Hormus und Malakka – Das geopolitische Schachbrett gegen China
Die aktuellen Entwicklungen wirken auf den ersten Blick wie einzelne Krisenherde. Doch zusammengenommen ergeben sie ein deutlich größeres Bild. Während die USA im Nahen Osten den Druck auf Iran erhöhen und eine Blockade rund um die Straße von Hormus vorantreiben, verschiebt sich gleichzeitig der strategische Fokus nach Südostasien – nach Indonesien.
Dort wurde jüngst eine „Major Defense Cooperation Partnership“ zwischen Washington und Jakarta angekündigt. Offiziell geht es um Zusammenarbeit und Stabilität. Doch im Kontext globaler Machtpolitik stellt sich eine andere Frage: Wird hier gerade die zweite Hälfte eines strategischen Druckpunkts aufgebaut?
It was an honor to host Indonesian Defense Minister @sjafriesjams at the Pentagon today.
— Secretary of War Pete Hegseth (@SecWar) April 13, 2026
I was proud to announce that we are elevating our relationship to a Major Defense Cooperation Partnership, in recognition of the strength and potential of our bilateral defense ties. pic.twitter.com/eyo3Jh1cWF
Die Straße von Hormus ist einer der wichtigsten Energie-Engpässe der Welt. Ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels passiert diese Meerenge. Die USA sind dort militärisch präsent – und üben aktuell direkten Einfluss aus.
Doch global gesehen ist Hormus nur die eine Seite der Gleichung.
Die andere ist die Straße von Malakka.
Diese liegt an der Schnittstelle von Indischem Ozean und Pazifik – und ist der wichtigste maritime Engpass für China. Rund 80 Prozent der chinesischen Ölimporte passieren diese Route. Ohne sie gerät die Energieversorgung der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt unmittelbar unter Druck.
Und genau hier kommt Indonesien ins Spiel.
Als BRICS-Anwärter und geopolitischer Schlüsselstaat kontrolliert das Land gemeinsam mit seinen Nachbarn diesen entscheidenden Korridor. Gleichzeitig verfolgt Jakarta traditionell eine Politik der strategischen Balance zwischen den Großmächten.
Doch diese Balance wird zunehmend unter Druck gesetzt.
Während China Indonesien wirtschaftlich bindet – durch Infrastrukturprojekte, Investitionen und Handelsverflechtungen – setzen die USA verstärkt auf militärische Kooperation und sicherheitspolitische Integration.
Die neue Partnerschaft ist daher mehr als nur ein diplomatischer Schritt. Sie ist Teil eines größeren Musters.
Denn wenn man beide Entwicklungen zusammen denkt – den Druck auf die Straße von Hormus und die Annäherung an Indonesien im Umfeld der Straße von Malakka – entsteht ein strategisches Szenario mit weitreichenden Konsequenzen.
Sollte es den USA gelingen, Einfluss auf beide Engstellen gleichzeitig auszuüben, würde sich ein doppelter Hebel ergeben: Kontrolle über zentrale Energie- und Handelsrouten, die für China existenziell sind.
Ein solches Szenario würde weit über regionale Konflikte hinausgehen. Es würde den globalen Wettbewerb zwischen den USA und China auf eine neue Stufe heben – hin zu einer direkten Auseinandersetzung um die Kontrolle der Lebensadern der Weltwirtschaft.
Gleichzeitig bleibt die Realität komplex.
Weder die Straße von Hormus noch die Straße von Malakka lassen sich vollständig kontrollieren. Iran besitzt erheblichen Einfluss im Persischen Golf, während Indonesien kein klassischer Verbündeter der USA ist und seine strategische Unabhängigkeit bewahren will.
Dennoch zeigt die aktuelle Dynamik klar, wohin sich die geopolitischen Linien verschieben.
Es geht längst nicht mehr nur um einzelne Konflikte oder regionale Spannungen. Es geht um die Positionierung in einem globalen Systemwettbewerb.
Und in diesem Wettbewerb steht China im Zentrum.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob diese Entwicklungen miteinander zusammenhängen – sondern wie weit sie bereits Teil einer größeren strategischen Architektur sind.
Sollte sich der Druck auf beide Engstellen gleichzeitig erhöhen, hätte das unmittelbare Folgen für die Weltwirtschaft – und würde das Risiko einer globalen Eskalation deutlich steigern.
Die Welt schaut auf einzelne Krisen. Doch das eigentliche Spiel könnte sich auf einem ganz anderen Niveau abspielen.
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Die von den USA angekündigte Marineblockade gegen den Iran markiert eine neue Eskalationsstufe im Konflikt um die Straße von Hormus – einen der wichtigsten Energiekorridore der Welt. Nach dem Scheitern von Verhandlungen zwischen Washington und Teheran soll die US-Marine künftig den Schiffsverkehr zu iranischen Häfen unterbinden. (The Guardian)
Offiziell zielt die Maßnahme darauf ab, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran zu erhöhen und dessen Ölexporte – rund zwei Millionen Barrel pro Tag – zu stoppen. (Reuters) Doch die Auswirkungen reichen weit über den Iran hinaus.
— Don (@Donuncutschweiz) April 13, 2026
Die US-Marineblockade gegen den Iran ist ein Krieg gegen China.
Schauen Sie sich dazu diese Karte der globalen Energierouten nach China an. Zunächst haben sie in Venezuela die Energieexporte nach China gestoppt. Nun wollen sie die Energieexporte nach China durch eine… pic.twitter.com/ZCSCBnaeku
Die Straße von Hormus ist ein globaler Engpass: Rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels passieren diese Route. Ein Eingriff in diesen Verkehrsweg hat unmittelbare Folgen für die globale Energieversorgung – und insbesondere für asiatische Volkswirtschaften.
China ist dabei besonders exponiert. Ein erheblicher Teil seiner Ölimporte stammt aus der Golfregion, wobei ein großer Anteil durch die Straße von Hormus transportiert wird. Gleichzeitig gilt China als einer der wichtigsten Abnehmer iranischen Öls, oft unter Umgehung westlicher Sanktionen.
Vor diesem Hintergrund interpretieren einige Analysten die US-Maßnahmen nicht nur als Druckmittel gegen Teheran, sondern auch als indirekten Hebel gegenüber Peking. Bereits zuvor hatten US-Sanktionen gegen Venezuela chinesische Energieinteressen getroffen. (Modern Diplomacy)
Die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen sind bereits sichtbar: Der Ölpreis ist nach der Ankündigung der Blockade auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Experten warnen vor weiteren Preissprüngen, Störungen globaler Lieferketten und steigender Inflation. (markets.businessinsider.com)
Darüber hinaus wird die Blockade als Testfall für die geopolitische Ordnung interpretiert. Der Konflikt spiegelt die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und einem sich formierenden Netzwerk aus Staaten wie China, Russland und Iran wider – häufig beschrieben als Übergang zu einer multipolaren Welt. (Global Affairs)
Die militärische Dimension bleibt unberechenbar. Iran hat bereits angekündigt, eine Durchsetzung der Blockade als Kriegshandlung zu betrachten. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass andere Akteure – direkt oder indirekt – in den Konflikt hineingezogen werden könnten.
China selbst ruft bislang zur Stabilität auf und betont die Bedeutung sicherer Handelsrouten. (Anadolu Ajansı) Dennoch würde eine länger anhaltende Blockade zentrale wirtschaftliche Interessen Pekings berühren.
Die US-Marineblockade gegen den Iran ist formal eine Maßnahme gegen Teheran – ihre geopolitischen Auswirkungen reichen jedoch weit darüber hinaus. Sie trifft zentrale Energieflüsse, verschärft globale Spannungen und könnte insbesondere China unter Druck setzen.
Ob daraus tatsächlich ein direkter Konflikt zwischen Großmächten entsteht, ist offen. Sicher ist jedoch: Die Straße von Hormus entwickelt sich zunehmend zum Brennpunkt einer neuen globalen Machtkonkurrenz.
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US-Präsident Trump wollte einen schnellen Schlag gegen den Iran ausführen – einen Feind, den er weder kennt noch versteht. Statt eines Regimewechsels zeigen sich nun steigende Ölpreise, militärische Sackgassen und eine mögliche Eskalation im gesamten Nahen Osten. Das ist symptomatisch. Ein Kommentar von Alain de Benoist
Dieser Beitrag
Kein Sieg für die USA Wie sich Trump beim Iran-Krieg verzockt wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.
Islamabad, höchststufige US-Iran-Gespräche seit 1979 – und sie scheitern. Noch während Vance in der Luft war, erklärte Netanyahu: Israel sei "noch nicht fertig." Der Waffenstillstand vom 08. April hielt keine 12 Stunden – Israel bombardierte den Libanon in derselben Nacht weiter. 357 Tote in den ersten Tagen. Gleichzeitig: Europas Energieachsen brechen von Ost und Süd weg, die Golfstaaten stellen ihr Sicherheitsmodell in Frage, Iran hackt sich durch US-Rüstungsnetzwerke – und eine "Rettungsmission" wirft Fragen auf, die Washington nicht beantworten will.
Geopolitik-Radar vom 6. – 12. April 2026
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
Islamabad: Höchststufige US-Iran-Gespräche seit 1979 - und ihr abruptes Ende (11.–12. April 2026)
Vance, Witkoff und Kushner flogen nach Islamabad. Irans Delegation unter Parlamentssprecher Ghalibaf und Außenminister Araghchi ebenfalls vor Ort. Die Gespräche wurden geführt - und endeten ohne Ergebnis. Netanyahu erklärte unmittelbar danach, Israel sei "imIran noch nicht fertig." Vance: "Unser bestes Angebot liegt auf dem Tisch." Iran: Die USA hätten einen Vorwand gesucht, um die Gespräche zu beenden. Was in Islamabad wirklich auf dem Tisch lag - und warum es scheiterte - wird die entscheidende Frage der nächsten Wochen sein.
Waffenstillstand vereinbart - Israel greift Libanon in der Nacht an (07.–08. April 2026)
Trump verkündete auf Truth Social einen zweiwöchigen Waffenstillstand, ausgehandelt durch Pakistan. Noch in derselben Nacht setzten israelische Streitkräfte massive Angriffe auf den Libanon fort. Iran listete drei Verletzungen auf: Libanon-Angriffe, eine Drohne im iranischen Luftraum, fehlendes Urananreicherungsrecht. USA und Israel bestritten, dass der Libanon Teil der Vereinbarung war. Eine Sprecherin des Weißen Hauses zu Irans 10-Punkte-Plan: "Wir haben sie uns angeschaut und sie direkt in den Mülleimer geworfen." Iran machte Bedingung: Keine Gespräche solange Libanon-Angriffe andauern. Die Gespräche verzögerten sich um einen Tag.
Libanon: Die tödlichsten Tage seit September 2024 (08.–10. April 2026)
In den ersten Tagen nach dem offiziellen Waffenstillstand wurden im Libanon mindestens 357 Menschen getötet und über 1.200 verletzt - die höchsten Zahlen seit dem Höhepunkt der Kämpfe im September 2024. Israel sprengt ganze Dörfer weg - systematisch und dokumentiert. Israel besteht darauf, dass die Waffenstillstandsvereinbarung den Libanon nicht einschließt. Kein nennenswerter Widerspruch aus Washington.
Südpars und Petrochemie: Israels wirtschaftlicher Angriff auf Iran (05.–07. April 2026)
Israel traf den größten iranischen Petrochemiekomplex Südpars sowie die Jam- und Damavand-Anlagen. Nach israelischen Angaben sind damit rund 85% von Irans Petrochemieexporten inoperativ. Israel bezeichnet es als "schweren wirtschaftlichen Schlag." Südpars ist nicht nur der größte Gaslieferant Irans - er versorgt auch wesentliche Teile der zivilen Infrastruktur. Die Frage, ob gezielte Angriffe auf Energie- und Wasserinfrastruktur Kriegsverbrechen darstellen, wird international weiterhin selektiv diskutiert.
Ölpreis: 128 Dollar am Peak, 101 Dollar nach Waffenstillstand (05.–09. April 2026)
Der Brent-Rohölpreis erreichte am 02. April 2026 laut EIA-Daten seinen Höhepunkt bei fast 128 Dollar pro Barrel - der größte Ölpreisschock seit Jahrzehnten. Am 07. April lag er noch bei 113 Dollar. Nach Bekanntgabe des Waffenstillstands am 08. April fiel er kurz unter 100 Dollar. Bis zum 09. April war er bereits wieder auf 101 Dollar gestiegen - die Märkte glauben der Vereinbarung nur bedingt. US-Inflation März 2026: +3,3%, ein ganzer Prozentpunkt mehr als im Februar, direkt durch den Energiepreisschock verursacht.
Russland-Ukraine: Oster-Waffenstillstand 32 Stunden - Sanktionen laufen aus (11.–12. April 2026)
Russland und die Ukraine vereinbarten einen 32-stündigen Oster-Waffenstillstand. Selenskyj hatte das seit Wochen gefordert. Gleichzeitig lief am 11. April die US-Sanktionsbefreiung für russisches Öl aus - eine Erleichterung, die Washington eingeführt hatte, um den Ölmarkt-Schock des Iran-Kriegs zu dämpfen. Selenskyj fordert nun die Reimposierung der Sanktionen. Russland hat damit in den vergangenen Wochen Milliarden an Mehreinnahmen erzielt. Die Ukraine-Verhandlungen stagnieren, überlagert von Islamabad.
Netanyahu: "Noch nicht fertig" - während Vance in der Luft war (12. April 2026)
Während die US-Delegation noch auf dem Rückflug aus Islamabad war, erklärte Premierminister Netanyahu öffentlich, Israel sei in Iran "noch nicht fertig." Die Koordination zwischen Washington und Jerusalem über das Ende der Islamabad-Gespräche wirft Fragen auf. War Israels Erklärung abgestimmt - oder hat Netanyahu Vance überholt? Beides hat Konsequenzen für das, was als nächstes kommt.
Iran: Cyberangriff auf US-Rüstungsinfrastruktur - "Kamel hackt zurück" (April 2026)
Während die kinetischen Angriffe die Schlagzeilen dominieren, läuft parallel eine zweite Front: Iran hat systematisch US-Infrastruktur im Cyberraum angegriffen - Lockheed Martin, FBI-Netzwerke, Rüstungslieferketten. Kein Hightech-Wunder, sondern das gezielte Ausnutzen gestohlener Passwörter und ignorierter Warnungen. Der FBI-Direktor spricht von "historischen Daten." Was das über den Zustand westlicher Cybersicherheit aussagt, ist analytisch mindestens so relevant wie der nächste Raketenabschuss.
Iran Insight: War die "Rettungsmission" eine verdeckte Nuklearoperation? (April 2026)
Die offizielle Washingtoner Erzählung: heldenhafter Einsatz zur Bergung eines abgeschossenen WSO. Die Indizien: spezialisierte Flugzeuge bei Isfahan, Bewegungsmuster, die nicht zu einer reinen Bergungsmission passen, und 200 Kilogramm hochangereicherten Urans, deren Verbleib ungeklärt ist. Eine Alternative Lesart liegt auf dem Tisch - und sie stellt die gesamte Heldenerzählung in Frage.
