Vokabelkritik ist zu Kriegszeiten das Gebot der Stunde. Ich veröffentliche, nicht zuletzt aus hygienischen Gründen, in unregelmäßigen Abständen eine Sammlung teils verharmlosender, teils lügenhafter Wörter oder Formulierungen, deren Sinn und Funktion es ist, unsere Gesellschaft – uns alle – an das Undenkbare zu gewöhnen und möglichst geräuschlos in Richtung „Kriegstüchtigkeit“ umzukrempeln. – Heute geht es schwerpunktmäßig um die jüngste militärische Spezialoperation unseres Großen Bruders und deren Echo diesseits des Atlantiks. Von Leo Ensel.
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biblisches Recht
Hat seit Jahrtausenden, laut US-Botschafter Mike Huckabee in Israel, (Groß-)Israel auf die Gebiete vom Fluss zum Fluss – will sagen: vom Nil in Ägypten bis zum Euphrat im Irak. Weshalb es jetzt zusammen mit den USA einen völkerrechtswidrigen – vielleicht ja auch heiligen – Angriffskrieg gegen den Iran führen darf. (Und en passant auch noch für die rasche Wiederkehr Jesu auf Erden sorgt.) (vgl. „deus vult“, „ursprüngliche Urkunde“, „von Jesus gesalbt“)
Blutbad
„Es ist ein Blutbad da drüben. Das sind Seelen, das sind junge Menschen. Wie Sie. Wie einige von Ihnen in der ersten Reihe. Sie ziehen in den Krieg. Die Eltern sind stolz. Da geht er. Er wird zurückkommen. Zwei Wochen später ein Anruf: Ihrem Sohn wurde der Kopf weggeschossen. Der schlimmste Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zahlen sind erschütternd, wie viele Menschen sie verloren haben. Die Ukraine und Russland haben horrende Verluste.“ – Das alles stimmt sogar dann, wenn Donald Trump es sagt! (Solange es sich auf den Ukrainekrieg bezieht.)
Chance
Es gibt ja bekanntlich kein Übel, das nicht auch sein Gutes hätte! „Experten sehen in dem Krieg gegen den Iran eine Chance für das transatlantische Verhältnis“, verkündeten die „Tagesthemen“ am 3. März 2026, um dann einer Expertin das Wort zu überlassen: „Es gibt viele Einrichtungen in Europa, auf die sich die Vereinigten Staaten im Verlauf dieses Konflikts verlassen müssen. Dies könnte also auch ein Moment sein, in dem Bundeskanzler Merz zeigen kann, dass Europa als Partner eine wichtige Rolle spielt.“ So zuversichtlich Sudha David-Wilp vom German Marshall Fund, das beliebte esoterische Motto „Schicksal als Chance“ auf das aktuelle Kriegsgeschehen anwendend.
Deus vult
Frommes Tattoo auf dem rechten Bizeps von Pete Hegseth. Der umfassend gebildete US-Kriegsminister zitiert hier keinen Geringeren als Papst Urban II., der im Jahr 1095 mit dem Schlachtruf „Deus vult!“ („Gott will es!“) die Christenheit zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land aufrief, um dieses von den ungläubigen Moslems zu befreien. Hegseth hat in letzter Zeit damit begonnen, im Pentagon Gebetsstunden abzuhalten, deren Themen eindeutig aus dem Alten Testament stammen und von gnadenloser Rache handeln. Konsequenz des christlichen Taliban für die Gegenwart: „Dies sollte nie ein fairer Kampf sein, und es ist auch kein fairer Kampf. Wir schlagen auf sie ein, während sie am Boden liegen, und genau so sollte es auch sein.“ – Und genau so sakralisiert man den Massenmord! Oder, wie mal jemand sang: „For you don’t count the deads/ When God’s on your side“. (vgl. „von Jesus gesalbt“)
dieser Kontinent
Gemeint ist: Europa. „Auf diesem Kontinent“ ist laut Marco Rubio „Mozart zu Hause, Beethoven, Dante, Shakespeare zu Hause. Michelangelo, da Vinci sind auf diesem Kontinent zu Hause. Die Beatles und die Rolling Stones haben hier ihre Wurzeln, meine Damen und Herren!“ (Zumindest Letzteres kann man mit Fug und Recht bestreiten.) „Und das ist der Ort, an dem die Sixtinische Kapelle ihre Türen öffnet.“ (Bisweilen sind die auch hermetisch abgeriegelt.) – Kurz: Ein imposantes Gebirge von Bildungsornamenten, das man einem Trump‘schen Außenminister niemals zugetraut hätte. Congrats, Mr. Rubio, die Standing Ovations in Munich haben Sie sich redlich verdient! (vgl. „spirituell)
dumme Einsatzregeln (stupid rules of engagement)
Sollten zugunsten „maximaler Tödlichkeit“ („maximum lethality“) aufgegeben werden. Rief US-Kriegsminister Hegseth 2025 die Militärführung in einer Rede vor rund 800 US-Generälen und -Admirälen auf. (Und forderte diejenigen, die mit seiner Anweisung nicht einverstanden waren, zum Rücktritt auf.)
einfach nehmen
Die Berliner Zeitung vom 2. April 2026: „Stunden vor der Rede [der Ansprache an die Nation] hatte Trump bei einem Osteressen im Weißen Haus gesagt, die USA könnten Irans Öl ‚einfach nehmen‘. Das Weiße Haus stellte ein Video dieser Äußerungen online, nahm es dann aber wieder herunter. Auf AP-Anfragen dazu reagierte das Weiße Haus nicht.“ – Vermutlich ist, wie im Falle Kuba, der US-Präsident auch hier der Überzeugung, „dass ich alles damit machen kann, was ich will“!
einfach nur zum Spaß
„Spaß“ bereitet es Donald Trump nicht nur, seine Kabinettsmitglieder ab und zu mit Schuhen seiner Lieblingsmarke Florsheim zu beschenken oder mit lebendigen Besatzungsmitgliedern im Persischen Golf oder Indischen Ozean Schiffchen versenken zu spielen. Vielleicht bombardiert er demnächst auch nochmal die iranische Insel Kharg. „Die USA würden dort vielleicht noch ein paar Mal zuschlagen, einfach nur zum Spaß“, so Trump. (Demnächst tritt Trump als posthumer Überraschungsgast zusammen mit Nena und Markus im NDW-Kult-Film „Gib Gas, ich will Spaß“ auf.) (vgl. „mehr Spaß“)
Enthauptungsschlag
Aktuell höchst beliebtes Schlag-Wort. Meint: systematische Ermordung unliebsamer Staatsmänner sowie Zerstörung zentraler Einrichtungen der Infrastruktur eines zum absoluten Feind erklärten Landes. – Ohne Rücksicht auf die Folgen. (Auch für den kopf-losen Schläger!)
entscheidend, vernichtend und gnadenlos
Gewinnt, laut Kriegsminister Pete Hegseth, Amerika den Krieg gegen den Iran. Schließlich hat das US-Militär, so sein Chef Donald Trump, ausreichend Munition, um praktisch endlos Krieg zu führen. (Und das ist „erfüllend, sinnstiftend und fordernd“.)
Fehler, entsetzlicher
„Ein entsetzlicher Fehler, dem weiter auf den Grund zu gehen ist. Aber kein Verbrechen. Das darf eigentlich nicht passieren, passiert aber.“ Konstatierte bestürzt die Frankfurter Allgemeine am 13. März 2026. (Die Rede war von der amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörper-Attacke einer Mädchenschule am 28. Februar in Minab, Südiran. Mehr als 160 Tote.) – Wie klagte schon dereinst der berühmte Bischof und höchstflexible Diplomat Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord? „Das war schlimmer als ein Verbrechen, das war ein Fehler!“ («C’est plus qu’un crime, c’est une faute!») (vgl. „Lügen, noch dazu dumme“)
fünfzehn
„Wir schlagen uns sehr gut … Jemand fragte mich: auf einer Skala von eins bis zehn? Ich sagte: etwa fünfzehn.“ („We’re doing very well on the war front… Somebody said on a scale of one to ten, where would you rate it? I said about a 15.“) Äußerte sich bescheiden und realistisch am 4. März 2026 Donald Trump über seine bisherigen Erfolge im Krieg gegen den Iran. – Oder war das am Ende nur ein „auf Fakten basierendes Gefühl?“
gestolpert
„Mehr dazu, wie die USA in den Krieg gegen Iran gestolpert sind, erfahren Sie hier.“ Schrieb SpiegelOnline am 25. März 2026.
Krieg im Iran
Titelte der Deutschlandfunk Mitte März 2026. Lieber DLF, es gibt derzeit keinen (Bürger-)Krieg im, dafür aber einen völkerrechtswidrigen US-israelischen Angriffskrieg gegen den Iran!
leuchtende Stadt auf dem Hügel („shining city on the hill“)
Die frohe Botschaft: Matthew G. Whitaker, Ständiger Vertreter der USA bei der NATO, hat die Bibel gelesen. Oder wenigstens das Neue Testament. Oder zumindest das Matthäus-Evangelium. Oder dort die Bergpredigt. Oder da wenigstens Matthäus 5,14: „Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.“ Vielleicht hat er aber auch nur mal in der Sonntagsschule kurz aufgepasst oder in Reden früherer US-Präsidenten herumgestöbert. Jedenfalls ist er nicht nur zu Transferleistungen in der Lage – „This ‚shining city on the hill‘ are only we, the USA!“ –, er ist auch fähig, das in seinem bipolaren Weltbild nun zwingend benötigte Antonym zu konstruieren: „The axis of deplorables“ – die Achse der Verachtenswerten. Chapeau, Mr. Whitaker! – Die logische Konsequenz laut der Publizistin Nel Bonilla: „Die Botschaft an die Europäer ist unmissverständlich: Ihr seid nicht Teil des Lichts, ihr müsst euch ihm anschließen. Und wer den Gegner als ‚erbärmlich‘ oder böse definiert, entzieht ihm die Legitimität als Verhandlungspartner. Man kann ihn nur noch vernichten.“
Lügen, noch dazu dumme
„Eines Landes wie der USA völlig unwürdig waren hingegen wieder einmal die Lügen ihres Präsidenten über die Urheber. Noch dazu dumme Lügen!“ Monierte die Frankfurter Allgemeine die primitiven Verschleierungsstrategien Donald Trumps bezüglich der amerikanischen Tomahawk-Marschflugkörper-Attacke auf die Mädchenschule in Minab. – Merke: Wenn schon Lügen, dann bitte intelligente! (Die FAZ – „dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ – legt schließlich Wert auf Niveau.) (vgl. „Fehler, ein entsetzlicher“)
Macht-erotisches Verhältnis
Zwischen Donald Trump und Wladimir Putin. Hat „Oma Courage“, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, neulich bei Maischberger ausgemacht: Eine Mehrheit für die Unterstützung der Ukraine gebe es zwar in den USA generell. Doch „das Problem sitzt im Weißen Haus“, so die beliebte „Eurofighterin“. „Weil letztlich Trump, eine, fast, wie soll ich sagen?“, und da stockte der beherzten EP-Abgeordneten für einen Moment der Atem, „ein Macht-erotisches Verhältnis zu Herrn Putin hat.“ – Wow, jetzt kommt alles raus! Fragt sich nur noch, wer als Erster sein Coming-Out wagt: Wladimir oder Donald? (vgl. „Pestbeule dieser Erde“)
maximale Tödlichkeit (maximum lethality)
Gegenteil „dummer Einsatzregeln“. Deklariert Pete – „deus vult“ – Hegseth, US-Kriegsminister. (Und frommer Fundamentalchrist.)
Nein, nein, mache ich nicht!
Nein, nein, hier ist nicht die Rede vom Suppenkaspar aus dem „Struwwelpeter“! Donald Trump war gefragt worden, ob er sich Sorgen mache, mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur im Iran internationales Recht zu brechen.
Papiertiger
Nein, zur Abwechselung mal nicht die Atombombe laut Mao! Sondern die NATO für Trump.
Steinzeit
Logische Konsequenz und finale Steigerung des „Enthauptungsschlages“. Trifft es bei Ersterem nur prominente Politiker, so wird beim zweiten das gesamte Land „in die Steinzeit zurückgebombt“. (Und „eine ganze Zivilisation sterben“.)
Tiere
„Kurz vor der Pressekonferenz hatte sich der US-Präsident selbst für seine Verhältnisse besonders respektlos über Iran geäußert“, berichtete SpiegelOnline am 6. April 2026. „Auf die Frage, warum ein Angriff auf die Infrastruktur des Landes kein Kriegsverbrechen sein soll, sagte Trump: weil sie ‚Tiere‘ seien. Bei der Pressekonferenz bezeichnete er die iranische Regierung als ‚gestörte Menschen‘.“ – Ja, was denn nun: Tiere oder gestörte Menschen? (Oder Tiere, die immerhin von gestörten Menschen regiert werden?)
Vermächtnis
„Diese Soldaten wollen diesen Kampf für ihre Kinder und Enkelkinder zu Ende bringen. Hier geht es um Geschichte. Hier geht es um das Vermächtnis.“ So Pete Hegseth über die Stimmung seiner Truppen in der Golfregion. Die bereits mit den Hufen scharren.
Zionismus und Amerikanismus
Sind laut US-Kriegsminister Pete Hegseth „die Frontlinien der westlichen Zivilisation und Freiheit in unserer heutigen Welt“. (Er vergaß hinzuzufügen: „Wie wir gerade im Iran demonstrieren.“)
(wird fortgesetzt)
Alle bisher erschienenen Folgen der Serie „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“ von Leo Ensel können Sie in dieser Übersicht finden und diese auch einzeln darüber aufrufen.
Dieses Frühjahr erscheint vom Autor der Band „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit – Krieg heißt Töten“ im Promedia Verlag, Wien; ISBN 978-3-85371-563-5.
Titelbild/Bilder: © Tina Ovalle
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Er ließ sich monatelang mit den engsten Vertrauten des Anführers von Tschetschenien ablichten: Jetzt fliegt der sich als „Noah Krieger“ bezeichnende prorussische Influencer raus aus der AfD, erfuhr die JF.
Dieser Beitrag Schwere Vorwürfe AfD schmeißt tschetschenischen Influencer raus wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.
Das russische Fernsehen berichtete am 8. April ausgiebig, wie sehr der Angriff der USA und Israels auf den Iran Europa gespalten hat. Im Kanal Rossija 1 machte man sich lustig über den Besuch von Keir Starmer in Saudi-Arabien. Der britische Ministerpräsident, der im eigenen Land eine geringe Popularität hat, versuche, sich als Friedensstifter im Nahen Osten zu inszenieren. Mit deutlicher Sympathie wurden in dem russischen Kanal dagegen die Kritiker des US-Angriffs auf den Iran zitiert: die Ministerpräsidenten von Spanien, Pedro Sanchez, und der Slowakei, Robert Fico. Ein Bericht von Ulrich Heyden (Moskau).
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Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa begrüßte den Waffenstillstand. Der ehemalige russische Präsident und jetzige stellvertretende Chef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, äußerte seine Skepsis, dass der Waffenstillstand hält.
Medwedew riet den USA in seinem Telegram-Kanal, den brüchigen Frieden im Iran zu erhalten. Andernfalls könne jeder Schritt „zum Zugzwang führen“. Der Politiker erklärte, er sei sich sicher, dass die USA dem 10-Punkte-Friedensplan des Iran nicht zustimmen:
„Schließlich ist dort eine Entschädigung für den Iran, die Fortsetzung des Atomprogramms und die Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus vorgesehen.“
Eine Zustimmung zu diesem Friedensplan wäre „demütigend für Washington und würde einen echten Sieg für die Islamische Republik Iran bedeuten. Was dann? Wieder Kriegshandlungen?“
Medwedew erklärte, es sei ein Erfolg des Iran, dass der Präsident der USA eingewilligt habe, über einen Friedensplan zu verhandeln. Nachdem die Straße von Hormus nach kurzer Öffnung durch den Iran wieder gesperrt worden war, schrieb Medwedew auf X, „die Straße von Hormus ist gesperrt. Die Waffen sprechen“.
Botschafter von Belgien bedroht
Ob der Waffenstillstand hält, ist tatsächlich unsicher. Der russische Fernsehsender Rossija 1 berichtete am Mittwoch von Angriffen auf ölverarbeitende Anlagen auf zwei iranischen Inseln, in Kuwait und den Vereinigten Emiraten. Außerdem wurde berichtet, dass Israel weiter den Südlibanon bombardiert. Dabei kam es zu einem außergewöhnlichen Ereignis. Der Außenminister von Belgien, Maxime Prevot, der sich in der Botschaft seines Landes in Beirut aufhielt, war in akuter Gefahr. Prevot schrieb auf X:
„Ich hatte kaum Zeit, den Vorschlag des libanesischen Präsidenten zur Aufnahme von Waffenstillstandsverhandlungen mit Israel zu begrüßen, als die israelischen Streitkräfte ohne Vorwarnung einen der heftigsten Angriffe seit Beginn des Konflikts starteten. Nach vorliegenden Informationen wurden Hunderte Zivilisten verletzt.“
Auch in der Straße von Hormus spannte sich die Lage wieder an. Nachdem der Iran am Mittwoch einigen Schiffen erlaubt hatte, den Persischen Golf zu verlassen, kam gegen Abend die Meldung, dass der Iran die Straße von Hormus wieder geschlossen hat. Teheran begründete seinen Schritt mit den schweren israelischen Angriffen auf den Süd-Libanon
Zurzeit befinden sich 800 Schiffe im Persischen Golf, darunter 480 Tanker mit Energieträgern. Die Schiffe warten darauf, dass sie die Straße von Hormus passieren können.
Russischer Nahost-Experte: Beide Seiten hatten auf ihre Weise Erfolg
Wie der russische Nahost-Experte Grigori Lukjanow in einer Sendung des Radios „Hier spricht Moskau“ erklärte, hat der Iran seit dem Beginn des US-israelischen Angriffs einen Erfolg erreicht. Es habe den Gegner „auf Abstand gehalten“. Aber auch die USA könnten einen Erfolg verbuchen. Sie hätten die Wirtschaft und die Infrastruktur des Iran „geschwächt“.
Trotz seines Erfolges müsse der Iran jetzt darauf achten, dass er auf internationaler Ebene „nicht in die Ecke des Bösewichts gestellt wird“. Deshalb seien die Verhandlungen, die am Freitag in Islamabad beginnen sollen, für den Iran wichtig. Es gehe darum, die moralische Autorität zu verteidigen und zu zeigen, dass man zu Verhandlungen bereit ist. Mittelfristig gehe es für den Iran darum, die Rolle der USA in der Region zu reduzieren und zu erreichen, dass die Region ihre Probleme selbst, ohne die dominierende Rolle der USA, regelt.
Die aggressive Propaganda der USA gegen den Iran gehe trotz Waffenstillstand unvermindert weiter, erklärte Grigori Lukjanow. Trump, so der Nahost-Experte, suche keinen Kompromiss, sondern „einen Deal“. Dieser Deal soll nach den Vorstellungen des US-Präsidenten darauf hinauslaufen, dass der Iran „kein Recht auf Nuklearwaffen, kein Recht auf Raketen und keine Hoheitsrechte in der Straße von Hormus“ hat.
Resolution im Sicherheitsrat gescheitert
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nahm am 8. April Stellung zu der im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 7. April gescheiterten Resolution über die Sicherheit im Persischen Golf. Die Resolution war von Bahrain eingebracht worden. Elf Mitglieder des Sicherheitsrates stimmten mit Ja, zwei Mitglieder, Kolumbien und Pakistan, enthielten sich. Russland und China stimmten mit Nein. Damit scheiterte die Resolution.
Sacharowa erklärte, die Resolution „enthielt einseitige anti-iranische Formulierungen“. Außerdem werde der Hauptgrund für das, was im Persischen Golf passiere, „nicht genannt“, nämlich „die Aggression der USA und Israels gegen den Iran“.
Die russische Außenamtssprecherin betonte, Russland begrüße den Waffenstillstand und die Verhandlungen, die am Freitag beginnen sollen. Das Resultat der Verhandlungen müsse sein, dass sich der Angriff auf den Iran „nicht wiederholt“.
Prof. Nikolaij Suchow: „Israel wird alles dafür tun, den Waffenstillstand zu stören“
Nikolaj Suchow, Ökonomie-Professor und Mitarbeiter des Forschungszentrums Nahost der Russischen Akademie der Wissenschaften, erklärte gegenüber dem russischen Fernsehkanal Rossija 1, während des Krieges im Iran hätten „alle verloren“: die Weltwirtschaft und die Präsidialverwaltung der USA. Auch „die Wirtschaft des Iran ist in einem Maße zerstört, dass unklar ist, ob sie wiederhergestellt werden kann“. Politisch habe der Iran aber über die USA gesiegt.
Am Mittwoch wurde bekannt, dass die iranischen Inseln Lawan und Sirri, auf denen sich ölverarbeitende Anlagen befinden, trotz Waffenstillstand beschossen wurden. „Wer hat die Luftschläge ausgeführt? Ist das eine Provokation?“, wollte der Moderator wissen. Nikolaj Suchow antwortete, „das war Israel. Es hat seine Vorstellung noch nicht beendet. Das heißt, man hat den Iran noch nicht so getroffen, dass er keine Gefahr mehr für Israel darstellt.“ Israel werde „alles dafür tun, den Waffenstillstand zu stören“.
