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Heute — 06. Juni 2026

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (20)


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„Einige Unbelehrbare, darunter natürlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gefüllte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verständigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen.“

In dieser 20. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ teilt unser Leser Heinz Grote die Erinnerungen seines Vaters Claus Grote an dessen Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft als 17-Jähriger und seine Fluchtversuche.

Wir veröffentlichen diesen Beitrag aufgrund seiner Länge in zwei Teilen.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.

Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil, den sechzehnten Teil, den siebzehnten Teil, den achtzehnten Teil, sowie den neunzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


Noch keine 18 Jahre alt

Teil 1

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,

ich selbst bin erst 1954 geboren, habe also bisher das Glück, keine Erfahrungen mit Krieg und den unmittelbaren Folgen zu haben. Trotzdem möchte ich zu dem Aufruf etwas beisteuern:

In dem Nachlass meines Großvaters mütterlicherseits (Jahrgang 1897) habe ich eine Beschreibung seiner Erlebnisse der letzten Kriegstage und seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft gefunden, geschrieben unmittelbar nach seiner Heimkehr im September 1945. („Gefangenschaft“)

Auch mein Vater (Jahrgang 1927 und noch am Leben) hat (allerdings erst viele Jahre später) einen Bericht über seine Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft geschrieben, der im folgenden Anhang beigefügt ist. („Kriegsgefangenschaft“)

Beide Berichte sind zur Veröffentlichung möglicherweise zu lang und ausführlich. Gerade die Beschreibung einzelner Details hat mich bei der Lektüre aber so fasziniert, dass ich sie einem größeren Publikum nicht vorenthalten möchte.
Weitere Fragen oder Ergänzungen zu den Personen und deren Lebensumständen kann ich gern beantworten.

Ihnen bei diesem und den anderen Projekten der NachDenkSeiten viel Erfolg wünschend,
verbleibe ich mit solidarischen Grüßen

Heinz Grote


Anm. d. Red.: Wir veröffentlichen beide Berichte. Es folgt der Bericht „Kriegsgefangenschaft“ des Vaters über seine Zeit in US-amerikanischer Gefangenschaft – Teil 1.

Den Bericht des Großvaters über die Zeit in sowjetischer Kriegsgefangenschaft finden sie hier.


„Claus Grote

Berlin, 26.04.1992

Kriegsgefangenschaft 7.4.1945 bis 6.2.1946

Politisch bewußt zu denken, ohne den Einfluß der Nazis, begann ich erst, als der Krieg für mich persönlich zu Ende war: mit meiner Gefangennahme durch die US-Armee. Im Gefangenenlager lernte ich Menschen kennen, die noch die Zeit vor 1933 als Erwachsene kennengelernt hatten und – im Gegensatz zur Kriegszeit – jetzt offen darüber sprechen konnten.

Ich hörte, daß die Idee der Autobahn keineswegs von den Nazis stammte, daß man die Beseitigung der Massenarbeitslosigkeit durch die Nazis auch als Resultat der ungeheuerlichen Aufrüstung sehen konnte, und ich hörte erstmals von den Verbrechen in den KZs. So bröckelte die von den Nazis vermittelte „Weltanschauung” langsam, aber sicher ab, zumal ich den Eindruck haben mußte, daß die betreffenden Mitgefangenen durch niemanden gezwungen wurden, diese ihre Meinungen zu vertreten. Irgendwelche ideologische Beeinflussungen seitens der amerikanischen Lagerleitung gab es nicht.

Dafür gab es aber umso mehr indirekte Einflüsse. Das war einmal die ständig schlechter werdende Verpflegung, die medizinische Versorgung und die anderen Umstände, unter denen wir leben mußten. Nach meiner Gefangennahme am 7.4.45. in einem Wäldchen in der Nähe der thüringischen Gemeinde Farnroda (bei Eisenach) wurde ich über die Zwischenstationen Thal und Hersfeld in das berüchtigte Gefangenenlager Bad Kreuznach gebracht, wo ich etwa die Zeit vom 10.4. bis Ende Mai 1945 zubrachte, noch keine 18 Jahre alt.

Wir schossen, ohne irgendetwas zu sehen

Übrigens verlief die Gefangennahme recht wenig heldenhaft. Unser letzter Kampfauftrag lautete, die nachts in dem besagten Wäldchen bezogene Stellung gegen amerikanische Angriffe zu halten. Am Morgen des 7.4.45 kam auch tatsächlich ein solcher Angriff, nachdem wir in der Nacht zuvor eine fürchterliche Schießerei überlebt hatten, wahrscheinlich mit nicht identifizierten zurückgehenden deutschen Soldaten. Wir schossen, ohne irgendetwas zu sehen, und ähnlich war es während des US-Angriffs. So blieb mir erspart, wie auch schon an den Tagen zuvor, daß ich bewußt auf einen Menschen gezielt und abgedrückt habe, und ich habe auch keinen Menschen durch unser Feuer fallen sehen. Dabei glaube ich, heute einschätzen zu müssen, daß mir so etwas damals keinerlei Gewissensbisse verursacht hätte, ich verteidigte ja Deutschland, mein Vaterland, und war außerdem überzeugt, daß die Frage nur so lautete: Entweder die – oder ich.

Als der Angriff wegen unserer Gegenwehr zurückgezogen wurde, erwarteten wir die übliche amerikanische Reaktion, Flächenbombardement durch Flieger oder Artillerie, aber unser Zugführer war doch so vernünftig, uns aus unseren Stellungen zurückzurufen und zu erklären, wir hätten gemeinsam gekämpft und gingen nun gemeinsam in Gefangenschaft.

Auf dem Sammelplatz, ein Hohlweg im Wald, lag bereits ein ansehnlicher Haufen von Waffen, vom leichten Granatwerfer bis zur MPi. Einige Unbelehrbare, darunter natürlich auch ich, waren mit dem freiwilligen Gang in die Gefangenschaft nicht einverstanden, nahmen uns die passenden Waffen aus dem Haufen (ich zwei Eihandgranaten, eine Pistole und mehrere gefüllte Ladestreifen einer MPi, die das gleiche Kaliber hatte) und wir zogen eigene Wege, um uns, wie wir uns verständigt hatten, nach Berlin durchzuschlagen. Da schönes Wetter war, konnten wir uns nach der durch die Baumwipfel scheinenden Sonne richten.

Wir zerrissen unsere Soldbücher und vergruben die Schnitzel im Gartenland

Unser erster Ausflug in die Selbständigkeit endete bereits nach einer halben Stunde, als wir in etwa 150 m Entfernung eine ganze Kompanie US-Soldaten erblickten, die in Schützenkette den Wald durchkämmte, die Schnellfeuergewehre im Anschlag. Uns fünf halben Kindern sank das Herz in die Hose, wir warfen uns auf den Boden, und als die Amerikaner etwa auf 30 Meter herangekommen waren, ohne uns zu bemerken, rief ich laut „Don’t shoot” und stand mit erhobenen Händen auf. Glücklicherweise taten das dann auch die vier anderen, und die schrecklich aufgeregten Amerikaner hielten zu unserem Glück ihre Zeigefinger gerade. Sie sammelten nur die Waffen ein, die wir abgelegt hatten, und führten uns, die die Hände über dem Kopf verschränken mußten, bis zu einer kleinen Lichtung, wo wir einige verletzte deutsche Gefangene aufgeladen bekamen, die wir dann bis ins Tal hinunter in das Dorf Thal tragen mußten.

Dort wurden die Verletzten mit Sanitätskraftwagen abtransportiert, wir wurden unter Bewachung für einige Stunden in einem eingezäunten Vorgarten eingesperrt. Dort befolgten wir gehorsam eine Anweisung, die wir noch bei der Wehrmacht bekommen hatten: Wir zerrissen unsere Soldbücher und vergruben die Schnitzel im Gartenland. Die Amerikaner sollten ja nicht wissen, mit welchen Eliteeinheiten der Deutschen Wehrmacht sie es zu tun hatten – das alles angesichts der von allen Seiten in das geschrumpfte Deutsche Reich eindringenden alliierten Truppen.

Pechvögel, die in den halbgefüllten Scheißgraben fallen

Die Amerikaner hatten uns im Eifer des Gefechts (und wohl auch im Bewußtsein ihrer ungeheuren Überlegenheit) nicht nach Waffen abgetastet, und so bemerkte ich erst später (im Durchgangslager Hersfeld), daß ich noch zwei scharfe Eihandgranaten in den Hosentaschen hatte. Da ich mich nicht traute, mit denen an einen amerikanischen Posten heranzutreten, landeten die Handgranaten schließlich in dem um das ganze Lager gezogenen Graben, der den Gefangenen als Latrine dienen mußte.

In Hersfeld brachten wir nur einige Tage unter freiem Himmel zu, die Verpflegung war relativ gut, jedenfalls besser als in Bad Kreuznach, der nächsten Station. Über das Gefangenenlager Bad Kreuznach ist zumindest ein Buch geschrieben worden, das ich kenne. Es gibt die Situation ziemlich korrekt wieder: Auf einem etwa 30 – 40 ha großen, durch einen doppelten Stacheldrahtzaun eingeschlossenen Acker sind ungefähr 100 000 Gefangene untergebracht, unter freiem Himmel. Etwa 5 m vom inneren Zaun entfernt befindet sich die Latrine, ein durchgehender Graben von 1 1/2 m Tiefe, etwa 1/2 m breit, man hockt sich quer darüber. Der Graben ist nur unterbrochen am Eingang. Der ist scharf bewacht, Annäherung auf mehr als 20 m ist lebensgefährlich. Ab und zu knallt es zur Warnung. Etwas weiter weg sind einige Kesselwagen aufgestellt, die einigermaßen regelmäßig mit Wasser gefüllt werden, so daß jeder, der sich anstellt, pro Tag ungefähr 1/2 bis 1 Liter bekommen kann, je nachdem, ob er nur eine alte Konservenbüchse hat oder noch ein richtiges Kochgeschirr. Zum Waschen reicht es auf keinen Fall, und die Pechvögel, die nach einem Regen auf dem aufgeweichten Boden ausgleiten und in den halbgefüllten Scheißgraben fallen, müssen bis zum nächsten Regen warten, um den Gestank und den Dreck halbwegs wieder loszuwerden.

In der Nähe der Wasserkessel sind auch zwei Sanitätszelte aufgestellt, mit deutschen Ärzten und Sanitätern, aber ohne jeden Verband, ohne Medikamente und ohne jedes Gerät. Das bemerke ich nach etwa zwei Wochen Aufenthalt, als ich an einem Abend fürchterliche Ohrenschmerzen bekomme, weinend zum Zelt schleiche und außer seelischem Zuspruch und wohlmeinenden Ratschlägen keinerlei Hilfe bekommen kann. Der Zufall hat mich vor Schlimmerem bewahrt, da mir nichts weiter übrigblieb, legte ich mich auf das schmerzende Ohr, hielt es so warm wie möglich, schlief schließlich spät nachts ein. Am nächsten Morgen wachte ich auf, als wenn nichts gewesen wäre.

Der Hunger wurde zum ständigen Begleiter

Die Verteilung der Verpflegung in Bad Kreuznach war an jedem Tag das wichtigste Ereignis. Sie erfolgte nach dem Prinzip des Hammelsprungs. Alle Gefangenen wurden auf eine Hälfte des Lagers getrieben, in der Mitte wurden die Verpflegungskisten aufgestellt, jeder erhielt beim Durchgang seine Portion, und das wurde zweimal am Tage wiederholt. In der ersten Zeit gab es die Ration C, Army-Verpflegung in Büchsen, zwei Büchsen pro Tag. Man erhielt entweder eine Büchse mit einem Fleisch-Gemüse-Gemisch, das natürlich nur kalt gegessen werden konnte, oder eine Büchse mit fünf Keksen, einem kleinen Riegel Schokolade, einem Nescafé- oder Teebeutel und Würfelzucker, evtl. 3 Zigaretten. Zwei Büchsen entsprachen 2/3 der Ration eines US-Soldaten. Manchmal erhielten wir eine K-Ration, die qualitativ noch besser, aber quantitativ weniger war. Der Hunger wurde zum ständigen Begleiter, ich war ja erst 17 Jahre alt.

Schlimm wurde es aber erst, als die Verpflegung auf D-Ration umgestellt wurde. D-Ration ist identisch mit den Menü-Paketen, die nach dem Krieg auch massenweise von deutschen US-Amerikanern als CARE-Pakete nach Deutschland an ihre Verwandten geschickt wurden. Sie enthielten ein qualitativ hochwertiges Sortiment an Lebensmitteln, von denen die Hälfte aber warm zubereitet werden mußte. Da das in Bad Kreuznach nicht möglich war, wurden die entsprechenden Teile (also Grieß, Trockenkartoffeln usw.) eben roh gegessen. Jeweils 16 Gefangene erhielten ein Paket pro Tag und die mußten sich das so gerecht wie möglich teilen. Ungeschriebenes Gesetz war: Wer teilt, muß die letzte übrig bleibende Portion nehmen. Dieses Gesetz wurde in zunehmendem Maße durchbrochen, wenn der Teilende besonders groß und kräftig war oder eine Leibgarde besaß. Ähnlichkeiten mit dem gegenwärtig in Deutschland verlaufendem und von de Maizière beschworenen Teilungsprozeß sind auffallend.

Viele Gefangene begannen, sich für die Nacht Gruben zu buddeln

Die letzten Wochen meines Aufenthalts wurden schließlich unerträglich. Jetzt fiel die amerikanische Verpflegung ganz weg und wurde durch Verpflegung aus alten Wehrmachtbeständen ersetzt. Rohe Kartoffeln (drei Stück pro Tag), Kohl und hartes Gebäck (aus den eisernen Rationen) wurden verteilt, auch das in der Menge völlig unzureichend. Viele Gefangene begannen, sich für die Nacht Gruben zu buddeln, in denen man besser schlief, weil man die Form des Bodens dem Körper anpassen konnte und auch vor dem kalten Nachtwind besser geschützt war. Diese Gruben waren auch günstig, weil bei tatsächlichen oder befürchteten Ausbruchsversuchen von den Posten mit Leuchtmunition quer über das Lager geschossen wurde, zur Abschreckung, und wenn eine Kugel zufällig zu tief abkam, dann konnte schon einmal jemand Pech haben, der völlig unbeteiligt war.

Bei dieser Grabenbuddelei entdeckte ich eines Tages zwiebelartige Knollen im Boden, die man essen konnte, jedenfalls waren sie etwas gegen den Hunger, wahrscheinlich waren es Blumenzwiebeln. Da zur Wehrmachtverpflegung manchmal auch Trockenpflaumen gehörten, machte ich mich über die Kerne her, die, mit einem Stein zertrümmert, im Innern einen nach Mandeln schmeckenden Kern hergaben. Ich hatte das als einer der ersten gemerkt, und der Hunger veranlaßte mich, auch nach fremden Pflaumenkernen zu suchen, zum Glück mit wenig Erfolg – bereits einige Dutzend Kerne enthalten eine tödliche Dosis Blausäure, wie ich heute weiß.

Bei der Einschätzung der Situation muß man berücksichtigen, daß die Amerikaner offenbar überfordert waren, als im April/Mai die deutschen Wehrmachtangehörigen zu Hunderttausenden in die Gefangenenlager strömten. Es ist aber kein Zweifel, daß Korruption und Desorganisation das Ihre taten, um die Situation regional zu verschlimmern. Bad Kreuznach jedenfalls gehört zu den Negativposten der damaligen Sieger, und die in diesen Wochen geprägte Abneigung gegen den „american way of life” hat sicher auch zur Entwicklung meiner Überzeugungen und Anschauungen beigetragen.

Weil die Nazipropaganda immer noch tief genug saß

Etwa vier Wochen nach meiner Ankunft in Bad Kreuznach wurde angrenzend an unser Lager ein weiteres, etwas kleineres Stück Land eingezäunt und mit Zelten versehen. In der Zwischenzeit wurden Parolen ausgegeben, man könne sich zur französischen Fremdenlegion melden. Dann erhielte man in einer Übergangszeit sofort warme Kleidung, Unterkunft in Zelten und volle Militärverpflegung einschließlich Zigaretten und andere Genußmittel. Da diese Propaganda offenbar nicht ausreichte, begann mit dem Einzug der ersten Kandidaten für die Legion in das Zeltlager die nächste Etappe der Beeinflussung, die sich ein heutiger PR-Manager nicht besser ausdenken könnte: Nur durch fünf Meter Zwischenraum zwischen den Stacheldrahtzäunen getrennt, wirkten jetzt die frischgewonnenen Legionäre als Multiplikatoren der Anwerber, rauchend, vollgefressen und gut gekleidet.

