NEWS 23

🔒
❌
Stats
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.
Ältere BeiträgeNachDenkSeiten

„Man sollte die AfD nicht verbieten, sondern wegregieren“ – O-Töne zu Perspektiven der „Brandmauer“

02. Juni 2026 um 10:00

Vorschau ansehen

Die Krise um Bundeskanzler Friedrich Merz und die Perspektiven der Koalition verschärft sich mit jedem Tag. Die Rede ist bereits von einer Minderheitsregierung beziehungsweise von einem Wechsel an der Regierungs- und der CDU-Spitze. Das offensichtliche Indiz dafür sind die Umfragewerte: Der Abstand zwischen der Spitzenreiterin AfD und der Union wird immer größer, während Merz unter den Top-Politikern Deutschlands am schlechtesten abschneidet. Immer häufiger taucht nun das Thema „Brandmauer“ auf: Ist eine Kooperation, ja sogar eine Koalition mit der AfD vielleicht doch denkbar? Für Merz gibt es diese Frage nicht: Sollte die Brandmauer fallen, wäre seine politische Karriere wohl zu Ende. Und Verfassungsschutzchef Selen setzt die AfD mit russischen Spionen gleich und fordert mehr Befugnisse, um gegen diese Bedrohungen anzukämpfen. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Zusammenfassung von Valeri Schiller.


Externer Inhalt

Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen.


Bundeskanzler Friedrich Merz am 14. Oktober 2025

„Dieses Wort gefällt mir nicht, aber wenn Sie es schon verwenden, dann sage ich: Wir sind die Brandmauer. Wir sind diejenigen, die Union, die dafür sorgt, dass dieses Phänomen nicht weiter sich auswächst. Und das ist die Aufgabe, der ich als Parteivorsitzender der CDU wirklich aus vollster und tiefster Überzeugung verbunden fühle.“

(Quelle: ARD, ab Minute 14:06)


Bundeskanzler Friedrich Merz am 20. Oktober 2025

„Frau Emmerich, ist Ihnen möglicherweise aufgefallen, dass weder der Generalsekretär noch ich das Wort ‚Brandmauer‘ verwendet haben. Das ist nicht unser Sprachgebrauch. Das war er nicht und das ist er nicht. Diese AfD ist parteipolitisch für uns ein harter Gegner und möglicherweise in den nachfolgenden Wahlkämpfen der Hauptgegner. Und den werden wir mit allen uns zu Gebote stehenden demokratischen Mitteln bekämpfen.

(Quelle: DIE ZEIT, ab Minute 5:36)


CDU-Bundestagsabgeordnete Saskia Ludwig am 25. Februar 2026

„Was das Thema Brandmauer betrifft: Ich halte diese Brandmauer-Diskussion für falsch. Für meine Begriffe ist die Brandmauer schuld daran, dass diese Prozente wachsen, und sie helfen der AfD und sie helfen der Linken. Und da müssen wir unbedingt darüber diskutieren.“

(Quelle: DER SPIEGEL, ab Minute 13:00)


Altkanzler Olaf Scholz am 23. Mai 2026

„Deshalb ist es verstörend, wenn gerade an diesen Tagen in der Öffentlichkeit die sogenannte Brandmauer kritisiert wird – also die Verständigung darüber, die AfD von der politischen Macht fernzuhalten. Verstörend ist auch, wenn gefordert wird, CDU/CSU sollten eine Minderheitsregierung bilden – eine Minderheitsregierung, die dann zwangsläufig auf die Unterstützung der AfD angewiesen wäre. Das darf nicht sein.“

Quelle: @OlafScholz, ab Minute 0:26)


Uli Hoeneß, Ex-Manager des FC Bayern München, am 23. Mai 2026

Moderator: „Die AfD ist in allen Umfragen von allen Instituten inzwischen die stärkste Kraft, auch bundesweit. (…) Ich glaube, sie spiegeln tatsächlich einen Trend wider …“

Hoeneß: „Das glaube ich nicht. Am Ende wird es … Erstens haben die noch gar nicht bewiesen, dass sie regieren können. Ich finde es ganz gut, wenn sie in dem einen oder dem anderen Land jetzt mal rankommen. Dann kann man sie nämlich packen (…) Bis jetzt sind das alles Schaumschläger, die immer … immer sich schön da durchlavieren, aber noch nie beweisen haben können, dass sie es auch können. (…)“

Moderator: „Hätten Sie keine Angst, dass wenn sie zum Beispiel in Sachsen-Anhalt demnächst eine absolute Mehrheit bekommen, was möglich erscheint, dass sich dann auch etwas gefährlich verändert?“

