Unser Gehirn altert nicht, weil die Zeit vergeht. Es altert, weil es permanent unter Beschuss steht. Ein Beschuss, der nicht zufällig entsteht – sondern systemisch erzeugt wird. Noch nie in der Geschichte der Menschheit waren Menschen so informiert, so vernetzt – und zugleich so geistig erschöpft. Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit, innere Leere, nervöse Unruhe: All das wird [...]
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Die Technologien, die Milliarden Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbinden, befinden sich real in den Händen einer winzigen Gruppe von Superreichen. Laut dem neuen Oxfam-Bericht, der am vergangenen Sonntag während des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht wurde, kontrollieren sechs Milliardäre neun der zehn größten Social-Media-Plattformen der Welt. Zugleich vereinen drei Milliardäre fast 90 Prozent des globalen Marktes für Chatbots mit künstlicher Intelligenz auf sich. Von Rodrigo Chagas.
Die Organisation warnt davor, dass diese von einer kleinen Minderheit angehäufte Macht nicht nur enorme Profite generiert, sondern auch dazu genutzt wird, Freiheiten einzuschränken, Gegner zu überwachen und die öffentliche Debatte zu manipulieren.
Für Oxfam fördert die zunehmende Verbreitung künstlicher Intelligenz und digitaler Plattformen weder mehr Freiheit noch mehr Inklusion. „Wenn sie von einer Milliardärs-Elite kontrolliert werden, sind diese Technologien nicht länger demokratische Instrumente, sondern sie werden zu Mechanismen für die Konzentration von Reichtum und Macht“, heißt es in dem Bericht „Resisting the rule of the rich“ (Widerstand gegen die Herrschaft der Reichen).
Die Geschäftsführerin von Oxfam Brasilien, Viviana Santiago, beschreibt diesen Prozess als konkrete Bedrohung der Demokratie. „Es ist dringend notwendig, neu zu überdenken, wem Soziale Medien und KI-Tools gehören, denn es gibt einen permanenten Versuch, Narrative zu kontrollieren, Geschichte neu zu interpretieren und den Zugang zu Informationen zu beschränken“, sagte sie gegenüber Brasil de Fato. Laut Santiago schafft die fehlende Regulierung im Technologie- und KI-Sektor ein ideales Umfeld für die Vergrößerung von Ungleichheiten. „Dies sind hochprofitable, stark umweltverschmutzende Sektoren mit enormer Macht zur Zensur und Überwachung.“
Der Bericht hebt hervor, dass die Milliardäre, die die größten Social-Media-Plattformen kontrollieren, auch kontrollieren, was Milliarden von Menschen sehen, sagen und hören. Oxfam lenkt die Aufmerksamkeit auf die Rolle dieser Plattformen bei der Überwachung und Unterdrückung politischer Opposition und nennt Kenia als Beispiel: Während der Proteste gegen neue Steuergesetze nutzten die kenianischen Behörden X (ehemals Twitter), um Demonstranten zu orten.
Die Plattform, die Elon Musk gehört, wird in dem Bericht als Beispiel dafür genannt, wie private Macht kollektive Rechte bedrohen kann. Eine in dem Dokument angeführte Studie der University of California kam zu dem Ergebnis, dass Hassreden um 50 Prozent zugenommen haben, seit Musk X im Jahr 2022 übernommen hatte.
Oxfam prangert auch die Nutzung von Plattformen zur Verbreitung von Desinformation, zur Einschüchterung von Kritikern und zur Aufrechterhaltung von Privilegien an. „Diese Netzwerke, unter der Kontrolle von Milliardären, sind nicht nur Unternehmen. Sie sind zu politischen Akteuren geworden, die fähig sind, die öffentliche Debatte zu unterdrücken, zu zensieren und zu verzerren“, schlussfolgert der Bericht.
Abgesehen von den sozialen Medien ist die Kontrolle über künstliche Intelligenz noch stärker konzentriert: Drei Milliardäre kontrollieren fast 90 Prozent des globalen Chatbot-Marktes, also von Software, die menschliche Interaktion simuliert und weit verbreitet im Kundenservice, auf Suchplattformen und in sozialen Netzwerken eingesetzt wird. Oxfam warnt, dass diese Konzentration das Risiko für groß angelegte Manipulationen erhöht, insbesondere mangels klarer Regeln für diese Tools.
Für Viviana Santiago dient die Aneignung dieser Technologien durch große Vermögen einer langfristigen Strategie: der Gestaltung der kollektiven Vorstellungskraft und dem Schutz von Herrschaftsstrukturen. Sie kritisiert, dass diese Sektoren weitgehend ohne Regulierung operieren, und warnt zugleich vor den Folgen ihrer Geschäftsmodelle für die Umwelt.
„Diese Sektoren konzentrieren Macht, erzeugen Ungleichheit und haben einen enormen CO2-Fußabdruck. Wir können die Tatsache, dass Milliardäre diese Tools und Kommunikationsmittel kontrollieren, nicht als neutrales Phänomen behandeln“, sagte sie.
Oxfam hat den Bericht zeitgleich mit der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht, das vom 19. bis 23. Januar in Davos, Schweiz, stattfindet. In diesem Jahr nehmen rund 400 hochrangige Politiker und 850 CEOs großer Unternehmen sowie fast 100 bedeutende Einhörner[1] und Technologiepioniere teil. Das offizielle Thema des Forums lautet „A spirit of dialogue” (Geist des Dialogs).
Der Beitrag erschien im Original im brasilianischen Onlineportal Brasil de Fato. Übersetzung aus dem Englischen von Marta Andujo.
Titelbild: gguy / Shutterstock
[«1] Einhorn (englisch Unicorn) wird ein Start-up-Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar (weltweit) oder Euro (in Europa) genannt, das nicht an einer Börse gelistet ist.
Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.
Wie am Anfang des Kapitels „Liebe“ schon bemerkt, kommt einem die Liebe nicht einfach zugeflogen. Man wird hart arbeiten müssen, um diese universelle, das Leben so bereichernde Kunst zu entwickeln. Selbstverständlich kann es keine Gebrauchsanleitung geben, wie man Schritt für Schritt vorgehen sollte, um diese Kunst zu erlernen. Aneignen werden Sie sich diese Kunst letztendlich durch ständiges Praktizieren.
Im Folgenden werden deshalb lediglich die Voraussetzungen für das Erlernen einer – und auch dieser Kunst – aufgezeigt. Auch hier orientiere ich mich strukturell an den Sichtweisen von Erich Fromm, da es bei diesem Thema keinen Sinn macht, das Rad ein zweites Mal zu erfinden.
Disziplin
Wenn Sie etwas lernen wollen, sollten Sie sich bewusst selbst regulieren. Sie sollten sich anstrengen und den diversen Ablenkungen von Ihrem Ziel, eine Kunst zu erlernen, entgegenwirken. Es verhält sich doch wie mit der Vorbereitung für eine Prüfung: Wenn Sie sich ständig ablenken lassen oder aktiv nach Ablenkungen suchen, weil Sie eigentlich keinen Bock haben zu lernen, dann werden Sie auch nicht besonders erfolgreich sein. Sehen Sie sich beispielsweise Shaolin-Mönche an, mit welcher Selbstbeherrschung sie sich etwa in einer Kampfkunst üben. Sie werden zu Meistern durch eiserne Disziplin und ständiges Üben. Disziplin sollte wie das Lieben selbst zu einer Grundhaltung werden, die man gerne einnimmt, ganz gleichgültig wofür.
