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Gestern — 13. April 2026

Jewish Israelis, by large margin, support continued fighting Hezbollah; Arabs don’t

13. April 2026 um 17:55

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Some 80% of Israeli Jews think army should carry on campaign amid US-Iran ceasefire, even if it means friction with Washington, according to poll conducted since truce

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Wenn Verfall zur Gewohnheit wird, reicht Kraft allein nicht, um auszumisten

13. April 2026 um 11:52

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Alte Gewohnheiten abzulegen, erscheint unmöglich - wie ein Berg, der an einem Tag abgetragen werden soll. Auch die moralische Reinigung gelingt Herakles nicht durch bloße Anstrengung. Sie erfordert das Zusammenführen von Vernunft und Vorstellungskraft.
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Jerusalem man indicted for passing information to Iranian agent

10. April 2026 um 10:39

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Prosecutors say Moshe Lachovitz took photos of Ra'anana, where former PM Naftali Bennett lives, in exchange for thousands of dollars in cryptocurrency

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Die israelische Atombombe…

02. April 2026 um 16:30

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...ist eine deutsche Atombombe.

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Er hielt seine Kirche offen und kämpfte gegen die Spaltung: Pfarrer spricht über Corona-Jahre

27. März 2026 um 14:00

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Die Kirchen haben in den Corona-Jahren viele Gläubige schwer enttäuscht: Statt auf Gemeinschaft zu setzen, wurde in etlichen Gemeinden die politisch forcierte Spaltung kritikfrei mitgetragen. Ruhestandspfarrer Thomas Dietz hat das nicht mitgemacht: Er tat in seiner Gemeinde alles, um Zusammenhalt und Dialog zu stärken. Im Gespräch mit Johannes Clasen vom MWGFD berichtet er, wie er die Corona-Jahre erlebt hat.

Der folgende Artikel von Elisabeth Maria erschien zuerst beim MWGFD:

Ruhestandspfarrer Thomas Dietz in einem berührenden Gespräch mit Johannes Clasen über eine Zeit, die ihn bis heute bewegt: über geschlossene Kirchen, ausgebliebene Debatten und die gesellschaftliche Spaltung durch die Impf- und Coronapolitik. Der evangelische Geistliche aus der Uckermark berichtet, warum er seine Kirche trotz Druck offen hielt und wie aus seiner Gemeinde ein Ort für Gespräche, Zweifel und persönliche Schicksale wurde. Ein bewegender Rückblick auf die Corona-Jahre – und auf die Frage, welche Rolle Kirche damals spielte.

Wenn Pfarrer Thomas Dietz erzählt, spürt man schnell: Hier spricht jemand, der die Corona-Zeit nicht nur beobachtet, sondern durchlebt hat. Ruhig, überlegt, warmherzig, zugewandt – so wirkt der evangelische Geistliche aus der Uckermark. Einer, der zuhören kann und der Menschen ernst nimmt. In jedem Satz, den er spricht, spürt man seine innere Überzeugung und Menschenfreundlichkeit. Denn er ist einer, der in einer der schwierigsten Phasen der jüngeren deutschen Geschichte entschieden hat, seine Kirche offen zu halten – für offene Gespräche, für Zweifel und auch für Widerspruch.

Heute lebt er mit seiner Frau im Ruhestand zurückgezogen im kleinen Ort Mönkebude am Stettiner Haff. Abseits, ruhig, zwischen Wasser und Himmel. Doch die belastenden Jahre der Corona-Zeit mit ihren besonderen Bedingungen sind für ihn noch immer sehr präsent. Für seine Frau und ihn sei diese Zeit sehr anstrengend und herausfordernd gewesen, sagt er rückblickend. Denn damals stellte sich für ihn vor allem eine grundlegende Frage:

„Wie erfolgt jetzt Gemeindearbeit, wie steht Kirche, wo können wir den Menschen helfen?“

Ein Pfarrer, der die Kirchen offen halten wollte und Briefe, auf die niemand antwortete

Besonders erschüttert hat ihn zu Beginn der Pandemie, dass Kirchen geschlossen wurden. Für den Pfarrer, der in der DDR aufgewachsen ist und dort kirchlich engagiert war, war das ein tiefgreifender Einschnitt. Vieles habe er damals erlebt – aber dass Kirchen ihre Türen schließen, sei selbst in der DDR nicht vorgekommen. Dies sei ein Punkt gewesen, der ihn „sehr zum kritischen Nachdenken angeregt“ habe. Dass Ostern 2020 ohne Ostergottesdienste stattfinden sollte, habe ihn besonders bewegt. Denn das gab es seines Wissens „in der Geschichte noch nie“.

Was ihn zusätzlich beschäftigte, war die Frage, ob darüber innerhalb der Kirche überhaupt ein offener Diskurs möglich sei. Doch seine Erfahrung war ernüchternd:

„Der wurde überhaupt nicht zugelassen.“

Im April 2020 schrieb er einen offenen Brief an die brandenburgische Landesregierung. Darin kritisierte er unter anderem abgesperrte Spielplätze, den Umgang mit alten Menschen in Pflegeeinrichtungen und geschlossene Kitas. Gerade in seinem Pfarrgebiet kannte er viele Familien aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Für manche Kinder sei die Kita ein stabiler Ort gewesen, ein Schutzraum. Doch eine Antwort bekam er nicht. „Gar nichts.“

Auch ein zweiter Brief an die Landeskirche blieb weitgehend folgenlos. Zwar rief ihn der Bischof später an, doch Dietz hatte den Eindruck, dass grundlegende Kritik nicht wirklich aufgenommen wurde. 

„Das hörte er, aber reagierte darauf überhaupt nicht.“

Die Kirchenleitung hatte sich, so Thomas Dietz, „nicht bemüßigt gefühlt“, zu handeln.

Besonders schmerzte ihn der Umgang mit Kranken und Sterbenden. In vielen Einrichtungen, auch Hospizen, waren Besuche nicht mehr erlaubt. Für Dietz eine moralische Grenzüberschreitung, die er auch öffentlich anprangerte. Die Kirche habe, so seine deutliche Kritik, „an dieser Stelle ganz und gar versagt.“ Offizieller Protest sei ausgeblieben:

„Da ist von den Amtskirchen gar nichts gekommen.“

Die Demonstration in Berlin am 1. August 2020

Im 1. August 2020 fuhr Dietz mit seinen Kindern und einem Freund zu einer großen Demonstration nach Berlin. Was er dort erlebte, passte für ihn nicht zu dem Bild, das vielerorts in den Medien gezeichnet wurde.

