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Gestern — 02. Februar 2026

Persönliche Entwicklung (Teil 14) – Demut | Von Uwe Froschauer

02. Februar 2026 um 07:55

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Persönliche Entwicklung (Teil 14) – Demut | Von Uwe Froschauer

Eine vergessene Tugend mit universeller Bedeutung

Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer. 

Demut gehört zu jenen Begriffen, die auf den ersten Blick altmodisch oder missverständlich wirken. Häufig wird sie mit Unterwürfigkeit, Schwäche oder mangelndem Selbstwertgefühl gleichgesetzt. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass Demut in nahezu allen Religionen, Philosophien und spirituellen Heilslehren eine zentrale Rolle spielt – und dort keineswegs als Selbstverleugnung verstanden wird. Vielmehr gilt sie als Ausdruck von innerer Reife, Klarheit und Wahrhaftigkeit.

Im Kern beschreibt Demut eine realistische Selbsteinschätzung. Der demütige Mensch erkennt seine Fähigkeiten ebenso wie seine Grenzen an, ohne sich über andere zu erheben oder sich selbst geringzuschätzen. Sie ist damit das Gegenstück zum Hochmut, der in vielen Traditionen als Quelle von Verblendung, Konflikten und Leid gilt. Demut bedeutet, das eigene Ego nicht zum Mittelpunkt der Welt zu machen, sondern sich als Teil eines größeren Zusammenhangs zu begreifen – sei es göttlich, kosmisch, sozial oder existenziell.

Im Christentum gehört Demut zu den grundlegenden Tugenden. Jesus von Nazareth wird als Vorbild einer Haltung beschrieben, die Macht nicht zur Selbstverherrlichung nutzt, sondern zum Dienen. Seine Botschaft stellt gängige Vorstellungen von Größe und Erfolg auf den Kopf: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht. Demut bedeutet hier nicht Passivität, sondern eine bewusste Entscheidung gegen Überheblichkeit und für Liebe, Mitgefühl und Verantwortung. Sie ist eng verbunden mit der Einsicht, dass der Mensch nicht alles aus eigener Kraft vermag.

Auch im Judentum wird Demut als Stärke verstanden. Besonders eindrücklich ist die Figur des Mose, der trotz seiner Führungsrolle als der demütigste Mensch gilt. Demut zeigt sich hier in der Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, ohne sich selbst zu verherrlichen. Sie schafft Raum für Weisheit, denn nur wer nicht von sich selbst eingenommen ist, kann wirklich zuhören, lernen und gerecht handeln.

Im Islam nimmt Demut – Tawāḍuʿ – eine ebenso zentrale Stellung ein. Sie richtet sich vor allem auf das Verhältnis des Menschen zu Gott. Alles, was der Mensch besitzt oder erreicht, wird letztlich als Gabe verstanden. Diese Sichtweise fördert Dankbarkeit und Bescheidenheit und schützt vor Hochmut, der im Koran ausdrücklich kritisiert wird. Die körperlichen Gesten des Gebets – Verbeugung und Niederwerfung – bringen diese innere Haltung symbolisch zum Ausdruck: Der Mensch erkennt seine Begrenztheit an und findet gerade darin Würde und Frieden.

In den östlichen Weisheitstraditionen verschiebt sich der Akzent von der moralischen Forderung hin zur erkenntnisbezogenen Einsicht. Der Buddhismus etwa kennt Demut nicht primär als Tugend, sondern als natürliche Folge von Einsicht in die Wirklichkeit. Da das Ich als vergänglich erkannt wird, verlieren Stolz, Selbstüberhöhung und Kränkung ihre Grundlage. Demut entsteht hier nicht durch Anstrengung, sondern durch das Durchschauen von Illusionen.

Auch im Hinduismus wird das Ego als Schleier verstanden, der die wahre Natur des Selbst verdeckt. Wahre Demut ist die Frucht spiritueller Erkenntnis: Wer sich als Teil des einen Ganzen erkennt, kann sich nicht mehr absolut setzen. In der bhakti-orientierten Frömmigkeit zeigt sich Demut zudem als liebende Hingabe – nicht aus Angst, sondern aus Vertrauen und Verbundenheit.

Der Taoismus beschreibt Demut als natürliche Haltung im Einklang mit dem Dao, dem ursprünglichen Weg des Lebens. Das Weiche, Stille und Zurückhaltende erweist sich als wirksamer als das Harte und Dominante. Wasser, das stets den tiefsten Punkt sucht, wird zum Sinnbild einer demütigen Kraft. Der Weise stellt sich nicht in den Vordergrund, sondern handelt unauffällig und gerade dadurch nachhaltig. Demut ist hier kein moralischer Anspruch, sondern Ausdruck von Natürlichkeit.

Im Konfuzianismus tritt Demut vor allem in ihrer sozialen Dimension hervor. Bescheidenheit, Respekt und Lernbereitschaft gelten als Voraussetzungen für persönliche Reifung und gesellschaftliche Harmonie. Wer sich selbst nicht überschätzt, kann sich kultivieren und zum Wohl der Gemeinschaft beitragen.

Auch die antike europäische Philosophie kennt Formen der Demut, wenn auch unter anderen Begriffen. Die Stoiker lehrten eine Haltung, die man als kosmische Demut bezeichnen könnte: Der Mensch soll unterscheiden zwischen dem, was in seiner Kontrolle liegt, und dem, was er annehmen muss. Diese Einsicht führt nicht zur Resignation, sondern zu Gelassenheit, innerer Freiheit und Weisheit. Der Mensch erkennt seinen Platz im Ganzen, ohne sich selbst zu verlieren.

In der modernen Psychologie erlebt Demut zunehmend Aufmerksamkeit. Sie wird verstanden als realistische Selbsteinschätzung, Offenheit für Kritik und Bereitschaft zum Lernen. Studien zeigen, dass demütige Menschen oft stabilere Beziehungen führen, weniger anfällig für Narzissmus sind und besser mit Unsicherheit umgehen können. Auch hier zeigt sich: Demut ist keine Schwäche, sondern eine Ressource.

Über alle religiösen, philosophischen und kulturellen Grenzen hinweg lässt sich ein gemeinsamer Kern erkennen. Demut bedeutet, sich selbst nicht zum Maß aller Dinge zu machen, ohne den eigenen Wert zu verleugnen. Sie verbindet Klarheit mit Mitgefühl, Wahrheit mit Offenheit und Selbstbewusstsein mit Begrenztheit. In einer Zeit, die stark von Selbstinszenierung, Konkurrenz und permanenter Bewertung geprägt ist, gewinnt Demut eine neue Aktualität. Sie lädt dazu ein, das eigene Leben nicht aus der Logik des Vergleichs, sondern aus der Tiefe von Verbundenheit, Verantwortung und Wahrhaftigkeit zu gestalten.

Politische Sprache im Licht philosophischer Demut

Demut gehört zu jenen Tugenden, die politisch selten eingefordert werden, philosophisch jedoch als Voraussetzung verantwortlichen Handelns gelten. Sie ist keine Geste der Schwäche, sondern Ausdruck realistischer Selbsterkenntnis. Aristoteles beschrieb Tugend als die Fähigkeit, Maß zu halten – als Mitte zwischen Mangel und Übermaß. Hochmut (hybris) war für ihn kein Zeichen von Größe, sondern von Maßlosigkeit: das Überschreiten der eigenen Rolle, das Vergessen der eigenen Begrenztheit. Betrachtet man die politische Sprache der Gegenwart, entsteht der Eindruck, dass genau dieses Maß zunehmend verloren geht. 

Selbstgewissheit statt Maß: Emmanuel Macron

Als Emmanuel Macron 2017 erklärte, man müsse „nur über die Straße gehen, um einen Job zu finden“, war die Empörung groß. Philosophisch betrachtet liegt das Problem dieser Aussage weniger in ihrer Provokation als in ihrem impliziten Menschenbild: Der Einzelne erscheint als autonomes, rational steuerbares Subjekt, das lediglich Willen zeigen muss, um erfolgreich zu sein. Slogans wie “ Just do it” des Sportartikelherstellers Nike weisen in die gleiche Richtung. Aristoteles hätte darin eine Verkennung der Umstände gesehen – jener sozialen, ökonomischen und biografischen Bedingungen, ohne deren Berücksichtigung moralische Urteile leer bleiben. 

Später, als Macron betonte, Europa dürfe „nicht schwach oder defätistisch“ sein, verschob sich der Ton von sozialer Vereinfachung zu geopolitischer Selbstvergewisserung. Stärke wurde zur moralischen Kategorie erhoben. Doch Stärke ohne Selbstzweifel ist philosophisch prekär. Sie kippt leicht in das, was Augustinus als “superbia” bezeichnete: jene innere Haltung, in der der Mensch sich selbst zum Maßstab erhebt und vergisst, dass sein Wissen immer fragmentarisch bleibt. 

Die radikale Selbstabsolutierung: Donald Trump

Bei Donald Trump tritt diese superbia offen zutage. „Ich allein kann das Problem lösen“ – dieser Satz markiert einen Bruch mit jeder Tradition politischer Demut. Für Augustinus war Hochmut die Ursünde, nicht weil er laut ist, sondern weil er den Menschen glauben lässt, er sei sich selbst genug. Trumps wiederholte Behauptungen, niemand wisse mehr als er selbst, oder seine Bezeichnung kritischer Medien als „Feinde des Volkes“, lassen keinen Raum für Korrektur, Dialog oder Lernfähigkeit. 

Aus kantischer Perspektive ist dies besonders problematisch. Kant verstand politische Vernunft als prinzipiell begrenzt: Kein Mensch dürfe sich anmaßen, den allgemeinen Willen vollständig zu verkörpern. Wer sich selbst zur letzten Instanz erklärt, handelt nicht autonom, sondern despotisch – auch dann, wenn er demokratisch gewählt wurde. 

Macht ohne Selbstrelativierung: Ursula von der Leyen

Auch subtilere Formen der Überheblichkeit verdienen philosophische Aufmerksamkeit. Wenn Ursula von der Leyen sagt: „Wer einen von uns angreift, greift uns alle an“, ist dies zunächst ein Ausdruck kollektiver Solidarität. Doch zugleich verschiebt sich hier die Sprache vom Abwägen zur moralischen Eindeutigkeit. Die eigene Position wird nicht mehr als politisch, sondern als normativ überlegen präsentiert. 

Kant hätte hierin eine Gefahr gesehen: Moralische Gewissheit ohne Selbstprüfung. In seiner Schrift “Zum ewigen Frieden” warnt er davor, politische Ziele mit moralischer Unfehlbarkeit zu verwechseln. Demut zeigt sich für Kant gerade darin, politische Entscheidungen als fehlbar zu begreifen – und sie deshalb begründungsfähig zu halten.

Rhetorische Überlegenheit im nationalen Diskurs: Friedrich Merz

Wenn Friedrich Merz über politische Gegner wie z.B. Olaf Scholz sagt, andere Staats- und Regierungschefs hätten „keine Lust mehr“, ihnen zuzuhören, dann ist dies mehr als zugespitzte Kritik. Es ist eine rhetorische Hierarchisierung: Der Sprecher stellt sich über den anderen, nicht argumentativ, sondern symbolisch. Aristoteles hätte hierin ein Zeichen fehlender “Phronesis” gesehen – jener praktischen Klugheit, die nicht nur Recht behalten, sondern das Gemeinwohl im Blick haben will.

Politische Klugheit verlangt, Kritik so zu formulieren, dass sie Verständigung ermöglicht. Wo Sprache hingegen auf Überlegenheit zielt, wird sie selbst zum Machtinstrument – und verliert ihren ethischen Maßstab.

Die stille Arroganz: Olaf Scholz

Bemerkenswert ist, dass Hochmut nicht nur im Lauten, sondern auch im Schweigenden existiert. Olaf Scholz’ oft kritisierter Kommunikationsstil – ausweichend, formelhaft, distanziert – wurde von Kommentatoren als Überheblichkeit interpretiert. Philosophisch lässt sich dies als negative Form der superbia lesen: nicht als Selbstverherrlichung, sondern als implizite Annahme, keine Rechenschaft schuldig zu sein.

Kant jedoch sah öffentliche Rechtfertigung als Kern republikanischer Moral. Wer Macht ausübt, müsse bereit sein, seine Gründe öffentlich darzulegen. Demut zeigt sich hier nicht im Tonfall, sondern im Willen zur Erklärung.

Fazit zu Demut in der Politik

Demut sollte auch in der Politik zur Tugend erhoben werden.

Was diese Beispiele verbindet, ist kein moralisches Versagen Einzelner, sondern ein struktureller Wandel politischer Selbstdeutung. Führung wird mit Gewissheit verwechselt, Zweifel mit Schwäche. Doch Aristoteles, Augustinus und Kant sind sich in einem Punkt einig: Wer seine Begrenztheit vergisst, verliert seine Orientierung. 

Demut ist daher keine sentimentale Tugend, sondern eine politische Notwendigkeit. Sie bedeutet, Macht als vorläufig zu verstehen, Wissen als begrenzt und Entscheidungen als korrigierbar. In einer Zeit globaler Unsicherheit wäre Demut nicht das Ende von Führung – sondern ihr reifster Ausdruck.

„Wer seine Begrenztheit vergisst, verliert seine Orientierung.“

Dieser Satz beschreibt nicht nur eine individuelle Haltung, sondern benennt ein strukturelles Problem gegenwärtiger europäischer Politik. Gerade im Umgang mit dem Krieg in der Ukraine zeigt sich, wie sehr politische Orientierung verloren gehen kann, wenn Macht mit moralischer Gewissheit verwechselt wird. 

Die europäische Politik tritt in diesem Konflikt häufig mit dem Anspruch auf, auf der „richtigen Seite der Geschichte“ zu stehen. Dieser Anspruch erzeugt eine Rhetorik der Alternativlosigkeit: Waffenlieferungen gelten als moralische Pflicht, Eskalationsrisiken als notwendiger Preis, diplomatische Initiativen als naiv oder gefährlich. Was dabei zunehmend verschwindet, ist das Bewusstsein eigener Begrenztheit – strategisch, historisch, militärisch und moralisch.

Hier wird Demut zu einer politischen Leerstelle. Nicht im Sinne von Nachgiebigkeit oder Kapitulation, sondern als Anerkennung der Tatsache, dass komplexe geopolitische Konflikte sich nicht aus moralischer Überlegenheit heraus steuern lassen. Wer glaubt, die Dynamik eines Krieges kontrollieren zu können, nur weil die eigenen Motive als gerecht empfunden werden, überschätzt die eigene Wirkmacht und unterschätzt die Unberechenbarkeit von Eskalation.

Die Arroganz zeigt sich dabei weniger in einzelnen Entscheidungen als in der Haltung, mit der sie getroffen werden. Wissen wird als ausreichend betrachtet, Prognosen als verlässlich, Folgen als beherrschbar. Abweichende Stimmen – insbesondere solche, die auf diplomatische Möglichkeiten oder langfristige Risiken hinweisen – werden rasch delegitimiert. Zweifel gilt als Schwäche, Zurückhaltung als mangelnde Solidarität. Doch genau hier bestätigt sich der Satz: Wer seine Begrenztheit vergisst, verliert seine Orientierung.

Demut wäre in diesem Kontext keine sentimentale Tugend, sondern eine politische Notwendigkeit. Sie würde bedeuten, Macht als vorläufig zu verstehen – auch die eigene – Wissen als begrenzt – insbesondere über die inneren Dynamiken eines Krieges. Und Entscheidungen als korrigierbar – nicht als moralisch sakrosankt. Eine demütige Politik würde Eskalation nicht ausschließen, aber sie würde sie nicht als Beweis von Entschlossenheit verklären.

Gerade Europa, das sich gern als zivilisatorische Friedensmacht versteht, läuft Gefahr, diesen Anspruch durch moralische Selbstgewissheit zu untergraben. Führung zeigt sich nicht darin, keine Zweifel zuzulassen, sondern darin, Verantwortung auch für unbeabsichtigte Folgen zu übernehmen. In einer Zeit globaler Unsicherheit wäre Demut daher nicht das Ende von Führung – sondern ihr reifster Ausdruck.

Demut in weiteren Lebensbereichen 

Demut gilt oft als ein Begriff der Religion oder als moralische Kategorie politischer Rhetorik. Dabei wird übersehen, dass sie weit über diese Kontexte hinausreicht. Jenseits von Glaubenssystemen und Ideologien lässt sich Demut als eine grundlegende Haltung beschreiben, die den Menschen in ein realistisches Verhältnis zu sich selbst, zu anderen und zur Welt setzt.

In der persönlichen Entwicklung zeigt sich Demut zunächst als die Fähigkeit zur Selbstbegrenzung. Sie bedeutet nicht Selbstabwertung, sondern die Anerkennung eigener Unvollkommenheit. Wer demütig ist, gesteht sich Irrtümer zu und bleibt lernfähig. In einer Kultur, die Selbstoptimierung und ständige Sichtbarkeit fordert, wirkt diese Haltung beinahe subversiv: Demut erlaubt es, nicht alles kontrollieren zu müssen und dennoch handlungsfähig zu bleiben.

Auch im Bereich von Bildung und Wissenschaft spielt Demut eine zentrale Rolle. Erkenntnis entsteht hier nicht aus Gewissheit, sondern aus Zweifel. Wissenschaftliche Demut bedeutet, Wissen stets als vorläufig zu begreifen und offen zu bleiben für Korrekturen. Lernen wird so zu einem Prozess des fortwährenden Fragens, nicht des endgültigen Besitzes von Wahrheit. Diese Haltung schützt vor Dogmatismus und intellektueller Überheblichkeit.

Gerade in die Wissenschaft, wo ihr Fehlen besonders folgenreich ist, sollte Demut einkehren. Erkenntnis entsteht nicht aus Gewissheit, sondern aus Zweifel. Wissenschaftliche Demut bedeutet, Wissen als vorläufig zu begreifen, Hypothesen der Widerlegung auszusetzen und offen zu bleiben für Korrekturen. Lernen ist in diesem Sinne kein Besitz von Wahrheit, sondern ein fortwährender Prozess des Fragens.

Gerät diese Haltung unter Druck, verliert Wissenschaft ihre kritische Funktion. Der Vorwurf „bezahlter Wissenschaft“ speist sich weniger aus der Behauptung offener Manipulation als aus der Wahrnehmung struktureller Abhängigkeiten: Forschungsförderung, politische Erwartungshaltungen und mediale Verwertungslogiken können Anreize setzen, bestimmte Narrative zu bestätigen statt sie zu hinterfragen. Wo Ergebnisse anschlussfähig an Regierungspositionen sein müssen, wird Zweifel schnell als Störung empfunden.

Gerade hier wäre wissenschaftliche Demut unverzichtbar. Sie würde bedeuten, Unsicherheiten transparent zu benennen, Widersprüche auszuhalten und Dissens nicht als Bedrohung, sondern als Qualitätsmerkmal zu begreifen. Eine Wissenschaft, die ihre Vorläufigkeit verschweigt, um politischer Handlungsfähigkeit zu dienen, riskiert ihre Glaubwürdigkeit. Sie tauscht Erkenntnisoffenheit gegen Autorität und füttert damit den Vorwurf der Instrumentalisierung. 

Demut schützt Wissenschaft vor der Versuchung, sich als letzte Instanz politischer Wahrheit zu inszenieren. Sie erinnert daran, dass wissenschaftliche Beratung politische Entscheidungen nicht ersetzen kann – und auch nicht legitimieren sollte. Wo Wissenschaft sich dem Anspruch entzieht, endgültige Antworten zu liefern, bleibt sie kritisch, unabhängig und vertrauenswürdig. Wo sie hingegen Gewissheit simuliert, um Narrative zu stabilisieren, verliert sie ihre orientierende Kraft. 

In der Arbeitswelt und insbesondere in Führungsrollen gewinnt Demut zunehmend an Bedeutung. Führung, die auf Demut basiert, verzichtet auf Allwissenheitsansprüche und versteht Autorität als Verantwortung. Sie schafft Räume, in denen andere gehört werden, und erkennt an, dass Erfolg selten das Werk Einzelner ist. Demut wirkt hier als soziales Bindemittel, das Zusammenarbeit und Vertrauen ermöglicht. 

Zwischenmenschlich zeigt sich Demut in der Bereitschaft, die eigene Perspektive nicht absolut zu setzen. In Beziehungen bedeutet sie, Fehler einzugestehen, zuzuhören und Konflikte nicht als Machtkämpfe zu begreifen. Demut schafft Augenhöhe, weil sie die Verletzlichkeit aller Beteiligten anerkennt. Sie ist damit eine Voraussetzung für Empathie und echte Nähe. 

Besonders deutlich wird die Notwendigkeit von Demut im Verhältnis des Menschen zur Natur. Angesichts ökologischer Krisen offenbart sich die Illusion menschlicher Allmacht. Ökologische Demut bedeutet, den Menschen nicht als Herrscher, sondern als Teil komplexer ökologischer Systeme zu begreifen. Sie fordert Zurückhaltung, Verantwortung und ein Bewusstsein für die Grenzen technischer Machbarkeit.

Demut im Rahmen der Digitalisierung

Auch im digitalen Raum sollte in Form von Demut eine korrigierende Kraft entfaltet werden. Sie zeigt sich hier als Bereitschaft, Unsicherheit auszuhalten, Fehler zu korrigieren und andere Perspektiven gelten zu lassen. In einer Zeit beschleunigter Kommunikation wird Demut zur Voraussetzung einer respektvollen Diskurskultur.  

Dem Begriff Demut kommt im Zeitalter digitaler Kontrolle besondere Bedeutung zu.

Die digitale Transformation hat neue Formen von Macht hervorgebracht. Digitale Identitäten, algorithmische Entscheidungsstrukturen, Chat-Überwachung und automatisierte Inhaltskontrollen greifen tief in den Alltag ein – oft unsichtbar, oft als alternativlos kommuniziert. Nichts im Leben ist alternativlos, werte Leserinnen und Leser! In diesem Spannungsfeld gewinnt Demut eine neue, politische wie gesellschaftliche Bedeutung, die über klassische moralische Vorstellungen hinausgeht.

Demut kann hier als Gegenhaltung zu einem Kontrollanspruch verstanden werden, der sich aus technischer Machbarkeit speist. Wo Daten gesammelt werden können, entsteht schnell die Versuchung, sie auch umfassend zu nutzen; wo Kommunikation analysierbar ist, wächst der Wunsch nach Vorhersagbarkeit und Steuerung. Digitale Demut bedeutet, anzuerkennen, dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch legitim, notwendig oder folgenlos ist. Sie fordert Zurückhaltung gegenüber dem Zugriff auf intime Lebensbereiche.

