Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.
Liebe wird im Buddhismus und im Hinduismus als eine bedingungslose und uneigennützige Haltung allen Wesen gegenüber verstanden. Erich Fromm spricht von einer allumfassenden Liebe. Sie ist eine Einstellung, eine Grundhaltung, die sich eben nicht nur auf eine Person bezieht. Alle folgenden Formen bzw. Objekte der Liebe bringen diese Haltung mehr oder weniger zum Ausdruck.
Die folgenden Aussagen können selbstverständlich – wie alles in dieser Welt – nicht verallgemeinert werden, treffen in meinen Augen aber auf sehr viele Verhältnisse und Beziehungen in der beschriebenen oder auf ähnliche Weise zu.
Nächstenliebe
Im Neuen Testament bedeutet „Agape“ die uneigennützige Liebe zu jedem Menschen.
Der bekannte Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ stammt ursprünglich aus dem Alten Testament, aus dem Hebräischen Tanach – die Heilige Schrift des Judentums – und ist demnach ein jüdisches Gebot, das später von Jesus mehrfach zitiert wurde.
Im Neuen Testament findet es sich unter anderem bei Markus 12,31, Matthäus 22,39 und Lukas 10,27. Jesus stellt die Nächstenliebe auf eine Stufe mit dem Gebot, Gott zu lieben. Jesus geht sogar noch weiter und sagt in der Bergpredigt:
„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ (Matthäus 5,44)
Diese radikale Sichtweise verlangt von gläubigen Menschen viel ab. Viele verstehen „Liebe deine Feinde“ fälschlicherweise im Sinne von „habe warme Gefühle für sie“, „lass dir alles gefallen“, „verzeihe sofort“ oder „tu so, als wäre nichts passiert“.
Das meint Jesus in meinen Augen jedoch nicht. Feindesliebe heißt nicht, Missbrauch zu tolerieren, Grenzen aufzugeben, sich selbst aufzuopfern oder Unrecht gutzuheißen. Jesus fordert mit der Feindesliebe meines Erachtens keine Gefühle, sondern eine innere Haltung, die auf Vergeltung und auf Entmenschlichung verzichtet, und anerkennt, dass auch der Feind ein Mensch mit Verletzungen und Verblendungen ist. Der Feind ist ebenfalls ein Gefangener seiner Muster, was ihn zwar nicht unschuldig, aber verständlicher macht. Wenn Jesus uns auffordert für den Feind zu beten, dann heißt das nicht, seine Taten gutzuheißen, sondern dass seine Verblendung enden, seine Gewalt neutralisiert und er menschlicher werden möge.
Man stimmt den Taten des Feindes deswegen innerlich nicht zu, aber man lässt sich nicht von Hass beherrschen und schützt damit die eigene Seele vor Zerstörung. Hass schadet vornehmlich dem, der ihn trägt. Dem Feind zu vergeben, bedeutet insofern auch, die Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. Deshalb sollte man nicht an Feindbildern festhalten, die eigene Würde nicht vom Verhalten des Feindes abhängig machen und sich somit emotional befreien, und nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.
Diese Haltung haben viele Damen und Herren in Brüssel, Paris, London, Warschau und Berlin verloren. Sie verhalten sich in ihrer Dämonisierung Putins und Russlands unchristlich, und reißen aus eigenem Unvermögen möglicherweise Millionen von Menschen in den Abgrund. Man sollte ihnen Einhalt gebieten, und die Scheinheiligen an die Worte Jesu aus der Bergpredigt erinnern. Anstatt die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, und beispielsweise die Friedensbemühungen von den USA und Donald Trump zu unterstützen, gießen sie immer wieder neues Öl aufs Feuer. Viele europäische „Spitzenpolitiker“ sind eine Gefahr und eine Schande für ihre Nationen. Auch diese unheilbringenden Leute im oben beschriebenen Sinne zu lieben, wie Jesus es fordert, fällt mir wahrlich schwer. Ich werde es dennoch versuchen, um nicht ihre Logik des Bösen zu übernehmen.
Der Begriff Nächstenliebe kann auch im Sinne helfenden Handelns für andere Menschen gedeutet werden. Im Vordergrund steht uneigennütziges Handeln und weniger die Sympathie für einen Menschen. Nächstenliebe zeigt sich beispielsweise, wenn man einem – auch „wildfremden“ – Menschen, also seinem „Nächsten“ in einer konkreten Notlage hilft.
„Die fundamentalste Art von Liebe, die allen anderen Formen zugrunde liegt, ist die Nächstenliebe. Damit meine ich ein Gespür für Verantwortlichkeit, Fürsorge, Achtung und 'Erkenntnis', das jedem anderen Wesen gilt, sowie den Wunsch, dessen Leben zu fördern. (...) Nächstenliebe ist Liebe zwischen Gleichen.“ (Erich Fromm)
Nächstenliebe bezieht sich nicht auf eine konkrete Person, sondern auf alle Menschen, ungeachtet äußerer Umstände wie z.B. soziale Schicht usw. Nächstenliebe ist einerseits eine fundamentale und gleichzeitig eine sehr hochstehende Form der Liebe, zu der nicht jeder fähig ist. Sein eigenes Kind zu lieben ist nicht schwer, aber andere zu lieben, die für uns keinen konkreten „Nutzen“ bringen, stellt eine Fähigkeit, eine Kunst dar. Auch seinen „Feinden“ zu helfen – wie beispielsweise Abraham Lincoln es gegenüber seinen Wahlkampfgegnern nach gewonnener Wahl tat – ist wohl eine Fähigkeit, die nur sehr hoch entwickelte Menschen ihr Eigen nennen können.
Fromm meint mit Nächstenliebe eine universale, nicht-exklusive Liebe, eine Haltung des Wohlwollens gegenüber jedem Menschen, und sieht sie als Grundlage für jede reife Beziehung und als Fundament für alle anderen Formen der Liebe.
Alle Formen der Liebe oder auch eine Freundschaft können nicht reifen, wenn sie nicht in einer universellen Menschenliebe verwurzelt sind. Wenn Liebe selektiv und exklusiv auf bestimmte Subjekte oder Objekte gerichtet bleibt, wenn keine menschenfreundliche Grundhaltung vorhanden ist, kann keine reife Liebe entstehen.