„Das war für uns wirklich ein eindrückliches Erlebnis“, sagt er. Die Teilnehmer habe er als bunt gemischtes Publikum erlebt:

„Ein Publikum, wie man es sich für einen Kirchentag bloß wünschen würde, durch alle Generationen durch, querbeet, Hunderttausende.“

Besonders ein Moment hat sich in ihm tief eingeprägt: Als die Polizei die Veranstaltung auflöste, standen noch einige Redner auf der Bühne. Unter ihnen auch der Arzt Bodo Schiffmann.

Dietz erinnert sich sichtbar bewegt, mit den Tränen kämpfend:

„Ich habe immer noch vor Augen, wie die Polizei dort schwer bewaffnet […] auftrat.“

Dann stockt seine Stimme:

„Ich kuckte zu Bodo Schiffmann hin und sah, dass seine Lippen sich bewegten und er betete das Vater unser.“

Der Nordkurier – eine Regionalzeitung, die zuhört und fair berichtet.

Wenige Tage nach der Demonstration meldete sich eine Zeitung bei ihm: der Nordkurier. Die Regionalzeitung hatte gehört, dass Pfarrer Dietz an der Demonstration teilgenommen hatte und bat ihn um ein Gespräch.

Er sagte zu – und die Zeitung veröffentlichte einen ausführlichen Beitrag über ihn, seine offenen Briefe und seine Erfahrungen in Berlin, übertitelt mit „Pfarrer wendet sich gegen die Panikmache“. Für Thomas Dietz war das ein entscheidender Moment. Denn der Nordkurier berichtete fair, ohne ihn zu diffamieren.

Der Artikel löste eine Welle von Leserbriefen aus. Rund 80 Prozent der veröffentlichten Zuschriften unterstützten ihn. Viele Menschen bedankten sich für seine Haltung. Diese Resonanz habe ihm sehr viel Kraft gegeben und ihm den Rücken gestärkt, so Dietz. Gleichzeitig habe sie ihm gezeigt, wie groß der Gesprächsbedarf war.

Die Rolle der Zeitung bewertet Dietz bis heute als entscheidend. Ohne diese Berichterstattung wären seine späteren Veranstaltungen, die als „Malchower Format“ überregionale Bedeutung erlangen sollten, wohl kaum so bekannt geworden.

Das „Malchower Format“ – eine Kirche wird zum Gesprächsort

In den Dörfern seiner Gemeinde spürte Dietz damals eine besondere Atmosphäre: einerseits große Angst vor Krankheit und Ansteckung, andererseits aber ein enormer Wunsch nach Austausch und Kommunikation – eine stark spürbare Spannung zwischen Angst und Menschlichkeit.

Aus diesem Gefühl heraus entstand eine Idee: Vorträge in seiner Kirche. Ein Ort, an dem Menschen zuhören, diskutieren und Fragen stellen konnten, ein Ort, um Menschen aufzuklären und ihnen die Angst zu nehmen. So entstand die Vortragsreihe, die später überregional bekannt wurde: das „Malchower Format“.

Die erste Veranstaltung fand im Januar 2021 statt. Eingeladen war der Arzt Paul Brandenburg. Der Nordkurier kündigte die Veranstaltung an und berichtete später auch darüber – fair und sachlich.

Dietz bekam schon kurz danach zahlreiche Nachrichten. Viele Menschen schrieben ihm, dass sie sich durch die Veranstaltung ermutigt fühlten, „nicht angstbesessen durch diese Zeit zu gehen.“ Viele hätten sich bedankt, wie sehr ihnen diese Treffen, die regelmäßig abgehalten wurden, geholfen hätten, „durch diese schwierige Zeit zu kommen.“

Eine Gemeinde ohne Druck

In seiner eigenen Gemeinde versuchte Dietz bewusst, jede Spaltung zu vermeiden. In den Gottesdiensten gab es keine Kontrolle von Maskenattesten, keinen Druck.

„Es saßen Leute, wo ich weiß, dass sie Angst weiterhin hatten, die also auch mit Maske saßen – und es saßen auch Leute natürlich ohne Maske.“

Für ihn war entscheidend, dass sich niemand ausgeschlossen fühlte.

„Es war mir ein Herzensanliegen, dass ich jetzt nicht meine eigene Gemeinde spalte durch mein Engagement.“

Und tatsächlich blieb die Atmosphäre ruhig, respektvoll und offen.

Die Spaltung durch die Impfpolitik

Mit Beginn der Impfkampagne nahm die gesellschaftliche Spannung aus seiner Sicht deutlich zu. Seiner Erinnerung nach habe das die gesellschaftliche Spaltung stark vorangetrieben, so Dietz.

Besonders kritisch sieht er in dem Zusammenhang die Rolle der Kirchen, die „selbst für die Impfung in die Propaganda gegangen sind.“

Manche Gemeinden führten sogar 2G-Regeln ein. Für Dietz war das „ganz klar ein Verbrechen“, da man „Leute wirklich ausgeschlossen hat, gänzlich ausgeschlossen hat.“

Viele Menschen, die jahrzehntelang treue Gemeindemitglieder gewesen waren – selbst in der DDR – hätten sich dadurch tief verletzt gefühlt und seien – für Dietz nachvollziehbar –  „verstört“ aus der Kirche ausgetreten. „Ich konnte dem nicht widersprechen“, sagt er dazu.

Menschen erzählen ihre Schicksale

Mit der Zeit rückte ein weiteres Thema in den Mittelpunkt: mögliche Impfschäden.

Dietz berichtet von vielen Gesprächen mit Betroffenen.

„Ich habe erlebt, dass Leute einen Rheumaschub kriegten, ich habe erlebt, dass Leute einen Entzündungsausbruch am Körper hatten, in Depression gefallen sind.“

Auch von gehäuften Krebserkrankungen und einem Hirnaneurysma habe er erfahren. Immer häufiger sprachen betroffene Menschen nach den Vorträgen mit ihm über ihre Schicksale.