Von dem Verhandlungsführer des Iran bei den Waffenstillstandsverhandlungen in Islamabad könnten die USA „kein großes Entgegenkommen erwarten“, so der Nahost-Experte. Mohammad Bagher Ghalibaf sei Bürgermeister von Teheran gewesen, habe Funktionen bei den Revolutionsgarden gehabt und stehe ideologisch hinter der These, „dass die USA der Satan ist“.
Aber der Iran brauche „eine Atempause, um das Land wieder aufzubauen“. Aber auch Trump brauche Frieden, „weil der Kongress ihm kein weiteres Geld bewilligen wird“. Die USA könnten den Krieg nicht „mit gleicher Intensität fortführen“.
Sollte der US-Vizepräsident J.D. Vance die Verhandlungen in Islamabad führen, werde er eine gemäßigte Position vertreten. Vance sei von Anfang an gegen den Krieg gewesen, weil dieser den USA schade. Der Gastgeber der Verhandlungen, Pakistan, sei „militärisch und ökonomisch mit China verbunden“. Das heiße, dass China „auf die eine oder andere Weise“ auf die Verhandlungen Einfluss nehmen werde.
Inzwischen ist bekannt, dass Vance bei den Verhandlungen in Islamabad von den US-Sondergesandten Steve Wittkof und Jared Kuschner begleitet wird.
Über Trump wird in Russland seit dem Iran-Krieg sehr negativ berichtet. Aber in den Berichten schwingt trotzdem immer noch etwas Hoffnung mit. Denn es wird gesagt, Trump sei „vier Stunden lang“ von Vertretern Israels zu einem Feldzug gegen den Iran überredet worden. Trump habe gedacht, man könne im Iran so schnell siegen wie in Venezuela. Dafür, dass sich Trump aus der angeblichen israelischen Umklammerung löst, gibt es keine Anzeichen.
Titelbild: Screenshot/Rossija 1![]()
Nachdem die Vereinigten Staaten und der Iran am Mittwoch die zweiwöchige Aussetzung sämtlicher Angriffe verkündet haben und Teheran zugesichert hat, Schiffen eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu gewähren, erklärte sich Iran zum Sieger und betonte, dass die für Freitag in Islamabad angesetzten Gespräche keineswegs ein Ende des Krieges garantieren. Aber wie stabil ist dieser Waffenstillstand und was für eine Rolle spielt Israel dabei? Ein Artikel von Maike Gosch.
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Der Premierminister Pakistans, Shehbaz Sharif, erklärte, Iran und die Vereinigten Staaten sowie ihre jeweiligen Verbündeten hätten einer Waffenruhe zugestimmt, die „überall gilt, auch im Libanon und darüber hinaus – mit sofortiger Wirkung“. „Beide Seiten haben bemerkenswerte Umsicht und Einsicht bewiesen und sich weiterhin konstruktiv für Frieden und Stabilität eingesetzt“, wie er auf X schrieb. Die US-amerikanische Seite erklärte sich ebenfalls zum Sieger und erklärte den Iran für „schwer geschlagen“.
Kriegsminister Pete Hegseth bezeichnete Irans Raketenprogramm als „faktisch zerstört“. „Wir haben die vollständige Zerstörung der iranischen Verteidigungsindustrie abgeschlossen, ein zentrales Element unseres Auftrags“, sagte Hegseth. „Sie können keine Raketen mehr bauen.“ Auch andere hochentwickelte Waffen könne das Land nicht mehr herstellen. Diese Äußerungen kann man nur als pure Fiktion bezeichnen.
Vorgestern analysierte bereits Jens Berger die Taktik Trumps im Zusammenhang mit dem Waffenstillstand. Interessant wird nun die Rolle, die Israel im weiteren Verlauf spielen wird. Obwohl es ein gemeinsamer israelisch-US-amerikanischer Krieg ist, waren Vertreter der israelischen Regierung nach Aussagen des israelischen Oppositionsführers Yair Lapid nicht einmal am Verhandlungstisch. Es ist zwar sehr wahrscheinlich, dass zumindest Premierminister Netanjahu in die Ereignisse eingeweiht war, das scheint aber nicht für sein Parlament zu gelten.
Kurz nach Abschluss des Waffenstillstands griff Israel bereits wieder den Libanon an und Israels Premierminister Netanjahu erklärte, dass Angriffe auf den Libanon nicht Teil der Waffenstillstandsvereinbarung seien – in klarem Widerspruch zu den Äußerungen von Sharif und auch von Irans 10-Punkte-Plan, auf den sich Trump in seinem Tweet bezogen hatte. Auch Trump erklärte später in einem Interview, dass es sich bei Israels Angriffen auf den Libanon um einen „separate skirmish“ (ein getrenntes Gefecht) handeln würde. An diesem Punkt könnte also der gesamte Prozess scheitern. Eine entscheidende Rolle spielt hier Israel. Wenn Israel sich in letzter Zeit neben Völkermord (s. Gaza) in etwas besonders hervorgetan hat, dann im Ignorieren und Brechen von Waffenstillständen (s. ebenfalls Gaza) und im Sabotieren von Friedensverhandlungen (wieder s. Gaza).
Die libanesische Miliz Hisbollah hat nach Angaben von Al Jazeera English zwar zunächst erklärt, den Waffenstillstand trotz anhaltender israelischer Angriffe einhalten zu wollen, der oberste israelische Militär, Lt Gen. Eyal Zamir, erklärte jedoch laut der Nachrichtenagentur AP (Associated Press) am Mittwoch, Israel werde weiterhin jede operative Gelegenheit nutzen, um die Hisbollah anzugreifen. Zuvor hatte das israelische Militär innerhalb von zehn Minuten mehr als 100 Ziele im gesamten Libanon getroffen – die bislang größte Angriffswelle seit dem 1. März, bei der mehr als 180 Menschen getötet wurden. Daraufhin schloss der Iran nach staatlichen Berichten die Straße von Hormus wieder, die nach der Erklärung des Waffenstillstands kurzzeitig geöffnet worden war.
Der kürzlich zurückgetretene Direktor des US-amerikanischen Nationalen Zentrums für die Terrorabwehr, Joe Kent, hatte bereits am Mittwoch die Sorge geäußert, dass Israel den Waffenstillstand sabotieren würde und auch an einem vollständigen Frieden mit dem Iran kein Interesse hätte. Er appellierte an die US-amerikanische Regierung, Israel endlich „an die Leine“ zu nehmen, um dies zu verhindern.
Der US-amerikanische geopolitische Experte Brian Berletic (The New Atlas) hält diese Trennung der USA und Israels und die Rollenverteilung in einen „good Cop“ und einen „bad Cop“ aber für eine reine Inszenierung (z.B. in seiner Analyse hier). Da die beiden Länder so stark politisch, finanziell und auch militärisch verflochten sind, sei kein Alleingang Israels ohne Zustimmung der USA möglich, egal wie oft über Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte zwischen Trump und Netanjahu (oder früher Biden und Netanjahu) berichtet würde. Sollte Israel den Waffenstillstand brechen oder sabotieren, dann wäre das aus seiner Sicht nur Teil einer gemeinsamen israelischen und US-amerikanischen Strategie.
Laut Berletic gibt es daher auch keine Aussicht auf Frieden mit dem Iran. Die Waffenruhe sei nur eine Verzögerungstaktik der USA und Israels (er vergleicht sie mit den Abkommen Minsk 1 und 2), in denen diese sich in Ruhe auf weitere Angriffe vorbereiten könnten. Er glaubt, dass die USA und Israel, die er als Einheit sieht, nicht aufhören werden, den Iran anzugreifen, das Land zu schwächen und die Regierung zu stürzen. Nicht, weil der Iran Atomwaffen entwickle oder regionale militante Widerstandsgruppen unterstütze, sondern weil der Iran eine zentrale Rolle auf dem geopolitischen Schachbrett spiele und es letztlich nur um den Erhalt der geopolitischen Vorherrschaft der USA, insbesondere gegenüber China, ginge und Iran in diesem Übergang der Vorherrschaft von den USA auf China bzw. eine multipolare Weltordnung durch seine geographische Lage sowie energiewirtschaftlich eine Schlüsselrolle spiele (ähnlich argumentiert auch der iranische Analyst Prof. Mohammad Marandi).
Es ist schwer zu sagen, welche dieser Lesarten die richtige ist. Klar ist aber, dass die Interessen zumindest von Donald Trump und seiner Regierungsmannschaft in diesem Fall von denen Benjamin Netanjahus und seiner Regierung abweichen. Trump verliert aufgrund des Völkermords in Gaza und der wirtschaftlichen Folgen des Irankriegs immer mehr die Unterstützung seiner MAGA-Basis und steht jetzt unter starkem Druck, vor den Wahlen zum Repräsentantenhaus (midterm elections) im September mit einem außenpolitischen Erfolg aufzuwarten und seiner (illusorischen) Selbstdarstellung als „Friedenspräsident“ in irgendeiner Form gerecht zu werden. Der Großteil der Wähler Trumps wünschen sich einen Rückzug aus den internationalen Kriegen, die nicht direkt die Sicherheit der USA betreffen. Das heißt, für ihn ist es innenpolitisch sehr wichtig, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden, bevor insbesondere auch die wirtschaftlichen Folgen seine Wählerschaft zu hart treffen.
Für Netanjahu sieht die Situation völlig anders aus. Seine Unterstützer wollen einen Sieg gegen die Hisbollah im Libanon und einen vernichtenden Schlag gegen den Iran sehen. Aus seiner Sicht stellen daher der Waffenstillstand und ein möglicher Frieden mit dem Iran eine katastrophale strategische Niederlage dar.
Am Freitag sollen die Verhandlungen auf Basis des 10-Punkte-Plans des Iran in Islamabad, Pakistan, beginnen. Viele Analysten hatten darauf hingewiesen, dass fast alle Punkte dieses Plans für die USA bisher rote Linien darstellten (wie etwa die komplette Aufhebung aller Sanktionen gegen den Iran), und halten es daher für sehr unwahrscheinlich, dass es auf dieser Basis zu einer Einigung kommen wird. Im Hintergrund soll aber auch China, das wirtschaftlich von den Auswirkungen des Krieges stark negativ betroffen ist, Druck auf den Iran und die USA ausüben, Frieden zu schließen. Die nächsten Tage und Wochen werden zeigen, was stärker ist: die israelisch-amerikanische Koalition oder das Eigeninteresse Trumps an einer Wiederwahl sowie die geopolitischen Kräfte, die die Stabilität der Weltwirtschaft wiederherstellen wollen. Eines ist auf jeden Fall klar: Die EU spielt geopolitisch hierbei keine Rolle mehr.
Titelbild: StreetOnCamara_Comeback / Shutterstock
„Mit Kriegstreibern haben wir nichts zu bereden.“
Trumpverstehen für Fortgeschrittene
„Ein Angriff auf den Iran ist ein Angriff auf die BRICS und die multipolare Welt“
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Während hierzulande über „Werte“ und „regelbasierte Ordnung“ debattiert wird, lohnt ein Blick auf die Perspektive derjenigen, die unter den Bomben leben. In einem Interview mit Mawuena Martens und Dominik Wetzel zeichnet Irans Botschafter Majid Nili Ahmadabadi ein Bild, das den gängigen Erzählungen widerspricht: von gebrochenem Völkerrecht, doppelten Standards und einer westlichen Politik, die eher eskaliert als befriedet. Ein Gespräch, das Fragen aufwirft – und Gewissheiten erschüttert. Das Interview wurde am Wochenanfang geführt, beinhaltet also noch nicht den „Waffenstillstand“.
Martens/Wetzel: Danke, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch genommen haben. Sie sind vermutlich gerade jeden Tag im Gespräch mit der Öffentlichkeit?
Majid Nili Ahmadabadi: Das ist unsere Aufgabe. Wir sind nicht glücklich mit der Situation, denn das Leben unseres Volkes ist nicht normal derzeit. Das Fehlverhalten des israelischen Regimes und der USA bereitet uns Kopfschmerzen. Sie greifen Zivilisten an. Allein bei der Bombardierung der Mädchengrundschule in Minab wurden mehr als 175 Mädchen getötet. Sie haben uns angegriffen, als unser Volk gefastet hat. Diese Menschen anzugreifen, zeigt das Fehlen von Moral. Doch zur selben Zeit haben wir Hoffnung. Das ist die iranische Kultur, wir schauen alle auf das Morgen.
Im Iran ist noch immer eine Internetblockade in Kraft. Dadurch gelangen kaum Bilder vom menschlichen Leid an die Weltöffentlichkeit. Gleichzeitig sind Kriege immer auch Informationskriege. Der Vietnam-Krieg konnte unter anderem deswegen gestoppt werden, weil die Grausamkeiten ans Licht kamen und Menschen in den USA auf die Straße gingen. Warum ist das Internet blockiert, und ist das nicht kontraproduktiv, um den Menschen in den USA und Europa zu vermitteln, was geschieht?
Sicherlich ist es kontraproduktiv, aber es ist nun mal Fakt, dass wir im Krieg sind. Und künstliche Intelligenz spielt heutzutage eine viel bedeutendere Rolle als zu Zeiten des Vietnam-Kriegs. Sie führt Attentate auf Politiker aus, auf unsere Leute. Wie? Mithilfe des Internets. Sie haben recht, dass durch das Internet und durch ausländische Medien Menschen sehen würden, was im Iran geschieht. Außerdem hat es seinen zivilen Nutzen. Doch Sicherheit ist viel wichtiger. Die Israelis nutzen das Internet, um Attentate auf unsere Leute auszuführen. Die Iraner, die hier leben, wissen sehr gut, dass die Situation nicht gut ist. Das Hauptproblem ist KI, deshalb müssen wir vorsichtig sein.
Sind Sie regelmäßig in Kontakt mit der deutschen Regierung? Wie nehmen Sie Deutschlands Rolle im Iran-Krieg wahr?
Zu diesem Thema sind wir nicht in ständigem Austausch. Nein. Mit Kriegstreibern haben wir nichts zu bereden. Wenn sich Konzerne wegen wirtschaftlicher Vorteile einen Krieg wünschen, sind sie Kriegstreiber. Doch wenn einige in Deutschland für einen lang anhaltenden Frieden sind, auf internationales Recht und Moral pochen, dann sprechen wir mit ihnen. Leider ist das, was gerade geschieht, ein klarer Bruch internationalen Rechts. Wir waren mitten in den indirekten Verhandlungen mit den USA in Genf. Die Gespräche waren sehr produktiv. Das sind nicht meine Worte. Das waren die Worte des deutschen Außenministers, als er in Washington war. ‚Es war sehr produktiv und sehr positiv. Macht weiter mit den Gesprächen‘, das hat er gesagt. Doch was war das Ergebnis? Angriffe des israelischen Regimes und der Vereinigten Staaten. Laut der Charta der Vereinten Nationen, Artikel 2 Paragraph 4, ist dies eine klare Verletzung des internationalen Rechts. Dann wurden die Schulkinder ins Visier genommen, unser Militär, unsere Krankenhäuser. Hunderte Gesundheitseinrichtungen sind getroffen worden. Unsere Politiker wurden gezielt getötet.
Eines unserer Marineschiffe hat an dem internationalen Manöver Milan 2026 teilgenommen. Es war unbewaffnet und es ist dennoch angegriffen worden. Das war ein Bruch des Völkerrechts. Und wir haben keine Stimmen gehört, die diese Art der Kriegsführung verurteilen, außer die des Bundespräsidenten – und das, obwohl über 60 Prozent der Deutschen der Meinung ist, dass es ein Verbrechen ist.
Also: Wir haben keine Erwartungen an Deutschland. Wenn deutsche Politiker glauben, dass mit Blick auf diesen Krieg internationales Recht keinen Platz hat, welche Erwartungen an sie sollten wir dann haben? Doch bei Menschen, die den Frieden bevorzugen, Politiker, die denken, dass dieser Krieg nicht nur gegen internationales Recht verstößt, sondern auch gegen die Moral, dann sind wir bereit, ihnen zuzuhören.
Sie befinden sich in einem Krieg gegen Länder wie Israel und die Vereinigten Staaten, die derzeit einen Völkermord in Gaza begehen. Was macht das mit ihnen, solchen mächtigen Armeen gegenüberzustehen, die offensichtlich gar keine Achtung vor dem internationalen Recht oder grundlegenden Menschenrechten haben?
Menschen, Politiker, Entscheider sollten verurteilen, was in Gaza geschieht. Mehr als 75.000 Menschen sind dort getötet worden. Wenn die internationale Gemeinschaft das Richtige getan hätte, diese Tat zu verurteilen, dann wären wir nicht in der Situation, in der wir jetzt sind. Eine Verurteilung ist das Mindeste, was man erwarten kann. Denn wenn wir den Bruch des internationalen Rechts nicht verurteilen, dann haben wir morgen das Gesetz des Dschungels. Das bereitet nicht nur uns Iranern Kopfschmerzen, sondern auch sonst jedem in der internationalen Gemeinschaft. Wenn keine internationalen Regeln mehr eingehalten werden, wird das ins Chaos führen.
Von iranischer Seite sind Berichte über Verhandlungen mit den USA bisher dementiert worden. Gibt es wirklich keine Gespräche? Welche Sicherheitsgarantien fordern sie in einem solchem Fall bzw. welche Bedingungen bräuchte es für einen Waffenstillstand oder einen Friedensvertrag?
Welche Verhandlungen meinen Sie? Wir waren im vergangenen Juni mitten in den indirekten Verhandlungen mit den USA. Ich sage indirekt, denn wir können uns auf US-amerikanische Politiker oder Entscheidungsträger nicht verlassen. Seit dem Beginn der Revolution vor 47 Jahren haben sie sich meinem Land gegenüber falsch verhalten. Sie haben Saddam Husseins Aggression gegen mein Land über mehr als acht Jahre lang mit ausgeklügelten Waffen unterstützt. Auch deutsche Konzerne lieferten Hussein chemische Waffen. Aufgrund unserer Kultur, aufgrund unserer Zivilisation, unserer Religion und unseres Glaubens haben wir nicht mit chemischen Waffen geantwortet. Nichtsdestotrotz haben wir keine guten Erinnerungen, wenn es um Amerika geht. Also begannen wir indirekte Verhandlungen, doch es waren nicht wir, sondern die andere Seite, die darum bat. Was war das Ergebnis? Das israelische Regime attackierte Teheran im Juni und die USA folgten ihm.
Bei den jüngsten Gesprächen im Februar waren es wieder die Amerikaner, die Verhandlungsbereitschaft gezeigt hatten. Und wieder waren die Gespräche mit Witkoff und Kushner sehr positiv. Was war das Ergebnis? Wieder Angriffswellen gegen ganz Iran durch das israelische Regime und Amerika. Also sitzen wir da am Tisch und verhandeln, doch sie interessieren sich nicht für Verhandlungen. Sie verfolgen ein anderes Ziel. Wenn das so ist, warum sollten wir mit ihnen weiter verhandeln?
Bis heute bezweifle ich, dass beide Seiten um einen Tisch sitzen werden. Verhandlungen sind klar definiert und auf ein konkretes Ziel ausgerichtet. Sie bedeuten nicht, dass man sich Zeit nimmt und diese verschwendet, damit am Ende Bombardierungen stehen, sondern Austausch von Perspektiven nicht direkt, aber durch andere Länder. Wir antworten auf Nachrichten. Wir teilen unsere Meinung mit. Deren Kern ist: Wir werden uns mit allen konventionellen Mitteln verteidigen. Wir werden der anderen Seite nicht gestatten, eine solche Aggression gegen Iran zu wiederholen. Wir benötigen jetzt objektive Garantien, dass die Angreifer nicht noch einmal eine solche Welle der Aggression durchführen können. Denn wir haben dieses Spiel nicht gestartet. Sie haben angefangen. Eine weitere Grundlage für die Verhandlungen sind Reparationen. Ich denke, dass das fair ist. Sie haben angegriffen, also müssen sie dafür zahlen. Das sind die beiden Grundbedingungen, die erfüllt sein müssen, damit es Verhandlungen geben kann.
Was muss also geschehen, damit der Krieg endet?
Die Angriffe müssen aufhören. Wir brauchen einen lang anhaltenden Frieden. Wir wollen keinen Waffenstillstand, damit hatten wir im Juni schlechte Erfahrungen.
Wenn es keine Verhandlungen gibt, dann folgt daraus wohl, dass Iran diesen Krieg gewinnen will. Wie würde ein Sieg aussehen? Es scheint doch, als würde der Konflikt jeden Tag mehr Parteien haben.
In Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen ist das Recht verankert, sich zu verteidigen. Wir haben unseren Nachbarstaaten vor dem Krieg klargemacht: Wenn das israelische Regime und die Vereinigten Staaten angreifen, werden wir US-amerikanische Militärstützpunkte und israelische Soldaten in der Region attackieren. Das ist eine angemessene Antwort, wir haben nicht gegen internationales Recht verstoßen, indem wir unsere Nachbarländer angreifen. Wir respektieren ihre territoriale Integrität. Wir haben immer noch sehr gute Beziehungen zu ihnen, und der Präsident ist weiterhin in Kontakt mit einigen Ministern am Persischen Golf.