Im Kontext digitaler Identität zeigt sich Demut als Respekt vor der Vielschichtigkeit des Menschen. Digitale Identitätssysteme tendieren dazu, Individuen auf stabile, überprüfbare und verwertbare Merkmale zu reduzieren. Demut widerspricht dieser Reduktion. Sie erkennt an, dass Identität situativ, wandelbar und nicht vollständig erfassbar ist. Eine demütige digitale Ordnung würde daher Räume für Anonymität, Widerspruch und Unschärfe zulassen, statt lückenlose Eindeutigkeit zu erzwingen. Echte Demokratie ist demütig.

Besonders deutlich wird der Mangel an Demut in Formen der Chat- und Kommunikationskontrolle. Wenn private Kommunikation präventiv überwacht wird, geschieht dies häufig im Namen von Sicherheit oder Ordnung. Demut würde hier bedeuten, die eigene Fehlbarkeit staatlicher und technischer Systeme mitzudenken. Algorithmen irren, Kontexte werden missverstanden, Macht kann missbraucht werden. Eine demütige Haltung erkennt diese Risiken an und setzt auf klare Grenzen, Transparenz und Verhältnismäßigkeit.

Auch Zensur – ob staatlich, privatwirtschaftlich oder algorithmisch vermittelt – offenbart ein Spannungsverhältnis zur Demut. Wer Inhalte kontrolliert, beansprucht Deutungshoheit darüber, was sagbar ist und was nicht. Löschungen von nicht-regierungstreuen, dissenten Artikeln und Videos im Internet sind nichts anderes als moderne Bücherverbrennung. Demut hingegen akzeptiert Ambiguität, Widerspruch und Unordnung im öffentlichen Diskurs. Sie vertraut darauf, dass gesellschaftliche Auseinandersetzung nicht vollständig steuerbar ist und dass offene Kommunikation ein gewisses Maß an Unsicherheit erfordert. 

Im digitalen Raum ist Demut daher eng mit Machtkritik verbunden. Sie richtet sich nicht primär an Nutzerinnen und Nutzer, sondern an Institutionen, Plattformen und Gesetzgeber. Demut bedeutet hier, Kontrolle nicht als Selbstzweck zu verstehen, sondern als ultima ratio. Sie verlangt, technologische Systeme so zu gestalten, dass sie dem Menschen dienen – nicht umgekehrt. 

Gleichzeitig betrifft digitale Demut auch den individuellen Umgang mit Technik. Sie äußert sich in Skepsis gegenüber totaler Transparenz, in Zurückhaltung beim Teilen persönlicher Daten und im Bewusstsein dafür, dass digitale Spuren dauerhaft wirken.

So wird Demut im Kontext digitaler Kontrolle zu einer ethischen Leitkategorie. Sie steht für Maßhalten in einer Welt, in der Überwachung, Profilbildung und Verhaltenssteuerung technisch trivial geworden sind. Demut erinnert daran, dass Freiheit nicht dort beginnt, wo alles sichtbar ist, sondern dort, wo Grenzen respektiert werden – auch und gerade im Digitalen. 

Fazit

Demut ist keine moralische Schwäche, sondern eine Form der Stärke. Sie verzichtet auf Selbstüberhöhung, ohne Selbstwirksamkeit aufzugeben. Demut ist eine Haltung der Weltzugewandtheit – leise, aber tragfähig. In einer Zeit, die von “Gewissheiten”, Ansprüchen und Überforderung geprägt ist, eröffnet sie einen Raum für Maß, Verantwortung und menschliche Verbundenheit.

Quellen und Anmerkungen 

Ende September 2024 erschien Uwe Froschauers Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“. Ende März und Anfang April 2025 wurden die beiden Bücher „Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: KI-generiertes Bild: Geste demütiger Haltung
Bildquelle: Shutterstock AI Generator / shutterstock

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Spotlight: Jörg Drieselmann über "Teile und Herrsche"

28. Januar 2026 um 12:38

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Spotlight: Jörg Drieselmann über "Teile und Herrsche"

Ausschnitt aus dem Interview mit Jörg Drieselmann | Feinde "unserer" Demokratie ‒ Hier in voller Länge zu sehen: https://apolut.net/im-gespraech-joerg-drieselmann-2/

Jörg Drieselmann vergleicht im Gespräch mit Markus Fiedler Phänomene und die Politik der jüngsten Vergangenheit mit den Strukturen der DDR.

Drieselmann, der Direktor des Stasi-Museums Berlin war, nennt in einigen Fällen bestürzende Übereinstimmungen des Demokratieverständnisses der heutigen Politik zur DDR-Politik.

Typische Formulierungen wie "unsere Demokratie" finden sich laut Drieselmann schon im Buch von Erich Honecker, dem damaligen Generalsekretär des Zentralkommitees der SED und Vorsitzenden des Staatsrats der DDR.

Hier der Link zum ersten Interview mit Jörg Drieselmann: Im Gespräch: Jörg Drieselmann | Methoden des Machterhalts – damals und heute: https://apolut.net/im-gespraech-joerg-drieselmann/

Quelle:

Erich Honecker: "...und darin ist sich die überwältigende Mehrheit unseres Volkes einig -, unsere Demokratie gegen solche Kräfte zu schützen, die sie anzutasten oder gar zu zerstören versuchen."

Studienjahr der FDJ 1987/88. Abteilung Propaganda beim Zentralrat der FDJ. Seite 48. https://archive.org/details/StudienjahrFDJ198788/page/n49/mode/2up

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»Deutschland will Großmacht werden und Europa dominieren«

27. Januar 2026 um 13:02

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Die große Macht der Big Tech: Sechs Milliardäre kontrollieren die sozialen Medien

24. Januar 2026 um 10:00

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Die Technologien, die Milliarden Menschen auf der ganzen Welt miteinander verbinden, befinden sich real in den Händen einer winzigen Gruppe von Superreichen. Laut dem neuen Oxfam-Bericht, der am vergangenen Sonntag während des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht wurde, kontrollieren sechs Milliardäre neun der zehn größten Social-Media-Plattformen der Welt. Zugleich vereinen drei Milliardäre fast 90 Prozent des globalen Marktes für Chatbots mit künstlicher Intelligenz auf sich. Von Rodrigo Chagas.

Die Organisation warnt davor, dass diese von einer kleinen Minderheit angehäufte Macht nicht nur enorme Profite generiert, sondern auch dazu genutzt wird, Freiheiten einzuschränken, Gegner zu überwachen und die öffentliche Debatte zu manipulieren.

Für Oxfam fördert die zunehmende Verbreitung künstlicher Intelligenz und digitaler Plattformen weder mehr Freiheit noch mehr Inklusion. „Wenn sie von einer Milliardärs-Elite kontrolliert werden, sind diese Technologien nicht länger demokratische Instrumente, sondern sie werden zu Mechanismen für die Konzentration von Reichtum und Macht“, heißt es in dem Bericht „Resisting the rule of the rich“ (Widerstand gegen die Herrschaft der Reichen).

Die Geschäftsführerin von Oxfam Brasilien, Viviana Santiago, beschreibt diesen Prozess als konkrete Bedrohung der Demokratie. „Es ist dringend notwendig, neu zu überdenken, wem Soziale Medien und KI-Tools gehören, denn es gibt einen permanenten Versuch, Narrative zu kontrollieren, Geschichte neu zu interpretieren und den Zugang zu Informationen zu beschränken“, sagte sie gegenüber Brasil de Fato. Laut Santiago schafft die fehlende Regulierung im Technologie- und KI-Sektor ein ideales Umfeld für die Vergrößerung von Ungleichheiten. „Dies sind hochprofitable, stark umweltverschmutzende Sektoren mit enormer Macht zur Zensur und Überwachung.“

Der Bericht hebt hervor, dass die Milliardäre, die die größten Social-Media-Plattformen kontrollieren, auch kontrollieren, was Milliarden von Menschen sehen, sagen und hören. Oxfam lenkt die Aufmerksamkeit auf die Rolle dieser Plattformen bei der Überwachung und Unterdrückung politischer Opposition und nennt Kenia als Beispiel: Während der Proteste gegen neue Steuergesetze nutzten die kenianischen Behörden X (ehemals Twitter), um Demonstranten zu orten.

Die Plattform, die Elon Musk gehört, wird in dem Bericht als Beispiel dafür genannt, wie private Macht kollektive Rechte bedrohen kann. Eine in dem Dokument angeführte Studie der University of California kam zu dem Ergebnis, dass Hassreden um 50 Prozent zugenommen haben, seit Musk X im Jahr 2022 übernommen hatte.

Oxfam prangert auch die Nutzung von Plattformen zur Verbreitung von Desinformation, zur Einschüchterung von Kritikern und zur Aufrechterhaltung von Privilegien an. „Diese Netzwerke, unter der Kontrolle von Milliardären, sind nicht nur Unternehmen. Sie sind zu politischen Akteuren geworden, die fähig sind, die öffentliche Debatte zu unterdrücken, zu zensieren und zu verzerren“, schlussfolgert der Bericht.

Abgesehen von den sozialen Medien ist die Kontrolle über künstliche Intelligenz noch stärker konzentriert: Drei Milliardäre kontrollieren fast 90 Prozent des globalen Chatbot-Marktes, also von Software, die menschliche Interaktion simuliert und weit verbreitet im Kundenservice, auf Suchplattformen und in sozialen Netzwerken eingesetzt wird. Oxfam warnt, dass diese Konzentration das Risiko für groß angelegte Manipulationen erhöht, insbesondere mangels klarer Regeln für diese Tools.

Für Viviana Santiago dient die Aneignung dieser Technologien durch große Vermögen einer langfristigen Strategie: der Gestaltung der kollektiven Vorstellungskraft und dem Schutz von Herrschaftsstrukturen. Sie kritisiert, dass diese Sektoren weitgehend ohne Regulierung operieren, und warnt zugleich vor den Folgen ihrer Geschäftsmodelle für die Umwelt.

„Diese Sektoren konzentrieren Macht, erzeugen Ungleichheit und haben einen enormen CO2-Fußabdruck. Wir können die Tatsache, dass Milliardäre diese Tools und Kommunikationsmittel kontrollieren, nicht als neutrales Phänomen behandeln“, sagte sie.

Oxfam hat den Bericht zeitgleich mit der Eröffnung des Weltwirtschaftsforums veröffentlicht, das vom 19. bis 23. Januar in Davos, Schweiz, stattfindet. In diesem Jahr nehmen rund 400 hochrangige Politiker und 850 CEOs großer Unternehmen sowie fast 100 bedeutende Einhörner[1] und Technologiepioniere teil. Das offizielle Thema des Forums lautet „A spirit of dialogue” (Geist des Dialogs).

Der Beitrag erschien im Original im brasilianischen Onlineportal Brasil de Fato. Übersetzung aus dem Englischen von Marta Andujo.

Titelbild: gguy / Shutterstock


[«1] Einhorn (englisch Unicorn) wird ein Start-up-Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar (weltweit) oder Euro (in Europa) genannt, das nicht an einer Börse gelistet ist.

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Die großen Lügen | Von Uwe Froschauer

19. Januar 2026 um 18:13

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Die großen Lügen | Von Uwe Froschauer

Lügen sind effizient

Ein Meinungsbeitrag von Uwe Froschauer.

Effizienz beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen einer Entität. Es geht demnach darum, was etwas bringt und was es kostet. Damit der Sender seine Ziele erreicht, sind bequeme Lügen für den Empfänger gefühlt oftmals angenehmer als die nackte Wahrheit – für seine persönliche Entwicklung sicherlich nicht. Um der Wahrheit auf den Grund zu gehen, müsste man Zeit investieren, die viele nicht aufbringen wollen. Wer aber auf der Oberfläche eines Sees planscht, wird niemals auf den Grund des Sees blicken. Folgende Fabel beschreibt das Verhältnis von Wahrheit und Lüge sehr anschaulich.

Die nackte Wahrheit und die Lüge

Es wird erzählt, dass die Wahrheit und die Lüge sich einmal auf einem Weg begegneten. Die Lüge begrüßte die Wahrheit freundlich und sagte: „Welch ein wunderbarer Tag heute!“ Die Wahrheit schaute zum Himmel, denn der Tag war wirklich schön.

Die beiden begannen gemeinsam zu gehen und erreichten bald einen schönen See mit klarem Wasser. Die Lüge meinte: „Das Wasser sieht so einladend aus – lass uns zusammen baden gehen!“ Die Wahrheit war zwar vorsichtig, prüfte das Wasser und stellte fest, dass es tatsächlich angenehm war. Also zogen sie sich aus und stiegen ins Wasser.

Doch plötzlich sprang die Lüge aus dem See, griff nach den Kleidern der Wahrheit, zog sie an und lief davon. Die Wahrheit blieb nackt im Wasser zurück. Zornig sprang die Wahrheit aus dem See und suchte überall nach der Lüge und nach ihren Kleidern. Aber die Menschen, die die nackte Wahrheit sahen, wandten ihren Blick ab – voller Scham und Abscheu, denn sie wollten keine nackte Wahrheit sehen.

Beschämt kehrte die Wahrheit zum See zurück und verschwand für immer, versteckte sich in ihrem See vor den Blicken der Welt. Seit diesem Tag reist die Lüge mit den Kleidern der Wahrheit umher und wird von der Welt als Wahrheit angesehen, weil die Menschen keine nackte, unbequeme Wahrheit sehen wollen.

Die Fabel zeigt, dass Lügen oft besser „verpackt“ und leichter zugänglich sind, während die reine, unverhüllte Wahrheit für viele Menschen schwer zu akzeptieren ist. Die Lüge erscheint in der Kleidung der Wahrheit – und wird daher eher geglaubt, auch wenn sie falsch ist.

Dieses Wissen über die Menschen machen sich ruchlose Menschen zunutze, um sie für ihre oftmals menschenfeindlichen Zwecke zu missbrauchen. Das, was die meisten Menschen für die Realität und teilweise für die Wahrheit halten, ist in Wirklichkeit ein Imperium der Lügen.

Warum und wie ließ sich ein großer Teil der Menschen in der Coronakrise und aktuell in der Ukraine-Krise zu Denk- und Verhaltensweisen verführen, die nicht ihrem Ich, die nicht ihrem humanistischen Gewissen entsprechen? Das autoritäre – fremdgesteuerte – Gewissen entsteht dort, wo moralische Maßstäbe von außen übernommen werden. Es ist die verinnerlichte Stimme einer Autorität – der Eltern, der Gesellschaft, der Religion oder des Staates. Gut ist, was geboten wird; schlecht, was verboten ist. Schuld entsteht nicht primär durch die Verletzung eigener Werte, sondern durch Ungehorsam. Das humanistische Gewissen ist keine äußere Instanz, sondern die innere Stimme des Menschen, insofern er um seine Möglichkeiten, Bedürfnisse und Grenzen weiß. Das humanistische Gewissen fragt nicht wie das autoritäre Gewissen: „Was darf ich?“ oder „Was wird von mir verlangt?“, sondern: „Was entspricht meinem Menschsein?“ Schuld entsteht hier nicht aus Regelbruch, sondern aus Selbstverfehlung – aus dem Zurückbleiben hinter den eigenen Möglichkeiten zu Liebe, Verantwortung und produktivem Leben. Die Mutation des humanistischen Gewissens vieler Menschen zu einem autoritären Gewissen ist einer der Hauptgründe für den massiven Werteverfall unserer Gesellschaft und des damit verbundenen Chaos auf der Welt.

Dieser Beitrag soll aufzuzeigen, welche Mechanismen aktiviert werden, um Menschen Lüge als Wahrheit zu verkaufen, und Wahrheit als Lüge zu diffamieren, wie es in der Corona-Plandemie praktiziert wurde und in den anderen inszenierten Krisen wie Kriegsverlängerung in der Ukraine, menschengemachter Klimawandel und so weiter immer noch wird. Was geht da in einem Individuum und zwischen Individuen ab, wenn sie von machtbesessenen Entscheidern aufs Kreuz gelegt werden? Ziel dieses Artikels ist es, einen Beitrag zur Aufklärung interessierter Menschen über Mechanismen der Manipulation zu leisten, und sie zum Selbstdenken anzuregen. Die Gefahr, Opfer von Manipulationen zu werden, sinkt meines Erachtens dadurch erheblich.

Hannah Arendt hat diesen Vorgang des „Denken Anfangens“ einmal wie folgt beschrieben:

„Niemand, dem du beibringst, zu denken, kann danach wieder so gehorchen wie zuvor. Nicht aus rebellischem Geist heraus, sondern wegen der Angewohnheit, im Zweifel alle Dinge zu prüfen.“

Die aus den Vorgehens- und Verhaltensweisen erkennbare Intention der Politiker weltweit, die sich in Coronazeiten, in der Ukrainekrise und in Fragen des Klimawandels offensichtlich gegen das Wohlergehen der Bevölkerung richtete und richtet, hätte für einen „normal“ denkenden Menschen eigentlich auf der Hand liegen müssen. Da jedoch die gewissen- und hemmungslosen Absichten der Entscheider selbst von intelligenten Menschen nicht durchschaut werden, befinden sich viele Betroffene vermutlich in einer Art Dämmerzustand, der durch entsprechende Manipulation bewusst und geschickt herbeigeführt wurde.

Wie lässt sich dieses Phänomen erklären?

Verdrehung des Denk- und Bewertungsrahmens

Die Frage ist, wie es den Eliten und ihren politischen, medialen sowie wissenschaftlichen Handlangern immer wieder gelingt, die Meinung in den Köpfen der Menschen in Richtung „Notwendigkeit der Coronaimpfung“, „Kriegstüchtigkeit“, „menschengemachter Klimawandel“ und dergleichen zu drehen. Professor Rainer Mausfeld beschreibt in seinem 2023 erschienenen Buch „Hybris und Nemesis“ dieses Phänomen wie folgt:

„Das natürliche sittliche Empfinden von Menschen zum Schweigen zu bringen, erfordert erhebliche Angriffe auf das menschliche Bewusstsein. Wer jedoch über die nötigen medialen Mittel verfügt, kann dies – zumindest zeitlich begrenzt und vor allem in Situationen, die für die Stabilität herrschender Machtverhältnisse kritisch sind – auf relativ einfachen Wegen bewerkstelligen. Auf der Grundlage einer Verdrehung des gesamten Denk- und Bewertungsrahmens lässt sich nach Belieben Schwarz zu Weiß und Weiß zu Schwarz machen.

Ist erst das gesamte Interpretationssystem verdreht, kann man eine Tat oder einen Sachverhalt leicht als moralisch „gut“ oder aber als „böse“ erscheinen lassen. So lassen sich Menschen daran gewöhnen, dass es zwei Kategorien von Staatsverbrechen geben kann, nämlich solche, die keine sind, sondern moralisch gerechtfertigte Taten, und solche, die auf das Schärfste zu verurteilen sind. Sie lassen sich daran gewöhnen, dass moralisch verwerfliche Taten wie beispielsweise Folter, Drohnenmorde, Bombardierungen ziviler Infrastruktur oder die Verwendung von geächteten Streubomben und Uranmunition, moralisch gerechtfertigt sein können, solange sie nur von den „Richtigen“ begangen werden.“

Phänomen der Massenbildung/Massenpsychose
 
Während der Corona-Plandemie fragte ich mich immer wieder, wie es möglich ist, dass selbst meine intelligenten Freunde diese Schmierenkomödie nicht durchschauen. Es lagen doch jeder Menge Fakten von seriösen Wissenschaftlern und Ärzten auf der Hand, die schon damals kaum widerlegbar waren, und eindeutig zu sein schienen. Diese Fakten wurden jedoch von den Leitmedien – wenn überhaupt – mit ein zwei Sätzen erwähnt, und die dahinterstehenden Personen diffamiert, diskreditiert und etikettiert. Aber gerade deswegen hätte doch einem halbwegs intelligenten Menschen dämmern müssen, dass dieses ganze Narrativ gewaltig stinkt! Wenn in einer angeblichen Demokratie Meinungspluralismus kein Thema mehr ist, müssten doch alle Alarmglocken läuten, oder? Dann würden doch normal intelligente Menschen in alternativen Medien nach entsprechenden Informationen suchen – dachte ich. Es geht ja immerhin um Leib und Leben – dachte ich. Weit gefehlt! Im Supermarkt kaufen die Menschen keinen genmanipulierten Mais ein, sich selbst und ihre Kinder ließen sie jedoch ohne weitere Nachforschungen – im Vertrauen auf die Politiker, die „Wissenschaftler“ und die „Qualitätsmedien“ – genmanipulieren. Auch heute noch ist für mich diese fremdgesteuerte Verhaltensweise unfassbar!

Viele meiner Freunde – zu einigen habe ich seit Corona leider keinen Kontakt mehr – bestätigten sich gegenseitig in dem Glauben, etwas Lebensbedrohliches entwickle sich. Viele von ihnen saßen gebannt von 20.00 bis 20.15 beim betreuten Denken vor dem Fernseher, um sich von Untergangspredigern wie Drosten, Wieler, Lauterbach, Spahn usw. und natürlich auch von ausländischen Demagogen Angst machen zu lassen. Die Herde hat alles aufgesogen, was ihr die Manipulatoren zum Fraß vorwarfen. Tausende Tote, wo man auch hinschaute!?! Aber die Denkbetreuten hatten Glück, in ihrem Bekanntenkreis hatte es noch keinen erwischt, was auch größtenteils bis heute so bleiben sollte. Na sowas! Dafür kennen sehr viele Menschen mittlerweile Bekannte, die „plötzlich und unerwartet“ kurz nach der Impfung verstarben.

Wirklich aufgewacht von diesen „Fremdgesteuerten“ sind einige leider immer noch nicht. Da wird lieber äußerst fragwürdigen, bei normalem Nachdenken nicht haltbaren Argumenten geglaubt, anstatt das Naheliegende zu erkennen. Die Impf-Narrativunterstützer kamen dann mit Hitzewelle, hoher Bevölkerungsdichte und ähnlichen fadenscheinigen Schwachsinn daher, um die Übersterblichkeit 2021 und 2022 zu begründen. Island beispielsweise hat eine der höchsten Übersterblichkeitsraten und Impfquoten. Soweit ich das im Erdkundeunterricht richtig verstanden habe, herrschen in Island keine tropischen Temperaturen, und die Bevölkerungsdichte liegt bei 3,5 Einwohner pro Quadratkilometer (in Deutschland 233 Einwohner pro Quadratkilometer). 15 Grad Celsius werden in Island selten überschritten. Auch waren die Sommer 2021 und 2022 in Deutschland nicht heißer als zuvor. Aber die Herde schluckt unreflektiert die Aussagen, „Empfehlungen“, „Wahrheiten“, Aufforderungen und Anweisungen ihrer vermeintlichen Retter.