Mutterliebe
Eine Mutter liebt ihr Kind, weil es einfach da ist. Diese Liebe ist oftmals bedingungslos, d.h. sie liebt ihr Kind ohne Wenn und Aber. Das Kind wird geliebt und fühlt sich von der Mutter geliebt, weil es existiert. Eine Mutter bejaht bedingungslos das Leben und die Bedürfnisse ihres Kindes. Es ist eine Liebe zu Hilflosen. Echte Mutterliebe zeigt sich eben auch darin, dass eine Mutter durch die Liebe zu ihrem Kind auch alle anderen Kinder liebt, ihr eben eine Liebe zu diesen hilflosen Geschöpfen innewohnt, die der Unterstützung der Mutter bedürfen, um zu überleben, um das wunderbare Gefühl zu haben, „es ist gut, dass ich geboren wurde“, und „das Leben ist schön“.
John Bowlby, der Vater der Bindungstheorie, beschreibt Mutterliebe als eine biologisch verankerte Bindung, die eine fundamentale Voraussetzung für die seelische Gesundheit des Kindes schafft. Die Mutter ist eine „verlässlich präsente“ Bezugsperson, die Urvertrauen, emotionale Stabilität und die Fähigkeit des Kindes zu späterer Intimität erzeugt.
Viktor Frankl ist der Ansicht, dass Mutterliebe eine „wertverwirklichende Liebe“ sei, die dem Leben des Kindes Sinn gibt, aber auch der Mutter selbst Sinn schenkt, dass Mutterliebe nicht an Bedingungen geknüpft ist und auch bei starkem Leid bestehen bleiben kann.
Für Rainer-Maria Rilke ist mütterliche Liebe ein Akt tiefer, stiller Hingabe, die „trägt“ ohne zu fordern. Leo Tolstoi betont die unerschütterliche, moralische Kraft der Mutter, für Albert Camus steht sie für die menschliche Grundform von Güte – oft im Kontrast zur absurden Welt, und Hermann Hesse meint, Mutterliebe gibt Identität „von innen“ und wird so zu einer spirituellen Wurzel des Menschen.
Schwierigkeiten haben manche Mütter, wenn es um den notwendigen Abnabelungsprozess ihrer Kinder geht. Anstatt das Kind dabei zu unterstützen sich freizuschwimmen, versuchen einige Mütter, es noch stärker an sich zu binden. Sie lassen ihre Kinder nicht los und verhindern bewusst oder unbewusst die Entwicklung ihres Sprösslings zu einem erwachsenen Menschen. Ihnen fällt es schwer, ihr Kind ziehen zu lassen, das sie ein Leben lang umsorgt und verwöhnt haben. Da kommt Angst und Verzweiflung auf, und die eine oder andere Mutter fühlt sich zu nichts oder zu wenig mehr nutze. Was machen mit dem Restleben?
„Ach, da halte ich doch das Kind noch so lange wie möglich im Haus, und wenn es sich wirklich eine eigene Wohnung nimmt und vielleicht mit einem Partner – Gott bewahre – zusammenzieht, dann komme ich dreimal pro Woche zum Aufräumen und Putzen, und bringe ihm sein Lieblingsessen mit. Und zwei-, dreimal pro Woche kann er ja auch nach Hause kommen und bei Bedarf auch in seinem Zimmerchen schlafen, mein erst 30-jähriger Bub! Was soll nur werden aus ihm?“ Ja, was soll nur werden aus ihm?! Da wird doch oft die Sorge um das Kind vorgeschoben, das ja angeblich ohne Mama kaum kann. Meistens wird jedoch nur die eigene Trennungsangst und der damit verbundene Trennungsschmerz durch oben beschriebene Verhaltensweise kaschiert.
Ich will diese Verhaltensweise einiger Mütter auch gar nicht herabwürdigen, zumal manche Mütter vor lauter Kummer und Schmerz und nachlassendem Selbstwertgefühl ernsthaft erkranken.
Viele Partner, insbesondere Frauen beklagen sich meist zu Recht über "Muttersöhnchen", da sie die Ängste der „Schwiegermütter“ – z.B. nicht mehr gebraucht zu werden – und deren teilweise vorhandenen Egoismus ausbaden dürfen.
Reife Menschen unterstützen das Kind bei seinem Bedürfnis auf eigenen Beinen zu stehen. Also liebe Mütter, wenn Ihr Eure Kinder wirklich liebt, solltet Ihr sie loslassen, oder noch besser, den Abnabelungsprozess der Kinder fördern. „Was man liebt, soll man nicht halten“ hat schon Napoleon gewusst.
Vaterliebe
Im Buddhismus wird der Vater oft als Symbol für weise Führung, Belehrung, und moralische Leitung gesehen. Nach John Bowlby ist der Vater oftmals die Brücke zur Außenwelt und spielt eine Schlüsselrolle bei dem Erkundungsverhalten, der Risikobereitschaft und dem Problemlösen des Kindes.
Vaterliebe läuft anders ab als die Mutterliebe, da sie an Bedingungen geknüpft ist. Das trifft natürlich nicht auf alle Väter zu, aber auf viele. Da das Kind um diese Bedingungen weiß, versucht es sich richtig im Sinne des Vaters zu verhalten, um so seine Anerkennung zu ergattern und sich geliebt zu fühlen. Vaterliebe ist demnach nicht selbstverständlich, sondern bedingt. Vaterliebe vermittelt Normen, Werte, Orientierung und fordert das Kind auf verantwortungsbewusst zu handeln sowie sich moralisch zu entwickeln. Vaterliebe vermittelt dem Kind Wissen, um die Welt zu verstehen. Gute Väter sind gerecht, fördernd aber auch fordernd, und ermutigen ihr Kind, sich zu entwickeln. Sie helfen dem Kind auf dem Weg von ihrer Abhängigkeit durch Verantwortungsübernahme in die Freiheit. Sie wollen, dass etwas aus ihren Kindern „wird“.
Viele Väter bauen eine starke Erwartungshaltung bei ihren Kindern auf, und hoffen, ihre Kinder mögen in ihre Fußstapfen treten. Kein Kind kann in die Fußstapfen seines Vaters treten, weil es keine zwei Personen auf der Welt gibt, die gleich gestrickt sind. Das Kind kann aber sehr wohl größere Spuren hinterlassen als sein Vater. Wie auch immer: fehlt die Anerkennung durch den Vater, fühlt sich das Kind meist auch nicht geliebt von ihm.
Der Vater sollte auch Vorbild für das Kind sein, und ihm eine „Richtung“ für sein Leben zeigen, damit es Verantwortung für sein Leben übernehmen kann. Gerade für Jungen ist das Vorbild des Vaters von herausragender Bedeutung. Ein Vater, der in der Familie Verantwortung übernommen, und wichtige Entscheidungen getroffen hat, oder zumindest daran beteiligt war, hat einen großen Einfluss auf die späteren Verhaltensweisen seines Sohnes.
