Coober Pedy Hybrid-Energieversorgung aus erneuerbaren Energien
Von Jo Nova
Dies ist die Machbarkeitsstudie für das ganze Land, welche die Regierung hätte durchführen können…
Anstatt leichtsinnige Experimente mit unserem nationalen Stromnetz durchzuführen, hätten wir einen Testlauf machen und eine Kleinstadt umstellen können, um zu sehen, ob es funktioniert. Wenn erneuerbare Energien irgendwo Erfolg haben sollten, dann an einem Ort wie Coober Pedy. Schließlich bieten diese kleinen Wüstengemeinden weite, offene Flächen, viel Sonne, und die neuen erneuerbaren Energien müssen sich nur mit teuren Dieselgeneratoren messen, nicht mit billiger Kohle.
Die Anhänger erneuerbarer Energien feierten letzte Woche, weil es einer Kleinstadt gelungen war, „fast fünf Tage“ lang ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt zu werden. Fast fünf?!
Man könnte meinen, es handele sich um eine neue Anlage, aber dieses System wurde bereits 2017 errichtet. Im Grunde genommen haben die Einwohner von Coober Pedy neun lange Jahre darauf gewartet, so viel Glück mit dem Wetter zu haben.
Und der bisherige Rekord, den sie mit dieser Ausrüstung aufgestellt haben, stammt aus dem Jahr 2019!
Von Sophie Vorrath, Reneweconomy
In einem LinkedIn- Update vom Dienstag gab EDL bekannt, dass ihr Hybrid-Kraftwerk in Coober Pedy kürzlich 116 Stunden ununterbrochen ohne Diesel betrieben hat. „Das sind fast fünf Tage am Stück Energie für die traditionsreiche australische Bergbaustadt – ausschließlich erzeugt durch Wind-, Solar- und Batteriestrom“, heißt es in dem Beitrag.
Der bisherige Rekord für den längsten ununterbrochenen Betrieb mit 100 Prozent erneuerbarer Energie lag bei 97 Stunden im Dezember 2019.
Es ist sozusagen schon eine lange Zeit her, seit wir das letzte Mal davon etwas gesehen haben.
Und die große Frage lautet: „Wie viel hat das gekostet?“
Coober Pedy ist eine Stadt in der südaustralischen Wüste mit etwa 1.600 Einwohnern. 2009 versuchten sie, für 7 Millionen Dollar eine große Solaranlage zu errichten, doch das Projekt scheiterte. 2014 unternahmen sie einen neuen Versuch, der jedoch die Investitionskosten auf rund 40 Millionen Dollar erhöhte. Das Gesamtprojekt wuchs in den folgenden zwanzig Jahren zu einem wahren Stromabnahmegeschäft mit Kosten von 192 Millionen Dollar an.
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Quelle https://edlenergy.com/project/coober-pedy/
Es war so schlimm, dass die Opposition im Bundesstaat eine Untersuchung forderte, und ein unabhängiger Bericht schätzte, dass sie, wenn sie nur ein anderes Angebot eingeholt hätten, im Laufe der 20-jährigen Betriebszeit 85 Millionen Dollar (von den 192 Millionen Dollar Gesamtkosten) hätten einsparen können.
Oder sie hätten jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind 120.000 Dollar geben können, damit diese sich einen eigenen Generator kaufen können…
Und wie viel wurde dadurch in 20 Jahren eingespart?
Warte, bis du hörst:
Ein Sprecher von DSD sagte, das Projekt werde der Regierung voraussichtlich über einen Zeitraum von 20 Jahren 5,4 Millionen Dollar an Kosten für die Dieselstromerzeugung einsparen.
Die Landesregierung gab also rund 100 Millionen Dollar an unnötigen Subventionen aus, um in den nächsten zwei Jahrzehnten 5 Millionen Dollar an Brennstoffkosten einzusparen. Die gute Nachricht: Wir wissen, dass sich der Ausbau unseres nationalen Netzes für erneuerbare Energien nicht lohnt. Die schlechte Nachricht: Wir haben bereits Hunderte von Milliarden Dollar verschwendet, und das völlig unnötig.
Wie lange genau würde Australien ohne Diesel auskommen?
Weitere Machbarkeitsstudien zu Mikronetzen finden Sie hier – beispielsweise für Flinders Island , Alice Springs und Onslow .
Mit freundlicher Genehmigung von Helen D und Jim S.
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WEITERE INFORMATIONEN
Das Hybridkraftwerk Coober Pedy hat eine Kapazität von 9,25 MW, davon 1 MW Solarenergie, 4 MW Windenergie und 4,15 MW Dieselenergie.
Weitere Informationen, einschließlich eines Live-Erzeugungsberichts, sind bei der EDL Coober Pedy verfügbar. (Dort trug die Solarenergie zwischen 3:00 und 4:30 Uhr in Südaustralien 0,3 kW bei).
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https://joannenova.com.au/2026/04/renewables-finally-powers-coober-pedy-for-five-days-straight/
Der Beitrag „Erneuerbare“ Energien versorgen Coober Pedy endlich fünf Tage am Stück mit Strom! erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.