Viele Denker, Philosophien und Religionen teilen Erich Fromms Grundgedanken, dass Liebe eine Kunst sei, die nur durch Disziplin und Übung erlernt werden kann.
Schon im Buddhismus gilt Mitgefühl als Fähigkeit, die durch Meditation und achtsame Lebensführung eingeübt wird. Liebe entsteht dort nicht spontan, sondern wächst aus einer trainierten inneren Haltung heraus. Im Buddhismus werden Mitgefühl (karuṇā), liebende Güte (mettā) und Nicht-Anhaften als Fähigkeiten verstanden, die trainiert werden müssen.
Meditation ist im Buddhismus eine Disziplinpraxis, die Herz und Geist formt. Die Mettā-Meditation gilt explizit als „Training des Herzens“. Liebe gilt eben nicht als spontanes Gefühl, sondern wird als eine bewusste Ausrichtung und Übung, eine innere, zu trainierende Haltung verstanden. Wie bei Fromm ist im Buddhismus Liebe ein aktives Tun, etwas, das durch regelmäßige Praxis wächst.
Auch das Christentum versteht Nächstenliebe weniger als Gefühl denn als Tugend, die durch wiederholtes Handeln und geistige Übung verinnerlicht wird — ein Gedanke, den besonders die klösterliche Praxis mit ihrem geregelten Tagesablauf verdeutlicht. Thomas von Aquin betonte, dass Tugenden durch „habitus“, durch wiederholte Handlungen entstehen.
Im Konfuzianismus zeigt sich eine ähnliche Perspektive. Menschlichkeit, also die Fähigkeit, warmherzig und fürsorglich zu handeln, entsteht durch bewusste Selbstkultivierung und die Einübung sozialer Rituale, mit dem Ziel, den Charakter zu formen, um Liebe und Güte natürlich fließen lassen zu können. Es geht im Konfuzianismus wie bei Fromm um Charakterarbeit, und nicht um spontane Emotion.
Zen-Buddhismus und Taoismus betonen, dass jede Kunst — ob Bogenschießen, Teezeremonie oder Liebe — eine Lebenspraxis ist. Die Kunst entsteht aus geübter Leere, aus Disziplin, die keinen Zwang darstellt, sondern beständige Geistesschulung. Liebe entsteht aus innerer Ruhe und Präsenz.
Auch Fromm unterscheidet klar zwischen Disziplin und Zwang, wie folgende Worte zeigen:
„Wesentlich ist jedoch, dass man Disziplin nicht wie etwas übt, das einem von außen aufgezwungen wird, sondern dass sie zum Ausdruck des eigenen Wollens wird, dass man sie als angenehm empfindet und dass man sich allmählich ein Verhalten angewöhnt, das man schließlich vermissen würde, wenn man es wieder aufgeben sollte.“
Aristoteles beschreibt Tugenden wie die Freundschafts- oder Liebesfähigkeit als stabile Charakterhaltungen, die durch Praxis geformt werden. Man wird nicht zufällig tugendhaft — man wird es, indem man regelmäßig so handelt. Aristoteles sieht Freundschaft (philia) und ethische Tugenden als Elemente eines gelungenen Lebens. Liebesfähigkeit entsteht durch kultivierte, geübte innere Haltung.
Auch moderne psychologische Ansätze verstehen Liebesfähigkeit als ein Bündel erlernbarer Kompetenzen — Empathie, Selbstregulation, kommunikative Fähigkeiten —, die sich nur durch kontinuierliche Übung entwickeln. Liebe ist demnach eine Fähigkeit, die gepflegt und gelernt werden kann.
Durch all diese Traditionen und Denkweisen zieht sich ein gemeinsamer Kern: Liebe ist keine reine Emotion und kein Zufallsprodukt, sondern eine bewusst gepflegte Haltung. Egal ob im spirituellen, philosophischen oder psychologischen Kontext — überall zeigt sich, dass echte Liebesfähigkeit auf derselben Grundlage ruht: Übung, Achtsamkeit, Selbstdisziplin und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten.
„Couch-Potatoes“ werden es jedenfalls schwer haben, etwas für sich Sinnvolles zustande zu bringen, wenn Sie ihren Allerwertesten nicht hochbringen.
In der bekannten multidisziplinären Gesundheits- und Entwicklungsstudie „Dunedin“ wurde nachgewiesen, dass Fähigkeiten, die bereits in der Kindheit vorhanden oder entwickelt wurden — wie beispielsweise Selbstdisziplin, Ausdauer und Gewissenhaftigkeit —, starken Einfluss auf Gesundheit, materiellen Wohlstand und Zufriedenheit im späteren Leben hatten — und das unabhängig von Intelligenz und sozialer Schicht. Diese valide Langzeitstudie zeigt: Disziplin zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus. Also auf geht’s, meine Damen und Herren, ein bisschen mehr Disziplin an den Tag legen, wenn‘s genehm ist!
Konzentration
Eng verbunden mit der Disziplin ist die Konzentration. Wenn Sie etwas machen, dann sollten Sie es richtig machen, das heißt mit ungeteilter Aufmerksamkeit. Fokussieren Sie Ihre Willenskraft auf das Ziel, diese Kunst zu erlernen. Konzentration erfordert geistige Anstrengung, und das Aufmerksamkeitsniveau lässt mit der Zeit natürlich auch etwas nach. Nichtsdestotrotz: Üben Sie sich in Konzentration.
Viele geistige Traditionen und philosophische Schulen sind der Auffassung, dass Konzentration eine entscheidende Voraussetzung für die „Kunst der Liebe“ ist. Im Buddhismus gilt Achtsamkeit als Grundlage von Mitgefühl: Nur ein konzentrierter, präsenter Geist kann anderen wirklich offen begegnen.
Auch im Christentum spielt die innere Sammlung eine zentrale Rolle. Mystiker betonen seit jeher, dass Nächstenliebe aus einem ruhigen, nicht zerstreuten Herzen erwächst. Der Konfuzianismus versteht zwischenmenschliche Liebe als soziale Kunst, die auf bewusster Aufmerksamkeit beruht — auf echtem Zuhören und dem wachen Wahrnehmen des anderen.
Aristoteles beschreibt Tugenden und Freundschaft als Formen des bewussten, achtsamen Tuns, das geistige Klarheit verlangt. Auch der Zen-Buddhismus betont reine Präsenz als Quelle von Mitgefühl, das aus der Fähigkeit entsteht, im Augenblick ganz da zu sein. Schließlich zeigt auch die moderne Psychologie, dass gelingende Beziehungen Aufmerksamkeit, Empathiefähigkeit und fokussierte Präsenz benötigen.
In all diesen Traditionen zeigt sich dieselbe Einsicht: Liebe wächst dort, wo der Mensch wirklich präsent ist. Konzentration ist keine Technik, sondern in diesem Zusammenhang die innere Haltung, sich dem anderen bewusst und ungeteilt zuzuwenden.