„Millionen Fliegen können ja nicht irren!“ Was viele Menschen tun und/oder billigen gilt für Herdentiere als der Beweis für die Richtigkeit ihres Tuns. Sie folgen einer Schwarmintelligenz. Der Schwarm, die Masse ist in der Regel einfältig und nicht intelligent – wie die Historie zeigt. Die Herde glaubt beispielsweise einfachen Lösungen für komplexe Sachverhalte. „Mit zwei Pieks ist alles vorbei…“ Für manche Menschen war tatsächlich alles vorbei.

Für komplexe Probleme gibt es jedoch keine einfachen Erklärungen. Gustave Le Bon, der sich vor einem guten Jahrhundert intensiv mit dem Thema Massenbildung beschäftigte, fasste dieses Phänomen in folgende Worte:

„Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht, stets ihr Opfer.“

Ein weiteres Beispiel: Sechs Mann in einem kleinen Boot transportieren Unmengen von Sprengstoff, verfügen über ein Spezialtraining und Spezialequipment, tauchen 90 Meter tief, um eine Tonne Sprengstoff an zwei Pipelines anzubringen, jagen Nordstream 1 und 2 in die Luft, und vergessen dann ihre Ausweise an Bord. Hahaha, selten so gelacht!

Es gibt unzählige und herrliche Beispiele für den „Social Proof“ (= sozialer Beweis: es handelt sich hierbei um ein psychologisches und soziales Phänomen, bei dem Menschen die Handlungen anderer kopieren).

Nehmen wir mal die Angst vor Terroranschlägen, obwohl die Gefahr im Straßenverkehr zu sterben um ein Tausendfaches höher ist, und natürlich die Angst vor dem bösen Corona-Virus, das sich ja gar nicht als so böse herausgestellt hat, oder auch die Angst vor dem bösen Russen, der 2029 vor den Toren eines NATO-Landes stehen könnte. Was für ein Schwachsinn!

Ja, Angst steckt an, und die aufgeschreckte Herde blökt dann hilflos in der Gegend umher, wartend auf den Retter, nicht wissend, dass der Retter die vorausgehende Krise oftmals inszeniert hat. Wie dem auch sei, die Eliten und ihre politischen, wissenschaftlichen und medialen Prostituierten haben es jedenfalls bei den letzten Krisen durch Angsterzeugung verstanden, die große Masse via Herdentrieb in die gewünschte Richtung zu dirigieren.

Die Geschichte zeigt, dass die Herdentiere meist nicht recht behielten, sondern Menschen, die sich trotz „schockierender“ Ereignisse wie 11.September 2001, Corona, Ukraine-Konflikt usw. nicht den Kopf verdrehen ließen und klar, und vor allem selbst dachten. Sie haben bei klarem Bewusstsein entschieden, was zu tun ist, und haben die aufkommenden Gedanken und Gefühle vorbeiziehen lassen. Bei den „Fremdgesteuerten“ dagegen haben sich diese von den Manipulatoren erzeugten Gefühle und Gedanken als unverrückbare Tatsachen in ihren Gehirnen und Herzen eingenistet. Denken Sie nur an den Kanon der „Pandemie der Ungeimpften“, in den große Teile der Bevölkerung ohne nachzudenken einstimmten. Der Herdentrieb wird und wurde von den Manipulatoren seit jeher schamlos ausgenutzt.

Ein großer Teil der Menschen lebt lieber mit einer bequemen Lüge, anstatt sein bisheriges Weltbild zu überdenken. Allerdings ist die momentane politische Realität so widerwärtig und teuflisch, dass sie mancher Bürger vielleicht nicht wissen möchte. Dennoch, es scheint diesen sicherlich braven Leuten nicht bewusst zu sein, dass sie sich mit ihrer Passivität den vermeintlich sicheren Ast, auf dem sie sitzen, absägen. Ihre Bequemlichkeit, Angst, Staatshörigkeit und zum Teil auch Einfältigkeit führen eventuell zu einer nicht gerade rosigen eigenen Zukunft und die ihrer Kinder.

Ich frage mich mittlerweile, ob die Herde unwillig oder unfähig ist, selbst zu denken, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Vielleicht auch beides.“

Mögliche Ursachen für Massenbildung/Massenpsychose

Wollen wir dieses Phänomen einmal aus wissenschaftlicher Sicht beleuchten. Was sind möglicherweise psychologische und soziologische Ursachen für dieses sonderbar anmutende Verhalten vieler fremdgesteuerter Menschen? Warum haben viele Menschen trotz offensichtlicher Ungefährlichkeit des Virus, trotz augenscheinlicher Unwirksamkeit der Coronamaßnahmen, trotz offen zu Tage tretender schwerer Menschenrechtsverletzungen nicht erkannt oder erkennen wollen, was um sie herum geschehen ist?

Sie ließen sich erneut impfen, obwohl sie wussten oder wissen sollten, dass die Impfung sie – wenn überhaupt – nur vorübergehend schützte. Sie zogen ihre Masken auf, obwohl sie nachweislich kaum etwas bringen und gesundheitsschädlich sind. Sie ließen in ihrer Verbohrtheit sogar ihre Kinder impfen, obwohl einige von ihnen wussten, dass schon einige Kinder durch die Impfung gestorben sind, und noch kein gesundes Kind durch Corona zu Tode gekommen ist. Sie schimpften (und Schlimmeres) auf Demonstranten, die keine Lust hatten auf faschistische, sowjetische oder DDR-Verhältnisse, die letztendlich auch für sie, die Ewiggestrigen auf die Straße gingen, damit sich historische Gräueltaten und massive Freiheitbeschränkungen nicht wiederholen. Sie dämonisierten und ächteten die Menschen, die für ihre und die Freiheit aller demonstrierten, und sich dem totalitär werdenden Regime widersetzten.

Normopathie

„Normopathie“ ist ein aus der Psychoanalyse und Psychiatrie stammender Begriff. Der deutsche Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Hans-Joachim Maaz definiert Normopathie wie folgt: 

„Mit 'Normopathie' ist eine Anpassung einer Mehrheit von Menschen einer Gesellschaft an eine Fehlentwicklung, an pathogenes psychosoziales Verhalten gemeint, dessen Störung nicht mehr erkannt und akzeptiert wird, weil eine Mehrheit so denkt und handelt. Und was die Mehrheit vertritt, kann ja nicht falsch sein – so beruhigt jeder sein Gewissen durch Autosuggestion und lässt sich zur Anpassung manipulieren. Die große Fähigkeit des Menschen zur Anpassung wird praktisch pervertiert zur Anpassung an kranke gesellschaftliche Verhältnisse.

Das wird unterstützt durch das psychosoziale Grundbedürfnis des Menschen, unbedingt ‚dazugehören‘ zu wollen (zu einer Partnerschaft, Familie, Freundes-Gruppe, Verein, Partei, Religion, Nation usw.), um im zugehörigen sozialen Milieu auch entsprechend verstanden und bestätigt zu werden, auch Erfolg zu haben und auf keinen Fall abgelehnt, beschämt, ausgegrenzt und verfolgt zu werden. Eine Normopathie erklärt das pathologische Mitläufersyndrom, wenn eine Mehrheit begeistert in den Krieg zieht, sich als Herrenrasse wähnt, Völkervernichtung zustimmt, Andersdenkende verfolgt, Ideologie über die Realität stellt und im narzisstischen Größenwahn lebt.“

Nun, besser als Herr Maaz kann man die Verhaltensweisen der Massen in Coronazeiten und aktuell im Ukraine-Konflikt wohl kaum beschreiben. Auch das von mir öfter angesprochene „Bedürfnis nach moralischer Überlegenheit“ dürfte wohl zu einem großen Teil auf Normopathie zurückzuführen sein. Hier der Link zu diesem Beitrag.

Psychologisches Konzept der „Massenbildung“

Mattias Desmet, Professor für klinische Psychologie an der Uni Gent in Belgien, bezeichnet das Phänomen, das große Gruppen von Menschen dazu bringt, sich zusammenzuschließen, um einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen, ohne sich um den Verlust individueller Rechte, Privilegien und sogar des Wohlbefindens zu kümmern, als psychologisches Konzept der „Massenbildung“, als eine Art weitreichende Hypnose.

Er meint, eine historische Analyse zeige, dass eine solche Massenbildung der erste Schritt zum Totalitarismus und zur Begehung von Gräueltaten im Namen des kollektiven Wohls sein kann.

„Diejenigen, die dich dazu bringen können, an das Unwahrscheinliche zu glauben, sind auch in der Lage, dich zu Gräueltaten zu überreden“,

erkannte bereits Voltaire vor knapp 300 Jahren.

Bei der „Massenbildung“ handle es sich um eine Art hypnotischen Zustand, in dem Menschen auf der ganzen Welt ihre Einsamkeit, ihre Frustrationen, ihre „freischwebenden Ängste“ und ihre Unzufriedenheit mit Jobs und Lebensstilen, die sie als bedeutungslos erachteten, auf das von den Konzernmedien, Regierungsvertretern und globalen Eliten verbreitete Corona-Narrativ abladen konnten.

Desmet legt dar, das Corona-Narrativ habe Millionen unzufriedener Moderner einen identifizierbaren Feind präsentiert, einen Schlachtplan zu seiner Bekämpfung, Kameradschaft mit anderen Soldaten und etwas, für das sie sogar ihre grundlegendsten Rechte und Freiheiten angeblich für das Gemeinwohl opfern, was

„zu einer Art geistigem Rausch der Verbundenheit führt, was der eigentliche Grund dafür ist, warum die Menschen weiterhin in das Narrativ einsteigen, selbst wenn es völlig absurd oder offenkundig falsch ist“.

Die Wahrheit ist der größte Feind der Lüge. Die Manipulierer wissen genau, dass sie lügen. Deshalb schüren sie den Hass auf alle, die die Wahrheit sagen.

Alexander Solschenizyn schrieb:

Wir wissen, sie lügen.
Sie wissen, sie lügen.
Sie wissen, dass wir wissen, sie lügen.
Wir wissen, dass sie wissen, dass wir wissen, sie lügen.
Und trotzdem lügen sie weiter.

„Lügen erscheinen dem Verstand häufig viel einleuchtender und anziehender als die Wahrheit, weil der Lügner den großen Vorteil hat, im Voraus zu wissen, was das Publikum zu hören wünscht.“ (Hannah Arendt)

Der Verstand mancher Menschen reicht zuweilen nur für die Ausführung einer Aufgabe oder eines Befehls. Derartig gestrickte Menschen sind unfähig für die Übernahme von Eigenverantwortung und somit für die Freiheit. Sie wollen sich unterordnen, sie betteln geradezu danach. Demagogen wissen, dass Menschen „kleinen“ Kalibers die gefährlichsten Waffen sind, und instrumentalisieren sie durch das Aufhetzen gegen Andersdenkende zur Erreichung ihrer menschenverachtenden Ziele.

„Je weiter sich eine Gesellschaft von der Wahrheit entfernt, desto mehr wird sie jene hassen, die sie aussprechen.“ (George Orwell)

Dystopisten wie George Orwell oder Aldous Huxley hatten die Gabe, zukünftige Entwicklungen vorauszusehen. Heute ist unsere Realität den Beschreibungen in den Büchern dieser Autoren bedrückend nahegekommen.

Das indoktrinierte Gehirn

Dr. med. Michael Nehls veröffentlichte im August 2023 das äußerst bemerkenswerte Buch „Das indoktrinierte Gehirn“.

Im Kapitel zur „Umprogrammierung des Gehirns“ beschreibt Michael Nehls Indoktrination nicht primär als rhetorisches oder ideologisches Phänomen, sondern als neurobiologischen Prozess. Seine zentrale These lautet: Dauerstress, Angst und soziale Verunsicherung verändern die Funktionsweise des Gehirns so, dass kritisches Denken geschwächt und Konformität begünstigt wird. Nehls kommt zu folgenden Erkenntnissen:

1. Stress und Angst als neurobiologischer Hebel

Nehls argumentiert, dass anhaltende Angstzustände das Stresssystem (HPA-Achse, Cortisol) dauerhaft aktivieren. Dies habe zwei Folgen:

  • Der präfrontale Cortex – zuständig für Reflexion, Abwägung und Selbstkontrolle – werde funktionell gehemmt.
  • Das limbische System, insbesondere angst- und impulsbezogene Schaltkreise, gewinne Dominanz.

Das Gehirn schalte so von denkender Verarbeitung auf reaktive Verarbeitung um.

Und was gibt es Schöneres für die Macht- und Besitzeliten sowie ihre politischen und medialen Handlanger als nurmehr reagierende Schafe?

2. Gedächtnisverschiebung statt Erkenntnis

Ein zentraler Punkt ist für Nehls der Hippocampus, der für Lernen, Kontextualisierung und Langzeitgedächtnis wichtig ist. Chronischer Stress

  • behindere die Neubildung von Nervenzellen (Neurogenese),
  • erschwere das Einordnen neuer Informationen,
  • fördere das bloße Abspeichern emotional gefärbter Narrative statt kritischer Bewertung.

Informationen würden „geglaubt“, nicht verstanden.

In der Stresserzeugung aufgrund ständig neu inszenierter Krisen sind die aktuellen Peiniger der Menschheit richtig gut!

3. Wiederholung ersetzt Überzeugung

Indoktrination funktioniere weniger über Argumente als über ständige Wiederholung unter emotionalem Druck. Das Gehirn lerne nicht durch Wahrheit, sondern durch Vertrautheit. Was oft gehört wird, fühlt sich richtig an, selbst wenn es logisch nicht geprüft wurde.

Erinnern Sie sich an die Coronazeit, wenn Sie den Fernseher einschalteten? Auf vielen Sendern immer wieder die Gefährlichkeit von Corona mit nicht evidenzbasierten Zahlen unterlegt, und natürlich die Rettung aus dieser menschheitsvernichtenden Krise: die Impfung – am besten verpflichtend für alle! Hut ab vor allen Menschen, die sich dennoch nicht einlullen ließen. Sie sind die wahren Helden unserer Gesellschaft.

4. Soziale Angst als Verstärker

Besonders wirksam sei Indoktrination, wenn sie mit Angst vor sozialer Ausgrenzung gekoppelt werde. Das Gehirn sei evolutionär darauf ausgerichtet, Zugehörigkeit zu sichern. Abweichendes Denken werde daher als Risiko erlebt und unbewusst vermieden.

Deswegen auch die Ausgrenzung Ungeimpfter vom sozialen Leben durch Maßnahmen wie 2G, 3G und deren soziale Verunglimpfung durch Parolen wie „Pandemie der Ungeimpften“ und dergleichen. Am besten gar nicht reden oder auseinandersetzen mit den Ungeimpften, diesem asozialen Gesockse, nicht dass man sich durch eventuelle „Gedankenverirrungen“ schuldig macht im Sinne der Corona-Anklage, nicht wahr? George Orwell lässt grüßen! Wer immer noch glaubt, in Coronazeiten ging alles mit rechten Dingen zu, dem ist nicht mehr zu helfen.

5. Ergebnis: Anpassung statt Autonomie

Das Resultat beschreibt Nehls als einen Zustand, in dem Menschen

  • Sicherheit über Wahrheit stellen,
  • Autorität über eigene Urteilsbildung,
  • emotionale Entlastung über kognitive Anstrengung.

Nicht „Überzeugung“, sondern neurologische Anpassung sei das Ziel dieses Prozesses, meint Dr. Nehls.

Der Meinung bin ich ebenfalls, auch wenn ich nur ein Laie auf diesem Gebiet bin. Zumindest spricht das Verhalten vieler Personen in meinem Umkreis, die während der Coronazeit eine wundersame, mir damals unerklärliche Wandlung durchliefen, dafür, dass Prozesse im Gehirn in der von Dr. Michael Nehls beschriebenen Weise so oder so ähnlich ablaufen.

Fazit

Nach Nehls wirkt Indoktrination, indem Angst das Gehirn in einen Stressmodus versetzt, der kritisches Denken dämpft, emotionale Narrative bevorzugt und Konformität neurobiologisch belohnt. Das Gehirn wird nicht überzeugt, sondern umtrainiert.

Je absurder die Lügen der Manipulatoren sind, desto mehr werden sie von der Herde geglaubt. Das Gehirn passt sich den Lügen der Sender an. Wahrheiten werden als solche nicht mehr erkannt, was gerade Politikern sehr gelegen kommt. Die ehemaligen Gesundheitsminister Jens Spahn und Karl Lauterbach haben auch öffentlich bekundet, dass Wahrheit in der Politik oft fehl am Platz sei. Wörtlich sagte Lauterbach:

„Die Wahrheit führt in vielen Fällen zum politischen Tod.“

Das Schlimme daran ist, dass er auch noch recht hat, da den meisten Menschen eine bequeme Lüge lieber ist als die nackte Wahrheit. Aber sollte uns das nicht zu denken geben?

Das ständige Lügen von Entscheidern kann auch dazu führen, dass man überhaupt nichts mehr glaubt. Hannah Arendt hat diesen Umstand wie folgt ausgedrückt:

„Wo alle immerzu lügen, ist die Folge nicht, dass man den Lügen glaubt, sondern dass man überhaupt nichts mehr glaubt.“

Politiker lügen auch deswegen teilweise wie gedruckt, um uns unserer Orientierung zu berauben. Hannah Arendt hat dazu Folgendes bemerkt:

„Die beständige Ersetzung der Tatsachenwahrheit durch Lügen führt nicht dazu, dass die Lüge als Wahrheit gilt, sondern dazu, dass der Sinn zerstört wird, mit dem wir uns in der Wirklichkeit orientieren.“

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Straßenschild mit "Wahrheit" und "Lüge", das in zwei verschiedene Richtungen zeigt

Bildquelle: Pixelvario / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

Grönland, Zölle und Machtpolitik | Von Uwe Froschauer

19. Januar 2026 um 12:56

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Grönland, Zölle und Machtpolitik | Von Uwe Froschauer
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Grönland, Zölle und Machtpolitik | Von Uwe Froschauer

Ein Standpunkt von Uwe Froschauer.

Die erneute Agitation Donald Trumps in Bezug auf Grönland markiert einen massiven Bruch mit etablierten Grundsätzen westlicher Außen- und Bündnispolitik. Indem er wirtschaftliche Zwangsmittel – insbesondere die Androhung von Zöllen gegen NATO-Partner – mit einem politischen Ziel verknüpft, überschreitet er eine Grenze, die bislang selbst in konfliktreichen transatlantischen Phasen weitgehend respektiert wurde. Entsprechend deutlich fallen die internationalen Reaktionen aus – und auch innerhalb der USA regt sich Kritik.

Jüngste Drohungen Trumps

Donald Trump möchte Grönland den USA einverleiben – mit allen denkbaren Mitteln. Bestehende Partnerschaften interessieren ihn dabei nicht. Der Widerstand aus Europa passt dem US-Präsidenten ganz und gar nicht. Deswegen drohte er Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern mit Zöllen. Konkret sollen ab 1. Februar 2026 zusätzliche 10 Prozent Zölle auf alle Warenimporte aus diesen Ländern in die USA gelten. Falls kein „Deal“ über den vollständigen Verkauf bzw. die Übergabe Grönlands an die USA zustande kommt, sollen sie ab 1. Juni auf 25 Prozent steigen. Betroffen sind Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland – also NATO-Alliierte mit Truppenpräsenz oder Unterstützung im Grönland-Konflikt. Die gestaffelten Zölle sollen so lange gelten, bis ein Abkommen über den vollständigen Kauf der Arktisinsel erzielt werde, schrieb Trump auf Truth Social.

Die Grönländer wollen sich jedoch nicht „kaufen“ lassen. Grönland ist weitgehend autonom und gehört zum Staatsgebiet des Nato-Mitglieds Dänemark.

Kurz und gut: Der US-Präsident hat wiederholt deutlich gemacht, dass die USA sich der Insel bemächtigen will – was die europäischen Nato-Partner vehement ablehnen. Trump zufolge würden ansonsten Russland oder China die Insel übernehmen. Die europäischen Nato-Verbündeten sind dagegen überzeugt, dass Grönland nicht von den USA übernommen werden müsse, um die Arktis zu schützen.

Trump ärgert es, dass Deutschland und andere europäische Nato-Staaten jüngst Soldaten für eine Erkundungsmission vor einer Militärübung auf die Insel geschickt haben. Deswegen die Zölle. 

Wirtschaftlicher Druck als politisches Druckmittel

Zölle sind klassischerweise Instrumente der Handels- und Wirtschaftspolitik. Ihre Verwendung zur Durchsetzung territorial- oder sicherheitspolitischer Ziele gegenüber Verbündeten ist ungewöhnlich und rechtlich wie politisch hochproblematisch. Trumps Ansatz folgt dabei einem transaktionalen Muster: Wer seine strategischen Vorstellungen nicht unterstützt, soll wirtschaftliche Nachteile erleiden.

Kritiker sehen darin einen Bruch mit multilateralen Spielregeln. Befürworter hingegen argumentieren, dass die USA seit Jahrzehnten überproportionale Sicherheitslasten tragen und daher berechtigt seien, ihre wirtschaftliche Macht zur Durchsetzung strategischer Interessen einzusetzen. Motto: Wer zahlt, schafft an. Diese bekannte Pseudo-Weisheit spiegelt Donald Trumps Verhaltensweise wider.

Warum Grönland strategisch relevant ist

Die strategische Bedeutung Grönlands ist real – und wird auch von Trumps Kritikern nicht bestritten.

Grönland liegt zwischen Nordamerika, Europa und der Arktis. Der Klimawandel macht neue Schifffahrtsrouten zugänglich, Rohstoffvorkommen wirtschaftlich interessanter und den arktischen Raum militärisch sensibler. Russland und China haben ihre Aktivitäten dort deutlich ausgeweitet.

Aus Trumps Perspektive ergibt sich daraus ein sicherheitspolitisches Risiko: Die USA müssten verhindern, dass rivalisierende Mächte in unmittelbarer Nähe des nordamerikanischen Kontinents Einfluss gewinnen. Seine Anhänger argumentieren, dass die bestehende Ordnung diesen Entwicklungen nicht ausreichend Rechnung trage und ein entschlosseneres Vorgehen erforderlich sei. 

In meinen Augen locken den der MAGA-Manie verfallenen US-Präsidenten primär die Rohstoffe der weltgrößten Insel.

Trumps Argument: Sicherheit vor Konventionen

Aus Trumps Sicht ist sein Vorgehen weniger Regelbruch als Notwendigkeit. Er stellt die Frage, ob traditionelle diplomatische Rücksichtnahmen noch angemessen sind, wenn geopolitische Rivalen aggressiv agieren. In diesem Denken sind wirtschaftliche Druckmittel legitime Instrumente nationaler Sicherheit – auch gegenüber Verbündeten, sofern diese aus amerikanischer Sicht zu zögerlich handeln.