Gaza Made in the USA: Kontrolle versagt, Rechenschaft abgeschafft (April 2026)
Das Investigativportal Bellingcat dokumentierte, welche Waffen in Gaza eingesetzt wurden und woher sie kamen. Teil 2 der Analyse verschiebt den Blick: Nicht welche Waffen geliefert wurden, sondern warum die Kontrollmechanismen versagten. National Security Memorandum 20, Lee A. Hui Law, Arms Export Control Act - Regeln existieren. Sie wurden im entscheidenden Moment nicht angewendet. Das Ende der Berichtspflicht, die Umgehung parlamentarischer Kontrolle, institutionelles Schweigen: kein administratives Versagen, sondern das Ermöglichen einer neuen Phase.
Hormuz: Faktisch weiter geschlossen - Trump wirft Iran "very poor job" vor (08.–11. April 2026)
Trotz Waffenstillstand und trotz der Islamabad-Gespräche bleibt Hormuz de facto blockiert. Weniger als 10 Schiffe täglich gegenüber 110 vor Kriegsbeginn. Trump kommentierte auf Truth Social, Iran mache einen "very poor job" bei der Öffnung der Meerenge. Das Hormuz-Mautsystem der IRGC läuft weiter. Lloyd's List bestätigt anhaltende Umfahrungsrouten über den Oman-Golf. Die Straße of Hormuz ist kein Verhandlungspfand mehr - sie ist ein Hebel, der nicht losgelassen wird.
Fokusthemen
1. Islamabad: Was dieser Waffenstillstand wirklich bedeutet - und warum er scheiterte
Am 07. April verkündete Trump einen zweiwöchigen Waffenstillstand. Am 08. April, noch in der Nacht der Bekanntgabe, griff Israel den Libanon mit der schwersten Angriffswelle seit Monaten an. 357 Tote in den ersten Tagen - die höchsten Zahlen seit September 2024. Iran listete drei Verletzungspunkte auf. Washington und Jerusalem bestritten, dass der Libanon Teil der Vereinbarung gewesen sei.
Was folgte, war keine Diplomatie. Es war die Choreographie eines Scheiterns.
Iran stellte eine Vorbedingung: keine Gespräche, solange Libanon-Angriffe andauern. Die Gespräche verschoben sich um einen Tag. Am 11. April trafen Vance, Witkoff und Kushner in Islamabad ein. Auf der anderen Seite des Tisches: Ghalibaf und Araghchi. Die höchststufigen direkten US-Iran-Gespräche seit 1979.
Die Knackpunkte sind bekannt und unverändert: Washington besteht auf vollständigem Ende der Urananreicherung, offener Straße von Hormuz und keinem Support für bewaffnete Gruppen. Teheran besteht auf dem Recht zur Urananreicherung, einem Waffenstillstand auch in Libanon und Reparationen. Diese Positionen sind nicht annähernd verhandlungsreif - es sei denn, eine Seite bewegt sich strukturell.
Dann, noch während Vance in der Luft zurück nach Washington war: Netanyahu erklärt, Israel sei "noch nicht fertig." Vance: "Unser bestes Angebot liegt auf dem Tisch." Iran: Die USA hätten einen Vorwand gesucht. Das ist keine Verhandlungsmasse mehr. Das ist das Ende einer Runde.
Was die nächste Runde bringen kann - und welche Muster sich in dieser Woche wiederholen - analysiere ich in meinen aktuellen Iran-Updates:
Update: USA und Israel greifen Iran an - 12. April 2026
Update: USA und Israel greifen Iran an - 08. April 2026
Fragen:
2. Folgt dem Öl: Europa ohne Energie, Golfstaaten ohne Schutz
Die drei Teile der "Follow the Oil"-Serie erzählen zusammen eine Geschichte, die größer ist als der Iran-Krieg.
Teil 1 zeigt, wie Washington Chinas Energieversorgung systematisch demontiert: Venezuela, Iran, Panama als aufeinanderfolgende Schritte einer kohärenten Logik. Wer Hormuz kontrolliert, kontrolliert nicht nur Irans Öl - er kontrolliert 45% der chinesischen Rohölimporte. Das ist kein Zufall. Das ist Kalkül.
Teil 2 wendet den Blick nach Europa. Am 01. April schrieb Trump auf Truth Social: "Build up some delayed courage, go to the Strait, and just TAKE IT." Das ist kein Affront. Es ist eine Zustandsbeschreibung. Europa kann es nicht. Nicht kaufen, was es braucht. Nicht holen, was es benötigt. Mit der Sprengung von Nord Stream, der Abkopplung von russischem Gas und der Hormuz-Blockade sind zwei zentrale Energieachsen gleichzeitig weggefallen - Ost und Süd. Was bleibt, ist strukturelle Abhängigkeit von US-Flüssiggas, das teurer ist als alles, was vorher kam. Und ein Partner, der gerade öffentlich erklärt hat: "We won't be there to help you anymore."
Ab dem 11. April ist auch die US-Sanktionsbefreiung für russisches Öl ausgelaufen. Bis heute wäre russisches Öl noch eine Option gewesen - politisch unerwünscht, aber physisch verfügbar. Ab jetzt ist die Tür zu.
Teil 3 zeigt, was die Golfstaaten gerade lernen: US-Militärpräsenz ist keine Garantie mehr, sie ist ein Risikofaktor. Die UAE haben 23 Raketen und 56 Drohnen an einem einzigen Tag abgewehrt. Bahrain hat Force-Majeure-Klauseln aktiviert. Die Frage, die sich Riad, Abu Dhabi und Doha jetzt stellen, lautet nicht mehr "wie eng bleibt die Bindung an Washington?" - sondern: "Was bleibt von dieser Sicherheitsarchitektur, wenn Washington seine Ziele erreicht hat und geht?"
Die vollständige Analyse - alle drei Teile:
Folgt dem Öl - Teil 1: Wie Washington Chinas Energieversorgung demontiert
Folgt dem Öl - Teil 2: Europa ohne Öl
Folgt dem Öl - Teil 3: Die Golfstaaten zwischen den Fronten
Fragen:
3. Das Kamel hackt zurück - und die Rettungsmission, die keine war
Zwei Artikel dieser Woche erzählen dieselbe Geschichte aus zwei Richtungen: Iran kämpft nicht nur kinetisch. Iran kämpft systemisch.
Der Cyberangriff ist die unbemerkte Front. Kein Hightech-Wunder - sondern das präzise Ausnutzen gestohlener Zugangsdaten, ignorierter Sicherheitswarnungen und offener Systeme. Lockheed Martin, FBI-Netzwerke, Rüstungslieferketten. Der FBI-Direktor spricht von "historischen Daten." Was das wirklich bedeutet: Der gefährlichste Angriff ist nicht der, den niemand stoppen kann - sondern der, den niemand ernst genommen hat. Dass ein Land, das im westlichen Narrativ gelegentlich mit Kameltreibern assoziiert wird, systematisch in die Kommandoinfrastruktur der stärksten Militärmacht der Welt eindringt, sagt mehr über westliche Selbstwahrnehmung aus als über iranische Fähigkeiten.
Die zweite Geschichte ist die der "Rettungsmission." Die offizielle Version: heroische Bergung eines abgeschossenen Waffensystemoffiziers unter Feindbeschuss. Was die Indizien zeigen: spezialisierte Flugzeuge bei Isfahan, Bewegungsmuster, die nicht zu einer reinen Personenrettung passen - und 200 Kilogramm hochangereichertes Uran, deren Verbleib offiziell ungeklärt ist. War das wahre Ziel der Colonel - oder etwas, das Iran während des Krieges möglicherweise in Bewegung gesetzt hat?
Beide Fragen bleiben vorerst offen. Aber sie stellen die offizielle Erzählung des Krieges an zwei entscheidenden Punkten in Frage.
Iran: Das Kamel hackt zurück - Teil 1
Iran Insight: „Rettungsmission"
Fragen:
4. Gaza Made in the USA: Wenn Kontrollmechanismen nicht mehr greifen
Bellingcat hat dokumentiert. Teil 1 dieser Serie hat gezeigt, welche Waffen in Gaza zum Einsatz kamen und aus welchen Lieferketten sie stammten. Teil 2 verschiebt den Blick - und die Frage.
Nicht: Welche Waffen wurden geliefert? Sondern: Warum haben die Mechanismen versagt, die genau das verhindern sollten?
National Security Memorandum 20 verpflichtet die US-Regierung, Sicherheiten von Waffenempfängern einzuholen. Der Lee A. Hui Law verlangt Berichte über Menschenrechtsverletzungen. Der Arms Export Control Act regelt, unter welchen Bedingungen US-Waffen exportiert werden dürfen. Diese Gesetze existieren. Sie wurden im entscheidenden Moment nicht angewendet - Berichtspflichten abgeschafft, parlamentarische Kontrolle umgangen, Behörden schweigen institutionell.
Das ist kein administratives Versagen. Es ist das Bild eines Systems, das vorhandene Regeln im Ernstfall außer Kraft setzt. Die Frage, die sich daraus ergibt: Wenn diese Mechanismen bei Israel nicht greifen - bei welchem anderen Empfänger würden sie greifen?
Gaza Made in the USA - Teil 1
Gaza Made in the USA - Teil 2
Fragen:
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com, bei Substack sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
Quellenliste
Iran-Krieg - Islamabad und Diplomatie
Iran-Krieg - Netanyahu und Israel
Iran-Krieg - Militärische Lage
Wirtschaft
Ukraine/Russland
Eigene Analysen
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Der Krieg um den Iran entwickelt sich zunehmend zu mehr als einem regionalen Konflikt. Im Zentrum steht nicht allein die militärische Auseinandersetzung, sondern die strategische Kontrolle über die Straße von Hormus – einen der wichtigsten Engpässe der globalen Energieversorgung. Wer diesen Korridor beeinflussen kann, verfügt über erheblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen, dass Iran trotz militärischen Drucks in der Lage ist, mit vergleichsweise asymmetrischen Mitteln eine globale Wirkung zu entfalten. Bereits die bloße Drohung einer Blockade reicht aus, um Märkte zu verunsichern, Energiepreise zu treiben und Lieferketten unter Druck zu setzen. Damit verschiebt sich der Fokus: Nicht der direkte militärische Schlagabtausch entscheidet über den Ausgang, sondern die Fähigkeit, systemische Abhängigkeiten auszunutzen.
Für die westlichen Staaten birgt diese Dynamik erhebliche Risiken. Während die USA auf militärische Überlegenheit setzen, droht sich der Konflikt in eine wirtschaftliche und geopolitische Belastungsprobe zu verwandeln, die insbesondere Europa und große Teile Asiens trifft. Steigende Energiepreise und gestörte Handelsströme könnten langfristig schwerwiegendere Folgen haben als kurzfristige militärische Verluste.
Gleichzeitig eröffnet die Lage strategische Chancen für andere Akteure. China und Russland könnten von einer anhaltenden Instabilität profitieren, indem sie ihre Rolle als alternative Partner und Energieversorger stärken. In einem solchen Szenario würde sich das globale Machtgefüge schrittweise verschieben – weg von einer dominierenden westlichen Ordnung hin zu einer fragmentierteren, multipolaren Struktur.
Auffällig ist zudem das Fehlen einer klaren politischen Zielsetzung. Der Konflikt weist bislang keine erkennbare Exit-Strategie auf, was das Risiko einer langfristigen Eskalation erhöht. Ohne ein definiertes Endziel droht der Krieg, sich zu verselbstständigen und über seine ursprünglichen Ursachen hinaus zu wachsen.
Damit steht mehr auf dem Spiel als ein militärischer Sieg oder eine Niederlage. Der Konflikt um den Iran könnte sich als Katalysator für eine tiefgreifende Neuordnung der internationalen Beziehungen erweisen – mit Folgen, die weit über den Nahen Osten hinausreichen.
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Zwei abgeschossene US-Kampfjets binnen 24 Stunden, ein zerstörtes AWACS im Wert von 700 Millionen Dollar und ein Iran, der gezielt die Architektur moderner Kriegsführung angreift: Dieser Krieg wird nicht mehr an der Front entschieden, sondern im Nervensystem militärischer Macht. Während Washington von „totaler Luftüberlegenheit“ spricht, zerfallen parallel Bündnisstrukturen, Europa blockiert Operationen und Teheran etabliert ein eigenes Kontrollregime in der Straße von Hormuz. Was sich hier entfaltet, ist kein klassischer Krieg - es ist die systematische Demontage westlicher Dominanz.
Der Geopolitik-Radar vom 30. März – 5. April 2026
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
F-15E, A-10, WSO - Zwei Abschüsse, eine Bergung (03.- 05. April 2026)
Am 03. April schoss Iran eine US-amerikanische F-15E Strike Eagle über der Provinz Kohgiluyeh und Boyer-Ahmad ab. Der Pilot wurde gerettet, der Waffensystemoffizier (WSO) zunächst vermisst - Iran setzte ein Kopfgeld von 60.000 Dollar auf ihn aus. Während der Bergungsmission wurde ein A-10 Thunderbolt II in der Nähe der Straße von Hormuz abgeschossen, der Pilot gerettet. Am 05. April wurde der vermisste WSO nach schweren Kämpfen von US-Kräften geborgen. Zwei US-Kampfjets in 24 Stunden - zu einem Zeitpunkt, an dem das US-Militär "totale Luftüberlegenheit" behauptet hatte.
AWACS zerstört - 700 Millionen Dollar strategischer Verlust (27. März 2026)
Iran hat ein E-3 Sentry AWACS-Aufklärungsflugzeug der US Air Force auf dem Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien zerstört. Satellitenbild-Auswertungen von CNN/Airbus bestätigen das ausgebrannte Wrack auf dem Rollfeld. Wert: rund 700 Millionen Dollar. Ein E-3 Sentry überwacht bis zu 300.000 Quadratkilometer Luftraum gleichzeitig und koordiniert Kampfverbände in Echtzeit. Iran hat nicht ein Flugzeug abgeschossen - Iran hat das Nervensystem der US-Luftkriegsführung getroffen.
Trump-Ansprache an die Nation - "Nearing Completion" ohne Exit-Plan (01. April 2026)
In seiner ersten Ansprache zur Nation seit Kriegsbeginn erklärte Trump, der Krieg sei "nearing completion" und werde in weiteren zwei bis drei Wochen enden. Konkrete Angaben zu einer Exit-Strategie: keine. Stattdessen drohte er, Iran "back to the stone ages" zu bomben und kündigte an, die USA würden "extremely hard" für weitere zwei bis drei Wochen zuschlagen. Ölpreis: +8% auf 109 Dollar pro Barrel allein nach dieser Rede. Märkte und Verbündete suchen weiter vergeblich nach einer klaren Linie.