Verschiedene Einflussfaktoren wie Ihre Ernährung, Ihre momentane Stimmung, Umgebungsbedingungen wie beispielsweise das Spielen mit Handys und Internetsurfen beeinflussen die Konzentrationsfähigkeit. Ein großes Zugunglück in Bayern Anfang 2016 ist wahrscheinlich auf nachlassende Konzentration eines Menschen durch das Spielen mit einem Smartphone zurückzuführen. Die Konzentrationsfähigkeit der Menschen steht heute auf einem sehr niedrigen Level, da sich Menschen so vieler Ablenkungsmöglichkeiten wie nie zuvor bedienen können. Da wird halt alles gemacht, und nichts richtig. Unser Gehirn liebt natürlich die Abwechslung und sucht nach immer neuen Reizen.
Unsere fünf Sinne sind stets begierig auf Neues, und moderne Medien liefern uns unendlich viele Informationen zu allen denkbaren Themen. Schön und gut — aber die Konzentrationsfähigkeit sinkt dadurch erheblich, wie Studien eindeutig belegen! Also, weniger Knöpfe drücken und mal wieder ein Buch lesen, oder einfach mal nur dasitzen und nichts tun! Nein, nicht nach dem Smartphone greifen, das Sie erst vor zwei Minuten nach neuen Nachrichten gecheckt haben!
Ihre Konzentration können Sie verbessern durch ausgeglichene Ernährung, insbesondere durch Nahrung mit viel Vitamin B und Omega-3-Fettsäuren (sie führen zu einem besseren Informationsaustausch zwischen den Zellen), durch Konzentrationsübungen und Meditation und jede Art von Stressabbau, durch ein Schläfchen am Tag von nicht mehr als 30 Minuten, durch (insbesondere klassische) Musik, durch Muskelentspannung — beispielsweise nach dem Verfahren von Jacobson —, durch Ausdauersportarten wie zum Beispiel 30 Minuten Joggen zwei- bis dreimal pro Woche und durch ausreichende Energie mittels eines ausgeglichenen Glukosespiegels.
Konzentrationsstörungen sind meist auf psychosomatische, organische und neurologische Ursachen zurückzuführen. Checken Sie vielleicht einmal die Gründe für ihre Konzentrationsschwierigkeiten. Tun Sie sich einen Gefallen und arbeiten Sie an einer besseren Konzentrationsfähigkeit.
Geduld
„Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!“ Also immer langsam mit den jungen Pferden. Das fällt den meisten Menschen in unserer schnelllebigen Zeit natürlich besonders schwer. Alles muss immer noch besser, größer und selbstredend schneller funktionieren. Wir beschleunigen ohne Ende, bis der Planet und der Mensch darauf in die Knie gehen. Ich denke, langsam ist die Zeit der „Entschleunigung“ angesagt, auch wenn das einigen, meist reichen Bevölkerungsschichten aufgrund zu langsamer Vermögenszunahme nicht zusagen wird. Nicht die Zeit rast, nein, wir rasen! Die durch Digitalisierung, Standardisierung und Beschleunigung eingesparte Zeit macht Reiche noch reicher, da die eingesparte Zeit nicht Arbeitnehmern zugutekommt, die man dann vielleicht weniger arbeiten lassen müsste, sondern lediglich der Vergrößerung des Reichtums der Vermögenden.
Manche schlagen die wertvolle Lebenszeit auch „tot“ mit allerlei oberflächlicher Ablenkung, anstatt zu versuchen, auf ein höheres persönliches Level zu kommen. Das ist in meinen Augen auch nicht gerade der Inbegriff eines erfüllten Lebens. Konsum ist oftmals ein spärlicher Ersatz für nicht gelebtes Leben.
Auch der ständige Blick auf die Uhr und die oftmals fremdgesteuerte Dringlichkeit von irgendwelchen zu erledigenden Aufgaben versperrt uns den Blick auf die wichtigen Dinge im Leben, wie zum Beispiel die Kunst des Liebens zu erlernen. Wirklich wichtige Dinge wie Freundschaft, Liebe, Gesundheit, Familie und dergleichen werden zugunsten der eher unwichtigen und meist als dringlich getarnten Dinge im Leben vernachlässigt.
Geduld ist eine Grundbedingung der „Kunst der Liebe“. Im Buddhismus gilt Geduld als eine der höchsten Vollkommenheiten (pāramitās): Mitgefühl und Liebesfähigkeit entstehen dort nicht plötzlich, sondern wachsen langsam durch beharrliche Praxis und das geduldige Ertragen von Schwierigkeiten.
Auch im Christentum wird die Nächstenliebe eng mit Geduld verknüpft — sowohl gegenüber sich selbst als auch gegenüber anderen. Die christliche Tradition betont, dass Liebe im Alltag erprobt wird, und dass Vergebung, Verständnis und Beständigkeit nur mit geduldigem Herzen möglich sind.
Im Konfuzianismus zeigt sich Geduld besonders im zwischenmenschlichen Umgang: Menschlichkeit reift durch langfristige Selbstkultivierung, durch das beharrliche Einüben freundlicher, respektvoller und harmonischer Beziehungen.
Aristoteles beschreibt Tugenden grundsätzlich als etwas, das erst durch wiederholtes, geduldiges Üben entsteht. Freundschaft und Liebe entwickeln sich für ihn über Zeit — durch konstantes, zuverlässiges Handeln.
Auch der Zen-Buddhismus sieht Geduld als wesentlichen Faktor an: Jede Form geistiger oder zwischenmenschlicher Kunst entsteht dort aus stetigem Üben und dem Akzeptieren der Langsamkeit innerer Entwicklung.
Schließlich zeigt auch die moderne Psychologie, dass stabile Beziehungen von Geduld leben, von der Fähigkeit, Entwicklungsprozesse zu tolerieren, Konflikte auszuhalten und Veränderungen nicht zu erzwingen.
All diese Traditionen teilen die gleiche Erkenntnis: Liebe ist etwas, das Zeit braucht. Geduld ist die Haltung, die ermöglicht, dass Liebe wachsen, sich vertiefen und Bestand haben kann.
Glaube und Mut
Sie sollten daran glauben, die Fähigkeit zu lieben — oder eine andere Kunst — erlernen zu können. Der Glaube an unser eigenes Wachstum befähigt uns dazu, „Berge zu versetzen“.
Glaube und Mut sind weitere wesentliche Voraussetzungen, um die „Kunst der Liebe“ zu erlernen und zu leben.
Im Christentum etwa gilt Glaube nicht primär als intellektuelles Für-wahr-Halten, sondern als Vertrauen — in Gott, in das Gute und in den anderen Menschen. Dieses Vertrauen bildet die Basis dafür, sich in Beziehungen verwundbar zu machen. Mut zeigt sich hier als Bereitschaft, sich zu öffnen, auch wenn man verletzt werden könnte.
Im Buddhismus findet sich ein ähnlicher Gedanke: Dort bedeutet Glaube vor allem „Vertrauen in den Weg“. Mitgefühl und liebende Güte entstehen nur, wenn man mutig genug ist, Angst, Schmerz und Verlust nicht zu vermeiden, sondern ihnen mit offenem Herzen zu begegnen. Liebe verlangt die Bereitschaft, Kontrolle loszulassen und Unbeständigkeit zu akzeptieren.