Väter sehen viele Sachverhalte oftmals lockerer als Frauen und gehen sie auch mutiger an, und sind nicht immer so „überbesorgt“. War der Vater jedoch körperlich nicht anwesend oder emotional nicht erreichbar, und gab es auch keine anderen nennenswerten männlichen Vorbilder, fällt es später einem Jungen natürlich schwer, sich wie ein erwachsener Mann zu verhalten, weil ihm einfach die Muster hierfür fehlen. Die Bindung zur Mutter wird dann sehr stark, was oftmals mit einer größeren Unselbständigkeit des Nachkommen einhergeht, da ja Mama das Kind beschützt und alles fürs Kindchen macht. Und das Ergebnis sind dann oftmals die im Abschnitt „Mutterliebe“ beschriebenen Muttersöhnchen.
Während die Mutter fürsorglich über das Kind wacht – und es gelegentlich auch übertreibt –, ist es die Aufgabe des Vaters, es an die Hand zu nehmen und in die Welt der Erwachsenen zu überführen, damit es imstande ist, eigenständig zu leben. Mutterliebe schenkt Geborgenheit, Vaterliebe Orientierung.
„Schau mal Papa, was ich kann!“ Das Kind fischt mit solchen Aussagen nach Anerkennung, nach Liebe. In solchen Situationen sollten Eltern ihrem Kind Erfolgserlebnisse verschaffen. Wenn Eltern es an der notwendigen Anerkennung fehlen lassen, werden die Erwachsengewordenen ihren Kindern wahrscheinlich ebenfalls zu wenig Anerkennung und Liebe zukommen lassen.
Manche Jungs riskieren Kopf und Kragen, um von ihren Vätern ein wenig Anerkennung und Liebe zu erheischen. Gewährt ein Vater seinem Kind Anerkennung und Zuneigung, wird es auch weiterhin sein Bestes geben, um sich diese Anerkennung und Liebe zu verdienen.
Abschließend lässt sich sagen: Die Vaterfigur ermöglicht dem Kind, Mut, soziale Verantwortung und Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Ein hilfreicher und guter Vater fördert die Kooperation mit dem Kind, und stellt seine Autorität nicht in den Vordergrund.
Die väterliche Rolle wird oft verbunden mit Echtheit, Klarheit, Verlässlichkeit und der Förderung von Selbstverantwortung. Aber, auch wenn gute Väter eine eher fordernde Haltung einnehmen, sind sie dennoch liebevoll orientiert.
Erotische Liebe
Bei dieser Form der Liebe geht es vorerst einmal nicht darum, die ganze Welt zu umarmen, sondern um den Wunsch sich mit einer Person – von Dreierbeziehungen und dergleichen einmal abgesehen – zu vereinigen. Aber selbst, wenn man sich nur mit einem Menschen vereinigen kann und will, liebt ein wahrhaft Liebender in der Vereinigung mit diesem einen Menschen die ganze Welt. Insofern ist erotische Liebe wesentlich mehr als nur sexuelle Begierde, da man versucht, die Abgetrenntheit von der Natur bzw. von Gott durch diese Vereinigung zu überwinden. Sex ist die Kraft, die alles entstehen lässt, und Liebe die Kraft, die alles zusammenhält.
Erotische Liebe umfasst laut Fromm Körper, Seele, Gefühl, Denken sowie eine spirituelle Dimension, und stellt somit eine vollständige Verbindung zweier Menschen dar. Sie bedeutet, den anderen Menschen in seinem innersten Wesen wahrzunehmen, was weit mehr als Verliebtheit beinhaltet, nämlich die Durchdringung der Persönlichkeit des anderen. Erotische Liebe ist freiwillig und besitzt einen aktiven Charakter. Sie setzt zwei autonome, reife Menschen voraus. Sie ist demnach Handlung, und nicht bloßer Hormonzustand.
Erotische Liebe ist nicht zu verwechseln mit dem „Egoismus zu zweit“, wenn beispielsweise zwei Verliebte nur sich lieben, und alles andere von ihrer Liebe ausschließen. Eine einsame Zweisamkeit! Auch der Wunsch, den anderen zu beherrschen oder in der einen oder anderen Form Besitz von ihm zu ergreifen, sollte nicht mit erotischer Liebe verwechselt werden.
Erotische Liebe ist nach Fromm ein Teil einer umfassenden Grundhaltung der Liebe, eben dieser zu entwickelnden Fähigkeit, auch in der Vereinigung mit dieser einzigen Person alles andere zu lieben.
Nach Platon ist erotische Liebe ein Antrieb zur Schönheit, der vom Körperlichen zum Seelischen aufsteigt. Ursprung der erotischen Liebe ist die Sehnsucht nach Ganzheit, wobei die Liebe zu einem schönen Körper nur die „erste Stufe“ darstellt. In einer zweiten Stufe erkennt man, dass Schönheit mehr als ein einzelner Körper ist – sie ist ein Prinzip. In der dritten Stufe beginnt der Aufstieg zum Geistigen. Man schätzt Tugend, Charakter, Bildung, und nicht nur äußere Schönheit. In der vierten Stufe entwickelt sich die Liebe zu schönen Gedanken, Wissenschaft und Kultur, und in der fünften Stufe wird die Liebe zur Schönheit selbst, welche die höchste Form darstellt, da sie nicht mehr von Menschen oder Dingen abhängig, und somit ein zeitloses, göttliches Prinzip ist.
Die sogenannte „platonische Liebe“ ist der geistige Teil dieses Aufstiegs (Stufen drei bis fünf), also die höheren Stufen des Eros. Bei Platon ist Erotik der Motor, der die Seele zur vollkommenen, überkörperlichen Schönheit führt.
Selbstliebe
Viele meinen ja, es wäre egoistisch oder gar eine Sünde, sich selbst zu lieben. Ein ziemlicher Schmarrn, würde ich einmal sagen! Selbstliebe sollte nicht mit Egoismus bzw. Selbstsucht verwechselt werden. Nur jemand, der sich selbst liebt, schafft damit die Voraussetzung, auch andere wirklich lieben zu können. Ein Mensch, der sich aufopfert für andere, und kaum an sich selbst denkt, kann auch nicht gut rüberkommen, da die anderen ja merken, wie unwohl er sich dabei fühlt.