Trump: "Take it" - Faustrecht als Außenpolitik (01. April 2026)
An alle Verbündeten, die wegen der Hormuz-Blockade unter Treibstoffmangel leiden und sich nicht am Krieg beteiligt haben, schrieb Trump auf Truth Social: "Build up some delayed courage, go to the Strait, and just TAKE IT. The United States won't be there to help you anymore, just like you weren't there for the US." Und: "Buy from the US. We have plenty." Die NATO-Logik kehrt sich damit offen um: Wer nicht kämpft, bekommt kein Öl. Am 05. April folgte ein 48-Stunden-Ultimatum an Iran: Deal oder Hormuz öffnen - sonst droht Trump mit "all Hell will reign down on them."
Erdogan droht Kriegseintritt auf Irans Seite (29. März 2026)
Der zweitgrößte NATO-Militär hat sich direkt gegen Israel und die USA gestellt. Hintergrund: Der Mossad hatte versucht, die kurdische PKK-Schwesterorganisation PJAK als Proxy-Bodentruppen gegen Iran zu aktivieren. Erdogan stellte Trump persönlich am Telefon: Sollten kurdische Milizen gegen Iran eingesetzt werden, marschiert die Türkei auf Irans Seite ein. Der PKK/PJAK-Plan wurde daraufhin offenbar fallen gelassen. Die Drohung steht. Gleichzeitig: Vier iranische Raketen schlugen in der Türkei ein - Ankara glaubt dem Narrativ, dass es Iran war, nicht.
UAE unter Dauerbeschuss - 23 Raketen, 56 Drohnen an einem Tag (04. April 2026)
Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten am 04. April die Abwehr von 23 Raketen und 56 Drohnen innerhalb von 24 Stunden - der schwerste Einzeltag seit Kriegsbeginn. Über Nacht traf eine iranische Drohne das Oracle-Bürogebäude in Dubai. Iran begründete den Angriff mit dem versuchten Mordanschlag auf Ex-Außenminister Kamal Kharazi, der schwer verletzt wurde, seine Frau getötet. Die IRGC setzte 18 US-Tech-Konzerne auf ihre Zielliste für weitere Anschläge - darunter Palantir, Meta, Google und Microsoft.
Ben Gvir feiert Todesstrafe für Palästinenser mit Champagner (30. März 2026)
Die Knesset hat die Todesstrafe für Palästinenser eingeführt, die wegen Terror verurteilt werden - vollstreckt durch Erhängen, ohne Begnadigungsmöglichkeit. Nationaler Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir beging die Abstimmung unmittelbar danach mit Champagner vor dem Parlamentsgebäude. Sein Kommentar: "Soon we will count them one by one." Videoaufnahmen kursieren auf mehreren Plattformen. Spanien, die EU und der Golfkooperationsrat verurteilten die Entscheidung. In westlichen Leitmedien blieb das Thema weitgehend unbeachtet.
China warnt Israel vor Nukleareinsatz - Peking meldet sich klar (01. April 2026)
Victor Zhikai Gao - Vizepräsident des Center for China and Globalization, ehemaliger Dolmetscher Deng Xiaopings und informelles außenpolitisches Sprachrohr Pekings - sagte direkt: "If Israel uses a nuclear warhead against any other country, including Iran, it will be the demise of Israel as a country." Gleichzeitig forderte Pekings Außenministerium den sofortigen Abzug Israels aus dem Libanon: "Lebanon must not become another Gaza." Wenn Lavrov die diplomatische Sprache ist, ist Gao Chinas Medwedew.
Russland erklärt Luhansk vollständig eingenommen (01. April 2026)
Russlands Verteidigungsministerium erklärte am 01. April die vollständige Kontrolle über die Oblast Luhansk - inklusive der letzten 0,2% ukrainisch gehaltenen Territoriums. Kreml-Sprecher Peskov forderte den ukrainischen Rückzug aus dem Donbas. Selenskyj schlug zu Ostern einen Waffenstillstand vor - Russland antwortete mit 339 Shaheds in einer Nacht. Die Verhandlungen mit Witkoff und Kushner stagnieren, überlagert vom Iran-Krieg. Ukraine traf derweil fünfmal in zehn Tagen den russischen Ölexporthafen Ust-Luga - nach Reuters-Berechnungen liegen mindestens 40% der russischen Ölexportkapazität lahm.
Liberation Day - ein Jahr Zölle, kein Produktionsboom (02. April 2026)
Vor einem Jahr erklärte Trump den 02. April zum "Liberation Day" und verhängte die höchsten US-Zölle seit 1909. Bilanz nach zwölf Monaten: 89.000 Fertigungsarbeitsplätze weniger als bei Einführung der Zölle, Handelsdefizit gestiegen, Teile der Zölle vom Supreme Court gekippt, rund 166 Milliarden Dollar müssen erstattet werden. Gleichzeitig treibt der Iran-Krieg den Ölpreis auf über 109 Dollar - was jeden Inflationsgewinn durch Zölle konterkariert. Ökonomen warnen vor dem Einsetzen des vollen Preisdrucks zwischen April und Oktober 2026.
Rotem Chemicals getroffen - Weißphosphor-Lieferant der US-Armee (25. März 2026)
Iran traf die Rotem Chemicals-Anlage (ICL Rotem) im israelischen Negev. Geolocalisierte Videoanalysen von Al-Araby TV bestätigen den Treffer. ICL Rotem ist laut US-Beschaffungsdaten der einzige Lieferant von Weißphosphor für die US-Armee - eingesetzt in 155mm-Artilleriegranaten. Derselbe Stoff wurde von der israelischen Armee zuletzt im März 2026 im Südlibanon eingesetzt, was Human Rights Watch dokumentierte. Iran hat damit nicht eine Fabrik getroffen - Iran hat die Versorgungskette eines umstrittenen Kampfmittels unterbrochen.
Hormuz-Mautsystem formal beschlossen (31. März 2026)
Das iranische Parlament hat das Mautsystem für die Straße von Hormuz formal beschlossen. Die IRGC kassiert bereits - in chinesischen Yuan. Tanker werden durch einen engen Korridor in iranischen Hoheitsgewässern zwischen Qeshm und Larak gelotst, direkt vor dem Marinestützpunkt Bandar Abbas. Preis pro Tanker: bis zu 2 Millionen Dollar. Lloyd's List bestätigt mindestens 25 Schiffe auf dieser Route. Vor Kriegsbeginn passierten täglich 110 Schiffe die Straße. Heute: weniger als 10.
Großes UK-Treffen: 40 Länder für Hormuz-Öffnung - USA nicht dabei (02.–03. April 2026)
Das Vereinigte Königreich leitete virtuelle Gespräche mit rund 40 Ländern über die Wiedereröffnung der Straße von Hormuz. Die USA nahmen nicht teil. Frankreichs Präsident Macron nannte den von Trump vorgeschlagenen Einsatz militärischer Gewalt zur Hormuz-Öffnung "unrealistisch". Der GCC-Generalsekretär forderte den UN-Sicherheitsrat auf, "alle notwendigen Maßnahmen" zum Schutz der Meerenge zu autorisieren. Spanien, Frankreich und Italien haben US-Militäroperationen eingeschränkt: Luftraumschließungen, verweigerter Basenzugang, limitierte Logistik.
Im Fokus
1. Iran greift die Architektur an - nicht die Ziele
In Woche sechs des Krieges hat sich ein Muster herausgeschält, das in der westlichen Berichterstattung kaum Raum bekommt: Iran zielt nicht mehr primär auf Städte, Truppenlager oder symbolische Ziele. Iran zielt auf die Infrastruktur der Kriegsführung selbst.
Der Abschuss der F-15E am 03. April - bestätigt durch US-Militär und Satellitendaten - wäre allein schon eine Meldung. Zusammen mit dem ebenfalls am selben Tag abgeschossenen A-10 Thunderbolt II ergibt sich ein anderes Bild: Zwei US-Kampfjets in 24 Stunden, zu einem Zeitpunkt, an dem die USA "totale Luftüberlegenheit" beanspruchen. Der vermisste WSO wurde am 05. April nach schweren Kämpfen geborgen - ein Bergungseinsatz, der selbst zu einem Gefecht wurde.
Den analytisch wichtigsten Treffer gab es jedoch bereits am 27. März: Ein E-3 Sentry AWACS wurde auf dem Prince Sultan Air Base in Saudi-Arabien zerstört. Satellitendarstellungen, ausgewertet von CNN und Airbus, zeigen das ausgebrannte Wrack. Das AWACS-System überwacht bis zu 300.000 Quadratkilometer Luftraum simultan, koordiniert Kampfverbände und ist das Führungs- und Aufklärungszentrum moderner US-Luftkriegsführung. Kein taktischer Schaden. Ein strategischer Treffer auf die Kommandoarchitektur.
Dazu kommt Rotem Chemicals: Iran traf die ICL Rotem-Anlage im Negev, wie geolocalisierte Videoanalyse belegt. Rotem ist - laut US-Beschaffungsdaten - der einzige Lieferant von Weißphosphor für die US-Armee. Bereits zuvor hatte Iran die Elta-Radarfabrik getroffen, die Israels Aufklärungssysteme beliefert.
Das Muster: Radar. Aufklärung. Kommando. Munitionsproduktion. Iran hat in fünf Wochen mit einem Bruchteil seiner ursprünglichen Raketenkapazität - laut US-Angaben 86% weniger Raketenstarts als zu Kriegsbeginn - die Architektur der US-amerikanisch-israelischen Kriegsführung systematisch bearbeitet. Das ist kein Erschöpfungskrieg. Das ist Präzision.
Welche Konsequenzen dieser Ansatz für die verbleibenden Wochen des Krieges hat - und was er über Irans tatsächliche Restkapazitäten aussagt - analysiere ich in meinem aktuellen Iran-Update:
Update: USA und Israel greifen Iran an - 05. April 2026
Update: USA und Israel greifen Iran an - 01. April 2026
Fragen:
2. Erdogan, PKK und die NATO-interne Konfrontation
Am 29. März 2026 hat Erdogan eine rote Linie gezogen. Nicht diplomatisch verklausuliert. Direkt. Sollten kurdische Milizen - konkret die PJAK, Schwesterorganisation der PKK - als US-gesteuerte Proxy-Bodentruppen gegen Iran eingesetzt werden, marschiert die Türkei auf Irans Seite ein. Trump wurde persönlich am Telefon konfrontiert. Der PKK/PJAK-Plan wurde daraufhin offenbar fallen gelassen.
Das ist ohne Präzedenz im laufenden Krieg. Der zweitgrößte Militär der NATO stellt sich offen gegen eine US-Militäroperation - und zieht damit eine Grenze, die Washington nicht ignorieren kann.
Der Hintergrund ist vielschichtig: Ankara befindet sich im empfindlichsten Moment eines Jahrzehnte alten Friedensprozesses mit der PKK. PKK-Gründer Öcalan hat seine Organisation zur Auflösung aufgerufen - ein historischer Moment. Ein von Washington gesteuerter PJAK-Aufstand im Iran würde diesen Prozess mit einem Schlag zunichte machen, Iran-nahe Kurdenmilizen entlang der türkischen Grenze stärken und Ankara in eine unmögliche Lage bringen. Das ist für Erdogan eine existenzielle rote Linie.
Gleichzeitig häufen sich Raketeneinschläge in türkischem Gebiet - vier bestätigte Treffer seit Kriegsbeginn. Ankara hat öffentlich Zweifel am offiziellen Narrativ geäußert, dass Iran dafür verantwortlich sei. Die Türkei beobachtet. Sie positioniert sich. Und sie hat klargemacht, dass sie sich die Option eines eigenständigen Kurses offenhält.
Was das für die NATO-Architektur bedeutet und wer die Türkei wirklich ist - strategisch, militärisch, geopolitisch - habe ich im März analysiert, als eine abgefangene Rakete über türkischem Territorium noch als Randnotiz behandelt wurde:
Türkei 2026 - Die Macht, die niemand benennen will
Fragen:
3. 1,5 Billionen Dollar und das Rubio-Problem
Am 01. April sagte US-Außenminister Marco Rubio in einem Interview: "Imagine an Iranian regime who, instead of spending billions of dollars supporting terrorist groups and building up all these weapons, had invested that money into Iran, for the people of Iran, so they wouldn't have water shortages, so their economies would provide opportunities for an incredible people."
Zwei Tage später, am 03. April, veröffentlichte das Weiße Haus Trumps Haushaltsantrag für das Fiskaljahr 2027: 1,5 Billionen Dollar für Verteidigung - ein Plus von 44% gegenüber dem Vorjahr, der größte Rüstungshaushalt in der Geschichte der USA. Gleichzeitig: 10% Kürzung bei allen zivilen Ausgaben, Streichungen bei Gesundheitsforschung, Bildung, Wohnungsbau und Sozialprogrammen. Trump selbst erklärte auf einer privaten Veranstaltung: "We're fighting wars. We can't take care of day care."
Der Widerspruch ist direkt. Rubio kritisiert Iran für genau das, was Trump am selben Wochenende als US-Haushaltspolitik ankündigt: Militär vor Menschen. Nur dass das Budget, das Trump beantragt, größer ist als das Militärbudget der nächsten zehn Länder zusammen - und parallel dazu läuft eine Rentenkürzungsdebatte, eine Gesundheitsversorgungskrise und ein Krieg, dessen Kosten das Pentagon mit zusätzlichen 200 Milliarden Dollar extra veranschlagt hat.
Hinzu kommt die NATO-Dimension: Trump nennt das Bündnis einen "paper tiger" und erwägt öffentlich den Austritt - weil Verbündete sich nicht am Iran-Krieg beteiligen. Gleichzeitig verlangt er von diesen Verbündeten, militärisch in die Straße von Hormuz einzugreifen, und droht, die Ukraine-Waffenlieferungen zu stoppen, wenn Europa nicht mitmacht. Zehn europäische Staats- und Regierungschefs trafen sich dieser Tage im Mannerheim-Haus in Helsinki zu einem nicht öffentlichen Krisentreffen. Spanien, Frankreich und Italien haben US-Militäroperationen eingeschränkt - Luftraumschließungen, verweigerter Basenzugang.
Das Narrativ, das sich hier abzeichnet, ist kein Bündnis mehr. Es ist ein amerikanischer Unilateralismus mit NATO-Etikett - finanziert durch die größte Militärausgabe der US-Geschichte, während Rubio Iran erklärt, wie man ein Land richtig regiert.
Was Narrative mit Kriegen zu tun haben - und wie sie vorbereitet werden, bevor der erste Schuss fällt - hat Patrik Baab im Gespräch mit mir analysiert:
Nichts ist so gut vorbereitet wie ein plötzlich ausbrechender Krieg
Fragen:
4. Europa rüstet auf - und kann es nicht
Während der Iran-Krieg die Weltmärkte erschüttert, läuft im Hintergrund ein Prozess, der in der Berichterstattung kaum Raum bekommt: Die Europäische Union treibt Programme zur Rüstungskoordination, gemeinsamen Beschaffung und Munitionsproduktion mit bisher nicht dagewesener Intensität voran. Die Worte Kriegswirtschaft und Zeitenwende sind längst keine Ausnahmevokabular mehr. Sie sind Planungsgrundlage.