Im Konfuzianismus spielt Vertrauen in die grundsätzliche Gutheit des Menschen eine wichtige Rolle. Zwischenmenschliche Beziehungen können nur gelingen, wenn man daran glaubt, dass moralische Entwicklung möglich ist — und wenn man mutig genug ist, harmonische Beziehungen auch in schwierigen Situationen aufrechtzuerhalten.
Bei Aristoteles wird Mut als zentrale Tugend verstanden, weil ohne ihn keine anderen Tugenden — auch nicht Freundschaft oder Liebe — verwirklicht werden können. Liebe verlangt für ihn immer Bereitschaft zum Risiko: Man investiert Zeit, Nähe und Verwundbarkeit. Glaube zeigt sich hier als Vertrauen in den Charakter des anderen und in das Gute des gemeinsamen Handelns.
Auch der Zen-Buddhismus verbindet Mut und Vertrauen: Der Mut besteht darin, sich dem momentanen Erleben vollständig zu öffnen, ohne Schutzmechanismen. Vertrauen meint hier das Loslassen des ständigen Kontrollbedürfnisses — eine Haltung, die Mitgefühl und innere Weite ermöglicht.
In all diesen Traditionen zeigt sich dieselbe Einsicht: Liebe braucht Vertrauen und Risiko. Wer liebt, muss glauben — an sich, an den anderen, an das Gute —, und er muss mutig sein, weil Liebe immer auch bedeutet, sich zu öffnen, ohne Garantie. So wird Glaube und Mut zu einem unverzichtbaren Fundament jeder „Kunst der Liebe“.
Es bedarf jedoch auch einigen Mutes, neue Wege zu gehen.
Manchmal erkennt man, dass der gemeinsame Weg nicht mehr für beide begehbar ist. Es besteht in meinen Augen in diesem Fall auch nicht ein Mangel an Liebesfähigkeit, wenn man sich auf neuen Wegen von bisherigen Weggefährten trennt — im Gegenteil, man gibt dem anderen die Möglichkeit, seinen Weg weiterzugehen, den man selbst nicht mehr teilen will.
Folgende Zeilen von Daya Devi — einem spirituellen und göttlichen Kanal für Mitgefühl und Liebe — haben mich sehr beeindruckt:
„Während du dich veränderst, wirst du feststellen, dass du nicht mehr die Person bist, die du früher warst. Die Dinge, die du früher toleriert hast, sind jetzt unerträglich geworden. Wo du einst still warst, sprichst du jetzt deine Wahrheit. Wo du einst gekämpft und gestritten hast, möchtest du jetzt schweigen. Du beginnst, den Wert deiner Stimme zu verstehen, und es gibt Situationen, die deine Zeit, Energie und Konzentration nicht mehr verdienen.“
„… es gibt Situationen, die deine Zeit, Energie und Konzentration nicht mehr verdienen.“ Durch dieses veränderte Bewusstsein erleben wir weniger Täuschungen — und dadurch Enttäuschungen. Viele von uns haben beispielsweise durch die „Coronakrise“ eine Wandlung zu sich selbst vollzogen. Wir trennen uns von bisher vertrauten Personen und Gewohnheiten, weil wir nur noch wenig mit ihnen gemeinsam haben. Wir konzentrieren uns stärker auf das, was wirklich wichtig ist im Leben: persönliche Weiterentwicklung, mitfühlender Umgang mit allen Menschen und mit der Natur, sinnvolle Beschäftigung, Gesundheit, Abstimmung von Körper, Geist und Seele.
Konservative Menschen haben vielleicht mehr Sicherheit in ihrem Dasein, werden aber meines Erachtens von der Vielfältigkeit dieses Lebens weniger erfahren.
Willensstärke
Ihr unbedingter Wille, Meister zu werden, wäre jetzt die nächste Prämisse für diese wie für jede andere Kunst. Ihre Willenskraft befähigt Sie letzten Endes, zu dem zu werden, der Sie sein wollen beziehungsweise sind. Wenn Sie nur ein spärliches Interesse an dieser Kunst haben, sollten Sie es lieber lassen, es sei denn, ein gewisser Dilettantismus reicht Ihnen aus. Wie Ihr Glaube an Ihre Fähigkeiten versetzt auch Ihr Wille Berge. Sie werden auf dem Weg zur Meisterschaft oftmals stolpern, aber Ihr Wille wird Sie weitertragen.
Die eigentliche Schwäche besteht nicht im Hinfallen, sondern im Liegenbleiben. Sehen Sie Probleme nicht als Hindernisse, sondern als Ansporn, sie zu lösen. Ja, denken Sie ruhig ein wenig sportlich! Überlegen Sie sich genau, ob Sie Laie bleiben oder Meister werden wollen, denn der Weg zur Meisterschaft ist mit vielen Dornen und Hindernissen gepflastert.
Aktivität
Von nichts kommt nichts. Die meisten Menschen meinen ja, Aktivität wäre etwas von außen Sichtbares, irgendetwas, mit dem man sich „beschäftigt“. Echte Aktivität findet jedoch im Inneren eines Menschen statt und bedeutet so viel wie „Mobilisierung der innewohnenden Kräfte“.
Viele Menschen praktizieren sichtbare Freizeit-„Aktivitäten“, was von der Außenwelt dann als unglaubliche Tatkraft empfunden wird. Oftmals ist es aber nur ein kläglicher Versuch, sich seiner inneren Welt nicht stellen zu müssen, das heißt, diese Menschen flüchten oftmals vor sich selbst.
Wenn Sie eine Kunst erlernen wollen, müssen Sie diese in sich kreieren und bei Bedarf von innen nach außen tragen. Alles von außen Sichtbare haben Sie zuvor in Ihrem Inneren erzeugt — auch die Liebe. Wirklich produktiv zu sein, ist eine grundsätzliche Einstellung eines Menschen, ebenso wie Disziplin und Liebe. Sie sollten bei allem, was Sie anpacken, produktiv und wach sein, und nicht wichtige Energie verplempern.
Überwindung des Narzissmus
Weg vom Narzissmus und hin zu mehr Demut, Objektivität und Vernunft! Insbesondere Männer neigen gerne einmal zum Narzissmus. So wie die griechische Sagengestalt Narziss (Narkissos), verlieben sie sich in ihr eigenes Spiegelbild und glauben weiß Gott wer oder was sie sind. Sie haben eine überzogene Meinung von ihren „positiven“ Eigenschaften und halten konsequenterweise alle anderen für etwas beschränkter und minderbemittelter, was einer erforderlichen demütigen Haltung für das Erlernen einer Kunst definitiv entgegenwirkt. Ein demütiger Mensch erkennt und akzeptiert aus freien Stücken, dass es etwas Höheres, vielleicht für ihn Unerreichbares gibt. Der Narzisst dagegen hält sich für das Maß der Dinge.
