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Hollisters Geopolitik-Radar vom 1. – 7. Juni 2026

07. Juni 2026 um 07:27

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Hollisters Geopolitik-Radar vom 1. – 7. Juni 2026

Diese Woche zeigt, wie eng die großen Kriegsschauplätze inzwischen ineinandergreifen: Im Libanon wird ein Waffenstillstand unterschrieben, den die entscheidende Kampfpartei nicht anerkennt. Am Golf treffen iranische Drohnen und US-Gegenschläge aufeinander, während eingefrorene Milliarden zugleich als Friedenspreis und Reparationsfonds verplant werden. In der Ukraine eskaliert die Luftkriegskette zwischen Kiew, Starobilsk und St. Petersburg, während Patriot-Bestände durch den Iran-Krieg zum strategischen Engpass werden. Und im Südkaukasus entscheidet Armenien über mehr als eine Wahl: über seine künftige Lage zwischen Moskau, Brüssel, Ankara und Washington. Hollisters Geopolitik-Radar KW23 verbindet die Einzelmeldungen zu einem Lagebild, in dem kein Kriegsschauplatz mehr isoliert betrachtet werden kann.

Geopolitik-Radar vom 1. – 7. Juni 2026

Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.

Ticker

ISRAEL UND LIBANON UNTERZEICHNEN WAFFENSTILLSTANDSRAHMEN IN WASHINGTON - HEZBOLLAH WAR NICHT AM TISCH (03. Juni 2026)

Botschafter Yechiel Leiter und Botschafterin Nada Hamadeh unterzeichneten am 03. Juni im US-Außenministerium einen Rahmen, der Hezbollah zur vollständigen Einstellung aller Angriffe und zum Abzug südlich des Litani verpflichtet. Die libanesische Regierung war Vertragspartei; Hezbollah war es nicht. Der Rahmen verpflichtet Israel zur Truppenbegrenzung und sieht eine entmilitarisierte Zone unter libanesischer Armeeverwaltung vor. Präsident Joseph Aoun nannte die Einigung „die letzte Chance" auf einen umfassenden Waffenstillstand. Noch in der Nacht nach der Unterzeichnung schlug Israel neue Ziele im Südlibanon an.

HEZBOLLAH LEHNT WASHINGTON-RAHMEN KATEGORISCH AB - KASSEM: „KAPITULATION UND NIEDERLAGE" (04. Juni 2026)

Hezbollah-Chef Naim Kassem erklärte am 04. Juni, die Forderung nach einem Abzug aus Südlibanon unter laufenden israelischen Angriffen käme „Kapitulation, Niederlage und der Erreichung der Feindziele" gleich. Hezbollah lehnte den Rahmen als illegitim ab, da die Organisation nicht Teil der Gespräche war, und feuerte weiter auf israelische Stellungen. Der Waffenstillstand ist damit auf Regierungsebene geschlossen, auf Schlachtfeldebene nicht in Kraft. Wer sich fragt, warum Israel im Libanon dieselbe Handschrift trägt wie in Gaza und welche Beweislage dahinter steht, findet die juristische Rekonstruktion hier: Israel - Der Befund: Völkermord

IRGC-DROHNE TRIFFT TERMINAL 1 DES FLUGHAFENS KUWAIT - 1 TOTER, 63 VERLETZTE (03. Juni 2026)

Am 03. Juni traf eine iranische Drohne Terminal 1 des Kuwait International Airport; Kuwaits Gesundheitsministerium meldet einen Toten und 63 Verletzte - einer der verlustreichsten Tage für die arabischen Golfstaaten seit Kriegsbeginn. Kuwaits Verteidigung gab an, 13 ballistische Raketen und 17 Drohnen abgefangen zu haben. Die IRGC bestritt den Treffer und machte eine fehlgeleitete US-Patriot-Abfangrakete verantwortlich; Kuwait veröffentlichte CCTV-Material des direkten Einschlags. CENTCOM bezeichnete die iranische Darstellung als „völlig falsch". Welche Mächte von einem brennenden Golf wirtschaftlich profitieren und wie sich die Handelsströme längst verschieben, zeigt der aktuelle Ölmarktbefund: Wer profitiert vom Krieg am Golf?

IRGC BEANSPRUCHT ANGRIFFE AUF ALI-AL-SALEM UND US FIFTH FLEET - CENTCOM SCHLÄGT QESCHM ERNEUT (03.-06. Juni 2026)

Die IRGC erklärte, Raketen und Drohnen auf die Ali-Al-Salem-Luftwaffenbasis in Kuwait und die US Fifth Fleet in Bahrain abgefeuert zu haben. CENTCOM schoss am 05. und 06. Juni mehrere iranische Drohnen über der Straße von Hormuz ab und traf Küstenradar- und Überwachungsanlagen bei Goruk und auf Qeschm. Bahrain aktivierte Sirenen und rief Einwohner auf, Schutzräume aufzusuchen. Das Wechselspiel - IRGC feuert auf die Golfstaaten, CENTCOM schlägt iranische Infrastruktur - läuft inzwischen als operativer Dauermodus, unabhängig vom Verhandlungstisch.

SERBISCHER UN-BLAUHELM STIRBT DURCH MÖRSERBESCHUSS - SIEBTER UNIFIL-GEFALLENER SEIT KRIEGSBEGINN (04. Juni 2026)

In der Nacht vom 03. auf den 04. Juni tötete Mörserbeschuss Sergeant Milovan Jovanović aus Serbien an der UN-Position 7-2 nahe Marjayoun in Südostlibanon; zwei weitere Blauhelme aus El Salvador und Spanien wurden verletzt. UN-Generalsekretär Guterres verurteilte den Tod und forderte eine zügige Untersuchung. UNIFIL meldete eine „zunehmend hohe Zahl" von Geschossbahnen nahe eigener Positionen. Wer feuerte, ist nicht abschließend geklärt; die IDF benannte Hezbollah-Mörser als Ursache. Dass israelische Operationen gegen UN-Kräfte im Südlibanon ein wiederkehrendes Muster haben - UN-Truppen in Deckung, dann die Aktion - dokumentiert dieser Fall über Jahre: Israel: Agronomische Kriegsführung

LAWROW IN ST. PETERSBURG: „WAS IRAN JETZT GEFORDERT WIRD, WAR VOR DER AGGRESSION SCHON DER FALL" (05. Juni 2026)