Während Westeuropa in Folge der eigenen Sanktionspolitik ökonomisch erodiert, verfolgt Budapest einen Kurs, der in Brüssel als offene Provokation gilt: 92 Prozent des ungarischen Rohöls stammen weiterhin aus Russland. Dahinter steckt kein ideologisches Bekenntnis, sondern eine nüchterne Interessenpolitik, die auf Versorgungssicherheit und Preisstabilität setzt. Das Paradoxe daran: Trotz der engen Bindung an russische Pipelines übererfüllt Ungarn seine Klimaziele bereits Jahre vor der Frist. In unserem Exklusiv-Interview analysiert der ungarische Außenjournalist Gábor Stier die physischen Realitäten eines Binnenlandes, den strategischen Coup um die serbische NIS-Raffinerie, die aggressive Rolle Kiews im Kampf um die europäische Energie-Infrastruktur und die gefährliche Balance zwischen Geopolitik und Wahltaktik – und erklärt, warum die Angriffe aus Kiew der Regierungspartei Fidesz am Ende sogar nützen könnten. Mit dem Experten sprach Éva Péli kurz vor den entscheidenden Parlamentswahlen am 12. April.
Éva Péli: Nach der Blockade der Straße von Hormus explodierten die Preise am Weltmarkt. Hat Budapest mit seiner kompromisslosen Festlegung auf landgebundene Pipelines am Ende schlicht recht behalten? Ist diese „physische Realität“ derzeit die einzige wirksame Lebensversicherung für die Volkswirtschaften Mitteleuropas?
Gábor Stier: Eindeutig. Die ungarische Strategie ist pragmatisch. Im Mittelpunkt stehen die Versorgungssicherheit, die Möglichkeit der Diversifizierung und der geringstmögliche Preis. Jetzt zeigt sich erst richtig, wie sehr dieses bodenständige Denken die Abhängigkeit verringert. Für ein Land wie Ungarn ist das ein entscheidender Aspekt. Wir sind bei fossilen Energieträgern fundamental auf Importe angewiesen.
Der Kernpunkt ist: Man muss Öl und Gas aus der größtmöglichen Nähe beziehen. Vorzugsweise sollte dies auf dem Landweg über Pipelines geschehen. Das ist am sichersten und zugleich am billigsten. Erst recht gilt das für ein Binnenland ohne eigenen Meereszugang.
Darüber hinaus bevorzugte die ungarische Regierung stets leitungsgebundenes Gas auf Basis langfristiger Verträge gegenüber Flüssiggas (LNG). Es ist eine Ironie des Schicksals, dass es nun mit beiden Optionen Probleme gibt. In Friedenszeiten ist es schwer, sich die Realität einer Kriegssituation vorzustellen. Nun haben wir bereits zwei Kriege – beziehungsweise drei, wenn wir den Konflikt mit der EU-Kommission dazuzählen. Deshalb müssen Diversifizierungsmöglichkeiten geschaffen werden.
In der Gesamtschau ist Russland für Ungarn ein zuverlässiger Lieferant. Die aktuellen Unterbrechungen gehen dabei nicht von Moskau aus. Zudem lieferte Russland das Rohöl in den letzten Jahren um 15 bis 20 Prozent unter dem Weltmarktniveau. Das russische Öl passt perfekt zu den ungarischen Raffinerien; ein Wechsel wäre technisch nicht nur extrem aufwendig, sondern auch eine ökonomische Sackgasse. Zudem erweist sich der Kurs der russischen Sorte Urals derzeit als deutlich wertstabiler gegenüber den Schwankungen der Nordseesorte Brent. Ein Wechsel der Ölsorte würde Milliardeninvestitionen in die Umrüstung der Raffinerien erfordern, auf die die ungarische Industrie seit Jahrzehnten optimiert ist.
Das klingt nach einer rein technokratischen Erfolgsrechnung. Aber lässt sich diese Strategie der kurzen Wege und der staatlichen Kontrolle über Schlüsselsektoren in einer Zeit, in der die EU massiv auf Marktliberalisierung und Abkopplung drängt, dauerhaft durchhalten?
Das wichtigste Ergebnis der Energiepolitik seit 2010 ist: Ungarn konnte trotz seiner Importabhängigkeit die Versorgungssicherheit garantieren. Dies geschah zeitgleich mit der termingerechten Umsetzung des Übergangs zu sauberer Energie. Zudem wurden erschwingliche Energiepreise sichergestellt. Die unorthodoxe ungarische Energiepolitik hat sich als krisenfest erwiesen. Das ist maßgeblich der Rückgewinnung des staatlichen Einflusses auf Schlüsselsektoren und Infrastrukturen nach 2010 zu verdanken.
Blicken wir auf die nackten Zahlen jenseits der medialen Schlagzeilen. Wie resilient ist das ungarische Energiemodell tatsächlich? Wie groß ist die Abhängigkeitslücke, die ohne russische Lieferungen einen sofortigen Industriestopp auslösen würde? Und inwieweit konnten Investitionen in Solar- und erneuerbare Energiequellen diesen „seidenen Faden“ bereits verstärken?
Ungarn hat sich verpflichtet, seine Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die neuesten Daten zeigen: Mit einer Reduktion von 43 Prozent haben wir dieses Ziel bereits 2023 übererfüllt. Bis 2030 ist sogar eine Senkung um bis zu 52 Prozent wahrscheinlich.
Dieser Erfolg spiegelt sich in der gesamten Energiebilanz wider: Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung stieg bis 2025 auf 38 Prozent. Dadurch sank die Kohlenstoffintensität der Stromproduktion seit 2010 um 44 Prozent, während die Stromimporte gleichzeitig von 32 auf nahe 20 Prozent zurückgingen. Auch bei der Wärmeerzeugung hat sich der Anteil der Erneuerbaren in 15 Jahren auf stolze 25 Prozent verdoppelt.
Auch im Verkehrssektor zeigt die Kurve nach oben: Lag der Anteil der Erneuerbaren 2010 noch bei etwa sechs Prozent – damals fast ausschließlich durch Biokraftstoffe –, hat er sich bis heute auf rund 15 Prozent mehr als verdoppelt. Neben der klassischen Beimischung treiben nun vor allem die Elektromobilität und der Ausbau des grünen Schienenverkehrs diesen Wandel voran. Der Anteil fossiler Energieträger im ungarischen Gesamtmix sinkt somit kontinuierlich und messbar.