Besonders eindrücklich waren für ihn in dem Zusammenhang Vortragsabende mit Fachreferenten.

Bei einer Veranstaltung mit Professor Cullen aus Münster standen plötzlich mehrere Besucher auf und erzählten ihre eigenen Geschichten:

„Acht, neun, zehn Leute sind dann aufgestanden und haben ihre Schicksale geschildert.“

Unter ihnen war ein Mann in seinem Alter, der nach eigener Überzeugung nach der Impfung zwei Krebserkrankungen entwickelt hatte. Diesen Mann habe er „ein Vierteljahr später beerdigt“, so Dietz.

Auch bei weiteren Veranstaltungen meldeten sich Betroffene zu Wort.

„Auch da haben dann mehrere Leute sich gemeldet und ihre Schicksale geschildert.“

Für viele von ihnen seien die Veranstaltungen in Malchow der einzige Ort gewesen, an dem sie „überhaupt mal darüber sprechen können und Gleichgesinnte treffen können.“

Denn im Alltag stoßen sie oft auf Ablehnung und hören Sätze wie:

„Hör mal auf mit der Leier, das ist ja nun vorbei. Und komm, reiß dich zusammen!“

Eine Plattform für den offenen Diskurs

Für Dietz war das „Malchower Format“ deshalb mehr als nur eine Vortragsreihe. Es sollte ein Raum sein, in dem Menschen ihre Erfahrungen aussprechen können – auch wenn diese nicht in das öffentliche Narrativ passen. Er sieht genau darin eine Aufgabe der Kirche. Sie müsse auch jenen eine Plattform bieten, die sonst nicht gehört werden.

Bis heute vermisst er eine ernsthafte, ehrliche Aufarbeitung der Corona-Zeit, sowohl gesellschaftlich, als auch juristisch, als auch innerhalb der Kirchen:

„Ich vermisse jetzt völlig, dass Kirche eigentlich hinterfragt, was läuft hier eigentlich ab?“

Dietz bedauert das sehr. Seiner Ansicht nach hätte die Kirche eine andere Rolle spielen, einen Ort des offenen Diskurses, eine Plattform für unterschiedliche wissenschaftliche Stimmen darstellen müssen.

„Ich denke mal, wenn das die Kirchen gemacht hätten, beide großen Kirchen gemacht hätten, dann wär die ganze Coronazeit ganz anders abgelaufen.“

Ein Format, das weiterlebt

Obwohl er inzwischen im Ruhestand ist, organisiert Dietz die Veranstaltungen weiter. Der Gemeindekirchenrat hatte ihn ausdrücklich gebeten, das „Malchower Format“ auch nach seiner Pensionierung fortzuführen. Vorträge sind bis Sommer 2026 geplant. Für Dietz ist das ein Zeichen, dass seine Arbeit Früchte getragen hat. Denn für viele Besucher ist seine kleine Dorfkirche zu einem besonderen Ort geworden – einem Ort, an dem man reden darf, zuhören darf, zweifeln darf, einander begegnen und ermutigen kann.

Und genau das war von Anfang an seine Motivation und bleibt sein Vermächtnis:
In Zeiten der Angst die Kirche offen zu halten.

Für Gespräche, für Fragen, für Zweifel, für Antworten. Und vor allem für die Menschen.

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Mit Kirchen-Segen in den Krieg | Von Klaus Hartmann

27. März 2026 um 09:01

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Mit Kirchen-Segen in den Krieg | Von Klaus Hartmann

Ein Meinungsbeitrag von Klaus Hartmann.

Nach einem guten Jahr Vorbereitungszeit mit Seelenmassage und Gehirnwäsche bei ihren Schäfchen haben es die Oberhirten geschafft – nach dem „Operationsplan Deutschland der Bundeswehr“ gibt es jetzt den „Geistlichen Operationsplan Deutschland“ mit der offenbar lustig gemeinten Abkürzung „GOD“. Man erinnert sich: „In God we trust“ – das Motto ziert alle Münzen und Geldscheine der USA; seit 1955 ist das gesetzlich vorgeschrieben. Von Gottvertrauen haben sich die beiden Kirchen beim Verfassen des Plans eher nicht leiten lassen, zumindest nicht von Jesu Wort nach dem Johannes-Evangelium „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.

Für ihren göttlichen „GOD“-Plan haben sich evangelische und katholische Kirche zusammengetan und ein „ökumenisches Rahmenkonzept“, ein Arbeitspapier verfasst, mit dem sperrigen und fast harmlos klingenden Namen „Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“.

Schon 2024 und 2025 wurden entschlossene Schritte in Richtung der sogenannten „Kriegstüchtigkeit“ unternommen, die Verteidigungsminister Pistorius unter Verwendung der Losung von Joseph Goebbels proklamiert hat. Möglicherweise ist es auch als Besinnung auf die kirchliche Kernkompetenz zu deuten: die Frage eines Lebens nach dem Heldentod.

Wo es langgeht (zur Front), machte schon der Evangelische Kirchentag 2025 in Hannover deutlich. Dort diskutierten u.a. der russophobe Roderich Kiesewetter (CDU), Militärhistoriker Sönke Neitzel, Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) und der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck über Waffen. Neitzel sieht „den Westen im Kampf der demokratischen Systeme gegen eine Autokratie, gegen eine Diktatur, gegen Russland“ (zdf heute, 07.06.2024). Kiesewetter beim Kirchentagspodium: „Waffen sind notwendig, aber nicht hinreichend, ein nachhaltiger Friede, ist einer der bewaffnet ist. Er muss stark genug abgesichert werden.“ Christliche Friedensaktivisten mussten sich auf einem „Alternativen Kirchentag“ treffen, mit der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann als Schirmherrin. Sie will sich weiterhin „der Aufrüstung entgegenstellen“ und bedauerte die Entfremdung zwischen Friedensbewegung und Kirchentag. (BR24, 02.05.2025)

Katholische Bischöfe: Militärische Antworten

Am 13. Oktober 2025 hat die Deutsche Bischofskonferenz eine „Erklärung zum Wehrdienst“ veröffentlicht, in der sie „angesichts der aktuellen sicherheits- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen“ den Regierungsentwurf zum Wehrdienst begrüßt, „der darauf abzielt, die personelle Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr zu stärken“. Ziel müsse sein, „zu einem breiten Konsens in der Bevölkerung zu gelangen“, um „die Resilienz der Gesellschaft (zu) stärken“. „Die Bischöfe fordern eine breite Debatte darüber, wie Deutschland militärisch ‚verteidigungsbereit‘ werden kann“, meldet domradio am 14.10.2025.

