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Bombenattentat auf Disko-Besucher Der „La Belle“-Anschlag und Libyens europäische Helfer

04. April 2026 um 14:34

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Feuerwehrleute untersuchen den Anschlagsort in der Disko "La Belle".

Vor 40 Jahren erschütterte ein Bombenschlag auf eine Disko West-Berlin. Die USA vermuteten Libyen dahinter und reagierten mit militärischer Härte. Die Aufarbeitung des Attentats förderte dabei eine ungeheure Schützenhilfe für das Gaddafi-Regime zutage.

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Was nach den Bomben bleibt: Die unsichtbare Erbschaft des Iran-Kriegs | Von Michael Hollister

19. März 2026 um 14:50

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Was nach den Bomben bleibt: Die unsichtbare Erbschaft des Iran-Kriegs | Von Michael Hollister

Eine Militäroperation, die Irans Nuklearprogramm ein für alle Mal stoppen sollte - und die möglicherweise genau das Gegenteil bewirkt hat. 200 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran sind verschwunden. Vier Nuklearanlagen liegen in Trümmern, in denen radioaktive und chemisch toxische Substanzen freigesetzt wurden - in bewohnten Gebieten, ohne Monitoring, ohne Zugang für internationale Behörden. Und der Mann, der als religiöse Bremse gegen iranische Atomwaffen galt, ist tot. Was bleibt, ist eine strategische Logik, die in Teheran eine Richtung vorgibt: nicht weg von der Bombe, sondern auf sie zu.

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Eine Militäroperation, die Irans Nuklearprogramm stoppen sollte, hat möglicherweise genau die strategische Dynamik ausgelöst, die sie verhindern wollte. Wochen nach den ersten Schlägen meldet die Internationale Atomenergiebehörde radioaktive Freisetzungen in vier iranischen Nuklearanlagen, erklärt, sie habe keinen Zugang zu den bombardierten Stätten - und räumt ein, dass der Verbleib von rund 200 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertem Uran nicht verifizierbar ist. Das Material ist weg. Niemand weiß, wo es ist.

Das ist nicht die Geschichte, die erzählt wird. Die Schlagzeilen berichten über militärische Erfolge, zerstörte Zentrifugen, einen geschwächten Feind. Was sie nicht berichten: dass dieselbe Operation, die Irans Atomprogramm stoppen sollte, möglicherweise genau jene strategische Dynamik ausgelöst hat, die sie zu verhindern vorgab. Dass in den Trümmern von Esfahan und Natanz nicht nur Anlagen liegen, sondern eine Frage, auf die niemand eine Antwort hat - und die in den kommenden Jahren zur alles entscheidenden werden könnte.

Wer die langfristigen Konsequenzen dieses Krieges verstehen will, muss drei Ebenen gleichzeitig analysieren: Was physisch in den Anlagen passiert ist und welche Folgen das für Mensch und Umwelt hat. Was mit dem nuklearen Material passiert ist und was das strategisch bedeutet. Und welche politischen Kräfte in Iran jetzt in den Vordergrund treten, nachdem die Person, die als institutionelle Bremse gegen Nuklearwaffen galt, nicht mehr lebt.

Die Antworten auf diese drei Fragen zusammen ergeben ein Bild, das dem offiziellen Narrativ direkt widerspricht.

Was die Bomben wirklich trafen

Um zu verstehen, was in den Wochen nach dem 28. Februar 2026 passiert ist, muss man wissen, was diese Anlagen eigentlich waren - und was in ihnen lagerte.

Esfahan ist - oder war - Irans zentraler Standort für die Umwandlung von Uran. Hier wird natürliches Uran zu Uranhexafluorid (UF₆) verarbeitet, dem gasförmigen Ausgangsstoff für den Anreicherungsprozess. UF₆ ist bei Raumtemperatur ein weißer Feststoff, wird aber unter Druck und Wärme zu einem Gas, das durch die Zentrifugenkaskaden der Anreicherungsanlagen gepumpt wird. In Esfahan befanden sich zum Zeitpunkt der Angriffe laut IAEA mehrere Gebäudekomplexe mit nuklearem Material: eine Zentrifugenwerkstatt, eine Uranlageranlage, eine Kernbrennstoffproduktionsanlage, ein Labor mit nuklearem Material, eine Anlage zur Produktion von Uranpellets sowie ein Gebäude zur Handhabung kontaminierten Equipments.

Was passiert, wenn eine dieser Strukturen durch Bombeneinschlag, Druckwelle oder Strukturversagen zerstört wird, ist bekannt. UF₆ reagiert sofort mit Luftfeuchtigkeit - in einer Explosion, bei einem Feuer oder einfach durch das Bersten von Druckbehältern entweicht das Gas in die Umgebungsluft und zerfällt innerhalb von Sekunden in zwei Stoffe gleichzeitig: Uranylhydroxid und Fluorwasserstoffsäure, besser bekannt als Flusssäure.

Flusssäure ist in der industriellen Chemie eine der gefährlichsten Verbindungen, die es gibt - und gleichzeitig eine der am wenigsten bekannten außerhalb von Fachkreisen. Schwefelsäure verursacht sofortige, sichtbare Gewebezerstörung. Flusssäure dringt durch die Haut ein, ohne anfangs zu schmerzen. Das Fluorid-Ion wandert in das Gewebe, bindet Kalzium und Magnesium, unterbricht die Zellmembranfunktion und führt zu systemischer Hypocalcämie - einem dramatischen Abfall des Kalziumspiegels im Blut, der Herzrhythmusstörungen und Herzstillstand auslösen kann. Schon eine Exposition auf drei Prozent der Körperoberfläche kann ohne sofortige Behandlung tödlich sein. Arbeiter in Esfahan, die diesem Gas ausgesetzt waren - sei es durch Einatmen oder Hautkontakt - sind entweder tot oder werden in den kommenden Jahren an Organversagen sterben. Iran veröffentlicht keine Krankenakten. Internationale Beobachter haben keinen Zugang.

Das ist die akute Dimension. Die chronische ist nicht weniger ernst. Uranhexafluorid zerfällt bei Kontakt mit Feuchtigkeit nicht nur zu Flusssäure, sondern auch zu Uranylhydroxid - einem radioaktiven Partikel, der sich ablagert, eingeatmet werden kann und in Lungen, Nieren und Knochen akkumuliert. Die strahlenbiologischen Folgen dieser Exposition zeigen sich nicht sofort, sondern über Jahrzehnte: erhöhte Raten von Lungenkrebs, Nierenversagen, Leukämie.

Natanz, Irans Hauptstandort für die Urananreicherung, wurde mit erdpenetrierender Munition angegriffen. Die IAEA bestätigte zwei Einschlaglöcher über den unterirdischen Anreicherungshallen, die für Anreicherung und Lagerung genutzt wurden. "Basierend auf unserem Wissen über den Inhalt dieser Hallen schätzen wir, dass dieser Angriff lokalisierte Kontamination und chemische Gefahren verursacht haben könnte", erklärte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi vor dem Gouverneursrat am 2. März 2026. An Fordow, dem zweiten Anreicherungsstandort, sind Krater sichtbar, die den Einsatz erdpenetrierender Munition belegen. Grossi sagte vor dem Gouverneursrat explizit: "Zu diesem Zeitpunkt ist niemand - auch nicht die IAEA - in der Lage, den unterirdischen Schaden in Fordow vollständig zu bewerten."

Die offizielle Bilanz der IAEA lautet: keine erhöhten Strahlungspegel in Nachbarstaaten. Was sie nicht sagen kann: was in den Anlagen selbst passiert ist, was mit den dort arbeitenden Menschen passiert ist, und was mit dem nuklearen Material passiert ist.

Das verschwundene Material

Hier liegt das eigentliche strategische Problem dieser Militäroperation - und es ist schwerwiegender als alles, was öffentlich diskutiert wird.

Vor den ersten Angriffen im Juni 2025 verfügte Iran nach IAEA-Verifikation über einen Vorrat von 440,9 Kilogramm Uran, das auf 60 Prozent angereichert war. Diese Zahl ist aus dem IAEA-Bericht vom September 2025 belegt. 60 Prozent liegt weit über dem Niveau für zivile Reaktornutzung - der liegt bei 3 bis 5 Prozent - und ist nur eine technische Stufe unter Waffenqualität, die bei 90 Prozent beginnt. Iran ist das einzige Nicht-Atomwaffenland der Welt, das auf diesem Niveau anreichert.

