen Venezuela eine entsprechende Reaktion der iranischen Führung erwartet, „ohne die radikalen und tiefgreifenden Unterschiede zwischen Venezuela und dem schiitischen Iran zu erkennen“.

Davis gestand ein, davon überrascht zu sein, dass der Iran sich von Beginn an massiv verteidigt und wie vorher angekündigt zurückschlägt, auch auf Nachbarländer mit US-Basen. Die Botschaft aus Teheran sei:

„Hey, Leute, wir leiden unter den USA. Seit 2010 leiden wir unter Israel und seit 2019 unter den Morden durch die USA. Wir wurden gnadenlos angegriffen, und ihr schützt sie. Ihr errichtet dort diese Stützpunkte, und sie nutzen das gegen uns. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch ihr etwas Schmerz spürt.“

Für den Iran handele es sich um eine existenzielle Krise, die er aber für durchstehbar halte, um am Ende bei Verhandlungen die eigenen Bedingungen durchsetzen zu können. Wie Sachs sieht Davis die USA nicht in der Lage, einen langanhaltenden Zermürbungskrieg durchzustehen. Mit anhaltender Kriegsdauer und der steigenden Opferzahl auf der eigenen Seite werde es „einen unglaublichen politischen Druck auf Jerusalem und Washington“ geben, nach einer Lösung zu suchen. Das sei das Ziel Teherans, schätzte der Ex-Offizier ein. Die „Kriegslüsternen und Kriegstreiber“, die Trump zum Angriff gedrängt hätten, würden diesen dann dafür verantwortlich machen, dass der erhoffte Sieg ausblieb.

Drohende Niederlage für die USA

Der Angriff habe nicht zum erhofften Sturz der politischen Führung des Irans geführt, sondern das Land eher wieder zusammengeführt. Selbst die Kritiker der Mullahs seien wütend auf Israel und wollten nicht den Schah-Sohn Reza Pahlavi als neuen Führer des Landes. Diejenigen Politiker in den USA wie Lindsey Graham, die einen entsprechenden Regimewechsel anstrebten, würden „völlig falsch“ liegen. Die Menschen im Iran würden sich jetzt nicht gegen ihr eigenes Land wenden und sich nicht dem anschließen, „was sie seit 47 Jahren als den kleinen Satan oder in unserem Fall als den großen Satan bezeichnen“, so der Ex-US-Offizier. Den Iranern sei die Verlogenheit der US-Versprechen klar:

„Wir wissen also, dass es hier nicht um uns geht. Und dann werdet ihr nichts für uns tun, sobald ihr bekommen habt, was ihr wollt, nämlich den Sturz dieses Regimes.“

Zu den inzwischen gemeldeten ersten drei toten und mehreren verwundeten US-Soldaten in diesem Krieg sagte Davis, dass diese Zahlen nach seinen Informationen nicht stimmen und zu niedrig seien. Der Ex-Oberstleutnant befürchtet, dass die Eskalation noch zunehmen wird.

Die Zahl der eigenen Opfer und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges für die USA hält auch der ehemalige US-Geheimdienst-Offizier Scott Ritter für entscheidend für die US-Politik. Das sagte er in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit den Betreibern von India & Global Left.

Die US-Amerikaner würden zunehmend wütend werden und „für alles andere als Trump oder jemanden, der Trump unterstützt, stimmen“, so Ritter mit Blick auf die US-Zwischenwahlen im November dieses Jahres. Er rechnet mit „schrecklichen politischen Konsequenzen für diesen Präsidenten, wenn er diesen Krieg verliert“. Der ehemalige US-Offizier und frühere UN-Waffeninspekteur sieht den Iran „auf dem besten Weg, diesen Krieg zu gewinnen“, wie er am dritten Tag des Angriffs erklärte.

„Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten besiegt, gedemütigt und zum Rückzug aus dem Nahen Osten gezwungen werden. Israel wird in den arabischen Golfstaaten allein zurückbleiben. Wir werden ihre Gebiete von US-amerikanischen Militärstützpunkten säubern müssen.“

Er begründete das mit den iranischen Angriffen auf die Golfstaaten, die wirtschaftlichen Folgen und die wachsenden Proteste der dortigen muslimischen Bevölkerungen. Zudem habe der Mord an Chamenei den Zusammenhalt im Iran verstärkt statt ihn zu schwächen. Zugleich sei das Land „besser auf den Krieg vorbereitet als alle anderen“, so Ritter, der sich nach eigener Aussage auf Fakten und seine jahrelangen geopolitischen und militärischen Analysen stützt.

„Wenn sich nichts Grundlegendes an der Art und Weise ändert, wie dieser Krieg geführt wird, werden den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten in wenigen Wochen die Munition ausgehen. Dem Iran wird die Munition nicht ausgehen.“

Wie Davis verwies er darauf, dass der Iran sich seit Jahren auf den erwarteten und angekündigten Angriff aus Israel und den USA vorbereitet habe. Er habe zahlreiche Raketen und Drohnen, die vorher produziert wurden und unterirdisch sicher gelagert seien. Die USA seien nicht entsprechend vorbereitet und seien nicht in den „Kriegsproduktionsmodus“ übergegangen. Auch das politische System des Iran sei als „Ein-Mann-Diktatur“ Chameneis falsch eingeschätzt worden, was zeige, dass US-Politik und -Geheimdienste keine Ahnung vom Iran haben. Das Ziel, mit dem anfänglichen „Enthauptungsschlag“ einen Regimewechsel herbeizuführen, sei deshalb gescheitert – „wir haben genau das Gegenteil erreicht“.

