NEWS 23

🔒
❌
Stats
Es gibt neue verfügbare Artikel. Klicken Sie, um die Seite zu aktualisieren.
Heute — 14. April 2026

Das gefährlich Unsichtbare im Langsamen | Von H.-J. Müllenmeister

14. April 2026 um 08:00

Vorschau ansehen
Das gefährlich Unsichtbare im Langsamen | Von H.-J. Müllenmeister
LBS 20260414 apolut
0:00
/749.568
Das gefährlich Unsichtbare im Langsamen | Von H.-J. Müllenmeister

Ein Beitrag von Hans-Jörg Müllenmeister.

Wir Menschen glauben, Geschwindigkeit zu verstehen. Wir messen sie in Metern pro Sekunde, in Kilometern pro Stunde, in Rekorden und Bestzeiten. Wir feiern sie im Sport, bewundern sie in Maschinen, fürchten sie im Straßenverkehr. Doch unser Gefühl für Geschwindigkeit ist eine Illusion – ein Produkt unserer Sinne, nicht der Wirklichkeit.

Denn während wir uns im Alltag als ruhende Wesen empfinden, rasen wir in Wahrheit durch das Universum: Wir auf unserer Erde umkreisen die Sonne mit etwa 30 Kilometern pro Sekunde. Das Sonnensystem jagt um das galaktische Zentrum mit rund 220  Kilometern pro Sekunde. Die Milchstraße selbst driftet mit Hunderten von Kilometern pro Sekunde durch den Kosmos.

Nichts spüren wir davon. Kein Ruck, kein Wind, kein Zittern. Wir sitzen in einem perfekt gleichmäßig fahrenden „Zug“, dessen Geschwindigkeit uns verborgen bleibt. 

Psychologie: Geschwindigkeit ist Drama, Langsamkeit ist Hintergrundrauschen

Der Mensch ist ein Tier der Gegenwart. Unser Nervensystem wurde darauf optimiert, Gefahren und Chancen in Sekundenbruchteilen zu erkennen: Ein raschelnder Busch - vielleicht ein Raubtier, ein herannahender Speer - ausweichen.

Langsame Prozesse bedrohen uns nicht unmittelbar. Sie sind evolutionär irrelevant. Darum haben wir keinen Sinn für sie.

Einstein lehrte uns, dass Geschwindigkeit immer relativ ist. Doch unser Bewusstsein ist absolut – es kennt nur das, was sich in unserem eigenen Zeitfenster bewegt. Alles andere erscheint uns als Stillstand. Und genau darin liegt die Gefahr. Denn die Welt ist voller Bewegungen, die so langsam sind, dass wir sie nicht bemerken:

Kontinente driften Zentimeter pro Jahr, 
Böden verarmen über Jahrzehnte, 
Demokratien – wie Figura zeigt – erodieren über Generationen, 
Märkte kippen über Jahrzehnte in Monopole, 
Klimasysteme verschieben sich in Zehntelgraden.

Langsame Prozesse bleiben uns unsichtbar – bis sie eines Tages unaufhaltsam werden, ja gefährlich. Wie der Frosch im warmen Wasserkessel, den man langsam zum Kochen bringt. Ein biologisches Märchen – denn der echte Frosch würde springen. Doch das Bild bleibt wahr: Nicht das Ereignis bedroht uns, sondern der Prozess, der uns an die Hitze gewöhnt.

Während wir für hohe Geschwindigkeiten einen Faible haben, sind uns extrem langsame Geschwindigkeiten in der Natur nicht bewusst. Man könnte darüber spekulieren und philosophieren, warum wir Geschwindigkeit lieben – und Langsamkeit übersehen. 

Bewundernswert ist der Pistolenkrebs. Er schließt seine Scheren in nur einer Millisekunde und erzeugt dabei eine Kavitationsblase im Wasser, die mit einem Knall bis zu 250 dB implodiert und so die Beute betäubt. Diese biologische „Armbrust“ arbeitet mit der unvorstellbaren Beschleunigung von 580.000 m/s². 

Geschwindigkeit ist sichtbar, fühlbar, triumphal

Der Mensch misst sich gern in Dingen, die sich in seinem Zeithorizont abspielen: 

Ein 100‑Meter‑Lauf dauert Sekunden. 
Ein Gepard springt – und wir spüren fast körperlich die Kraft. 
Ein Formel‑1‑Auto rast an uns vorbei und lässt die Luft erzittern.
Geschwindigkeit ist ein Ereignis.
Langsamkeit ist ein Zustand.
Aber Ereignisse prägen sich ein. 

Die unsichtbare Welt der extremen Langsamkeit

Hier beginnt der philosophische Reiz, denn die Natur ist voller Bewegungen, die so langsam sind, dass sie für uns stillstehen: Kontinentalplatten driften mit wenigen Zentimetern pro Jahr, Bäume wachsen Millimeter pro Tag, Gletscher kriechen wie gefrorene Flüsse, ein Berg verwittert in Millionen Jahren, Evolution arbeitet in Jahrtausenden. 

Seeanemonen bewegen sich mit 1 cm pro Stunde – wenn überhaupt.

Für uns ist das „nichts“. Für die Natur ist es alles. Wir sind zu schnell, um das Langsame zu sehen. Wir sind zu langsam, um das Schnelle des Kosmos zu fühlen. 

Das Exponentielle beginnt als Flüstern

Jeder exponentielle Prozess beginnt harmlos. Er ist ein leises Rinnsal, das erst später zum reißenden Strom wird. Es ist die Art von Wachstum, die sich tarnt wie ein Chamäleon: harmlos, unscheinbar, fast lächerlich klein wie auch ein Virus, das sich anfangs nur verdoppelt.

Die Inflation der 1920er Jahre begann nicht mit Schubkarren voller Papiergeld, sondern mit kleinen Preissteigerungen, die man „vorübergehend“ nannte.

Die Finanzkrise 2008 begann nicht mit dem Kollaps von Lehman Brothers, sondern mit winzigen Fehlanreizen im Hypothekenmarkt, die sich über Jahre summierten.

Der Zerfall der Weimarer Republik begann nicht mit der Machtergreifung, sondern mit einer schleichenden Erosion demokratischer Normen, die man lange als „politisches Rauschen“ abtat.

Der Klimawandel begann nicht mit Hitzerekorden, sondern mit Zehntelgraden, die niemand ernst nahm.

Doch das Exponentielle ist kein „bisschen“. Viel wenig ergibt ein Viel. Es ist ein Kipppunkt, ein Umschlag, ein Bruch. Und genau deshalb ist es gefährlich. Das Exponentielle ist die Mathematik der Überraschung. Es wirkt lange wie Stillstand – bis es plötzlich alles ist. 

Die Tragik des Menschen: Wir sehen nur das Spektakel, nicht die Summe

Wir sind blind für die kleinen Abweichungen, die sich addieren. Wir unterschätzen das Kriechende, weil es nicht knallt:

Ein Wald verschwindet nicht an einem Tag, sondern Baum für Baum. 
Eine Demokratie stirbt nicht in einem Putsch, sondern in tausend kleinen Normbrüchen. 
Eine Gesellschaft verroht nicht durch einen Skandal, sondern durch die Gewöhnung an das Abnorme. 
Ein Markt kippt nicht durch ein Monopol, sondern durch stille Konzentration über Jahrzehnte. 
Die Katastrophe ist nie plötzlich.
Nur unser Erwachen ist es. 

Historische Beispiele der gefährlichen Langsamkeit

Der Aufstieg totalitärer Systeme

Totalitarismus entsteht selten durch einen einzigen Akt. Er entsteht durch kleine Einschränkungen von Rechten, minimale Verbiegung von Sprache, schrittweise Normalisierung des Undenkbaren.

Die Menschen dachten dann: „Es wird schon nicht so schlimm.“ Doch das Schlimme war längst im Werden – wie auch jetzt. 

Die langsame Erosion der römischen Republik

Rom fiel nicht durch Barbarenhorden, sondern durch jahrzehntelange Machtkonzentration, schleichende Korruption, das Gewöhnen an Ausnahmezustände.

Der Untergang war ein Prozess, kein Ereignis. 

Die Industrialisierung und ihre Nebenwirkungen

Auch hier: kein Knall, sondern ein Kriechen. Erst ein bisschen Rauch, dann ein bisschen Lärm, dann ein bisschen Entfremdung. Bis die Welt sich unwiederbringlich verändert hatte. 

Die Pointe: Das Langsame ist die wahre Geschwindigkeit unserer Zeit

Wir fürchten das Rasende, doch das Rasende ist selten nachhaltig gefährlich. Das Gefährliche ist das, was sich unterhalb unserer Wahrnehmung bewegt. Wir verlieren nicht plötzlich die Natur – wir verlieren sie in kleinen Schritten. Wir verlieren nicht plötzlich die Freiheit – wir verlieren sie in winzigen Zugeständnissen. Wir verlieren nicht plötzlich die Vernunft – wir verlieren sie in der Gewöhnung an das Absurde. Die Welt geht nicht in Explosionen zugrunde, sondern in Erosionen. 

Das Gefährliche an der Langsamkeit ist nicht ihre Harmlosigkeit, sondern ihre Tarnung

Wir Menschen sind evolutionär darauf geeicht, auf das Plötzliche zu reagieren – nicht auf das Schleichende. Und genau dort, im Reich des Exponentiellen, lauern die größten Gefahren unserer Zeit. 

Ein heilsames Innehalten

Vielleicht ist die wichtigste Tugend unserer Zeit nicht Schnelligkeit, sondern Aufmerksamkeit. Nicht Reaktion, sondern Wahrnehmung. Nicht Aktionismus, sondern Bewusstsein für das Langsame. Denn die Zukunft wird nicht von schnellen Ereignissen entschieden, sondern von den schwelenden Prozessen, die wir zu lange ignorieren – wie im Hier und Jetzt.  

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

Dieser Beitrag erschien zuerst am 06. April 2026 bei anderweltonline.com

+++

Bild: Wälder und kristallklares Wasser schwimmen über trockenem Land.

Bildquelle: Aree_S / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Umwelt Touristen sollen jetzt Berlins Müll aus der Spree fischen

14. April 2026 um 03:50

Vorschau ansehen

In Berlin sollen nun Touristen für das Einsammeln von Müll belohnt werden. Foto: IMAGO / Jürgen Held

Berlin will Touristen künftig fürs Müllsammeln belohnen. Mit Gutscheinen, höheren Bußgeldern und mehr Müllfahndern versucht der Senat, die Hauptstadt wieder in den Griff zu bekommen.

Dieser Beitrag Umwelt Touristen sollen jetzt Berlins Müll aus der Spree fischen wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.

(Auszug von RSS-Feed)
Gestern — 13. April 2026

Hunderttausende Iraner demonstrierten gegen US-Deal mit den Mullahs

13. April 2026 um 13:00

Vorschau ansehen

Iraner gingen weltweit vor US-Botschaften auf die Straße und fordern anhaltenden Druck auf das Regime in Teheran. Sie richteten eine gemeinsame Botschaft an Washington und appellierten an die politischen Entscheidungsträger, keine Abkommen mit Teheran zu schließen, sondern im Kampf gegen das Regime standhaft zu bleiben.

von Eric Angerer

Hunderttausende Iraner aus der Diaspora demonstrierten am Samstag vor US-Botschaften und -Konsulaten in über 20 Ländern und riefen die internationale Gemeinschaft auf, den Druck auf die Islamische Republik aufrechtzuerhalten und das iranische Volk zu unterstützen.

Weltweite Demos gegen Mullahs

Die koordinierten Demonstrationen fanden in mindestens 34 Städten in Europa, Asien und Nordamerika statt und folgten einem Aufruf des iranischen Exil-Oppositionsführers Kronprinz Reza Pahlavi.

Aufnahmen aus verschiedenen Orten zeigten Menschenmengen, die sich unter anderem in London, Paris, Berlin, Rom, Stockholm, Seoul, Wien, Toronto, Los Angeles und Washington, D.C. versammelten. Die Teilnehmer trugen Schilder und skandierten Parolen gegen das iranische Regime.

Berlin, München und Wien

In Berlin-Mitte trugen die Exiliraner neben den Landesfahnen auch israelische und amerikanische. Eine Rednerin sagte, der israelische und amerikanische Angriff auf den Iran habe vielen Menschen dort Hoffnung gegeben. Er habe das Regime geschwächt. „Unser Ziel ist ein Iran, der die Menschenrechte achtet“, sagte sie. Auf Plakaten war „Freiheit für den Iran“ zu lesen, Teilnehmer skandierten „Demokratie für Iran!“ und „Die Mullahs müssen weg!“.

In München demonstrierten die Iraner auf dem Königsplatz. Viele der Teilnehmer hatten iranische Flaggen dabei, die das bis 1979 offizielle Motiv mit Löwe und Schwert zeigten. Häufig waren auch Bilder von Reza Pahlavi zu sehen, dem Sohn des letzten Schahs. Die Demonstranten zogen dann zum Prinz-Carl-Palais, wo vor dem Konsulat der USA die Abschlusskundgebung stattfand.

Eine ähnliche Demonstration fand in Frankfurt am Main statt. In Wien zogen die Exiliraner vom Heldenplatz bis zur US-Botschaft in der Bolzmanngasse.

Kein Abkommen mit den Mullahs!

Die Demonstranten richteten eine einheitliche Botschaft an Washington und forderten die politischen Entscheidungsträger auf, keine Abkommen mit Teheran zu schließen, sondern im Kampf gegen das Regime standhaft zu bleiben.

Sie argumentierten, die Islamische Republik sei geschwächt, und warnten davor, dass eine Lockerung des Drucks ihr ermöglichen könnte, sich neu zu formieren und die interne Repression zu verschärfen. Am Sonntag wurde dann bekannt gegeben, dass die Gespräche zwischen den beiden Parteien in Islamabad, Pakistan, ergebnislos beendet wurden.

Die Teilnehmer forderten zudem anhaltende internationale Maßnahmen gegen den iranischen Sicherheits- und Justizapparat angesichts der zunehmenden Hinrichtungen und der fortgesetzten Repression gegen Andersdenkende.

Erklärung von Schah-Sohn Pahlavi

Laut den Organisatoren sollten die Kundgebungen auch den Iranern im Land Gehör verschaffen, wo die Kommunikation aufgrund der anhaltenden Internetsperre weiterhin stark eingeschränkt ist – der Internet-Blackout dauert im Iran nun schon über 40 Tage an.

In einer Erklärung sagte Pahlavi, die Demonstrationen würden den Druck im Kampf gegen das Regime weiter erhöhen.

„Die Botschaft Hunderttausender Iraner weltweit ist unmissverständlich: Dies ist ein entscheidender Moment für unsere Nation und den Kampf für die Freiheit – das iranische Volk wird das Überleben dieses mörderischen Regimes nicht hinnehmen“, sagte er und fügte hinzu: „Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, ihren Kurs beizubehalten und das iranische Volk in seinem Kampf für die Freiheit zu unterstützen.“

(Auszug von RSS-Feed)
Ältere Beiträge

Umwelt Berlin ist nur eine Müllhalde

12. April 2026 um 08:01

Vorschau ansehen

Marika Schmidt im Kampf gegen die Achtlosigkeit der Berliner. (Themenbild)

Deutschlands Hauptstadt versinkt im Müll – und niemand fühlt sich zuständig. Eine Berlinerin versucht dennoch, gegen die zunehmende Verwahrlosung ihrer Gegend zu kämpfen. Eine Reportage.

Dieser Beitrag Umwelt Berlin ist nur eine Müllhalde wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.

(Auszug von RSS-Feed)

Feuerpause im Iran: Nur eine gefährliche Atempause für die Mullahs?

08. April 2026 um 11:00

Vorschau ansehen

Die USA und der Iran haben eine von Pakistan vermittelte Feuerpause vereinbart. Auf den ersten Blick klingt das nach etwas Positivem. Doch für unzählige Iraner ist diese Waffenruhe kein Grund zur Freude, sondern eine Verlängerung ihres Leidens unter einem Regime, das nie Frieden wollte.

Am 7. April 2026 kündigte der pakistanische Ministerpräsident Shehbaz Sharif die sofortige Feuerpause an. Das Weiße Haus bestätigte die Vereinbarung, und der iranische Außenminister Abbas Araghchi erklärte die Zustimmung des Mullahregimes.

Die Waffenruhe gilt vorerst für zwei Wochen und es soll in Islamabad weiterverhandelt werden. Die Straße von Hormus bleibt offen. Der Frieden, so scheint es, hat gesiegt. Und jeder vernünftige Mensch wünscht sich Frieden. Oder?

Doch Frieden mit den Mullahs ist keine dauerhafte Lösung. Das Regime in Teheran ist hochgradig ideologisiert und fanatisch. Seine erklärten Ziele, die islamische Weltrevolution und die Vernichtung Israels, haben sich in 47 Jahren nicht geändert. Die eigene Bevölkerung wird blutigst unterdrückt, Aufstände gegen die islamische Diktatur werden unter zehntausenden toten Demonstranten begraben. Die Mullahs haben seit 47 Jahren weltweit Krieg, Tod und Terror im Namen des Islam organisiert und finanziert. Die Hamas, die Hisbollah und die Huthis sind die Geschöpfe der islamischen Diktatoren. Bleibt das Terrorregime an der Macht, wird der Krieg nicht verschwinden. Er wird sich zwangsläufig wiederholen. Der Frieden wird nicht bleiben. (Tatsächlich melden trotz der Waffenruhe die Golfstaaten Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate auch weiterhin Beschuss aus dem Iran. Bahrain erklärte ebenfalls, angegriffen worden zu sein.)

