NEWS 23

🔒
❌
Stats
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.
Heute — 14. April 2026

„Ich will keine Spaltung der NATO“ – O-Töne zu Trumps „Sieg“ und NATO-„Versagen“ im Iran

14. April 2026 um 10:00

Vorschau ansehen

US-Präsident Donald Trump will das Zwischenergebnis seines Iran-Abenteuers, das gemessen am Aufwand eher bescheiden aussieht, als einen großen Sieg verkaufen. Zugleich wirft er den europäischen NATO-Partnern ein „Versagen“ vor, weil sich diese nicht in den Konflikt einmischen wollten, und droht sogar mit einem NATO-Austritt. Eine neue Ausgabe der O-Töne. Von Valeri Schiller.


Externer Inhalt

Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen.


US-Präsident Donald Trump am 5. April bis 7. April 2026

„Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Mistkerle, oder ihr werdet in der Hölle schmoren“; „Wir geben ihnen bis acht Uhr morgen Zeit – und danach werden sie keine Brücken mehr haben, keine Kraftwerke … Steinzeit… Ja, Steinzeit“; „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen und nie wiederkehren. Ich möchte das nicht, aber es wird wohl so kommen.“

(Quelle: ZDF Heute, ab Minute 44:52)


Karoline Leavitt, Sprecherin des Weißen Hauses, am 9. April 2026

„Das ist ein Sieg für die Vereinigten Staaten von Amerika, den der Präsident und unser unglaubliches Militär ermöglicht haben. Von Beginn der ‚Operation Epic Fury‘ an erklärte Präsident Trump, dass es sich um eine vier- bis sechswöchige Operation zur Zerschlagung der militärischen Bedrohung durch das radikal-islamische iranische Regime handeln würde. (…)

Sie [die NATO-Länder. – Anm. d. Red.] wurden getestet und sind gescheitert. Und ich möchte hinzufügen, dass es ziemlich traurig ist, dass die NATO dem amerikanischen Volk in den letzten sechs Wochen den Rücken gekehrt hat.“

(Quelle: DWS News, ab Minute 0:54 und ab Minute 22:00)


NATO-Generalsekretär Mark Rutte am 9. April 2026

„Er [Trump – Anm. der Red.] ist wirklich enttäuscht über viele NATO-Partner, und ich sehe seinen Punkt. Aber ich habe ihn darauf hingewiesen, dass die große Mehrheit der Europäer ihn unterstützt hat – mit Basen, mit Logistik und mit Überflugrechten.“

(Quelle: CNN, ab Minute 0:33)


Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, am 9. April 2026

„Trump will, dass die EU, die Mitglieder in der NATO ihre Truppen von der Kette lassen und sich dort einmischen. Das wird ihm aber nicht gelingen. Er hat die EU und die europäischen Partner ja gar nicht konsultiert, bevor er den Iran angegriffen hat. Er kann also nicht erwarten, dass jetzt aktiv eingegriffen wird.“

(Quelle: WELT, ab Minute 4:23)


Bundeskanzler Friedrich Merz am 09. April 2026

„(…) Zweitens wollen wir, dass dieser Krieg, der zum transatlantischen Stresstest geworden ist, die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den europäischen NATO-Partnern nicht noch weiter belastet. Bei allem Verständnis für Forderungen nach klarer Kante, lassen Sie mich das hier an dieser Stelle auch einmal sagen: Wir wollen, ich will keine Spaltung der NATO. Die NATO ist ein Garant unserer Sicherheit auch und vor allem in Europa. Wir müssen hier weiter kühlen Kopf bewahren.“

(Quelle: Tagesschau, ab Minute 0:23)


Sicherheitsexperte Niko Lange am 9. April 2026

„Aber die Grundkonstante ist doch, das wir für die Sicherheit Europas militärisch von den USA abhängig sind. Wir können das nicht alleine. Und weil das so ist, müssten wir doch bei allem, was wir machen – egal, wer da Präsident ist, auch wenn es Trump ist –, müssten wir dieses Grundinteresse doch im Hinterkopf behalten. Und wenn man da groß auftritt und sagt: ‚Das ist nicht unser Krieg‘, dann muss man sich klarmachen, dass das ein Risiko bedeuten könnte für unsere eigene Sicherheit, wenn die Amerikaner sagen: ‚Wir machen das nicht mehr.‘“

(Quelle: WELT, ab Minute 2:38)


General a. D. Ben Hodges, Ex-Chef der US-Streitkräfte in Europa, am 9. April 2026

„Die NATO hat nicht versagt. Die amerikanische Regierung hat versagt, weil sie nicht klar das strategische Ziel definiert hat. Und der amerikanische Kongress hat auch seine Pflicht nicht getan und hat den amerikanischen Präsidenten nicht zur Verantwortung gezogen.“

(Quelle: ZDF heute, ab Minute 11:41)


Militär- und Sicherheitsexperte Carlo Masala am 9. April 2026

Moderatorin: „Wird Europa durchhalten, zu sagen: Da sind wir nicht dabei, egal, was du erzählst, Donald Trump?‘“

Masala: „Ich glaube, das werden nur einige Staaten durchhalten. Ich glaube, Friedrich Merz kann gar nicht mehr von den heute formulierten Punkten zurückgehen, also, weil natürlich auch das Ganze in Deutschland extrem unpopulär ist. Aber das heißt nicht, dass andere Staaten, sozusagen, die glauben, die Amerikaner sind ihre Lebensversicherung mit Blick auf die russische Bedrohung – Mittel- und Osteuropa, baltische Staaten – (…) sich nicht irgendwie dann doch an dieser Mission beteiligen, obwohl es noch keinen stabilen Frieden geben wird.“

(Quelle: ZDF heute, ab Minute 57:44)


Jeffrey Sachs, Wirtschaftsexperte und politischer Analyst, am 8. April 2026

„Das ist ein dummer Mann [Trump. – Anm. d. Red.]. Das ist kein Mann, der detaillierte und komplizierte Berechnungen anstellt. Soweit ich weiß – und ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich kenne viele Leute, die ihn persönlich kennen, ich kenne viele Leute, die mit ihm in Kontakt stehen – dies ist ein alter Mann, ungestüm, impulsiv, ungebildet, leicht beeinflussbar und nicht fähig, Anweisungen zu folgen. Er ist nicht in der Lage, ein Problem zu untersuchen. Ich glaube also nicht, dass wir es hier mit einem rationalen Kalkulator zu tun haben, der schwierige und komplexe Berechnungen durchführt.“

(Quelle: NDTV Profit, ab Minute 0:24)


Titelbild: Screenshots ZDF, DWS, CNN, WELT, Tagesschau, NDTV Profit

(Auszug von RSS-Feed)
Ältere Beiträge

Epstein und die Araber

11. April 2026 um 08:46

Vorschau ansehen

Jeffrey Epstein und seine Komplizen suchten die Nähe zu reichen Golfarabern. Doch gleichzeitig herrschten auch Verachtung und Rassismus.

Der Beitrag Epstein und die Araber erschien zuerst auf .

(Auszug von RSS-Feed)

Melania Trump kündigt rechtliche Schritte gegen Verleumdungen an, die sie mit Epstein in Verbindung bringen

10. April 2026 um 18:57

Vorschau ansehen
Die First Lady der USA, Melania Trump, kündigte bei einer Rede im Weißen Haus an, gegen jeden rechtlich vorzugehen, der sie mit Jeffrey Epstein in Verbindung bringt. Den Kongress fordert sie auf den Opfern des 2019 verstorbenen Sexualstraftäters die Möglichkeit zu geben, auszusagen.
(Auszug von RSS-Feed)

Melania Trump denies connection to Epstein case, calls accusations ‘baseless lies’

10. April 2026 um 06:54

Vorschau ansehen

US first lady says Congress should hold a public hearing centered on survivors of Epstein’s crimes, claims statements about her are financially and politically motivated

The post Melania Trump denies connection to Epstein case, calls accusations ‘baseless lies’ appeared first on The Times of Israel.

(Auszug von RSS-Feed)

Weiter auf Kriegskurs gegen den Rest der Welt | Von Tilo Gräser

08. April 2026 um 09:40

Vorschau ansehen
Weiter auf Kriegskurs gegen den Rest der Welt | Von Tilo Gräser
Tagesdosis 20260408 apolut
0:00
/1425.193792
Weiter auf Kriegskurs gegen den Rest der Welt | Von Tilo Gräser

Kritiker warnen: Donald Trump bringt die Welt an den Rand einer Katastrophe

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Was von US-Präsident Donald Trump und Israels Premierminister Benjamin Netanjahu als „Blitzkrieg“ gegen den Iran nach dem US-Motto „Shock and Awe“ („Schock und Furcht“) gedacht schien, dauert nun schon mehr als fünf Wochen. Der Iran wehrt sich standhaft und überrascht Trump damit anscheinend so, dass der zu immer brutaleren Drohungen gegen Teheran greift: Erst will er das Land in die Steinzeit zurückbomben und nun will er es gar ganz auslöschen, falls es nicht macht, was er erwartet.

Es mögen verbale Ausraster eines außer Kontrolle geratenen US-Präsidenten sein, die nichts mit der Realität zu tun haben. Schon das frühere Vorhaben, Vietnam „in die Steinzeit zurückzubomben“ (US-General Curtis E. LeMay), scheiterte und endete mit der Niederlage der USA samt panischem Rückzug aus Saigon Ende April 1975. Doch Trumps Ausfälle stehen für eine neue ungeschminkte US-Politik in der Welt, die sich an keinerlei Verträge, internationale Regeln oder verbindliche Institutionen wie die UNO hält. Es ist ein Kurs, der unter dem Motto „America first“ die Weltordnung zerstört und versucht, jene Länder unter Kontrolle zu bringen, die sich bisher US-Interessen verweigerten. Und mag diese Politik am Ende auch an der Realität scheitern, den Preis dafür zahlen nicht Trump und jene, die hinter ihm stehen und ihn mutmaßlich benutzen. Den bezahlen all die Menschen im Iran, in der Region Westasien und anderswo auf der Welt, die nicht verantwortlich dafür sind – und das viel zu oft mit ihrem Leben.

„Zwei Verrückte spielen Gott“ – so hat der US-Ökonom Jeffrey Sachs kürzlich das Treiben Trumps und Netanjahus kommentiert. Die beiden würden gemeinsam einen mörderischen Angriffskrieg gegen den Iran, eine Nation mit 90 Millionen Einwohnern, führen und seien dabei „im Griff dreier sich verstärkender Pathologien“:

„Die erste ist die Persönlichkeit: Beide sind bösartige Narzissten.

Die zweite ist die Arroganz der Macht: Männer, die die Macht besitzen, nukleare Vernichtung zu befehlen, und infolgedessen keinerlei Zurückhaltung empfinden.

Die dritte und gefährlichste von allen ist religiöser Wahn: zwei Männer, die glauben – und denen täglich von ihrem Umfeld gesagt wird –, dass sie Messiasse sind, die Gottes Werk tun.“

Jede dieser Pathologien verschärfe die anderen, sodass sie gemeinsam die Welt in eine beispiellose Gefahr bringen, so Sachs. Das Ergebnis sei „eine Verherrlichung der Gewalt, wie man sie seit den Nazi-Führern nicht mehr gesehen hat“. Er zeigt in seinem Text, wie das jeweilige Umfeld von Trump und Netanjahu deren Kurs noch stützen und befördern. Für den Ökonomen steht die Frage, „ob die wenigen Erwachsenen dieser Welt – verantwortungsbewusste Staats- und Regierungschefs, die sich weiterhin dem Völkerrecht verpflichtet fühlen und bereit sind, dies auch zu sagen – sie zügeln können. Es wird nicht einfach sein, aber sie müssen es versuchen.“

Durchsetzung der eigenen Macht untergraben

Der US-Politologe John Mearsheimer sieht keine Anzeichen für ein baldiges Ende des US-israelischen Krieges gegen den Iran. Das erklärte er in einem Gespräch mit dem Journalisten Steve Clemons vom Sender Al Jazeera English, das am Montag veröffentlicht wurde. Mearsheimer glaubt nicht, „dass dieser Krieg irgendeinen Einfluss auf die Machtverteilung im internationalen System haben wird“. Die USA würden damit aber ihre eigenen Möglichkeiten untergraben, ihre Macht zu projizieren und auszuüben, so der renommierte Politologe. Das geschehe, indem sie die dafür notwendigen internationalen Institutionen, das Völkerrecht und die Verbündeten – alle von den USA gegründet und geprägt – missachten und diesen Schaden zufügen. Der Krieg gegen den Iran sei „katastrophal“, weil er die Fähigkeit der USA untergrabe, ihre Macht auszuüben.

Die Macht eines Landes basiere auf den Grundpfeilern Reichtum und Bevölkerungsgröße, die zum Aufbau mächtiger Streitkräfte genutzt würden, erklärte Mearsheimer. Tatsache sei, dass die USA in der Lage seien, sich „ziemlich arrogant und rücksichtslos“ zu verhalten. Das werde keinerlei Auswirkungen auf diese materiellen Faktoren der Macht haben. Der Politologe verwies dabei auf das Beispiel Vietnam-Krieg. Die dabei erlittene „vernichtende Niederlage“ der USA habe keinerlei Auswirkungen auf das internationale Kräfteverhältnis gehabt.

„Die Vereinigten Staaten waren nicht weniger mächtig. Wir hatten infolge des Krieges nicht weniger Menschen, weniger Reichtum und ein schwächeres Militär.“

Die „törichte Außenpolitik“ Trumps schwäche nur die Möglichkeiten der USA, ihre Macht wie bisher zu projizieren und auszuüben. Die USA würden eigentlich die internationalen Institutionen und das Völkerrecht brauchen, was der derzeitige US-Präsident als „Unilateralist“ aber nicht so sehe. Mearsheimer meint, dass die USA die drei für sie wichtigen strategischen Regionen – Europa, Ostasien und die Region um den Persischen Golf – nicht verlassen würden, auch wenn Trump so etwas andeute. Zugleich seien die USA kein unabhängiger Akteur, der ohne Verbündete auskomme.

Der Politologe bezeichnete die Behauptungen aus den USA und Israel, wonach der Iran eine große und ernsthafte Bedrohung für die Stabilität im Nahen Osten und für die USA seien als „Unsinn“.

„Die größte Bedrohung für die Instabilität im Nahen Osten sind die Vereinigten Staaten, die eng mit Israel zusammenarbeiten. Der Iran hat keinen Krieg begonnen. Soweit ich das beurteilen kann, ist er seit Jahrhunderten kein besonders aggressives Land. Das Land im Nahen Osten, das äußerst aggressiv ist, ist Israel. Das Land, das in Gaza Völkermord begangen hat, ist nicht der Iran, sondern Israel, und wir waren mitschuldig – das heißt, die Vereinigten Staaten sind mitschuldig an diesem Völkermord.“

Der Krieg gegen den Iran habe die Situation erheblich verschlimmert. Aus Sicht Mearsheimers wurde damit die Welt an den wirtschaftlichen Abgrund gebracht und der internationalen Wirtschaft großer Schaden zugefügt. Je länger der Krieg dauere, desto mehr Schaden entstünde. Die USA und Israel würden „die ganze Welt an den Rand einer Katastrophe“ bringen.

Kein Sieg im „Blitzkrieg“

Die anfängliche „Shock and Awe“-Strategie, die einst gegen den Irak erprobt wurde, sei gegen den Iran gescheitert. Der angestrebte schnelle Sieg sei ausgeblieben und stattdessen werde nun ein Zermürbungskrieg geführt.

„Und in diesem Krieg, in dem wir uns nun befinden, haben die Iraner fast alle Trümpfe in der Hand, nicht wir, und deshalb befinden wir uns in einer verzweifelten Lage.“

Auf die Frage von Moderator Clemons nach der Sicht Chinas auf den Krieg gegen den Iran, sagte Mearsheimer, es könne sich um einen „Glücksfall“ für Peking handeln. Die USA seien dadurch gezwungen, sich von Ostasien abzuwenden und ihre Eindämmungsstrategie gegen China abzuschwächen. Zugleich nehme dessen weltweiter Einfluss zu, weil es sich als „verantwortungsbewusster Akteur“ zeige: „Die Chinesen wirken wie die Erwachsenen im Raum.“ Bei den USA würden sich dagegen viele, selbst Verbündete, fragen, ob sie noch „bei klarem Verstand sind“.