Schafft sich Iran mit dieser Politik nicht immer neue Feinde?
Verstehen Sie, wenn man sich verteidigt, muss man sich verteidigen. Wenn es keine Garantie für einen dauerhaften Frieden gibt, wenn die Angreifer die Region für ihre Zwecke missbrauchen möchten, hat man keine andere Option. Wenn wir mit unseren Nachbarstaaten sprechen, sagen wir: ‚Seht, die Kampfflugzeuge nutzen alle euren Luftraum, warum?‘ Die Raketen, die Tomahawks, die in unsere Schulen einschlagen, werden in der Region abgefeuert. Wir haben Beweise dafür.
Wie ist derzeit die Situation in Iran? Wie geht es den Menschen – auch nach der Bombardierung der Öldepots in Teheran?
Letzteres ist ein weiteres Beispiel für das Fehlverhalten und das Fehlen von Moral. Teheran ist eine gewaltige Hauptstadt mit mehr als zehn Millionen Menschen. Die Attacke auf diese Öllager bedeutet drastische ökologische Konsequenzen. Unsere Freunde in Europa haben das nicht verurteilt.
Warum? Wo ist der Unterschied zwischen uns und der Ukraine? Deutschland sollte diese Angriffe mit Blick auf die ökologische Katastrophe und die Zukunft aller Lebewesen verurteilen. Wichtiger noch als Frieden ist die Moral. In diesem Krieg sind die größten Opfer das Völkerrecht und die Moral.
Stichwort Moral. Wenn sich Ihr Gegner unmoralisch verhält, halten Sie sich dann an moralische Standards? Die israelische Seite wirft Ihnen beispielsweise vor, Sie würden Streubomben verwenden – wobei man dazusagen muss, dass Tel Aviv und Teheran die Konvention zur Ächtung dieser Waffe beide nicht unterzeichnet haben.
Wissen Sie, Streubomben haben eine spezifische Definition. Die Bomben und Raketen, die der Iran verwendet, enthalten keine Streumunition. Wir verwenden nur konventionelle Mittel zur Verteidigung.
Anfang Januar gab es große Demonstrationen und Proteste in Teheran und anderen Städten. Westliche Politiker haben eine gewaltsame Niederschlagung verurteilt. Was geschah aus Sicht der iranischen Regierung?
Ich denke, der Westen ist nicht in der Position, über Menschenrechte oder die Ereignisse im Iran zu sprechen. Warum? Weil Sie immer noch nicht verurteilt haben, dass die Amerikaner die Schule in Minab bombardiert haben. Wo ist der Unterschied zwischen den Menschen die im Dezember gelitten haben, und denen jetzt? Es sind zudem dieselben Regierungen, die immer noch zögern, die Ermordung von über 75.000 unschuldigen Menschen in Gaza zu verurteilen.
Doch um auf Ihre Frage einzugehen: Ja, Ende Dezember gab es Demonstrationen mit wirtschaftlichen Forderungen. Das ist normal bei einer Wirtschaftsblockade – normal, wenn es Sanktionen gegen ein Land gibt und eine Blockade von harten Währungen. Geschäftsleute können dann nichts kaufen oder verkaufen. Meine Regierung akzeptierte zu dieser Zeit die Argumente und Forderungen der Demonstranten, und bis zum 8. Januar gab es keine Probleme. Doch vom 8. bis 10. Januar gab es ernst zu nehmende Aktivitäten im Iran, größtenteils aus dem Ausland gesteuert, besonders von Israel aus. Wissen Sie, dass der Chef des Mossad meinte: ‚Unsere Agenten sind mit euch auf den Straßen Irans.‘?
Vor Kurzem hatte ich ein Gespräch mit einem Journalisten. Er sagte mir, mehr als 30.000 Menschen seien bei den Protesten getötet worden. Ich meinte: ‚Woher wissen Sie das? Warum nicht 40.000? Warum nicht eine Million? Was ist ihre Quelle?‘ Er antwortete mir, er sei im Kontakt mit einigen Menschen im Iran und die Mehrheit im Iran sei gegen die iranische Regierung. Doch ich erwiderte: ‚Sind Sie im Iran, oder sind Sie hier?‘
Sogar heute sind sehr viele Menschen auf den Straßen, um laut zu sagen, dass wir unsere territoriale Integrität respektieren. Wir können anderen Staaten nicht erlauben, dagegen etwas zu unternehmen. Das ist die Mehrheit. Und glauben Sie mir, auch jetzt erhalte ich viele Anfragen von Iranern, die hier leben und sagen, sie würden gerne nach Hause zurückkehren, um das Land zu verteidigen. Wenn es eine Krise gibt, tendieren die Menschen dazu, zu fliehen. Im Iran ist das etwas ganz anderes. Hier kommen die Iraner zur Verteidigung zurück. Das hat etwas mit der Mentalität zu tun, mit der Kultur, der Zivilisation, der Religion. Ein weiterer Punkt: Im Juni 2025 haben wir einen Angriff vom israelischen Regime und Amerika erlebt, später am 8. bis zum 10. Januar wieder. Dann kurz darauf Anfang März eine andere Form des Angriffs. Wer ist der Hauptverursacher? Das israelische Regime und Amerika.
Sie sagen also, die Aufstände waren eine andere Form der Aggression?
Es gibt einige Verbindungen und wir haben gute Beweise. Sie begannen mit der Illusion, dass das System am Ende sei und die Balkanisierung Irans vor uns läge. Im Juni 2025 haben sie es nicht geschafft. Dann änderten sie ihre Strategie mit dem Geschehen vom 8. bis 10. Januar. Das ist fehlgeschlagen. Dann haben sie auf die jüngsten Angriffe hingearbeitet. Es gibt also einen Zusammenhang.
Was sind die Gründe für die Angriffe?
Wenn sie sich einen runden Tisch als Feld der Aggressionen vorstellen, dann steht ein Teil für Israel, ein anderer für die USA und noch ein anderer Teil für Iran. Die Mentalität der Amerikaner ist nicht eindeutig. Nicht einmal Donald Trump weiß wahrscheinlich, was der Hauptgrund dafür war, dass er den Iran angegriffen hat, denn er hat zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eine Ausstiegsmöglichkeit. So viel zu Amerika. Der Iran ist hier eindeutig. Wir werden uns mit allen konventionellen Mitteln verteidigen. Hier unterscheiden wir uns. Die Mentalität von Israel ist auch eindeutig.
Ich unterscheide zwischen Netanjahu und Israel. Er will weitermachen und Probleme für die ganze Region verursachen. Er will eine Balkanisierung der Region erreichen, angefangen beim Libanon und Syrien. Was ist das Ergebnis? Das Fortbestehen seines politischen Lebens. Solange Chaos herrscht, kann Netanjahu als Premierminister weiterregieren. Doch wenn Stabilität herrscht, muss er ins Gefängnis, denn es gibt sowohl Anklagen gegen ihn im Land als auch durch den Internationalen Strafgerichtshof. Also wird er weiter mit aller Macht Chaos über die Region bringen. Die Konsequenzen bedeuten ihm nichts. Das ist ein Problem, das unsere Freunde in Europa in Betracht ziehen müssen.
Europa spielt keine Rolle in diesem Spiel. Das ist schade, denn wegen seiner direkten Interessen sollte Europa etwas tun, kann aber nicht. Warum? Durch die Position, die seine Länder eingenommen haben, also der Nichtverurteilung der Angriffe, senden sie kein Zeichen guten Willens aus, um einen langfristigen Frieden zu erreichen. Auch der Iran kann sich nicht auf sie verlassen. Früher konnten wir den USA nicht trauen, jetzt können wir auch Europa nicht trauen. Sie sind also nicht in der Position, irgendeine Rolle einzunehmen.
Und doch ist die EU betroffen von diesem Krieg. Wie der Rest der Welt leiden ihre Mitgliedsstaaten unter der Schließung der Straße von Hormus.
Es ist nicht unsere Absicht, wirtschaftliche Probleme für die Menschen zu erzeugen, ungeachtet dessen, wo sie leben. Bei sicherem Leben, sozialen Perspektiven, wirtschaftlichen Überlegungen und sogar bei der Frage von Flüchtlingen geht es um eure Sicherheit. Eure Sicherheit ist unsere Sicherheit. So ist das generelle Denken. Sehen Sie, die Menschen in Gaza sind vornehmlich Sunniten. Wir sind Schiiten. Wir unterstützen sie. Warum? Weil ihr Leben so wichtig ist wie unser eigenes. Dasselbe gilt auch für Menschen in Deutschland, die Menschen in Europa und Amerika. Doch wenn jemand Probleme erzeugen möchte und Krieg ins Spiel bringt, müssen wir uns verteidigen. Da gibt es keine Alternative. Wenn jemand unser Volk mit Raketen angreift oder Soldaten dazu bringt, die Insel Kharg einzunehmen, müssen wir uns verteidigen. Die Straße von Hormus liegt in unserer direkten Nachbarschaft und ist Teil unserer territorialen Integrität und Souveränität. Es ist nicht unsere Absicht, wirtschaftliche Probleme für die Menschen zu erzeugen. Es ist eine Sünde, eine Katastrophe für alle. Aber die Hauptverursacher dafür sind Israel und Amerika. Wir verteidigen uns nur.
Was ist die Strategie dahinter, die Straße von Hormus geschlossen zu halten?
Die Straße von Hormus ist offen.
Aber nicht für jeden.
Für Staaten, die die Aggressoren nicht unterstützen und die sich nicht an den Angriffen beteiligen, ist sie offen. Es gibt einige Schiffe, die den Golf schon verlassen haben und die die Straße durchfahren. Aber den Angreifern können wir das nicht erlauben. Wenn ein Land ausgefeilte Waffensysteme an Israel liefert, das uns angreift, warum sollten wir ihnen dann erlauben, unsere Souveränität für ihren Vorteil auszunutzen? Es ist nur logisch, gewisse Vorkehrungen zu treffen. Wir bereiten den Menschen in Deutschland nicht gerne Probleme, denn ihr Wohlstand ist auch Wohlstand für die Menschen im Iran. Wissen Sie, was das Problem ist? Das Problem sind einige Länder in Europa und Amerika, die sich verrechnet haben. Unsere beachtliche Zurückhaltung gab ihnen das Gefühl, der Iran sei schwach. Das ist nicht der Fall. Seit dem Beginn des Systems vor 47 Jahren haben wir mit aller Macht versucht, gute Beziehungen mit anderen zu führen: durch das Offenhalten der Straße von Hormus, indem wir die Sicherheit der Europäer gewährleistet haben, indem wir den Islamischen Staat (IS) bekämpft haben. Iran war an vorderster Front im Kampf gegen den IS. Doch leider glauben einige in Westeuropa und Amerika, dass unsere beachtliche Zurückhaltung Schwäche bedeutet. Das ist nicht der Fall. Und ich denke, diese ist jetzt vorbei.
Manchmal gleicht die Art und Weise, wie sich Weltgeschichte dem Publikum offenbart, einem absurden Theaterstück. Gestern Morgen drohte Donald Trump in übelster Schurkenmanier noch, die gesamte iranische Zivilisation zu vernichten, und heute Nacht konnten die Verhandler dann doch einen zweiwöchigen Waffenstillstand und die Fortführung von Friedensgesprächen vermelden. Ein Drama mit Happy End? Nein, wir waren vielmehr Zeugen einer weiteren Episode der skurrilen „Trump-Show“. Der US-Präsident verwechselt offenbar Weltpolitik mit einem Wrestling-Schaukampf. Die entscheidende Frage ist, wie lange der Rest der Welt sich dieses erbärmliche Theater anschauen will. Von Jens Berger.
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Manchmal sind es die kleinen Meldungen, die für das Verständnis des großen Ganzen von besonderem Interesse sind. Gestern veröffentlichte die New York Times einen Artikel, in dem geschildert wird, wie es überhaupt zum Irankrieg kam. Trump habe sich demnach von Netanjahu einlullen lassen. Der versprach einen schnellen militärischen Sieg und einen vom Mossad geschürten Volksaufstand, an dessen Ende der Schah-Sohn Reza Pahlavi die Herrschaft übernehmen werde. Im gesamten Umfeld des US-Präsidenten gab es offenbar wider besseres Wissen keinen offenen Widerstand gegen dieses Szenario, das CIA-Chef Ratcliff während des Meetings mit Netanjahu als „absurd“ und US-Außenminister Rubio als „Schwachsinn“ bezeichnet haben sollen. Es kam, wie wir heute wissen, natürlich anders, als Netanjahu es Trump versprochen hatte. Die letzte offene Frage war, wie es Trump gelingt – und das mag für deutsche Leser nun absurd klingen –, ohne allzu großen Gesichtsverlust aus dieser Katastrophe herauszukommen.
Donald Trump sieht sich selbst als „Dealmaker“ und „Showman“ und er bricht offen mit diplomatischen Konventionen. Das wurde auch und vor allem in den deutschen Medien nicht wirklich verstanden. Mit seiner unkonventionellen, aber – zumindest aus seiner Sicht – überaus erfolgreichen Verhandlungsstrategie hatte ich mich im Januar im Artikel „Trumpverstehen für Anfänger“ ja bereits ausführlich beschäftigt. Eine weitere Verhandlungsstrategie, die Trump perfektioniert hat, ist das, was Spieltheoretiker als „Theorie des Verrückten“ (Madman-Theorie) bezeichnen. Man erweckt den Eindruck, irrational und physisch instabil zu handeln und damit den Gegner einzuschüchtern und seine eigentlichen Ziele – die oft auf einer ganz anderen Ebene zu verorten sind – zu erreichen. Nun kann man vortrefflich darüber streiten, ob Trump verrückt ist oder nur so tut. Ich vermute Letzteres und seine Verhandlungstaktik gegenüber Iran ist dazu geradezu ein Paradebeispiel.
Die USA haben den Irankrieg verloren. So viel war bereits vor Ostern klar. Die „Ziele“, mit denen Netanjahu Trump den Krieg schmackhaft gemacht hat, hatten sich schon wenige Tage nach Kriegsbeginn in Luft aufgelöst. Die Israelis haben – so sie es denn je versucht haben – keinen Regime Change orchestrieren können, das theokratische System ist gefestigter als vor dem Krieg. Währenddessen gingen den USA und ihren Verbündeten die Raketen- und Drohenabwehrsysteme aus, die wirtschaftlichen Folgen erreichten über den Umweg der Zapfsäule auch die Trump-Wählerschaft in den USA und bis zu den Midterms ist es gar nicht mehr so lange hin. Doch wie beendet man einen verlorenen Krieg, ohne das Gesicht zu verlieren?
Die dafür nötigen Storylines sind in einer „Sportart“, die Donald Trump sehr nahesteht, durchaus gebräuchlich. Ich rede vom Wrestling, dieser in ihrer ganzen Kulturlosigkeit typisch amerikanischen Showveranstaltung, bei der im Stil einer Seifenopfer grotesk überzeichnete Muskelmänner im Ring einen Schaukampf veranstalten, bei dem die Rollen klar zugewiesen und das Ergebnis vorher verabredet wurde. Trumps Äußerungen, die in den letzten Tagen weltweit für Aufregung sorgten, sind nicht die eines Staatsmannes, sondern könnten so auch 1:1 dem Skript einer Wrestling-Show entspringen. Das mögen die Feingeister, die die Geschehnisse als Journalisten einordnen wollen, nicht verstehen – sie sind auch nicht das Publikum, an das Trump seine Show adressiert. Wie der gemeine Trump-Wähler auf diese Show reagiert, ist eine ganz andere Frage.
Wie bereits gesagt – die USA haben den Krieg verloren. Und einen verlorenen Krieg als Erfolg darzustellen, ist eine große Kunst. Vielleicht sollte man die Äußerungen von einem „Vernichten der iranischen Zivilisation“ genau in diesem Kontext betrachten. Jede Wette – in den kommenden Tagen wird Trump herumposaunen, die Iraner seien nur aufgrund seiner Rhetorik eingeknickt und er habe durch seine Drohungen den Krieg beendet, die Straße von Hormus geöffnet und damit für die Welt das erreicht, was „feige“ Europäer und Asiaten sich nicht zugetraut haben. Wahrscheinlich nervt er Gott und die Welt nun mit der Aussage, er habe neun Kriege beendet. Natürlich ist das alles Quatsch, aber solange seine Wähler ihm das glauben, ist diese Form der öffentlichen Kommunikation gemessen an ihrer Zielrichtung durchaus erfolgsversprechend.
Was wäre die Alternative? Dem Wähler zu sagen, er sei von seinem Freund Benjamin Netanjahu hinter die Fichte geführt worden? Er, der mächtigste und nach eigener Sicht sicherlich auch schlauste Mann der Welt, habe mit seiner persönlichen Einschätzung schlichtweg grotesk falsch gelegen? Das wäre ehrlich. Aber das wäre nicht Donald J. Trump, der große Showman. Der wird sich nun als Friedensbringer feiern und diese Geschichte mit allerlei kontrafaktischen Trumpismen ausschmücken – so lange, bis sie im Paralleluniversum der MAGAs als allgemeingültige Wahrheit gelten. Nach Trump-Maßstäben hat er so sein Gesicht gewahrt und den verlorenen Krieg gewonnen.
In der echten Welt sieht es freilich ein wenig anders aus. Iran hat seinen spirituellen Führer verloren und sicher auch materiell große Schäden erlitten. Dafür hat das grundlos überfallene Land Sympathien beim Rest der Welt gewonnen und kontrolliert nun ganz offiziell per ordre Trump die Straße von Hormus und darf Agenturmeldungen zufolge zwei Millionen US-Dollar Maut für jedes Schiff kassieren, das die ehemals offene Meerenge passiert. Bei allein 30.000 Tankern pro Jahr sind dies stolze 60 Milliarden US-Dollar – gezahlt wohlgemerkt nicht in Dollar, sondern chinesischen Yuan. Bezahlt werden diese indirekten Reparationen vor allem von den US-Verbündeten am Persischen Golf und deren Kunden in Asien; indirekt landet die Rechnung natürlich in Teilen auch bei den Endkunden in Europa und den USA, aber die Zusammenhänge sind viel zu komplex, als dass der Michel oder Joe the Plumber sie verstehen würde.
Abseits der hier geschilderten Trump-Perspektive sieht es freilich vollkommen anders aus. China hat sich als Vermittler hinter den Kulissen einmal mehr als eigentliche Schutzmacht für die Weltordnung erwiesen. Europa ist moralisch am Ende und hat in der Weltpolitik nicht einmal mehr eine Nebenrolle. Netanjahu kann sich freuen, da er einmal mehr die Region ins Chaos gestürzt und so sein politisches Überleben verlängert hat. Und die USA? Sofern sie überhaupt noch ein Gesicht zu verlieren hatten, so haben sie es nun endgültig verloren. Die ehemalige Weltmacht Nummer Eins ist nurmehr ein grotesk anmutender Schurkenstaat, der anderen Ländern offen mit Auslöschung droht, das Recht des Stärkeren zelebriert und die Welt in eine Showbühne für ein traurig-groteskes Theaterspiel verwandelt. Es ist zu befürchten, dass der Irankrieg dabei nicht der letzte Akt war.
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Die internationale Bewegung People’s Embargo for Palestine beschreibt detailliert, wie italienische staatliche Stellen und Unternehmen trotz offizieller Dementi während des gesamten Völkermords im Gazastreifen Waffen an Israel geliefert haben. Von Ana Vračar.
Trotz gegenteiliger Behauptungen hat die italienische Regierung während des gesamten Kriegs im Gazastreifen Lieferungen von Militärgütern nach Israel ermöglicht. Seit Oktober 2023 „hat Italien eine strategische und kontinuierliche Lieferkette für militärische Ausrüstung und Energieressourcen nach Israel aufrechterhalten und damit direkt die technische Infrastruktur des Angriffs unterstützt“, stellt ein neuer Bericht von People’s Embargo for Palestine[*] fest.
Er dokumentiert 416 militärische Lieferungen sowie über 200.000 Tonnen Treibstoff, die in diesem Zeitraum von Italien nach Israel transferiert wurden. Diese Befunde stehen in krassem Gegensatz zu Italiens Verpflichtungen nach nationalem und internationalem Recht – „mit weitreichenden Implikationen, die auch auf eine italienische Rolle im aktuellen Krieg gegen den Iran hindeuten“ – und zeigen, wie weit die Regierung von Giorgia Meloni gegangen ist, um die Öffentlichkeit über ihre tatsächliche Unterstützung für Israel zu täuschen.
Eines der wichtigsten Ergebnisse des Berichts ist, dass der Staat nicht nur durch die Bereitstellung von militärischem Material über seine Streitkräfte und Unternehmen wie Leonardo, dessen Mehrheitsaktionär er ist, direkt an solchen Transfers beteiligt war. Er steuerte auch Teile für militärische Ausrüstung bei, die in Drittländern montiert und nach Israel verschickt wurden. Außerdem hielt der Staat Handels- und Investitionsbeziehungen mit Vertretern der Besatzungsmacht im Bereich militärischer und verwandter Technologien aufrecht.