Die Iraner selbst erkennen das am klarsten. Während einige Regime-Anhänger in Teheran die Feuerpause als „Sieg“ feiern, dominieren unter persischen Zivilisten, Oppositionellen und der Diaspora auf X eine tiefe Enttäuschung und Wut. Sie wollen die Mullahs um jeden Preis loswerden. Für sie wäre es der größte Verrat, wenn US-Präsident Trump das Regime jetzt überleben ließe. Alle bisherigen Opfer der Aufstände, der Demonstrationen, der Massaker und des Krieges wären dann umsonst gewesen. Die Perser sind da unmissverständlich. Keine Rettung für die Mullahs. Kein Deal, der sie an der Macht lässt.

Diese Stimmung zeigt sich in zahllosen Kommentaren auf X. Hier persische Beispiele in deutscher Übersetzung, die das iranische Volk direkt zu Wort kommen lassen:

@moeinnajafii: „Dieses Ausmaß an Freude einiger Leute über die zweiwöchige Feuerpause dient nicht dem Schutz des Lebens der Menschen und der Infrastruktur. Diese Freude rührt von der Hoffnung auf das Überleben der Mullahs oder auf das Scheitern der Revolution des Löwen und der Sonne. Ich mache keine Umschweife mit euch.“

@Sonofthebeach22: „Panikt nicht wegen der möglichen vorübergehenden Feuerpause. Die Islamische Republik wird sich entweder selbst ergeben oder Amerika wird sie dazu zwingen. In jedem Fall und nach diesen Ereignissen müssen sie gehen und verschwinden. #JavidShah“
Und: „Das sind nur einige Beispiele von Tweets unserer Landsleute im Iran kurz vor Ablauf des Ultimatums von Trump an das Regime. Schuld an diesem Krieg und all seinen Folgen trägt einzig und allein das Regime, das bis zur letzten Minute keine Einigung und keine Feuerpause wollte. Für uns gibt es nichts Schlimmeres als die Fortdauer dieses größten Feindes Irans und der Iraner. #JavidShah“

@hesamorouji: „Ich wünschte, die Terroristen der Islamischen Republik, die ihr unterstützt, würden auch mit dem iranischen Volk einen Waffenstillstand erklären, bevor sie 45.000 Menschen massakrieren. Schande und Fluch über euch Regime-Unterstützer.“

@sh_i_i_i : „Ich habe den vorherigen Tweet gepostet und sofort wurde die Feuerpause angekündigt! Jetzt hat der Mullah zwei Wochen Zeit, um Luft zu holen und mit noch größerer Härte Verhaftungen und Hinrichtungen durchzuführen!“

@sangtarash_azad: „Die Realität ist nicht das, was wir sehen. Überstürzt nichts. Hoffnung auf das Ende der Feuerpause reicht nicht. Unsere Macht kommt vom Volk. Die Macht der Regimegegner ist national. Wir dürfen in dieser Phase nicht passiv bleiben. #JavidShah“

Die Perser leiden seit Jahrzehnten unter der islamischen Theokratie. Sie wissen, jede Feuerpause ist nur eine Atempause für die Fanatiker, die nie aufgeben werden. Bleiben die Mullahs an der Macht, bleibt auch der Nahe Osten ein Pulverfass. Bei der Wahl zwischen Freiheit oder Frieden haben die Perser ihre Wahl längst getroffen. Die Frage ist, ob Donald Trump vor den Midterm-Wahlen ihrem Wunsch nachkommen wird.

Übrigens wäre es auch für die Weltwirtschaft besser, wenn den Mullahs endgültig ein Ende gesetzt werden würde. Ihr Wunsch nach einer Durchfahrtsgebühr von zwei Millionen Dollar pro Schiff ist nichts weiter als Wegelagerei und Erpressung. Die Millionen würden direkt in die Wiederaufrüstung und die Jagd nach der Atombombe fließen. Was wieder zwangsläufig zu einem weiteren Krieg führt. Frieden klingt nach der vernünftigen Option, jeder Mensch ist für Frieden. Aber wenn man es mit mörderischen Fanatikern zu tun hat, ist manchmal ein Ende mit Schrecken besser.

Addendum: Manche Perser sehen in der Feuerpause Trumps auch ein Danaergeschenk an die Mullahs. Wir werden sehen, ob ihre Hoffnung sich erfüllt.

@Tondar_Iran2500: „Verliert den psychologischen Krieg nicht. Selbst ein regime-naher Analyst gibt zu, dass diese Feuerpause für das Regime ungünstig ist. Das ist keine echte Feuerpause, sondern nur eine Phase dieses großen Krieges. #JavidShah“

@Mayekhal: „Trump hat dem Mullah-Qalibaf das Gift der Feuerpause in den Hals geschüttet. Ab jetzt wird es spannend. #JavidShah“

(Auszug von RSS-Feed)

Schluss mit Heuchelei in High Heels: Trump beendet Luxusleben für 4.000 Mullah-Günstlinge

08. April 2026 um 09:00

Vorschau ansehen

Tausende Günstlinge des Mullah-Regimes leben in den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa. Dort genießen sie Freiheiten, welche die islamistische Führung in Teheran den Bürgern zu Hause verwehrt. Doch damit dürfte nun Schluss ein.

Sie kennen das alte Sprichwort: Wasser predigen und Wein saufen. Nirgendwo zeigt sich diese widerwärtige Doppelmoral deutlicher als bei den Eliten des iranischen Mullah-Regimes. Zu Hause im Iran lassen sie die eigenen Bürger am Baukran aufknüpfen und zwingen Frauen unter den schwarzen Schleier. Doch der eigene Nachwuchs, der sonnt sich derweil im dekadenten Westen, schlürft Cocktails in Los Angeles, Miami und Las Vegas, und genießt jene Freiheiten, für deren Einforderung im heimischen Teheran nicht selten ein Todesurteil erfolgt.

Doch damit ist nun Schluss. Die Trump-Administration greift mit eiserner Faust durch. Wie Katie Miller, Ehefrau des stellvertretenden Stabschefs im Weißen Haus, Stephen Miller, auf Fox News durchsickern ließ, planen Präsident Trump und Außenminister Marco Rubio ein beispielloses Großreinemachen: Die Visa von fast 4.000 iranischen “Eliten” und Profiteuren, die sich in den Vereinigten Staaten ein feines Leben machen, sollen annulliert werden.

Um den abgrundtiefen Zynismus dieser persischen “Elite” zu begreifen, muss man sich nur eine Zahl und einen Namen ins Gedächtnis rufen: 22 Jahre und Mahsa Amini. Die junge, lebensfrohe Kurdin wurde im September 2022 von der iranischen Sittenpolizei auf offener Straße zusammengeprügelt und inhaftiert, wo sie kurz darauf starb. Ihr schreckliches “Verbrechen”? Ein paar Haarsträhnen schauten unter ihrem Hijab hervor. Während junge Frauen wie Mahsa in den Folterkellern des Regimes misshandelt und vergewaltigt werden, bevor sie elendig verrecken, weil sie ein wenig Wind in ihren Haaren spüren wollen, jetten die Töchter, Nichten und Enkelinnen der iranischen Schlächter in die freie Welt.

Das prominenteste Beispiel dieser Tage sind die 47-jährige Hamideh Soleimani Afshar und ihre 25-jährige Tochter, Sarina Sadat Hosseiny. Die beiden sind nicht irgendwer, sondern Nichte und Großnichte des 2020 durch eine US-Drohne neutralisierten Quds-Terror-Generals Qassem Soleimani. Während Onkel Qassem amerikanische Soldaten ins Visier nahm und Terrorismus in den ganzen Nahen Osten exportierte, machten es sich die beiden Damen im kalifornischen Los Angeles gemütlich.

Dort genossen sie ein Leben in vollen Zügen: westliche Kleider, kein Kopftuch, Alkohol und westlicher Lifestyle pur. Gleichzeitig nutzten sie die amerikanische Meinungsfreiheit, um ausgerechnet für die Islamische Republik Propaganda zu machen und iranische Angriffe auf US-Soldaten zu bejubeln. Doch inzwischen hat die amerikanische Einwanderungsbehörde ICE die beiden aus dem Verkehr gezogen. Wie es überhaupt so weit kommen konnte, ist klar: Die offenen Grenzen des Biden-Harris-Regimes ermöglichten es. Daten von NewsNation belegen eindrucksvoll, dass unter deren Führung fast 11.000 iranische Staatsbürger praktisch unkontrolliert ins Land strömen konnten.

Doch in Europa scheint man damit keine Probleme zu haben. Katie Miller brachte es auf den Punkt: In Großbritannien (unter dem linken Premierminister Keir Starmer) und anderen westeuropäischen Ländern hocken Verwandte von Ayatollah Khomeini bis Hassan Rouhani in den nobelsten Vierteln. Europa bietet weiterhin den großzügigen Vollkasko-Schutz für die Nachkommen jener Despoten, die den Westen am liebsten brennen sehen würden.

Zumindest in den USA weht jetzt ein anderer Wind. Außenminister Marco Rubio machte unmissverständlich klar: “Die Trump-Administration wird nicht zulassen, dass unser Land zur Heimat für Ausländer wird, die antiamerikanische Terrorregime unterstützen.” Wann werden auch die Europäer die entsprechenden Konsequenzen ziehen?

(Auszug von RSS-Feed)

Startsignal Tschernobyl

02. April 2026 um 06:03

Vorschau ansehen

In diesen Tagen jährt sich ein Ereignis, das die Welt verändert hat. Und dieses Ereignis war kein Krieg, auch wenn seine Auswirkungen denen eines Krieges ähnelten.

Der Beitrag Startsignal Tschernobyl erschien zuerst auf .

(Auszug von RSS-Feed)

Mit Kirchen-Segen in den Krieg | Von Klaus Hartmann

27. März 2026 um 09:01

Vorschau ansehen
Mit Kirchen-Segen in den Krieg | Von Klaus Hartmann

Ein Meinungsbeitrag von Klaus Hartmann.

Nach einem guten Jahr Vorbereitungszeit mit Seelenmassage und Gehirnwäsche bei ihren Schäfchen haben es die Oberhirten geschafft – nach dem „Operationsplan Deutschland der Bundeswehr“ gibt es jetzt den „Geistlichen Operationsplan Deutschland“ mit der offenbar lustig gemeinten Abkürzung „GOD“. Man erinnert sich: „In God we trust“ – das Motto ziert alle Münzen und Geldscheine der USA; seit 1955 ist das gesetzlich vorgeschrieben. Von Gottvertrauen haben sich die beiden Kirchen beim Verfassen des Plans eher nicht leiten lassen, zumindest nicht von Jesu Wort nach dem Johannes-Evangelium „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.

Für ihren göttlichen „GOD“-Plan haben sich evangelische und katholische Kirche zusammengetan und ein „ökumenisches Rahmenkonzept“, ein Arbeitspapier verfasst, mit dem sperrigen und fast harmlos klingenden Namen „Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“.

Schon 2024 und 2025 wurden entschlossene Schritte in Richtung der sogenannten „Kriegstüchtigkeit“ unternommen, die Verteidigungsminister Pistorius unter Verwendung der Losung von Joseph Goebbels proklamiert hat. Möglicherweise ist es auch als Besinnung auf die kirchliche Kernkompetenz zu deuten: die Frage eines Lebens nach dem Heldentod.

Wo es langgeht (zur Front), machte schon der Evangelische Kirchentag 2025 in Hannover deutlich. Dort diskutierten u.a. der russophobe Roderich Kiesewetter (CDU), Militärhistoriker Sönke Neitzel, Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Die Linke) und der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck über Waffen. Neitzel sieht „den Westen im Kampf der demokratischen Systeme gegen eine Autokratie, gegen eine Diktatur, gegen Russland“ (zdf heute, 07.06.2024). Kiesewetter beim Kirchentagspodium: „Waffen sind notwendig, aber nicht hinreichend, ein nachhaltiger Friede, ist einer der bewaffnet ist. Er muss stark genug abgesichert werden.“ Christliche Friedensaktivisten mussten sich auf einem „Alternativen Kirchentag“ treffen, mit der früheren EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann als Schirmherrin. Sie will sich weiterhin „der Aufrüstung entgegenstellen“ und bedauerte die Entfremdung zwischen Friedensbewegung und Kirchentag. (BR24, 02.05.2025)

Katholische Bischöfe: Militärische Antworten

Am 13. Oktober 2025 hat die Deutsche Bischofskonferenz eine „Erklärung zum Wehrdienst“ veröffentlicht, in der sie „angesichts der aktuellen sicherheits- und gesellschaftspolitischen Herausforderungen“ den Regierungsentwurf zum Wehrdienst begrüßt, „der darauf abzielt, die personelle Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr zu stärken“. Ziel müsse sein, „zu einem breiten Konsens in der Bevölkerung zu gelangen“, um „die Resilienz der Gesellschaft (zu) stärken“. „Die Bischöfe fordern eine breite Debatte darüber, wie Deutschland militärisch ‚verteidigungsbereit‘ werden kann“, meldet domradio am 14.10.2025.

Die Bischöfe erklären, „dass die Gewährleistung einer angemessenen Verteidigungsfähigkeit notwendig ist und in der aktuellen Situation deshalb eine Stärkung der Verteidigungsbereitschaft gut begründet erscheint“. Als hätten sie am Gesetzentwurf mitgeschrieben befürworten die Bischöfe „ein gestuftes Modell: Zunächst freiwillige Wehrdienstleistende“ und „verpflichtende Maßnahmen, die nur als letztes Mittel ergriffen werden – wenn nämlich nicht anders die militärische Verteidigung sichergestellt werden könne“. Schließlich wollen sie „die Fragen der Geschlechtergerechtigkeit und der Generationengerechtigkeit bedacht“ sehen.

Dann kommen die Gottesmänner zur Sache und treten das Achte Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ in die Tonne, wenn sie schreiben: „Bereits mit dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat sich seit 2014 die sicherheitspolitische Lage für Deutschland, die EU und die NATO grundlegend gewandelt.“ Das entspricht zwar der NATO-Propaganda, aber nicht den Tatsachen. Der einzige Angriffskrieg, der 2014 begann, war die „Anti-Terror-Operation“ der von den NATO-Ländern unterstützten Kiewer Putschisten gegen die verfassungstreue Bevölkerungsmehrheit im Osten und Süden der Ukraine. Gegen sie wurden Armee und Nazi-Bataillone in Marsch gesetzt, dieser Feldzug forderte nach den Zahlen der OSZE bis Ende 2021 über 14.000 Tote. Davon wollen die Bischöfe wohl ebenso wenig wissen, wie vom Aufmarsch von über 120.000 Soldaten zur Unterwerfung des Donbass Anfang 2022, mit Angriffstermin Anfang März. Wie auch von den Minsker Abkommen, die 2014 und 2015 die Lage befrieden sollten, die aber – obwohl vom UN-Sicherheitsrat als bindend beschlossen – von der NATO genutzt wurden, um Zeit für den Krieg gegen Russland zu gewinnen.

Weiter im katholischen Kriegstreibertext: „Mit der Vollinvasion 2022 hat sich diese Situation noch einmal dramatisch verschärft. Die realistischen Bedrohungsszenarien erfordern politische und militärische Antworten auf verschiedenen Ebenen. Dazu gehört die Gewährleistung einer angemessenen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit.“ Die „Bedrohungsszenarien“ können sie „realistisch“ nur von den Propagandastäben der Kriegsministerien übernommen haben, die mit Bedrohungslügen die wahnsinnige Hochrüstung befeuern wollen. „Militärische Antworten“ sind ihr frommer Wunsch! Bischofsmund tut Lügen kund.

Dann mahnen die Bischöfe an, „Vertrauen in der Bevölkerung (zu) schaffen, das für das Mittragen weitgehender Einschnitte in die persönlichen Freiheitsrechte“ erforderlich sei, dies aber sehen sie durch „gefährliche gesellschaftliche Spaltungsprozessen bedroht“, und zwar durch „populistische Kräfte, die Ängste und Vorurteile schüren, die Grundwerte unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung angreifen und zur Polarisierung in der Gesellschaft beitragen. Diese Entwicklungen werden auf Dauer nicht ohne Auswirkungen auf die Bereitschaft bleiben, sich in einen Dienst für die Gesellschaft zu stellen.“ Und dafür lasset uns beten …

Evangelische Kirche: Ohne Waffen geht es nicht

Auch bei der Konkurrenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), ist es um den Frieden nicht besser bestellt. Bei ihrer Synode vom 9. bis 12. November 2025 in Dresden, wo sie eine neue „Friedensdenkschrift“ vorstellte, war Bundesaußenminister Johann Wadephul als Gastredner eingeladen, um die neue Denkschrift zu loben: „Sie erkennt an, dass die Anwendung von Gegengewalt durch einen angegriffenen Staat nicht nur völkerrechtlich, sondern auch ethisch gerechtfertigt ist“. Und sie akzeptiere, dass ein kategorischer Pazifismus als universale politische Ethik nicht zu legitimieren sei. Zur Frage der Waffenlieferung in die Ukraine – die Denkschrift fordert hier eine „Prüfung im Einzelfall“ – hätte sich der Außenminister einen „klareren Schritt“ gewünscht: „Denn zumindest für mich ist klar, dass hier, in der Ukraine, die Bedingungen für das Vorliegen der ‚rechtserhaltenden‘ Gewalt so eindeutig erfüllt sind wie in kaum einer anderen denkbaren Konstellation. Denn die Alternative zur Gegengewalt ist Butscha.“

Natürlich will der Märchenonkel nicht auf den Schauer verzichten, der dem westlichen Propagandakonsumenten beim Stichwort „Butscha“ über den Rücken läuft. Das ist jener Ort nahe Kiew, in dem alle Indizien darauf verweisen, dass nach Abzug der russischen Soldaten die Russland-loyalen Einwohner durch ukrainische Nazis niedergemetzelt wurden, um dann den Russen die Morde anzulasten. Da hilft auch der EKD nur ein starker Glaube.