Der Wunsch von Golfstaaten wie Saudi-Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) an die USA und Israel, den Krieg auszuweiten und Iran zu besiegen, bezeichnete der Politologe als „töricht“. Wenn der Krieg eskaliere, bestünde „eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien als funktionierende Gesellschaften zerstört werden“. Der Iran könne deren Lebensgrundlagen wie die Entsalzungsanlagen und die Energieinfrastruktur angreifen. Die Golfstaaten sollten sich stattdessen dafür einsetzen, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden.

Krieg für Kontrolle der Rohstoffversorgung

Wie weitreichend die Folgen des Krieges gegen den Iran sind, hat der US-amerikanische Ökonom Michael Hudson in einem am 1. April veröffentlichten Gespräch mit dem norwegischen Politologen Glenn Diesen verdeutlicht. Er sieht den Krieg wegen der weltweiten Auswirkungen vor allem im Rohstoff- und Energiebereich sowie bei der Düngemittelversorgung als „Dritten Weltkrieg“ an. Es handele sich nicht einfach nur um einen Krieg gegen den Iran, sondern um einen, bei denen es den USA darum gehe, „durch die Kontrolle des Öls einen Engpass für die gesamte Weltwirtschaft aufrechtzuerhalten, denn jeder braucht es“. Das sei auch Ziel des Überfalls auf Venezuela gewesen.

Sie würden versuchen zu verhindern, dass ein anderes souveränes Land Öl ohne die Kontrolle der USA exportiere. Dazu würden auch Sanktionen verhängt, wie gegen Venezuela, den Iran und auch Russland. Die Orte, an dem die Verbündeten der USA Öl beziehen können, stünden unter US-Kontrolle. Darum gehe es bei dem Konflikt um die Straße von Hormus. Bei dem Krieg gegen den Iran gehe es nicht um dessen angebliche Versuche, eine Atombombe zu bauen, oder um Teherans Außenpolitik.

„Dieser ganze Kampf ist also ein Versuch, Öl und die Kontrolle über dessen Exporte zu nutzen, genauso wie Donald Trump seine Zollpolitik genutzt hat, indem er sagte: Wir werden Chaos in euren Volkswirtschaften verursachen, wenn ihr nicht zustimmt, das zu tun, was US-Diplomaten von euch verlangen.“

Trump wolle den langjährigen Versuch der USA seit 2003 beenden, die Kontrolle über das gesamte Öl der OPEC-Staaten und der arabischen Scheichtümer zu erlangen. Doch der Iran widersetze sich bisher und fordere den Rückzug der USA aus dem Nahen Osten und auch aus Israel, dem „größten Militärstützpunkt“ der USA in der Region. Das werde aber nicht geschehen; und selbst wenn es passieren würde, seien die Schäden für die Weltwirtschaft inzwischen immens.

Die Welt stehe vor der schwersten Depression seit der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren schätzte der Ökonom ein. Es gebe keinen Weg, das zu verhindern, fügte er hinzu. Hudson sieht in Trumps Politik keinen Bruch zu der seiner Vorgänger:

„Es hat überhaupt keine Veränderung gegeben, und Sie werden feststellen, dass kein einziger ehemaliger Präsident, weder Biden noch Obama noch einer der beiden George Bushs, kein einziger Präsident Donald Trump und sein Handeln kritisiert hat.“

Auch die europäischen Politiker würden nicht widersprechen, selbst wenn einige den Luftraum ihrer Länder für US-Militärflugzeuge sperren. Sie würden weiter an den Sanktionen gegen den Iran und Russland festhalten und niemand würde Trump öffentlich als „Kriegsverbrecher“ bezeichnen.

Krieg gegen die Zivilisation

Der Ökonom machte gegenüber Diesen darauf aufmerksam, dass der Iran-Krieg die internationalen Zahlungsketten irreversibel unterbrochen hat, da immer mehr Länder die gestiegenen Preise für grundlegende Rohstoffe und Düngemittel nicht zahlen können. Die Zahlungsausfälle würden zu einem exponentiellen Schrumpfen der Wirtschaft „auf dem Weg nach unten“ und damit zu einer Depression führen.

Das internationale System würde sich trotz der offensichtlichen Folgen nicht an die Situation anpassen, stellte Hudson fest. So würden die EU-Staaten an den Sanktionen gegen Russland festhalten und damit „wirtschaftlichen Selbstmord“ begehen. Zwar sei offensichtlich, dass sich die unterbrochenen russischen Gas- und Öllieferungen für Deutschland negativ auswirken, aber der Kurs werde nicht geändert. Stattdessen würden die EU- und Nato-Staaten der Ukraine als Nichtmitglied den Angriff auf die Gas- und Ölversorgung von Mitgliedsländern wie Ungarn und der Slowakei ungestraft durchgehen lassen.

„Die Ukraine hat Ungarn praktisch den Krieg erklärt, und die NATO unterstützt den ausländischen Angreifer eines NATO-Landes.“

Die EU-Staaten würden damit in eine selbstverursachte Wirtschaftskrise steuern, die zu immer höheren Staatsausgaben führe, die eigentlich zurückgefahren werden sollen, wie es heißt.

Hudson sieht den Krieg gegen den Iran als einen „Angriff auf die Zivilisation“, indem die USA und ihre Verbündeten alles brechen, was als Gesetze der Zivilisation gelte: „die Gesetze der nationalen Souveränität, die Nichteinmischung in die Angelegenheiten anderer Länder, die Kriegsgesetze, nach denen man keine Zivilisten angreifen darf, sondern seine Angriffe auf militärische Ziele beschränken muss. Man soll keinen Krieg führen, ohne ihn zu erklären. Man soll keine Überraschungsangriffe durchführen und so tun, als gäbe es keinen Krieg.“

Fast jedes Völkerrecht der letzten Jahrzehnte sei von den USA gebrochen worden. Trump halte das Völkerrecht nicht mehr für notwendig, dabei sei es das „Bindeglied, das die Zivilisation zusammenhalten sollte“. Dem Iran bleibe keine Alternative als die des Widerstandes, denn es gehe um seine Existenz. Es gehe um Selbständigkeit und Autonomie statt Versklavung, um die Fähigkeit, die Zukunft selbst zu gestalten. Damit sei es nicht nur ein wirtschaftlicher Kampf, sondern auch ein moralischer, meint der Ökonom.

Er sieht das westliche Wirtschaftssystem am Ende seines bisherigen Wachstumspfades: „Es wächst nicht nur nicht mehr, sondern wie man in Deutschland und Europa sieht, schrumpfen die Volkswirtschaften tatsächlich.“ Zudem sei ein ungleichmäßiger Abschwung in den Ländern des Globalen Südens zu beobachten. Das treffe jene, die es sich nicht leisten können, die reicheren asiatischen Länder bei der Beschaffung von knappen Rohstoffen wie Öl, Gas, Helium und anderen Produkten wie Düngemitteln zu überbieten.

Abrupter Wandel durch Crash

Für Hudson handelt es sich nicht um einen Niedergang, sondern um einen Crash. Es komme zu einem „abrupten Wandel“, nicht von außen, sondern aus dem Inneren:

„Das Ende der amerikanischen Macht resultierte nicht aus irgendeinem ausländischen Bürgerkrieg oder einem anderen Krieg gegen die amerikanische Vorherrschaft; das Ende kam aus den Vereinigten Staaten selbst, als sie versuchten, ihre Interessen jedem anderen Land gegenüberzustellen, in der Annahme: ‚Wir werden Sanktionen gegen jeden verhängen, der damit nicht einverstanden ist.‘“

Die USA hätten sich seit den Bushs als Präsidenten bis zu Trump von der Welt abgeschottet und dem Rest der Welt „praktisch den Krieg erklärt“. Dem Rest der Welt bliebe keine andere Wahl, als sich dem Iran anzuschließen. „Das ist das Erstaunliche an all dem: dass die USA ihr eigenes Imperium beendet haben“, stellte der Ökonom fest. Er sieht einen systemischen Wandel, einen Umbruch in der Welt, die versuche, sich neu zu strukturieren. Doch nur eine Minderheit denke darüber nach und debattiere über die Folgen und Auswirkungen sowie die Chancen.

Statt der von den USA geschaffenen und dominierten Institutionen von der UNO über die Weltbank bis zur Nato seien neue internationale Organisationen notwendig, aber auch „unsere eigene Streitmacht“. Die sei notwendig, „um uns zu verteidigen, damit das, was dem Iran und dem Rest des Nahen Ostens sowie den anderen Ländern widerfahren ist, mit denen Amerika seitdem immer wieder und so oft Krieg geführt hat – seit den 1950er Jahren –, nie wieder geschieht, schon gar nicht in der Art und Weise, wie es geschehen ist“. Doch niemand spreche darüber, welche Art von Währungssystem, Finanzsystem, Handelssystem und neuem internationalen Recht notwendig sei. Auch nicht, welches Gremium die Vereinten Nationen ersetzen soll, „die heute genauso überholt sind, wie es der Völkerbund zur Zeit des Zweiten Weltkriegs geworden war“.

Wirtschaftlich gehe es darum, in möglichst vielen Bereichen Autarkie zu erreichen, „um sich vor der Instrumentalisierung des Außenhandels durch die USA zu schützen – bei Nahrungsmitteln, bei Öl, bei Düngemitteln, bei so ziemlich allem, womit die Vereinigten Staaten einen Engpass schaffen und das sie als Waffe einsetzen können“. Es müsse verhindert werden, dass der Außenhandel als Waffe eingesetzt werden kann. Doch der Weg zur Selbstversorgung sei lang, nicht nur für die afrikanischen Länder, sondern auch für die in Europa, die inzwischen deindustrialisiert seien und damit schlechte Überlebenschancen hätten, wie Hudson befürchtet.

Deindustrialisierung als strategischer Plan

Die Deindustrialisierung Europas, deren Folgen sich im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg ungefiltert zeigen und durch diesen verstärkt werden, sind nach Meinung des Ökonomen Richard Werner kein Zufall und keine Überraschung. Er sieht die durch den Krieg unterbrochene Energieversorgung Europas im Zusammenhang mit der Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines im September 2022. Zu den Zielen der Berater von Trump scheine „die vollständige Deindustrialisierung und Zerstörung Europas“ zu gehören.

„Ich glaube, wir erleben gerade die Umsetzung des Morgenthau-Plans, der vom damaligen Finanzminister Henry Morgenthau vorgeschlagen wurde, nämlich dass nach 1945, in der Nachkriegszeit, Deutschland vollständig vernichtet, die Industrie ausgeschaltet, deindustrialisiert und ein Degrowth erreicht werden müsse – auch wenn sie dieses Wort damals nicht verwendeten –, und sogar die Bevölkerung ersetzt werden müsse.“

Dieses Programm werde seit 2015 umgesetzt, sagte Werner in einer Gesprächsrunde des US-Moderators und Podcasters Patrick Bet-David, die am 2. April veröffentlicht wurde. Es laufe jetzt auf Hochtouren, doch in Europa erhebe niemand Einspruch und steuere mit vernünftigen politischen Maßnahmen entgegen. Der deutsche Ökonom, der in England und China tätig war und ist, verwies unter anderem auf Deutschland. Es werde kaum darüber gesprochen, dass es „nie ein souveränes Land“ war und „immer noch ein besetztes Gebiet“ ist. Das Besatzungsrecht sei immer noch gültig und werde vom Deep State der USA angewandt. So werde das Land von der eigenen Regierung für die USA als größter Besatzungsmacht verwaltet.

Auch die Europäische Union (EU) sei nach einem Plan der CIA von deren Agenten geschaffen worden. Es sei darum gegangen, die Vorherrschaft des US-Deep State auf den gesamten europäischen Kontinent auszuweiten, beschrieb Werner die Ursachen für die gegenwärtige EU-Politik auch im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg. Das Vorbild sei dabei die Sowjetunion gewesen: nicht wegen ihrer Ideologie, sondern wegen des zentralen Planungssystems, das alle gesellschaftlichen Bereiche erfasste. Die EU-Politik scheine dem Plan zu folgen, nichts dagegen zu unternehmen, dass die Grundlagen der eigenen Wirtschaft wie die Energieversorgung zerstört werden.

Werner stellte fest, dass es in Europa keinerlei Gegenmaßnahmen und alternative Lösungen zu den durch den Krieg entstandenen Problemen wie die in der Energieversorgung gebe. Er sieht als Hintergrund dafür, dass die Zentralplaner der EU „diese Gelegenheit nutzen, um digitale Kontrollen und Einschränkungen der individuellen Freiheiten durchzusetzen, die, mindestens so schlimm sein werden wie während dieser COVID-PsyOp, oder schlimmer“.

„Es ist eine Diktatur“

Das geschehe nun unter dem Vorwand „Oh, es gibt keine Energie. Ihr müsst zu Hause bleiben. Ihr dürft eure Autos nicht benutzen.“ Schon wird in Deutschland über Fahrverbote und Lockdowns nachgedacht. Dass es darüber keine Debatte und keinen Streit in der EU gibt, das hat für den Ökonomen einen klaren Grund: „Es ist eine Diktatur.“

„Sie können alles tun. Sie können jemanden ohne rechtlichen Grund ins Gefängnis stecken. Sie können Menschen ohne rechtfertigenden Grund sanktionieren, und genau das geschieht bereits. Deshalb gehen sie hart gegen die Meinungsfreiheit vor, mit diesem Digital Services Act.“

Es scheine fast willkommen, dass die Straße von Hormus geschlossen wird, um die beschlossenen Kontrollen und Zwangsmaßnahmen durchzusetzen. Der Iran-Krieg biete „diese fantastische Ausrede“ und Trump werden die Schuld dafür gegeben. Obwohl es Alternativen wie die von Russlands Präsidenten Wladimir Putin vorgeschlagene Inbetriebnahme der einen unbeschädigten Nord-Stream-Pipeline gebe, würden die EU-Bürokraten nichts tun. Während den Bürgern Fahrverbote drohten, würden die Privatjets der Entscheidungsträger weiter funktionieren, so Werner.

Die zentralen Planer würden Knappheit lieben, denn das ermögliche ihnen die kontrollierte Zuteilung wichtiger Güter:

„Knappheit ist ihr Modell. Das erhöht die Macht der Verteilenden.“

Der Ökonom rechnet mit einem weiteren „endlosen Krieg“ wie dem in Afghanistan. Und mit einem Regimewechsel in Folge des Iran-Krieges und den dadurch ausgelösten existenziellen Problemen: einem „Regimewechsel in den Vereinigten Staaten“.

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu
Bildquelle: Rawpixel.com / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Im Gespräch: Marco Pizzuti | Programmiertes Chaos

23. März 2026 um 05:41

Vorschau ansehen
Im Gespräch: Marco Pizzuti | Programmiertes Chaos
Im gespraech marco pizzuti apolut
0:00
/3295.020979
Im Gespräch: Marco Pizzuti | Programmiertes Chaos

Der ehemalige italienische Armeeoffizier Dr. Marco Pizzuti spricht in einer Tour d’Horizon über die Zustände in der Welt und vor allem darüber, wer für das Chaos verantwortlich ist und wie es herbeigeführt wurde. Pizzuti geht auf den aktuellen Krieg gegen den Iran und dessen Hintergründe ein, befasst sich mit 9/11, dem „war on terror“, der US-amerikanischen Hegemonialpolitik, dem „Great Reset und der Vierten Industriellen Revolution“, den digitalen Überwachungstechniken, der Corona-Operation, den Zielen der Transhumanisten und der völligen Unterwerfung der Politik unter die Vorgaben der globalen Finanzakteure. Nach Pizzuti hat der 3. Weltkrieg längst vor dem aktuellen Iran-Krieg begonnen.

Marco Pizzuti ist Doktor der Rechtswissenschaften, Lehrer, Essayist und Wissenschaftler. Er arbeitete an den renommiertesten Institutionen des italienischen Staates: in der Abgeordnetenkammer, im Senat der Republik und im Staatsrat. Dr. Pizzuti ist darüber hinaus Experte für die italienischen Geheimdienste und hat ca. 20 Bücher geschrieben. Die deutsche Übersetzung eines seiner neuesten Bücher wird vom Klarsichtverlag in Hamburg vorbereitet und soll im Herbst 2026 erscheinen.