Unwissenheit und israelischer Einfluss

Es gebe in der US-Führungsspitze „ein beispielloses Maß an Unwissenheit über den Iran“. Der Hass auf die Islamische Republik habe zu Ignoranz gegenüber der Tatsache geführt, „dass sie die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten ist“, betonte Ritter. Die US-Geheimdienste hätten bei ihrer Aufgabe, die politische Führung genau zu informieren, versagt, weil sie seit den frühen 1990er Jahren von der „Krankheit der Politisierung“ befallen seien. Trump hätte die wahrheitsgemäßen Aussagen der Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard zum nichtexistenten iranischen Atomwaffenprogramm ignoriert, weil er auf Informationen aus Israel höre.

„Israel korrumpiert grundlegend die politischen Entscheidungsprozesse hier in den Vereinigten Staaten.“

Ritter verwies darauf, dass auch hochrangige US-Militärs Trump erklärt hätten, dass die von ihm befohlene Mission so nicht zu erfüllen sei. Es gebe eine „Revolte der Generäle im Pentagon“, deren Ausgang noch offen sei. Während „Kriegsminister“ Pete Hegseth den Krieg für gewinnbar halte, würden die dafür notwendigen Ressourcen und auch die nötige Zeit fehlen.

Er ging in dem Gespräch mit dem indischen Portal ausführlich auf die fehlenden Voraussetzungen für den Einsatz für US-Bodentruppen im Iran ein, den Hegseth, aber auch Trump inzwischen für möglich halten. Er habe in den 1980er Jahren selbst einen entsprechenden Operationsplan ausarbeiten müssen, für den Fall einer sowjetischen Invasion in den Iran. Daher wisse er, dass ein Einmarsch von US-Truppen in den Iran unmöglich sei. Er rechnet mit zunehmenden Folgen für die Energieversorgung der westlichen Welt in Folge der iranischen Gegenschläge:

„Am Ende der Woche wird Europa schreien. Am Ende des Monats wird Europa tot sein. Mitte des Monats werden die US-Amerikaner schreien. Und das ist die Realität.“

Trump werde dem politischen Druck im Inland und weltweit wegen der Folgen dieses illegalen Angriffskrieges nicht standhalten können, schätzte Ritter ein. Für ihn gibt es nur einen Ausweg aus diesem nicht notwendigen Krieg:

„Der einzige Weg, dies zu beenden, besteht darin, dass die Vereinigten Staaten anerkennen, dass ihre Präsenz im Nahen Osten nicht mehr tragbar ist, und dass sie sich dauerhaft aus den von ihnen errichteten Militärstützpunkten zurückziehen. Dies wird mit der Erklärung der arabischen Golfstaaten einhergehen, dass die Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium nicht mehr willkommen sind.“

In der Folge wäre Israel isoliert und müsse seine Groß-Israel-Ziele aufgeben, da die USA nicht mehr an seiner Seite stünden. Der Iran werde nicht kapitulieren, da es für ihn ein Krieg um das Überleben sei. Er könne nicht zulassen, „dass dieser Krieg endet, insbesondere nach dem Schaden, der angerichtet wurde, und dass die andere Seite ihre Stärke und Fähigkeiten wieder aufbaut“.

„Die Iraner sind schlauer als alle anderen“

Der Iran werde den Krieg gewinnen, weil die USA nicht über genügend Munition verfügen, so Ritter. Und „weil wir etwas begonnen haben, das wir nicht unter Kontrolle haben“. Der Iran habe „alle Vorteile auf seiner Seite“, sei militärisch besser vorbereitet und stehe politisch „auf der richtigen Seite der Geschichte“.

„Dieser Krieg endet also mit der strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten. Oder die Vereinigten Staaten zerstören den Iran und stürzen das Regime.“

Aber er glaube nicht, dass Letzteres passieren wird, fügte Ritter hinzu. Er hält es auch für möglich, dass einige der Golfstaaten den Krieg politisch nicht überleben, so Bahrain, Kuwait oder auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zugleich machte er auf „unbeabsichtigte Folgen des Konfliktes“ aufmerksam: Die Briten hätten „in ihrer imperialen Dummheit beschlossen, dass sie in diesem Konflikt eine Rolle spielen wollen“ und sich pro-israelisch positioniert. Deshalb habe der Iran britische Stützpunkte auf Zypern angegriffen – was zu einer griechischen Reaktion geführt habe. Athen habe Kampfflugzeuge, Luftabwehr und Kriegsschiffe nach Zypern entsandt.

Das könne wiederum eine türkische Reaktion hervorrufen, so der Ex-US-Offizier. Die Türkei werde nicht tatenlos zusehen und Griechenland gewähren lassen, „sodass wir sehr wohl in naher Zukunft einen neuen regionalen Krieg zwischen der Türkei und Griechenland erleben könnten“, also zwischen zwei Nato-Mitgliedern. Dagegen habe der Iran die US-Luftwaffenbasis Incirlik in der Türkei nicht angegriffen, von der aus Israel unterstützt werde. Ritter dazu:

„Wenn Sie eins und eins zusammenzählen, wissen Sie genau, was vor sich geht. Die Iraner sind schlauer als alle anderen. So ist es nun einmal.“

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Benjamin Netanjahu (Ministerpräsident Israels) und Donald Trump (US-Präsident)

Bildquelle: carlos110 / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
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