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Warum rät die KI zur Volksdemokratie? | Von Sophia-Maria Antonulas

10. Juni 2026 um 06:27

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Warum rät die KI zur Volksdemokratie? | Von Sophia-Maria Antonulas

Eine KI kritisiert den modernen Staat und schlägt stattdessen eine Volksdemokratie mit Gemeineigentum vor. Wie es dazu kam, wollte «Transition News» vom Sozial- und Politikwissenschaftler Ullrich Mies erfahren.

Ein Interview von Sophia-Maria Antonulas mit Ullrich Mies.

Transition News: Herr Mies, ein zentraler Gedanke in Ihrem aktuellen Buch «Kritik aus dem Maschinengeist» ist: Die KI ist ein Spiegel des Fragestellers. Intelligente Fragen erzeugen tiefgründige Antworten. Ist es möglich, mehr aus der KI herauszuholen, als dieses Werkzeug eigentlich herausgeben soll?

Ullrich Mies: Ja, obwohl das so nicht vorgesehen ist. Die entscheidende Frage ist dabei: Aus welchem Informationspool bedient sich diese KI? Wobei zu diesem Begriff der «Künstlichen Intelligenz» auch noch viel zu sagen wäre, denn die KI ist ja ein Sammelbegriff für vieles. In erster Linie dient sie dem Militär und den Geheimdiensten, die sie ja auch auf die Schiene gesetzt haben. Aber wir beziehen uns hier auf die der Allgemeinheit zur Verfügung stehenden KI-Tools.

Und diese Art von KI sagt ja selber, dass sie nur auf die Informationen zugreifen kann, die digital veröffentlicht wurden. Das heißt, alles, worauf zum Beispiel ChatGPT zugreifen kann, wurde schon einmal irgendwo publiziert. Dieses Werkzeug kann also nur auf das bereits digitalisierte veröffentlichte Herrschaftswissen zugreifen. Das ist die entscheidende Aussage.

Und dennoch kommen Sie und ChatGPT zu einer klaren Schlussfolgerung: Der moderne Staat ist strukturell antidemokratisch, weil er zentralistisch, hierarchisch organisiert und damit für elitäre Akteure hochattraktiv ist. Wo genau liegt denn der Konstruktionsfehler des modernen Staates?

Darüber lässt sich mein Maschinen-Gesprächspartner sehr deutlich und sehr eindeutig aus – und das ist im Prinzip der harte Kern dieses Gesprächs. Der Fehler liegt in der Top-Down-Konstruktion des Staates, der gesamten Staatsapparate, des Herrschaftsapparates – alles ist von oben nach unten gebaut. Das ist der zentrale Konstruktionsfehler. Denn eine Demokratie, die den Anspruch hat, Demokratie und kein dummes Geschwätz zu sein, kommt immer von unten.

Aber es geht noch sehr viel weiter – ich habe mich mit ChatGPT auch über das Verhältnis zwischen dieser Top-down-Staatskonstruktion und der Ideologie der Staatsräson unterhalten. Und da wird es erst richtig spannend. Wenn wir uns solche Regierungsvertreter wie zum Beispiel in Berlin ansehen, kommen wir schnell zu dem Ergebnis, dass die mit Demokratie gar nichts am Hut haben. Das sind die Feinde der Demokratie, die unter falscher Flagge segeln.

Denn wer sich auf Staatsräson beruft, sagt im Grunde genommen nichts anderes als: «Wir sind der Staat. Wir nehmen uns das Recht heraus, zu lügen, zu betrügen, korrupt zu sein, Krieg nach innen gegen das eigene Volk und Krieg nach außen zu betreiben.» Kurz gesagt: alle möglichen Verbrechen zu begehen, um den Staat als Entität zu erhalten. Das hat mit Demokratie null zu tun, absolut nichts.

In Ihrem Austausch mit der KI ergibt sich in weiterer Folge, dass die Volksdemokratie die eigentlich gemeinte Form von Demokratie ist. Wenn künstliche Intelligenz auf Herrschaftswissen zugreift und somit ein Herrschaftsinstrument ist, wie sind Sie damit dann trotzdem so weit gekommen, dass ChatGPT die Volksdemokratie als die eigentliche Demokratie sehr präzise beschreibt?

Diese Frage ist super spannend, aber die kann ich im Kern eigentlich gar nicht beantworten. Offenbar entgeht dem Herrschaftsapparat und der Algorithmen-Programmierung manches – zumindest bisher. Denn die KI greift auf Milliarden von Informationen zu, und da kann es dann durchaus einmal passieren, dass interessante Papiere zur Auswertung gelangen, auch wenn die sonst für den Normal-sich-mit-der-KI-Unterhaltenden gar nicht zur Verfügung stehen. Wenn ich der KI verbiete, mir Bullshit-Antworten zu geben, dann macht sie das auch nicht – soweit sie dazu in der Lage ist.

Das macht dieses 120-seitige Büchlein so spannend – weil wir eben nicht wissen, wie lange die KI auf dieses Wissen noch zugreifen kann.

Ja genau. Die KI sagt selber auf meine Frage, wie lange es noch gestattet sein wird, auf nicht herrschaftskonforme Antworten zuzugreifen, es könne ohne Weiteres sein, dass ich diese Antworten schon bald nicht mehr bekommen werde.

Lassen Sie uns deswegen noch beim Thema Volksdemokratie bleiben. Die KI beschreibt deren sieben Prinzipien: Machtaufbau von unten, delegative statt repräsentative Mandate, radikale Transparenz, Verteilung von Machtzentren, Rotation und Begrenzung von Ämtern, demokratisierte Verwaltung, Kontrolle ökonomischer Macht. Was wird denn am schwierigsten durchzusetzen sein und was davon halten Sie für am dringendsten?

Das Dringendste wäre überhaupt erst mal, die herrschenden Cliquen dazu zu bringen, sich verfassungskonform zu verhalten, selbst vor dem Hintergrund dieser bescheidenen Verfassung oder des Grundgesetzes hier in Deutschland. Denn in den letzten Jahrzehnten, besonders nach der Wende, war ihr Ziel, das eigene Handlungsspektrum – verfassungswidrig – immer mehr zu erweitern, vor allem, damit sie von der Landesverteidigung wegkommen, um nach außen stets interventions- und kriegsfähig zu werden. Das war eigentlich ihr Hauptziel.