Da gab es für Bischöfin Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, kein Halten mehr: „Erlauben Sie mir, Ihnen meinen aufrichtigen Respekt auszusprechen: Sie sind mit Aufrichtigkeit, Klarheit und Empathie ein Christenmensch in der Politik, der sich zutiefst den Grundwerten des christlichen Glaubens verbunden weiß, schleimte die Bischöfin. Und sie sekundierte: „ein Friede, der nur auf die Abwesenheit von Gewalt setzt, die anderen Dimensionen aber vernachlässigt, (bleibt) instabil“. Gelehrig zeigte sich Fehrs, als sie fast wörtlich den Text der Seite des Verteidigungsministerium zu „hybridem Krieg und Destabilisierung“ aufsagte:

„Angefangen von (stattfindenden) Cyberangriffen über gezielte Desinformation bis zur Unterwanderung öffentlicher Diskurse zielt hybride Kriegsführung auf alles, was plurale Gesellschaften und Demokratien im Kern ausmacht: Vertrauen, Debattenkultur und die Stärke des Rechtsstaats.“

„Unsere Demokratie“ hat es der Bischöfin ohnehin angetan, sie mahne „zum aktiven Eintreten für eine offene Gesellschaft“, nicht zu offen allerdings, denn sie sieht die AfD „außerhalb der Grundlagen des Grundgesetzes“, und ließ in ihrer Dresdner Rede „Sympathien für Forderungen nach einem Verbot der AfD erkennen“, so die ARD-Tagesschau am 09.11.2025. Bischöfin Fehrs predigt aber auch die Worte des Propheten Merz:

„Dieser Angriffskrieg bleibt ein himmelschreiendes Unrecht, das wir niemals akzeptieren dürfen. Der russische Diktator könnte das Morden von heute auf morgen beenden, wenn er das wollte.“

Von ihrer lernfähigen Seite zeigte sich auch Katrin Göring-Eckardt; der Rat der EKD hatte die grüne Bundestagsabgeordnete und gelernte Küchenhilfe als Mitglied der 13. EKD-Synode berufen. Dort gab sie zum Besten: „Man könnte auch sagen, die evangelische Kirche hat etwas gelernt: Um Frieden sicherzustellen, ist es nötig, sich selbst verteidigen zu können – bis hin zu einem gezielten Militäreinsatz, wenn etwa ein Diktator nach Massenvernichtungswaffen strebt.“ Leider ist nicht überliefert, ob sie dabei den Bundeskanzler Merz gemeint hat, der zwar keine „deutschen“ Atomwaffen will, aber einen „europäischen nuklearen Schutzschirm“, für den er gerne Bundeswehrflugzeuge bereitstellt. (Spiegel, 18.02.2026)

Wie viel Friede steckt in der EKD-„Friedensdenkschrift“?

Die bei der Synode in Dresden vorgestellte neue „Friedensdenkschrift“ trägt den Titel „Welt in Unordnung“; sie begründet gewissermaßen ihr Zustandekommen mit den Worten: „Die Welt ist in Unordnung: Der völkerrechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine geht ins vierte Jahr. Seit dem Terrorakt der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 verschärft sich die Situation im Nahen Osten immer weiter – mit grausamen humanitären Folgen.“ Die NATO-Propagandaformel vom russischen Angriffskrieg wird fromm nachgebetet, vom Völkermord in Palästina kein Sterbenswörtchen, und den Hinweis, dass bewaffneter Widerstand gegen ein Besatzerregime völkerrechtlich legitim ist, scheut man wie der Teufel (angeblich) das Weihwasser.

Entstanden sei das Werk wegen „sicherheitspolitischen Herausforderungen gerade nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine, aber auch nach dem überhasteten Ende des Einsatzes in Afghanistan“. Der Umfang von fast 150 Seiten lässt erahnen, wie viele davon mit Friedens-„Visionen“, „friedensethischen Erwägungen“, biblischen Friedensverheißungen und allerlei schmückendem Beiwerk vollgeschrieben sind. Über lange Strecken finden sich wohlklingende Formulierungen über gerechten Frieden, Entwicklungszusammenarbeit und zivile Konfliktbearbeitung. Wer sich durchkämpft, findet Passagen, wo die „Katze aus dem Sack gelassen“ wird, wie die Forderung nach „friedensethische(r) Güterabwägungen in Bezug auf konventionelle und nukleare Abschreckung, um Waffenlieferungen, um Wehr- und Dienstpflicht, um die Herausforderungen hybrider Kriegsführung und Terrorismus.“

Jedenfalls kann man nicht behaupten, dass die Autoren zur Legitimierung von Gewalt und Waffen nicht erfinderisch waren. Dazu haben sie eine „Figur“ erfunden, die „rechtserhaltende Gewalt“. Die geht so: Im staatlichen und zwischenstaatlichen Handeln kann zur Durchsetzung des Rechts „Gegengewalt nötig sein. Diese Gegengewalt wird in der Figur ‚rechtserhaltender Gewalt‘ gefasst. Sollten Waffenlieferungen erfolgen, sind die Kriterien rechtserhaltender Gewalt analog anzuwenden“, und auch völkerrechtswidrige „Wirtschaftssanktionen als Zwangsmaßnahmen stellen eine Möglichkeit im Sinne einer Ethik rechtserhaltender Gewalt dar.“ Die Synodalen „erkennen an, dass der Staat in bestimmten Fällen Gewalt mit Gegengewalt begrenzen oder eindämmen muss“ und kritisiert die EKD-Synode von 2019, weil damals „die Notwendigkeit einer Ethik der rechtserhaltenden Gewalt abgeblendet wurde“.

Es folgen Glaubensbekenntnisse, dabei hatte man keine Hemmungen, die berüchtigte imperialistische Floskel zu benutzen: „Die Außen- und Sicherheitspolitik Deutschlands, die insbesondere seit 1990 auf die Stärkung der internationalen regelbasierten Ordnung setzte, ist unter Druck geraten.“ Die NATO-Aggression gegen Jugoslawien haben die Pfaffen vergeben und vergessen. Denn „die liberale Demokratie ist und bleibt jene Staatsform, die die Menschenrechte in allen Dimensionen am umfassendsten gewährleisten kann“, aber „Demokratien sind besonders anfällig für hybride Kriegsführung.“ Woraus folgt: „Alle Bürgerinnen und Bürger sollten im Sinne einer umfassenden sicherheitspolitischen Widerstandsfähigkeit verteidigungsfähig sein.“ Da kann ein klares Feindbild behilflich sei, weswegen die Evangelen behaupten, es würden „vom Moskauer Patriarchat der Russisch-Orthodoxen Kirche Teile der Menschenrechte als ‚westliche Werte‘ diffamiert und mit der angeblichen Notwendigkeit ihrer Bekämpfung der völkerrechtswidrige Krieg gegen die Ukraine gerechtfertigt“.

Die Regierungsparole, dass „Deutschland wieder kriegstüchtig werden“ muss, erhält eine fromme Überzuckerung, denn wenn „Kriegstüchtigkeit auf die Bereitschaft zielt, die eigenen Werte auch unter Androhung und im äußersten Fall unter Einsatz ethisch verantworteter Gewalt zu verteidigen, nimmt dieser Terminus ein Anliegen auf, das mit der hier entwickelten Position vereinbar ist.“ So „muss Deutschland in enger Abstimmung mit den Staaten der Europäischen Union und der NATO in die sicherheitspolitische, aber auch in die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit investieren“.

Wie ein Kommentar zum US-israelischen Überfall auf den Iran liest sich: „Wenn der Erwerb von Massenvernichtungswaffen unmittelbar bevorsteht, ihr Einsatz konkret angedroht ist und alle diplomatischen Mittel erschöpft sind, kann eine militärische Reaktion bei Abwägung aller Umstände des Einzelfalls als Selbstverteidigung gegen einen unmittelbar bevorstehenden Angriff betrachtet werden.“

Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) kommentierte am 10.11.2025: „Für die Evangelische Kirche ist es eine Zeitenwende“, mit der „Friedensdenkschrift unternimmt die EKD eine deutliche Abkehr vom Pazifismus der 70er- und 80er-Jahre (…) unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs in der Ukraine (…) Sicherheitspolitik dürfe niemals ausschließlich auf militärische Stärke setzen – ganz ohne Waffen, ganz ohne Militär, ganz ohne Bündnispartner geht es aber eben auch nicht“. So würden auch die Evangelen anschlussfähig für die Bundeswehr. Die Friedensinitiative Dresden fragt:

„Wo bleibt in der Öffentlichkeit der hörbare Aufschrei? – Wer vertritt heute die Traditionslinie der Bekennenden Kirche und wer hält den Geist der Barmer Erklärung wach?“

Militärbischöfe leisten Beistand

Für eine „langsame Annäherung an Wehrpflicht“ hat sich bereits am 2. April 2025 der EKD-Militärbischof Bernhard Felmberg im Interview mit evangelisch.de ausgesprochen, wobei er in aller Offenheit die wieder geltende Maxime „Kanonen statt Butter“ erklärt: Da die Bundeswehr deutlich mehr Geld bekommt, „muss auch klar sein: Dafür muss woanders gespart werden. Das wird ein schmerzhafter Prozess werden in der Gesellschaft.“

Immerhin gibt es Hoffnung auf mehr Arbeitsplätze: „Ich glaube, dass mittelfristig die Anzahl der Militärpfarrerinnen und -pfarrer steigen wird. Im Moment haben wir 104 evangelische Militärgeistliche, 100 in Deutschland, 4 im Ausland. Wir müssen das Netz verdichten, weil wir momentan nicht in der Lage sind, all das nachzuhalten, was von uns gefordert wird. Konkret: Wir wollen in einem Katastrophenfall in der Lage sein, als Kirche den Menschen beizustehen, die uns brauchen.“ Und zwar so:

„Was meine ich? Ein ganz plastisches Beispiel: Wenn mich ein 19-jähriger Soldat fragt, ob ich an der Seite seiner Familie bin, wenn er im Einsatz stirbt, möchte ich antworten können: Ja, das sind wir. Das kann aber die Militärseelsorge allein nicht leisten. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Kirche.“

„Die Militärgeistlichen sind im Auslandseinsatz eng dabei“, man werde auch die Brigade in Litauen begleiten, dem Vorposten der gegen Russland vorrückenden NATO. Militärbischof Felmberg: „Dort werden etwa 6.000 Soldatinnen und Soldaten stationiert, teilweise fest mit Familien, mit Zivilbeamten der Bundeswehr. Das heißt, man rechnet mit rund 10.000 Menschen vor Ort. Wir planen deshalb mit einer festen Pfarrstelle, vielleicht sogar mit zweien.“ Am 21. Juli 2025 feierte Felmberg seinen 60. Geburtstag mit einer Festveranstaltung in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, u.a. eingerahmt von Bundeswehrgeneral Carsten Breuer und der EKD-Ratsvorsitzenden Fehrs.

Als Gastredner sprach der Potsdamer Militärhistoriker Sönke Neitzel zur „Zeitenwende“ und fragte, ob die Bundeswehr und die NATO die richtigen Schlüsse aus dem Ukrainekrieg zögen, weil: „Wir leben eben nicht mehr im Frieden.“ Felmbergs katholisches Pendant, Militärbischof Franz-Josef Overbeck, „sieht Europa durch einen ‚Systemkrieg‘ Russlands herausgefordert“. Er findet „Waffenlieferungen moralisch vertretbar“, schließlich müsse man die „Freiheit notfalls mit Waffen verteidigen“. „Ebenso müsse die Rüstungsproduktion über die Landes- und Bündnisverteidigung hinaus ein angemessenes Engagement im Rahmen internationaler Krisenbewältigung ermöglichen, sagte Overbeck.“ (Domradio, 25.05.2024). Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland gibt er zu Protokoll: „Russland hat Grenzen und Gesetze gebrochen. Frieden um jeden Preis ist ethisch nicht verantwortbar.“ (19.04.2025)

Der geistliche Plan für den Krieg

Den eingangs erwähnten Plan namens „GOD“ wollten die Verfasser offenbar ebenso geheimhalten wie die Bundeswehr das weltliche Gegenstück „Operationsplan Deutschland“, aber die militärkritische „Ökumenische Initiative zur Abschaffung / Reform der Militärseelsorge“ hat das 26-Seiten-Papier auf ihrer Internetseite öffentlich gemacht.

Ein Kommentar von Klaus-W. Müller aus Frankfurt/M. auf der Seite fasst den Plan der Geistlichen zusammen:

„In diesem Papier steht, dass wir (Diakone, Pfarrer, Pastor*innen) im Kriegsfall die vielen Todesnachrichten überbringen sollen, den Kriegswitwen und -waisen beistehen sollen, dass wir im Kriegsfall eng mit ‚staatlichen Stellen‘ zusammenarbeiten sollen und vor allem dass wir für ‚Ruhe und Ordnung‘ im Land sorgen sollen.

Und er fragt weiter: Warum steht im oben genannten Plan NICHT, dass wir im Kriegsfall zur Kriegsdienstverweigerung aufrufen und Deserteure unterstützen sollen? Warum steht im oben genannten Plan nicht, dass wir uns im Kriegsfall für einen sofortigen Waffenstillstand, für Abrüstung, Verhandlungen und gewaltfreie Methoden einsetzen sollen?“

Einleitend schreiben die göttlichen Autoren, der Plan benenne „angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen … die seelsorglichen Aufgaben in Szenarien militärischer Bedrohung und gewaltsamer Konflikte, die auch Deutschland unmittelbar betreffen können. Dabei werden mögliche Belastungen für Zivilbevölkerung, Soldatinnen und Soldaten, Einsatzkräfte, Verwundete, Gefallene, Kriegsgefangene und Geflüchtete in den Blick genommen. Das Konzept zeigt auf, wie kirchliche Strukturen vorbereitet, vernetzt und gestärkt werden können, um in Krisenfällen handlungsfähig zu bleiben und den Menschen beizustehen. Nicht zuletzt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine zeigt, dass so ein Fall tatsächlich eintreten kann.“

Als „Ersatz-Katechismus“ gilt offenbar die Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesregierung, garniert mit neuen Lügen von der Bedrohung aus dem Osten: „Deutschland und seine europäischen Nachbarn sind jetzt schon Angriffsziel: Hybride Bedrohungen, Angriffe auf die kritische Infrastruktur, Cyberattacken sind nur einige Stichpunkte. Alle relevanten Akteure aus Militär, Nachrichtendiensten und Wissenschaft warnen davor, dass Russland bereits vor Ende dieses Jahrzehnts in der Lage sein könnte, NATO-Gebiet anzugreifen.“ Dabei stehen ihnen „drei Szenarien“ vor den geistlichen Augen:

  • „Im Spannungsfall steht eine militärische Auseinandersetzung bevor, auf die sich Deutschland und seine Bündnispartner vorbereiten.
  • Der Bündnisfall tritt ein, wenn ein Mitgliedsstaat oder mehrere Mitgliedsstaaten in Deutschlands Bündnissen (NATO oder EU) angegriffen werden. Damit tritt Deutschland ggf. in einen internationalen bewaffneten Konflikt ein. Deutschland ist aber selbst nicht Ort der militärischen Auseinandersetzung.
  • Im Verteidigungsfall wird Deutschland selbst durch militärische Kräfte angegriffen und wird somit selbst zum Gebiet militärischer Auseinandersetzungen.“

Allen Ernstes glauben die Verfasser, im „Operationsplan Deutschland“ der Bundeswehr seien „Verfahren, Abläufe und Zuständigkeiten festgelegt, um die Bürgerinnen und Bürger Deutschlands zu schützen und den Einsatz der alliierten Streitkräfte im Grenzgebiet der NATO sicherzustellen“. Jetzt gehe es um die Erzeugung eines „gesamtgesellschaftlich resilienten Mindsets“, um Fragen nach „der Funktionsfähigkeit der Gesellschaft, wenn die Streitkräfte an der Ostflanke stehen und das Bündnis verteidigen“, und natürlich: „Welche Rolle und Aufgabe haben die Religionsgemeinschaften und ihre Seelsorgenden“? „Wenn eine erhöhte Anzahl von Soldatinnen und Soldaten im Inland betreut werden muss, erfordert das mehr Militärgeistliche und einen Ausbau der Struktur der Militärseelsorge.“

Der Ernstfall für die Gottesmänner (und -frauen)

Diese Lage erwarten die Propheten: „Im Bündnisfall wird die Hauptfunktion Deutschlands die einer logistischen Drehscheibe sein. Das heißt, durch Deutschland werden militärisches Material und Personal transportiert. Gleichzeitig werden Verwundete und Gefallene nach Deutschland zurückgebracht und von hier aus weitertransportiert werden. Aufgrund der Erfahrungen aus dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine sollte von einer hohen Anzahl an Verwundeten und Gefallenen ausgegangen werden.“ „Sowohl im Bündnis- wie auch im Verteidigungsfall werden gefallene Soldatinnen und Soldaten nach Deutschland gebracht werden. Für die Religionsgemeinschaften stellen sich hier insbesondere Fragen nach den Formen einer würdigen Bestattung und multireligiöser Trauerfeiern. Ferner ist zu fragen, in welcher Weise die Überbringung von Todesnachrichten erfolgen wird und wie diese seelsorglich begleitet werden kann. Wer begleitet die Hinterbliebenen? Was geschieht mit Gefallenen anderer Streitkräfte?“

In Deutschland erwarten die geistlichen Planer: „Durch (die) Bewegungen im Land wird es für die Zivilbevölkerung Einschränkungen in bisher unbekanntem Ausmaß geben. Das wird zu großer Verunsicherung führen und auch hier Betreuungsbedarf generieren.“ „Es ist mit einer hohen Anzahl von Soldatinnen und Soldaten zu rechnen, die stark belastet bzw. mit Traumafolgestörungen nach Deutschland zurückkehren. Wer steht für die Kriegsrückkehrenden und die Familien seelsorglich zur Verfügung?“ Danach werden Fragen zur organisatorischen Bewältigung der „weitreichenden Schadenslagen“ behandelt, und ein bemerkenswertes Beispiel in Erinnerung gerufen: Es gäbe „kaum Bedarf an neuen Strukturen – wo das Rahmenkonzept sie ausnahmsweise nahelegt, zieht es Lehren aus der Zeit der Corona-Pandemie.“

Die Kirchen sollen sich auf diese Katastrophe vorbereiten. „Unabdingbar ist die Einrichtung von Krisenstäben jeweils auf landeskirchlicher und diözesaner Ebene. Nur so wird sich die seelsorgliche Praxis bei verheerenden Ereignissen anpassen können.“ „Es geht dabei konkret um die nötige Unterstützung der Menschen, deren Dienst für die Aufrechterhaltung der Ordnung in einem Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall mitentscheidend ist.“ „Der weitaus größte Bereich seelsorglicher Praxis wird es mit Menschen zu tun haben, die in einem Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall zur Zivilbevölkerung zählen.“ „Es ist mit Massentraumatisierungen zu rechnen. Diese setzen individueller psychologischer oder seelsorglicher Begleitung Grenzen.“ „Aus den Vorbereitungen zu einer Seelsorge im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall heraus entsteht zudem eine erweiterte liturgische Sprachfähigkeit in allen gottesdienstlichen Zusammenhängen.“ Das ist scheinbar ein Gewinn.