Was 60-prozentiges Uran strategisch bedeutet, hat das amerikanische Nichtregierungsinstitut Center for Arms Control and Non-Proliferation in einer Analyse präzise beschrieben: Anreicherung auf 60 Prozent erledigt bereits über 90 Prozent der Trennarbeit, die nötig ist, um natürliches Uran auf Waffenqualität zu bringen. Eine einzige Kaskade mit 175 modernen IR-6-Zentrifugen könnte aus dem vorhandenen 60-prozentigen Material das waffenqualitätsfähige Endprodukt für einen nuklearen Sprengkopf in etwa 25 Tagen produzieren. Mit mehreren Kaskaden entsprechend schneller. Nach IAEA-Definition ist hochangereichertes Uranhexafluorid - also das, was in den Zentrifugen von Natanz und Fordow kreiste - "Direct Use Material": Es kann in ein bis drei Wochen zu fertigen Uranmetallkomponenten für Nuklearwaffen umgewandelt werden.

Jetzt kommt das eigentliche Problem. Die IAEA schätzt, dass nach den Angriffen noch rund 200 Kilogramm dieses Materials in Esfahan unterirdisch vorhanden sein könnten. Aber das ist eine Schätzung - keine Verifikation. In ihrem Bericht vom September 2025 formuliert die IAEA in auffällig direkter Sprache: "Die Behörde hat die Kontinuität des Wissens über die aktuellen Bestände an nuklearem Material in Iran verloren, einschließlich niedrig und hoch angereichertem Uran, was dringend behoben werden muss." Dieser Satz steht in einem offiziellen IAEA-Gouverneursratsdokument. Er bedeutet: Die weltweit zuständige Atombehörde weiß nicht, wo ein erheblicher Teil des iranischen Nuklearmaterials ist.

Für das verschwundene Material gibt es drei unterschiedlich beunruhigende Szenarien.

Das erste: Es liegt unter Trümmern begraben. Die Bombentreffer haben Anlagen zerstört, das Material ist verschüttet, kontaminiert langsam das Umfeld und versickert über Jahrzehnte in Grundwasserleiter. Ein schweres Umwelt- und Gesundheitsproblem - aber kein unmittelbares Waffenproblem.

Das zweite Szenario ist strategisch das heikelste: Das Material wurde vor oder zwischen den Angriffen evakuiert. Zwischen Israels ersten Schlägen auf iranische Nuklearanlagen im Juni 2025 und dem US-Angriff auf Fordow lagen acht Tage. Das Institut für Wissenschaft und Internationale Sicherheit (ISIS), eine in Washington ansässige Nichtregierungsorganisation mit langjähriger Iran-Expertise, weist in seiner Analyse vom September 2025 darauf hin, dass die IAEA seit 2021 die Kontrolle über die Zentrifugenproduktion in Iran verloren hat - seit Iran im Juni 2022 sämtliche JCPOA-bezogenen Überwachungsgeräte entfernen ließ. Das hat eine direkte Konsequenz: Die IAEA weiß nicht, wie viele Zentrifugen Iran insgesamt produziert hat, wie viele davon installiert waren und wie viele davon an unbekannten Standorten lagern. Es ist nach ISIS-Einschätzung plausibel, dass Iran bereits vor dem Krieg eine oder mehrere Kaskaden von IR-6-Zentrifugen an unbekannten Orten gelagert hatte. Wenn das stimmt, ist die Zerstörung der bekannten Anlagen kein Endpunkt, sondern ein Rückschlag - der überwindbar ist, sobald das noch vorhandene angereicherte Material und die gelagerten Reservezentrifugen zusammengeführt werden.

Das dritte Szenario kombiniert beide: ein Teil zerstört, ein Teil kontaminiert, ein Teil in Sicherheit gebracht. Und niemand kann diese Anteile heute verifizieren. Das ist keine Spekulation, das ist der dokumentierte Erkenntnisstand der IAEA selbst.

Noch ein Detail, das in der Berichterstattung kaum erwähnt wird: Das ISIS dokumentierte kurz vor dem Kriegsbeginn, dass Iran gegenüber der IAEA eine geplante neue Anlage namens "Isfahan Fuel Enrichment Plant" angekündigt hatte - ohne Standortangabe, ohne Details. ISIS schätzt, dass sich diese Anlage in einem Tunnelkomplex an der Hauptanlage in Esfahan befand, der teilweise bereits gebaut war, bevor Zentrifugen installiert wurden. US-Angriffe zerstörten die drei Tunneleingänge. Satellitenbilder zeigen, dass Iran inzwischen Zugang zu mindestens einem Eingang wiedererlangt hat. Ob diese Anlage wieder betriebsfähig gemacht werden kann, ist unbekannt.

Die eigentliche Paradoxie dieser Militäroperation lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Sie hat nicht verhindert, dass Iran nukleares Material besitzt. Sie hat lediglich die bekannten Produktionsstätten beschädigt. Das Material, das für Waffenzwecke relevant wäre, existiert weiterhin - sein Aufenthaltsort ist entweder unbekannt oder liegt unter Trümmern in der Erde. Das ist nicht dasselbe wie "das Programm ist beendet."

Die lange Vergiftung

Abseits der strategischen Debatte über Nuklearmaterial gibt es eine zweite Zeitebene, die in der öffentlichen Berichterstattung nahezu vollständig fehlt: die langfristigen Folgen für Mensch und Umwelt in den betroffenen Regionen.

Der Vergleich, der sich am häufigsten anbietet, liegt in Europa. Während der NATO-Bombardierungen Jugoslawiens 1999 setzten US- und NATO-Streitkräfte an 112 Standorten in Kosovo, Serbien und Montenegro über 31.000 Geschosse mit abgereichertem Uran ein - insgesamt schätzungsweise elf Tonnen. Abgereichertes Uran ist radioaktiv und chemisch toxisch. Es hat eine biologische Halbwertszeit von etwa 5.000 Tagen im menschlichen Körper, lagert sich in Knochen, Nieren und Lungen ab und kann dort Jahrzehnte nach der ursprünglichen Exposition zu Krebserkrankungen führen. Zielorgane sind insbesondere Nieren, Lunge und Knochenmark - was Lungen-, Nieren- und Blutkrebserkrankungen erhöht. In einer parlamentarischen Anfrage des Europäischen Parlaments aus dem Jahr 2009 (H-0101/2009) wurde dokumentiert, dass 45 italienische Soldaten, die im Kosovo stationiert waren, in den Jahren nach dem Einsatz an Krebs gestorben waren, weitere 515 Angehörige verschiedener Nationalitäten schwer erkrankten - das sogenannte 'Balkan-Syndrom'.

Ob ein direkter Kausalzusammenhang zwischen dem abgereicherten Uran und diesen Erkrankungen besteht, ist wissenschaftlich umstritten. Eine im Journal PLOS ONE veröffentlichte Studie analysierte über 20 Jahre die Hämatologie-Krebsraten in Kosovo und fand einen Anstieg hämatologischer Malignome nach dem Krieg - ohne ihn eindeutig auf DU zurückführen zu können. Eine Metaanalyse aus ScienceDirect aus dem Jahr 2017 fasst den Forschungsstand zusammen: kein gesicherter Nachweis eines direkten Kausalzusammenhangs, aber erhöhte DU-Werte in Böden betroffener Regionen und die ausdrückliche Empfehlung eines "langfristigen Monitorings über Jahrhunderte" durch die Internationale Kampagne für ein Verbot von Uranwaffen. Dieser Vorbehalt ist wichtig - und er ist für Iran noch relevanter als für den Balkan.

Denn der Unterschied zwischen dem, was 1999 in Kosovo freigesetzt wurde, und dem, was 2025 und 2026 in Iran passierte, ist nicht graduell, sondern kategorial. In Kosovo wurden Munitionsrückstände aus abgereichertem Uran freigesetzt: geringe Konzentration, verteilt über Hunderte von Einschlagspunkten, hauptsächlich in Böden und Feldrand-Regionen. In Iran wurden Anlagen bombardiert, die angereichertes Uran und Uranhexafluorid in industriellen Mengen enthielten: konzentrierte Freisetzung an wenigen bekannten Standorten, mit zusätzlicher chemischer Toxizität durch Flusssäure, in oder nahe bewohnten Gebieten und wichtiger Wasserinfrastruktur.