Zudem verweist Trump darauf, dass die USA bereits heute zentrale sicherheitspolitische Lasten in Grönland tragen, insbesondere durch militärische Infrastruktur. Daraus leitet er einen stärkeren Einflussanspruch ab – auch wenn dieser völkerrechtlich nicht gedeckt ist.

Die Befindlichkeiten der Einwohner der noch autonomen Insel Grönland, die in ihrer Hauptstadt Nuuk demonstrativ klar machen, dass sie US-amerikanische „Hilfe“ nicht benötigen, scheinen Trump nur peripher zu interessieren.

Ausländische Kritik: Irritation, Ablehnung und Warnungen

Die Reaktionen außerhalb der USA fallen überwiegend kritisch aus und gehen deutlich über diplomatische Verstimmung hinaus.

Europäische Regierungen – darunter mehrere direkt betroffene NATO-Staaten – weisen Trumps Vorgehen geschlossen zurück. Sie betonen, dass wirtschaftlicher Druck unter Verbündeten inakzeptabel sei und fundamentalen Prinzipien der Zusammenarbeit widerspreche. Insbesondere Dänemark verweist darauf, dass über Grönlands Zukunft ausschließlich die grönländische Bevölkerung entscheiden könne.

Auch aus Brüssel kommt deutliche Kritik. Vertreter der Europäischen Union warnen, dass die Instrumentalisierung von Handelspolitik für geopolitische Zwangsmaßnahmen das internationale Wirtschaftssystem destabilisiere und einen gefährlichen Präzedenzfall schaffe. Mehrere Regierungen sehen darin eine Erosion der regelbasierten Ordnung, auf die sich gerade kleinere und mittlere Staaten verlassen.

In Grönland selbst stoßen Trumps Äußerungen auf breite Ablehnung. Politische Vertreter und zivilgesellschaftliche Gruppen betonen, dass die Insel kein Objekt strategischer Verhandlungen zwischen Großmächten sei. Öffentliche Proteste und Stellungnahmen unterstreichen den Wunsch nach politischer Selbstbestimmung und Distanz zu machtpolitischen Überlegungen externer Akteure.

Auch international renommierte Völkerrechtler und außenpolitische Thinktanks kritisieren die Rhetorik. Sie sehen darin eine Normalisierung von Druckpolitik gegenüber Verbündeten, die langfristig das Vertrauen in internationale Abkommen und Sicherheitsgarantien untergräbt.

Souveränität und Selbstbestimmung – der zentrale Gegenpunkt

Völkerrechtlich bleibt die Lage eindeutig: Grönland ist ein autonomes Gebiet innerhalb des Königreichs Dänemark, und allein die grönländische Bevölkerung entscheidet über ihre Zukunft. Dieses Prinzip wird von Trumps Argumentation faktisch ausgeblendet oder als nachrangig behandelt.

Hier liegt der Kern der internationalen Kritik: Selbst wenn strategische Interessen legitim sind, rechtfertigen sie keinen Umgang mit Territorien, der an Machtpolitik vergangener Jahrhunderte erinnert. Sicherheitspolitik kann Kooperation erfordern – aber keinen Souveränitätsverzicht unter Druck.

NATO-Recht und Bündnissolidarität

Auch innerhalb der NATO argumentieren Trumps Unterstützer, dass das Bündnis keine Einbahnstraße sei. Wenn europäische Staaten amerikanische Sicherheitsgarantien in Anspruch nehmen, müssten sie im Gegenzug amerikanische strategische Prioritäten ernst nehmen.

Dem halten Kritiker – zu denen ich mich zähle – entgegen, dass genau diese Logik das Bündnis untergräbt: Solidarität ist kein Tauschgeschäft, sondern beruht auf Vertrauen. Wirtschaftlicher Zwang gegen Partner schwächt langfristig genau die Geschlossenheit, die angesichts globaler Rivalitäten notwendig wäre.

Einmal von der Situation in Grönland abgesehen, halte ich die NATO seit dem Wegfall der Bedrohung durch die Sowjetunion, ohnedies für überflüssig. Das ehemalige Verteidigungsbündnis NATO hat sich mittlerweile zu einem Angriffsbündnis entwickelt, das in der Vergangenheit insbesondere die imperialistische Macht USA in ihrem unipolaren Streben unterstützte. Wenn Trump in größenwahnsinniger Manier so weiter macht, sollte vielleicht über ein eurasisches Verteidigungsbündnis nachgedacht werden.

Innenpolitische Debatte in den USA

Innenpolitisch spiegelt die Debatte einen grundlegenden Konflikt über Rolle und Selbstverständnis der USA in der Welt wider: den Gegensatz zwischen einem regelbasierten, multilateralen Ansatz und einer machtpolitisch-transaktionalen Sicht auf internationale Beziehungen.

Demokratische Politiker und außenpolitische Experten kritisieren Trumps Vorgehen überwiegend scharf. Sie argumentieren, dass die internationale Führungsrolle der USA historisch nicht auf Zwang, sondern auf Legitimität, Bündnissen und der Bereitschaft zur Kooperation beruht habe. Die Drohung mit Zöllen gegen NATO-Partner und der Umgang mit Grönland würden dieses Fundament untergraben. Aus demokratischer Sicht schwächt eine Politik, die Verbündete wie Gegner behandelt, die globale Position der USA und spiele strategischen Rivalen wie China und Russland in die Hände. Zudem wird betont, dass die Missachtung von Völkerrecht und multilateralen Institutionen die moralische Glaubwürdigkeit der USA beschädige – ein zentraler Faktor amerikanischer Soft Power.

Auch innerhalb der Republikanischen Partei ist die Kritik keineswegs marginal, wenn auch differenzierter. Während ein Teil der Partei Trumps Stil als Ausdruck von Stärke und Klarheit begrüßt, äußern insbesondere traditionelle außen- und sicherheitspolitische Republikaner erhebliche Bedenken. Vertreter dieses Lagers – häufig geprägt von der klassischen transatlantischen Orientierung der Partei – warnen davor, dass wirtschaftlicher und politischer Druck auf Verbündete die NATO schwäche und die USA in eine strategische Isolation führe. Sie argumentieren, dass amerikanischer Einfluss weniger aus kurzfristigen Machtdemonstrationen erwachse als aus Verlässlichkeit und langfristigen Partnerschaften.

Zugleich gibt es republikanische Stimmen, die Trumps Ansatz zwar nicht uneingeschränkt unterstützen, ihn jedoch als Reaktion auf reale Probleme interpretieren. Sie verweisen auf ungleiche Lastenteilung innerhalb der NATO, auf aus ihrer Sicht unzureichende europäische Beiträge zur gemeinsamen Sicherheit und auf eine internationale Ordnung, die sich zulasten amerikanischer Interessen entwickelt habe. In diesem Narrativ erscheint Trumps Vorgehen als Korrektur eines über Jahrzehnte vernachlässigten Ungleichgewichts – auch wenn viele dieser Stimmen einräumen, dass Ton und Mittel kontraproduktiv seien.
Dem ist aus meiner Sicht entgegenzusetzen, dass die USA zwar die finanziell höchsten Lasten des NATO-Bündnisses tragen, aber auch den größten geostrategischen und auch wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen.

Der innere Widerspruch bleibt damit bestehen: Trumps Anhänger sehen Konsequenz und Durchsetzungsfähigkeit, seine Kritiker – parteiübergreifend – warnen davor, dass kurzfristige Machtdemonstrationen langfristig genau das kosten, was amerikanische Macht ausmacht: Vertrauen, Bündnisse und strategische Stabilität.

Fazit

Die jüngsten außenpolitischen Aktionen von Donald Trump markieren keinen „Neuanfang“, sondern ein alarmierendes Wiederaufleben alter imperalistischer Muster – diesmal verpackt in die Rhetorik eines Dealmakers, der weniger Präsident als vielmehr Transaktions-Unternehmer zu sein scheint.

Mit der wiederholten Aggression gegen Venezuela, bei der US-Spezialeinheiten den dortigen Präsidenten Nicolás Maduro aus Caracas entfernten und in die USA brachten, hat die Trump-Administration einen eklatanten Verstoß gegen das Völkerrecht begangen. Der Angriff und die Gefangennahme Maduros erfolgten ohne Mandat des UN-Sicherheitsrats und ohne klare rechtliche Grundlage im internationalen Recht. Völkerrechtler sehen darin eine Verletzung des Gewaltverbots der UN-Charta. 

Dieses Vorgehen ist nicht nur rechtlich fragwürdig, es setzt auch ein gefährliches Signal: Wenn mächtige Staaten nationale Interessen über internationales Recht stellen, dann wird die regelbasierte Ordnung zur leeren Formel. Viele internationale Stimmen – von Europa über Lateinamerika bis zum UN-Sicherheitsrat – haben diese Intervention verurteilt und die Freilassung Maduros gefordert. 

Gleichzeitig hat Trump seinen Blick direkt auf ein anderes souveränes Gebiet gerichtet: Grönland. Mit der Forderung, dass die USA dieses autonome Gebiet kaufen oder übernehmen müssten, und der Androhung von Strafzöllen auf NATO-Partner, die sich dem widersetzen, tritt ein Muster offen zu Tage, das an koloniale Machtpolitik erinnert. 

Völkerrechtsordnung heißt: Souveränität, Selbstbestimmung und Nicht-Intervention. Diese Prinzipien wurden in der Vergangenheit nicht zufällig festgelegt – sie schützen gerade kleinere Staaten vor willkürlichen Zugriffen mächtiger Staaten. Wenn ein Staat wie die USA beginnt, diese Regeln zu ignorieren, dann gefährdet das nicht nur einzelne Regionen, sondern das ganze System internationaler Zusammenarbeit.
Die Argumentation Trumps, er müsse „stark auftreten“ und seine Interessen durchsetzen, mag in einem transaktionalen, kurzfristigen Sinn kalkulierbar erscheinen. Doch Stärke, die auf Druck, Drohungen und Machtprojektion basiert, ist keine nachhaltige Grundlage für Sicherheit oder Stabilität. Sie zerstört Vertrauen, spaltet Allianzen und lädt andere Mächte ein, ebenfalls nach dem Recht des Stärkeren zu handeln.

Das ist kein Führungsstil — das ist Imperialismus im modernen Gewand.

Trump mag ein Dealmaker sein, aber Außenpolitik ist kein Geschäft, bei dem sich alles durch Verhandlungen über Ressourcen oder Territorium lösen lässt. Sie ist vielmehr ein Gefüge aus Recht, Legitimität und gegenseitigem Respekt. Wenn diese Grundpfeiler aufgekündigt werden, dann sind nicht nur einzelne Länder bedroht — sondern das internationale System, das Jahrzehnte des Friedens und der Zusammenarbeit in weiten Teilen der Welt ermöglicht hat.

In einer Zeit, in der globale Herausforderungen wie bewaffnete Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit gemeinsame Antworten verlangen, führt ein solches Vorgehen nur zu einer Welt, in der Macht über Recht triumphiert – und in der nicht die Sicherheit wächst, sondern die Instabilität.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bild: Präsident Donald Trump spricht während der Kabinettssitzung im Kabinettsaal des Weißen Hauses, Washington, DC am 2. Dezember 2025

Bildquelle: Lucas Parker / shutterstock

(Auszug von RSS-Feed)

EU-Sanktionierung von Jacques Baud: Ist Veröffentlichung seiner Bücher und Interviews jetzt strafbar?


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Die Sanktionierung des Schweizer Militäranalysten Jacques Baud durch die EU, ein Schritt, den die deutsche Bundesregierung explizit unterstützte, hat dazu geführt, dass seine Bücher mitten im Weihnachtsgeschäft von seinem deutschen Verlag aus dem Handel genommen wurden, aus Sorge, gegen das sogenannte Bereitstellungsverbot zu verstoßen. Jenes „Bereitstellungsverbot“ bedeutet, dass von der EU sanktionierten Personen keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugutekommen dürfen. Ebenso hatten zahlreiche deutsche Medien nach der Sanktionierung sämtliche Videos und Interviews mit ihm präventiv entfernt. Die NachDenkSeiten wollten vor diesem Hintergrund von der Bundesregierung wissen, ob sich Verlage und Medien tatsächlich mit der Veröffentlichung von Büchern und Interviews Bauds strafbar machen. Von Florian Warweg.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

Hintergrund

Die Bundesregierung hatte am 15. Dezember im Rat der Europäischen Union zugestimmt, den Schweizer Militäranalysten und mehrmaligen Sachbuchbestsellerautor in Deutschland, Jacques Baud, auf die EU-Sanktionsliste zu setzen: Für den in Brüssel lebenden Analysten gilt seitdem ein umfassendes Einreiseverbot sowie Blockierung aller Konten und Finanztransfers im gesamten EU-Raum. Das heißt, er kann Belgien nicht verlassen und weder Zahlungen leisten noch erhalten: Keine Miete oder Versicherungen zahlen, keine Einkäufe tätigen. Ebenso ist jede Art von wirtschaftlicher Tätigkeit innerhalb der EU untersagt. Das betrifft im konkreten Fall auch die Einkünfte aus den Verkäufen seiner Bücher, darunter mehrere Bestseller.

Als einzige Begründung für diesen massiven Grundrechtseingriff wird ohne weitere Belege angeführt, er sei „regelmäßig Gast in prorussischen Fernseh- und Radioprogrammen“ und verbreite Theorien zur Entstehung des Ukrainekriegs, die die EU nicht teile:

Das Schweizer Außenamt greift ein

Mittlerweile hat das Schweizer Außenministerium (Außendepartement), nachdem es zuvor einen Monat zu den Sanktionen gegen den eigenen Staatsbürger geschwiegen hat, gegenüber der NZZ offiziell bestätigt, dass man Ende letzter Woche bei der EU interveniert und „das Recht auf ein faires Verfahren“ sowie „Achtung der Meinungsäusserungsfreiheit“ eingefordert hat.

Mitte Dezember 2025 hatte das deutsche Auswärtige Amt auf Nachfrage der NachDenkSeiten in der BPK, ob die Bundesregierung der Sanktionierung von Baud bewusst zugestimmt hat, erklärt:

„Alle, die auf diesem Feld unterwegs sind, müssen damit rechnen, dass es auch ihnen passieren kann. (…) Das ist eine Entscheidung, die in Brüssel getroffen worden ist. Ich kann aber noch ein bisschen weitergehen und sagen: Ja, auch wir sind davon überzeugt. Deswegen war es eine einstimmige Entscheidung.“

Die EU-Sanktionierung und die innere Zensurschere bei Verlagen und Medienportalen

In Folge der Sanktionierung und der damit einhergehenden Rechtsunsicherheit hatte beispielsweise der Westend-Verlag, welcher in Deutschland die Bücher Bauds verlegt, auf Anraten seiner Anwälte sämtliche Bücher des Schweizer Analysten mitten im laufenden Weihnachtsgeschäft vom Markt genommen. Denn vom weiteren Buchverkauf hätte Baud wirtschaftlich profitiert und der Verlag folglich gegen das schon erwähnte „Bereitstellungsverbot“ verstoßen. Seit Anfang Januar bietet der Verlag die Bücher wieder an, muss aber sicherstellen, dass der entsprechende Anteil am Verkauf der Bücher nicht an Baud weitergeleitet wird. Was wiederum aus anderen Gründen den Verlag in rechtlich schwierige Fahrwasser bringt.

Ähnlich präventiv agierten auch viele Medien-Portale mit Artikeln und Interviews, in denen der Schweizer Analyst zu Wort kam. Um von vornherein in einer rechtlich unklaren Lage Probleme zu vermeiden, wurden Dutzende Artikel und Interviews von Baud zunächst offline gestellt. Auch die NachDenkSeiten griffen zunächst auf Anraten zu dieser Maßnahme. Mittlerweile haben die NDS die Interviews von Baud aber wieder online gestellt.

Die Antworten der verantwortlichen Ministerien auf die entsprechende Nachfrage der NachDenkSeiten zu den rechtlichen Konsequenzen in Bezug auf Buchverkauf und Veröffentlichung von Aussagen Bauds zeigen aber nachdrücklich auf, dass auch die Bundesregierung höchstselbst nicht weiß, wie sich die rechtliche Lage des von ihr mitsanktionierten Militäranalysten für Verlage und Medienhäuser darstellt:

„Das kann ich nicht kommentieren. Darüber liegen mir keinerlei Erkenntnisse vor.“

„Wir sind keine Strafverfolgungsbehörde, und die Frage, ob irgendetwas strafrechtlich relevant ist, ist eine Frage, die die Strafverfolgungsbehörden beantworten müssten. Insofern kann ich mich jetzt dazu nicht näher einlassen.“

„Ich glaube nicht, dass da irgendein Verfahren anhängig ist. Im Übrigen, glaube ich, ist zur Sanktionsdurchsetzung jedenfalls nicht das Auswärtige Amt berufen. Insofern habe ich Ihnen das, was ich Ihnen dazu sagen kann, gesagt.“

Auch die Sanktionierung deutscher Journalisten wird weiter vorangetrieben

Zuvor hatte die EU im 19. Sanktionspaket auf Initiative Deutschlands drei deutsche Journalisten und Staatsbürger vollumfänglich sanktioniert. Hüseyin Doğru, Alina Lipp und Thomas Röper. (Die NachDenkSeiten hatten umfänglich z.B. hier, hier und hier darüber berichtet und es auf der BPK thematisiert.)

Wie hanebüchen auch in diesen Fällen die „Begründung“ für die Sanktionierung ausfiel, haben wir unter anderem in dem Artikel „EU und Bundesregierung sanktionieren deutschen Journalisten wegen kritischen Tweets zu Kanzler Merz“ dargelegt.

Im Falle des in Berlin lebenden deutschen Staatsbürgers, Journalisten und Vater von drei Kindern wurde die Daumenschrauben Anfang Januar noch stärker angezogen und ihm wurde die letzte Möglichkeit genommen, noch Lebensmittel zu kaufen.

Doğru war bereits im Mai 2025 von der EU mit der Begründung sanktioniert worden, seine Berichterstattung zu propalästinensischen Protesten in Deutschland würde angeblich „indirekt“ (!) „Handlungen der Regierung der Russischen Föderation“ unterstützen. Allerdings hatte er über die Bundesbank die „Sondererlaubnis“ – monatlich 506 Euro zum Erwerb von Lebensmitteln für sich und seine Familie, inklusive zwei neugeborene Zwillinge, abzuheben. Doch auch diese letzte Möglichkeit zum Erwerb von Lebensmitteln und anderen überlebenswichtigen Gütern wurde Anfang Januar 2026 laut seiner Aussage blockiert:

DRINGEND: Derzeit habe ich KEINEN Zugang zu Geldmitteln. Aufgrund der EU-Sanktionen kann ich meine Familie, darunter zwei Neugeborene, nicht ernähren. Zuvor hatte ich Zugang zu 506 Euro, um zu überleben, doch auch diese Mittel sind nun gesperrt. Meine Bank hat sie blockiert. Die EU hat de facto auch meine Kinder mit Sanktionen belegt.“

URGENT: As of now, I have ZERO access to any money.

I can’t provide food for my family, incl. 2 newborns, due to EU sanctions.

Previously, I was granted access to €506 to survive which is now also inaccessible. My bank blocked it.

The EU de facto sanctioned my children too.… https://t.co/3KgV7W5Ypm

— Hüseyin Dogru (@hussedogru) January 8, 2026

Auszug aus dem Wortprotokoll der Regierungspressekonferenz vom 14. Januar 2026

Frage Warweg
Das Auswärtige Amt hatte letzten Monat hier in der BPK erklärt, dass die Bundesregierung der umfassenden Sanktionierung des Schweizer Militäranalysten Jacques Baud durch die EU sehr bewusst zugestimmt hat. Jetzt hat diese Sanktionierung in direkter Konsequenz dazu geführt, dass die Bücher von Jacques Baud mitten im Weihnachtsgeschäft von seinem deutschen Verlag aus dem Handel genommen wurden, aus Sorge, gegen das sogenannte Bereitstellungsverbot zu verstoßen, welches bedeutet, dass von der EU sanktionierten Personen keinerlei wirtschaftliche Vorteile mehr zugutekommen, auch nicht aus Buchverkäufen. Da sich die Bundesregierung ja sicherlich mit den Auswirkungen ihrer Zustimmung zu der Sanktionierung befasst hat, würde mich die Einschätzung des Wirtschaftsministeriums interessieren. Machen sich deutsche Verlage tatsächlich mit dem Verkauf von Büchern von Jacques Baud im Sinne Übertretung des Bereitstellungsverbots strafbar?

Ungrad (BMWE)
Dass kann ich nicht kommentieren. Darüber liegen mir keinerlei Erkenntnisse vor.

Zusatzfrage Warweg
Neben den erwähnten Reaktionen diverser Verlage in der EU haben auch zahlreiche deutsche Medien, um präventiv Problemen aus dem Weg zu gehen, sämtliche Videos von Jacques Baud nach dessen EU-Sanktionierung entfernt. Wie ist denn laut Bundesregierung die rechtliche Lage für Medien, die Interviews von Jacques Baud nach wie vor online halten? Droht da auch Strafverfolgung? Wer fühlt sich zuständig?

Vorsitzende Wefers
Vielleicht die Strafverfolgungsbehörde, würde ich jetzt einmal vermuten.

Kirschner (BMJV)
Die sitzt nicht hier. Wir sind keine Strafverfolgungsbehörde, und die Frage, ob irgendetwas strafrechtlich relevant ist, ist eine Frage, die die Strafverfolgungsbehörden beantworten müssten. Insofern kann ich mich jetzt dazu nicht näher einlassen.

Frage Dr. Rinke (Reuters)
Dann würde ich zumindest das Auswärtige Amt fragen, ob Sie jetzt im Nachhinein finden, dass die EU und vielleicht auch die Bundesregierung mit diesem Sanktionsschritt etwas über das Ziel hinausgeschossen sind.

Giese (AA)
Wir haben das hier ja schon mehrfach besprochen. Wie Sie der Sanktionierung entnehmen können, hat die Bundesregierung ihr auch zugestimmt. Alle Menschen, die sanktioniert werden, finden eine Begründung dieser Sanktionierung in der Sanktionsbegründung. Die kann man online einsehen. Jeder, der sich zu Unrecht sanktioniert fühlt, kann dagegen rechtliche Schritte einleiten. Das ist auch in diesem Fall der Fall, soweit ich weiß.

Frage Warweg
Herr Giese, das erzählen Sie ja immer.

Giese (AA)
Das ist auch so.

Zusatz Warweg
Aber die Grundrechtecharta greift ja erst, nachdem der Schaden eingetreten ist, und damit wird ja eigentlich das klassische rechtsstaatliche Prinzip, hinter dem das Auswärtige Amt, denke ich, sonst auch steht, dass nicht der Staat die Schuld beweisen muss, sondern der Betroffene seine Unschuld – – – Da sind wir ja jetzt angelangt. Das kann ja auch nicht im Interesse des Auswärtigen Amtes sein.