Die Bischöfe erklären, „dass die Gewährleistung einer angemessenen Verteidigungsfähigkeit notwendig ist und in der aktuellen Situation deshalb eine Stärkung der Verteidigungsbereitschaft gut begründet erscheint“. Als hätten sie am Gesetzentwurf mitgeschrieben befürworten die Bischöfe „ein gestuftes Modell: Zunächst freiwillige Wehrdienstleistende“ und „verpflichtende Maßnahmen, die nur als letztes Mittel ergriffen werden – wenn nämlich nicht anders die militärische Verteidigung sichergestellt werden könne“. Schließlich wollen sie „die Fragen der Geschlechtergerechtigkeit und der Generationengerechtigkeit bedacht“ sehen.

Dann kommen die Gottesmänner zur Sache und treten das Achte Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ in die Tonne, wenn sie schreiben: „Bereits mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich seit 2014 die sicherheitspolitische Lage für Deutschland, die EU und die NATO grundlegend gewandelt.“ Das entspricht zwar der NATO-Propaganda, aber nicht den Tatsachen. Der einzige Angriffskrieg, der 2014 begann, war die „Anti-Terror-Operation“ der von den NATO-Ländern unterstützten Kiewer Putschisten gegen die verfassungstreue Bevölkerungsmehrheit im Osten und Süden der Ukraine. Gegen sie wurden Armee und Nazi-Bataillone in Marsch gesetzt, dieser Feldzug forderte nach den Zahlen der OSZE bis Ende 2021 über 14.000 Tote. Davon wollen die Bischöfe wohl ebenso wenig wissen, wie vom Aufmarsch von über 120.000 Soldaten zur Unterwerfung des Donbass Anfang 2022, mit Angriffstermin Anfang März. Wie auch von den Minsker Abkommen, die 2014 und 2015 die Lage befrieden sollten, die aber – obwohl vom UN-Sicherheitsrat als bindend beschlossen – von der NATO genutzt wurden, um Zeit für den Krieg gegen Russland zu gewinnen.

Weiter im katholischen Kriegstreibertext: „Mit der Vollinvasion 2022 hat sich diese Situation noch einmal dramatisch verschärft. Die realistischen Bedrohungsszenarien erfordern politische und militärische Antworten auf verschiedenen Ebenen. Dazu gehört die Gewährleistung einer angemessenen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit.“ Die „Bedrohungsszenarien“ können sie „realistisch“ nur von den Propagandastäben der Kriegsministerien übernommen haben, die mit Bedrohungslügen die wahnsinnige Hochrüstung befeuern wollen. „Militärische Antworten“ sind ihr frommer Wunsch! Bischofsmund tut Lügen kund.

Dann mahnen die Bischöfe an, „Vertrauen in der Bevölkerung (zu) schaffen, das für das Mittragen weitgehender Einschnitte in die persönlichen Freiheitsrechte“ erforderlich sei, dies aber sehen sie durch „gefährliche gesellschaftliche Spaltungsprozessen bedroht“, und zwar durch „populistische Kräfte, die Ängste und Vorurteile schüren, die Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung angreifen und zur Polarisierung in der Gesellschaft beitragen. Diese Entwicklungen werden auf Dauer nicht ohne Auswirkungen auf die Bereitschaft bleiben, sich in einen Dienst für die Gesellschaft zu stellen.“ Und dafür lasset uns beten …

Evangelische Kirche: Ohne Waffen geht es nicht

Auch bei der Konkurrenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ist es um den Frieden nicht besser bestellt. Bei ihrer Synode vom 9. bis 12. November 2025 in Dresden, wo sie eine neue „Friedensdenkschrift“ vorstellte, war Bundesaußenminister Johann Wadephul als Gastredner eingeladen, um die neue Denkschrift zu loben: „Sie erkennt an, dass die Anwendung von Gegengewalt durch einen angegriffenen Staat nicht nur völkerrechtlich, sondern auch ethisch gerechtfertigt ist“. Und sie akzeptiere, dass ein kategorischer Pazifismus als universale politische Ethik nicht zu legitimieren sei. Zur Frage der Waffenlieferung in die Ukraine – die Denkschrift fordert hier eine „Prüfung im Einzelfall“ – hätte sich der Außenminister einen „klareren Schritt“ gewünscht: „Denn zumindest für mich ist klar, dass hier, in der Ukraine, die Bedingungen für das Vorliegen der ‚rechtserhaltenden‘ Gewalt so eindeutig erfüllt sind wie in kaum einer anderen denkbaren Konstellation. Denn die Alternative zur Gegengewalt ist Butscha.“

Natürlich will der Märchenonkel nicht auf den Schauer verzichten, der dem westlichen Propagandakonsumenten beim Stichwort „Butscha“ über den Rücken läuft. Das ist jener Ort nahe Kiew, in dem alle Indizien darauf verweisen, dass nach Abzug der russischen Soldaten die Russland-loyalen Einwohner durch ukrainische Nazis niedergemetzelt wurden, um dann den Russen die Morde anzulasten. Da hilft auch der EKD nur ein starker Glaube.