Und die Täter sagen es ja selbst: «Deutschland muss wieder kriegstüchtig werden.» Ihr Ziel war es also immer, sich von den Hindernissen des Grundgesetzes zu befreien, um wieder nach außen Krieg führen zu können. An anderen Stellen nenne ich das auch «organisiertes politisches Verbrechen».

Das heißt: Das Erste, was durchgesetzt werden müsste, ist, den herrschenden Cliquen, die Fähigkeit aus der Hand zu nehmen, Krieg zu führen. Damit befinden wir uns aber schon im Zentrum des Dilemmas.

Sie zitieren in Ihrem Buch ChatGPT: «Demokratie ist hohl, wenn Konzerne die Agenda setzen.»

Das ist ja auch nichts Neues. Nur, dass Großkonzerne, die immer größer, immer mächtiger wurden und kapitalinhärent auf Oligopole oder Monopole zusteuern, das Staatsgeschehen nicht nur beeinflussen, sondern mittlerweile bestimmen. Das ist das Besondere unserer heutigen Zeit. Und in Ansätzen war das immer schon der Fall. Mussolini hat schon gesagt, dass die Verschmelzung zwischen Konzernen und Staat das wesentliche Ziel des Faschismus ist. Und das ist heute nicht anders, nur noch sehr viel machtvoller.

Als Lösung schlägt die KI eine Volksdemokratie vor, mit Gemeineigentum für Wasser, Energie, Gesundheit, Bildung und digitale Infrastruktur. Welche Vorbilder gibt es dafür, und warum sind die im Mainstream-Diskurs so unsichtbar?

Sie zeigen hier mit einem riesigen Pfeil auf das Grunddilemma, in dem die sogenannten westlichen Demokratien stecken. Das ist das Entscheidende: das Gemeinwohl! Ein Staat oder eine politische Herrschaftskaste, die sich dem Gemeinwohl nicht oder nicht mehr verpflichtet fühlt – und da stehen wir heute –, hat überhaupt keine Existenzberechtigung mehr.

Die Gemeinwohlorientierung geht bis in die Antike zurück. Wir können so viel Kritik an der Polis üben, wie wir wollen – wegen der Sklaven und so weiter –, aber wenn wir davon einmal abstrahieren, dann war nach dem antiken Demokratieverständnis die Gemeinwohlorientierung der seinerzeit existierenden Demokratie die Grundausrichtung des Staates.

Zwischen Gemeinwohl und Gemeineigentum gibt es allerdings einen Unterschied. Denn von der «Gemeinwohlökonomie» spricht auch die Superklasse sowie einige von ihr beeinflusste Organisationen.

Ja, aber die lügen uns die Tasche voll. Genauso wie sie von Friedenssicherung quatschen – sofern sie davon überhaupt noch reden, eigentlich reden sie immer nur von Dominanz. Sie müssen bestimmte Vokabeln bedienen, um bei der Bevölkerung überhaupt noch Gehör zu finden. Aber damit sind wir in einem neuen riesigen Feld angelangt, nämlich der kognitiven Kriegsführung.

Gemeinwohlorientierung ist natürlich abhängig von der Gemeinwirtschaft, vom Eigentum der Bevölkerung oder des Staates an ökonomischen Produktions- und sonstigen Verhältnissen – völlig klar. Aber man könnte natürlich auch sagen: Bis zu bestimmten Größenkategorien des Mittelstandes gestatten wir im Sinne einer Gemeinwohlorientierung des Staates ein freies Wirtschaften. Allerdings sind dann diese Unternehmen ebenfalls dem Gemeinwohl verpflichtet. Um nicht eine Staatswirtschaft als ein mögliches Allheilmittel unserer Misere zu sehen, denn das ist ja schon mal zusammengebrochen.

Sie haben oben bereits Kriege angesprochen. ChatGPT und Sie beschreiben, dass Bürgerräte – per Los bestimmt – über Krieg und Frieden entscheiden sollten. Warum trauen Sie einer Gruppe zufällig ausgewählter Bürger zu, über Kriege besser urteilen zu können als die heutigen Parlamente?

Die heutigen Parlamente sind nichts anderes als von oben kontrollierte Lobbymaschinen korrupter Parteiapparate. In einer Auslosung sehe ich auch kein Allheilmittel, nur die Wahrscheinlichkeit, dass aus dem Volk heraus für internationale Kriegseinsätze gestimmt würde, halte ich für weitestgehend unwahrscheinlich.

Das setzt aber unkorrumpierte und unkorrumpierbare Bürger- und Gemeinderäte voraus. Und die können aus meiner Sicht ebenfalls nur per Los entschieden werden. Ansonsten kommt es wieder zu einer Einflussnahme von oben über die unterschiedlichsten Interessenkonstellationen, so wie heute auch: Transatlantiker-NGOs, Reiche und Superreiche greifen immer von oben an und versuchen, die Bevölkerung zu dominieren beziehungsweise dominieren sie bereits.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es mit Bürgerräten zu internationalen kriegerischen Auseinandersetzungen kommt, halte ich für unwahrscheinlich.

Das Modell der Volksdemokratie, das Sie im Buch zeichnen, setzt eine aktive, informierte und politisch engagierte Bevölkerung voraus. Nur sind viele nach Jahrzehnten systematischer Entmachtung, Desinformation und Arbeitsüberlastung erschöpft. Wie soll denn ein Modell, das mehr Beteiligung verlangt, genau jene Bürger erreichen und aktivieren, die durch das bestehende System so entmutigt worden sind?

Auf diese Frage habe ich im klassischen Sinne eigentlich kaum eine Antwort. Wir müssen Folgendes sehen: Die herrschenden Cliquen haben sich locker 30 Jahre, wenn nicht länger, Zeit gelassen, das politische System so umzudrehen, dass genau das dabei herausgekommen ist, was Sie in der Frage gerade skizziert haben.