Für die medizinische Versorgung wird nicht Gutes erwartet. „Bei einem bewaffneten Konflikt auf deutschem Staatsgebiet im Verteidigungsfall ist davon auszugehen, dass die Opferzahl in der Zivilbevölkerung sehr hoch sein wird. Das Gesundheitssystem wird im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall vor größte Herausforderungen gestellt. Kapazitäten für verletzte Soldaten, möglicherweise auch Zivilisten, und psychisch überlastete Personen greifen tief in den Regelbetrieb ein und können selbstverständlich gewordene Standards der bestmöglichen individualmedizinischen Versorgung außer Kraft setzen. Triagierungen und die damit verbundenen Herausforderungen sind hier nur eine mögliche Intervention. Unabhängig davon, wie gut die Aufgabe bewältigt werden kann, wird der Bündnis- oder Verteidigungsfall für das medizinische Personal zu einer extremen Belastung: vermehrte Arbeitszeiten, Konfrontation mit ungewohnten Arten von Verletzungen, Umgang mit eigenen Sorgen und Ängsten.“

Wenn schon die medizinische Betreuung nicht funktionieren wird, sollte es doch am religiösen Beistand nicht mangeln: „In einer solchen Situation kommt der Krankenhausseelsorge eine neue Bedeutung zu, die sich aus der aktuellen Praxis der Seelsorge in Gesundheitseinrichtungen ableitet, diese aber überschreiten wird. Eine möglicherweise erforderliche zivil-militärische Zusammenarbeit im Gesundheitssystem wird eine engere Vernetzung mit Militärseelsorgenden notwendig machen. Natürlich gilt es einerseits, den Regelbetrieb der Krankenhausseelsorge soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Ein verstärktes Angebot von Gottesdiensten, Ritualen und Gebeten wird ein kaum zu überschätzendes Element sein, um möglichst viele Menschen spirituell begleiten zu können.“

Fromme Worte und Gebete werden leider nur sehr begrenzt eine lebenserhaltende Wirkung entfalten, daher muss man dem Ende ins Auge sehen: Der „Seelsorge in Form der Trauerbegleitung und Gespräche zur Vorbereitung einer Trauerfeier.“ „In einem Bündnis- oder Verteidigungsfall mit Kampfeinsätzen und eventuell Anschlägen, Raketenbeschuss, Drohnenangriffen sowie Bombardierungen wird es zu Gefallenen und Verwundeten kommen. Den Gefallenen kommt eine besondere Fürsorge zu: Nach Möglichkeit werden die Gefallenen im Kreise der Familie bestattet. Wenn die Zahl der Gefallenen sehr hoch sein sollte und ein Transport in die Heimat nicht mehr möglich ist, werden andere Möglichkeiten des Gedenkens an die Gefallenen für die Zu- und Angehörigen außerhalb der Bundeswehr geschaffen werden müssen.“ Gedacht ist an die „Schaffung von temporären oder festen Gedenkorten und -zeiten (…). Neben dem Volkstrauertag, dem Ewigkeitssonntag und Allerseelen werden weitere Zeiten und Orte geschaffen …“

Das alles sollte am Geld – des Steuerzahlers – nicht scheitern. „Wenn rechtzeitig Vorbereitungen erfolgen, können im Ernstfall Ressourcen besser aktiviert und rascher ausgebaut werden. Aufgrund der finanziellen Situation der Kirchen werden zurzeit auch dort Stellen abgebaut, wo sie im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall gebraucht werden.“ Dabei dürfen wir nie vergessen, dass die segensreiche Tätigkeit von Militärbischöfen bis zur Militärseelsorge nicht aus Mitteln der Kirchensteuer, sondern aus dem „Verteidigungs“-Haushalt finanziert wird. Was zumindest den kleinen Trost spendet, dass diese paar Euro wenigstens nicht für scharfe Munition zur Verfügung stehen.

Sehenden Auges dem Ende entgegen

Die Pfaffen beschreiben in ihrem „Plan“ beängstigend realistisch die erwarteten Opfer unter der Zivilbevölkerung, die hohe Zahl an Toten und Verwundeten an der Front und ein kollabierendes Gesundheitswesen – und dazu fällt ihnen aber nur ein, wie sie das Kanonenfutter moralisch aufrüsten und nach dessen Ende dann mit christlichem Trost und Segen unter die Erde bringen. Und wie die Regierungslautsprecher haben sie keinen Zweifel, dass die Bedrohung aus dem Osten kommt, und der Krieg, auf den sie sich vorbereiten, gegen Russland geführt wird.

Kein Gedanke daran, sich dem Marsch in den Krieg zu widersetzen, stattdessen sehen sie ihren Platz als gut geschmierte Rädchen in der Kriegsmaschinerie. Dabei vergessen sie sogar ihre eigene Glaubensmaxime „Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird gesät in Frieden für die, die Frieden stiften“ (Jakobus 3, 18) oder „Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ (Psalm 34,15) oder „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus 5,9). Die innerkirchliche Opposition gegen den militaristischen Kurs der Kirchenoberen ist leider sehr leise und scheint auf verlorenem Posten zu stehen.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es eine gute Nachricht, wenn die beiden großen Kirchen weiter in schnellem Tempo Mitglieder verlieren. Die EKD registrierte 2025 rund 350.000 Austritte, der katholischen Kirche kehrten gut 307.000 Menschen den Rücken, zusammen 657.000 „verlorene Schafe“. Den evangelischen Landeskirchen gehörten am 31. Dezember 2025 rund 17,4 Millionen Menschen an, Ende 2024 waren es noch 17,9 Millionen gewesen, die katholische Kirche hatte im Dezember 2025 noch 19,2 Millionen Mitglieder, im Jahr zuvor waren es noch 19,7 Millionen. Etwa 1,2 Millionen seien 2025 aus den beiden Kirchen ausgetreten oder verstorben, meldete die ARD-tagesschau am 16.03.2026. Damit liegt ihr gemeinsamer Anteil nur noch bei etwa 44 Prozent der Bevölkerung, so die Stuttgarter Zeitung, ebenfalls am 16.03.2026.

Der neugewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, kommentierte die Entwicklung mit den Worten, die Kirche müsse „nach Wegen suchen, wie Christsein heute in der Gesellschaft zu größerer Akzeptanz führen kann“, (Klerikalportal katholisch.de, 17.03.2026). Ob der Weg in den Militarismus dazu geeignet ist?

+++

Klaus Hartmann ist Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes.

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Bischöfe im Kölner Dom
Bildquelle: BalkansCat / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Der Iran-Krieg und die Berichterstattung im deutschen Mainstream

26. März 2026 um 13:00

Vorschau ansehen

Die Berichterstattung zum Iran-Krieg 2026 offenbart eine deutliche mediale Schieflage. Während deutsche Leitmedien vor allem Eskalation, Opferzahlen und wirtschaftliche Folgen betonen, rückt die grundlegende Frage nach dem Charakter des iranischen Regimes in den Hintergrund. Begriffe wie Verteidigung westlicher Interessen werden kaum verwendet. Gleichzeitig entsteht ein Narrativ, das militärisches Eingreifen primär problematisiert und politische sowie ideologische Hintergründe nur unzureichend einordnet.

Gastbeitrag von Tom Stahl

Der deutsche Mainstream (ARD, ZDF, ntv, Welt, aber auch Teile der alternativen Medien) berichtet über den Iran-Krieg 2026 vorwiegend weinerlich und klagend: Statt von Befreiung von einem religiös faschistischen Regime oder der Verteidigung der westlichen Werte (auch im Vergleich zur Ukraine) oder der Freiheit ist ständig von „Krieg im Nahen Osten“, „Eskalation“, „asymmetrischem Desaster“ und „globalem Leid“ die Rede.

Der Fokus liegt auf Zivilopfern im Iran, explodierenden Ölpreisen, Energiekrise in Europa und humanitären Kosten, während US- und israelische Soldaten kaum als Helden, sondern als Teil einer „riskanten Trump-Operation“ dargestellt werden. Typische Schlagzeilen: „Hat sich Trump verrechnet?“ (ZDF), „Trumps Zick-Zack-Kurs“ (tagesschau), „Mullahs halten stand“ (ntv) oder Zweifel am Regime-Sturz. Politiker wie Steinmeier kritisieren die Angriffe als „dubios“ und fordern Diplomatie, Umfragen zeigen breite Ablehnung – die Medien verstärken das.

Subtil schwingt die Hoffnung mit, Trump scheitere: „Regime-Sturz nicht in Sicht“, „Trump gefangen im asymmetrischen Krieg“, man wartet auf explodierende Preise und Rückzug. Der allgegenwärtige Antisemitismus ist nie offen, sondern getarnt in Pazifismus und Völkerrecht: Iranische Vernichtungsrhetorik gegen Israel wird relativiert („Iran reagiert nur“). Israel wird als alleiniger Aggressor hingestellt, die jahrzehntelange iranische Terror- und Kriegsführung heruntergespielt.

Wir sehen selektive Empörung über Zerstörungen in Teheran, fast nichts über iranische Judenverfolgung, Massenhinrichtungen oder Frauenunterdrückung. Es ist der „neue Antisemitismus“, der das Regime entlastet und Anti-Israel-Haltung als Moral verkauft.

Es ist auch jetzt dieselbe Haltung wie 1979, als Linke Khomeini feierten – nur jetzt als „kritische Berichterstattung“.

(Lesen Sie auch: Wie Linke 1979 Khomeini an die Macht brachten – und bis heute nichts gelernt haben)

Im krassen Kontrast zum deutschen Mainstream berichten Fox News und konservative US-Medien über den Iran-Krieg 2026 klar, patriotisch und freiheitlich: Das islamistische Terror-Regime wird seit 1979 als existenzielle Bedrohung für Amerika, Israel und die freie Welt benannt – ohne jede Relativierung. Berichte feiern „decisive steps“, „largest strike package yet“, „Mullahs tremble!“ und „7000 Ziele zerstört“. Präsident Trumps Ansagen gelten als notwendig und stark. US-Truppen und israelische Piloten werden als Helden der Freiheit geehrt, mit Videos von Präzisionsschlägen, Soldaten-Interviews und Lob für „Operation Epic Fury“ – Kosten? „Ein kleiner Preis für die Sicherheit der Welt“. Die Chance auf einen echten Regime-Change und die Befreiung der Iraner von der Theokratie werden positiv hervorgehoben.

Es ist die einfache Erkenntnis: Schwäche lädt Terror und das Böse ein. Im links geprägten Europa hat man jahrzehntelang diese Schwäche ausgiebig gelebt, in der katastrophalen Fehleinschätzung, dass man nur tolerant genug sein müsse, damit es die „anderen“ irgendwann auch wären. Der Iran ist ein Feind der Freiheit und der Demokratie, der seit Jahrzehnten Amerikaner tötet und über seine Proxys Israelis umbringt – und der ganz nebenbei auch Europa immer weiter zu destabilisieren versucht.

Die Vernichtung Israels, die Ermordung aller Juden und der Hass gegen die USA und den Westen sind Staatsdoktrin – also die offizielle Linie seit der Staatsgründung. Ohne die Warnungen und Verhinderungsmaßnahmen israelischer und US-amerikanischer Geheimdienste hätten wir hierzulande noch viel mehr islamistische Anschläge erlebt, die am Ende vom iranischen Mullah-Regime finanziert oder gefördert wurden.

(Auszug von RSS-Feed)

Die geförderte Bitte | Von Sabiene Jahn

25. März 2026 um 09:27

Vorschau ansehen
Die geförderte Bitte | Von Sabiene Jahn

Zwei Bitten in denselben Tagen legen eine Schieflage offen, die größer ist als der einzelne Vorgang. Auf der einen Seite freie, alternative Medien, die ihre Leser um Unterstützung bitten, weil sie ohne staatliche Alimentierung, ohne Werbekunden und mit dem Anspruch arbeiten, blinde Flecken der bislang etablierten Berichterstattung sichtbar zu machen, Narrative zu überprüfen und den Fokus für andere Perspektiven zu öffnen. Auf der anderen Seite eine öffentlich gerahmte, institutionell eingebettete Organisation, die eine freie Autorin nach einem kritischen Bericht um unentgeltliches Material für die eigene Dokumentation ersucht. Gerade in dieser Gegenüberstellung wird sichtbar, wie ungleich die Bedingungen der Öffentlichkeit inzwischen verteilt sind.

Ein Meinungsbeitrag von Sabiene Jahn.

Manchmal sagt nicht das Große, sondern das Kleine alles. Nicht das Podium, nicht die offizielle Erklärung, nicht das millionenschwere Programm. Sondern eine Mail. Eine kurze, höfliche, scheinbar harmlose Anfrage. In diesem Fall, die Bitte von Journalist Deniz Yücel, nach einem ausführlichen Bericht über eine PEN-Berlin-Veranstaltung in Koblenz, doch, sofern vorhanden, qualitativ brauchbare Fotos „für unsere Dokumentation“ zur Verfügung zu stellen. Leider gebe es dafür „kein Budget“, weshalb er „nur um eine freundliche Spende an eine gemeinnützige Organisation“ bitten könne. (1) 

Man muss diesen Satz nicht künstlich skandalisieren. Niemand ist gezwungen, ihn böswillig zu lesen. Aber man darf sich über ihn wundern. Und diese Verwunderung ist nicht kleinlich, sie ist aufschlussreich. Denn sie fällt genau in einen Moment, in dem ein anderer Text, der Appell des Globalbridge-Herausgebers Christian Müller, (4) mit schlichter Offenheit beschreibt, was unabhängige publizistische Arbeit heute tatsächlich bedeutet. Nämlich Honorare für Autoren, abonnierte Medien in mehreren Ländern, technische Kosten, Newsletter-Versand und ein monatlicher Fehlbetrag, der aus Erspartem gedeckt wird. Nicht aus Fördertöpfen, nicht aus Programmmitteln und nicht aus ministeriell begleiteten Diskursbudgets. Sie stammen aus eigener Tasche. Dort ist der Spendenaufruf keine rhetorische Geste, er ist eine Existenzfrage. 

Genau hier beginnt die eigentliche Linie. Es geht nicht um ein paar Fotos für Deniz Yücel. Es geht um zwei völlig unterschiedliche Öffentlichkeiten. Die eine lebt von Lesern, Vertrauen, intellektueller Arbeit und persönlichem Risiko. Die andere bewegt sich innerhalb institutionell abgestützter Räume, benennt Ministerien, Förderer, Programme, Ausschüsse, Staatssekretäre und tritt zugleich mit dem Anspruch auf, gesellschaftlich zu intervenieren. Beides mag formal legitim sein. Aber beides ist ökonomisch und moralisch nicht dasselbe. 

Die Pointe liegt im Wort „Spende“. Wenn freie Medien ihre Leser um Spenden bitten, dann bitten sie um den Erhalt von Unabhängigkeit. Sie sagen, diese Arbeit existiert nur weiter, wenn jene, die sie lesen, sie auch tragen. Der Leser unterstützt hier eine publizistische Möglichkeit. Im Fall der Mail von PEN Berlin verschiebt sich die Bedeutung. Hier soll nicht ein unabhängiges Medium erhalten werden. Eine freie Autorin soll einer bereits sichtbaren, strukturell eingebetteten Organisation zusätzlich noch Material überlassen, unentgeltlich, als Zuwendung, obwohl diese Organisation selbst Teil einer öffentlich geförderten Diskursarchitektur ist. Es ist, nüchtern betrachtet, die Erwartung, dass die Unabhängige – hier die Autorin des kommentierenden Artikels selbst – die Institution mit ihrer Arbeit ergänzt.