„Die Ergebnisse dieses Berichts zeigen unwiderlegbar, dass Italiens militärisch-industrieller Komplex ein integraler Bestandteil des andauernden Völkermords in Gaza ist“, heißt es in der Analyse.
Zu den an Israel gelieferten Produkten gehören Flugzeugkomponenten – darunter solche, die in F-15-Kampfflugzeugen verwendet werden, die bei der Bombardierung von Gaza zum Einsatz kommen –, Container, Antennen, kugelsichere Westen und Waffen. Einige davon wurden direkt von Institutionen wie Polizei und Streitkräften bereitgestellt.
Zusätzlich zu diesen tödlichen Lieferungen haben italienische Behörden Israel ermöglicht, Treibstoff für den Betrieb von gepanzerten Fahrzeugen in Gaza und zur Energieversorgung illegaler Siedlungen zu erhalten, womit sie ihrer Unterstützung für die Besatzungsmacht eine weitere Dimension hinzufügen.
Auffällig ist, dass zivile Infrastruktur, darunter große Flughäfen in Mailand und Rom sowie Häfen in Genua und Ravenna, wiederholt genutzt wurde, um Israels Angriff direkt oder indirekt zu unterstützen – selbst als Millionen Italiener in Solidarität mit Gaza streikten.
Der Bericht beschreibt auch Versuche, den wahren Inhalt oder Bestimmungsort der Lieferungen zu verschleiern, was es noch schwieriger macht, ihre ohnehin schon undurchsichtige Route nachzuverfolgen.
Eine weitere Form der staatlichen Komplizenschaft zeigt sich in den wachsenden Importen und Handelsbeziehungen zwischen Italien und Israel. Dem Bericht zufolge machten die militärischen Importe aus Israel nach Italien im Jahr 2024 über 20 Prozent des Gesamtvolumens aus (im Wert von fast 155 Millionen Euro), verglichen mit 2,5 Prozent im Vorjahr.
„Die Beziehung ist zirkulär: Italienische Komponenten, Wartungsleistungen und andere Beiträge versorgen israelische Produktionslinien; israelische Systeme werden in Gaza im Einsatz getestet, was ihren Exportwert steigert und Skaleneffekte ermöglicht; und die durch diesen Handel generierten Gewinne, Verträge und Handelsbeziehungen fließen zurück in den Ausbau ebenjener Rüstungsindustrien, mit denen Italien weiterhin Geschäfte macht.“
„Ohne ausländische Investitionen und Unterstützung könnte Israel seine Kampagne des Völkermords, der Expansion und des Krieges nicht fortsetzen“, betont der Bericht. „Italien steht nicht außerhalb von Israels Fähigkeit, Völkermordkriege zu führen. Italienische Unternehmen, mit dem Staat verbundene Einrichtungen, Häfen, Flughäfen, Frachtunternehmen und Energieinfrastruktur haben alle dazu beigetragen, diese Fähigkeit aufrechtzuerhalten.“
„Diesen Handel fortzusetzen bedeutet, weiter mitschuldig an der systematischen Auslöschung des palästinensischen Volkes und an Israels aggressivem Vorgehen im Westjordanland, im Iran und in der gesamten Region zu sein“, schließt People’s Embargo for Palestine. „Was jetzt notwendig ist, ist nachhaltige strategische Aktion, die der Kriegsmaschinerie echte politische und materielle Kosten verursachen kann, und klare Veränderungen, die von der italienischen Regierung durchgesetzt werden.“
Während Gewerkschaften und progressive Bewegungen in Italien weiterhin wachsam sind und sich an verschiedenen Aktionen der internationalen Solidarität beteiligen, fordert der Bericht sie auf, zu mobilisieren und von der Regierung unter anderem zu verlangen, ein wirkungsvolles Waffenembargo gegen Israel zu verhängen, laufende Abkommen über technische Hilfe und Ausfuhrgenehmigungen aufzuheben sowie die Treibstofflieferungen an die Besatzungsbehörden einzustellen.
„Italien muss direkte Verantwortung für die auf seinem Boden operierende Waffenlogistikkette übernehmen“, erklärt der Bericht.
Der Beitrag erschien im Original bei People’s Dispatch, aus dem Englischen übersetzt von Marta Andujo.
Titelbild: ImageBank4u / Shutterstock![]()
[«*] People’s Embargo for Palestine ist eine internationale Bewegung, die nach eigenen Angaben koordinierten Druck auf Regierungen, Unternehmen und Institutionen ausübt, damit sie durch die Durchsetzung von Embargos die Lieferung von Waffen und Energie Israel unterbinden.
Am 20. Januar 2017 hielt Donald Trump nach seiner ersten Wahl zum Präsidenten der USA eine Antrittsrede, die es in sich hatte, aber schon bald wieder vergessen war. Nachdem er zuvor mehrmals seinen Aufruf „America First“ erneuert hatte, wandte er sich an die Bevölkerung der Vereinigten Staaten und versprach gutwillig mit der ihm eigenen Naivität und politischen Unbedarftheit: „Wir übertragen die Macht von Washington zurück an euch, das Volk.“ Von Wolfgang Bittner.
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Gewandt an die anwesenden und auch an die aus Protest nicht zur Vereidigung erschienenen Machteliten erklärte er zu deren stiller Empörung:
„Zu lange hat eine kleine Gruppe hier, in der Hauptstadt unseres Landes, die Früchte eingefahren, während die Menschen da draußen dafür bezahlt haben. Washington ging es gut, aber die Menschen konnten an diesem Wohlstand nicht teilhaben; den Politikern ging es gut, aber die Arbeitsplätze wanderten ab und die Fabriken wurden geschlossen. Das Establishment hat sich nur selbst geschützt, aber nicht die Bürger unseres Landes. Ihre Siege waren nicht die Siege des Volkes, ihre Siege waren nicht eure Siege. Während sie hier gefeiert haben, in der Hauptstadt eures Landes, gab es für ganz viele Familien da draußen im ganzen Land wenig zu feiern. Das alles ändert sich gerade hier und jetzt.“ [1]
Besondere Aufmerksamkeit verdient Trumps Ankündigung, das „amerikanische Schlachten“ zu beenden, und er fuhr fort: „Wir werden die Freundschaft und das Wohlwollen aller Nationen auf der Welt suchen, aber wir machen das in dem Wissen, dass es das Recht aller Nationen ist, ihre eigenen Interessen an die erste Stelle zu setzen. Wir möchten unsere Lebensart niemandem vorschreiben, aber wir lassen sie als leuchtendes Beispiel dastehen, wir werden als leuchtendes Beispiel ausstrahlen, dem alle folgen können. Wir werden alte Allianzen wiederherstellen, neue Allianzen bilden … Die Bibel lehrt uns, wie schön es ist, wenn die Völker Gottes friedlich zusammenleben.“
Anwesend waren die Ex-Präsidenten Carter, Clinton, Bush und Obama sowie zahlreiche der saturierten und miteinander verstrickten Politiker, Wirtschaftsmagnaten und Medienvertreter. Sie mussten die demütigende Philippika Trumps hinnehmen, denn vor ihnen stand ein amerikanischer Milliardär, der soeben in das höchste Amt der USA gewählt worden war und vollmundig seinen Machtanspruch geltend machte.
In den Medien, die bereits monatelang gegen Trump polemisiert hatten, wurde dessen Antrittsrede mit Hass und Häme kommentiert. „Die hässliche Grimasse der Demokratie“, titelte der Stern; „Trump sucht Feindschaft“, hieß es unreflektiert in der Süddeutschen Zeitung; „Bitter, angeberisch und banal“, schrieb der britische Guardian; die Neue Zürcher Zeitung konstatierte „Ein riskantes Experiment“; der Spiegel wertete Trumps Rede als eine „Unanständigkeitserklärung“ und so weiter in diesem Sinne.[2]
Dass zu diesem Zeitpunkt eine neue Ära in der Weltpolitik beginnen sollte, blieb unter den europäischen Eliten, die weiter den Netzwerken der Clinton-Obama-Biden-Politik verbunden blieben, unverstanden – zum Schaden Europas, insbesondere Deutschlands. Der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte Trump schon während des Wahlkampfs einen „Hassprediger“ genannt, und Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich vehement für die russophobe Gegenkandidatin Hillary Clinton eingesetzt. In der ARD-Tagesschau wurde nun von weltweiten Demonstrationen gegen den neuen US-Präsidenten berichtet und dass Hillary Clinton den Demonstranten dafür danke, „dass sie ‚für unsere Werte‘ einstünden.“[3] Immerhin stand in der Washington Post: „Trump schwört, ‚amerikanisches Gemetzel‘ zu beenden.“
Trump im Netz der Bellizisten und der Wallstreet
Doch Trump, der sich gegen den tiefen Staat seiner Vorgänger wandte, um seine politischen Vorstellungen durchzusetzen, befand sich schon bald im Netz der Finanzeliten der Wallstreet, die seinen Wahlkampf unterstützt hatten. In seiner ersten Präsidentschaft war er umstellt von Hardlinern wie dem fundamentalistisch-evangelikalen Vizepräsidenten Mike Pence, dem ehemaligen CIA-Direktor Mike Pompeo als Außenminister und dem „Architekten“ des Irak-Kriegs, John Bolton, als Sicherheitsberater.[4] In seiner zweiten Präsidentschaft sind es Bellizisten wie der Kriegsminister Pete Hegseth und der Außenminister Marco Rubio.
Hegseth, ein evangelikaler Nationalist und Ex-Major der Heeres-Nationalgarde, hatte 2018 auf dem National Coucil of Young Israel erklärt: „Zionismus und Amerikanismus sind die Frontlinien der westlichen Zivilisation und Freiheit in der heutigen Welt.“[5] Der ehemalige Senator Marco Rubio, Sohn kubanischer Exilanten, vertritt eine aggressive Kuba-Politik und ist bekennender Katholik, nachdem er in jungen Jahren Mormone und zeitweise auch Baptist war. Er betreibt eine Anwaltskanzlei sowie das Beratungsunternehmen Rubio Consulting und ist Partner des Beratungsunternehmens Florida Strategic Consultants.
Beraten und in vielen seiner Entscheidungen offenbar auch gesteuert von solchen in den Vordergrund drängenden Ministern und anderen Einflusspersonen, hat Donald Trump sich von seinen ursprünglichen Zielen, Freundschaft mit allen Nationen zu suchen, Frieden zu halten und für das Wohl der US-amerikanischen Bevölkerung einzustehen, immer weiter entfernt.
Auch in seiner Antrittsrede zu seiner zweiten Präsidentschaft am 20. Januar 2025 versprach Donald Trump noch: „Wir werden das Vorbild für jede Nation sein“, und er wiederholte seine Anschuldigungen vom 20. Januar 2017: „Viele Jahre lang hat eine radikale und korrupte Elite unsere Bürger an Macht und Reichtum beraubt.“ Das sollte sich, so Trump, unter seiner Präsidentschaft unverzüglich ändern. Er sprach von Kriegen, „die wir beenden“, und von Kriegen, „in die wir nie geraten“. Er wolle „ein Friedensstifter und Einiger“ sein, die ganze Welt werde den USA, „der größten Zivilisation der Geschichte, … Ehrfurcht und Bewunderung“ erweisen.
Allerdings sagte Trump auch, er werde die USA an die erste Stelle setzen, „… andere Länder besteuern, um unsere Bürger zu bereichern“, und er beschwor zum wiederholten Mal den amerikanischen Exzeptionalismus. Gott habe ihn vor einem Attentat „gerettet, um Amerika wieder großartig zu machen“, mit seinem Regierungsantritt habe für die USA ein „goldenes Zeitalter“ begonnen.
Trumps Chaos-Politik
Obwohl sich Donald Trump in seinen Antrittsreden und in der Folgezeit immer wieder gegen seine Vorgänger gewandt hat, hält er doch den imperialen Anspruch der USA aufrecht und tut das der Welt auf seine polternde Art unmissverständlich kund. Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit hat er rigorose völkerrechtswidrige Maßnahmen angekündigt, zum Beispiel will er die BRICS-Staaten abstrafen und Kanada, Grönland und Panama annektieren.[6] Er hat neue Sanktionen verhängt, erhebt hohe Einfuhrzölle, was zu großen Problemen in den Lieferketten führt, und er verlangt von den europäischen NATO-Staaten, ihre Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, was ohne erhebliche Einschnitte in die Etats für Soziales, Bildung, Kultur, Wissenschaft usw. nicht zu leisten ist.
Des Weiteren beliefert er – ebenso wie Deutschland – Israel mit Waffen und duldet den Genozid an den Palästinensern. Er ließ den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro entführen und veranlasste Luftangriffe auf den Jemen, wo Saudi-Arabien mit Unterstützung der USA, Großbritanniens und Frankreichs einen Stellvertreterkrieg gegen den Iran führt.[7] Im Juni 2025 unterstützte er den völkerrechtswidrigen Überfall Israels („Zwölftagekrieg“) gegen den Iran und am 28. Februar 2026 begann er zusammen mit Israel einen mörderischen Krieg gegen den Iran.
Hinzu kommt, dass Donald Trump weltweit Chaos an den Börsen und in der Wirtschaft verursacht. Nicht auszuschließen ist, dass er damit seine Gegner verwirren und einen bevorstehenden Zusammenbruch des US-Finanz- und Wirtschaftssystems verschleiern, hinauszögern oder abwenden will. Seinen Hauptgegner sieht er in China, wobei er offensichtlich eine militärische Auseinandersetzung, die sich zu einem Mehrfrontenkrieg oder sogar einem Atomkrieg entwickeln könnte, vermeiden will. Vielmehr setzt er auf eine Schwächung der Wirtschaftskraft durch Isolierung, hohe Zölle und Sanktionen.[8]
Positiv zu bewerten sind hingegen Trumps Gesprächsbereitschaft gegenüber Russland und die Beendigung der permanenten Provokationen, die sein Vorgänger Joseph Biden auf die Spitze getrieben hatte. Zudem wurden durch die anfängliche Abkehr von der Kriegspolitik seiner Vorgänger und ihrer Instruktoren verkrustete Strukturen aufgebrochen und es hatten sich reale Chancen für die Entwicklung einer neuen internationalen Sicherheits- und Friedensarchitektur aufgetan, die jedoch von den nach wie vor in den US- und NATO-Netzwerken verfangenen europäischen Regierungspolitikern und Medien zum Schaden Europas, insbesondere Deutschlands, nicht wahrgenommen wurden.
Trump scheint schon länger erkannt zu haben, dass für die Pläne, die russischen Ressourcen zu vereinnahmen und China einzudämmen, eine Verständigung mit Russland einem Krieg mit Russland vorzuziehen sei. Deshalb die Verhandlungen zum Ukraine-Konflikt und die sukzessive Zurückweisung Selenskyjs, den Trumps Vorgängerregierungen gegen Russland in Stellung gebracht hatten. Offenbar beabsichtigte er, mit „Deals“ das Ergebnis zu erreichen, das seine Vorgänger mit ihrer Aggressionspolitik nicht durchsetzen konnten.
Der Iran-Krieg
Trumps wohl größter Fehler war der Eintritt der USA, zusammen mit Israel, in den Krieg gegen den Iran. Seither sind seine Äußerungen noch wirrer geworden als zuvor, und er laviert zwischen verstärkt aggressivem Vorpreschen und verhaltenem Einlenken. Prahlerisch erklärte er, „Tod, Feuer und Zorn“ werde über den Iran kommen, der nie wieder eine Nation sein würde, „wir brechen ihre Knochen.”[9] Und entlarvend: „Um ehrlich zu sein, am liebsten würde ich mir das Öl im Iran nehmen“.[10]
Direkter, und mit einem extrem heuchlerischen Fanatismus, agiert sein Kriegsminister Pete Hegseth, der einen „amerikanischen Kreuzzug“ gegen den Iran führt. In einem Interview mit CBS News sagte er am 8. März 2026, die US-Truppen würden von der „höheren Macht“ unterstützt. Die Truppen „brauchen in diesen Momenten eine Verbindung zu ihrem allmächtigen Gott“. Auf einer Pressekonferenz im Pentagon zitierte Hegseth aus Psalm 144: „Gesegnet sei der Herr, mein Fels, der meine Hände für den Krieg und meine Finger für den Kampf trainiert.“[11] Der Extremismus der US-Politik und das daraus entstehende weltweite Chaos nehmen verheerende Ausmaße an.
Offensichtlich teilt Trump die Ansichten seines Kriegsministers, vielleicht ist er auch inzwischen auf dem Weg in eine Altersdemenz. In seiner Rede an die Nation vom 1. April 2026 drohte er dem Iran: „Wir werden sie in die Steinzeit zurückversetzen, wo sie hingehören.“[12] Darauf antwortete der Kommandeur der Luft- und Raumfahrtstreitkräfte der iranischen Revolutionsgarden, Madschid Mussawi, am 2. April 2026 im sozialen Netzwerk X stolz und selbstbewusst: „Gerade ihr treibt eure Soldaten ins Grab, nicht Iran, den ihr ins Steinzeitalter zurückwerfen wollt. Eure Hollywood-Illusionen haben euer Denken so sehr verzerrt, dass ihr mit eurer unbedeutenden 250-jährigen Geschichte einer Zivilisation droht, die mehr als sechstausend Jahre alt ist.“[13]
Am 4. April kündigte Trump an, über die Iraner werde „die Hölle hereinbrechen“, wenn sie nicht einem Abkommen zustimmten oder die Straße von Hormus öffneten.[14] Aber Verhandlungen lehnte Teheran zunächst ab, stattdessen folgten Drohnenangriffe auf Israel, mehrere Golfstaaten und auf US-Stützpunkte in der Golf-Region. Es wird immer offensichtlicher, dass Trump die Widerstandskraft des Iran unterschätzt hat,[15] dass er aber auch versucht, aus der für ihn unhaltbaren Situation ohne Gesichtsverlust herauszukommen – höchst fraglich, ob ihm das gelingen wird. Es sieht eher danach aus, dass er angeschlagen ist und sich von seinem Iran-Fehlschlag nicht mehr erholen wird.
Ausblick
Donald Trump hat alle Verbündeten verprellt und einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Und er hat die Gegner der USA in ihrer Abwehrbereitschaft bestärkt. Der Iran hat mit seinen Angriffen auf US-Stützpunkte eine neue strategische Lage geschaffen: Wer die USA in ihren illegalen Feldzügen unterstützt, indem er ihre Militärbasen toleriert, muss mit Konsequenzen rechnen.
Die Folge wird sein, dass sich noch mehr Staaten als bisher von den USA mit ihrer egozentrischen völkerrechtswidrigen Politik abwenden werden. Die Raketen Chinas sind jetzt auf die US-Basen im Pazifik gerichtet, die von Russland auf die Militärbasen in Europa, insbesondere in Deutschland. Damit hat Trump das Gegenteil dessen bewirkt, was er ursprünglich angestrebt hat – von einem friedlichen Miteinander der Völker der Welt kann keine Rede mehr sein.
Es stellt sich immer deutlicher heraus: Was sich zurzeit abspielt, ist traurig, beschämend, entsetzlich. Aber es ist weder Zufall noch Schicksal. Bei den derzeitigen ausufernden globalen Konflikten, hinter denen die westlichen Kapital- und Wirtschaftseliten stehen, handelt es sich um eine grundlegende Auseinandersetzung zwischen dem Kollektiven Westen und dem Globalen Süden einschließlich Russlands, Der Ausweg wäre BRICS, und es ist zu hoffen, dass die führenden Politiker Europas endlich begreifen, dass eine Abkehr von der zerstörerischen Politik der USA und der NATO alternativlos ist.
Titelbild: carlos110/shutterstock.com
Der Schriftsteller und Publizist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Er ist Autor zahlreicher Bücher, u.a. „Der neue West-Ost-Konflikt“, „Deutschland – verraten und verkauft“, „Ausnahmezustand“ und „Niemand soll hungern, ohne zu frieren“.
[«1] Zit. wie Welt Netzreporter, 20.1.2017, youtube.com/watch?v=GMfGfhUNyLw (3.4.2026)
[«2] Stern, Pressestimmen zu Trump: Die hässliche Grimasse der Demokratie, 21.1.2017, stern.de/politik/ausland/pressestimmen-zu-trump—-bitter–angeberisch-und-banal–7292694.html
[«3] ARD-Tagesschau, „Rebellion in Pink“, 22.2.2017, tagesschau.de/ausland/anti-trump-proteste-107.html
[«4] Dazu Wolfgang Bittner, „Die Eroberung Europas durch die USA – Eine Strategie der Destabilisierung, Eskalation und Militarisierung“, erweiterte Neuausgabe, Westend 2017, S. 222 ff.
[«5] Zit. wie de.wikipedia.org/wiki/Pete_Hegseth, Fn. 63 (2.4.2026)
[«6] Vgl. tagesschau.de/ausland/europa/groenland-daenemark-unabhaengigkeit-usa-trump-100.html. Inzwischen soll der US-Finanzinvestor BlackRock die Kontrolle über die Häfen an beiden Enden des Panamakanals übernommen haben.