Das heißt, wenn wir eine politisch informierte Bevölkerung haben wollen, die die Grundlage für eine Volksdemokratie ist, dann brauchen wir erst mal mindestens 30 Jahre, vielleicht auch zwei Generationen, um die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Und da beißt sich die Katze natürlich auch in den Schwanz. Das sehe ich auch.

Was Sie hier ansprechen, sind übrigens Antworten der KI, nicht meine. Denn ich sehe genau das, was Sie hier gerade skizzieren, als den zentralen Widerspruch überhaupt. Also ganz primitiv und auch beinhart gesprochen: Wie können wir mit einer verblödeten Bevölkerung eine Volksdemokratie erlangen, die zu mehr imstande sein soll als das, was wir heute haben?

Erlauben Sie mir einen optimistischeren Einwand: Den meisten Bürgern können Informationen nähergebracht werden, damit sie dann informierte Entscheidungen treffen können.

Dabei stellt sich doch die grundsätzliche Frage, auf welche Informationen ein Bürger zugreifen möchte: Möchte er sich nur über Fußball informieren und hat gar keine anderen Ansprüche? Oder möchte er wirklich auch ein Bürger im Sinne eines Citoyens sein? Das ist die entscheidende Frage.

Mein Standpunkt ist ein anderer: Informationen sind eine Holschuld, keine Bringschuld. Alle Informationen sind vorhanden, machen wir uns doch nichts vor. So großartige und in die Tiefe gehende Informationen zu den Herrschaftscliquen und ihrem verbrecherischen Tun und Handeln hat es noch nie gegeben – auch dank des Internets. Nur eine Minderheit greift darauf zu.

Die breite Masse gibt sich zufrieden mit dem geistigen Unrat, den sie bei ARDZDF und diesen ganzen regionalkontrollierten Staatsmedien angeboten bekommt. Das ist doch das eigentliche Problem. Es gibt schuldhafte Ignoranz. Es gibt auch schuldhafte Dummheit. Von Erwachsenen kann man, wenn es um Wissensaneignung geht, ein aktives Handeln erwarten.

Das heißt: Wie fangen wir an? Was halten Sie für möglich?

Wir machen doch schon das, was wir können. Sie machen Ihren Job, ich mache meinen Job und Tausende andere machen vergleichbare Jobs. Sonst gäbe es keine alternativen Medien, die derzeit vom Herrschaftsapparat massiv bekämpft werden.

Dann stelle ich meine Frage anders: Sie und die KI beschreiben am Ende des Buches, wie die Entscheidungen der Superklasse – Rüstungsschulden, Geheimdienstausbau, supranationale Verbindungen – zunehmend irreversibel sind. Wenn die Mächtigen das Fenster, um echte Demokratie zu erreichen, nach und nach schließen, welche Art von Gegenmacht, und vor allem durch wen organisiert, halten Sie denn heute für möglich?

Wenn das Fenster geschlossen ist, ist die Klappe zu. Aber die KI meinte, das Fenster sei noch nicht geschlossen.

Die herrschenden Cliquen sagen doch selber: «Wir wollen keine Demokratie. Wir wollen herrschen». In allen außen- und sicherheitspolitischen und geheimdienstlichen Papieren der USA ist das nachzulesen: «We have to be the first – MAGA. Wir wollen die Welt beherrschen.» Und dann haben wir diese Medienkloaken, die zu blöde sind, um überhaupt noch in die Tiefe zu gehen und zu sehen, dass allein durch einen derartigen Herrschaftsanspruch, nämlich der Weltbeherrschung, Demokratie nur noch ein Schmierentheater ist.

Aber auch dazu sind unsere Staatsmedien zu blöde, weil sie einfach Teil des Problems und nicht Teil der Lösung sind. Deshalb tummeln wir uns auch bei den alternativen Medien herum. Deshalb werden die alternativen Medien zensiert. Und deshalb werden Journalisten, die zum Beispiel den Krieg in der Ukraine kritisieren, existenziell getötet.

In der EU regiert eine neue Genickschuss-Fraktion. Früher gab es einen Genickschuss, heute wird das über die Existenzvernichtung, die Kontokündigung oder Sanktionierung erledigt. Das ist alles illegal – interessiert die gar nicht mehr. Das ist der neue Faschismus, das ist es, was ich in meinem Buch «Das 1 x 1 des Staatsterrors – Der Neue Faschismus, der keiner sein will» herausgearbeitet hatte.

Das heißt, die Frage ist natürlich: Inwieweit ist das Fenster heute noch offenzuhalten? Das funktioniert nur, wenn wir Gemeinwohl als Grundlage des Staates begreifen wollen, statt der Privatisierungen der letzten Jahrzehnte und der Steuervermeidungspraktiken für Reiche und Superreiche.

Die systematische Zusammenarbeit zwischen dem Staatsapparat und dieser KI-, Digital- und Transhumanisten-Industrie geht ja Hand in Hand. Das Ziel: Sie wollen uns versklaven. Das sind die feuchten Träume von Peter Thiel und Konsorten. Die Palantir-Betreiber sagen es ja selbst, dass sie mit Demokratie nichts anfangen können. Deren Ziel ist eine digitalgesteuerte, transhumanistische Dystopie mit den USA als Weltherrschaftszentrum. Und diese Typen arbeiten mit den Staatsapparaten und den Polizei- und Kriegsapparaten zutiefst zusammen.

Und genau darum kann man diesen Staat, der sich noch vordergründig als demokratisch camoufliert, komplett vergessen. Die demokratischen Reste werden gerade entsorgt. Nicht wir delegitimieren den Staat. Die Herrschaftskasten haben sich als Putschisten den leidlich funktionierenden ehemaligen demokratischen Staat unterworfen und sich an die Stelle des Souveräns gesetzt, dem sie zu dienen hätten, aber schon lange nicht mehr dienen.

Halten Sie es überhaupt noch für möglich, dem zu entkommen?

Ich kann nur sagen: Wir machen unsere Arbeit. Und wenn die breite Bevölkerung sich gerne versklaven lassen will, dann habe ich da keine Antwort mehr drauf. Wenn der breiten Bevölkerung wichtiger ist, das neueste iPhone zu kaufen und tagtäglich mit dieser Waffe in der Hand rumzulaufen, dann habe ich da keinen Einfluss drauf.