Hoeneß: „Nein. Weil wenn es dort ist, dann werden sie demaskiert. Ich bin sowieso der Meinung, man sollte die AfD nicht verbieten, sondern wegregieren.“

(Quelle: DER SPIEGEL, ab Minute 1:26:25 und ab Minute 1:27:18


NIUS-Politikchef Ralf Schuler am 3. Mai 2026

„Die Brandmauer, die klare Abgrenzung zur AfD, ist so ziemlich die stärkste Konstante in der Kanzlerschaft von Friedrich Merz. Und interessanterweise spricht er das bei nahezu jeder Gelegenheit auch ungefragt an, was ich politisch-strategisch schon deshalb bemerkenswert finde, weil es eigentlich eine Grundregel im politischen Geschäft ist, dass man Konkurrenz möglichst gar nicht erst erwähnt. (…)

Klar ist, dass Friedrich Merz sein politisches Schicksal mit der Ablehnung der AfD so stark verbunden hat, dass in dem Moment, wo diese Regierung zu Ende ist oder es ist eine Art der Kooperation mit der AfD gäbe, seine politische Karriere beendet ist, das ist ganz klar.“

(Quelle: Die Weltwoche, ab Minute 25:02 und ab Minute 35:17)


Theo Koll, langjähriger Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios, am 19. Mai 2026

„Die Brandmauer bedeutet für uns das Falsche, sondern wir müssen schauen, dass wir das Feuer hinter der Mauer löschen. Und das muss das Ziel sein – nicht die Brandmauer immer noch höher zu bauen, sondern ich glaub, man muss an die Wurzel rangehen. Und deshalb ist es so verzweifelnd, dass die wirtschaftlichen Reformen jetzt nicht angegangen werden und die Reformen, weil das ist das, worauf die Menschen warten.“

(Quelle: ARD, ab Minute 18:43)


AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel am 19. Mai 2026

„Sollte die Union zur Vernunft kommen, die Linkskoalition mit der SPD zu beenden und die Ketten der Brandmauer zu sprengen, sind wir bereit, über die Duldung einer Minderheitsregierung zu sprechen, um die dringendsten Probleme schnell anzupacken. Es versteht sich hier von selbst, dass der Kanzler dann nicht Friedrich Merz heißen kann. (…)

Die einzige echte Gefahr für die Demokratie geht von jenen aus, die mit antidemokratischen Brandmauern einen Machtwechsel durch den Wähler zu vereiteln versuchen, um sich noch etwas länger an ihre Posten klammern zu können.“

(Quelle: AfD-Fraktion Bundestag, ab Minute 4:40 und ab Minute 5:37)


Verfassungsschutzchef Sinan Selen am 27. Mai 2026

Russische Spione, die AfD und Donald Trump: Verfassungsschutzchef Sinan Selen sieht die deutsche Demokratie von vielen Seiten bedroht. Zu ihrer Verteidigung will er seine Behörde operativer machen.

(Quelle: DER SPIEGEL)


Titelbild: Screenshots ARD, DER SPIEGEL, x.com/OlafScholz, Die Weltwoche, AfD-Fraktion Bundestag

(Auszug von RSS-Feed)

Fußball-WM: Von „Die Welt zu Gast bei Freunden“ zu „Fans sind Zitronen“, Sport und Humanismus nehmen weiter Schaden

16. Mai 2026 um 09:00

Vorschau ansehen

Als Fußballfreund freue ich mich – zunächst: Die große Fußballweltmeisterschaft steht kurz bevor. Die WM der Männer findet vom 11. Juni bis 19. Juli 2026 in Nordamerika (USA, Mexiko und Kanada) statt. Das Turnier wird erstmals mit 48 Mannschaften ausgetragen. Doch ich beobachte als ehrlicher Fan der schönsten Nebensache der Welt, wie krass das kommende Ereignis Schaden nimmt, wie das gesellschaftliche Umfeld kein freundliches, zugewandtes ist, wie die dumme Gier der ungehindert entfesselten Marktwirtschaft und reaktionäres politisches Handeln eine unwürdige Atmosphäre erzeugen. Ein Einwurf von Frank Blenz.

Manch Fußballbürger wird beim Thema Fußball WM denken: Bleib lieber zu Hause. Auch für mich fühlt sich das schöne, alte, englische Motto „Fußball ist nach Hause gekommen“ nur noch zu Hause echt und ehrlich an. Und die Fußball WM ist gleichfalls verraten und verkauft, denke ich. In Nordamerika, voran die USA, wird es keine friedliche, preiswerte, weltoffene WM geben, sondern einzig eine, bei der wenige richtig Kasse machen werden – aber so richtig.