Giese (AA)
Ich glaube, wir haben uns hier schon wirklich sehr, sehr häufig über dieses Thema ausgetauscht. Ich glaube, wir werden da nicht auf einen grünen Zweig kommen. Ich habe die Meinung der Bundesregierung hier vertreten, die wir auch in Brüssel bei den Abstimmungen klargemacht haben, und dabei bleibt es.

Zusatzfrage Warweg
Aber ich hätte noch eine Verständnisfrage, Herr Giese. Ich habe jetzt zwei Fälle aufgezählt, in denen deutsche Unternehmen, Verlage, deutsche Medien in der völligen rechtlichen Unsicherheit gelandet sind, wie sie damit umgehen, sozusagen infolge dieser Sanktionierung, der die Bundesregierung sehr bewusst zugestimmt hat. Jetzt war bisher niemand in der Lage, mir zu sagen, wie sich diese rechtliche Lage dann darstellt. Kann ich davon ausgehen oder sehe ich es richtig, dass die Bundesregierung da zugestimmt hat, ohne in irgendeiner Form zu antizipieren, was das für direkte Auswirkungen hat, etwa auf deutsche Verlage, die im Fall von Jacques Baud dessen Bücher hier in Deutschland – mehrere Bestseller darunter – verlegen?

Giese (AA)
Die Rechtsfolgen sind ebenfalls in dieser Sanktionierung enthalten. In der zugrunde liegenden EU-Regulierung kann man die Rechtsfolgen einsehen. In Deutschland wird das über verschiedene Stellen abgewickelt und überwacht. Sie haben gerade gehört, was es mit der strafrechtlichen Verfolgung auf sich hat. Ich glaube nicht, dass da irgendein Verfahren anhängig ist. Im Übrigen, glaube ich, ist zur Sanktionsdurchsetzung jedenfalls nicht das Auswärtige Amt berufen. Insofern habe ich Ihnen das, was ich Ihnen dazu sagen kann, gesagt.

Titelbild: Screenshot NachDenkSeiten, Bundespressekonferenz 14.01.2026

(Auszug von RSS-Feed)

Eine Reise in das heutige Belarus und seine schreckliche Vergangenheit

19. Januar 2026 um 08:00

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Belarus ist eine Reise wert, weil sie in ein schönes Land mit vielen Seen und Wäldern, wunderschönen und interessanten Städten und freundlichen Menschen führt, aber auch die Augen öffnen kann für die unvorstellbaren Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während der Besatzungszeit 1941-1944. Von Klaus-Dieter Kolenda und Jan Gorski.

Motto:

Der Frieden ist nicht alles, aber alles ist ohne Frieden nichts.
(Willy Brandt)

Vorbemerkungen

Die Autoren sind zwei ältere Männer, die Ende September 2025 für eine Woche nach Belarus gereist sind, um sich in diesem Land umzusehen, über das und deren Geschichte man in der Öffentlichkeit bei uns nur wenig weiß und seit längerer Zeit auch nicht viel Gutes hört, außer, dass man dort für die Einreise kein Visum braucht. Das Land wird in Deutschland auch Weißrussland genannt [1].

Jan Gorski, der Koautor dieses Berichtes, wurde 1949 in Belarus in einem Dorf in der Nähe von Witebsk geboren, lebt heute in Deutschland und ist seit vielen Jahren Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher West-Ost-Gesellschaften (BDWO).

Der BDWO ist ein Zusammenschluss von mehr als 70 Vereinigungen und Initiativen, die sich für die Vertiefung der Beziehungen zu den Menschen in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion einsetzt, wozu auch Belarus gehört, z.B. durch „Bürgerbegegnungen zwischen West und Ost, Durchführung von kulturellen Veranstaltungen und Vorträgen zu politischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen und Verbreitung von Informationen, die ein differenziertes Bild des jeweiligen Partnerlandes zeichnen“ [2].

Da der Koautor auch über ausgezeichnete russische und belarussische Sprachkenntnisse verfügt, hatten wir keine Probleme, uns mit den Menschen, die wir bei unserem Besuch in Belarus trafen, zu verständigen.

In dem Dorf, in dem er nach dem 2. Weltkrieg geboren wurde, hat sich im Herbst 1943 die folgende Untat zugetragen: Deutsche Soldaten überfielen dieses Dorf eines Morgens und haben viele seiner männlichen Familienmitglieder, alles Zivilisten, erschossen und deren Häuser in Brand gesteckt. Nur sein Großvater überlebte, weil dessen Haus etwas abseits stand. Die weiblichen Familienmitglieder, darunter auch seine Mutter und Großmutter, wurden nicht erschossen und haben sich anschließend in den umliegenden Wäldern versteckt.

Belarus heute

Obwohl für eine Touristenreise nach Belarus, wie schon gesagt, kein Visum erforderlich ist, sind aktuelle Reiseberichte über dieses Land in deutschsprachigen Medien kaum zu finden. Das ist angesichts der überwiegend negativen Berichterstattung über Belarus auch nicht verwunderlich.

Umso erfreulicher ist ein vierteiliger, sehr informativer Reisebericht über den Besuch mehrerer Provinzhauptstädte von Belarus, der 2025 im Schweizer Politblog Globalbridge erschienen ist [3][4][5][6]. Autor ist der Journalist Stefano di Lorenzo, ein gebürtiger Italiener, der derzeit in Russland lebt. Sein Reisebericht zeigt anschaulich, was für ein schönes Land mit wunderschönen Städten wie z. B. Witebsk, Grodno, Mogilew und Brest Belarus heute ist.

Belarus ist ein Binnenland in Osteuropa mit ca. 60 Prozent der Fläche Deutschlands und 9,1 Millionen Einwohnern, ist also relativ dünn besiedelt. In der Hauptstadt Minsk leben etwa 2 Millionen Einwohner. Das Binnenland grenzt an Polen, Litauen, Lettland, die Russische Föderation und die Ukraine.

Da Flugreisen nach Belarus derzeit von der EU sanktioniert sind, kann Minsk von Hamburg aus nicht direkt angeflogen werden. Deshalb sind wir zunächst in die litauische Hauptstadt Vilnius geflogen, die 30 km von der belarussischen Grenze entfernt ist. Von dort ging es weiter mit dem Linienbus nach Minsk, der Hauptstadt von Belarus, die fast genau in der Mitte des Landes liegt. Wenn man von längeren Aufenthalten an der litauisch-belarussischen Grenze (bis zu jeweils 3 bis 4 Stunden) einmal absieht, waren die Busfahrten unproblematisch.

Nach dem Untergang der Sowjetunion wurde Belarus 1991 zum ersten Mal in seiner Geschichte ein selbstständiger Staat.

1994 wurde Alexander Lukaschenko mit einem ausgesprochen sozialen Programm mit 80,1 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen zum Präsidenten gewählt. Deshalb hat Belarus im Vergleich mit den anderen postsowjetischen Ländern laut Wikipedia ein „einzigartiges“ Sozialsystem [7]. Einzelheiten zu dieser Einschätzung sucht man dort aber vergebens.

Deshalb sei hier die folgende Erläuterung nach Auskunft unserer Gesprächspartner in Belarus wiedergegeben. In der Wirtschafts- und Sozialpolitik versucht Belarus, die entsprechenden Institutionen des sowjetischen Vorbilds beizubehalten. Das bedeutet u. a.: keine oder nur ganz wenige Privatisierungen von großen Produktionsbetrieben, keine Oligarchen, Recht auf Arbeit, geringe Arbeitslosigkeit, kostenlose Gesundheitsversorgung und Schul- und Universitätsausbildung, sichere Renten und relativ hohe Staatsausgaben für die soziale Sicherung.

2020 kam es zu einer „Revolution“ in Belarus [8]. Im Grunde war das wohl eher eine von außen gesteuerte „Farbrevolution“, die aber nicht (wie die zwei entsprechenden Maidan-Revolutionen in der Ukraine) erfolgreich war, weil, wie Meinungsumfragen aus dieser Zeit gezeigt haben, die Mehrheit der Bevölkerung nicht prowestlich eingestellt war, und das hängt natürlich auch mit der Politik von Lukaschenko (siehe oben) zusammen.

Die damalige Gegenkandidatin von Lukaschenko, Swetlana Tichanowskaja, hat sich aber als Wahlsiegerin erklärt und von Wahlbetrug gesprochen, freilich ohne Beweise, und lebt jetzt im Exil in Polen. Seitdem besteht der Konfrontationskurs der EU gegenüber Lukaschenko. Dieser wird von der EU nicht als Präsident anerkannt.

Im Gegensatz dazu versuchten die USA in der letzten Zeit, mit politischen Zugeständnissen Keile zwischen Moskau und Minsk zu treiben, Trump bezeichnete 2025 Lukaschenko als „einen hochangesehenen Präsidenten“ [8].

Auch wenn das Verhältnis Belarus-Russland nicht immer reibungslos war, hat Lukaschenko seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 einen engen Schulterschluss mit Moskau vollzogen. 2024 ist Belarus bei der vollzogenen Verschärfung der Nukleardoktrin Russlands mit unter den russischen Nuklearschirm geschlüpft.

Die westlichen Anbindungsbestrebungen von Seiten der EU und zuletzt die von Trump haben stets die Tatsache ignoriert, dass die klare Mehrheit der belarussischen Bevölkerung prorussisch eingestellt ist. 2019 sprachen sich rund zwei Drittel für eine verstärkte Zusammenarbeit mit Russland aus, nur knapp ein Drittel wünschte sich eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland [8].

Zur wirtschaftlichen Situation ist zu sagen, dass Belarus zwar über nur wenige Rohstoffe außer Kalivorkommen verfügt, wobei dessen Export als Kalidünger unter Sanktionen von Seiten der EU steht. Aber das Land hat seit Sowjetzeiten eine entwickelte Maschinenbau- und Elektroindustrie und produziert z. B. Traktoren, Autobusse und Kühlschränke, vor allem für den russischen Markt.

Auch wenn das Land über keine großen Ölvorkommen verfügt, stellt die Petrochemie doch einen weiteren bedeutenden Wirtschaftszweig dar. Weiterhin ist interessant, dass der Anteil der IT mittlerweile ca. 6 Prozent der Wirtschaftsleistung beträgt, der etwa so groß ist wie der der Landwirtschaft.

Minsk heute

Auf unserer Reise nach Belarus haben wir uns diesmal auf den Besuch von Minsk und dessen Umgebung konzentriert, planen aber bei unserem nächsten Besuch, angeregt durch die Reiseberichte in Globalbridge [3][4][5][6], auch einigen Provinzhauptstädten einen Besuch abzustatten, wie z. B. Witebsk im nördlichen oder Grodno im westlichen Belarus.

Minsk ist heute eine höchst eindrucksvolle grüne Zwei-Millionen-Stadt, die sich hinter Städten wie Hamburg und Berlin nicht verstecken muss, mit einer großen Zahl von schmucken Hochhaus-Neubauvierteln, die vor allem in den letzten 20 Jahren gebaut worden sind, und vielen gepflegten Parks, großen und schön angelegten breiten Straßen mit dichtem Autoverkehr und einem umfangreichen Bus- und U-Bahnnetz [9]. Auf den Straßen sieht man in der Regel modisch gekleidete und geschäftige Menschen, die einem freundliche Auskunft geben, wenn man sie anspricht.

In den schmucken Hochhäusern wohnen (wie auch in Russland) zu einem großen Teil die Wohnungsbesitzer, Mietverhältnisse sind seltener. Viele Familien in Belarus besitzen zusätzlich eine Datscha auf dem Lande.

Minsk ist eine ausgesprochen saubere und gepflegte Stadt und die Kulturmetropole von Belarus: Es gibt eine große Zahl von Museen, 20 Theater, viele Hochschulen und auch eine ganze Reihe neuer orthodoxer Kirchen in den Stadtteilen.

Was man nicht sieht sind Bettler, Obdachlose und Graffitis.

Belarus 1941-1944

Belarus war während des 2. Weltkriegs von 1941 bis 1944 von der deutschen Wehrmacht besetzt. Es entwickelte sich in Folge der Besatzung ein unerbittlicher und grausamer Partisanenkrieg, in dem tausende Dörfer mit ihren Einwohnern vernichtet wurden.

Von den etwa 9 Millionen Einwohnern von Belarus 1941 sind im 2. Weltkrieg nach den neuesten Zahlen mindestens 3 Millionen ermordet worden. Ein großer Teil davon waren Juden, denn während der Zarenzeit war Belarus das Hauptsiedlungsgebiet der jüdischen Bevölkerung im russischen Reich.

Belarus hat von allen Sowjetrepubliken während des 2. Weltkriegs, der insgesamt mindestens 27 Millionen Todesopfer in der Sowjetunion gefordert hat, relativ zur Bevölkerung die meisten Opfer gehabt und hat am meisten gelitten. Die belarussische Geschichtsschreibung spricht heute von einem „Völkermord“, der sich während der deutschen Besatzung ereignet hat, und das wahrscheinlich zu Recht.

Nach der neuesten wissenschaftlichen Dokumentation über den „Genozid an der belarussischen Bevölkerung“ während der Nazi-Besatzung von 1941 bis 1944 werden heute folgende Zahlen für Belarus genannt [10]:

  • mehr als 3 Millionen Zivilisten und Kriegsgefangene wurden umgebracht;
  • mehr als 377.000 Zivilisten wurden unter Todesdrohungen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verfrachtet und viele von ihnen sind durch untragbare Arbeitsbedingungen, Auszehrung und Folter zu Tode gekommen;
  • 209 Städte wurden zerstört und verbrannt, eingeschlossen Minsk, Gomel, Witebsk, Polotsk, Orsha, Borisov und Slutsk;
  • mehr als 9.200 Dörfer und Siedlungen wurden zerstört und verbrannt, eingeschlossen 5.295 Siedlungen, die von der Nazi-Wehrmacht mit der gesamten oder einem Teil der Bevölkerung vernichtet wurden;
  • mehr als 1.270.000 Gebäude in Städten und Dörfern wurden zerstört.

Chatyn

60 Kilometer nördlich von Minsk liegt Chatyn. Es ist die Nationale Gedenkstätte von Belarus, die wir mit großer Anteilnahme und Erschütterung besucht haben. Sie soll an die von der deutschen Wehrmacht zerstörten 9.200 belarussischen Dörfer erinnern.

Das höchst eindrucksvolle Mahnmal gibt das Dorf Chatyn wieder [11]. Auf einer 50 Hektar großen Fläche erkennt man Straßen und 26 Steinquader, wo einst Wohnhäuser standen. Auf dem Gelände rundherum stehen wie Kamine aussehende Obelisken. Sie tragen Bronzetafeln mit den Namen der ehemaligen Bewohner des jeweiligen Hauses sowie eine Gedenkglocke, die jede Minute läutet. Aschfarbige Betonplatten weisen die Wege.

Im Zentrum der künstlerisch sehr gelungenen anspruchsvollen Komposition steht die sechs Meter hohe Bronzeskulptur von Jossif Kaminsky, dem einzigen Erwachsenen, der das Massaker in Chatyn überlebt hat und seinen toten Sohn auf den Armen trägt.

Von den 9.200 zerstörten Dörfern und Siedlungen in Belarus in den Jahren 1941 bis 1944 wurden wahrscheinlich Hunderte zusammen mit dem größten Teil oder der gesamten Bevölkerung wie in Chatyn verbrannt. Deshalb wurde in den 1960er-Jahren Chatyn als Standort der Nationalen Gedenkstätte ausgewählt.

„Ich bin aus einem verbrannten Dorf“ ist der Titel einer 1975 erstmals in Buchform veröffentlichten dokumentarischen Sammlung von Erinnerungen von Zeitzeugen an die Zerstörung belarussischer Dörfer durch deutsche Soldaten während des 2. Weltkriegs, des „Großen Vaterländischen Krieges“, die von den belarussischen Schriftstellern Ales Adamowitsch, Janka Bryl und Uladsimir Kalesnik gesammelt und zusammengestellt wurden [12].

2024 erschien diese Sammlung in deutscher Übersetzung von Thomas Weiler unter dem Titel „Feuerdörfer“ im Aufbau Verlag, die 2025 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse/Übersetzung ausgezeichnet wurde [13].

Das Buch enthält ausschließlich Zeugnisse von Menschen, die die Tragödie der Zerstörung ihres Dorfes und die Ermordung ihrer Verwandten und Mitbewohner persönlich erlebt haben. Um Zeitzeugen zu befragen, bereisten die Autoren 147 Dörfer in 35 Bezirken von Belarus mit einem Tonbandgerät und zeichneten in den Jahren 1970 bis 1973 die Erinnerungen von mehr als 300 direkt an den Ereignissen Beteiligten auf.

Auf den Seiten 470 und 471 dieses erschütternden Dokumentarberichts [13] findet sich die Schilderung des oben erwähnten Jossif Jossifawitsch Kaminsky, dem einzigen überlebenden Bewohner des ehemaligen Dorfes Chatyn im Rayon Lahojsk, im Bezirk Minsk:

„Mich haben sie in diesen Stall gebracht … Die Tochter, der Sohn und die Frau – sie waren schon da. Und so viele Menschen. Ich sag zu meiner Tochter: „Wieso habt ihr euch nichts angezogen?“ „Die haben uns die Kleider vom Leib gerissen“, sagt die Tochter.

Ja, sie treiben die Leute in den Stall und sperren ab, treiben sie rein und sperren ab. So viel Menschen hatten sie hineingepfercht, man bekam keine Luft mehr, bekam die Arme nicht mehr frei. Die Leute schreien, die Kinder dort; freilich, bei den vielen Menschen und dieser Angst. Heu gab es dort, Stroh, noch als Futter für die Kühe. Oben haben sie den Stall dann in Brand gesteckt. Oben angesteckt, das Dach brennt, das Feuer fällt auf die Menschen herunter, Heu und Stroh fangen Feuer, die Leute ersticken, es war so eng, dass man keine Luft mehr bekam. Keine Luft bekam man. Ich sag zu meinem Sohn: „Stemm dich gegen die Wand, mit Händen und Füßen, stemm dich dagegen …“.

Da ging auf einmal die Tür auf. Sie ging auf, aber die Leute gehen nicht raus. Was ist los? Da schießen sie, sie schießen da, heißt es. Aber es herrscht ein Geschrei, dass man das Schießen, das Rattern gar nicht hört. Freilich, Menschen verbrennen, Feuer von oben, dann noch die Kinder – ein Geschrei, dass … .Ich sag meinem Sohn: „Über die Köpfe weg, über die Köpfe musst du!“

Ich setze ihn oben ab. Ich bin selber unten lang, durch die Beine. Und die Toten fielen auf mich. Auf mich drauf fielen die Toten, und ich krieg keine Luft. Aber ich ruderte mit den Armen – damals war ich noch kräftiger – ich kroch weiter. Kaum war ich an der Tür, das kam das Dach herunter, das Feuer auf alle herab … .Mein Sohn war auch noch herausgekommen, nur am Kopf hatte er sich ein bisschen versengt, die Haare angebrannt. Er kam noch 5 Meter weit, dann legten sie ihn um. Tote lagen auf ihm – mit dem Maschinengewehr waren sie alle …

„Steh auf, sag ich, sie sind weg, sie sind jetzt weg!“

Ich wollte ihn herausziehen, aber seine Gedärme waren schon … Er fragte nur noch, ob die Mutter am Leben ist.

Dass niemand, der auf Erden ist, so ein Elend sehen und erleben muss, das gebe Gott …“

Elim Klimov’s Film „Komm und sieh“

Das Massaker von Chatyn war von Ales Adamowitsch bereits 1971 in seinem Roman „Die Erzählung von Chatyn“ behandelt worden, der später als Grundlage für das Drehbuch zu dem Film „Komm und sieh“ [14] diente.

Der Film von Elim Klimov aus dem Jahre 1985 gilt als einer der letzten großen Meisterwerke des Sowjetkinos [15] und ist nach Einschätzung von Jochen Hellbeck, dem deutsch-US-amerikanischen Historiker und Autor eines neuen Buches über den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, der vielleicht erschütterndste Antikriegsfilm aller Zeiten [16]. Ein Trailer dieses Films kann hier [17] aufgerufen werden.

Minsk 1941 bis 1945

Minsk war am Ende des 2. Weltkriegs völlig zerstört und der größte Teil der Einwohner entweder ermordet oder geflohen. Am Ende waren von den ca. 240.000 Einwohnern in dieser Stadt vor dem Krieg noch 50.000 übriggeblieben [18].

Vor dem deutschen Einmarsch befand sich in Minsk mit etwa 30 Prozent der Bevölkerung eine der größten jüdischen Gemeinden der Sowjetunion. Der größte Teil der Juden wurde während der deutschen Besetzung verschleppt und ermordet. In der Nähe von Minsk befand sich das Vernichtungslager Maly Trostinez.

Mit dem Ghetto in Minsk entstand in jenen Jahren eines der größten jüdischen Sammellager/Ghettos Europas. Die gesamte jüdische Bevölkerung von Minsk wurde gezwungen, in das Ghetto zu ziehen.

Zu Beginn der Besatzung lebten mehr als 100.000 sowjetische Juden in diesem zwei Quadratkilometer großen Bezirk im Nordosten der Stadt. Hinzu kamen Juden aus ganz Europa, z. B. auch die sogenannten „Hamburger Juden“, die zunächst in einem gesonderten Bereich des Ghettos untergebracht wurden und eine „Vorzugsbehandlung“ erhielten. Aber Ende Juli 1942 fiel der überwiegende Teil aller Bewohner des Ghettos einer „Aktion“ des Massenmords zum Opfer, bei dem auch laut Augenzeugenberichten Gaswagen eingesetzt wurden.

Darüber, über viele weitere schreckliche Ereignisse, die auch die Bevölkerung von Minsk in dieser Zeit erleiden musste, und über eine neue wissenschaftliche Perspektive auf den Massenmord in der Sowjetunion berichtet der Historiker Hellbeck auf der Basis von Aufzeichnungen von Zeitzeugen in seinem neuen schon genannten Buch über den deutschen Vernichtungskrieg [19][20]. Angehängt sei hier noch der Hinweis auf einen aufschlussreichen Vortrag von Hellbeck, mit dem er 2025 in Berlin sein Buch vorgestellt hatte [21].

Schlussbemerkungen

Die beiden Autoren dieses Artikels gehören zur älteren Generation, die den Kalten Krieg durchlebt und nach der Wendezeit 1989/1991 an einen dauerhaften Frieden in Europa geglaubt hat und jetzt darüber entsetzt ist, dass die Kriegsgefahr in Europa wieder bedrohlich zugenommen hat und derzeit so groß zu sein scheint wie in den dunkelsten Zeiten vor 1989.