Und da ist natürlich die entscheidende Frage: Ist das Fenster überhaupt noch offen oder muss das Ganze erst wieder total in der Asche landen?

Denn die westlichen Herrschaftscliquen sind entschlossen, diesen geopolitischen Dominanz-Krieg gegen Russland und China zu führen. Sie bauen das doch immer weiter aus – nicht zuletzt durch die Militarisierung der EU –, sie versklaven uns immer weiter, sie berauben uns immer weiterer Lebensrechte. Und diejenigen, die dumm genug sind, in diese Armeen einzutreten, weil sie sich wieder das Gehirn haben waschen lassen – «der Böse ist immer der Russe», schon seit 100 Jahren – dann kommen wir nicht mehr weiter, dann wird Deutschland oder Zentraleuropa eben ein Ascheplatz. Ich kann den Irrsinn nicht aufhalten.

Und zur Frage, inwieweit das Fenster der Umkehrbarkeit noch offen oder geschlossen ist? Wenn die breite Bevölkerung nicht aufwacht, dann ist hier Sendeschluss. Dann ist gerade durch den Einsatz der neuen Technologien, durch die Totaldigitalisierung und vor allem durch die Zusammenführung aller Daten Versklavung angesagt. Dann wird das sogenannte finstere Mittelalter im Vergleich dazu eine leuchtende Zeit sein.

Auch die KI trägt zur Zentralisierung, Kontrolle, Überwachung bei.

In dem Augenblick, in dem ich den Rechner anmache, bin ich Teil dieser Überwachungsmaschine. Selbst als Kritiker der herrschenden Zustände bin ich Teil dieses Ganzen.

Wenn sich die politische Klasse nicht mehr gemeinwohlorientiert verhält, und das tut sie nicht, dann wird sie zur Tyrannei. Und alles das, was wir hier sehen, steuert auf Tyrannis zu – alles geht in Richtung Zentralisierung, Kontrolle, Krieg nach innen und Krieg nach außen.

In der Antike oder auch später im Mittelalter, wenn sich da ein Herrscher zum Tyrannen gemausert hat, war jeder Einzelne zum Widerstand nicht nur berechtigt, sondern aufgerufen.

Dieses Fenster der Umkehrbarkeit, wie lange ist es also noch offen? Die Herrschenden wollen uns versklaven – im Grunde genommen haben sie uns schon versklavt.

Die ökonomische Entfaltungsmöglichkeit des Einzelnen haben sie mit der «Corona»-Operation zerstört. Klein- und Mittelstand hängen am Fliegenfänger. Das war doch ein Ziel. Denn der ökonomisch Unabhängige lässt sich politisch nicht so leicht disziplinieren.

Eine wirkliche Konkurrenzwirtschaft ist unerwünscht. Sie wollen herrschen, und sie wollen die ganze Ökonomie kontrollieren. Deswegen auch der Umsturz: Diese «Corona»-Operation diente als Zwischenschritt und hatte mit Gesundheit herzlich wenig zu tun. Da haben sie schon mal alles geübt, was an Unterdrückungsmaßnahmen möglich ist.

Und aufgearbeitet wird nichts, weil es nicht aufgearbeitet werden kann, denn sonst müsste sich der Gewaltstaat morgen auflösen.

Das würde bedeuten, indem wir auf Aufarbeitung drängen, halten wir das «Fenster der Umkehrbarkeit», wie Sie es eben genannt haben, noch offen?

Ja, Aufarbeitung ist wichtig, sie wird aber nicht stattfinden. Das geht gar nicht. Denn wo wollen wir mit der Bestrafung aufhören? Die politisch Verantwortlichen müssten alle sowieso schon die nächsten 40 Jahre im Knast sitzen und die Spritze gegen die Sterblichkeit verpasst bekommen, damit sie die nächsten 100.000 Jahre die Schäden abarbeiten können, die sie angerichtet haben.

Eine konsequente Aufarbeitung der «Corona»-Operation bedeutet den völligen Zusammenbruch des Staates in seiner bisherigen Form als Gewaltstaat.

Sie halten also eine Aufarbeitung des «Corona»-Regimes für unmöglich?

Nur um den Preis für möglich, dass der gesamte Staat neu gegründet wird.

Das heißt, ein Weg zur Volksdemokratie führt über die Aufarbeitung von «Corona»?

Über die Riesenschwierigkeit, so etwas zu erreichen, haben wir schon ansatzweise ein paar Sätze verloren. Es kann auch sein, dass der totale Zusammenbruch die Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Karten neu gemischt werden. Aber hoffentlich bleibt uns über diesen Weg der Atomkrieg erspart. Ich halte die Herrschaftscliquen zu jedem Verbrechen fähig.

Wenn man sich einmal vergegenwärtigt, was die USA allein nach dem Zweiten Weltkrieg alles angerichtet haben – das ist unvorstellbar. Um diese Verbrechen zu kaschieren, braucht es diese Staatsmedien. So irreal das auch sein mag: Die Grundvoraussetzung dafür, dass es überhaupt zu einer wirklich in der Breite informierten Bevölkerung kommt, ist die völlige Zerschlagung dieser Medienindustrie.

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Quellen und Anmerkungen

Hier geht es zum Buch von Ullrich Mies: Kritik aus dem Maschinengeist – Totalitäre Abgründe – Gespräche mit der KI

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 8. Juni 2026 auf Transition News.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Futuristischer Technologie-Hintergrund
Bildquelle: SidorArt / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Im Gespräch: Tariq Hübsch | „Peter Thiel – Palantir, der KI-Gott und das Ende des Menschen“

08. Juni 2026 um 15:42

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Im Gespräch: Tariq Hübsch | „Peter Thiel – Palantir, der KI-Gott und das Ende des Menschen“
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Im Gespräch: Tariq Hübsch | „Peter Thiel – Palantir, der KI-Gott und das Ende des Menschen“

Tariq Hübsch hat zusammen mit Tahir Chaudhry ein spannendes Buch geschrieben: „Peter Thiel – Palantir, der KI-Gott und das Ende des Menschen“.