Das Interview führte Ullrich Mies. Es ist zugleich ein kleines Experiment, da wir es in drei Sprachen, Italienisch, Englisch und Deutsch, führen.

(Auszug von RSS-Feed)

Die Einmaligkeit des Epstein-Netzwerkes

20. März 2026 um 12:30

Vorschau ansehen

Epsteins Welt - eine wohlvertraute Welt Teil 2

Der Beitrag Die Einmaligkeit des Epstein-Netzwerkes erschien zuerst auf .

(Auszug von RSS-Feed)

Im Inneren des Epstein-Netzwerkes

18. März 2026 um 15:16

Vorschau ansehen

Epsteins Welt - eine wohlvertraute Welt.  Teil 1

Der Beitrag Im Inneren des Epstein-Netzwerkes erschien zuerst auf .

(Auszug von RSS-Feed)

Vom Putsch bis zur Bombe: Die Schatten der Vergangenheit | Von Wolfgang Effenberger

18. März 2026 um 09:43

Vorschau ansehen
Vom Putsch bis zur Bombe: Die Schatten der Vergangenheit | Von Wolfgang Effenberger

Ein Meinungsbeitrag von Wolfgang Effenberger.

Die Geschichte der US-Interventionen im Iran seit 1953 liest sich wie ein Katalog geopolitischer Manöver – vom CIA-Putsch gegen den demokratisch gewählten Premier Mohammad Mossadegh bis hin zu Cyberangriffen und Drohnenmorden in jüngster Zeit. Diese Aktionen, oft getrieben von Ölinteressen und Kalter-Krieg-Logik, haben das Land nachhaltig geprägt und aktivieren bis heute die Spannungen, zuletzt etwa in den Protesten 2025/26. (1) 

Der Staatsstreich von 1953: Operation Ajax und Kermit Roosevelts Rolle

Alles begann mit der Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie 1951 unter Mossadegh, die britische und US-Interessen bedrohte. Die CIA und MI6 starteten die Operation Ajax: CIA-Agent Kermit Roosevelt Jr., Enkel des Ex-Präsidenten Theodore Roosevelt, reiste inkognito nach Teheran und orchestrierte den Putsch. Er bestach Geistliche, Generäle und Mitglieder von kriminellen Organisationen (Mobster), organisierte bezahlte Demonstrationen und überzeugte den zögernden Schah Mohammad Reza Pahlavi, offizielle Dekrete (Firmans) gegen Mossadegh zu erlassen.

Nach einem gescheiterten Versuch am 15. August stürmten am 19. August Armee und Mob die Regierung – Mossadegh floh, Zahedi übernahm. Roosevelt verließ das Land als Held mit Schah-Geschenken. (2) 

Rough Rider Theodore Roosevelt

An dieser Stelle bietet es sich an, eine historische Analogie zu Theodore Roosevelt herzustellen, der als Marineminister zurücktrat, um mit den „Rough Riders“ (eine ähnlich Reitertruppe wie Cromwells Roundheads) auf Kuba zu kämpfen. Aktuell erinnert uns die Versenkung der iranischen Fregatte vor Sri Lanka daran.

1897 war Theodore Roosevelt als Marineminister der USA ein treibender Befürworter des Kriegs gegen Spanien. Kurz nach Kriegsbeginn Ende April 1898 legte er sein Amt nieder, um ein Freiwilligen‑Kavallerieregiment („Rough Riders“) aufzustellen und es persönlich anzuführen.

Bereits 2 Monate vor der Kriegserklärung hatte Commodore George Dewey Ende Februar 1898 in Tokio über die US-Botschaft den Befehl erhalten, mit dem Asiengeschwader nach Manila vorzustoßen und dort die spanische Flotte zu vernichten; der Angriff in der Bucht von Manila kam für Spanien faktisch überraschend, ohne vorherige konkrete Gefechtswarnung vor Ort.

Im Schutz der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai näherte sich weitgehend unbemerkt das US-Kriegsgeschwader der vor Cavitate/Manila/Philippinen ankernder spanischen Kriegsflotte, die sie im mehrstündigen Gefecht komplett versenkte. Die USA verloren null Mann, null Schiffe – totaler Sieg durch Überlegenheit in Technik und Vorgehensweise.

Anfang März 2026 torpedierte ein US-Boot vor Sri Lanka die iranische Fregatte „IRIS Dena“ , die sofort sank. Von den rund 180 Besatzungsmitgliedern wurden über 70 verletzt, mehr als 100 gelten als vermisst. (3). US-Verteidigungsminister Hegseth betonte die Schwächung der iranischen Marine (über 30 Schiffe versenkt). 

In beiden Fällen eskalierten Seemächte Konflikte über überraschende oder für die Gegenseite nicht konkret angekündigte Schläge auf See (spanische Flotte bei Manila, iranisches Schiff im Indischen Ozean). (4)

Die Aktionen sind eingebettet in größere politische Konflikte: damals Kolonialkrieg um Kuba und das spanische Reich, heute Spannungen zwischen USA, Iran und regionalen Partnern.

Im Gegensatz zu 2026 war 1898 der Krieg formell erklärt, der Angriff auf Manila war Teil eines klar erklärten Kriegszustands; Deweys Schlag erfolgte in neutralen Gewässern der Philippinen (spanische Kolonie), ohne Verletzung territorialer Souveränität Dritter; es galt als legitimer Kriegsakt gemäß Haager Landkriegsordnung (1899, rückwirkend anwendbar). (5)

Heute ist die Lage juristisch diffuser, weil es (Stand jetzt) keine klassische Kriegserklärung der USA an den Iran gibt.

Roosevelt war Symbol eines offen pro‑kriegspolitischen, heroisch inszenierten Imperialismus; die U‑Boot‑Aktion vor Sri Lanka wirkt eher als verdeckte, technisch anonyme Machtdemonstration, ohne vergleichbare „Heldenerzählung“ einer Einzelperson. Roosevelts Rücktritt und Feldzug auf Kuba fielen in denselben erklärten Krieg; private Freiwilligenregelungen waren damals üblich und völkerrechtlich nicht problematisch.

Roosevelt nutzte seine Kriegsheldengeschichte mit der Darstellung der eigenhändigen Tötung eines Spaniers prominent für seine politische Karriere (z. B. Gouverneur, Vizepräsident), was Mythen befeuerte – doch zeitgenössische Berichte und sein eigenes Buch The Rough Riders (1899) bleiben bei bestätigten Tötungen per Schuss. (6)

Die USA haben die Versenkung der iranischen Fregatte IRIS Dena (3. März 2026) durch ein U-Boot in internationalen Gewässern vor Sri Lanka (ca. 40 km vor Galle) bestätigt; Verteidigungsminister Pete Hegseth rechtfertigt sie als Teil des laufenden Konflikts mit Iran. Es gibt keine formelle Kriegserklärung gegen Iran; stattdessen berufen sich die USA auf kollektive Selbstverteidigung (Art. 51 UN-Charta) nach iranischen Angriffen (z. B. Drohnen/Schiffe im Persischen Golf). (7)

Der Vorfall ereignete sich in internationalen Gewässern (außerhalb der 12-Meilen-Zone Sri Lankas), was das UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) respektiert; Sri Lanka half bei der Rettung, ohne eine Souveränitätsverletzung zu melden.

Unterstützung des Schahs und Islamische Revolution

Bis 1979 pumpten die USA Milliarden in das Schah-Regime: Militärhilfe sowie 3.000 Berater und Waffen machten Iran zur Anti-Sowjet-Bastion. Die brutale SAVAK-Geheimpolizei des Schahs entstand mit CIA-Hilfe. Doch die Unterdrückung schürte den Widerstand, der 1979 zur Islamischen Revolution führte – Ayatollah Chomeini stürzte den Schah. (8)

Die folgende US-Botschaftsbesetzung (444 Tage, 52 Geiseln) löste Sanktionnen gegen den Iran aus; eine Rettungsmission scheiterte. Im Iran-Irak-Krieg (1980–88) rüsteten Reagan/Bush Saddam Hussein mit Geheiminfo (u.a. Satellitenbildern) und Waffen aus; 1988 zerstörte die Operation "Praying Mantis" nach einem Minenangriff iranische Ölplattformen. Ab den 2000ern folgten Sanktionen gegen das Atomprogramm, der Stuxnet-Cyberangriff (2010 mit Israel), der Soleimani-Mord (2020) und massive Drohungen unter Trump. Aktuell (2026) nun Militäreskalationen inmitten von Protesten mit Tausenden Toten. (9)

Die Eingriffe sicherten kurzfristig westliche Interessen, zerstörten aber die Demokratie und schürten den Anti-Amerikanismus. Mossadeghs Sturz markierte den Beginn eines 70-jährigen Konflikts, der heute in Sanktionen, Proxy-Kriegen und Nuklearstreit kulminiert. Historiker sehen darin eine Mischung aus Selbstüberschätzung und Verblendung. (10)

Emotionsgeladene Botschaft aus Libyen an den Iran 

Aischa Gaddafi hat sich in den letzten Monaten und Jahren mehrfach mit einer eindringlichen Warnung an die iranische Bevölkerung gewandt und dabei explizit auf die USA und den Westen Bezug genommen.

In ihrer glaubwürdigen Botschaft, die sie angeblich widerrufen hat, fordert sie die Iraner auf, dem Westen – insbesondere den USA – nicht zu vertrauen, weil Libyen nach ihrer Darstellung gerade durch westliche "Lügen und Versprechen" zerstört worden sei. Kern ihrer Botschaft ist: Verhandlungen mit den USA und westlichen Staaten, etwa über Atom- oder Sicherheitsfragen, seien eine Falle; jedes Abkommen mit dem "Feind" verzögere nur die eigene Zerstörung.

Zur Begründung verweist sie darauf, dass Libyen sein Atomprogramm aufgegeben und auf Entspannung gesetzt habe, der Westen – mit führender Rolle der USA im NATO‑Einsatz – das Land später trotzdem bombardiert und ihr Vater dadurch letztlich die Macht und schließlich sein Leben verloren habe.

Ihre Botschaft richtet sich nicht nur an die iranische Führung, sondern ausdrücklich an die Bevölkerung: Sie ruft zu "Widerstand", "Standhaftigkeit" und Misstrauen gegenüber westlichen Versprechen auf.

Inhaltlich knüpft sie an ältere Reden an, in denen sie bereits die USA für Luftangriffe auf Libyen verantwortlich machte und vor einer dauerhaften Bedrohung durch amerikanische und westliche Interventionen warnte.

Aisha Gaddafis Botschaft geht in Iran viral

Nicht zuletzt deshalb, weil sie das Trauma Libyens als warnendes Beispiel für "westlichen Verrat" in eine einfache, emotional aufgeladene Erzählung gießt – passend zur aktuellen Krisen‑ und Protestlage im Land, wird diese Erzählung sowohl von Regime‑nahen als auch von oppositionellen und „dritte‑Position“-Akteuren aufgegriffen und beeinflusst damit Debatten und Stimmungen in den Protestbewegungen.

Die Formel "Vertraut dem Westen nicht, Entgegenkommen führt zur Zerstörung" ist extrem simpel und leicht zitierbar, lässt sich in kurzen Clips und Memes verbreiten – ideal für soziale Medien in Zeiten stark eingeschränkten Zugangs. Gerade unter Bedingungen von Zensur und Internet‑Drosselung funktionieren kurze, symbolische Botschaften besser als komplexe Analysen. Regime‑nahe Kreise verweisen ohnehin auf das "Libyen‑Szenario", um vor westlichen "Verschwörungen zur Destabilisierung Irans" zu warnen; Aishas Brief stützt dieses Narrativ.

Teile der Opposition greifen die Warnung auf, um zu betonen, dass sie weder westlichen Regime‑Change noch neue "humanitäre Interventionen" wollen, sondern einen eigenständigen Wandel.

Aisha Gaddafi meldet sich nur selten öffentlich zu Wort; dass die "Tochter eines gestürzten Staatschefs" direkt an die Iraner appelliert, verleiht der Botschaft einen gewissen Sensations‑ und Authentizitätswert.

Iranische Funktionäre warnen seit längerem ausdrücklich vor einem „Libyen‑Szenario“ und stellen die Proteste als Baustein eines westlichen Plans zur Zerstörung Irans dar. Aishas Warnung lässt sich in dieses Propagandanarrativ einbauen: Man kann zeigen, wie „selbst Gaddafis Tochter“ vor westlichen Fallen warnt, um Härte gegen Demonstrierende und Ablehnung von Atom‑Kompromissen als notwendige „Selbstverteidigung“ zu rechtfertigen. (11)

Damit wird ihre Botschaft teilweise genutzt, um Angst vor Chaos nach einem Regimewechsel zu schüren und so die Legitimation für Repression zu stärken. (12)

In oppositionellen und exiliranischen Diskursen ist Aishas Brief umstritten: Einige teilen ihn als mahnendes Beispiel gegen naiven Glauben an westliche Versprechen; andere kritisieren die Analogie und betonen, dass die iranische Revolte "unbedingt erfolgreich sein muss". Diese Diskussion spiegelt eine reale Bruchlinie: Soll man auf internationale politische oder sogar militärische Unterstützung setzen, oder sie explizit ablehnen, um nicht in eine "Libyen‑Falle" zu geraten. (13)

Aishas Mahnung: "Verhandeln mit dem Wolf rettet das Lamm nicht, es setzt nur den Termin für das nächste Mahl" (14) scheint nachdenklich zu machen – unabhängig, ob die Botschaft von ihr selbst oder nur lanciert ist.

Das iranische Regime, das immer wieder in Verhandlungen mit den USA getreten ist, kann Aishas Warnung propagandistisch nur begrenzt und indirekt nutzen, da sie primär als oppositionelles Symbol wahrgenommen wird. 

Klare Worte von de Zayas, Sachs, Croke und Davis 

Alfred de Zayas:
Der Irankrieg ist kein "Präventivkrieg", es ist ein unprovozierter Angriffskrieg 

Wir machen uns mitschuldig, wenn wir die offensichtlich falschen Darstellungen aus Washington, Tel Aviv und Brüssel einfach so hinnehmen. Wir lassen uns belügen, und selbst wenn wir wissen, dass unsere Intelligenz dadurch beleidigt wird, lassen wir es zu“,

schreibt Alfred de Zayas, Professor für Völkerrecht an der Genfer Hochschule für Diplomatie und ehemaliger UN-Experte (2012–2018 für demokratische Weltordnung), nach einer der Angriffe auf den Iran.

Laut de Zayas sabotiert der Westen als Ganzes seit 1991 das Völkerrecht – und damit seine eigene Glaubwürdigkeit. Der undemokratische Regimewechsel im Irak war ein Testlauf für alles, was danach folgte: Umsturz in Libyen, in Syrien, jetzt im Iran.

Die G-7 sei ebenso mitschuldig an den Verbrechen der USA und Israels wie 2003, als sie ebenfalls im "Royal Hotel" in Evian tagten und dem George W. Bush nur wenige Wochen nach seiner Aggression gegen das irakische Volk den roten Teppich ausrollte. Laut de Zayas sollte die logische Reaktion auf den illegalen Angriff der USA und Israels auf das iranische Volk Boycott, Divestment und Sanctionen (BDS) gegen die USA und Israel sein – keine Käufe mehr von F-16, F-35, Boeing. Desinvestition aus US-Staatsanleihen und US-Aktien sowie Stopp des Verkaufs von Seltenen Erden an die USA und Israel. 

Jeffrey D. Sachs & Sybil Fares
Der illegale Angriff der USA und Israels auf den Iran ist auch ein Angriff auf die UNO

Am 16. Februar 2026 sandte Jeffrey Sachs, Professor an der Columbia University, ehemaliger Berater von drei UN-Generalsekretären und derzeit SDS-Anwalt von Generalsekretär António Guterres, einen Brief an den UN-Sicherheitsrat, in dem er warnte, dass die Vereinigten Staaten kurz davor stünden, die Charta der Vereinten Nationen zu zerreißen. SDS ist ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern und Institutionen, das 2012 unter der Schirmherrschaft der United Nations gegründet wurde.

 „Diese Warnung hat sich nun bewahrheitet. Die Vereinigten Staaten und Israel haben ohne Genehmigung des Sicherheitsrats und ohne legitimen Anspruch auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 einen unprovozierten Krieg gegen den Iran begonnen, was einen flagranten Verstoß gegen Artikel 2(4) der Charta darstellt. Sie versuchen, die Charta der Vereinten Nationen und die internationale Rechtsstaatlichkeit zu zerstören, aber sie werden scheitern,“ (15)

so Sybil Fares, Spezialistin und Beraterin für Nahostpolitik und für nachhaltige Entwicklung bei SDSN.