Gerade deshalb ist die Irritation berechtigt. (11) Denn der Vorgang legt eine Mentalität frei, die inzwischen weit über den Einzelfall hinausreicht. Sie lautet, die institutionell gerahmte Öffentlichkeit verfügt über Räume, Kontakte, Sichtbarkeit, Förderzugänge und Deutungsmacht – und greift dennoch selbstverständlich auf die unbezahlte Vorarbeit freier Akteure zurück, wenn es nützlich erscheint. Das kritische Stück, ein Meinungsbeitrag, wird nicht inhaltlich beantwortet, die darin aufgeworfenen Fragen zu Transparenz, Förderstruktur, Zielsetzung und politischer Rahmung werden nicht aufgegriffen, anstatt dessen elegant umgangen. Und es folgt der Zugriff auf Verwertbares – Bilder für die eigene Dokumentation. Das ist in seiner stillen Selbstverständlichkeit fast lehrbuchhaft.

Hinzu kommt eine zweite Auffälligkeit, die den Vorgang erst in seiner ganzen Schieflage erkennbar macht. In den von PEN Berlin (5)(6) kuratierten Gesprächsreihen treten überwiegend Stimmen aus dem etablierten politisch-medialen Spektrum auf – Autoren, Journalisten und Funktionsträger aus jenem Milieu, das dem klassischen Leitmedien- und Institutionsrahmen zuzurechnen ist, ergänzt um Vertreter vor allem aus SPD, Grünen und punktuell der CDU. Freie, alternative oder grundsätzlich anders verortete publizistische Stimmen erscheinen in diesem Dialograum hingegen nicht als gleichberechtigte Gesprächspartner. Allenfalls werden sie zum impliziten Gegenstand der Rahmung.

Gerade deshalb wirkt die Anfrage nach kostenlosem Material an eine unabhängige Autorin so aufschlussreich. Denn dort, wo professionell vernetzte mediale Kontakte, redaktionelle Ressourcen und institutionelle Sichtbarkeit ohnehin vorhanden sind, wäre die Beschaffung eigener Dokumentation naheliegend. Das Problem ist daher nicht die Höflichkeit der Mail. Das Problem ist ihre symbolische Fallhöhe. Das ist nicht dramatisch, es ist aber entlarvend. Sichtbar wird hier eine Asymmetrie: Die freie Autorin beobachtet, reist an, hört zu, analysiert, schreibt und publiziert. Die institutionell gestützte Seite meldet sich daraufhin nicht zuerst zur Sache, sie wird zur Ressourcenanfrage. Gerade darin liegt die Ironie. Man kann diese Szene auch größer lesen.

Über Jahre hat sich in Deutschland eine projektförmig organisierte Öffentlichkeit ausdifferenziert, in der bestimmte Diskurse politisch gewünscht, programmatisch gefasst und förderrechtlich begleitet werden. Im Fall der von Deniz Yücel begleiteten ‚Heimat‘-Reihe wird diese Logik besonders sichtbar. Öffentlich beworben wurden die Veranstaltungen als allgemeine Gesprächsreihe über Heimat. Auf der Projektseite des Bundesprogramms ‚Demokratie leben!‘( 7) läuft dasselbe Vorhaben jedoch unter dem engeren Titel ‚Jüdische Heimat Deutschland, gestern, heute, morgen – ist das noch mein Land?‘ und dem Themenfeld Antisemitismus.

Zugleich wurde auf der Theaterseite (8) mit ‚freiem Eintritt‘ geworben, während Platzkarten nur gegen eine Schutzgebühr erhältlich waren. Auf der Programmseite des Bundes (9) wiederum ist die Teilnahme als kostenlos ausgewiesen. Allein für die von PEN Berlin bis Mitte März 2026 angekündigten 41 Veranstaltungen ergäbe sich bei nur 200 zahlenden Gästen pro Abend und einer Schutzgebühr von 5,50 Euro ein Betrag von 45.100 Euro. Das beweist noch keinen Regelverstoß. Aber es macht die Frage unausweichlich, wie sich neben einer staatlichen Förderung, behauptete Kostenfreiheit und tatsächlich erhobene Platzgebühren zueinander verhalten. Nicht die Existenz von Förderung ist hier der Stein des Anstoßes, sondern die mangelnde Transparenz des gesamten Arrangements. 

Das erzeugt nicht zwangsläufig schlechte Inhalte. Aber es erzeugt eben strukturelle Sicherheit. Was das konkret bedeutet, weiß die Autorin aus eigener Erfahrung.(10) Seit 2018 organisiert sie mit dem parteiübergreifenden Bürgerformat ‚Koblenz: Im Dialog‘ einen offenen Diskursraum, der bewusst als schlanke Privatinitiative geführt wird. Gerade darin liegt im bestehenden System bereits der Nachteil. Denn staatlich gefördert wird oft nicht zuerst, was vor Ort nachweisbar Resonanz erzeugt, Menschen zusammenbringt und echten Austausch ermöglicht. Förderanträge „belohnen“ vor allem, was organisatorisch anschlussfähig und gremienkompatibel ist. Ein eigener Antrag für eine Veranstaltung mit dem Journalisten Paul Schreyer wurde abgelehnt und eine öffentliche Begründung musste dafür nicht einmal zwingend erfolgen.

Im Koblenzer Fall zeigt sich darüber hinaus, wie intransparent solche Verfahren angelegt sein können: Das entscheidende Gremium wurde aus dem Resonanzraum der zuständigen Kulturdezernentin selbst zusammengestellt. Neutralität ist unter solchen Voraussetzungen kaum mehr als eine formale Behauptung. Wo politische und kulturelle Näheverhältnisse schon die Zusammensetzung des Auswahlrahmens bestimmen, wird faktisch vorentschieden, was als förderwürdig, anschlussfähig oder störend erscheint. Darin liegt die eigentliche Schieflage: Freie Initiativen sollen gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, ohne dass ihnen jene institutionellen Voraussetzungen offenstehen, die für geförderte Träger fast selbstverständlich sind. 

Diese Logik endet nicht bei Kulturprojekten. In Rheinland-Pfalz (RLP) speist sich die Landesmedienanstalt aus einem gesetzlich fixierten Anteil des Rundfunkbeitrags. 2023 erhielt sie daraus 8,176 Millionen Euro, 2024 noch 8,034 Millionen. (12) Zugleich weist sie seit Jahren millionenschwere Pensionsrückstellungen aus – 3,577 Millionen Euro für 2023, 2,831 Millionen für 2024. (13)(14) Der Punkt ist nicht, dass Pensionen an sich illegitim wären. Der Punkt ist die Mechanik. Ein institutioneller Apparat wird aus einem verlässlich zufließenden Gebührenstrom dauerhaft getragen. Das ist keine abstrakte Theorie – es ist eine politisch gewachsene Ordnung in einem Land, das seit 1991 maßgeblich von einer SPD-geführten Regierung geprägt wurde.

Das ursprünglich gut gedachte Bürgerfernsehen sollte Bürgern direkten Zugang zu Produktionstechnik, Ausbildung und einem Kabel-Sendeplatz mit relevanter Reichweite eröffnen. Doch auch hier zeigt die Praxis eine andere Seite. Die Autorin wurde in der Stadt Andernach von Mitgliedern eines entsprechenden Vereins zur Vorsitzenden gewählt. Zwei Vorstandsmitglieder, die dem Grünen-Spektrum hinzuzurechnen waren, akzeptierten dieses Ergebnis jedoch nicht. Ein Schlüssel zum Vereinshaus wurde nicht ausgehändigt, Unterlagen wurden vorenthalten – die Amtsausübung faktisch blockiert. Später wurde eher der Verein aufgelöst, als die gewählte Vorsitzende arbeiten zu lassen. 

Erst danach beantragte die Autorin die Mitgliedschaft in den Vereinen der Offenen Kanäle Koblenz und später auch Neuwied. Beide Anträge wurden schriftlich und ohne Begründung abgelehnt. Zwar wäre auch eine Mitarbeit ohne Mitgliedschaft möglich gewesen, das Ziel war jedoch, Programm, Ausrichtung und zeitgemäße Entwicklung aktiv mitzugestalten. Die naheliegende Schlussfolgerung ist, dass neue personelle Konstellationen und inhaltliche Modernisierungsansprüche in solchen Strukturen nicht überall erwünscht sind und dass Teilhabe in manchen dieser Strukturen nur so lange willkommen ist, wie sie bestehende politische Dominanzen nicht berührt. Solche Vorgänge mögen für manche nebensächlich wirken. In Wahrheit zeigen sie jene kleinen Stellschrauben, an denen Macht praktisch wirksam wird und an denen sich die zähen, kraftraubenden Auseinandersetzungen entscheiden.

Gleichzeitig verweist die Medienanstalt selbst auf ihren normativen Auftrag. Direktor Marc Jan Eumann (SPD) schreibt, (15) gerade in Zeiten von „Falschnachrichten, Hassreden und Verschwörungserzählungen“ gelte, „Medienkompetenz ist Demokratiekompetenz“. Genau dort beginnt ein anderes Problem. Wer die Begriffe setzt, setzt oft auch die Grenzen des legitimen Diskurses. Für freie, offene und nicht vorformatierte Debattenräume bleibt in solchen Strukturen weniger Platz, als der demokratische Selbstanspruch vermuten lässt. 

Dass das Bundesprogramm ‚Demokratie leben!‘ nun neu aufgestellt werden soll, ist deshalb nicht falsch. Im Gegenteil. Gerade weil sich über Jahre selbstreferenzielle Förderlandschaften herausgebildet haben, kann eine Neubewerbung aller Träger sinnvoll sein. Bemerkenswert ist jedoch, dass die methodische Grundlage der angekündigten Neuordnung bislang nur in allgemeinen Formeln beschrieben wird.

Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) begründet den Umbau damit, das Verhältnis von Mitteleinsatz und Ergebnis stimme nicht, Programmziele würden nicht oder nicht nachhaltig erreicht. Zugleich teilte das Ministerium mit, dass die Förderung bestimmter Projekte zunächst bis zum Jahresende weiterläuft und eine erneute Bewerbung nach neuen Förderrichtlinien möglich sein soll. Nach Medienberichten gehören zu den betroffenen Trägern unter anderem die oft kritisierte Amadeu Antonio Stiftung, der BUND, HateAid, Correctiv, der Zentralrat der Juden und die Konrad-Adenauer-Stiftung.(16)(17)(18) Gerade deshalb wäre Transparenz über die künftigen Bewertungsmaßstäbe entscheidend. Solange nicht offengelegt wird, nach welchen überprüfbaren Kriterien Wirkung, Relevanz und Förderwürdigkeit tatsächlich gemessen werden, bleibt die Neuaufstellung politisch begründet, aber methodisch nur begrenzt nachvollziehbar. (19) 

Genau diese Sicherheit fehlt jenen, die außerhalb solcher Programme arbeiten. Freie und alternative Medien müssen ihr Publikum nicht nur erreichen, sondern auch in Unterstützer verwandeln, sonst verschwinden sie. Ihre Autoren arbeiten ohne Auffangnetz. Ihre Plattformen zahlen aus Erspartem, aus Kleinstspenden und aus Beharrlichkeit.

Vor diesem Hintergrund bekommt der Gegensatz zwischen Christian Müllers Appell und der Mail von PEN Berlin exemplarische Schärfe. Der eine sagt offen, wir erreichen viele, aber Reichweite bezahlt keine Rechnungen. Unterstützt bitte jene, die unabhängig arbeiten. Der andere Fall zeigt, selbst dort, wo institutionelle Unterstützung, politische Einbettung und öffentliche Sichtbarkeit vorhanden sind, wird weiter nach kostenlosen Zuarbeiten gegriffen – bei einer freien Kollegin, die den Abend kritisch dokumentiert hat. Gerade deshalb ist der Punkt größer als eine persönliche Verwunderung. Er berührt die Frage, welche Öffentlichkeit in diesem Land künftig überlebensfähig sein soll. Eine Demokratie, die ihre Debattenräume vor allem dort komfortabel ausstattet, wo sie organisatorisch anschlussfähig und förderkompatibel sind, erzeugt ein strukturelles Ungleichgewicht. Wer unabhängig bleibt, trägt das Risiko. Wer eingebunden ist, erhält Reichweite, Rahmen und Ressourcen. Und wenn aus einem solchen Raum heraus auch noch die Sprache der Knappheit gegenüber jenen bemüht wird, die tatsächlich auf unsicheren Füßen stehen, kippt der Vorgang ins Groteske.

Die Antwort darauf sollte Klarheit sein. Freie Medien und freie Autoren dürfen ihr Publikum daran erinnern, dass Nutzung allein nichts erhält. Lesen ist noch keine Solidarität. Verlinken ist noch keine Stütze. Wer unabhängige Analysen, Dokumentationen und Kommentare schätzt, sollte sie nicht nur konsumieren. Schon kleine Beträge können einen Unterschied machen, wo keine öffentliche Alimentierung, kein Projektbudget und keine politische Förderkulisse im Rücken stehen. 

Die eigentliche Lehre aus dieser merkwürdigen Mail von Deniz Yücel ist einfach. In Deutschland wird längst nicht nur um Deutungen gestritten, sondern auch um die materiellen Voraussetzungen des Sprechens. Wer die Zukunft unabhängiger Medien sichern will, muss unterscheiden zwischen jenen, die um Unterstützung bitten, um publizistisch frei bleiben zu können – und jenen, die trotz institutioneller Absicherung um Spenden „betteln“. Am Ende ist das keine Petitesse. Es ist ein Symptom. Und Symptome sollte man ernst nehmen.

+++

Quellen und Anmerkungen 

1.) E-Mail von Deniz Yücel an Sabiene Jahn vom 24. März 2026, 12:12 Uhr, mit der Bitte um Überlassung von Bildmaterial „für unsere Dokumentation“ und dem Hinweis, hierfür bestehe „leider kein Budget“, weshalb nur um „eine freundliche Spende an eine gemeinnützige Organisation“ gebeten werden könne. 

2.) Sabiene Jahn: „Heimat: Diskutiert, aber nicht betreten“, Globalbridge, 9. März 2026: https://globalbridge.ch/heimat-diskutiert-aber-nicht-betreten/

3.) E-Mail von Deniz Yücel an Sabiene Jahn vom 24. März 2026, 10:23 Uhr, mit der Anfrage, ob der ausführliche Bericht über die PEN-Berlin-Veranstaltung in Koblenz von der Autorin verfasst worden sei. 

4.) Christian Müller: „In eigener Sache | Danke! Ein bisschen Selbstkritik – und auch wieder eine Bitte!“, Globalbridge, 23. März 2026: https://globalbridge.ch/danke-ein-bisschen-selbstkritik-und-auch-wieder-eine-bitte/

5.) PEN Berlin: „PM PEN Berlin: Große Gesprächsreihe Heimat“, 14. Januar 2026: https://penberlin.de/pm-pen-berlin-grosse-gespraechsreihe-heimat/

6.) PEN Berlin: „PM PEN Berlin: Heimatreihe in Rheinland-Pfalz / Hallo Rheinland-Pfalz, reden wir über Heimat“, 4. Februar 2026: https://penberlin.de/hallo-rheinland-pfalz-reden-wir-ueber-heimat/ 

7.) Bundesprogramm „Demokratie leben!“: Projektseite „Jüdische Heimat Deutschland, gestern, heute, morgen – ist das noch mein Land?“: https://www.demokratie-leben.de/dl/projektpraxis/projekte-finden/juedische-heimat-deutschland-gestern-heute-morgen-ist-das-noch-mein-land-280132

8.) Theater Koblenz: Veranstaltungsseite „Ist das noch|schon mein Land?“ - Sie führt zum Portal „Ticket regional“: https://theater-koblenz.de/veranstaltungen/ist-das-nochschon-mein-land/ 

9.) Bundesprogramm „Demokratie leben!“: Veranstaltungsseite „Gespräche in Rheinland-Pfalz: Ist das noch|schon mein Land?“: https://www.demokratie-leben.de/dl/service/veranstaltungen/gespraeche-in-rheinland-pfalz-ist-das-noch-schon-mein-land-280326 (Seite nicht mehr aufrufbar)

10.) Vertonte Fassung des Beitrags zur Veranstaltungsreihe „Koblenz: Im Dialog“, Sprecherin/ Autorin: Sabiene Jahn. https://youtu.be/WXw-5lZVxHI?is=vv7p7GxSRThYp3-5

11.) Antwort von Sabiene Jahn an Deniz Yücel vom 24. März 2026, in der auf den Charakter des eigenen Beitrags als Analyse, auf die fehlende fotografische Begleitung sowie auf offene Fragen zu Förderstruktur, Transparenz, Projektlogik und politischer Rahmung hingewiesen wird.

