NEWS 23

🔒
❌
Stats
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.
Heute — 03. Februar 2026

Der geopolitische KI-„Wettlauf“ – Angst als Triebkraft einer neuen Machtlogik

03. Februar 2026 um 12:00

Vorschau ansehen

Es ist eine auffällige Verschiebung, die sich in den vergangenen Jahren vollzogen hat: Künstliche Intelligenz ist nicht mehr primär ein Forschungsfeld, nicht mehr nur ein industrielles Innovationsversprechen, sondern ein politisches Pflichtprojekt. Kaum ein Regierungspapier, kaum eine wirtschaftspolitische Rede kommt ohne den Verweis auf KI aus. Sie gilt als Schlüsseltechnologie, als Wachstumsmotor, als Sicherheitsfaktor und zunehmend als Maßstab geopolitischer Relevanz. Diese Erzählung ist bemerkenswert, weil sie weniger aus einer klar formulierten gesellschaftlichen Zielsetzung gespeist wird als aus einem Gefühl: der Angst, zurückzufallen. Von Günther Burbach.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Wer heute nicht massiv in KI investiert, so lautet das implizite Narrativ, riskiert morgen den Verlust von Wohlstand, Sicherheit und Einfluss.

Der weltweite KI-Schub begann nicht mit einer breiten öffentlichen Debatte über Sinn, Nutzen oder Risiken. Er begann mit Vergleichen, Ranglisten und Warnungen. Politiker, Wirtschaftsvertreter und Strategen beschworen Szenarien, in denen andere Staaten, meist namentlich die USA oder China, enteilen könnten. In diesem Klima entstand eine Dynamik, die weniger von inhaltlicher Überzeugung als von präventivem Aktionismus geprägt ist. KI wurde zum Symbol politischer Handlungsfähigkeit in einer Zeit, in der klassische Steuerungsinstrumente an Wirkung verloren haben. Wer KI fördert, zeigt Aktivität. Wer zögert, riskiert den Vorwurf der Rückständigkeit.

Diese Logik erinnert an historische Phasen, in denen technologische oder militärische Entwicklungen aus ähnlichen Motiven vorangetrieben wurden. Der Vergleich mit dem Goldrausch des 19. Jahrhunderts drängt sich nicht zufällig auf. Auch damals ging es weniger um eine nachhaltige Verbesserung der Lebensverhältnisse als um schnellen Zugriff auf eine als knapp wahrgenommene Ressource. Wer zu spät kam, ging leer aus – so zumindest die Erzählung. Tatsächlich profitierten wenige, während viele scheiterten oder ausgebeutet wurden. Der entscheidende Unterschied liegt heute darin, dass die Ressource immateriell ist: Daten, Rechenleistung, Algorithmen, Know-how. Doch der Zugriff folgt ähnlichen Machtlogiken.

KI als strategische Ressource

KI ist zur neuen strategischen Ressource geworden. Staaten konkurrieren nicht mehr nur um Rohstoffe oder Produktionsstandorte, sondern um Trainingsdaten, Hochleistungschips, spezialisierte Fachkräfte und den Bau riesiger Rechenzentren. Diese Infrastruktur ist teuer, energieintensiv und langfristig wirksam. Wer sie aufbaut, legt Pfade fest, die sich über Jahrzehnte kaum korrigieren lassen. Dennoch werden entsprechende Entscheidungen häufig im Eiltempo getroffen. Förderprogramme in Milliardenhöhe werden aufgelegt, Genehmigungsverfahren beschleunigt, regulatorische Hürden abgesenkt. Parlamente und Öffentlichkeit stehen oft vor vollendeten Tatsachen.

Besonders deutlich zeigt sich diese Dynamik im internationalen Vergleich. In den USA wird KI offen als strategisches Instrument im globalen Wettbewerb definiert. Sie ist Teil sicherheitspolitischer Doktrinen, eng verknüpft mit militärischer Forschung und wirtschaftlicher Dominanz. In China fügt sich KI nahtlos in langfristige staatliche Planungen ein, die technologische Entwicklung, gesellschaftliche Steuerung und politische Kontrolle miteinander verbinden. Europa wiederum spricht von „digitaler Souveränität“, bleibt aber in zentralen Bereichen abhängig von außereuropäischen Konzernen und Technologien. Drei Machtblöcke, drei Narrative und doch ein gemeinsamer Nenner: die Furcht, abgehängt zu werden.

Das Denken ist strukturell militärisch

Diese Furcht erzeugt einen Wettlauf ohne klare Zieldefinition. KI wird ausgebaut, weil andere sie ausbauen. Investitionen rechtfertigen sich durch Investitionen. Das Denken ist strukturell militärisch: Aufrüstung erzeugt Aufrüstung. Wer innehält, verliert. Wer nachdenkt, riskiert Rückstand. In einer solchen Logik werden Grundsatzfragen schnell als Luxusproblem abgetan. Wozu soll KI konkret dienen? Welche gesellschaftlichen Probleme soll sie lösen? Wo sind ihre Grenzen? Solche Fragen gelten als nachrangig, mitunter sogar als hinderlich.

Auffällig ist dabei die Sprache, mit der dieser Prozess begleitet wird. Politiker sprechen vom „Aufholen“, vom „Anschluss sichern“, vom „Führendwerden“. Das Vokabular stammt aus dem Sport oder aus geopolitischen Rivalitätsnarrativen, nicht aus der Sozial- oder Bildungspolitik. Diese Rhetorik ist nicht neutral. Sie erzeugt Zeitdruck und legitimiert Entscheidungen, die unter normalen Umständen einer intensiven öffentlichen Debatte bedürften. Wer im Rennen liegt, hält nicht an, um über Streckenführung oder Ziel zu diskutieren.

Öffentliche Verantwortung versus private Macht

Hinzu kommt ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen öffentlicher Verantwortung und privater Macht. Während Staaten die finanziellen Risiken tragen und öffentliche Mittel mobilisieren, liegen die entscheidenden technologischen Hebel meist in den Händen weniger Konzerne. Die größten KI-Modelle, die zentralen Plattformen, die proprietären Algorithmen gehören privaten Akteuren. Öffentliche Gelder fließen in private Infrastruktur, ohne dass Transparenz, demokratische Kontrolle oder Mitsprache in gleichem Maße gewährleistet wären. Der Staat agiert als Förderer, nicht als Gestalter.

Diese Konstellation verschärft ein bekanntes Problem moderner Technologiepolitik. Entscheidungen werden vorverlagert, nicht in Parlamente oder öffentliche Debatten, sondern in technische Architektur, in Code, in Trainingsdaten. Was dort einmal festgelegt ist, entzieht sich späterer politischer Korrektur weitgehend. Algorithmen werden implementiert, Systeme skaliert, Infrastrukturen amortisiert. Der politische Raum schrumpft, während der technische expandiert. KI wird so zum Machtfaktor, unabhängig von ihrem konkreten Nutzen.

Dabei ist längst absehbar, dass KI tiefgreifende gesellschaftliche Folgen haben wird. Arbeitsmärkte verändern sich, Entscheidungsprozesse werden automatisiert, menschliche Urteilskraft wird ergänzt oder ersetzt. Dennoch dominiert in der politischen Debatte fast ausschließlich die Perspektive nationaler Wettbewerbsfähigkeit. Soziale, ethische und demokratische Fragen erscheinen als sekundär. Wer sie in den Vordergrund rückt, gerät schnell in den Verdacht, innovationsfeindlich zu sein. Diese Zuschreibung wirkt disziplinierend. Sie begrenzt den Diskurs, noch bevor er richtig begonnen hat.

Internationale Abhängigkeiten und wachsender Technologie-Nationalismus

Ein weiterer Aspekt des KI-Rausches ist die internationale Dimension technologischer Abhängigkeiten. KI wird zunehmend als strategische Infrastruktur behandelt, vergleichbar mit Energieversorgung oder Rüstungstechnologie. Exportkontrollen für Hochleistungschips, Subventionen für Halbleiterfabriken, nationale Cloud-Initiativen sind Ausdruck eines wachsenden Technologie-Nationalismus. Gleichzeitig bleiben Datenströme global, Plattformen transnational, Lieferketten komplex. Der Versuch, KI national zu kontrollieren, kollidiert mit der Realität globaler Märkte und Konzerne.

In diesem Spannungsfeld entsteht ein paradoxes Bild: Staaten investieren massiv in KI, ohne sie tatsächlich zu beherrschen. Sie beschleunigen Entwicklungen, deren langfristige Konsequenzen sie kaum abschätzen können. Der politische Wille konzentriert sich auf das „Ob“, nicht auf das „Wie“ oder „Wozu“. KI wird damit zum Selbstzweck. Sie dient als Ersatzsymbol für politische Gestaltungskraft in einer Zeit, in der viele klassische Versprechen, von sozialem Aufstieg bis zu ökologischer Stabilität, brüchig geworden sind.

Bemerkenswert ist auch, wie selten in diesem Kontext über Verzicht gesprochen wird. Kaum ein politisches Programm thematisiert bewusst die Möglichkeit, bestimmte KI-Anwendungen nicht zu entwickeln oder nicht einzusetzen. Alles, was technisch machbar erscheint, gilt implizit als legitim. Diese Haltung markiert einen tiefgreifenden kulturellen Wandel. Technik wird nicht mehr als gestaltbares Mittel betrachtet, sondern als quasi naturgesetzliche Entwicklung, der man sich anzupassen habe. Der Mensch folgt der Maschine, nicht umgekehrt.

Der geopolitische KI-Rausch ist daher weniger ein Ausdruck technologischer Notwendigkeit als ein Symptom politischer Orientierungslosigkeit. Statt klare normative Leitplanken zu definieren, flüchten sich Regierungen in Beschleunigung. Fortschritt wird relativ verstanden, nicht daran gemessen, ob er das Leben konkret verbessert, sondern daran, ob er schneller ist als der des Nachbarn. Diese Logik verdrängt absolute Maßstäbe wie Lebensqualität, Freiheit oder soziale Gerechtigkeit.

Wettlauf ohne demokratische Zieldefinition

Gerade darin liegt die eigentliche Gefahr. Ein technologischer Wettlauf ohne demokratische Zieldefinition erzeugt Fakten, die sich später kaum noch revidieren lassen. Wer heute milliardenschwere KI-Infrastrukturen aufbaut, bindet Ressourcen, schafft Abhängigkeiten und erzeugt Nutzungsdruck. Rechenzentren wollen ausgelastet werden, Datenpools genutzt, Systeme skaliert. Was einmal möglich ist, wird früher oder später eingesetzt, nicht aus gesellschaftlicher Einsicht, sondern aus ökonomischer Logik.

So entsteht ein selbstverstärkender Kreislauf: Investitionen erzeugen Nutzungszwang, Nutzung erzeugt Abhängigkeit, Abhängigkeit rechtfertigt weitere Investitionen. In diesem Kreislauf bleibt wenig Raum für demokratische Kontrolle. Politische Debatten hinken hinterher, weil sie erst einsetzen, wenn technische Tatsachen längst geschaffen sind. KI wird zur Black Box politischer Entscheidungen.

Der geopolitische KI-Rausch ist damit kein neutraler Fortschrittsprozess, sondern ein Machtprojekt. Er verschiebt Entscheidungsgewalt weg von demokratisch legitimierten Institutionen hin zu technisch-ökonomischen Akteuren. Die zentrale Frage, warum wir bestimmte Technologien entwickeln und wem sie dienen sollen, bleibt meist unbeantwortet. Solange das so ist, gleicht jede weitere Milliardeninvestition weniger einem Zukunftsprogramm als einem Blindflug.

Damit ist der Wendepunkt erreicht – nicht, weil KI allmächtig wäre, sondern weil sie politisch zur Notwendigkeit erklärt wurde. Nicht aus Einsicht, sondern aus Angst. Und Angst war historisch selten ein guter Ratgeber für nachhaltigen, gesellschaftlich eingebetteten Fortschritt.