Das ist eine beeindruckende Bilanz beim Klimaschutz, die in Deutschland kaum bekannt ist. Aber wie passt das zu der Tatsache, dass Ihre „Abhängigkeit“ beim Öl sogar noch gestiegen ist? Rechnen sich die russischen Importe trotz des politischen Drucks immer noch so massiv?
Tatsächlich stammten 2025 rund 92 Prozent des ungarischen Rohöls aus Russland – ein massiver Anstieg gegenüber den 61 Prozent von 2021. Das ist jedoch kein politisches Statement, sondern die Folge blockierter Handelswege und schlichter ökonomischer Vernunft: Russland bleibt für ein Binnenland wie Ungarn derzeit alternativlos.
Eine aktuelle Studie des Centre for the Study of Democracy belegt das: Der ungarische Energiekonzern MOL zahlte für russisches Öl im Schnitt ein Fünftel weniger als für nicht-russische Ware. Diese Preisdifferenz bescherte der MOL allein im Jahr 2025 eine monatliche Ersparnis von durchschnittlich 47,3 Millionen Euro. Man kauft also weiterhin russisches Öl, weil der Preisvorteil gegenüber der Nordseesorte Brent zu groß ist, um ihn zu ignorieren.
Ohne die „Druschba“-Leitung steigen jedoch die Versorgungsrisiken. Theoretisch gäbe es Alternativen aus Nordafrika oder Zentralasien, die per Schiff über das kroatische Omišalj und die Adria-Pipeline nach Ungarn fließen könnten. Doch in der Praxis scheiterte die Adria-Leitung zuletzt an einem Belastungstest. Eine weitere Option, die ukrainische Odessa-Brody-Pipeline, bleibt vorerst Zukunftsmusik: Sie setzt nicht nur Frieden, sondern auch massive Investitionen in eine marode Infrastruktur voraus.
[Anm. d. Red.: Omišalj ist ein kleiner Hafenort an der Nordküste der kroatischen Insel Krk, der für die Energieversorgung Ungarns und ganz Mitteleuropas eine strategische Schlüsselrolle einnimmt.]
Beim Öl sehen wir also eine rein ökonomische Logik. Aber wie steht es um das Erdgas? Kiew hat den Transit gestoppt – hat Ungarn hier nicht mittlerweile seine strategische Tiefe verloren?
Ungarns Erdgasimporte stiegen 2025 signifikant auf 12,4 Milliarden Kubikmeter. Das ist eine Steigerung von 24 Prozent gegenüber 2024, was teilweise am erhöhten Transitbedarf liegt. Der ungarische Eigenverbrauch liegt bei etwa acht Milliarden Kubikmetern. Davon stammen rund 1,5 Milliarden bereits aus heimischer Förderung. Im vergangenen Jahr kamen fast acht Milliarden Kubikmeter russisches Erdgas aus südlicher Richtung nach Ungarn. Das bedeutet: Die TurkStream-Pipeline lief im Grunde unter Volllast.
Rund zwei Milliarden Kubikmeter Gas flossen zudem aus Rumänien und Kroatien ein – zwei Quellen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit „russlandfrei“ sind. Während die Verbindung nach Rumänien auf künftige Schwarzmeer-Gasfelder setzt, dient Kroatien mit seinem LNG-Terminal auf Krk bereits heute als wichtigste Route für die internationalen Zukäufe des Staatskonzerns MVM.
2025 zog auch der West-Import an. Aus Richtung Österreich kamen fast drei Milliarden Kubikmeter Gas nach Ungarn. Da jedoch im vergangenen Jahr der ukrainische Transit eingestellt wurde, beläuft sich der russische Anteil an den Gesamtimporten immer noch auf gut 60 Prozent. Ungarn ist zu einem bedeutenden regionalen Transitland geworden. Ein Teil des Gases wird in die Slowakei und ein größerer Teil in die Ukraine weitergeleitet. 46 Prozent der ukrainischen Importe stammten 2025 aus Ungarn. Hauptquelle bleibt Russland. Die ungarische Regierung unterzeichnete 2021 einen langfristigen Vertrag über 15 Jahre mit dem russischen Erdgaskonzern Gazprom. Das Gas kommt über zwei Routen: Der größere Teil von Süden über TurkStream und BalkanStream durch Serbien, ein kleinerer Teil aus Richtung Österreich.
Kiew konnte Ungarn mit der Einstellung des Transits 2025 also nicht unter Druck setzen. Selbst eine Aktion gegen die TurkStream würde das Land nicht in die Knie zwingen. Ungarn ist gut in das europäische Leitungsnetz eingebettet. Die Kapazitäten der grenzüberschreitenden Leitungen sind groß. Zudem steht Ungarn bei den Erdgasspeichern sehr gut da. Die Versorgung wäre physisch in Ordnung. Nur mit der Bezahlbarkeit gäbe es im Falle eines Stopps Probleme. In Ländern wie Deutschland oder Österreich ist der Gaspreis für Haushalte heute doppelt so hoch wie vor der Abkopplung von den Energiequellen aus Russland.
Kommen wir zur physischen Sicherheit. Seit der Sprengung von Nord Stream ist die TurkStream zur kritischsten Energie-Schlagader für Südosteuropa geworden. Wie groß schätzt man in Budapest das Risiko ein, dass auch diese Leitung Ziel einer sabotierten „Aktion“ wird?
