Die Vereinigten Staaten erleben derzeit einen massiven Wintersturm, der auch die Gasinfrastruktur des Landes trifft. Für Deutschland, welches auf LNG-Lieferungen aus Übersee angewiesen ist, ist dies eine kritische Entwicklung.
Die Gasversorgung Deutschlands gerät unter Druck – und das mitten im Winter und bei ohnehin schon extrem niedrigen Gasspeicherständen. Der aktuell in weiten Teilen der Vereinigten Staaten wütende Wintersturm beeinträchtigt nämlich nicht nur den dortigen Flugverkehr, sondern auch die Erdgasproduktion.
Während nun also bereits die Inlandsversorgung in den Vereinigten Staaten unter dieser Wetterlage leidet und die Preise in die Höhe schießen, dürfte dies auch zu Verzögerungen bei den Flüssiggaslieferungen nach Deutschland und Europa führen.
Angesichts dessen, dass die Europäer aus ideologischen Gründen die Gaskäufe aus Russland weitestgehend eingestellt haben und auch die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines Ersatzlieferungen schwierig macht, gerät die europäische Gasversorgung zusehends unter Druck.
In den Vereinigten Staaten selbst warnen die Behörden bereits davor, dass es angesichts der Wetterlage zu großflächigen Blackouts kommen kann. US-Energieminister Chris Wright hat den Kraftwerksbetreibern bereits einen Freifahrtschein ausgestellt, die bundesstaatlichen Umweltauflagen ignorieren zu dürfen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Strom sicherzustellen.
Unter Umständen werden sich die Menschen in Europa noch warm anziehen müssen, sollte es noch länger so kalt bleiben. Denn die Gasspeicher leeren sich immer weiter, und wenn der Nachschub an Flüssiggas stockt, wird sich dies noch beschleunigen.
Während sich die Netto-Null-Fanatiker in London auf Wind- und Solarstrom konzentrieren, verrotten die Gaskraftwerke im Vereinigten Königreich. Ohne substanzielle Investitionen droht bald die Stromrationierung.
Seit Jahren arbeitet die britische Politik (egal ob Konservative oder Sozialisten) am Umbau der Stromversorgung des Vereinigten Königreichs. Mit bescheidenem Erfolg. So kann mangels Kapazitäten bei den Stromleitungen von Nord nach Süd beispielsweise der schottische Windstrom nicht umfassend nach England weitergeleitet werden, so dass diese immer wieder abgeregelt werden müssen.
Und dank des wachsenden Fokus auf die unzuverlässigen Stromquellen Wind und Sonne wurden die Gaskraftwerke des Landes vernachlässigt. Mittlerweile ist die Lage so prekär, dass die Energieberatung Watt-Logic den britischen Energieminister Ed Miliband zum raschen Handeln auffordert. Denn einige wichtige Bauteile können nicht eben so mal rasch bestellt und geliefert werden, sondern kommen mit jahrelangen Lieferzeiten.
Angesichts dessen, dass mehr als ein Dutzend der britischen Gaskraftwerke so alt seien, dass sie ohne Modernisierungsmaßnahmen noch vor Ende dieses Jahrzehnts abgeschaltet werden müssen, könnte es bald schon eng werden. Denn trotz des Ausbaus der sogenannten “Erneuerbaren” ist die britische Stromversorgung weiterhin sehr vom Erdgas abhängig.
“Ohne dringende Maßnahmen zur Sicherung regelbarer Erzeugungskapazitäten und zur Stabilisierung des Gasnetzes drohen dem Vereinigten Königreich deutlich vor 2030 zunehmende Risiken von Versorgungsengpässen und großflächigen Systemausfällen”, warnt der Bericht laut dem britischen Telegraph. “Es wird schwierig sein, die bestehende Nachfrage ohne Rationierung zu decken – ganz zu schweigen von zusätzlicher Nachfrage durch Elektrifizierung.”
Denn rund ein Drittel des Stroms im Vereinigten Königreich wird weiterhin von Gaskraftwerken geliefert. An windstillen Tagen und bei Dunkelflaute kann dieser Anteil jedoch leicht auf das Doppelte ansteigen. Fallen jedoch immer mehr Gaskraftwerke aus, fehlt es an Backup-Kapazitäten. Verschärft werde der Rückgang durch die geplante Abschaltung der alternden britischen Kernkraftwerke. Acht der zehn noch verbleibenden Reaktoren sollen vor 2030 oder im Jahr 2030 schließen.
Und was macht die britische Regierung? Die Sozialisten setzen weiter auf Wind- und Solarkraftwerke, die jedoch insbesondere im Winter kaum Strom liefern. Selbst wenn man die Kapazitäten innerhalb kürzester Zeit verdreifachen würde – ohne Wind und ohne Sonnenschein gibt es einfach keinen Strom. Das ist simple Physik und grundlegende Mathematik.
Ohne möglichst zeitige, umfangreiche Investitionen in die vorhandenen Gaskraftwerke droht den Briten angesichts dieser Entwicklungen bereits in wenigen Jahren eine Rationierung der Elektrizität in windstillen und sonnenarmen Tagen und Wochen. Denn auch die Importkapazitäten aus Frankreich, Norwegen und anderen europäischen Ländern sind begrenzt. Zudem bringt dies auch die Stromversorgung in Irland in Gefahr, zumal das britische Stromnetz auch als Backup für die Grüne Insel fungiert.
Das Vereinigte Königreich ist damit ein Paradebeispiel dafür, wie man mit der katastrophalen Netto-Null-Politik ein ganzes Land an den Rand des Abgrunds bringen kann – und (die Zeit wird es zeigen), wie man es schlussendlich auch abstürzen lässt.