Der Verlust politischer Gestaltung

Der geopolitische KI-Rausch bleibt nicht folgenlos. Er wirkt tief in gesellschaftliche Strukturen hinein, verändert Entscheidungsprozesse, Machtverhältnisse und letztlich das Verhältnis zwischen Bürgern und Staat. Während politische Debatten sich auf Wettbewerbsfähigkeit, Innovationsführerschaft und technologische Souveränität konzentrieren, verschiebt sich im Hintergrund schleichend die Frage, wer eigentlich noch gestaltet und wer nur noch reagiert. KI wird nicht mehr als Werkzeug betrachtet, das gesellschaftlichen Zielen dient, sondern als System, an das sich Gesellschaften anpassen müssen. Diese Umkehrung markiert eine Zäsur.

Zunächst trifft der massive KI-Ausbau auf einen Bereich, der politisch besonders sensibel ist: den Arbeitsmarkt. Kaum eine Technologie wurde in den vergangenen Jahrzehnten so widersprüchlich diskutiert. Einerseits werden Produktivitätsgewinne, Effizienzsteigerungen und Entlastung von Routinetätigkeiten versprochen. Andererseits mehren sich Hinweise darauf, dass KI nicht nur einfache Tätigkeiten ersetzt, sondern zunehmend auch qualifizierte, wissensbasierte Arbeit. Entscheidungen, die früher menschlicher Abwägung unterlagen, werden algorithmisch vorstrukturiert oder vollständig automatisiert. Die politische Antwort darauf bleibt auffällig vage. Statt über neue Formen sozialer Absicherung, Arbeitszeitverkürzung oder Umverteilung zu sprechen, dominiert die Hoffnung, der Markt werde es richten.

Diese Hoffnung ist riskant, weil sie an einer zentralen Realität vorbeigeht: KI verändert nicht nur, was gearbeitet wird, sondern wie gesellschaftliche Wertschöpfung verteilt ist. Wer die Systeme kontrolliert, kontrolliert die Erträge. Daten, Modelle und Plattformen konzentrieren sich bei wenigen Akteuren. Der Staat, der den Ausbau fördert, gerät in eine paradoxe Rolle. Er finanziert Strukturen, die seine eigene Gestaltungsmacht untergraben können. Öffentliche Mittel fließen in private Infrastrukturen, während die demokratische Kontrolle begrenzt bleibt. Die Gesellschaft trägt die Anpassungskosten, ohne proportional an den Gewinnen beteiligt zu sein.

Noch gravierender sind die Auswirkungen auf staatliche Entscheidungsprozesse selbst. Verwaltungen setzen zunehmend auf KI-gestützte Systeme, um Anträge zu bearbeiten, Risiken zu bewerten oder Ressourcen zuzuweisen. Was als Effizienzsteigerung beginnt, verändert schrittweise die Logik staatlichen Handelns. Entscheidungen werden standardisiert, Kriterien formalisiert, Abweichungen als Störfaktoren behandelt. Der Ermessensspielraum schrumpft, nicht unbedingt aus bösem Willen, sondern aus systemischer Logik. Algorithmen arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten, nicht mit Einzelfällen. Doch Demokratie lebt vom Umgang mit dem Besonderen.

Gefährliche Verschiebung: Verantwortung tragen „die Systeme“

Hier entsteht eine neue Form politischer Entlastung. Verantwortung wird an Systeme delegiert, deren Funktionsweise selbst für Experten oft nur eingeschränkt nachvollziehbar ist. Wenn Entscheidungen als Ergebnis „objektiver“ Berechnungen erscheinen, geraten politische Bewertungen in den Hintergrund. Fehler lassen sich externalisieren: Nicht die Politik hat entschieden, sondern das System. Diese Verschiebung ist gefährlich, weil sie die Rechenschaftspflicht aushöhlt. Demokratie basiert auf der Möglichkeit, Entscheidungen zu hinterfragen, Verantwortliche zur Rede zu stellen und Alternativen einzufordern. Black-Box-Systeme entziehen sich dieser Logik.

Besonders problematisch ist dabei, dass viele dieser Systeme auf Daten basieren, die gesellschaftliche Ungleichheiten reproduzieren. KI lernt aus der Vergangenheit. Wenn diese Vergangenheit von Diskriminierung, sozialer Selektion oder struktureller Benachteiligung geprägt ist, schreiben Algorithmen diese Muster fort. Der technologische Fortschritt tarnt alte Probleme in neuem Gewand. Doch statt diese Risiken offen zu diskutieren, werden sie oft als technische Details behandelt, die sich im laufenden Betrieb optimieren ließen. Die politische Dimension bleibt unterbelichtet.

Parallel dazu verändert sich die öffentliche Debattenkultur. KI-gestützte Systeme beeinflussen, welche Informationen sichtbar werden, welche Inhalte Reichweite erhalten und welche Stimmen gehört werden. Plattformlogiken priorisieren Aufmerksamkeit, nicht Wahrheit oder Relevanz. Was emotionalisiert, polarisiert oder bestätigt, setzt sich durch. Diese Dynamik ist kein Nebeneffekt, sondern Teil des ökonomischen Modells. Der politische Diskurs wird dadurch fragmentierter, anfälliger für Manipulation und schwerer steuerbar. Demokratie jedoch ist auf einen gemeinsamen öffentlichen Raum angewiesen, in dem Argumente abgewogen werden können.

Desinformation und Einflussnahme

Der Staat steht diesem Prozess oft ambivalent gegenüber. Einerseits warnt er vor Desinformation und Einflussnahme, andererseits nutzt er selbst datengetriebene Instrumente zur Meinungsanalyse, Sicherheitsbewertung oder Verhaltenssteuerung. Die Grenze zwischen Schutz und Kontrolle wird unscharf. KI wird damit Teil eines umfassenderen Trends zur Technokratisierung politischer Prozesse. Entscheidungen erscheinen zunehmend als technische Notwendigkeiten, nicht als politische Abwägungen. Das reduziert Komplexität, aber auch demokratische Teilhabe.

In diesem Kontext gewinnt der Begriff der „digitalen Souveränität“ eine zentrale, zugleich widersprüchliche Bedeutung. Er suggeriert Kontrolle und Selbstbestimmung, verdeckt jedoch oft reale Abhängigkeiten. Nationale KI-Strategien versprechen Autonomie, während zentrale Komponenten, von Cloud-Infrastrukturen über Trainingsdaten bis hin zu Basismodellen, von global agierenden Konzernen bereitgestellt werden. Der Handlungsspielraum des Staates beschränkt sich auf Regulierung im Nachhinein. Gestaltung im eigentlichen Sinne findet kaum statt.

Hinzu kommt ein langfristiger Effekt, der selten thematisiert wird: der Verlust politischer Vorstellungskraft. Wenn Technik als alternativlos gilt, schrumpft der Raum für gesellschaftliche Visionen. Politik reagiert, statt zu entwerfen. KI wird zur Projektionsfläche für ungelöste Probleme: Sie soll Verwaltung effizienter, Wirtschaft wettbewerbsfähiger, Sicherheit verlässlicher machen. Doch diese Erwartungen ersetzen keine politischen Konzepte. Sie verschieben Verantwortung. Statt über gerechte Verteilung, soziale Teilhabe oder demokratische Kontrolle zu sprechen, wird auf technologische Lösungen verwiesen.

Ein bewusster Verzicht erscheint als Schwäche

Diese Verschiebung zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit Verzicht. In klassischen politischen Debatten gehört es zum Kern demokratischer Auseinandersetzung, Grenzen zu definieren. Nicht alles, was möglich ist, wird getan. Im KI-Diskurs hingegen gilt Machbarkeit oft als Legitimation. Anwendungen werden entwickelt, weil sie technisch realisierbar sind, nicht weil ihr gesellschaftlicher Nutzen überzeugend belegt wäre. Ein bewusster Verzicht erscheint als Schwäche, nicht als Ausdruck politischer Reife.

Dabei wäre gerade jetzt eine solche Debatte notwendig. Denn KI-Infrastrukturen schaffen Pfadabhängigkeiten. Rechenzentren, Datenpools und algorithmische Systeme sind keine neutralen Werkzeuge, sondern strukturieren zukünftige Entscheidungen. Sie erzeugen Nutzungsdruck und Investitionslogiken, die sich selbst verstärken. Was heute aufgebaut wird, prägt die Handlungsmöglichkeiten von morgen. Demokratische Kontrolle müsste daher frühzeitig ansetzen, bevor Systeme flächendeckend implementiert sind.

Stattdessen wird Kontrolle häufig nachgelagert gedacht. Ethikräte, Leitlinien und Selbstverpflichtungen sollen Risiken begrenzen, ohne die grundlegende Dynamik zu hinterfragen. Diese Instrumente sind nicht wirkungslos, aber sie greifen zu kurz, wenn sie den strukturellen Kontext ausblenden. Solange KI primär als geopolitisches und ökonomisches Pflichtprojekt verstanden wird, bleiben ethische Debatten randständig. Sie wirken wie Korrekturen an einem Prozess, dessen Richtung bereits feststeht.

Gesellschaften sollen sich „fit machen“ für KI – nicht umgekehrt

Der neue Goldrausch offenbart damit eine tiefere politische Krise. Er zeigt, wie sehr sich Politik von der Fähigkeit verabschiedet hat, technologische Entwicklung aktiv zu gestalten. Stattdessen dominiert Anpassung. Gesellschaften sollen sich „fit machen“ für KI, nicht umgekehrt. Bildungssysteme werden umgebaut, Arbeitsmärkte flexibilisiert, Rechtsrahmen angepasst. Die Frage, welche Art von Gesellschaft wir im digitalen Zeitalter wollen, bleibt unbeantwortet.

Wer diesen Zustand kritisiert, wird häufig missverstanden. Es geht nicht um eine Ablehnung von KI oder technologischem Fortschritt. Es geht um Prioritäten. Um die Frage, ob Technik Mittel zum Zweck bleibt oder selbst zum Zweck wird. Eine demokratische Gesellschaft müsste in der Lage sein, Technologien zu nutzen, ohne sich ihnen zu unterwerfen. Sie müsste definieren, wo KI sinnvoll ist und wo nicht.

Der historische Goldrausch endete für viele mit zerstörten Landschaften und sozialen Verwerfungen. Dem digitalen Goldrausch droht Ähnliches, nur weniger sichtbar. Seine Spuren sind nicht Flüsse und Minen, sondern Entscheidungsstrukturen, Abhängigkeiten und Machtverschiebungen. Wer heute Milliarden investiert, ohne klare gesellschaftliche Leitplanken zu setzen, schafft Fakten, die sich später kaum korrigieren lassen.

Der KI-Goldrausch ist kein Naturereignis

Der eigentliche Wendepunkt liegt daher nicht in der technischen Entwicklung selbst, sondern in der politischen Deutung. Solange KI als unvermeidliche Notwendigkeit dargestellt wird, entzieht sie sich demokratischer Gestaltung. Erst wenn sie wieder als gestaltbares Instrument begriffen wird, öffnet sich der Raum für Alternativen. Das erfordert Mut zur Entschleunigung, zur öffentlichen Debatte und zum bewussten Nein.

Angst war selten ein guter Ratgeber. Auch diesmal droht sie, Entscheidungen zu treiben, deren Konsequenzen erst sichtbar werden, wenn Korrekturen kaum noch möglich sind. Der neue Goldrausch ist kein Naturereignis. Er ist das Ergebnis politischer Entscheidungen und damit prinzipiell veränderbar. Die Frage ist nicht, ob wir KI nutzen, sondern wie, wofür und unter wessen Kontrolle. Solange diese Fragen nicht im Zentrum stehen, bleibt der technologische Fortschritt ein Risiko für demokratische Selbstbestimmung.