Auf der Sitzung des Sicherheitsrats am 28. Februar 2026 richteten die USA und ihre Verbündeten ihre Verurteilung gegen den Iran. Ein US-Verbündeter nach dem anderen verurteilte den Iran für seine Vergeltungsschläge, versäumte es jedoch absurderweise, den illegalen und unprovozierten Angriff der USA und Israels auf den Iran zu erwähnen und zu verurteilen. Dieses Verhalten dieser Länder war beschämend und stellte die Realität völlig auf den Kopf. 

Wie in dem Sachs-Brief vom 16. Februar dargelegt, hat der Iran vor einem Jahrzehnt einem Atomabkommen zugestimmt, dem Joint Comprehensive Plan of Action 2 (JCPOA), das vom UN-Sicherheitsrat in der Resolution 2231 verabschiedet wurde. Es war Trump, der das Abkommen 2018 aufgekündigt hat. Im Juni 2025 bombardierte Israel den Iran mitten in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Auch diesmal wurden die Kriegspläne Israels und der USA bereits Wochen zuvor festgelegt, als Netanjahu sich mit Trump traf, und die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren eine Farce. Dies scheint die neue Vorgehensweise der USA zu sein: Verhandlungen beginnen und dann versuchen, die Verhandlungspartner zu ermorden. 

Für Sachs und Fares ist es leicht zu verstehen, warum sich die Verbündeten der USA im UN-Sicherheitsrat so peinlich und selbsterniedrigend verhalten haben. Neben den Vereinigten Staaten beherbergen acht der vierzehn anderen Ratsmitglieder US-Militärstützpunkte oder gewähren dem US-Militär Zugang zu lokalen Stützpunkten: Bahrain, Kolumbien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Lettland, Panama und das Vereinigte Königreich. Diese Länder sind nicht vollständig souverän. Sie werden teilweise von den USA regiert. Die US-Militärstützpunkte beherbergen CIA-Operationen, und die Gastländer versuchen, eine Unterwanderung ihres Landes durch die USA zu verhindern.

Wie Henry Kissinger so treffend sagte: "Es mag gefährlich sein, Amerikas Feind zu sein, aber sein Freund zu sein ist tödlich." Wir können hinzufügen, dass die Beherbergung von US-Militärstützpunkten und CIA-Operationen bedeutet, sein Land in einen Vasallenstaat zu verwandeln.

Als absurdes, aber aussagekräftiges Beispiel wiederholte die dänische Botschafterin jeden Punkt der US-Argumentation und zeigte mit dem Finger auf den Iran wegen seiner Aggression, als ob der Iran nicht von den USA und Israel angegriffen worden wäre. Sie vergaß völlig, dass eine solche demütigende Vasallenschaft gegenüber den USA für Dänemark nicht gut sein wird, wenn die USA Grönland besetzen.

Die wahrheitsgetreuen Stimmen im Sicherheitsrat kamen laut Sachs/Fares aus den Ländern, die nicht von den Vereinigten Staaten besetzt sind. Russland erklärte zutreffend, dass der sogenannte Westen (das heißt die von den USA besetzten Länder) den Iran beschuldigt, wenn er mit dem Finger auf ihn zeigt. China erinnerte den Rat daran, dass die Krise mit den Angriffen der USA und Israels auf den Iran begann und nicht mit der Vergeltungsmaßnahme des Iran.

Für beide brachte der UN-Vertreter der Arabischen Liga die eigentliche Ursache der wahnsinnigen Aggression Israels brillant auf den Punkt: die Verweigerung der Rechte des palästinensischen Volkes und Israels Einsatz von Massenmord und regionalem Krieg, um die Entstehung eines Staates Palästina zu verhindern.

Wenn der Iran gegen US-Militärstützpunkte am Golf Vergeltungsmassnahmen ergreift, übt er laut Sachs/Fares sein inhärentes Recht auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 der Charta aus. Wir dürfen nicht vergessen, dass die USA und Israel offen und wiederholt iranische Führer ermorden, mit dem Ziel, die iranische Regierung zu stürzen. Wenn Staaten einen ausländischen Staatschef ermorden und versuchen, die Regierung zu zerstören, hat das Ziel dieser Bedrohungen gemäß internationalem Recht, das Recht, sich zu verteidigen.

Die Bombardierung durch die USA und Israel tötete nicht nur den Obersten Führer des Iran und mehrere hochrangige Regierungsbeamte, sondern auch mehr als 140 junge Mädchen in einer Schule in Minab. Diese Kinder sind Opfer eines schrecklichen Kriegsverbrechens. Die Länder, die den Vereinigten Staaten und Israel diese Morde durchgehen liessen – insbesondere Dänemark, Frankreich, Lettland, das Vereinigte Königreich und natürlich die USA – machen sich mitschuldig an diesem Kriegsverbrechen.

Der wahnhafte Drang der Vereinigten Staaten nach globaler Vorherrschaft frisst sich von einer Region zur nächsten. Die USA haben kürzlich in einer völlig verdrehten angeblichen Wiederbelebung der Monroe-Doktrin behauptet, dass sie die westliche Hemisphäre kontrollieren und den lateinamerikanischen Ländern vorschreiben können, wie sie ihre wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten zu regeln haben. Sie haben den amtierenden venezolanischen Präsidenten entführt, um dies zu beweisen, und drohen nun auch mit dem Sturz der kubanischen Regierung.

Der heutige Krieg gegen den Iran soll beweisen, dass die USA ebenfalls den Nahen Osten beherrschen. Der Krieg ist Teil einer 30-jährigen Kampagne, die mit der "Clean Break-Doktrin" (Netanyahu 1966) begann, um alle Regierungen zu stürzen, die sich der Vorherrschaft der USA und Israels in der Region widersetzen.

Sachs und Fares stellen abschließend fest:

„Die Vereinigten Staaten werden weder die globale Vorherrschaft erlangen noch die UNO zerstören. Die Welt ist zu groß, zu vielfältig und zu entschlossen, sich der Herrschaft einer einzelnen Macht zu widersetzen, geschweige denn einer, die nur 4 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht. Die Welt außerhalb der USA und der von ihnen besetzten Länder will, dass die UNO weiterbesteht und gedeiht. Der Versuch der USA wird sicherlich scheitern, aber er könnte zuvor noch unermessliches Leid verursachen." (16)

Analysen von Alistair Crooke (ehem. brit. Diplomat) und Lt. Col. Daniel Davis (US-Army)

Während Crooke Irans asymmetrische Kriegsführung betont sowie vor Hybris und iranischer Stärke warnt, sieht Davis US-Truppenverlagerungen als Vorbereitung auf Krieg, kritisiert die Eskalation (Ölziele, Regime-Change) und warnt vor einer Krise in den USA. Beide beschreiben Irans Strategie als "existentiell": Nach Protesten 2025/26 und militärischem Druck hat Teheran die "Eskalationsleiter weggetreten". Statt schrittweiser Reaktionen droht "all-out war" – unterstützt durch schiitische Autoritäten wie Sistani (Irak), die den globalen Jihad gegen US/Israel ausrufen würden.

Irans "Axis of Resistance" (Hisbollah, Houthis, IRGC) nutzt Raketen, Drohnen und die Sperrung der Straße von Hormus; die Golfstaaten verweigern US-Basen, was Trumps "Armada" einschränkt. Davis warnt vor Regime-Change-Illusionen: Kein "house of cards", sondern robuste Verteidigung. (17)

Crooke sieht eine Energiekrise (Hormus monatelang gesperrt), regionales Chaos und eine Heimfront-Opposition, (18) während sich die Araber von US/Israel distanzieren; Iran mobilisiert umfassend, inkl. religiöser Fatwas für "global jihad". (19) 

Die Analysen von Alistair Crooke, Lt. Col. Daniel Davis und Jeffrey Sachs passen thematisch eng zusammen – alle warnen vor einer Eskalation im US-Iran-Konflikt und sprechen von US/Israel-Hybris, fehlender Diplomatie, asymmetrischer iranischer Gegenwehr und dem Risiko weiterer Kriege (bis WW3) – Sachs globaler, Crooke/Davis militärisch detaillierter. (20)

Sachs ist breiter geopolitisch, Davis präziser militärisch – sie ergänzen sich in der Warnung vor US-Überdehnung. Diese Analysen decken sich mit Strategiedokument TRADOC 525-3-1 vom September 2014: „Win in Complex World 2020-2040“ 

De Zayas' und Sachs' Artikel im Spiegel der Presse

Beide gelten als prominente Regimekritiker der US-Außenpolitik, deren Beiträge in alternativen Medien Resonanz finden, aber von Mainstream-Quellen als einseitig abgetan werden. (21)

Jeffrey Sachs' warnt (z. B. in der Berliner Zeitung, Februar 2026) vor US-israelischer Eskalation im Iran als „Weg zum Weltkrieg“, nennt Regime-Change-Versuche (Chamenei-Sturz) und kritisiert Sanktionen als Wirtschaftskrieg. Er wirft Europa (Merz: „Israel erledigt Drecksarbeit“) Komplizenschaft vor und sieht die US-Hegemonie als Kernproblem. (22)

Medien wie Overton-Magazin feiern ihn als Propheten; etablierte Outlets (Spiegel, DLF) ignorieren ihn oder kritisieren das „Verschwörungsnarrativ“. Sachs, Columbia-Professor, nutzt unbeirrt seinen Ruf für geopolitische Kritik seit dem Ukraine-Krieg.

De Zayas äußert sich ähnlich: Er bezeichnet Sanktionen als „Genozid“ und die US-Interventionen als völkerrechtswidrig. Seine Iran-Artikel (kontextuell mit Sachs) betonen historische Putsche (1953) und fordern Diplomatie statt Aggression.

Linke/alternative Plattformen wie Rubikon und NachDenkSeiten zitieren affirmativ; der Mainstream (FAZ, Welt) nennt es „apologetisch gegenüber Teheran“. Der UN-Hintergrund verleiht Glaubwürdigkeit, doch die Selektivität (wenig Kritik an IRGC) mindert die Neutralität.

Beide ergänzen sich: Sachs fokussiert Eskalationsrisiken (Straße von Hormus, Weltkrieg), de Zayas völkerrechtliche Aspekte. Sie passen ins Narrativ von „westlicher Arroganz“ (Libyen, Irak) und finden Echo in pro-iranischen/pro-russischen Kreisen. Kritiker sehen die Ignoranz iranischer Repression (Proteste 2025/26). Die Debatte ist polarisiert – kein Konsens in Fachkreisen. (23)

Mainstream-Medien reagieren auf Jeffrey Sachs' Iran-Warnungen weitgehend zurückhaltend oder ablehnend, oft polemisch oder einseitig:

  • Ignoranz oder Marginalisierung: US-Medien wie New York Times und Washington Post berichten selten oder gar nicht über Sachs' Thesen (z. B. US-Kriegspläne, Sanktionen als Wirtschaftskrieg), da sie als zu kritisch gegenüber US/Israel-Politik gelten; stattdessen fokussieren sie sich auf iranische Aggressionen und Proteste. Europäische Mainstream-Quellen (z. B. Spiegel, FAZ) erwähnen Sachs gelegentlich, bezeichnen ihn aber als „umstrittenen Ökonomen“ oder „Putin-Versteher“ (seit Ukraine-Kritik), ohne seine Argumente ernsthaft zu prüfen. (24)
  • Kritische Rezeption: Wenn zitiert wird, wird Sachs' Warnung vor „Weltkrieg“ oder seine Merz-Kritik als übertrieben dargestellt; die Berliner Zeitung (2026) druckt Interviews, doch etablierte Sender wie DLF oder ARD priorisieren regimefreundliche Narrative (Proteste als Chance). Kritiker werfen Sachs vor, er ignoriere die IRGC-Repression und übertreibe die US-Rolle, was ihn in „alternative“ Ecken drängt. Es gibt keine breite Debatte in MSM. (25) Mainstream-Medien marginalisieren Sachs' Warnungen als polemisch, während sie Gaddafis Botschaft weitgehend ignorieren oder als Social-Media-Phänomen abtun. Sachs erhält begrenzte Aufmerksamkeit mit kritischer Färbung, Gaddafis viral gehende Nachricht bleibt unsichtbar in etablierten Kanälen. (26)
  • Reaktion auf Jeffrey Sachs: Sachs' Interviews (z. B. Berliner Zeitung, Feb. 2026) über US-Kriegspläne und Weltkriegsrisiken werden in MSM wie Spiegel oder FAZ selten aufgegriffen oder als „umstrittene These eines Ökonomen“ bezeichnet – oft mit Bezug auf seine Ukraine-Kritik als „pro-russisch“. US-Medien (NYT, WP) schweigen sie meist tot, da sie die US-Politik direkt angreifen. (27) Während die Main-Stream-Medien Sachs und de Zayas wegen Übertreibung, Einseitigkeit (Ignoranz iranischer Repression) kritisieren, werden sie von den alternative Medien gefeiert.

US-Angriff auf die iranische Öl-Insel Kharg am 14. März 2026

Am 14. März 2026 griffen US-Streitkräfte Kharg Island (ca. 26 km vor Irans Küste) an – als angebliche Reaktion auf Irans Blockade der Straße von Hormuz durch die Revolutionsgarden (IRGC). Während militärische Ziele wie Munitionslager und Verteidigungsanlagen getroffen wurden, sollen Ölterminals verschont geblieben sein. (28)

Trump nannte es einen der „mächtigsten Bombenangriffe“ und drohte mit weiteren Schlägen, falls die Blockade anhält; Iran droht mit Vergeltung gegen US-verbundene Ölanlagen im Golf.

Kharg wickelt 90% iranscher Ölexporte ab (ca. 2 Mio. Barrel/Tag, viel nach China); ein Totalausfall würde die globale Ölpreise hochtreiben. Iranische Gegenangriffe könnten SA/Feldes (z. B. Abqaiq), UAE-Terminals oder Katar-Gasfelder treffen; dies würde regionale Produktion lahmlegen und Preise explodieren lassen. Die USA hoffen dagegen auf die Widerstandsfähigkeit der Golfstaaten, doch eine weitere Eskalation könnte temporär schwere Schäden verursachen. (29)

Obwohl US-Präsident Donald Trump nicht müde wird zu behaupten, der Krieg sei „fast vorbei“ und der Iran stehe kurz vor dem Zusammenbruch, dauern die Kampfhandlungen in Südwestasien an. Der Iran hat aber offenbar nicht vor, sich zu ergeben, und beweist, dass er über die Mittel verfügt, um lange weiterzukämpfen. Kurz vor dem Zusammenbruch könnte jedoch die Illusion einer schnellen, schmerzlosen und überwältigend erfolgreichen Operation innerhalb der Trump-Regierung stehen.

Die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran hat weltweite Auswirkungen und droht, dem ohnehin bankrotten westlichen Finanzsystem den Rest zu geben. Amin Nasser, Vorstandsvorsitzender von Saudi Aramco, warnte, dass die Sperrung „katastrophale Folgen für die Ölmärkte“ haben werde. Es sei „die mit Abstand größte Krise, mit der die Öl- und Gasindustrie der Region jemals konfrontiert war“. Die Preise für Kraftstoff und Düngemittel steigen rasant an und es wird hektisch versucht, die Märkte unter Kontrolle zu halten. Am 11. März gaben die Internationale Energieagentur und ihre 32 Mitgliedstaaten die Entscheidung bekannt, 400 Millionen Barrel an Ölreserven auf den Markt zu bringen, um die Schließung der Straße von Hormus auszugleichen – die größte Freigabe in der 50-jährigen Geschichte der Organisation.

Der Konflikt weitet sich aus. Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, Australien und Pakistan haben angekündigt, Streitkräfte in die Region zu entsenden.