Da gab es für Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, kein Halten mehr: „Erlauben Sie mir, Ihnen meinen aufrichtigen Respekt auszusprechen: Sie sind mit Aufrichtigkeit, Klarheit und Empathie ein Christenmensch in der Politik, der sich zutiefst den Grundwerten des christlichen Glaubens verbunden weiß, schleimte die Bischöfin. Und sie sekundierte: „ein Friede, der nur auf die Abwesenheit von Gewalt setzt, die anderen Dimensionen aber vernachlässigt, (bleibt) instabil“. Gelehrig zeigte sich Fehrs, als sie fast wörtlich den Text der Seite des Verteidigungsministerium zu „hybridem Krieg und Destabilisierung“ aufsagte:

„Angefangen von (stattfindenden) Cyberangriffen über gezielte Desinformation bis zur Unterwanderung öffentlicher Diskurse zielt hybride Kriegsführung auf alles, was plurale Gesellschaften und Demokratien im Kern ausmacht: Vertrauen, Debattenkultur und die Stärke des Rechtsstaats.“

„Unsere Demokratie“ hat es der Bischöfin ohnehin angetan, sie mahne „zum aktiven Eintreten für eine offene Gesellschaft“, nicht zu offen allerdings, denn sie sieht die AfD „außerhalb der Grundlagen des Grundgesetzes“, und ließ in ihrer Dresdner Rede „Sympathien für Forderungen nach einem Verbot der AfD erkennen“, so die ARD-Tagesschau am 09.11.2025. Bischöfin Fehrs predigt aber auch die Worte des Propheten Merz:

„Dieser Angriffskrieg bleibt ein himmelschreiendes Unrecht, das wir niemals akzeptieren dürfen. Der russische Diktator könnte das Morden von heute auf morgen beenden, wenn er das wollte.“

Von ihrer lernfähigen Seite zeigte sich auch Katrin Göring-Eckardt; der Rat der EKD hatte die grüne Bundestagsabgeordnete und gelernte Küchenhilfe als Mitglied der 13. EKD-Synode berufen. Dort gab sie zum Besten: „Man könnte auch sagen, die evangelische Kirche hat etwas gelernt: Um Frieden sicherzustellen, ist es nötig, sich selbst verteidigen zu können – bis hin zu einem gezielten Militäreinsatz, wenn etwa ein Diktator nach Massenvernichtungswaffen strebt.“ Leider ist nicht überliefert, ob sie dabei den Bundeskanzler Merz gemeint hat, der zwar keine „deutschen“ Atomwaffen will, aber einen „europäischen nuklearen Schutzschirm“, für den er gerne Bundeswehrflugzeuge bereitstellt. (Spiegel, 18.02.2026)

Wie viel Friede steckt in der EKD-„Friedensdenkschrift“?

Die bei der Synode in Dresden vorgestellte neue „Friedensdenkschrift“ trägt den Titel „Welt in Unordnung“; sie begründet gewissermaßen ihr Zustandekommen mit den Worten: „Die Welt ist in Unordnung: Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht ins vierte Jahr. Seit dem Terrorakt der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verschärft sich die Situation im Nahen Osten immer weiter – mit grausamen humanitären Folgen.“ Die NATO-Propagandaformel vom russischen Angriffskrieg wird fromm nachgebetet, vom Völkermord in Palästina kein Sterbenswörtchen, und den Hinweis, dass bewaffneter Widerstand gegen ein Besatzerregime völkerrechtlich legitim ist, scheut man wie der Teufel (angeblich) das Weihwasser.

Entstanden sei das Werk wegen „sicherheitspolitischen Herausforderungen gerade nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine, aber auch nach dem überhasteten Ende des Einsatzes in Afghanistan“. Der Umfang von fast 150 Seiten lässt erahnen, wie viele davon mit Friedens-„Visionen“, „friedensethischen Erwägungen“, biblischen Friedensverheißungen und allerlei schmückendem Beiwerk vollgeschrieben sind. Über lange Strecken finden sich wohlklingende Formulierungen über gerechten Frieden, Entwicklungszusammenarbeit und zivile Konfliktbearbeitung. Wer sich durchkämpft, findet Passagen, wo die „Katze aus dem Sack gelassen“ wird, wie die Forderung nach „friedensethische(r) Güterabwägungen in Bezug auf konventionelle und nukleare Abschreckung, um Waffenlieferungen, um Wehr- und Dienstpflicht, um die Herausforderungen hybrider Kriegsführung und Terrorismus.“

Jedenfalls kann man nicht behaupten, dass die Autoren zur Legitimierung von Gewalt und Waffen nicht erfinderisch waren. Dazu haben sie eine „Figur“ erfunden, die „rechtserhaltende Gewalt“. Die geht so: Im staatlichen und zwischenstaatlichen Handeln kann zur Durchsetzung des Rechts „Gegengewalt nötig sein. Diese Gegengewalt wird in der Figur ‚rechtserhaltender Gewalt‘ gefasst. Sollten Waffenlieferungen erfolgen, sind die Kriterien rechtserhaltender Gewalt analog anzuwenden“, und auch völkerrechtswidrige „Wirtschaftssanktionen als Zwangsmaßnahmen stellen eine Möglichkeit im Sinne einer Ethik rechtserhaltender Gewalt dar.“ Die Synodalen „erkennen an, dass der Staat in bestimmten Fällen Gewalt mit Gegengewalt begrenzen oder eindämmen muss“ und kritisiert die EKD-Synode von 2019, weil damals „die Notwendigkeit einer Ethik der rechtserhaltenden Gewalt abgeblendet wurde“.

Es folgen Glaubensbekenntnisse, dabei hatte man keine Hemmungen, die berüchtigte imperialistische Floskel zu benutzen: „Die Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands, die insbesondere seit 1990 auf die Stärkung der internationalen regelbasierten Ordnung setzte, ist unter Druck geraten.“ Die NATO-Aggression gegen Jugoslawien haben die Pfaffen vergeben und vergessen. Denn „die liberale Demokratie ist und bleibt jene Staatsform, die die Menschenrechte in allen Dimensionen am umfassendsten gewährleisten kann“, aber „Demokratien sind besonders anfällig für hybride Kriegsführung.“ Woraus folgt: „Alle Bürgerinnen und Bürger sollten im Sinne einer umfassenden sicherheitspolitischen Widerstandsfähigkeit verteidigungsfähig sein.“ Da kann ein klares Feindbild behilflich sei, weswegen die Evangelen behaupten, es würden „vom Moskauer Patriarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche Teile der Menschenrechte als ‚westliche Werte‘ diffamiert und mit der angeblichen Notwendigkeit ihrer Bekämpfung der völkerrechtswidrige Krieg gegen die Ukraine gerechtfertigt“.

Die Regierungsparole, dass „Deutschland wieder kriegstüchtig werden“ muss, erhält eine fromme Überzuckerung, denn wenn „Kriegstüchtigkeit auf die Bereitschaft zielt, die eigenen Werte auch unter Androhung und im äußersten Fall unter Einsatz ethisch verantworteter Gewalt zu verteidigen, nimmt dieser Terminus ein Anliegen auf, das mit der hier entwickelten Position vereinbar ist.“ So „muss Deutschland in enger Abstimmung mit den Staaten der Europäischen Union und der NATO in die sicherheitspolitische, aber auch in die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit investieren“.