Die Posten hatten auch nichts dagegen, wenn zum Anfüttern mal großzügig eine Zigarette oder ein Stückchen Schokolade zu den mit gierigen Augen starrenden, aber mit ihrer Freiwilligenmeldung noch zögernden Gefangenen hinübergeworfen wurde. Ich widerstand dieser Verlockung – so muß ich heute einschätzen – vor allem, weil die Nazipropaganda immer noch tief genug saß, um die Fremdenlegion als etwas schrecklich Verwerfliches zu empfinden, nicht weil sie als Instrument der kolonialen Unterdrückung fremder Völker diente, sondern weil sie etwas „absolut Undeutsches” darstellte. So entschied ich mich dann, als die Werbung für die Fremdenlegion schließlich durch die Anwerbung von Freiwilligen für einen Arbeitseinsatz in Frankreich – mit nur etwas weniger materiellen Anreizen verbundenen Versprechungen – ergänzt wurde, für eine solche Arbeit.

Kaum jemand hatte am zweiten Tag noch etwas zu essen

Diese Wahl führte zu schnellen Konsequenzen. Nach wenigen Tagen schon wurde ein erster Transportzug zusammengestellt, zu unserer Überraschung befand sich auf den Güterwagen (für acht Pferde oder 40 Mann) auch reichliche Verpflegung für 40 Mann – die allerdings, wie wir dann erfahren mußten, für volle drei Tage reichen sollte und damit genau so knapp war wie die alte Wehrmachtsverpflegung, die wir vorher erhalten hatten – eine bittere Enttäuschung und meine erste Bekanntschaft mit verlogenen Wahlversprechen. Kaum jemand hatte am zweiten Tag noch etwas zu essen, zu trinken bekamen wir glücklicherweise bei jedem Halt auf kleinen Bahnhöfen.

Solange wir durch das besetzte Deutschland fuhren, sahen wir ab und zu Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder, die uns mitfühlend zuwinkten. Völlig anders wurde es auf den Reisekilometern in Frankreich. Hier wurden schon haßerfüllte Schimpfworte laut, und manchmal flog auch ein Stein. Für mich war das völlig unverständlich, in meiner Naivität dachte ich überhaupt nicht daran, daß ein ganzes Volk die Deutschen anders sehen könnte als ich und daß die Franzosen mit der deutschen Besatzung auch andere Erfahrungen gemacht haben könnten als gelegentliche gemeinsame Verbrüderungsszenen bei gutem französischen Rotwein, das paßte nicht in meine beschränkten Vorstellungen. Was mir persönlich aber noch unmittelbare Beschwerden brachte, war die Tatsache, daß ich bei Beginn der Fahrt volle 8 Tage keinen Stuhl gehabt hatte – offenbar versuchte der ausgehungerte Körper, das Allerletzte aus den wenigen Nahrungsmitteln herauszuholen, nichts blieb an Füllstoffen.

Am neunten Tag, dem zweiten unserer Fahrt, konnte ich dann mit ungewöhnlicher Anstrengung ein knochenhartes Stück Kot herauspressen, was mir vor allem aus einem Grund wichtig war: Ich hatte mich mit einem etwa ein Jahr älteren „Kumpel”, einem Wolfgang Dürselen aus Berlin, entschlossen, nachts vom Zug abzuspringen und zu versuchen, uns in die neutrale Schweiz durchzuschlagen, wir hatten von der Gefangenschaft genug. Da wir mit längerem Aufenthalt unterwegs rechneten und in „Feindesland” waren, hätte uns ein Darmverschluß gezwungen, zivilisierte Hilfe anzunehmen und damit unsere Flucht zu beenden. Logisch denken konnte ich also offenbar.

Es reichte jedoch nicht, zu erkennen, daß die Schweizer Regierung, die sich während der Hitler’schen Siegeszüge kaum antifaschistisch verhielt, nach dem alliierten Sieg kaum Interesse daran haben konnte, die unterlegenen deutschen Soldaten aufzunehmen. Meine Illusionen gingen aber so weit, daß ich in der dritten Nacht unseres Transports – wir waren inzwischen schon etwa 100 km in Frankreich – etwa ein bis zwei Minuten nach Wolfgang vom Zug absprang.

Die nächtliche Orientierung nach dem Polarstern war uns beiden noch von der militärischen Ausbildung her bekannt

Wir hatten uns vorher genau überlegt, wie wir das zu tun hätten. Etwa jeder 6. Waggon war mit Wachtposten besetzt, die bei langsamer Fahrt mit Taschenlampen am Zug entlang leuchteten, um sofort auf Flüchtende schießen zu können. Der Zug mußte also schnell fahren, aber nicht so schnell, daß wir uns verletzten. Wir mußten außerdem sofort nach dem Absprung dicht an die Schiene heran, damit wir nicht so leicht gesehen würden, und aus dem gleichen Grund müßten wir das Gesicht solange nach unten halten, bis der letzte Wagen weit genug entfernt wäre. Wie durch ein Wunder klappte alles genau.

Nur eins funktionierte nicht gleich. Wie verabredet, lief ich nach einem tiefen Atemholen und mit einem Gefühl der Befriedigung zurück, Wolfgang sollte dem Zug nachlaufen, und so hätten wir uns begegnen müssen. Jedoch hatten wir offenbar beide die Fahrstrecke zwischen unseren beiden Absprüngen falsch eingeschätzt, jedenfalls gaben wir nach längerer Suche auf und gingen in die vorgesehene südliche Richtung – dahin, wo wir die schweizerische Grenze vermuteten, zumindest die nächtliche Orientierung nach dem Polarstern war uns beiden noch von der militärischen Ausbildung her bekannt. Und so geschah ein zweites Wunder in dieser Nacht: In einem kleinen Wäldchen auf einer Lichtung, etwa 1 km von der Bahnstrecke entfernt, sah ich plötzlich gegen den schwach schimmernden Horizont eine hochaufgeschossene Gestalt – es war Wolfgang.

Dieses kaum noch erwartete Zusammentreffen, in einer zwar sternklaren, aber doch sehr dunklen Nacht, mitten in einem fremden Land, hätte unseren Optimismus bis zur Euphorie gesteigert, wenn uns nicht der ständig knurrende Magen sofort an die nüchterne Realität erinnert hätte. Wir mußten uns erst einmal etwas zu essen besorgen.

Wir brachten es beide nicht übers Herz, mit einem Messer auf das Tierchen loszugehen

Da wir keine Ahnung hatten, wo wir uns befanden, entschlossen wir uns, zur Bahnstrecke zurückzugehen, um erst einmal wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen zu kommen – da war die Wahrscheinlichkeit größer, etwas Eßbares zu finden. Die Überlegung war korrekt, wir fanden in einer Art leerem Bahnwärterhäuschen etwa 10 vertrocknete Scheiben geröstetes Weißbrot – eine Delikatesse –, dazu angebrochene Flaschen oder Dosen mit Saft und Kondensmilch, und als Krönung eine große Konservendose, deren Inhalt sich erst später entpuppte: eingemachte Aprikosen, wegen des hohen Zuckergehalts besonders nahrhaft.

Dann gingen wir wieder zurück in das Wäldchen, wo wir uns für den Rest der Nacht und den ganzen folgenden Tag aufhielten, da wir uns erst einmal wieder ein bißchen aufmöbeln wollten. Das war aber nicht ganz einfach. Am Tage, es war immerhin Anfang Juni, brannte die Sonne unbarmherzig, wenn wir uns auszogen, kamen scharenweise Mücken, und wenn wir uns anzogen, schwitzten wir und verursachten eine doppelte Aktivität der Läuse, die wir uns schon in Bad Kreuznach geholt hatten und die wir trotz täglicher gründlicher und auch erfolgreicher Jagd nicht vollständig beseitigen konnten.

So war die kommende Nacht nicht nur Ausgangspunkt unseres weiteren Fluchtweges, sondern auch Erquickung. Da wir uns nicht auf die Straßen wagten, gingen wir meist querfeldein und nahmen mit, was wir unterwegs fanden. Auf einem einsamen Bauernhof fanden wir einige Eier im Hühnerstall, vor dem Bauernhaus waren zum Abholen große Milchkannen aufgestellt – wir schöpften ohne Rücksicht auf die Hygiene mit unseren reichlich verschmutzten leeren Konservendosen die köstlich schmeckende Sahne ab, wir fanden im Schafstall ein rührend kleines Lämmchen, brachten es aber beide nicht übers Herz, mit einem Messer auf das Tierchen loszugehen – der Hunger war offenbar noch nicht stark genug, oder er war durch Eier und Sahne schon etwas gestillt.

In einem abgestellten Wagen der US-Army requirierten wir einen amerikanischen Stahlhelm und eine regendichte Uniformjacke, beides erwies sich wenige Stunden später als nützlich, als wir zu spät Autoscheinwerfer bemerkten – wir schauspielerten vor dem sich nähernden Wagen eine Liebesszene zwischen einem US-Soldaten und einer Französin, und das Auto fuhr ohne Halt vorbei.

Ich bin heute nicht mehr ganz sicher, ob wir noch eine dritte Nacht in Freiheit verbrachten oder ob schon am Morgen nach der zweiten Nacht das passierte, was eigentlich schon viel früher kommen mußte: Beim Picknick im Walde – nicht mehr das erste Wäldchen, sondern ein etwas größeres Stück – überraschte uns plötzlich ein französischer Bauer oder Forstgehilfe oder was auch immer. Der war sicher genauso erschrocken wie wir, Wolfgang stammelte irgendetwas, was er für französisch hielt, und der Angesprochene machte sich ohne besondere Hast wieder aus dem Staube. Unsere ungebrochene Naivität ließ uns nun erst einmal beraten, ob der Franzose uns nun wohl an die Amis verraten würde oder nicht, nach einer Stunde jedenfalls entschieden wir uns, vorsichtig bis zum Waldrand zu gehen und erst einmal Ausschau nach potentiellen Häschern zu halten, und richtig liefen wir genau einer amerikanischen Streife in die Hände, und so erfolgte meine zweite Gefangennahme.

ENDE TEIL 1

(Teil 2 folgt morgen)

Titelbild: United Kingdom Government / public domain / Junger deutscher Kriegsgefangener mit anderen Gefangenen, die während des Vormarschs in Deutschland gefangen genommen wurden, 29. März bis 4. April 1945

(Auszug von RSS-Feed)

Statista-Umfrage entlarvt Klima-Narrativ: Bürger glauben nicht an Alarmismus

06. Juni 2026 um 13:00

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Trotz der allgegenwärtigen Klimawahn-Propaganda von Politik und Medien sehen in den meisten Ländern nur wenige Menschen darin ein wichtiges Problem für ihre Heimat. Für die meisten Menschen rangiert dies bei den nationalen Problemen irgendwo unter „ferner liefen“. Der permanente Dauer-Alarmismus verfängt nicht.

Wirft man einen Blick in die Mainstreammedien oder hört man den Politikern der Systemparteien zu, könnte man denken, der Klimawandel sei das absolut dringlichste Problem der Menschen. Doch die „veröffentlichte Meinung“ hat diesbezüglich – wie so oft beim Mainstream – mit der „öffentlichen Meinung“ offensichtlich nicht viel gemein. Dies zeigt sich auch anhand einer Auswertung des Portals Statista von eigenen Umfragedaten weltweit.

Grafik: Statista

Üblicherweise werden dabei Themen wie die Wirtschaftslage, die Inflation, die Armut, die Arbeitslosigkeit, die Kriminalität, die Korruption, die Gesundheitsversorgung, das Bildungssystem, die Wohnungsnot, die Migration, der Terrorismus, die Steuerlast und dergleichen abgefragt. Inzwischen (wie sollte es auch anders sein?) spielt eben politisch motiviert auch der Klimawandel eine entsprechende Rolle bei der Befragung der Menschen.

Interessant dabei ist jedoch, wie unterschiedlich Statista das Thema für den deutschsprachigen und für den internationalen Markt aufbereitet. Während man dem deutschsprachigen Publikum die Grafik-Headline „Wo wird der Klimawandel besonders ernst genommen?“ (und dazu lediglich die Prozentzahlen zeigt) präsentiert, heißt es in der internationalen, englischsprachigen Variante „Climate Change: No. 1 Problem of No Nation?“ (Klimawandel: Das Nummer-Eins-Problem keiner Nation?) – und dazu werden die Ranking-Ergebnisse dieses Themas aus allen 17 Themen dargestellt.

Grafik: Statista

Die Begleittexte suggerieren dabei jedoch, dass die Menschen sich viel zu wenig Sorgen machen würden. Und natürlich darf im deutschen Text der Hinweis auf die angeblich hohen CO2-Emissionen Deutschlands nicht fehlen. Im englischsprachigen Begleittext hingegen weist man auf die angeblich alle paar Jahre neu aufgestellten Temperaturrekorde als Narrativ-Vermittler hin. Doch von allen möglichen Problemen in den 32 Ländern, in denen diese Umfrage durchgeführt wurde, kann das Thema Klimawandel keinen Top-Platz erreichen. Lediglich in Japan liegt es auf dem fünften Platz – in Deutschland (mit 25 Prozent, die den Klimawandel als wichtiges Problem erachten) reicht es gerade einmal für Platz 10.

Es zeigt sich, dass die Mehrheit der Menschen weltweit offensichtlich mehr Wert auf reale Probleme legt als auf irgendwelche abstrakten, fiktiven Narrative einer angeblich drohenden Klimaapokalypse. Hätte man den Befragten nicht eine Liste mit vorgegebenen Themen vorgelegt, läge der Prozentsatz wohl noch deutlich niedriger. Denn wer denkt schon an das Wetter, wenn es um die alltäglichen Probleme des eigenen Heimatlandes geht?

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WHO macht Hitze zur Dauerkrise: Neuer Acht-Punkte-Plan kommt aus Berlin

06. Juni 2026 um 10:00

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WHO Europa präsentiert am 11. Juni einen neuen Leitfaden für Hitzeaktionspläne. Die Gesundheitsgefahr ist real. Bei Alarmbegriffen und Modellzahlen bleibt trotzdem Genauigkeit Pflicht.
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Porträts der Nationalmannschaft: Diese 26 Spieler bilden die deutsche Elf

06. Juni 2026 um 09:26

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Kurz vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko werfen wir einen Blick auf die deutsche Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann. Mit im Kader sind Welt- und Europameister sowie Deutsche, Englische, Türkische und Spanische Meister.
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Studie zeigt: „Erneuerbare“ Energien schaden der Biodiversität

06. Juni 2026 um 07:00

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Man verkauft den Menschen die sogenannten „erneuerbaren“ Energien als Rettung der Erde vor einer angeblichen „Klimakatastrophe“. Doch Windkraftwerke, Solarfarmen & Co schaden der Biodiversität und damit ausgerechnet all dem, was man vorgeblich zu „retten“ versucht. Eine Studie australischer Wissenschaftler belegt dies schwarz auf weiß.

Das von den Klimafanatikern vermittelte Bild ist eigentlich ganz simpel: Man müsse nur sämtliche Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke auf der Welt abschalten und diese durch Wind- und Solarkraftwerke ersetzen – und schon habe man einen wichtigen Beitrag zur Rettung der Welt vor der angeblich drohenden Klimaapokalypse geleistet. Ein äußerst simples Weltbild, das zwar mit der komplexen klimatischen Realität unseres Planeten nicht viel gemein hat, sich aber offensichtlich gut verkaufen lässt.

Doch wenn man sich die mittlerweile bereits zu Dutzenden veröffentlichten Studien und Berichte über die immensen negativen Auswirkungen auf die Flora und Fauna ansieht, wird auch deutlich: Mit Umweltschutz hat der angebliche Klimaschutz nicht sonderlich viel am Hut. Dies wird auch in der bereits im Jahr 2020 im Fachjournal Global Change Biology unter dem Titel „Renewable Energy Development Threatens Many Globally Important Biodiversity Areas“ veröffentlichten Studie deutlich (vielen Dank an dieser Stelle an die Kollegen von ScienceFiles, für den Hinweis auf diese bislang wenig beachtete Arbeit).