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte am 05. Juni beim St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum, vor dem 28. Februar sei die Straße von Hormuz frei und gebührenfrei befahrbar gewesen, Chameneis Fatwa gegen Atomwaffen in Kraft und die IAEA habe regelmäßig das Fehlen militärischer Abzweigung bestätigt. „Alles, was jetzt von Iran gefordert wird, war vor der Aggression schon der Fall." Lawrow verwies ergänzend auf Libyen und Nordkorea. Wenn aber der Kriegsanlass selbst fragwürdig ist - wie präzise und wie richtig traf dann die erste Waffe des Krieges? Der Fall, an dem sich diese Frage entscheidet, ist rekonstruiert als kompaktes Briefing oder als vollständige Analyse: Minab: Präzise und falsch und Minab: Was wirklich in der Shajareh-Tayyebeh-Schule geschah

RUSSLAND SCHLÄGT KIEW MIT 73 RAKETEN UND 656 DROHNEN - 22 TOTE, EINER DER SCHWERSTEN ANGRIFFE DES KRIEGES (02. Juni 2026)

In der Nacht zum 02. Juni führte Russland einen der schwersten Luftschläge des gesamten Krieges gegen die Ukraine: 73 Raketen und 656 Drohnen, 38 getroffene Orte. Ukrainische Stellen meldeten 22 Tote - sechs in Kiew, 16 in Dnipro, darunter zwei Kinder - und mehr als 130 Verletzte. Im Bezirk Podilskyj stürzte ein neunstöckiges Wohnhaus ein. Russland definierte den Schlag als gezielten Angriff auf den ukrainischen Rüstungskomplex und nannte ihn ausdrücklich Vergeltung für die ukrainischen Angriffe auf Starobilsk und Genitschesk. Wie diese Eskalationskette wirklich begann und warum westliche wie russische Medien sie jeweils nur zur Hälfte erzählen, rekonstruiert dieser Beitrag Schritt für Schritt: Ukraine-Russland-Insight: Starobilsk und Kiew

UKRAINE SCHLÄGT ST. PETERSBURG - ÖLTERMINAL BRENNT ZUR ERÖFFNUNG DES WIRTSCHAFTSFORUMS (03. Juni 2026)

Einen Tag nach dem Schlag auf Kiew traf die Ukraine St. Petersburg und Kronstadt mit Fernschlägen; ein Ölterminal brannte ausgerechnet zur Eröffnung des St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums. Der Treffer setzte ein gezieltes Symbol - ins wirtschaftliche Schaufenster Russlands, in der Woche, in der Moskau dort seine ökonomische Stabilität demonstrieren wollte. Die operative Gesamtlage und was sie über die Verschiebung des Krieges sagt, ordnet der aktuelle Lagebericht ein: UPDATE: Russland-Ukraine-Konflikt 06.06.2026

BALLISTISCHE RAKETEN WERDEN ZUM KERNPROBLEM DER UKRAINISCHEN LUFTVERTEIDIGUNG - PATRIOT-MANGEL HÄNGT AM IRAN-KRIEG (03. Juni 2026)

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit NATO-Generalsekretär Rutte stellte Selenskyj am 03. Juni klar: Gegen Marschflugkörper habe die Ukraine relativ mehr Abfangmöglichkeiten, gegen ballistische Raketen deutlich weniger. Er forderte den Aufbau europäischer Anti-Ballistik-Kapazitäten und neue Patriot-Abfangraketen. Westliche Berichte verweisen darauf, dass der ukrainische Mangel an Luftabwehr auch mit ausgedünnten US-Patriot-Beständen infolge des Iran-Krieges zusammenhängt - dieselbe Engpass-Logik wie im Nahost-Strang. Dass beide Kriegsschauplätze keine getrennten Ereignisse sind, sondern Teil einer gleichzeitig gesteuerten Gesamtlage, ist die These dieser Analyse: Zeitgewinn um jeden Preis - Teil 8

RUSSLAND FORDERT WESTLICHE DIPLOMATEN ZUM VERLASSEN KIEWS AUF - SELENSKYJ WARNT VOR NEUEM MASSENANGRIFF (Anfang Juni 2026)

Das russische Außenministerium kündigte „konsistente und systematische" Schläge auf Kiew an, mit dem Ziel, Drohnenfabriken und „Entscheidungszentren" zu treffen; Außenminister Lawrow hatte zuvor seinem Amtskollegen Rubio das Verlassen westlicher Diplomaten empfohlen. Selenskyj warnte am 29. Mai auf Basis von Geheimdienstdaten vor einem neuen massiven Angriff. Die EU-Sprecherin nannte die Drohungen eine „inakzeptable Eskalation".

ARMENIEN WÄHLT PARLAMENT - RICHTUNGSENTSCHEIDUNG ZWISCHEN MOSKAU UND BRÜSSEL (07. Juni 2026)

Am heutigen Sonntag wählt Armenien sein Parlament; das vorläufige Ergebnis steht noch aus. Die Wahl findet unter dem Vorzeichen des umstrittenen, in Washington vermittelten Friedensabkommens mit Aserbaidschan und der schrittweisen Distanzierung von Russland statt. Premier Nikol Paschinjan führt trotz auf rund 32 Prozent gesunkener Zustimmung die Prognosen an - vor allem, weil die Opposition zersplittert ist. Es geht um die Grundsatzfrage, ob Armenien den Kurs Richtung EU fortsetzt oder in Moskaus Einflusssphäre zurückkehrt. Dass der Südkaukasus zum Prüfstand für ein Instrument geworden ist, das die EU in 35 Jahren nur sechzehnmal eingesetzt hat, zeigt der Blick auf das Nachbarland: Georgien: Der Mechanismus, den niemand kennt

WM 2026 STARTET IM SCHATTEN DES KRIEGES - IRAN REIST MIT VISA-EKLAT NACH MEXIKO AB (06. Juni 2026)

Vier Tage vor dem Anpfiff reiste Irans Nationalteam am 06. Juni nach Mexiko ab - rund vierzehn Funktionäre, darunter die Verbandsspitze, blieben ohne US-Visum. Iran nennt das Vorgehen „diskriminierend" und kündigte an, FIFA einzuschalten; Washington verweist auf Ausnahmen vom Einreisebann für Sportler. Am 11. Juni beginnt das größte Sportereignis der Welt - ausgerechnet ausgetragen vom Co-Gastgeber USA, der sich mit einem der Teilnehmer im Krieg befindet. Wer wissen will, nach welcher Logik die Trump-Administration Druckmittel auswählt und einsetzt, findet hier den Werkzeugkasten: Was Trump und Hegseth als nächstes greifen

RUSSISCHE DROHNE TRIFFT WOHNBLOCK IN GALAȚI - NACHSPIEL UM NATO-ARTIKEL 4 (Wochenverlauf)