Das Risiko wächst ständig. Die Ukrainer greifen heutzutage bereits wöchentlich die Kompressorstationen von BlueStream und TurkStream an. Die Antwort der ungarischen Regierung auf solche Angriffe und die Blockierung der Druschba-Pipeline ist klar: Sie stellt nach dem Diesel schrittweise auch den Gasexport in die Ukraine ein. Angriffe auf solche kritischen Anlagen galten lange als Tabu. Dieses Tabu ist heute gefallen. Die Blockierung oder Kontrolle von Transportwegen ist heute eine Waffe. Genau deshalb sind Diversifizierung und alternative Routen unerlässlich.
Aber begeben wir uns hier nicht in eine neue Falle? Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán setzt massiv auf Ankara als neuen Energie-Hub. Riskieren wir hier nicht, eine „Abhängigkeit“ von Russland lediglich gegen eine geopolitisch unberechenbare „Abhängigkeit“ von der Türkei einzutauschen?
Davon gehe ich nicht aus. Die Abhängigkeit von Moskau war stets gegenseitig. Das wird bei den europäischen Narrativen heute gerne weggelassen. Im Übrigen hat die Orbán-Regierung pragmatische Arbeitsbeziehungen sowohl zu Moskau als auch zu Ankara aufgebaut. Das hilft dabei, „Überraschungen“ zu vermeiden.
Dass Geopolitik schwerer wiegt als nackte Zahlen, zeigt die Übernahme der serbischen NIS-Raffinerie durch die MOL. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der serbische Staat als Käufer auftreten wollte und bereit war, für die Anteile von Lukoil und Rosneft bis zum Doppelten des ungarischen Angebots zu zahlen. Doch am Ende entschied nicht der höchste Preis, sondern der Eigentümer: Die russische Seite gab den Ungarn den Vorzug – ein Deal, den Washington stillschweigend billigte und den Belgrad schließlich akzeptieren musste. Diese Transaktion beweist: Im Energiegeschäft sind Vertrauen und langfristige strategische Allianz oft die härtere Währung als das höchste Gebot.
Damit wäre die MOL nun ein zentraler Akteur auf dem Balkan. Aber wie sichert man dieses neue Portfolio physisch ab, wenn die alten Versorgungswege wegbrechen?
Solange Ungarn Zugang zu russischem Öl hat, wird die Raffinerie in Pančevo künftig über die neue Leitung Algyő – Novi Sad versorgt. Diese Verbindung wird derzeit im Eiltempo realisiert und schließt Serbien an das kroatische Janaf-System (Adria-Pipeline) an.
Das Ergebnis ist ein strategischer Doppelsieg: Einerseits wird die Rohölversorgung diversifiziert, andererseits entstehen neue Produktleitungen, über die Kraftstoffe aus Pančevo in die gesamte mitteleuropäische Region fließen können. Serbien wird so viel enger in den EU-Binnenmarkt eingebunden. Mit dem Einstieg der MOL gewinnt das Portfolio eine echte mitteleuropäische Dimension und sichert Budapest langfristig einen massiv erweiterten strategischen Handlungsspielraum.
Aber wie verkauft man diese nüchterne Realpolitik den Wählern? Die staatliche Deckelung der Energiekosten wird in Brüssel gern als marktentstellender Populismus gebrandmarkt. Welches politische Gewicht hat dieses Schutznetz im aktuellen Wahlkampf?
Damit verhält es sich wie mit den Maßnahmen gegen die Migration. Erst wurde die Regierung als „faschistisch“ tituliert und von der EU bestraft. Heute sagt man in der gesamten Union dasselbe wie Viktor Orbán im Jahr 2016. Auch die Nebenkostensenkung wurde als marktfeindlich gebrandmarkt. Nun dämpfen viele Staaten mit ähnlichen Maßnahmen die Krisenauswirkungen für die Bevölkerung. Das ist ein scheinheiliges Verhalten.
Was den Wahlkampf betrifft: Die Regierung beweist seit Langem, dass Populismus keine schlechte Sache sein muss. Die Macht lässt die Hand der Bevölkerung nicht los. Dem Durchschnittsbürger ist das egal, solange die Stabilität gewahrt bleibt. Übrigens ist das kein Wundermittel. Auch Unzufriedene genießen die Vorteile dieser Politik und wählen dann doch die Opposition. Aber besonders die ärmeren Schichten zählen auf die Fürsorge des Staates und wählen Orbán.
Ob diese Politik nachhaltig ist? Sicher nicht bis in alle Ewigkeit. Aber hoffentlich dauert die Krise nicht ewig. Bei den Kraftstoffen gibt es wegen des hohen Steueranteils noch Reserven. Zudem sind die russischen Energieträger spürbar billiger. Bei langfristigen Verträgen ist die Situation kalkulierbarer. Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass die Dienstleister teilweise in staatlichem Eigentum sind. Das erhöht den Handlungsspielraum massiv.
Wenige Tage vor der Parlamentswahl am kommenden Sonntag gerät Ungarn ins Kreuzfeuer globaler Strategien. Während US-Vizepräsident James D. Vance Ministerpräsident Viktor Orbán am Dienstag mit einem 500-Millionen-Dollar-Öldeal gegen Brüssel unterstützt, verschärfen Bundeskanzler Friedrich Merz und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Druck auf die ungarische Versorgungssicherheit.
Herr Stier, US-Vizepräsident J. D. Vance hat Viktor Orbán am Dienstag in Budapest als „profundesten Anführer Europas in der Energiesicherheit“ geadelt. Hinter dem zeremoniellen Lob steht ein harter Deal: Der Kauf von 500.000 Tonnen US-Rohöl im Wert von einer halben Milliarde US-Dollar. Während der Rest der EU im Sog von Sanktionen und des Iran-Konflikts ökonomisch erodiert – fungiert dieser Ausbau der transatlantischen Energie-Achse als eine Art strategische „Lebensversicherung“ für Budapest?
