Ein Meinungsbeitrag von Dirk C. Fleck.
Angenommen, meine Gedanken und Betrachtungen wären ein noch lesbarer Bestandteil eines verkohlten Tagebuchs, von dem man sich Aufschlüsse über den Wahnsinn erhoffte, der zu unserer Zeit in Europa tobte: diese letzten Texte wären wenig hilfreich. Da hätte man schon meine früheren Arbeiten und Bücher aus den Trümmern klauben müssen, dort stand alles geschrieben. Aber jetzt, wo die Motorik der Dummheit so richtig ins Laufen gekommen ist, lasse ich ab. Mein Empörungspotenzial ist erschöpft.
Das Böse ist schrecklich, aber es hat keine Tiefe, formulierte die politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt (1906-1975, „Macht und Gewalt“) im Jahr 1963 in einem Brief an Gershom Scholem, in dem sie von der "Monotonie des Bösen" sprach. "Dieses Böse ist verdammt, sich ewig zu wiederholen, mehr kann es nicht. Tief und radikal ist immer nur das Gute", schlussfolgerte sie.
Ich habe den Newsletter der Schriftstellerin Liane Dirks abonniert, die sich ins Leben schreibt, wie sie es formuliert. Der vom April dieses Jahres trägt den Titel "Weiter leuchten!". Das ist ihre Antwort auf die Frage "Was sollen wir denn jetzt machen, bei dieser Weltlage?". Liane Dirks verweist auf Goethe, der im fortgeschrittenen Alter von der Menschheit als "kollektives Wesen" sprach. Und dieses Wesen spürt das Leid und Glück der Anderen in sich, er muss inmitten dieser Spannbreite von Macht und Ohnmacht seine eigene Mitte finden.
"Diese Mitte ist im Herzen", so Liane Dirks, "dort, wo sich Verstand und Mitgefühl paaren, um immer wieder neu zu feiern, um was es hier geht: die Größe und die gewaltige, geheimnisvolle Schönheit des Lebens selbst, dessen Teil wir sind."
Bei allem Irrsinn da draußen und bei aller Gehirnwäsche, die die gleichgeschaltete Medienmaschine den Massen verpasst, gilt es mehr denn je, die Gestaltungshoheit über unser Leben zurückzuerobern. Immer wieder, Tag für Tag. Dabei sollten wir eines nicht vergessen: es besteht kein Zweifel daran, dass wir trotz aller Ängste und Unsicherheiten immer zu Hause sind, wo denn auch sonst. Wir müssen nur ein Gefühl dafür entwickeln.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Illustration: Herz aus Blumen
Bildquelle: DesignAura01 / shutterstock
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