Gleichzeitig zeigt ein nüchterner Blick auf die militärische Realität eine erhebliche Lücke zwischen politischer Rhetorik und operativer Fähigkeit. Deutschland ist nach Militärausgaben mittlerweile auf Platz 4 weltweit - und hat Munition für etwa zweieinhalb Tage intensiver Kampfführung. Die Einsatzquote bei Panzern und Luftabwehrsystemen liegt je nach System bei 50 bis 60%. Die Eurofighter-Flotte lässt sich rund vier bis viereinhalb Mal vollständig aufmunitionieren - dann ist das Magazin leer. Milliarden sind geflossen. Die Durchhaltefähigkeit ist nicht entstanden.
Zeitgleich verändert sich die strategische Lage in Ostasien still und ohne Schlagzeilen. Seit dem 28. Februar 2026 - dem Tag der ersten US-israelischen Angriffe auf Iran - hat China kein einziges Militärflugzeug mehr in Taiwans Luftverteidigungszone geschickt. Sechs Wochen Stille dort, wo zuvor täglich etwas los war. Das ist keine Entspannung. Das ist Kalkül. Während die USA im Persischen Golf Munition verbrauchen, Waffenlieferungen an Taiwan verzögern und militärische Aufmerksamkeit binden, baut China seine Optionen aus - ohne einen Schuss abzufeuern.
Wie Europa und Deutschland in diese Lage geraten sind, und was die Zahlen hinter den Schlagzeilen wirklich bedeuten, habe ich in drei Analysen untersucht:
Spannungsfall 2026 - Wie die deutsche Industrie auf Kriegswirtschaft vorbereitet wird Kriegstüchtig auf dem Papier, Siegfähig in der Planung
Fragen:
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com ,bei Substack unter https://michaelhollister.substack.comsowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
Quellenliste
Iran-Krieg - Militärische Entwicklungen
Iran-Krieg - Diplomatie und Eskalation
Iran-Krieg - Humanitäre Lage und Völkerrecht
NATO und Europa
US-Haushalt und Wirtschaft
Ukraine/Russland
Eigene Analysen
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Ashes of Pompeii
Der unipolare Club ist geschlossen. Die Vereinigten Staaten halten nicht länger den einzigen Schlüssel. In der globalen Politik wird ein neuer Tisch gedeckt, und die Frage ist nicht, ob die Welt multipolar wird. Sie ist es bereits. Die Frage ist: Wer bekommt tatsächlich einen Platz? Nicht, wer eingeladen wird. Nicht, auf wen gehofft wird. Wer ihn sich verdient.
Über Jahrzehnte hinweg gab es keinen Tisch. Es gab nur einen Thron. Die Vereinigten Staaten saßen allein an der Spitze der globalen Ordnung. Alle anderen standen darunter – entweder als Vasallen, abgesichert durch amerikanischen Schutz, oder als Feinde, die von amerikanischer Macht ins Visier genommen wurden. Es gab keine Gleichrangigen, nur Untertanen und Gegner. Aber diese Hierarchie zerbricht. Schauen Sie auf die Philippinen. Jahrzehntelang ein Bündnispartner, ein strategischer Außenposten im amerikanischen Imperium. Jetzt, angesichts der Entwicklungen am Persischen Golf, führt Manila direkte Gespräche mit Peking, um Gasfelder im Südchinesischen Meer gemeinsam zu erschließen. Das ist kein Hedging. Es ist die Erkenntnis, dass der Thron, wenn nicht leer, so doch zumindest unsicher geworden ist. Wenn ein Vasall beginnt, mit dem Rivalen des Hegemons über umstrittenes Territorium zu verhandeln, dann nicht, weil der Schutz „unzureichend“ ist. Sondern weil der Hegemon die Hierarchie nicht länger vollständig durchsetzen kann.
Die Lehre wird gerade, während wir sprechen, im Golf mit Feuer geschrieben. Die Golfmonarchien, allesamt Gastgeber amerikanischer Streitkräfte, werden getroffen, nicht trotz der Basen, sondern wegen ihnen. Die US-Luftabwehr konnte nicht alles aufhalten. Die Botschaft war brutal: Die Ausrichtung auf Washington kauft nicht immer Sicherheit. Sie kann ein Ziel kaufen. Der Sicherheitsschirm hat Löcher. Die Garantie ist nicht länger gültig. Vorerst halten die Golfstaaten zu den USA, aber wie lange noch?
Also, wer sitzt an dem neuen Tisch? Die Vereinigten Staaten, China und Russland sitzen bereits. Sie haben die nuklearen Arsenale, die wirtschaftliche Masse, die globale Reichweite. Sie sind Pole standardmäßig, durch Geschichte, durch Fähigkeit. Aber Multipolarität verlangt mehr als drei. Sie verlangt regionale Gravitationszentren, die ihre Nachbarschaften gestalten können, ohne um Erlaubnis zu fragen.
Hier kommt Iran ins Spiel. Iran bittet nicht um einen Platz. Es nimmt sich einen. Durch aktiven Krieg beweist es die Kriterien. Ein Pol wird nicht allein durch BIP oder Bevölkerung definiert. Er wird auch durch Willen, Widerstandsfähigkeit und Reichweite definiert. Können Sie einen Schlag einstecken und zurückschlagen? Können Sie Macht über Ihre Grenzen hinaus projizieren, ohne einen Patron? Können Sie einer Supermacht Kosten auferlegen, die eine Eskalation politisch untragbar machen? Iran hat unter direktem Angriff alle drei Dinge getan. Es hat seine Raketenstreitkräfte einsatzbereit gehalten, Stellvertreternetzwerke in der gesamten Region aktiviert und durch die Schließung der Straße von Hormus den größten globalen Energieschock seit den 1970er Jahren ausgelöst. Das ist Hebelwirkung. Das ist Verhalten eines Pols. Iran scheint aus dem Chaos im Golf als regionale Supermacht hervorzugehen. Ein Vergleich lässt sich mit Preußen im 19. Jahrhundert ziehen – kleinere Bevölkerung und Wirtschaft, aber seine Schlagkraft machte es zu einem vollwertigen Akteur im Konzert der europäischen Nationen jener Zeit.
Und wenn wir schon von ihnen sprechen: Was ist mit Europa? Dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien – der EU als Ganzes? Europa ist ein wirtschaftlicher Titan, eine regulatorische Supermacht, ein kulturelles Leuchtfeuer. Aber ist es ein Pol? Frankreich hat Atomwaffen und expeditionäre Ambitionen, ist aber überdehnt und im Inland eingeschränkt. Deutschland hat industrielle Stärke, bleibt jedoch militärisch ein Leichtgewicht, abhängig von amerikanischer Sicherheit. Das Vereinigte Königreich spricht von „Global Britain“, verfügt aber nicht über die Mittel, die Rhetorik zu untermauern. Die EU kann Standards für Smartphones setzen, aber sie kann sich nicht auf eine einheitliche Reaktion auf einen Krieg vor ihrer Haustür einigen. Europa hat Reichtum, aber keine Einheit; Fähigkeiten, aber keinen Willen. Es bleibt innerhalb der amerikanischen Umlaufbahn, selbst wenn diese Umlaufbahn schwächer wird. Können wir sagen, es ist ein Stakeholder, aber nicht vollständig ein souveräner Akteur? Wenn ein neuer USB-Stecker gebraucht wird, bekommt Europa als Erstes den Anruf. Aber ein geopolitisches Problem lösen? Solange und sofern die derzeitige Führungsgeneration nicht ersetzt wird, könnte Europa zum Abendessen eingeladen werden, aber es darf das Gebäude nur durch den Dienstboteneingang betreten.
Betrachten wir nun, wer trotz Reichtum oder Bündnissen ebenfalls keinen Platz bekommt. Japan ist ein wirtschaftlicher Gigant, eine technologische Großmacht, ein wichtiger Verbündeter der USA. Aber es bleibt ein Protektorat, kein Pol. Sein Militär ist verfassungsrechtlich eingeschränkt; seine Außenpolitik hallt Washingtons wider. Es hat Einfluss, aber keine Autonomie. Die arabischen Staaten – Saudi-Arabien, die VAE, Ägypten – haben Petrodollars und Ambitionen. Sie vermitteln Abkommen, investieren global und inszenieren sich als regionale Führer. Aber als die Raketen flogen, versagten ihre von den USA gestützten Verteidigungen. Reichtum ohne Willen oder Waffen ohne Unabhängigkeit verschaffen keinen Platz. Sie sind Kunden, nicht Architekten.
Dann ist da noch die Türkei. Ankara will unbedingt hinein. Es spielt auf allen Seiten: NATO-Mitglied, Käufer russischer Systeme, Vermittler in der Ukraine, Machtmakler im Kaukasus. Aber niemand vertraut ihr vollständig. Ihre Ambitionen übersteigen ihre Verlässlichkeit. In einer Welt, in der Pole für ihre Verbündeten berechenbar und für ihre Gegner furchteinflößend sein müssen, hält die Unbeständigkeit der Türkei sie an der Peripherie. Sie ist ein Swing State, kein Gravitationszentrum.
Und Afrika? Aus Höflichkeit, aus Gründen der Optik der Inklusion, könnten Südafrika oder Nigeria zum multipolaren Abendessen eingeladen werden. Sie haben Bevölkerungen, Ressourcen und regionale Stimmen. Aber auf globaler Ebene bleiben sie Beobachter. Keines von beiden kann Macht über seine Subregion hinaus projizieren oder seine Nachbarschaft vor externer Intervention schützen. Sie sind wichtig, aber noch nicht unentbehrlich. Ihre Zeit könnte kommen. Aber der Tisch, der heute gedeckt wird, wartet nicht.
Damit kommen wir zu den anderen Anwärtern. Brasilien und Indonesien haben riesige Bevölkerungen, wachsende Volkswirtschaften und regionalen Einfluss. Sie sprechen laut bei den BRICS und der G20. Aber Einfluss ist nicht dasselbe wie Durchsetzung. Ein Pol kann die Regeln in seiner Nachbarschaft festlegen; eine Regionalmacht verhandelt sie oft. Kann Brasilien externe Mächte daran hindern, in Südamerika zu intervenieren, wenn diese es wollen? Kann Indonesien Zwang durch Großmächte in Südostasien abschrecken? Gegenwärtig bleiben sie Arenen, in denen die großen Drei konkurrieren, nicht unabhängige Gravitationszentren, die Bedingungen diktieren können. Sie warten auf eine Einladung. Aber an diesem Tisch werden keine Einladungen verschickt. Plätze werden eingenommen.
Dann ist da noch Indien. Die Wildcard. Es hat die Rohmaterialien: eine boomende Wirtschaft, ein großes Militär, eine strategische Lage. Es praktiziert Autonomie, kauft russisches Öl und arbeitet gleichzeitig mit den USA bei Technologie zusammen. Aber echter Pol-Status erfordert mehr als Balance. Er verlangt die Fähigkeit, regionale Stabilität ohne Hilfe von außen durchzusetzen. Indien bewegt sich in diese Richtung, bleibt aber vorsichtig und zögert, die Lasten der Führung vollständig zu schultern. Es beobachtet, kalkuliert. Aber in einer Welt, in der Macht in Echtzeit bewiesen wird, kann Zögern einen den Platz kosten. Im Moment sitzt Indien mit am Tisch, aber als jüngeres Mitglied, dessen größter Hebel der eines Swing State ist, nicht der eines Machtzentrums.
Also, was macht tatsächlich einen Pol aus? Das Beispiel Iran verdeutlicht den Test. Es geht weniger um rohe Summen als um drei Dinge: Widerstandsfähigkeit (können Sie einen Schlag einstecken und weiterkämpfen?), Reichweite (können Sie Einfluss über Ihre Grenzen hinaus projizieren?) und Willen (sind Sie bereit, den Preis für Autonomie zu zahlen?). Wirtschaft, Bevölkerung und militärische Stärke sind das Eintrittsgeld. Aber der Platz wird dadurch verdient, wie man sie unter Druck einsetzt.
Gemessen daran hat Iran sich seinen Platz verdient. Japan und die arabischen Staaten haben den Reichtum, aber nicht den Willen. Die Türkei hat den Ehrgeiz, aber nicht das Vertrauen. Afrika hat das Potenzial, aber nicht die Projektion. Brasilien und Indonesien bereiten ihre Bewerbungen noch vor. Indien ist dabei, aber noch kein wirklich vollständig konsolidiertes Mitglied. Europa nimmt an, dass es einen Ehrenplatz am Tisch haben wird, aber das setzt voraus, dass die anderen es respektieren, wenn auch widerwillig. Hat Europa derzeit diesen Respekt?
Die alten Regeln gelten nicht länger. In dieser neuen Ordnung ist Autonomie die ultimative Währung – und sie wird verdient, nicht gegeben. Die Frage ist nicht, wer einen Platz will. Sondern wer bereit ist, das zu tun, was nötig ist, um ihn zu beanspruchen. Der Tisch wird gedeckt. Die Stühle sind begrenzt. Und die Welt schaut zu, um zu sehen, wer stehen bleibt und wer sich schließlich setzt.
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Pepe Escobar
Niemand wettet darauf, dass die meisten GCC-Petromonarchien in Westasien erkannt haben, wohin der Wind weht.
China und Pakistan veröffentlichten eine gemeinsame 5-Punkte-Erklärung zum Krieg gegen den Iran, die auf den ersten Blick so schwach wirken könnte, wie es nur geht:
Trotz der grenzenlosen Begeisterung von Pakistans Außenminister Ishaq Dar klingt das wie eine Sammlung von Klischees ohne Biss. Dar stellte stark heraus, dass sowohl die USA als auch der Iran ihr „Vertrauen“ in Pakistans Vermittlung geäußert hätten. Das ist äußerst fragwürdig.
Ein mögliches Szenario: China war überhaupt nicht überzeugt von den Gesprächen eines „Quad“ – der Außenminister von Pakistan, der Türkei, Saudi-Arabiens und Ägyptens – bei einem Treffen in Islamabad. Daher musste Dar nach Peking eilen, um schwierige Fragen zu beantworten.
Vor allem konnte China unmöglich riskieren, Garant für einen Nicht-Plan zu werden, der mit Sicherheit in kürzester Zeit von dem „Baboon of Barbaria“ bombardiert würde.
Natürlich steckt viel mehr dahinter. Aber das muss streng zwischen China und dem Iran besprochen werden. Dar musste nach Peking reisen, weil Teheran Pakistan nicht vollständig vertraut – ganz zu schweigen von den Türken und Arabern. Damit etwas Sinnvolles geschieht, braucht der Iran ernsthafte Garantien von China.
Zuvor hatte die iranische Regierung – mit allen Ministern – auf den 15-Punkte-Brief der USA reagiert, der über Pakistan übermittelt wurde (im Grunde eine weitere Aufforderung zur Kapitulation). Sie lehnten alle US-Forderungen ab und bestanden auf dem Recht zur Urananreicherung, der Weiterentwicklung ihrer Raketenprogramme, der Forderung nach Entschädigung für den illegalen Krieg sowie einem dauerhaften Kriegsende, garantiert durch die UN.