12.) Medienanstalt Rheinland-Pfalz: Jahresbericht 2023 – Lagebericht: https://medienanstalt-rlp.de/jahresbericht-2023/berichte/lagebericht

13.) Medienanstalt Rheinland-Pfalz: Jahresbericht 2023 – Finanzbericht: https://medienanstalt-rlp.de/jahresbericht-2023/berichte/finanzbericht

14.) Medienanstalt Rheinland-Pfalz: Jahresbericht 2024 – Lagebericht: https://medienanstalt-rlp.de/jahresbericht-2024/berichte/lagebericht

15.) Medienanstalt Rheinland-Pfalz: Leporello / Selbstdarstellung mit dem Zitat vom Direktor der Medienanstalt RLP Marc Jan Eumann („Falschnachrichten, Hassreden und Verschwörungserzählungen … Medienkompetenz ist Demokratiekompetenz“): https://medienanstalt-rlp.de/fileadmin/materialien/Medienanstalt_Leporello_digital.pdf

16.) Deutschlandfunk: „Prien baut Programm zu Demokratieförderung um – Mittelstreichungen für zahlreiche Projekte“: https://www.deutschlandfunk.de/prien-baut-programm-zu-demokratiefoerderung-um-mittelstreichungen-fuer-zahlreiche-projekte-102.html

17.) Stern / Agenturmeldung: „‚Ziele werden nicht erreicht‘: Prien baut Programm zu Demokratieförderung um“: https://www.stern.de/news/-ziele-werden-nicht-erreicht—prien-baut-programm-zu-demokratiefoerderung-um-37240658.html 

18.) Deutschlandfunk: „Familienministerium weist Kritik an Umbau von Demokratieprogramm zurück“ https://www.deutschlandfunk.de/familienministerium-weist-kritik-an-umbau-von-demokratieprogramm-zurueck-100.html

19.) Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 21/58 – Antwort zur Weiterentwicklung von „Demokratie leben!“ ab Förderjahr 2027: https://dserver.bundestag.de/btp/21/21058.pdf

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Deniz Yücel (deutscher Journalist)
Bildquelle: Markus Wissmann / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Wind- und Solarmüll türmt sich immer weiter auf

25. März 2026 um 07:00

Vorschau ansehen

H. Sterling Burnett

„Climate Change Weekly“ hat sich bereits mit einem schwerwiegenden, aber selten umfassend diskutierten Problem im Zusammenhang mit industriellen Solar- und Windkraftanlagen befasst: dem Abfall am Ende der Lebensdauer.

Dies ist kein Problem der fernen Zukunft, sondern ein aktuelles. Viele der ersten Windkraftanlagen und Solarmodule nähern sich dem Ende ihrer Nutzungsdauer oder werden sogar vorzeitig ersetzt, kommen doch neue, effizientere Module und leistungsstärkere Turbinen auf den Markt. Darüber hinaus verursachen Notfälle weiteren Abfall, wie beispielsweise die Hagelschäden in Texas im Jahr 2024 und die jüngsten Schäden in Indiana und Illinois, wo riesige industrielle Solaranlagen durch Stürme zerstört wurden, darunter Hagel und Tornados, wodurch die Anlagen außer Betrieb gesetzt wurden und ein Sanierungsproblem entstand, wobei viele Anwohner und Gemeinden in der Umgebung ihre Besorgnis über potenziell giftige Chemikalien äußerten, die aus den zerbrochenen Modulen austreten könnten.

In einem Beitrag aus dem Jahr 2023 stellte ich fest, dass einige wenige Medien – wirklich nur sehr wenige – begonnen hatten, das wachsende (das Wortspiel ist durchaus beabsichtigt, wenn man die riesigen Berge von Turbinenflügeln, Wellen und Modulen bedenkt) und drängende Problem anzuerkennen und anzusprechen, was mit den Abfällen aus der Wind- und Solarenergie geschehen soll.

Das Recycling von Solarmodulen ist schwierig und teuer. Es kostet 30 Dollar, jedes Solarmodul zu recyceln, um Mineralien, Metall und Glas im Wert von 3,00 bis 8,00 Dollar zurückzugewinnen. Im Gegensatz dazu kostet es etwa 1,00 Dollar pro Modul, gebrauchte Module auf eine Deponie zu transportieren, und etwas mehr, ineffiziente gebrauchte Module zur Wiederverwendung in Entwicklungsländern in Übersee zu verschiffen, wodurch die Abfallprobleme an einen anderen Ort verlagert werden.

Aus wirtschaftlichen Gründen wird weniger als jedes zehnte Solarmodul recycelt. Da jedes Jahr Millionen weiterer Module installiert werden, verschärft sich das Problem.

„Der Grund, warum sich nicht mehr Unternehmen mit dem Recycling von Solarmodulen befassen ist, dass es wirtschaftlich keinen Sinn ergibt“, erklärte A. J. Orben, Vizepräsident von We Recycle Solar, gegenüber GreenBiz im Jahr 2023, als ich erstmals über dieses Problem berichtete. „Die Kosten für die Zerlegung eines Moduls und die Rückgewinnung der Rohstoffe sind höher als der Wert der Rohstoffe selbst.“

Das mit der industriellen Windenergie verbundene Abfallproblem ist noch größer. Zwar kann das Metall in den Türmen und Maschinen recycelt werden, doch ist es schwierig, die massiven Rotorblätter sinnvoll zu verwerten, außer sie für bestimmte Zwecke in kleine Stücke zu zerkleinern, was sehr kostspielig ist. Die Stilllegung und Entsorgung jeder Onshore-Windkraftanlage vom Sockel bis zum Rotorblatt kostet schätzungsweise zwischen 440.000 und 675.000 US-Dollar pro Einheit, wobei die Kosten für den Abbau von Offshore-Windkraftanlagen Schätzungen zufolge bei über 1 Million US-Dollar liegen. Der Wert des Materials aus den Türmen und Getrieben beträgt etwa 28.000 US-Dollar pro Einheit, also weit weniger als ein Zehntel der Abbaukosten. Infolgedessen landen Metall, Getriebe, Beton und andere Materialien oft auf Deponien, ebenso wie die Verbundwerkstoff-Rotorblätter, nachdem sie unter hohem Kostenaufwand und mit hohen CO₂-Emissionen durch die zum Transport und Zerkleinern eingesetzten Maschinen zerkleinert wurden. Die Rotorblätter werden meist deponiert oder einfach oberirdisch der langsamen Zersetzung überlassen, wodurch beträchtlicher Platz verschwendet wird.

Vor fünf Jahren beschrieb der Journalist Duggan Flanakin die Entsorgungsverfahren und die Probleme, mit denen die Branche damals konfrontiert war – Probleme, die sich mit der steigenden Anzahl und Größe der Windkraftanlagen nur noch verschärft haben:

Für den Transport jedes einzelnen Rotorblatts zur Deponie ist ein eigener Sattelzug erforderlich, und für das Zerkleinern ist leistungsstarke Spezialausrüstung nötig. Da allein in den Vereinigten Staaten bereits jährlich rund 8.000 Rotorblätter außer Betrieb genommen werden, ergibt das 32.000 Lkw-Ladungen in den nächsten vier Jahren; in wenigen Jahren werden diese Zahlen um das Fünffache steigen.

Einige Windenergieunternehmen zerschneiden die riesigen Rotorblätter in kurze Abschnitte, bevor sie sie auf Deponien bringen, weil den meisten Deponien die entsprechenden Schneidwerkzeuge fehlen. Die heutigen Rotorblätter sind 20 Prozent länger und ihre Türme bis zu 60 m höher als die meisten der derzeit auf Deponien gelagerten.

Die Entsorgungskosten für Windkraftanlagen belaufen sich auf über 400.000 Dollar pro Stück [Anmerkung von HSB: siehe die oben angegebene aktualisierte, höhere Kostenzahl]. Das bedeutet, dass die Entsorgung der derzeit in den USA im Einsatz befindlichen 60.000 Windkraftanlagen 24 Milliarden Dollar kosten würde. Die Kosten und die Belastung für bestehende Deponien werden steigen, erreichen doch immer mehr längere und schwerere Rotorblätter das Ende ihrer Lebensdauer.

In den nächsten 20 Jahren könnten allein in den USA 720.000 Tonnen Abfall aus Rotorblättern entsorgt werden müssen. Ein Bericht aus dem Jahr 2018 prognostizierte jedoch einen Rückgang der Deponiekapazitäten in den USA um 15 % bis 2021, wobei nur noch Kapazitäten für etwa 15 Jahre verbleiben. Wir werden völlig neue Deponien genehmigen müssen, nur um den Abfall von Windkraftanlagen zu bewältigen – zusätzlich zu den Bergen von Solar- und Batterieabfällen.

Nicht jede Deponie ist für die Entsorgung von Windturbinen-Abfällen zertifiziert, und viele der zertifizierten Deponien haben sich entschieden, dies abzulehnen, da der Platzbedarf einfach zu groß ist. Die vorzeitige Schließung von Deponien, weil in der Grube oder auf dem Haldenplatz kein Platz mehr ist, ist kostspielig und zwingt die Gemeinden dazu, neue Deponien oder andere Wege zur Abfallentsorgung zu finden. Es macht für die Kommunalverwaltungen immer weniger Sinn, so viel Platz auf öffentlichen Deponien für Unternehmen zu reservieren, die bereits von enormen staatlichen Subventionen profitieren, wobei die Kosten von den Steuerzahlern und Gemeinden getragen werden.

Dies hat die Profiteure der Windkraftbranche zu einer anderen „Lösung“ veranlasst: Sie lagern stillgelegte Windkraftanlagen oberirdisch auf Freiflächen. Tausende Hektar sind mit Windkraftanlagen übersät, die dort im Laufe der Zeit verrotten – mit unbekannten Auswirkungen auf die Umwelt – auf Flächen, die für andere Zwecke als als Windkraft-Schrottplätze genutzt werden könnten. Diese Praxis ist umstritten, und staatliche sowie lokale Behörden gehen zunehmend gegen die wachsende Zahl unregulierter Halden mit unbrauchbarem Abfall vor, die von der Windkraftindustrie hinterlassen werden.

Im Jahr 2023 stellte ich fest, dass einige Medien begonnen hatten, über das Abfallproblem zu berichten, doch diese Berichterstattung und Analyse ließ bis vor kurzem wieder nach. Wissenschaftler und Analysten zeigen in letzter Zeit aber erneut verstärktes Interesse, vielleicht weil das sich verschärfende Problem selbst für diejenigen in ihren Elfenbeintürmen und Vorstandsetagen nicht mehr zu ignorieren ist.

Die London School of Economics (LSE) hat kürzlich über das Problem der Solarabfälle in Australien berichtet. Auch wenn das Erkennen des Problems der erste Schritt zu seiner Lösung ist, bietet der LSE-Artikel leider keine neuen Lösungen: Er fordert die Regierungen auf, Solarunternehmen dazu zu verpflichten, alte Solarmodule zur Wiederverwendung oder zum Recycling zurückzunehmen. Das ist alles schön und gut, nur werden dabei die damit verbundenen Kosten nicht berücksichtigt – und genau das ist der Grund, warum dies derzeit so selten geschieht. Da die Kosten für Recycling und Wiederverwendung so viel höher sind als die für die einfache Deponierung der Abfälle, würde eine Verpflichtung der Solarunternehmen dazu bedeuten, dass sie diese Kosten einfach an die Verbraucher oder Steuerzahler weitergeben, beispielsweise durch die Erhebung einer Entsorgungsgebühr für jedes Modul. Da Solarenergie nach wie vor teurer ist als klassische Energiequellen, würde dies die ohnehin schon schnell steigenden Stromrechnungen nur noch weiter verteuern.

Vielleicht ist Australien nicht mit der Krise der Bezahlbarkeit konfrontiert, die den Einwohnern der Vereinigten Staaten Sorgen bereitet, aber ich bezweifle das, da glaubwürdige Schätzungen darauf hindeuten, dass die Australier allein bis Mitte 2026 mit einem Anstieg ihrer Stromrechnungen um 24 Prozent rechnen müssen. Die Aufnahme hoher Entsorgungsgebühren für Solaranlagen in die Rechnungen der Stromkunden – selbst wenn diese versteckt oder irgendwie als harmlos bezeichnet werden – scheint kein guter Weg zu sein, um niedrigere Preise – oder die Wiederwählbarkeit der Politiker – zu sichern, es sei denn, die australischen Wähler unterscheiden sich von denen in den Vereinigten Staaten, wo Meinungsumfragen eine mangelnde Bereitschaft zeigen, höhere Energiepreise zur Bekämpfung des Klimawandels zu zahlen.

Die LSE ist jedoch nicht die einzige akademische Einrichtung, die das Problem der Abfallströme im Bereich der erneuerbaren Energien anerkennt, wenn auch verspätet. Ein kürzlich in der Harvard Business Review (HBR) veröffentlichter Artikel mit dem Titel „The Dark Side of Solar Power“ beschreibt, wie Subventionen und Effizienzsteigerungen viele Verbraucher dazu veranlassen, erstmals Solarmodule zu kaufen, und andere dazu, ihre bestehenden Solarmodule durch effizientere Modelle zu ersetzen, bevor die Subventionen auslaufen. Das Ergebnis: ein nicht nur vorübergehender, sondern langfristiger Überschuss an unerwünschten Solarmodulen.

Die Autoren der HBR-Analyse schreiben:

Sollten vorzeitige Auswechslungen wie von unserem statistischen Modell vorhergesagt eintreten, können sie in nur vier Jahren 50-mal mehr Abfall verursachen, als von der IRENA erwartet. …

So alarmierend diese Zahlen auch sind, werden sie der Krise möglicherweise nicht ganz gerecht, da sich unsere Analyse auf Anlagen in Privathaushalten beschränkt. Bezieht man gewerbliche und industrielle Solaranlagen mit ein, könnte das Ausmaß der Auswechslungen noch viel, viel größer sein.

Die derzeitigen Kreislaufkapazitäten der Branche sind für die zu erwartende Abfallflut völlig unzureichend. Der finanzielle Anreiz, in Recycling zu investieren, war in der Solarbranche noch nie besonders groß. Zwar enthalten Solarmodule geringe Mengen wertvoller Materialien wie Silber, doch bestehen sie größtenteils aus Glas, einem Material von äußerst geringem Wert. …

Infolgedessen ist die Recycling-Infrastruktur angesichts des Produktionsbooms in der Solarbranche weit zurückgeblieben. …

Die direkten Kosten für das Recycling machen jedoch nur einen Teil der Belastung am Ende der Lebensdauer aus. Solarmodule sind empfindliche, sperrige Geräte, die in der Regel auf den Dächern von Wohnhäusern installiert sind. Für ihre Demontage und den Abtransport ist Fachpersonal erforderlich, damit sie nicht schon auf dem Weg zum Lkw in tausend Stücke zerbrechen. Zudem stufen manche Regierungen Solarmodule aufgrund der geringen Mengen an Schwermetallen (Cadmium, Blei usw.), die sie enthalten, als Sondermüll ein. Diese Einstufung bringt eine Reihe kostspieliger Auflagen mit sich – Sondermüll darf nur zu bestimmten Zeiten und über ausgewählte Routen transportiert werden usw.

Ähnlich wie der Artikel der LSE benennt auch die HBR-Analyse das Problem, doch ihre Lösungsvorschläge greifen bei weitem zu kurz: „Recycling großartig machen“ – als gäbe es einen Zaubertrick, der dies ohne massive staatliche Subventionen oder eine erzwungene Rücknahme und Aufbereitung durch die Industrie bewerkstelligen könnte, deren Kosten letztendlich auf die Verbraucher abgewälzt werden.

Staatliche Subventionen und Auflagen haben das Problem der erneuerbaren Abfälle geschaffen. Die Lösung hierfür wären nicht noch teurere, fehlgeleitete staatliche Auflagen oder Subventionen, sondern die Beendigung von Anreizen und Auflagen für Wind- und Solarenergie, die allein für den riesigen Abfallstrom verantwortlich sind – einschließlich der durch den Bergbau zerstörten Flächen und der Giftstoffe, die in der gesamten Lieferkette von Wind- und Solarenergie, einschließlich Bergbau, Raffination, Bau, Installation, Stilllegung und Entsorgung, endemisch sind.

Quellen: CFACT; Harvard Business Review; London School of Economics; Climate Change Weekly

Link: https://heartland.org/opinion/climate-change-weekly-574-the-fight-for-an-honest-judicial-assessment-of-climate-science-is-not-over/, zweite Meldung

Übersetzt von Christian Freuer für das EIKE

 

Der Beitrag Wind- und Solarmüll türmt sich immer weiter auf erschien zuerst auf EIKE - Europäisches Institut für Klima & Energie.

(Auszug von RSS-Feed)

Schöpfung als atmendes Sein des reifenden Menschen | Von H.-J. Müllenmeister

24. März 2026 um 09:00

Vorschau ansehen
Schöpfung als atmendes Sein des reifenden Menschen | Von H.-J. Müllenmeister
LBS 20260324 apolut
0:00
/978.528
Schöpfung als atmendes Sein des reifenden Menschen | Von H.-J. Müllenmeister

Ein Beitrag von Hans-Jörg Müllenmeister.

Die Vorstellung, dass die Schöpfung nicht ein abgeschlossenes Werk, sondern ein lebendiger Prozess ist, begleitet die Menschheit seit ihren frühesten Mythen. Doch was geschieht, wenn wir diesen Prozess nicht als äußeren Akt eines fernen Gottes begreifen, sondern als ein atmendes Sein, das die Welt durchdringt und in ihr Gestalt annimmt?

Dann erscheint der Mensch nicht als fertiges Ergebnis, sondern als ein Übergang – ein Wesen, das in sich die Möglichkeit trägt, Bewusstsein zu entfalten, zu vertiefen und zu verfeinern.

In diesem Spannungsfeld zwischen einem schöpferischen Sein, das sich selbst ausdrückt, und einem Bewusstsein, das sich seiner eigenen Herkunft erst allmählich bewusst wird, entsteht ein neuer Blick auf uns selbst. Vielleicht ist das, was wir „Mensch“ nennen, weniger ein Endpunkt als ein Werden: ein Versuch der Schöpfung, sich selbst zu erkennen, zu reflektieren und weiterzuführen.

Ja, es gibt eine Vorstellung von Gott, die sich von allen vertrauten Bildern löst: kein alter Mann mit Bart, kein himmlischer Regisseur, keine überpersönliche Vaterfigur mit Familie und einer Entourage aus Engeln und einem Widersacher. Stattdessen erscheint ein absolutes, masseloses Sein – ein Etwas ohne Form, ohne Gewicht, ohne Grenzen. Reine Möglichkeit, reine Energie, reine Information, jenseits aller Naturgesetze, weil diese erst aus ihm zeitgeboren hervorgehen. Ein Ursprung, der noch keine Richtung kennt, kein Vorher und Nachher, und aus dessen unbestimmter Weite erst all jene Strukturen entstehen, die wir als Wirklichkeit begreifen. 