„Wer glaubt, etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.“
Dementsprechend wird ein Narzisst eben auch unfähig sein, irgendeine Kunst zu erlernen. Echte Demut ist eine Grundvoraussetzung für das Erlernen jeder Kunst. Ein Narzisst kann auch nicht objektiv sein, weil er ein verklärtes Bild von der Außenwelt hat und sie nur danach beurteilt und bewertet, ob sie für sein inneres Ego von Nutzen ist oder nicht. Ein Herr oder eine Frau „Wichtig“ ist demnach aufgrund mangelnder Objektivität auch schlecht entwicklungsfähig — arme Seelen!
Üben, üben, üben
Wenn Sie all die zuvor genannten Bedingungen erfüllen, müssen Sie eben üben, üben und nochmals üben. Couch-Potatoes werden diese oder eine andere Kunst wahrscheinlich nie erlernen, weil sie lieber auf ihrem Sofa dahindämmern.
Wie haben Sie beispielsweise Radfahren oder Skifahren gelernt? Na ja, indem Sie sich erst einmal vorgestellt haben, wie Sie das anstellen wollen (Planung), Ihre Vorstellungen in die Tat umgesetzt (Realisierung), Ihren (geplanten) Sollzustand mit dem Ist-Zustand verglichen (Kontrolle) und aufgrund eingehender Ursachen- beziehungsweise Abweichungsanalysen Ihre Aktivitäten immer weiter verbessert haben (Steuerung), bis Sie diese Tätigkeit schließlich beherrschten (kontinuierlicher Verbesserungsprozess). Die Manager unter Ihnen haben natürlich erkannt, dass es sich bei dieser Vorgehensweise um das Durchlaufen des Managementkreislaufs handelt. Auch Sie müssen diesen Kreislauf sehr viele Male durchlaufen, bis Sie eine Kunst erlernt haben, und das bedarf der Disziplin, Konzentration, Geduld und Willensstärke.
Kleines Nachwort zum Thema Liebe
In den letzten vier Beiträgen wurde das Thema Liebe und die Kunst, sie zu erlernen, näher beleuchtet.
Ich bin der festen Überzeugung, wenn viele Menschen die Fähigkeit zu lieben entwickeln oder zumindest verbessern würden, hätten wir eine Welt mit wesentlich weniger Hass, Neid, Ausbeutung, Hunger und Krieg. Momentan scheint es jedoch so, dass böse Mächte sehr viele Menschen mit ihren dunklen Absichten erfassen. Überall auf der Welt haben sich Krisenherde aufgrund ethnischer, kultureller, ökonomischer, religiöser oder politischer Unterschiede gebildet, die von zerstörerischen Kräften angeheizt und am Leben erhalten werden.
Hass — das Gegenteil von Liebe — hat sehr viele Gesichter und wird von unheilbringenden Kräften in die Köpfe der Menschen verpflanzt. Mit Hass werden größtenteils Lügen, geschickt gemischt mit ein paar Fakten, in den Köpfen empfänglicher Personen festgesetzt, die in der Regel mit ihrer eigenen Situation unzufrieden und leicht zum Hassen zu verführen sind.
Wenn diverse Religionen ihren Hasspredigern nicht die rote Karte zeigen, werden irgendwann auch die friedliebenden Gläubigen dieser Religion von Andersgläubigen angefeindet werden.
Wenn spaltende und polarisierende Bewegungen fruchtbaren Boden in sozial schwachen Schichten vorfinden und ihnen diese Grundlage für ihre miesen Machenschaften nicht entzogen wird — indem mehr für benachteiligte Menschen am Rande einer Gesellschaft getan wird —, werden diese Brunnenvergifter immer mächtiger werden und weiteres Unheil über die Menschheit bringen. Wenn Politiker spaltendes Gedankengut verbreiten oder gehässige Worte benutzen und versuchen, eine Gesellschaft zu polarisieren, kommt Unheil über die ganze Welt, wenn man ihnen nicht Einhalt gebietet.
Das Zauberwort heißt Liebe! Wenn sich die Menschen an das Gebot der Nächstenliebe halten würden, könnten solche diabolischen Strömungen gar nicht erst entstehen. Keiner soll sich „Christ“, „Jude“, „guter Moslem“ oder einfach nur „guter Mensch“ nennen, wenn er solche teuflischen Strömungen unterstützt. Wie kann jemand, der Gräueltaten wie den Kindermord in Gaza toleriert, das Wort „Liebe“ oder „Gott“ auch nur in den Mund nehmen? Wie kann jemand, der Fremde auf übelste Weise beschimpft, bedroht oder noch Schrecklicheres tut, sich anmaßen, das Wort Liebe im Zusammenhang mit seinen Kindern oder seinem Partner zu benutzen? Solche Leute können nicht lieben; deswegen sollten sie es lernen und ihren Hass in Liebe verwandeln.
Der Kapitalismus, der die Gier des Menschen als Motor benutzt, ist für das Gebot der Nächstenliebe nicht gerade förderlich. Der Sozialismus oder Kommunismus wäre zweifelsohne für die Entfaltung der Nächstenliebe besser geeignet, ist aber, wie die Vergangenheit zeigte, schwer praktizierbar, da das eigene Hemd doch am nächsten zu sein scheint.
Also gilt es, in einer machbaren und menschengerechten Form des Zusammenlebens Nächstenliebe zu praktizieren, wenn wir als Menschheit unter erträglichen gesellschaftlichen Bedingungen existieren wollen.
Das Praktizieren von Nächstenliebe beispielsweise Flüchtlingen gegenüber heißt nicht, eine wesentliche Verschlechterung der Situation des einzelnen Bürgers in Kauf zu nehmen. Politik, Religion und Wirtschaft sind aufgefordert, dafür zu sorgen, solche Umstände nicht eintreten zu lassen. Wenn beispielsweise nur ein Bruchteil der Gelder von Steuerflüchtlingen aufgefangen werden könnte, wäre Hilfe für Flüchtlinge ohne Verschlechterung der Lebenssituation der Einheimischen problemlos möglich.
Politische Kräfte, die ihre Nation und deren Verfassung mit Worten wie „Unsere Demokratie“ angeblich verteidigen, sollten sich wieder an den wichtigsten Paragrafen in ihrer Verfassung erinnern: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Anstatt andere zu verteufeln, sollten solche Fehlgeleitete erneut damit beginnen, das christliche Gebot der Nächstenliebe zu verinnerlichen, zu üben und irgendwann auch im täglichen Umgang mit Menschen zu praktizieren.
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Tai Chi-praktizierende Frau
Bildquelle: Ulza / shutterstock
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Die Sanktionierung des Schweizer Militäranalysten Jacques Baud durch die EU, ein Schritt, den die deutsche Bundesregierung explizit unterstützte, hat dazu geführt, dass seine Bücher mitten im Weihnachtsgeschäft von seinem deutschen Verlag aus dem Handel genommen wurden, aus Sorge, gegen das sogenannte Bereitstellungsverbot zu verstoßen. Jenes „Bereitstellungsverbot“ bedeutet, dass von der EU sanktionierten Personen keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugutekommen dürfen. Ebenso hatten zahlreiche deutsche Medien nach der Sanktionierung sämtliche Videos und Interviews mit ihm präventiv entfernt. Die NachDenkSeiten wollten vor diesem Hintergrund von der Bundesregierung wissen, ob sich Verlage und Medien tatsächlich mit der Veröffentlichung von Büchern und Interviews Bauds strafbar machen. Von Florian Warweg.