Kinder, Lebenspartner und sonstiges Umfeld des unzufriedenen Aufopfernden entwickeln möglicherweise Schuldgefühle. Denken Sie nur an Mütter, die sich für ihre Kinder „krummlegen“. Was passiert da wohl im Kopf und im Herzen der Kinder? Die denken natürlich „Mama geht es so schlecht, weil wir da sind.“ Außerdem vermittelt eine so agierende Mutter ihren Kindern, das Leben sei hart und nicht schön, und das Leben einer Frau im besonderen Maße.
Und warum ist das wohl so? Weil sie von ihren Eltern – meist von ihren Müttern – möglicherweise gelernt haben, dass „es eben so ist“, und Frauen für andere da zu sein haben („sei gefällig“). Würde sich Muttern mehr um sich kümmern und mehr Zeit für sich nehmen, wäre sie ausgeglichener und psychisch und körperlich gesünder, was auch bei ihren Kindern und ihrem sonstigen Umfeld sehr positiv aufgenommen werden würde.
Klar, wer nur sich selbst sucht, hat auch die Fähigkeit zu lieben eingestellt. Aber, ist es nicht so, dass gerade der Selbstsüchtige einen Mangel an Selbstliebe zu verzeichnen hat, und deswegen ungesunde egoistische Züge aufweist? Gesunde egoistische und altruistische Handlungsweisen sollten sich im Gleichgewicht halten. Wie auch immer, Selbstliebe ist jedenfalls etwas völlig anderes als ungesunder Egoismus, als Selbstsucht. Menschen mit einem hohen narzisstischen Selbstwert sind psychisch instabil und abhängig von der Bewunderung anderer. Menschen mit einem hohen authentischen Selbstwert sind dagegen psychisch stabil und fähig zu einer reifen Liebe.
Für manche mögen obige Ausführungen jetzt ihr Weltbild in Frage stellen, da ja gerade christliche Lehren – das Gebot der Nächstenliebe – und die buddhistische Heilslehre vermitteln, das eigene Leben diene insbesondere dazu, andere zu unterstützen. Wenn in der Bibel steht „Geben ist seliger denn nehmen“ oder „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, dann heißt das jedoch nicht, den Nächsten mehr lieben zu sollen als sich selbst. Fangen Sie lieber beim „Selbst“ an, dann können Sie auch die Fähigkeit entwickeln, andere wirklich zu lieben, vielleicht sogar „wie sich selbst“.
Friedrich Nietzsche meinte, Selbstliebe ist die Voraussetzung der Selbstverwirklichung. Ohne Selbstachtung wird der Mensch „herdenhaft“. Die Liebe zu anderen hat nicht viel Wert, wenn man sich selbst verachtet.
Wie Erich Fromm vertrete auch ich die Auffassung, dass Liebe eine Grundhaltung, eine Einstellung gegenüber allen Objekten und Subjekten ist, und damit auch die eigene Person einschließt.
Abschließend lässt sich sagen: Selbstliebe ist kein Egoismus, sondern eine Grundbedingung jeder reifen Liebe.
Selbstliebe bedeutet, sich selbst als wertvolles Wesen anzuerkennen, für das man Verantwortung trägt. Die Liebe zu sich selbst ist wie die Nächstenliebe Grundlage für jede andere Form der Liebe.
Man kann nur geben, was man besitzt. Erkenne und schätze ich meinen Selbstwert, gelingt es mir auch besser, andere wertzuschätzen. Sorge ich in angemessener Weise um mich selbst, kann ich auch für andere besser sorgen. Verstehe ich mich selbst besser, bringe ich auch mehr Verständnis für andere auf.
Reife Selbstliebe ist nicht Selbstsucht, die versucht ein inneres Vakuum zu füllen. Selbstliebe ist auch nicht Egoismus. Ganz im Gegenteil, Egoismus entsteht aus Mangel an Selbstliebe. Selbstliebe ist ein „aktives Tun“ und umfasst die Fürsorge für das eigene Leben, die Verantwortung für eigene Entscheidungen, den Respekt vor der eigenen Würde und das Wissen um die eigene Natur. Ein weit entwickelter Mensch liebt sich selbst in dem Maße, dass er fähig ist, das Gute für die Gemeinschaft zu tun.
Liebe zu Gott
Für Fromm ist Gott nicht primär ein äußeres Wesen, sondern ein Symbol für menschliche Ganzheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Liebe, Mitmenschlichkeit und das eigene moralische Ideal. Fromm hat eine „humanistische“ Gottesvorstellung und spricht von „humanistischer Religion“. Gott repräsentiert für ihn das, was im Menschen selbst wachsen soll. Gott ist das Symbol der innersten menschlichen Kräfte.
Die Liebe zu Gott ist für Fromm die Liebe zum Menschsein. Er interpretiert Gottesliebe als eine Form der Selbstverwirklichung und der Liebe zum Leben selbst. Der Mensch ist dazu aufgerufen, die eigenen ethischen Potenziale zu entfalten, Verantwortung für das eigene Sein und Handeln zu übernehmen, und anderen Menschen mit Güte und Reife zu begegnen. Gott zu lieben bedeutet, das Höchste im Menschen zu lieben. Ein humanistischer Gott ist die Quelle menschlicher Kraft. Er fordert Reife, Verantwortung und Freiheit, und führt zu reifer Gottesliebe.
Im Vergleich zum Christentum, Islam und Judentum gibt es beim Buddhismus keinen „personalen“ Wegweiser, keinen personalen Gott. Die Liebe zu einem personalen Gott wird ersetzt durch die Liebe zum Leben, das Mitgefühl für alle Wesen und die Erkenntnis der Wirklichkeit. Damit kann ich etwas anfangen. Die buddhistische Sichtweise ist ziemlich nahe an Fromms humanistischer Gottesauffassung.
Nun, ich kann mich mit keiner Weltreligion besonders anfreunden, da jede Religion eine Vielzahl von dogmatischen Elementen enthält, und meist für sich beansprucht, die einzig wahre zu sein. Mit dieser Ausschließlichkeit kann ich ehrlich gesagt gar nichts anfangen, und halte diese Sichtweise zudem für eine äußerst arrogante und auch einfältige Denkweise, die letztendlich zu Elend und Leid, zu Missachtung der Menschenwürde, zu Aggression, zu unheilbringenden Auseinandersetzungen und zu Kriegen führt. Sehr wohl bin ich jedoch davon überzeugt, dass es eine höhere Wesenheit, eine unbegrenzte Form von Liebe und Energie gibt, die ich als Gott bezeichnen würde. Die Energie, die jedes Jahr die Bäume wieder grün werden lässt, die Seelen von Menschen formt usw., ist für mich Gott.