Die Welt als durchwirkte Erscheinung

Aus diesem absoluten Sein geht die Welt hervor – nicht als Produkt eines Plans, sondern als Erscheinung eines Ursprungs, der sich in Formen ausdrückt. Die Welt ist nicht neben Gott, nicht von ihm getrennt, sondern von ihm durchwirkt.

Alles, was ist – Sterne, Steine, Zellen, Gedanken – ist Ausdruck desselben Grundes. Materie ist verdichtete Energie, Energie ist verdichtete Information, Information ist die Spur des Absoluten in der Zeit. Die Trennung, die wir erleben, ist kein letzter Zustand.

In diesem Licht ist Schöpfung kein Projekt, sondern ein fortwährender Vorgang: Das Absolute entfaltet sich. Es probiert Formen, Muster, Strukturen, Bewusstsein – nicht, weil es muss, sondern weil es nicht anders kann, als sich zu zeigen. 

Der Mensch als Übergangsform des Bewusstseins

In diesem kosmischen Spiel erscheint der Mensch. Nicht als Krone der Schöpfung, nicht als Endpunkt, sondern als – ich nenne es etwas despektierlich – Versuchsmodell: eine bestimmte Konfiguration von Bewusstsein in einer bestimmten Körperhülle.

Der Mensch kann nach den Sternen fragen – und nach dem Sinn; kann sich selbst beobachten – und sich selbst belügen; kann lieben und zerstören.

Er liebt Freiheit und fürchtet sie zugleich; ist fähig zur Einsicht, aber gefangen im Ego; ist fähig zur Verantwortung, aber abgelenkt von Neigung und Angst. In dieser Ambivalenz liegt seine Bedeutung: Der Mensch ist eine Übergangsform des Bewusstseins. Ist das ein Versuch, Bewusstsein in eine Form zu bringen, die sich selbst erkennt – und vielleicht eines Tages über sich hinauswächst? 

Das Erschaffene ist nicht das Werk Gottes, sondern etwas, das aus ihm hervorgeht. Es ist von ihm durchwirkt, nicht getrennt. Alles Existierende offenbart desselben absoluten Seins – vergleichbar wie Wellen im Ozean oder Lichtstrahlen aus einer Sonne. Damit ist Schöpfung kein Projekt, sondern ein natürlicher Vorgang: Energie entfaltet sich, Information differenziert sich, Sein nimmt Form an. 

Die stille Evolution des Bewusstseins

Wenn der Mensch ein „Übergangsgebilde“ ist, dann liegt seine wahre Aufgabe nicht in der Beherrschung der Welt, sondern im Reifen seines Bewusstseins – hin zu weniger Egozentrik, mehr Harmonie und größere Klarheit. Nicht die Körperhülle ist entscheidend, sondern das, was sie trägt.

Bewusstsein ist in diesem Bild kein Nebenprodukt des Gehirns, es offenbart vielmehr das absolute Sein. Der Körper ist Werkzeug, Bühne, Resonanzraum – aber nicht der Kern. Deshalb ist es „prinzipiell egal“, welche Hülle Bewusstsein wählt: biologisch, energetisch oder etwas völlig anderes. Entscheidend ist die Qualität des Bewusstseins, nicht die Form, in der es auftritt.

Die nächste Stufe dieser Entwicklung ist – nach meiner Intuition – eine höhere Bewusstseinsform: weniger egozentrisch mehr harmoniebedürftig, tiefer einsichtig, klarer, ruhiger, verbundener.

Ein Bewusstsein, das sich nicht mehr primär isoliert als Ich erlebt, sondern als Knotenpunkt in einem größeren Feld. Das nicht mehr fragt: „Was nützt mir das?“, sondern:

„Was dient dem Ganzen – und ist wahr und stimmig ist für mich?“ 

Keine Sprünge – und doch Schwellen

„Die Natur macht keine Sprünge“, heißt es schon bei Aristoteles. Und doch ist sie voller Phasenübergänge: Wasser verwandelt sich in Dampf, ein Embryo überschreitet eine neue Entwicklungsstufe, ein Stern zündet seine Fusion. Alles entfaltet sich, weil es seiner eigenen Natur folgt – leise, unaufhaltsam, aus sich selbst heraus.

Dieses göttliche Sein braucht nichts. Es kennt keinen Mangel, keine Langeweile, keine Einsamkeit. Es muss sich nicht beweisen, nichts erreichen, nichts retten. Sein „Antrieb“ ist kein Wille im menschlichen Sinn, sondern seine ureigene Natur: eine Fülle, die sich verströmt. Wie eine Quelle, die fließt, weil sie Quelle ist. Wie ein Kraftfeld, das wirkt, ohne zu fragen, ob es wirken soll.

In diesem Bild ist Schöpfung kein „Arbeitsprojekt“, sondern ein natürlicher Ausdruck einer göttlichen Fülle. Sie entsteht nicht aus Mangel, sondern aus Überfluss. Zugestanden: All das zu akzeptieren, übersteigt unsere Vorstellungskraft – denn wir denken in Zwecken, Bedürfnissen und Absichten, während dieses Sein jenseits aller Gründe leuchtet und uns in eine Weite ruft, die wir nur ahnen können. 

Das moralische Gesetz und der bestirnte Himmel

Immanuel Kant hat diese doppelte Bewegung in einem Satz eingefangen, der wie eine Brücke zwischen Kosmos und Innerem wirkt:

„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.“

Der bestirnte Himmel – das ist die äußere Ordnung, die Weite, das Gesetz des Universums. Ich erkenne darin die Spur des absoluten Seins, das alles durchwirkt.

Das moralische Gesetz – das ist die innere Stimme, die uns ruft, über bloße Neigung hinauszugehen. Nach meiner Vorstellung: der Funke des Absoluten im Bewusstsein des Menschen, der Hinweis darauf, dass wir mehr sind als Trieb, Angst und Ego.

Zwischen diesen beiden Polen – dem Himmel über uns und dem Gesetz in uns – bewegt sich die stille Evolution des Bewusstseins. Der Mensch steht genau dazwischen: Er ist Teil der Natur und doch fähig, sie zu überschreiten. Er ist Ausdruck des Absoluten und zugleich in der Lage, sich seiner Quelle bewusst zu werden. 

Liebe als Struktur des Seins

Zugegeben, lange habe ich mit dem Begriff „Liebe“ im göttlichen Sinne gehadert und ihn nicht verstanden.

Wenn aber Gott kein persönliches Wesen ist, sondern absolutes Sein, dann ist „Liebe“ kein Gefühl im menschlichen Sinne, sondern eine Struktur des Seins, ein kosmisches Prinzip: Liebe als Selbsthingabe, Verbindung, Ausdehnung, verstanden als schöpferischer Überfluss. 

Gott erschafft nicht „aus Liebe“ – er erschafft und verwandelt das Sein in Vielfalt, ohne sich selbst dabei zu verlieren.

Ein Bewusstsein, das reift, wird deshalb nicht nur klüger, sondern „liebevoller“ – nicht im sentimentalen Sinn, sondern weniger getrennt, weniger ängstlich, weniger besitzergreifend. Harmonie ist dann kein moralischer Auftrag, sondern ein natürlicher Ausdruck des Bewusstseins, das seiner Quelle näher kommt. 

Weiß der Schöpfer nicht alles im Voraus – macht das nicht alles sinnlos?

Sein Überwissen ist nicht wie unser Wissen. Er sieht nicht die „Zukunft“, sondern die Ganzheit – alles aufgehoben im gegenwärtigen Sein. Er erlebt nicht „Ablauf“, sondern Sein. Das nimmt der Schöpfung nicht den Sinn, sondern macht sie zu einem großartigen Kunstwerk. 

Was bedeutet das für uns?

Wenn Gott wirklich der einzige Ursprung ist, dann heißt das: Wir sind kein Zufall. Wir sind Ausdruck dieser schöpferischen Fülle. Wir sind Teil eines Prozesses, der nicht aus Mangel, sondern aus Überfluss entsteht. Unser Bewusstsein ist ein Funken dieses Ursprungs. 

Der Mensch als „Durchgangswesen“ 

In diesem Weltbild ist der Mensch weder Zufall noch Krone, weder Fehlkonstruktion noch Endpunkt. Er ist ein Durchgang: vom unbewussten zum bewussten Sein, von Trennung zu Verbundenheit, von Egozentrik zu Harmonie, von Verstrickung zu Einsicht. Vielleicht ist die nächste Bewusstseinsform nicht etwas, das „nach“ dem Menschen kommt, sondern etwas, das im Menschen selbst heranreift – wie ein Same, der auf den „richtigen“ Frühling wartet. 

Nach einer Zeit voller kriegerischer Verwirrung könnte die Zukunft des Bewusstseins weniger ein Sprung in das Fremde sein, als ein Erinnern: ein Wiederentdecken dessen, was das Absolute seit jeher ist – und was im Menschen als leiser Ruf, als inneres  Gesetz, als Sehnsucht nach Harmonie und Wahrheit aufleuchtet. Eine Rückkehr nicht in die Vergangenheit, sondern in das Eigentliche, zum metaphysischen Ursprung. Das erinnert mich an Rousseaus Worte „Zurück zur Natur“ – doch hier meint „Natur“ nicht den äußeren Raum, sondern die innere Quelle, aus der Bewusstsein und Welt hervorgehen. 

Das atmende Absolute

So entsteht ein Bild, in dem Gott nicht über der Welt thront, sondern in ihr atmet. Die Welt ist nicht von ihm getrennt, sondern von ihm durchzogen. Der Mensch ist dabei nicht das Ziel, sondern eine Übergangsform – ein Versuch, Bewusstsein in eine Gestalt zu bringen, die sich selbst erkennt und weiterträgt. Eine Gestalt, die sich unaufhaltsam auf etwas weniger Egozentrisches, Harmonischeres und Einsichtigeres zubewegt – wie ein Fluss, der, ohne es zu „wissen“, immer schon zum Meer unterwegs war.

Vielleicht ist unser Bewusstsein jene Bewegung der Sehnsucht, die uns in das Sein hineinführt. Wie sich aber dieses „entkörperte“ Bewusstsein nach unserem Leben weiterentwickelt, entzieht sich gänzlich meiner Vorstellung – doch spricht vieles dafür, dass das Sein die Kraft weiterer Entfaltung in sich birgt.

+++

Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

+++

Dieser Beitrag erschien zuerst am 09. März 2026 bei anderweltonline.com

+++

Bild: Abstrakte organische Netzwerkzusammensetzung,

Bildquelle: Shutterstock AI / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Ist der 3. Weltkrieg noch abwendbar? | Von Claudia Töpper

03. März 2026 um 10:53

Vorschau ansehen
Ist der 3. Weltkrieg noch abwendbar? | Von Claudia Töpper
Tagesdosis 20260303 apolut
0:00
/1207.7145
Ist der 3. Weltkrieg noch abwendbar? | Von Claudia Töpper

Ein Kommentar von Claudia Töpper.

Am Donnerstag, den 26. Februar 2026 liefen in Genf noch die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA, die von beiden Seiten noch als erste Erfolge galten. Dennoch griff Israel, mit der Unterstützung der USA, am Samstagmorgen, den 28. Februar 2026 den Palast und offiziellen Amts- und Regierungssitz in Teheran des Obersten Führers der Islamischen Republik, Ayatollah Ali Chameneis an.(1) Hier soll Chamenei die Revolutionsgarden, den Geheimdienst und das Atomprogramm kontrolliert haben. Während Trump daraufhin bereits vom Tod des iranischen Führers redete, dementierte der Iran dies zunächst. In der Nacht von Samstag auf Sonntag gab der Iran jedoch bekannt, dass nicht nur sein Oberster Führer tot sei, sondern auch Mohammad Pakpour, Kommandeur des Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), Abdolrahim Mussawi, Stabschef der Streitkräfte, Ali Shamkhani, Sekretär des iranischen Verteidigungsrates, Aziz Nasirzadeh, Minister für Verteidigung und Mohammad Shirazi, Leiter des Militärbüros.(2)

Nun greift der Iran neben Israel auch sämtliche US-Militärstützpunkte in den Nachbarländern an.(3) Darunter befinden sich die US-Marinebasis Juffair in Bahrain, welche das Hauptquartier der 5. US-Flotte mit rund 9.000 Soldaten ist sowie Al-Udeid in Katar, die mit 10.000 Mann der größte US-Stützpunkt der Region ist.(4) Zusätzlich wurden die US-Militärstützpunkte in Doha/Katar, in Abu Dhabi/ Vereinte Arabische Emirate, sowie in Riad/Saudi-Arabien und Kuwait von den Iranern getroffen.(5) Auch eine britische Militärstation auf Zypern soll getroffen worden sein.(6)

Des Weiteren soll eine iranische Drohne das Luxushotel Burj Al Arab in Dubai getroffen haben.(7) Zudem soll Dubai auch von abgeschossenen Raketenteilen getroffen worden sein.(8)

Während eines Interviews mit ABC News betonte der iranische Außenminister, Abbas Araghtschi am Sonntag, dass

„die militärische Leistungsfähigkeit seines Landes trotz personeller Verluste unvermindert sei.“

Er bezeichnete das Vorgehen der USA als Akt der Aggression.(9) Der Iran hat während der Angriffe verkündet, die Verhandlungen mit den USA nicht mehr weiter zu führen.(10)

Des Weiteren hat der Iran die Straße von Hormus nun vollständig gesperrt.(11) Somit gelangen keine Öltanker mehr hindurch. Die daraus resultierende Öl-Knappheit betrifft nicht nur Europa, sondern auch China und führt unter anderem zu einem erheblichen Anstieg der Benzin- und Dieselpreise.

Während Beobachter davon ausgehen, dass die USA ihre militärischen Waffen zum größten Teil an die Ukraine verkauft haben und somit nicht länger als 10 Tage Krieg überleben wird, verkündet Trump, dass der Krieg gegen den Iran mindestens 4 Wochen andauern wird.(12)

Am Samstag, den 28. Februar 2026 hat der israelische Ministerpräsident, Benjamin Netanyahu die iranische Bevölkerung dazu aufgerufen, das dortige Regime zu stürzen.(13) Diesen Aufruf unterstützt auch Reza Pahlavi, der Sohn des ehemaligen iranischen Schahs.(14)

Nachdem der Tod von Chamenei offiziell von den iranischen Behörden verkündet wurde, trieb es am Sonntag, den 1. März 2026 viele Menschen im Iran in Trauer auf die Straße. Gleichzeitig demonstrierten sie gegen die Angriffe aus Israel und den USA. Viele verkündeten auch, Rache für den Mord an Chamenei zu nehmen.(15)

Hintergrund

Der Iran soll seit Jahren Atomwaffen bauen. Aus diesem Grund erklärte der US-Präsident, Donald J. Trump, dass er mit der Operation „Epische Wut“:

„die unmittelbare nukleare Bedrohung durch das iranische Regime beseitigen, ihr ballistisches Raketenarsenal zerstören, ihre Stellvertreter-Terrornetzwerke degradieren und ihre Seestreitkräfte lahmlegen wird.“(16)

Der iranische Präsident, Masoud Pezeshkian erklärte am Donnerstag noch in Genf:

„Die Feinde bestehen darauf, dass der Iran keine Atomwaffen anstreben sollte, aber wir haben wiederholt erklärt, dass wir keine Atomwaffen anstreben.“(17)

Die Vermutung liegt nahe, dass Israel dies als Anlass nutzt, um das iranische Regime zu stürzen und einen neuen Führer zu installieren, der sich nicht gegen die Ausbeutung durch den Westen wehrt. Es wird schon länger vermutet, dass es sich hierbei um den Sohn des früheren iranischen Schahs handeln könnte.(18)

Der republikanische US-Abgeordnete, Thomas Massie betont, dass der US-Angriff auf den Iran nicht autorisiert ist, da er vom US-Kongress nicht genehmigt wurde.(19)

Internationale Reaktionen auf den Krieg

Obwohl Russland vor zwei Wochen bereits angekündigt hat, den Iran im Fall eines Angriffs militärisch zu unterstützen, hält sich der russische Präsident, Wladimir Putin bisher zurück.(20) Der Iran ist seit 2024 Mitglied der BRICS-Staaten. Dazu zählen unter anderem Russland, China, Indien und Südafrika. Das Bündnis sieht eine wirtschaftliche und politische Kooperation zwischen den Mitgliedsländern vor.(21)

Im Sender Al Jazeera spricht der Polit-Analyst und Kommentator, Suleiman Al-Aqili darüber, was Saudi Arabien von den Angriffen hält. Es herrsche „eine Art Unmut gegenüber dem Verbündeten, oder besser gesagt: dem amerikanischen Partner“.

Der Grund ist offenbar die einseitige amerikanische militärische Unterstützung Israels.(22) Zudem reagierte die arabische Stadt Riad auf den iranischen Angriff mit einer scharfen Erklärung:

„Man habe den eigenen Luftraum ausdrücklich nicht für Angriffe auf den Iran freigegeben. Teheran wusste das und hat uns trotzdem angegriffen. Das Königreich verurteile die Attacken auf das Schärfste.“(23)

Aufgrund chinesischer Vermittlungen kam es nach ersten diplomatischen Annäherungen in den letzten Jahren zwischen Saudi-Arabien und dem Iran zu einem Abkommen, das als historisch galt. Diese Annäherung dürfte nun hinfällig sein. Momentan schießt der Iran auf alle Länder mit US-Militärbasen im näheren Umkreis.(24)

Auch China kritisiert die USA. Das chinesische Außenministerium erklärt:

„Die Vereinigten Staaten sind die größte Quelle von Chaos im internationalen nuklearen System.“(25)

Der Iran ist für China der größte Öllieferant. Auch Venezuela war für China ein wichtiger Öllieferant.