Quellen:

Europäische Position im globalen KI-Wettlauf
Europa liegt hinter den USA und China, sowohl was Investitionen als auch KI-Modelle betrifft – trotz eigener KI-Verordnungen und Initiativen:
„Europa will im Bereich der KI weltweit führend sein, liegt aber noch hinter den Vereinigten Staaten und China.“

Strategische Rivalität zwischen USA und China
Die Konkurrenz zwischen den USA und China um technologische Vorherrschaft ist ein zentrales geopolitisches Paradigma der internationalen Beziehungen

US-China-KI-Wettbewerb als neue geopolitische Front
Die USA und China stehen im Wettlauf um wirtschaftliche, militärische und strategische Vorteile durch KI, ein zentraler Aspekt globaler Machtpolitik

Globale KI-Rivalität und technologische Macht
Technologie wie KI ist zum Kern geopolitischer Machtkämpfe geworden, inklusive Datenkontrolle, Infrastruktur und Handelsbarrieren

EU-Initiativen für KI-Infrastruktur und „digitale Souveränität“
Die EU investiert in KI-Infrastrukturen und digitale Kompetenzen, um technologisch souverän zu bleiben

KI-Governance in verschiedenen Regionen
Vergleichsstudie zu Risikomanagement- und Governance-Modellen für KI in EU, USA, UK und China – wichtig für Debatten über Kontrolle versus Innovation

Rahmenübereinkommen des Europarats zu KI und Menschenrechten
Ein multilateraler Ansatz, KI im Einklang mit Menschenrechten, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu regeln

China-US-KI-Rennen wird in Medien berichtet
China investiert massiv in KI-Infrastruktur und jagt den USA nach – ein Hinweis auf die Hochspannung im globalen Wettbewerb

IMF-Warnung zu fehlender ethischer und regulatorischer Basis für KI
Der Internationale Währungsfonds betont globale Defizite bei Regulierung und Ethik im KI-Bereich

Titelbild: Shutterstock AI / Shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
Gestern — 02. Februar 2026

Wirtschaftswachstum durch Mehrarbeit? Söder will Karenztag - SPD spricht von „Realitätsferne“

02. Februar 2026 um 12:40

Vorschau ansehen
Mit seinen Forderungen nach mehr Arbeit, strengeren Regeln bei Krankschreibungen und möglichen Kürzungen beim Arbeitslosengeld stößt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder auf breite Kritik. Vertreter der SPD und Arbeitsmarktexperten halten seine Aussagen für realitätsfern und verweisen auf strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt.
(Auszug von RSS-Feed)
Ältere Beiträge

Trotz Wirtschaftswachstums: Arbeitslosenquote im Januar auf 6,6 Prozent gestiegen

31. Januar 2026 um 05:37

Vorschau ansehen
Trotz eines leichten Wirtschaftswachstums zum Jahresende 2025 zeigt der deutsche Arbeitsmarkt weiterhin Schwäche. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Januar deutlich gestiegen, während zugleich weniger offene Stellen gemeldet wurden. Die Bundesagentur für Arbeit spricht von mangelnder Dynamik – und warnt besonders mit Blick auf den Ausbildungsmarkt.
(Auszug von RSS-Feed)

Negativtrend Jahreswirtschaftsbericht: Nicht einmal wird „Kernkraft“ erwähnt – dafür 97mal „Klima“

29. Januar 2026 um 11:50

Vorschau ansehen

Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU) in der Bundespressekonferenz: Der Jahreswirtschaftsbericht 2026 ist voller Klimadogmen und ohne echte Lösungen

Blanke Ernüchterung und eine erschütternde Perspektivlosigkeit. Die gedrosselte Konjunkturprognose des Bundeswirtschaftsministeriums hat Gründe. Ministerin Katherina Reiche fehlt der Mut und der Wille zu echten Lösungen. Eine Einordnung.

Dieser Beitrag JF-Plus Icon PremiumNegativtrend Jahreswirtschaftsbericht: Nicht einmal wird „Kernkraft“ erwähnt – dafür 97mal „Klima“ wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.

(Auszug von RSS-Feed)

Ein Prozent Hoffnung? | Von Janine Beicht

29. Januar 2026 um 11:09

Vorschau ansehen
Ein Prozent Hoffnung? | Von Janine Beicht
Tagesdosis 20260129 apolut
0:00
/970.8
Ein Prozent Hoffnung? | Von Janine Beicht

Was Katherina Reiches Jahreswirtschaftsbericht verschweigt

Neuverschuldung ersetzt Reformen und kaschiert strukturelle Schwächen. Was als Stabilität gilt, entpuppt sich als politisch organisierter Stillstand.

Ein Kommentar von Janine Beicht.

Deutschland wächst, so lautet die offizielle Erzählung. Ein Prozent, sagt die Bundesregierung. Ein Prozent nach Jahren der Stagnation, nach zwei Rezessionsjahren, nach einer Phase, in der industrielle Substanz, Investitionsbereitschaft und internationale Wettbewerbsfähigkeit systematisch erodiert sind. Dieses Prozent wird nun als Beleg für eine Trendwende verkauft. Tatsächlich ist es nichts weiter als ein statistisches Aufbäumen, erkauft mit Schulden, erkünstelt durch staatliche Ausgaben und politisch aufgeladen, um Handlungsfähigkeit zu simulieren, wo strukturelles Versagen fortbesteht.

Die Rezessionsjahre: Fundament des Scheiterns 

In den Jahren 2023 und 2024 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt um 0,9 beziehungsweise 0,5 Prozentpunkte, eine Periode anhaltender Kontraktion, die von der Ampel-Regierung unter Olaf Scholz und Robert Habeck durch manipulierte Statistiken kaschiert wurde. (1) Das Statistische Bundesamt verkündete zunächst zu niedrige Schrumpfungsraten, um die Regierung günstiger dastehen zu lassen, und korrigierte die Zahlen erst nach der Abwahl nach unten. (2) Für 2025 ergab sich ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent, knapp am dritten Rezessionsjahr vorbei, doch Deutschland hinkte anderen Industrienationen weit hinterher. (1) 

Die Industriebranchen versanken in der Krise, Exporte in die USA brachen um fast zehn Prozent ein aufgrund höherer Zölle (3), und die Inflationsrate betrug im Jahresdurchschnitt 2,2 Prozent. Die schwache Industriekonjunktur verursachte massiven Stellenabbau in Konzernen, während die Deindustrialisierung voranschritt, mit Verlagerungen von Produktionen ins Ausland und Deinvestitionen hierzulande. Besonders Führungskräfte im mittleren Management wurden in ungewöhnlichem Ausmaß entlassen.

Trotz enormer Staatsausgaben verpufften die Effekte, da strukturelle Defizite wie hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie und sinkende Wettbewerbsfähigkeit ignoriert wurden. Habecks Prognosen mussten ständig nach unten angepasst werden, ein Erbe, das nahtlos übernommen wurde. Die Energiepolitik, fixiert auf Erneuerbare, überging die Zerstörung der Kernkraftwerke (4) und schob hohe Kosten auf externe Faktoren wie Putin und Trump ab, statt eigene Fehler einzugestehen. 

Die Prognose für 2026: Ein Trugbild aus Schulden

Die schwarzrote Koalition unter Friedrich Merz hat die Wachstumsprognose für 2026 auf 1,0 Prozent gesenkt. In einer Pressekonferenz am Mittwoch, den 28. Januar 2026, stellte die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche, den Jahreswirtschaftsbericht vor, in dem der neue Wert nach einer ursprünglichen Schätzung von 1,3 Prozent präsentiert wurde. 

„Für 2026 zeichnet sich eine konjunkturelle Erholung ab. Wir erwarten in diesem Jahr ein Wachstum von rund 1% […] Das ist etwas niedriger, als wir in der Herbstprojektion angenommen haben. Damals waren wir von Wachstumsraten von 1,3 % ausgegangen. Hintergrund für die etwas vorsichtige Einschätzung ist die Tatsache, dass ich die erwarteten Impulse aus den Wirtschaft- und finanzpolitischen Maßnahmen nicht ganz so schnell und nicht in dem Ausmaß realisiert hatten, wie wir das angenommen haben.“ Katherina Reiche (5)

Dieses magere Prozent basiert jedoch nicht auf echter Stärke, sondern auf Pumpwachstum durch staatliche Maßnahmen. Für 2027 werden 1,4 Prozent erwartet, doch historische Muster deuten auf weitere Korrekturen hin. Die Wirtschaftsweisen prognostizierten 0,9 Prozent (6), und selbst das wirkt übertrieben. Die Erholung im zweiten Halbjahr 2025 blieb schwächer als geplant, was den Jahresstart belastete. Die binnenwirtschaftliche Dynamik steigt durch Konsumausgaben und Investitionen, aber ohne Produktivitätsgewinne bleibt sie hohl.

Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie, Tanja Gönner, betonte die Fragilität dieser Entwicklung. 

„Die erwartete wirtschaftliche Erholung ist gering und bleibt brüchig.“ Tanja Gönner | Handelsblatt (3)

DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov ergänzte, Deutschland wachse, aber viel zu langsam. Der 155-seitige Bericht dokumentiert den Abstieg und mutiert zum Witz, indem er Subventionen für E-Autos thematisiert, die wirtschaftlich jedoch vor allem China nutzen. Der Außenhandel ist strukturell schwach, da Produkte durch hohe Kosten und veraltete Technologieführerschaft nicht konkurrieren können. Verbraucherpreise steigen um 2,1 Prozent (7), die Arbeitslosigkeit sinkt leicht, doch die Alterung der Gesellschaft vertieft den Fachkräftemangel mit austretenden Babyboomern.

Staatliche Pumperei: Milliarden ohne Nachhaltigkeit

Lars Klingbeil als Finanzminister häuft jährlich mindestens 44 Milliarden Euro reguläre Schulden an, ergänzt durch Tricks wie Fonds und Sondervermögen, um die Bilanz zu frisieren. Die Koalition leiht sich mindestens 850 Milliarden Euro, mit offener Obergrenze im Militärbereich, doch das Geld verdampft. Das BIP von 4,4 Billionen Euro wächst minimal, und staatliche Investitionen tragen zwei Drittelprozentpunkte zum Zuwachs bei, begünstigen Bau und Rüstung. Private Investitionen stocken, während die Umsetzung von Ausgaben für Infrastruktur, Klimaschutz und Bundeswehr schleppend verläuft, ohne beschlossene Gesetze zur Beschleunigung. Schulden rechtfertigen sich nur bei zusätzlichen Investitionen, doch sie stopfen Haushaltslöcher.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte mehr Tempo bei der Umsetzung der Investitionen. (8)

„Jeder Euro muss so zügig, so effizient und so zielgerichtet wie möglich eingesetzt werden. Hier müssen wir im Jahr 2026 besser werden. Bund und Länder müssen hier ein anderes Tempo entwickeln.“ Lars Klingbeil | STERN (8)

Die Präsidentin des Verbands „Die Familienunternehmer“, Marie-Christine Ostermann, kritisierte, ein Aufschwung auf Sonderprogrammen verdiene den Namen nicht. (9) Sie betonte, dass die strukturellen Nachteile des Standorts Deutschland bislang kaum behoben würden und eine solche Wirtschaftspolitik daher keine solide Grundlage für langfristige Wettbewerbsfähigkeit bilde. Ihrer Ansicht nach brauche die deutsche Wirtschaft dringend grundlegende Reformen, um private Investitionen wieder anzukurbeln. Die Regierung solle sich von immer neuen milliardenschweren Staatsfonds lösen und stattdessen verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen. Dazu zählten ihrer Meinung nach ein international wettbewerbsfähiges Steuersystem, weniger Bürokratie, bezahlbare Sozialabgaben und Energiepreise.