Esfahan, wo die Urankonversionsanlage lag und UF₆ in erheblichen Mengen vorhanden war, liegt am Zayanderud - dem bedeutendsten Fluss Zentralirans, der die Region Esfahan mit rund zwei Millionen Menschen versorgt. Der Fluss speist Bewässerungssysteme, die für die Landwirtschaft der Region unverzichtbar sind, und fließt durch eine der historisch dichtest besiedelten Regionen des Landes. Kontamination des Flusswassers würde sich nicht lokal begrenzen lassen.

Natanz liegt auf dem zentraliranischen Hochplateau in rund 1.600 Metern Höhe, in einer ariden Region ohne oberflächliche Gewässer. Was diese Region hat, sind fossile Grundwasserleiter - Wasserreserven, die sich über Jahrtausende angesammelt haben und heute über tiefe Brunnen als einzige Trinkwasserquelle für landwirtschaftliche Gemeinden genutzt werden. Radioaktive Partikel, die in den Boden eindringen, werden von diesen Aquiferen nicht gefiltert. Sie akkumulieren. In welchem Zeitrahmen sie Trinkwasserqualität beeinflussen, hängt von Bodenbeschaffenheit und Niederschlag ab - in ariden Hochplateauregionen sprechen Hydrologen von Jahrzehnten, manchmal Jahrhunderten.

Fordow liegt in den Bergen bei Qom, einer Pilgerstadt mit knapp einer Million Einwohnern. Die unterirdische Anlage wurde mit Bunker-brechenden Bomben angegriffen, was Krater an der Oberfläche hinterlassen hat, die in Satellitenbildern sichtbar sind. Was in den unterirdischen Anreicherungshallen freigesetzt wurde, liegt nach aktuellem Erkenntnisstand buchstäblich im Dunkeln.

Wer wird dieses Monitoring durchführen? Die IAEA hat keinen Zugang. Die Weltgesundheitsorganisation hat keine Präsenz in betroffenen Regionen. Iran wird keine Daten publizieren, die das Narrativ eines erfolgreichen Widerstands gefährden würden. Die Bevölkerung rund um Esfahan, Natanz und Qom lebt in einer Informationslücke, die sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren in steigenden Krebsraten, Nierenerkrankungen und ungeklärten Todesfällen zeigen wird - ohne dass je eine direkte Verbindung zur Ursache offiziell hergestellt werden wird. Das ist nicht Spekulation. Das ist das historisch belegte Muster aller Fälle, in denen radioaktive oder nukleartoxische Substanzen in bewohnten Regionen ohne nachfolgendes Monitoring freigesetzt wurden - von den Atomteststätten in Kasachstan über die verstrahlten Regionen nach Tschernobyl bis zu den Nachfolgeerkrankungen im Irak nach dem Einsatz abgereicherter Uranmunition im zweiten Golfkrieg.

Das Nordkorea-Muster und die Khamenei-Frage

In der strategischen Analyse des Iran-Kriegs wird eine Frage kaum gestellt, obwohl sie die wichtigste ist: Was ist die rationale Schlussfolgerung eines iranischen Staatsführers aus dem, was in den letzten Monaten passiert ist?

Um diese Frage zu beantworten, ist ein historischer Rückblick auf drei Fälle nötig, die jeder Staatsführer der Welt kennt.

Muammar al-Gaddafi regierte Libyen bis 2003 mit einem aktiven Nuklearwaffenprogramm. Unter internationalem Druck rüstete er ab, erklärte sein Programm, ließ internationale Inspektoren ins Land und kooperierte mit dem Westen. 2011 wurde er im Zuge eines von NATO-Streitkräften unterstützten Aufstands gestürzt und auf der Flucht getötet.

Saddam Hussein hatte in den 1990er Jahren kein aktives Nuklearwaffenprogramm mehr. IAEA-Inspektoren hatten es verifiziert, UN-Inspektionen bestätigten das Fehlen von Massenvernichtungswaffen. 2003 marschierten US-Streitkräfte in den Irak ein. Saddam Hussein wurde 2006 hingerichtet.

Kim Jong-un führt Nordkorea seit über einem Jahrzehnt. Das Land hat Nuklearwaffen - schätzungsweise 40 bis 50 Sprengköpfe, dazu Interkontinentalraketen. Die USA haben Nordkorea nicht angegriffen.

Diese drei Fälle sind kein Zufall. Sie beschreiben ein kohärentes Muster, das in strategischen Analysen als "Libyen-Modell" oder "Proliferation Security Dilemma" diskutiert wird: Staaten, die auf Nuklearwaffen verzichten oder nie über sie verfügen, riskieren gewaltsamen Regimewechsel. Staaten, die Nuklearwaffen besitzen, werden in Ruhe gelassen. Die Logik ist brutal einfach - und sie ist nicht irrational.

Ob iranische Staatsführer diese Logik teilen, ist keine Spekulation, sondern dokumentierte Debatte. Schon vor dem Krieg hatten iranische Politiker und Militärs öffentlich auf das Nordkorea-Beispiel verwiesen. Seit dem 28. Februar 2026 ist diese Debatte keine abstrakte mehr.

Hier kommt eine personelle Dimension ins Spiel, die bislang kaum analysiert wird.

Ali Chamenei, der Oberste Führer Irans seit 1989, hatte über Jahrzehnte mehrfach Fatwas gegen Nuklearwaffen ausgesprochen. Der Islam verbiete Massenvernichtungswaffen, die per Definition Zivilisten töteten, lautete die religiöse Begründung. Diese Fatwas waren nicht nur PR-Rhetorik für westliche Diplomaten - sie hatten institutionellen Gewicht in einem politischen System, in dem religiöse Leitlinien des Obersten Führers bindend sind. Die IAEA bestätigte über Jahre, dass Iran sich zwar am Rand des Erlaubten bewegte, aber keine Nuklearwaffe baute. Die religiöse Doktrin war ein realer Faktor.

Ali Chamenei ist tot. Er wurde im Zuge der Angriffe getötet - zusammen mit seiner Frau, einer jüngeren Tochter und weiteren Familienangehörigen. Sein Sohn Mojtaba Chamenei gilt als möglicher Nachfolger und als Hardliner. Was er politisch denkt, ist von außen schwer zu beurteilen - er operierte jahrzehntelang im Hintergrund. Was er erlebt hat, ist dokumentiert: Er hat seinen Vater verloren, seine Mutter, seine Schwester. Die Männer, die das angeordnet haben, sitzen in Washington und Tel Aviv. Das ist keine Analyse von Emotionen - aber wer verstehen will, welche strategische Logik jetzt in Teheran dominiert, kommt an dieser Tatsache nicht vorbei.

Die analytische Frage, die sich hier stellt, ist keine moralische: Sie lautet nicht, ob iranische Nuklearwaffen gut oder schlecht wären. Sie lautet: Wenn die Person, die als religiöse und institutionelle Bremse gegen Nuklearwaffen im iranischen System wirkte, eliminiert wurde - welche Kräfte treten jetzt in den Vordergrund? Welche strategische Logik dominiert in Teheran, wenn man das Nordkorea-Muster kennt, wenn man gerade vier Nuklearanlagen bombardiert gesehen hat, und wenn die religiöse Doktrin, die gegen Atomwaffen stand, mit ihrem Verkünder gestorben ist?

Es ist bemerkenswert, dass diese Frage in der westlichen Berichterstattung kaum vorkommt. Die Operation wurde als Erfolg gefeiert: Zentrifugen zerstört, Programm zurückgeworfen. Was dabei nicht thematisiert wird, ist die Möglichkeit, dass die Operation die strategische Kalkulation in Teheran nicht geschwächt, sondern verschoben hat - weg von "wir brauchen keine Atomwaffe" hin zu "wir brauchen sie jetzt mehr denn je".

Das wäre kein Ergebnis iranischer Irrationalität. Es wäre das Ergebnis rationaler Schlussfolgerungen aus beobachtbaren Fakten.

Was bleibt

Es gibt eine Frage, die die Clausewitz'sche Grundlogik des Krieges aufwirft: Was ist das politische Ziel, dem diese Militäroperation dienen sollte?