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Hintergrund
Die Bundesregierung hatte am 15. Dezember im Rat der Europäischen Union zugestimmt, den Schweizer Militäranalysten und mehrmaligen Sachbuchbestsellerautor in Deutschland, Jacques Baud, auf die EU-Sanktionsliste zu setzen: Für den in Brüssel lebenden Analysten gilt seitdem ein umfassendes Einreiseverbot sowie Blockierung aller Konten und Finanztransfers im gesamten EU-Raum. Das heißt, er kann Belgien nicht verlassen und weder Zahlungen leisten noch erhalten: Keine Miete oder Versicherungen zahlen, keine Einkäufe tätigen. Ebenso ist jede Art von wirtschaftlicher Tätigkeit innerhalb der EU untersagt. Das betrifft im konkreten Fall auch die Einkünfte aus den Verkäufen seiner Bücher, darunter mehrere Bestseller.
Als einzige Begründung für diesen massiven Grundrechtseingriff wird ohne weitere Belege angeführt, er sei „regelmäßig Gast in prorussischen Fernseh- und Radioprogrammen“ und verbreite Theorien zur Entstehung des Ukrainekriegs, die die EU nicht teile:
Das Schweizer Außenamt greift ein
Mittlerweile hat das Schweizer Außenministerium (Außendepartement), nachdem es zuvor einen Monat zu den Sanktionen gegen den eigenen Staatsbürger geschwiegen hat, gegenüber der NZZ offiziell bestätigt, dass man Ende letzter Woche bei der EU interveniert und „das Recht auf ein faires Verfahren“ sowie „Achtung der Meinungsäusserungsfreiheit“ eingefordert hat.
Mitte Dezember 2025 hatte das deutsche Auswärtige Amt auf Nachfrage der NachDenkSeiten in der BPK, ob die Bundesregierung der Sanktionierung von Baud bewusst zugestimmt hat, erklärt:
„Alle, die auf diesem Feld unterwegs sind, müssen damit rechnen, dass es auch ihnen passieren kann. (…) Das ist eine Entscheidung, die in Brüssel getroffen worden ist. Ich kann aber noch ein bisschen weitergehen und sagen: Ja, auch wir sind davon überzeugt. Deswegen war es eine einstimmige Entscheidung.“
Die EU-Sanktionierung und die innere Zensurschere bei Verlagen und Medienportalen
In Folge der Sanktionierung und der damit einhergehenden Rechtsunsicherheit hatte beispielsweise der Westend-Verlag, welcher in Deutschland die Bücher Bauds verlegt, auf Anraten seiner Anwälte sämtliche Bücher des Schweizer Analysten mitten im laufenden Weihnachtsgeschäft vom Markt genommen. Denn vom weiteren Buchverkauf hätte Baud wirtschaftlich profitiert und der Verlag folglich gegen das schon erwähnte „Bereitstellungsverbot“ verstoßen. Seit Anfang Januar bietet der Verlag die Bücher wieder an, muss aber sicherstellen, dass der entsprechende Anteil am Verkauf der Bücher nicht an Baud weitergeleitet wird. Was wiederum aus anderen Gründen den Verlag in rechtlich schwierige Fahrwasser bringt.
Ähnlich präventiv agierten auch viele Medien-Portale mit Artikeln und Interviews, in denen der Schweizer Analyst zu Wort kam. Um von vornherein in einer rechtlich unklaren Lage Probleme zu vermeiden, wurden Dutzende Artikel und Interviews von Baud zunächst offline gestellt. Auch die NachDenkSeiten griffen zunächst auf Anraten zu dieser Maßnahme. Mittlerweile haben die NDS die Interviews von Baud aber wieder online gestellt.
Die Antworten der verantwortlichen Ministerien auf die entsprechende Nachfrage der NachDenkSeiten zu den rechtlichen Konsequenzen in Bezug auf Buchverkauf und Veröffentlichung von Aussagen Bauds zeigen aber nachdrücklich auf, dass auch die Bundesregierung höchstselbst nicht weiß, wie sich die rechtliche Lage des von ihr mitsanktionierten Militäranalysten für Verlage und Medienhäuser darstellt:
„Das kann ich nicht kommentieren. Darüber liegen mir keinerlei Erkenntnisse vor.“
„Wir sind keine Strafverfolgungsbehörde, und die Frage, ob irgendetwas strafrechtlich relevant ist, ist eine Frage, die die Strafverfolgungsbehörden beantworten müssten. Insofern kann ich mich jetzt dazu nicht näher einlassen.“
„Ich glaube nicht, dass da irgendein Verfahren anhängig ist. Im Übrigen, glaube ich, ist zur Sanktionsdurchsetzung jedenfalls nicht das Auswärtige Amt berufen. Insofern habe ich Ihnen das, was ich Ihnen dazu sagen kann, gesagt.“
Auch die Sanktionierung deutscher Journalisten wird weiter vorangetrieben
Zuvor hatte die EU im 19. Sanktionspaket auf Initiative Deutschlands drei deutsche Journalisten und Staatsbürger vollumfänglich sanktioniert. Hüseyin Doğru, Alina Lipp und Thomas Röper. (Die NachDenkSeiten hatten umfänglich z.B. hier, hier und hier darüber berichtet und es auf der BPK thematisiert.)
Wie hanebüchen auch in diesen Fällen die „Begründung“ für die Sanktionierung ausfiel, haben wir unter anderem in dem Artikel „EU und Bundesregierung sanktionieren deutschen Journalisten wegen kritischen Tweets zu Kanzler Merz“ dargelegt.
Im Falle des in Berlin lebenden deutschen Staatsbürgers, Journalisten und Vater von drei Kindern wurde die Daumenschrauben Anfang Januar noch stärker angezogen und ihm wurde die letzte Möglichkeit genommen, noch Lebensmittel zu kaufen.
Doğru war bereits im Mai 2025 von der EU mit der Begründung sanktioniert worden, seine Berichterstattung zu propalästinensischen Protesten in Deutschland würde angeblich „indirekt“ (!) „Handlungen der Regierung der Russischen Föderation“ unterstützen. Allerdings hatte er über die Bundesbank die „Sondererlaubnis“ – monatlich 506 Euro zum Erwerb von Lebensmitteln für sich und seine Familie, inklusive zwei neugeborene Zwillinge, abzuheben. Doch auch diese letzte Möglichkeit zum Erwerb von Lebensmitteln und anderen überlebenswichtigen Gütern wurde Anfang Januar 2026 laut seiner Aussage blockiert:
„DRINGEND: Derzeit habe ich KEINEN Zugang zu Geldmitteln. Aufgrund der EU-Sanktionen kann ich meine Familie, darunter zwei Neugeborene, nicht ernähren. Zuvor hatte ich Zugang zu 506 Euro, um zu überleben, doch auch diese Mittel sind nun gesperrt. Meine Bank hat sie blockiert. Die EU hat de facto auch meine Kinder mit Sanktionen belegt.“
URGENT: As of now, I have ZERO access to any money.
I can’t provide food for my family, incl. 2 newborns, due to EU sanctions.
Previously, I was granted access to €506 to survive which is now also inaccessible. My bank blocked it.