Das Nachspiel des ersten bestätigten Volltreffers einer russischen Geran-2-Drohne auf NATO-Boden zog sich in diese Woche: Rumänien prüft die Aktivierung des Artikel-4-Konsultationsmechanismus, die NATO bekräftigte die Artikel-5-Verpflichtung und bezeichnete Russlands Verhalten als „rücksichtslos". Die Frage, was die Allianz bei einem gezündeten Gefechtskopf auf eigenem Territorium tatsächlich auslöst, bleibt unbeantwortet. Wie aus einzelnen Maßnahmen über Jahre eine europäische Kriegsbereitschaft entstand, in die sich Galați nahtlos einfügt, zeigt die aktuelle Analyse - als Briefing oder als Deep Dive: Das Muster verdichtet sich und in der vollständigen Fassung hier


FOKUSTHEMEN

Ein Waffenstillstand, den die Kämpfenden nicht unterschrieben haben

Zwei Botschafter, ein Außenministerium, ein Vertragstext - und kein einziger Vertreter der Kraft, auf die alles ankommt. Am 03. Juni unterzeichneten Israel und die libanesische Regierung in Washington einen Waffenstillstandsrahmen, der Hezbollah zum Abzug südlich des Litani verpflichtet. Hezbollah saß nicht am Tisch. Schon das ist die strukturelle Falle: Ein Abkommen verpflichtet eine Partei, die es nicht ausgehandelt hat und nicht anerkennt. Noch in der Nacht nach der Unterzeichnung schlug Israel neue Ziele im Südlibanon an. Am 04. Juni nannte Hezbollah-Chef Naim Kassem die Forderung nach einem Abzug unter laufenden Angriffen „Kapitulation, Niederlage und der Erreichung der Feindziele". Die libanesische Armee verlor am 06. Juni einen Brigadegeneral durch israelischen Luftangriff - drei Tage nach der Unterzeichnung.

Das Muster ist dasselbe wie bei jeder Waffenruhe dieses Krieges: Eine Vereinbarung schreibt keine Linie in den Boden, sondern auf Papier. Wer auf dem Boden die stärkere Kraft ist, entscheidet, wo die Linie liegt. Iran hat in den parallel laufenden US-Gesprächen wiederholt gefordert, die Beendigung aller Kämpfe in Libanon zum integralen Bestandteil eines Abkommens zu machen - während Washington Israels Handlungsfreiheit an allen Fronten unterstützt. Beide Positionen existieren gleichzeitig. Was das für die Tragfähigkeit der gesamten Verhandlungsarchitektur bedeutet und wie eng Libanon und der Hormuz-Strang verknüpft sind, dokumentiert das aktuelle Update: UPDATE - USA und Israel greifen Iran an - 07.06.2026

Fragen:

  • Kann ein Waffenstillstand halten, den die kämpfende Partei nicht unterzeichnet hat und nicht anerkennt?
  • Was bedeutet es, wenn Israel drei Tage nach der Unterzeichnung einen Brigadegeneral der libanesischen Armee tötet - jener Armee, die den Rahmen mittragen soll?
  • Kann Iran ein eigenes Abkommen mit den USA schließen, das Libanon ausklammert - und mit welchen innenpolitischen Kosten?
  • Wie lange bleibt eine vereinbarte Linie eine Linie, wenn sie auf dem Boden täglich verschoben wird?

Kiew unter Beschuss - die Eskalationskette, die niemand vollständig erzählt

In der Nacht zum 02. Juni traf einer der schwersten Luftschläge des gesamten Krieges die Ukraine: 73 Raketen, 656 Drohnen, 22 Tote, ein eingestürztes Wohnhaus in Kiew. Westliche Berichte rahmten den Angriff überwiegend als isolierten russischen Gewaltakt. Was in vielen Darstellungen fehlte: die Vorgeschichte. Putin bezeichnete den Schlag ausdrücklich als Vergeltung für den ukrainischen Drohnenangriff auf ein Berufskolleg in Starobilsk, bei dem nach russischer Darstellung 21 Menschen starben, und für einen Angriff auf Wohnhäuser in Genitschesk. Es ist die zweite Vergeltungswelle einer Kette, die drei Wochen zuvor begann - und die jede Seite jeweils nur zur Hälfte erzählt.

Einen Tag später schlug die Ukraine zurück: Fernschläge auf St. Petersburg und Kronstadt, ein brennender Ölterminal zur Eröffnung des dortigen Wirtschaftsforums. Russland kündigte daraufhin „konsistente und systematische" Schläge auf Kiew an und empfahl westlichen Diplomaten, die Stadt zu verlassen. Der Krieg verschiebt sich - weg von der weitgehend erstarrten Front, hin zu Luftabwehr, Rüstungsproduktion und politischer Durchhaltefähigkeit. Wer die Ereigniskette Starobilsk-Kiew Schritt für Schritt nachvollziehen will, findet die Rekonstruktion hier: Ukraine-Russland-Insight: Starobilsk und Kiew- und die operative Gesamtlage im aktuellen UPDATE: Russland-Ukraine-Konflikt 06.06.2026

Fragen:

  • Wird ein Angriff verständlicher, wenn man seine Vorgeschichte kennt - oder ist die Suche nach dem „ersten Schlag" in einem laufenden Krieg ohnehin müßig?
  • Was bedeutet es für die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung, wenn beide Seiten dieselbe Ereigniskette jeweils nur zur Hälfte erzählen?
  • Verschiebt sich die Entscheidung dieses Krieges tatsächlich von der Front in die Rüstungsproduktion und die Luftabwehr?
  • Hängt der ukrainische Mangel an ballistischer Abwehr direkt am US-Patriot-Verbrauch des Iran-Krieges - und was heißt das für beide Schauplätze?

Armenien wählt - eine kleine Wahl mit großer strategischer Reichweite

Am heutigen 07. Juni wählt Armenien sein Parlament, und es geht um weit mehr als die Innenpolitik eines Drei-Millionen-Einwohner-Staates. Premier Nikol Paschinjan hat erhebliches politisches Kapital in ein in Washington vermitteltes Friedensabkommen mit Aserbaidschan und eine Normalisierung mit der Türkei investiert - beides bleibt in der Bevölkerung umstritten und teilt sie nahezu in zwei Hälften. Gleichzeitig hat Jerewan sich in den vergangenen Jahren von Moskau distanziert und engere Bindungen an die EU gesucht. Russland wiederum hat seine Bemühungen verstärkt, das politische und mediale Umfeld Armeniens zu beeinflussen - mit Methoden, die zuvor in Moldau und Georgien zu beobachten waren.