Die Liebe zu Gott kann man meines Erachtens nicht eingleisig sehen. Die bedingungslose und ewige Liebe der Schöpfung zu uns wird erwidert durch unsere Liebe zu Gott. In islamisch orientierten Texten finden sich Stellen, die beschreiben, dass sich die von Gott ausgehende Liebe in jedem Objekt – also auch in uns – befinde und auch wieder zu Gott strebe. In der jüdischen Weisheitsliteratur wird von der Liebe gesprochen, welche den Tod überwindet und auf das gesamte Universum bezogen ist. Im neuen Testament wird die wechselseitige Liebe zwischen Gott und Menschen beschrieben, und dass die Liebe des Menschen zum Menschen gleichzeitig ein Zeugnis der menschlichen Liebe zu Gott sei. All diesen Ansichten ist etwas abzugewinnen, denke ich.
Was soll auch dieser menschenverachtende Blödsinn, den Glauben anderer zu verurteilen? Wer kann sich das anmaßen? Solche Menschen spielen Gott, lästern somit Gott und erhalten konsequenterweise die in der jeweiligen Religion hierfür vorgesehene Strafe, wenn man der jeweiligen Religion Glauben schenken möchte. Da findet man sich auf einmal im Fegefeuer oder in der Hölle oder in der ewigen Verdammnis wieder, und eben nicht neben Gott. Davon wollen aber viele „Gläubige“ oder sollte ich sagen „Scheinheilige“ nichts wissen. „Wer von euch ‚Gläubigen‘ sich anmaßt die einzig wahre Religion zu vertreten, der werfe den ersten Stein!“
Gottesliebe entspringt dem Bedürfnis, das Getrenntsein von ihm zu überwinden und die verlorene Einheit mit Gott, mit dem Kosmos wiederzuerlangen. Ich glaube, dass Menschen, die erkannt haben, das zu sein, was sie sind, und nicht das was sie haben, dass Menschen, die das nichterfüllende und trostlose Dahinvegetieren in einer materiellen Welt satt haben, in der sie lediglich mitschwimmen um irgendwo dazuzugehören, in der sie von turbokapitalistischen Interessen zu kleinen unbedeutenden Rädchen in einer riesigen Maschinerie der Gier degradiert werden, in der Beziehungen zu Menschen nach ihrem Kosten-Nutzen-Verhältnis beurteilt werden, in der toten Dingen ein höherer Wert beigemessen wird als lebendigen, dass Menschen in so einer Gesellschaft wieder Gott und ihre Liebe zu ihm entdecken – wie auch immer der Einzelne ihn sich vorstellen mag.
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: KI-generiertes Bild: ein leuchtendes Herz in den Händen Gottes
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“AUSTRIA FIRST”, das patriotische Österreich-Radio schreibt bereits Geschichte. Denn bereits vor Sendestart katapultiert sich die Internetradio-App in der Alpenrepublik auf den ersten Platz der Playstore-Downloads.
Noch bevor der erste Sendeton ausgestrahlt wurde, setzt “AUSTRIA FIRST” ein klares Zeichen: Die neue Web-App des Patriotenradios eroberte bereits vor dem offiziellen Sendestart Platz 1 in Österreich. Ein bemerkenswerter Erfolg, der zeigt, wie groß das Bedürfnis nach einem eigenen, unbeugsamen Medium jenseits der bekannten Systemkanäle ist. Österreich will gehört werden – und hört ab sofort “AUSTRIA FIRST”.
Der offizielle Startschuss fällt heute, am 17. Jänner 2026, im Rahmen des traditionellen FPÖ-Neujahrstreffens in Klagenfurt. Dort geht das neue Onlineradio erstmals on air und erweitert das freiheitliche Medienhaus um einen weiteren, längst überfälligen Baustein. Aus einer Vision wurde ein konkretes Projekt – und die Resonanz noch vor dem Start lässt keinen Zweifel daran, dass hier ein Nerv getroffen wurde.
FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl bringt es auf den Punkt: “AUSTRIA FIRST” ist Österreichs erstes echtes Patriotenradio. Ein Sender für all jene, die ihr Land nicht als Problem, sondern als Heimat begreifen. Statt belehrender Meinungsmache liefert “AUSTRIA FIRST” gute Musik, klare Worte und Nachrichten mit Österreich-Fokus – rund um die Uhr.
Das Programm ist bewusst breit angelegt: live moderierte Sendestrecken am Morgen, zu Mittag und am späten Nachmittag, Nachrichten zur vollen Stunde sowie Journale morgens, mittags und abends. Ein Radioprogramm, das informiert, begleitet und Haltung zeigt.
Dass die App bereits vor Sendestart an die Spitze der Charts schoss, ist ein politisches und mediales Signal. Die Menschen wollen Alternativen. Sie wollen Medien, die nicht erziehen, sondern berichten. Die nicht relativieren, sondern Fakten und Probleme benennen. “AUSTRIA FIRST” ist hier die erste Wahl.
Empfangbar ist das neue Radio über www.austriafirst.at, sowie über die „AUSTRIA FIRST“-App. Wer nichts verpassen will, kann sich dort auch für den Newsletter anmelden. Unter allen Anmeldungen bis 31. Jänner 2026 werden zudem zehn AUSTRIA FIRST-Webradios verlost.
Ein Meinungsbeitrag von Lars Ebert.
Die Menschen im Widerstand vereint das Ziel, sich gegen Machtkonzentration zu wehren und diese Welt möglichst zu einem besseren Ort zu machen. Oft wird dabei aber nicht an einem Strick gezogen. Hier geht es um ein lehrreiches Beispiel, wie Streit Kooperation verhindert – und wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte.
Bei dem Beispiel handelt es sich um eine bemerkenswerte Diskussion auf apolut: „Livestream: Bühne, Waffe, Fassade – Wie Migration zur Projektionsfläche wird“. Es ist ein Streitgespräch zwischen Paul Brandenburg, B-Lash, Tariq Hübsch und Kayvan Soufi-Siavash – Jens Lehrich moderiert. https://apolut.net/livestream-buhne-waffe-fassade-wie-migration-zur-projektionsflache-wird-aufzeichnung-vom-07-08-2025/
Es geht hauptsächlich um die Frage, wie der Kriminalität auf deutschen Straßen begegnet werden kann. Und ob der Islam oder arabisch-türkische Migranten aus Deutschland entfernt werden sollten.