In dieser umfassenden Arbeit, kommen die Autoren nämlich trotz des Versuchs der politischen Korrektheit nicht darum herum, die extrem negativen Auswirkungen von Solarparks, Windfarmen und auch Wasserkraftwerken in Naturschutzgebieten und anderen für die globale Biodiversität wichtigen Habitaten (die sogenannten „Key Biodiversity Areas“, KBAs) zu thematisieren.

Doch dabei beschränkten sich die Studienautoren nicht etwa nur auf ein paar exemplarische Naturschutzgebiete bzw. die sogenannten KBAs, sondern auf insgesamt 41.083 Naturschutzgebiete, 18.268 Schlüsselgebiete für Biodiversität, 93 Prozent der zu der Zeit vorhandenen Kapazität an Stromerzeugung durch Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke, sowie 99 Prozent der sich damals in Bau befindlichen solcher Anlagen. Dabei beschränkten sie sich jedoch auf Kraftwerksanlagen mit mindestens 10 Megawatt an Nennleistung, weshalb lediglich 29 Prozent der bereits errichteten, aber 78 Prozent der sich im Bau befindlichen Kraftwerke erfasst wurden.

Auch wenn die Studie selbst keine Quantifizierung der Auswirkungen auf die Biodiversität vornimmt, verweisen die Autoren darin auf eine erhebliche Anzahl von anderen Studien, in denen andere Forscher auf die entsprechenden negativen Entwicklungen durch Wasser-, Wind- und Solarkraftwerke, sowie des damit verbundenen Ausbaus der Infrastruktur hinweisen. Sehr viele solcher Studien und Berichte haben auch wir bei Report24 in den letzten Jahren thematisiert:

Unter dem Deckmantel, angeblich „das Klima“ retten zu wollen, zerstören die Apologeten des Klimakults die natürliche Artenvielfalt. Wie diese „Weltrettung“ funktionieren soll, indem man die Biodiversität unseres Planeten sukzessive zerstört, ist eine Frage, die man sich weder seitens der verantwortlichen Politiker, noch seitens der Mainstreammedien stellt.

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UN-Sicherheitsrat: Afrika übt scharfe Kritik an Baerbock nach Abstimmungspleite

06. Juni 2026 um 06:27

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Nach Deutschlands Scheitern bei der UN-Sicherheitsrat-Bewerbung wächst Kritik an Annalena Baerbock. Ex-Botswana-Präsident Mokgweetsi Masisi kritisiert ihre herablassende Afrikapolitik. Er sieht darin verlorene Stimmen bei der UN-Abstimmung.
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Starkult

06. Juni 2026 um 06:07

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Anmerkungen zum Phänomen des Stars und der Starverehrung in der Moderne.

Der Beitrag Starkult erschien zuerst auf .

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Gestern — 05. Juni 2026

Nach Attacke auf Frau: Hamburger Wolf wahrscheinlich tot

05. Juni 2026 um 19:38

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Die Sendesignale des freigelassenen Wolfes reißen plötzlich ab. Das junge Tier ist wie vom Erdboden verschluckt. Die Umweltbehörde geht nicht von einem Defekt des Senders aus.
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Verbrenner-Aus: Sieben EU-Länder wollen „ehrgeizigen Kurs“ bei E-Autos halten

05. Juni 2026 um 16:16

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Sieben EU-Staaten gehen auf Konfrontationskurs zu Deutschland: In einem gemeinsamen Schreiben fordern Länder wie Frankreich und Spanien, unnachgiebig am geplanten Verbrenner-Aus festzuhalten. Jede weitere Lockerung der CO₂-Regeln halten sie für einen strategischen Fehler, der den industriellen Wandel gefährdet.
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Merkel räumt Versäumnisse in Verteidigungs- und Digitalpolitik ein

05. Juni 2026 um 15:22

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Angela Merkel blickt kritisch auf ihre Regierungsjahre zurück und gesteht strategisches Zögern in der Verteidigungs- und Klimapolitik. Neuen politischen Ämtern oder diplomatischen Missionen im Konflikt mit Russland erteilt die CDU-Politikerin eine endgültige Absage.
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WM: Fanmeile fällt aus, Public Viewing eingeschränkt

05. Juni 2026 um 06:23

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Zur Fußball-WM sind in Deutschland vielerorts Public-Viewing-Veranstaltungen geplant. Wegen des Lärmschutzes gelten jedoch je nach Stadt und Gemeinde unterschiedliche Regeln für Übertragungen im Freien.
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Linke „Bürgerrechtsgruppe“ erstattete KKK-Mitgliedern Kosten für Kreuzverbrennungen

05. Juni 2026 um 13:00

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In den USA flossen mehrere Millionen Dollar von einer linken „Bürgerrechtsorganisation“ an den Ku-Klux-Klan und auch an andere Neonazigruppen. Ziel war es offensichtlich, die rassistische Organisation weiter wachsen zu lassen, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Aussteigewillige wurden sogar dafür bezahlt, weiter Mitglied zu bleiben.

Wie Report24 bereits im April berichtete, wurde gegen die linke „Bürgerrechtsorganisation“ Southern Poverty Law Center (SPLC) wegen Betrugs, Geldwäsche und systematischer Täuschung von Spendern ermittelt und Anklage erhoben. Nun wurde laut der New York Post im US-Bundesstaat Alabama eine ergänzende Anklageschrift eingereicht. Darin werden die Fälle mehrerer Informanten aus dem Ku-Klux-Klan (KKK) geschildert, die mit Geldern bezahlt wurden, welche das SPLC von Spendern unter dem Vorwand eingesammelt hatte, „Hass und Ungerechtigkeit aufzudecken“ sowie um „Diskriminierung zu bekämpfen“.

Zwei Klan-Mitglieder, die in der Anklageschrift lediglich als F-31 und F-32 bezeichnet werden, wandten sich demnach im Jahr 2010 aus Angst um ihre Sicherheit an das SPLC und wollten den Ku-Klux-Klan verlassen. Anstatt ihnen beim Ausstieg zu helfen, sollen sie laut Staatsanwaltschaft über eine Scheinfirma namens „Rare Books Warehouse“ monatlich 1.200 Dollar plus Spesen erhalten haben, damit sie im Klan blieben. Doch das ist noch nicht alles: So wurde ein Teil des Geldes laut der Anklage dazu verwendet, neue Mitglieder für die rassistische Organisation anzuwerben und die berüchtigten weißen Klan-Kapuzengewänder herzustellen.

Mehr noch wurden von der SPLC auch sämtliche Kosten für die Kreuzverbrennungsveranstaltungen erstattet – Holz und Brennstoff inklusive. Hinzu kommen Gelder zur Begleichung von Kosten für Versammlungen, die Gründung neuer Ortsgruppen, die Veröffentlichung rassistischer Propagandamaterialien sowie anderer extremistischer Literatur. Dies alles soll bereits seit den 1980er-Jahren dazu gedient haben, solche Gruppen zu infiltrieren. Nach Angaben der Bundesbehörden nutzte die Organisation dabei gezielt fiktive Unternehmen, um vor ihren Spendern zu verschleiern, dass zwischen 2014 und 2023 insgesamt 4,1 Millionen Dollar an sogenannte „Feldquellen“ gezahlt wurden.

Darunter befinden sich auch ein „Imperial Wizard“ des KKK, sowie ein Leiter einer Chatgruppe, die die rechte Demonstration „Unite the Right“ im Jahr 2017 in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia geleitet hatte. Eine weitere Quelle – die sich angeblich in einer romantischen Beziehung mit einem SPLC-Mitarbeiter befand – erhielt 1,2 Millionen Dollar für Aktivitäten, darunter den Diebstahl von 25 Kisten mit Dokumenten der neonazistischen Organisation National Alliance. Im selben Zeitraum, in dem die Informanten mit gewaschenem Geld bezahlt worden sein sollen, stiegen die Einnahmen des SPLC laut Staatsanwaltschaft um 233 Prozent – von 38,7 Millionen Dollar im Jahr 2010 auf 129,1 Millionen Dollar im Jahr 2023. Auch das Nettovermögen der Organisation wuchs in diesem Zeitraum erheblich: von mehr als 238 Millionen Dollar im Jahr 2010 auf über 786 Millionen Dollar im Jahr 2023.

Zwar behaupten die Anwälte, die gesammelten Informationen durch diese Informanten hätten auch zu Verurteilungen von „gewalttätigen Extremisten“ geführt – doch eigentlich ist es die Aufgabe der Strafverfolgungsbehörden, solche Informanten zu gewinnen oder Undercover-Polizisten zu platzieren. Mehr noch hat die finanzielle Unterstützung den Ku-Klux-Klan auch noch stärker gemacht, anstatt ihn zu schwächen. Und das alles nur, um noch mehr Spendengelder im „Kampf gegen rechts“ zu kassieren und diesen in der Öffentlichkeit rechtfertigen zu können.

(Auszug von RSS-Feed)

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (19)


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„Ich wurde auch dem russischen Kommandanten vorgeführt und sagte: „Wir sind hier vier deutsche Kommunisten (Funktionäre) und können eventuell jetzt in Deutschland an irgendwelchen Stellen gebraucht werden.“ Er stellte die Frage: „Wie oft warst Du zum Tode verurteilt?“ Auf meine Antwort, daß das nicht der Fall war, sagte er, daß wir ruhig noch eine Weile warten sollen.“

In dieser 19. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ teilt unser Leser Heinz Grote die Erinnerungen seines Großvaters Friedrich Rausch aus dessen Nachlass: Erlebnisse aus den letzten Kriegstagen 1945 und der anschließenden sowjetischen Kriegsgefangenschaft.

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.

Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil, den sechzehnten Teil, den siebzehnten Teil, sowie den achtzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


Am 5. Mai 45 wurden wir in einem kleinen schmutzigen Tanzsaal auf Admiral Dönitz vereidigt

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,

ich selbst bin erst 1954 geboren, habe also bisher das Glück, keine Erfahrungen mit Krieg und den unmittelbaren Folgen zu haben. Trotzdem möchte ich zu dem Aufruf etwas beisteuern:

In dem Nachlass meines Großvaters mütterlicherseits (Jahrgang 1897) habe ich eine Beschreibung seiner Erlebnisse der letzten Kriegstage und seiner Zeit in sowjetischer Gefangenschaft gefunden, geschrieben unmittelbar nach seiner Heimkehr im September 1945. („Gefangenschaft“)

Auch mein Vater (Jahrgang 1927 und noch am Leben) hat (allerdings erst viele Jahre später) einen Bericht über seine Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft geschrieben, der im folgenden Anhang beigefügt ist. („Kriegsgefangenschaft“)

Beide Berichte sind zur Veröffentlichung möglicherweise zu lang und ausführlich. Gerade die Beschreibung einzelner Details hat mich bei der Lektüre aber so fasziniert, dass ich sie einem größeren Publikum nicht vorenthalten möchte. Weitere Fragen oder Ergänzungen zu den Personen und deren Lebensumständen kann ich gern beantworten.

Ihnen bei diesem und den anderen Projekten der NachDenkSeiten viel Erfolg wünschend,
verbleibe ich mit solidarischen Grüßen

Heinz Grote

Anm. d. Red.: Wir veröffentlichen beide Berichte. Zunächst hier den Bericht „Gefangenschaft“ über die Zeit in sowjetischer Gefangenschaft. Morgen folgt der Bericht des Vaters über die Zeit in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

„Friedrich Rausch
Berlin-Neukölln, den 18.9.45

Gefangenschaft

Am 24.4.45 erhielt ich nach telefonischer Vorladung vom Wehrmeldeamt Glatz meine Einberufung zur Wehrmacht. Ich war von der Fa. C. Lorenz AG von Berlin nach Rengersdorf bei Glatz verlagert worden und war ungefähr 14 Monate dort in Schlesien tätig. Über die Unterbringung und Verpflegung am Verlagerungsort kann man der Firma nur die Note „äußerst mangelhaft“ ausstellen. Ich habe selten so gehungert wie dort unten in den landwirtschaftlichen Gefilden Schlesiens. Die miserable Verpflegung in der Kantine läßt nur auf riesige Unterschlagungen der leitenden Personen schließen.

Ein Offizier hat sich zu dem Theater nicht mehr gefunden.

Also, ich mußte mich am 28.4.45 bei dem Jäger-Btl. in Trautenau melden. Ein Desertieren war nicht möglich. Die Firma lehnte eine Sicherstellung meiner Zivilsachen ab. Es war keine Möglichkeit mehr vorhanden, dieselben nach Berlin zu schaffen. Ich wollte sie von Trautenau zu einer Genossin in den „Riesengrund“ bringen, die dorthin evakuiert war. Am Sonnabend kam ich in Trautenau an und wollte am Sonntag den Ausflug in den Riesengrund unternehmen. Vielleicht wäre ich nicht mehr nach Trautenau zurückgekommen; aber man führte uns am Sonntag schon zum Bahnhof und brachte uns tief in die Tschechei nach Deutschbrod. In Heralitz landete ich bei den Landesschützen und wurde mit ungefähr 20 Leidensgefährten der Genesungskomp. in Wiesch zugeteilt. Wir staunten über den schneidigen Exerzierton, der hier noch herrschte nach 6 Kriegsjahren. Mit Wachdienst und Griffeklopfen wollte man aus uns, die alle den Jahrgängen 1897–1900 angehörten, noch Soldaten machen. Ausrüstungsstücke waren kaum noch vorhanden. Ich habe in Knickerbocker, Waffenrock, Krätzchen und Lodenmantel Dienst gemacht. Am 5. Mai 45 wurden wir in einem kleinen schmutzigen Tanzsaal, der unser Schlafraum war, vereidigt. Ein Offizier hat sich zu dem Theater nicht mehr gefunden. Oberfeldwebel Heitwig, ein echter Himmelstoß, hat uns dann mit Hilfe eines Seitengewehrs auf Admiral Dönitz vereidigt.

Am Nachmittag machten die Tschechen unseres Dorfes, die sonst nicht unfreundlich gegen uns waren, eine kleine Revolution. Sie musizierten, tanzten und sangen auf dem Dorfplatz, entfernten die deutschsprachigen Schilder von den Wegweisern und Geschäften. Abends war die Stimmung jedoch schon wieder umgeschlagen. Es war wieder alles ruhig und die Schilder wurden wieder angebracht. Bei der Stammkomp., die sich im 7 km entfernten Heralitz befand, ist es etwas bunter zugegangen. Dort wurden die Landesschützen entwaffnet, bekamen aber am anderen Morgen ihre Waffen wieder.

So zog ich dann wie Kamerad Schwejk über die Landstraßen Böhmens

Am 8. Mai packten wir dann unsere Sachen und luden sie auf lange Leiterwagen, die von den Tschechen gestellt wurden. Für die Benutzung bezahlte jeder Landser 2 RM. Die Schreibstube, Panzerfäuste und sonstigen Waffen fuhren für unser Geld mit. So sind wir ungefähr 25-30 km getippelt. Weiter wollten uns unsere Fuhrherren nicht mehr fahren und wir haben dann in einem kleinen Dorfe abgeladen. Nun stand ich da mit meinem vielen Gepäck.

Ich tauschte ein Paar Schnürschuhe gegen einen Leiterwagen, denn tragen konnte ich ja meine vielen Sachen nicht. So zog ich dann wie Kamerad Schwejk über die Landstraßen Böhmens. Meine Flinte, Seitengewehr und die mit 60 scharfen Patronen gefüllten Patronentaschen hängte ich an einen Gartenzaun. An einer Weggabelung – nördlich ging’s nach Prag, südwestlich nach Tabor – überlegte ich erst eine Weile, welche Route ich einschlagen sollte. Prag lag besser in der Richtung auf Berlin; aber auf der Straße war kein Mensch zu sehen und wenn ich allein dort langgezogen wäre, hätten mich die Tschechen totgeschlagen, also tippelte ich dort, wo der Heerwurm sich entlangwälzte. Die Parole lautete: „So schnell wie möglich zum Ami, damit wir nicht den Russen in die Hände fallen.“

Russische Soldaten forderten uns auf, unsere Waffen an den Straßenrand zu legen

Bis zum 10. Mai sollten wir noch Zeit haben, die Moldau zu erreichen, die als Grenze zwischen den Russen und den Alliierten bezeichnet wurde. Gegen 5 Uhr nachmittags am 9. Mai näherten wir uns einem kleinen Städtchen und sahen von den dahinterliegenden Bergen Panzer hinter Panzer herabrollen. Diese wurden von den langjährigen Landsern als russische ausgemacht.