Das vorläufige Ergebnis steht zur Stunde noch aus. Doch unabhängig vom Ausgang entscheidet diese Wahl über die Grundrichtung: Setzt Armenien den Kurs Richtung Brüssel fort, oder kehrt es in Moskaus Einflusssphäre zurück? Der Südkaukasus ist damit zum Prüfstand für eine geopolitische Auseinandersetzung geworden, die im Nachbarland Georgien bereits eine eigene, kaum bekannte Eskalationsstufe erreicht hat: Georgien: Der Mechanismus, den niemand kennt

Fragen:

  • Welche außenpolitische Richtung schlägt Armenien ein, wenn das Friedensabkommen mit Aserbaidschan die Wähler fast exakt in zwei Lager spaltet?
  • Wie wirksam sind russische Einflussoperationen in einem Land, das sich offiziell von Moskau abwendet?
  • Was bedeutet eine erneute Mehrheit für den unpopulären Paschinjan, wenn sie sich vor allem aus der Schwäche der Opposition speist?
  • Ist der Südkaukasus der nächste Schauplatz, an dem sich die Grenze zwischen EU-Annäherung und russischer Rückbindung entscheidet?

Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

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Bildquelle: Michael Hollister

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Quellenverzeichnis

Israel - Libanon

Iran - Golf / Kuwait / Bahrain

Russland - Ukraine - NATO

Armenien

WM 2026

Eigene Analysen

(Auszug von RSS-Feed)

USA greifen iranische Ziele an – Teheran meldet Gegenschlag

01. Juni 2026 um 09:22

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USA greifen iranische Ziele an – Teheran meldet Gegenschlag

In den vergangenen 24 Stunden haben die USA erneut militärische Ziele im Iran angegriffen, woraufhin der Iran einen Gegenangriff auf einen US-Stützpunkt gemeldet hat.

Das US-Militär berichtet, es habe im Rahmen der laufenden Operationen nahezu 2.000 Ziele im Iran angegriffen und dabei unter anderem 17 iranische Schiffe, darunter ein U-Boot, zerstört. Die Angriffe stehen im Kontext einer breiteren westlichen Militärkampagne gegen iranische Kapazitäten im See- und Raketenbereich.

Parallel dazu meldeten iranische Revolutionsgarden laut iranischen Staatsmedien einen Angriff auf einen US-Luftwaffenstützpunkt als Reaktion auf die US-Militärschläge.

Details zu Ort und Umfang dieses Gegenschlags blieben zunächst unklar; allerdings unterstreicht der Vorgang, dass trotz laufender Verhandlungen und Diskussionen über Waffenruhen die militärische Eskalationsspirale zwischen den USA und Iran weiter anhält.

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Bildquelle: Yanlens / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Spotlight: Pascal Lottaz | Das falsche und bizarre Feindbild "Iran"

19. Mai 2026 um 10:27

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Spotlight: Pascal Lottaz | Das falsche und bizarre Feindbild "Iran"

Ausschnitt aus dem Interview mit Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt – Hier in voller Länge zu sehen: https://apolut.net/im-gespraech-pascal-lottaz/

Prof. Dr. Pascal Lottaz ist Historiker und Politikwissenschaftler. An der renommierten Kyoto-Universität forscht er zum Themenbereich "Neutrality-Studies". So heißt auch sein YouTube-Kanal.

Als Konfliktforscher zeigt Prof. Lottaz dem Zuschauer einen analytischen Blick auf den Nahostkonflikt und beleuchtet diesen aus vielerlei Blickwinkeln.

Insbesondere die historischen Daten des Konfliktes geben dem Zuschauer Werkzeuge an die Hand, den Konflikt fundiert zu bewerten. Und das abseits von oberflächlicher Betrachtung durch die Leitmedien.

Das Interview führte Markus Fiedler.

(Auszug von RSS-Feed)

Irankrieg: Krise internationaler Glaubwürdigkeit | Von Claudia Töpper

19. Mai 2026 um 08:49

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Irankrieg: Krise internationaler Glaubwürdigkeit | Von Claudia Töpper
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Irankrieg: Krise internationaler Glaubwürdigkeit | Von Claudia Töpper

Ein Kommentar von Claudia Töpper.

Laut der iranischen Nachrichtenagentur, IRNA (Islamic Republic News Agency; zu Deutsch: Nachrichtenagentur der Islamischen Republik) gab der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai am Montag, den 18. Mai 2026 in seinem wöchentlichen Briefing bekannt, dass der Iran den USA am vergangenen Sonntag einen neuen Vorschlag unterbreitet habe.(1) Wörtlich sagte Baghai:

Letzte Woche erhielten wir, obwohl die amerikanische Seite öffentlich verkündet hatte, dass [unser Vorschlag] abgelehnt worden sei, über den pakistanischen Vermittler eine Reihe überarbeiteter Punkte und Überlegungen, die ihre Ansichten widerspiegelten.“ (2)

Nachdem die politische Führung des Irans diese jüngsten Vorschläge "in den vergangenen Tagen geprüft" habe, übermittelte sie nun ihre Antwort am Sonntag "bereits über denselben [pakistanischen] Kanal an Washington […].“ Zusätzlich erklärte Baghai:

„Der Prozess wird also über Pakistan fortgesetzt." (3)

Details zum Vorschlag

Genaue Details zu dem unterbreiteten Vorschlag sind nicht bekannt. Es scheint jedoch so, dass der Hauptstreitpunkt nach wie vor das iranische Atomprogramm ist. (4) Ismail Baghai wies in der Pressekonferenz am Montag darauf hin, dass das Recht des Irans, Uran anzureichern, nach dem Nichtverbreitungsvertrag (NVV) weiterhin bestehe und nicht verhandelbar sei. (5) Des Weiteren fügte er laut der Nachrichtenagentur Mehr hinzu, dass der derzeitige Fokus des Irans darauf liege, den Krieg zu beenden und Teheran keine Kompromisse bei seinen nuklearen Rechten eingehen werde. Zudem hätten keine detaillierten Diskussionen über Atomfragen stattgefunden. Der Iran beobachte die Entwicklungen sehr genau und konzentriere sich nach wie vor auf die nationalen Interessen am Verhandlungstisch – unabhängig von Drohungen. Teheran lasse sich nicht von widersprüchlichem Verhalten der gegnerischen Parteien beeinflussen. Baghai betonte,

„dass sich der Iran auf jedes Szenario vorbereitet habe und sich mit voller Kraft gegen jede rücksichtslose Aktion verteidigen werde.“