Nichts ist für die Ewigkeit, und es ist auch keine hundertprozentige Lebensversicherung – man sieht ja, dass Washington sich in die ungarisch-ukrainischen EU-Streitigkeiten nicht einmischt und Ungarn nicht verteidigt –, aber im Bedarfsfall könnte Orbán auf Trump zählen. Natürlich gäbe es auch diese Hilfe nicht umsonst.
Es halten sich hartnäckige Gerüchte, dass hinter der drastischen Erhöhung der kroatischen Transitgebühren in Wahrheit das Berliner Kanzleramt unter Friedrich Merz steckt. Erleben wir gerade, wie europäische Infrastrukturen als geopolitische Waffe gegen ein unliebsames EU-Mitglied instrumentalisiert werden?
Alle Anzeichen deuten darauf hin. Bisher hat Berlin nur hinter den Kulissen intrigiert, während Friedrich Merz Ungarn nun bereits offen droht. Was sich in der EU rund um die ungarische Energiepolitik abspielt, zeigt deutlich die Zerrissenheit der Union. Ungarn kann Brüssel nicht vertrauen, während Budapest seitens der EU-Führung unter Generalverdacht gestellt wird.
Ein absurdes Detail der aktuellen Krise: Ungarn und die Slowakei stützen die ukrainische Strom- und Dieselversorgung massiv – oft ironischerweise auf Basis russischer Rohstoffe. Welcher Logik folgt Kiew, wenn es ausgerechnet jene Pipelines blockiert, die das eigene Hinterland am Leben halten?
Hass macht blind und lässt einen nicht rational denken. Zudem glaubt Kiew, dass immer jemand zur Hilfe eilen wird. Da wäre ich mir nicht so sicher. Und noch etwas: Für die ukrainische Führung spielt der Preis keine Rolle, da nicht sie ihn bezahlt. Vorerst.
Beobachter sprechen von einer regelrechten Fluchtbewegung: Deutsche Autohersteller weichen vor der Berliner Energiepolitik nach Ungarn aus. Inwieweit profitiert der Standort Ungarn faktisch von dieser Deindustrialisierung Deutschlands?
Die deutschen Autohersteller haben Ungarn nicht erst jetzt gefunden. Dass sich diese Zusammenarbeit für alle lohnt, zeigt sich darin, dass sie trotz der Spannungen im bilateralen Verhältnis funktioniert. Die ungarische Wirtschaft profitiert davon, obwohl sie den deutschen Firmen aufgrund des Wettbewerbs um Investitionen in der Region erhebliche Vergünstigungen gewährt. Diese Situation stabilisiert den Arbeitsmarkt und treibt auch das BIP nach oben.
Am 5. Februar wurde mit dem Bau beim russischen Paks-II-Projekt in Ungarn begonnen, während US-Außenminister Marco Rubio genau zu diesem Zeitpunkt ein Abkommen über die kleinen modularen Reaktoren (SMR) der USA unterzeichnete. Ist diese Strategie machbar? Vertragen sich die zwei rivalisierenden Nukleartechnologien nebeneinander, ohne das Land in unkontrollierbare Abhängigkeiten zu stürzen?
Diese Abhängigkeit ist gegenseitig und zum beiderseitigen Vorteil; zwischen Budapest und Moskau funktioniert das seit Jahrzehnten. Was die US-amerikanischen oder französischen Zulieferungen betrifft, so hat die ungarische Regierung damit die – nach langem Hin und Her endlich eingekehrte – Ruhe um das Projekt „gekauft“.
Daher ist es unverständlich, dass Siemens aus ideologischen Gründen von der eigenen Regierung [der deutschen Bundesregierung] vom Paks-II-Projekt ausgeschlossen wurde. Was das SMR-Geschäft mit den USA betrifft, so hat Ungarn daran vorerst keinen dringenden Bedarf. Es fehlt auch das Geld dafür, zudem verfügen die USA derzeit selbst noch nicht über einsatzbereite kleine modularen Reaktoren. Doch mit diesem Geschäft konnte man die ungarisch-amerikanische Zusammenarbeit „ölen“. Problematischer ist der nukleare Brennstoff von Westinghouse, da es sich dort um zwei verschiedene Technologien handelt, aber warten wir auch da das Ende ab.
Fabio De Masi vom BSW meint, deutsche Steuerzahler müssten Ungarn eigentlich für seine Standhaftigkeit danken, da Budapest Milliardenverluste für die europäische Industrie abwendet. Verleiht diese Schützenhilfe aus Deutschland der ungarischen Regierung spürbaren Rückenwind bei den Verhandlungen in Brüssel?
Wie wir sehen, gar nicht, da Kanzler Merz der ungarischen Regierung wegen der Blockade bereits mit ernsthaften Konsequenzen droht.
Fünf Tage vor der Wahl steht die TISZA-Partei im Rampenlicht. Ist diese Bewegung ein echtes, von unten gewachsenes ungarisches Phänomen – oder fungiert sie eher als Vehikel für externe Kräfte, die in Budapest endlich den langersehnten Machtwechsel erzwingen wollen?
Lassen wir diesen Begriff „Systemwechsel“ als Kampagnen-Slogan beiseite. Wenn es dazu kommt, wird es ein Machtwechsel sein. Und zwar deshalb, weil der Fidesz nach 16 Jahren ermüdet ist; im letzten Zyklus hat er zudem nicht nur mehr als üblich Fehler gemacht, sondern auch die äußeren Umstände waren dem Erhalt der wirtschaftlichen Stabilität nicht förderlich.