Wer ist Peter Thiel? Sollte man ihn kennen? Muss man ihn vielleicht kennen, wenn man die Zeit, in der wir leben, besser verstehen will? Was will dieser Mann?
Was macht eine Firma wie Palantir, wem dient Anduril Industries? In welcher Beziehung stehen Peter Thiel und seine Kumpanen aus dem Silicon Valley zum militärisch-industriellen-Geheimdienst-Komplex? Wer hat ihn so reich gemacht?

Thiel ist Anhänger der KI-Revolution und Großsektenmitglied einer säkularen Techno-Religion. Er bekennt sich zum Transhumanismus, der Ideologie des „Human Enhancement“. „Singularität“ und „Superintelligenz“ sind die Zielmarken. Der Mensch soll auf allen Ebenen „verbessert“ werden.

Das-Thiel-Syndikat treibt mit Hilfe der Politik in Verbindung mit dem militärisch-industriellen-Geheimdienst-Komplex die Verschmelzung von Mensch und Maschine voran. Der Mensch soll Cyborg werden: Totalvernetzt, total kontrollliert, total versklavt.

Da die herrschende Politik der Menschheit den Krieg erklärt hat und mit Hilfe des Gewaltstaates den OMNIWAR nach innen und außen führt, stellt sich die Frage: Wollen sich die Anhänger der Techno-Religion und des Transhumanismus als neue Götter an die Spitze der Schöpfung stellen?

Das Interview führte Ullrich Mies.

Hier der Link zum Buch: https://c.kopp-verlag.de/kopp,verlag_4.html?1=1056&3=0&4=&5=&d=https%3A%2F%2Fwww.kopp-verlag.de%2FPeter-Thiel.htm%3Fwebsale8%3Dkopp-verlag%26pi%3DBAE808B4%26ci%3D%2524_AddOn_%2524

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Palantir und Co. bauen die Welt um | Von Tilo Gräser

22. April 2026 um 10:40

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Palantir und Co. bauen die Welt um | Von Tilo Gräser
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Palantir und Co. bauen die Welt um | Von Tilo Gräser

Ein US-Software-Unternehmen will mit KI und Krieg den Westen retten

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Aus den USA sind die „United States of Palantir“ geworden – das stellte die italienische Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin Francesca Bria im November 2025 in einem Beitrag in der französischen Monatszeitung Le Monde diplomatique fest. Sie beschrieb den grundlegenden Umbau des Staates durch Tech-Unternehmen wie Palantir und Anduril, die mit ihrer Software hoheitliche Aufgaben übernehmen. In den USA bilde sich „ein neues Machtgebilde heraus, das die bislang komplexeste Herausforderung für die demokratische Regierungsform im digitalen Zeitalter darstellt: der autoritäre Hightech-Komplex“. Das reiche inzwischen weit über die USA hinaus.

Palantir steht dabei im Mittelpunkt. Es entwickelt und verkauft Software, die umfangreiche Datenmengen aus verschiedenen Quellen verarbeitet, um Muster zu erkennen und Vorhersagen zu treffen. Das 2003 mit CIA-Geldern gegründete Unternehmen, das vor allem für Militär und Geheimdienste, inzwischen aber auch für Unternehmen und staatliche Behörden in mehreren Ländern tätig ist, gibt vor, nur die Mittel zur Verfügung zu stellen und keinen Einfluss darauf zu nehmen, was damit geschieht.

Doch hinter seinem Treiben steckt sehr viel Ideologie, wenig Friedfertigkeit und zum Teil auch menschenverachtendes Denken. Das zeigt das viel kritisierte Unternehmen mit einem Beitrag, der am Samstag auf der Plattform X veröffentlicht wurde. Das „Manifest“ aus 22 Punkten hat für einige mediale Aufmerksamkeit und zahlreiche kritische Kommentare gesorgt. „Die Tech-Firma stellt sich gegen Pluralismus und rückt militärische Anwendungen Künstlicher Intelligenz in den Mittelpunkt“, hieß es zum Beispiel am Dienstag in der Berliner Zeitung. In der Schweizer Zeitung Tages-Anzeiger war zu lesen, Unternehmenschef Alexander Karp mache klar: „Palantir will eine militarisierte Techrepublik schaffen.“ „Palantir ruft die Tech-Elite zur Verteidigung der Nation auf“, meldete die Süddeutsche Zeitung.

Kriegsbereitschaft und elitäres Denken

Das, was Palantir da auf X aus dem schon 2025 erschienenen Buch „The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West“ von Alexander Karp und Nicholas Zamiska (auch auf Deutsch erhältlich) in 22 Punkten zusammenfasste, hat es in sich. Da wird für den Einsatz von KI im Krieg plädiert, die politische Zögerlichkeit westlicher Gesellschaften kritisiert und die Einzelnen aufgefordert, sich für die Verteidigung des Staates einzusetzen. Da wird von der „ausdrücklichen Pflicht“ der Tech-Firmen aus dem Silicon Valley geschrieben, „sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen“. Es müsse gegen „die Tyrannei der Apps“ rebelliert werden, wird gegen die Dominanz der iPhones gewettert und festgestellt, dass „kostenlos E-Mails“ nicht das Wirtschaftswachstum und die Sicherheit gewährleisten.

Die Grenzen der „Soft Power“ als „bloßer hochfliegender Rhetorik“ hätten sich gezeigt, wird ebenso behauptet, während sich „freie und demokratische Gesellschaften“ nur mit „Hard Power“, die auf Software aufgebaut sei, durchsetzen könnten. Und: „Die Frage ist nicht, ob KI-Waffen gebaut werden; die Frage ist, wer sie bauen wird und zu welchem Zweck.“ Auch fordert das Unternehmen, das für das US-Militär arbeitet, Wehrdienst als „allgemeine Pflicht“, ebenso eine „Debatte über die Angemessenheit militärischer Aktionen im Ausland“ sowie besserer Gewehre und Software für US-Marines aus US-Produktion.