Deutsche Reaktionen auf den Krieg

Am Samstagabend, den 28. Februar 2026 meldete sich der Nius-Chefredakteur, Julian Reichelt in einer Sondersendung zu den Israel-Angriffen zu Wort. Reichelt bewertete den Angriff hier wie folgt:

„Für Millionen Menschen […] ist es ein Anlass zur Freude und zur Hoffnung. Wir sehen bewegende Bilder aus dem Iran, Menschen die dort auf den Straßen tanzen, während um sie herum amerikanische und israelische Bomben einschlagen. Wir sehen solche Bilder aber auch aus all den Städten, in denen das tapfere großartige Volk Exil und Zuflucht gefunden hat. […] Die Hoffnung ist groß, dass dieses blutrünstige und monströse Regime der schlimmste Terrorsponsor, den es auf der Welt in den letzten Jahrzehnten gegeben hat, fällt. Nur eine ist traurig, Annalena Baerbock. Die hat sich gerade geäußert. Die hat nämlich diesen Angriff von der amerikanischen und israelischen Luftwaffe schwer verurteilt und Amerikaner und Israelis aufgefordert, diese Angriffe einzustellen. Friedrich Merz, der Bundeskanzler ist da etwas differenzierter. Er verurteilt vor allem und vornweg, wie es sich gehört, das iranische und islamistische Regime. Fordert dann aber auch, dass man wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren möge. Das, meiner Meinung nach, hat mit der Realität, die wir in den letzten 12 Stunden erlebt haben, rein gar nichts mehr zu tun. Es wird keine Verhandlung mehr mit diesem Regime geben. Dieses Regime befindet sich im Endkampf.“(26)

Der deutsche Bundeskanzler, Friedrich Merz erklärte in seiner Rede zur Lage im Iran am Sonntag, den 1. März 2026:

[...] Das Mullah-Regime ist ein Terrorregime, das für die Jahrzehnte währende Unterdrückung des iranischen Volkes verantwortlich ist. […] Das Regime bedroht den Staat Israel in seiner Existenz, und das Regime ist verantwortlich für den Terror der Hamas und der Hisbollah.“

Weiter fügt er hinzu:

„Die iranischen Nuklear- und Raketenprogramme bedrohen Frieden und Sicherheit. Irans wahllose Angriffe auf direkte Nachbarn und die Golfstaaten destabilisieren die gesamte Region. […] Die Bundesregierung teilt deshalb die Erleichterung vieler Iranerinnen und Iraner, dass dieses Mullah-Regime jetzt an sein Ende kommt. […] Mit den Vereinigten Staaten und Israel teilen wir das Interesse daran, dass der Terror dieses Regimes aufhört und die gefährliche nukleare und ballistische Aufrüstung gestoppt wird. Die Militärschläge sollen das zerstörerische Spiel eines geschwächten Regimes beenden. Über diese gesamten Entwicklungen werde ich am Dienstag in Washington mit Präsident Trump sprechen.“(27)

Michael Lüders, stellvertretender Bundesvorsitzender des BWS erklärte in seinem Artikel in der Berliner Zeitung vom 28. Februar 2026, dass es sich eindeutig um einen israelischen völkerrechtswidrigen Angriff gegen den Iran handelt.(28) Bisher gibt es auf der offiziellen Seite des BSW noch kein Statement zu dem USA/Israel-Angriff. Jedoch gab die Partei Bündnis Sahra Wagenknecht einen Tag vor dem Angriff ein Statement ab. In diesem heißt es u. a. wörtlich:

„Das Bündnis Sahra Wagenknecht verurteilt jede Nutzung US-amerikanischer Militärbasen in Deutschland (z. B. Ramstein, Spangdahlem oder Grafenwöhr) für logistische, operative oder militärische Unterstützung eines Krieges gegen die Islamische Republik Iran als völkerrechtswidrigen Verstoß gegen die UN-Charta (Art. 2 Abs. 4: Verbot der Androhung oder Anwendung von Gewalt) und die Souveränität Deutschlands. Solche Basen dürfen nicht als Ausgangspunkt für Angriffskriege dienen, die die Zivilbevölkerung im Iran treffen und eine Eskalation im Nahen Osten fördern.“ Des Weiteren „lehnt [die Partei] die Nutzung von US-Militärbasen für Kriege im Nahen Osten ab und weist auf den Parteibeschluss vom 19. Juni 2025 hin, der bereits ein Verbot der Unterstützung israelischer Angriffe gegen den Iran fordert.“

Weiter heißt es:

„Die Bundesregierung wird aufgefordert, sich für eine diplomatische Initiative einzusetzen, die einen dauerhaften Waffenstillstand im Nahen Osten befördert, Waffenlieferungen an Konfliktparteien stoppt und den Iran von der Liste der Sanktionsstaaten streicht, um Dialog zu ermöglichen und eine weitere Verschlechterung der Lage der Bevölkerung im Iran zu verhindern.“(29)

Die AfD-Spitzenkandidaten der größten Oppositionspartei der Bundesrepublik, Alice Weidel und Tino Chrupalla äußerten sich am Samstag auf der offiziellen Webseite der Partei wie folgt:

„Mit großer Sorge haben wir die Angriffe Israels und der USA auf den Iran zur Kenntnis genommen. Wir fordern alle Kriegsparteien zur unbedingten Zurückhaltung auf. Die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur müssen geschützt bleiben. Das Völkerrecht sowie das humanitäre Völkerrecht müssen uneingeschränkt eingehalten werden. Die erneute Destabilisierung des Nahen Ostens liegt nicht im deutschen Interesse und muss beendet werden.“(30)

Bereits im Juni 2025 äußerte sich die AfD-Partei ausführlicher zu dem Konflikt. Sie erklärte auf ihrer offiziellen Webseite unter anderem:

„Die AfD-Fraktion steht entschieden hinter dem Existenzrecht Israels. Israel hat ein legitimes Recht auf Sicherheit. Eine iranische Atombombe wäre eine Gefährdung des Staates Israel, der regionalen Stabilität sowie des europäischen Kontinents. Der Iran hat ein Recht auf die friedliche, ausschließlich zivile Nutzung der Kernkraft. Der Iran muss aber seine Nuklearanlagen und Nuklearforschungseinrichtungen für unabhängige internationale Organisationen sowie für diplomatische Missionen westlicher Staaten öffnen, um seine Behauptung zu untermauern, nicht an der Herstellung von Kernwaffen zu arbeiten. Israel wäre in seinem Vorgehen gegen den Iran dann gerechtfertigt, wenn die Herstellung iranischer Nuklearwaffen absehbar bevorstünde. Die israelische Regierung ist im Sinne der Transparenz gefordert, alle Fakten, die belegen, dass eine Bedrohung Israels durch das iranische Atomprogramm vorliegt, der internationalen Öffentlichkeit schnellstmöglich – unter Wahrung der Sicherheit seiner Quellen – zu präsentieren.“(31)

Folgen des Krieges?

Da es sich mit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran um den ersten Krieg handelt, den Christen und Juden gemeinsam gegen Muslime führen, steigt die Terrorgefahr in den christlichen Ländern, in denen sich viele Muslime aufhalten, so der Journalist und Autor, Tom-Oliver Regenauer. Dazu gehört allen voran ganz Europa.(32)

Die österreichische Nachrichtenplattform, AUF1 berichtete bereits am Montag, den 2. März 2026 von einem möglichen ersten islamischen Terroranschlag in den USA. Laut Berichten von Fox News soll der 53-jährige Schütze, der auf eine Bar in Texas schoss, ein Unterhemd mit der iranischen Flagge getragen haben.(33)

Kommentar

Auch, wenn es Israel und den USA offenkundig nicht um einen Regimewechsel geht, damit im Iran endlich Demokratie und Freiheit herrscht, wie es das Nius-Portal immer wieder zu betonen versucht, muss noch einmal in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, dass ein wirklicher nachhaltiger Regimewechsel nur aus dem eigenen Volk heraus passieren kann. Den Völkern etwas von außen bzw. von oben aufzwingen zu wollen, funktioniert weder beim Gendern noch bei einem Regimewechsel.

Man kann sich ziemlich sicher sein, dass dieser Fakt sowohl Israel als auch den USA bekannt ist. Wenn es also nicht um einen Regimewechsel im Iran geht und auch nicht darum, dem Volk Freiheit und Demokratie zu schenken, worum geht es dann?

Nun, zum einen kann man sich durchaus mal die Frage stellen, wie Politiker, die selbst in keinem Land leben, in dem eine echte Freiheit des eigenen Volkes herrscht, diese aber einem Land versprechen, dessen Kultur sie nicht kennen oder verstehen? Es gibt auf dieser Erde nicht ein einziges Land und nicht einen einzigen Kontinent, der ein wahrhaftiges freies Volk beherbergt. Dieses Volk wäre souverän und selbstbestimmt. Es hätte keinen Anführer, Politiker, König und keine Partei, die dem Volk sagt, was es tun darf und was nicht.

Idealerweise hätten die Menschen dieses Volkes ein Gefühl in sich, was man tun sollte oder nicht. Sie wüssten es aus sich heraus, denn sie hätten den Zugang zu sich selbst und der Natur nicht verlernt. Diese Menschen bräuchten keine Regeln und keine Bibel, die ihnen sagt, wie man miteinander umgeht. Sie wüssten, dass es falsch ist, jemanden zu bestehlen, zu schlagen, zu töten. Sie würden einander wahrhaft zuhören, verstehen und einander helfen.

In dieser Welt in der die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen erfüllt wäre, gäbe es keinen Neid, keine Gier und keine Macht über andere. Es gäbe nicht einmal den Drang dazu. In diesem Zusammenhang müsste vielleicht noch hinzugefügt werden, dass mit dem Wort Grundbedürfnisse nicht nur die gemeint sind, die man in der Schule lernt. Denn hier sind nicht mal im Ansatz alle enthalten.

Der Mensch hat nicht nur die Grundbedürfnisse zu trinken, zu essen und zu atmen. Der Mensch hat das Grundbedürfnis, geliebt zu werden und zu lieben, sich geborgen und sicher zu fühlen und sich selbst zu verwirklichen. Etwas zu schaffen mit seiner eigenen Kraft und seinen eigenen Fähigkeiten. Etwas zu tun, was ihn erfüllt. Sind all diese Bedürfnisse erfüllt, hat der Mensch keinen inneren Drang nach Macht, Gier und Neid.

Nun, kommen wir zu den wahren Gründen des Krieges zwischen Israel/USA und dem Iran. Bei genauerer Betrachtung ist zunächst festzustellen, dass der israelische Ministerpräsident, Benjamin Netanyahu bereits seit 1995 dem Iran den Krieg erklärt hat.(34)

Nur hat er offensichtlich bis zum 28. Februar 2026 niemanden gefunden, der diesen auch tatsächlich umsetzt. Es scheinen mehrere Faktoren eine Rolle bei diesem Krieg zu spielen. Zum einen, dass der US-Dollar immer mehr an Wert verliert. Zum anderen gehen den USA die Ölreserven aus. Letzteres erklärt auch den kürzlich erfolgten völkerrechtswidrigen Angriff auf Venezuela.(35)

Und der Iran ist im Besitz von sehr viel Öl. Die USA haben bereits eine sehr lange Vorgeschichte darin, Kriege zu beginnen, um an das Öl aus anderen Ländern zu gelangen. Bereits die Kriege zwischen den USA und Libyen, Afghanistan sowie dem Irak galten einzig und allein dem Ziel, das dortige Öl für die USA nutzen zu können. Auch hier war der vorgeschobene Grund, den Menschen dort Freiheit und Demokratie zu schenken. Was übrig geblieben ist, sind Terrororganisationen, die die Länder nun regieren und Menschen, die noch unfreier leben als zuvor.(36)

Da der Iran sich jedoch bisher geweigert hat, die westlichen Spielchen mitzuspielen, blieb den USA nun nichts anderes mehr übrig, als erneut die Freiheit eines unterdrückten Landes zu versprechen, um an sein geliebtes Öl zu gelangen. Dass die Menschen tatsächlich im Iran unterdrückt werden, ist bekannt. Jedoch kann dies nicht als Grund genommen werden, um diese unfreien Menschen auch noch zu töten, denn genau darauf läuft der Krieg nun hinaus. Laut Michael Lüders wird nun der Iran dem Erdboden gleich gemacht werden und unschuldige Menschen werden sterben, nur, weil die USA unrechtmäßig an das Öl gelangen wollen.(37)

Was momentan nicht thematisiert wird, ist, dass am Freitag, den 27. Februar 2026 ein Krieg zwischen Afghanistan und Pakistan ausgebrochen sein soll.(38) Dies verschärft zusätzlich die Kriegssituation in einer Welt, in der man das Gefühl bekommt, dass wir bereits mitten im 3. Weltkrieg sind. Denn mit Zypern ist im Irankonflikt nun auch ein EU-Mitgliedsstaat direkt involviert.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://de.rt.com/kurzclips/video/271758-peskow-russland-analysiert-ergebnisse-us/; https://t.me/auf1tv/18189

(2) https://www.wsj.com/world/middle-east/u-s-and-israel-exact-heavy-toll-on-irans-leaders-8320addf

(3) https://t.me/auf1tv/18174

(4) https://t.me/auf1tv/18161

(5) https://t.me/auf1tv/18168; https://t.me/auf1tv/18169

(6) https://www.aljazeera.com/news/2026/3/2/british-military-base-in-cyprus-targeted-in-suspected-drone-attack

(7) https://t.me/auf1tv/18183

(8) https://t.me/auf1tv/18178

(9) https://de.rt.com/kurzclips/video/271717-irans-aussenminister-niemand-kann-uns/#

(10) https://www.deutschlandfunk.de/israel-greift-weitere-ziele-in-teheran-an-iran-lehnt-verhandlungen-mit-den-usa-ab-100.html; https://t.me/auf1tv/18208

(11) https://t.me/auf1tv/18170

(12) https://www.youtube.com/watch?si=PUL56pyiJqLcaexQ&v=WA_QUaHT6Wk&feature=youtu.be; https://www.youtube.com/watch?v=f2Kqv3tDHOU; https://www.deutschlandfunk.de/israel-greift-weitere-ziele-in-teheran-an-iran-lehnt-verhandlungen-mit-den-usa-ab-100.html

(13) https://t.me/auf1tv/18171

(14) https://t.me/auf1tv/18191

(15) https://t.me/auf1tv/18184?single; https://t.me/auf1tv/18210

(16) https://www.whitehouse.gov/articles/2026/03/peace-through-strength-president-trump-launches-operation-epic-fury-to-crush-iranian-regime-end-nuclear-threat

(17) https://tass.com/world/2091953

(18) https://www.youtube.com/watch?v=f2Kqv3tDHOU

(19) https://t.me/auf1tv/18148

(20) https://t.me/auf1tv/18194

(21) https://brics.br/en/about-the-brics

(22) https://t.me/auf1tv/18222

(23) https://t.me/auf1tv/18168

(24) https://t.me/auf1tv/18168

(25) https://t.me/auf1tv/18158

(26) https://www.youtube.com/watch?app=desktop&v=moyPmXLUyJE

(27) https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/kanzler-statement-naher-osten-2409172

(28) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/michael-lueders-die-entscheidung-den-iran-anzugreifen-fiel-schon-vor-monaten-li.10021685

(29) https://bsw-vg.de/beschluss-des-bsw-parteivorstands-zum-iran

(30) https://afdbundestag.de/lage-im-nahen-osten-erfuellt-uns-mit-sorge/

(31) https://afdbundestag.de/positionierung-zum-israelisch-iranischen-krieg/

(32) https://www.youtube.com/watch?v=f2Kqv3tDHOU

(33) https://t.me/auf1tv/18221

(34) https://www.youtube.com/watch?v=f2Kqv3tDHOU

(35) https://www.n-tv.de/politik/Der-US-Angriff-auf-Venezuela-hat-rechtlich-keine-Basis-id30199797.html

(36) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/michael-lueders-die-entscheidung-den-iran-anzugreifen-fiel-schon-vor-monaten-li.10021685

(37) https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/michael-lueders-die-entscheidung-den-iran-anzugreifen-fiel-schon-vor-monaten-li.10021685

(38) https://www.dw.com/de/offener-krieg-zwischen-pakistan-und-afghanistan/a-76152167

+++

Dank an die Autorin für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bild: Iran-Israel-USA Krieg

Bildquelle: Shutterstock AI / Shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Jens Spahn und der Nürnberger Kodex – Ein Kommentar von RA Jürgen Müller

16. Dezember 2025 um 11:16

Vorschau ansehen

veröffentlicht am 16.12.2025 von Presseteam MWGFD Rechtsanwalt Jürgen Müller vom Verein Kinderrechte Jetzt e.V. nimmt in einem Kommentar den gestrigen Auftritt von Jens Spahn in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages kritisch unter die Lupe. Vor dem Hintergrund der RKI-Protokolle ordnet er dessen Aussagen ein und bemängelt deutlich, dass zentrale Sicherheitsdaten zu den genetischen Impfstoffen erst […]

Der Beitrag Jens Spahn und der Nürnberger Kodex – Ein Kommentar von RA Jürgen Müller erschien zuerst auf MWGFD.

(Auszug von RSS-Feed)
❌