Ein weiteres interessantes Szenario: Die vage Abschlusserklärung könnte als Öffnung interpretiert werden, damit China eingreift und den post-amerikanischen Persischen Golf formt.
Pakistans Armeechef, Feldmarschall Asim Munir, der starke Mann des aktuellen Regimes, hat den „Baboon of Barbaria“ auf Kurzwahl. Das war Ishaq Dars zweite Reise nach China in drei Monaten. Er telefonierte kürzlich mehrfach mit dem chinesischen Außenminister Wang Yi.
Wie sind wir also hierher gekommen?
Um es klar zu sagen: Ägypten ist geopolitisch bedeutungslos – und hat zudem nichts gegen den schrecklichen Gaza-Genozid unternommen. Ägypten und Pakistan können in vielerlei Hinsicht als Vasallen Saudi-Arabiens und der VAE gesehen werden, die wiederum Vasallen einer US-geführten Machtstruktur in Westasien sind (was sich im Fall Saudi-Arabiens möglicherweise ändert).
Es gab viel Gerede, das Treffen in Islamabad sei von einer „sunnitischen Achse“ koordiniert worden. Unsinn. Entscheidend ist, dass sie alle diese Machtstruktur in Westasien unterstützen; etwa die Türkei, die trotz „offiziellen“ Verbots weiterhin Hintertür-Handel betreibt.
Die verflochtenen Beziehungen dieser vier muslimischen Nationen sind komplex. Pakistan und Iran teilen eine schwierige Grenze: Sistan-Belutschistan im Iran und Belutschistan in Pakistan, letzteres durchsetzt mit von CIA/MI6 beeinflussten Gruppen wie der Belutschistan-Befreiungsbewegung.
Islamabad hat einen Verteidigungspakt mit Riad (September letzten Jahres), doch das bedeutet nicht, dass Pakistan Saudi-Arabien gegen Iran unterstützen würde. Jeder weiß: Wenn Iran fällt, ist Pakistan das nächste Ziel.
Der türkische Außenminister Fidan gilt als Atlantiker. Pakistan und Ägypten werden de facto von zwei generalsdominierten Systemen geführt. Und dann erschwerte der „Baboon of Barbaria“ die Lage, indem er öffentlich MbS beleidigte.
Das Quad traf sich, während Saudi-Arabien, die VAE und Kuwait angeblich den USA privat zu einem Angriff auf Iran rieten. Nach dem Eklat änderte sich das sofort.
Jetzt ist der GCC bereits gespalten. Oman und Katar erklärten sich neutral. Riad reagierte später mit drastischen Aussagen: „Wir werden keine amerikanischen Waffen mehr kaufen.“ Das deutet auf den Zerfall eines zentralen Systems hin.
Schon vor Islamabad war klar: Iran würde keine US-Forderungen akzeptieren, die über dieses Quad übermittelt werden – nur über China.
Chinesische Diplomatie ist vorsichtig und zurückhaltend. China vermittelte bereits ein Abkommen zwischen Iran und Saudi-Arabien – das jedoch praktisch nie vollständig umgesetzt wurde.
China kann es sich nicht leisten, allein Garant für Frieden zu sein, da es weder den USA noch Israel vertraut.
Der einzig realistische Weg wäre ein Nichtangriffspakt, garantiert von den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates – doch selbst dieser könnte jederzeit zerstört werden.
Islamabad hat große Ambitionen: Es möchte einen „Hormus-Rahmen“ fördern, mit China als Garant, und so seinen geopolitischen Einfluss steigern.
Doch weder Iran noch China brauchen Pakistan dafür. Iran hat bereits Maßnahmen ergriffen, inklusive eines Systems von Gebühren für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus.
Alle in Westasien wissen, was das Ziel der dominierenden Macht ist: „Teile und herrsche“, also das Gegeneinander-Ausspielen von Persern, Arabern, Türken und Kurden.
Falls der Krieg durch Verhandlungen enden würde (derzeit unwahrscheinlich), würde Pakistan stark profitieren – etwa durch die Iran-Pakistan-Gaspipeline.
Auch der Hafen Gwadar spielt eine Rolle – nahe dem iranischen Hafen Chabahar. Gwadar ist Teil des China-Pakistan Economic Corridor (CPEC), eines zentralen Projekts der Neuen Seidenstraße.
Ein wirtschaftlicher Aufschwung dort würde die Integration zwischen West- und Südasien stärken – etwas, das die USA verhindern wollen.
Der GCC zerfällt sichtbar. Die VAE haben sich faktisch dem US-Krieg angeschlossen.
MbS verfolgt eigene Interessen, die nicht mit denen der VAE übereinstimmen. Iran hat gezeigt, dass es militärisch in der Lage ist, die Region erheblich zu destabilisieren.
Trotz aller aggressiven Rhetorik gibt es derzeit keinen realistischen Ausweg aus dem Konflikt.
China und der globale Süden hingegen erkennen, dass Irans Widerstand eine entscheidende Rolle spielt.
Geografie ist Schicksal: Iran ist ein zentraler Knotenpunkt zwischen Russland, Asien, Europa und Afrika. China und Russland können es sich nicht leisten, Iran nicht zu unterstützen.
Die Zukunft einer multipolaren Welt hängt davon ab, dass Iran bestehen bleibt.
Und dennoch glaubt niemand, dass die meisten GCC-Petromonarchien erkannt haben, wohin der Wind weht.
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Im Zusammenhang mit der völkerrechtswidrigen Aggression der USA und ihres Verbündeten Israel gegen Iran sowie den iranischen Reaktionen auf amerikanische, kriegsunterstützende Einrichtungen in den Golfstaaten, kursieren in den Medien zahlreiche Fehlannahmen zur Rolle Chinas.![]()
Der Beitrag China und der Persische Golf – für ein Kriegsende und eine friedliche Lösung erschien zuerst auf .
Tag 28 des Iran-Krieges – und die Eskalation erreicht eine neue Dimension. Iran öffnet Hormuz für Russland, China und Indien, sperrt es für den Westen: kein Krieg mehr, sondern ein Mautsystem nach geopolitischer Loyalität. Drei US-Kräfteverbände sind auf dem Weg in den Persischen Golf – während Iran seinen Preis für eine Bodeninvasion öffentlich nennt: UAE-Küsten, Bahrain, Bab al-Mandab. Bushehr wurde dreimal getroffen, ohne dass jemand sagt, wer geschossen hat. Und die Huthis feuern ihre erste Rakete auf Israel.
Der Geopolitik-Radar vom 23.–29. März 2026.
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
1. Iran lehnt US-Friedensplan ab - stellt eigene fünf Bedingungen (25. März)
Washington übergab über Pakistan einen 15-Punkte-Plan: Einschränkung des Nuklearprogramms, Öffnung von Hormuz. Teheran antwortete mit fünf Gegenforderungen: Stopp aller Angriffe und Attentate, verbindliche Kriegsgarantien, Kriegsreparationen, Ende aller Feindseligkeiten auf allen Fronten - und Irans Souveränität über die Straße von Hormuz. Washington: „lächerlich und unrealistisch." Iran: „Wir verhandeln nicht."
2. Trump verlängert Deadline auf 6. April - droht mit Kraftwerksangriffen (26. März)
Trump verschob per Truth Social die Frist für Iran, Hormuz zu öffnen, um zehn Tage - angeblich auf Teherans Wunsch. Gleichzeitig drohte er, bei Nichterfüllung iranische Energieanlagen zu zerstören. UN-Menschenrechtsexperten: Angriffe auf Kraftwerke wären ein Kriegsverbrechen. Iran: Wir führen keine Gespräche.
3. Israel trifft Nuklearanlagen Arak und Ardakan (27. März)
Der Schwerwasserreaktor Khondab in Arak sowie die Yellowcake-Produktionsanlage in Ardakan wurden von Israel angegriffen - beides Kernstücke des iranischen Nuklearprogramms. Der Arak-Reaktor kann zur Produktion waffenfähigen Plutoniums genutzt werden. Die Ardakan-Anlage verarbeitet Uranerz zu Yellowcake als Vorstufe zur Anreicherung. Zeitgleich dritter Treffer auf Bushehr-AKW-Gelände. IRGC-Luftwaffenchef auf X: „Diesmal nicht mehr Auge um Auge."
4. Huthis treten dem Krieg bei (28. März)
Erstmals seit Kriegsbeginn feuerte die jemenitische Huthi-Bewegung eine ballistische Rakete auf Israel ab - abgefangen. Zuvor hatten die Huthis gedroht, in den Krieg einzutreten, falls das Rote Meer für Angriffe auf Iran genutzt wird oder neue Allianzen entstehen. Bab al-Mandab als zweite Meerenge rückt damit in den Fokus.
5. Drei Kräfteverbände Richtung Persischer Golf (25.–28. März)
Die USA verlegen drei separate Kräfteverbände: Die 82nd Airborne Division mit 1.000 bis 3.000 Fallschirmjägern - ausgebildet für den Einsprung in feindliches Gelände, keine Schutzformation. Die USS Boxer mit der 11th Marine Expeditionary Unit (ca. 2.500 Marines, ausgestattet mit V-22 Osprey-Kipprotorflugzeugen). Die USS Tripoli mit der 31st MEU - bereits seit Wochen in der Region. Das Pentagon hat laut CBS News detaillierte Pläne für einen Bodeneinsatz ausgearbeitet.
6. Israel erklärt Südlibanon zur dauerhaften Besatzungszone (24. März)
Verteidigungsminister Katz: Israel wird den Südlibanon bis zum Litani-Fluss besetzen. Finanzminister Smotrich: „Der Litani muss unsere neue Grenze sein." Fünf Brücken über den Litani gesprengt, Grenzdörfer abgerissen. Libanons Präsident Aoun: „Auftakt zur Besatzung." International: kein Aufschrei, keine Reaktion, keine Pressemitteilung.
7. Bushehr AKW - drei Einschläge, keine Zuschreibung (17., 24., 27. März)
Drei Projektile schlugen auf dem Gelände des laufenden Atomkraftwerks Bushehr ein - am 17., 24. und 27. März. Keine Strahlenerhöhung, keine Verletzten. Kein Staat hat bisher öffentlich erklärt, wer geschossen hat. Ohne Zuschreibung gibt es keine Abschreckung. IAEA-Chef Grossi: „röteste Linie" nuklearer Sicherheit. Rosatom: Ein direkter Reaktortreffer würde eine „regionale Katastrophe" auslösen.
8. Iran öffnet Hormuz für befreundete Nationen (26. März)
Außenminister Araghchi bestätigte: China, Russland, Indien, Irak und Pakistan erhalten sicheres Geleit durch Hormuz. USA, Israel und ihre Verbündeten nicht. „Sie dachten, Iran hätte nicht den Mut. Wir haben es getan." Hormuz wird vom Kriegsschauplatz zum geopolitischen Mautsystem.
9. Russland startet Frühjahrsoffensive - 948 Drohnen in 24 Stunden (24. März)
Einer der größten russischen Luftangriffe seit Kriegsbeginn. UNESCO-geschützte Innenstadt von Lwiw getroffen. Friedensgespräche zwischen USA, Ukraine und Russland gestoppt. Selenski: Washington ist „vollständig durch den Iran abgelenkt." Putin nutzt das Vakuum.
10. G7-Außenminister in Paris - Rubio vs. skeptische Verbündete (27. März)
Rubio versuchte, die US-Strategie im Iran vor G7-Partnern zu rechtfertigen. Frankreichs Generalstabschef Mandon: „Wir wurden von einem Verbündeten überrascht, der immer unberechenbarer wird und uns nicht informiert, wenn er Kriege startet." Steinmeier: Iran-Krieg sei „völkerrechtswidrig."
11. Quadrilaterales Diplomatie-Format: Pakistan, Türkei, Ägypten, Saudi-Arabien (30. März)
Islamabad wird Gastgeber eines neuen regionalen Vermittlerformats - ohne USA, ohne Israel, ohne Europa. Pakistan hat den US-Plan nach Teheran überbracht. Das Format zeigt: Die Diplomatie dieses Krieges findet außerhalb des Westens statt.
12. Iran trifft Prince Sultan Air Base - 10 US-Soldaten verletzt (27. März)
Ein iranischer Raketenangriff auf die saudische Prince Sultan Air Base verletzte mindestens 10 US-Soldaten, zwei davon schwer. Mehrere Betankungsflugzeuge beschädigt - ausgerechnet jene, die für die Luftoperationen über Iran unverzichtbar sind.
Im Fokus
1. Hormuz als neue Weltordnung: Iran zieht eine Linie durch die Weltwirtschaft
Es gibt Entscheidungen, die militärisch wie eine Niederlage aussehen - und strategisch ein Sieg sind. Die Öffnung der Hormuzstraße für „befreundete Nationen" ist eine davon.
Araghchis Aussage ist in ihrer Klarheit kaum zu überbieten: China, Russland, Indien, Irak und Pakistan dürfen passieren. Die USA und ihre Verbündeten nicht. „Sie mobilisierten alle ihre Fähigkeiten, um die Sperrung zu stoppen - und scheiterten." Was wie eine Konzession klingt, ist das Gegenteil: Iran verwandelt die Sperrung in ein Mautsystem nach geopolitischer Loyalität.
Die Konsequenzen sind weitreichend. China erhält Energiesicherheit - genau jene, die Washington durch den Krieg entziehen wollte. Indien kann als inoffizieller Zwischenhändler für westliche Länder fungieren, die über indische Kanäle an iranisches Öl gelangen. Pakistan - nominell US-Verbündeter und Vermittler des Friedensplans - steht faktisch auf Irans Seite der Meerenge.
Gleichzeitig droht Iran: Sollten die USA Bodentruppen in den Süden Irans schicken, würde Teheran eine zweite Front an Bab al-Mandab eröffnen. Die 26 Kilometer schmale Passage zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Horn von Afrika ist das Nadelöhr zum Suezkanal. Rund 12 Prozent des weltweiten Seeöl- und -gashandels läuft dort durch, über 30 Prozent des Containerhandels zwischen Asien und Europa. Wenn beide Meerengen gleichzeitig blockiert sind, gibt es keine Umgehungsroute ohne extreme Kosten. Die WTO schätzt den wirtschaftlichen Schaden einer Doppelblockade als rezessionsauslösend innerhalb von Wochen.
Deep-Dive: Update Iran-Krieg, 26. März 2026
Update Iran-Krieg, 28./29. März 2026: Update Iran-Krieg, 29. März 2026
Fragen:
2. Bushehr, Arak, Ardakan: Die nukleare Eskalationsspirale
Drei Einschläge auf das Gelände des Atomkraftwerks Bushehr. Angriffe auf den Schwerwasserreaktor in Arak und die Yellowcake-Anlage in Ardakan. Jedes Mal: keine Strahlenfreisetzung, keine Verletzten - und kein staatliches Bekenntnis, wer geschossen hat.