Plötzlich standen mitten unter uns tausenden Bewaffneten drei junge russische Soldaten und forderten uns auf, unsere Waffen an den Straßenrand zu legen und nicht zu beschädigen. Ich staunte über ihren Mut. Im Nu waren auch russische Offiziere da. Sie ließen auf den Feldern neben der Straße antreten, nahmen uns Uhren, Goldsachen und feststehende Messer ab. Wir wurden dann in der Stadt auf eine sehr nasse Wiese geführt, wo wir schlafen sollten. Bei einbrechender Dunkelheit wurden wir jedoch auf den Marktplatz gebracht, wo wir entschieden trockener schliefen. Bei der Überführung von der Wiese zum Markt wurde mir dann mein Koffer mit meinen gesamten Zivilsachen von einem russischen Soldaten unter Vorhaltung seiner Maschinenpistole abgenommen.

Am anderen Morgen traten wir dann den Marsch nach Pilgram an. Nach 2-3 Tagen erreichten wir diese tschechische Stadt und bezogen den dortigen Sportplatz als unser erstes Gefangenenlager. Hier wurden wir in Kompanien und Bataillone eingeteilt. Verwaltung und Verpflegung wurde den deutschen Offizieren übertragen. Ich hatte den Eindruck, daß die deutsche Leitung dem Küchenproblem ziemlich ratlos gegenüberstand. Die Russen brachten 20 Benzinfässer und zeigten, wie man daraus in kurzer Zeit 20 riesige Kochkessel herstellen kann. Am anderen Tag rauchten 20 Schornsteine in unserer Küche und wir erhielten ein, wenn auch nicht reichliches, aber doch schmackhaftes Essen. Die Wasserversorgung unseres Lagers wurde mehr und mehr eine Katastrophe für das Städtchen und wurde der Anlaß, unser Lager schnellstens zu verlegen.

Er stellte die Frage: „Wie oft warst Du zum Tode verurteilt?“

Im Lager auf dem Sportplatz lernte ich einige kommunistische Funktionäre aus Schlesien und Berlin kennen. Im Laufe der Unterhaltungen kamen wir zu dem Entschluß, den russischen Kommandanten aufzusuchen. Ein oberschlesischer Genosse sagte, er wäre schon dort gewesen, ich glaube aber, es entsprach nicht den Tatsachen. Ich erhielt dann den Auftrag, einen Vorstoß in dieser Richtung hin zu unternehmen. Ich mußte den vorgeschriebenen Weg über Feldwebel, Komp.-Führer, Battl.-Kommandeur, deutschem Lagerkommandanten, russ. Lagerkommandanten gehen. Ich wurde auch dem russischen Kommandanten vorgeführt und sagte: „Wir sind hier vier deutsche Kommunisten (Funktionäre) und können evtl. jetzt in Deutschland an irgendwelchen Stellen gebraucht werden.“ Er stellte die Frage: „Wie oft warst Du zum Tode verurteilt?“ Auf meine Antwort, daß das nicht der Fall war, sagte er, daß wir ruhig noch eine Weile warten sollen.

Wenn ihnen nach dem Krieg einer mit Politik käme, dann würden sie ihn vom Hof jagen.

Mein Vorgehen hat verschiedene Wirkungen bei den deutschen Vorgesetzten ausgelöst, natürlich hat auch die Ablehnung des Russen dazu beigetragen. Mein Feldwebel war schadenfroh und wurde gehässig. Der Adjudant des deutschen Lagerkommandanten, ein junger Oberleutnant, forderte mich auf, ihm doch einige Aufklärung über Kommunismus zu erteilen. Mit dem Oberleutnant habe ich dann auch noch einige Diskussionen gehabt und ich glaube, wenn wir uns nicht aus den Augen gekommen wären, hätten wir dieselben auch noch weitergeführt, aber ich habe ihn im nächsten Lager nicht mehr finden können.

Im Großen und Ganzen sind meine Versuche, auch mit den drei Funktionären, irgendwelche politischen Diskussionen zu entfachen, verhältnismäßig wenig auf fruchtbaren Boden gefallen. Ich habe immer wieder den Versuch unternommen. Die meisten Landser sagten: Wenn ihnen nach dem Krieg einer mit Politik käme, dann würden sie ihn vom Hof jagen.

Es entwickelte sich an seinen Ufern bald ein reger Badebetrieb.

Wir marschierten dann ab und erreichten nach längerem Marsch das Lager Prosetznitz unweit der Stadt Benneschau. Es war ein ehemaliger SS-Truppenübungsplatz. In der Umgebung waren ca. 30 Dörfer sehr rigoros von der SS evakuiert worden; dadurch war die Stimmung der dortigen Bevölkerung uns gegenüber eine sehr schlechte. Wir kamen aber selten mit der Bevölkerung in Berührung, außer einige kleine Außenarbeitskommandos.

Ungefähr 25.000 Kriegsgefangene waren in dem Lager untergebracht. Die meisten lagen in Baracken, aber auch ein Teil in den Häusern der umliegenden Dörfer. Ich möchte nachtragen, daß auf dem Marsch sehr oft Fälle eintraten, wo den Gefangenen von einzelnen Russen plötzlich Uhren oder Stiefel abgenommen wurden. Manchmal einfach abgenommen, manchmal auf dem Wege des Tausches gegen Brot, Fett oder sonstige Nahrungsmittel. Unsere Leute mußten in den meisten Fällen darauf eingehen, denn ein gewisser Druck stand immer dahinter. Es waren auch einige Fälle zu verzeichnen, wo russische Offiziere, manchmal sogar sehr energisch, den Raub oder Tausch verhinderten.

Im Lager wurden wir in Hundertschaften, Battl. und Regimenter eingeteilt. Eine Hundertschaft hatte als Vorgesetzte einen Ob.-Ltn., als Komp.-Führer einen Leutnant und einen Spieß. Das Batl. wurde geführt von einem Hauptmann. 10 Batl. waren ein Regiment und umfaßten ungefähr 10.000 Mann. Der deutsche Lagerkommandant war ein Oberstleutnant Becker. Die einzelnen Hundertschaften wurden innerhalb der Bataillone sehr oft durcheinander gewürfelt, mußten von einer Baracke oder Stube in die andere ziehen und hatten dadurch allerlei Arbeit mit der Neueinrichtung der Quartiere.

In dem Lager hielten wir uns drei Monate auf. Das Beste an dem Lager war die Sasau, ein ungefähr 150 m breiter, flacher aber sehr reißender Bergfluß. Sehr viel Felsbrocken lagen im Flußbett. Es entwickelte sich an seinen Ufern bald ein reger Badebetrieb. Man konnte ja nicht drin schwimmen, aber für unsere Reinigung und für das Kochwasser war dieser Fluß geradezu ideal. Trotzdem gab es viele, die sich tagelang nicht gewaschen haben. Das Lager lag 300 m über dem Meeresspiegel.

2 Monate Graupen, 1 Monat Erbsen

Die Verpflegung bestand aus morgens ¼ l Kaffee, mittags 9/10 l Essen, 2 Monate Graupen, 1 Monat Erbsen, abends ½ l Suppe (Graupen oder Erbsen). Das Mittagessen war oft mit Fleisch gekocht, meistens Pferdefleisch. Wir haben auch hin und wieder einen Löffel Marmelade, 24 g Zucker, 2 oder 3 x eingerührtes Käsepulver oder Fett erhalten. Diese Zulagen erhielten wir aber nur in der ersten Zeit. Nachher schienen diese aufgebraucht. Es waren vielleicht noch deutsche Heeresbestände.

Offiziere erhielten bedeutend bessere und reichlichere Verpflegung, empfingen ihr Essen in besonderen Küchen und erhielten auch Rauchwaren. Ich nehme an, daß die Besserstellung der Offiziere in Bezug auf Verpflegung, Quartier und bei Visitationen eine Gegenleistung für die Leistung der Verwaltungsarbeit des Lagers war.

An Brot erhielten wir ungefähr 400 g. Ich glaube, die Brotration der Offiziere war die gleiche. Das Brot war nicht gut. Es war sehr dunkel, viel Mais und Spreu drin. Die Landser hatten allgemein den Eindruck, daß wir von der Küche, vom Intendanten sowie von den Köchen schwer betrogen würden. Es wurden auch Maßregelungen und Bestrafungen durchgeführt. Auch bei der Übernahme der Verpflegung aus russischer Hand in die deutsche sollen große Fehlbeträge gewesen sein. Ein russischer Kommandant soll deshalb abgelöst worden sein, aber das weiß ich nur vom Hörensagen.

Unsere Arbeit bestand im Holz schleppen, Straßenbau (Lagerstraßen), Wasserschleppen, Wachdienst und Reinigung des Waldes und Lagers. Wir verrichteten nur Arbeiten, die für unser Leben im Lager notwendig waren. Das war auch immer die Feststellung der Russen. Die Aufsicht bei der Arbeit hatten meistens deutsche Offiziere. Nur einige Male waren russische Posten beim Holzholen mit im Walde. Da sind einige wenige Fälle vorgekommen, wo ein Gefangener wegen schlechter Arbeitsleistung geprügelt wurde, aber das war vier- oder fünfmal der Fall.

Der Gesundheitszustand im Lager wurde als sehr gut befunden, nur Durchfall war an der Tagesordnung. Ich führe diesen Übelstand auf unvernünftigen Genuß von Wasser zurück.

Für die arbeitsfreien Gefangenen wurde bald Exerzieren, Sport, Ordnungsübungen und Singen angesetzt. Auch die Grußpflicht wurde eingeführt. Jeder Russe war zu grüßen und jeder deutsche Offizier. Ich hatte den Eindruck, dass der Russe die Grußpflicht anders auffaßte, wie unsere Führung. Bei den Russen untereinander war der Gruß kameradschaftlicher Art. Bei uns war es wie früher beim Kommiß. Der deutsche Kommandant, Oberstleutnant Becker, hat sich in der Beziehung manch tolles Stückchen geleistet. Er fuhr immer in einem originellen Wagen durchs Lager, und wenn ein Landser ihn nicht grüßte, gab es immer irgendwelche Auftritte. Es sollen sogar Bestrafungen deshalb vorgekommen sein.

Da hatten Freunde der Sowjetunion einen schweren Stand.

Ein sonderbares Kapitel war die Stimmung unter den Gefangenen. Sie hing von den Parolen ab, die durch das Lager schwirrten. Wir wußten nicht, was in der Welt passierte. Da wurden Parolen geschmiedet: Japan hat kapituliert! Japan hat eine große Seeschlacht gewonnen! Die Alliierten sind uneinig! Wir sind keine Kriegsgefangenen, wir sind Internierte! Wir werden entlassen! Wir kommen nach Sibirien! usw. Eine Parole widersprach immer der vorhergehenden. Aufgrund der Parolen war die Stimmung heute ganz rosig, morgen ganz düster. Die Parolen wurden in die Welt gesetzt von den deutschen Offizieren oder von Gefangenen, die außerhalb des Lagers arbeiteten oder von Landsern, die einen Spaß daran hatten.

Hin und wieder wurden wir durchsucht, wobei uns alles Mögliche abgenommen wurde. Offiziell sollte sich die Abnahme auf Uhren, Kompasse, Landkarten, Photoapparate, feststehende Messer beschränken, aber es wurde alles Mögliche abgenommen. Nach solchen Aktionen oder bei neuen Parolen entstanden natürlich wieder Diskussionen, da hatten dann natürlich Freunde der Sowjetunion einen schweren Stand.

Es wurde auch etwas getan, um die Gefangenen geistig zu beschäftigen. Es wurden viele Vorträge gehalten, Sprachkurse, Stenographie-, Rechen-, Photo-, Radio-, und div. andere Kurse abgehalten. Arbeitsgemeinschaften wurden gebildet. Sehr viele dieser Arbeitsgemeinschaften beschäftigten sich mit Landwirtschaft, Bienenzucht, Maschinenbau. Politische Gruppen gab es nicht, wurden auch stets abgelehnt. Vorträge wie: Eine Reise nach Amerika! Eisenverhüttung! Stahlveredelung! Wie wird Bier gebraut! Was muß der Kleinsiedler wissen! fanden guten Anklang. Der sonntägliche Gottesdienst war mit ungefähr 80% besucht. Es wurde eine Freilichtbühne gebaut. Gute Theaterkräfte waren im Lager. Es wurden Revuen und Reportagen gebracht. Faust wurde aufgeführt, gute Sänger brachten Opernstücke, Operettenschlager und andere Lieder zu Gehör, aber nie war ein etwas neuerer Geist zu spüren. Gute Gesangschöre waren auch in unserem Lager.

Wir schlugen mit einem Beil ein Loch zum Austreten in den Waggonboden

Nach drei Monaten wurden dann Marschblocks zusammengestellt. Es hieß, es geht in die Heimat.

Die Stimmung war natürlich rosig. Wohin die einzelnen Marschblocks fuhren, wußte niemand und es gab wieder die tollsten Parolen. Ich selbst war beim 4. Marschblock. Wir wurden aufgestellt, als der zweite abfuhr. Am 17. August war es bei uns soweit zum Verladen. Wir wurden im Lager zusammengestellt, 2.000 Mann, wurden außerhalb des Lagers durchsucht, einiges wurde uns noch abgenommen, vor allen Dingen die Messer. Dann wurden wir verladen. 40 Mann in einen Waggon, nachher kamen noch einige hinzu, wir waren 42 Mann. Es waren Viehwagen, Fenster vergittert, die Türen waren verschlossen und ziemlich viele Wachmannschaften fuhren mit. Wir hatten keine Latrine im Wagen und schlugen uns nachher mit einem Beil von der Küche ein Loch zum Austreten in den Waggonboden.

Unser Transport bestand aus 2000 Mann und 40 Offizieren. Die Offiziere bekamen einen eigenen Waggon. Wir fuhren immer weiter nach Osten, Tschechei, Österreich, Ungarn, Rumänien. Je weiter wir nach Osten fuhren, je mehr sank die Stimmung. Es wurde uns ja vorher auch gesagt, wir fahren nach Hause. Aus einem Waggon ist ein Fluchtversuch unternommen worden. Fünf Mann sind eines Morgens entsprungen, zwei davon sollen auf der Flucht erschossen worden sein, drei sollen entkommen sein. Wir hatten dadurch dann verschärfte Bestimmungen. Sonst sind wir hin und wieder mal aus dem Waggon gesprungen auf einer Station.

Wir sollen doch endlich glauben, es geht jetzt in die Heimat

In Temesvar (Rumänien) wurden wir nach zwölftägiger Fahrt ausgeladen, die Offiziere blieben in ihrem Waggon. Wir wurden ärztlich untersucht, die Jüngeren und Kräftigen mußten wieder einsteigen und fuhren jedenfalls weiter. 1.000 blieben in Temesvar und 1.000 fuhren weiter. Wir marschierten dann nach einem Lager außerhalb der Stadt. Hier in diesem Lager trafen wir Gefangene des 3. Marschblocks. In diesem Lager gab es für uns keine Arbeit. Das Essen war reichlicher und abwechslungsreicher. Wir wurden nach acht Tagen ärztlich untersucht. Die Alten, Jugendlichen und Kranken wurden zu einem Transport zusammengestellt und zum Bahnhof geführt. Nach dem Verladen ging die Reise bald los.

Wir waren 2.300 Mann, kein Offizier. Der uns begleitende eine russische Leutnant und eine russische Ärztin sagten uns, wir sollen doch endlich glauben, es geht jetzt in die Heimat. Die Wagen waren alle offen und es war keine Bewachung mit. Wir fuhren fast den gleichen Weg zurück. In der Tschechei wurde uns noch ein Kamerad erschossen, weil er sich wehrte gegen Beraubung. Nach 10 Tagen erreichten wir in Bodenbach die Reichsgrenze und bald wurden wir in einer Kaserne in Pirna entlassen und jeder konnte einzeln in seine Heimat fahren. Nur die Schlesier konnten wohl nicht in ihre Heimat, weil die Polen sie noch nicht hinließen.