Wenn das Ziel war, Irans Fähigkeit zur Anreicherung von Uran auf Waffenqualität zu vernichten - dann ist das Ergebnis ambivalent. Zentrifugenanlagen sind beschädigt. Das angereicherte Material ist teilweise unbekannten Aufenthaltsorts. Die Anreicherungskapazität ist zurückgeworfen, aber nicht vernichtet; Iran besitzt nach Einschätzung der IAEA das Wissen, mehr Zentrifugen zu produzieren.

Wenn das Ziel war, Iran dauerhaft vom Weg zur Nuklearwaffe abzubringen - dann deutet die strategische Analyse auf das Gegenteil hin.

In der Debatte über Irans Nuklearprogramm wurde jahrzehntelang ein Argument vorgebracht, das selten gehört wurde: dass Iran die Nuklearwaffe nicht gebaut hat, obwohl es theoretisch dazu in der Lage gewesen wäre. Dass die Entscheidung, nicht zu bauen, auf einer Kombination aus religiöser Doktrin, strategischem Kalkül und internationalem Druck beruhte. Dass diese Entscheidung veränderbar ist, wenn sich die Bedingungen verändern.

Die Bedingungen haben sich verändert.

Die iranische Bevölkerung erlebt einen Krieg, der von außen aufgezwungen wurde. Vier Nuklearanlagen liegen in Trümmern. Radioaktive und toxische Substanzen sind in Gebiete freigesetzt worden, in denen Menschen leben. Der religiöse Führer, der Nuklearwaffen religiös verboten hatte, ist tot. Das Nordkorea-Beispiel - das einzige Land in vergleichbarer strategischer Lage, das nicht angegriffen wird - ist präsenter denn je.

Ob Iran tatsächlich eine Nuklearwaffe bauen wird, weiß niemand. Was sich analysieren lässt, ist die Richtung, in die die strategische Logik zeigt. Und diese Richtung wurde nicht durch den Krieg geschwächt - sie wurde durch ihn verstärkt.

Das ist die unsichtbare Erbschaft dieser Operation: nicht in Trümmern, nicht in Strahlungsprotokollen, nicht in militärischen Lageberichten zu finden. Sondern in den Schlussfolgerungen, die Menschen in Teheran ziehen, wenn sie die Geschichte der letzten zwei Jahrzehnte anschauen - und dann die letzten Wochen.

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Quellenliste

IAEA - Primärdokumente

  1. IAEA Director General's Introductory Statement to the Special Session of the Board of Governors, 02. März 2026 https://www.iaea.org/newscenter/statements/iaea-director-generals-introductory-statement-to-the-board-of-governors-2-march-2026 (per Browser erreichbar)
  2. IAEA Director General's Introductory Statement to the Board of Governors, 02.–06. März 2026 https://www.iaea.org/newscenter/statements/iaea-director-generals-introductory-statement-to-the-board-of-governors-2-6-march-2026 (per Browser erreichbar)
  3. IAEA Update on Developments in Iran (5) https://www.iaea.org/newscenter/pressreleases/update-on-developments-in-iran-5 (per Browser erreichbar)
  4. IAEA Update on Developments in Iran (6) https://www.iaea.org/newscenter/pressreleases/update-on-developments-in-iran-6 (per Browser erreichbar)
  5. IAEA Board Report GOV/2026/8: NPT Safeguards Agreement with the Islamic Republic of Iran, 27. Februar 2026 https://www.iaea.org/newscenter/focus/iran/iaea-and-iran-iaea-board-reports (Berichtsregister per Browser erreichbar)
  6. IAEA Board Report GOV/2025/50: Verification and Monitoring in the Islamic Republic of Iran, 03. September 2025 https://www.iaea.org/sites/default/files/documents/gov2025-50.pdf (per Browser erreichbar)
  7. IAEA Chronology of Key Events - Iran https://www.iaea.org/newscenter/focus/iran/chronology-of-key-events (per Browser erreichbar)

Unabhängige Analysen und Nachrichtenquellen

  1. Arms Control Association: The U.S. War on Iran - New and Lingering Nuclear Risks, März 2026 https://www.armscontrol.org/issue-briefs/2026-03/us-war-iran-new-and-lingering-nuclear-risks
  2. Center for Arms Control and Non-Proliferation: Iran's Stockpile of Highly Enriched Uranium - Worth Bargaining For?, März 2026 https://armscontrolcenter.org/irans-stockpile-of-highly-enriched-uranium-worth-bargaining-for/
  3. Institute for Science and International Security (ISIS): Comprehensive Updated Assessment of Iranian Nuclear Sites Five Months After the 12-Day War, September 2025 https://isis-online.org/isis-reports/comprehensive-updated-assessment-of-iranian-nuclear-sites-five-months-after-the-12-day-war
  4. Institute for Science and International Security (ISIS): Analysis of IAEA Iran Verification and Monitoring and NPT Safeguards Reports, September 2025 https://isis-online.org/isis-reports/analysis-of-iaea-iran-verification-and-monitoring-and-npt-safeguards-reports-september-2025
  5. Al Jazeera: IAEA confirms buildings damaged at Iran's Natanz nuclear facility, 03. März 2026 https://www.aljazeera.com/news/2026/3/3/iaea-confirms-some-damage-to-irans-natanz-nuclear-facility
  6. Iran International: IAEA says no damage at Iran nuclear sites, envoy says Natanz was hit, 02. März 2026 https://www.iranintl.com/en/202603022493
  7. UN News: Iran-Israel crisis - IAEA chief calls for access to damaged nuclear sites, Juni 2025 https://news.un.org/en/story/2025/06/1164766
  8. World Nuclear Association: Nuclear Power in Iran (Hintergrundinformation) https://world-nuclear.org/information-library/country-profiles/countries-g-n/iran
  9. NucNet: IAEA Reports No Radiation Increase After Strikes in Iran, 02. März 2026 https://www.nucnet.org/news/iaea-reports-no-radiation-increase-after-strikes-in-iran-3-1-2026 (per Browser erreichbar)

Gesundheit und Umwelt - Vergleichsliteratur

  1. PLOS ONE: Incidence of haematological malignancies in Kosovo - A post "uranium war" concern, 2020 https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0232063
  2. Europäisches Parlament, Parlamentarische Anfrage H-0101/2009: Erhöhte Krebsinzidenz durch den Einsatz abgereicherter Uranmunition im Kosovo https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/H-6-2009-0101_EN.html

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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

(Auszug von RSS-Feed)

Vom Putsch bis zur Bombe: Die Schatten der Vergangenheit | Von Wolfgang Effenberger

18. März 2026 um 09:43

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Vom Putsch bis zur Bombe: Die Schatten der Vergangenheit | Von Wolfgang Effenberger

Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.

Die Geschichte der US-Interventionen im Iran seit 1953 liest sich wie ein Katalog geopolitischer Manöver – vom CIA-Putsch gegen den demokratisch gewählten Premier Mohammad Mossadegh bis hin zu Cyberangriffen und Drohnenmorden in jüngster Zeit. Diese Aktionen, oft getrieben von Ölinteressen und Kalter-Krieg-Logik, haben das Land nachhaltig geprägt und aktivieren bis heute die Spannungen, zuletzt etwa in den Protesten 2025/26. (1) 

Der Staatsstreich von 1953: Operation Ajax und Kermit Roosevelts Rolle

Alles begann mit der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie 1951 unter Mossadegh, die britische und US-Interessen bedrohte. Die CIA und MI6 starteten die Operation Ajax: CIA-Agent Kermit Roosevelt Jr., Enkel des Ex-Präsidenten Theodore Roosevelt, reiste inkognito nach Teheran und orchestrierte den Putsch. Er bestach Geistliche, Generäle und Mitglieder von kriminellen Organisationen (Mobster), organisierte bezahlte Demonstrationen und überzeugte den zögernden Schah Mohammad Reza Pahlavi, offizielle Dekrete (Firmans) gegen Mossadegh zu erlassen.

Nach einem gescheiterten Versuch am 15. August stürmten am 19. August Armee und Mob die Regierung – Mossadegh floh, Zahedi übernahm. Roosevelt verließ das Land als Held mit Schah-Geschenken. (2) 

Rough Rider Theodore Roosevelt

An dieser Stelle bietet es sich an, eine historische Analogie zu Theodore Roosevelt herzustellen, der als Marineminister zurücktrat, um mit den „Rough Riders“ (eine ähnlich Reitertruppe wie Cromwells Roundheads) auf Kuba zu kämpfen. Aktuell erinnert uns die Versenkung der iranischen Fregatte vor Sri Lanka daran.