„Ein Aufschwung, der fast vollständig auf staatlichen Sonderprogrammen beruht, verdient seinen Namen nicht. Die derzeitige Dynamik stammt überwiegend aus massiven kreditfinanzierten Investitionspaketen des Bundes.“ Marie-Christine Ostermann (9)

Der Klimastaatsozialismus von Klingbeil und Merz modernisiert den Kapitalstock via Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität. Klingbeil meint zwar sinngemäß, Schulden erzeugen Wachstum, doch nur der Schuldendienst blüht.

Exportdebakel: Von Weltmeister zum Hinterbänkler

Der Export, einst der deutsche Motor, lahmt durch US-Zölle und chinesische Konkurrenz in Maschinenbau und Autos. Der Beitrag zum Wachstum bleibt negativ, wenn auch abgeschwächt. Abkommen mit Mercosur und Indien sollten Diversifikation bringen, mit Fokus auf EU-Integration für Skaleneffekte, neue Gesellschaftsformen und vertiefte Unionen. Hausgemachte Übel wie hohe Energiepreise, Steuern und Bürokratie verschärfen die Lage. Katherina Reiche warnte schon im Oktober des letzten Jahres, vor wirtschaftlichem Abstieg Deutschlands. China werde Konkurrent in Schlüsselbereichen. (11)

„Wir sind mit unseren Strukturen derzeit nicht wettbewerbsfähig.“
Katherina Reiche
(11)

Sie ergänzte, man könne USA und China nicht kontrollieren, aber sich robust aufstellen, um Schocks abzufedern. (12)

Gerade in dieser sensiblen Lage werden Deutschlands Energiepläne auf die Probe gestellt: Während Reiche mit ihrer Gaskraftwerksstrategie auf Wasserstoff setzen, demontiert der Rechnungshof diese Illusionen. Alle Werke sollen H2-ready sein, mit gefördertem Umstieg für 4 GW. Kernkraft wird ignoriert (13), Erneuerbare glorifiziert, Fusionskraft als ferner Traum präsentiert. Merz nannte Windkraft am Montag beim Nordseegipfel in Hamburg eine „Übergangstechnologie“ und prophezeite Fusionslösung in 20 Jahren. (14)

Reformversprechen: Luftschlösser und Koalitionskonflikte

Strukturelle Nachteile werden kaum angepackt, Probleme werden in Kommissionen abgeschoben, die nur schwache Ergebnisse liefern – etwa die Pflegekommission. Die Sozialstaatskommission schlug Vernünftiges vor (15), doch Bärbel Bas signalisierte bereits Rücknahmen. Auch Reiche mahnt zusammen mit Friedrich Merz zu längerer Arbeitszeit und verweist auf Produktivitätsnachteile (16). Der Koalitionsvertrag sieht flexible Arbeitszeiten mit wöchentlicher Obergrenze vor, doch die Gewerkschaften wehren sich. Der Unionsvorschlag, den Teilzeitanspruch zu kürzen, stieß auf Kritik. Fachkräfteeinwanderung, höhere Frauenbeteiligung und eine Aktivrente sollen bestehende Lücken schließen.

Sepp Müller, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, lobte bei der Veröffentlichung des Jahreswirtschaftsberichts 2026 die Koalition:

„Der Jahreswirtschaftsbericht 2026 zeigt: Die Koalition hat es – unter Bundeskanzler Merz und mit Wirtschaftsministerin Katherina Reiche – in nur knapp einem halben Jahr geschafft, wichtige positive Impulse in die Wirtschaft zu geben. […] Das ist ein positives Signal und eine Trendumkehr, allerdings auch nur ein Anfang. […] Daher sind die im Bericht aufgeführten weiteren Maßnahmen in den kommenden Wochen und Jahren zwingend nötig“ Sepp Müller | CDUCSU (17)

Der wirtschaftspolitische Sprecher Andreas Lenz betonte die geopolitischen Unsicherheiten und die daraus resultierenden Umbrüche, die verantwortungsvolle Politik erforderten (17). Handwerkspräsident Jörg Dittrich forderte Mut zu strukturellen Reformen, um ordnungspolitische Klarheit zu schaffen und Deutschland aus der Stagnation zu führen. Sebastian Dullien warnte davor, dass pessimistische Prognosen sich selbst erfüllen könnten: Verbraucher und Unternehmen könnten aus Angst sparen und damit das Wachstum bremsen (15). Auch Marcel Fratzscher setzte sich für höhere Investitionen ein, da staatliche Ausgaben private Investitionen stimulieren und so den Schlüssel für einen nachhaltigen Aufschwung darstellen, der derzeit noch fehle (18).

Die Koalition hatte großspurig sechs Reformfelder (19) aufgestellt – von Bürokratieabbau über Infrastrukturinvestitionen und Entlastung bei Energiekosten bis hin zu Innovation, längeren Arbeitszeiten und einer Diversifikation des Handels –, doch konkrete Fortschritte bleiben weitgehend aus. Die Regierung hatte erste Ansätze zum Bürokratieabbau gestartet und ein neues Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung etabliert, doch viele Maßnahmen stecken erst in Debatten oder Gesetzesentwürfen, während breitere strukturelle Reformen weiter auf sich warten lassen.

Experten kritisieren, dass echte Bürokratie‑ und Verwaltungsvereinfachung bislang mehr Schlagwort als Realität ist und die Regierung in vielen Bereichen eher verwaltet als gestaltet; so hapert es immer noch an spürbaren Entlastungen und an der Beschleunigung von Verfahren trotz wiederholter Ankündigungen. Die Kombination aus vagen Versprechen, langsamem Reformtempo und hohen Kosten führt zu der einschlägigen Kritik, dass die Regierung eher Symbole setzt, als nachhaltige Fortschritte liefern.

Die Figuren des Fiaskos: Unbeliebtheit und Versagen 

Katherina Reiche, einst als letzte Hoffnung der Konservativen gehandelt, entpuppt sich wie ihr Kanzler Merz als blendender Schein. Gelegentlich gibt sie kluge Töne von sich, doch umgesetzt wird stets das Gegenteil, und sie mahnt die Bürger, härter zu arbeiten, weil selbst Rekordsteuern und eine Schuldenorgie das Staatsbudget nicht retten.

Umfragen von Forsa spiegeln das Desaster wider: 18 Prozent Zufriedenheit stehen 67 Prozent Unzufriedenheit gegenüber. Ihre Bilanz ist schlechter als die von Habeck im Jahr 2024 mit 33 Prozent. Selbst unter CDU-Anhängern herrscht Ernüchterung, 75 Prozent sind enttäuscht. Merz erreicht mickrige 25 Prozent Zustimmung. Reiche verkündet bürgerliche Versprechen, liefert aber nichts. Ihr Ministerium wirkt überflüssig, da die wirtschaftspolitischen Leitlinien längst von Rot-Grün diktiert werden. (20)

Der trübe Horizont: Potenzialverschwendung

Das Resümee dieser Lage offenbart ein zentrales Muster: Die offizielle „Stabilität“ ist Illusion, ein politisch inszeniertes Feigenblatt für ein Land, dessen ökonomische Substanz längst erodiert ist. Deutschlands Wachstum wird nicht durch Produktivität, Innovation oder nachhaltige Investitionen getragen, sondern durch Kreditaufnahmen und kurzfristige Subventionspakete, die lediglich die Symptome kaschieren. Reformen bleiben Lippenbekenntnisse; strukturelle Defizite – Bürokratie, Energiekosten, Fachkräftemangel, Wettbewerbsverlust – werden ausgesessen oder ideologisch verbrämt.

Das politische System setzt auf Inszenierung statt auf Wirksamkeit: Maßnahmen werden angekündigt, Kommissionen installiert, Sonderfonds aufgelegt – ohne dass echte Marktkräfte aktiviert oder langfristige Effizienz geschaffen werden. Gleichzeitig verschiebt die Regierung Verantwortung nach außen (globale Konkurrenz, Energiepreise), während interne Fehlsteuerungen kaum korrigiert werden. Das Ergebnis ist ein Trugbild von Handlungsfähigkeit: Zahlen mögen marginal wachsen, das Vertrauen und die wirtschaftliche Substanz schwinden.

Kurz gesagt: Deutschland stolpert auf Pump, die Politik operiert im Stillstand, und die Kosten dafür tragen künftige Generationen. Wachstum ohne Reform ist hohl, Stabilität ohne Substanz ist Illusion – und diese Diskrepanz wird weiterhin verschleiert, solange politisches Theater wichtiger ist als ökonomische Realität.

Quellen und Anmerkugen

(1) https://www.destatis.de/EN/Press/2026/01/PE26_017_811.html

(2) https://www.euronews.com/business/2025/08/22/germanys-gdp-contraction-worse-than-expected-after-tariff-boost

(3) https://www.handelsblatt.com/dpa/wirtschaftswachstum-langer-weg-zum-wirtschafts-comeback-reiche-senkt-prognose/100195584.html

(4) https://www.bundesumweltministerium.de/media/atomkraftwerke-in-deutschland-abschaltung-der-noch-betriebenen-reaktoren-gemaess-atomgesetz-atg

(5) https://www.youtube.com/watch?v=TUI4ugr5SbE

(6) https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wirtschaftsweise-rechnen-2026-nur-mit-0-9-Prozent-Wachstum-id30013417.html

(7) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/konjunkturprognose-korrigiert-100.html

(8) https://www.stern.de/politik/deutschland/haushalt--klingbeil-mahnt-mehr-tempo-bei-investitionen-an-37069710.html

(9) https://www.familienunternehmer.eu/vor-ort/lb-hessen/presse/pressemitteilungen/detail/familienunternehmer-zum-jahreswirtschaftsbericht-weg-von-staatlichen-milliardenfonds-und-hin-zu-verlaesslichen-rahmenbedingungen-fuer-unternehmen.html

(10) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/haushaltsentwurf-bundestag-finanzminister-klingbeil-100.html

(11) https://www.n-tv.de/ticker/Reiche-warnt-vor-wirtschaftlichem-Abstieg-Deutschlands-article26125298.html

(12) https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/wirtschaft-in-deutschland-regierung-korrigiert-wachstumsprognose-nach-unten-a-3ffdd345-702c-4683-bb32-2a8bc75ef33f

(13) https://www.fr.de/wirtschaft/besser-als-habecks-plan-reiche-reagiert-auf-kritik-an-kraftwerksstrategie-zr-94143184.html

(14) https://www.stern.de/news/merz--windkraft-ist--uebergangstechnologie--auf-weg-zu-fusionsenergie-37078552.html

(15) https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/jahreswirtschaftsbericht-reiche-bundesregierung-li.3376694?reduced=true

(16) https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/reiche-forderung-lebensarbeitszeit-100.html

(17) https://www.cducsu.de/presse/koalition-hat-wichtige-impulse-die-wirtschaft

(18) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/jahreswirtschaftsbericht-wachstum-gruende-regierung-100.html

(19) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/schwerpunkt-des-koalitionsvertrags-2344224

(20) https://www.welt.de/politik/deutschland/article6979a936707d4aa207583f79/umfrage-katherina-reiche-jetzt-unbeliebter-als-es-habeck-je-war.html

+++

Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Berlin, 2. Dezember 2025. Gemeinsame Presseerklärung von Bundesminister Pistorius und Bundesminister Reiche.

Bildquelle: Juergen Nowak / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

2026: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung | Von Wolfgang Effenberger

31. Dezember 2025 um 11:14

Vorschau ansehen
2026: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung | Von Wolfgang Effenberger
Tagesdosis 20251231 apolut
0:00
/1691.119395
2026: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung | Von Wolfgang Effenberger

Versuch einer Prognose

Ein Kommentar von Wolfgang Effenberger.