Am Freitag, den 14.9.45 kam ich in Berlin an. Die Freude war natürlich groß.“


Hier können Sie den zwanzigsten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.

Titelbild: Unknown Soviet photographer / public domain / Deutsche Kriegsgefangene werden nach ihrer Gefangennahme durch die Sowjets durch die Straßen von Kiew geführt.

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Bitcoin schmiert ab: Viermonatstief vor US-Jobdaten

05. Juni 2026 um 11:30

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Bitcoin fällt zeitweise bis auf 61.117 Dollar, Ether und Solana geraten noch stärker unter Druck. Um 14:30 Uhr folgt mit dem US-Arbeitsmarktbericht der nächste Belastungstest.
(Auszug von RSS-Feed)

Todesstrafe verhängt! Das blüht Gruppenvergewaltigern in Pakistan

05. Juni 2026 um 08:00

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In Pakistan wurden zwei Männer zum Tode verurteilt: Sie hatten eine pakistanisch-französische Frau vor den Augen ihrer Kinder brutal vergewaltigt, nachdem sie mit dem Auto auf einer Autobahn liegen geblieben war. In Pakistan steht darauf der Tod durch Hängen.

Ursprünglich wurde das Urteil schon im Jahr 2021 verhängt: Die beiden Männer Abid Malhi und Shafqat Ali wurden wegen Gruppenvergewaltigung, Entführung, Raub und Terrorismusdelikten für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. In Pakistan ist die Hinrichtungsmethode der Tod durch den Strick.

Beide Männer legten damals Berufung ein. Wie aktuell die Daily Mail berichtet, wurde die Berufung aber am Mittwoch von zwei Richtern zurückgewiesen.

Die Vergewaltigung ereignete sich am 9. September 2020. Das Opfer war mit ihren drei Kindern im Auto unterwegs, als ihr der Sprit ausging. Sie blieb auf der Autobahn außerhalb von Lahore liegen, verriegelte die Türen und wartete auf Hilfe, die sie telefonisch gerufen hatte.

Diese kam jedoch zu spät. Malhi und Ali schlugen eine Scheibe des Autos ein, zerrten die Frau nach draußen und vergewaltigten sie vor den Augen ihrer Kinder mit vorgehaltener Waffe. Sie stahlen obendrein Geld, Schmuck und Bankkarten, bevor sie die Flucht ergriffen.

Die Frau konnte die Täter trotz ihres Traumas beschreiben. Sie wurden über Mobilfunkdaten ausfindig gemacht und mehrere Tage nach der Attacke verhaftet. DNA-Proben vom Tatort stimmten mit denen der Männer überein und das Opfer identifizierte die beiden. Zumindest Ali war den Berichten nach geständig.

Frau sollte laut Polizist selbst schuld sein: Empörte Proteste

Der Fall sorgte für erhebliche mediale Aufmerksamkeit und verursachte wütende Proteste in ganz Pakistan, nachdem ein Polizist öffentlich eine Mitschuld des Opfers implizierte: Er prangerte nach der Tat in TV-Auftritten an, dass die Frau eine stärker befahrene Straße hätte wählen müssen. Außerdem kritisierte er, dass das Opfer, das eigentlich in Frankreich lebte, Pakistan wohl fälschlicherweise für ähnlich sicher wie Frankreich gehalten hätte. Tatsächlich leben Frauen in Pakistan gefährlich – die Daily Mail weist darauf hin, dass pakistanische Frauen sexuelle Übergriffe aber häufig nicht anzeigen würden. In einer Gesellschaft, in der viele Vergewaltiger ungeschoren davonkommen (was angesichts der Einstellungen, die der Polizist nach der Gruppenvergewaltigung der Mutter offenbarte, nicht verwundert), wäre das oft auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Bei vielen Pakistanis verfing dieses „Victim Blaming“ durch den Polizisten aber nicht: Es kam zu empörten Protesten. Was zu denken geben darf, denn im modernsten und besten Deutschland aller Zeiten geht niemand für die Opfer von Gruppenvergewaltigungen auf die Straße. Höchstens treffen sich ein paar NGO-Mitarbeiter und Linke in Berlin, um auf politischen Zuruf für Zensur und Verbote in den sozialen Netzen zu demonstrieren (Stichwort „digitale Vergewaltigung“).

Die Wut der Europäer brodelt

Auf Plattformen wie X sorgt das Urteil für emotionale Reaktionen. Während viele Menschen im Westen der Todesstrafe stark ablehnend gegenüberstehen und gerade der Tod durch den Strick als mittelalterlich und unmenschlich wahrgenommen wird, werden in Fällen brutalster Übergriffe wie Gruppenvergewaltigungen doch Forderungen nach härteren und mitunter drakonischen Strafen laut. Der Zorn kocht hier auch und gerade angesichts der mehrheitlich pakistanischen Grooming bzw. Rape Gangs im Vereinigten Königreich hoch.

Mehrere Kommentatoren ziehen online Vergleiche und posten Sprüche wie „Pass auf, Keir Starmer – so sollte man mit Vergewaltigern umgehen“. Viele User prangern an, dass solche Täter in europäischen Ländern kaum oder keine Strafen befürchten müssten und zur Belohnung für ihre Verbrechen noch vom Steuerzahler alimentiert werden müssten.

„Wenn das in Großbritannien passieren würde, würde Starmer ihnen kostenlose Häuser schenken! Dieses Land ist erbärmlich!“

Solche Kommentare sollten Regierungen nachdenklich stimmen, denn Wut und Verrohung sind eine direkte Folge einer Politik, die Täter schützt und die Sicherheit der eigenen Bürger an letzte Stelle stellt. Unvergessen ist der Fall aus Deutschland, wo eine Frau länger in Haft musste als mehrere Männer, die gemeinschaftlich eine 15-Jährige im Hamburger Stadtpark vergewaltigt hatten. Das so viel schlimmere Verbrechen der Frau? Ein Wutkommentar gegen die Täter (Report24 berichtete).

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WM: Fanmeile fällt aus, Public Viewing eingeschränkt

05. Juni 2026 um 06:23

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Zur Fußball-WM sind in Deutschland vielerorts Public-Viewing-Veranstaltungen geplant. Wegen des Lärmschutzes gelten jedoch je nach Stadt und Gemeinde unterschiedliche Regeln für Übertragungen im Freien.
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Die Transformation der UNO

04. Juni 2026 um 13:00

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Vom Ende der Vereinten Nationen. Die Völker unseres Planeten schufen sich eine Institution, die Souveränität für alle gewährleisten und den Frieden bewahren soll – so will es die Legende von den Vereinten Nationen. Tatsächlich hat sich die Weltorganisation in den letzten 30 Jahren gravierend verändert und ist zu einem Instrument der Globalisten geworden. Dieser Artikel [...]

Der Beitrag Die Transformation der UNO erschien zuerst auf COMPACT.

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Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (18)


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In dieser 18. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ erzählt eine Leserin, wie ein älterer Kamerad ihrem 16-jährigen Vater vermutlich das Leben rettete, und berichtet von einem bewegenden Gespräch mit ihrem Enkel über den Kriegsdienst. Eine andere erzählt davon, wie sich ihr als kleines Mädchen der Anblick verwundeter Soldaten kurz vor Kriegsende ins Gedächtnis einbrannte. Ein anderer Leser teilt Geschichten über Verdrängung und Aufarbeitung und die langen Schatten von Nationalsozialismus und Krieg in einem Ort in Südniedersachsen.

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.

Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil, den sechzehnten Teil, sowie den siebzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


„Er hätte das Rad auch selbst nehmen können.”

Sehr geehrte NachDenkSeiten
liebes NDS-Team,

ich bin Jahrgang 1957. Oft, sehr oft holen mich in der neuen Zeit der Kriegstüchtigkeit die Erzählungen meiner Eltern und meiner Schwiegermutter ein. Ich gebe sie hier aus meiner Erinnerung wieder.

Meine Mutter
Ihr Vater verstarb früh an einer schweren Erkrankung. Da war meine Mutter erst zwei Jahre alt, ihr älterer Bruder war vier. Ihr jüngerer Bruder wurde erst nach dem Tod des Vaters geboren. Er wurde im Alter von zwei Jahren auf dem Gutshof, auf dem die Mutter (meine Großmutter) arbeitete, von einem Pferd erschlagen. Meine Großmutter verließ daraufhin den Hof und zog ihre beiden anderen Kinder unter viel Entbehrungen allein groß. Dann kam der Krieg. Der ältere Bruder meiner Mutter erhielt im Jahre 1944 im Alter von 18 Jahren den „Stellungsbefehl” und wurde „eingezogen”. Im Januar 1945 verstarb meine kränkliche und immer um ihren Sohn besorgte Großmutter. Meine Mutter ließ ihrem Bruder per Feldpost eine Nachricht zukommen, in der (naiven) Hoffnung, er möge Fronturlaub zum Tode der Mutter erhalten. Sie wartete jeden Tag auf seine Heimkehr. Stattdessen erhielt sie etwa vier Wochen nach dem Tod der Mutter ein Telegramm: „Gefallen für Führer, Volk und Vaterland.“ Sie war nun allein, mit 17 Jahren. Meine Großmutter hatte vom Tod ihres Sohnes nicht mehr erfahren, ob der Bruder meiner Mutter (mein Onkel, von dem ich nur aus den Erzählungen meiner Mutter weiß) noch vom Tode der Mutter erfahren hat, wusste sie nicht. Vermutlich aber wohl nicht. Das hoffte sie jedenfalls.

Mein Vater
Er wurde Anfang 1945 mit 16 Jahren noch eingezogen und an die Front in Marsch gesetzt. Doch er ist, wie er sagte, „dort nicht mehr angekommen”. Vorher kam der Befehl zum Rückzug. Seinen Kompanieführer, ein Däne, erwähnte mein Vater mehrmals anerkennend: „Er wollte nur noch, dass wir alle nach Hause kommen.” Es war ein eiliger Fußmarsch von vielen endlosen Kilometern, eine Flucht vor dem heranrückenden „Feind”.

Am Wegesrand habe er viele Erfrorene und Getötete gesehen. Mein Vater ging diesen langen Weg zusammen mit einem etwa 40-jährigen Kameraden, der aus der heimatlichen Nachbargemeinde stammte. Dieser Kamerad fand dann im Straßengraben ein altes Fahrrad. Er sagte: „Junge, nimm das Rad und fahr damit nach Hause”. Das tat mein Vater. Möglicherweise hat es sein Leben gerettet. Er hat seinen älteren Kameraden nie wieder gesehen. Ob er überlebt hat, weiß er nicht. Mein Vater sagte immer: „Er hätte das Rad auch selbst nehmen können.”

Meine Schwiegermutter
Auch ihr Bruder fiel mit 19 Jahren. Er war der Älteste und der einzige Bruder von vier Schwestern, die mit den Eltern zurückblieben.

Mein Schwiegervater
Er war Jahrgang 1921 und meldete sich im Alter von 17 Jahren freiwillig. Er nahm am Russland-Feldzug teil, wurde verletzt und kam ins Lazarett. Nach der Genesung kam er nach Nordafrika. In Tunesien geriet er in französische Kriegsgefangenschaft. In der Gefangenschaft musste er Südfrüchte auf Schiffe verladen. Auf Entwendung einer Frucht (vor Hunger) stand die Todesstrafe. Er hatte gelernt, vor Erschöpfung im Stehen zu schlafen.

Erst im Jahre 1952 kam er im Alter von 31 Jahren endlich nach Hause. 1953 heiratete er und 1954 wurde das erste Kind (mein späterer Mann) geboren. Aus den Erzählungen meiner Schwiegermutter und meines Mannes schließe ich, dass er auf Grund seiner Kriegserfahrungen wohl an schweren chronischen Depressionen litt. Am rechten Bein hatte er eine Kriegsverletzung davongetragen, die ihm zusätzlich und dauerhaft auch sehr zusetzte. Im Jahre 1968, als er 47 Jahre alt war, sollte das Bein amputiert werden. Das war dann der letzte Auslöser für ihn, sich das Leben zu nehmen. Da war mein Mann 14 Jahre alt, seine jüngere Schwester war neun Jahre. Letztlich forderte der Krieg 23 Jahre nach Kriegsende noch seinen Tribut.

Wir sind die Kinder der Kriegsgeneration. Es war nicht immer leicht mit unseren Eltern. Aber heute weine ich manchmal um sie – und um uns. Ich hoffe inständig, dass der Krieg nachfolgenden Generationen erspart bleibt, auch wenn es manchmal hoffnungslos erscheinen mag. NIE wieder, heißt NIE wieder!

Ich habe fünf Enkelkinder. Mein jetzt neunjähriger Enkel antwortete mir kurz vor seinem achten Geburtstag auf meine Frage, ob er denn wie sein Vater und seine Mutter auch einmal zur Bundeswehr gehen möchte: „Nein, das möchte ich nicht, das ist ja lebensgefährlich!” Das bestätigte ich ihm und auf meine Rückfrage sagte er: „ICH WILL NICHT TÖTEN UND ICH WILL NICHT GETÖTET WERDEN!”. Das waren exakt seine Worte. Ich habe sie täglich im Kopf und sein Wort ist mir Befehl. Diese Metapher sei mir in diesem Zusammenhang ausnahmsweise erlaubt.

Beste Grüße
Angelika Achterkamp 


„Wir mußten das tote Kind im Straßengraben zurücklassen.”

Sehr geehrter, lieber Herr Müller, sehr geehrte Damen und Herren der NDS,

leider komme ich erst heute dazu, eine von vielen Dutzenden Erinnerungen zu formulieren. Bitte entschuldigen Sie den Verzug.

Meine damals vierzehnjährige Mutter erzählte oft diese Geschichte:

Ihre Mutter mußte im März 1945 aus einem kleinen Dorf aus Hinterpommern vor der herannahenden Roten Armee von ihrem mittelgroßen Bauernhof fliehen. Weil mein Großvater schon verstorben war, war meine damals 40-jährige Großmutter allein verantwortlich für ihre 4 halbwüchsigen Kinder und das wenige Hab und Gut, was sie auf dem Pferdewagen mitnehmen konnten.

Mit auf dem Treck war auch ein französischer Hilfsarbeiter sowie andere Dorfbewohner, darunter weitere Verwandte und eine Mutter mit einem Säuglingsmädchen.

Erst wenige Kilometer unterwegs, konnte sie ihr Kind nicht mehr nähren. „Sie hatte keine Milch mehr. Wir mußten das tote Kind im Straßengraben zurücklassen.”

Das war der Grund für meine Mutter ihrer Tochter, 15 Jahre später den Namen dieses Mädchens zu geben. Meine Schwester ist somit lebenslang Erinnerungsträgerin an dieses für meine Mutter traumatische Erleben.

Freundliche Grüße!
Bernd Ebener, Greifswald (*1958)


Die Zugfahrt über die beschädigten Brücken verfolgt mich noch heute.

Sehr geehrtes Team der NDS,

leider komme ich erst heute dazu, von meinen Erinnerungen zu berichten, die mich seit meinen Kindertagen zur absoluten Pazifistin gemacht haben.

Ich bin Jahrgang 1940, geboren in Essen. Mein Vater war 1943 schon sehr krank und wurde nicht mehr eingezogen. Er blieb in Essen zurück, während meine Mutter und ich nach Sulzberg bei Kempten evakuiert wurden. Da beginnen auch meine Erinnerungen.

Es gab Fliegeralarm, die Sirenen heulten, was noch heute in meinen Ohren schrecklich klingt. Wir saßen im verdunkelten Zimmer oder versteckten uns im Straßengraben, wenn wir auf der Chaussee unterwegs waren. Bei einem Besuch in Kempten gab es Fliegeralarm, wir flohen in den Luftschutzbunker. Nach der Entwarnung lag vor dem Bunker eine Brandbombe und auf dem nahen Bahnhof stand ein Lazarettzug mit verwundeten Soldaten. Diese Bilder sehe ich noch heute nach 80 Jahren.

In den letzten Kriegsmonaten kam auch mein schwerkranker Vater ins Allgäu, da unsere Wohnung in Essen bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Eine Cousine mit einem Kleinkind und einem Baby musste aus Posen fliehen und kam im tiefsten Winter zu uns ins Allgäu.