1897 war Theodore Roosevelt als Marineminister der USA ein treibender Befürworter des Kriegs gegen Spanien. Kurz nach Kriegsbeginn Ende April 1898 legte er sein Amt nieder, um ein Freiwilligen‑Kavallerieregiment („Rough Riders“) aufzustellen und es persönlich anzuführen.

Bereits 2 Monate vor der Kriegserklärung hatte Commodore George Dewey Ende Februar 1898 in Tokio über die US-Botschaft den Befehl erhalten, mit dem Asiengeschwader nach Manila vorzustoßen und dort die spanische Flotte zu vernichten; der Angriff in der Bucht von Manila kam für Spanien faktisch überraschend, ohne vorherige konkrete Gefechtswarnung vor Ort.

Im Schutz der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai näherte sich weitgehend unbemerkt das US-Kriegsgeschwader der vor Cavitate/Manila/Philippinen ankernder spanischen Kriegsflotte, die sie im mehrstündigen Gefecht komplett versenkte. Die USA verloren null Mann, null Schiffe – totaler Sieg durch Überlegenheit in Technik und Vorgehensweise.

Anfang März 2026 torpedierte ein US-Boot vor Sri Lanka die iranische Fregatte „IRIS Dena“ , die sofort sank. Von den rund 180 Besatzungsmitgliedern wurden über 70 verletzt, mehr als 100 gelten als vermisst. (3). US-Verteidigungsminister Hegseth betonte die Schwächung der iranischen Marine (über 30 Schiffe versenkt). 

In beiden Fällen eskalierten Seemächte Konflikte über überraschende oder für die Gegenseite nicht konkret angekündigte Schläge auf See (spanische Flotte bei Manila, iranisches Schiff im Indischen Ozean). (4)

Die Aktionen sind eingebettet in größere politische Konflikte: damals Kolonialkrieg um Kuba und das spanische Reich, heute Spannungen zwischen USA, Iran und regionalen Partnern.

Im Gegensatz zu 2026 war 1898 der Krieg formell erklärt, der Angriff auf Manila war Teil eines klar erklärten Kriegszustands; Deweys Schlag erfolgte in neutralen Gewässern der Philippinen (spanische Kolonie), ohne Verletzung territorialer Souveränität Dritter; es galt als legitimer Kriegsakt gemäß Haager Landkriegsordnung (1899, rückwirkend anwendbar). (5)

Heute ist die Lage juristisch diffuser, weil es (Stand jetzt) keine klassische Kriegserklärung der USA an den Iran gibt.

Roosevelt war Symbol eines offen pro‑kriegspolitischen, heroisch inszenierten Imperialismus; die U‑Boot‑Aktion vor Sri Lanka wirkt eher als verdeckte, technisch anonyme Machtdemonstration, ohne vergleichbare „Heldenerzählung“ einer Einzelperson. Roosevelts Rücktritt und Feldzug auf Kuba fielen in denselben erklärten Krieg; private Freiwilligenregelungen waren damals üblich und völkerrechtlich nicht problematisch.

Roosevelt nutzte seine Kriegsheldengeschichte mit der Darstellung der eigenhändigen Tötung eines Spaniers prominent für seine politische Karriere (z. B. Gouverneur, Vizepräsident), was Mythen befeuerte – doch zeitgenössische Berichte und sein eigenes Buch The Rough Riders (1899) bleiben bei bestätigten Tötungen per Schuss. (6)

Die USA haben die Versenkung der iranischen Fregatte IRIS Dena (3. März 2026) durch ein U-Boot in internationalen Gewässern vor Sri Lanka (ca. 40 km vor Galle) bestätigt; Verteidigungsminister Pete Hegseth rechtfertigt sie als Teil des laufenden Konflikts mit Iran. Es gibt keine formelle Kriegserklärung gegen Iran; stattdessen berufen sich die USA auf kollektive Selbstverteidigung (Art. 51 UN-Charta) nach iranischen Angriffen (z. B. Drohnen/Schiffe im Persischen Golf). (7)

Der Vorfall ereignete sich in internationalen Gewässern (außerhalb der 12-Meilen-Zone Sri Lankas), was das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) respektiert; Sri Lanka half bei der Rettung, ohne eine Souveränitätsverletzung zu melden.

Unterstützung des Schahs und Islamische Revolution

Bis 1979 pumpten die USA Milliarden in das Schah-Regime: Militärhilfe sowie 3.000 Berater und Waffen machten Iran zur Anti-Sowjet-Bastion. Die brutale SAVAK-Geheimpolizei des Schahs entstand mit CIA-Hilfe. Doch die Unterdrückung schürte den Widerstand, der 1979 zur Islamischen Revolution führte – Ayatollah Chomeini stürzte den Schah. (8)

Die folgende US-Botschaftsbesetzung (444 Tage, 52 Geiseln) löste Sanktionnen gegen den Iran aus; eine Rettungsmission scheiterte. Im Iran-Irak-Krieg (1980–88) rüsteten Reagan/Bush Saddam Hussein mit Geheiminfo (u.a. Satellitenbildern) und Waffen aus; 1988 zerstörte die Operation "Praying Mantis" nach einem Minenangriff iranische Ölplattformen. Ab den 2000ern folgten Sanktionen gegen das Atomprogramm, der Stuxnet-Cyberangriff (2010 mit Israel), der Soleimani-Mord (2020) und massive Drohungen unter Trump. Aktuell (2026) nun Militäreskalationen inmitten von Protesten mit Tausenden Toten. (9)

Die Eingriffe sicherten kurzfristig westliche Interessen, zerstörten aber die Demokratie und schürten den Anti-Amerikanismus. Mossadeghs Sturz markierte den Beginn eines 70-jährigen Konflikts, der heute in Sanktionen, Proxy-Kriegen und Nuklearstreit kulminiert. Historiker sehen darin eine Mischung aus Selbstüberschätzung und Verblendung. (10)

Emotionsgeladene Botschaft aus Libyen an den Iran 

Aischa Gaddafi hat sich in den letzten Monaten und Jahren mehrfach mit einer eindringlichen Warnung an die iranische Bevölkerung gewandt und dabei explizit auf die USA und den Westen Bezug genommen.

In ihrer glaubwürdigen Botschaft, die sie angeblich widerrufen hat, fordert sie die Iraner auf, dem Westen – insbesondere den USA – nicht zu vertrauen, weil Libyen nach ihrer Darstellung gerade durch westliche "Lügen und Versprechen" zerstört worden sei. Kern ihrer Botschaft ist: Verhandlungen mit den USA und westlichen Staaten, etwa über Atom- oder Sicherheitsfragen, seien eine Falle; jedes Abkommen mit dem "Feind" verzögere nur die eigene Zerstörung.

Zur Begründung verweist sie darauf, dass Libyen sein Atomprogramm aufgegeben und auf Entspannung gesetzt habe, der Westen – mit führender Rolle der USA im NATO‑Einsatz – das Land später trotzdem bombardiert und ihr Vater dadurch letztlich die Macht und schließlich sein Leben verloren habe.

Ihre Botschaft richtet sich nicht nur an die iranische Führung, sondern ausdrücklich an die Bevölkerung: Sie ruft zu "Widerstand", "Standhaftigkeit" und Misstrauen gegenüber westlichen Versprechen auf.

Inhaltlich knüpft sie an ältere Reden an, in denen sie bereits die USA für Luftangriffe auf Libyen verantwortlich machte und vor einer dauerhaften Bedrohung durch amerikanische und westliche Interventionen warnte.

Aisha Gaddafis Botschaft geht in Iran viral

Nicht zuletzt deshalb, weil sie das Trauma Libyens als warnendes Beispiel für "westlichen Verrat" in eine einfache, emotional aufgeladene Erzählung gießt – passend zur aktuellen Krisen‑ und Protestlage im Land, wird diese Erzählung sowohl von Regime‑nahen als auch von oppositionellen und „dritte‑Position“-Akteuren aufgegriffen und beeinflusst damit Debatten und Stimmungen in den Protestbewegungen.

Die Formel "Vertraut dem Westen nicht, Entgegenkommen führt zur Zerstörung" ist extrem simpel und leicht zitierbar, lässt sich in kurzen Clips und Memes verbreiten – ideal für soziale Medien in Zeiten stark eingeschränkten Zugangs. Gerade unter Bedingungen von Zensur und Internet‑Drosselung funktionieren kurze, symbolische Botschaften besser als komplexe Analysen. Regime‑nahe Kreise verweisen ohnehin auf das "Libyen‑Szenario", um vor westlichen "Verschwörungen zur Destabilisierung Irans" zu warnen; Aishas Brief stützt dieses Narrativ.