Wie ein Kommentar zum US-israelischen Überfall auf den Iran liest sich: „Wenn der Erwerb von Massenvernichtungswaffen unmittelbar bevorsteht, ihr Einsatz konkret angedroht ist und alle diplomatischen Mittel erschöpft sind, kann eine militärische Reaktion bei Abwägung aller Umstände des Einzelfalls als Selbstverteidigung gegen einen unmittelbar bevorstehenden Angriff betrachtet werden.“

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) kommentierte am 10.11.2025: „Für die Evangelische Kirche ist es eine Zeitenwende“, mit der „Friedensdenkschrift unternimmt die EKD eine deutliche Abkehr vom Pazifismus der 70er- und 80er-Jahre (…) unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine (…) Sicherheitspolitik dürfe niemals ausschließlich auf militärische Stärke setzen – ganz ohne Waffen, ganz ohne Militär, ganz ohne Bündnispartner geht es aber eben auch nicht“. So würden auch die Evangelen anschlussfähig für die Bundeswehr. Die Friedensinitiative Dresden fragt:

„Wo bleibt in der Öffentlichkeit der hörbare Aufschrei? – Wer vertritt heute die Traditionslinie der Bekennenden Kirche und wer hält den Geist der Barmer Erklärung wach?“

Militärbischöfe leisten Beistand

Für eine „langsame Annäherung an Wehrpflicht“ hat sich bereits am 2. April 2025 der EKD-Militärbischof Bernhard Felmberg im Interview mit evangelisch.de ausgesprochen, wobei er in aller Offenheit die wieder geltende Maxime „Kanonen statt Butter“ erklärt: Da die Bundeswehr deutlich mehr Geld bekommt, „muss auch klar sein: Dafür muss woanders gespart werden. Das wird ein schmerzhafter Prozess werden in der Gesellschaft.“

Immerhin gibt es Hoffnung auf mehr Arbeitsplätze: „Ich glaube, dass mittelfristig die Anzahl der Militärpfarrerinnen und -pfarrer steigen wird. Im Moment haben wir 104 evangelische Militärgeistliche, 100 in Deutschland, 4 im Ausland. Wir müssen das Netz verdichten, weil wir momentan nicht in der Lage sind, all das nachzuhalten, was von uns gefordert wird. Konkret: Wir wollen in einem Katastrophenfall in der Lage sein, als Kirche den Menschen beizustehen, die uns brauchen.“ Und zwar so:

„Was meine ich? Ein ganz plastisches Beispiel: Wenn mich ein 19-jähriger Soldat fragt, ob ich an der Seite seiner Familie bin, wenn er im Einsatz stirbt, möchte ich antworten können: Ja, das sind wir. Das kann aber die Militärseelsorge allein nicht leisten. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Kirche.“

„Die Militärgeistlichen sind im Auslandseinsatz eng dabei“, man werde auch die Brigade in Litauen begleiten, dem Vorposten der gegen Russland vorrückenden NATO. Militärbischof Felmberg: „Dort werden etwa 6.000 Soldatinnen und Soldaten stationiert, teilweise fest mit Familien, mit Zivilbeamten der Bundeswehr. Das heißt, man rechnet mit rund 10.000 Menschen vor Ort. Wir planen deshalb mit einer festen Pfarrstelle, vielleicht sogar mit zweien.“ Am 21. Juli 2025 feierte Felmberg seinen 60. Geburtstag mit einer Festveranstaltung in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, u.a. eingerahmt von Bundeswehrgeneral Carsten Breuer und der EKD-Ratsvorsitzenden Fehrs.

Als Gastredner sprach der Potsdamer Militärhistoriker Sönke Neitzel zur „Zeitenwende“ und fragte, ob die Bundeswehr und die NATO die richtigen Schlüsse aus dem Ukrainekrieg zögen, weil: „Wir leben eben nicht mehr im Frieden.“ Felmbergs katholisches Pendant, Militärbischof Franz-Josef Overbeck, „sieht Europa durch einen ‚Systemkrieg‘ Russlands herausgefordert“. Er findet „Waffenlieferungen moralisch vertretbar“, schließlich müsse man die „Freiheit notfalls mit Waffen verteidigen“. „Ebenso müsse die Rüstungsproduktion über die Landes- und Bündnisverteidigung hinaus ein angemessenes Engagement im Rahmen internationaler Krisenbewältigung ermöglichen, sagte Overbeck.“ (Domradio, 25.05.2024). Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gibt er zu Protokoll: „Russland hat Grenzen und Gesetze gebrochen. Frieden um jeden Preis ist ethisch nicht verantwortbar.“ (19.04.2025)

Der geistliche Plan für den Krieg

Den eingangs erwähnten Plan namens „GOD“ wollten die Verfasser offenbar ebenso geheimhalten wie die Bundeswehr das weltliche Gegenstück „Operationsplan Deutschland“, aber die militärkritische „Ökumenische Initiative zur Abschaffung / Reform der Militärseelsorge“ hat das 26-Seiten-Papier auf ihrer Internetseite öffentlich gemacht.

Ein Kommentar von Klaus-W. Müller aus Frankfurt/M. auf der Seite fasst den Plan der Geistlichen zusammen:

„In diesem Papier steht, dass wir (Diakone, Pfarrer, Pastor*innen) im Kriegsfall die vielen Todesnachrichten überbringen sollen, den Kriegswitwen und -waisen beistehen sollen, dass wir im Kriegsfall eng mit ‚staatlichen Stellen‘ zusammenarbeiten sollen und vor allem dass wir für ‚Ruhe und Ordnung‘ im Land sorgen sollen.

