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Russische Politik-Experten zum Iran-Krieg: Beide Seiten wurden geschwächt

09. April 2026 um 13:00

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Das russische Fernsehen berichtete am 8. April ausgiebig, wie sehr der Angriff der USA und Israels auf den Iran Europa gespalten hat. Im Kanal Rossija 1 machte man sich lustig über den Besuch von Keir Starmer in Saudi-Arabien. Der britische Ministerpräsident, der im eigenen Land eine geringe Popularität hat, versuche, sich als Friedensstifter im Nahen Osten zu inszenieren. Mit deutlicher Sympathie wurden in dem russischen Kanal dagegen die Kritiker des US-Angriffs auf den Iran zitiert: die Ministerpräsidenten von Spanien, Pedro Sanchez, und der Slowakei, Robert Fico. Ein Bericht von Ulrich Heyden (Moskau).

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa begrüßte den Waffenstillstand. Der ehemalige russische Präsident und jetzige stellvertretende Chef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, äußerte seine Skepsis, dass der Waffenstillstand hält.

Medwedew riet den USA in seinem Telegram-Kanal, den brüchigen Frieden im Iran zu erhalten. Andernfalls könne jeder Schritt „zum Zugzwang führen“. Der Politiker erklärte, er sei sich sicher, dass die USA dem 10-Punkte-Friedensplan des Iran nicht zustimmen:

„Schließlich ist dort eine Entschädigung für den Iran, die Fortsetzung des Atomprogramms und die Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus vorgesehen.“

Eine Zustimmung zu diesem Friedensplan wäre „demütigend für Washington und würde einen echten Sieg für die Islamische Republik Iran bedeuten. Was dann? Wieder Kriegshandlungen?“

Medwedew erklärte, es sei ein Erfolg des Iran, dass der Präsident der USA eingewilligt habe, über einen Friedensplan zu verhandeln. Nachdem die Straße von Hormus nach kurzer Öffnung durch den Iran wieder gesperrt worden war, schrieb Medwedew auf X, „die Straße von Hormus ist gesperrt. Die Waffen sprechen“.

Botschafter von Belgien bedroht

Ob der Waffenstillstand hält, ist tatsächlich unsicher. Der russische Fernsehsender Rossija 1 berichtete am Mittwoch von Angriffen auf ölverarbeitende Anlagen auf zwei iranischen Inseln, in Kuwait und den Vereinigten Emiraten. Außerdem wurde berichtet, dass Israel weiter den Südlibanon bombardiert. Dabei kam es zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Der Außenminister von Belgien, Maxime Prevot, der sich in der Botschaft seines Landes in Beirut aufhielt, war in akuter Gefahr. Prevot schrieb auf X:

Ich hatte kaum Zeit, den Vorschlag des libanesischen Präsidenten zur Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen mit Israel zu begrüßen, als die israelischen Streitkräfte ohne Vorwarnung einen der heftigsten Angriffe seit Beginn des Konflikts starteten. Nach vorliegenden Informationen wurden Hunderte Zivilisten verletzt.“

Auch in der Straße von Hormus spannte sich die Lage wieder an. Nachdem der Iran am Mittwoch einigen Schiffen erlaubt hatte, den Persischen Golf zu verlassen, kam gegen Abend die Meldung, dass der Iran die Straße von Hormus wieder geschlossen hat. Teheran begründete seinen Schritt mit den schweren israelischen Angriffen auf den Süd-Libanon

Zurzeit befinden sich 800 Schiffe im Persischen Golf, darunter 480 Tanker mit Energieträgern. Die Schiffe warten darauf, dass sie die Straße von Hormus passieren können.

Russischer Nahost-Experte: Beide Seiten hatten auf ihre Weise Erfolg

Wie der russische Nahost-Experte Grigori Lukjanow in einer Sendung des Radios „Hier spricht Moskau“ erklärte, hat der Iran seit dem Beginn des US-israelischen Angriffs einen Erfolg erreicht. Es habe den Gegner „auf Abstand gehalten“. Aber auch die USA könnten einen Erfolg verbuchen. Sie hätten die Wirtschaft und die Infrastruktur des Iran „geschwächt“.