Zum Schluss fügte er noch hinzu, dass

„die iranischen Streitkräfte Überraschungen haben werden“. (6)

Das Verhandlungsdilemma

Während der Iran erklärt, dass die Einstellungen der Kampfhandlungen – insbesondere Israels Angriffe auf den Libanon als Vorbedingung für Verhandlungen gelten, teilte die USA mit, dass sie erst jegliche Bombardierungen langfristig einstellen werden, wenn es „bestimmte“ Verhandlungsergebnisse gibt. (7)

Da die USA nicht darauf eingehen, welche „bestimmten“ Verhandlungsergebnisse sie fordern, kann hier nur spekuliert werden. Laut Tagesschau.de hat die USA einen Fünf-Punkte-Plan zur Beendigung des Krieges vorgelegt, der besagt, dass der Iran nur noch eine Atomanlage betreiben dürfe und seinen Bestand an hochangereichertem Uran an die USA aushändigen müsse. (8)

Der NVV

Hinter der Abkürzung NVV verbirgt sich der Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen. (9) Dieser Vertrag gilt als „Fundament der globalen nuklearen Ordnung“ und wurde 1968 abgeschlossen. Im Jahr 1970 trat er in Kraft und gilt seitdem als universell gültig. (10) Außer den Ländern Israel, Indien, Pakistan und Südsudan gelten alle Länder als Vertragsparteien. Der Status von Nordkorea ist jedoch unbestimmt, da es 2003 seinen Rückzug erklärte.

Dieser Vertrag verpflichtet alle teilnehmenden Länder, die Nuklearwaffen besitzen, zur nicht Weitergabe von Nuklearwaffen und zur nuklearen Abrüstung. Dies betrifft die Länder China, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Russland und die Vereinigten Staaten (USA). Gleichzeitig untersagt er den Mitgliedsländern, die keine Nuklearwaffen besitzen, wie z. B. dem Iran, die Herstellung und Entwicklung von Nuklearwaffen und verpflichtet sie dazu, ihre kerntechnischen Anlagen unter internationale Kontrolle zu stellen. (11)

Der Vertrag sieht außerdem vor, dass im Intervall von 5 Jahren eine Überprüfungskonferenz stattfindet, bei der die Mitglieder die Umsetzung des NVV bewerten. Die letzte Überprüfungskonferenz fand im August 2022 in New York statt. Dort hatte die damalige deutsche Außenministerin, Annalena Baerbock teilgenommen und sich

„nachdrücklich für die Stärkung und vollständige Implementierung des Nichtverbreitungsvertrags eingesetzt.“ (12)

Zudem erklärten

„die Staats- und Regierungschefs der fünf Nuklearwaffenstaaten [im Januar 2022], dass ein Atomkrieg niemals geführt werden darf und nicht gewonnen werden kann.“ (13)

Mit dieser Aussage wurde die sogenannte „Reagan-Gorbatschow-Formel“ zur Nichtdurchführbarkeit eines Atomkriegs bestätigt. (14)

Die letzte vollständige Überprüfung des Irans im Rahmen des NVV fand durch die IAEA (International Atomic Energy Agency) im Februar/März 2025 statt. (15) Erst nach den Angriffen auf Isfahan im Juni 2025 schränkte der Iran die Überprüfung teilweise ein. (16) Die IAEA ist eine zwischenstaatliche Organisation der Vereinten Nationen, die Atomprogramme, Nuklearanlagen, Urananreicherung und die Einhaltung des NVV überprüft. Dadurch soll eine sichere und friedliche Nutzung der Kernenergie sichergestellt werden. (17)

Kommentar

In Anbetracht der aktuellen Situation, in der sich die Welt durch den Iran- und Ukrainekrieg befindet, ist der NVV bemerkenswert. Er führt unweigerlich dazu, dass man viele Ereignisse, die man in den letzten Monaten und Jahren in der Presse lesen konnte, infrage stellt. Die Inhalte des NVV verdeutlichen eine Doppelmoral in beiden Kriegen, die nicht weg zu diskutieren ist.

Fangen wir zunächst mit dem Irankrieg an. In diesem gibt es die drei Akteure Iran, Israel und die USA. Die USA und der Iran sind Vertragsparteien des Nichtverbreitungsvertrages. Israel jedoch nicht. Damit unterliegt Israel weder irgendwelchen Kontrollen, noch ist es dazu verpflichtet, abzurüsten, falls es nukleare Waffen besitzt. Da Israel zu keinerlei Angaben und Kontrollen verpflichtet ist, ist offiziell nicht bekannt, ob und wie viele nukleare Waffen Israel besitzt. Jedoch stellt sich die Frage, wie ein Land, das zu keinerlei Kontrolle über seine nuklearen Waffen verpflichtet ist, dazu kommt, von einem anderen Land genau das zu verlangen und jegliche Entwicklung nuklearer Atomprogramme zu untersagen.

Auf gut Deutsch: ich verlange von jemand anderem etwas, was ich selbst nicht tue.

Die USA beginnen gemeinsam mit einem Land einen Krieg, bei dem sie die Folgen und den Ablauf des Krieges absolut nicht abschätzen können, weil dieses Land weder erklärt, ob es nukleare Waffen hat und wenn ja, zu keinerlei internationaler Kontrolle verpflichtet ist. Dies bedeutet, falls Israel doch nukleare Waffen besitzt, könnte der Irankrieg eskalieren und niemand könnte dies verhindern – auch nicht die USA. Somit haben die USA einen Pakt mit dem Teufel geschlossen, denn Israel hat gezeigt, dass man ihm nicht vertrauen kann.

Kommen wir zum Ukrainekrieg. Hier sind die Rollen zweier Länder besonders interessant, nämlich Deutschland und die USA. Deutschland, bzw. die deutsche Bundesregierung fordert Abrüstung und die Nichtverbreitung von nuklearen Waffen und kann gleichzeitig als einziges Land nicht genug nach Waffen und immer ausgereifteren Waffensystemen für die Ukraine schreien.

Die Rolle der USA ist im Ukrainekrieg unter dem Hintergrund des NVV besonders bemerkenswert. Sie sind Mitglied des NVV, also für Abrüstung und die Nichtverbreitung von nuklearen Waffen. Gleichzeitig liefern und verkaufen die USA Waffen an die NATO, die wiederum die Waffen an die Ukraine liefert. Das heißt, die USA sind für Abrüstung und die Nichtverbreitung von nuklearen Waffen und gleichzeitig liefern sie wissentlich Waffen an die Ukraine, damit der Krieg, den sie versuchen zu beenden, weitergehen kann.