Teile der Opposition greifen die Warnung auf, um zu betonen, dass sie weder westlichen Regime‑Change noch neue "humanitäre Interventionen" wollen, sondern einen eigenständigen Wandel.

Aisha Gaddafi meldet sich nur selten öffentlich zu Wort; dass die "Tochter eines gestürzten Staatschefs" direkt an die Iraner appelliert, verleiht der Botschaft einen gewissen Sensations‑ und Authentizitätswert.

Iranische Funktionäre warnen seit längerem ausdrücklich vor einem „Libyen‑Szenario“ und stellen die Proteste als Baustein eines westlichen Plans zur Zerstörung Irans dar. Aishas Warnung lässt sich in dieses Propagandanarrativ einbauen: Man kann zeigen, wie „selbst Gaddafis Tochter“ vor westlichen Fallen warnt, um Härte gegen Demonstrierende und Ablehnung von Atom‑Kompromissen als notwendige „Selbstverteidigung“ zu rechtfertigen. (11)

Damit wird ihre Botschaft teilweise genutzt, um Angst vor Chaos nach einem Regimewechsel zu schüren und so die Legitimation für Repression zu stärken. (12)

In oppositionellen und exiliranischen Diskursen ist Aishas Brief umstritten: Einige teilen ihn als mahnendes Beispiel gegen naiven Glauben an westliche Versprechen; andere kritisieren die Analogie und betonen, dass die iranische Revolte "unbedingt erfolgreich sein muss". Diese Diskussion spiegelt eine reale Bruchlinie: Soll man auf internationale politische oder sogar militärische Unterstützung setzen, oder sie explizit ablehnen, um nicht in eine "Libyen‑Falle" zu geraten. (13)

Aishas Mahnung: "Verhandeln mit dem Wolf rettet das Lamm nicht, es setzt nur den Termin für das nächste Mahl" (14) scheint nachdenklich zu machen – unabhängig, ob die Botschaft von ihr selbst oder nur lanciert ist.

Das iranische Regime, das immer wieder in Verhandlungen mit den USA getreten ist, kann Aishas Warnung propagandistisch nur begrenzt und indirekt nutzen, da sie primär als oppositionelles Symbol wahrgenommen wird. 

Klare Worte von de Zayas, Sachs, Croke und Davis 

Alfred de Zayas:
Der Irankrieg ist kein "Präventivkrieg", es ist ein unprovozierter Angriffskrieg 

Wir machen uns mitschuldig, wenn wir die offensichtlich falschen Darstellungen aus Washington, Tel Aviv und Brüssel einfach so hinnehmen. Wir lassen uns belügen, und selbst wenn wir wissen, dass unsere Intelligenz dadurch beleidigt wird, lassen wir es zu“,

schreibt Alfred de Zayas, Professor für Völkerrecht an der Genfer Hochschule für Diplomatie und ehemaliger UN-Experte (2012–2018 für demokratische Weltordnung), nach einer der Angriffe auf den Iran.

Laut de Zayas sabotiert der Westen als Ganzes seit 1991 das Völkerrecht – und damit seine eigene Glaubwürdigkeit. Der undemokratische Regimewechsel im Irak war ein Testlauf für alles, was danach folgte: Umsturz in Libyen, in Syrien, jetzt im Iran.

Die G-7 sei ebenso mitschuldig an den Verbrechen der USA und Israels wie 2003, als sie ebenfalls im "Royal Hotel" in Evian tagten und dem George W. Bush nur wenige Wochen nach seiner Aggression gegen das irakische Volk den roten Teppich ausrollte. Laut de Zayas sollte die logische Reaktion auf den illegalen Angriff der USA und Israels auf das iranische Volk Boycott, Divestment und Sanctionen (BDS) gegen die USA und Israel sein – keine Käufe mehr von F-16, F-35, Boeing. Desinvestition aus US-Staatsanleihen und US-Aktien sowie Stopp des Verkaufs von Seltenen Erden an die USA und Israel. 

Jeffrey D. Sachs & Sybil Fares
Der illegale Angriff der USA und Israels auf den Iran ist auch ein Angriff auf die UNO

Am 16. Februar 2026 sandte Jeffrey Sachs, Professor an der Columbia University, ehemaliger Berater von drei UN-Generalsekretären und derzeit SDS-Anwalt von Generalsekretär António Guterres, einen Brief an den UN-Sicherheitsrat, in dem er warnte, dass die Vereinigten Staaten kurz davor stünden, die Charta der Vereinten Nationen zu zerreißen. SDS ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Institutionen, das 2012 unter der Schirmherrschaft der United Nations gegründet wurde.

 „Diese Warnung hat sich nun bewahrheitet. Die Vereinigten Staaten und Israel haben ohne Genehmigung des Sicherheitsrats und ohne legitimen Anspruch auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 einen unprovozierten Krieg gegen den Iran begonnen, was einen flagranten Verstoß gegen Artikel 2(4) der Charta darstellt. Sie versuchen, die Charta der Vereinten Nationen und die internationale Rechtsstaatlichkeit zu zerstören, aber sie werden scheitern,“ (15)

so Sybil Fares, Spezialistin und Beraterin für Nahostpolitik und für nachhaltige Entwicklung bei SDSN.

Auf der Sitzung des Sicherheitsrats am 28. Februar 2026 richteten die USA und ihre Verbündeten ihre Verurteilung gegen den Iran. Ein US-Verbündeter nach dem anderen verurteilte den Iran für seine Vergeltungsschläge, versäumte es jedoch absurderweise, den illegalen und unprovozierten Angriff der USA und Israels auf den Iran zu erwähnen und zu verurteilen. Dieses Verhalten dieser Länder war beschämend und stellte die Realität völlig auf den Kopf. 

Wie in dem Sachs-Brief vom 16. Februar dargelegt, hat der Iran vor einem Jahrzehnt einem Atomabkommen zugestimmt, dem Joint Comprehensive Plan of Action 2 (JCPOA), das vom UN-Sicherheitsrat in der Resolution 2231 verabschiedet wurde. Es war Trump, der das Abkommen 2018 aufgekündigt hat. Im Juni 2025 bombardierte Israel den Iran mitten in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Auch diesmal wurden die Kriegspläne Israels und der USA bereits Wochen zuvor festgelegt, als Netanjahu sich mit Trump traf, und die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren eine Farce. Dies scheint die neue Vorgehensweise der USA zu sein: Verhandlungen beginnen und dann versuchen, die Verhandlungspartner zu ermorden. 

Für Sachs und Fares ist es leicht zu verstehen, warum sich die Verbündeten der USA im UN-Sicherheitsrat so peinlich und selbsterniedrigend verhalten haben. Neben den Vereinigten Staaten beherbergen acht der vierzehn anderen Ratsmitglieder US-Militärstützpunkte oder gewähren dem US-Militär Zugang zu lokalen Stützpunkten: Bahrain, Kolumbien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Lettland, Panama und das Vereinigte Königreich. Diese Länder sind nicht vollständig souverän. Sie werden teilweise von den USA regiert. Die US-Militärstützpunkte beherbergen CIA-Operationen, und die Gastländer versuchen, eine Unterwanderung ihres Landes durch die USA zu verhindern.

Wie Henry Kissinger so treffend sagte: "Es mag gefährlich sein, Amerikas Feind zu sein, aber sein Freund zu sein ist tödlich." Wir können hinzufügen, dass die Beherbergung von US-Militärstützpunkten und CIA-Operationen bedeutet, sein Land in einen Vasallenstaat zu verwandeln.

Als absurdes, aber aussagekräftiges Beispiel wiederholte die dänische Botschafterin jeden Punkt der US-Argumentation und zeigte mit dem Finger auf den Iran wegen seiner Aggression, als ob der Iran nicht von den USA und Israel angegriffen worden wäre. Sie vergaß völlig, dass eine solche demütigende Vasallenschaft gegenüber den USA für Dänemark nicht gut sein wird, wenn die USA Grönland besetzen.