Das ist die strukturelle Gefahr dieser Woche: Nicht was getroffen wurde, sondern was noch nicht getroffen wurde - und dass niemand die Grenze benennt.
Bushehr läuft mit voller Kapazität. Es enthält 72 Tonnen Kernbrennstoff und 210 Tonnen abgebranntes Material. Ein direkter Treffer auf den Reaktor würde nach Einschätzung von Rosatom eine „regionale Katastrophe" auslösen: radioaktive Aerosole über dem Persischen Golf, Verseuchung der Meeresküsten, Ausfall der Entsalzungsanlagen, von denen Millionen Menschen ihr Trinkwasser beziehen. Tanker, die in verstrahlte Gewässer fahren, würden in keinem Hafen der Welt anlanden dürfen - das Öl wäre nicht verstrahlt, aber die Schiffe wären es. 15 bis 20 Millionen Menschen müssten umgesiedelt werden. Eine Hormuz-Sperrung durch Verstrahlungsrisiko wäre nicht mehr politisch - sie wäre physisch.
Irans angekündigte Antwort auf einen solchen Angriff: das israelische Atomforschungszentrum in Dimona sowie das südkoreanisch gebaute Barakah-Kernkraftwerk in Abu Dhabi mit vier Reaktoren und 5.600 Megawatt Leistung - an der Küste Abu Dhabis gelegen.
Was analytisch fehlt: Ein Staat, der öffentlich sagt, wer Bushehr dreimal getroffen hat. Ohne Zuschreibung gibt es keine Abschreckung. Ohne Abschreckung wird das nächste Geschoss nicht der vierte Warnschuss sein.
Deep-Dive: Iran Insight - Kommentar: Was passiert, wenn Bushehr brennt
Fragen:
3. Bodentruppen, das Doppelschloss und Irans Preis
Drei Kräfteverbände sind unterwegs. Das Pentagon hat detaillierte Pläne ausgearbeitet. Trump erwägt laut Axios die Einnahme von Kharg Island.
Was die Bewegungen militärisch bedeuten, ist eine Sache. Was Iran dafür kalkuliert hat, ist eine andere.
Teheran ließ übermitteln: Bei einer US-Bodeninvasion wird Iran die Küstengebiete der Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrains besetzen und „die Landkarte verändern." Gleichzeitig: Eröffnung einer zweiten Front an Bab al-Mandab durch die Huthis - die am 28. März ihre erste Rakete auf Israel abfeuerten.
Das ergibt ein strategisches Bild: Iran nennt seinen Preis, bevor die USA die Entscheidung treffen. UAE und Bahrain beherbergen US-Basen, haben iranische Raketen abgefangen, haben politisch Seite bezogen. Im Falle einer Invasion würden sie zum Schlachtfeld. Die USA können ihren Verbündeten nicht sagen, dass sie das eingepreist haben - aber sie haben es.
Rubio sagte in Paris: Die Kriegsziele sind „ahead of schedule" und können ohne Bodentruppen erreicht werden. Gleichzeitig steigen die Truppenzahlen. Der Widerspruch ist strategisch gewollt: maximale Optionalität für Trump.
Deep-Dive: Iran Inside - Bodentruppen und das Doppelschloss
Fragen:
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Quellenliste
Friedensplan / Verhandlungen
Hormuz / Bab al-Mandab
Nuklearanlagen
Bodentruppen / Kräfteverbände
Houthis
Libanon / Israel
Ukraine
Europa
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
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Bildquelle: Michael Hollister
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Professor Jiang – von Insidern schlicht „der Professor“ genannt – gilt als einer der einflussreichsten geopolitischen Denker unserer Zeit. In einem Gespräch mit Tucker Carlson äußerte er sich ungewöhnlich offen über den Krieg gegen den Iran und dessen weitreichende Folgen.
Seine zentrale These: Der Konflikt sei ein strategisches Dilemma für die USA, mit globalen Konsequenzen – wirtschaftlich, politisch und militärisch.
— Global Insight Journal (@GlobalIJournal) March 22, 2026
Professor Jiang — the man nicknamed “The Professor” because he is truly one of the most dangerous geopolitical minds in the world — revealed to Tucker Carlson words you will not hear anywhere else:
Iran’s war is an American quagmire with no bottom… China is the biggest… pic.twitter.com/7bsH0sjH3M
Jiang sieht Parallelen zum Ukraine-Krieg. Der Konflikt mit dem Iran werde langwierig und zermürbend verlaufen. Keine Seite werde eine Niederlage eingestehen.
Die USA stünden vor zwei schlechten Optionen: Ein Rückzug würde als Niederlage gewertet, eine Fortsetzung führe zu einem endlosen Ressourcenverschleiß. Eine klare Ausstiegsstrategie sei nicht erkennbar – lediglich der Einstieg sei geplant worden.
Nach Einschätzung Jiangs würde der Iran im Falle von Verhandlungen massive Forderungen stellen, darunter Entschädigungen in Höhe von einer Billion US-Dollar sowie den vollständigen Abzug amerikanischer Truppen aus der Region.
Die Folgen eines Rückzugs wären gravierend:
Die Golfstaaten könnten sich politisch dem Iran annähern, der Petrodollar würde unter Druck geraten, und angesichts einer US-Staatsverschuldung von rund 39 Billionen Dollar drohe ein wirtschaftlicher Schock.
Jiang argumentiert, dass die USA nicht primär gegen den Iran kämpfen, sondern um ihre eigene wirtschaftliche Stabilität zu sichern.
Ein zentraler Punkt in Jiangs Analyse ist die Straße von Hormus. Der Iran plane, eine Durchfahrtsgebühr von zehn Prozent auf den Schiffsverkehr zu erheben.
Die prognostizierten Einnahmen könnten sich auf bis zu 800 Milliarden US-Dollar jährlich belaufen. Sollte dieses Modell umgesetzt werden, könnte der Iran gestärkt aus dem Krieg hervorgehen.
Entgegen gängiger Annahmen sieht Jiang nicht die USA als Hauptverlierer, sondern China.
Rund 40 Prozent der chinesischen Energieimporte stammen aus der Golfregion. Die Wirtschaft des Landes sei stark von günstiger Energie abhängig – auch für Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz.
Störungen in der Energieversorgung würden China daher besonders hart treffen und seine Rolle als aufstrebende Großmacht gefährden.
Jiang identifiziert zwei Staaten, die von der aktuellen Entwicklung profitieren könnten.
Israel verfolge langfristige geopolitische Ziele in der Region und habe ein Interesse an einer Schwächung der USA durch einen langwierigen Konflikt. Gleichzeitig würde die Destabilisierung des Golfs potenzielle Rivalen ausschalten.
Russland profitiere wirtschaftlich. Durch steigende Energiepreise könne Moskau höhere Einnahmen erzielen und damit unter anderem seinen Krieg in der Ukraine finanzieren.
Ein besonders kontroverser Punkt in Jiangs Analyse betrifft den Einfluss religiöser Überzeugungen.
Er verweist auf Gruppierungen in den USA und Israel, die den Konflikt im Kontext apokalyptischer Vorstellungen interpretieren. Politische Entscheidungen könnten dadurch von ideologischen Motiven beeinflusst werden, die sich rationaler Kontrolle entziehen.
Die USA erwägen laut Jiang eine militärische Operation zur Kontrolle der iranischen Insel Kharg, über die ein Großteil der iranischen Ölexporte läuft.
Doch er warnt: Eine solche Intervention könne sich schnell ausweiten. Ein zunächst begrenzter Einsatz könnte in eine groß angelegte militärische Eskalation münden – vergleichbar mit Vietnam.
Auch die Vereinigten Arabischen Emirate geraten in den Fokus der Analyse.
Das Wirtschaftsmodell Dubais basiere auf Stabilität und Sicherheit. Die jüngsten Angriffe hätten jedoch gezeigt, wie fragil diese Grundlage ist. Ein Vertrauensverlust könnte langfristige wirtschaftliche Folgen haben.
Jiang sieht Japan langfristig im Vorteil. Das Land habe sich historisch mehrfach von schweren Krisen erholt.
China hingegen beschreibt er als strukturell weniger anpassungsfähig in einer sich wandelnden globalen Ordnung.
Abschließend zeichnet Jiang ein düsteres Bild des Westens. Gesellschaftliche und demografische Veränderungen könnten zu einer tiefgreifenden Transformation führen.
Er stellt die Frage nach den treibenden Kräften hinter diesen Entwicklungen – ohne jedoch eine eindeutige Antwort zu liefern.
Professor Jiangs Einschätzung ist eindeutig:
Die USA befinden sich in einem strategischen Dilemma ohne klaren Ausweg. Der Iran könnte gestärkt aus dem Konflikt hervorgehen. China droht ein wirtschaftlicher Rückschlag. Gleichzeitig verschieben sich die globalen Machtverhältnisse.
Die entscheidende Frage bleibt, ob sich diese Prognosen bewahrheiten werden.
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Tag 21 des Iran-Krieges - und die Eskalation kennt keine Pause. Israel trifft das weltgrößte Gasfeld South Pars, Iran antwortet mit Angriffen auf Katars LNG-Hub und Kuwaits größte Raffinerie. Trump spricht von „Winding Down" - gleichzeitig rücken 2.500 Marines an. Eine iranische Rakete erreicht Diego Garcia, 4.000 Kilometer entfernt: der einzige verbliebene US-Nachschubhafen in Reichweite. Und der ranghöchste Trump-Geheimdienstchef tritt zurück mit den Worten: Dieser Krieg wurde auf israelischen Druck ohne Bedrohung für Amerika begonnen.
Der Geopolitik-Radar vom 16.-22. März 2026.
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
1. Israel trifft South Pars - weltgrößtes Gasfeld angegriffen (18. März) Israelische Luftangriffe trafen am 18. März Aufbereitungsanlagen in Asaluyeh, dem Onshore-Hub des iranischen South-Pars-Gasfeldes. Das Feld teilt sich Iran mit Katar (dort: North Dome) und deckt rund 70 Prozent des iranischen Gasinlandbedarfs. Irak meldete sofortige Unterbrechung iranischer Gaslieferungen. Trump erklärte, er habe vorab nichts gewusst - Geheimdienstquellen sagen das Gegenteil.
2. Iran antwortet auf South Pars: Ras Laffan, Haifa, Kuwait (18./19. März) Als direkte Vergeltung griff Iran Katars Ras-Laffan-LNG-Hub an - 17 Prozent weniger Output für bis zu fünf Jahre, laut QatarEnergy-CEO. Irans Haifa-Raffinerie in Israel getroffen, Kuwaits Mina-Al-Ahmadi-Raffinerie zweimal binnen 24 Stunden angegriffen. Brent-Öl: 112 Dollar/Barrel, +48% seit Kriegsbeginn.
3. Trump: „Winding Down" - gleichzeitig kommen mehr Truppen (20. März) Trump schrieb auf Truth Social, die USA stünden kurz vor Erreichen ihrer Kriegsziele und erwögen das „Winding Down". Gleichzeitig: 2.500 Marines plus USS Boxer auf dem Weg, Pentagon diskutiert Einsatz der 82nd Airborne Division. US-Staatsminister hebt Iran-Sanktionen für 140 Millionen Barrel Öl für 30 Tage auf.
4. Iran schießt Rakete Richtung Diego Garcia - 4.000 Kilometer (21. März) Iran feuerte erstmals eine ballistische Rakete in Richtung des US-Stützpunkts Diego Garcia im Indischen Ozean - 4.000 Kilometer entfernt. Die Rakete wurde abgefangen. Die Botschaft ist strategisch: Diego Garcia ist der einzige US-Hafen in Reichweite zur Nachmunitionierung der Trägerflotte, seitdem Bahrain unter Beschuss liegt. Alle US-Basen in Südeuropa liegen in ähnlicher Distanz.
5. Pentagon plant Bodentruppen-Einsatz (20. März) CBS News: Das Pentagon hat detaillierte Pläne für den Einsatz von US-Bodentruppen im Iran ausgearbeitet. Trump habe noch keine Entscheidung getroffen. Axios: Trump erwäge die Einnahme von Kharg Island, um die Hormuzstraße zu öffnen. Zwei amphibische Angriffsschiffe der Wasp-Klasse - darunter die USS Boxer - befinden sich auf dem Weg in die Region.
6. Ali Larijani getötet - Irans faktischer Staatsverwalter eliminiert (17. März) Irans Oberstes Nationales Sicherheitsrat bestätigte den Tod von Ali Larijani, Sekretär des Sicherheitsrats und seit Khameneis Tod faktischer Verwalter der iranischen Staatsführung. Mit ihm starben sein Sohn, ein Sicherheitsvizechef und Larijani-Bodyguards. Gleichzeitig: Basij-Chef Gholamreza Soleimani und IRGC-Luftstreitkräfte-Kommandeur getötet - alles in einer Nacht.
7. Bushehr-Atomkraftwerk erstmals getroffen (17. März) Ein Projektil schlug auf dem Gelände des AKW Bushehr ein - 350 Meter vom aktiven Reaktorblock entfernt. IAEA-Chef Grossi bestätigte den Einschlag, rief zur „maximalen Zurückhaltung" auf. Rosatom warnte vor einer „Katastrophe im regionalen Maßstab." Keine Strahlenerhöhung, keine Verletzten. Wer das Projektil abgefeuert hat, ist nicht öffentlich bestätigt.
8. Joe Kent tritt zurück: „Kein unmittelbarer Grund für diesen Krieg" (17. März) Joe Kent, Direktor des National Counterterrorism Center und enger Trump-Vertrauter, legte sein Amt nieder. In seinem öffentlichen Rücktrittsbrief: Iran stelle keine unmittelbare Bedrohung für die USA dar. Der Krieg sei auf israelischen Druck hin geführt worden. Kent ist Army Special Forces, elf Kampfeinsätze, ehemaliger CIA-Paramilitär - kein Establishment-Kritiker, sondern ein Kernmitglied des MAGA-Netzwerks.
9. Iran dementiert Angriffe auf Türkei und Oman (laufend) Irans neuer Oberster Führer Mojtaba Khamenei erklärte, die Angriffe auf Ziele in der Türkei und in Oman seien nicht von iranischen Streitkräften oder Kräften der „Achse des Widerstands" ausgeführt worden. Beide Länder unterhalten gute Beziehungen zu Iran. Die Frage, wer die Raketen abgefeuert hat, bleibt offen.
10. Nowruz unter Bomben - und Israelis Botschaft ans iranische Volk (20. März) Israel griff Teheran am 20. März an - dem persischen Neujahrstag Nowruz. Netanyahu in einem Video: „Feiern Sie. Wir schauen von oben zu." Beim vorangehenden Feuerfest Chaharshanbe Suri (17. März) trotzten Iraner trotz IRGC-Drohungen und Polizeipräsenz dem Regime mit Straßenfeiern und Anti-Regime-Parolen.