Der Mut von apolut, dieses heiße Eisen mit aller Gegensätzlichkeit anzufassen, verdient zunächst Respekt. Aber ehrlich gesagt war ich über die Heftigkeit des Streits und dem Fehlen einer guten Streitkultur – zuhören, ausreden lassen, der Moderation folgen – sehr erschrocken. Es gab minutenlange Phasen, in denen drei Sprecher durcheinander geredet haben.
Jeder hat seinen Standpunkt vehement verteidigt – fast als ginge es um sein Leben – und am Schluss hatten alle Beteiligten auf Nachfrage die gleichen Überzeugungen wie zu Beginn der fast zweistündigen Diskussion. Soweit meine – subjektive – Wahrnehmung.
Nun meine Gedanken dazu: Alle Beteiligten sind sehr intelligente, gebildete, kritische, redegewandte und engagierte Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit diese Erde zu einem besseren, menschlicheren Ort machen wollen, und für ihren Einsatz bin ich sehr dankbar. Aber einen wesentlichen Aspekt des Menschseins haben sie nicht oder nur sehr rudimentär gezeigt: Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Ich hätte mich sehr über persönliche Worte gefreut. Zum Beispiel: „Ich habe eine fast erwachsene Tochter und habe Angst um ihre Sicherheit.“
Es drehte sich in der ganzen Diskussion um ein „Außen“: Die Migranten, der Islam, die Politiker, die Öffentlichkeit, die Medien, der Diskussionspartner etc. Und die Probleme – die wohl kaum jemand bestreitet – sollten im „Außen“ gelöst werden. Natürlich müssten wir in Deutschland und weltweit dringend einige Rahmenbedingungen ändern, vor allem zur Vermeidung von Machtkonzentration.
Hier geht es mir aber um die Frage, wie man menschliche Konflikte lösen kann. Und das nicht nur aus Harmoniesucht, sondern weil Zusammenhalt unabdingbar für den Widerstand ist – und für eine positive Gestaltung der Zukunft. In dieser Diskussion auf apolut ist die Konfliktlösung offenbar nicht gelungen.
Es gibt aber viele gute Ansätze, zum Beispiel die „Gewaltfreie Kommunikation (GFK)“. Der Name ist unglücklich, es müsste eigentlich „Bedürfnisorientierte Kommunikation“ oder ähnlich heißen. Jeder Mensch auf der Welt kennt beispielsweise die Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbstbestimmung oder Wertschätzung. Unsere Bedürfnisse sind universell. Deshalb fördert es das Verständnis, wenn ich sie offenlege. Wenn ich sage: „Ich habe das Bedürfnis nach Sicherheit“, wird das niemand bestreiten. Im Idealfall wird dann mit einem anderen Bedürfnis geantwortet, etwa: „Ich habe das Bedürfnis nach Gerechtigkeit“. Beide Bedürfnisse sind berechtigt.
Manchmal sind mir selbst meine Bedürfnisse nicht klar. Dann helfen mir meine Gefühle. Ein Gefühl von Angst etwa deutet auf das Bedürfnis nach Sicherheit hin. Deshalb habe ich zu Beginn auf die Wichtigkeit von Gefühlen und Bedürfnissen hingewiesen.
Erst in dieser Phase der Diskussion, wenn die Diskussionsteilnehmer Verständnis für einander haben, macht es Sinn, über Lösungsstrategien nachzudenken. Bei der apolut-Diskussion wurde aber direkt mit den Lösungsstrategien begonnen, ohne vorher über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Es wurde wiederholt auf „die Realität“ oder „die Fakten“ verwiesen. Das war für mich der Hauptgrund für ausbleibendes Verständnis oder eine Versöhnung untereinander.
Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist nicht, noch schlauer oder redegewandter zu werden. Oder noch bessere Argumente und Zahlen für den eigenen Standpunkt zu haben. Oder noch mehr Menschen zu überzeugen, noch mehr Follower zu generieren, noch „besser“ oder attraktiver oder erfolgreicher zu werden.
Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist die Fähigkeit und der tief empfundene Wunsch nach Verbindung. Nach liebender Verbindung. Wir alle kennen dieses Gefühl der Verbundenheit aus dem Mutterleib. Bewusst oder unbewusst suchen die meisten Menschen danach. Unterstützen wir uns doch gegenseitig dabei!
Anhang für psychologisch Interessierte: Warum es uns so schwerfällt, über unsere Gefühle zu sprechen
Ein Gefühl der Verbundenheit fängt mit der Beziehung zu meinem eigenen Körper, meinen Sinneseindrücken, meinen Gefühlen und meinen Bedürfnissen an. Diese Beziehung zu mir selbst ist die Vorbedingung einer guten Beziehung zu anderen Wesen.
Bei der Entwicklung dieser Beziehung zu mir selbst (und zu meinen ersten Beziehungspersonen) gab es bei fast allen von uns schon in der Kindheit Störungen. Unverständnis, Ablehnung, Strafe. Die Eltern oder andere Bezugspersonen können oft mit heftigen Gefühlen von Kindern nicht gut umgehen. Sie haben es nicht gelernt und sind überfordert.
Das Ziel ist nun nicht, sich sein Leben lang mit diesen Störungen zu beschäftigen. Aber eine Einsicht in die Zusammenhänge sind unumgänglich. Vor allem die Einsicht, dass ich als Kind hilflos und unschuldig war – nun aber nicht mehr hilflos bin. Wie viel Leid kam in diese Welt, weil Menschen sich in ihrer Kindheit geschworen haben, nie mehr Opfer zu sein – sondern lieber Täter.
Wenn ich meinen Körper, meine Gefühle und Bedürfnisse bewusst spüre und ernst nehme, kann ich vielleicht im nächsten Schritt diese Gefühle und Bedürfnisse äußern. Der Riesenvorteil ist: Alle Menschen auf diesem Planeten verstehen diese Sprache. Wenn ich mich unsicher fühle, wenn ich Angst habe, und das äußern kann, versteht das mein Gegenüber.
Das ist das Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation: Öffne dich und sprich über deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Wenn dann dein Gegenüber auch über seine Gefühle und Bedürfnisse sprechen kann, ist der Konflikt meist schon geklärt. Der letzte Schritt – die Strategie, die konkrete Lösung – ist dann in der Regel kein Problem mehr.