Während Trump am 11. März 2026 prahlte, "wir haben gewonnen", verkündete einen Tag später der neue iranische Führer, Ayatollah Seyyed Mojtaba Khamenei selbstbewusst: „Die Straße von Hormus muss geschlossen bleiben.“ In nur einem knappen Satz forderte er Präsident Trump heraus und widerlegte Trumps Äußerungen. Trump ist nicht nur nicht in der Lage, einen Zeitplan für den Krieg festzulegen, sondern Mojtaba kündigte faktisch die nächste Phase an   – einen Abnutzungskrieg: „Der Wille des Volkes ist die Fortsetzung einer effektiven Verteidigung“. (30)

Während der Krieg in der Ukraine und in der Golfregion weiter eskalieren, übt die NATO das Kriegsszenario mit der Evakuierung von 1000 Verwundeter am Tag aus dem potentiellen Kriegsgebiet Baltikum. (31) 

+++ 

Anmerkungen und Quellen

Wolfgang Effenberger, Jahrgang 1946, erhielt als Pionierhauptmann bei der Bundeswehr tiefere Einblicke in das von den USA vorbereitete "atomare Gefechtsfeld" in Europa. Nach zwölfjähriger Dienstzeit studierte er in München Politikwissenschaft sowie Höheres Lehramt (Bauwesen/Mathematik) und unterrichtete bis 2000 an der Fachschule für Bautechnik. Seitdem publiziert er zur jüngeren deutschen Geschichte und zur US-Geopolitik. Zuletzt erschienen vom ihm: „Schwarzbuch EU & NATO“ (2020) sowie "Die unterschätzte Macht" (2022)

+++

1) https://www.klassegegenklasse.org/5-mal-intervenierten-die-usa-im-iran/

2) https://en.wikipedia.org/wiki/1953_Iranian_coup_d'%C3%A9tat

3) https://www.heute.at/s/iranisches-kriegsschiff-sinkt-vor-kueste-sri-lankas-120166556

4) https://www.spiegel.de/ausland/iran-krieg-us-torpedo-versenkt-iranische-fregatte-vor-sri-lanka-video-a-ca89bf6f-cbbb-4097-8664-064a54dbaa5b

5) https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/156353/die-vereinigten-staaten-vor-1914/

6) https://www.nps.gov/thrb/learn/historyculture/tr-rr-spanamwar.htm

7) https://www.n-tv.de/politik/US-U-Boot-versenkt-iranisches-Kriegsschiff-vor-Sri-Lanka-id30431359.html

8) https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/28502/die-beziehungen-zwischen-den-usa-und-iran-seit-1953/

9) https://www.tagesspiegel.de/politik/die-spannungen-zwischen-usa-und-iran-seit-1953-1332379.html

10) https://www.spiegel.de/geschichte/historiker-ueber-us-interventionen-mischung-aus-selbstueberschaetzung-und-selbstverblendung-a-b9df8295-019f-451e-b7b0-4bd921a92e88

11) https://original.antiwar.com/mahdi_motlagh/2026/01/27/iran-is-not-libya-why-destabilization-risks-global-chaos/

12) https://www.amnesty.org/en/latest/campaigns/2026/01/what-happened-at-the-protests-in-iran/

13) https://www.facebook.com/PrashantBhushanOfficial/posts/message-from-aisha-gaddafi-to-the-iranian-peopleto-the-resilient-and-freedom-lov/1431585845004944/

14) https://www.instagram.com/p/DThssHDkerL/

15) https://www.commondreams.org/opinion/united-nations-israel-us-attack-iran

16) Ebda.

17) https://singjupost.com/deep-dive-war-with-iran-would-not-be-short-w-alastair-crooke-transcript/

18) Ebda.

19) https://singjupost.com/deep-dive-war-with-iran-would-not-be-short-w-alastair-crooke-transcript/

20) https://braveneweurope.com/alastair-crooke-daniel-davis-the-momentum-of-war-in-iran

21) https://prod.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

22) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

23) https://omidsouresrafil.substack.com/p/the-reckless-assault-on-iran-how

24) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

25) https://www.unser-mitteleuropa.com/187849

26) https://prod.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

27) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/jeffrey-sachs-ein-weltkrieg-ist-moeglich-li.10021759

28) https://www.rtl.de/news/us-militaer-beschiesst-iran-insel-kharg-trump-droht-angriff-auf-oelinfrastruktur-id30470649.html

29) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/kharg-us-angriff-100.html

30) https://www.indianpunchline.com/iran-us-conflict-turns-into-prolonged-attrition/

31) https://de.euronews.com/2026/03/09/quadriga-litauen-bundeswehr

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Bombe mit Lunte in US- und iranischer Flagge
Bildquelle: Creativa Images / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Epstein oder die Anarchie der Macht


Vorschau ansehen

Die Genealogie eines Regimes ohne Moral.

Der Beitrag Epstein oder die Anarchie der Macht erschien zuerst auf .

(Auszug von RSS-Feed)

Die Seelenräuber | Von Roland Rottenfußer

10. März 2026 um 09:00

Vorschau ansehen
Die Seelenräuber | Von Roland Rottenfußer
LBS 20260310 apolut
0:00
/2495.088
Die Seelenräuber | Von Roland Rottenfußer

Ereignisse wie der Fall Epstein zeigen, wie eng Sexualität oft mit Machtmissbrauch verzahnt ist — das Schicksal der Opfer erzählt uns viel darüber, wie Macht „funktioniert“.

Ein Beitrag von Roland Rottenfußer.

„Bald darauf fragte er mich, ob ich gerne seine Genitalien berühren würde. Ich wollte es nicht — aber er schon. Und er war mein Vater, also tat ich es.“

Virginia Giuffre beschreibt die „Logik“ sexueller Gewalt auf sehr einfache und gerade deshalb erschütternde Weise. Bekannt wurde Giuffre, die sich 2025 mit 41 Jahren das Leben nahm, vor allem als eine der wichtigsten Zeuginnen im Prozess gegen Jeffrey Epstein. Und durch ein Foto mit dem britischen Prinzen Andrew, an den Epstein sie „ausgeliehen“ hatte. In ihrem Fall und unzähligen vergleichbaren Fällen geht es um mehr als das oftmals starke sexuelle Verlangen von Männern. Es geht um Machtmissbrauch, der sexuell eingefärbt ist, und um Triebbefriedigung, die durch Machtmittel erzwungen wird — ohne Rücksicht auf die Frauen und Mädchen, die nicht als eigenständige, empfindende Wesen wahrgenommen werden. Seelenverletzungen entstehen bereits durch Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt — kommen beim Täter Sexsucht und die elitäre Vorstellung hinzu, als „Prominenter“ über den üblichen ethischen Normen zu stehen, können die Seelen der Opfer noch nachhaltiger beschädigt werden. Männer mit kranker Psyche stellen sich auf den Standpunkt:

„Wenn ich nur dann Sex hätte, wenn es die Frau wirklich will, käme ich nicht genügend auf meine Kosten.“

Also wenden sie allerlei Manipulationsmethoden an, wählen mit Vorliebe Mädchen, die hilflos und ihnen auf irgendeinem Gebiet unterlegen sind. Speziell durch ein starkes Macht- und Altersgefälle kompensieren sie ihre eigene Unfähigkeit, gleichberechtigte Partnerschaften zu leben, die ihrem Gegenüber die Würde lassen. Der Artikel widmet sich nicht den politischen Verstrickungen des Falles Epstein. Vielmehr geht der Autor anhand von Einzelschicksalen der Frage nach, wie jemand Gewalt über einen anderen Menschen erlangt — oft sogar ohne körperliche Gewaltanwendung. Indirekt gilt aber auch hier: Das Private ist politisch.

Triggerwarnung: In diesem Artikel werden Fallbeispiele sexueller Gewalt und damit verbundene belastende innerpsychische Vorgänge dargestellt. Gerade auf Frauen, die Vergleichbares erlebt haben, könnte dies verstörend wirken, obwohl sich der Autor auf die Seite der Opfer stellt und sein Text der Aufklärung über Sachverhalte sowie als Warnung vor Missbrauchstätern dienen soll.

Es gibt eine typische Täterpsyche bei sexuellen Gewaltdelikten. Ebenso gibt es aber auch eine Charakterstruktur des „idealen“ Opfers. Die französische Lektorin und Autorin Vanessa Springora beschreibt sie so:

„Ein abwesender, unerreichbarer Vater, der eine unergründliche Leere in meinem Leben hinterlassen hat. (…) Eine gewisse sexuelle Frühreife. Und vor allem ein ungeheures Bedürfnis, gesehen zu werden.“

Springora meint mit dieser Beschreibung sich selbst. Mit 14 Jahren wurde sie die Geliebte eines fast vier Jahrzehnte älteren Mannes, eines Intellektuellen und Päderasten, den sie abgekürzt „G.“ nennt. Freiwillig.

Mit dieser Freiwilligkeit ist es freilich so eine Sache. Der Titel ihrer Autobiografie — „Die Einwilligung“, die 2020 zum Bestseller avancierte, nimmt genau auf diesen Punkt Bezug. Ein Mädchen ist einem erfahrenen Mann normalerweise nicht gewachsen — schon gar nicht, wenn er über erprobtes Talent verfügt, weibliche Wesen mit rhetorischen Mitteln „rumzukriegen“. Man nennt es auch Sprachgewalt. Nicht umsonst sind ja der Gesetzgeber wie auch die öffentliche Meinung besonders empfindlich, wenn es um Vertrauensmissbrauch gegenüber Schutzbefohlenen geht. Vanessa Springora, die erst über 30 Jahre nach diesem prägenden Ereignis ihrer Jugend die Worte fand, um über das Geschehene zu berichten, schreibt:

„Die Schutzbedürftigkeit ist genau der Spalt, durch den Menschen mit psychischen Profilen wie G. einen Fuß in die Tür bekommen. Sie ist der Grund, weshalb die Begriffe ‚Einwilligung‘ oder ‚Einvernehmen‘ den Sachverhalt letztlich nicht treffen.“

Was heißt hier „freiwillig“?

Vanessa lernte den wesentlich älteren Gabriel Matzneff — In Vanessa Springoras Text wird er als „G.“ anonymisiert, während in der Öffentlichkeit sein tatsächlicher Name Gabriel Matzneff verwendet wird — 1986 bei einer gesellschaftlichen Veranstaltung in Anwesenheit ihrer Mutter kennen. Sofort beginnt der prominente Schriftsteller zu gockeln und schreibt dem Mädchen intime Briefe. In diesem gebildeten Milieu wird die Aufmerksamkeit des Stars zunächst eher als Ehre denn als Belästigung empfunden.

„Wie hätte ich mich nicht geschmeichelt fühlen sollen, dass ein Mann und noch dazu ein ‚Literat‘ die Güte gehabt hatte, seine Augen auf mich zu richten?“

Bald aber ist Matzneffs Wunsch, mit Vanessa zu schlafen, nicht mehr zu übersehen. Warum sich das Mädchen darauf einlässt, erklärt sie selbst:

„Ich fühle mich unfähig zu reagieren und überrumpelt, vor allem aber will ich nicht wie eine Idiotin dastehen (…) und auch nicht wie eine dumme Göre, die keine Ahnung vom Leben hat.“

Der über 50-jährige setzt seine ganze Lebenserfahrung und Überredungskunst ein, um zum Ziel zu gelangen:

„In zärtlichem Tonfall brüstet er sich mit seiner Erfahrung und seinem Können, dank derer es ihm gelungen sei, auch sehr junge Mädchen zu entjungfern, ohne ihnen jemals wehzutun. Er geht so weit, zu behaupten, dass sie ihr ganzes Leben lang gerührt daran zurückdächten (…)“

Die Kumpanei der Linksintellektuellen

Bald darauf ist Vanessa Springora quasi offiziell Matzneffs Geliebte. Jeder weiß es — auch ihre Mutter. Im Rückblick kommt es ihr so vor, dass „jemand“ sie damals vor all dem hätte beschützen müssen.

„Dafür hätte es wohl auch ein kulturelles Klima gebraucht, das weniger Nachsicht und Wohlwollen dafür gezeigt hätte als jene Zeit. Tatsächlich verteidigte eine große Zahl von linken Journalisten und Intellektuellen zehn Jahre vor meiner Begegnung mit G., gegen Ende der Siebzigerjahre, öffentlich Erwachsene, die wegen ‚verbotener‘ Beziehungen zu Minderjährigen angeklagt wurden.“

Ein offener Brief prominenter Literaten setzte sich 1977 für die Legalisierung von sexuellen Beziehungen zwischen Minderjährigen und Erwachsenen ein. Unterschrieben wurde er unter anderem von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Die Initiatoren erhielten nur wenig Absagen. Es wurde gefordert, das sexuelle Schutzalter abzuschaffen.

„Der Grund dafür ist, dass man sich in den Siebzigerjahren im Namen der Befreiung von moralischen Zwängen und der sexuellen Revolution die freie sexuelle Entfaltung aller Körper auf die Fahne schrieb. Die Beschneidung der Sexualität Heranwachsender erschien in dieser Perspektive als ein Symptom gesellschaftlicher Unterdrückung, und die Einschränkung der Sexualität auf gleichaltrige Individuen wurde als eine Form der Ausgrenzung empfunden.“

Vanessa Springora sieht in dieser „Zeitstimmung“ auch den Hauptgrund für die Komplizenschaft ihrer Mutter:

„Das waren die Rahmenbedingungen, die meine Mutter schließlich dazu brachten, sich an G.s Anwesenheit in unserem Leben zu gewöhnen.“ Matzneff war für die Mutter auch „der Vater, den sie mir nicht bieten konnte.“

Propagandist der Pädophilie

Der berühmte Schriftsteller war jedoch ein notorischer Pädophiler, der aus seiner Neigung keinen Hehl machte und es sowohl auf Mädchen als auch auf Jungen abgesehen hatte. In seinem berühmt gewordenen Buch „Les moins de seize ans“ („Die unter 16-Jährigen“) schrieb er 1974:

„Was mich fesselt, ist weniger ein bestimmtes Geschlecht als die extreme Jugend, also die Spanne zwischen dem zehnten und dem sechzehnten Lebensjahr, die mir — weit mehr, als man für gewöhnlich unter dieser Formulierung versteht — das wahre dritte Geschlecht zu sein scheint.“

Matzneff ist so eitel und fühlt sich offenbar vor gesetzlicher Verfolgung so sicher, dass er seine Eroberungen regelmäßig literarisch verwertet und die Mädchen damit vor einem großen Publikum — wenn auch anonym — bloßstellt. Seine Bücher, so formulierte es Vanessa Springora im Rückblick, „schildern seine stürmischen Liebesabenteuer mit einer Schar junger Mädchen, deren Avancen sich G. offenbar nicht entziehen kann. Diese Geliebten sind alle sehr fordernd, und weil er ziemlich schnell nicht mehr weiß, wie er ihrer Herr werden soll, jongliert er geradezu akrobatisch mit immer schamloseren Lügen.“

Die Lektüre seiner Werke öffnet Vanessa die Augen:

„Allmählich durchschaue ich sein Spiel. Er liebt es, seine Situation zu dramatisieren. Sich bedauern zu lassen. Jede Episode seines Lebens wird instrumentalisiert.“

Die Enthüllungen enthalten tatsächlich die abstoßendsten Geständnisse. So schreibt Matzneff in seinem Tagebuch über eine sextouristische Reise auf die Philippinen:

„Die kleinen Jungs zwischen elf und zwölf Jahren, die ich hier in mein Bett bekomme, sind ein seltener Leckerbissen.“

Niemals auf Augenhöhe

Zu befreien vermag Vanessa sich dennoch noch nicht.

„In der Zeit vor meinem fünfzehnten Geburtstag hat G. sich in den Kopf gesetzt, alle Bereiche meines Lebens zu kontrollieren. Er ist in gewisser Weise mein Vormund geworden.“

Dabei war ihr schon früh klar, dass sie die „Liebe“ ihres väterlichen Freundes niemals für sich allein haben würde — und dass die Affäre spätestens dann zu Ende wäre, wenn sie in seinen Augen „zu alt“ geworden wäre. G. hat „diese Geschichte schon sein ganzes Leben lang hundertmal durchgespielt.“ Vanessa schreibt, dass G. „zu sexuellen und literarischen Zwecken meine Jugend ausbeutete.“ Dennoch ist sie lange Zeit machtlos:

„Unsere Liebe war ein so machtvoller Traum, dass nichts, nicht eine einzige der spärlichen Warnungen meines Umfelds, genügt hatte, um mich wachzurütteln. Sie war der perverseste Alptraum. Sie war eine unbeschreibliche Gewalt.“

Klar analysiert sie, dass Matzneff sie durch ein erdrückendes Übergewicht an Erfahrung, Charisma und rhetorischen Fähigkeiten klein gehalten hat.