11. USS Gerald R. Ford verlässt das Rote Meer für Reparaturen (17. März) Der Flugzeugträger fährt nach Souda Bay auf Kreta. Offizieller Grund: ein Maschinenbrand vom 12. März. Das Schiff ist seit neun Monaten ohne Unterbrechung auf See und nähert sich dem Post-Vietnam-Einsatzrekord der US-Marine. Über 200 Matrosen wurden wegen Rauchvergiftung behandelt, 600 verloren vorübergehend ihre Schlafplätze.
12. IEA: Größte strategische Ölreservenfreigabe der Geschichte - reicht nicht (laufend) Die Internationale Energiebehörde gab 400 Millionen Barrel aus Reserven frei. Golfstaaten-Ölexporte brachen in der Woche bis 15. März um 61 Prozent ein. UAE-Produktion halbiert, Irak minus 70 Prozent. Goldman Sachs: Hohe Ölpreise könnten bis 2027 anhalten.
Im Fokus
1. South Pars und die neue Dimension des Krieges: Wenn Energie zur Waffe wird
Mit dem israelischen Angriff auf South Pars am 18. März betrat der Iran-Krieg eine neue Phase. Nicht mehr nur Militärinfrastruktur, Führungsziele und Nuklearanlagen stehen im Fadenkreuz - sondern das wirtschaftliche Rückgrat der Region und damit der globalen Energieversorgung.
South Pars ist nicht irgendein Gasfeld. Es enthält zusammen mit Katars North Dome geschätzte 1.800 Billionen Kubikfuß Gas - genug für den weltweiten Bedarf von 13 Jahren. Der iranische Teil versorgt 70 Prozent des heimischen Gasbedarfs. Katars Seite beliefert Europa und Asien mit rund einem Fünftel der weltweiten LNG-Versorgung. Irans Reaktion war präzise: Ras Laffan, Katars wichtigster LNG-Exportterminal, wurde getroffen - 17 Prozent weniger Output für bis zu fünf Jahre.
Was in den Schlagzeilen wenig auftaucht: Die Hormuz-Sperrung trifft nicht nur den Ölmarkt, sondern auch rund ein Drittel des globalen Düngemittelhandels. In der nördlichen Hemisphäre beginnt das Frühjahr-Aussaatfenster für Mais, Soja und Weizen genau jetzt - in März und April. Was in diesen Wochen nicht auf den Feldern landet, lässt sich nicht nachholen. Die Preisfolgen werden in vier bis sechs Monaten sichtbar. Harnstoff-Dünger in New Orleans: bereits +43 Prozent.
Trump ordnete Netanyahu an, South Pars nicht erneut anzugreifen. Netanyahu sagte öffentlich zu - und griff am Folgetag Teheran an. Die Koordinationsfrage zwischen Washington und Tel Aviv wurde diese Woche zum offenen Riss.
Für unterstützende Leser:
Marines, Osprey und die Logik des Machteinsatzes - Was der MEU-Einsatz wirklich bedeutet
Fragen:
2. Joe Kent und die Risse im MAGA-Lager
Es gibt Aussagen, die man nach ihrer Quelle bewertet.
Wenn ein Demokrat erklärt, dieser Krieg sei auf israelischen Druck ohne unmittelbare Bedrohung durch Iran begonnen worden, ist das eine politische Oppositionsposition. Wenn Joe Kent das sagt, ist es etwas anderes.
Kent ist Army Special Forces, elf Kampfeinsätze im Nahen Osten, verlor seine erste Frau bei einem Selbstmordanschlag in Syrien, arbeitete für die CIA als paramilitärischer Offizier, war enger Vertrauter von Tulsi Gabbard und gehörte zum Kern des MAGA-Netzwerks. Trump vertraute ihm den Schutz Amerikas vor Terrorbedrohungen an. Am 17. März trat er zurück - mit einem öffentlichen Brief auf X.
Trumps Reaktion war bezeichnend: Er nannte Kent „sehr schwach auf Sicherheit." Keine inhaltliche Widerlegung. Keine Gegenaussage zur Bedrohungslage. Tulsi Gabbard schrieb, der Präsident sei für die Einschätzung imminenter Bedrohungen zuständig - ebenfalls keine inhaltliche Widerlegung.
Kent ist nicht das erste Signal aus dem MAGA-Lager. JD Vance war beim Angriffsbeschluss laut Trump selbst „weniger enthusiastisch." Tucker Carlson kritisiert den Krieg von Anfang an. Axios berichtet, das Weiße Haus bereite sich auf ein Tucker-Carlson-Interview mit Kent vor. Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist Kent ein Einzelfall - oder der sichtbare Teil einer internen Bewegung, die noch nicht vollständig öffentlich geworden ist?
Update Iran-Krieg, 18. März 2026 (mit vollständiger Kent-Analyse): UPDATE - USA UND ISRAEL GREIFEN IRAN AN - 18.03.2026
Fragen:
3. Diego Garcia und die Frage der nächsten Phase
Am 21. März feuerte Iran eine ballistische Rakete in Richtung Diego Garcia - 4.000 Kilometer entfernt, mitten im Indischen Ozean. Die Rakete wurde abgefangen. Aber die Nachricht ist nicht der Abschuss selbst.
Diego Garcia ist der einzige US-Militärhafen in der Region, der außerhalb iranischer Kurzstreckenreichweite liegt - und damit der logisch zwingende Anlaufpunkt für Nachmunitionierung und Reparaturen, seitdem Bahrain unter Beschuss liegt und die USS Ford nach Kreta ausweichen musste. Wer Diego Garcia erreichen kann, demonstriert, dass es keine sichere Rückzugszone mehr gibt. Und: Alle US-Militärbasen in Südeuropa liegen in vergleichbarer Entfernung.
Gleichzeitig verdichten sich die Zeichen einer möglichen Bodenoperation: Das Pentagon hat laut CBS News detaillierte Pläne ausgearbeitet. Axios berichtet, Trump erwäge die Einnahme von Kharg Island. Die USS Boxer - ein amphibisches Angriffsschiff - ist mit 2.500 Marines an Bord auf dem Weg in die Region. Das 31. Marine Expeditionary Unit, ausgerüstet mit V-22 Osprey-Kipprotorflugzeugen, wurde verlegt.
Was Trump am 20. März als „Winding Down" bezeichnete, beschreibt die Wirklichkeit am 21. März nicht. Mehr Truppen, mehr Schiffe, mehr Planungen. Die Kriegsrhetorik und die Kriegsrealität driften auseinander - und der Markt hat es bemerkt: Öl stieg auf 112 Dollar am selben Tag.
Update Iran-Krieg, 22. März 2026: UPDATE - USA UND ISRAEL GREIFEN IRAN AN - 22.03.2026
Fragen:
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Quellen
South Pars / Energiekrieg
Joe Kent / Rücktritt
Diego Garcia / Bodentruppen / Winding Down
Bushehr AKW
Larijani / Militärische Lage
USS Ford
Nowruz / Inneninran
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
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Bildquelle: Michael Hollister
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Der Krieg zwischen den USA, Iran und Israel tritt in eine neue Phase - militärisch, technologisch und geopolitisch. Während Drohnen und Streumunition klassische Luftüberlegenheit infrage stellen, nutzt eine chinesische KI-Firma amerikanische Satellitendaten, um US-Militärpositionen öffentlich zu kartieren. Gleichzeitig gerät die Türkei als einziger NATO-Staat mit direkten Kommunikationskanälen zu allen Konfliktparteien in eine strategische Schlüsselrolle. Der aktuelle Geopolitik-Radar analysiert die entscheidenden Entwicklungen dieser Woche - vom Ölkrieg um Hormus über den Informationskrieg im Orbit bis zur Frage, ob sich die militärische Logik moderner Kriege gerade fundamental verändert.
Der Geopolitik-Radar vom 9.-15. März 2026.
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
1. Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer Irans gewählt (8./9. März) Der 56-jährige Sohn des getöteten Ali Khamenei wurde von der Expertenversammlung zum dritten Obersten Führer der Islamischen Republik ernannt. Er gilt als noch kompromissloser als sein Vater, hat enge IRGC-Verbindungen - und wurde von Trump als „inakzeptabel" bezeichnet, bevor er ernannt wurde.
2. Mojtaba Khameneis erste Botschaft: Hormuz bleibt geschlossen (12. März) In seiner ersten öffentlichen Erklärung - nicht als Video, sondern schriftlich über Staatsfernsehen verlesen - erklärte der neue Oberste Führer die Straße von Hormuz zum dauerhaften Druckmittel, forderte die Schließung aller US-Basen in der Region und drohte mit der Eröffnung neuer Fronten.
3. USA greifen Kharg Island an - 90 Prozent der iranischen Ölexporte in Reichweite (13. März) Trump ließ Militärziele auf der iranischen Ölexportinsel Kharg Island bombardieren und drohte explizit, beim nächsten iranischen Angriff auf Schiffe in der Hormuzstraße auch die Ölinfrastruktur zu treffen. Iran antwortete: Jeder Angriff auf eigene Ölfelder ziehe Angriffe auf Energieinfrastruktur von Drittstaaten nach sich.
4. Iran setzt Clusterbomben gegen Israel ein - Iron Dome strukturell überfordert (ab 10. März) Laut israelischem Militär wurden rund 50 Prozent der auf Israel abgefeuerten Raketen mit Streumunition bestückt. Die Sprengköpfe öffnen sich in großer Höhe und streuen Dutzende Bomblets über weite Gebiete - ein Angriffsmuster, gegen das Iron Dome konstruktionsbedingt nicht ausgelegt ist.
5. Dritte iranische Rakete auf die Türkei - NATO-Ernstfall bleibt aus (13. März) NATO-Luftabwehr über dem östlichen Mittelmeer schoss am 13. März eine dritte ballistische Rakete ab, die von Iran in Richtung türkischen Luftraum abgefeuert wurde. Ziel war offenbar die Incirlik-Basis, wo US-Taktikwaffen lagern. US-Verteidigungsminister Hegseth schloss Artikel-5-Aktivierung aus.
6. HRW dokumentiert israelischen Weißphosphor-Einsatz in libanesischen Wohngebieten (9. März) Human Rights Watch verifizierte und geolokalierte sieben Bilder, die den Einsatz von Artillerie-Weißphosphor über dem südlibanesischen Wohnort Yohmor am 3. März belegen. Mindestens zwei Häuser und ein Fahrzeug gerieten in Brand. Seit dem 2. März wurden im Libanon 394 Menschen getötet, über 500.000 vertrieben.
7. MizarVision: Chinesische KI-Firma publiziert US-Militärpositionen - mit amerikanischen Satellitendaten (laufend) Die in Hangzhou ansässige Firma MizarVision veröffentlichte seit Kriegsbeginn auf X täglich hochauflösende Satellitenbilder aller US-Militärpositionen im Nahen Osten - F-22 auf Ovda, F-35 in Jordanien, Trägerpositionen, Patriot-Batterien. Bezogen werden die Bilder von US-amerikanischen kommerziellen Satellitenfirmen wie Planet Labs. Effektiv fließen amerikanische Aufklärungsdaten durch China zum Iran.
8. Russland liefert Iran Satellitendaten zur Zielerfassung US-Sondergesandter Witkoff forderte Moskau öffentlich auf, die Weitergabe von Satelliteninformationen an den Iran zu unterlassen. Russland bestritt die Praxis nicht. Analytiker verweisen auf die Parallele: Die USA tun dasselbe seit Jahren für die Ukraine.
9. Indien: Rupie auf Rekordtief 92,45 - Börse verliert 6 Prozent in einer Woche (12./13. März) Die indische Zentralbank musste intervenieren, nachdem die Rupie durch den Ölpreisschock auf ein historisches Tief fiel. Indien importiert 85 Prozent seines Rohöls, ist Irans Nachbar über den Indischen Ozean - und befindet sich diplomatisch im Klemme zwischen Washington, Teheran und Peking.
10. IEA gibt 400 Millionen Barrel aus strategischen Reserven frei - größte Intervention der Behördengeschichte Die Internationale Energieagentur reagierte auf den Hormuz-Schock mit der größten koordinierten Reservenfreigabe seit ihrer Gründung 1974. Brent-Öl notierte dennoch über 100 Dollar pro Barrel, 42 Prozent über dem Vorkriegsniveau.
11. China positioniert sich global: Vermittler-Rolle, BRICS-Koordination, Aufklärung vor Ort Außenminister Wang Yi telefonierte mit russischen, iranischen, französischen und omanischen Kollegen und forderte sofortigen Waffenstillstand. Gleichzeitig drängte Peking auf stärkere BRICS-Koordination und setzte Aufklärungsschiffe der Dongdiao-Klasse im Golf von Oman ein. Chinas Position: verbale Verurteilung des Krieges, informationelle Unterstützung des Iran.
12. Frankreich plant Tanker-Eskort-Mission für die Hormuzstraße Paris konsultiert europäische, asiatische und arabische Partner über eine mögliche Schiffsgeleit-Mission für die geschlossene Hormuzstraße. Die USA signalisierten, Navy-Eskorten „bald" einzusetzen. Ein iranischer Funktionär deutete an, Teheran könnte chinesischen Yuan-Transaktionen den Durchlass ermöglichen.
Im Fokus
1. Drohnen, Clusterbomben und das Ende der Luftüberlegenheit
Der Iran-Krieg schreibt Militärgeschichte - nicht wegen der beteiligten Mächte, sondern wegen der Waffen. Zum ersten Mal in einem Großkonflikt dominieren Drohnen und Streumunition das Schlachtfeld gleichzeitig, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.
Irans Strategie ist präzise kalkuliert: Rund 50 Prozent der auf Israel abgefeuerten Raketen wurden mit Clusterbomben-Sprengköpfen bestückt. Die Warheads öffnen sich in 3.000 bis 5.000 Metern Höhe und verstreuen 20 bis 80 Bomblets über Flächen von sieben bis acht Quadratkilometern. Iron Dome, das für niedrigfliegende Kurzstreckenraketen konzipiert ist, kann die Trägerrakete abfangen - aber nicht die bereits freigesetzten Submunition. Das Arrow-System fängt ballistische Raketen ab, nicht Bomblets. Die Lücke ist konstruktionsbedingt und mit vorhandener Technologie nicht zu schließen.
Parallel dominierten Drohnen die maritime Dimension: Irans schienenlose Torpedodrohnen operierten bis zu 48 Stunden autonom im Golf von Oman, Angriffsdrohnen trafen Tanker, Häfen und Militärinstallationen in Katar, Kuwait und Dubai. Auf Kharg Island flogen US-Präzisionsdrohnen Begleitschutz für Bomberangriffe.
Diese Woche beweist: Überlegenheit in der Luft bedeutet nicht mehr automatisch Sicherheit am Boden.
Deep-Dive-Analyse: Der ewige Wettlauf - Panzerfaust, Iron Dome und die Illusion des perfekten Schilds
Ergänzende Analyse: [Deutsche Chips für russische Drohnen - Das kalkulierte Sanktionsleck Europas]
Fragen:
2. MizarVision: Wenn der Feind deine eigenen Satellitendaten benutzt
Am 28. Februar 2026 - 24 Stunden vor dem ersten US-Angriff auf Iran - veröffentlichte ein chinesisches KI-Startup auf X die exakten Positionen von elf F-22-Tarnkappenjägern auf der israelischen Ovda-Luftwaffenbasis, 18 F-35 und sechs EA-18G Störflugzeugen in Jordanien, sieben AWACS-Maschinen in Saudi-Arabien sowie die Position beider US-Flugzeugträger. Die Quelle: US-amerikanische kommerzielle Satellitenfirmen wie Planet Labs und Maxar.