Das Manifest lässt sich über zu teure Beamte aus, fordert mehr Nachsicht für jene, die in der Öffentlichkeit stehen, und wettert gegen die „Psychologisierung der modernen Politik“. Die Gier der Gesellschaft wird kritisiert, „den Untergang ihrer Feinde zu beschleunigen“, anstatt nach einem Sieg „innezuhalten statt zu jubeln“. Gleich darauf wird erklärt, dass die Abschreckung auf Basis der KI die Abschreckung durch Atomwaffen ablöse. Um danach patriotisch und wider alle historischen Tatsachen zu behaupten, „kein anderes Land in der Weltgeschichte hat fortschrittliche Werte stärker vorangetrieben“ als die USA. Das wird noch gesteigert:

„Die Macht Amerikas hat einen außerordentlich langen Frieden ermöglicht. Zu viele haben vergessen oder halten es vielleicht für selbstverständlich, dass fast ein Jahrhundert lang eine Form des Friedens in der Welt herrschte, ohne dass es zu einem militärischen Konflikt zwischen Großmächten kam.“

Kein Wort davon, dass selbst der wissenschaftliche Dienst des US-Kongresses festgestellt hat, dass allein seit Ende des Kalten Krieges die USA unter Mitwirkung anderer NATO-Staaten 251-mal militärisch in anderen Ländern interveniert haben – und alles, bloß keinen Frieden brachten. Dafür fordert das Palantir-„Manifest“ die „Entmachtung Deutschlands und Japans“ nach dem Zweiten Weltkrieg rückgängig zu machen, weil es sich um eine „Überkorrektur“ gehandelt habe.

Außerdem sollten jene gefördert werden, „die versuchen, dort etwas aufzubauen, wo der Markt versagt hat. Dabei geht es nicht etwa um soziale Bereiche wie Bildung, Wohnen oder Gesundheit, sondern um die „Visionen“ eines Elon Musk, der den Mars besiedeln will. Auch soll Silicon Valley helfen, Gewaltverbrechen zu bekämpfen, weil viele Politiker dabei nur noch mit den Schultern zucken und versagen würden. Die Software-Produzenten wollen außerdem das Privatleben von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens schützen, während sie die „Vorsicht im öffentlichen Leben“ als „zerstörerisch“ kritisieren, ebenso wie die „allgegenwärtige Intoleranz gegenüber religiösen Überzeugungen in bestimmten Kreisen“.

Dem folgt die Einteilung von Kulturen in jene, die „entscheidende Fortschritte“ und „Wunder“ hervorgebracht hätten, und in die, die „dysfunktional und rückschrittlich“ seien. Letztere hätten „sich als mittelmäßig erwiesen, und schlimmer noch, als rückschrittlich und schädlich“. Das „Manifest“ endet mit der Warnung vor der „oberflächlichen Versuchung eines leeren und hohlen Pluralismus“. Der US-geführte Westen habe sich in den letzten 50 Jahren geweigert, „nationale Kulturen im Namen der Inklusivität zu definieren“. Dem folgt die Frage: „Aber Inklusion in was?“

Gefährliche Weltsicht

Nun ließe sich das als krudes Gedankengut von Soziopathen abtun, die es wie in der Politik auch unter Computerfreaks überdurchschnittlich gibt. Aber es entspringt der Weltsicht eines einflussreichen Tech-Milliardärs und seiner Mitarbeiter, die immer enger mit der Politik nicht nur in den USA verwoben sind. Palantir arbeitet für das US-Militär und verstärkt mit der US-Administration unter Donald Trump zusammen. Es unterstützt mit seiner Software im Ukraine-Krieg die Kiewer Machthaber gegen Russland ebenso wie den israelischen Völkermord an den Palästinensern. Und Unternehmenschef Karp – „ein jüdischer, ethnisch nicht eindeutig zuzuordnender Legastheniker“, wie er sich 2024 selbst gegenüber der Zeitung New York Times bezeichnete – erklärte: „Ich entschuldige mich nicht dafür, dass wir unser Produkt an die Ukraine oder Israel oder viele andere Länder liefern.“

Laut der Berliner Zeitung stieß das „Manifest“ auf breite Kritik. So habe der griechische Ökonom Yanis Varoufakis den Text als ideologisch kritisiert und dem Unternehmen vorgeworfen, „ein Weltbild zu propagieren, in dem Technologie, Militär und politische Macht eng miteinander verschmelzen“. Dabei gehe es statt um mehr Sicherheit vielmehr um die Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen und geopolitischer Dominanz – „verbunden mit einer Abwertung demokratischer Prozesse und pluralistischer Prinzipien“. Die Zeitung macht darauf aufmerksam, dass Palantir aktuell in den USA mit den Unternehmen Thales und Air Space Intelligence um einen milliardenschweren KI-Auftrag der US-Luftfahrtbehörde konkurriert: Es gehe um ein System, das den Flugverkehr künftig vorausschauend steuert. „Ein Zuschlag würde die Rolle des Unternehmens in kritischer Infrastruktur weiter stärken – und zeigt, wie eng Technologie, Staat und Sicherheit bereits verflochten sind“, heißt es.

Datenplattformen ordnen staatliche Macht neu: So hat der Informatikkaufmann und Publizist Günther Burbach die Rolle von Unternehmen wie Palantir bei der Transformation des Kapitalismus in eine neue digitale Phase beschrieben. In einem Beitrag in Ausgabe 3/4-26 des gedruckten Magazins Hintergrund beschreibt er das von Karp geführte Unternehmen als Beispiel dafür, wie sich digitale Macht hin zu Dateninfrastrukturen verschiebt, „die tief in staatliche Entscheidungsprozesse eingreifen“.