„Aber einem verbalen Schlagabtausch mit ihm bin ich nicht gewachsen. Im Vergleich zu ihm, dem Schriftsteller und Intellektuellen bin ich zu jung und unerfahren.“

Als Jugendliche konnte sie noch nicht durchschauen, was ihr als über 40-Jährige völlig klar ist:

„Es ist für mich absolut unmöglich, mit ihm auf Augenhöhe zu kämpfen.“

Die Vorliebe mancher erwachsener Männer für sehr junge Frauen verweist demnach nicht allein auf eine bestimmte sexuelle Präferenz. Gerade die Tatsache, dass Mädchen in der Pubertät niemals „auf Augenhöhe“ sein können, und somit leichter im Sinne des Älteren zu lenken sind, könnte für Männer, die Angst vor einer gleichberechtigten Beziehung haben, den Reiz ausmachen.

Schriftsteller als „Vampire“

Zu den hellsichtigsten Passagen im Buch „Die Einwilligung“ gehört Vanessas Bemerkung, Matzneff sei ein Mensch,

„für den der andere nicht existiert“.

Viele Verhaltensweisen von Missbrauchstätern sind nur so erklärlich, dass diese in ihren Opfern lediglich „brauchbare“ leere Hüllen ohne seelisches Eigenleben sehen. Was diese empfinden, wird gar nicht wahrgenommen oder „tut nichts zur Sache“. Was zählt, ist allein die „Funktion“ der Mädchen im Zusammenhang mit den Bedürfnissen der älteren Männer. Vanessa verwendet drastische Bilder, um die Persönlichkeit ihres „Liebhabers“ zu charakterisieren.

„Schriftsteller gewinnen nicht immer bei näherem Kennenlernen. Man würde ihnen Unrecht tun, wenn man glaubte, sie seien wie alle Welt. Sie sind viel schlimmer. Sie sind Vampire.“

Auch über seine Affäre mit Vanessa hat Matzneff ja später ein Buch sowie Tagebücher geschrieben, die zwischen ihrem 16. und 25. Lebensjahr erschienen.

„Wenn man mit einer solchen Brutalität vom Bild des Anderen Besitz ergreift, dann bedeutet das nichts anderes, als dass man ihm seine Seele raubt“,

schreibt sie.

„Meine gesamte Lebensenergie ist aus meinem Körper gewichen und wurde von der Tinte dieses abscheulichen Buches aufgesaugt.“

Die psychischen Spätfolgen: Panikattacken und Schuldgefühle

Etwa zwei Jahre nach Beginn dieser „Beziehung“, als sie 16 war, schaffte Vanessa Springora den Absprung. Zu Ende war ihre Geschichte deshalb jedoch noch lange nicht. Es gab Tage, an denen sich Vanessa wünschte, „für immer von der Erde zu verschwinden“. Als Spätfolge des Missbrauchs hatte sie häufig unter Panikattacken zu leiden. Sie entwickelte zudem extreme Essstörungen.

„Ich war im Begriff, mich zu verflüchtigen, mich in Luft aufzulösen, zu verschwinden. Ein grauenhaftes Gefühl, als würde ich dem Reich der Lebenden entrissen, aber in Zeitlupe.“

Diese psychische Erkrankung interpretiert sie als Neigung zur Selbstzerstörung. „Warum hatte ich einen solchen Berg von Schuldgefühlen in mir angehäuft, dass ich jetzt glaubte, ich würde die ‚Todesstrafe‘ verdienen?“ Ein Arzt sagt zu ihr: „Sie haben gerade eine psychotische Episode mit einer Phase der Depersonalisation erlebt.“

Es gehört zu den Verdiensten dieses mutigen Buches, dass es die psychischen Folgen sexueller Kontakte zwischen minderjährigen Mädchen und wesentlich älteren Männern drastisch deutlich macht.

Häufig werden die damit verbundenen Langzeittraumatisierungen nicht mit der gebotenen Schärfe gesehen, was auch das Umfeld der Betroffenen zu einer Haltung der Duldung und Bagatellisierung verführt. Wenn keine physische Gewalt stattgefunden hat, wenn das Mädchen „es wollte“ und auch immer wieder zu ihrem wesentlich älteren „Liebeslehrer“ zurückkehrte, sehen viele kein Problem.

Die psychischen Langzeitfolgen solcher Affären sprechen jedoch eine andere Sprache.

Notwendige „Froschperspektive“

Geschichten, wie sie Vanessa Springora erzählt, erhielten in jüngster Zeit viel zusätzliche Aufmerksamkeit durch die Enthüllungen rund um den Investor und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und dessen „Assistentin“ Ghislaine Maxwell. Oft dreht sich die Presseberichterstattung über den Skandal aber überwiegend um mögliche Täter und Mitwisser. Dieser oder jene Prominente habe im E-Mail-Kontakt zu Epstein gestanden und seien verdächtig, selbst in den organisierten Missbrauch von Kindern und sehr jungen Frauen verwickelt gewesen zu sein. In den Hintergrund gerät dabei das Schicksal der Opfer, über deren Gefühle und schwere Traumatisierungen die Berichterstattung meist hinweggleitet.

Speziell bei der Lektüre von Virginia Roberts Giuffres Buch Nobody’s Girl. Meine Geschichte von Missbrauch und dem Kampf um Gerechtigkeit zeigt sich jedoch drastisch, mit welcher Art und welchem Ausmaß von Verbrechen wir es hier zu tun haben. Es ist nötig, diese „Froschperspektive“ eines schwer misshandelten Mädchens genauer zu betrachten, um dann im zweiten Schritt das „große Ganze“ und auch die politischen Implikationen des Falles Epstein besser in den Blick nehmen zu können.

Virginia Giuffre, geborene Roberts, wurde vor allem durch ein Foto mit dem britischen Prinzen Andrew bekannt, an den sie von Epstein „verliehen“ worden war. In einem Akt großer Selbstüberwindung führte Giuffre mehrere nervenaufreibende Prozesse und wurde so zu einer der meistbeachteten Anklägerinnen und Zeuginnen im Fall Epstein.

Ein „Riecher“ für Mädchen mit angeknackster Psyche

Virginia Giuffres Autobiografie leistet gerade in den Anfangskapiteln einen wertvollen Beitrag dazu, wie ein Mensch dazu gebracht werden kann, eine jahrelange entwürdigende Existenz als „Sexsklavin“ hinzunehmen. Und dies, ohne durchgehend in physischer Gefangenschaft gewesen zu sein, wie es etwa das Entführungsopfer Natascha Kampusch in ihrem Buch „3096 Tage“ beschreibt. Es beginnt damit, dass sich Täter mit Vorliebe einen bestimmten Typ Mädchen für ihre „Zwecke“ aussuchen. Ghislaine Maxwell, die enge Vertraute und Komplizin von Jeffrey Epstein, hatte dafür einen „Riecher“. Eines Tages sprach sie Virginia auf der Straße an, um ihr das Angebot zu unterbreiten, bei einem reichen älteren Herrn eine Massageausbildung zu absolvieren.

Giuffre hat bei späteren Recherchen herausgefunden,

dass Menschen, die in der Kindheit Opfer von Missbrauch wurden, mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit als Erwachsene erneut Missbrauch erleben.“

Das Risiko sei „15-mal größer“. Virginia war als junges Mädchen von zwei Jungen, 17 und 18 Jahre alt, auf dem Rücksitz eines Autos vergewaltigt worden, während sie ohnmächtig war. Noch schwerer wiegt aber die Vergewaltigung durch ihren Vater in jungen Jahren.

„An diesem Abend berührte mich mein Vater in meinem Zimmer auf eine Weise, wie mich nie zuvor jemand angefasst hatte. Er erzählte mir, ich sei sein geliebtes kleines Mädchen, sein Liebling, und er zeige mir auf diese Weise, dass er mich ‚ganz besonders lieb‘ habe. (…) Bald darauf fragte er mich, ob ich gerne seine Genitalien berühren würde. Ich wollte es nicht — aber er schon. Und er war mein Vater, also tat sich es.“

Virginias Vater und einer seiner Freunde vereinbarten sogar, ihre Töchter zu tauschen.

„Jenna kann bei uns schlafen und Sheila hier.“

Ihre Mutter schwieg zum Missbrauch an ihrer Tochter. Sie wurde zu einer duldenden Mittäterin.

Duldungsstarre als Überlebensmodus

Virginia lernte Epstein und Maxwell in einem schon deutlich „angeknacksten“ Seelenzustand sowie in einer sozial prekären Situation kennen. Beide führten Virginia schrittweise an die dann folgende Vergewaltigung heran. Sie wurde zunächst in eine luxuriöse Villa eingeladen, wo sie ihren künftigen „Ausbilder“ kennenlernen sollte. Zu ihrer Überraschung lag dieser zur Begrüßung nackt und bäuchlings auf einer Liege.

„Erst später wurde mir die Routiniertheit bewusst, mit der die beiden meine Abwehrmechanismen Schritt für Schritt abbauten. Immer, wenn ich ein leichtes Unbehagen verspürte, sagte mir mein Blick auf Maxwell, dass ich überreagierte.“

Irgendwann, nachdem Giuffre Epsteins Rücken massiert hatte, drehte dieser sich um und begann, sich selbst sexuell zu stimulieren. „Das stört dich doch nicht, oder?“ sagte er. In diesem Moment hätte sie vielleicht noch fliehen können. Doch sie verfiel in eine Art Starre.

„In diesem Augenblick zerbrach etwas in mir. (…) Eine vertraute Leere überkam mich (…) Mein Körper konnte diesem Raum nicht entkommen, aber mein Geist hielt es dort nicht aus. Also versetzte er mich in eine Art Autopilot-Modus: unterwürfig und nur darauf konzentriert, zu überleben.“

In weiteren Schritten wurde Virginia dahin gebracht, den Geschlechtsverkehr mit Epstein zu vollziehen — ohne rohe Gewalt, jedoch mit einer Mischung aus Überredung, Überrumpelung und autoritärem Gehabe. Später vermag sie ihre damalige Psychodynamik hellsichtig zu analysieren. Eine große Rolle spielte dabei ihre biografische Prägung:

„Wenn ein Kind von einem geliebten Menschen missbraucht wird — so wie ich von meinem Vater —, dann gelangt es zu der Überzeugung, dass Liebe und Schmerz, Liebe und Vertrauensbruch, Liebe und Grenzverletzung zusammengehören. Ich wusste nicht, dass Missbrauchsopfer Warnsignale nicht richtig erkennen können, weil sie verletzendem Verhalten gegenüber abgestumpft sind. Ich wusste nicht, dass eine häufige Bewältigungsstrategie bei sexuellem Missbrauch darin besteht, sich loszulösen von dem, was gerade geschieht, sich ‚aufzuspalten‘ in einen gefügigen Körper und einen abgeschotteten Geist.“

„Selbst schuld“?

Eine wichtige Frage, die sich für Leser in dieser Phase der Missbrauchsgeschichte stellt, ist: Warum ist Virginia Giuffre nach dieser ersten schlimmen Erfahrung und obwohl man sie nicht in Epsteins Anwesen festgehalten hat, „wieder hingegangen“ — mehrfach und sogar über Jahre? Ist sie insofern nicht an allem, was mit ihr geschehen ist, „selbst schuld“? Giuffre verneint dies:

„Diese Haltung missachtet zutiefst, was so viele von uns schon durchgemacht haben, bevor wir Epstein trafen, und wie gut er darin war, Mädchen zu erkennen, deren Wunden sie angreifbar machten. Mehrere von uns waren als Kinder sexuell belästigt und vergewaltigt worden; viele von uns waren arm oder sogar obdachlos.“

Überdies drohte Epstein mit Gewalt gegen Virginias Familie, sollte sie je erzählen, was in diesem Haus vorgeht. „Wir wissen, auf welche Schule dein Bruder geht.“ Außerdem bekam das Mädchen für ihre „Dienste“ ja auch mehr Geld, als sie je zuvor in ihrem Leben verdient hatte. Ab einem bestimmten Punkt wurde es für sie zu „einem Job“, und Menschen gewöhnen sich an vieles. Schließlich wurde Virginia an Freunde und Geschäftspartner Epsteins weiter „verliehen“. In das Milieu der Reichen, Schönen und Berühmten integriert zu werden und sich ständig in einem luxuriösen Ambiente aufzuhalten, besaß für sie eine nicht zu unterschätzende Verführungskraft.

Eine für das Mädchen „schmeichelhafte“ Begegnung mit dem britischen Prinzen Andrew nahm — wie bei vielen ihrer Begegnungen mit Stars und politischen Würdenträgern eine schlimme Wendung.

„Auf dem Rückweg eröffnete mir Maxwell: ‚Zu Hause machst du für ihn dasselbe wie für Jeffrey.‘ Ich wusste, Widerspruch war zwecklos.“

Natascha Kampusch und das „Stockholm-Syndrom“

Um Virginia Giuffres Beziehung zu Epstein und Maxwell zu verstehen, liegt auch der populär gewordene Begriff „Stockholm-Syndrom“ nahe.

„Einige andere Opfer haben davon berichtet, dass sie am Stockholm-Syndrom litten, bei dem Opfer als Überlebensstrategie positive Gefühle für den Täter entwickeln. Heute erkenne ich, dass es bei mir genauso war.“

Schon Natascha Kampusch, die 1998 von dem Einzeltäter Wolfgang Priklopil entführt und über acht Jahre in seinem Keller gefangen gehalten wurde, beschreibt ihre Gefühle und Reaktionen in den ersten Stunden nach ihrer Gefangennahme sehr eindrucksvoll:

„Ein Ruck ging durch meine Welt, die Realität verschob sich ein kleines Stück. (…) Als Erwachsener weiß man, dass man ein Stück von sich selbst verliert, wenn man Gegebenheiten erdulden muss, die bis zu ihrem Eintreten völlig außerhalb des eigenen Vorstellungsvermögens waren. Der Boden, auf dem die eigene Persönlichkeit steht, bekommt einen Riss. Und doch ist die einzig richtige Reaktion, sich anzupassen, denn sie sichert das Überleben.“

Natascha Kampusch jedenfalls schuf sich einen „Kokon der Normalität“ als Überlebensstrategie. Langes Stillhalten jedoch, so verständlich es menschlich auch ist, birgt die Gefahr der Gewöhnung. Die andauernde Anpassung an den Täter deformiert das Bewusstsein des Opfers schleichend, bis hin zur Verinnerlichung von dessen Rechtfertigungsnarrativen.

„Ich steckte bereits so tief in der Gefangenschaft, dass die Gefangenschaft längst in mir steckte“,

schreibt Kampusch hellsichtig.

Sadismus als tiefer liegende Motivation

Schuldgefühle und Scham sind gerade bei Opfern sexueller Übergriffe zusätzliche Belastungen — Gefühle, die unbeteiligte Beobachter als „unnötige“ Selbstherabsetzung ansehen mögen, die aber nichtsdestotrotz psychische Realität sind. Die Erinnerung daran, was man alles mit sich machen ließ, ist quälend. Speziell dann, wenn die Opfer aufgrund von Stimulation sexuelle Reaktionen zeigen, ist dies mit Scham verbunden und stellt eine scheinbare Entlastung für die Täter dar.

Virginia Giuffre berichtet in ihrem Buch weiter von einer zunehmend sadistischen Komponente in Epsteins Sexualverhalten. Sie schreibt:

„Er interessierte sich neuerdings für Sadomasochismus — und zwar gänzlich ungeniert. (…) Er hatte damit angefangen, mit Peitschen, Fesseln und anderen Folterexperimenten zu experimentieren.“

Ein Kunde, an den Epstein Giuffre „ausgeliehen“ hatte, sei „nicht an Zärtlichkeiten interessiert“ gewesen.

„Mehrfach würgte er mich, bis ich das Bewusstsein verlor. Er hatte Freude daran, mich in Todesangst zu sehen.“

Die Identität dieses Mannes, den sie den „Premierminister“ nennt, hat Virginia Giuffre bis zum Schluss im Dunkeln gelassen — aus Angst vor seiner Macht, die offenbar größer war als jene Epsteins oder Prinz Andrews.