Trotz seines Erfolges müsse der Iran jetzt darauf achten, dass er auf internationaler Ebene „nicht in die Ecke des Bösewichts gestellt wird“. Deshalb seien die Verhandlungen, die am Freitag in Islamabad beginnen sollen, für den Iran wichtig. Es gehe darum, die moralische Autorität zu verteidigen und zu zeigen, dass man zu Verhandlungen bereit ist. Mittelfristig gehe es für den Iran darum, die Rolle der USA in der Region zu reduzieren und zu erreichen, dass die Region ihre Probleme selbst, ohne die dominierende Rolle der USA, regelt.

Die aggressive Propaganda der USA gegen den Iran gehe trotz Waffenstillstand unvermindert weiter, erklärte Grigori Lukjanow. Trump, so der Nahost-Experte, suche keinen Kompromiss, sondern „einen Deal“. Dieser Deal soll nach den Vorstellungen des US-Präsidenten darauf hinauslaufen, dass der Iran „kein Recht auf Nuklearwaffen, kein Recht auf Raketen und keine Hoheitsrechte in der Straße von Hormus“ hat.

Resolution im Sicherheitsrat gescheitert

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nahm am 8. April Stellung zu der im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 7. April gescheiterten Resolution über die Sicherheit im Persischen Golf. Die Resolution war von Bahrain eingebracht worden. Elf Mitglieder des Sicherheitsrates stimmten mit Ja, zwei Mitglieder, Kolumbien und Pakistan, enthielten sich. Russland und China stimmten mit Nein. Damit scheiterte die Resolution.

Sacharowa erklärte, die Resolution „enthielt einseitige anti-iranische Formulierungen“. Außerdem werde der Hauptgrund für das, was im Persischen Golf passiere, „nicht genannt“, nämlich „die Aggression der USA und Israels gegen den Iran“.

Die russische Außenamtssprecherin betonte, Russland begrüße den Waffenstillstand und die Verhandlungen, die am Freitag beginnen sollen. Das Resultat der Verhandlungen müsse sein, dass sich der Angriff auf den Iran „nicht wiederholt“.

Prof. Nikolaij Suchow: „Israel wird alles dafür tun, den Waffenstillstand zu stören“

Nikolaj Suchow, Ökonomie-Professor und Mitarbeiter des Forschungszentrums Nahost der Russischen Akademie der Wissenschaften, erklärte gegenüber dem russischen Fernsehkanal Rossija 1, während des Krieges im Iran hätten „alle verloren“: die Weltwirtschaft und die Präsidialverwaltung der USA. Auch „die Wirtschaft des Iran ist in einem Maße zerstört, dass unklar ist, ob sie wiederhergestellt werden kann“. Politisch habe der Iran aber über die USA gesiegt.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass die iranischen Inseln Lawan und Sirri, auf denen sich ölverarbeitende Anlagen befinden, trotz Waffenstillstand beschossen wurden. „Wer hat die Luftschläge ausgeführt? Ist das eine Provokation?“, wollte der Moderator wissen. Nikolaj Suchow antwortete, „das war Israel. Es hat seine Vorstellung noch nicht beendet. Das heißt, man hat den Iran noch nicht so getroffen, dass er keine Gefahr mehr für Israel darstellt.“ Israel werde „alles dafür tun, den Waffenstillstand zu stören“.

Von dem Verhandlungsführer des Iran bei den Waffenstillstandsverhandlungen in Islamabad könnten die USA „kein großes Entgegenkommen erwarten“, so der Nahost-Experte. Mohammad Bagher Ghalibaf sei Bürgermeister von Teheran gewesen, habe Funktionen bei den Revolutionsgarden gehabt und stehe ideologisch hinter der These, „dass die USA der Satan ist“.

Aber der Iran brauche „eine Atempause, um das Land wieder aufzubauen“. Aber auch Trump brauche Frieden, „weil der Kongress ihm kein weiteres Geld bewilligen wird“. Die USA könnten den Krieg nicht „mit gleicher Intensität fortführen“.

Sollte der US-Vizepräsident J.D. Vance die Verhandlungen in Islamabad führen, werde er eine gemäßigte Position vertreten. Vance sei von Anfang an gegen den Krieg gewesen, weil dieser den USA schade. Der Gastgeber der Verhandlungen, Pakistan, sei „militärisch und ökonomisch mit China verbunden“. Das heiße, dass China „auf die eine oder andere Weise“ auf die Verhandlungen Einfluss nehmen werde.