The EU de facto sanctioned my children too.… https://t.co/3KgV7W5Ypm
— Hüseyin Dogru (@hussedogru) January 8, 2026
Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 14. Januar 2026
Frage Warweg
Das Auswärtige Amt hatte letzten Monat hier in der BPK erklärt, dass die Bundesregierung der umfassenden Sanktionierung des Schweizer Militäranalysten Jacques Baud durch die EU sehr bewusst zugestimmt hat. Jetzt hat diese Sanktionierung in direkter Konsequenz dazu geführt, dass die Bücher von Jacques Baud mitten im Weihnachtsgeschäft von seinem deutschen Verlag aus dem Handel genommen wurden, aus Sorge, gegen das sogenannte Bereitstellungsverbot zu verstoßen, welches bedeutet, dass von der EU sanktionierten Personen keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugutekommen, auch nicht aus Buchverkäufen. Da sich die Bundesregierung ja sicherlich mit den Auswirkungen ihrer Zustimmung zu der Sanktionierung befasst hat, würde mich die Einschätzung des Wirtschaftsministeriums interessieren. Machen sich deutsche Verlage tatsächlich mit dem Verkauf von Büchern von Jacques Baud im Sinne Übertretung des Bereitstellungsverbots strafbar?
Ungrad (BMWE)
Dass kann ich nicht kommentieren. Darüber liegen mir keinerlei Erkenntnisse vor.
Zusatzfrage Warweg
Neben den erwähnten Reaktionen diverser Verlage in der EU haben auch zahlreiche deutsche Medien, um präventiv Problemen aus dem Weg zu gehen, sämtliche Videos von Jacques Baud nach dessen EU-Sanktionierung entfernt. Wie ist denn laut Bundesregierung die rechtliche Lage für Medien, die Interviews von Jacques Baud nach wie vor online halten? Droht da auch Strafverfolgung? Wer fühlt sich zuständig?
Vorsitzende Wefers
Vielleicht die Strafverfolgungsbehörde, würde ich jetzt einmal vermuten.
Kirschner (BMJV)
Die sitzt nicht hier. Wir sind keine Strafverfolgungsbehörde, und die Frage, ob irgendetwas strafrechtlich relevant ist, ist eine Frage, die die Strafverfolgungsbehörden beantworten müssten. Insofern kann ich mich jetzt dazu nicht näher einlassen.
Frage Dr. Rinke (Reuters)
Dann würde ich zumindest das Auswärtige Amt fragen, ob Sie jetzt im Nachhinein finden, dass die EU und vielleicht auch die Bundesregierung mit diesem Sanktionsschritt etwas über das Ziel hinausgeschossen sind.
Giese (AA)
Wir haben das hier ja schon mehrfach besprochen. Wie Sie der Sanktionierung entnehmen können, hat die Bundesregierung ihr auch zugestimmt. Alle Menschen, die sanktioniert werden, finden eine Begründung dieser Sanktionierung in der Sanktionsbegründung. Die kann man online einsehen. Jeder, der sich zu Unrecht sanktioniert fühlt, kann dagegen rechtliche Schritte einleiten. Das ist auch in diesem Fall der Fall, soweit ich weiß.
Frage Warweg
Herr Giese, das erzählen Sie ja immer.
Giese (AA)
Das ist auch so.
Zusatz Warweg
Aber die Grundrechtecharta greift ja erst, nachdem der Schaden eingetreten ist, und damit wird ja eigentlich das klassische rechtsstaatliche Prinzip, hinter dem das Auswärtige Amt, denke ich, sonst auch steht, dass nicht der Staat die Schuld beweisen muss, sondern der Betroffene seine Unschuld – – – Da sind wir ja jetzt angelangt. Das kann ja auch nicht im Interesse des Auswärtigen Amtes sein.
Giese (AA)
Ich glaube, wir haben uns hier schon wirklich sehr, sehr häufig über dieses Thema ausgetauscht. Ich glaube, wir werden da nicht auf einen grünen Zweig kommen. Ich habe die Meinung der Bundesregierung hier vertreten, die wir auch in Brüssel bei den Abstimmungen klargemacht haben, und dabei bleibt es.
Zusatzfrage Warweg
Aber ich hätte noch eine Verständnisfrage, Herr Giese. Ich habe jetzt zwei Fälle aufgezählt, in denen deutsche Unternehmen, Verlage, deutsche Medien in der völligen rechtlichen Unsicherheit gelandet sind, wie sie damit umgehen, sozusagen infolge dieser Sanktionierung, der die Bundesregierung sehr bewusst zugestimmt hat. Jetzt war bisher niemand in der Lage, mir zu sagen, wie sich diese rechtliche Lage dann darstellt. Kann ich davon ausgehen oder sehe ich es richtig, dass die Bundesregierung da zugestimmt hat, ohne in irgendeiner Form zu antizipieren, was das für direkte Auswirkungen hat, etwa auf deutsche Verlage, die im Fall von Jacques Baud dessen Bücher hier in Deutschland – mehrere Bestseller darunter – verlegen?
Giese (AA)
Die Rechtsfolgen sind ebenfalls in dieser Sanktionierung enthalten. In der zugrunde liegenden EU-Regulierung kann man die Rechtsfolgen einsehen. In Deutschland wird das über verschiedene Stellen abgewickelt und überwacht. Sie haben gerade gehört, was es mit der strafrechtlichen Verfolgung auf sich hat. Ich glaube nicht, dass da irgendein Verfahren anhängig ist. Im Übrigen, glaube ich, ist zur Sanktionsdurchsetzung jedenfalls nicht das Auswärtige Amt berufen. Insofern habe ich Ihnen das, was ich Ihnen dazu sagen kann, gesagt.
Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 14.01.2026
Bundesregierung begrüßt EU-Sanktionierung des Schweizer Militäranalysten Jacques Baud
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Ein Meinungsbeitrag von Lars Ebert.
Die Menschen im Widerstand vereint das Ziel, sich gegen Machtkonzentration zu wehren und diese Welt möglichst zu einem besseren Ort zu machen. Oft wird dabei aber nicht an einem Strick gezogen. Hier geht es um ein lehrreiches Beispiel, wie Streit Kooperation verhindert – und wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte.
Bei dem Beispiel handelt es sich um eine bemerkenswerte Diskussion auf apolut: „Livestream: Bühne, Waffe, Fassade – Wie Migration zur Projektionsfläche wird“. Es ist ein Streitgespräch zwischen Paul Brandenburg, B-Lash, Tariq Hübsch und Kayvan Soufi-Siavash – Jens Lehrich moderiert. https://apolut.net/livestream-buhne-waffe-fassade-wie-migration-zur-projektionsflache-wird-aufzeichnung-vom-07-08-2025/
Es geht hauptsächlich um die Frage, wie der Kriminalität auf deutschen Straßen begegnet werden kann. Und ob der Islam oder arabisch-türkische Migranten aus Deutschland entfernt werden sollten.
Der Mut von apolut, dieses heiße Eisen mit aller Gegensätzlichkeit anzufassen, verdient zunächst Respekt. Aber ehrlich gesagt war ich über die Heftigkeit des Streits und dem Fehlen einer guten Streitkultur – zuhören, ausreden lassen, der Moderation folgen – sehr erschrocken. Es gab minutenlange Phasen, in denen drei Sprecher durcheinander geredet haben.