Zwar handelt es sich bisher offiziell nicht um nukleare Waffen, die an die Ukraine geliefert werden. Dennoch stellt sich die Frage, wie man für Abrüstung und die Nichtverbreitung von Nuklearwaffen sein kann aber gleichzeitig Waffen in ein Kriegsgebiet liefert.

Dieses Paradox lässt sich nur mit Geld und Macht erklären.

Natürlich zeigt die Realität auch, dass Verträge im Ernstfall nicht das Papier wert sind, auf dem sie geschrieben stehen und nur von der Güte und Bereitschaft zur Erfüllung der Mitgliedsländer abhängig sind. Dies wiederum stellt jedoch unser gesamtes System und Miteinander in Frage. Wenn man sich auf niemanden verlassen kann, kann man sich nur auf sich selbst verlassen und muss sich auf jeden möglichen Fall vorbereiten.

Es ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Es zeigt den Verfall. Es gibt keinen Anstand mehr. Man kann sich weder auf das Wort noch auf Verträge verlassen. Und genau das zeigt die deutsche Bundesregierung sehr deutlich. Der aktuelle deutsche Bundeskanzler, Friedrich Merz hält sich nicht an seine Worte, die deutsche Justiz hält sich nicht an das Grundgesetz. Der Nachbar wird nicht mehr gegrüßt, den älteren Menschen wird kein Platz mehr im Bus angeboten und Mütter verlieren ihren Schutzstatus in der Gesellschaft. Sicher, die letzten Beispiele sind im Vergleich zur Justiz eigentlich nicht nennenswert, aber eben nur eigentlich. Denn die Nichteinhaltung fängt mit den kleinen Dingen an, die man zulässt. Hat man sie einmal zugelassen, ist es schwer, sie wieder zu stoppen – aber nicht unmöglich.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-usa-verhandlungen-114.html; https://rtde.org/der-nahe-osten/269469-liveticker-iran-krieg/;

https://rtde.org/der-nahe-osten/269469-liveticker-iran-krieg/

(2) https://rtde.org/der-nahe-osten/269469-liveticker-iran-krieg/

(3) https://rtde.org/der-nahe-osten/269469-liveticker-iran-krieg/

(4) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-usa-verhandlungen-114.html

(5) https://en.mehrnews.com/news/244611/Iran-s-right-to-uranium-enrichment-non-negotiable-under-NPT

(6) https://en.mehrnews.com/news/244611/Iran-s-right-to-uranium-enrichment-non-negotiable-under-NPT

(7) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-usa-verhandlungen-114.html

(8) https://www.tagesschau.de/ausland/asien/iran-usa-verhandlungen-114.html

(9) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/sicherheitspolitik/abruestung-ruestungskontrolle/nukleare-abruestung-und-nichtverbreitung/nvv-node

(10) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/sicherheitspolitik/abruestung-ruestungskontrolle/nukleare-abruestung-und-nichtverbreitung/nvv-node

(11) https://infoiran.org/2124/irans-nuclear-program-legal-and-diplomatic-dimensions-1968-2025/

(12) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/sicherheitspolitik/abruestung-ruestungskontrolle/nukleare-abruestung-und-nichtverbreitung/nvv-node

(13) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/sicherheitspolitik/abruestung-ruestungskontrolle/nukleare-abruestung-und-nichtverbreitung/nvv-node

(14) https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/sicherheitspolitik/abruestung-ruestungskontrolle/nukleare-abruestung-und-nichtverbreitung/nvv-node

(15) https://www.iranwatch.org/authoring-agency/iaea-report

(16) https://factually.co/fact-checks/science/iaea-inspections-iran-enrichment-weaponization-2025-2026-report-summary-c0ebf1; https://www.iaea.org/topics/monitoring-and-verification-in-iran

(17) https://www.iaea.org/about/mission

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Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Dramatische Filmkomposition mit Kühltürmen von Kernkraftwerken mit leuchtenden holografischen KI-Schaltkreisen und Datenströmen

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Irankrieg zerlegt den globalen Süden | Von Jochen Mitschka

14. Mai 2026 um 12:25

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Irankrieg zerlegt den globalen Süden | Von Jochen Mitschka
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Irankrieg zerlegt den globalen Süden | Von Jochen Mitschka

Die Kollateralschäden des Angriffskriegs gegen Iran

Als Israel und die USA ihren Angriffskrieg gegen den Iran begannen, um das Land zu unterwerfen, warnten viele Analysten davor, dass dies eine weltweite Wirtschaftskrise auslösen könnte. Die Philippinen sind ein Beispiel dafür, wie jene Länder des Globalen Südens, die sowieso unter Druck standen, nun vor dem Abgrund stehen.

Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde die Philippinen als die widerstandsfähigste Wachstumsgeschichte Südostasiens beworben. Doch da die Annahmen der Politik von vor 2022 untergraben wurden, brechen die Fundamentaldaten ein. Die neuesten BIP-Daten schockierten selbst vorsichtige Beobachter. Die Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2026 nur um 2,8 % im Jahresvergleich, weit unter den Erwartungen und deutlich unter dem einst als für das Land als normal geltenden Wachstum von 5–6 %.

Die Inflation dagegen ist auf über 7 % gestiegen. Die Haushaltsdefizite bleiben hoch. Die öffentliche Verschuldung ist auf das höchste Niveau seit zwei Jahrzehnten gestiegen. Sollte das Land nicht deutlich seine Politik ändern, könnte es bald zu einer offenen Staatskrise kommen. Korruptionsskandale werden durch Probleme der Weltwirtschaft, wie die Hormus-Krise, potenziert, ähnlich wie Korruption in den USA , die sonst als systemimmanent hingenommen wird, bei schwächelnder Wirtschaft politische Erdbeben auslösen können.

Die Warnung an der Wand

Das Investitionswachstum der Philippinen hat sich stark verlangsamt, während der Haushaltskonsum – traditionell der wichtigste Wachstumsmotor – unter Inflationsdruck an Schwung verliert.

Internationale Institutionen kämpfen darum, mittelfristigen Optimismus zu bewahren. Sogar der IWF bleibt nach Herabstufungen der Prognosen aufgrund von Korruptionsskandalen, Infrastrukturstörungen und Energieschocks vorsichtig, und versucht, keine zu düsteren Prognosen zu veröffentlichen.

Die Verschlechterung ist jedoch politisch gravierend, denn die Philippinen sind mit ungewöhnlich hohen Erwartungen ins Jahr 2026 gegangen. Die Regierung von Marcos Jr., welche sich wieder verstärkt den USA zuwandte, hatte das Land als zukünftige Erfolgsgeschichte für Mittelschichten dargestellt. Diese sollten von der Verlagerung der Lieferkette aus China profitieren, wie das Pax-Silica-Glücksspiel versprach.