Inzwischen ist bekannt, dass Vance bei den Verhandlungen in Islamabad von den US-Sondergesandten Steve Wittkof und Jared Kuschner begleitet wird.

Über Trump wird in Russland seit dem Iran-Krieg sehr negativ berichtet. Aber in den Berichten schwingt trotzdem immer noch etwas Hoffnung mit. Denn es wird gesagt, Trump sei „vier Stunden lang“ von Vertretern Israels zu einem Feldzug gegen den Iran überredet worden. Trump habe gedacht, man könne im Iran so schnell siegen wie in Venezuela. Dafür, dass sich Trump aus der angeblichen israelischen Umklammerung löst, gibt es keine Anzeichen.

Titelbild: Screenshot/Rossija 1

(Auszug von RSS-Feed)

Wachsender Widerstand gegen Trumps Kriegskurs in den USA


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Am 17.3. erklärte der US-amerikanische Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joe Kent, auf der Plattform X seinen Rücktritt vom Amt und begründete diesen Schritt mit seiner Opposition zum Irankrieg der Trump-Regierung. Und wer ist Joe Kent und was ist die Bedeutung dieses Rücktritts? Ein Artikel von Maike Gosch.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Auf X schrieb Joe Kent dazu:

Nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, mein Amt als Direktor des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung (NCTC) mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Ich kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar, und es ist offensichtlich, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks seitens Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen haben. Es war mir eine Ehre, unter @POTUS und @DNIGabbard zu dienen und die Fachkräfte des NCTC zu leiten.

Möge Gott Amerika segnen.“

In seinem X-Post ist auch die vollständige Rücktrittserklärung nachzulesen.

Kent ist ein rechtskonservativer US-amerikanischer Politiker und ehemaliger Offizier der Army Special Forces („Green Berets“) sowie ein langjähriger Experte für Terrorismusbekämpfung. Er diente 20 Jahre in der US-Armee, absolvierte dabei viele Kampfeinsätze im Nahen Osten und wurde mehrfach für seinen Dienst ausgezeichnet. Nach seinem Militärdienst arbeitete er für die Central Intelligence Agency (CIA) im Bereich internationaler Sicherheit. Von Juli 2025 bis März 2026 leitete er das National Counterterrorism Center (NCTC), die zentrale US-Behörde zur Analyse und Koordination von Terrorismusbedrohungen, und diente dabei als wichtigster Terrorismusberater des Präsidenten.

Persönlich hat Kent einen großen Verlust erlebt: Seine erste Ehefrau, Shannon (US-Navy), mit der er zwei Kinder hatte, wurde 2019 bei einem Selbstmordattentat in Syrien getötet. Dieser Verlust prägt Kent bis heute und hat sicher auch zu seiner kritischen Haltung beigetragen. Er galt auch vor seinem Rücktritt bereits als klare analytische Stimme in außenpolitischen Fragen und hat sich insbesondere kritisch mit den Interventionen der USA im Irak, in Syrien, gegen den Iran und der Unterstützung der Ukraine auseinandergesetzt. Er plädierte seit Jahren für einen stärker auf nationale Interessen und weniger auf Auslandseinsätze ausgerichteten Kurs.

Sein Rücktritt ist der erste eines hochrangigen Vertreters der US-amerikanischen Führung wegen des Irankriegs. Er steht mit seiner Haltung dabei aber durchaus nicht allein. Sein Rücktritt steht auch für die starken Spannungen bei den Republikanern und besonders innerhalb der MAGA-Bewegung in Bezug auf die Außenpolitik, insbesondere darauf, ob sich die USA weiterhin an „Regime Change“-Kriegen beteiligen solle.

Es geht dabei aber auch stark um die Kontroverse über Macht und Einfluss Israels und pro-israelischer Lobbyorganisationen auf die US-amerikanische Außenpolitik. Trump war im letzten Wahlkampf mit dem Versprechen angetreten „No more wars“. Viele seiner Unterstützer wählten ihn, weil er versprochen hatte, die USA aus langwierigen Militärinterventionen herauszuhalten und stattdessen den Fokus auf innenpolitische und wirtschaftliche Themen zu legen und sich um das eigene Land zu kümmern. Dieses Versprechen hat er sehr deutlich nicht eingehalten. Die Unzufriedenheit darüber steigt seit Monaten im Lager seiner ehemaligen Unterstützer und Wähler.