Jeder hat seinen Standpunkt vehement verteidigt – fast als ginge es um sein Leben – und am Schluss hatten alle Beteiligten auf Nachfrage die gleichen Überzeugungen wie zu Beginn der fast zweistündigen Diskussion. Soweit meine – subjektive – Wahrnehmung.
Nun meine Gedanken dazu: Alle Beteiligten sind sehr intelligente, gebildete, kritische, redegewandte und engagierte Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit diese Erde zu einem besseren, menschlicheren Ort machen wollen, und für ihren Einsatz bin ich sehr dankbar. Aber einen wesentlichen Aspekt des Menschseins haben sie nicht oder nur sehr rudimentär gezeigt: Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Ich hätte mich sehr über persönliche Worte gefreut. Zum Beispiel: „Ich habe eine fast erwachsene Tochter und habe Angst um ihre Sicherheit.“
Es drehte sich in der ganzen Diskussion um ein „Außen“: Die Migranten, der Islam, die Politiker, die Öffentlichkeit, die Medien, der Diskussionspartner etc. Und die Probleme – die wohl kaum jemand bestreitet – sollten im „Außen“ gelöst werden. Natürlich müssten wir in Deutschland und weltweit dringend einige Rahmenbedingungen ändern, vor allem zur Vermeidung von Machtkonzentration.
Hier geht es mir aber um die Frage, wie man menschliche Konflikte lösen kann. Und das nicht nur aus Harmoniesucht, sondern weil Zusammenhalt unabdingbar für den Widerstand ist – und für eine positive Gestaltung der Zukunft. In dieser Diskussion auf apolut ist die Konfliktlösung offenbar nicht gelungen.
Es gibt aber viele gute Ansätze, zum Beispiel die „Gewaltfreie Kommunikation (GFK)“. Der Name ist unglücklich, es müsste eigentlich „Bedürfnisorientierte Kommunikation“ oder ähnlich heißen. Jeder Mensch auf der Welt kennt beispielsweise die Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbstbestimmung oder Wertschätzung. Unsere Bedürfnisse sind universell. Deshalb fördert es das Verständnis, wenn ich sie offenlege. Wenn ich sage: „Ich habe das Bedürfnis nach Sicherheit“, wird das niemand bestreiten. Im Idealfall wird dann mit einem anderen Bedürfnis geantwortet, etwa: „Ich habe das Bedürfnis nach Gerechtigkeit“. Beide Bedürfnisse sind berechtigt.
Manchmal sind mir selbst meine Bedürfnisse nicht klar. Dann helfen mir meine Gefühle. Ein Gefühl von Angst etwa deutet auf das Bedürfnis nach Sicherheit hin. Deshalb habe ich zu Beginn auf die Wichtigkeit von Gefühlen und Bedürfnissen hingewiesen.
Erst in dieser Phase der Diskussion, wenn die Diskussionsteilnehmer Verständnis für einander haben, macht es Sinn, über Lösungsstrategien nachzudenken. Bei der apolut-Diskussion wurde aber direkt mit den Lösungsstrategien begonnen, ohne vorher über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Es wurde wiederholt auf „die Realität“ oder „die Fakten“ verwiesen. Das war für mich der Hauptgrund für ausbleibendes Verständnis oder eine Versöhnung untereinander.
Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist nicht, noch schlauer oder redegewandter zu werden. Oder noch bessere Argumente und Zahlen für den eigenen Standpunkt zu haben. Oder noch mehr Menschen zu überzeugen, noch mehr Follower zu generieren, noch „besser“ oder attraktiver oder erfolgreicher zu werden.
Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist die Fähigkeit und der tief empfundene Wunsch nach Verbindung. Nach liebender Verbindung. Wir alle kennen dieses Gefühl der Verbundenheit aus dem Mutterleib. Bewusst oder unbewusst suchen die meisten Menschen danach. Unterstützen wir uns doch gegenseitig dabei!
Anhang für psychologisch Interessierte: Warum es uns so schwerfällt, über unsere Gefühle zu sprechen
Ein Gefühl der Verbundenheit fängt mit der Beziehung zu meinem eigenen Körper, meinen Sinneseindrücken, meinen Gefühlen und meinen Bedürfnissen an. Diese Beziehung zu mir selbst ist die Vorbedingung einer guten Beziehung zu anderen Wesen.
Bei der Entwicklung dieser Beziehung zu mir selbst (und zu meinen ersten Beziehungspersonen) gab es bei fast allen von uns schon in der Kindheit Störungen. Unverständnis, Ablehnung, Strafe. Die Eltern oder andere Bezugspersonen können oft mit heftigen Gefühlen von Kindern nicht gut umgehen. Sie haben es nicht gelernt und sind überfordert.
Das Ziel ist nun nicht, sich sein Leben lang mit diesen Störungen zu beschäftigen. Aber eine Einsicht in die Zusammenhänge sind unumgänglich. Vor allem die Einsicht, dass ich als Kind hilflos und unschuldig war – nun aber nicht mehr hilflos bin. Wie viel Leid kam in diese Welt, weil Menschen sich in ihrer Kindheit geschworen haben, nie mehr Opfer zu sein – sondern lieber Täter.
Wenn ich meinen Körper, meine Gefühle und Bedürfnisse bewusst spüre und ernst nehme, kann ich vielleicht im nächsten Schritt diese Gefühle und Bedürfnisse äußern. Der Riesenvorteil ist: Alle Menschen auf diesem Planeten verstehen diese Sprache. Wenn ich mich unsicher fühle, wenn ich Angst habe, und das äußern kann, versteht das mein Gegenüber.
Das ist das Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation: Öffne dich und sprich über deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Wenn dann dein Gegenüber auch über seine Gefühle und Bedürfnisse sprechen kann, ist der Konflikt meist schon geklärt. Der letzte Schritt – die Strategie, die konkrete Lösung – ist dann in der Regel kein Problem mehr.
Ich wünsche uns allen die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse anzunehmen – und im nächsten Schritt zu äußern. Wenn ich mir wirklich mehr Lebenszufriedenheit wünsche, und dazu beitragen möchte, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen, reicht es deshalb nicht, immer mehr Wissen über Fakten und Probleme anzuhäufen (mRNA-Injektionen, Krieg, Migration, etc.).
Ich sollte mich auch mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen und Schattenseiten auseinandersetzen. Zum Glück gibt es in diesem Bereich viele großartige Gedanken von – zum Beispiel – Marshall B. Rosenberg, Hans Joachim Maaz, Christian Schubert, Bastian Barucker, Kerstin Chavent und vielen anderen.
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Lars Ebert ist Diplom-(Bio)Physiker mit langjähriger Berufserfahrung in Forschung, Medizin und IT. Er ist Fachbuchautor, Wissenschaftsjournalist (bei verschiedenen Alternativmedien), Dozent, Projektleiter und Gründer der Vernetzungsplattform Yunite.org. Er bietet unabhängige, wissenschaftliche Gesundheitsrecherchen an und betreibt einen Telegram-Kanal zu diesem Thema.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bildquelle: AYO Production / shutterstock
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