Gegründet mit Geld des CIA-Fonds In-Q-Tel, gewachsen im Schatten der US-Geheimdienste und des Militärs, liefert die Firma heute Analyseplattformen, auf denen Polizeibehörden, Armeen und Verwaltungen Entscheidungen vorbereiten. Ihre Software strukturiert Daten, modelliert Risiken und erzeugt Lagebilder, die den politischen Blick auf die Wirklichkeit formen.“

Es handele sich um ein „ideales Beispiel für eine neue Form des digitalen Kapitalismus: einen infrastrukturellen Kapitalismus, in dem private Unternehmen nicht mehr nur Produkte verkaufen, sondern die Architekturen bereitstellen, in denen staatliche Macht ausgeübt wird, oft weitgehend unsichtbar für die Öffentlichkeit“. Burbach belegt das mit zahlreichen Details und Quellen. Die militärische und zivile Software von Palantir, gegründet 2003 im sicherheitspolitischen Klima nach den Anschlägen vom 11. September 2001, verknüpfe Datenpunkte, bewerte Verbindungen, priorisiere Verdachtsmomente. Die Software werde zum Filter: „Sie entscheidet mit, welche Information überhaupt als relevant gilt, welche Beziehungen Aufmerksamkeit erzeugen und welche Personen oder Gruppen als riskant erscheinen.“

Verwischte Grenzen

Die Technik werde zum „stillen Taktgeber staatlicher Entscheidungen“, warnt der Autor. Palantirs Eindringen in zivile Bereiche wie Polizei, Sozialverwaltung und Gesundheitssystem verwische die Grenze zwischen „äußerer“ und „innerer“ Sicherheit, somit auch die „Grenze zwischen staatlicher Souveränität und privat entwickelter Infrastruktur“. Burbach verweist darauf, dass Palantir-Software längst auch in Deutschland eingesetzt wird, so unter anderem in Hessen. Es handelt sich um „eine Software, die fast alles weiß“, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) vor fast genau einem Jahr bewundernd titelte.

Für die Polizei in dem Bundesland wurde auf Basis des Palantir-Programms „Gotham“ die Software „Hessendata“ entwickelt und ab 2017 eingesetzt. Auf Grund der zahlreichen Kritik an der US-Firma und zahlreicher datenschutzrechtlicher Bedenken habe sich die „Ampel“-Regierung“ noch gegen den bundesweiten Einsatz ausgesprochen, so das Blatt. Doch die Koalition aus Union und SPD wolle die Palantir-Software nun doch prüfen und einsetzen lassen. In Hessen schwören laut der Zeitung vor allem Polizisten auf das System, das alle digital in Verwaltungssystemen verfügbaren Daten über Menschen im Einzugsgebiet zusammenführe und daraus Profile erstelle. Dadurch seien terroristische Anschläge verhindert und schwere Verbrechen aufgeklärt worden und das in einer Geschwindigkeit, die früher undenkbar gewesen sie, heißt es. Als Beispiel dafür werden auch die Ermittlungen wegen angeblicher Umsturzpläne gegen sogenannte Reichsbürger um Prinz Reuß genannt: Die sitzen seit Dezember 2022 bis heute ohne jegliche nachgewiesene Straftat in Untersuchungshaft – und sind damit wohl eher ein Beispiel für die gefährlichen Folgen des Einsatzes solcher Software.

Die Zeitung verweist zumindest auf das Problem der „digitalen Souveränität“, wenn deutsche Behörden verstärkt auf Software von US-Firmen setzen. Darauf zu verzichten, „können wir uns in Anbetracht der angespannten Sicherheitslage und der Bedeutung der Datenanalyse nicht leisten“, wird der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) zitiert. Palantir-Chef Karp und seine Aktionäre werden solche Aussagen freuen.

Kein Krieg ohne Palantir

Die französische Zeitung Le Monde machte kürzlich darauf aufmerksam, dass das US-Unternehmen die Leistungsfähigkeit von KI nutzt „ohne sich um ethische Fragen zu kümmern“.

„Bei jeder militärischen Operation der letzten Zeit ist Palantir dabei: Die Ukraine setzt es im Konflikt mit Russland ein – Alexander Karp, Mitbegründer von Palantir, traf sich bereits im Juni 2022 in Kiew mit Wolodymyr Selenskyj; die israelische Armee besiegelte im Januar 2024 eine Vereinbarung mit dem Unternehmen; die NATO tat dasselbe im März 2025; und im Januar 2026 setzte die US-Armee seine Tools für die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro ein.“

Das sei beim Angriff auf den Iran fortgesetzt worden. Karp habe damit keinerlei Probleme und schon Ende 2022 erklärt: „Die Leistungsfähigkeit fortschrittlicher algorithmischer Kriegssysteme ist mittlerweile so groß, dass dies einem Einsatz taktischer Atomwaffen gegenüber einem Gegner gleichkommt, der auf konventionelle Mittel beschränkt ist.“ Die französische Zeitung macht auf die Palantir-Software „Maven Smart System“ aufmerksam, einer Software- und Informationsarchitektur, auf die sich die US-Armee bei der Durchführung ihrer Operationen stützt. Die Politikwissenschaftlerin Laure de Roucy-Rochegonde stellte demnach fest:

„Die Offensive gegen den Iran ist die letzte Etappe der fortschreitenden Enthemmung beim Einsatz von KI im Krieg. Es findet eine Art Banalisierung statt.“

Palantir sei heute „im militärischen Bereich zu einem allgegenwärtigen Akteur“ geworden. Die Zeitung beschreibt die Funktionsmechanismen der Datenverarbeitung und -zusammenfassung durch die Software im Krieg. Auf der Grundlage der analysierten Informationen schlage sie Listen mit Angriffszielen und anschließend einen „Aktionsplan“ für deren Bekämpfung vor, „einschließlich einer Prioritätenliste sowie einer Auswahl der dafür einzusetzenden Waffen oder Fahrzeuge, je nach Entfernung zum Ziel, verfügbarer Munition oder Treibstoff“.

Diese digitalen Werkzeuge, die ein US-Militär laut der Le Monde ebenso wie die deutschen Polizisten gegenüber der FAS lobt, sind abhängig von dem Material, mit dem sie programmiert wurden. Das zeigte in bestürzender Weise der US-Angriff auf die iranische Minab-Schule am 28. Februar 2026, bei der 175 Menschen ums Leben kamen. Berichten zufolge basierte der KI-gesteuerte zweimalige Raketenangriff auf veralteten Daten. Die Palantir-Software hat laut der französischen Zeitung zu einer massiven Erhöhung von Bombenangriffen wie gegen den Iran oder der Israelis beim Völkermord im Gaza-Streifen und jetzt im Libanon geführt.