Nach Kriegsende kamen erst Franzosen und dann Amerikaner ins Dorf. Wir mussten zeitweise die Häuser räumen und in den umliegenden Bauernhäusern unterkommen. 

Meine Eltern wollten dann zurück nach Essen. Die Zugfahrt über die beschädigten Brücken verfolgt mich noch heute. Essen lag in Trümmern und wir hatten lange nur verschiedene Notunterkünfte. Dann starb mein Vater. Meine Mutter bekam Arbeit als Trümmerfrau auf der Margarethenhöhe und auch ein Mansardenzimmer wurde uns zugewiesen.

Ich wurde 1947 eingeschult. Einen Schulranzen hatte ich nicht, sondern nur eine selbstgenähte Stofftasche. Es war eine schwierige Zeit, da meine Mutter aber zum Hamstern aufs Land fuhr, mussten wir nicht hungern. Meine Mutter hat später wieder geheiratet. Mein Stiefvater kam aus Ostpreußen. Er hat über seine Flucht geschrieben. Die Aufzeichnungen befinden sich noch in meinem Besitz. Sollten Sie Interesse haben, würde ich sie Ihnen gerne schicken. 

Obwohl ich schon seit mehreren Jahren eine treue NDS-Leserin bin, ist dies mein erster Leserbrief. Ich bedanke mich recht herzlich für die vielen guten und nützlichen Artikel.

Bitte weiter so, Sie werden gebraucht. 

Mit freundlichen Grüßen 
Mally Hahl


Als die verkohlten Papierfetzen bis nach Moringen flogen

Sehr geehrtes NachDenkSeiten-Team,

ihre Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ hat mich sehr berührt und inspiriert, meine Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit aufzuschreiben. Die Örtlichkeiten und Personen können Sie gern mit veröffentlichen, sie sind allgemein bekannt.

Mit freundlichen Grüßen

Nachkriegserinnerungen:

Ich wurde 1947 geboren und wuchs in der kleinen Stadt Moringen in Südniedersachsen auf. Über die Kriegszeit erfuhr ich von meiner Familie nur sehr spärlich etwas, wenn ich als 10-/12-jähriger Fragen stellte.

Der älteste Sohn meiner Oma väterlicherseits war in Russland als vermisst registriert, aber seine Mutter sagte: „Der Herrmann hat bestimmt eine nette russische Frau geheiratet und einen kleinen Bauernhof in der Ukraine, irgendwann kommt er zu Besuch und erzählt, wie gut es ihm geht.“ Unter Tränen hat sie ihn dann Anfang der 1960er-Jahre für tot erklären lassen.

Sein jüngerer Bruder, mein Vater, wurde 1944 mit 17 Jahren zur Wehrmacht eingezogen und sollte in Salzgitter feindliche Flugzeuge abschießen. Kurz vor Kriegende warf er seine Waffen weg und ging zu Fuß nach Hause.

Meine Oma hat nicht viel vom Krieg erzählt, nur von der Bombennacht 1943 in Kassel, als die verkohlten Papierfetzen bis nach Moringen flogen und dass die Moringer Juden auf den Knien das Gras aus den Steinritzen der Bürgersteige rupfen mussten, darüber hätte sich keiner aufgeregt, auch dann nicht, als die dann verschwunden waren.

Mein Opa war Lehrer und Tischler und ein Nazi- Gegner: „Die haben den dümmsten Bauern zum Ortsgruppenleiter gemacht, das konnte nichts Gutes werden.“ Aber er musste in seiner Werkstatt für die Wehrmacht Munitionskisten bauen, um zu überleben, und wurde kurz vor Kriegsende noch „zum Schanzen“ eingezogen.

Erst Mitte der 1960-er Jahre haben zwei evangelische Pfarrer (der eine fuhr einen Amischlitten, der andere hatte lange Haare) aufgedeckt, dass es in Moringen ein Konzentrationslager gab. Zuerst war es ein Frauen-KZ, das später nach Ravensbrück verlegt wurde, und dann ein KZ für Jugendliche, „Swingboys, Landstreicher, Verwahrloste und Kleinkriminelle“. Die mussten in der Landwirtschaft und bei der Firma Piller Zwangsarbeit leisten, über 100 wurden ermordet oder verhungerten und wurden auf dem örtlichen Friedhof begraben.

Als das öffentlich bekannt wurde, haben viele Einheimische das geleugnet, dabei haben sie jeden Tag das Klappern der Holzpantinen gehört, wenn die Häftlinge zur Arbeit und wieder zurück getrieben wurden. Der bis 1945 tätige ärztliche KZ- Direktor Dr. Krack hat nach Kriegsende eine Arztpraxis betrieben und einer der Wachleute einen Milchladen aufgemacht. Als Jugendliche haben wir das alles mit Abscheu wahrgenommen und als „Wiedergutmachung“ den von den Nazis verwüsteten Judenfriedhof wiederhergerichtet, dafür wollte uns die Kyffhäuserjugend nachts verprügeln.

Als dann anlässlich der 1.000-Jahr-Feier herauskam, dass in der von einem Göttinger „Historiker“ geschriebenen Chronik als Begründung für den Kriegsbeginn 1939 geschrieben stand, dass nach dem durch einen Juden verübten Attentat auf den deutschen Botschafter in Paris am 07.11.1938 „Deutschland gezwungen war, einen Selbstbehauptungskrieg anzufangen“, wurde die Öffentlichkeit aufmerksam, sodass diese Chronik eingestampft werden musste und neu geschrieben wurde. Darüber wurde sogar in den USA berichtet, und als Folge davon wurden die beiden evangelischen Pfarrer zwangsversetzt.

All diese Ereignisse: das Relativieren der Nazigräuel, die Verharmlosung der Kriegsereignisse und eine systematische Kultur des Vergessens und der Verdrängung haben später für mich zu der Erkenntnis geführt, dass die beginnende Militarisierung und die erstarkenden faschistisch geprägten rechten Parteien wie NPD und auch AfD auf die Nicht-Aufarbeitung der Nazi-Diktatur zurückzuführen sind.

Und wieder wird durch den Aufbau von Feindbildern (die Russen kommen) eine wahnsinnige Aufrüstung betrieben, und wieder profitieren davon die Rüstungsmonopole, die Finanzwirtschaft und deren Aktionäre. Diese Sofakrieger gehen natürlich nicht an die Front, sondern es werden die „normalen“ jungen Menschen in den Krieg geschickt, die dann traumatisiert, zerschossen oder überhaupt nicht wiederkommen.

Wann fangen die Menschen an zu begreifen, was Kriege bedeuten und dass jeder die Pflicht hat, diese zu verhindern?

A. Hilke


Hier können Sie den neunzehnten Teil und hier den zwanzigsten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.

Titelbild: Überlebende aus Łódź auf dem Weg nach Berlin. / wikicommons / CC0 1.0 Universal Public Domain Dedication

(Auszug von RSS-Feed)

Fußballweltmeisterschaft – nur für die Reichen | Von Hermann Ploppa

04. Juni 2026 um 12:48

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Fußballweltmeisterschaft – nur für die Reichen | Von Hermann Ploppa
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Fußballweltmeisterschaft – nur für die Reichen | Von Hermann Ploppa

Die Wut und Verbitterung unter den Fußballfans ist gewaltig. Wer nicht viel Geld hat und wer nicht der weißen Rasse angehört, kommt nicht in die Stadien in den USA. Die klassischen Fans sind praktisch enteignet.

Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.

Die Vorfreude auf die Fußballweltmeisterschaft in den drei Ländern USA, Mexiko und Kanada ist bei den europäischen Fans stark eingeschränkt.

Da ist natürlich bereits zu beklagen, dass die Spiele nach europäischer Zeit wegen der kontinentalen Zeitverschiebung bei uns nur mitten in der Nacht live zu verfolgen sind. Das gab es früher natürlich auch schon, wenn die Spiele wieder mal in Lateinamerika ausgetragen wurden. Nun gibt es aber richtige hardcore-Fußballfans, die ihr Erspartes anpacken, um ihre Mannschaft direkt im Stadion zu unterstützen.

Und dieser harte Kern der Sportfans ist jetzt stinkesauer. Es hat sich nämlich herausgestellt, dass  die Eintrittskarten für das Eröffnungsspiel Deutschland gegen Curacao in Houston/Texas bis zu 430 Euro kosten. Bei den nächsten Spielen sind dann aber schon 230 bis 600 Euro zu berappen. Wer sich womöglich das Finale in New Jersey anschauen will, zahlt 3.500 bis 7.500 Euro für eine Eintrittskarte. Das sind die von der FIFA festgelegten Mindestpreise (1). Clevere Zeitgenossen kaufen sich eine Karte und spekulieren auf den Profit beim Wiederverkauf. Den Vogel abgeschossen hat dabei ein Angebot für ein Ticket im Finalspiel für 11 Millionen Dollar (2). Ob sich tatsächlich jemand findet, der für 90 Minuten Nervenkitzel ein solches Vermögen verbrennt, wissen wir noch nicht. Die FIFA hat für diese obszönen Spekulationsgeschäfte ein eigenes Portal eingerichtet und sahnt saftige Vermittlungsgebühren ab.

Aber auch andere Geier warten bereits vor Ort auf ihre Opfer. Die Zugfahrt vom Flughafen oder vom Bahnhof zum Fußballstadion kostet bisweilen 180 Dollar. Wer lieber mit dem Mietwagen kommt, bezahlt für zwei Stunden Parken 225 Dollar (3). Ein halber Liter Bier im Plastikbecher kostet im Stadion zwölf Dollar (4). Man muss natürlich auch irgendwo übernachten. Vermutlich ebenfalls nicht zum Normaltarif.

All das verbittert die Fußballfans extrem. Viele bleiben diesmal zu Hause. Oder sagen wir besser: müssen zu Hause bleiben. Die internationale Interessenvertretung der Fußballfreaks, nämlich die Football Supporters Europe, äußerte in einem Brief an die Öffentlichkeit ihr „Entsetzen“. Diese Halsabschneiderei sei ein „ungeheurer Verrat an der Tradition der Weltmeisterschaft und ignoriert den Beitrag der Fans zu diesem Spektakel" (5). Die FIFA hat sich völlig abgekoppelt von ihrer Basis und ist zu einem Geldstaubsauger verkommen. Die FIFA hat in den letzten drei Jahrzehnten schwere Korruptionsskandale durchlebt. Es gab keine Reinigung. Nach kurzen Schockphasen der Neubesinnung ging das Geldscheffeln immer wieder munter weiter. Man weiß heute mit hoher Gewissheit, dass die Entscheidung für das Scheichtum Katar als Austragungsort der letzten WM im Jahre 2022 nur möglich war durch gigantische Bestechungsgelder an FIFA-Delegierte. Im Jahre 2015 war sogar mal die Polizei bei der FIFA und nahm einige ihrer Leitfiguren in Handschellen mit. Bestraft wurde indes nie irgendein Fußballfunktionär. Es gab immer wieder Freisprüche.

Immerhin musste FIFA-Präsident Sepp Blatter zurücktreten und Platz machen für den jetzigen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Infantino ist nun gewiss kein moralisches Kontrastprogramm zu Sepp Blatter. Aber Infantino hat es verstanden, sich viele neue Freunde zu schaffen. Mit antiimperialistischer Rhetorik hat er die Teilnehmerzahl für die Endrunde der Weltmeisterschaft auf 48 Nationalmannschaften aufzustocken gewusst. Auf diese Weise können jetzt mehr Mannschaften aus Afrika und Ozeanien am Turnier teilnehmen.

Wichtig für die Macht von Infantino ist US-Präsident Donald Trump. Diese Männerfreundschaft etablierte sich bereits in der ersten Amtsperiode von Trump. Und genau diese Männerfreundschaft dürfte auch bei der Vergabe der Weltmeisterschaft dieses Jahr in Nordamerika entscheidend gewesen sein (6). Akzeptanz gewann die Entscheidung für die USA als Austragungsort dadurch, dass auch Mexiko und Kanada WM-Spiele austragen dürfen. Kanada hat zwei Spielorte, und Mexiko darf immerhin das Eröffnungsspiel ausrichten. Die Sahnehäubchen behalten sich die USA vor, auch das Finalspiel. Da fragt man sich allerdings, was eine Fußballweltmeisterschaft in den USA zu suchen hat. Denn die US-Amerikaner interessieren sich nicht die Bohne für Fußball. Alle Versuche, den US-Amerikanern Fußball schmackhaft zu machen, sind großräumig gescheitert. Selbst das Anheuern von Superstars wie Pelé oder Franz Beckenbauer konnte am allgemeinen Desinteresse nichts ändern.

Infantino und seine Freunde stört das nicht weiter. Und weil Männerfreund Donald Trump ganz verstört war, dass ihm nicht der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde, obwohl er doch nach eigener Wahrnehmung bereits jetzt acht Kriege beendet hatte, da tröstete ihn Gianni Infantino mit einem eigens für Trump neu ausgerufenen FIFA-Friedenspreis (7). Der wurde Trump zum Nikolaustag 2025 feierlich überreicht. Und Trump fühlte sich geschmeichelt. Die Bedenken, dass ja erstens ein Fußballverband eigentlich politisch neutral zu sein hat und zweitens Infantino diesen Preis aus eigener feudaler Machtvollkommenheit erfunden und Trump zuerkannt hatte, ohne irgendjemanden zu fragen, störten nicht weiter.

Politische WM-Boykotte

Die FIFA hat die Basis der Fußballanhänger mit Beutelschneiderei weggestoßen. Doch es wollen auch Fußballfans aus explizit politischen Gründen dem Turnier fernbleiben. Die Bilder von den Gewaltexzessen der trumpistischen Lumpenhorden der ICE gegen unbescholtene Bürger in Minnesota und an anderen Orten verstörte die Community. Der Präsident von FC St. Pauli, Oke Göttlich, der gleichzeitig stellvertretender Präsident des Deutschen Fußballbundes ist, stellte öffentlich die Frage, ob man an einer Weltmeisterschaft in einem Land teilnehmen solle, in dem Menschen ungestraft auf der Straße von paramilitärischen Banden erschossen werden (8). Das fanden die Hierarchen des Deutschen Fußballbundes nicht lustig. Während diese Funktionäre keinen Anstoß am Friedenspreis für Trump im Namen des Fußballs zu nehmen gedachten, belehrten sie Oke Göttlich darüber, dass Sportler sich aus der Politik fernzuhalten hätten. Dass eine Reihe von grünen und sozialdemokratischen Politikern Boykotte forderten, brauchen wir nicht weiter ernst zu nehmen, wenn die selben Leute nämlich zur gleichen Zeit den Krieg gegen Russland in Ordnung finden. In den Niederlanden indes wurde die Forderung nach Boykott der Weltmeisterschaft von politisch unbelasteten Personen vorgetragen, was breite Akzeptanz fand (9).

Und der ehemalige Anti-Korruptionsbeauftragte der FIFA, der Schweizer Professor für Strafrecht, Mark Pieth, brachte es auf den Punkt: „Wenn wir jetzt alles zusammennehmen, worüber wir geredet haben, gibt es für die Fans nur einen Rat: Bleibt weg von den USA! Ihr seht es am Fernseher sowieso besser. Und: Bei der Einreise müssen Fans damit rechnen, dass sie, wenn sie den Beamten nicht gefallen, direkt in den nächsten Flieger nach Hause geschickt werden. Wenn sie Glück haben.“ (10)

Die Boykottbewegung ist mittlerweile weitgehend verstummt. Dabei gibt es wahrlich gute Gründe, diese Fußballweltmeisterschaft zu meiden und zu ächten. Die beste Begründung dafür liefert wiederum der Sprecher der europäischen Fan-Organisation, Martin Endemann, wenn er sagt: „Die Fußball-WM, so wie sie jetzt in den USA stattfindet, ist vor allem etwas für reiche Menschen der Nordhalbkugel. Fans aus dem globalen Süden werden völlig ausgeschlossen.“ (11)

In der Tat. Das bekannteste Beispiel hierfür ist der Umgang des Gastgeberlandes USA gegenüber dem Iran. Der Iran konnte sich mit seiner Nationalmannschaft für diese WM qualifizieren. Ob der Iran an diesem Wettbewerb teilnehmen kann, ist noch völlig unklar (12). Die Iraner sollen in den USA spielen. Sie hatten aber darum gebeten, wegen des Kriegszustandes mit den USA in Mexiko spielen zu dürfen. Das wurde ihnen nicht gewährt. Sie müssen jetzt in den USA antreten. Die iranischen Politiker und Sportfunktionäre schwanken noch, ob sie die eigene Equipe in die Höhle des Löwen schicken sollen (13). Und Trump schwankt in gewohnter Manier zwischen „herzlich willkommen“ und Gleichgültigkeit. Die iranischen Fans dürfen sowieso unter keinen Umständen einreisen und ihre Mannschaft im Stadion unterstützen. Wer weiß, ob gewisse Kreise nicht stattdessen Anhänger von Kronprinz Reza Pahlewi in die Stadien schleusen werden?