Den Hals nicht voll bekommen – und keiner schreitet ein

Man wird ja einmal träumen dürfen. Ich las, dass für das WM-Finale am 19. Juli im MetLife Stadium in New York/New Jersey noch Tickets zu haben seien – via Internet. Drei Tickets für 2,3 Millionen Dollar. Ui. Ich dachte, das ist sicher nur ein Ausreißer und doch ein schlimmer Beleg des Spekulationsfiebers der spätkapitalistischen Gesellschaft. Aber nein, ich bin nicht naiv, die WM und viele andere Ereignisse und Lebensumstände in diesen Zeiten sind im Würgegriff von Akteuren, die die Regel ausnutzen, die überall gilt: Es gibt keine Regel, es herrscht das Unrecht des Stärkeren, der vor eitel strotzendem Selbstbewusstsein und vor Gier triefend den Hals nicht voll bekommt.

Ich las, wie nett, dass sich der alte Uli Hoeneß ein wenig über den Preis der Finalkarten echauffierte. Dass sei für normale Fans nun wirklich nicht mehr darstellbar, für wohlhabende chinesische Fans schon, die sich so was halt ein, zwei Mal im Jahr leisten wollen, schwadronierte er. Solch Geschwätz kommt von dem Herrn Hoeneß, der den Fußball genau wie seine deutschen, amerikanischen, englischen, französischen usw. Geschäftsfreunde aus diesem Business schon lange verraten, sprich kaputt kommerzialisiert hat. Meisterschaften, Pokalwettbewerbe, Freundschaftsspiele, WM, EM – alles wird der Order untergeordnet, so viel wie möglich Profit herauszuschlagen. Uli Hoeneß schaute und schaut sich das Ganze gern aus der Loge an.

Beim Ticketverkaufen bleiben die kreativen Geier schon lange nicht mehr stehen. Die WM, hier die Spiele in den USA zeigen, wie das Abkassieren forsch vorangeht: Das Abenteuer „ich fahre zur WM“ kostet mehr, als man es fair nennen kann: bei Hotel, Mietauto, öffentlichen Verkehrsmitteln, Parkplätzen, Versorgung, Gastronomie, Flug und weiteren Posten – überall werden schamlose Wucherpreise aufgerufen. Keiner schreitet ein, die FIFA schon gar nicht. Wie kann mir einer der Gastgeber erklären, dass ich für ein Parkticket (!) bei einem Spiel mehr als 200 Dollar bezahlen soll? Wie kann es sein, dass man die Parkplätze vor großen US-Stadien sperrt und so die Fans zwingt, per Bahn anzureisen, was dann aber sehr, sehr, sehr viel Geld kostet? Das ist Erpressung – wie beim Tanken daheim. Entweder teuer tanken oder kein Auto fahren, gelle!?

Vorfreude und frohe Gastgeber? Von wegen

Nicht nur die Fans von sonst woher sind von diesem Irrsinn betroffen, auch die Einheimischen freuen sich weniger auf das internationale Ereignis. So wollen in Philadelphia viele Bürger ihre eigene Stadt für die Zeit vor, während und kurz nach der WM verlassen, weil die eigene Stadt zu teuer und zu unsicher wird – was auch stimmt. Und auch ohne WM sind US-Städte teuer und unsicher. Da kommt eine weitere deutsche Fußball-Legende ins Spiel: Jürgen Klinsmann. Hat der sich doch aus dem Fenster gelehnt und die deutschen Kritiker zu WM, Gastgeber, Preisen usw. angegangen. Man solle die Politik heraushalten, die Preise von großen Events sind halt überall teuer. Und überhaupt, er, Klinsmann, kennt die USA, er lebt schon lange da und kann nur sagen, was das für ein wundervolles Land sei. Schließt er damit auch ein, dass weit mehr als über einhundert Millionen Menschen arm sind, die USA weltweit nur am Zündeln ist und daheim ein Präsident und sein Gefolge Politik fern von Frieden, Solidarität, Ausgleich und Würde machen?

Einst lautete ein WM-Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“, doch heute?