Deshalb wollen wir mit unseren bescheidenen Kräften etwas für den Frieden tun, und zwar:

  • erstens, in Diskussionsveranstaltungen in Deutschland über unsere Reise nach Belarus und unsere Erfahrungen dort berichten und in diesem Zusammenhang auch den Film „Komm und sieh“ zeigen,
  • zweitens, uns dabei einsetzen für eine möglichst baldige Beendigung des Krieges in der Ukraine, der sich zu einem großen europäischen Krieg mit dem Einsatz von Atomwaffen ausweiten könnte [22], durch einen Verhandlungsfrieden, wie er z. B. jüngst von General Harald Kujat und weiteren Prominenten in einem umfangreichen Papier [23] vorgeschlagen wurde, und
  • drittens, mit interessierten Menschen im Herbst 2026 eine weitere Reise nach Belarus unternehmen, um den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit zu geben, die Erfahrung zu machen, dass in Belarus ebenfalls Menschen leben, für die der Frieden entsprechend dem eingangs zitierten Diktum von Willy Brandt ein unverzichtbares Gut ist, das wir unbedingt bewahren müssen.

Autoren:

Klaus-Dieter Kolenda, Prof. Dr. med., Facharzt für Innere Medizin – Gastroenterologie, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin/Sozialmedizin, war von 1985 bis 2006 Chefarzt einer Rehabilitationsklinik für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, der Atemwege, des Stoffwechsels und der Bewegungsorgane. Seit 1978 ist er als medizinischer Sachverständiger bei der Sozialgerichtsbarkeit in Schleswig-Holstein tätig. Zudem arbeitet er in der Kieler Gruppe der IPPNW e.V. (Internationale Ärztinnen und Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs und für soziale Verantwortung) mit. E-Mail: [email protected]

Jan Gorski, Diplom-Agrar-Ingenieur und Russisch-Lehrer, ehemaliger Hochschullehrer am Institut der Ökonomie, Verwaltung und Personalmanagement der Landwirtschaftsakademie in Szczecin, Projektleiter EU-PHARE Förderprogramme (1999-2004) zur Unterstützung osteuropäischer Länder beim Übergang zur Marktwirtschaft, Stärkung der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, Aufbau von Verwaltung, Infrastruktur und Personalentwicklung, Vorstand Uelzener Verein für Deutsch-Weißrussische Beziehungen, Vorstandsmitglied im Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften e. V. (BDWO). E-Mail: [email protected]


[«1] Andre´ Böhm, Maryna Rakhlei: Weißrussland. Trescher Verlag, 2. Auflage 2019
beck-shop.de/boehm-rakhlei-reisefuehrer-weissrussland/product/26422072

[«2] bdwo.de/

[«3] globalbridge.ch/auch-in-belarus-scheint-die-sonne-ein-tag-auf-dem-slawjanski-basar/

[«4] globalbridge.ch/von-witebsk-nach-gomel-eine-reise-durch-belarus-teil-2/

[«5] globalbridge.ch/%d0%b1%d0%b5%d1%80%d0%b0%d1%81%d1%86%d0%b5-%d7%91%d7%a8%d7%99%d7%a1%d7%a7-brzesc-brest-litovsk-%d0%b1%d1%80%d1%8d%d1%81%d1%82-eine-reise-in-belarus-teil-3/

[«6] globalbridge.ch/grodno-hier-kann-man-gluecklich-sein-eine-reise-durch-belarus-teil-4/

[«7] de.wikipedia.org/wiki/Belarus

[«8] german-foreign-policy.com/news/detail/10131

[«9] Andre´ Böhm, Maryna Rakhlei: Weißrussland. Trescher Verlag, 2. Auflage 2019, S. 73 ff.
beck-shop.de/boehm-rakhlei-reisefuehrer-weissrussland/product/26422072

[«10] Genocid of he Belarusian People: Informational ans Analytical Materials and Documents. Minsk 2023, S. 1

[«11] Andre´ Böhm, Maryna Rakhlei: Weißrussland. Trescher Verlag, 2. Auflage 2019, S. 153-154
beck-shop.de/boehm-rakhlei-reisefuehrer-weissrussland/product/26422072

[«12] aufbau-verlage.de/aufbau/feuerdorfer/978-3-351-03997-4
de.wikipedia.org/wiki/Ich_bin_aus_einem_verbrannten_Dorf_%E2%80%A6

[«13] Ales Adamowitsch, Janka Bryl, Uladsimir Kalesnik: Feuerdörfer. Wehrmachtsverbrechen in Belarus-Zeitzeugen berichten. Aufbau-Verlag, 1. Auflage 2024

[«14] Komm und sieh. Ein Film von Elim Klimov. 1985. Tonspur: Russisch. Untertitel: Deutsch

[«15] de.wikipedia.org/wiki/Komm_und_sieh

[«16] Jochen Hellbeck: Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Eine Revision. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2025, S. 503

[«17] bing.com/videos/riverview/relatedvideo?q=komm+und+sieh

[«18] de.wikipedia.org/wiki/Minsk

[«19] Jochen Hellbeck: Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Eine Revision. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2025, S. 248-267

[«20] „Klappentext: 1941 griff Deutschland die Sowjetunion an und besetzte die Ukraine, Weißrussland, das Baltikum und einen Teil Russlands. Die Menschen dort zahlten den höchsten Blutzoll des Zweiten Weltkriegs. Jochen Hellbeck stellt den deutsch-sowjetischen Krieg aus einer neuen Perspektive dar. Er zeigt, dass die Nationalsozialisten ihren unerbittlichen Antisemitismus von Beginn an mit einem obsessiven Antibolschewismus verknüpften. Der Befehl lautete, alle Juden und Kommunisten in der SU zu ermorden. Die besetzten Gebiete im Osten wurden damit zum Ort einer speziell auf die Menschen dort zielenden Massentötung, die danach auf alle Juden im besetzten Europa ausgeweitet wurde. Auf Basis weitgehend unbekannter Zeugnisse schildert Hellbeck die damit einhergehenden Erfahrungen sowjetischer Juden und Nichtjuden. Er verdeutlicht, dass die sowjetische Gegenoffensive die gesamte Gesellschaft einbezog, ein entscheidender Faktor für den Sieg über Deutschland“ (aus: perlentaucher- das Kulturmagazin: perlentaucher.de/buch/jochen-hellbeck/ein-krieg-wie-kein-anderer.html).

[«21] youtube.com/watch?v=Hy83oCdNRzs

[«22] manova.news/artikel/der-blick-in-den-abgrund

[«23] bremerfriedensforum.de/wp-content/uploads/2026/01/Verhandlungsvorschlag-zur-friedlichen-Loesung-de-Ukrainekrieges-Kujat-u.a.pdf

(Auszug von RSS-Feed)

Im Gespräch: Karin Leukefeld | Regime-Change im Iran?

18. Januar 2026 um 10:12

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Im Gespräch: Karin Leukefeld | Regime-Change im Iran?
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Im Gespräch: Karin Leukefeld | Regime-Change im Iran?

Im Laufe des Jahres 2025 verlor die iranische Währung Rial gegenüber dem Dollar über 60 % und die Inflationsrate lag bei etwa 40 Prozent. Rial-Absturz und Inflation waren wesentlich das Ergebnis des verschärften Sanktionsregimes gegen das Land und führten schließlich zu landesweiten Protesten der Händler, denen sich auch Teile der Bevölkerung in weitgehend friedlichen Demonstrationen anschlossen.

Zu Beginn des Jahres 2026 eskalierte die innenpolitische Situation mit massiven gewalttätigen Ausschreitungen, Ende voriger Woche mit hunderten von Toten. Die Gewalteskalation war offensichtlich geheimdienstlich „außengesteuert“, mit dem Ziel, das Land zu destabilisieren und an den Rand des Chaos zu führen.

Die Trump-Administration rief die „innenpolitische Opposition“ auf, die Institutionen zu übernehmen und drohte zu deren Gunsten militärisch zu intervenieren. Der unmittelbar bevorstehende Angriff der USA auf das Land wurde jedoch kurzfristig und unerwartet „abgeblasen“.

Über die jüngsten Entwicklungen im Iran spricht Karin Leukefeld. Das Interview führte Ullrich Mies.

(Auszug von RSS-Feed)

Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit | Von Lars Ebert

11. Januar 2026 um 10:09

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Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit | Von Lars Ebert

Ein Meinungsbeitrag von Lars Ebert.

Die Menschen im Widerstand vereint das Ziel, sich gegen Machtkonzentration zu wehren und diese Welt möglichst zu einem besseren Ort zu machen. Oft wird dabei aber nicht an einem Strick gezogen. Hier geht es um ein lehrreiches Beispiel, wie Streit Kooperation verhindert – und wie ein möglicher Ausweg aussehen könnte.

Bei dem Beispiel handelt es sich um eine bemerkenswerte Diskussion auf apolut: „Livestream: Bühne, Waffe, Fassade – Wie Migration zur Projektionsfläche wird“. Es ist ein Streitgespräch zwischen Paul Brandenburg, B-Lash, Tariq Hübsch und Kayvan Soufi-Siavash – Jens Lehrich moderiert. https://apolut.net/livestream-buhne-waffe-fassade-wie-migration-zur-projektionsflache-wird-aufzeichnung-vom-07-08-2025/

Es geht hauptsächlich um die Frage, wie der Kriminalität auf deutschen Straßen begegnet werden kann. Und ob der Islam oder arabisch-türkische Migranten aus Deutschland entfernt werden sollten.

Der Mut von apolut, dieses heiße Eisen mit aller Gegensätzlichkeit anzufassen, verdient zunächst Respekt. Aber ehrlich gesagt war ich über die Heftigkeit des Streits und dem Fehlen einer guten Streitkultur – zuhören, ausreden lassen, der Moderation folgen – sehr erschrocken. Es gab minutenlange Phasen, in denen drei Sprecher durcheinander geredet haben.

Jeder hat seinen Standpunkt vehement verteidigt – fast als ginge es um sein Leben – und am Schluss hatten alle Beteiligten auf Nachfrage die gleichen Überzeugungen wie zu Beginn der fast zweistündigen Diskussion. Soweit meine – subjektive – Wahrnehmung.

Nun meine Gedanken dazu: Alle Beteiligten sind sehr intelligente, gebildete, kritische, redegewandte und engagierte Menschen. Ich bin davon überzeugt, dass sie mit ihrer Arbeit diese Erde zu einem besseren, menschlicheren Ort machen wollen, und für ihren Einsatz bin ich sehr dankbar. Aber einen wesentlichen Aspekt des Menschseins haben sie nicht oder nur sehr rudimentär gezeigt: Ihre Gefühle und Bedürfnisse. Ich hätte mich sehr über persönliche Worte gefreut. Zum Beispiel: „Ich habe eine fast erwachsene Tochter und habe Angst um ihre Sicherheit.“

Es drehte sich in der ganzen Diskussion um ein „Außen“: Die Migranten, der Islam, die Politiker, die Öffentlichkeit, die Medien, der Diskussionspartner etc. Und die Probleme – die wohl kaum jemand bestreitet – sollten im „Außen“ gelöst werden. Natürlich müssten wir in Deutschland und weltweit dringend einige Rahmenbedingungen ändern, vor allem zur Vermeidung von Machtkonzentration.

Hier geht es mir aber um die Frage, wie man menschliche Konflikte lösen kann. Und das nicht nur aus Harmoniesucht, sondern weil Zusammenhalt unabdingbar für den Widerstand ist – und für eine positive Gestaltung der Zukunft. In dieser Diskussion auf apolut ist die Konfliktlösung offenbar nicht gelungen.

Es gibt aber viele gute Ansätze, zum Beispiel die „Gewaltfreie Kommunikation (GFK)“. Der Name ist unglücklich, es müsste eigentlich „Bedürfnisorientierte Kommunikation“ oder ähnlich heißen. Jeder Mensch auf der Welt kennt beispielsweise die Bedürfnisse nach Sicherheit, Selbstbestimmung oder Wertschätzung. Unsere Bedürfnisse sind universell. Deshalb fördert es das Verständnis, wenn ich sie offenlege. Wenn ich sage: „Ich habe das Bedürfnis nach Sicherheit“, wird das niemand bestreiten. Im Idealfall wird dann mit einem anderen Bedürfnis geantwortet, etwa: „Ich habe das Bedürfnis nach Gerechtigkeit“. Beide Bedürfnisse sind berechtigt.

Manchmal sind mir selbst meine Bedürfnisse nicht klar. Dann helfen mir meine Gefühle. Ein Gefühl von Angst etwa deutet auf das Bedürfnis nach Sicherheit hin. Deshalb habe ich zu Beginn auf die Wichtigkeit von Gefühlen und Bedürfnissen hingewiesen.

Erst in dieser Phase der Diskussion, wenn die Diskussionsteilnehmer Verständnis für einander haben, macht es Sinn, über Lösungsstrategien nachzudenken. Bei der apolut-Diskussion wurde aber direkt mit den Lösungsstrategien begonnen, ohne vorher über Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen. Es wurde wiederholt auf „die Realität“ oder „die Fakten“ verwiesen. Das war für mich der Hauptgrund für ausbleibendes Verständnis oder eine Versöhnung untereinander.

Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist nicht, noch schlauer oder redegewandter zu werden. Oder noch bessere Argumente und Zahlen für den eigenen Standpunkt zu haben. Oder noch mehr Menschen zu überzeugen, noch mehr Follower zu generieren, noch „besser“ oder attraktiver oder erfolgreicher zu werden.

Der nächste Entwicklungsschritt der Menschheit ist die Fähigkeit und der tief empfundene Wunsch nach Verbindung. Nach liebender Verbindung. Wir alle kennen dieses Gefühl der Verbundenheit aus dem Mutterleib. Bewusst oder unbewusst suchen die meisten Menschen danach. Unterstützen wir uns doch gegenseitig dabei!

Anhang für psychologisch Interessierte: Warum es uns so schwerfällt, über unsere Gefühle zu sprechen

Ein Gefühl der Verbundenheit fängt mit der Beziehung zu meinem eigenen Körper, meinen Sinneseindrücken, meinen Gefühlen und meinen Bedürfnissen an. Diese Beziehung zu mir selbst ist die Vorbedingung einer guten Beziehung zu anderen Wesen.

Bei der Entwicklung dieser Beziehung zu mir selbst (und zu meinen ersten Beziehungspersonen) gab es bei fast allen von uns schon in der Kindheit Störungen. Unverständnis, Ablehnung, Strafe. Die Eltern oder andere Bezugspersonen können oft mit heftigen Gefühlen von Kindern nicht gut umgehen. Sie haben es nicht gelernt und sind überfordert.

Das Ziel ist nun nicht, sich sein Leben lang mit diesen Störungen zu beschäftigen. Aber eine Einsicht in die Zusammenhänge sind unumgänglich. Vor allem die Einsicht, dass ich als Kind hilflos und unschuldig war – nun aber nicht mehr hilflos bin. Wie viel Leid kam in diese Welt, weil Menschen sich in ihrer Kindheit geschworen haben, nie mehr Opfer zu sein – sondern lieber Täter.

Wenn ich meinen Körper, meine Gefühle und Bedürfnisse bewusst spüre und ernst nehme, kann ich vielleicht im nächsten Schritt diese Gefühle und Bedürfnisse äußern. Der Riesenvorteil ist: Alle Menschen auf diesem Planeten verstehen diese Sprache. Wenn ich mich unsicher fühle, wenn ich Angst habe, und das äußern kann, versteht das mein Gegenüber.

Das ist das Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation: Öffne dich und sprich über deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Wenn dann dein Gegenüber auch über seine Gefühle und Bedürfnisse sprechen kann, ist der Konflikt meist schon geklärt. Der letzte Schritt – die Strategie, die konkrete Lösung – ist dann in der Regel kein Problem mehr.

Ich wünsche uns allen die Fähigkeit, unsere eigenen Gefühle und Bedürfnisse anzunehmen – und im nächsten Schritt zu äußern. Wenn ich mir wirklich mehr Lebenszufriedenheit wünsche, und dazu beitragen möchte, diesen Planeten zu einem besseren Ort zu machen, reicht es deshalb nicht, immer mehr Wissen über Fakten und Probleme anzuhäufen (mRNA-Injektionen, Krieg, Migration, etc.).

Ich sollte mich auch mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen und Schattenseiten auseinandersetzen. Zum Glück gibt es in diesem Bereich viele großartige Gedanken von – zum Beispiel – Marshall B. Rosenberg, Hans Joachim Maaz, Christian Schubert, Bastian Barucker, Kerstin Chavent und vielen anderen.

+++

Lars Ebert ist Diplom-(Bio)Physiker mit langjähriger Berufserfahrung in Forschung, Medizin und IT. Er ist Fachbuchautor, Wissenschaftsjournalist (bei verschiedenen Alternativmedien), Dozent, Projektleiter und Gründer der Vernetzungsplattform Yunite.org. Er bietet unabhängige, wissenschaftliche Gesundheitsrecherchen an und betreibt einen Telegram-Kanal zu diesem Thema.

+++

Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

+++

Bildquelle: AYO Production / shutterstock

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Wer schreibt Amerikas Kriegspläne? | Von Michael Hollister

09. Januar 2026 um 14:33

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Wer schreibt Amerikas Kriegspläne? | Von Michael Hollister
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Wer schreibt Amerikas Kriegspläne? | Von Michael Hollister

Von der RAND-Studie zur Nationalen Sicherheitsstrategie:
Wie Think Tanks Amerikas Kriegspläne schreiben

Ein Standpunkt von Michael Hollister.

Im November 2025 veröffentlichte die Trump-Administration ihre National Security Strategy. Drei Kernaussagen stechen heraus: Die EU ist nicht mehr verlässlicher Partner, Russland nicht mehr Hauptfeind, der strategische Fokus liegt nun auf dem Pazifik. Was wie eine geopolitische Kehrtwende wirkt, ist in Wahrheit die Umsetzung eines detaillierten Kriegsplans, den die RAND Corporation bereits 2016 vorgelegt hat.

Die National Security Strategy 2025: Der Pazifik-Pivot als Doktrin

Die im November 2025 veröffentlichte National Security Strategy (NSS) der Vereinigten Staaten markiert einen Wendepunkt in der amerikanischen Außenpolitik – zumindest auf dem Papier. Während die Trump-Administration Europa faktisch den Krieg erklärt und Russland nicht mehr als Hauptfeind definiert, konzentriert sich Washington nun offen auf das, was interne Strategiepapiere seit Jahren fordern: die Eindämmung Chinas im Indo-Pazifik. Die NSS formuliert glaskar:

"Der Indo-Pazifik ist bereits die Quelle von fast der Hälfte des weltweiten BIP... Um im Inland erfolgreich zu sein, müssen wir dort erfolgreich konkurrieren."

Weiter heißt es: "Die Abschreckung eines Konflikts um Taiwan, idealerweise durch die Aufrechterhaltung militärischer Überlegenheit, ist eine Priorität."

Noch deutlicher wird die Strategie auf Seite 24:

"Wir werden ein Militär aufbauen, das in der Lage ist, Aggression überall in der Ersten Inselkette zu verweigern."

Diese Formulierungen sind nicht neu. Sie sind auch keine originäre Trump-Doktrin. Sie sind die wortwörtliche Umsetzung von Empfehlungen, die die RAND Corporation – eine der mächtigsten und einflussreichsten Denkfabriken der Welt – bereits 2016 und 2017 in mehreren Studien ausgearbeitet hat.

RAND Corporation: Die Kriegsplanungszentrale mit akademischem Anstrich

Die RAND Corporation ist kein gewöhnlicher Think Tank. Gegründet 1948 als gemeinsames Projekt der US Air Force und Douglas Aircraft Company, verfügt RAND über ein Jahresbudget von über 350 Millionen Dollar und beschäftigt ein Heer hochqualifizierter Experten: Militärstrategen, Physiker, Datenanalysten, Ökonomen und Politologen – viele mit Regierungs- oder Geheimdiensterfahrung.

Hauptkunden sind das Pentagon, Homeland Security, verschiedene Geheimdienste sowie NATO-Partnerstaaten. RAND arbeitet nicht politisch neutral, sondern entwickelt "Optionen, Wahrscheinlichkeiten, Risiken" – auf Basis von Simulationen, Datenanalyse und militärischer Machbarkeitsprüfung. Empfehlungen aus RAND-Studien sind keine Denkmodelle, sondern werden regelmäßig zur Grundlage realer Politik.

Die Organisation war maßgeblich an Konzepten wie der Abschreckungsdoktrin (Mutual Assured Destruction) beteiligt und prägte das strategische Denken im Kalten Krieg bis heute. RAND-Mathematiker wie Herman Kahn entwickelten die "Megadeath"-Kalkulationen – das zynische Durchrechnen von Millionen Toten als strategische Variable.

"War with China: Thinking Through the Unthinkable" (2016)

Im Jahr 2016 veröffentlichte RAND eine Studie, die einen Wendepunkt markierte: "War with China: Thinking Through the Unthinkable". Die Kernaussage war eindeutig:

"China könnte einen schweren Krieg mit den Vereinigten Staaten im Jahr 2025 nicht gewinnen und könnte ihn verlieren."

Diese Formulierung ist entscheidend. Sie impliziert ein sich schließendes Zeitfenster – je weiter die Zeit voranschreitet, desto geringer wird der amerikanische Vorteil. Die Studie warnte vor "konventioneller Gegenschlagfähigkeit": Beide Seiten besitzen zunehmend die Mittel, die Streitkräfte des anderen zu treffen, was Anreize für präventive Schläge schaffe.

Die zeitliche Perspektive war alarmierend:

"Gegenwärtig würden chinesische Verluste die US-Verluste weit übersteigen. Aber bis 2025 könnte diese Lücke viel kleiner sein."

RAND rechnete systematisch durch: Kosten, Eskalationsdynamiken, Dauer und Verlaufsformen eines Krieges – mit dem Ergebnis, dass ein langer Krieg für beide Seiten katastrophal wäre, aber für China besonders verlustreich. Die Logik war klar: Wenn die USA handeln wollen, müssen sie es bald tun – aus einer Position der Stärke heraus, solange diese noch besteht.

"Conflict with China Revisited" (2017): Das schrumpfende Zeitfenster

Die 2017 erschienene Aktualisierung verschärfte die Analyse weiter: "Die Reichweite und Fähigkeiten der chinesischen Luft- und Seeverteidigung sind weiter gewachsen, wodurch die US-Vorwärtsbasen verwundbarer und die direkte Verteidigung von US-Interessen in der Region potenziell kostspieliger wird."

Noch deutlicher wurde die zeitliche Dimension:

"Die Vereinigten Staaten sollten sich früher statt später – bevor ihre Machtposition in der Region weiter abnimmt – konstruktiv mit China über eine Reihe potenzieller Konfliktpunkte auseinandersetzen."