Die iranischen Fans dürfen nicht einreisen. Denn sie stehen, wie die Bürger von 38 weiteren Staaten, unter einem strikten Einreiseverbot (14). Es handelt sich bei den gebannten Nationalitäten vornehmlich um afrikanische, asiatische und südamerikanische Staatsbürger. Selbst die sanften Laoten sind von diesem Bann betroffen. So kommt es, dass die für diese WM qualifizierten Mannschaften von Iran, Elfenbeinküste, Haiti und Senegal ohne eigene Fankulisse spielen müssen. Wer aus diesen geächteten Ländern in die USA einreisen will, muss unter Umständen bei den US-Behörden eine Kaution in Höhe von 15.000 Dollar hinterlegen (15). Diese Menschen haben absolut nichts verbrochen. Ihr einziger Fehler, anders kann man es sich nicht erklären, besteht darin, einer anderen Rasse und einer anderen sozialen Sphäre anzugehören als jene Individuen, die aktuell gerade die Richtlinien der Politik in Washington bestimmen.

Fußball-WM ohne Fußball-Fans

Es ist schon ein Witz: die aktuelle Fußballweltmeisterschaft findet in einem Land statt, in dem sich eigentlich niemand für Fußball interessiert. Das Publikum in den Stadien besteht aus überdurchschnittlich gut verdienenden Individuen der Oberschicht, die in der Regel eher Golf oder Tennis spielen würden.

Dabei ist Fußball ja eine zutiefst proletarische Sportart. Fußball wurde gepflegt in den grauen Arbeitervierteln. Bei den Bergarbeitern oder Stahlwerkern. Jahrzehntelang wurde die Szene von Arbeitervereinen wie Schalke 04 geprägt. Die deutschen Fußballweltmeister von 1954 sind auch mit dem Weltmeistertitel kaum wohlhabend geworden. Und auch das Hamburger Fußballidol Uwe Seeler hat nach seiner aktiven Laufbahn sein Geld als Vertreter für Adidas verdienen müssen. Doch heute ist alles aus dem Ruder geraten. Junge Balltreter sind schon mit zwanzig Jahren Millionäre. Die Vereine schleudern mit den Millionen herum, dass einem schwindlig wird. Der ganze Zirkus ist nur noch eine Geldwaschanlage, oder wie soll man das deuten?

Früher waren die Fußballweltmeisterschaften reine Prestigeangelegenheiten der Nationalstaaten. Es war eine Austragungsort des Systemwettbewerbs zwischen Kapitalismus und angeblichem Sozialismus. Doch heute sind die Nationalstaaten verarmt und heruntergekommen. Das Gesetz des Handelns ist an die Globalkonzerne und die Finanzspekulanten übergegangen. Und das schlägt sich eben auch im Sport nieder. Es geht jetzt um das Prestige und den Bauch gepinselten Narzissmus der milliardenschweren Oligarchen.

Die unteren Schichten sind enteignet und sich selber überlassen. Auch im Sport.

Quellen und Anmerkungen

(1) https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/horrenden-ticketpreise-erwarten-deutsche-fans-wm-2026-41682064

(2) https://timesofindia.indiatimes.com/sports/international-sports/most-expensive-ticket-ever-world-cup-final-seat-listed-for-11-5-million-despite-being-one-of-the-worst-in-stadium/articleshow/130954004.cms?utm_source=chatgpt.com

(3) https://www.sportschau.de/fussball/fifa-wm-2026/fahrt-zum-stadion-fuer-mehr-als-100-us-dollar-fifa-im-streit-mit-new-jersey,wm-bahn-preise-fifa-100.html

(4) https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/horrende-bierpreise-wm-usa-41672718

(5) https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/horrenden-ticketpreise-erwarten-deutsche-fans-wm-2026-41682064

(6) https://www.deutschlandfunk.de/gianni-infantino-donald-trump-fussball-wm-fifa-usa-100.html

(7) https://rp-online.de/politik/ausland/trump-friedenspreis-norwegens-verband-fordert-pruefung-v1_aid-149284345

(8) https://www.sportschau.de/regional/ndr/Bundesliga-FC-St-Pauli-wm,pauli-474.html

(9) https://actie.degoedezaak.org/petitions/boycot-het-trump-wk-in-de-vs-1

(10) https://www.spiegel.de/sport/fussball/fussball-wm-in-den-usa-dfb-praesident-bernd-neuendorf-haelt-nichts-von-wm-boykottdebatte-a-4e4c1e05-9232-45e4-9546-e6e5eb5365ff

(11) https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/fan-vertreter-nennt-groessten-skandal-wm-tickets-41785814

(12) https://www.tagesspiegel.de/sport/wir-boykottieren-die-usa-aber-nicht-die-wm-irans-fussballverbandschef-verwirrt-mit-neuen-aussagen-15379030.html

(13) https://www.kicker.de/irans-sportminister-schliesst-wm-teilnahme-aus-trump-heisst-team-willkommen-1200664/artikel

(14) https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/12/restricting-and-limiting-the-entry-of-foreign-nationals-to-protect-the-security-of-the-united-states/?utm_source=chatgpt.com

und hier: https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2025/12/restricting-and-limiting-the-entry-of-foreign-nationals-to-protect-the-security-of-the-united-states/?utm_source=chatgpt.com

(15) https://www.reuters.com/sports/soccer/us-drops-bond-rule-world-cup-ticket-holders-ap-reports-2026-05-13/?utm_source=chatgpt.com

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bild: Fußball WM 2026 Pokal im Stadion

Bildquelle: Shutterstock AI / shutterstock 

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Der Kult der Klima-Apokalypse und die entlarvende Korrektur des Weltklimarats

04. Juni 2026 um 11:46

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Der Weltklimarat hat nicht die Klimakrise „abgesagt“, aber er hat etwas viel Peinlicheres getan für all jene, die jahrelang mit der maximalen Drohkulisse Politik machten: …

Der Beitrag Der Kult der Klima-Apokalypse und die entlarvende Korrektur des Weltklimarats erschien zuerst auf Contra24.

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Reiche will CO2-Emissionshandel weiter abschwächen

04. Juni 2026 um 07:53

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Die Bundesregierung will Unternehmen mehr Zeit beim Klimaschutz geben. Es soll deutlich länger mehr kostenlose CO2-Zertifikate geben. Kritik kommt von den Grünen.
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Bundesregierung beschließt Programm für Kreislaufwirtschaft

03. Juni 2026 um 16:44

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Mit einem neuen Aktionsprogramm will die Bundesregierung Recycling und Wiederverwertung stärken. Ziel sei es, Deutschland unabhängiger von internationalen Lieferketten und Rohstoffimporten zu machen.
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Abstimmung verloren Wadephul gescheitert: Deutschland nicht in den UN-Sicherheitsrat gewählt

03. Juni 2026 um 15:37

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Das Bild zeigt den Außenminister von Deutschland, Johann Wadephul von der CDU.

Deutschland wird in den kommenden beiden Jahren kein Mitglied im UN-Sicherheitsrat sein. Bei einer Abstimmung in New York setzte sich Berlin nicht durch. Für die Bundesregierung ist das eine dramatische Schlappe.

Dieser Beitrag Abstimmung verloren Wadephul gescheitert: Deutschland nicht in den UN-Sicherheitsrat gewählt wurde veröffentlich auf JUNGE FREIHEIT.

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In Schweden waren 80 % der „minderjährigen Flüchtlinge“ lügende Erwachsene

03. Juni 2026 um 15:00

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In Schweden herrschte lange eine linkswoke Politik, unter der Fakten der politischen Korrektheit weichen mussten. Ein Zahnhygieniker auf Gotland deckte auf, dass viele angeblich „unbegleitete minderjährige Asylwerber“ in Wahrheit Erwachsene waren. Dafür wurde er dann verurteilt und gefeuert. Heute hat Schweden seinen Kurs radikal geändert.

Jahrelang bestimmten in Schweden linksgrüne Wokoharam die Politik des Landes, die jede Kritik an der illegalen Masseneinwanderung als moralisches Vergehen verfolgte. Unter ihrer Ägide zogen in schwedischen Stadtteilen Zustände ein, die eher an den Libanon erinnern. Schusswaffeneinsätze und Handgranatenexplosionen in von Asylanten dominierten Vierteln inklusive. Gleichzeitig wurde jeder, der das vorherrschende Narrativ von den wertvollen Schutzsuchenden, die ja meist noch schutzbedürftige Kinderlein seien, systematisch verfolgt und beruflich zerstört.

Wie im Fall des Zahnhygienikers Bernt Herlitz aus Gotland. Herlitz arbeitete bei der öffentlichen Zahnklinik Folktandvården in Visby. Während der Migrationswelle 2015/2016 behandelte er zahlreiche sogenannte „unbegleitete minderjährige Asylwerber“. Ihm fiel auf, dass bei bis zu 80 Prozent seiner Patienten die Weisheitszähne bereits voll ausgebildet waren, ein klares Indiz für ein Alter von deutlich über 18 Jahren. Er informierte Frau Åsa Carlander Hemingway von der Migrationsbehörde Migrationsverket. Diese riet ihm ausdrücklich dazu, Verdachtsfälle zu melden. Herlitz folgte dem Rat und übersandte mehrere E-Mails mit konkreten Patientendaten und seiner Einschätzung. Wenige Wochen später wurde er suspendiert und schließlich gefeuert – wegen angeblichen Verstoßes gegen die ärztliche Schweigepflicht.

Die Behörde hatte einen seiner Berichte an einen „god man“, einen gesetzlichen Vertreter eines der Lüge überführten Betroffenen (bei uns heißt das Asylanwalt), weitergeleitet. Dieser beschwerte sich bei Herlitz’ Arbeitgeber. Die Region Gotland kündigte ihm fristlos. Herlitz klagte gegen die Kündigung, er hatte ja nur der Aufforderung der Migrationsbehörde Folge geleistet. Das Arbeitsgericht bestätigte im Jahr 2018 die Rechtmäßigkeit der Entlassung und verurteilte ihn zur Zahlung von über 400.000 Kronen Prozesskosten. Eine Crowdfunding-Kampagne rettete ihn finanziell, innerhalb weniger Tage kamen mehr als 500.000 Kronen zusammen. Herlitz selbst resümierte, er habe vor Gericht verloren, aber „das Volk gewonnen“.

Der Fall zeigt das Ausmaß der Wirklichkeitsverdrängung in der früheren schwedischen Politik und Justiz. Herlitz hatte nur beobachtet, dass die Zähne seiner Patienten den Angaben der Patienten zu ihrem Alter widersprachen. Statt gegen den Asylmissbrauch vorzugehen, schützte man das offizielle Narrativ. Später bestätigten forensische Altersuntersuchungen des Schwedischen Nationalamts für Rechtsmedizin, dass ein erheblicher Anteil der als minderjährig registrierten Asylanten tatsächlich volljährig war. Viele dieser Erwachsenen waren in Schulen und Einrichtungen für Minderjährige untergebracht worden.

Scharfe Kurskorrektur 2022

Der Regierungswechsel 2022 beendete die schwedische Politik der offenen Grenzen. Die neue Mitte-rechts-Regierung unter Ulf Kristersson, gestützt von den nationalkonservativen Schwedendemokraten, verkündete einen Paradigmenwechsel. Die Asylmigration sollte reduziert und Integration von den Asylanten konsequent eingefordert werden. Im Jahr 2025 erreichten die Asylanträge in Schweden den tiefsten Stand seit 1985.

Asyl- oder schutzberechtigte Personen erhalten in Schweden jetzt in der Regel nur noch befristete Aufenthaltstitel statt dauerhafter. Die Möglichkeit permanenter Zuwanderung unter dem Asyldeckmantel wurde weitgehend abgeschafft. Gleichzeitig wurde das Rückkehrprogramm massiv ausgebaut, die bei uns verteufelte Remigration. Ab Januar 2026 erhalten volljährige Personen bis zu 31.000 Euro, wenn sie freiwillig in ihr Herkunftsland zurückkehren, eine Verfünfunddreißigfachung des bisherigen Betrags. Wem das hoch erscheint – wenn die Asylanten im Land bleiben, kosten sie die schwedischen Steuerzahler ein Vielfaches dieses Betrags. Vom Risiko für die öffentliche Sicherheit nicht erst zu reden. Die Regierung handelt also auch wirtschaftlich logisch und im Interesse des schwedischen Volkes, wenn sie versucht, möglichst viele illegale Migranten außer Landes zu schaffen.

Die Abschiebung von Asylanten wurde erleichtert, insbesondere bei Straftätern. Für Staatsanwälte gilt die Pflicht, bei relevanten Delikten automatisch die Ausweisung zu beantragen. Gültige Aufenthaltstitel sind etwa bei Sozialbetrug oder Nichtkooperation mit den Behörden widerrufbar. Für die Einbürgerung gelten ab Juni 2026 strengere Regeln. Statt fünf Jahren Aufenthalt sind nun acht Jahre erforderlich, ergänzt um Sprach- und Gesellschaftskenntnisse, die Selbsterhaltungsfähigkeit und ein einwandfreies Führungszeugnis. Wer in Schweden wohnen will, muss sprechen wie die Schweden, leben wie die Schweden, darf sich nicht von den Schweden aushalten lassen und auch nicht das allerkleinste Verbrechen begehen. Eine grundvernünftige Asyl- und Migrationspolitik, an der sich unsere Regierung ein Beispiel nehmen sollte.

Der großangelegte Altersbetrug unter den schwedischen Asylanten lässt darauf schließen, dass auch an unseren Schulen und auf unseren Straßen viele illegale Migranten unterwegs sind, die über ihr Alter gelogen haben. Was zum Beispiel im Falle von Straftaten sehr relevant wäre. So wie für den Schutz unserer Kinder vor erwachsenen, kulturfremden Asylanten, mit denen sie gemeinsam den Klassenraum teilen müssen. Aber bei uns geht es derzeit zu wie damals in Schweden. Gewisse Dinge will unsere Politik lieber gar nicht erst wissen.

(Auszug von RSS-Feed)

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (17)


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In dieser 17. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ schildert ein Zeitzeuge seine Beteiligung am „Volkssturm“ als 15-Jähriger und wie eine mutige Entscheidung seines Vorgesetzten ihm das Leben rettete; ein 12-Jähriger macht nach dem Krieg eine Entdeckung über die Russen, eine Familie leidet unter dem Verlust der Heimat, und eine Leserin erinnert sich an ihre Kinderfreundin Lotti.

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden.

Wir bedanken uns von Herzen für die vielen und berührenden Beiträge!

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.


Hier können Sie den ersten Teil, den zweiten Teil, den dritten Teil, den vierten Teil, den fünften Teil, den sechsten Teil, den siebenten Teil, den achten Teil, den neunten Teil, den zehnten Teil, den elften Teil, den zwölften Teil, den dreizehnten Teil, den vierzehnten Teil, den fünfzehnten Teil sowie den sechzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.


Wenzlau hatte seinen Kopf riskiert, da er gegen den Führerbefehl verstieß

Ich bin 1954 geboren, mein Vater Jahrgang 1929 ist vermutlich einer der letzten lebenden Kriegsteilnehmer. Wir sind beide entsetzt über die zunehmende Militarisierung, den offenen Rassismus gegenüber Russen und die Verharmlosung von Krieg.