Das Pax Silica Gamble (zu Deutsch etwa „Pax Silica Glücksspiel“ oder „Wagnis“) bezeichnet die strategische Entscheidung der Philippinen, sich eng an die USA zu binden, um Teil einer US-geführten Allianz für Künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter-Lieferketten zu werden. Kernstück ist der Aufbau einer 4.000 Acre (ca. 16 km²) großen, spezialisierten Industriezone, der Economic Security Zone (ESZ), im New Clark City in Tarlac auf der Insel Luzon.

Kritiker, wie die Organisation AGHAM, befürchten, dass das Land zu einem reinen Produktionsstandort für Chips und Halbleiter wird, die in US-Waffen, Drohnen und Überwachungssystemen landen, anstatt die eigene industrielle Entwicklung zu fördern.

Satt "blühende Landschaften", wie von den USA versprochen, ist die Wirtschaft nun zwischen hohen Kreditkosten, geschwächtem Investorenvertrauen und sich verschlechternden äußeren Bedingungen gefangen.

Ein besorgniserregenderes Zeichen ist der Rückgang produktiver Investitionen. Die Bruttokapitalbildung hat sich erheblich abgeschwächt, was darauf hindeutet, dass Unternehmen zunehmend an der Vorhersehbarkeit der politischen Entwicklungen zweifeln. Und der Angriffskrieg gegen den Iran hat hier eine entscheidende Rolle gespielt.

Energie, Inflation und Ernährungsunsicherheit

Der Inflationsschub spiegelt die hohen strukturellen Verwundbarkeiten der Philippinen wider. Das Land ist weiterhin stark von importierten Kraftstoffen abhängig, was es äußerst empfindlich gegenüber Instabilität im Nahen Osten und globalen Schifffahrtsstörungen macht.

Die Lebensmittelinflation bleibt ein weiterer Problempunkt. Die Reispreise hatten sich 2025 vorübergehend stabilisiert und halfen, die Inflation früher zu senken. Doch erneuerte Energiekosten, logistische Engpässe und wetterbedingter landwirtschaftlicher Stress haben diese Fortschritte rückgängig gemacht.

Das Ergebnis ist ein klassischer Druck auf Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Reallöhne stagnieren, während die Preise für Transport, Strom und Lebensmittel gleichzeitig steigen.

In einer von Überweisungen von im Ausland arbeitenden Bürgern abhängigen Wirtschaft verstärkt dies gefährliche soziale Dynamiken. Im Ausland unterstützen philippinische Arbeitskräfte weiterhin den Inlandskonsum, doch die Migration dient zunehmend als Sicherheitsventil für eine schwache Schaffung von Arbeitsplätzen im Inland und nicht als Ergänzung für den wachsenden Wohlstand. Es bereitet die Bühne für einen Teufelskreis.

Die Bangko Sentral ng Pilipinas, die Zentralbank des Landes, steht vor einem unmöglichen Balanceakt. Eine Straffung der Geldpolitik birgt das Risiko, das Wachstum weiter zu erdrücken, während sie die Risiken schwächt, die in Inflationserwartungen begründet sind.

Wie internationale Märkte das Risiko neu bewerten

Finanzmärkte reagieren typischerweise, wenn mehrere Schwachstellen sich gegenseitig verstärken. Das ist die Gefahr, der die Philippinen jetzt gegenüberstehen.

Verlangsamtes Wachstum, anhaltende Inflation, erhöhte Haushaltsdefizite, steigende Schuldendienstkosten, politische Fragmentierung und zunehmende geopolitische Belastung schaffen gemeinsam die Voraussetzungen für eine schrittweise Neubewertung des philippinischen Risikos auf den globalen Märkten.

Ausländische Portfolio-Investoren sind in der Regel die Ersten, die darauf reagieren. In Phasen der Unsicherheit neigt das Kapital dazu, sich von Schwellenmärkten mit niedrigerer Rendite zu vermeintlichen sicheren Zufluchtsorten oder größeren asiatischen Volkswirtschaften mit tieferen Industriebasen zu entfernen.

Wenn das Wachstum bei 3–4% stagniert, während die Inflation hoch bleibt, läuft das Land Gefahr, in einen Kreislauf schwächerer Kapitalzuflüsse, Peso-Volatilität und sinkendes Anlegervertrauens zu geraten.

Strategisch-industrielle Projekte, die mit Pax Silica verbunden sind, könnten selektive, von den USA, Japan und alliierten Staaten unterstützte Investitionen anziehen, aber breitere private Investitionen scheinen vorsichtig Zurückhaltung zu üben, insbesondere in Sektoren, die auf inländischen Konsum, Einzelhandel, Büroimmobilien und spekulative Immobilien ausgerichtet sind.

Offene Immobilienmärkte

Jahrelang basierte das städtische Wachstum der Philippinen auf der Erweiterung von Eigentumswohnungen, Auslandsüberweisungen und Erwartungen an dauerhaft steigende Grundstückswerte. Dennoch könnten anhaltend hohe Zinssätze, nachlassende Kaufkraft der Haushalte und eine schwächere ausländische Nachfrage eine mehrjährige Deflation des Immobilienmarktes auslösen, insbesondere in überversorgten Metro-Manila-Segmenten.

Eine anhaltende Immobilienkorrektur schwächt die Bankbilanzen, verringert die Bautätigkeit und dämpft die Inlandsnachfrage weiter. Internationale Ratingagenturen reagieren negativ, wenn die Schuldenquoten steigen und das Wachstum schwächer wird.

Jede Herabstufung – oder sogar eine negative Überarbeitung der Aussichten – könnte die Staatskreditkosten erhöhen, die Zinskosten für öffentliche Schulden erhöhen und die Regierung zwingen, mehr fiskalische Mittel für Schuldenbetreuung statt für Infrastruktur oder soziale Ausgaben bereitzustellen.

Höhere Kreditkosten würden durch teurere Unternehmenskredite, schwächere Investitionen und reduzierte Konsumkredite in die Gesamtwirtschaft übergreifen.

Korruption und politische Intrigen

Schlimmer noch, viele Berichte führen die Verlangsamung der öffentlichen Investitionen teilweise auf Korruption im Zusammenhang mit Hochwasserschutz- und Infrastrukturprojekten in Verbindung.