Die wahrheitsgetreuen Stimmen im Sicherheitsrat kamen laut Sachs/Fares aus den Ländern, die nicht von den Vereinigten Staaten besetzt sind. Russland erklärte zutreffend, dass der sogenannte Westen (das heißt die von den USA besetzten Länder) den Iran beschuldigt, wenn er mit dem Finger auf ihn zeigt. China erinnerte den Rat daran, dass die Krise mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann und nicht mit der Vergeltungsmaßnahme des Iran.

Für beide brachte der UN-Vertreter der Arabischen Liga die eigentliche Ursache der wahnsinnigen Aggression Israels brillant auf den Punkt: die Verweigerung der Rechte des palästinensischen Volkes und Israels Einsatz von Massenmord und regionalem Krieg, um die Entstehung eines Staates Palästina zu verhindern.

Wenn der Iran gegen US-Militärstützpunkte am Golf Vergeltungsmassnahmen ergreift, übt er laut Sachs/Fares sein inhärentes Recht auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der Charta aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass die USA und Israel offen und wiederholt iranische Führer ermorden, mit dem Ziel, die iranische Regierung zu stürzen. Wenn Staaten einen ausländischen Staatschef ermorden und versuchen, die Regierung zu zerstören, hat das Ziel dieser Bedrohungen gemäß internationalem Recht, das Recht, sich zu verteidigen.

Die Bombardierung durch die USA und Israel tötete nicht nur den Obersten Führer des Iran und mehrere hochrangige Regierungsbeamte, sondern auch mehr als 140 junge Mädchen in einer Schule in Minab. Diese Kinder sind Opfer eines schrecklichen Kriegsverbrechens. Die Länder, die den Vereinigten Staaten und Israel diese Morde durchgehen liessen – insbesondere Dänemark, Frankreich, Lettland, das Vereinigte Königreich und natürlich die USA – machen sich mitschuldig an diesem Kriegsverbrechen.

Der wahnhafte Drang der Vereinigten Staaten nach globaler Vorherrschaft frisst sich von einer Region zur nächsten. Die USA haben kürzlich in einer völlig verdrehten angeblichen Wiederbelebung der Monroe-Doktrin behauptet, dass sie die westliche Hemisphäre kontrollieren und den lateinamerikanischen Ländern vorschreiben können, wie sie ihre wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten zu regeln haben. Sie haben den amtierenden venezolanischen Präsidenten entführt, um dies zu beweisen, und drohen nun auch mit dem Sturz der kubanischen Regierung.

Der heutige Krieg gegen den Iran soll beweisen, dass die USA ebenfalls den Nahen Osten beherrschen. Der Krieg ist Teil einer 30-jährigen Kampagne, die mit der "Clean Break-Doktrin" (Netanyahu 1966) begann, um alle Regierungen zu stürzen, die sich der Vorherrschaft der USA und Israels in der Region widersetzen.

Sachs und Fares stellen abschließend fest:

„Die Vereinigten Staaten werden weder die globale Vorherrschaft erlangen noch die UNO zerstören. Die Welt ist zu groß, zu vielfältig und zu entschlossen, sich der Herrschaft einer einzelnen Macht zu widersetzen, geschweige denn einer, die nur 4 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Die Welt außerhalb der USA und der von ihnen besetzten Länder will, dass die UNO weiterbesteht und gedeiht. Der Versuch der USA wird sicherlich scheitern, aber er könnte zuvor noch unermessliches Leid verursachen." (16)

Analysen von Alistair Crooke (ehem. brit. Diplomat) und Lt. Col. Daniel Davis (US-Army)

Während Crooke Irans asymmetrische Kriegsführung betont sowie vor Hybris und iranischer Stärke warnt, sieht Davis US-Truppenverlagerungen als Vorbereitung auf Krieg, kritisiert die Eskalation (Ölziele, Regime-Change) und warnt vor einer Krise in den USA. Beide beschreiben Irans Strategie als "existentiell": Nach Protesten 2025/26 und militärischem Druck hat Teheran die "Eskalationsleiter weggetreten". Statt schrittweiser Reaktionen droht "all-out war" – unterstützt durch schiitische Autoritäten wie Sistani (Irak), die den globalen Jihad gegen US/Israel ausrufen würden.

Irans "Axis of Resistance" (Hisbollah, Houthis, IRGC) nutzt Raketen, Drohnen und die Sperrung der Straße von Hormus; die Golfstaaten verweigern US-Basen, was Trumps "Armada" einschränkt. Davis warnt vor Regime-Change-Illusionen: Kein "house of cards", sondern robuste Verteidigung. (17)

Crooke sieht eine Energiekrise (Hormus monatelang gesperrt), regionales Chaos und eine Heimfront-Opposition, (18) während sich die Araber von US/Israel distanzieren; Iran mobilisiert umfassend, inkl. religiöser Fatwas für "global jihad". (19) 

Die Analysen von Alistair Crooke, Lt. Col. Daniel Davis und Jeffrey Sachs passen thematisch eng zusammen – alle warnen vor einer Eskalation im US-Iran-Konflikt und sprechen von US/Israel-Hybris, fehlender Diplomatie, asymmetrischer iranischer Gegenwehr und dem Risiko weiterer Kriege (bis WW3) – Sachs globaler, Crooke/Davis militärisch detaillierter. (20)

Sachs ist breiter geopolitisch, Davis präziser militärisch – sie ergänzen sich in der Warnung vor US-Überdehnung. Diese Analysen decken sich mit Strategiedokument TRADOC 525-3-1 vom September 2014: „Win in Complex World 2020-2040“ 

De Zayas' und Sachs' Artikel im Spiegel der Presse

Beide gelten als prominente Regimekritiker der US-Außenpolitik, deren Beiträge in alternativen Medien Resonanz finden, aber von Mainstream-Quellen als einseitig abgetan werden. (21)

Jeffrey Sachs' warnt (z. B. in der Berliner Zeitung, Februar 2026) vor US-israelischer Eskalation im Iran als „Weg zum Weltkrieg“, nennt Regime-Change-Versuche (Chamenei-Sturz) und kritisiert Sanktionen als Wirtschaftskrieg. Er wirft Europa (Merz: „Israel erledigt Drecksarbeit“) Komplizenschaft vor und sieht die US-Hegemonie als Kernproblem. (22)

Medien wie Overton-Magazin feiern ihn als Propheten; etablierte Outlets (Spiegel, DLF) ignorieren ihn oder kritisieren das „Verschwörungsnarrativ“. Sachs, Columbia-Professor, nutzt unbeirrt seinen Ruf für geopolitische Kritik seit dem Ukraine-Krieg.

De Zayas äußert sich ähnlich: Er bezeichnet Sanktionen als „Genozid“ und die US-Interventionen als völkerrechtswidrig. Seine Iran-Artikel (kontextuell mit Sachs) betonen historische Putsche (1953) und fordern Diplomatie statt Aggression.

Linke/alternative Plattformen wie Rubikon und NachDenkSeiten zitieren affirmativ; der Mainstream (FAZ, Welt) nennt es „apologetisch gegenüber Teheran“. Der UN-Hintergrund verleiht Glaubwürdigkeit, doch die Selektivität (wenig Kritik an IRGC) mindert die Neutralität.