Die Enttäuschung über Tulsi Gabbard

Zwei Personen aus Trumps Team, sein Vizepräsident J.D. Vance und seine Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard, hatten sich dieses Versprechen („No more wars“) insbesondere zu eigen gemacht und im Wahlkampf immer wieder betont. Seit den Angriffen auf den Iran durch die USA und Israel wirkten beide – wahrscheinlich auch deshalb – in der öffentlichen Wahrnehmung fast wie „abgetaucht“.

Bei J.D. Vance liegt die Vermutung nahe, dass er sich auf diese Weise am Irankrieg „nicht die Hände schmutzig“ machen und sein Image einigermaßen rein halten will, um seine Nachfolge ins Präsidentenamt als Nachfolger von Trump nicht zu gefährden.

Tulsi Gabbards Schweigen zum Irankrieg enttäuschte noch mehr Menschen, da sie sich über Jahre sogar ausdrücklich gegen einen Krieg gegen den Iran ausgesprochen hatte.

Nach Joe Kents Rücktrittsschreiben äußerte sie sich auf X und schrieb, dass es die Aufgabe und Verantwortung des Präsidenten sei, einzuschätzen, ob eine Bedrohung für die nationale Sicherheit vorläge. Sie erklärte damit sinngemäß ihre Solidarität mit Donald Trump und seiner Entscheidung für Krieg. Die Aufforderungen an sie, ebenfalls zurückzutreten, ihren früheren Überzeugungen treu zu bleiben und vor allem Konsequenzen aus dem Bruch ihrer eigenen Wahlversprechungen zu ziehen, haben sich seitdem aber nur verstärkt.

Reaktionen

Die Reaktionen in den USA waren erwartbar. Einerseits viel Lob und Unterstützung von den einflussreichen Stimmen in der MAGA-Bewegung, die ebenfalls sehr kritisch zum Irankrieg und zum Einfluss Israels auf die US-amerikanische Außenpolitik stehen, ebenso wie von Kriegsgegnern aus allen Lagern. Auf der anderen Seite ließen Kritik und Antisemitismus-Vorwürfe nicht lange auf sich warten. CNN-Journalist Jake Tapper unterstellte Joe Kent dann auch prompt „antisemitische Auffassungen“ in einem Interview mit den Republikaner Michael McCaul, der diesen Vorwurf ebenfalls erhob.

Ein Tweet des Abgeordneten der Demokraten Josh Gottheimer steht paradigmatisch für viele der Kritiker an Joe Kents Rücktritt und dessen Begründung:

Joe Kents Rücktritt und sein unmittelbarer Schwenk dazu, Israel für alles verantwortlich zu machen, sind ebenso vorhersehbar wie unseriös.

Israel zum Sündenbock zu machen, ist nicht nur ein abgedroschenes antisemitisches Narrativ – es ist antiamerikanisch.

Das ist jemand mit Verbindungen zu Rassisten (im Original „White Supremacists“) und mit dem Wort „PANZER“ auf dem Arm tätowiert – eine Anspielung auf einen berüchtigten Nazi-Panzer, der bei Verbrechen gegen Juden eingesetzt wurde.

Kents Reduktion Irans auf „Israels Schuld“ ist keine Führung, sondern eine bigotte Abschiebung der Verantwortung.“

(übersetzt aus dem Englischen)

Interessant sind aber auch die Reaktionen auf diesen Beitrag. Viele Kommentatoren posteten eine Übersicht des sogenannten „AIPAC-Trackers“, nach der Gottheimer über 6 Millionen Dollar direkt und indirekt von der israelischen Lobbyorganisation AIPAC erhalten hat. „AIPAC-Tracker“ ist ein politisches Analyseprojekt, das die Aktivitäten, Finanzflüsse und Lobbyarbeit von AIPAC dokumentiert – also des American Israel Public Affairs Committee, der mächtigen Interessenvertretung Israels in den USA.