Als ich von dem Projekt der NDS mit den Kriegskommentaren erzählte, diktierte er mir folgende Erinnerung von der Teilnahme am Volkssturm:

„März 1945

Ungefähr 20 16-jährige Jugendliche (ich war zu dem Zeitpunkt erst 15 Jahre alt) sollten unsere Heimatstadt Bernburg vor den anrückenden Amerikanern verteidigen. Wir wurden in die westlich gelegene Stadt Staßfurt transportiert. Dort schliefen wir in einer Schule in Betten ohne Matratzen. Der Feldwebel, der uns begleitete, teilte uns mit, dass er ständig telefonisch mit Städten weiter westlich in Kontakt stand, und sollten dort amerikanische Panzer auftauchen, würden wir informiert. Am nächsten Morgen wachten wir auf und hörten Panzergeräusche. Das müssen unsere sein, waren wir sicher, war aber ein Irrtum. Es war eine Rotte amerikanischer Panzer, die ungehindert in die Stadt fuhren.

Wir erhielten folgende Instruktionen: „Nie auf den Führersitz zielen, nur auf die Breitseite, der Kopf ist meist aus Gusseisen hergestellt, darum mit der Panzerfaust in den mittleren Teil schießen. Das Geschoß explodiert dann und verbraucht sämtlichen Sauerstoff im Inneren des Panzers, sodass Überlebende ersticken. Der Panzerkommandant wird versuchen, durch die Einstiegsluke zu entkommen. Er muss sofort erschossen werden.” So ist jeder Panzer ein Grab für Soldaten. Dass jeder Panzer von Infanterie begleitet wird, wurde nicht gesagt. Die Amis verschafften uns auch nicht den Vorteil und stellten sich quer. Sie fuhren ungehindert durch Staßfurt in Richtung der Kreisstadt Bernburg/Saale mit ihren 38.000 Einwohnern.

„Macht, dass ihr nach Bernburg kommt” sagte der Feldwebel „eine Gruppe südlich, eine nördlich.” Wir machten uns auf den Weg zurück. In Bernburg empfing uns die SS, ausgerüstet mit Maschinenpistolen, die uns unbekannt waren. Wir eilten zu unserem Lager und warteten auf den nächsten Einsatz.

In meinem 2. Einsatz befinde ich mich in einem Schützengraben. Er ist nicht sehr tief, damit ich auch wieder herauskomme. Vor mir ist ein Lager mit Ausländern (Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter). Alle sollten sich in ihre Baracken zurückziehen. Die Franzosen vor mir missachteten den Befehl und versammelten sich vor der Eingangstür zu ihrer Baracke. Man befahl mir, dafür zu sorgen, dass sie in ihre Baracke gehen. Ich krabbelte aus meinem Loch heraus und entsicherte ein langes holländisches Gewehr vor ihren Augen. Da sie befürchteten, ich würde in die Menge schießen, flüchteten sie in das Innere der Baracke. Als ich die Entsicherung des Gewehrs beendet hatte, waren alle Franzosen vom Eingang weg.

Über uns flog ein US-Aufklärer. Auf ihn schoss ich und er drehte ab. In 2 km Entfernung erschienen zwei amerikanische Panzer. Sie drohten mit ihren Kanonen, schossen aber nicht. Für unsere Panzerfaust war die Entfernung viel zu groß, als dass wir sie hätten bekämpfen können. Sie drehten nach einer Weile ab. Die Nacht brach an. Gegen 3 Uhr wurden wir zusammengerufen. Wir wurden von unserem Feldwebel aufgefordert, nach Hause zu gehen. Unter uns kampfbereiten Jugendlichen regte sich Widerstand. „Dies ist ein Befehl!”, sagte unser Anführer Wenzlau. Wir sollten unsere Waffen unbrauchbar machen in unserem Lager in Bernburg. Dann gingen wir nach Hause.

Am gleichen Tag wurde Bernburg von den Amerikanern besetzt. Wenzlau hatte seinen Kopf riskiert, da er gegen den Führerbefehl verstieß, nie zu kapitulieren, rettete aber 20 Jugendliche vor dem vermutlichen Heldentod.

Grit Reichert nach Diktat von Fritz Reichert


„Das sind ja Menschen!“

Meine Tante Agnes berichtete uns einmal von ihrem großartigen Erlebnis im Jahr 1948:

Auf dem Gendarmenmarkt vor der Ruine des Schauspielhauses gab das berühmte Alexandrow-Ensemble ein Konzert. Das seitdem bekannteste Lied war „Du, mein stielles Tal, grjuß Dich tausendmal”. Neben meiner Tante stand ein etwa zwölfjähriger Junge. Sichtlich beeindruckt vom Konzert der Russen, sagte er: „Das sind ja Menschen!“

Ich halte das Beschriebene für sehr bemerkens- und bedenkenswert – auch für die heutige Zeit mit ihrem geschürten Russenhaß.

k.d.


Mein Vater hatte eine ewige Sehnsucht „nach Hause”.

„Nie wieder Krieg!” – Damit bin ich aufgewachsen.

Ich wurde 1948 in Thüringen geboren. Mein Vater kam schwer verwundet aus dem Krieg zurück, seine beiden Brüder waren gefallen und ihm wurde als Kriegsfolge ein Bein am Oberschenkel amputiert. Danach haben meine Eltern geheiratet.

1950 kamen wir als Flüchtlinge in den Westen. Ich erinnere mich noch an das zerbombte Wuppertal und die Erklärung meiner Mutter: Das war der Krieg!

Der Krieg war für mich so präsent, als hätte ich ihn selbst erlebt. Es wurde viel darüber gesprochen, „Nie wieder Krieg!” Unsere Familien waren in alle Winde zerstreut. Die verlorene Heimat wurde bis weit in die 70er-Jahre beklagt, der Schmerz verging nur langsam. Mein Vater, der mehr als 100 Jahre alt geworden ist, hatte eine ewige Sehnsucht „nach Hause”.

Ich bin heimatlos, denn wo ich aufgewachsen bin, das war nicht meine Heimat, meine Heimat ist Thüringen. Und obwohl ich mein ganzes Leben im Westen verbracht habe, bin auch ich diese Sehnsucht nicht losgeworden.

Meine Mutter hat schlimme Dinge, Kälte und Hunger erlebt. Mein Vater hat Schreckliches erlebt, über das nicht gesprochen wurde, und wir Kinder haben es erst als Erwachsene teilweise erfahren. Wie haben unsere Eltern das alles verarbeitet? Warum waren sie manchmal so komisch?

„Nie wieder Krieg!” Ich kann es nicht fassen, dass wieder die Trommeln gerührt werden.

Brigitta H.


„Dieses Bild hat mich mein ganzes Leben lang verfolgt.“

Liebe Redaktion der NachDenkSeiten,

hier ist meine Geschichte:

In Ammendorf (Kreis Halle) produzierte die Gesellschaft „Orgacid“ den Kampfstoff S-Lost „Senfgas.“ Wir wohnten dieser „Fabrik” gegenüber. Es wurde natürlich geheim gehalten, was dort ‘fabriziert’ wurde. Ich lief jeden Tag auf dem Schulweg an der riesigen Mauer entlang. Ständig gab es Fliegeralarm.

Meine Eltern schickten mich 1943 nach meinem zweiten Schuljahr (zur Sicherheit) zu einer Tante nach Liebemühl in Ostpreußen, wohin man auch Berliner Schulkinder evakuierte.

Meine Memoiren „A memoir of war and migration – You Don’t Need to be Afraid Here” – habe ich privat drucken lassen. Hier ist ein Ausschnitt aus meinen Erinnerungen:

„Die Schulferien fingen am 15. Juli 1944 an. Ich verabschiedete mich von meiner Lehrerin und den Berliner Kindern und stürmte die Treppe hoch zu unserer Wohnung. Aus heiterem Himmel sagte Tante Mie, wir würden nach Hause reisen. Ich war überglücklich. Wie sie es geschafft hatte, eine Reisegenehmigung und Fahrscheine zu bekommen, denn Reisen für die Zivilbevölkerung waren beschränkt, wußte ich nicht. Ich hatte keine Ahnung, daß unserer Welt Zusammenbruch drohte: daß östlich und nordöstlich von uns die Russen durch die Baltischen Staaten vorrückten: Vilnius, die Hauptstadt Litauens, war am 13. Juli – 450 Kilometer entfernt – überrannt worden. Die deutsche Wehrmacht verlor eine Schlacht nach der anderen. Kurz darauf waren die Russen in der Nähe von Warschau, 225 Kilometer südlich von uns. Wir packten meinen Koffer und ich zog ein sauberes Dirndl an. Tante Mie flocht mir weiße Schleifen in die Zöpfe.

Von dieser Reise bleibt mir nur eine Erinnerung. Wir wurden in ein überfülltes Abteil geschoben. Die beiden Bänke waren von jungen, erschöpften Soldaten besetzt: einige trugen Verbände. Die meisten schliefen. Sie waren so erschöpft, dass keiner Tante Mie seinen Platz anbot. Ein halbes Dutzend Menschen stand zwischen den Beinen der Soldaten. Der Gestank ungewaschener Körper war überwältigend. Tante Mie und ich standen stundenlang zusammengedrängt. ‘Hör auf zu nörgeln’, sagte sie zu meinem Gejammer. Schließlich bot mir einer der Soldaten an, mich auf seinen Schoß zu setzen. Ich setzte mich steif auf seine knochigen Kniee und klammerte mich an Tante Mie. Ich weigerte mich, mit ihm zu sprechen. Endlich stand ein Soldat auf und bot Tante Mie seinen Platz an. Ich rutschte schnell auf ihren Schoß und schlief ein.

Ich erinnere mich nicht an den Rest der Reise, aber wir erreichten an einem sonnigen Spätnachmittag den Bauernhof in Dobra, wo meine Eltern bei der Ernte halfen. Es war großer Betrieb auf dem Hof. Ein hoch mit Roggengarben beladener Wagen, von zwei Kühen gezogen, fuhr gerade durch das Tor. Dann hörte ich Muttis ‘Helga!’ Ich klammerte mich an sie und schluchzte vor Freude. Niemand hatte eine Ahnung gehabt, daß wir plötzlich auftauchen würden. Meine Eltern machten sich bestimmt Sorgen über die Nachrichten aus Ostpreußen. Die Geschichten, die Tante Mie ihnen erzählte, hätte ich überhaupt nicht verstanden. Ich entfloh der Gesellschaft von Erwachsenen und streifte mit meinem Cousin Erich durch die Felder. Wir waren frei. Der Krieg hatte sich noch nicht in das Leben dieser verschlafenen Ecke der Niederlausitz gedrängt. Der Krieg war noch weit entfernt im Osten. Tante Mie blieb nur ein paar Tage und fuhr dann nach Ostpreußen zurück. Am 20. Juli kam die Nachricht von einem Attentatsanschlag auf Hitler.

Eines Morgens Ende März 1945 schickte mich Mutti nach Halle, um Fräulein Mimi zu besuchen. Auf dem Fußweg entlang der Mauer der Chemiefabrik wehten vertrocknete Grasbündel aus dreckigen Schneehaufen hervor. Dann sah ich zwei alte Frauen langsam Schritt für Schritt auf mich zukommen. Jede trug ein Köfferchen und eine Wolldecke. Ich fing an zu laufen und rief ‘Tante Mie!’ Ich umarmte sie freudig und begrüßte Frau Augustin. (…)

Ich hörte nur Bruchstücke von dem, was die zwei Frauen von ihrer Flucht erzählten. Zwei Monate waren sie unterwegs. Sie hatten Liebemühl am 20. Januar in einem überfüllten Flüchtlingszug verlassen. Es ging eine Strecke westwärts, bis ein Zugunglück ihnen das Gleis versperrte. Bei eisigen Temperaturen kämpften sie sich durch tiefen Schnee, an Toten und Verletzten vorbei. Sie schlossen sich einem endlosen Treck an. Hochbeladene Pferdewagen und Menschen mit überladenen Handkarren verstopften die vereisten Straßen. Die fliehende Bevölkerung wurde von Tieffliegern angegriffen.

Dann hörte ich Tante Mie sagen: ‘… Im Schnee am Straßenrand brachte eine Mutter ein Kind zur Welt … es war totgeboren … die Mutter hat es in einer Schneewehe begraben.’

Dieses Bild hat mich mein ganzes Leben lang verfolgt.”

Helga Woodruff (Copyright © 2021)


Niemand außer uns hat überlebt.

Mein Brief an den Bundeskanzler
kurz nach Kriegsausbruch:

„Guten Tag, Herr Bundeskanzler Olaf Scholz, mein Name ist Christa Ackermann, ich bin 93 Jahre alt und habe den Zweiten Weltkrieg als Kind erlebt.

Ich bin in Wuppertal-Elberfeld geboren und wir haben damals am Albert Leo Schlageter-Platz im dritten Stock eines Vierfamilienhauses gewohnt, direkt neben dem schönen Rathaus von Wuppertal.

Die nächtlichen Fliegerangriffe auf die westdeutschen Städte sind mir noch gut in Erinnerung und die Warntöne einer Sirene erschrecken mich heute noch. Fast jede Nacht flüchteten wir, meine Mutter, meine kleine Schwester huckepack – und ich mit der gesamten Hausgemeinschaft in den bombensicheren? Luftschutzkeller, der eine Ausstiegsluke hatte, um nach einem eventuellen Luftangriff ins Freie klettern zu können.

Nach dem entsetzlichen Fliegerangriff auf Wuppertal-Barmen, der die Stadt in einer Nacht dem Erdboden gleich bombte, packte meine Mutter die notwendigsten Sachen und flüchtete mit meiner kleinen Schwester und mir zu meinen Großeltern ins Sauerland. So haben wir überlebt, denn einige Tage später erfolgte der Angriff auf Wuppertal (wir haben in dieser Nacht alles verloren und standen vor einem Nichts).

Auf die Schwesterstädte Barmen und Wuppertal wurden Phosphorbomben und Luftminen abgeworfen. Durch die Phosphorbomben wurden flüchtende Menschen in den Asphalt eingebrannt. Die Luftminen verursachen äußerlich Unversehrtheit; aber die Lungen der Menschen platzen, und so erging es meiner kleinen Freundin Lotti, ihrem kleinen zweijährigen Bruder Richard und der Mutter, Frau Arend, unserer Nachbarin.

Niemand außer uns hat überlebt.

Nach dem Angriff wurden die Toten auf dem Wuppertaler Marktplatz aufgereiht. Der Vater von Lotti und Richard (zur damaligen Zeit Soldat an der Ostfront) fand seine Frau, beide Kinder noch fest an der Hand, aufgereiht unter den Toten auf dem Marktplatz von Wuppertal.

Auf dem Foto im Anhang bin ich, ganz rechts im Bild – die Einzige, die überlebt hat.

WIR MACHEN UNS SCHULDIG!
Nie wieder Krieg von deutschem Boden.

gezeichnet
Christa Ackermann“


Hier können Sie den achtzehnten Teil der Zusendungen unserer Leser nachlesen.

Titelbild: Everett Collection / shutterstock.com

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Ungarn nimmt keine illegalen Migranten auf - Magyar stellt sich gegen EU-Asylregeln

03. Juni 2026 um 07:45

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Der neue ungarische Ministerpräsident hält an mehreren Kernforderungen seines Landes fest. In der Migrationsfrage bleibt er hart. Zudem sei unfair, dass Ungarn 1 Million Euro Strafe am Tag zahlen soll.
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Weltweit zweitgrößter Zahler Wahl zum Weltsicherheitsrat: Strafen die UN heute Deutschland ab?

03. Juni 2026 um 07:29

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Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) ist seit gestern bei der UN-Generalversammlung in New York, um für Deutschlands Sitz im Weltsicherheitsrat zu werben.

Aus der Routine-Bewerbung wird die Angst vor der Blamage. Wenn die UN-Staaten heute über die neuen Mitgliedsländer des Weltsicherheitsrats abstimmen, könnte Deutschland scheitern – vordergründig an Österreich, tatsächlich an sich selbst.

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40 Jahre Umweltministerium „Überlebensfrage“: Merkel warnt vor Klimawandel und verteidigt Atom-Ausstieg

03. Juni 2026 um 05:43

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Einig in Sachen Klimaschutz, Energiewende und Atomausstieg: Die ehemaligen Umweltminister Angela Merkel und Jürgen Trittin beim Festakt am Dienstag.

Vor 15 Jahren beschloss die frühere Kanzlerin den Ausstieg aus der Kernenergie. Explodierende Energiepreise und höhere CO2-Emissionen können Merkel nicht umstimmen. Zugleich fordert sie aber mehr Einsatz gegen den Klimawandel.

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