Aus dieser Unzufriedenheit ist die Tisza gewachsen, die am Anfang vor allem von Péter Magyar, dem Vorsitzenden der Partei, und seinen Rachegelüsten getrieben wurde, woraufhin dann auch externe Kräfte die Chance in der Partei witterten, Orbán abzulösen. Die Opposition ist auch deshalb stark, weil sie im Gegensatz zu früher nicht gespalten ist, und der frühere Zauber des Fidesz ist gebrochen. Hinzu kommt, dass hinter den unbestreitbaren außenpolitischen Erfolgen ernsthafte wirtschaftliche Probleme, ein schlechter Stil und Korruption stehen. So kann es passieren, dass, während in Europa gerade jene politischen Kräfte erstarken, die durch Viktor Orbán geprägt sind, in Ungarn gegen diesen Trend ein Machtwechsel stattfindet.
Es wirkt wie ein Paradoxon: International ist Orbán der Ideengeber für die europäische Rechte, doch im eigenen Land kämpft er um sein politisches Überleben. In dieser brenzligen Lage fällt die extreme Rhetorik aus Kiew auf – spielt diese aggressive Einmischung der Opposition in die Hände oder bewirkt sie das Gegenteil?
Ich halte es für unglücklich, dass die Ukraine-Frage zu einem der zentralen Themen des Wahlkampfs geworden ist. Die ungarische Gesellschaft ist in dieser Frage gespalten, weil sie auch dies durch das Prisma der Einstellung zu Orbán betrachtet.
Doch noch erstaunlicher ist, wie die ukrainische Führung sich gegenüber Ungarn verhält. Es ist, als ob Präsident Wolodymyr Selenskyj und sein Team beleidigt wären, weil es ein Land gibt, das keinen Krieg will und Nein zu einer übereilten EU-Integration der Ukraine sagt. In diesem Geist greifen sie offen in den Wahlkampf ein und tun alles dafür, dass Viktor Orbán stürzt. Die ukrainische Führung merkt in ihrem Hass nicht einmal, dass sie mit diesen groben Äußerungen im Kneipenstil im Wesentlichen all das bestätigt, was Orbán behauptet. So macht derzeit gerade Selenskyj am effektivsten Wahlkampf für den Sieg des Fidesz.
Trotz dieser „Wahlhilfe“ durch Selenskyj bleibt das Narrativ der „äußeren Einmischung“ das bestimmende Thema. In Brüssel und Washington wird bereits jetzt vor der „russischen Karte“ gewarnt. Erleben wir hier eine reale Gefahr oder den Versuch, ein missliebiges Wahlergebnis bereits im Vorfeld moralisch zu diskreditieren?
In Wahlen wurde schon immer und überall eingegriffen – im Zeitalter der sozialen Medien ist dies fast unvermeidlich geworden. Dabei beobachten wir oft, wie sich verschiedene Interventionen gegenseitig neutralisieren. Die sozialen Medien sind jedoch ein besonders effektives Werkzeug der Einflussnahme: Wir erleben persönlich, wie in diesem digitalen Raum konservative Ansichten unterdrückt oder gar gesperrt werden. Das ist eine eindeutige Einmischung – und zwar explizit gegen die konservativen Kräfte.
Parallel dazu wird bereits das Narrativ für den Fall eines Fidesz-Sieges vorbereitet: Man will das Ergebnis vorab als Produkt russischer Manipulation delegitimieren. Davon handeln die aktuellen Artikel in der Washington Post oder der Financial Times. Wie schon in Rumänien, Moldau oder nach den US-Wahlen 2016 wird hier die „russische Karte“ gespielt. Das Ziel ist die Diskreditierung des Wahlsiegs und die Infragestellung der demokratischen Legitimität. Dieses Drehbuch ist hinlänglich bekannt. Ob die Russen tatsächlich nachweislich eingegriffen haben, spielt dabei für die Akteure keine Rolle. Es geht allein darum, die Legitimität der Regierung zu schwächen – selbst um den Preis einer innenpolitischen Destabilisierung.
Warum herrscht eigentlich dieses Schweigen über die dokumentierten Einmischungsversuche Kiews oder den sanften Druck des Brüsseler Mainstreams, während man sich ausschließlich auf die „russische Gefahr“ fokussiert?
Es reicht, Bundeskanzler Friedrich Merz zuzuhören: Man spürt deutlich, dass es hier längst nicht mehr nur um Sympathiebekundungen geht, sondern um konkrete Drohungen. Eines ist sicher: So haben wir uns die westliche Demokratie vor vier Jahrzehnten nicht vorgestellt.
Blicken wir auf die Zielgerade: Der Wahlkampf ist zu einer Schlammschlacht aus Spionagevorwürfen und Geheimdienstleaks verkommen. Was ist Ihre persönliche Prognose für den 12. April?
Dieser Wahlkampf ist gleichzeitig sehr hart und extrem interessant. Beide Seiten arbeiten enorm viel, erreichen damit aber eher nur das eigene Lager. Während der Fidesz die „ukrainische Karte“ ausspielt, spielt die Tisza die „russische Karte“.
Gegen Péter Magyar spricht, dass sein Programm sich im Wesentlichen auf den Sturz von Orbán beschränkt. Nach dem Hochfahren der Spionagevorwürfe kam nun US-Vizepräsident Vance am Dienstag nach Budapest. Ich denke, dass derzeit die Chancen des hochgefahrenen Fidesz um ein Haar besser sind und er 106 bis 110 Mandate [von insgesamt 199] erringen könnte.
Sollte am Sonntag tatsächlich ein Machtwechsel erfolgen – wie viel realen Spielraum hätte eine neue Regierung überhaupt, um die tief verwurzelten Beziehungen zu Moskau und Peking zu kappen, ohne das Land in den Staatsbankrott zu führen?