Ein weiterer Kommentator antwortete auf Gottheimers Kritik folgendermaßen:

Kritik an ausländischem Einfluss ist niemals Bigotterie, niemals. Es ist eine Pflicht, die George Washington in seiner Abschiedsrede vorgeschrieben hat. Glaubst du etwa, wir interessieren uns für Tattoos, wenn wir uns anhören müssen, wie israelische Soldaten sich damit brüsten, Kinder zu töten, die mit ihren Eltern einkaufen waren? Zieh mal deine Moral und deine Loyalität gerade oder verschwinde.“
(übersetzt aus dem Englischen)

Der Kommentator bezieht sich hierbei vermutlich auf ein aktuelles Vorkommnis im Westjordanland, bei dem laut Medienberichten eine Familie mit Kindern von IDF-Soldaten erschossen wurde und die überlebenden Kinder dann noch von ihnen mit Metallstangen verprügelt und gedemütigt wurden.

In den deutschen Medien wurde ebenfalls ausdrücklich betont, dass Kent als „Rechtsaußen“ bekannt war und Verschwörungserzählungen verbreitet hat.

Dass er aus deutscher Sicht „rechtsaußen“ war, ist sicher richtig, das trifft auf die meisten Mitglieder der MAGA-Bewegung zu. Das ändert aber nichts daran, dass seine Analyse der Situation dennoch richtig sein könnte.

Mehrere hochrangige und seriöse Quellen erzählen nämlich eine ähnliche Geschichte über den Ausbruch des Irankriegs und bestätigen somit Kents Darstellung der Situation und der Abläufe:

Zunächst war der omanische Außenminister an die Öffentlichkeit getreten und hatte im Interview mit dem US-amerikanischen Sender CBS am 27. Februar, also dem Vorabend der ersten Angriffe am 28. Februar, erklärt, dass die Verhandlungen mit dem Iran unerwartet gut laufen würden und die iranische Seite zu so großen Zugeständnissen bereit war wie nie zuvor – es somit keinen Grund für einen Angriff durch die USA oder Israel gegeben hatte. Auch US-Außenminister Marco Rubio hatte gegenüber Fox News auf die entscheidende Rolle Israels verwiesen, als er auf Fragen von Reportern nach dem Grund für die Angriffe auf den Iran schilderte, dass die USA sich gezwungen sahen, den Iran anzugreifen, da sie wussten, Israel würde dies tun und der Iran würde daraufhin zurückschlagen. Der Druck, in den Irankrieg zu gehen, wäre somit allein durch Israel und sein Verhalten entstanden.

Durch einen Artikel im britischen Guardian wurde diese Woche zusätzlich bekannt, dass der britische Nationale Sicherheitsberater an den vorangegangenen Verhandlungen mit dem Iran beteiligt war. Auch er bestätigt, dass es keine unmittelbar bevorstehende Bedrohung durch den Iran gegeben habe und dass Trump ein überraschend gutes Abkommen mit den Iranern hätte erzielen können. Das deutlichste Zitat der Geschichte findet sich jedoch am Ende des Guardian-Artikels, es kommt von einem an den Verhandlungen beteiligten Diplomaten, der ungenannt bleiben möchte:

Wir betrachteten Witkoff und Kushner als israelische Einflussagenten, die einen Präsidenten in einen Krieg hineingezogen haben, aus dem er herauskommen wollte.“
(übersetzt aus dem Englischen)

Das scheint die Einschätzung von Joe Kent genau zu bestätigen.

Wie wird es weitergehen?

Der Rücktritt von Joe Kent könnte anderen hochrangigen Mitgliedern der Regierung oder im Militär unter Trump Mut machen, ebenfalls ihre Stimme zu erheben. Die Spannungen bei den Republikanern und in der MAGA-Bewegung werden sich vertiefen und die Unterstützung für Trumps außenpolitischen Kurs weiter sinken – wobei dieser Krieg sogar schon zum Zeitpunkt der ersten Angriffe die niedrigste Zustimmung der eigenen Bevölkerung für einen Krieg der USA hatte (es gibt keine Daten über die Zustimmung der Bevölkerung bei Ausbruch des Vietnamkriegs). Man wird sehen, ob bald noch mehr Dominosteine fallen. Zu erwarten ist es.

Titelbild: Ben Von Klemperer / Shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
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