[«7] Dazu welthungerhilfe.de/aktuelles/gastbeitrag/2019/hintergrundanalyse-jemen-konflikt
[«8] Dazu Wolfgang Bittner, „Geopolitik im Überblick. Deutschland-USA-EU-Russland“, Hintergrund Verlag, Berlin 2025, S. 139 f.
[«9] youtube.com/watch?v=jqZoSqnm5Uo (2.4.2026)
[«10] Zit. wie handelsblatt.com/politik/international/fuenfte-kriegswoche-trump-prueft-us-bodenoffensive-und-griff-nach-irans-oel/100212934.html
[«11] Zit. wie edition.cnn.com/2026/03/13/politics/hegseth-iran-israel-war-american-crusade-analysis
[«12] Zit. wie tagesschau.de/ausland/amerika/trump-rede-nation-102.html
[«13] Zit. wie freeassange.tech/der-nahe-osten/269469-liveticker-us-israel-krieg-gegen/, 17:53
[«14] Vgl. zdfheute.de/politik/ausland/trump-usa-iran-krieg-drohung-ultimatum-strasse-von-hormus-100.html
[«15] Dazu Peter Hänseler, forumgeopolitica.com/de/artikel/ein-lgenbaron-verkehrt-die-welt-und-verliert
Der US-israelische Angriffskrieg gegen den Iran unterstreicht einmal mehr das Ende des Völkerrechts und somit die Barbarisierung der Politik und des Krieges selbst. Von Alexander Neu.
Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.
Bereits in der römischen Antike setzte man sich mit dem Rechtsverhältnis im Krieg auseinander. So konstatierte Cicero: „Inter arma silent leges“, was so viel heißen soll wie: „Unter Waffen schweigen die Gesetze“.
Der Krieg wurde mithin als rechtsfreier Zustand begriffen – alles war erlaubt: Auch das Töten von Zivilisten, das Vergewaltigen, Verschleppen, Brandschatzen, die Zerstörung der Infrastruktur etc.
Dass die Gesetze im Krieg schweigen, und zwar nicht nur mit Blick auf das Gewaltverbot, sondern auch hinsichtlich jener Rechtsnormen, die festhalten, was im Krieg nicht erlaubt ist, können wir derzeit täglich auch durch das dröhnende Schweigen in Politik und Mainstreammedien angesichts der US-israelischen Angriffe auf die Infrastruktur und die Tötung von Zivilisten (gern als „Kollateralschäden“ bezeichnet) zur Kenntnis nehmen.
That´s something different
Jüngst erklärten zwei „eifrige Schreiberlinge“ (Zvi Smith und Michael R. Gordon) im Wall Street Journal:
„Laut Militärexperten können Energieinfrastrukturen unter bestimmten Umständen rechtmäßig angegriffen werden“.
Auf X postete Gordon, einer der Autoren, diese Einschätzung, um sie in der Welt noch weiter zu verbreiten. Woraufhin in der Kommentarleiste einer seiner Follower eine sehr kluge rhetorische Frage formulierte, um die Doppelstandards zu erfragen:
„Kann in unseren Ländern auch die Energieinfrastruktur rechtmäßig angegriffen werden? Oder handelt es sich dabei nur um bequeme Feinde, für die wir das Gesetz rechtmäßig außer Kraft setzen können?“
Und damit die Russen, nachdem sie Gordons Beitrag in seinem intellektuellen Tiefgang verstanden haben, nicht auf die geniale Idee kommen, ihre Angriffe auf die zivile (Energie-)Infrastruktur der Ukraine auch noch rechtfertigen zu können, hat der überaus smarte Mr. Gordon gleich nachgelegt:
„Ziel der russischen Infrastrukturangriffe in der Ukraine ist es, der Zivilbevölkerung Schaden und Leid zu zufügen, nicht sie zu mindern. Das ist ein entscheidender Unterschied. (…)“
Also, ich fasse zusammen: Russlands Angriffe auf die zivile Infrastruktur schadeten der Zivilbevölkerung. Das ist wohl richtig, denn genau das ist das eigentliche Ziel rechtswidriger Angriffe auf die zivile Infrastruktur – die Moral der Bevölkerung zu brechen.
Die USA wiederum, so der Umkehrschluss von Gordons Aussage: Die USA, bombardieren nur, um das Leid und den Schaden der Zivilbevölkerung zu mindern, „das ist ein entscheidender Unterschied“.
„Ja, nee, is’ klar!“, so kommentierte der Kabarettist Atze Schröder in seinen Sendungen gern und treffend abstruse oder hirnrissige Aussagen seines Gegenübers. Und ob die Opfer US-amerikanischer Bomben Gordons Lovebombs-Ausführung, dass das alles zu ihrem Besten sei, so unterschreiben würden, ist doch eher zu bezweifeln.
Entweder glaubt der Autor selbst an diesen Unfug, was sein intellektuelles Unvermögen hervorheben würde. Oder aber er glaubt, dass seine Leser kognitiv unterbelichtet sind. Viel mehr Optionen gibt es nicht. Die Kommentare auf seinen Tweet lassen eher weniger auf die vermeintliche Dummheit der Leser schließen.
Wer solche „Experten“ zu Wort kommen lässt, darf sich nicht wundern, wenn der Rest der Welt sich angesichts solch demonstrativ-dämlich formulierter Doppelstandards von uns abwendet. Zur Problematik der Doppelstandards: Analyse: Wenn das Völkerrecht zur Waffe wird
Ius ad bellum (Recht zum Krieg), Gewaltverbot und Ius in bello (Recht im Krieg)
Das Jahrhunderte währende ius ad bellum, das Recht zum Krieg, wurde normativ mit der UN-Charta (Art. 2) – abgesehen der zwei Ausnahmen (Art. 43 Entscheidung des UN-Sicherheitsrates und Art. 51 Selbstverteidigungsrecht der UN-Charta) – strikt verboten. Diese Weiterentwicklung des Völkerrechts war der konkrete Ausdruck aus den Lehren zweier verheerender Weltkriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Hinzu kam das Recht im Kriege (ius in bello), welches im Wesentlichen kodifiziert und vereinbart wurde im „Haager Recht“ – landläufig bekannt als „Haager Landkriegsordnung“ – von 1907. Ziel war es, unnötiges Leid im Krieg einzudämmen. Dies hört sich sarkastisch an, war und ist indessen eine Errungenschaft, um die dem Krieg inhärente grenzenlose Brutalität wenigstens etwas einzuhegen.
Umfassende humanitäre Aspekte und Regeln im Krieg wurden jedoch erst durch die Genfer Konventionen von 1949 und die späteren Zusatzprotokolle 1978 beschlossen, sodass das Gesamtpaket zwar als humanitäres Recht gilt. Jedoch werden nur die Genfer Konventionen und ihre Zusatzprotokolle als humanitäres Völkerrecht im engeren Sinne bezeichnet.
Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Widerspruch, warum es kodifizierte Rechtsnormen für den Krieg, d.h. für die Kriegsführung selbst gibt, aber zugleich der Krieg an sich verboten ist. Unter rein rechtlichem Gesichtspunkt mag der Widerspruch deutlich sein. Weitet man jedoch den Blick über den rechtlichen Horizont hinaus auf die reale Welt, die reale Politik, so wird deutlich, dass das Gewaltverbot bislang Angriffskriege nicht verhindert hat – siehe als jüngstes Beispiel den Angriff auf den Iran. Aufgrund dessen ist das ius in bello (Recht im Krieg, also humanitäres Völkerrecht), welches unter anderem Grenzen der operativen Kriegsführung festlegt, mehr als sinnvoll. Kurzum: Wenn das Verbot des Krieges nicht durchsetzbar ist, dann sollen wenigstens die grausamsten Kriegsfolgen eingehegt werden. Aber auch genau dieses Recht, das humanitäre Völkerrecht, wird sukzessive entsorgt.
NATO-Krieg gegen Jugoslawien
Denkt man 27 Jahre zurück, der rechtswidrige Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien begann am 24. März 1999, so bleiben zwei Begriffe im historischen Gedächtnis: „humanitäre Intervention“ und „Kollateralschäden“.
In diesem Beitrag soll jedoch nicht die modernisierte Legitimationsfigur zum vermeintlich „gerechten Krieg“, die „humanitäre Intervention“, thematisiert werden, sondern ausschließlich die Gewaltanwendung gegen Zivilisten und gegen die zivile Infrastruktur.
Der damalige berühmt-berüchtigte NATO-Pressesprecher J. Shea sprach bei der 78-tägigen Bombardierung der Bundesrepublik Jugoslawien bei zivilen Opfern und zerstörter Infrastruktur von „Kollateralschäden“, mithin „Nebenschäden“. Diese waren gravierend, und das kam nicht von ungefähr. Vieles spricht dafür, dass die NATO die Infrastruktur des Landes gezielt zerstörte und sie dabei auch fahrlässig zivile Opfer in Kauf nahm. „Wir werden Jugoslawien in die Steinzeit bomben“, so Shea auf seinen täglichen Pressebriefings. Damit wurde wissentlich und willentlich das humanitäre Völkerrecht gebrochen, um das Ziel des Krieges zu erreichen. Unter den zivilen Objekten waren Krankenhäuser, Energieinfrastruktur, Kirchen, Schulen, Denkmäler, Fabriken, Brücken – also auch zivile Objekte, deren militärische Nutzung gar nicht oder nicht überwiegend gegeben war, sodass sie ein legitimes Ziel militärischer Angriffe hätten darstellen können. Es ging darum, Serbien in die Knie („in die Steinzeit bomben“) zu zwingen, und dazu waren nahezu alle Mittel recht.
Russlands Angriffe auf die Energieinfrastruktur
Der rechtswidrige russische Angriffskrieg gegen die Ukraine spielt sich zwar hauptsächlich im Grabenkrieg ab, aber auch Russland ist seit Mitte 2023 verstärkt dazu übergegangen, die Energieinfrastruktur der Ukraine durch Luftangriffe zu zerstören. Obendrein kommen, ob „Kollateralschäden“ oder gezielt, auch Zivilisten ums Leben, werden Wohnhäuser und weitere zivile Infrastruktur zerstört. Die Ukraine schlägt mit Kampfdrohen auf russische zivile Infrastruktur sowie militärische Objekte zurück und hat dabei für Moskau schmerzhafte Erfolge zu verbuchen. Es scheint so, dass beide Seiten die Frage des Schutzstatus ziviler Infrastruktur nicht einmal mehr aufwerfen – das Ignorieren des humanitären Völkerrechts gehört offensichtlich auf beiden Seiten zur Normalität der Kriegsführung.
US-Israelischer Angriffskrieg auf die zivile Infrastruktur des Iran
US-Präsident Trump kündigte jüngst an, vorerst keine Atomkraftwerke und weitere Energieinfrastruktur des Iran anzugreifen, wie der Deutschlandfunk (DLF) zu berichten weiß. Was das Mainstreammedium DLF wie auch andere Massenmedien tunlichst vermeiden zu thematisieren, ist:
Die Angriffe auf die zivile Infrastruktur sowie auf Zivilisten stellen unzweifelhaft einen eklatanten Bruch des humanitären Völkerrechts dar. Und Angriffe auf Atomkraftwerke sind ohnehin ein absolutes Tabu. Das gilt im Übrigen auch für Israel und die USA.
Handelt es sich um journalistische Fahrlässigkeit, Ignoranz oder Vorsatz? Denn auch bei der Bombardierung Jugoslawiens spielte die rechtliche Einordnung des NATO-Krieges im Hinblick auf die Zerstörung ziviler Infrastruktur keine – der rechtlichen Qualität angemessene – Rolle in der Berichterstattung; ganz so, als gäbe es das humanitäre Völkerrecht nicht.
Die rechtswidrige Zerstörung ukrainischer Infrastruktur durch russische Angriffe und die rechtswidrige Zerstörung der Infrastruktur der Golfstaaten durch iranische Angriffe werden zwar regelmäßig von unseren Mainstreammedien thematisiert – entweder als Hinweise oder als Kritik an der russischen respektive iranischen Kriegsführung. Jedoch zumeist ohne Bezugnahme auf die Rechtswidrigkeit derartiger Angriffe, sondern eher als politische Empörung. Und rechtswidrige Angriffe Israels und der USA auf die zivile Infrastruktur des Iran werden kaum thematisiert, obschon der Schaden an der zivilen Infrastruktur des Iran um ein Vielfaches umfangreicher sein dürfte als der in Israel und in den Golfstaaten zusammen. Bereits ein oberflächlicher Blick auf die massenmedialen Beiträge reicht, um das Ungleichgewicht zu erkennen.
Sowohl das auffällige Ausblenden der rechtlichen Komponente als auch die ungleiche Verteilung der Nennung von zerstörter ziviler Infrastruktur und getöteten Zivilisten könnte nahelegen, dass das Problem nicht in einer fachlichen Inkompetenz der Journalisten, sondern wohl eher an einer ideologisierten massenmedialen Berichterstattung liegt.
Humanitäres Völkerrecht – gleichermaßen verbindlich
Die Genfer Konventionen und ihre Zusatzprotokolle stellen umfangreiche Bestimmungen zur Einhegung des Leids sowie zu den Rechten und Pflichten von Kombattanten und Zivilsten sowie der kriegführenden Staaten dar. Die Rechte und Verpflichtungen der Konfliktparteien sind gleichermaßen verbindlich – ungeachtet, wer Aggressor- und wer Opferstaat ist und ungeachtet der Motivation zum Kriege. Dieser Ansatz soll sicherstellen, dass keine Hintertürchen für das Unterlaufen von Pflichten und Rechten, wie beispielsweise unangemessene Gewaltanwendung, dergestalt genutzt werden können, als dass beide Konfliktparteien jeweils für sich beanspruchen, Opferstaat zu sein oder ein „ehrwürdiges Motiv“ ausgeben und daraus das Recht ableiten, besonders grausame „Verteidigungsmaßnahmen“ zu ergreifen.
Auch akzeptieren die Genfer Konventionen und ihre Zusatzprotokolle keine weiteren Interpretationen, wie das Nichtvorliegen einer Kriegserklärung oder das Bestreiten eines Kriegszustandes (NATO 1999 „Air Campaign“ und Russland 2022 bis heute „Sonderoperation“), um die Rechte und Pflichten des humanitären Völkerrechts auszuhebeln. Als allgemeingültige Definition im humanitären Völkerrecht findet daher die Formulierung „Bewaffneter Internationaler Konflikt“ Anwendung, anstelle des interpretationsoffenen Begriffs „Krieg“.
Grundlegende Regelungen zum Zwecke der Einhegung unnötigen Leidens
Teil III Methoden und Mittel der Kriegführung Kombattanten- und Kriegsgefangenenstatus
Abschnitt I Methoden und Mittel der Kriegführung
Art. 35
Grundregeln
- In einem bewaffneten Konflikt haben die am Konflikt beteiligten Parteien kein unbeschränktes Recht in der Wahl der Methoden und Mittel der Kriegführung.
- Es ist verboten, Waffen, Geschosse und Material sowie Methoden der Kriegführung zu verwenden, die geeignet sind, überflüssige Verletzungen oder unnötige Leiden zu verursachen.
- Es ist verboten, Methoden oder Mittel der Kriegführung zu verwenden, die dazu bestimmt sind oder von denen erwartet werden kann, dass sie ausgedehnte, lang anhaltende und schwere Schäden der natürlichen Umwelt verursachen.
Mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur wird der Bevölkerung, insbesondere in kalten Jahreszeiten, ein „unnötiges Leiden“ zugefügt. Dies wird nochmals verstärkt, wenn Ölraffinerien oder Chemiewerke zerstört und auf diese Weise die Luft und der Boden dauerhaft belastet werden, was sich auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. In allen drei Kriegen – NATO-Angriff auf Jugoslawien, russischer Angriff auf Ukraine (beide Seiten greifen entsprechende Objekte an) und US-israelischer Angriff auf den Iran (auch hier greifen beide Seiten entsprechende Objekte an) – wird genau gegen diese Grundregeln eklatant verstoßen.
Teil IV
Zivilbevölkerung
Abschnitt I
Allgemeiner Schutz vor den Auswirkungen von Feindseligkeiten
Kapitel I Grundregel und Anwendungsbereich
Art. 48 GrundregelUm Schonung und Schutz der Zivilbevölkerung und ziviler Objekte zu gewährleisten, unterscheiden die am Konflikt beteiligten Parteien jederzeit zwischen der Zivilbevölkerung und Kombattanten sowie zwischen zivilen Objekten und militärischen Zielen; sie dürfen daher ihre Kriegshandlungen nur gegen militärische Ziele richten.
Dass in allen drei genannten Kriegen die Zivilbevölkerungen mindestens als „Kollateralschäden“ in Kauf genommen wurden und werden, ist ganz offensichtlich. Nicht minder offensichtlich ist, dass die zivile Infrastruktur in allen drei Fällen sehr häufig keine „bedauerlichen Kollateralschäden“, sondern intendierte Angriffsziele gewesen waren bzw. sind, um die Moral der Bevölkerung zu brechen und auf diese Weise möglichst den Unmut gegen ihre Regierung zu fördern.
Kapitel II
Zivilpersonen und ZivilbevölkerungArt. 51 Schutz der Zivilbevölkerung
4. Unterschiedslose Angriffe sind verboten. Unterschiedslose Angriffe sind
a) Angriffe, die nicht gegen ein bestimmtes militärisches Ziel gerichtet werden,
b) Angriffe, bei denen Kampfmethoden oder -mittel angewendet werden, die nicht gegen ein bestimmtes militärisches Ziel gerichtet werden können, oder
c) Angriffe, bei denen Kampfmethoden oder -mittel angewendet werden, deren Wirkungen nicht entsprechend den Vorschriften dieses Protokolls begrenzt werden können und die daher in jedem dieser Fälle militärische Ziele und Zivilpersonen oder zivile Objekte unterschiedslos treffen können.5. Unter anderem sind folgende Angriffsarten als unterschiedslos anzusehen:
a) ein Angriff durch Bombardierung – gleichviel mit welchen Methoden oder Mitteln –, bei dem mehrere deutlich voneinander getrennte militärische Einzelziele in einer Stadt, einem Dorf oder einem sonstigen Gebiet, in dem Zivilpersonen oder zivile Objekte ähnlich stark konzentriert sind, wie ein einziges militärisches Ziel behandelt werden, und
b) ein Angriff, bei dem damit zu rechnen ist, dass er auch Verluste an Menschenleben unter der Zivilbevölkerung, die Verwundung von Zivilpersonen, die Beschädigung ziviler Objekte oder mehrere derartige Folgen zusammen verursacht, die in keinem Verhältnis zum erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil stehen.
Die Formulierung unter 5.b) schafft allerdings einen Interpretationsspielraum, der auch von allen Konfliktparteien gerne genutzt wird: Denn die Frage der Verhältnismäßigkeit ist eben eine zutiefst subjektive Frage. So wurde beispielsweise die Bombardierung des Fernsehsenders in Belgrad seitens der NATO damit begründet, dieser ermögliche die Verbreitung serbischer Propaganda und sei sodann kriegsrelevant, mithin ein legitimes militärisches Ziel für die NATO. Neben der Zerstörung des Medienhauses wurde eine Vielzahl an zivilen Mitarbeitern getötet. Die getöteten Zivilisten waren sodann „Kollateralschäden“.
Zivile Objekte
Art. 52
Allgemeiner Schutz ziviler Objekte1. zivile Objekte dürfen weder angegriffen noch zum Gegenstand von Repressalien gemacht werden. Zivile Objekte sind alle Objekte, die nicht militärische Ziele im Sinne des Absatzes 2 sind.
2. Angriffe sind streng auf militärische Ziele zu beschränken. Soweit es sich um Objekte handelt, gelten als militärische Ziele nur solche Objekte, die auf Grund ihrer Beschaffenheit, ihres Standorts, ihrer Zweckbestimmung oder ihrer Verwendung wirksam zu militärischen Handlungen beitragen und deren gänzliche oder teilweise Zerstörung, deren Inbesitznahme oder Neutralisierung unter den in dem betreffenden Zeitpunkt gegebenen Umständen einen eindeutigen militärischen Vorteil darstellt.
3. Im Zweifelsfall wird vermutet, dass ein in der Regel für zivile Zwecke bestimmtes Objekt, wie beispielsweise eine Kultstätte, ein Haus, eine sonstige Wohnstätte oder eine Schule, nicht dazu verwendet wird, wirksam zu militärischen Handlungen beizutragen.Art. 53
Schutz von Kulturgut und Kultstätten
Unbeschadet der Bestimmungen des Haager Abkommens vom 14. Mai 1954 für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten und anderer einschlägiger internationaler Übereinkünfte ist es verboten,
- feindselige Handlungen gegen geschichtliche Denkmäler, Kunstwerke oder Kultstätten zu begehen, die zum kulturellen oder geistigen Erbe der Völker gehören,
- solche Objekte zur Unterstützung des militärischen Einsatzes zu verwenden oder
- solche Objekte zum Gegenstand von Repressalien zu machen.