Ich erinnere mich an das Jahr 2006. Da gab es dieses Sommermärchen, also für Fußballfreunde in Deutschland. Wir waren Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft und lobten das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden“ aus. Diese Worte waren gut und mit Fingerspitzengefühl gewählt, fand ich. Die deutsche Fahne wehte zigfach und keiner regte sich auf, dass das vielleicht symbolisch ambivalent sein könnte. Die Welt war bei uns zu Gast und fühlte sich wohl. Sogar verlieren konnten wir, überließen wir doch anderen das Finale. Italien – Frankreich. Deutschland wurde Dritter, Jürgen Klinsmann war sehr glücklich. Hier. Heute im Jahr 2026 denke ich melancholisch daran, so im Stil „damals war es besser“. Aber zurück zur Realität. Auch damals war die WM schon überaus kommerzialisiert. Die Preise stiegen in der Bundesrepublik, und die FIFA, der DFB und die Ausrüster und Versorger machten fett Kasse. In deutschen Stadien gab es ausschließlich teures US-amerikanisches Bier – in Deutschland, dem Land der Bierkunst und des Reinheitsgebots. Ich habe eines getrunken im Leipziger Stadion, es war ein sehr warmer Sommertag. Das Bier war … Ich sah das Spiel Angola gegen Iran, eine gute Begegnung, die fair verlief und torlos endete. Damals waren viele Fans aus dem Iran zu Gast – Männer, Frauen (meist unverhüllt). Die Welt bei uns. Sommermärchen.

2026 ist Iran wieder dabei – in Feindesland? Wie wäre es wieder mit einem alten Motto?

2026 kann von Märchen keine Rede sein. Ich lese von Politik und Menschenrechten und von Warnungen, dass Menschenrechtsverletzungen auch während der WM Alltag werden würden. Die Politik der US-Regierung gegenüber Einwanderern unter Donald Trump sorgt dafür – ich denke an das militante, rücksichtslose Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE. Man muss sich Sorgen machen: Es könnte zu willkürlichen Kontrollen und zum umfassenden Einsatz elektronischer Geräte kommen. Was würde dann folgen? Inhaftierungen und Abschiebungen von Fans? Von einem Sich-willkommen-Fühlen kann diesen Sommer in den US-Staaten nicht gesprochen werden. Die amerikanischen Gastgeber (Hotels) klagen schon, dass Auslandsgäste weniger als einkalkuliert buchen. Was Wunder, man kann sich nicht sicher sein, überhaupt in die USA einreisen zu können: Die Visa-Vergabe erfolgt (aus „Gründen der Sicherheit“) willkürlich. So stünde man dann in New York auf dem Flughafen, Tickets in der Tasche, Unterkunft auch und ordentlich Geld vom Sparbuch geholt, und dann maßt sich ein CBP Officer (Customs and Border Protection Officer) an, das Smartphone durchzusehen. Falls da was steht, was dem Officer nicht passt …

Die Welt ist aus den Fugen, und doch gibt es Lichtblicke. Dass der Iran bei der WM dabei ist, ist einer. Die USA kann beweisen, dass das Händereichen, dass das Zusammenkommen der zivilen Welt, der Menschen – hier der Fußballspieler und der Fußball-Fans – diese Fugen der Welt vielleicht ein klein wenig zusammenführen kann; dass Politiker und mächtige andere Akteure wie so häufig von Ausgrenzung, Ausschluss, Sanktion und Boykotten reden, ist dagegen kein Beitrag zur Entspannung und Völkerverständigung. Die Zeiten sind eisig, Fans aus dem Iran und anderen Ländern droht die Ausladung aus dem Turnier, das einst das Motto trug „Die Welt zu Gast bei Freunden“.

Nachtrag:

Noch ein kleiner Lichtblick im Dunkel des Kommerzes – uns Fernsehzuschauern zur Freude

Ich denke nochmal an den Uli Hoeneß und an seine Bayern. Ich hätte gern den FC gegen Paris im TV angesehen, doch hatte ich nicht das Geld für den Privatsender ausgeben wollen. Die Nachlese tags darauf musste reichen. Wie fair und angemessen war das dagegen früher. Da war es möglich, via ARD oder ZDF (für deren umfassenden Versorgungsauftrag zahlt der Bürger Gebühren) Fußball der höchsten Leistungsklasse live zu sehen – fern von Bezahlfernsehen und Abos und Stream-Angeboten inklusive überbordender Dauerwerbeschleifen.

Ich zähle das mal mit den Kosten zusammen, wenn ich Fan allein einer bundesdeutschen Bundesliga-Mannschaft wäre: Stream-Abo, Dauerkarte, Benzinkosten für Auswärtsspiele, das aktuelle (!) Fußball-Trikot, Klamotten, Hotelkosten, Gastronomie, Fußballkalender, Bettwäsche, Vereinsbeitrag. Das Motto heißt wie in den USA: „Fans sind Zitronen“.

Titelbild: Screenshot Magenta Sport via YouTube

(Auszug von RSS-Feed)
❌