Zum Übergang in das neue Jahr sprießen die Prognosen wie die Krokusse im Frühling. Während die einen für 2026 einen bedeutenden "Shift" oder Wandel – aus wirtschaftlicher, geopolitischer und technologischer Perspektive vorhersagen, malen Andere ein Kriegsmenetekel an die Wand. Genaues wird man erst in einem Jahr wissen.

Geopolitischer und wirtschaftlicher Wandel

Schon im November 2025 veröffentlichte die niederländische ABN AMRO-Bank den "Global Outlook 2026 – The Shifting World Order", der 2026 als potenziell transformatives Jahr charakterisiert. Der Bericht identifiziert drei große Verschiebungen:

  1. die transformative Wirkung von KI auf Arbeitsmärkte und Produktivität,
  2. Chinas "coming-of-age" als eigenständige geo-ökonomische Macht (demonstriert durch die strategische Kontrolle von Seltenen Erden und Chip-Technologie), und
  3. eine fundamentale Neuordnung der globalen Handels- und Machtverhältnisse weg von Zolltarifen hin zu strategischen "Chokepoints" in kritischen Lieferketten. (1)

Der Bericht vom November 2025 betont: Der Übergang von einer Weltordnung zur anderen ist in vollem Gang, wobei 2026 die Beschleunigung dieser Entwicklung markieren könnte.

2026 sei das Jahr des fundamentalen Wandels, „aber es ist noch unklar, wie diese neue Weltordnung aussehen wird“.

Auch die anderen großen "Global Outlook 2026"-Berichte von BNP Paribas, J.P. Morgan und Morgan Stanley sind primär auf Englisch verfasst. Deutschsprachige Wirtschaftsmedien wie ING bieten eigene Ausblicke für 2026 ("Outlook 2026: The world right now"), allerdings ebenfalls auf Englisch. (2)

Die Prognosen für 2026 unterscheiden sich deutlich von jenen für 2025, indem sie nach einer langen Rezessions- und Stagnationsphase eine Erholung und Stabilisierung erwarten – allerdings mit gedämpftem Optimismus.

Für Deutschland wird eine moderate Erholung prognostiziert

Nach drei Jahren wirtschaftlicher Stagnation und Rezession (2022-2024) erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland 2026 eine moderate Erholung mit deutlichen Unterschieden in den Prognosen. (3)

Die Wachstumsprognosen für 2026 variieren erheblich:

  • Bundesbank: 0,7% (konservativste Schätzung)
  • Bundesregierung: 1,3%
  • IMK (Hans-Böckler-Stiftung): 1,4%
  • Bankenverband: 1,4%
  • KfW Research: 1,5% (optimistischste Prognose nach deutlicher Aufwärtsrevision um 0,5 Prozentpunkte)
  • DIW: 1,6%

Für 2025 rechnen alle Institute mit mageren 0,2% Wachstum nach zwei Jahren schrumpfender Wirtschaftsleistung. Die Bundesregierung formuliert vorsichtig: "Nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung deutet sich im Herbst 2025 eine leichte konjunkturelle Erholung auf niedrigem Niveau an". Die Bundesbank versucht der Regierung Schützenhilfe zu geben: Die wirtschaftliche Erholung "verzögert sich aufgrund der Unsicherheit über die internationale Handelspolitik" und kommt nur "langsam in Gang". Der Bankenverband konstatiert:

"Nach mehr als einer halben Dekade wirtschaftlichen Stillstands sehen wir endlich eine belastbare Basis für ein nennenswertes Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr."

Dabei schleppen sich Deutschland und Österreich aus einer mehrjährigen Schwächephase heraus, ohne dass ein dynamischer Aufschwung in Sicht wäre. (4)

Die scheinbare Erholung 2026 wird nicht wie gewohnt von der Exportwirtschaft getragen, sondern von massiven staatlichen Ausgaben. Nach der Lockerung der Schuldenbremse finanziert die Fiskalpolitik "insbesondere Ausgaben für Verteidigung und staatliche Infrastruktur umfangreich über Kredite". So führte Wirtschaftsministerin Reiche das prognostizierte Wachstum "hauptsächlich auf die umfangreichen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit zurück". (5) Das DIW warnt, dass der Aufschwung "nicht über die strukturellen Probleme des Landes" hinwegtäuschen dürfe. Die deutsche Industrie traf die internationale Handelsunsicherheit "zu einem Zeitpunkt, zu dem sie sich nach langer Schwächephase zu stabilisieren begann".

Deutschland bleibt 2026 unter dem EU-Durchschnitt von 1,4% Wachstum und hinkt dem Euroraum (1,1-1,2%) hinterher. (6) Der mit Steuergeld finanzierte Rüstungsboom stabilisiert zwar die Arbeitslosenzahlen, schönt weiter das BIP, lässt aber das staatliche Defizit auf 3,2% des BIP ansteigen – deutlich über der Maastricht-Grenze von 3%. (7)

Die rein wirtschaftlichen Prognosen scheinen auf Sand gebaut zu sein, da die geopolitischen und militärischen Realitäten, die Europa 2026 prägen werden, systematisch unterbelichtet sind: Die offiziellen Wirtschaftsprognosen behandeln den Ukraine-Konflikt und die eskalierenden Spannungen meist als "Unsicherheitsfaktor" oder "Risikoszenario", ohne die fundamentalen Konsequenzen vollständig zu erfassen.

Die fehlende Dimension: Kriegswirtschaft und ihre Kosten

Die massiven Staatsausgaben, die Deutschland und andere europäische Länder 2026 für "Verteidigung und staatliche Infrastruktur" planen, werden in den Prognosen als Wachstumstreiber dargestellt. Doch diese Darstellung verschleiert, dass es sich um konsumtive Rüstungsausgaben handelt, die keine nachhaltige Produktivitätssteigerung bewirken. Der Bankenverband spricht von "umfangreichen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit" – doch Panzer, Munition und Militärlogistik schaffen keine Wertschöpfung für die Zivilbevölkerung. (8)

Die Lockerung der Schuldenbremse in Deutschland und die steigenden Staatsdefizite in Österreich (4,2% des BIP) und Deutschland (3,2% des BIP) finanzieren primär die militärische Aufrüstung. Diese Mittel fehlen für produktive Investitionen in Bildung, zivile Infrastruktur und soziale Sicherheit. (9)

Die Wirtschaftsprognosen für 2026 basieren auf der impliziten Annahme, dass der militärische Konflikt in der Ukraine auf seinem aktuellen Niveau verharrt oder durch Verhandlungen beendet wird. Doch mehrere Faktoren sprechen für eine potenzielle Eskalation: Die ABN AMRO-Analyse zur "shifting world order" erwähnt zwar geopolitische Spannungen, konzentriert sich aber auf handelspolitische "Chokepoints" und Chinas Aufstieg.

Die reale Gefahr einer militärischen Ausweitung des Konflikts – sei es durch NATO-Beteiligung, Eskalation zu direkten Zusammenstößen oder den Einsatz neuer Waffensysteme – findet in den Modellen keine Berücksichtigung. (10)

Die strukturellen Probleme Europas verschärfen sich durch die Kriegssituation: Energieabhängigkeit: Die volatilen Energiepreise bleiben ein "struktureller Preistreiber", wobei jede weitere Eskalation die Energiesicherheit bedroht. (11)

Fehlende Wettbewerbsfähigkeit: Europa hat "keinen dynamischen KI-Sektor" und droht technologisch weiter zurückzufallen, während gleichzeitig Ressourcen in militärische statt innovative Bereiche fließen. (12)

Die Arbeitsmärkte stagnieren, während der absehbare Wehrdienst und militärische Mobilisierung zusätzlichen Druck auf den Fachkräftemangel ausüben. (13)

Diese Kombination aus sinkenden Realeinkommen, steigenden Militärausgaben und permanenter Kriegsrhetorik schafft eine explosive soziale Mischung. Die Ipsos-Umfrage zeigt, dass 66% der Befragten 2025 als "schlechtes Jahr" bewerteten – diese Unzufriedenheit wird 2026 nicht durch marginale Wachstumsraten von 1% verschwinden. (14)

Europa befindet sich in einer militärischen Konfrontation mit ungewissem Ausgang, deren Kosten – human, wirtschaftlich und gesellschaftlich – weit über die prognostizierten 1-1,5% Wachstum hinausgehen. Jede weitere Eskalation würde die optimistischen Szenarien obsolet machen und könnte Europa tatsächlich "noch viel tiefer abrutschen" lassen.

Die strukturellen Schwächen Europas – fehlende Energiesouveränität, technologische Rückständigkeit, demografischer Wandel, hohe Verschuldung – werden durch die Kriegssituation nicht gelöst, sondern verschärft.

Zauberwort KI

Forrester Research prognostiziert für 2026 einen Übergang von KI-Hype zur konkreten Umsetzung ("AI Moves From Hype To Hard Hat Work") sowie mehr Authentizität im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit. Die KI-Technologie verliert ihren Glanz und muss sich in den realen Herausforderungen des Alltags bewähren. Die Analysen betonen wachsende geopolitische und technologische Herausforderungen bei gleichzeitig engeren Budgets.

Vanguard prognostiziert, dass KI andere Megatrends in ihrer Wirkung übertreffen wird, da sie das Potenzial hat, Arbeitsmärkte zu verändern und die Produktivität zu steigern. Die regionalen Auswirkungen unterscheiden sich stark: In den USA könnten KI-Investitionen das Wachstum auf 3% treiben, wobei 2026 zunächst nur ein moderates Wachstum von 2,25% erwartet wird, da Produktivitätssteigerungen noch nicht breit greifen. China wird von KI-Innovationen profitieren und ein BIP-Wachstum von eher 5% als 4% erreichen. Der Euroraum dagegen hat keinen dynamischen KI-Sektor und wird mit nur etwa 1% Wachstum deutlich zurückfallen.

McKinsey schätzt, dass KI bis 2026 jährlich eine zusätzliche wirtschaftliche Leistung von 2,7 Billionen Euro in der europäischen Wirtschaft liefern könnte. Für Einzelunternehmen zeigen erfolgreiche Implementierungen einen "Return on Investment" (betriebswirtschaftliche Kennzahl, die das Verhältnis zwischen dem erzielten Gewinn und dem eingesetzten Kapital misst) von 300-500% über drei Jahre, während der Durchschnitt bei 150-200% liegt. Bis 2026 werden 45% der Beschäftigten KI-Tools in ihrem täglichen Arbeitsablauf nutzen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 28% Anfang 2024.

Eine FAZ-Studie zeigt, dass KI "noch nicht in den Statistiken ankommt", obwohl sie als "Motor eines neuen Produktivitätsschubs" gilt und ab 30% Automatisierung einer Tätigkeit wirkt.