Dass die Artikel 52 und 53 in der modernen Kriegsführung tatsächlich in allen drei genannten Kriegen nicht nur keine Beachtung finden, sondern bewusst und gewollt und somit vorsätzlich gebrochen werden, ist mehr als offensichtlich.
Denn in den genannten Artikeln, wie im Übrigen im gesamten humanitären Völkerrecht und in der UN-Charta, steht nicht geschrieben, diese oder jene Artikel gelten für Staat A oder Staat B nicht oder nur eingeschränkt (also Zwei-Klassen-Völkerrecht im Sinne der zweifelhaften „regelbasierten Ordnung“), so wie es derzeitige Äußerungen aus Politik und Medien uns nahelegen möchten.
Der Iran ist eine Theokratie mit repressiven Machtstrukturen und einem uns fremden und zweifelhaften Legitimationsverständnis. Das bedeutet jedoch keine Konditionierung völkerrechtlicher Rechte und Pflichten des Iran – und schon gar nicht durch Drittstaaten, die diese Konditionierung unilateral aussprechen.
Fazit
Der Rechtsnihilismus hinsichtlich des Internationalen Rechts ist so weit vorangeschritten, dass nicht nur das Gewaltverbot faktisch nicht mehr existiert, wir es also mit einem zunehmenden anarchischen Weltzustand, einer Rückkehr zum Naturzustand im Sinne des Rechts des Stärkeren zu tun haben; sondern auch, dass alle Hemmschwellen zur Einhegung exzessiver Gewaltanwendung erodieren und einer Barbarisierung des Krieges Tür und Tor offenstehen. Wenn unsere Mainstreammedien und unsere politische Klasse diese Entwicklungen nicht kritisch hinterfragen, sondern ideologisch motiviert sogar unterstützen, dann beteiligen sie sich an der Zerschlagung grundlegender humanitärer Errungenschaften. Ob ihnen ihre gesinnungsethisch basierte Verantwortungslosigkeit überhaupt bewusst ist?
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Ohne verlässliche Absprachen der Supermächte wird die Welt im Atomzeitalter nicht überleben. Von Oskar Lafontaine.
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Nachdem die von der CIA, dem Mossad und dem britischen MI6 unterstützten Proteste gegen das Mullah-Regime im Iran niedergeschlagen worden waren und der geplante Regimewechsel misslungen war, haben Donald Trump und Benjamin Netanjahu innerhalb weniger Monate den Iran zum zweiten Mal angegriffen, während sie gleichzeitig mit ihm verhandelten und Friedensbereitschaft vortäuschten.
Dass Trump ein notorischer Lügner ist, sagen nicht nur seine Gegner in den USA. Und Netanjahu steht ihm dabei in nichts nach. Seit drei Jahrzehnten behauptet er, der Iran stehe kurz davor, eine Atombombe zu bauen. Mit dieser Lüge wollte er die USA dazu bringen, das Land anzugreifen. Dass ihm das ausgerechnet bei Donald Trump gelang, der seine Wahl auch mit dem Versprechen gewonnen hat, die US-Kriege in aller Welt zu beenden, zeigt, wie groß der Einfluss der Israel-Lobby mittlerweile in den Vereinigten Staaten ist.
Die US-Geheimdienste stellten in den zurückliegenden Jahren immer wieder klar, dass der Iran noch nicht in der Lage sei, Atombomben zu bauen. Auch der Behauptung Trumps, der Iran verfüge bald über Interkontinentalraketen, die die USA bedrohen könnten, widersprachen die US-Dienste.
Merz schießt den Vogel ab
Nun könnte man einwenden, auch andere US-Präsidenten hätten mit Lügen Kriege begonnen, man denke nur an den Vietnamkrieg oder an den Irakkrieg. Aber es ist schon ein außergewöhnliches Betrugsmanöver, zwei Mal mit einem Land am Verhandlungstisch zu sitzen und während der Verhandlungen dieses Land zu überfallen. Ohne Vertrauen gibt es auch im Nahen Osten keinen Frieden. Aber wer kann Benjamin Netanjahu oder Donald Trump noch vertrauen? Spätestens seit dem Sechstagekrieg 1967 geht die Welt davon aus, dass Israel Atomwaffen hat, die heute von landgestützten Raketen, Kampfflugzeugen oder U-Booten eingesetzt werden können. Immer wieder wurde daher seit 1974 vom Iran und den arabischen Staaten eine atomwaffenfreie Zone für den Nahen Osten vorgeschlagen. Bei der letzten Abstimmung über einen solchen Antrag in New York im vergangenen Jahr stimmten 173 Länder mit Ja, drei mit Nein, drei enthielten sich, und 14 Länder nahmen an der Abstimmung nicht teil. Aber solange die USA und Israel nicht mitmachen, bleiben solche Abstimmungen folgenlos.
Auf die Idee, dass Europa bei diesem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg eine vermittelnde Rolle übernehmen könnte, kommt niemand mehr. Vielmehr erweisen sich die selbsternannten Sprecher Europas, Emmanuel Macron, Friedrich Merz und Keir Starmer, als unterwürfige Vasallen und Feiglinge. Während Spanien und Norwegen den Angriff auf den Iran verurteilten, forderten sie: „Der Iran muss seine willkürlichen Militärschläge unterlassen“, und riefen zur „Rückkehr an den Verhandlungstisch“ auf. Bedauerlicherweise haben sie Täter und Opfer verwechselt und vergessen, dass die Iraner am Verhandlungstisch saßen und der Außenminister des Oman einen Durchbruch bei den Verhandlungen meldete, als Trump und Netanjahu das Land überfielen.
Den Vogel schoss wieder Bundeskanzler Merz ab: „Völkerrechtliche Einordnungen werden dabei relativ wenig bewirken“, sagte er, als er gefragt wurde, wie er diesen Krieg beurteile. Anschließend blamierte er sich in Washington. In einer Pressekonferenz mit Donald Trump unterstützte er den Völkerrechtsbruch des US-Präsidenten und nickte beifällig, als dieser sagte, Spanien sei schrecklich, und mit Handelssanktionen drohte, weil Premierminister Pedro Sánchez den völkerrechtswidrigen Krieg verurteilte und den USA verbot, spanische Flugplätze für diesen Krieg zu benutzen. So macht sich der deutsche Bundeskanzler in Europa keine Freunde. Wahrscheinlich hat er immer noch nicht bemerkt, welche Reaktionen seine vollmundige Ankündigung, Deutschland wolle die stärkste konventionelle Armee Europas aufbauen, vor allem in Paris und Warschau auslöste.
Die Verstimmung in Paris war mit Händen zu greifen, und hinter vorgehaltener Hand äußern französische Politiker deutlich Kritik. Der Intellektuelle Emmanuel Todd kommentierte: „Die Aufrüstung und Militarisierung Deutschlands in einem von ihm beherrschten Europa ist für Russland eine Bedrohung.“ Polens Präsident Karol Nawrocki sagte: „Die Sicherheit Polens darf nicht von fremden Entscheidungen abhängen“, und wollte einen 44-Milliarden-Kredit der EU zur Beschaffung von Rüstungsgütern nicht annehmen. PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski verstieg sich zu der Aussage: „Man schlägt uns ein Polen unter deutschem Stiefel vor, und diesen deutschen Stiefel lehnen wir ab.“
China überholt die USA
Das eigentliche Problem seiner Vasallentreue zu den USA hat Merz immer noch nicht begriffen. Daher ist er völlig ungeeignet, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zu sein. Die Lehre des Irankrieges ist, dass ein von den USA angegriffenes Land alle Militärstützpunkte attackiert, von denen aus das US-Militär operiert. Hätte der Iran weitreichende Raketen, dann hätte er längst versucht, nicht nur die US-Flugplätze am Persischen Golf, sondern auch den Flughafen Ramstein zu zerstören, weil dieser das Drehkreuz aller US-Militäroperationen in Asien und Afrika ist.
Und nur weil Merz seine Ankündigung, mit Taurus-Marschflugkörpern Russland anzugreifen, noch nicht umsetzen konnte, sind wir bisher von russischen Raketen verschont geblieben. Und vergessen wir nicht, schon die Mitteilung der New York Times, dass das US-Militär von Wiesbaden aus Angriffe der ukrainischen Armee auf russisches Territorium steuert, hätte für Moskau ein Anlass sein können, diese US-Zentrale auf deutschem Boden anzugreifen.
Ob es uns passt oder nicht, die Zeit der „einzigen Weltmacht“ (Zbigniew Brzezinski) ist vorbei. Russland ist auf die Weltbühne zurückgekehrt, und die aufsteigende Macht des 21. Jahrhunderts, China, ist dabei, die USA technisch und wirtschaftlich zu überholen. So, wie es aussieht, hat sich Trump verkalkuliert, als er Netanjahus Drängen nachgab und mit ihm den Iran überfiel.
Russland und China greifen nicht direkt ein, aber sie unterstützen Teheran. Sie warten ab, wie sich die Dinge entwickeln. Um die auch in den USA steigenden Energiepreise in den Griff zu bekommen, hat Trump kürzlich mit Wladimir Putin telefoniert und in geringem Umfang Sanktionen auf russische Energielieferungen aufgehoben. Gleichzeitig rief der US-Präsident andere Länder, darunter China, auf, mit ihm die Straße von Hormus zu sichern. Als die gewünschte Resonanz ausblieb, forderte er die NATO auf, diese Aufgabe zu übernehmen, und drohte, falls diese sich weigere, mit ihrer Auflösung. Aber selbst die treuesten Vasallen versagen ihm die Gefolgschaft. Er hat gelernt: Auch in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt, können Alleingänge scheitern. Bleiben die Energiepreise hoch, dann schlittert die Welt in eine Wirtschaftskrise, deren Ausmaß noch nicht abzusehen ist und die auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten nicht verschonen wird. Findet der von Netanjahu zum Krieg überredete US-Präsident einen Ausweg? Die vielbeschworene regelbasierte Weltordnung gab es in der Vergangenheit nicht, vor allem weil die USA nicht im Geringsten daran dachten, sich an diese Regeln zu halten. Gerade hat John Mearsheimer wieder darauf hingewiesen, dass 38 Millionen Menschen den US-Kriegen von 1971 bis 2021 zum Opfer gefallen sind. Man will diese Zahl nicht glauben, aber sie zeigt, welch blutige Spur die „unverzichtbare Nation“ in der Welt hinterlassen hat.
Im Atomzeitalter wird die Welt ohne Regeln, ohne verlässliche Absprachen der Supermächte nicht überleben. Das verloren gegangene Vertrauen muss wiederhergestellt werden, und während verhandelt wird, darf hinter dem Rücken des Verhandlungspartners kein Krieg begonnen werden. Disengagement, Rüstungskontrolle und Friedensdiplomatie sind besser als Kriege, die angezettelt werden, ohne zu überlegen, wie sie beendet werden können.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Weltwoche Nr. 12.26.
Titelbild: Joshua Sukoff/shuttestock.com
7.000 Jahre Zivilisation gegen 250 Jahre Empire
Von Laala Bechetoula (globalresearch)
„Der Eroberer muss nicht stärker sein als die Eroberten. Er muss nur bereitwilliger sein, zu ertragen.“ – Ibn Khaldun, Muqaddimah, 14th century
„Kein Volk wurde jemals durch einen Krieg befreit, den es nicht ertragen konnte.“ – Frantz Fanon, The Wretched of the Earth, 1961
„Alle Menschen sind Mitglieder eines Rahmens, da zunächst alle aus derselben Essenz stammen. Wenn die Zeit ein Glied mit Schmerzen heimsucht, können die anderen Gliedmaßen nicht in Ruhe bleiben. Wenn du nicht für das Elend anderer denkst, ist ein Mensch kein Name für dich.“ – Sa’adi Shirazi, Bani Adam, 13. Jahrhundert – auf einem Teppich, der vom Iran den Vereinten Nationen, New York, 2005 angeboten wurde
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Am Morgen des 28. Februar 2026 starteten die Vereinigten Staaten von Amerika und der Staat Israel eine der konzentriertesten Luftkampagnen in der Geschichte der modernen Kriegsführung. In zwölf Stunden regneten fast 900 Angriffe auf die Islamische Republik Iran – auf ihre Raketenstandorte, ihre Luftverteidigung, ihre Atomanlagen, ihre militärischen Kommandozentralen und auf das Gelände, auf dem ihr Oberster Führer Ali Khamenei zusammen mit Mitgliedern seiner Familie ermordet wurde.
Donald Trump sagte voraus, dass es in „zwei oder drei Tagen“ vorbei sein würde.
Vierundzwanzig Tage später ist die Straße von Hormus immer noch geschlossen. Öl liegt über hundert Dollar pro Barrel. Die Weltwirtschaft steht am Rande der Rezession. Die Internationale Energieagentur hat die Situation als die beiden Ölkrisen der 1970er Jahre zusammen für schlimmer erklärt. Die Islamische Republik Iran – zerschlagen, verwundet, ihre Marine dezimiert, ihre Führer ermordet, ihre Atomanlagen dreimal getroffen – regiert immer noch, kämpft immer noch und diktiert immer noch die Bedingungen jedes internationalen Gesprächs.
Am 22. März stellte Trump ein 48-stündiges Ultimatum in Großbuchstaben zu Truth Social: die Straße wieder öffnen oder sich der Auslöschung der iranischen Kraftwerke stellen. Der Iran reagierte, indem er drohte, den gesamten Persischen Golf abzubauen und jede Energieanlage in der Region anzugreifen. Zwölf Stunden vor Ablauf seiner eigenen Frist gab Trump bekannt, dass die Vereinigten Staaten und der Iran „SEHR GUTE UND PRODUKTIVE GESPRÄCHE“ geführt hätten und dass die Streiks um fünf Tage verschoben wurden.
„Es wurden keine Verhandlungen mit den USA geführt. Fake News werden verwendet, um die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und dem Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel gefangen sind. “- Mohammad Bagher Ghalibaf, Sprecher des iranischen Parlaments, 23. März 2026
„Es gibt keinen Dialog zwischen Teheran und Washington. Wir sind nicht die Partei, die diesen Krieg begonnen hat.“ – Irans Außenministerium, 23. März 2026
Das Imperium hat seine Raketen abgefeuert. Die Zivilisation hat Bestand. Und als das Imperium blinzelte, nannte die Zivilisation es als das, was es war.
Das ist die Geschichte, warum.
Um zu verstehen, warum der Iran nicht unter amerikanischem und israelischem Bombardement zusammenbrechen wird, muss man zuerst verstehen, was der Iran ist – nicht im geopolitischen Sinne, der in BIP und Raketenbeständen gemessen wird, sondern im zivilisatorischen Sinne, der seit Jahrtausenden gemessen wurde.
Das iranische Plateau ist seit rund 7.000 Jahren ununterbrochen bewohnt. Die Elamiten-Zivilisation entstand dort um 3200 v. Chr., zeitgleich mit den frühesten mesopotamischen Stadtstaaten. Im sechsten Jahrhundert v. Chr. war das Achaemenidische Perserreich unter Cyrus dem Großen das größte Reich geworden, das die Welt je gesehen hatte, und erstreckte sich vom Ägäis bis ins Indus-Tal – das das moderne Griechenland, Ägypten, die Türkei, den Irak, Afghanistan und Pakistan umfasste – nicht von Terror regiert wurde, sondern bemerkenswert für die Antike, von einer Philosophie der Toleranz und des Pluralismus ohne Parallele in der antiken Welt.
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Der Cyrus Cylinder berichtet, dass der König alle Sklaven befreite, erklärte, dass alle Menschen das Recht hätten, ihre eigene Religion zu wählen, die Rassengleichheit begründeten und es den Exilvölkern ermöglichten, in ihre Heimat zurückzukehren – einschließlich der 50.000 Juden, die in babylonischer Gefangenschaft festgehalten wurden, die er auf Kosten des persischen Staates freiließ und den Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem finanzierte. Cyrus ist die einzige nichtjüdische Figur in der hebräischen Bibel, die Mashiach genannt wird – die Gesalbte.
Dies ist die Zivilisation, die die Vereinigten Staaten von Amerika – gegründet 1776, 2.315 Jahre nachdem Cyrus seine Menschenrechtscharta herausgegeben hat – versucht, aus der Luft zu zerstören. Dies ist die Zivilisation, die der Staat Israel – gegründet 1948, als der Cyrus-Zylinder bereits 2.487 Jahre alt war – das Recht beansprucht, sich im Namen seiner eigenen Sicherheit zu bombardieren.
Eine Zivilisation mit 7.000 Jahren Erinnerung – an Invasionen überlebte, von Imperien, die absorbiert wurden, von Eroberern, die kamen und gingen, während Persien aushielt – erlebt keine 24-tägige Luftkampagne, wie eine 250-jährige Nation sie erlebt. Für den Iran ist das kein existenzieller Bruch. Es ist ein Kapitel. Ein schmerzhaftes, aber ein Kapitel. Für die Vereinigten Staaten, die in ihrer Geschichte noch nie auf ihrem eigenen Boden von einer fremden Macht bombardiert wurden, die nie ihre Hauptstadt getroffen, ihren Präsidenten getötet, ihre Städte in Trümmer gerissen wurden – diese Art von Krieg ist unvorstellbar. Für den Iran ist er im dunkelsten Sinne vertraut.
Alexander der Große verbrannte Persepolis im Jahr 330 v. Chr. Die Mongolen entließen die iranischen Städte im XIII. Jahrhundert n. Chr. mit einer vernichtenden Gründlichkeit, die schätzungsweise bis zu drei Viertel der Bevölkerung einiger Regionen getötet hat. Die Briten haben 1953 einen Putsch durchgeführt und den demokratisch gewählten Premierminister Mohammad Mosaddegh gestürzt, weil er es gewagt hatte, iranisches Öl zu verstaatlichen – ein Putsch, der von der CIA selbst ausführlich dokumentiert und 2013 von der Regierung der Vereinigten Staaten offiziell anerkannt wurde. Der Irak, bewaffnet und nachrichtendienstlich von den Vereinigten Staaten versorgt, fiel 1980 in den Iran ein und kämpfte einen achtjährigen Krieg, der schätzungsweise eine halbe Million Iraner tötete, darunter durch chemische Waffen, die mit westlicher Geheimdienstkooperation versorgt wurden.
Der Iran ist immer noch hier. Persien war immer noch hier.
Die Zivilisation, die bombardiert wird, ist die Zivilisation von Avicenna (Ibn Sina, 980-1037 n. Chr.), deren Kanon der Medizin sechs Jahrhunderte lang das primäre medizinische Lehrbuch an europäischen Universitäten war. Es ist die Zivilisation von Al-Biruni (973-1048 n. Chr.), deren Berechnung des Erdumfangs innerhalb eines Prozents war. Von Khayyam, der algebraische Lösungen für kubische Gleichungen produzierte, während Europa Bücher verbrannte. Von Hafez und Rumi, deren Poesie nach wie vor zu den meistgelesenen der Welt gehört – auf Persisch, Arabisch, Englisch, Deutsch, Hindi und Dutzenden anderer Sprachen. Rumis Masnavi wurde in mehr Sprachen übersetzt als fast jedes literarische Werk in der Geschichte außerhalb der religiösen Schrift.
Wenn die Bomben auf Teheran fallen, fallen sie auf die Stadt, die von den Erben dieser Tradition gebaut wurde. Diese Tradition stirbt nicht bei einem Luftangriff. Es wird, wenn überhaupt, von ihm gerufen.
Malek Bennabi – der algerische Philosoph, dessen Gedanken meine eigene intellektuelle Ausbildung am tiefsten geprägt hat – argumentierte in seinem Konzept der Kolonisabilitierung, dass Zivilisationen nicht allein von überlegenen Waffen erobert werden. Sie werden erobert, wenn sie den inneren Willen verlieren, sich selbst zu bleiben – wenn ihre kulturelle Produktion zusammenbricht, wenn sich ihre intellektuelle Klasse dem Selbstbild des Kolonisators hingibt. Ein solcher Zusammenbruch ist im Iran nicht sichtbar. Das Regime kann intern angefochten werden. Aber die Zivilisation, die sie regiert, ist es nicht.
Vor der Geopolitik, vor den Kosten-Austausch-Verhältnissen und der strategischen Analyse, gibt es die Menschen.
Nach Angaben der NGO Human Rights Activists News Agency (HRANA) waren bis zum 17. März 2026 – dem 17. Tag des Krieges – 3.114 Menschen im Iran durch US-israelische Luftangriffe getötet worden, darunter 1.354 Zivilisten und 1.138 Militärangehörige. UNICEF berichtete, dass bis zum 12. März allein im Iran mehr als 200 Kinder getötet wurden, wobei Hunderttausende vertrieben wurden und Millionen nicht in der Lage waren, die Schule zu besuchen. Der iranische Rothalbmond berichtete, dass über 6.668 zivile Wohneinheiten ins Visier genommen wurden. Bei einem US-Streik auf eine Mädchenschule neben einem Marinestützpunkt in Minab kamen am ersten Tag etwa 170 Menschen ums Leben.