Ich wünsche uns allen die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse anzunehmen – und im nächsten Schritt zu äußern. Wenn ich mir wirklich mehr Lebenszufriedenheit wünsche, und dazu beitragen möchte, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen, reicht es deshalb nicht, immer mehr Wissen über Fakten und Probleme anzuhäufen (mRNA-Injektionen, Krieg, Migration, etc.).
Ich sollte mich auch mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen und Schattenseiten auseinandersetzen. Zum Glück gibt es in diesem Bereich viele großartige Gedanken von – zum Beispiel – Marshall B. Rosenberg, Hans Joachim Maaz, Christian Schubert, Bastian Barucker, Kerstin Chavent und vielen anderen.
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Lars Ebert ist Diplom-(Bio)Physiker mit langjähriger Berufserfahrung in Forschung, Medizin und IT. Er ist Fachbuchautor, Wissenschaftsjournalist (bei verschiedenen Alternativmedien), Dozent, Projektleiter und Gründer der Vernetzungsplattform Yunite.org. Er bietet unabhängige, wissenschaftliche Gesundheitsrecherchen an und betreibt einen Telegram-Kanal zu diesem Thema.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bildquelle: AYO Production / shutterstock
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Lieblosigkeit führt mit Notwendigkeit zum Chaos – auch in der Energiepolitik.
Als grundkonservativer Mensch habe ich mich immer für den Naturschutz engagiert. Schon in den 60er Jahren (ich war noch Schüler) hat mich der Bürgermeister der kleinen ländlichen Gemeinde, in der ich aufgewachsen bin, zum Vogelschutz-Beauftragten ernannt. Später während meines Biologiestudiums an der Frankfurter Goethe-Universität sah ich das Anliegen des Naturschutzes am besten bei der politischen Linken aufgehoben. Das war wohl ein Missverständnis.
Seit dem Beginn der 70er Jahre publizierte ich regelmäßig über Fragen der Ökologie und beteiligte mich intensiv an der Auseinandersetzung mit der vom elitären Club of Rome in Auftrag gegebenen und von der Volkswagen-Stiftung finanzierten Simulationsstudie „Die Grenzen des Wachstums“, die lediglich die Aussagen der vom britischen Landgeistlichen Thomas Robert Malthus 1798 anonym veröffentlichten Bevölkerungstheorie in die Sprache des Computerzeitalters übertrug. Es war kein Zufall, dass ich mich dabei vorwiegend marxistischer Argumente bediente. Denn die in meinen Augen konsequenteste Kritik am Malthusianismus wurde im 19. Jahrhundert von Karl Marx und Friedrich Engels formuliert. Malthus und seine zahlreichen Nachfolger sahen die Hauptursache für Armut und Elend in der Welt im Trieb, mehr Nachkommen zu zeugen, als die Erde ernähren kann. Die von ihnen verbreitete Angst vor einer Überbevölkerung wurde diente der Rechtfertigung hartherziger Politik gegenüber den Armen.
Die beiden Säulenheiligen der materialistischen Geschichtsauffassung lenkten die Aufmerksamkeit demgegenüber zu Recht auf die Tatsache, dass Naturgüter erst durch die von Menschen erfundene Technik zu ökonomischen Ressourcen werden, dass es also absurd ist, von einem ein für alle Mal gegebenen Vorrat an Ressourcen auszugehen, die infolge unserer Unersättlichkeit gedankenlos verbraucht werden. Nicht die dümmsten, sondern die mit der intelligentesten Technik ausgerüsteten Bauern ernten die dicksten Kartoffeln oder Getreidekörner! Kupfer- und Eisenerz, Kohlenwasserstoffe, seltene Erden oder Uran werden erst im Zuge des technischen Fortschritts zu Ressourcen. Auf die Widersprüchlichkeit anderer Argumente von Marx und Engels wurde ich erst später aufmerksam.
Meine optimistische Gegenposition zum fatalen Malthusianismus trug mir bis zur Jahrtausendwende etliche Einladungen zu hochkarätigen internationalen Symposien und Vortrags-Verpflichtungen ein (z.T. erwähnt in meinem Buch „Öko-Nihilsmus“ (2012). Ich hielt Vorträge u.a. in Wien, Prag, Bonn, Zürich, Brüssel, Berlin, München, Tutzing, Barcelona und Porto. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich 1989 auf Veranlassung von Beate Weber, der damaligen Oberbürgereisterin von Heidelberg, auch in einem Naturfreunde-Haus bei Freudenstadt im Schwarzwald referierte. Damals war es also noch möglich, mit linken Naturschützern einigermaßen sachlich über reale Probleme des Umweltschutzes und die „Irrtümer“ des Club of Rome zu diskutieren.
Das änderte sich nach der ersten Konferenz der Vertragsstaaten des Klima-Rahmenabkommens UNFCCC von 1992 (COP1), die 1995 unter Beteiligung von Dr. Angela Merkel, der damals noch kaum bekannten CDU-Bundesministerin für Umweltschutz und Reaktorsicherheit, in Berlin stattfand. (Zu dieser Mammut-Konferenz war ich eingeladen, weil ich dort im Auftrag einer Gewerkschaft eine Podiumsdiskussion leitete.) Ich arbeitete damals als freiberuflicher Berater (Chefredakteur) für den WWF Deutschland. Diesen verließ ich im Folgejahr, als der Verband gegen einige interne Widerstände seitens traditioneller Naturfreunde auf den Klima-Hype aufsprang und sich dabei zunehmend von seiner Kernkompetenz, dem Artenschutz entfernte.
Der schon Ende des 19. Jahrhunderts in Wien gegründete linke Arbeiter-Touristenverein „Die Naturfreunde“ (genauer die „Naturfreunde Internationale“, kurz NFI) mit etwa 350.000 persönlichen Mitgliedern eine der international bedeutendsten NGOs, bietet auch heute noch neben technokratischer Klima-Ideologie und „Antirassismus“ immer noch zahlreiche Aktivitäten in freier Natur an. Anders ist das bei den Grünen aller politischer Parteien, die es u.a. mithilfe (erfundener) Geschichten über Eisbären oder Bienen über Jahrzehnte schafften, den Eindruck zu erwecken, es gehe ihnen um die Bewahrung natürlicher Gemeinschaften von Pflanzen und Tieren. Wirkliche Naturfreunde fremdeln schon seit längerem mit den Grünen, weil bei diesen offenbar nicht Naturliebe, sondern abstrakte Klima-Modelle sowie mit deren Umsetzung verbundene Profiterwartungen das Reden und Handeln bestimmen. Ohne Skrupel nehmen diese dabei auch historisch beispiellose Naturzerstörungen in Kauf. Die Inkompatibilität zwischen der gewachsenen zentralen Stromversorgung und der dezentralen Netzeinspeisung von zufällig generiertem Windstrom droht Deutschland an den Rand des Chaos zu führen.