Der Psychodynamik der Opfer steht jene der Täter gegenüber, die nicht ausschließlich mit sexueller Triebbefriedigung zu tun hat. Macht scheint vielfach die tieferliegende Motivation zu sein, der Vollzug von Sexualität nur deren vordergründige Ausdrucksform.

Speziell bei Epstein und Priklopil, mit Abstrichen auch bei Matzneff, scheint eine Komponente von Sadismus am Werk gewesen zu sein. Erich Fromm definiert diesen als

„das Bestreben, einen anderen Menschen völlig in die Gewalt zu bekommen, ihn zu einem hilflosen Gegenstand des eigenen Willens zu machen, zum absoluten Herrscher über ihn, zu seinem Gott zu werden und mit ihm machen zu können, was einem gefällt.“

Sind Frauen das unschuldige Geschlecht?

Im Rahmen der brutalen Machtausübung durch die Männer haben Frauen oder Mädchen nur einen begrenzten Spielraum. Ihre Macht besteht in ihrer Wirkung auf Männer in einer Begegnung, zu der sie von diesen erzwungen wurden. So gibt Vanessa Springora zu Protokoll:

„Mal fühle ich mich wie berauscht, all diese Macht! Es ist so leicht, einen Mann glücklich zu machen. (…) Ich rufe mir in Erinnerung, dass es meine Mission hier auf Erden ist, Männern Lust zu verschaffen.“

Die Schlussfolgerung, nur Männer seien zu bösem und krankem Verhalten fähig, verbietet sich angesichts der „assistierenden“ Funktion, die einige Frauen bei den in diesem Artikel dargestellten Verbrechen innehatten. So hat Springoras Mutter die Beziehung Vanessas zu „G.“ offenbar aufgrund einer Art von Eitelkeit geduldet, quasi zur Schwiegermutter eines Prominenten avanciert zu sein.

Mütter schicken ihre Töchter vor

Bei Ghislaine Maxwell liegt eine noch subtilere Psychodynamik vor. Virginia Giuffre sieht ihr „Besitzerpaar“ als eine Einheit an.

„Mit der Zeit sah ich in Epstein und Maxwell weniger ein Paar als vielmehr zwei Hälften eines bösen Ganzen.“

Maxwell, die seit 2022 in Haft ist, verkörpert psychologisch eine Art „mütterliche“ Funktion in der Beziehung: Sie duldet den Missbrauch durch den Mann an dem Mädchen und unterstützt ihn insgeheim. Einmal fragte Guiffre ihre Peinigerin sogar ganz offen nach deren eigenen Gefühlen:

„Irgendwann fragte ich sie, warum es sie nicht störte, dass er mit so vielen anderen Sex haben wollte. Sie antwortete, es sei eine Erleichterung. Sein Sexhunger sei so riesig, dass eine einzelne Person ihn nie stillen könnte.“

Dies entspricht einer, unter anderem bei „Familienaufstellungen“ nach Bert Hellinger, aufgedeckten Dynamik. Einige Ehefrauen liefern ihre Töchter aus, um vom ungeliebten sexuellen „Dienst“ an ihren Männern entlastet zu werden.

Die Gesellschaft schaut weg

Neben der Mitschuld der Mutterfiguren an diesem Geschehen ist auch jenes der größeren Gemeinschaft zu sehen. Virginia Giuffre berichtet von einer erschütternden Szene:. Sie hatte sich im größeren Familienkreis dazu durchgerungen, offen darüber zu sprechen, dass ihr Vater sie seit Jahren missbrauchte. Wie reagierten die Anwesenden, darunter Onkel und Tante?

„Ich würde nur zu gerne berichten, dass sie alle aufstanden und einen Schutzwall um mich herum bildeten. Aber sie rührten sich nicht. Nach einer stillen Schrecksekunde packte mich mein Vater mit einer Hand an der Kehle und schlug mir mit der anderen ins Gesicht. (…) Am nächsten Morgen wachte ich mit dem Gefühl auf, dass sich ja jetzt, da ich den Missbrauch durch meinen Vater endlich lautstark offenbart hatte, etwas ändern müsse. Vielleicht würde ja wenigstens irgendjemand anerkennen, was ich durchgemacht hatte. Stattdessen tat die gesamte Großfamilie bis zu unserer Rückfahrt nach Florida so, als wäre nichts geschehen.“

Dieser Vorgang kann geradezu symbolisch für das komplizenhafte Schweigen der Mehrheitsgesellschaft zum Missbrauchsgeschehen stehen. Der Film Das Fest von Thomas Vinterberg stellt einen vergleichbaren Vorgang kollektiver Verdrängung in künstlerisch hochwertiger Form dar.

Übermenschenfantasien der „Eliten“

Höchst interessant sind beide Fallgeschichten auch mit Blick auf das überhöhte Selbstbild der sogenannten Eliten.

Vanessa Springora sieht sich auch als Opfer der übermäßigen Ehrfurcht eines „gebildeten“ Umfelds vor Prominenz, Intellekt und Künstlertum.

„Aber was ist schon das Leben einer anonymen Heranwachsenden wert im Vergleich zum literarischen Werk eines höheren Wesens?“,

schreibt sie an einer Stelle.

Einmal weinte sich Vanessa bei einem Mann namens Emil aus, einem älteren Bekannten von Gabriel Matzneff, dem sie vertraute. Dieser war ihr aber keine Hilfe. Er sagte:

„G. ist ein Künstler, ein sehr großer Schriftsteller (…). Sie lieben ihn, dann müssen Sie seine Persönlichkeit akzeptieren. G. wird sich niemals ändern. Er hat Ihnen eine ungeheure Ehre erwiesen, indem er Sie auserwählt hat. Ihre Aufgabe ist es, ihn auf seinem schöpferischen Weg zu begleiten, und auch, sich seinen Launen zu beugen.“

Sie bemängelt eine Doppelmoral, die darin besteht, gegenüber Angehörigen einer „Elite“ — zum Beispiel Schriftstellern, Filmemachern oder Malern — nachsichtiger zu sein als gegenüber Tätern aus „normalen“ Milieus.

„Offensichtlich gehört der Künstler einer besonderen Kaste an, er gilt als ein Wesen, das über uns steht und das wir mit Allmachtsbefugnissen ausstatten, ohne eine andere Gegenleistung dafür zu erwarten als die Produktion eines originellen und subversiven Werkes.“

Jenseits von Gut und Böse

Als Steigerung dieser professionellen Arroganz legte Jeffrey Epstein offenbar geradezu eine Übermenschen-Attitüde an den Tag. Sie erinnert an Dostojewskis Helden Rodion Raskolnikow, der in „Schuld und Sühne“ eine ihm fremde Frau ermordet — einfach, weil er sich für den Vertreter eines überlegenen Menschenschlags ansieht, für den übliche moralische Maßstäbe nicht zu gelten haben.

„Alles, was mir in Epsteins Welt zugestoßen war, hatte nur bestätigt, dass gewisse privilegierte Menschen in einem Grenzbereich außerhalb des Gesetzes stehen, ganz gleich, wie niederträchtig sie sich verhalten.“

Vielleicht erklärt dies einiges, was uns am Verhalten der Macht-, Kultur- und Wirtschaftseliten immer wieder abstößt. Der Vorwurf, dass manche von ihnen buchstäblich über Leichen gehen, ist nicht übertrieben.

Eine unserer Protagonistinnen hat ihre Missbrauchserfahrungen nämlich leider nicht überlebt. Virginia Giuffre beschreibt am Ende ihres Buches die Langzeitfolgen ihrer Traumatisierung, die ihr Leben auch nach der Befreiung von Epstein und der Gründung einer Familie mit ihrem Ehemann Robert nachhaltig überschatteten.

Das Trauma, das im Schatten lauert

Sie beschreibt, dass sie immer wieder, wie aus dem Hinterhalt, von Flashbacks und Anflügen schwarzer Depression überfallen wurde.

„Doch Überlebende wie ich wissen nur zu gut, dass es immer noch da ist und im Schatten lauert. Egal, wie viele Jahre vergangen sind oder wie viele Therapeuten man konsultiert hat, es kann plötzlich und unerwartet wieder auftauchen, wie aus dem Nichts.“

Auf einen kurzen, jedoch erschütternden Nenner hat Herbert Grönemeyer diese Dynamik in seinem Lied „Sie“ gebracht, das von einem Missbrauchsopfer erzählt:

„Sie hat lange verzweifelt gewartet.
Die Jahre zeigen kein Erbarmen.
Das heilt keine Zeit“.

Wie im Fall Jeffrey Epstein gibt es auch zum Tod von Virginia Giuffre „Verschwörungserzählungen“, wonach es sich um Mord, nicht um Selbstmord gehandelt haben soll. Ob sie jedoch von mächtigen Menschen um die Ecke gebracht wurde, die sich vor ihren Enthüllungen fürchteten, oder ob sie tatsächlich den zermürbenden Langzeitfolgen ihres Traumas erlegen ist — klar bleibt in beiden Fällen, dass es einen oder mehrere Schuldige an ihrem Tod gab.

Eine gründliche Aufarbeitung des Geschehens und mehr Achtsamkeit seitens der Gesamtgesellschaft sind notwendig, um diesen umfassenden Komplex verbrecherischen Missbrauchs zumindest zu begrenzen. Sonst werden auch in Zukunft immer wieder neue, unbedarfte Mädchen und auch Jungen solche Schicksale erleiden.

+++

Roland Rottenfußer, Jahrgang 1963, war nach dem Germanistikstudium als Buchlektor und Journalist für verschiedene Verlage tätig. Von 2001 bis 2005 war er Redakteur beim spirituellen Magazin connection, später für den Zeitpunkt. Er arbeitete als Lektor, Buch-Werbetexter und Autorenscout für den Goldmann Verlag. Seit 2006 ist er Chefredakteur von Hinter den Schlagzeilen. Von 2020 bis 2023 war er Chefredakteur vom Rubikon, seit April 2023 ist er Mitherausgeber und Chefredakteur von Manova.

+++

Dieser Beitrag erschien zuerst am 21. Februar 2026 auf manova.news.

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Rückblick auf unerkennbaren Mann mit Kind stehend im Aufzug, Entführung Kinder Konzept.
Bildquelle: Roman Chazov / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Ukrainische Dienste, Epstein und kein Doktortitel

08. März 2026 um 14:00

Vorschau ansehen

Unsere meistgelesenen Artikel des Monats Februar.

Der Beitrag Ukrainische Dienste, Epstein und kein Doktortitel erschien zuerst auf .

(Auszug von RSS-Feed)

USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser

04. März 2026 um 11:06

Vorschau ansehen
USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser
Tagesdosis 20260304 apolut
0:00
/1392.976354
USA und Israel als Verlierer? | Von Tilo Gräser

Der Krieg gegen den Iran wird anders ausgehen, als die USA und Israel denken. Das sagen Kritiker aus den USA

Ein Kommentar von Tilo Gräser.

Mit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran seit Samstag und der Ermordung von dessen Führungspersonen zeigt sich: In Washington und Tel Aviv regieren Verbrecher, die für ihre Interessen den Mittleren Osten in Brand stecken. Es gibt keine Rechtfertigung für diesen Krieg gegen den Iran. Auch die politische Verfasstheit der Islamischen Republik Iran rechtfertigt nicht den erneuten Bruch jeglichen Völker- und internationalen Rechts sowie die begangenen Mordtaten.

US-Präsident Donald Trump hatte den neuen Angriff mit einer klassischen Kriegslüge begründet: Irans "bedrohliche Aktivitäten gefährden direkt die Vereinigten Staaten, unsere Truppen, unsere Stützpunkte im Ausland und unsere Verbündeten auf der ganzen Welt". Inzwischen wurde bekannt, dass das US-Kriegsministerium Pentagon über keinerlei Informationen eines bevorstehenden Angriffs des Iran auf die USA verfügte, der Trumps "Präventivschlag" rechtfertigen würde. Auch für den Bau einer iranischen Atombombe gibt es bis heute keinerlei Beweise.

Wie lange dieser neue Krieg dauern wird, ist heute nicht abzuschätzen. Trump behauptet, die USA könnten länger als die geplanten vier bis fünf Wochen durchhalten. Israel will sowieso bis zum „Endsieg“ auch in diesem Fall weitermachen und auch der Iran hat angekündigt, einen langen Atem zu beweisen. Klar ist: Die Zahl der zivilen Opfer wird steigen, wenn die USA und Israel noch mehr zivile Gebäude bombardieren. Der iranische Rote Halbmond meldet bereits mehrere Hundert getötete Menschen, darunter viele Kinder.

Angesichts der Flut der Informationen und Meinungen zu dem Krieg folgt ein unvollständiger Überblick über kritische Einschätzungen und Analysen aus den USA. Es ist ein Angebot, die Ereignisse besser zu verstehen und die Folgen abschätzen zu können.

Der Angriff folgt aus Sicht des US-Ökonomen Jeffrey Sachs einer Strategie, die die USA und Israel bereits seit rund 30 Jahren verfolgen. Das sagte er in einem Videogespräch mit einem der Betreiber des Portals India & Global Left, das am Sonntag veröffentlicht wurde.

„Die USA und Israel streben nach der Vorherrschaft in Westasien. Und das wurde durch eine Reihe von Kriegen mit dem Iran als großem Ziel umgesetzt, die eigentlich schon seit Netanjahus Amtsantritt als israelischer Premierminister andauern.“

Das sei vor allem eine langfristige Strategie der beiden Geheimdienste CIA und Mossad, die eine „Blutspur im Nahen Osten“ hinterlassen habe. Diese reiche von Libyen über Syrien und den Irak bis zum Sudan, einschließlich des Völkermordes im Gaza-Streifen und dem Westjordanland. Von Beginn an sei es das Ziel gewesen, im Iran einen Regimewechsel herbeizuführen. Auch der neue Versuch dazu werde scheiten, so Sachs. Er befürchtet aber, „dass die Folgen für die Welt sehr schwerwiegend sein werden“.

Zum Scheitern verurteilte Wahnideen

Israel sei ein „Terrorstaat“, der allein in Gaza bereits Zehntausende Kinder getötet habe, sagte der Ökonom auf die Frage zu dem Angriff auf eine iranische Schule mit mehr als 100 getöteten Schülerinnen. Auch die Ermordung des iranischen „Obersten Führers“ Ali Chamenei sei ein Skandal. Die Ermordung ausländischer Staatsoberhäupter sei „ein äußerst gefährliches, provokatives, rücksichtsloses und illegales Verhalten“. „Sich darüber zu freuen, ist mehr als vulgär“, stellte Sachs klar.

Der Enthauptungsschlag gegen die iranische Führung werde das politische System des Landes nicht ändern. Es werde nicht kapitulieren, stattdessen würden die islamischen Revolutionsgarden die Macht übernehmen. Der Ökonom sagte, der Iran verfüge über mehr Raketen als Israel und die USA über Abwehrsysteme dagegen. Seine Schlussfolgerung:

„Und so ist diese Idee eines Regimewechsels durch die USA und Israel wie so viele andere wahnhafte Aktionen der Vereinigten Staaten und Israels im Grunde zum Scheitern verurteilt.“

Sachs sieht die Golfstaaten als „quasi Vasallenstaaten der USA“ an, da sie deren Militärstützpunkte beherbergen. Dies würde nicht bedeuten, dass die Länder von den USA geschützt würden, sondern „dass man ein Vasall der Vereinigten Staaten ist. Man kann sich nicht gegen die USA stellen.“ Würden die jeweiligen Regierungen das tun, gäbe es eine Regimewechsel-Operation der CIA, die sich mit den Stützpunkten in den Ländern breitmache.

„Ich empfehle übrigens jedem Land: Wenn Sie keine US-Militärbasis haben, denken Sie nicht darüber nach. Wenn Sie eine haben, laden Sie sie ein, nach Hause zu gehen, damit Sie Ihre Souveränität behalten können.“

Er erwarte einen Zermürbungskrieg zwischen den Raketen Irans und den Abwehrsystemen der USA und Israels, erklärte Sachs seinem Gesprächspartner. Diese könnten die unterirdischen Anlagen Irans mit den mobilen Raketensystem nicht zerstören. Die USA hätten allen Berichten zufolge Munitionsvorräte für einen Krieg von wenigen Wochen. Trumps anderslautende Aussagen seien nur „Prahlerei“.