Diese Zahlen haben Gesichter. Diese Gesichter haben Stimmen. Und diese Stimmen weigern sich, auf die Binärdatei reduziert zu werden, die ihnen die westlichen Medien aufzwingen – entweder die Bomben zu feiern oder das Regime zu verteidigen. Die Wahrheit, die sie sprechen, ist komplexer, menschlicher und verheerender als jede geopolitische Erzählung.
Eine Teheraner Journalistin in ihren späten Zwanzigern, die ein Tagebuch führte, das mit NPR unter den Bedingungen der Anonymität geteilt wurde – die Veröffentlichung ihres Namens riskiert die Verhaftung durch die IRGC – schrieb am ersten Tag des Krieges, als Khamenei getötet wurde: „Die Menschen kamen auf die Dächer und beobachteten und klatschten, als sie ein Ziel trafen, das wir kennen. Wir haben letzte Nacht viel gesungen.“ Sie war zweimal auf der IRGC-Basis verhaftet worden, die jetzt bombardiert wurde. Sie feierte den Streik.
Aber als der Krieg in die zweite Woche ging, änderte ihr Tagebuch das Register. Die Bomben waren nicht mehr selektiv. Die Toten waren nicht mehr nur die, die sie zu hassen hatte.
Ein in Teheran ansässiger Korrespondent aus Xinhua schrieb am 3. März: „Raketen fielen wie fallende Sterne und schnitten durch die Dunkelheit, bevor sie mit einer Kraft detonierten, die die Nacht zucken ließ. Die Explosionen waren so heftig, dass sie den Himmel an seinen Nähten zu spalten schienen. “ In einem Taxi danach schüttelte der Fahrer den Kopf: „Teheran war eine friedliche Stadt. Einige dachten, die Amerikaner würden Chancen bringen. Schau dir an, was sie mitgebracht haben – nichts als Bomben.“
Von der Grenze zwischen Iran und der Türkei berichtete Emily Feng von NPR über Flüchtlinge, die zu Fuß überquert wurden. Ein Iraner zeigte Journalisten Ölflecken auf seiner Jacke – Rückstände von brennenden Öltröpfchen, die auf Teherans Nachbarschaften fielen, als Israel Anfang März Treibstoffdepots traf. Sein 26-jähriger Cousin, der im Januar sein Leben riskiert hatte, um gegen die Regierung zu protestieren, gehörte zu den getöteten Zivilisten. „Als er das zu mir sagte“, berichtete Feng, „hielt er inne, als könnte er fast nicht glauben, was er laut sagte.“
„Wenn die wichtigsten Kraftwerke bombardiert werden, wird es nicht nur eine kurze Störung sein; es könnte den Fluss von Wasser zu Gas stoppen. Es wäre töricht, die Bevölkerung einfach so zu bestrafen.“ – Einwohner von Teheran, Al Jazeera, 21. März 2026
Diese Zeugnisse teilen eines: Sie verweigern die Vereinfachung. Sie enthalten gleichzeitig Widerstand gegen die Islamische Republik und Ablehnung des Bombardements. Sie sind nicht die Zeugnisse eines gebrochenen Volkes. Sie sind die Zeugnisse eines Volkes, das einen enormen Schlag absorbiert und trotzig selbst bleibt. So sehen 7.000 Jahre zivilisatorischer Erinnerung von innen aus.
Bevor am 28. Februar 2026 eine einzige Tomahawk-Rakete abgefeuert wurde, hatte der Iran bereits seit fast einem halben Jahrhundert gegen die Vereinigten Staaten gekämpft – nicht mit Drohnen und Raketen, sondern mit seiner schieren Fähigkeit zu überleben.
Die ersten amerikanischen Sanktionen wurden im November 1979 verhängt. Die Executive Order 12170, die von Präsident Carter unterzeichnet wurde, fror etwa $ 8,1 Milliarden an iranischen Vermögenswerten ein, die im Ausland gehalten wurden. Das war vor 46 Jahren. Durch acht aufeinanderfolgende amerikanische Regierungen – durch republikanische und demokratische Präsidentschaften gleichermaßen, durch Zeiten der iranischen nuklearen Einhaltung und Nichteinhaltung – hat das Sanktionsregime nie grundlegend aufgehoben. Es hat sich nur erweitert.
1979 – Erste Sanktionen. $8,1 Milliarden an Vermögenswerten eingefroren. Handelsembargo.
1987: Reagan verbietet alle iranischen Waren und Dienstleistungen vom US-Markt.
1995: Clinton verbietet jeglichen Handel mit und Investitionen in die USA im Iran.
1996 — Der Kongress bestraft ausländische Unternehmen, die mehr als $ 20 Mio./Jahr in iranische Energie investieren.
2006–2010 – Vier Runden von Sanktionen des UN-Sicherheitsrats gegen das iranische Atomprogramm.
2012 — EU verbietet iranische Ölexporte. SWIFT trennt alle iranischen Banken. Der Rial verliert 80% seines Wertes in Monaten.
2018 – Trump zieht sich aus dem JCPOA zurück – was der Iran befolgt hatte, wie die IAEO zertifizierte. Standard Chartered bestraft $ 1,5B; JP Morgan zahlt $ 5,3M für 87 Verstöße.
Die krönende Ironie kam nur wenige Tage vor dem Krieg. US-Finanzminister Scott Bessent sagte im Februar 2026 vor dem Bankenausschuss des Senats aus: „Was wir getan haben, ist eine Dollarknappheit im Land verursacht. Es kam zu einem schnellen und großen Höhepunkt im Dezember, als eine der größten Banken im Iran unterging. Die Zentralbank musste Geld drucken. Die iranische Währung ging in den freien Fall. Die Inflation ist explodiert, und daher haben wir das iranische Volk auf der Straße gesehen.“ Er sagte dies als Rechtfertigung für den kommenden Krieg. Drei Tage später begann seine Regierung, das Land zu bombardieren, dessen Leid er gerade katalogisiert hatte.
Die Sanktionen zerstörten den Iran nicht. Sie haben es geschmiedet.
Weil der Iran keine Ersatzteile importieren konnte, lernte er, sie herzustellen. Weil es nicht auf westliche Technologie zugreifen konnte, hat es es umgekehrt entwickelt. Die Shahed-136-Suiziddrohne wurde direkt aus dem Schmelztiegel der amerikanischen Sanktionen geboren – ein Produkt der Notwendigkeit, des technischen Einfallsreichtums, das unter Bedingungen der erzwungenen Isolierung, der Verwendung chinesischer Komponenten und des Reverse-Engineerings angewendet wird. Seine Einheit kostete: $ 20.000 bis $ 50.000.
Die Vereinigten Staaten verbrachten 50 Jahre damit, den Iran wirtschaftlich in militärische Unterlegenheit zu stürzen. Stattdessen schmiedete es die Waffe, die jetzt ihre eigenen Abfangbehälterbestände mit einer Geschwindigkeit entleert, die keine Fabrik auf der Erde rechtzeitig auffüllen kann.
Entfernen Sie die Erklärungen des Präsidenten und die Satellitenbilder des verbrannten Teherans, und worauf dieser Krieg letztendlich ankommt, ist eine Gleichung – die folgenreichste militärisch-ökonomische Gleichung des 21. Jahrhunderts.
Auf der einen Seite: die American Patriot PAC-3 MSE Abfangrakete. Stückkosten: ca. $4 Millionen. Der THAAD-Abfangjäger: $ 12 bis $ 15 Millionen pro Schuss. Das Schiff-basierte SM-3: $ 10 bis $ 28 Millionen. Auf der anderen Seite: die iranische Shahed-136 herumlungernde Munition. Stückkosten: $ 20.000 bis $ 50.000. Das Kostenverhältnis: zwischen 80:1 und 200:1.
Kelly Grieco vom Stimson Center hat berechnet, dass für jeden Dollar, den der Iran für die Herstellung einer Shahed-Drohne ausgibt, die VAE zwischen $ 80 und $ 200 ausgibt, um sie abzufangen. Lockheed Martin produziert etwa 600 Patriot-Abfangjäger pro Jahr. Allein in der ersten Woche dieses Konflikts hat der Iran mehr als 2.000 Drohnen gestartet.
In den ersten 100 Stunden der Operation Epic Fury feuerten die Vereinigten Staaten etwa 170 Tomahawk-Marschflugkörper ab – fast dreimal so viele wie das Pentagon für das gesamte Geschäftsjahr 2026 von Raytheon bestellt hatte. Das Center for Strategic and International Studies schätzte den Wert der Abfangjäger, die in diesen ersten 100 Stunden auf etwa $ 1,7 Milliarden ausgegeben wurden.
„Die USA, Israel und die Golfstaaten verlassen sich weitgehend auf in den USA hergestellte Systeme, was bedeutet, dass sie alle aus den gleichen Produktionslinien stammen. Sie können diese Art von Raketen nicht über Nacht ersetzen. Es würde Jahre dauern.“ – Kelly Grieco, Stimson Center, März 2026
Der zwölftägige Krieg im Juni 2025 hatte bereits schätzungsweise 150 THAAD-Abfangjäger und 80 SM-3 – etwa ein Viertel des gesamten US-amerikanischen THAAD-Vorrats – in weniger als zwei Wochen verbraucht. Die Houthi-Kampagne am Roten Meer im Jahr zuvor hatte weitere 200 Standard-Raketenabfangjäger verbrannt. Bis Juli 2025 waren die Patriot-Lagerbestände auf 25 Prozent des Volumens gesunken, das das Pentagon für notwendig hielt.
Die Heritage Foundation warnte im Januar 2026, dass High-End-Abfangjägerbestände innerhalb weniger Tage nach anhaltenden Kämpfen erschöpft sein könnten. Das Wall Street Journal berichtete, dass die Vereinigten Staaten „darum streben, Irans Raketen- und Drohnenanlagen zu zerstören, bevor ihnen die Abfangjäger ausgehen“. Dieser Satz enthält die gesamte strategische Situation dieses Krieges: Die weltweit herausragende Militärmacht rast gegen eine wirtschaftliche Uhr, die sie nicht kontrolliert.
Irans gesamter Verteidigungshaushalt 2025 betrug etwa $ 23 Milliarden – etwa 2,5 Prozent des amerikanischen Verteidigungsbudgets von $ 900 Milliarden. Die Shahed-Drohne wurde speziell entwickelt, um den fatalen Fehler im Herzen der westlichen High-Tech-Verteidigung auszunutzen: das katastrophale Kostenverhältnis zwischen Präzisionsabfangjägern und billigen, massenproduzierbaren Schwarmwaffen. Das ist keine Improvisation. Es ist Strategie.
An seiner engsten ist die Straße von Hormus 33 Kilometer breit. Durch diesen Kanal gelangen etwa 20 Prozent der weltweiten Erdölversorgung – rund 21 Millionen Barrel Öl und Flüssigerdgas pro Tag. Mehr als 25 Prozent der weltweiten LNG-Handelstransite hier. Saudi-Arabiens primäre Ölexportroute. Iraks wirtschaftliche Lebensader. Katars Gas, das europäische Häuser beheizt.
Der Iran hat ihn geschlossen. Nicht mit der Marineflotte, die amerikanische und israelische Angriffe weitgehend zerstört haben – über fünfzig iranische Marineschiffe ruhen jetzt auf dem Meeresboden. Aber mit Minen, Drohnenschwärmen, ballistischen Raketenbedrohungen und der unsichtbaren Waffe des Risikos: Kein Versicherungsversicherer wird derzeit ein Schiff abdecken, das eine Meerenge durchquert, in der iranische Waffen weiter operieren.
IEA-Direktor Fatih Birol hat deutlich gesagt: Die Situation sei „sehr schwerwiegend – schlimmer als die beiden Ölkrisen der 1970er Jahre und die Folgen des Ukraine-Krieges zusammen“. Mindestens 40 Energieanlagen in neun Ländern sind seit dem 28. Februar schwer beschädigt. Die globalen Ölpreise stiegen von unter 60 $ pro Barrel im Januar 2026 auf 113 $ am 22. März.
Ein Drittel des weltweiten Düngemittelhandels zieht sich auch durch die Meerenge. Die Schifffahrtslinien sind umgeleitet. Die Luftfahrt im Nahen Osten ist eingestürzt. Der Krieg, der als Kampagne für die „regelbasierte internationale Ordnung“ an die Welt verkauft wird, zerstört systematisch die Lieferketten, für die Ordnung gebaut wurde.
Die rhetorische Frage, die es wert ist, am Eingang jedes Außenministeriums zu schreiben: Wer genau blockiert wen?
Die Golfstaaten machen rund 60 Prozent der globalen Entsalzungskapazität aus. Die Abhängigkeitszahlen erzählen die Geschichte der existentiellen Verwundbarkeit:
Kritisch gesehen stammen mehr als 90 Prozent des entsalzten Wassers des Golfs aus nur 56 Megakomplexen – geografisch festen, technisch komplexen, energieintensiven Einrichtungen in unmittelbarer Nähe zum Iran. Eine in den 1980er Jahren klassifizierte und 2010 veröffentlichte CIA-Analyse identifizierte diese Schwachstelle bereits explizit.
Am 7. März verursachte eine Drohne materielle Schäden an einer Entsalzungsanlage in Bahrain – dem ersten bestätigten Angriff auf die Wasserinfrastruktur des Golfs in diesem Konflikt. Irans Außenminister Abbas Araghchi erklärte: „Der Angriff auf die iranische Infrastruktur ist ein gefährlicher Schritt mit schwerwiegenden Folgen. Die USA haben diesen Präzedenzfall geschaffen, nicht den Iran.“
„Wenn Angriffe auf Entsalzungsanlagen der Beginn einer Militärpolitik sind und nicht nur Fehler oder Kollateralschäden, ist dies sowohl illegal – ein Kriegsverbrechen – als auch eine sehr besorgniserregende Entwicklung, da die Golfstaaten nur wenige Wochen Wasserspeicher haben.“ – Laurent Lambert, Doha Institute for Graduate Studies
Ein paar Wochen Wasserspeicher. Das ist der Abstand zwischen der aktuellen Situation und einer humanitären Katastrophe von beispiellosem Ausmaß – 100 Millionen Menschen ohne regelmäßigen Zugang zu Trinkwasser. Dieser Spielraum wird nicht von der amerikanischen Luftabwehr oder der Diplomatie der Golfstaaten gehalten, sondern von einer noch nicht getroffenen iranischen Entscheidung. Die Golfstaaten, die den amerikanischen Operationen von ihrem Territorium aus stillschweigend erlaubt haben, wissen das. Dieses Wissen ist seine eigene Form des strategischen Sieges im Iran.
Washington zog mit einer Theorie in den Krieg: Töte die Führung, lähme die Kommandostruktur, löst Volksaufstände aus, produziert seit Tagen einen Regimewechsel. Trump sagte „zwei oder drei Tage“ voraus. Sein Militär startete 900 Schläge in 12 Stunden. Khamenei wurde am ersten Tag getötet. Ali Larijani wurde am 17. März ermordet. Dutzende IRGC-Kommandeure wurden eliminiert.
Vierundzwanzig Tage später regiert die Islamische Republik.
„Es ist nicht so, dass wir endlich den einen Anführer gefunden haben, der, sobald wir diesen Anführer töten, das ganze Kartenhaus auseinander fällt, weil es kein Kartenhaus ist. Dies ist eher eine Matrix – eine flexible Matrix. “- Robert Pape, University of Chicago
Töten Sie die Spitze einer Matrix, und Sie beseitigen die Schicht, die die meiste Echtzeit-Kommunikation zwischen Führungsqualitäten und mittleren Ebenen erfordert. Die Befehlshaber der mittleren Ebene halten nicht inne. Sie reorganisieren sich seitlich, oft mit größerer Aggression und weniger politischer Zurückhaltung als zuvor. Papes strukturelle Diagnose: „Die neue Politik, die durch die Bombenangriffe ausgelöst wurde, wirkt sich zum Nachteil des Regimewechsels aus. Was Sie stattdessen bekommen, ist ein negativer Regimewechsel: Führer der zweiten Generation, die antiamerikanischer, gefährlicher und bereit sind, Kosten zu übernehmen, um Amerika zu bestrafen. “
Die historischen Aufzeichnungen sind nicht mehrdeutig. Es ist überwältigend.
Vietnam (1965–1973): Das am meisten bombardierte Land in der Geschichte des Luftkriegs kapitulierte nicht. Die Regierung der USA versuchte 1975, das vereinte Land zu zerstören. Es ist immer noch da.
Irak (2003): Das Regime ist in 21 Tagen gefallen. Die Zerstörung des Staates verursachte fünfzehn Jahre Aufstand, einen sektiererischen Bürgerkrieg, den Aufstieg des IS und eine regionale Katastrophe, die noch ungelöst war.
Libyen (2011): Sieben Monate NATO-Luftkampagne. Gaddafi hat getötet. Der Staat löste sich in einen permanenten Bürgerkrieg auf, der fünfzehn Jahre später noch andauerte.
Afghanistan: Zwanzig Jahre. Über $2 Billionen. Die Taliban kehrten innerhalb von zwei Wochen nach dem amerikanischen Rückzug an die Macht zurück.
In jedem Fall: taktische Zerstörung, strategisches Scheitern. Die Annahme, dass die gezielte Gesellschaft spröde war, war katastrophal falsch. Jedes Mal. Ohne Ausnahme.
Die westliche strategische Analyse hat einen strukturellen blinden Fleck. Es kann militärische Fähigkeiten, wirtschaftliche Hebelwirkung und politischen Willen in den Begriffen modellieren, die den liberalen demokratischen Systemen bekannt sind. Was es nicht modellieren kann – weil es kein konzeptionelles Vokabular dafür hat – ist die Rolle des Glaubens als strategische Variable.
Die grundlegende Erzählung des schiitischen Islam ist die Schlacht von Karbala, die am 10. Oktober 680 n. Chr. ausgetragen wurde. Hussein ibn Ali, Enkel des Propheten, wählte den Tod, anstatt sich der unehelichen Macht zu unterwerfen. Umgeben von siebzig Gefährten gegen Tausende, wusste Hussein, dass der Tod sicher war, ergab er sich nicht. Er wurde getötet. Sein Kopf wurde abgetrennt und nach Damaskus geschickt.
Dieser Tag – Ashura – ist der wichtigste Tag im schiitischen Kalender. Nicht als Tag der Niederlage. Als ein Tag des Zeugnisses: die Theologie des Sieges des Prinzips über die Macht, des Zeugnisses der Gerechten über den Triumph der Ungerechten. Im schiitischen eschatologischen Rahmen ist jeder iranische Soldat, der in diesem Krieg stirbt, ein Schahid – ein Märtyrer und Zeuge, dessen Tod göttliche Bedeutung hat. Jeder bombardierte Stadtblock ist kein Beweis dafür, dass Gott den Iran verlassen hat. Es ist ein Beweis, dass der Iran auf der Seite der Gerechtigkeit steht.
Keine Patriot-Batterie kann das abfangen. Kein THAAD-System kann es neutralisieren. Keine Tomahawk-Rakete kann sie zerstören.
Robert Pape identifiziert die „strategische Kultur“ – den Zusammenhalt und die Toleranz einer Bevölkerung für das Leiden – als die entscheidende Variable, wenn militärische Gewalt ausreicht, um sie zu zerstören, aber nicht ausreicht, um sie zu erobern. Irans strategische Kultur der Ausdauer wird theologisch produziert, historisch über siebentausend Jahre hinweg verstärkt und durch jede Bombe, die auf Teheran fällt, politisch mobilisiert. Die Shahed-Drohne trägt einen $ 35.000 Sprengkopf. Es trägt auch, im Bewusstsein der Millionen, die es beobachten, das Gewicht von Karbala, die Erinnerung an fünfzig Jahre Embargo, die Würde der zivilisatorischen Kontinuität. Das ist keine Waffe, die die USA besiegen können.
Bild: Qing-Ära Darstellung von Sun Tzu (Öffentliche Domäne)
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Es gibt einen Text, den jede Militärakademie der Welt zuordnet. Vor etwa 2.500 Jahren in China von einem General namens Sun Tzu geschrieben, ist The Art of War die einflussreichste strategische Abhandlung in der Geschichte der Menschheit. Seine zentrale These: Der Sieg gehört dem, der vor dem Schlagen gedacht hat, nicht dem, der am härtesten zuschlägt. Jedes Prinzip, das es feststellt, haben Trump und Netanjahu systematisch verletzt.
1. „Kenne deinen Feind und erkenne dich selbst; in hundert Schlachten wirst du niemals besiegt werden.“
Was wussten Trump und Netanjahu über den Iran, bevor sie in 12 Stunden 900 Streiks starteten? Dass seine Wirtschaft durch Sanktionen fragil war. Dass die Bevölkerung im Dezember 2025 auf den Straßen protestiert hatte. Was sie nicht verstanden haben: dass eine Zivilisation von 7.000 Jahren ihren Willen, dem BIP oder den Inflationsraten zu widerstehen, nicht misst. Dass die ʻasabiyya, von der Ibn Khaldun schrieb, durch ausländische Bombardierung aktiviert, nicht zerstört wird. Dass die iranische Frau, die zweimal verhaftet worden war, weil sie keinen Hijab trug, der die ersten Schläge feierte, – da ihre Nachbarschaft von brennenden Öltröpfchen aus israelischen Angriffen auf Teherans Treibstoffdepots bedeckt war – ihren Tagebucheintrag am 16. März mit: „In der letzten Schlacht werde ich jeden einzelnen dieser psychopathischen Mörder verbrennen“ -, was das Regime bedeutet. Aber sie schrieb aus einer Stadt unter ausländischem Angriff. Die Unterscheidung unter Bomben löst sich auf.