Beide ergänzen sich: Sachs fokussiert Eskalationsrisiken (Straße von Hormus, Weltkrieg), de Zayas völkerrechtliche Aspekte. Sie passen ins Narrativ von „westlicher Arroganz“ (Libyen, Irak) und finden Echo in pro-iranischen/pro-russischen Kreisen. Kritiker sehen die Ignoranz iranischer Repression (Proteste 2025/26). Die Debatte ist polarisiert – kein Konsens in Fachkreisen. (23)

Mainstream-Medien reagieren auf Jeffrey Sachs' Iran-Warnungen weitgehend zurückhaltend oder ablehnend, oft polemisch oder einseitig:

  • Ignoranz oder Marginalisierung: US-Medien wie New York Times und Washington Post berichten selten oder gar nicht über Sachs' Thesen (z. B. US-Kriegspläne, Sanktionen als Wirtschaftskrieg), da sie als zu kritisch gegenüber US/Israel-Politik gelten; stattdessen fokussieren sie sich auf iranische Aggressionen und Proteste. Europäische Mainstream-Quellen (z. B. Spiegel, FAZ) erwähnen Sachs gelegentlich, bezeichnen ihn aber als „umstrittenen Ökonomen“ oder „Putin-Versteher“ (seit Ukraine-Kritik), ohne seine Argumente ernsthaft zu prüfen. (24)
  • Kritische Rezeption: Wenn zitiert wird, wird Sachs' Warnung vor „Weltkrieg“ oder seine Merz-Kritik als übertrieben dargestellt; die Berliner Zeitung (2026) druckt Interviews, doch etablierte Sender wie DLF oder ARD priorisieren regimefreundliche Narrative (Proteste als Chance). Kritiker werfen Sachs vor, er ignoriere die IRGC-Repression und übertreibe die US-Rolle, was ihn in „alternative“ Ecken drängt. Es gibt keine breite Debatte in MSM. (25) Mainstream-Medien marginalisieren Sachs' Warnungen als polemisch, während sie Gaddafis Botschaft weitgehend ignorieren oder als Social-Media-Phänomen abtun. Sachs erhält begrenzte Aufmerksamkeit mit kritischer Färbung, Gaddafis viral gehende Nachricht bleibt unsichtbar in etablierten Kanälen. (26)
  • Reaktion auf Jeffrey Sachs: Sachs' Interviews (z. B. Berliner Zeitung, Feb. 2026) über US-Kriegspläne und Weltkriegsrisiken werden in MSM wie Spiegel oder FAZ selten aufgegriffen oder als „umstrittene These eines Ökonomen“ bezeichnet – oft mit Bezug auf seine Ukraine-Kritik als „pro-russisch“. US-Medien (NYT, WP) schweigen sie meist tot, da sie die US-Politik direkt angreifen. (27) Während die Main-Stream-Medien Sachs und de Zayas wegen Übertreibung, Einseitigkeit (Ignoranz iranischer Repression) kritisieren, werden sie von den alternative Medien gefeiert.

US-Angriff auf die iranische Öl-Insel Kharg am 14. März 2026

Am 14. März 2026 griffen US-Streitkräfte Kharg Island (ca. 26 km vor Irans Küste) an – als angebliche Reaktion auf Irans Blockade der Straße von Hormuz durch die Revolutionsgarden (IRGC). Während militärische Ziele wie Munitionslager und Verteidigungsanlagen getroffen wurden, sollen Ölterminals verschont geblieben sein. (28)

Trump nannte es einen der „mächtigsten Bombenangriffe“ und drohte mit weiteren Schlägen, falls die Blockade anhält; Iran droht mit Vergeltung gegen US-verbundene Ölanlagen im Golf.

Kharg wickelt 90% iranscher Ölexporte ab (ca. 2 Mio. Barrel/Tag, viel nach China); ein Totalausfall würde die globale Ölpreise hochtreiben. Iranische Gegenangriffe könnten SA/Feldes (z. B. Abqaiq), UAE-Terminals oder Katar-Gasfelder treffen; dies würde regionale Produktion lahmlegen und Preise explodieren lassen. Die USA hoffen dagegen auf die Widerstandsfähigkeit der Golfstaaten, doch eine weitere Eskalation könnte temporär schwere Schäden verursachen. (29)

Obwohl US-Präsident Donald Trump nicht müde wird zu behaupten, der Krieg sei „fast vorbei“ und der Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch, dauern die Kampfhandlungen in Südwestasien an. Der Iran hat aber offenbar nicht vor, sich zu ergeben, und beweist, dass er über die Mittel verfügt, um lange weiterzukämpfen. Kurz vor dem Zusammenbruch könnte jedoch die Illusion einer schnellen, schmerzlosen und überwältigend erfolgreichen Operation innerhalb der Trump-Regierung stehen.

Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran hat weltweite Auswirkungen und droht, dem ohnehin bankrotten westlichen Finanzsystem den Rest zu geben. Amin Nasser, Vorstandsvorsitzender von Saudi Aramco, warnte, dass die Sperrung „katastrophale Folgen für die Ölmärkte“ haben werde. Es sei „die mit Abstand größte Krise, mit der die Öl- und Gasindustrie der Region jemals konfrontiert war“. Die Preise für Kraftstoff und Düngemittel steigen rasant an und es wird hektisch versucht, die Märkte unter Kontrolle zu halten. Am 11. März gaben die Internationale Energieagentur und ihre 32 Mitgliedstaaten die Entscheidung bekannt, 400 Millionen Barrel an Ölreserven auf den Markt zu bringen, um die Schließung der Straße von Hormus auszugleichen – die größte Freigabe in der 50-jährigen Geschichte der Organisation.

Der Konflikt weitet sich aus. Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, Australien und Pakistan haben angekündigt, Streitkräfte in die Region zu entsenden.

Während Trump am 11. März 2026 prahlte, "wir haben gewonnen", verkündete einen Tag später der neue iranische Führer, Ayatollah Seyyed Mojtaba Khamenei selbstbewusst: „Die Straße von Hormus muss geschlossen bleiben.“ In nur einem knappen Satz forderte er Präsident Trump heraus und widerlegte Trumps Äußerungen. Trump ist nicht nur nicht in der Lage, einen Zeitplan für den Krieg festzulegen, sondern Mojtaba kündigte faktisch die nächste Phase an   – einen Abnutzungskrieg: „Der Wille des Volkes ist die Fortsetzung einer effektiven Verteidigung“. (30)

Während der Krieg in der Ukraine und in der Golfregion weiter eskalieren, übt die NATO das Kriegsszenario mit der Evakuierung von 1000 Verwundeter am Tag aus dem potentiellen Kriegsgebiet Baltikum. (31) 

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Anmerkungen und Quellen

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022)

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1) https://www.klassegegenklasse.org/5-mal-intervenierten-die-usa-im-iran/

2) https://en.wikipedia.org/wiki/1953_Iranian_coup_d'%C3%A9tat

3) https://www.heute.at/s/iranisches-kriegsschiff-sinkt-vor-kueste-sri-lankas-120166556

4) https://www.spiegel.de/ausland/iran-krieg-us-torpedo-versenkt-iranische-fregatte-vor-sri-lanka-video-a-ca89bf6f-cbbb-4097-8664-064a54dbaa5b

5) https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/156353/die-vereinigten-staaten-vor-1914/

6) https://www.nps.gov/thrb/learn/historyculture/tr-rr-spanamwar.htm

7) https://www.n-tv.de/politik/US-U-Boot-versenkt-iranisches-Kriegsschiff-vor-Sri-Lanka-id30431359.html

8) https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/28502/die-beziehungen-zwischen-den-usa-und-iran-seit-1953/

9) https://www.tagesspiegel.de/politik/die-spannungen-zwischen-usa-und-iran-seit-1953-1332379.html

10) https://www.spiegel.de/geschichte/historiker-ueber-us-interventionen-mischung-aus-selbstueberschaetzung-und-selbstverblendung-a-b9df8295-019f-451e-b7b0-4bd921a92e88

11) https://original.antiwar.com/mahdi_motlagh/2026/01/27/iran-is-not-libya-why-destabilization-risks-global-chaos/

12) https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2026/01/what-happened-at-the-protests-in-iran/

13) https://www.facebook.com/PrashantBhushanOfficial/posts/message-from-aisha-gaddafi-to-the-iranian-peopleto-the-resilient-and-freedom-lov/1431585845004944/

14) https://www.instagram.com/p/DThssHDkerL/

15) https://www.commondreams.org/opinion/united-nations-israel-us-attack-iran

16) Ebda.

17) https://singjupost.com/deep-dive-war-with-iran-would-not-be-short-w-alastair-crooke-transcript/

18) Ebda.

19) https://singjupost.com/deep-dive-war-with-iran-would-not-be-short-w-alastair-crooke-transcript/

20) https://braveneweurope.com/alastair-crooke-daniel-davis-the-momentum-of-war-in-iran

21) https://prod.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

22) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

23) https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-reckless-assault-on-iran-how

24) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

25) https://www.unser-mitteleuropa.com/187849

26) https://prod.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

27) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

28) https://www.rtl.de/news/us-militaer-beschiesst-iran-insel-kharg-trump-droht-angriff-auf-oelinfrastruktur-id30470649.html

29) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/kharg-us-angriff-100.html

30) https://www.indianpunchline.com/iran-us-conflict-turns-into-prolonged-attrition/

31) https://de.euronews.com/2026/03/09/quadriga-litauen-bundeswehr

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Bombe mit Lunte in US- und iranischer Flagge
Bildquelle: Creativa Images / shutterstock

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