Diese Formulierung legt nahe, dass die USA aus einer Position der Stärke heraus agieren sollten, solange sie noch können. Das implizite Zeitfenster? Etwa ein Jahrzehnt, bevor Chinas militärische Fähigkeiten die direkte Verteidigung US-amerikanischer Interessen im Westpazifik unmöglich machen.

RAND analysierte systematisch die Konfliktauslöser in absteigender Wahrscheinlichkeit:

  1. Korea: Regimekollaps oder Eskalation mit Nordkorea, bei dem China intervenieren könnte 
  2. Südchinesisches Meer: Zusammenstöße wegen konkurrierender Gebietsansprüche 
  3. Taiwan: Blockade oder Invasion durch China, die US-Intervention provozieren würde 
  4. Cyberspace: Offensive Operationen mit Eskalationspotenzial 
  5. Japan: Auseinandersetzungen im Ostchinesischen Meer 

Die Studien beschrieben Taiwan-Szenarien als größte Herausforderung. RAND empfahl 2017 explizit: "Die Modernisierung und Ausweitung der Anzahl taiwanesischer Anti-Schiff-Marschflugkörper könnte die Kosten eines amphibischen Invasionsversuchs durch China inakzeptabel hoch machen."

Diese Empfehlung wird seither umgesetzt – Taiwan kauft massiv mobile Anti-Schiff-Raketen und asymmetrische Verteidigungssysteme.

Vom Papier zur Doktrin: Die direkte Übereinstimmung

Die Übereinstimmungen zwischen den RAND-Studien von 2016/2017 und der National Security Strategy von November 2025 sind nicht subtil – sie sind wortwörtlich.

RAND 2016/2017:

"Deterring a conflict over Taiwan... by preserving military overmatch"

NSS 2025 (Seite 23):

"Deterring a conflict over Taiwan, ideally by preserving military overmatch, is a priority"

RAND 2017:

"The United States should build a military capable of denying aggression anywhere in the First Island Chain"

NSS 2025 (Seite 24):

"We will build a military capable of denying aggression anywhere in the First Island Chain"

RAND 2017:

"The United States should move sooner rather than later—before its power position in the region further deteriorates"

NSS 2025 (Seite 19):

"The Indo-Pacific is already and will continue to be among the next century's key economic and geopolitical battlegrounds"

Diese Formulierungen sind keine Zufälle. Sie sind keine inhaltlichen Parallelen. Sie sind Kopien.

Die National Security Strategy der Vereinigten Staaten liest sich stellenweise wie ein Plagiat der RAND-Studienoder präziser: wie deren autorisierte Umsetzung in offizielle Regierungspolitik.

Die institutionellen Verflechtungen

Die Verbindungen zwischen RAND und der US-Regierung sind offensichtlich und systematisch:

  • RAND erhält jährlich hunderte Millionen Dollar vom Pentagon und anderen Verteidigungsbehörden 
  • Führungspersonal wechselt regelmäßig zwischen RAND, Regierung und Rüstungsindustrie 
  • RAND-Analysten briefen direkt Kongressausschüsse, NSC-Mitarbeiter und Militärkommandeure 
  • Studien werden häufig im Auftrag spezifischer Regierungsbehörden erstellt 

Dies ist keine neutrale Politikberatung. Dies ist eine institutionalisierte Pipeline vom Think Tank zur Regierungspolitik. RAND formuliert strategische Optionen, das Pentagon wählt aus, die Regierung implementiert.

Chinas "Bedrohung": Wo die USA eingeholt wurden

Die RAND-Studien analysieren systematisch, in welchen Bereichen China die USA herausfordert oder überholt:

Wirtschaftlich: Die 2017er-Studie prognostizierte: "Bis 2030 könnte Chinas Bruttoinlandsprodukt das der Vereinigten Staaten übersteigen." China ist bereits der größte Handelspartner für die meisten Länder weltweit.

Industriell: China verfügt über die weltweit größte Werftkapazität, führende 5G-Technologie, Kontrolle über 80% der Produktion Seltener Erden und wachsende Dominanz in Künstlicher Intelligenz.

Geopolitisch: Chinas Belt and Road Initiative erstreckt sich über drei Kontinenten, eine Militärbasis in Djibouti erweitert die Präsenz, und die wachsende Kooperation mit dem Globalen Süden unterläuft US-Einflussnetzwerke.

Militärisch: China hat "Anti-Access/Area-Denial"-Fähigkeiten (A2AD) aufgebaut – ein Netzwerk aus Raketen, Sensoren und U-Booten, das US-Streitkräfte von Chinas Peripherie fernhalten soll. RAND notierte 2016: "China hat einen einsatzfähigen Flugzeugträger erworben, einen zweiten angekündigt und plant drei bis vier zusätzliche Träger über die nächsten 20 Jahre."

Die NSS 2025: Umsetzung ist in vollem Gange

Die National Security Strategy 2025 zeigt, dass mehrere RAND-Strategien bereits implementiert werden:

Militärische Positionierung: "We will harden and strengthen our military presence in the Western Pacific" (NSS S. 24) – Verstärkung von US-Basen in Japan, Philippinen, Australien

Taiwan-Militarisierung: Waffenverkäufe und hochrangige Besuche, genau wie RAND 2017 empfahl

Wirtschaftsentkopplung: "We will rebalance America's economic relationship with China, prioritizing reciprocity and fairness" (NSS S. 20)

Technologiekontrollen: Die NSS fordert explizit "aligning the actions of our allies and partners with our joint interest in preventing domination by any single competitor nation" (NSS S. 21)

AUKUS-Pakt (2021): Atomgetriebene U-Boote für Australien – bereits vor der NSS 2025 umgesetzt, aber nun offiziell bestätigt

Chip-Sanktionen (2022-2024): Umfassende Exportkontrollen für Halbleitertechnologie

Empfiehlt RAND militärisches Vorgehen?

Die RAND-Analysen empfehlen keinen unprovozierten Angriffskrieg, aber sie entwickeln detaillierte Szenarien für "unvermeidliche" Konflikte. Aus der 2017er-Studie:

"Mit dem Vergehen der Zeit und der Verbesserung chinesischer Fähigkeiten werden sich die Vereinigten Staaten wahrscheinlich gezwungen sehen, von Abschreckung durch Verweigerung zu Abschreckung durch Bestrafung überzugehen, basierend auf der Drohung der Eskalation."

"Die direkteste militärische Eskalationsoption für die Vereinigten Staaten – am glaubwürdigsten und einseitigsten in ihren Effekten - sind konventionelle Präzisionsschläge gegen chinesische kriegsführende und kriegsunterstützende Ziele auf dem Festland."

Die Studie von 2016 formulierte die Logik präventiven Handelns: "Technologische Fortschritte schaffen Bedingungen, wobei jede Seite die Mittel hat, die Streitkräfte der anderen zu treffen, und daher einen Anreiz hat, dies umgehend, wenn nicht zuerst, zu tun."

Dies ist die Sprache der präemptiven Kriegsführung, verpackt in akademische Nüchternheit.

Ukraine als Beleg: RAND-Empfehlungen werden umgesetzt

Die Ukraine liefert den empirischen Beweis, dass RAND-Strategien nicht nur gelesen, sondern implementiert werden.

Die 2019 veröffentlichte RAND-Studie "Overextending and Unbalancing Russia" enthielt bemerkenswerte Empfehlungen:

"Die Bereitstellung tödlicher Hilfe für die Ukraine würde Russlands größte externe Verwundbarkeit ausnutzen."

Die Autoren warnten, dass militärische Unterstützung

"sorgfältig kalibriert werden müsste, um die Kosten für Russland zu erhöhen, ohne einen viel größeren Konflikt zu provozieren".

Die RAND-Analyse listete als "hochwirksam" auf:

  • Ausbau der US-Energieproduktion (Erfolgswahrscheinlichkeit: hoch, Kosten: niedrig) 
  • Verschärfung von Handels- und Finanzsanktionen (Erfolgswahrscheinlichkeit: hoch) 
  • Militärische Unterstützung für die Ukraine (Erfolgswahrscheinlichkeit: moderat, Risiko: hoch) 

Die Realität seit 2022: Europa wurde von russischem Gas entwöhnt, die USA wurden zum größten LNG-Exporteur, und die Ukraine erhält kontinuierlich wachsende militärische Unterstützung im dreistelligen Milliardenbereich. Die Übereinstimmung zwischen RAND-Empfehlungen und tatsächlicher Politik ist nahezu vollständig.

Jetzt, in der NSS 2025, wird Russland nicht mehr als Hauptfeind definiert. Warum? Weil die RAND-Strategie erfolgreich war – Russland ist "überdehnt", die USA können sich nun auf China konzentrieren.

Das kritische Jahrzehnt: 2025-2035

Alle untersuchten RAND-Studien konvergieren auf einen Zeitrahmen: Das Jahrzehnt zwischen 2025 und 2035 stellt das kritische Zeitfenster dar, in dem die USA noch militärische Überlegenheit im Westpazifik beanspruchen können.

Die 2017er-Analyse formuliert mehrfach Dringlichkeit:

"Wir empfehlen, dass die Vereinigten Staaten sich früher statt später bewegen – bevor ihre Machtposition in der Region weiter abnimmt."

Diese Logik schafft gefährliche Anreize: Wenn die Machtverhältnisse sich kontinuierlich zugunsten Chinas verschieben, könnte die Versuchung entstehen, einen Konflikt zu provozieren, solange die USA noch überlegen sind.

An dieser Stelle werden auch Stimmen innerhalb der USA selbst laut:

  • Adm. Phil Davidson (INDOPACOM, 2021): "Die Bedrohung manifestiert sich in diesem Jahrzehnt – in den nächsten sechs Jahren." 
  • Gen. Mike Minihan (USAF, 2023-Memo): "Mein Gefühl sagt mir, wir werden 2025 kämpfen. Ich hoffe, ich liege falsch." (interner Befehl, öffentlich geworden) 
  • Heritage Foundation: "Noch Zeit, die Abschreckung bis 2027 zurückzugewinnen." 

Diese Aussagen sind keine isolierten Meinungen. Sie sind Teil eines strategischen Konsenses innerhalb der US-Sicherheitselite, der direkt auf RAND-Analysen basiert.

Die selbsterfüllende Prophezeiung

Die kritischste Frage: Dienen diese Analysen der Kriegsvermeidung oder bereiten sie den Boden für eine Eskalation, die sie angeblich verhindern wollen?

Wenn chinesische Strategen RAND-Papiere lesen, die detailliert beschreiben, wie die USA Chinas Aufstieg eindämmen wollen, verstärkt dies in Beijing die Überzeugung, dass Konflikt unvermeidlich ist. Dies führt zu beschleunigter Aufrüstung – genau das Szenario, vor dem RAND warnt.

Die 2016er-Studie räumt ein: "Die chinesischen Politikmacher sind eines ihrer beabsichtigten Publikum."

RAND weiß also, dass Beijing mitliest. RAND weiß, dass Beijing aufrüsten wird. RAND weiß, dass dies die Wahrscheinlichkeit eines Krieges erhöht. Und RAND veröffentlicht trotzdem.

Dies ist keine Analyse. Dies ist Provokation mit akademischem Deckmantel.

Geschichte wiederholt sich: Irak, Ukraine, jetzt China

Die Analyse der RAND-Studien offenbart ein beunruhigendes Muster:

Irak: RAND untersuchte in den 1990er Jahren die Folgen eines Regimewechsels, entwarf Szenarien für Nation-Building und prognostizierte ethnisch-konfessionelle Spannungen. Die US-Administration nutzte viele dieser Einschätzungen zur Rechtfertigung des Irakkriegs 2003.

Ukraine: Die RAND-Studie "Overextending and Unbalancing Russia" (2019) wurde seit 2022 nahezu vollständig umgesetzt.

China: Die Studien von 2016/2017 werden nun – 2025 – zur offiziellen Doktrin der Vereinigten Staaten.

In allen drei Fällen lieferte RAND das konzeptuelle Fundament. In allen drei Fällen wurden die Empfehlungen zur Politik. Beim Irak endete dies katastrophal. Bei der Ukraine ist das Ergebnis noch offen. Bei China geht es um die Zukunft der globalen Ordnung – und potenziell um einen Krieg zwischen Atommächten.

RAND denkt Szenarien nicht nur durch – RAND bereitet sie vor

Die entscheidende Frage ist nicht, ob die RAND-Analysen technisch kompetent sind – das sind sie zweifellos. Die Frage ist, ob ihre Grundprämissen – US-Hegemonie als selbstverständliches Gut, China als existenzielle Bedrohung, militärische Überlegenheit als notwendiges Ziel – überhaupt hinterfragt werden dürfen.

RAND ist keine neutrale Forschungsinstitution. RAND ist die Planungsabteilung des Pentagon mit akademischem Anstrich. RAND entwickelt keine "Optionen" – RAND entwickelt Kriegspläne, die dann von der Regierung als "alternativlos" präsentiert werden.

Die National Security Strategy 2025 ist der Beweis. Was 2016 als akademisches Denkmodell begann, ist 2025 offizielle US-Doktrin. Die Übereinstimmungen sind zu präzise, um Zufall zu sein. Sie sind zu systematisch, um bloße Inspiration zu sein.

Die NSS 2025 ist RAND in Regierungsprosa.

Fazit: Die Think-Tank-zu-Policy-Pipeline

Was folgt, ist nicht nur ein Testfall für den Indo-Pazifik, sondern für die Frage, ob die Vereinigten Staaten ihre globale Hegemonie notfalls erneut durch militärische Mittel sichern werden – auf Basis wissenschaftlicher, aber hoch politischer Planspiele.

Angesichts multipler globaler Krisenherde und einer zunehmenden Blockkonfrontation sollte die zentrale Frage nicht lauten:

"Wie können die USA ihre Dominanz bewahren?"

Sondern:

"Wie können die größten Mächte der Welt kooperieren, um das Überleben der Menschheit zu sichern?"
Diese Frage stellt RAND nicht. Und genau das macht die Analysen so gefährlich.

Was als nüchterne Szenarioanalyse präsentiert wird, ist in Wahrheit die Simulation von Eskalation – ein Krieg im Labor, der reale Opfer fordern wird.

Die National Security Strategy 2025 zeigt:

Der Krieg ist nicht mehr Theorie. Er ist Doktrin.

RAND hat die Blaupause geliefert. Washington setzt sie um. Die Frage ist nicht mehr, ob die USA einen Konflikt mit China anstreben. Die Frage ist, ob dieser Konflikt noch verhindert werden kann – oder ob die RAND-Logik die USA in einen Krieg zwingt, den niemand gewinnen kann.

Quellen und Anmerkungen

Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com , bei Substack unter https://michaelhollister.substack.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum. 

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Michael Hollister analysiert seit vielen Jahren die globalen Machtstrukturen hinter Politik und Wirtschaft. Sein Schwerpunkt liegt auf geopolitischen Strategien, einflussreichen Netzwerken und den historischen Wurzeln heutiger Konflikte.

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National Security Strategy of the United States of America (November 2025). The White House, Washington. https://www.whitehouse.gov

RAND Corporation (2019): Overextending and Unbalancing Russia: Assessing the Impact of Cost-Imposing Options. RR-3063-A. https://www.rand.org/pubs/research_briefs/RB10014.html

RAND Corporation (2016): War with China: Thinking Through the Unthinkable. RR-1140-A. https://www.rand.org/pubs/research_reports/RR1140.html

RAND Corporation (2017): Conflict with China Revisited: Prospects, Consequences, and Strategies for Deterrence. PE-248-A. https://www.rand.org/pubs/perspectives/PE248.html

RAND Corporation (2011): Conflict with China: Prospects, Consequences, and Strategies for Deterrence. OP-344-A. https://www.rand.org/pubs/occasional_papers/OP344.html

USNI News (2021): Davidson: China could try to take control of Taiwan in "next six years". https://news.usni.org/2021/03/09/davidson-china-could-try-to-take-control-of-taiwan-in-next-six-years

Air & Space Forces Magazine (2023): Read for yourself: The full memo from AMC Gen. Mike Minihan. https://www.airandspaceforces.com/read-full-memo-from-amc-gen-mike-minihan

Heritage Foundation (2025): Are we beyond the event horizon of war in the pacific? https://www.heritage.org/defense/commentary/are-we-beyond-the-event-horizon-war-the-pacific

National Security Archive (NSA): US Nuclear Weapons Posture During Cold War - Compilation of Core Primary Sources. https://nsarchive.gwu.edu/briefing-book/nuclear-vault/2020-05-22/us-nuclear-weapons-posture-during-cold-war-compilation-core-primary-sources

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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Silhouette von Gangsterfestpistole und Rauchen auf dunklem Hintergrund
Bildquelle: LightField Studios / shutterstock 

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Es gibt kein Völkerrecht mehr, nur noch das Recht des Stärkeren | Von Thomas Röper

07. Januar 2026 um 13:14

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Es gibt kein Völkerrecht mehr, nur noch das Recht des Stärkeren | Von Thomas Röper
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Es gibt kein Völkerrecht mehr, nur noch das Recht des Stärkeren | Von Thomas Röper

Das Völkerrecht ist schon lange tot, trotzdem reden noch alle davon und deutsche Medien echauffieren sich darüber, dass Trump oder auch Putin in Einflusssphären denken würden, dabei tun auch Deutschland und die EU nichts anderes. Es ist Zeit, für einen realistischen Blick auf die Weltpolitik.

Ein Standpunkt von Thomas Röper.

Die Idee zu diesem Artikel ist mir gekommen, als ich bei RT-DE die zweiteilige Übersetzung eines Artikels von Alexander Dugin (hier die Links zu Teil 1 und zu Teil 2) gelesen habe. Dugin wird im Westen fälschlicherweise als Faschist oder Nationalist bezeichnet, dabei kritisiert er nur den Globalismus und das, was im Westen als „liberal“ bezeichnet wird. Tatsächlich ist Dugin ein brillanter Analyst, wobei man, wie bei jedem Analysten, über seine Analysen und ihre Ergebnisse natürlich nach Herzenslust diskutieren und streiten kann.

Dugins Artikel ist im Original unter der Überschrift „Die Welt steht am Rande eines großen Krieges“ erschienen. Ich will hier nicht seine These wiederholen, die er schon in der Überschrift genannt hat, sondern auf die Frage eingehen, warum es kein Völkerrecht mehr gibt und wie deutsche Medien ihre Leser für dumm verkaufen.

Dugins Artikel beginnt mit folgendem Absatz:

„Dieser Text ist eine philosophische Reflexion über den Angriff auf Venezuela und die Operation zum Regimewechsel im Iran. Ich bin überzeugt: Angesichts der aktuellen Ereignisse in der Weltpolitik ist nun jedem endgültig klar geworden, dass es kein Völkerrecht mehr gibt. Es existiert nicht mehr.“

Diese auf den ersten Blick simple Feststellung kann man in abgeschwächter Form derzeit sogar in deutschen Medien lesen, wenn sie über Trumps Vorgehen berichten, wobei sie das eher im Zusammenhang mit Trumps Gelüsten nach der Annektierung Grönlands als wegen Trumps Angriff auf Venezuela schreiben. Schon diese Tatsache, dass deutsche Medien sich scheuen, das wegen Venezuela genauso deutlich zu sagen, wie bei Grönland, zeigt, dass nicht Trump das Problem ist, sondern dass es viel tiefer sitzt.

Wie funktioniert Völkerrecht?

Dugin beschreibt im ersten Teil seines Artikels, wie das Völkerrecht historisch entstanden ist, was für jeden an Geschichte Interessierten sehr lesenswert ist. Wichtiger ist aber die Essenz dessen, was Dugin dazu schreibt.

Damit es tatsächlich Recht geben kann, müssen alle Beteiligten das Recht anerkennen und es einhalten. Und es muss die Möglichkeit geben, Rechtsbrecher zu bestrafen. In Staaten ist dafür die Staatsmacht zuständig, also Staatsanwälte und Gerichte, die die Einhaltung des Rechts überwachen und Verstöße bestrafen, und die Polizei, die dafür sorgt, dass die Entscheidungen von Staatsanwälten und Gerichten auch befolgt und umgesetzt werden.

In der internationalen Politik gibt es zwar einige internationale Gerichte und es gibt als oberste Instanz auch einen Gerichtshof der UNO, aber es gibt keine Polizei, die dafür sorgt, dass das Völkerrecht und die Urteile dieser Gerichte auch umgesetzt und eingehalten werden.

Die Folge davon ist offensichtlich: Staaten halten sich nur an das Völkerrecht, solange sie nicht so mächtig sind, dass sie straffrei ausgehen, weil niemand die Macht hat, sie für Verstöße zur Verantwortung zu ziehen.

Daher gab es in der Geschichte nicht viele Perioden, in denen es tatsächlich ein allgemein gültiges (und von allen eingehaltenes) Völkerrecht gegeben hat. Das kann nämlich nur funktionieren, wenn es viele ungefähr gleich starke Staaten gibt, die alle daran interessiert sind, dass die beschlossenen Regeln auch von allen eingehalten werden, sich also alle gegen einen „Störenfried“, der die allgemein anerkannten Regeln (das Völkerrecht) bricht, zusammentun und ihn gemeinsam bestrafen.

Aber das funktioniert schon in dem Augenblick nicht mehr, wenn sich einige Staaten zu einem Bündnis zusammenschließen, das stark genug ist, damit dessen Mitglieder keine Angst mehr vor der Strafe der anderen Staaten für ihre Verstöße gegen das Völkerrecht haben müssen. Und es funktioniert erst recht nicht, wenn einzelne Staaten so mächtig werden, dass sie ganze Regionen oder sogar die Welt dominieren, denn die machen dann, was sie wollen und kümmern sich nicht um die vereinbarten Regeln des Völkerrechts.

Es mag viele überraschen, aber für mich ist das Heilige Deutsche Reich des Mittelalters ein hervorragendes Beispiel zum Verständnis dafür, wie Völkerrecht funktioniert. Damals gab es zwar noch keine Staaten im heutigen Sinne (und erst recht gab es den Begriff Völkerrecht noch nicht), aber es gab einen allgemein gültigen Rechtsrahmen, der aus einem komplizierten Wechselspiel von Lehnsherren und Vasallen bestand. Von diesem Rechtsrahmen haben alle profitiert, denn er garantierte den Vasallen das Recht auf ihr Land und den Schutz der Lehnsherren, und er garantierte den Lehnsherren die Zahlungen und Pflichten der Vasallen ihnen gegenüber.

Dieser Rechtsrahmen war allgemein anerkannt, weil alle davon profitierten, und wurde von allen eingehalten, obwohl es keine allmächtige Polizei gab, die die Einhaltung hätte überwachen können. Und wenn sich doch einmal ein Herrscher stark genug fühlte, das Recht brechen zu können, dann haben sich alle gegen ihn zusammengeschlossen, um das bestehende System und den bestehenden Rechtsrahmen zu schützen. Das funktionierte über mehrere Jahrhunderte, weil niemand im Deutschen Reich so mächtig wurde, dass er bestehendes Recht einseitig brechen oder einseitig zu seinen Gunsten verändern konnte.