Die Opposition rechnet mit den bisher zurückgehaltenen europäischen Geldern. Es besteht kaum ein Zweifel, dass im Falle ihres Sieges die Brüsseler Bedenken plötzlich verschwinden würden und die Rechtsstaatlichkeit auf einmal „wiederhergestellt“ wäre. Die EU würde im Gegenzug erwarten, dass die Regierung Moskau und Peking den Rücken kehrt.
Da dies jedoch auch die übrigen europäischen Länder auf recht scheinheilige Weise tun, würde Budapest wohl auch nicht sofort und vollständig damit brechen. Egal welche Regierung Ungarn haben wird, sie muss das wirtschaftliche Problem bewältigen. Während der Fidesz dies auf die bisher bekannte Weise tun würde, täte es die Tisza mit Steuererhöhungen und dem Erlangen der europäischen Gelder. Dies hätte jedoch einen hohen Preis.
Vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch, Herr Stier.
Titelbild: Hirado.hu / Horváth Péter Gyula ![]()
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Die hohen Energiekosten bringen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nicht von der Energiewende ab. Ein „Netzanschlusspaket“ soll das 80-Prozent-Ausbauziel wieder auf Kurs bringen.
Dieser Beitrag Gastbeitrag in der FAZ Wirtschaftsministerin Reiche verteidigt die Energiewende wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.
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Harald Lesch ist berühmt dafür, dass er komplizierte Zusammenhänge angeblich einfach erklärt. Doch wie belastbar sind die Aussagen des Professors zur Energiewende tatsächlich? Ein Faktencheck.
Dieser Beitrag
Klimawandel? Harald Lesch und seine Energiewende wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.
Fast ein Jahr nach dem verheerenden Total-Stromausfall in Spanien und Portugal am 28. April 2025 hat der Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) seinen Abschlussbericht vorgelegt. Was den Bürgern als nüchterne Analyse verkauft wird, ist in Wahrheit ein vernichtendes Zeugnis für die politisch erzwungene “Energiewende” und eine düstere Warnung für ganz Europa.
Es brauchte sage und schreibe 49 hochbezahlte “Experten” aus diversen Behörden, Netzbetreibern und Regulierungsstellen, um herauszufinden, was kritische Beobachter und echte Fachleute schon seit Jahren predigen: Ein Stromnetz, das auf ideologischen Wunschträumen statt auf physikalischen Realitäten aufbaut, bricht unweigerlich zusammen. Am 28. April 2025 um 12:33 Uhr gingen in Kontinentalspanien und Portugal die Lichter aus. Nichts ging mehr. Selbst im angrenzenden Südwesten Frankreichs kam es zu Ausfällen bei Industriekunden. Es war der schwerste Blackout in Europa seit über 20 Jahren. Nun präsentierte uns die ENTSO-E die Gründe dafür.
Im feinsten Technokraten-Sprech ist im Bericht von “Oszillationen”, “Lücken bei der Spannungs- und Blindleistungsregelung”, “schnellen Leistungsminderungen” und “ungleichmäßigen Stabilisierungsfähigkeiten” die Rede. Übersetzt aus dem Behörden-Neusprech in einfaches Deutsch heißt das: Der Flatterstrom aus Wind und Sonne, gepaart mit dem politisch gewollten Abschalten verlässlicher Grundlastkraftwerke, hat das Netz derart destabilisiert, dass es kollabierte. Mehr noch: Es musste einfach irgendwann kollabieren.
Wenn die rotierenden Massen klassischer Kraftwerke fehlen, die unser Stromnetz jahrzehntelang sicher und stabil gehalten haben, genügen schon kleine Schwankungen, um eine fatale Kettenreaktion (“kaskadierende Generatorabschaltungen”) auszulösen. Denn die Stromnetze funktionieren nur in engen Bandbreiten, die vom wechselhaften Wind- und Solarstrom ohne ständige Eingriffe durch die Netzbetreiber gar nicht gehalten werden können.
Besonders entlarvend ist die Schlussfolgerung der Experten-Kommission. Man stellt fest, dass sich die “regulatorischen Rahmenbedingungen anpassen müssen, um die sich entwickelnde Natur des Stromsystems zu unterstützen”. Bitte lesen Sie diesen Satz zweimal. Die “sich entwickelnde Natur” ist ein zynischer Euphemismus für die mutwillige Zerstörung der früher sichersten Energieversorgung der Welt. Weil die grüne Ideologie nicht mit den Gesetzen der Physik vereinbar ist, sollen nun also die Gesetze, die Märkte und die Vorschriften an den Öko-Wahn angepasst werden. Koste es, was es wolle.
Die ENTSO-E gibt unumwunden zu, dass dieser Blackout ein “erstmaliges Ereignis dieser Art” war und dass lokale Entwicklungen (sprich: der unkoordinierte Ausbau von Erneuerbaren ohne Speicher- und Regulierungskapazitäten) das gesamte europäische Netz in den Abgrund reißen können.
Doch wer glaubt, dass die Verantwortlichen in Brüssel, Berlin oder Wien daraus lernen und den Irrweg der “Energiewende” stoppen, irrt gewaltig. Stattdessen fordert das Gremium eine “engere Koordination”, einen “Datenaustausch” und eine “verbesserte Überwachung”. Am Ende also fordert man einfach nur mehr Bürokratie, anstatt sich ernsthafte Gedanken über die Zukunft der europäischen Stromversorgung zu machen.