Die Titelseite von "The World Ahead 2026" des Economist ist eine dichte symbolische Warnung vor einem Jahr multipler Krisen und fundamentaler Umbrüche. (15)

Sie ist durch eine intensive rot-blaue Farbgebung gekennzeichnet, die das globale Kräftemessen und die innenpolitische Polarisierung symbolisiert. Zahlreiche Ikonen – darunter Panzer, Drohnen, Raketen, ein zerbrochenes Dollarzeichen und schmelzendes Eis – signalisieren, dass 2026 ein Jahr der Eskalation in Geopolitik, Wirtschaft und Klima sein wird. Diese visuelle Sprache ist eindeutig: Der Economist prognostiziert keine Entspannung, sondern eine Verschärfung auf allen Ebenen. (16)

Der Economist formuliert unmissverständlich das Ende der alten Weltordnung und identifiziert zehn Hauptthemen, die 2026 dominieren werden, von der Fortsetzung heißer Konflikte bis zu disruptiven technologischen Durchbrüchen und einer Neuausrichtung der globalen Machtverhältnisse: (17)

Die Fortsetzung der militärischen Konflikte in der Ukraine, im Sudan und in Myanmar, wobei keine schnelle Stabilisierung zu erwarten ist. Darüber hinaus wird mit sogenannten "grauen Provokationen" – Aktionen unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges – in strategisch sensiblen Regionen gerechnet, etwa in der Arktis und im Südchinesischen Meer, wo maritime und territoriale Ansprüche aufeinandertreffen. Die Ausweitung von Konflikten in neue Domänen wie Weltraum, Meeresboden und Cyberraum wird explizit erwartet. (18)

Europas Dilemma wird schonungslos benannt:

"All this poses a particular test for Europe. It must increase defence spending, keep America on side, boost economic growth and deal with huge deficits, even though austerity risks stoking support for hard-right parties. It also wants to remain a leading advocate for free trade and greenery. It cannot do all of these at once". (19)

("All dies stellt Europa vor eine besondere Herausforderung. Es muss seine Verteidigungsausgaben erhöhen, Amerika bei der Stange halten, das Wirtschaftswachstum ankurbeln und enorme Defizite bewältigen, auch wenn Sparmaßnahmen die Gefahr bergen, die Unterstützung für rechtsextreme Parteien zu schüren. Außerdem möchte es weiterhin ein führender Verfechter des Freihandels und des Umweltschutzes bleiben. All dies kann es nicht gleichzeitig erreichen.")

Diese Formulierung ist bemerkenswert direkt: Europa steht vor unlösbaren Zielkonflikten. Die Notwendigkeit, Verteidigungsausgaben massiv zu erhöhen, kollidiert mit der fiskalischen Realität bereits belasteter Staatshaushalte, während gleichzeitig ein Anstieg der Popularität rechtspopulistischer Bewegungen befürchtet wird. Der Economist warnt: "Hohe Verteidigungsausgaben könnten das Wachstum ankurbeln, aber nur geringfügig". (20)

Das zerbrochene Dollarzeichen und der fallende Wirtschaftsgraph symbolisieren das Risiko einer Erosion des globalen Vertrauens in die US-Wirtschaft. Analysten erwarten im Falle einer fortgesetzten Dominanz der republikanischen Politik eine weitere Konsolidierung des protektionistischen "America First"-Kurses. Dieser Isolationismus, so die Warnung des Magazins, könnte das Wachstum der globalen Wirtschaft verlangsamen. (21)

Die Titelseite verkündet 2026 als Jahr der Wahrheit. Steht ein Jahr der Enthüllungen bevor?– nicht im positiven Sinne spiritueller Erleuchtung, sondern als brutale Konfrontation mit wirtschaftlichen, geopolitischen und fiskalischen Realitäten, die bisher durch Verschuldung, Rhetorik und Hoffnung übertüncht wurden.

Die symbolische Verdichtung – schmelzendes Eis (Klimakrise), Panzer und Drohnen (militärische Eskalation), zerbrochenes Dollarzeichen (Vertrauensverlust), fallende Graphen (wirtschaftlicher Niedergang) – zeigt ein System in multipler Krise. Der Aufstieg flexibler Ad-hoc-Allianzen zur Lösung spezifischer Aufgaben in Verteidigung, Klima und Handel deutet auf das Ende stabiler multilateraler Ordnungen hin. (22)

Die Prognosen von 1% Wachstum für Europa basieren auf der Annahme kontrollierter Krisen.

Jede Eskalation – militärisch, handelspolitisch oder fiskalisch – würde diese fragilen Szenarien zerbrechen lassen. Der Economist macht deutlich: Europa kann nicht gleichzeitig aufrüsten, sozial stabil bleiben, wirtschaftlich wachsen und fiskalisch solide sein. Die Titelseite visualisiert diese Überforderung als systemische Krise. (23)

Die "Wahrheit" für 2026 lautet demnach: Das Jahr wird zeigen, welche der konkurrierenden Prioritäten geopfert werden – und zu welchem Preis.

Die Wirtschaftsprognosen von WIFO, IHS, Bundesbank und EU-Kommission sind technische Modellrechnungen, die auf spezifischen Annahmen basieren: keine weitere militärische Eskalation, kontrollierte Inflationsentwicklung, funktionierende Lieferketten, stabile politische Verhältnisse. Diese Prognosen messen BIP-Wachstum, Inflation und Arbeitslosigkeit innerhalb eines bestehenden Systems und gehen von dessen Kontinuität aus. (24)

Der Economist hingegen liefert eine systemische Risikoanalyse: "The old world order is finished – and in 2026 the contours of what will replace it will emerge" (Die alte Weltordnung ist beendet – und 2026 werden die Konturen der neuen erkennbar).

Die Titelseite visualisiert nicht Wachstumsraten, sondern fundamentale Brüche – militärische Eskalation, fiskalische Überdehnung, geopolitische Neuordnung, technologische Disruption.

Rechnerisches Wachstum nur durch Kriegswirtschaft

Der entscheidende Punkt ist: Die prognostizierten Wachstumsraten für Deutschland (1,3-1,5%) und Österreich (1,0-1,2%) werden primär durch massive Staatsausgaben für Verteidigung getrieben. Wirtschaftsministerin Reiche führt das Wachstum "hauptsächlich auf die umfangreichen staatlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit zurück". Die Bundesbank bestätigt: Nach Lockerung der Schuldenbremse finanziert die Fiskalpolitik "insbesondere Ausgaben für Verteidigung und staatliche Infrastruktur umfangreich über Kredite". (25)

Das ist genau das Szenario, das der Economist auf der Titelseite mit Panzern, Drohnen, Raketen und dem zerbrochenen Dollarzeichen visualisiert. Die Staatsdefizite steigen auf 4,2% (Österreich) und 3,2% (Deutschland) des BIP – weit über der Maastricht-Grenze. Der Economist warnt: "With rich countries living beyond their means, the risk of a bond-market crisis is growing" (Wenn reiche Länder über ihre Verhältnisse leben, steigt das Risiko einer Krise von Anleihemärkten). (26)

Die "positiven" Wachstumszahlen sind also Kriegswirtschaftswachstum auf Pump, das keine Verbesserung des Lebensstandards bringt. Die Reallöhne sinken weiter, die Arbeitslosigkeit bleibt hoch, und die strukturellen Probleme verschärfen sich. (27)

Die drei Wahrheitsebenen für 2026

Der Economist identifiziert drei Bereiche, in denen 2026 "Klarheit herrschen wird – im Guten wie im Schlechten": (28)

  1. Geopolitik: Die Fortsetzung militärischer Konflikte in der Ukraine, im Sudan, in Myanmar sowie "graue Provokationen" in der Arktis und im Südchinesischem Meer. Die Titelseite zeigt Selenskyj mit Fernglas inmitten von Kriegsausrüstung – eine Metapher für anhaltende Wachsamkeit. Die wirtschaftlichen Prognosen behandeln dies als "Unsicherheitsfaktor", aber nicht als Systemrisiko. (29)
  2. Wirtschaft: "Die negativen Auswirkungen von Zöllen werden deutlicher zutage treten. Der Druck auf die Verbraucher wird zunehmen und die Untragbarkeit der US-Haushaltsdefizite wird offensichtlicher werden". Das zerbrochene Dollarzeichen und der fallende Wirtschaftsgraph symbolisieren den drohenden Vertrauensverlust. (30)
  3. Europa: wird in das oben beschriebene Dilemma zwischen multiplen Ansprüchen und desaströser ökonomischer Realität geraten. (31)

Der in Japan lebende unabhängige kanadisch-amerikanische Journalist James Corbett begann das Jahr 2025 mit „The Pendulum Has Swung Again“ (Das Pendel hat erneut ausgeschlagen), einem Leitartikel, in dem er darauf hinwies, wie die linken/progressiven Frömmeleien von einst durch die rechten/MAGA-Frömmeleien des neuen Trump- und Change-Regimes hinweggefegt wurden.

Laut Corbett dauerte es nicht lange, bis diese narrative Verschiebung vom „Great Resetter“ selbst, Donald J. Trump, großartig bestätigt wurde:

Ich kehre voller Zuversicht und Optimismus ins Präsidentenamt zurück“, so Trump beim Antritt seiner zweiten Amtszeit, „denn wir stehen am Beginn einer spannenden neuen Ära des nationalen Erfolgs. Eine Welle des Wandels erfasst das Land, Sonnenlicht strömt über die ganze Welt, und Amerika hat die Chance, diese Gelegenheit wie nie zuvor zu nutzen“. (32)

Wie bei so vielen Politikern vor ihm waren die kühnen Worte nur heiße Luft.

Nach dem Verrat durch die Angriffe auf den Iran, dem Debakel um Trump, Gaza und den „Friedensrat“, der Katastrophe um den „Friedensplan“ für die Ukraine, den Massakern auf venezolanischen Drogenbooten, der Beleidigung „untalentierte Amerikaner“ und natürlich die „Epstein-Hoax“-Lüge haben selbst die hartnäckigsten MAGA-Anhänger begonnen zu erkennen, dass Trumps Antrittsrede über ein neues „goldenes Zeitalter“ in das Reich der Fabel gehört.

Im Jahr 2025 hat sich laut Corbett ein bemerkenswerter Wandel im Verständnis und Diskurs der Bevölkerung vollzogen. Dieser Wandel hat die Debatte um einige der Kernthemen verändert, über die die unabhängigen Medien seit Jahren berichten. Diese Veränderung habe nichts mit Politikern, Akademikern, Talkshow-Moderatoren und anderen Schwätzern zu tun, die sich für „Vordenker” und „Trendsetter” halten. Und trotz der Bemühungen derer, die in jedem Silberstreif am Horizont eine Gewitterwolke sehen, ist diese Veränderung in der Berichterstattung tatsächlich ein Grund zur Freude.

Es begann damit, dass bis kurz vor dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident am 20. Januar 2025 sechs große US-Banken – Goldman Sachs, Wells Fargo, Citigroup, Bank of America, Morgan Stanley und JPMorgan Chase – die Gemeinschaft der klimaaktiven "Net Zero Banking Alliance" (NZBA) verließen. (33)

Die NZBA, die 2021 mit 43 Banken aus 23 Nationen startete und bis Oktober 2024 auf 144 Institute aus 44 Ländern anwuchs, schrumpfte durch die US-Austritte auf 141. Im November 2025 löste sich die Allianz nach einer Mitgliederabstimmung vollständig auf – ihre Durchsetzungs- und Rechenschaftsmechanismen wurden abgeschafft.

Es setzte sich fort mit der erstaunlichen Kehrtwende des Klimapolitikers Bill Gates, der zugab, dass der Klimawandel tatsächlich nicht zum Untergang der Menschheit führen wird.

Und es gipfelte in dem weltgeschichtlichen Scheitern der COP30 – des jährlichen Klimagipfels der Vereinten Nationen –, der nicht nur keine substanzielle Vereinbarung hervorbrachte, sondern auch Schlagzeilen wie „Die Auflösung des Klimakults ist unvermeidlich” generierte. Selbst die Los Angeles Times sah sich gezwungen zu erklären, dass Amerika „endlich aus seinem jahrzehntelangen Klimakatastrophismus-Stupor erwacht”.

Dann meldete sich der ehemalige Kongressabgeordnete Curt Weldon zu Wort und sprach sich gegen die offizielle 9/11-Version aus, der ehemalige Kongressabgeordnete Dennis Kucinich schloss sich dem Kampf für Gerechtigkeit im Zusammenhang mit 9/11 an und der Vorsitzende des Ständigen Untersuchungsausschusses des US-Senats, Ron Johnson, stellte sich hinter diejenigen, die es wagten, die Ereignisse des 11. September infrage zu stellen.

Im Beifang dieser Wende: Menschen hinterfragen nun auch andere False-Flag-Operationen und die illegalen Angriffskriege.