Aktuelles „Paradebeispiel“ dafür ist die Entscheidung für den Bau von nicht weniger als 18 etwa 240 Meter hohen Windrädern im nordhessischen Reinhardswald, ein bislang kaum zerschnittener Eichen- und Buchen-Naturwald, der die Märchen der in im nahen Kassel wirkenden Gebrüder Grimm inspiriert haben soll. Auf dem Hintergrund des vorher Gesagten ist es verständlich, dass ich geschockt war, als ich davon erfuhr. Der Hessische Rundfunk (HR), für den ich vor Jahren selbst etliche Features zu Umwelt-Themen produziert habe, diffamierte die gegen diesen Frevel aufflammenden Proteste als „Verschwörung“ zwischen „vorgeblichen Naturschützern, Kommunalpolitikern, Querdenkern und Rechtsextremen“, kritisiert Thomas Hartung auf der Internet-Plattform „Ansage“. Von Naturliebe war bei den Berufskollegen des HR, die so etwas sagten, keine Spur auszumachen. Der Wald gilt ihnen offenbar nur als Rohstoff für die Umsetzung abstrakter pseudoreligiöser Klima-Ziele. Die Proteste gegen die Verschandelung eines einmaligen „Märchenwaldes“ erscheinen so als Sicherheitsproblem bzw. als Sünde gegen die neue Staatsmoral.
Die Lieblosigkeit der Windkraft-Freunde geht vor allem darauf zurück, dass sie ein abstraktes Ziel wie die 2015 auf der COP21 in Paris beschlossene Begrenzung der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,5 °C und an die Notwendigkeit einer „Energiewende“ glauben, auf Biegen und Brechen ansteuern zu müssen. Wie kann man aber eine nicht messbare Durchschnittstemperatur lieben? Lieben kann man nur konkrete Personen oder Dinge. Ein Liebesverhältnis kann sich strenggenommen nur zwischen vernunftbegabten menschlichen Personen einstellen. Denn es kommt bei der Liebe nicht nur auf Gefühle, sondern auch auf den Verstand und den freien Willen an. Man bräuchte für Naturliebe vielleicht einen treffenderen Begriff. Die Franzosen verwenden hier eher die Bezeichnung „Affection“ (Zuneigung, die nicht auf Gegenseitigkeit beruhen muss). Ich möchte mir aber nicht anmaßen, einen neuen Begriff vorzuschlagen und verwende den bislang üblichen Ausdruck provisorisch weiter. Denn auch wenn für die Wahrheitssuche der Kopf zuständig ist, bleibt die Liebe eine Angelegenheit des Herzens. Für den Wiener Psychiater Raphael Bonelli ist das Herz und nicht der Kopf Sitz des freien Willens. Kurz: Wir Menschen bemühen uns, mithilfe des Kopfes etwas zu begreifen; aber nur mit dem Herzen können wir etwas ernstnehmen.
Liebe ist unsere einzige Ressource, die niemals ausgeht. Wir können sie nicht herstellen, sondern nur empfangen. Für Christen ist die Liebe ein Synonym für Gott. Wie der in Algerien verfolgte Ingenieur und Literat Boualem Sansal unterstreicht, fehlt hingegen das Konzept der Liebe im Islam ganz. Es gibt im Arabischen dafür kein Wort. Die strengen Vorschriften der Scharia allein sollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt herstellen. Kein Wunder, dass in den meisten muslimisch geprägten Gesellschaften tribalistische Gewaltausbrüche an der Tagesordnung sind.
Thomas von Aquin, der größte christliche Theologe und Philosoph des Mittelalters, sah in der Liebe das Synonym für Ordnung. Sein Konzept des „ordo amoris“ hat eine transzendentale Dimension, sollte m.E. aber auch im weltlichen Denken ernstgenommen werden. In der Umgangssprache sprechen wir in der Tat noch heute von Ordnungsliebe, und Unordnung setzen wir mit Lieblosigkeit gleich. Wir fühlen spontan, dass der Bau von Windkraftanlagen in Naturwäldern in jeder Hinsicht dem ordo amoris widerspricht und vermuten, dass hier Psychopathen am Werk waren.
Die französische Mystikerin jüdischer Herkunft Simone Weil hat während des Zweiten Weltkriegs im britischen Exil unter dem Titel „L’Enracinement“ (Die Verwurzelung) eine Grundlegung der Anthropologie entworfen, die nach dem Krieg posthum von Albert Camus veröffentlicht wurde. Darin stellt sie nicht die von der amerikanischen und der französischen Revolution beschworenen Menschenrechte, sondern mit der Bibel begründete allgemeine Menschenpflichten in den Mittelpunkt. Ordnung ist danach nicht nur das halbe Leben, sie ist das erste Lebensbedürfnis, Ausdruck der geistigen und materiellen Verwurzelung der Menschen. Von diesem vorgegebenen Rahmen der natürlichen Ordnung lassen sich dann Menschenrechte ableiten.
Einen anderen Weg als Simone Weil hat der aus Ungarn stammende liberale Ökonom und Investment-Banker Anthony de Jasay (verstorben 2019 in der Normandie) eingeschlagen. In seinem Versuch, den auf John Locke und andere zurückgehenden politischen Liberalismus neu zu fassen, unterscheidet er zwischen dem bisher vorherrschenden losen „Rechte-liberalismus“ und dem auf der Unantastbarkeit des Privateigentums und legitimer individueller Bedürfnisse beruhenden strikten Liberalismus. Darin haben Ideen wie „soziale Gerechtigkeit“ keinen Platz.
Wer die Beliebigkeit der Menschenrechts-Argumentation überwinden möchte, ohne das Heil in diktatorischen Lösungen zu suchen, tut m.E. gut daran, die Vorschläge von Weil und de Jasay ernst zu nehmen. Vielleicht sind beide Herangehensweisen nicht inkompatibel, denn auch bei Simone Weil steht die Freiwilligkeit der Unterordnung unter biblische Gebote hoch im Kurs. Für eine ökologische bzw. ökologistische Zwangsbeglückung der Menschen ist bei beiden kein Platz. Denn ohne Liebe läuft auf die Dauer nichts.
Der Beitrag Wenn die Liebe fehlt… erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.