Und er fragt weiter: Warum steht im oben genannten Plan NICHT, dass wir im Kriegsfall zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen und Deserteure unterstützen sollen? Warum steht im oben genannten Plan nicht, dass wir uns im Kriegsfall für einen sofortigen Waffenstillstand, für Abrüstung, Verhandlungen und gewaltfreie Methoden einsetzen sollen?“

Einleitend schreiben die göttlichen Autoren, der Plan benenne „angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen … die seelsorglichen Aufgaben in Szenarien militärischer Bedrohung und gewaltsamer Konflikte, die auch Deutschland unmittelbar betreffen können. Dabei werden mögliche Belastungen für Zivilbevölkerung, Soldatinnen und Soldaten, Einsatzkräfte, Verwundete, Gefallene, Kriegsgefangene und Geflüchtete in den Blick genommen. Das Konzept zeigt auf, wie kirchliche Strukturen vorbereitet, vernetzt und gestärkt werden können, um in Krisenfällen handlungsfähig zu bleiben und den Menschen beizustehen. Nicht zuletzt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt, dass so ein Fall tatsächlich eintreten kann.“

Als „Ersatz-Katechismus“ gilt offenbar die Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung, garniert mit neuen Lügen von der Bedrohung aus dem Osten: „Deutschland und seine europäischen Nachbarn sind jetzt schon Angriffsziel: Hybride Bedrohungen, Angriffe auf die kritische Infrastruktur, Cyberattacken sind nur einige Stichpunkte. Alle relevanten Akteure aus Militär, Nachrichtendiensten und Wissenschaft warnen davor, dass Russland bereits vor Ende dieses Jahrzehnts in der Lage sein könnte, NATO-Gebiet anzugreifen.“ Dabei stehen ihnen „drei Szenarien“ vor den geistlichen Augen:

  • „Im Spannungsfall steht eine militärische Auseinandersetzung bevor, auf die sich Deutschland und seine Bündnispartner vorbereiten.
  • Der Bündnisfall tritt ein, wenn ein Mitgliedsstaat oder mehrere Mitgliedsstaaten in Deutschlands Bündnissen (NATO oder EU) angegriffen werden. Damit tritt Deutschland ggf. in einen internationalen bewaffneten Konflikt ein. Deutschland ist aber selbst nicht Ort der militärischen Auseinandersetzung.
  • Im Verteidigungsfall wird Deutschland selbst durch militärische Kräfte angegriffen und wird somit selbst zum Gebiet militärischer Auseinandersetzungen.“

Allen Ernstes glauben die Verfasser, im „Operationsplan Deutschland“ der Bundeswehr seien „Verfahren, Abläufe und Zuständigkeiten festgelegt, um die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands zu schützen und den Einsatz der alliierten Streitkräfte im Grenzgebiet der NATO sicherzustellen“. Jetzt gehe es um die Erzeugung eines „gesamtgesellschaftlich resilienten Mindsets“, um Fragen nach „der Funktionsfähigkeit der Gesellschaft, wenn die Streitkräfte an der Ostflanke stehen und das Bündnis verteidigen“, und natürlich: „Welche Rolle und Aufgabe haben die Religionsgemeinschaften und ihre Seelsorgenden“? „Wenn eine erhöhte Anzahl von Soldatinnen und Soldaten im Inland betreut werden muss, erfordert das mehr Militärgeistliche und einen Ausbau der Struktur der Militärseelsorge.“

Der Ernstfall für die Gottesmänner (und -frauen)

Diese Lage erwarten die Propheten: „Im Bündnisfall wird die Hauptfunktion Deutschlands die einer logistischen Drehscheibe sein. Das heißt, durch Deutschland werden militärisches Material und Personal transportiert. Gleichzeitig werden Verwundete und Gefallene nach Deutschland zurückgebracht und von hier aus weitertransportiert werden. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sollte von einer hohen Anzahl an Verwundeten und Gefallenen ausgegangen werden.“ „Sowohl im Bündnis- wie auch im Verteidigungsfall werden gefallene Soldatinnen und Soldaten nach Deutschland gebracht werden. Für die Religionsgemeinschaften stellen sich hier insbesondere Fragen nach den Formen einer würdigen Bestattung und multireligiöser Trauerfeiern. Ferner ist zu fragen, in welcher Weise die Überbringung von Todesnachrichten erfolgen wird und wie diese seelsorglich begleitet werden kann. Wer begleitet die Hinterbliebenen? Was geschieht mit Gefallenen anderer Streitkräfte?“

In Deutschland erwarten die geistlichen Planer: „Durch (die) Bewegungen im Land wird es für die Zivilbevölkerung Einschränkungen in bisher unbekanntem Ausmaß geben. Das wird zu großer Verunsicherung führen und auch hier Betreuungsbedarf generieren.“ „Es ist mit einer hohen Anzahl von Soldatinnen und Soldaten zu rechnen, die stark belastet bzw. mit Traumafolgestörungen nach Deutschland zurückkehren. Wer steht für die Kriegsrückkehrenden und die Familien seelsorglich zur Verfügung?“ Danach werden Fragen zur organisatorischen Bewältigung der „weitreichenden Schadenslagen“ behandelt, und ein bemerkenswertes Beispiel in Erinnerung gerufen: Es gäbe „kaum Bedarf an neuen Strukturen – wo das Rahmenkonzept sie ausnahmsweise nahelegt, zieht es Lehren aus der Zeit der Corona-Pandemie.“

Die Kirchen sollen sich auf diese Katastrophe vorbereiten. „Unabdingbar ist die Einrichtung von Krisenstäben jeweils auf landeskirchlicher und diözesaner Ebene. Nur so wird sich die seelsorgliche Praxis bei verheerenden Ereignissen anpassen können.“ „Es geht dabei konkret um die nötige Unterstützung der Menschen, deren Dienst für die Aufrechterhaltung der Ordnung in einem Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall mitentscheidend ist.“ „Der weitaus größte Bereich seelsorglicher Praxis wird es mit Menschen zu tun haben, die in einem Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall zur Zivilbevölkerung zählen.“ „Es ist mit Massentraumatisierungen zu rechnen. Diese setzen individueller psychologischer oder seelsorglicher Begleitung Grenzen.“ „Aus den Vorbereitungen zu einer Seelsorge im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall heraus entsteht zudem eine erweiterte liturgische Sprachfähigkeit in allen gottesdienstlichen Zusammenhängen.“ Das ist scheinbar ein Gewinn.