Angesichts der öffentlichen Empörung über die anhaltende Vertuschung des Epstein-Skandals scheint es immer schwerer zu werden, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vom Thema der politischen Pädophilie abzulenken.

Und die öffentliche Meinung zur Lage in Palästina scheint sich im Jahr 2025 völlig gewandelt zu haben.

Vor dem Hintergrund dieser Eruptionen wirkt der spektakuläre Sturz von Klaus Schwab und die völlige Aufgabe der „Great Reset“-Agenda fast unbedeutend.

Auf welche Seite wird sich das Pendel schlagen?

Wenn die Grundannahmen der Wirtschaftsprognosen halten (keine weitere Eskalation, kontrollierte Staatsverschuldung, funktionierende Märkte) ist 1% Wachstum realistisch – allerdings erkauft durch Militärausgaben, sinkende Realeinkommen und wachsende Schulden.

Der Economist hat recht mit seiner Risikoanalyse: Die Annahmen sind fragil. Jede der visualisierten Krisen – militärische Eskalation (Panzer, Drohnen), fiskalischer Kollaps (zerbrochenes Dollarzeichen), geopolitische Neuordnung (Trump, Putin, Xi mit gekreuzten Schwertern), technologische Disruption (KI-Roboter) – kann das zarte Hoffnungspflänzchen erdrücken. (34)

Allen Prognosen für 2026 gemeinsam ist die Überzeugung eines Wendepunkts – weg von Illusionen und oberflächlichen Narrativen hin zu strukturellen Realitäten, Authentizität und einer multipolaren Weltordnung.

Der scheinbare Widerspruch zwischen den "optimistischen" Wirtschaftsprognosen (1-1,5% Wachstum für Deutschland und Österreich) und dem düsteren Economist-Titelbild lässt sich auflösen, wenn man versteht, dass beide Darstellungen unterschiedliche Dimensionen derselben Realität abbilden – und beide sind in ihrer jeweiligen Perspektive "wahr".

Das Jahr wird nicht den Zusammenbruch bringen, aber die Unhaltbarkeit des Status quo offenbaren. Der Economist formuliert es so: "how 2026 will shape the next decade" – 2026 ist nicht das Jahr des Crashs, sondern das Jahr, in dem die Weichen für die Krise der späten 2020er Jahre gestellt werden. (35)

Die scheinbar "positiven" Prognosen und das düstere Economist-Bild widersprechen sich also nicht – sie zeigen nur unterschiedliche Aspekte derselben Wahrheit: Europa kauft sich 2026 durch massive Verschuldung ein minimales rechnerisches Wachstum, während die fundamentalen Probleme sich verschärfen und die systemischen Risiken wachsen. (36)

Die Synthese lautet: 2026 wird rechnerisch ein marginales Wachstum zeigen, das aber auf wachsenden systemischen Risiken basiert.

Was 2026 passieren wird, ist noch keine ausgemachte Sache. Es wird das Endergebnis der Bemühungen sein, die wir heute (oder auch nicht) unternehmen, um den Wandel des Narrativs voranzutreiben.

Anmerkungen und Quellen

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022).

+++

1) https://www.abnamro.com/research/en/our-research/global-outlook-2026-the-shifting-world-order

2) https://globalmarkets.cib.bnpparibas/global-outlook-2026-in-a-good-place/

3) https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_861248.html

4) https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/Pressemitteilungen-Details_861248.html

5) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/bundesregierung-konjunkturprognose-102.html

6) https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/herbstprognose-europa-kommission-100.html

7) https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/deutsche-wirtschaft-nach-der-rezession-imk-prognostiziert-02-prozent-wirtschaftswachstum-fuer-2025-und-14-prozent-fuer-2026-141876

8) https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/deutschland-prognose-wirtschaftliche-erholung-kommt-langsam-in-gang-959260

9) https://kurier.at/wirtschaft/wifo-ihs-prognose-oesterreich-wirtschaft-inflation-bip-budget/403114825

10) https://www.abnamro.com/research/en/our-research/global-outlook-2026-the-shifting-world-order

11) https://www.forbes.at/artikel/wie-inflation-und-zinsniveau-das-einkaufsverhalten-2026-veraendern

12) https://www.de.vanguard/professionell/insights/wie-wird-kunstliche-intelligenz-die-wirtschaft-und-die-markte-im-jahr-2026-pragen

13) https://www.datev-magazin.de/nachrichten-steuern-recht/wirtschaft/deutsche-wirtschaft-nach-der-rezession-imk-prognostiziert-02-prozent-wirtschaftswachstum-fuer-2025-und-14-prozent-fuer-2026-141876

14) https://www.ipsos.com/de-at/ipsos-prognoseumfrage-2026

15) https://www.nume.ch/the-economist-2026-titelseite-prognosen-und-schluesselthemen/

16) https://www.nume.ch/the-economist-2026-titelseite-prognosen-und-schluesselthemen/

17) https://www.economist.com/insider/the-insider/the-world-ahead-how-2026-will-shape-the-next-decade

18) https://www.newsflix.at/s/diese-10-grossen-trends-werden-2026-die-welt-praegen-120143512

19) https://www.economistgroup.com/press-centre/the-economist/the-economist-launches-the-world-ahead-2026-with-rich-countries-living-beyond-their-means

20) https://www.newsflix.at/s/diese-10-grossen-trends-werden-2026-die-welt-praegen-120143512

21) https://www.nume.ch/the-economist-2026-titelseite-prognosen-und-schluesselthemen/

22) https://www.nume.ch/the-economist-2026-titelseite-prognosen-und-schluesselthemen/

23) https://www.economistgroup.com/press-centre/the-economist/the-economist-launches-the-world-ahead-2026-with-rich-countries-living-beyond-their-means

24) https://kurier.at/wirtschaft/wifo-ihs-prognose-oesterreich-wirtschaft-inflation-bip-budget/403114825

25) https://bankenverband.de/konjunktur/deutsche-wirtschaft-loest-sich-2026-aus-langjaehriger-schwaechephase

26) https://www.theistanbulchronicle.com/post/what-the-cover-says-the-economist-s-the-world-ahead-2026

27) https://www.bundesbank.de/de/presse/pressenotizen/deutschland-prognose-wirtschaftliche-erholung-kommt-langsam-in-gang-959260

28) https://www.newsflix.at/s/diese-10-grossen-trends-werden-2026-die-welt-praegen-120143512

29) https://www.nume.ch/the-economist-2026-titelseite-prognosen-und-schluesselthemen/

30) https://www.theistanbulchronicle.com/post/what-the-cover-says-the-economist-s-the-world-ahead-2026

31) https://www.economistgroup.com/press-centre/the-economist/the-economist-launches-the-world-ahead-2026-with-rich-countries-living-beyond-their-means

32) https://uncutnews.ch/2025-das-jahr-in-dem-sich-die-erzaehlung-aenderte/

33) https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/banken/banken-net-zero-bankingalliance-verliert-die-letzte-us-grossbank/100099299.html

34) https://www.nume.ch/the-economist-2026-titelseite-prognosen-und-schluesselthemen/

35) https://www.economist.com/insider/the-insider/the-world-ahead-how-2026-will-shape-the-next-decade

36) https://www.economist.com/insider/the-insider/the-world-ahead-how-2026-will-shape-the-next-decade

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Geschäftsmann berührt eine futuristische digitale Leinwand mit der Jahreszahl 2026

Bildquelle: GSasanka/ shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Sein und Schein der Wirtschaftsbelebung | Von Uwe Froschauer

16. Dezember 2025 um 13:54

Vorschau ansehen
Sein und Schein der Wirtschaftsbelebung | Von Uwe Froschauer
Apolut 20251216 SP Dienstag
0:00
/976.232
Sein und Schein der Wirtschaftsbelebung | Von Uwe Froschauer

Ein Standpunkt von Uwe Froschauer.

Dieser Beitrag beschäftigt sich vornehmlich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Regierungsarbeit.

„Die 100“

In der ARD-Sendung am 8. Dezember 2025 „Die 100 – was Deutschland bewegt“ wurde von Moderator Ingo Zamperoni die Frage gestellt: „Werden wir gut regiert?“ 

Zu Beginn dieser Live-Debattenshow gaben 76 von 100 Teilnehmern aus dem Volk an, sie fühlten sich nicht gut regiert. Nur etwa 15 Prozent bejahten die Frage. Im Verlauf der Sendung änderten nur 2 Personen ihre Meinung. Am Ende blieben 74 Personen bei „Nein“ und weiterhin deutlich weniger bei „Ja“. Auch im Publikum zeigte sich eine überwiegende Skepsis gegenüber der Regierungsleistung.

Gemessen wurde das Ergebnis einerseits durch einen kleinen Computer, den jeder Teilnehmer mit sich führte, und sichtbar für die Zuschauer durch das Verweilen der Teilnehmer in dem jeweils dafür vorgesehenen Antwortfeld.

Die Inszenierung erinnerte sehr an die ZDF-Kindersendung „1, 2 oder 3“, bei der die Kinder vor drei großen Antwortfeldern (1, 2 oder 3) stehen, und auf eine Frage auf das Feld laufen, das ihrer Meinung nach die richtige Antwort markiert.
Den Kommentar spare ich mir ausnahmsweise. 

Die Journalistin Anna Planken übernahm in der Sendung die Rolle, Argumente für eine positive Sichtweise der Regierungsarbeit zu präsentieren. Planken wurde während der Sendung als Optimistin der Regierungspolitik wahrgenommen und setzte Akzente, um das Publikum von positiven Seiten der Regierungsarbeit zu überzeugen.

Zu ihren Argumentationspunkten gehörten unter anderem eine positive wirtschaftliche Einschätzung mit der Betonung, dass Deutschland eine starke Wirtschaft, und immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft sei.
So kann man es natürlich sehen, die Realität ist jedoch, dass Deutschland schon seit drei Jahren kein Wirtschaftswachstum zu verzeichnen hat und die Zukunftsaussichten äußerst mäßig sind. Die Frage ist demnach, wie lange Deutschland noch die Nummer 3 in der Welt bleiben wird bei einer derart dilettantischen Führung im eigenen Land und in Europa.

Weiterhin stellte Planken Deutschlands Innovationskraft anhand des Biotechnologie-Unternehmen BioNTech heraus, und zeigte ein Foto seiner Gründer, Prof. Dr. Uğur Şahin und Prof. Dr. Özlem Türeci, die mit der Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs die Welt mit ihrer unausgegorenen Mixtur „beglückten“. Das Unternehmen BioNTech – das zahlreiche Patente hält und zu den führenden Unternehmen seiner Branche gehört – in der Sendung als Beleg für die Leistungsfähigkeit deutscher Forschung und damit indirekt für positive Politikwirkung anzuführen, schlägt dem Fass den Boden aus. Den diesen beiden Personen 2025 verliehenen Deutschen Nationalpreis für ihren Beitrag zur Medizin und Forschung in Deutschland sollte man ihnen ebenso wie ihre verdienten Milliarden wieder entziehen, da ihre Mixtur wesentlich mehr Menschen geschädigt denn gerettet hat. So läuft das mit den Preisverleihungen: die größten Verfehlungen werden vom mafiös strukturierten System geehrt, um den Anschein von Redlichkeit aufrechtzuerhalten, siehe Ursula von der Leyen, Christian Drosten, Albert Bourla, Alena Buyx und Konsorten. Was für ein Affentheater! 

Die ARD hat mit der Herausstellung des Unternehmens BioNTech für die Innovationskraft Deutschlands einmal mehr gezeigt, dass sie anscheinend immer noch nicht begriffen hat, dass Corona ein einziger Betrug war. So blöd kann man eigentlich nicht sein, nicht einmal die Entscheider der ARD. Es ist zu vermuten, dass der Großteil der Protagonisten der öffentlich-rechtlichen Sender sehr wohl wussten, dass es sich um eine „Coronaplandemie“ handelte. Die ARD dokumentierte in der Sendung „Die 100“ wieder einmal, dass sie nicht ihrem Auftrag entsprechend Regierungsarbeit kritisch beleuchtet, sondern sie unterstützt.