Sun Tzus Urteil: Sie kannten ihren Feind nicht. Sie hatten bereits verloren.
2. „Die höchste Exzellenz im Krieg besteht darin, den Widerstand des Feindes zu brechen, ohne zu kämpfen.“
Am 27. Februar 2026 – achtzehn Stunden vor dem Sturz der ersten Bombe – bestätigte Omans Außenminister Badr Al-Busaidi, dass ein diplomatischer Durchbruch erzielt worden sei: Der Iran hatte zugestimmt, niemals angereichertes Uran zu lagern, die vollständige Überprüfung der IAEA zu ermöglichen und sein bestehendes angereichertes Uran irreversibel auf das niedrigstmögliche Niveau herabzustufen. Frieden war, in seinen Worten, „in Reichweite“. Die Verhandlungen sollten am 2. März wieder aufgenommen werden. Achtzehn Stunden später begannen die Bomben zu fallen. Eine ausgehandelte Lösung – Iran, der durch Vereinbarung denuklearisiert wurde, die Straße offen, die Märkte stabilisierten, die amerikanische Hegemonie ohne ein einziges Opfer erhalten blieben – wurde geopfert.
Sun Tzus Urteil: Der Sieg ohne Kampf war verfügbar. Sie wählten den Krieg. Dies ist der grundlegende strategische Fehler, aus dem alle nachfolgenden Misserfolge fließen.
3. „Wer nicht über Schwierigkeiten nachgedacht hat, wird seine Stärken nicht ausnutzen können.“
Ein Krieg ohne definierte Siegesbedingung ist ein verlorener Krieg, bevor er begonnen wird. Die offizielle Aufzeichnung der Kriegsziele der Trump-Regierung in chronologischer Reihenfolge: Hegseth (28. Februar) – Ende „47 lange Kriegsjahre“. Rubio (28. Februar, Stunden später) – präventive Verteidigung der US-Streitkräfte. Trump (2. März) – Regimewechsel in „zwei oder drei Tagen“. Trump (Mar. 9) – „Ich denke, der Krieg ist sehr vollständig, so ziemlich.“ Hegseth (Mar. 11) – „Das ist nur der Anfang.“ Trump (21. März) — 48-Stunden-Ultimatum. Trump (23. März) – fünftägige Verzögerung für „produktive“ Gespräche. Teheran (Mar. 23) – „Es gibt keinen Dialog zwischen Teheran und Washington.“ Zehn unvereinbare Kriegsziele in vierundzwanzig Tagen.
„Taktiken ohne Strategie sind der Lärm vor der Niederlage.“ – Sun Tzu, The Art of War
Sun Tzus Urteil: Keine Definition von Sieg. Keine Strategie. Die Kampagne verlor strukturell.
4. „Erscheine stark, wenn du schwach bist, und schwach, wenn du stark bist.“
Der Iran praktiziert Sun Tzu. Es schließt die Straße, behält aber bewusste Zweideutigkeit über seine Fähigkeit bei, sie auf unbestimmte Zeit geschlossen zu halten, und zwingt den Gegner, Ressourcen gegen Eventualitäten auszuschöpfen, die sich möglicherweise nie materialisieren. Es bestreitet Verhandlungen, während es regionalen Vermittlern – Pakistan, der Türkei, Ägypten – erlaubt, Botschaften zu tragen, die für Trump ausreichend sind, um ein Narrativ von „produktiven Gesprächen“ zu konstruieren, die es ihm ermöglichen, sich ohne formelle Kapitulation zurückzuziehen. Es trifft in der Nähe von Dimona, ohne den Reaktor zu zerstören – was existenzielle Fähigkeiten demonstriert, während es seine Verwendung zurückhält. Trump kündigt unterdessen seine Drohungen in Großbuchstaben auf einer öffentlichen Social-Media-Plattform an. Er setzt Fristen in bestimmten Stunden. Er zieht sich von diesen Fristen vor seiner eigenen angegebenen Ablaufzeit zurück. Das iranische Staatsfernsehen übersandte das Urteil ohne Zweideutigkeit: „Trump, der die Reaktion des Iran fürchtete, wich von seinem 48-Stunden-Ultimatum zurück. Jeder Stratege auf der Erde – in Peking, Moskau, Pjöngjang, Caracas – las diese Sendung. Seine Lektion: Amerikanische Ultimaten können abgewartet werden. In der Abschreckungstheorie ist dies Glaubwürdigkeitsdegradation – jede Kapitulation macht die nächste Bedrohung leichter zu ignorieren.
Sun Tzus Urteil: Der Iran praktiziert die Kunst des Meisters. Trump und Netanjahu verstoßen gegen jedes Kapitel.
5. „Im Krieg sucht der siegreiche Stratege erst nach dem Sieg nach dem Sieg.“
Trump und Netanjahu starteten ihre Kampagne und suchten dann nach dem Sieg, was der Sieg bedeuten könnte. Sie haben vierundzwanzig Tage gesucht. Sie haben keine stabile Antwort gefunden. Im Gegensatz dazu hatte der Iran seinen Siegeszustand definiert, bevor die erste amerikanische Rakete fiel: Überleben. Bleibt stehen. Halten Sie die Meerenge geschlossen. Erzwingt wirtschaftlichen Schmerz auf das globale System. Zeigen Sie, dass das mächtigste Militärbündnis der Geschichte seine erklärten Ziele gegen einen entschlossenen Gegner nicht erreichen kann. Lassen Sie die Welt ihre eigenen Schlüsse ziehen. Sun Tzu würde die iranische Strategie sofort anerkennen. Er würde kämpfen, um den amerikanischen zu finden.
Sun Tzus Urteil: Sie kämpften zuerst und suchten danach nach dem Sieg. Der Iran hatte am ersten Tag seinen Sieg.
6. „Wende die eigene Kraft des Feindes gegen ihn.“
Sechsundvierzig Jahre amerikanische Wirtschaftskriegsführung, die den Iran daran hindern soll, militärische Fähigkeiten zu entwickeln, produzierten direkt die militärischen Fähigkeiten, die jetzt die westlichen Verteidigungshaushalte in den Bankrott treiben. Jede Sanktion, die den Iran zwang, im Inland zu Innovationen zu kommen, jedes Technologieembargo, das Reverse-Engineering erzwang, jede finanzielle Ausgrenzung, die die Eigenständigkeit antrieb – zusammen das asymmetrische Arsenal schmiedet, das heute Raytheon- und Lockheed-Martin-Produktionslinien mit einer Geschwindigkeit entwässert, die keine Fabrik auf der Erde in der Zeit auffüllen kann. Die Sanktionen waren als Würgegriff gedacht. Sie wurden eine Schmiede. Sun Tzu hätte keine bessere Falle entwerfen können.
Sun Tzus Urteil: Die Waffe des Feindes wurde von seiner eigenen Hand gebaut. Fünfzig Jahre Sanktionen schmiedeten die Drohne.
Während Washington durch Raketenabfangjäger, Carrier-Group-Logistik und politische Hauptstadt im Persischen Golf brennt, festigt China leise die strategische Architektur des 21. Jahrhunderts.
Um die Operation Epic Fury aufrechtzuerhalten, haben die Vereinigten Staaten fortschrittliche Raketenabwehrsysteme vom Indo-Pazifik bis zum Nahen Osten eingesetzt – THAAD-Batterien und Marineabfangplattformen, deren Pazifikposition die chinesischen Sicherheitsinteressen am unmittelbarsten bedrohte. Melanie Hart vom Global China Hub des Atlantic Council ist präzise: „Es ist unmöglich, das Ausmaß zu überbewerten, in dem diese Bewegungen für Peking ein massiver Sieg sind. Und wenn die Vereinigten Staaten in einem anderen Sumpf des Nahen Ostens stecken bleiben, der den Indo-Pazifik an China abgibt, werden die Siege weiter kommen. “
Russland ist der klarste unmittelbare Begünstigte: Öl über $ 100 pro Barrel hat Moskaus Kriegskasse aufgefüllt und die ukrainische Hebelwirkung in zukünftigen Friedensverhandlungen reduziert. Der Krieg, den die Trump-Regierung verhindern sollte – Russlands langsame Eroberung der Ukraine – wird zum Teil durch die wirtschaftliche Störung des Krieges finanziert, für die die Trump-Regierung begonnen hat.
China allein ging mit echter strategischer Tiefe in diese Krise ein: Die größten strategischen Erdölreserven der Welt außerhalb der Vereinigten Staaten, die Energielieferketten von Belt and Road diversifizierten sich gegen die Störungen des Golfs, das vergünstigte iranische Öl während des gesamten Konflikts und die Geduld, die Wiederaufbauverträge des Golfstaats zu dominieren, wenn die Schießerei aufhört.
Der Iran-Krieg 2026 mag als der Moment in Erinnerung bleiben, in dem das amerikanische Pazifik-Jahrhundert seine Endphase begann – nicht in einer Konfrontation über Taiwan, sondern in einer Fehleinschätzung über eine Atomanlage in der iranischen Wüste.
In diesem Krieg geht es nicht nur um den Iran. Es geht darum, was die Leistung des Iran für jeden nicht-westlichen Staat bedeutet, der seine strategischen Optionen in einer Welt berechnet, die immer noch – vorerst – nach dem amerikanischen Militärprimat strukturiert ist.
Seit siebzig Jahren ist die grundlegende Prämisse, die diese Struktur unterschreibt: Kein Staat, der die amerikanische Militärmacht direkt konfrontiert, kann die Konfrontation mit seiner Regierung intakt überleben. Vietnam hat diese Prämisse geknackt. Afghanistan bestätigte, dass die verlängerte Besatzung scheitern müsse. Der Iran demonstriert 2026 etwas Neues: dass ein nicht-westlicher Staat nachhaltige amerikanische Bombardierungen absorbieren, seine institutionellen Funktionen aufrechterhalten, die Weltwirtschaft durch Geographie und billige Technologie bewaffnen und den Aggressor in die öffentliche strategische Inkohärenz zwingen kann – alles ohne Atomwaffen.
Die Shahed-Drohne, die $ 35.000 kostet und ein $ 4 Millionen Patriot-Abfangen erzwingt, ist nicht nur eine Waffe. Es ist ein politisches Statement: Die technologische und finanzielle Kluft zwischen dem Reichszentrum und der Peripherie reicht nicht mehr aus, um die Einhaltung zu gewährleisten.
Der Globale Süden beobachtet von Caracas, Pjöngjang, Harare und Algier. Was es beobachtet – in Echtzeit, gemessen in den rauchenden Trümmern von Abfangjägern, die $ 4 Millionen kosteten, um eine Drohne zu stoppen, die $ 20.000 kostete – ist die Demonstration, dass das Zeitalter der unbestrittenen amerikanischen militärischen Allmacht endet.
Malek Bennabi argumentierte, dass Zivilisationen nicht durch überlegene Waffen besiegt werden. Sie werden von der inneren Erschöpfung ihres eigenen Willens besiegt. Die Zivilisation, die vergisst, warum sie existiert, stirbt bereits, unabhängig von ihrem Arsenal. Siebentausend Jahre persischer Zivilisation haben nicht vergessen, warum sie existieren. Zweihundertfünfzig Jahre amerikanische Macht, die zunehmend nicht in der Lage sind, das zu nennen, wofür sie kämpft, können im Prozess dieses Vergessens sein.
Napoleon überfiel Russland im Juni 1812 mit 600.000 Soldaten. Im September erreichte er Moskau. Die Russen verbrannten ihr eigenes Kapital, anstatt es zu übergeben. Die Grande Armée, die für entschlossenes Engagement ausgelegt war, hatte keine strategische Antwort für ein Volk, das bereit war, unbegrenztes Leid zu akzeptieren, bevor es sich unterwirft. Bis Dezember waren weniger als 100.000 dieser 600.000 Männer zurückgekehrt.
Die Lektion war nicht über Militärtechnologie. Es ging um Willen, Zeit und die Asymmetrie dessen, was jede Seite zu verlieren hatte.
Vierundzwanzig Tage der anspruchsvollsten Luftkampagne in der Geschichte der Kriegsführung. Der oberste Führer, tot. Der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats wurde ermordet. Fünfzig Marineschiffe auf dem Meeresboden. Natanz schlug dreimal zu. Mindestens 1.354 Zivilisten wurden getötet, unter ihnen 200 Kinder. Milliarden Dollar militärische Infrastruktur zerstört.
Und doch: Die Islamische Republik regiert. Seine Drohnen fliegen. Die Straße von Hormus ist geschlossen. Öl ist über $ 100. Die Weltwirtschaft ist Geisel. Trump erfindet Verhandlungen, die der Iran in Echtzeit bestreitet. Seine Ultimaten verfallen unvollstrecket. Sein Krieg hat keinen artikulierten Endstaat. Sun Tzu, der die Aufzeichnungen aus fünfundzwanzig Jahrhunderten las, würde seine Abhandlung schließen und sagen: Diese Kampagne ging verloren, bevor die erste Rakete abgefeuert wurde.
Es gibt eine letzte Tatsache, die die Geschichte nicht übersehen wird. Am 27. Februar 2026 – am Tag vor dem Bombenanfang – bestätigte der Außenminister des Oman, dass ein diplomatischer Durchbruch in greifbarer Nähe sei. Der Iran hatte sich auf volle nukleare Transparenz geeinigt. Frieden war vorhanden. Die Entscheidung wurde getroffen, zu bombardieren, anstatt zu verhandeln.
Sa’adi Shirazi schrieb im Persien des dreizehnten Jahrhunderts den Vers, der heute am Eingang der Vereinten Nationen hängt: „Alle Menschen sind Mitglieder eines Rahmens, da zunächst alle von derselben Essenz gekommen sind.“ Der Iran schickte dieses Gedicht an die Vereinten Nationen. Die USA schickten ihr Marschflugkörper.
Das Imperium hat mehr Waffen. Der Iran hat mehr Erinnerung.
Erinnerung, auf lange Sicht, gewinnt.
*
Laala Bechetoula ist eine algerische Journalistin und Schriftstellerin, Autorin von „The Book of Gaza Hashem: A Testament Written in Olive Wood and Ash“. Sie schreibt regelmäßig für Global Research.
Quellen
Persische Zivilisation und der Cyrus-Zylinder
British Museum, London (dauerhafte Sammlung, Raum 52)
UN-Menschenrechtsprogramm: Geschichte des Naturrechts und Grundfreiheiten
Mit Blick auf die Geschichte und uns selbst: Vom alten Persien zu einer globalen Erklärung (2024)
Sa’adi Shirazi, Bani Adam (13. c.) — offizielle UN-Anzeige, New Yorker Lobby, 2005
Ancient Origins: Der Cyrus-Zylinder und die alte Proklamation der Menschenrechte
Iranische zivile Zeugenaussagen
NPR / Ruth Sherlock: Leben unter Bombenangriff in Teheran: Das Tagebuch eines iranischen Schriftstellers (13. März 2026)
NPR / Emily Feng: Angst, Trotz und Wut: Iraner beschreiben das Leben unter Bombardierung (19. März 2026)
NPR: Die neuesten Updates zum Iran-Krieg nach drei Wochen (21. März 2026)
Xinhua: Brief aus dem Nahen Osten: Herz in Flammen — Teheran unter Bomben (3. März 2026)
Al Jazeera: Unsere Herzen zitterten: Teheran erträgt die Nacht der schweren Bombenangriffe (10. März 2026)
Zivile Opfer
HRANA (Human Rights Activists News Agency): 3.114 Todesfälle bis zum 17. März 2026, inkl. 1.354 Zivilisten
UNICEF-Bericht vom 12. März 2026: 200+ Kinder im Iran getötet
Iranische Rothalbmond-Gesellschaft: 6.668+ zivile Einheiten ins Visier genommen
Wikipedia: Iran-Krieg 2026 (aktualisiert am 24. März 2026)
Iran-Sanktionen — Volle Historische Aufzeichnung
Wikipedia: Internationale Sanktionen Gegen Iran; Sanktionen Der Vereinigten Staaten Gegen Den Iran
Al Jazeera: Zeitachse: Sanktionen gegen den Iran (2012, aktualisiert 2026)
US Library of Congress / Congress.gov: Vereinigte Staaten Sanktionen gegen Iran (CRS-Bericht IF12452)
Forschungsdienst des Europäischen Parlaments: EPRS-Brief 777928 (2025)
Senats-Bankenausschuss, Scott Bessent Aussage, Februar 2026
Laudati et al., Journal of Applied Econometrics (2023): Ermittlung der Auswirkungen von Sanktionen auf die iranische Wirtschaft
Militärische Kostenasymmetrie
Northeastern University / Stephen Flynn: US-israelischer Krieg gegen den Iran geht in die vierte Woche, die Kosten rücken in den Fokus (23. März 2026)
Der Dupree-Bericht: Irans $ 20K Drohnen gegen Amerikas $ 4M Raketen (März 2026)
Middle East Eye: Iranische Drohnen kosten einen Bruchteil der Luftverteidigung (März 2026)
Globe and Mail: Der hohe Preis für das Abfangen der kostengünstigen Drohnen im Iran (März 2026)
Kelly Grieco, Stimson Center (mehrere Zitate, März 2026)
Heritage Foundation: Vorratsvorwarnung, Januar 2026
Straße von Hormus und wirtschaftliche Auswirkungen
IEA-Direktor Fatih Birol, Erklärung vom 22. bis 23. März 2026 (Australia National Press Club)
Al Jazeera: Iran-Kriegs-Updates, Tag 23 (22.–23. März 2026)
Zentrum für europäische Reform: Krieg im Iran: Wer gewinnt und wer verliert? (März 2026)
Britannica: Iran-Krieg 2026 (aktualisiert am 24. März 2026)
Entsalzungs-Schwachstelle
Al Jazeera: Wie das Targeting von Entsalzungsanlagen die Wasserversorgung stören könnte (8. März 2026)
Atlantic Council / Ginger Matchett: Angriffe auf Entsalzungsanlagen prognostizieren eine dunkle Zukunft (18. März 2026)
CSIS / David Michel: Könnte der Iran die entsalzten Wasserversorgungen der Golfstaaten stören? (März 2026)
Außenpolitik: USA Streik auf Qeshm Island riskiert Spirale der Vergeltung (9. März 2026)
CNN: Wasser ist noch lebenswichtiger als Öl und Gas – und es ist gefährdet (11. März 2026)
Laurent Lambert, Doha-Institut für Graduiertenstudien
Zane Swanson, CSIS Global Food and Water Security Program
Luftkraft und Regimewechsel
Robert Pape, University of Chicago: Ein Luftstromexperte erklärt, warum der Iran jetzt mächtiger ist, MS.NOW (21. März 2026)
Robert Pape: The Escalation Trap (Newsletter, 2026)
Atlantic Council: Zwanzig Fragen zum Iran-Krieg (März 2026)
Washington Institute for Near East Policy: Bewertung der USA Fortschritte im Iran-Krieg (März 2026)
Die Ultimatum- und Fake-Verhandlungen (22.–23. März 2026)
CBS News Live-Updates: Trump ruft die Straße von Hormus Ultimatum ab (23. März 2026)
NPR: Trump sagt, dass die USA in Gesprächen mit dem Iran sind, was der Iran bestreitet (23. März 2026)
Al Jazeera: Iran bestreitet jegliche Gespräche mit den USA, nachdem Trump produktive Gespräche behauptet (23. März 2026)
ITV News: Trump sagt, dass der Iran sehr viel will, um Deal zu machen, wie Teheran Gespräche Fake News nennt (23. März 2026)
Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf, offizielle Erklärung (23. März 2026)
Hassan Ahmadian, Universität Teheran (zitiert von Al Jazeera, 23. März 2026)
China und geopolitische Implikationen
Atlantic Council / Melanie Hart: Zwanzig Fragen zum Iran-Krieg (März 2026)
Zentrum für europäische Reform: Krieg im Iran: Wer gewinnt und wer verliert? (März 2026)
Sun Tzu
Sun Tzu, Die Kunst des Krieges (c. 500 v. Chr.), tr. Lionel Giles (1910); tr. Samuel B. Griffith (Oxford University Press, 1963)
B.H. Liddell Hart, Strategie (1954)
Colin Gray, Modern Strategy (Oxford University Press, 1999)
Philosophischer und intellektueller Rahmen
Ibn Khaldun, Muqaddimah (1377 n. Chr.)
Frantz Fanon, The Wretched of the Earth (1961, Présence Africaine; Englisch tr. Grove Press, 1963)
Malek Bennabi, Vocation de l’Islam (1954); Le problème des idées dans le monde musulman (1970); Les conditions de la renaissance (1949)
Sa’adi Shirazi, Bustan / Bani Adam (13th Jahrhundert)
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