Für die medizinische Versorgung wird nicht Gutes erwartet. „Bei einem bewaffneten Konflikt auf deutschem Staatsgebiet im Verteidigungsfall ist davon auszugehen, dass die Opferzahl in der Zivilbevölkerung sehr hoch sein wird. Das Gesundheitssystem wird im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall vor größte Herausforderungen gestellt. Kapazitäten für verletzte Soldaten, möglicherweise auch Zivilisten, und psychisch überlastete Personen greifen tief in den Regelbetrieb ein und können selbstverständlich gewordene Standards der bestmöglichen individualmedizinischen Versorgung außer Kraft setzen. Triagierungen und die damit verbundenen Herausforderungen sind hier nur eine mögliche Intervention. Unabhängig davon, wie gut die Aufgabe bewältigt werden kann, wird der Bündnis- oder Verteidigungsfall für das medizinische Personal zu einer extremen Belastung: vermehrte Arbeitszeiten, Konfrontation mit ungewohnten Arten von Verletzungen, Umgang mit eigenen Sorgen und Ängsten.“

Wenn schon die medizinische Betreuung nicht funktionieren wird, sollte es doch am religiösen Beistand nicht mangeln: „In einer solchen Situation kommt der Krankenhausseelsorge eine neue Bedeutung zu, die sich aus der aktuellen Praxis der Seelsorge in Gesundheitseinrichtungen ableitet, diese aber überschreiten wird. Eine möglicherweise erforderliche zivil-militärische Zusammenarbeit im Gesundheitssystem wird eine engere Vernetzung mit Militärseelsorgenden notwendig machen. Natürlich gilt es einerseits, den Regelbetrieb der Krankenhausseelsorge soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Ein verstärktes Angebot von Gottesdiensten, Ritualen und Gebeten wird ein kaum zu überschätzendes Element sein, um möglichst viele Menschen spirituell begleiten zu können.“

Fromme Worte und Gebete werden leider nur sehr begrenzt eine lebenserhaltende Wirkung entfalten, daher muss man dem Ende ins Auge sehen: Der „Seelsorge in Form der Trauerbegleitung und Gespräche zur Vorbereitung einer Trauerfeier.“ „In einem Bündnis- oder Verteidigungsfall mit Kampfeinsätzen und eventuell Anschlägen, Raketenbeschuss, Drohnenangriffen sowie Bombardierungen wird es zu Gefallenen und Verwundeten kommen. Den Gefallenen kommt eine besondere Fürsorge zu: Nach Möglichkeit werden die Gefallenen im Kreise der Familie bestattet. Wenn die Zahl der Gefallenen sehr hoch sein sollte und ein Transport in die Heimat nicht mehr möglich ist, werden andere Möglichkeiten des Gedenkens an die Gefallenen für die Zu- und Angehörigen außerhalb der Bundeswehr geschaffen werden müssen.“ Gedacht ist an die „Schaffung von temporären oder festen Gedenkorten und -zeiten (…). Neben dem Volkstrauertag, dem Ewigkeitssonntag und Allerseelen werden weitere Zeiten und Orte geschaffen …“

Das alles sollte am Geld – des Steuerzahlers – nicht scheitern. „Wenn rechtzeitig Vorbereitungen erfolgen, können im Ernstfall Ressourcen besser aktiviert und rascher ausgebaut werden. Aufgrund der finanziellen Situation der Kirchen werden zurzeit auch dort Stellen abgebaut, wo sie im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall gebraucht werden.“ Dabei dürfen wir nie vergessen, dass die segensreiche Tätigkeit von Militärbischöfen bis zur Militärseelsorge nicht aus Mitteln der Kirchensteuer, sondern aus dem „Verteidigungs“-Haushalt finanziert wird. Was zumindest den kleinen Trost spendet, dass diese paar Euro wenigstens nicht für scharfe Munition zur Verfügung stehen.

Sehenden Auges dem Ende entgegen

Die Pfaffen beschreiben in ihrem „Plan“ beängstigend realistisch die erwarteten Opfer unter der Zivilbevölkerung, die hohe Zahl an Toten und Verwundeten an der Front und ein kollabierendes Gesundheitswesen – und dazu fällt ihnen aber nur ein, wie sie das Kanonenfutter moralisch aufrüsten und nach dessen Ende dann mit christlichem Trost und Segen unter die Erde bringen. Und wie die Regierungslautsprecher haben sie keinen Zweifel, dass die Bedrohung aus dem Osten kommt, und der Krieg, auf den sie sich vorbereiten, gegen Russland geführt wird.

Kein Gedanke daran, sich dem Marsch in den Krieg zu widersetzen, stattdessen sehen sie ihren Platz als gut geschmierte Rädchen in der Kriegsmaschinerie. Dabei vergessen sie sogar ihre eigene Glaubensmaxime „Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften“ (Jakobus 3, 18) oder „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) oder „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9). Die innerkirchliche Opposition gegen den militaristischen Kurs der Kirchenoberen ist leider sehr leise und scheint auf verlorenem Posten zu stehen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es eine gute Nachricht, wenn die beiden großen Kirchen weiter in schnellem Tempo Mitglieder verlieren. Die EKD registrierte 2025 rund 350.000 Austritte, der katholischen Kirche kehrten gut 307.000 Menschen den Rücken, zusammen 657.000 „verlorene Schafe“. Den evangelischen Landeskirchen gehörten am 31. Dezember 2025 rund 17,4 Millionen Menschen an, Ende 2024 waren es noch 17,9 Millionen gewesen, die katholische Kirche hatte im Dezember 2025 noch 19,2 Millionen Mitglieder, im Jahr zuvor waren es noch 19,7 Millionen. Etwa 1,2 Millionen seien 2025 aus den beiden Kirchen ausgetreten oder verstorben, meldete die ARD-tagesschau am 16.03.2026. Damit liegt ihr gemeinsamer Anteil nur noch bei etwa 44 Prozent der Bevölkerung, so die Stuttgarter Zeitung, ebenfalls am 16.03.2026.

Der neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, kommentierte die Entwicklung mit den Worten, die Kirche müsse „nach Wegen suchen, wie Christsein heute in der Gesellschaft zu größerer Akzeptanz führen kann“, (Klerikalportal katholisch.de, 17.03.2026). Ob der Weg in den Militarismus dazu geeignet ist?

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Klaus Hartmann ist Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Bischöfe im Kölner Dom
Bildquelle: BalkansCat / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
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