Als weiteres Argument für die gute Regierungsarbeit hob Anna Planken das mit dem Wendehalskanzler Friedrich Merz durchgeboxte 500-Milliarden-Investitionspaket als wirtschafts- und zukunftsgerichtet heraus, und jubilierte, was man mit dem vielen Geld doch alles anstellen könnte.

Komisch, dass davon noch keine positiven wirtschaftlichen Impulse ausgingen, und beispielsweise die Arbeitslosenquote den höchsten Stand seit 10 Jahren erreicht hat. Die Anzahl Insolvenzen am Ende des Jahres 2025 dürfte knapp 24.000 betragen. Rekordniveau. Dass der Kapitaldienst für diese 500 Milliarden Schulden – das passende Wort für diese fragliche Maßnahme – sowie für das noch größere Milliarden-Paket für sinnbefreite Aufrüstung von zukünftigen Generationen getragen werden muss, sei nur am Rande erwähnt. 

Die Inszenierung und das Auftreten von Anna Planken – die natürlich nur eine Rolle spielte – war meilenweit entfernt von der düsteren politischen Realität.

Kritische Gegenargumente kamen von Till Nassif, der als Gegenpart zu den positiven Aspekten Plankens kritische Gesichtspunkte einbrachte wie die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten, Themen wie Migration und symbolische Aktionen wie z.B. den „Hautfarben-Test“.

Insgesamt war diese Sendung ein eher unansehnliches Spektakel, das in einem Artikel der Berliner Zeitung am 9. Dezember richtigerweise wie folgt betitelt wurde: „Die 100“: Selbst bei der Volksverdummung gibt sich die ARD keine Mühe mehr“. 

Die Wirklichkeit

Nun vom Spektakel zur Realität.

Scheinheiligkeit und Lüge sind die einzige Gesellschaftskleidung, die noch nie aus der Mode gekommen ist. Professor Querulix

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Deutschlands der vergangenen Jahre 

Albrecht Künstle schreibt in seinem Artikel mit dem Titel „Gründe für den Niedergang Deutschlands“:

„Es bleibt zwar zutreffend, aber dennoch thesenhaft, dass der Niedergang Deutschlands mit der ungesteuerten Zuwanderung, dem Klimapopanz mit der chaotischen Energiepolitik zu erklären ist. Um die Richtigkeit dieser These zu begründen, bedarf es noch eines Blicks in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung Deutschlands der vergangenen Jahre. Die soll geschehen anhand der Zeitreihen der Deutschen Bundesbank in sieben fundamentalen Kategorien, nachfolgend ausgewertet und von mir zusammengefasst kommentiert. Eines noch vorweg: Würde es um die Bilanz eines Unternehmens gehen, müsste ein Bilanztestat zum Befund der klaren Insolvenzverschleppung kommen. Es läuft schon lange nicht mehr rund, die Entwicklung ist überwiegend besorgniserregend. Nachfolgend nun zu den Einzelaspekten, in der von der Bundesbank aufgeführten Reihenfolge.

Bruttoinlandsprodukt (BIP) und -Wertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen: Seit dem Jahr 2019 stagniert das BIP mit Ausnahme eines kleinen Zwischenhochs im Jahr 2022. Der Index der Bruttowertschöpfung legte um nur 1 Prozent zu – trotz immer mehr Beschäftigten. Das produzierende Gewerbe schrumpfte um rund 9 Prozent, das Baugewerbe sogar um rund 25 Prozent. Der Handel, Verkehr und das Gastgewerbe legten um ganze 2 Prozent zu. Der angeblich so wichtige Bereich Information und Kommunikation expandierte um rund 22 Prozent, eine positive Wirkung auf die Produktivität und das BIP blieb aber aus. Dasselbe gilt für Unternehmer und Dienstleister anderer Sektoren. Dieser Bereich nahm um rund 4 Prozent zu. Kontraproduktiv waren schließlich die Bereiche öffentlicher Dienst, Erziehung und Gesundheit, die wegen der Versorgung der um 3 Millionen gewachsenen Bevölkerung in dieser Zeit um rund 8 Prozent zunahm. International gesehen kann man damit aber keinen Blumentopf gewinnen, und national ist diese Entwicklung eher ein Problem als die Lösung.

Verwendung des Bruttoinlandsprodukts: Der private Konsum nahm seit 2019 nur um rund 3 Prozent zu. Das ist damit zu erklären, dass auch ein Euro nicht mehrfach ausgegeben werden kann. Denn die “Konsumausgaben” des Staates expandierten um sage und schreibe 14 Prozent. Die Ausgaben für Ausrüstungen und für Investitionen schrumpften derweil um 15 Prozent. Wir leben also ökonomisch gesehen von der Substanz. Für Bauten wurden rund 13 Prozent weniger vom BIP ausgegeben, was mit der Entstehungsrechnung des BIP korrespondiert. Die Exporte gingen um 1 Prozent zurück, während die Importe um 11 Prozent zunahmen. Wir sind im Außenhandel nicht mehr der Champion. Der Titel des “Exportweltmeisters Deutschland” gehört der Vergangenheit an; wir belegen nur noch den 3. Platz. Die Handelsbilanz verzeichnet nur noch einen Überschuss von rund 6 Prozent. Dass wir mit der Handelsbilanz hinter China liegen ist keine Schande, aber nur noch einen Platz vor Russland.“

Ifo-Geschäftsklimaindex

Dieser wichtige Frühindikator, der am Anfang des Weges die mögliche Verlaufsrichtung der Konjunktur anzeigt, ist im November 2025 auf 88,1 Punkte gesunken nach 88,4 Punkten im Oktober.

Die pessimistischeren Erwartungen der Unternehmen haben diesen Rückgang verursacht, obwohl die aktuelle Lage etwas positiver beurteilt wurde. Insgesamt bleibt die Stimmung verhalten und es gibt wenig Zuversicht auf eine baldige wirtschaftliche Erholung. 

Wichtige Indikatoren aus der Umfrage sind die Exporterwartungen, die im November in den negativen Bereich gefallen sind, was auf schwache Perspektiven im Auslandsgeschäft hindeutet. „Seit Monaten zeigt sich in der Exportwirtschaft kaum Bewegung“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen.

„Die Stimmung ist bestenfalls durchwachsen. Anzeichen einer nachhaltigen Erholung fehlen weiterhin.“ 

Das Beschäftigungsbarometer sank, da viele Unternehmen bei der Personalplanung restriktiver agieren, und eher zur Personalfreisetzung als zur Personalbeschaffung tendieren.

„Viele Unternehmen streichen weiter Stellen“, meinte Klaus Wohlrabe. 

Die Investitionsbereitschaft ist deutlich zurückgegangen, vor allem für das laufende Jahr.

„Der tiefgreifende Strukturwandel und die mangelnde Attraktivität des Standorts Deutschland bremsen die Investitionsbereitschaft der Unternehmen“, sagte ifo-Konjunkturexpertin Lara Zarges. „Die anhaltende Unsicherheit über wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen verstärkt die Investitionszurückhaltung zusätzlich.“

Die Investitionserwartungen für das laufende Jahr fielen im November auf -9,2 Punkte (nach +2,4 im März), was bedeutet, dass mehr Unternehmen ihre Investitionen kürzen wollen als ausweiten.Der enorme Rückgang der Investitionserwartungen liegt wohl auch darin begründet, dass viele Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht der Union nach der Wahl mehr zugetraut haben. 

Selbstständige zeigen weiterhin große Unsicherheit, auch wenn der Index für Selbstständige leicht zulegte.

„Für die Selbständigen ist es eine wirtschaftliche Achterbahn“,

äußerte ifo-Expertin Katrin Demmelhuber. 

Spezifische Branchen wie die Automobilindustrie verzeichnen schwankende, teils negative Stimmungswerte. Nach einem starken Anstieg im Oktober (minus 13,4 Punkte) fiel der Geschäftsklimaindex der Autoindustrie im November auf minus 20,0 Punkte. Dieser Rückgang lässt sich vor allem auf pessimistischere Geschäftserwartungen der Unternehmen zurückführen.

„Dieses Auf und Ab im Geschäftsklima spiegelt die sehr hohe und steigende wirtschaftspolitische Unsicherheit in Deutschland und weltweit wider“, sagte ifo-Branchenexpertin Anita Wölfl.

Die aktuelle Ifo-Konjunkturumfrage zeigt ein weitgehend verhaltenes wirtschaftliches Klima in Deutschland. Trotz geringer Verbesserungen einzelner Komponenten bleibt das Gesamtbild von Unsicherheit, schwachen Erwartungen und reduzierten Investitions- und Beschäftigungsplänen geprägt – ein Hinweis darauf, dass viele Unternehmen weiterhin vorsichtig bleiben.

Firmenpleiten auf Rekordniveau

Deutschland erlebt 2025 einen deutlichen Anstieg bei Firmenpleiten, der vor allem kleine und mittelständische Unternehmen trifft, spürbare wirtschaftliche Schäden verursacht und auch Privathaushalte zunehmend belastet. 

In Deutschland wird für 2025 mit rund 23.900 Unternehmensinsolvenzen gerechnet – so viele wie seit 2014 nicht mehr. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 8 % im Vergleich zum Vorjahr.

Wirtschaftsexperten führen den Anstieg insbesondere auf folgende strukturelle und wirtschaftliche Belastungen zurück:

  • Hohe Verschuldung vieler Betriebe
  • Schwieriger Zugang zu Krediten
  • Belastende Rahmenbedingungen wie hohe Energiepreise, Bürokratie und Regulierung
  • Schwache Nachfrage bei Konsumenten
    Vor allem der Mittelstand und kleine Unternehmen (bis 10 Beschäftigte) stehen unter massivem Druck. 

Besonders viele Insolvenzen gab es im Dienstleistungssektor (unter anderem in der Gastronomie und im Handel). Auch größere Firmen, wie etwa Kliniken, meldeten Insolvenz an.

Der finanzielle Schaden durch Firmenpleiten summiert sich auf etwa 57 Mrd. Euro, nur wenig unter dem hohen Vorjahreswert. Rund 285.000 Arbeitsplätze sind durch die Insolvenzen bedroht oder bereits weggefallen.
Auch bei Privatinsolvenzen setzte sich der Negativtrend fort: Für 2025 werden etwa 76.300 Fälle erwartet – ein Plus von rund 6,5 % und der höchste Stand seit 2016. Rund 5,67 Mio. Menschen gelten in Deutschland derzeit als überschuldet. 

Die Zunahme der Insolvenzen bleibt auf einem hohen Niveau. Einige Ökonomen hoffen, dass staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung ab 2026 das Wirtschaftswachstum stärken könnten, eine klare Trendwende sei jedoch noch nicht sichtbar. 

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ein abgedroschener, dennoch wahrer Spruch. 

Fazit

Deutschland und die EU haben es mit ihrem grottenschlechten Führungspersonal geschafft, sich nicht nur Russland zum Feind zu machen, sondern jetzt auch die USA, die zu Recht auf das undemokratische Europa herabsieht. Diesen Artikel möchte ich mit einem derben Ausspruch von Götz George beenden, der in seiner Rolle als Tatort-Kommissar Schimanski folgende Worte verlauten ließ:

„Für mich ist die ganze Welt ein großer Arsch. Die rechte Arschbacke, das sind die Amerikaner, ja die linke Arschbacke, das sind die Russen und wir hier in Europa, wir sind das Arschloch.“

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

Bild: Berlin Deutschland - 14.5.2025: Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz

Bildquelle: EUS-Nachrichten / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
❌