Weitreichende Ziele und Folgen

Zu den Zielen des Angriffs auf den Iran sagte der Ökonom, dass die USA die Ölexporte Irans kontrollieren wollen, die zu einem großen Teil nach China gehen. Dessen Ölversorgung solle unterbrochen werden, als „Teil eines verrückten Planes der USA, der China im Visier hat“. Den Krieg würde Umfragen zufolge nur eine Minderheit von etwa 20 Prozent in den USA unterstützen. Die „überwältigende Mehrheit“ sei dagegen, so Sachs, der daran erinnerte, dass Trump sich in seinem Wahlkampf noch gegen Regimewechsel-Operationen ausgesprochen hatte. Er rechne damit, dass die Proteste in den USA und auch in Israel gegen den Krieg zunehmen werden, wenn die Zahl der eigenen Opfer steige. Aber auch ein starker Anstieg der Ölpreise werde das befördern.

Sachs berichtete außerdem, dass er am Samstag im UN-Sicherheitsrat von der britischen Vertretung an seiner vorgesehenen Aussage gehindert wurde, als es um den Krieg gegen den Iran ging. Er hatte Tage zuvor in einem Offenen Brief an das Gremium vor einem Krieg gewarnt. Die Engländer seien „noch schlimmer als die USA“, kommentierte er das: „Ich denke, die Engländer sind tatsächlich die schlimmsten, die gewalttätigsten, arrogantesten und imperialistischsten Menschen auf dem Planeten.“ Im Sicherheitsrat hätten die meisten Länder tatsächlich dem Iran die Schuld dafür gegeben, dass er angegriffen wurde. Das sei „außergewöhnlich“, aber einfach zu erklären: Es handele sich neben den USA mit Bahrain, Kolumbien, Dänemark, Griechenland, Lettland, Panama und Großbritannien um Länder, die entweder US-Militärbasen haben oder dem US-Militär Rechte an den lokalen Stützpunkten einräumen.

„Diese Länder gaben im Wesentlichen dem Iran die Schuld, weil sie Vasallen der Vereinigten Staaten sind.“

Das sei „schon immer“ die Taktik der USA, in der Golfregion und auch in Europa, „das ein Vasallengebiet der USA ist“. In der Sicherheitsratssitzung hätten die Vertreter der betreffenden Länder die „grundlegendste Aussage der UN-Charta“ missachtet, „nämlich Artikel 2, Absatz 4, dass Nationen keine Gewalt oder Gewaltandrohung gegen andere souveräne UN-Staaten anwenden dürfen“.

Sachs sieht den Krieg als Versuch der USA, das regionale Imperium im Mittleren Osten zu bleiben, mit Israel als regionaler Militärmacht vor Ort. Zugleich würden die USA um ihre bisherige globale Vorherrschaft kämpfen. „Aber sie gewinnen diesen Kampf nicht“, erklärte der Ökonom, „weil wir in Wirklichkeit bereits in einer multipolaren Welt leben“. In dieser würden die USA „keinen besonderen Einfluss auf irgendetwas haben, obwohl sie immer noch über ein sehr mächtiges Militär verfügen“. An die iranische Bevölkerung gewandt, sagte Sachs:

„Wir sind gegen diese Kriege. Das sind keine Kriege der Amerikaner. Das sind Kriege des militärisch-industriellen Komplexes Amerikas. Leider hat das US-amerikanische Volk derzeit kein Mitspracherecht, aber wir arbeiten daran, dass es eines bekommt.“

Dieser neue Krieg der USA gemeinsam mit Israel beruhe auf einer „erheblichen Fehleinschätzung“, die schon vorher offensichtlich gewesen sei. Das erklärte der ehemalige US-Oberstleutnant Daniel Davis in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit dem norwegischen Politikwissenschaftler Glenn Diesen. Er habe angesichts des militärischen Aufmarsches der USA in der Region in den letzten Wochen mit dem Überfall auf den Iran trotz der laufenden Verhandlungen gerechnet. Auch das weitreichende Entgegenkommen des Iran kurz vor dem Angriff habe nichts genutzt. Als der dann am Samstag erfolgte, „wurde damit sehr deutlich, dass es nie um Verhandlungen ging“, so Davis gegenüber Diesen.

Folgenreiche Irrtümer und Überraschungen

Auch für den Ex-Militär ist klar, „dass dies ein Krieg ist, den man nicht gewinnen kann. Man setzt sich unerreichbare militärische Ziele.“ Die iranische Führung habe zuvor berechnet, „dass ein Krieg mit den USA weniger riskant sei, als sich den USA zu unterwerfen“. Das habe selbst die US-Zeitung New York Times berichtet. Das Land sei auf den Krieg vorbereitet und könne in der Lage sein, diesen „über einen längeren Zeitraum hinweg zu überstehen“. Wenn Teheran nicht kapituliere, stünden die USA und Israel „in echten Schwierigkeiten“.

Davis schätzt ein, dass Chamenei sich bereitwillig geopfert habe, „um als Märtyrer zu dienen“. Durch den gezielten Mord an ihm sei die Unterstützung für den Iran im Land selbst und in der gesamten schiitischen Welt gestärkt worden. Das würden die sich ausweitenden Proteste in muslimischen Ländern bestätigen.

Das Problem sei, dass US-Präsident Trump sein eigenes Denken auf sein Gegenüber projiziert: „Ja, wenn ich hereinkäme und jemand aus einer stärkeren Position hereinkäme, würde er einfach anfangen, mich zu bombardieren und einige Leute zu töten, und ich würde aufgeben.“ Er habe auch nach dem Vorgehen gegen Venezuela eine entsprechende Reaktion der iranischen Führung erwartet, „ohne die radikalen und tiefgreifenden Unterschiede zwischen Venezuela und dem schiitischen Iran zu erkennen“.

Davis gestand ein, davon überrascht zu sein, dass der Iran sich von Beginn an massiv verteidigt und wie vorher angekündigt zurückschlägt, auch auf Nachbarländer mit US-Basen. Die Botschaft aus Teheran sei:

„Hey, Leute, wir leiden unter den USA. Seit 2010 leiden wir unter Israel und seit 2019 unter den Morden durch die USA. Wir wurden gnadenlos angegriffen, und ihr schützt sie. Ihr errichtet dort diese Stützpunkte, und sie nutzen das gegen uns. Jetzt ist es an der Zeit, dass auch ihr etwas Schmerz spürt.“

Für den Iran handele es sich um eine existenzielle Krise, die er aber für durchstehbar halte, um am Ende bei Verhandlungen die eigenen Bedingungen durchsetzen zu können. Wie Sachs sieht Davis die USA nicht in der Lage, einen langanhaltenden Zermürbungskrieg durchzustehen. Mit anhaltender Kriegsdauer und der steigenden Opferzahl auf der eigenen Seite werde es „einen unglaublichen politischen Druck auf Jerusalem und Washington“ geben, nach einer Lösung zu suchen. Das sei das Ziel Teherans, schätzte der Ex-Offizier ein. Die „Kriegslüsternen und Kriegstreiber“, die Trump zum Angriff gedrängt hätten, würden diesen dann dafür verantwortlich machen, dass der erhoffte Sieg ausblieb.

Drohende Niederlage für die USA

Der Angriff habe nicht zum erhofften Sturz der politischen Führung des Irans geführt, sondern das Land eher wieder zusammengeführt. Selbst die Kritiker der Mullahs seien wütend auf Israel und wollten nicht den Schah-Sohn Reza Pahlavi als neuen Führer des Landes. Diejenigen Politiker in den USA wie Lindsey Graham, die einen entsprechenden Regimewechsel anstrebten, würden „völlig falsch“ liegen. Die Menschen im Iran würden sich jetzt nicht gegen ihr eigenes Land wenden und sich nicht dem anschließen, „was sie seit 47 Jahren als den kleinen Satan oder in unserem Fall als den großen Satan bezeichnen“, so der Ex-US-Offizier. Den Iranern sei die Verlogenheit der US-Versprechen klar:

„Wir wissen also, dass es hier nicht um uns geht. Und dann werdet ihr nichts für uns tun, sobald ihr bekommen habt, was ihr wollt, nämlich den Sturz dieses Regimes.“

Zu den inzwischen gemeldeten ersten drei toten und mehreren verwundeten US-Soldaten in diesem Krieg sagte Davis, dass diese Zahlen nach seinen Informationen nicht stimmen und zu niedrig seien. Der Ex-Oberstleutnant befürchtet, dass die Eskalation noch zunehmen wird.

Die Zahl der eigenen Opfer und die wirtschaftlichen Folgen des Krieges für die USA hält auch der ehemalige US-Geheimdienst-Offizier Scott Ritter für entscheidend für die US-Politik. Das sagte er in einem am Montag veröffentlichten Gespräch mit den Betreibern von India & Global Left.

Die US-Amerikaner würden zunehmend wütend werden und „für alles andere als Trump oder jemanden, der Trump unterstützt, stimmen“, so Ritter mit Blick auf die US-Zwischenwahlen im November dieses Jahres. Er rechnet mit „schrecklichen politischen Konsequenzen für diesen Präsidenten, wenn er diesen Krieg verliert“. Der ehemalige US-Offizier und frühere UN-Waffeninspekteur sieht den Iran „auf dem besten Weg, diesen Krieg zu gewinnen“, wie er am dritten Tag des Angriffs erklärte.

„Das bedeutet, dass die Vereinigten Staaten besiegt, gedemütigt und zum Rückzug aus dem Nahen Osten gezwungen werden. Israel wird in den arabischen Golfstaaten allein zurückbleiben. Wir werden ihre Gebiete von US-amerikanischen Militärstützpunkten säubern müssen.“

Er begründete das mit den iranischen Angriffen auf die Golfstaaten, die wirtschaftlichen Folgen und die wachsenden Proteste der dortigen muslimischen Bevölkerungen. Zudem habe der Mord an Chamenei den Zusammenhalt im Iran verstärkt statt ihn zu schwächen. Zugleich sei das Land „besser auf den Krieg vorbereitet als alle anderen“, so Ritter, der sich nach eigener Aussage auf Fakten und seine jahrelangen geopolitischen und militärischen Analysen stützt.

„Wenn sich nichts Grundlegendes an der Art und Weise ändert, wie dieser Krieg geführt wird, werden den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten in wenigen Wochen die Munition ausgehen. Dem Iran wird die Munition nicht ausgehen.“

Wie Davis verwies er darauf, dass der Iran sich seit Jahren auf den erwarteten und angekündigten Angriff aus Israel und den USA vorbereitet habe. Er habe zahlreiche Raketen und Drohnen, die vorher produziert wurden und unterirdisch sicher gelagert seien. Die USA seien nicht entsprechend vorbereitet und seien nicht in den „Kriegsproduktionsmodus“ übergegangen. Auch das politische System des Iran sei als „Ein-Mann-Diktatur“ Chameneis falsch eingeschätzt worden, was zeige, dass US-Politik und -Geheimdienste keine Ahnung vom Iran haben. Das Ziel, mit dem anfänglichen „Enthauptungsschlag“ einen Regimewechsel herbeizuführen, sei deshalb gescheitert – „wir haben genau das Gegenteil erreicht“.

Unwissenheit und israelischer Einfluss

Es gebe in der US-Führungsspitze „ein beispielloses Maß an Unwissenheit über den Iran“. Der Hass auf die Islamische Republik habe zu Ignoranz gegenüber der Tatsache geführt, „dass sie die einzige funktionierende Demokratie im Nahen Osten ist“, betonte Ritter. Die US-Geheimdienste hätten bei ihrer Aufgabe, die politische Führung genau zu informieren, versagt, weil sie seit den frühen 1990er Jahren von der „Krankheit der Politisierung“ befallen seien. Trump hätte die wahrheitsgemäßen Aussagen der Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard zum nichtexistenten iranischen Atomwaffenprogramm ignoriert, weil er auf Informationen aus Israel höre.

„Israel korrumpiert grundlegend die politischen Entscheidungsprozesse hier in den Vereinigten Staaten.“

Ritter verwies darauf, dass auch hochrangige US-Militärs Trump erklärt hätten, dass die von ihm befohlene Mission so nicht zu erfüllen sei. Es gebe eine „Revolte der Generäle im Pentagon“, deren Ausgang noch offen sei. Während „Kriegsminister“ Pete Hegseth den Krieg für gewinnbar halte, würden die dafür notwendigen Ressourcen und auch die nötige Zeit fehlen.

Er ging in dem Gespräch mit dem indischen Portal ausführlich auf die fehlenden Voraussetzungen für den Einsatz für US-Bodentruppen im Iran ein, den Hegseth, aber auch Trump inzwischen für möglich halten. Er habe in den 1980er Jahren selbst einen entsprechenden Operationsplan ausarbeiten müssen, für den Fall einer sowjetischen Invasion in den Iran. Daher wisse er, dass ein Einmarsch von US-Truppen in den Iran unmöglich sei. Er rechnet mit zunehmenden Folgen für die Energieversorgung der westlichen Welt in Folge der iranischen Gegenschläge:

„Am Ende der Woche wird Europa schreien. Am Ende des Monats wird Europa tot sein. Mitte des Monats werden die US-Amerikaner schreien. Und das ist die Realität.“

Trump werde dem politischen Druck im Inland und weltweit wegen der Folgen dieses illegalen Angriffskrieges nicht standhalten können, schätzte Ritter ein. Für ihn gibt es nur einen Ausweg aus diesem nicht notwendigen Krieg:

„Der einzige Weg, dies zu beenden, besteht darin, dass die Vereinigten Staaten anerkennen, dass ihre Präsenz im Nahen Osten nicht mehr tragbar ist, und dass sie sich dauerhaft aus den von ihnen errichteten Militärstützpunkten zurückziehen. Dies wird mit der Erklärung der arabischen Golfstaaten einhergehen, dass die Vereinigten Staaten auf ihrem Territorium nicht mehr willkommen sind.“

In der Folge wäre Israel isoliert und müsse seine Groß-Israel-Ziele aufgeben, da die USA nicht mehr an seiner Seite stünden. Der Iran werde nicht kapitulieren, da es für ihn ein Krieg um das Überleben sei. Er könne nicht zulassen, „dass dieser Krieg endet, insbesondere nach dem Schaden, der angerichtet wurde, und dass die andere Seite ihre Stärke und Fähigkeiten wieder aufbaut“.

„Die Iraner sind schlauer als alle anderen“

Der Iran werde den Krieg gewinnen, weil die USA nicht über genügend Munition verfügen, so Ritter. Und „weil wir etwas begonnen haben, das wir nicht unter Kontrolle haben“. Der Iran habe „alle Vorteile auf seiner Seite“, sei militärisch besser vorbereitet und stehe politisch „auf der richtigen Seite der Geschichte“.

„Dieser Krieg endet also mit der strategischen Niederlage der Vereinigten Staaten. Oder die Vereinigten Staaten zerstören den Iran und stürzen das Regime.“

Aber er glaube nicht, dass Letzteres passieren wird, fügte Ritter hinzu. Er hält es auch für möglich, dass einige der Golfstaaten den Krieg politisch nicht überleben, so Bahrain, Kuwait oder auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zugleich machte er auf „unbeabsichtigte Folgen des Konfliktes“ aufmerksam: Die Briten hätten „in ihrer imperialen Dummheit beschlossen, dass sie in diesem Konflikt eine Rolle spielen wollen“ und sich pro-israelisch positioniert. Deshalb habe der Iran britische Stützpunkte auf Zypern angegriffen – was zu einer griechischen Reaktion geführt habe. Athen habe Kampfflugzeuge, Luftabwehr und Kriegsschiffe nach Zypern entsandt.

Das könne wiederum eine türkische Reaktion hervorrufen, so der Ex-US-Offizier. Die Türkei werde nicht tatenlos zusehen und Griechenland gewähren lassen, „sodass wir sehr wohl in naher Zukunft einen neuen regionalen Krieg zwischen der Türkei und Griechenland erleben könnten“, also zwischen zwei Nato-Mitgliedern. Dagegen habe der Iran die US-Luftwaffenbasis Incirlik in der Türkei nicht angegriffen, von der aus Israel unterstützt werde. Ritter dazu:

„Wenn Sie eins und eins zusammenzählen, wissen Sie genau, was vor sich geht. Die Iraner sind schlauer als alle anderen. So ist es nun einmal.“

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Benjamin Netanjahu (Ministerpräsident Israels) und Donald Trump (US-Präsident)

Bildquelle: carlos110 / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)
❌