MizarVision sitzt in Hangzhou, wurde vor fünf Jahren gegründet, betreibt keine eigenen Satelliten und kauft seine Bilder auf dem freien Markt. KI wertet aus, beschriftet, geolokalisisert - und publiziert auf X, für jeden zugänglich, täglich. Laut FlightGlobal, Aviation Week und South China Morning Post wurden dabei mindestens 2.500 US-Militärassets katalogisiert. Mehrere der veröffentlichten Positionen wurden kurz darauf von iranischen Drohnen und Raketen angegriffen.
Das Pikante: Die Bilder stammen aus amerikanischen Quellen. Washington verkauft kommerziell Satellitendaten - und schaut dabei zu, wie dieselben Daten durch eine chinesische Firma gefiltert und als Aufklärung für den Feind genutzt werden. US-Sondergesandter Witkoff mahnte Russland wegen Satellitendaten an den Iran. Dass dieselbe Praxis über den kommerziellen Markt täglich stattfindet, thematisierte Washington bislang nicht öffentlich.
Hintergrund Iran-Krieg und Informationsdimension: Iran/USA: Das Kalkül des Angriffs
Aktuelle Updates zum Konflikt: https://michaelhollister.substack.com
Fragen:
3. Türkei 2026: Die Macht, die niemand benennen will
Dreimal in zehn Kriegstagen schlug eine iranische Rakete in Richtung türkischen Luftraum - dreimal wurde sie von NATO-Systemen abgefangen. Dreimal erklärte Iran, es habe die Türkei nicht absichtlich getroffen. Dreimal sagte Washington, Artikel 5 sei kein Thema.
Hinter dieser Abfolge verbirgt sich eine geopolitische Realität, die in westlichen Medien kaum benannt wird: Die Türkei ist derzeit der einzige NATO-Staat, der gleichzeitig mit Washington, Moskau, Teheran und dem globalen Süden kommuniziert. Auf der Incirlik-Basis lagern US-Taktikwaffen. In Kurecik steht das NATO-Frühwarnsystem, das Europa vor iranischen Raketen schützt. Ankara verkauft Bayraktar-Drohnen an die Ukraine und hält gleichzeitig Gesprächskanäle nach Teheran offen.
Außenminister Fidan stand am Freitag am Podium und fragte öffentlich, was kein anderer NATO-Minister fragte: „Welche Chancen gibt es noch für Verhandlungen?" Die dritte Rakete schlug ein, während er noch sprach.
Das Narrativ, das gerade in westlichen Medien aufgebaut wird - Türkei als nächster strategischer Gegner des Westens - verdient eine genaue Betrachtung: Wer formt dieses Narrativ? Welche Interessen stehen dahinter? Und warum ist Ankara ausgerechnet jetzt unbequem?
Deep-Dive-Analyse: Türkei 2026 - Die Macht, die niemand benennen will
Fragen:
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Quellen
Iran-Krieg KW 11 - Allgemein
Mojtaba Khamenei
Kharg Island
Clusterbomben / Iron Dome
Türkei / NATO
Weißer Phosphor Libanon
MizarVision / Informationskrieg
Indien / Globale Wirtschaft
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Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik - jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
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Bildquelle: Michael Hollister
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Aus dem Klappentext:
Am 30. Januar 2026 sprach Daniele Ganser in Basel beim 50. Firmenjubiläum von Aqua Solar zum Thema "Völkerrecht und verdeckte Kriegsführung". Er zeigte in diesem Vortrag zwei Beispiele, die Entführung von Venezuelas Präsident Nicolas Maduro durch die USA am 3. Januar 2026, sowie den Angriff auf die USS Liberty durch Israel am 8. Juni 1967. Beide Beispiele zeigen, dass Israel und die USA gegen das UNO-Gewaltverbot verstossen haben, das den Kern des Völkerrechts bildet. Der Vortrag wurde noch vor dem Angriff von Israel und USA auf den Iran am 28. Februar 2026 aufgezeichnet, der erneut unterstrich, dass Israel und die USA das Völkerrecht nicht respektieren.
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Dieser Beitrag wurde am 5.3.2026 auf dem YouTube-Kanal von Daniele Ganser veröffentlicht.
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Dieser Beitrag ist als Empfehlung der Redaktion verlinkt. Bitte beachten Sie, dass die Lautstärke des Beitrags ggf. von der Standard-Lautstärke von anderen Beiträgen auf apolut.net abweichen kann.
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Bildquelle: Daniele Ganser
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Der Iran brennt. Operation „Epic Fury" - der erste gemeinsame US-israelische Angriffskrieg gegen Iran - hat in einer Woche die geopolitische Weltlage grundlegend verändert: Khamenei tot, die Straße von Hormus geschlossen, über 1.300 Tote, der Ölpreis auf Jahreshoch. Gleichzeitig herrscht in der Taiwan-Straße eine bemerkenswerte Stille - China schickt seit dem ersten Angriffstag kein einziges Militärflugzeug mehr. Und Europa? Sitzt erneut draußen, während andere über seine Sicherheitsarchitektur entscheiden.
Der Geopolitik-Radar vom 1.-8. März 2026.
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
Ticker
In den frühen Morgenstunden des 28. Februar eröffneten US- und israelische Streitkräfte koordinierte Angriffe auf iranische Führungsstrukturen, Nuklearanlagen und Militärbasen - die erste gemeinsame US-israelische Militäroperation gegen Iran.
Ayatollah Ali Khamenei kam bei einem US-israelischen Angriff auf sein Führungskomplex in Teheran ums Leben. Iran erklärte 40 Tage Staatstrauer und setzte einen dreiköpfigen Übergangsrat ein.
Die Iranischen Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus für geschlossen - durch die täglich rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen. Der Ölpreis stieg auf den höchsten Stand seit September 2023.
Kuweit, Saudi-Arabien, die VAE, Katar und Jordanien meldeten Einschläge und Abfangmanöver. Die US-Basis Al Udeid in Katar wurde von zwei Raketen getroffen. Drei US-Soldaten kamen ums Leben.
Parallel zu den Iran-Operationen begann Israel erneut Angriffe auf Hisbollah-Strukturen im Libanon. Mehr als 123 Tote und über 680 Verletzte wurden gemeldet, über 95.000 Menschen sind vertrieben.
Die Weltgesundheitsorganisation dokumentierte Treffer auf iranische Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen sowie eine Mädchenschule in Südiran mit mindestens 165 Todesopfern laut iranischen Staatsmedien.
Peking sprach von einer Verletzung des Völkerrechts und des Souveränitätsprinzips. Gleichzeitig: Seit dem 27. Februar schickte China kein einziges Militärflugzeug mehr in Taiwans Luftverteidigungszone - die längste Pause seit Jahren.
Frankreich, Großbritannien und die Ukraine unterzeichneten eine Absichtserklärung über die Entsendung einer multinationalen Sicherungstruppe nach einem möglichen Waffenstillstand. Merz nahm nur virtuell teil. 26 Länder erklärten sich bereit, Truppen zu stellen.
Der Kreml wies die europäischen Sicherheitsgarantie-Pläne zurück und bezeichnete die Koalition der Willigen als rein europäisches Projekt. Putin stellte Treffen mit Selenskyj in Aussicht - jedoch nur in Moskau.
Nach den Gesprächen vom 17./18. Februar in Genf gibt es keine neuen Verhandlungsrunden. Die Territorialfragen bleiben ungeklärt. Washington setzt weiter auf seine Juni-Deadline.
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg trat Ministerpräsident Kretschmann nicht mehr an. Ergebnis zum Redaktionsschluss noch nicht endgültig ausgezählt.
Die Europäische Union und die Schweiz unterzeichneten ein Paket aktualisierter bilateraler Verträge - ein diplomatischer Meilenstein nach jahrelangen Verhandlungen.
Im Fokus
Am 28. Februar 2026 um 2:30 Uhr EST verkündete Donald Trump in einem achtminütigen Video auf Truth Social den Beginn von Militäroperationen gegen Iran mit dem erklärten Ziel des Regimewechsels. Was folgte, war die intensivste US-Militäroperation im Nahen Osten seit dem Irakkrieg 2003.
Innerhalb von sieben Tagen führten USA und Israel rund 2.500 Angriffe gegen iranische Ziele durch - Militärbasen, Führungsstrukturen, Nuklearanlagen, Medieneinrichtungen, den staatlichen Rundfunk IRIB. Iran antwortete mit über 500 ballistischen Raketen und fast 2.000 Drohnen auf US-Ziele in der gesamten Region: Kuweit, Saudi-Arabien, VAE, Katar, Jordanien, Irak. Die Straße von Hormuz wurde für geschlossen erklärt.
Bemerkenswert: Die IAEA bestätigte zum Redaktionsschluss, dass keine iranischen Nuklearanlagen getroffen wurden, obwohl Washington das als Kriegsgrund anführte. Trump erklärte öffentlich, Irans Militär sei „demoliert" - Iran feuerte gleichzeitig seine 23. Angriffswelle ab.
Khameneis Tod löste eine Nachfolgefrage aus, die Iran strukturell destabilisiert. Sein Sohn Mojtaba gilt als Favorit. Israel drohte, jeden neuen Obersten Führer als „legitimes Ziel" zu behandeln.
Deep-Dive-Analyse (27. Feb. 2026 - einen Tag vor Angriff): Iran/USA: Das Kalkül des Angriffs
Ad-hoc-Meldung (28. Feb.): USA und Israel greifen Iran an
Update (1. März): Operation Epic Fury - Chamenei tot, Krieg eskaliert
Update (4. März): USA und Israel greifen Iran an - Stand 4. März
Update (8. März): USA und Israel greifen Iran an – Stand 8. März
Fragen:
Seit dem 27. Februar 2026 - dem Tag vor den ersten US-israelischen Angriffen auf Iran - hat China kein einziges Militärflugzeug mehr in Taiwans Luftverteidigungszone geschickt. Sieben Tage Stille in einer Meerenge, in der Eskalation zur Normalität geworden war: Bis dahin lagen die monatlichen PLA-Einflüge bei durchschnittlich über 300 Sorties. Im Februar waren es noch 147 - der niedrigste Wert seit Amtsantritt von Präsident Lai im Mai 2024.
Was steckt dahinter? Drei Erklärungsansätze kursieren in Taipeh und Washington. Erstens: Peking will die Atmosphäre vor einem erwarteten Trump-Xi-Gipfel nicht vergiften. Zweitens: Die PLA wertet intern die Erkenntnisse aus eigenen Großmanövern aus. Drittens - und das ist die unbequemste Lesart - Peking beobachtet, wie die USA Munition verbrauchen, Aufmerksamkeit binden und Truppenverlegungen aus dem Indopazifik vornehmen.
Die Marine und die Küstenwache blieben aktiv. Vier Einbrüche in Taiwans Gewässer nahe Kinmen wurden im Februar dokumentiert. Chinas Außenministerium verurteilte die Iran-Angriffe verbal scharf - und blieb militärisch vollständig ruhig.
Deep-Dive-Analyse (08. März 2026): China - Das stille Manöver
Fragen:
Vier Verhandlungsrunden über den größten Krieg auf europäischem Boden seit 1945 - und kein einziger EU-Vertreter saß am Tisch. Genf, 17./18. Februar: USA, Russland, Ukraine - plus Steve Witkoff und Jared Kushner auf der amerikanischen Seite, Vladimir Medinsky auf der russischen. Europa war physisch nicht präsent, obwohl UK, Frankreich und Deutschland in einem separaten Hotelflügel warteten.
Diese Woche versucht die Koalition der Willigen in Paris, das Vakuum zu füllen:
Frankreich, Großbritannien und die Ukraine unterzeichneten eine Absichtserklärung für eine multinationale Sicherungstruppe nach einem möglichen Waffenstillstand. 26 Länder erklärten grundsätzliche Bereitschaft, Truppen zu stellen. Merz sagte zu, Deutschland werde sich engagieren - über Umfang und Form entscheide der Bundestag „wenn die Rahmenbedingungen geklärt sind."
Russland nannte das gesamte Konstrukt „inakzeptabel". Die Territorialfragen - der Kern jedes möglichen Abkommens - blieben in Paris wie in Genf ungeklärt. Und Washington setzt weiter auf seine eigene Agenda: Juni-Deadline, bilaterale Pendeldiplomatie, kein multilaterales Format.
Deep-Dive-Analyse (1. März 2026): Genf 2026: Der Deal ohne Europa
Fragen:
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Quellen
Operation Epic Fury / Iran-Krieg
Wikipedia-Übersicht (laufend aktualisiert): https://en.wikipedia.org/wiki/2026_Israeli–United_States_strikes_on_Iran
Al Jazeera Live-Tracker (Opferzahlen): https://www.aljazeera.com/news/2026/3/1/us-israel-attacks-on-iran-death-toll-and-injuries-live-tracker
NPR (Tag 1 & 2): https://www.npr.org/2026/03/01/nx-s1-5731365/us-israeli-strikes-region
CNN (Tag 5, Überblick): https://www.cnn.com/2026/03/03/middleeast/iran-us-israel-what-we-know-intl-hnk
House of Commons Library (Analyse): https://commonslibrary.parliament.uk/research-briefings/cbp-10521/
Fortune (Wirtschaftliche Folgen, Ölpreis): https://fortune.com/2026/03/02/european-markets-slide-iran-war-trade-joins-the-global-ai-scare-trade/
China / Taiwan
AEI/ISW China & Taiwan Update, 6. März 2026: https://www.aei.org/articles/china-taiwan-update-march-6-2026/
Reuters / U.S. News (PLA-Flüge): https://www.usnews.com/news/world/articles/2026-03-05/chinese-military-flights-around-taiwan-fall-trump-xi-meeting-may-be-factor
Modern Diplomacy (Analyse): https://moderndiplomacy.eu/2026/03/05/china-scales-back-taiwan-flights-ahead-of-possible-trump-xi-meeting/
Chinesisches Außenministerium (Offizielle Position, 3. März): https://www.fmprc.gov.cn/mfa_eng/xw/fyrbt/202603/t20260303_11867987.html
Koalition der Willigen / Ukraine
Bundesregierung (Merz-PK nach Paris-Treffen): https://www.bundesregierung.de/breg-en/news/press-conference-ukraine-2401844
ORF (Absichtserklärung Paris, Selenskyj 90%): https://orf.at/stories/3416365/
taz (26 Länder, Truppenbereitschaft): https://taz.de/Koalition-der-Willigen/!6108157/
Wikipedia Genf-Verhandlungen (17./18. Feb.): https://en.wikipedia.org/wiki/2026_United_States–Ukraine–Russia_meetings_in_Geneva
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Bildquelle: Michael Hollister
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