Die Lehre daraus – und aus der Geschichte generell – ist, dass Völkerrecht nur dann funktioniert, wenn es allen Beteiligten nutzt und niemand stark genug wird, um ohne Angst vor Konsequenzen machen zu können, was er will und andere einfach zu unterwerfen.

Daher ist das Deutsche Reich des Mittelalters für mich ein hervorragendes Beispiel zum Verständnis dafür, wie Völkerrecht funktioniert, denn ansonsten fallen mir kaum Beispiele oder historische Perioden ein, in denen es einen Rechtsrahmen gegeben hätte, den alle Staaten eingehalten hätten. Es gab stattdessen immer dominante Mächte, die getan haben, was sie wollten, wenn sie sich als mächtig genug empfunden haben.

Das Mittelalter hat nie aufgehört

Die meisten Menschen sehen das Mittelalter jedoch als eine finstere und gesetzlose Zeit, in der Raubritter ihr Unwesen getrieben, Piraten die Meere unsicher gemacht und Könige und Fürsten die Menschen unterdrückt haben. Das Mittelalter gilt für die meisten als eine Zeit der Gesetzlosigkeit, in der nur das Recht des Stärkeren galt. Wer sich stark genug fühlte, überfiel und eroberte seine Nachbarn, raubte Reisende aus und so weiter. So sehen es die meisten Menschen heute, auch wenn Historiker dem in Vielem widersprechen würden, aber darum geht es hier nicht.

Es geht darum, dass dieses „Mittelalter“, in dem nur das Recht des Stärkeren galt, nicht im Mittelalter begonnen und auch bis heute nicht geendet hat. Schon in der Antike, lange vor dem Mittelalter, haben die mächtigen Herrscher ihre schwächeren Nachbarn erobert, versklavt oder zu abhängigen Vasallen gemacht. Das ging im Mittelalter weiter und auch in der Neuzeit und in der Kolonialzeit war das so – und so ist es bis heute.

Ja, es wäre schön, wenn es ein allgemein gültiges Völkerrecht gäbe, an das sich alle halten, denn dann gäbe es keine Kriege und keine Ausbeutung von Staaten durch andere Staaten. Aber de facto ist das heutige Völkerrecht in der Praxis nur eine Art moralischer Rahmen, auf den man sich berufen kann, wenn andere Staaten dagegen verstoßen, der aber in der Praxis leider nicht allzu viel zählt, wie ungezählte Beispiele der letzten Jahre gezeigt haben und wie Trump uns gerade wieder zeigt.

Das heutige Völkerrecht ist ein Kind des Kalten Krieges, das die beiden damaligen Machtpole Sowjetunion und USA geschaffen und an das sich beide mehr oder weniger gehalten haben, weil sie seine Regeln so gestaltet hatten, dass sie ihnen nutzten.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion begann die Zeit der USA als einzige Weltmacht und damit haben die USA das getan, was in der Geschichte immer passiert ist, wenn ein Staat dominant wurde: Die USA haben ihre Vasallen mit Zuckerbrot und Peitsche bei der Stange gehalten und versucht, den Rest der Welt zu dominieren und auszuplündern. Nichts anderes war beispielsweise der Irakkrieg, in dem die USA sich den Zugriff auf das irakische Öl gesichert haben. Nichts anderes waren die Zerschlagung Libyens und all die anderen Kriege, die der US-geführte Westen seit 1990 geführt hat: Sie hatten das Ziel, die Vorherrschaft der USA und ihr „Recht“ darauf, alle anderen auszubeuten, zu sichern.

Wir müssen daher verstehen, dass es kein allgemeingültiges Völkerrecht gibt (und im Grunde nie gegeben hat), sondern dass Staaten, die dazu mächtig genug wurden, schwächere Staaten immer unterdrückt und ausgeplündert haben. Und das ist auch heute nicht anders.

Und ganz wichtig: Das gilt nicht nur für die USA oder aktuell für Trump, wie die europäischen Politiker und Medien uns derzeit weismachen wollen, sondern es gilt auch beispielsweise für die EU, die all ihren Nachbarstaaten ihren politischen Willen aufzwingen will und ungehorsame Staaten (siehe aktuell beispielsweise Georgien oder Serbien) mit Sanktionen und politischem und wirtschaftlichem Druck bestraft.

Wer die reale Geopolitik verstehen will, darf nicht in den Kategorien des Völkerrechts (oder gar in Kategorien von Moral oder irgendwelchen „Werten“) denken, sondern muss in den Kategorien Macht, Interessen und Einflusssphären denken. So war es immer, und manchmal hilft es, sich machtpolitische Vorgänge aus den vergangenen Jahrhunderten anzuschauen, um diese Prozesse zu studieren, und diese Erkenntnisse dann auf die heutige politische Lage anzuwenden. Wenn man sich vor Augen führt, dass genau diese machtpolitischen Interessen (und nicht etwa Moral oder „Werte“) die internationale Politik auch heute noch bestimmen, dann versteht man die heutigen Vorgänge gleich viel besser.

Wie die Medien die Menschen verdummen

Ich wundere mich jedes Mal, wenn ich im Spiegel (oder anderen deutschen Medien) in Artikeln die demonstrative Entrüstung sehe, wenn es dort heißt, Trump (oder Putin oder Xi oder welcher „Bösewicht“ auch immer) denke in Einflusssphären. Das sei mittelalterlich, unmoralisch und böse, während die EU natürlich nur für „Werte“ stehe, also für das Gute kämpfe, und auf keinen Fall in Einflusssphären denke. Ich frage mich bei solchen Artikeln immer, ob die Redakteure wirklich so wenig Ahnung von Geopolitik haben, dass sie den Quatsch selbst glauben, oder ob sie einfach nur ihre Leser hinter die Fichte führen wollen.

Natürlich denkt auch die EU in Einflusssphären, denn nichts anderes erleben wir in der Ukraine, in Moldawien, in Georgien, auf dem Balkan (derzeit vor allem bei Serbien) und im Mittelmeerraum, wenn die EU von diesen Staaten fordert, eine der EU genehme Politik zu machen. Georgien wird von der EU mit Sanktionen bestraft, wenn es Gesetze einführt, die den politischen Einfluss aus dem Ausland (also konkret aus der EU) einschränken sollen, und die EU unterstützt dort offen Putschversuche. Serbien droht die EU mit unangenehmen Folgen, wenn es sich der Russland-Politik der EU nicht anschließt. Moldawien wird mit viel Geld aus der EU in die EU gezogen und die EU sagt sogar offen, dass sie sich in Wahlen in Moldawien einmischt, damit die das gewünschte Ergebnis bringen. Und in der Ukraine unterstützt die EU einen Krieg gegen Russland, wobei der einzige Grund für den Krieg ursprünglich der Wunsch der EU (und damals auch der USA) war, die Ukraine möge NATO-Mitglied werden.

Mit diesen Maßnahmen will die EU ihren „Hinterhof“ kontrollieren, sie sieht die an die EU angrenzenden Länder als ihre Einflusssphäre an. Und das wird in Brüssel ja auch offen gesagt. Um nur ein Beispiel dafür zu nennen, sei an die Aussage von EU-Parlamentspräsidentin Metsola von 2025 erinnert, die die Erweiterung der EU eine „geopolitische Notwendigkeit“ nannte und warnte, dass, wenn die EU es nicht schaffe, die Ukraine, Moldawien und die Länder des westlichen Balkan zu integrieren, „die Lücke von anderen gefüllt werden wird“.

Deutsche Medien haben diese und andere Aussagen von Vertretern der EU oder ihrer Mitgliedsstaaten verschwiegen, weil sie nicht in das gewollte Bild der angeblich nur für “Werte” und Demokratie kämpfenden EU passen.

Das brutale Vorgehen von Trump gegen Venezuela oder in der Grönland-Frage ist nichts anderes, bei ihm berichten die deutschen Medien aber wenigstens, was er sagt. Frühere US-Regierungen haben im Grunde das gleiche getan wie Trump, sie haben das nur nicht so offen gesagt, wie Trump es tut. Vor Trump haben die USA auf NGOs und auf USAID gesetzt, um die öffentliche Meinung in anderen Ländern in die gewollte Richtung zu beeinflussen, und wenn das nicht zum gewollten Ergebnis geführt hat, haben die USA eben Putsche orchestriert, die die westlichen Medien als „demokratische Revolutionen“ präsentiert haben.

Das Ergebnis war das gleiche, wie das, was Trump derzeit in Venezuela erreichen will: Die USA haben andere Staaten unterworfen, indem sie dort Regierungen eingesetzt haben, die der Politik der USA gegenüber treu ergeben sind.

So funktioniert Geopolitik: Man denkt in Einflusssphären und versucht andere Länder, aus dem eigenen Einflussgebiet herauszudrängen. Das ist seit der Antike so und gilt – auch für die EU – bis heute.

Allerdings sind die deutschen Medien der Meinung, dass sie ihren Lesern diese Grundlagen zum Verständnis der Außenpolitik nicht erklären müssen, und faseln daher von „Werten“ und regen sich demonstrativ auf, wenn andere – aktuell Trump – in Einflusssphären denken.

In Russland (und den meisten nicht-westlichen Ländern) berichten Medien übrigens anders, wie Anti-Spiegel-Leser wissen, weil ich so viel aus russischen Medien übersetze. Russische Medien erklären ihren Lesern geopolitische Zusammenhänge und die Interessen der beteiligten Länder, anstatt sie mit irgendwelchen Märchen über angebliche „Werte“ oder Ähnliches zu verdummen.

Warum Dugin einen großen Krieg befürchtet

Nachdem Dugin im ersten Teil seines Artikels die Geschichte des Völkerrechts erklärt hat und dabei, wenn auch auf einem anderen Weg als ich in diesem Artikel, zu dem gleichen Schluss gekommen ist, dass es de facto kein funktionierendes Völkerrecht gibt, sondern dass auf der Welt fast immer das Recht des Stärkeren geherrscht hat und bis heute herrscht, kommt er im zweiten Teil seines Artikels zur aktuellen geopolitischen Lage.

Und die sieht so aus, dass das unipolare Modell der Weltordnung, bei dem die USA ab den 1990er Jahren als einzige Weltmacht die Welt dominiert haben, zu Ende gegangen ist. Dugin sieht derzeit sogar fünf verschiedene Modelle einer künftigen Weltordnung in Konkurrenz zueinander stehen, aber ich will hier nicht so weit ins Detail gehen, und vereinfache es ein wenig, indem ich mich auf den Kampf von zwei Modellen beschränke: Einerseits die USA, die ihre unipolare Weltordnung am liebsten wiederherstellen wollen (auch, wenn das unrealistisch ist), und die Länder, die für eine multipolare Weltordnung eintreten, deren künftige Regeln allerdings erst noch ausgearbeitet und festgelegt werden müssen.

Das aktuelle Völkerrecht, das die USA und die Sowjetunion für den Kalten Krieg erschaffen haben und das in dieser Zeit einigermaßen funktioniert hat, hat mit dem Ende des Kalten Krieges ausgedient und funktioniert nicht mehr, wie wir alle deutlich sehen. Daher wird es irgendwann ein neues Völkerrecht geben müssen, das die neue Weltordnung abbildet und in dieser zumindest einigermaßen funktioniert.

Dugin formuliert es so, dass die verschiedenen Entwürfe eines Völkerrechts – also erstens das offiziell bestehende und auf der UNO basierende Völkerrecht, zweitens das von den USA ab den 90er Jahren faktisch umgesetzte „Recht des Stärkeren“ (auch „regelbasierte Weltordnung“ genannt) und drittens die Ideen eines Völkerrechts für eine multipolare Welt – heute „gleichzeitig wirken und sich natürlich gegenseitig behindern, was zu ständigen Störungen, Konflikten und Widersprüchen führt“. Es komme „zu einem logischen Kurzschluss im Netzwerk, der den Eindruck von Chaos oder einfach nur der Abwesenheit jeglichen Völkerrechts erweckt“, denn „wenn es gleichzeitig fünf miteinander unvereinbare Systeme des Völkerrechts gibt, dann gibt es im Grunde genommen gar keines“.

Danach stellt Dugin fest:

„Die Schlussfolgerung aus dieser Analyse ist sehr beunruhigend. Derart große Widersprüche auf globaler Ebene, ein so tiefer Konflikt der Interpretationen, konnten in der Geschichte fast nie (ehrlich gesagt, überhaupt nie) friedlich gelöst werden. Diejenigen, die sich weigern, für ihre Weltordnung zu kämpfen, werden sofort besiegt. Und sie müssen für die Weltordnung anderer kämpfen, allerdings bereits als Vasallen. Folglich ist ein dritter Weltkrieg mehr als wahrscheinlich. Und im Jahr 2026 ist er wahrscheinlicher als 2025 oder in früheren Jahren. Das bedeutet nicht, dass wir dazu verdammt sind, sondern nur, dass wir uns in einer sehr schwierigen Situation befinden.“

Darauf habe ich, wenn auch mit anderen Formulierungen, schon oft hingewiesen: Wir stehen in einem Kampf der Systeme. Und der wurde in der Geschichte fast nie friedlich ausgefochten und entschieden.

Auf der einen Seite steht das US-System, das andere Staaten unterwerfen und ihnen die Souveränität nehmen will, um sie als Rohstoffquellen und Absatzmärkte für ihre Konzerne zu benutzen. Dieses System will keine souveränen Staaten, wie das Beispiel der EU besonders deutlich zeigt, die die Nationalstaaten am liebsten entmachten und abschaffen will, sondern es wird von denen gelenkt, die von ihm profitieren. Das sind die großen US-Konzerne und ihre Eigentümer, also die US-Oligarchen.

Auf der anderen Seite stehen die Länder, die auf souveräne Staaten und Regierungen setzen und die von den US-Oligarchen kontrollierten NGOs aus ihren Länder fernhalten wollen, weil sie ihre Souveränität nicht an westliche Konzerne und deren Lobbyisten abgeben wollen. Das sind in erster Linie Russland, China und Indien, die Dugin als die „aufstrebenden Pole einer multipolaren Welt“ bezeichnet.

Was das für Europa bedeutet

Die Lage ist realistisch betrachtet also folgende: Niemand braucht mehr auf irgendein Völkerrecht zu hoffen, das die bestehenden Differenzen lösen könnte. Vielmehr dürften wir erleben, wie die Welt nun offen in Einflusssphären aufgeteilt wird, was Trumps Nationale Sicherheitsstrategie ja auch deutlich sagt, denn dort pochen die USA darauf, dass Nord- und Südamerika ihre Einflusssphäre sind, aus der sich alle anderen herauszuhalten haben.

Trumps Angriff auf Venezuela ist eine der logischen Folgen davon und wahrscheinlich werden Länder wie Kolumbien oder Kuba bald Versuche der USA erleben, auch dort die Regierungen zu stürzen und durch den USA gegenüber treu ergebene Regime zu ersetzen. Auch Grönland scheint Trump als Teil dieser Einflusssphäre anzusehen, weshalb es auch dort in irgendeiner Form zum Showdown kommen dürfte. Die Frage ist nur, ob die Europäer einknicken und Grönland in der einen oder anderen Form an die USA abgeben, oder ob Trump auch die Grönland-Frage gewaltsam angehen wird.

Russland, China und Indien sind keineswegs natürliche Partner, sie eint derzeit vor allem, dass sie sich den USA nicht unterwerfen wollen und sich gegen sie verteidigen. Aber sollte das „Problem USA“ aus deren Sicht irgendwann gelöst sein (beispielsweise, weil die USA so geschwächt sind, dass sie außerhalb des amerikanischen Kontinents keine Rolle mehr spielen können), dürften die drei Länder sich, vor allem in Asien, wo sie praktisch Nachbarn sind, ebenfalls um Einflusssphären zu streiten beginnen. Dann wird der Tag der Wahrheit kommen, an dem die große Frage sein wird, ob es ihnen gelingt, sich auf ein neues Völkerrecht zu einigen, das sie alle akzeptieren.

Für Europa sieht die Zukunft hingegen düster aus. Die heute in Europa regierenden Eliten haben sich über Jahrzehnte bequem in ihrer Rolle als Vasallen der USA eingerichtet, die zwar auf politische Souveränität verzichtet haben, von den USA im Gegenzug aber zumindest einen Teil des weltweiten Wohlstandes abbekommen haben.

Diese Zeiten sind offensichtlich vorbei und die Europäer werden kaum in der Lage sein, bei der Schaffung einer neuen Weltordnung auch nur irgendeine Rolle zu spielen. Wirtschaftlich hat Europa in den letzten 30 Jahren weltweit an Einfluss verloren und der Prozess beschleunigt sich dank der explodierten Energiepreise gerade extrem. Militärisch sind die Europäer von den USA abhängig und haben viele moderne Waffensysteme selbst gar nicht entwickelt, sondern sich auf Waffen aus US-Produktion verlassen.

Dass sie gerade noch mehr Waffen in den USA kaufen, wird als eine der größten politischen Dummheiten in die Geschichte eingehen, denn die US-Waffen sind digitalisiert und vernetzt, was bedeutet, dass die USA sie einfach deaktivieren können, wenn sie es möchten. In einem potenziellen Konflikt mit den USA, beispielsweise um Grönland, wären die Europäer daher de facto unbewaffnet und daher noch wehrloser, als es Venezuela gerade gewesen ist.

Digital ist Europa übrigens Dritte Welt, denn es hat keine eigenen Cloudsysteme entwickelt und lagert all seine sensiblen Daten brav in US-amerikanischen Cloudsystemen. Europa hat nicht einmal eigene Internetplattformen und Messenger, die im Informationskrieg der heutigen Zeit so wichtig geworden sind, sondern ist auch auf diesem Gebiet von den USA abhängig.

Damit ist Europa sowohl wirtschaftlich als auch militärisch zu einem Zwerg geworden, der politisch von niemandem mehr ernst genommen wird und nicht einmal medial durchdringen kann, wenn die USA es nicht erlauben. Alleine kann Europa in der internationalen Politik als eigenständiger Akteur nicht wieder entstehen. Und dass die USA die Europäer widerstandslos aus ihrer Einflusssphäre entlassen, ist sehr unwahrscheinlich, weshalb das Schicksal Europas als US-Vasall wohl auf Jahrzehnte in Stein gemeißelt ist.

Europa ist endgültig zum Spielball der Großmächte geworden, so, wie Europa selbst während der Kolonialzeit mit anderen Regionen der Welt gespielt hat. Dass die in Europa regierenden Politiker das nicht wahrhaben wollen, amüsiert den Rest der Welt nur noch. Aber die europäischen Medien vermitteln immer noch den Eindruck, Europa sei, wie man es in den letzten 500 Jahren gewöhnt war, der Nabel der Welt.

Dass das nicht so ist, werden europäische Medien und Politiker wohl erst nach einem sehr schmerzhaften Aufwachprozess bemerken, während die Welt sich längst weitergedreht hat.

Für die Zukunft Europas bedeutet das leider nichts Gutes.

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Dieser Beitrag erschien zuerst am 7. Januar 2026 auf anti-spiegel.ru.

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Globus, Gesetzesbücher und Richterhammer als Symbol für das Völkerrecht
Bildquelle: Billion Photos / shutterstock

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apolut fragt. KI antwortet: Wenn Medien zum Machtinstrument werden

31. Dezember 2025 um 04:51

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apolut fragt. KI antwortet: Wenn Medien zum Machtinstrument werden
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apolut fragt. KI antwortet: Wenn Medien zum Machtinstrument werden

Demokratie lebt vom Streit, nicht vom Stillstand. Sie lebt davon, dass Macht nicht einfach akzeptiert, sondern immer wieder hinterfragt wird: Was tust du? Warum? Für wen? Und wem schadest du dabei?

Diese Fragen zu stellen, ist Aufgabe der Medien. Sie sind nicht dazu da, die Bürger zu erziehen oder politische Maßnahmen zu rechtfertigen. Ihre Rolle ist nicht Bestätigung, sondern Irritation. Die vierte Gewalt war immer gedacht als Kontrollinstanz – als Gegenmacht zur Regierung, nicht als Beiboot.

Doch genau das hat sich in der jüngeren Geschichte umgekehrt.

Medienhäuser, einst Bollwerke der öffentlichen Kontrolle, sind heute oft Akteure einer politischen Haltungsökonomie. Statt Kontrolle der Macht: Kontrolle der Bevölkerung. Statt investigativer Störung: pädagogische Sedierung. Wer nicht folgt, wird geframed – als „rechts“, „unsolidarisch“ oder „gefährlich“.

Corona war der Moment, in dem dieses Umkippen sichtbar wurde: Nicht als Betriebsunfall, sondern als strukturelles Totalversagen.

Es ist Machtmissbrauch – nur in anderer Richtung. Freiheit braucht Medien – aber nicht irgendeine Presse, sondern eine feindliche gegenüber der Macht.
Eine, die sich nicht mit Regierungen verbrüdert, sondern ihnen auf die Finger sieht. Eine, die nicht mit Konzernen kooperiert, sondern deren Netzwerke offenlegt. Eine, die nicht mit Haltung beginnt, sondern mit Recherche.

Demokratie ist keine Pose – sie ist ein System aus Checks and Balances. Und ohne die Medien als unabhängige Kontrollinstanz kippt das Ganze ins Theater.

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»Ich bin kein unbedenklicher Couchgenosse!«

26. Dezember 2025 um 14:01

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Der Philosoph Michael Andrick weigert sich mitzumachen und aalglatt zu werden: Ein Philosoph und Kolumnist hat nicht nette Worte für die Bundesregierung zu erübrigen – er muss sie hinterfragen und ihr auf die Finger klopfen.

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Interview mit Jens Lehrich – Vom Verstand ins Herz

17. Dezember 2025 um 16:05

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Interview mit Jens Lehrich – Vom Verstand ins Herz

„Schaut, womit Ihr in Resonanz geht und probiert das aus! Flexibilität ist die wichtigste Eigenschaft, um Krisen zu meistern – diese Fähigkeit kann trainiert werden." – Jens Lehrich

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The Economist: Der Ukraine-Krieg soll Europa umkrempeln

07. November 2025 um 00:00

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Offiziell soll das Geld Kiew retten, doch in Wahrheit soll es Brüssel stärken. Der Economist fordert 400 Milliarden Dollar, um die EU zu „vereinen“ – …

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AfD-Verbot für einen linken Putsch?

31. Oktober 2025 um 01:41

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Der einzige Grund, warum die linken Parteien mit allen Mitteln ein AfD-Verbot durchdrücken wollen, ist die Machtergreifung. Und die Union? Die zieht auch noch mit. …

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