Das hat weitreichende Folgen, weil das philippinische Entwicklungsmodell stark auf staatlich geführte Infrastrukturausgaben angewiesen ist. Sobald öffentliche Arbeiten langsamer werden, schwächen sich die Multiplikatoreffekte im Bauwesen, in der Fertigung und im Dienstleistungssektor schnell ab.

Die politische Zersplitterung verschärft die Lage. In einer Zeit, in der gewöhnliche Filipinos sich eingeengt fühlen und echte Sorgen um die Zukunft haben, konkurrieren Elitefraktionen um Fragen der geopolitischen Ausrichtung und Sicherheitsfragen zwischen den USA und China.

Auch die Schuldenentwicklung sorgt für Besorgnis. Die öffentliche Verschuldung hat über 63 % des BIP erreicht – den höchsten Wert seit zwanzig Jahren. Dabei fehlen den Philippinen die Reservewährungsprivilegien und die industrielle Basis, die es reicheren Staaten ermöglichen, hohe Schuldenlasten zu tragen.

Szenarien für 2026-2028

Heute erscheinen drei grobe Szenarien plausibel.

Bestmögliches Szenario: Das Wachstum erholt sich bis 2027 moderat auf 4–5%, da die Inflation nachlässt und die Infrastrukturausgaben wieder aufgenommen werden. Was aber ein Ende der US-Blockade der Straße von Hormus voraussetzt. Pax Silica-Projekte ziehen gezielte Investitionen an, doch die Vorteile bleiben geografisch und sozial konzentriert. Die Schulden stabilisieren sich nahe dem aktuellen Niveau.

Erosionsszenario: Zunehmende Spannungen zwischen den USA und China verringern die Diversifizierung von Tourismus, Handel und Investitionen. Da China selbst unter der Krise auf Grund des Angriffskriegs gegen den Iran wirtschaftlich leidet, und auf Grund der Neuausrichtung zugunsten des US-Einflusses, ist wenig Hilfe von dort zu erwarten. Die Energiepreise bleiben hoch, die Inflation bleibt über dem Ziel, und das Wachstum schwankt um etwa 3–4%. Der fiskalische Druck verschärft sich und die Ungleichheit vertieft sich. 

Strategisches Volatilitätsszenario: Ohne Anti-Korruptions-Durchsetzung, Infrastruktureffizienz und breitere technologische Fähigkeiten riskieren die Philippinen, zur Frontlinie in einem größeren US-China-Konflikt zu werden. In diesem Szenario würde die Wirtschaft in eine längere Phase strategischer und wirtschaftlicher Turbulenzen geraten.

Der Philippinischer Peso ist ein früher Indikator für gefährlichen Wirtschaftsentwicklungen. Historisch gesehen erleben "Frontlinienwirtschaften" oft einen anhaltenden Risikorückgang auf den Devisenmärkten. Diese Aussage beschreibt ein ökonomisches Phänomen, bei dem kleinere, aufstrebende Volkswirtschaften – sogenannte Frontline Economies oder Frontier Markets – über einen längeren Zeitraum hinweg stabiler werden und die Gefahr von plötzlichen, heftigen Währungseinbrüchen abnimmt.

Beispiele hierfür sind die Ukraine vor dem Ausbruch des offenen Krieges mit Russland und Taiwan während großer Krisen über die Straße, als Investoren trotz starker Industriesektoren höhere Risikoprämien forderten. Wenn die Philippinen zunehmend als strategischer Frontstaat in der US-chinesischen Rivalität wahrgenommen werden, könnten internationale Märkte den Peso ähnlich nicht als ASEAN-Wachstumswährung, sondern eher als geopolitisches Mittel bepreisen. Das würde die Volatilitätsszenarien verstärken.

Fazit

Wir haben gerade nur auf die Philippinen geschaut. Aber wenn man sich im Globalen Süden umschaut, erkennt man mehrerer, ja sogar viele Länder, deren Entwicklung sowieso auf schwachen Füßen steht. Länder, denen durch den Angriffskrieg gegen den Iran und die dadurch entstandene Hormuskrise nun der "Teppich unter den Krücken" weggezogen wird. Und immer mehr Länder scheinen zu "Frontline Economies" zu werden. Aber das wäre ein separater Artikel.

(Der Artikel basiert zum Teil auf Arbeiten von Dr. Dan Steinbock und seinen Artikeln in der Manila Times)

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bild: MANILA, PHILIPPINEN - Arme Häuser in einem Slumviertel der Stadt Manila auf den Philippinen

Bildquelle: saiko3p / shutterstock

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Im Gespräch: Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt

11. Mai 2026 um 15:18

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Im Gespräch: Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt
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Im Gespräch: Pascal Lottaz | Aktuelle geopolitische Analyse zum Iran-Konflikt

Prof. Dr. Pascal Lottaz ist Historiker und Politikwissenschaftler. An der renommierten Kyoto-Universität forscht er zum Themenbereich "Neutrality-Studies". So heißt auch sein YouTube-Kanal.

Als Konfliktforscher zeigt Prof. Lottaz dem Zuschauer einen analytischen Blick auf den Nahostkonflikt und beleuchtet diesen aus vielerlei Blickwinkeln.

Insbesondere die historischen Daten des Konfliktes geben dem Zuschauer Werkzeuge an die Hand, den Konflikt fundiert zu bewerten. Und das abseits von oberflächlicher Betrachtung durch die Leitmedien.

Das Interview führte Markus Fiedler.

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Sergey Filbert, Hermann Ploppa und W. Domke-Schulz zu den geopolitischen Auswirkungen des Irankriegs

06. Mai 2026 um 05:27

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Sergey Filbert, Hermann Ploppa und W. Domke-Schulz zu den geopolitischen Auswirkungen des Irankriegs

Aus dem Klappentext:

Im Gespräch analysieren Sergey Filbert, Hermann Ploppa und Wilhelm Domke-Schulz die aktuelle Situation und die geopolitischen Auswirkungen des Irankrieges, dessen Auswirkungen auf Deutschland und Westeuropa. BERLIN24/7 Nachrichten aus Berlin - ist ein unabhängiges Nachrichten- und Informationsportal. Im Zentrum unserer Berichterstattung stehen Nachrichten, Meinungsbeiträge, Analysen und Interviews zum aktuellen Zeitgeschehen in Berlin, Deutschland, Europa und der Welt. Wer sich für differenzierte Sichtweisen aus verschiedenen Perspektiven interessiert ist bei uns richtig.

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Dieser Beitrag wurde am 16.4.2026 auf dem YouTube-Kanal von Berlin 247 und Druschba FM veröffentlicht.

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Bildquelle: Berlin 247 und Druschba FM

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