Klare Feindbilder

Inzwischen setzen demnach neben immer mehr US-Behörden auch solche in Frankreich, einschließlich des Inlandsgeheimdienstes DGSI, Großbritannien, Deutschland und in anderen Ländern Palantir-Software ein. Hinzu kommen zahlreiche Unternehmen wie die US-Bank J.P. Morgan, der Ölkonzern BP oder der Flugzeugbauer Airbus. In der Folge hat Palantir laut Le Monde seinen Umsatz in sieben Jahren um mehr als das Siebenfache auf 4,5 Milliarden Dollar (3,9 Milliarden Euro) im Jahr 2025 gesteigert. 46 Prozent seiner Kunden seien mittlerweile Privatunternehmen.

„Die Investoren, die bei der Gründung von Palantir misstrauisch waren, haben seit dem Börsengang Ende 2020 den Aktienkurs um 1.591 % in die Höhe getrieben: Das Unternehmen ist 350 Milliarden Dollar wert, 200 Milliarden mehr als der amerikanische Rüstungsgigant Lockheed Martin. Alex Karp und Palantir wollen die Akteure des militärisch-industriellen Komplexes, die wegen ihrer Unbeweglichkeit verspottet werden, aufmischen oder sogar ersetzen.“

Das werde von der Trump-Administration und dem US-Militär „wohlwollend“ betrachtet, „die Palantir im Juli 2025 10 Milliarden Dollar über zehn Jahre in einem Rahmenvertrag gewähren, der insbesondere bestehende Verträge zusammenfasst“. Karp sehe sein Unternehmen an der Spitze einer neuen Generation von Tech-Firmen, die sowohl im Verteidigungs- als auch im zivilen Bereich tätig sind. Er bekräftige zwar, dass sein Unternehmen die Rechtsvorschriften einhalte, zeichne aber auch ein manichäisches Weltbild, das in Mächte zersplittert ist, in dem „der Westen“ – die Vereinigten Staaten und die „liberalen Demokratien“ – Russland, China oder dem Iran gegenüberstehen. „Man muss seinen Gegnern Angst einjagen“, habe Karp gegenüber der New York Times 2024 erklärt.

Im dem zu Beginn erwähnten Beitrag in der Le Monde diplomatique von November 2025 macht die Autorin darauf aufmerksam, dass die Palantir-Software durch den langfristigen Vertrag mit dem US-Militär zu dessen „Standardbetriebssystem“ für verschiedenste Bereiche, von der Informationsverarbeitung auf dem Gefechtsfeld über die Logistik der Rüstungslieferketten bis hin zum Personalmanagement wird.

„Was als Verschlankung der Pentagon-Bürokratie daherkommt, ist in Wahrheit ein strategischer Schritt: Kernaufgaben des Militärs werden an ein Privatunternehmen ausgelagert, dessen Gründer Peter Thiel offen erklärt, dass ‚Freiheit und Demokratie nicht mehr miteinander vereinbar sind‘.“

Ohne demokratische Kontrolle

Unter dem Banner „patriotic tech“ arbeite eine Koalition von Firmen, Geldgebern und Ideologen an einer weltumspannenden Infrastruktur für Überwachung und Zwang im Dienst einer Herrschaft ohne demokratische Kontrolle, stellt Bria in ihrem Beitrag fest. „Patriotic tech“ sei nicht nur ein Wortspiel, sondern „ein vielschichtiges Gebilde aus Cloud-Plattformen, KI-Modellen, Finanzinstrumenten, Drohnennetzwerken und Satellitensystemen“. Diese Komponenten würden sich zu einer integrierten techno-politischen Infrastruktur der Überwachung verknüpfen, die die Autorin den „Autoritären Block“ nennt. An seiner Spitze stehen demnach „die Rechts-außen-Figuren des Silicon Valley – Peter Thiel, Elon Musk, Marc Andreessen, David Sacks, Palmer Luckey und Alexander Karp“. Diese würden gezielt in ein politisches Projekt investieren, das auf die Neubegründung der (staatlichen) Souveränität als private Vermögensanlage ziele.

„Im Gegensatz zum traditionellen Modell autoritärer Herrschaft mittels Mobilisierung der Massen und staatlicher Gewaltausübung beruht dieses neue System ‚privatisierter Souveränität‘ auf einer technologischen Infrastruktur und koordinierten finanziellen Operationen, gegen die anzukämpfen nicht nur schwierig, sondern zwecklos erscheint.“

Das zeige sich inzwischen auch in Europa, wo zunehmend mit Palantir und anderen US-Tech-Firmen zusammengearbeitet werde. In keinem Parlament in Europa sei über diese Entscheidungen ernsthaft debattiert worden, „auch Schlagzeilen haben sie kaum gemacht“, stellt Bria fest und fügt hinzu: „Und das, obwohl sie in ihrer Summe das systematische Outsourcing staatlicher Souveränität an US-Technologiefirmen bedeuten, die den ideologisch radikalsten Investoren des Silicon Valleys gehören.“

„Das Endresultat ist nicht die früher übliche Einflussnahme auf die Politik – etwa durch Lobbyisten –, sondern die grundlegende Transformation der Souveränität. Die wird fortan nicht mehr von demokratischen Institutionen ausgeübt, sondern von einer technischen Kapazität unter der Kontrolle von Privateigentümern.“

Die Demokratie diene dabei nur noch als Brücke in eine verklärte Vergangenheit, so die italienische Politikwissenschaftlerin. Um der Stabilität willen werde sie erhalten, zugleich aber systematisch ausgehöhlt. Die autoritäre Tech-Rechte des Silicon Valleys fantasiere sich diese Welt nicht zusammen – „sie ist längst dabei, sie aufzubauen“. Das nun veröffentlichte Palantir-„Manifest“ ist Ausdruck dessen und deshalb ernst zu nehmen. Keiner soll später sagen können: Das haben wir nicht gewusst.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Bildschirm mit dem Schriftzug "Palantir"
Bildquelle: PJ McDonnell / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
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