Für die Bürger Europas ist dieser Bericht ein Alarmsignal. Spanien und Portugal waren nur der Anfang. Wenn die Politik weiterhin die physikalischen Grenzen unseres Stromnetzes ignoriert, um den Klima-Götzen zu huldigen, werden wir uns an dunkle, kalte Nächte und stillstehende Fabriken gewöhnen müssen.
Pressemittelung der SDN Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V.
Forschungsergebnisse des Helmholtz-Zentrums Hereon haben erstmals die langfristige Gesamtwirkung der Vielzahl von Windparks auf Luft- und Meeresströmungen der Nordsee aufgezeigt.
Deutsche Nordsee. „Schon früh haben wir vor diesem extremen
Industrie-Ausbau in unserer Nordsee gewarnt,“ führt SDN-Vorsitzender
Gerd-Christian Wagner aus und fügt hinzu, dass die SDN schon zu Beginn
des Ausbaues, neben der Stationierung ausreichender Notschlepp-Kapazitäten nahe der Parks, auf die Auswirkungen auf Meeresökologie wie Strömungsverhältnisse hingewiesen hat. „Nun zeigt sich mit dieser ersten Studie zur Gesamtwirkung der riesigen Offshore-Windparks auf die Meeres- und Luftströmungen, wie berechtigt unsere Forderungen waren und noch sind!“
Die Rotoren entziehen dem Wind Energie und beeinflussen die
Oberflächenströmungen mit bis zu 20 Prozent Verlangsamung in die Nordsee
hinein. Die Turbinenpfeiler hingegen stellen unter Wasser Hindernisse dar, die die Gezeitenströmungen und – frequenzen verändern. Diese Wind- und Gezeiten-Wakes (Nachlaufeffekte) interagieren miteinander und bestimmen die komplexen, physikalischen Auswirkungen der Parks. Dadurch kann es zu großräumigen Veränderungen im Sedimenttransport und der Durchmischung des Meerwassers kommen.
Die Studie zeigt erste Hinweise darauf, wie sich strömungsbedingte Risiken für die Meeresumwelt zumindest begrenzen ließen. Nach den vorliegenden Modellsimulationen spielen vor allem der Abstand der Turbinen, die Standortwahl der Windparks sowie die lokalen Gezeitenbedingungen eine zentrale Rolle dafür, wie stark sich Strömungen, Temperaturverhältnisse und die Durchmischung des Wassers verändern.
„Diese Ergebnisse sind wenig überraschend“, erklärt der 2. SDN-Vorsitzende, Kapitän Ulrich Birstein. „Sie bestätigen vielmehr, dass großflächige Offshore-Windparks das empfindliche System der Nordsee deutlich beeinflussen. Wer die Energiewende auf See vorantreibt, muss auch die Folgen für Strömungen, Sedimenttransport und Ökosysteme ehrlich benennen.“
Zugleich warnt Birstein davor, die Auswirkungen einzelner Projekte nur isoliert zu betrachten. „Die Industrialisierung der Nordsee schreitet in vielen Bereichen gleichzeitig voran. Offshore-Windparks sind dabei nur ein Teil des Problems.“ Hinzu kämen unter anderem, neben einer steigenden Havarie-Gefahr, beispielsweise noch Unterwasserlärm, Müllbelastungen, Öl- und Gasförderung, Schlickverklappungen sowie der Ausbau von Rohrleitungen und Kabeltrassen durch die Nordsee und dem Wattenmeer.
„Jeder einzelne dieser Eingriffe belastet das Meer zusätzlich“, so Birstein. „In der Summe entsteht ein massiver Nutzungsdruck auf einen Lebens- und Naturraum, der ohnehin schon stark belastet ist. Wer die Nordsee schützen will, muss diese Entwicklungen endlich gesamthaft betrachten – und nicht nur einzelne Projekte genehmigen, ohne ihre Gesamtwirkung zu berücksichtigen.“
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Zusatz-Info 1:
Die Arbeit (https://www.nature.com/articles/s43247-026-03186-8) wurde
Mitte Februar im Nature-Fachjournal Communications Earth & Environment
vorgestellt.
Zusatz-Info 2:
Die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V. (SDN) ist ein überregionaler und gemeinnütziger Umweltschutz-Dachverband, der 1973 aufgrund umfassender Verschmutzungen der Nordsee ins Leben gerufen wurde. Seitdem engagiert sich die Schutzgemeinschaft sachlich-fachlich und parteiübergreifend für den Schutz der Nordsee als Lebens-, Wirtschafts- und Naturraum. Sie dient rund 200 Kommunen, Landkreisen, Naturschutzvereinen, Instituten, Verbänden und Einzelmitgliedern als Sprachrohr in die Öffentlichkeit sowie die Ministerialverwaltungen und Parlamente des Bundes und der vier Nordsee-Küsten-Länder. Gemeinsames Ziel: die Eigenarten und Schönheiten der Nordsee, des Wattenmeeres und der angrenzenden Küste vor schädigenden Eingriffen durch den Menschen zu schützen und Probleme des Nordseeschutzes einer Lösung zuzuführen. Einige Maßnahmen der letzten Jahrzehnte, bei denen die SDN als
Lobbyverband die Belange der Küste vertreten hat und die inzwischen als
weitgehend abgearbeitet gelten dürften, sind die Dünnsäure-, Abfall-, und Klärschlammverklappung, das Notschleppkonzept, Antifouling, Luftüberwachung, Ballastwasser, Tankreinigung, MARPOL I bis IV sowie die Anschaffung moderner Notschlepper für Nord- und Ostsee, wie aktuell auch der Unterelbe.
SDN Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste e.V.
- Pressestelle -
Peter Andryszak
[email protected]
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0172-4363439
www.sdn-web.de
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Bildquelle: Kaito Wai / shutterstock
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